Städtebaulicher Rahmenplan Neureut-Zentrum III

Vorlage: 2020/0576
Art: Beschlussvorlage
Datum: 18.05.2020
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtplanungsamt
Erwähnte Stadtteile: Knielingen, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Waldstadt

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 21.07.2020

    TOP: 14

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Rahmenplan Neureut
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0576 Dez. 6 Städtebaulicher Rahmenplan Neureut -Zentrum III Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Planungsausschuss 09.07.2020 3 X vorberaten Gemeinderat 21.07.2020 14 X Beschlussantrag Der Gemeinderat wird um Zustimmung zum Städtebaulichen Rahmenplan Neureut–Zentrum III gebeten und um Einleitung des Bebauungsplan-Verfahrens auf dieser Grundlage. Daneben beschließt der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe, die nach § 3 Abs. 1 BauGB vorgeschriebene frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauleitplanung in Form einer erweiterten Darlegung im Amtsblatt der Stadt Karlsruhe durchzuführen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein 300.000 € Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein x Ja Korridorthema: Städtebau Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein x Ja durchgeführt am 16.06.2020 Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Anlass / Ziel Das ca. 24 ha große Areal „Zentrum III“ in Neureut umfasst im nördlichen Bereich die z. T. noch als Gärtnereien genutzten privaten Grundstücke südlich der Unterfeldstraße, sowie die städtischen Flächen mit Adolf-Ehrmann-Bad und Neureuter Festplatz. Zahlreiche sehr schmale, private und teilweise auch städtische Grundstücke schließen daran zwischen Teutschneureuter Straße, Spöcker Straße und Neureuter Querallee an und werden derzeit ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Entsprechend den Darstellungen im Flächennutzungsplan und den im Räumlichen Leitbild auf- gezeigten Entwicklungsmöglichkeiten soll das Plangebiet „Zentrum III“ zu einem neuen Wohn- gebiet (mit den notwendigen Infrastruktureinrichtungen) entwickelt werden Beteiligungsprozess / Städtebaulicher Wettbewerb Der Planungsprozess wurde mit einer Auftaktveranstaltung am 22. September 2016 begonnen; hier wurden erste Anregungen für die Rahmenbedingungen, den Prozess im Allgemeinen und die Aufgabenstellung gesammelt. Grundlage für die Planung des neuen Wohngebietes soll ein städtebaulicher Rahmenplan sein (siehe Beschluss des Planungsausschusses vom 6. April 2017). Für den hierzu durchgeführten städtebaulichen Realisierungswettbewerb wurde die Aufgaben-stellung im Rahmen eines öffentlichen Workshops (14. September 2017) diskutiert; die dabei vorgebrachten Anregungen wurden anschließend eingearbeitet. Der aus diesem Wettbewerb hervorgegangene Siegerentwurf des Büros pesch partner architekten und Stadtplaner GmbH (Stuttgart) in Arbeitsgemeinschaft mit Büro Helleckes Landschaftsarchitektur (Karlsruhe) wurde im Planungsausschuss am 9. Mai 2018 vorgestellt und als Grundlage für die Überarbeitung des Rahmenplans beschlossen. Am 16. Mai 2018 wurde das Wettbewerbsergebnis außerdem in einem öffentlichen Bürger-Workshop vorgestellt; anschließend wurde der Öffentlichkeit im Rahmen einer online-Befragung zusätzlich Gelegenheit zu Rückmeldungen gegeben. Überarbeitung des Wettbewerbsergebnisses Bei der Überarbeitung des Wettbewerbsergebnisses durch die o. g. Büros wurden die von Bürgern, beteiligten Ämtern, Ortschaftsrat und Planungsausschuss vorgebrachten Anregungen geprüft und eingearbeitet: - Überprüfung und Anpassung der Dichte und Gebäudetypologien - Überprüfung und Abstimmung des Nutzungskonzeptes und der notwendigen Infrastruktureinrichtungen (Bad, Schule, KiTa u. a.) - Überprüfung und Überarbeitung von Linienführung und Haltestellen der künftig verlängerten Straßenbahn/Tram - Überprüfung und Anpassungen bei Leitungen, Querschnitten, Stellplätzen, Entwässerungskonzept, Biotopstrukturen, Baumbestand und Anbindung an vorhandenes Wegenetz - Charakterisierung der neuen Grünräume Städtebaulicher Rahmenplan Ziel des Rahmenplans ist es, ein in sich stimmiges, zusammenhängendes, lebendiges und gemischtes Stadtquartier zu schaffen, das den gestiegenen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum berücksichtigt. Dabei soll ein vielfältiges und qualitätvolles Angebot an Wohnbauflächen entwickelt werden, das unterschiedliche Bevölkerungs- und Einkommensgruppen anspricht. Um dem Spannungsfeld zwischen Bodenknappheit und Bevölkerungswachstum, sowie zwischen Energieeffizienz und Wohlfühlen gerecht zu werden, wurde die im Wettbewerb noch relativ hohe Dichte von ca. 200 Einwohnern pro Hektar in eine vertretbare städtebauliche Dichte von ca. 160 Einwohnern pro Hektar angepasst. Das Konzept knüpft dabei an die bestehenden Strukturen an; der Übergang zu den angrenzenden Bestandsbereichen wird an den unterschiedlichen Stellen sehr differenziert gestaltet. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Ein weiteres wichtiges Ziel - auch im Sinne der Klimaanpassung - ist der Umgang mit den öko- logisch wertvollen Landschaftsräumen in Verbindung mit der Entwicklung eines attraktiven Freiraumkonzeptes, das die grüne Prägung und die bestehenden Freiraumverbindungen des Ortes unterstreicht und stärkt. Energetisch und wasserwirtschaftlich zukunftsweisende Konzepte, die an den Klimawandel angepasst sind und den Zielen des Klimaschutzes entsprechen, werden in ihren Grundzügen in den Rahmenplan aufgenommen und sind in der weiteren Planung zu konkretisieren. Darüber hinaus soll ein integriertes, stadtverträgliches Mobilitätskonzept geschaffen werden, das nachhaltiges Verkehrsverhalten fördert (Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 durch das neue Gebiet, Carsharing-Stationen, Anbindung an Radverkehrsnetz etc.). Der Umweltverbund soll gestärkt werden, um negative Auswirkungen des Verkehrs zu minimieren, mit dem Ziel eines möglichst autoarmen Quartiers, welches auch den Umgang mit dem ruhenden Verkehr umfasst. Berücksichtigt werden außerdem Wegebeziehungen für alle Verkehrsarten innerhalb des Plangebiets, sowie Anbindungen an die vorhandenen Netze und Verbindungen. Weiteres Vorgehen / Bebauungsplanverfahren Das Areal ist im geltenden Flächennutzungsplan als geplante Wohnbaufläche dargestellt. Aus- gehend von den Zielen des Räumlichen Leitbildes stellt der Entwurf zur Fortschreibung des Flächennutzungsplanes 2030 die Flächen zudem als geplante Wohnbaufläche und zentrale Grünflächen dar. Der Beschluss des Flächennutzungsplanes 2030 ist noch in diesem Jahr vorgesehen. Auf Grundlage des städtebaulichen Rahmenplans Neureut–Zentrum III soll für das Gesamtgebiet ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Im Rahmen dieses formellen Bebauungsplan-Verfahrens können einzelne Quartiere oder Teilbereiche in Bezug auf die Gebäudehöhen und –typologien noch einmal überprüft und angepasst/modifiziert werden. Außerdem ist es denkbar, einen ersten Teilbereich zwischen Unter- feld- und Teutschneureuter Straße (Hallenbad und Festplatz) vorrangig zu entwickeln und Teilbereiche davon ggf. für besondere Bauformen/Baugruppen zur Verfügung zu stellen, da sich diese Flächen in städtischem Eigentum befinden. Das Bebauungsplanverfahren wird von der Verwaltung durchgeführt, es entstehen hierfür keine Kosten. Darüber hinaus sind jedoch Gutachten zu vergeben, die für das Planverfahren notwendig sind, diese werden zum jetzigen Zeitpunkt auf rund 300.000 Euro eingeschätzt. Eine Verteilung der Kostenanteile wird nach heutigem Kenntnisstand für die nächsten Jahre wie folgt an- gesetzt: 20 % in 2020, 50 % in 2021, 20 % in 2022, 10 % in 2023. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit nach § 3 Abs. 1 BauGB wäre wegen des zu erwartenden erheblichen öffentlichen Interesses normalerweise in Form einer Bürgerversammlung durchzuführen. Da aufgrund der Pandemie solche Veranstaltungen wohl bis auf Weiteres nicht möglich sind, soll diese ersatzweise in Form einer erweiterten Darlegung im Amtsblatt der Stadt Karlsruhe durchgeführt werden. Dies bedeutete im Einzelnen: Bekanntmachung der Öffentlichkeitsbeteiligung mit Auszug aus der Begründung zum Bebauungsplan, Möglichkeit der Einsichtnahme in die Planunterlagen über Internet, beim Stadtplanungsamt und bei der Ortsverwaltung Neureut. Sowohl im Internet als auch beim Stadtplanungsamt (wenn möglich auch bei der Ortsverwaltung Neureut) wird ein sprachlich unterlegter Power-Point-Vortrag zur Verfügung gestellt, Ergänzende Erläuterungen Seite 4 bei dem die Planung der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Im Stadtplanungsamt besteht auch die Möglichkeit, sich die Planung erläutern zu lassen. Sowohl im Internet, als auch beim Stadtplanungsamt und bei der Ortsverwaltung Neureut können innerhalb von zwei Wochen Anregungen und Einwendungen zur Planung abgegeben werden. Zur Umsetzung des Planvorhabens ist darüber hinaus die Durchführung eines Bodenordnungs- verfahrens erforderlich. Die Überarbeitung des Wettbewerbsergebnisses und der daraus entwickelte städtebauliche Rahmenplan werden im Ortschaftsrat Neureut und im Planungsausschuss vorgestellt Beschluss: Antrag an den Gemeinderat – nach Vorberatung im Planungsausschuss – Der Gemeinderat wird um Zustimmung zum Städtebaulichen Rahmenplan Neureut–Zentrum III gebeten und um Einleitung des Bebauungsplan-Verfahrens auf dieser Grundlage. Daneben beschließt der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe, die nach § 3 Abs. 1 BauGB vorgeschriebene frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauleitplanung in Form einer erweiterten Darlegung im Amtsblatt der Stadt Karlsruhe durchzuführen.

  • Anlage Rahmenplan Neureut
    Extrahierter Text

    Rahmenplan Neureut-Zentrum III Dokumentation der Rahmenplanung Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Korridorthema Impressum Herausgegeben von Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt Leiterin: Prof. Dr.-Ing. Anke Karmann- Woessner Unter Mitwirkung von pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Stuttgart helleckes landschaftsarchitektur, Karlsruhe Projektleitung Sigrun Hueger, Bereichsleiterin Bereich Städtebau, Stadtplanungsamt Karin Lorenz, Stadtplanungsamt Rahmenplan Neureut Zentrum III pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, BDA | SRL Mörikestraße 1 70178 Stuttgart helleckes landschaftsarchitektur, BDLA Stephanienstrasse 15 76133 Karlsruhe Text und Redaktion Philip Schmal, Irina Mattiesson; pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Stuttgart Stefan Helleckes, Leander Neuhaus; helleckes landschaftsarchitektur, Karlsruhe Karin Lorenz, Stadtplanungsamt Karlsruhe Druck Rathausdruckerei, Recyclingpapier Auflage 50 Exemplare Stand Mai 2020 2 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Vorwort Die hohe Attraktivität Karlsruhes als Wohn- und Arbeitsort führt weiterhin zu steigenden Einwohner- und Haushaltszahlen. Die Nachfrage nach Wohnraum ist somit ungebrochen. Dadurch bedingt ist das Thema Wohnen in den vergangenen Jahren auch zunehmend zu einer sozialen Frage geworden. Selbst Familien mit mittleren Einkommen und mehreren Kin- dern haben immer mehr Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das erklärte Ziel der Stadt, neuen Wohnraum für alle Einkommensgruppen anzubieten, ist daher eine der zentralen Aufgaben für die nächsten Jahre. Eine qualifizierte Innenentwicklung und Baulü- ckenschließung innerhalb bestehender Quartiere reicht allerdings nicht aus; neue Siedlungs- flächen an den Ortsrändern müssen erschlossen werden, um den Bedarf zu decken. Im Stadtteil Neureut – mit seinen mehr als 18.200 Einwohnern auch infrastrukturell ein bedeutender Schwerpunkt, der gut an die Innenstadt angebunden ist – zeigt das Räumliche Leitbild Karlsruhe Entwicklungspotenziale auf. Um das hier formulierte Ziel „Mehr Wohnen“ zu erreichen, sollen insbesondere die aufgezeigten Stoßrichtungen „Klare Konturen“ und „Grüne Adressen“ umgesetzt werden, damit die Stadt an dieser Stelle qualifiziert wachsen kann. Die Übergänge zwischen Stadt und Landschaft und die innere Kontur zwischen den Stadtteilen können dadurch sichtbar und erlebbar gemacht, sowie die Freiräume als Stand- ortfaktor, aber auch als Maßnahme für die Klimaanpassung aufgewertet werden. Im sogenannten Zentrum III bietet sich jetzt die Möglichkeit, neue Wohnbauflächen zu schaf- fen, die einen wichtigen Impuls für die Entwicklung von Neureut und auch von Karlsruhe insgesamt geben können. Für Neureut ergibt sich durch diese Entwicklung die Chance, die Verbindung zu den umliegenden Siedlungsteilen zu knüpfen und damit den ganzen Stadtteil in seiner Struktur, Identität und Charakteristik zu qualifizieren. Auf Grundlage eines europaweiten Wettbewerbsverfahrens liegt nun der städtebauliche Rahmenplan vor, durch den im Wesentlichen zwei unterschiedliche Charakteristika geschaf- fen werden: Einerseits werden eindeutig abgegrenzte Siedlungscluster mit klar ablesbaren Raumkanten gebildet, in denen vielfältiges, qualitätvolles Wohnen entsteht. Andererseits werden unter- schiedliche, qualifizierte Grünräume miteinander verbunden, sowie mit den angrenzenden Grünzügen und Landschaftsräumen verknüpft und so zum Beispiel im Süden eine Verbin- dung zum alten Flugplatz hergestellt. Zusätzliche ergänzende Infrastrukturnutzungen runden die Wohnquartiere ab und geben neue Impulse, die ganz Neureut positiv stärken werden. Ich freue mich, Ihnen dieses gelungene Rahmenkonzept vorstellen zu können, dessen Planung die Basis zur Konkretisierung der zukünftigen Bauflächen bildet. Die zahlreichen Anregungen im Rahmen des bisherigen Beteiligungsprozesses haben dabei wertvolle Diskus- sionsanstöße für den Planungsprozess erbracht. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Stadtplanungsamt | 3 4 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 1: Rahmenplan, Lageplan Inhaltsverzeichnis 1. Anlass und Ziele 6 2. Rahmenbedingungen 8 2.1 Lage 8 2.2 Vorgeschichte 8 2.3 Einbindung und städtebauliches Umfeld 8 2.4 Straßennetz 8 2.5 ÖPNV 8 2.6 Radverkehr 10 2.7 Ruhender Verkehr 10 2.8 Klimaanpassung im Quartier 10 2.9 Natur- und Artenschutz 10 2.10 Naturräumliche Gegebenheiten 10 2.11 Planungsrechtliche Rahmenbedingungen 10 3. Partizipatorischer Planungsprozess 12 4. Städtebaulicher Realisierungswettbewerb Neureut-Zentrum III 14 5. Städtebaulicher Rahmenplan Neureut 16 5.1 Städtebauliche Leitidee 18 5.2 Städtebauliche Kennzahlen und Dichte 21 5.3 Vertiefung der Teilquartiere und Grünräume 24 5.4 Freiraum und Parklandschaft 34 5.5 Stadtverträgliches Mobilitätskonzept 36 5.6 Quartierserschließung 37 5.7 Straßenraumcharaktere 38 5.8 Energie- und Wassermanagement 40 6. Ausblick 42 Stadtplanungsamt | 5 1. Anlass und Ziele Der Wohnungsmarkt in Karlsruhe ist sehr angespannt. Aufgrund der Entwicklungen in den letzten Jahren fehlt es insbesondere an bezahlbaren Wohnraumangeboten. Gemäß dem landespolitischen Ziel „Innenentwicklung vor Außen- entwicklung” rücken besonders gut integrierte Lagen in den Fokus der Stadtentwicklung. Das Räumliche Leitbild Karlsruhe hat im Stadtteil Neureut große Entwicklungspotenziale erkannt. Besonders das Gelände zwischen der Unterfeldstraße, Teutschneureuter Straße, Spöcker Straße und Neureuter Querallee im zentralen Bereich des Stadtteils bietet eine große Chance, neue Wohnbauflächen zu generieren und den bestehenden Stadtteil mit attraktiven Wohnrau- mangeboten zu ergänzen. Der Stadtteil kann auf eine konti nu ier li che Entwick lung der Einwohner zahl und Infra struk tur zurück bli cken. Heute leben hier mehr als 18.200 Menschen. Mit seinen zahlreichen öffentlichen und privaten Infrastrukturangeboten ist der Stadtteil ein wichtiger Schwerpunkt im Norden von Karlsruhe. Der vorliegende städtebau- liche Rahmenplan soll als Grundlage für die qualifizierte Steuerung der langfristigen städtebaulichen Entwicklung des Stadtteils dienen. Im Zuge des Bearbeitungsprozesses „Rahmenplan Neureut-Zentrum III“ wurde zunächst ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt und darauf aufbauend der vorliegende Rahmenplan ausgearbeitet. Der gesamte Prozess wurde durch die Öffentlichkeit begleitet. Wichtige Ziele für den Rahmenplan Neureut sind die Ausgestaltung des zentralen Grünzugs im Wettbewerbsgebiet, der geographischen Mitte Neureuts, die Weiterentwicklung der separaten Siedlungsge- biete zu einer zusammenhängenden Struktur sowie die Herausbil- dung einer stadträumlichen Identität. Sozialverträglichkeit Im Zuge der Innenentwicklung steht vor allem die angemessene und verträgliche Integration der neuen Wohnquartiere in den Be- stand im Vordergrund. Durch die Integration und Entwicklung wird dem Plangebiet ermöglicht, sich als ein städtebauliches Ganzes mit eigener städtebaulicher Struktur, Identität und Charakteristik zu qualifizieren. Zusätzlich ist die Mobilisierung des mindergenutzten Areals ein wichtiges Ziel. Die angrenzende Umgebung weist eine gute Anbindung und Erschließung auf, an die das Plangebiet an- knüpfen und sich somit in einer ressourcenschonenden Siedlungs- weise in die Umgebung integrieren kann. Das Ziel, ausreichend zusätzliche Wohnbauflächen mit hohen Qualitätsstandards zu entwickeln, erfordert insbesondere eine sozialverträgliche und durchmischte Konzeption. Dabei werden innovative Lösungen für den Bevölkerungszuwachs sowie Quartiere mit lebendigen Nachbarschaften und Nachbarschaftszentren ange- strebt. Hierzu wird insbesondere ein ausgewogenes Verhältnis von Baumasse und Freiraum verfolgt, um eine kompakte und angemes- sen dichte Bauweise zu schaffen. Charakter und Identifikation Die Neu- und Weiterentwicklung des Plangebiets bietet die einma- lige Chance für Neureut eine neue Adresse auszubilden und eine Vernetzung der umliegenden Quartiere zu ermöglichen. Dadurch kann gleichzeitig die Attraktivität des Stadtteils an sich erhöht und die Schaffung lokaler Identitäten gefördert werden. Es ist deshalb besonders erforderlich, die neuen Wohnflächen behutsam in die vorhandene Stadtstruktur zu integrieren, um eine hohe Identifika- tion der Menschen mit den neuen Quartieren zu ermöglichen und dadurch eine gute Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu schaffen. Abb. 2: Stadtplanausschnitt Neureut mit Plangebiet 6 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 4: Blick in Richtung Evangelische Kirche Neureut Abb. 6: Blick von der Neureuter Querallee in Richtung Neureut Zentrum II Abb. 7: Unterfeldstraße Abb. 5: Gärtnereien an der Unterfeldstraße Abb. 9: Blick von der Neureuter Querallee in Richtung Badische Neuste Nachrichten Abb. 8: Adolf-Ehrmann-Bad und Unterfeldstraße Abb. 3: Blick auf das Plangebiet (Blickrichtung Süd) Stadtplanungsamt | 7 2.1 Lage Das Plangebiet liegt im Stadtteil Neureut am nördlichen Rand des Karlsruher Stadtbezirks etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. In nördlicher Richtung grenzt Neureut unmittelbar an die Gemarkung der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen an. Die um- liegenden Karlsruher Stadtteile sind Knielingen, die Nordweststadt, die Nordstadt sowie die Waldstadt. Neureut weist sowohl eine gute Anbindung an das Hauptverkehrsnetz, als auch an den ÖPNV auf. 2.2 Vorgeschichte Neureut ist eine ehemals selbstständige Landgemeinde mit sowohl historisch dörflichem, als auch modernem Charakter. Entlang der heutigen Neureuter Hauptstraße hat sich aus gewachsenen dörflichen Strukturen ein infrastrukturell gut ausgebauter Stadtteil entwickelt. Um 1699 diente der Stadtteil als Zufluchtsort für französische Hu- genotten. Zu dieser Zeit lag der Siedlungsschwerpunkt im südlichen Bereich des heutigen Stadtteils Neureuts (ehemals Teutschneureut), welcher als Gebietsteil den Namen Welschneureut erhielt. 1935 wurde die Siedlung Welschneureut in das Dorf Teutschneureut eingegliedert und der Gemeindenamen Neureut (Baden) eingeführt. Die damaligen Gemeindebenennungen sind heute in den Straßen- namen wiederzufinden. In den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs diente Neureut erneut als Zufluchtsort für Flüchtlinge. Zu dieser Zeit wuchs die Gemeinde vor allem im Gebietsteil Kirchfeld (östlich der Linkenhei- mer Landstraße). Hier entstand 1959 die amerikanische Kaserne. Durch den enormen Einwohnerzuwachs der Nachkriegszeit musste die gesamte öffentliche Infrastruktur neugeplant werden. Teile des ehemals militärisch genutzten Areals wurden seit 2005 als neu entstandenen Neubaugebiet Kirchfeld Nord überplant. Die sukzessive Entwicklung Neureuts spiegelt sich in seiner zum Teil heterogenen Bebauung aus verschiedenen Bauzeiten wider, die nach unterschiedlichen städtebaulichen Leitbildern entstanden sind. 2.3 Einbindung und städtebauliches Umfeld Im Umfeld des Plangebiets sind hauptsächlich Wohnnutzungen vorzufinden. Diese schließen vor allem nördlich, nordöstlich und südwestlich an. Im Süden wird das Plangebiet durch die Neureuter Querallee begrenzt. Südlich davon befindet sich eine wichtige Kalt- luftschneise, die langfristig frei von Bebauung gehalten wird. Nördlich entlang der Teutschneureuter Straße sowie nordöstlich entlang der Hauptverkehrsstraße Linkenheimer Landstraße schließt vor allem Wohnbebauung an. Diese setzt sich hauptsächlich aus Mehrfamilienhäusern und Doppelhaus- sowie Reihenhausbebauung zusammen. Im südlichen Teil sind Gebäude für gewerbliche Nutzungen der BNN und das Brunhilde-Baur-Haus vorzufinden. Im Südwesten grenzt ein dichter Siedlungsbereich an, der als zweites Zentrum Neureuts gilt. Dort befindet sich, neben der zeilenförmigen Wohnbebauung, die Badnerlandhalle Karlsruhe, die als multifunktionales Veranstaltungszentrum eine große Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten bietet. Am Neureuter Platz liegen die für Neureut wichtigsten Nahversorger, Dienstleister und Einzelhändler und weiter im Südwesten, das Schulzentrum Neureut mit einer Sportanlage, eine Jugendmusikschule sowie ein Seniorenzentrum. Im Plangebiet selbst befindet sich an der Unterfeldstraße im Norden das Adolf-Ehrmann-Bad, der Festplatz sowie der Kinder- und Ju- gendtreff („Trafohäusle“) und im Westen Flächen von Gärtnereien. 2.4 Straßennetz Das Plangebiet ist über die südlich verlaufende innerörtliche Hauptverkehrsstraße Neureuter Querallee an das Straßennetz an- gebunden. Über diese wird der Verkehr südlich auf die übergeord- nete Linkenheimer Landstraße (L605) geführt, welche in Richtung Norden in die B36 mündet und somit eine direkte Anbindung an die überregionalen Ziele (Mannheim/Ludwigshafen) bietet. In Richtung Süden mündet die L 605 in die Willy-Brandt-Allee K 9656 und den Adenauerring, welche beide in das Innenstadtgebiet Karlsruhes führen. Eine grundlegende Anbindung an das Hauptverkehrsnetz ist folglich gewährleistet. Im Norden wird das Areal durch die Teutschneureuter Straße begrenzt, die nach einer Abbiegung ebenfalls in die Linkenheimer Landstraße mündet. Der weitere Verlauf der Teutschneureuter Stra- ße führt in Richtung Südosten über einen Feldweg, der für Rad- und Fußverkehr zur Verfügung steht. Im Osten grenzt die Spöcker Straße an, die südlich im Kreisverkehr endet, über welchen auch die Neu- reuter Querallee führt. Im Westen schließt die Unterfeldstraße an. 2.5 ÖPNV Der Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr ist im Plan- gebiet durch die Stadtbahnlinie S1 sowie S11 gegeben. Diese führen von Bad Herrenalb (S1) und Ittersbach (S11) über den Hauptbahnhof und die Innenstadt nach Hochstetten (Landkreis Karlsruhe). Das Plangebiet ist über drei Haltestellen auf der Unter- feldstraße (Bärenweg, Adolf-Ehrmann-Bad und Kirchfeld) angebun- den, wobei die Haltestelle Adolf-Ehrmann-Bad mit circa 200 bis 300 Meter fußläufig am nächsten zu erreichen ist. Derzeit werden die drei Haltestellen jeweils im 10 bis 20-Minuten Takt bedient. Die Fahrtzeit bis zum Zentrum (Haltestelle Marktplatz) beträgt circa 20 Minuten. Die Haltestelle Bärenweg bietet mit der Buslinie 72 eine inner- örtliche Anbindung nach Kirchfeld Nord und Neureut Friedhof. Über diese sind weitere Anschlüsse an die Buslinie 73 (Haltestelle Kirchfeld Nord) Richtung Innenstadt sowie die Linie 71 Richtung Heidehof gegeben. 2. Rahmenbedingungen 8 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Stadtplanungsamt | 9 Abb. 10: Luftbild Neureut Kirchfeld Nord Zentrum Neureut Neureut Zentrum II Hardtwald Heide Kirchfeld 2.6 Radverkehr Das Plangebiet wird von Radrouten des Haupt- und Nebennetzes umschlossen. Von besonderer Bedeutung für den Fuß- und Rad- verkehr ist die Brücke über die Linkenheimer Landstraße in Höhe Kiefernweg, welche die Stadtteile verbindet, als Schulweg genutzt wird und als Verbindung zum Hardtwald zur Naherholung dient. 2.7 Ruhender Verkehr Im Bereich der nördlichen Unterfeldstraße ist das öffentliche Parken im seitlichen Straßenraum erlaubt, die Stellplätze sind auch als Park & Ride-Plätze ausgewiesen. An der nordöstlich verlaufenden Teutschneureuter Straße sind ebenfalls öffentliche Parkplätze angeordnet. Die beiden Hauptverkehrsstraßen, Neureuter Queral- lee (südlich) und die Spöcker Straße (östlich), lassen gegenwärtig keinen öffentlich ruhenden Verkehr zu. 2.8 Klimaanpassung im Quartier Neben den stark verdichteten innerstädtischen Siedlungsflächen Karlsruhes, wird zukünftig auch das südwestlich an das Planungs- gebiet angrenzende und zuletzt in den Siebzigerjahren entstandene, zweite Siedlungszentrum von einer klimatischen Belastung betrof- fen sein (siehe auch Klimaanpassungsplan). Aufgrund dieser Entwicklungen liegt ein besonderer Fokus auf den Freiflächen des Plangebiets: Um die Verdunstung zu fördern und die Aufheizung innerhalb des Quartiers zu mindern, sind die neu zu planenden öffentlichen Räume klimatisch aufzuwerten. Eine direkte Anbindung der einzelnen Siedlungskörper an Grün- und Freiflächen kann hierbei von Vorteil sein. Das innere Grünsystem wird durch gewünschte Grünverbindungen und zu sichernde Kaltluftbahnen vorgegeben. Eine zu beachtende Luftleitbahn verläuft südlich unter- halb des Gebietes (Ost nach West). 2.9 Natur- und Artenschutz Im Plangebiet befinden sich nach § 30 BNatSchG/§ 33 NatSchG BW gesetzlich geschützte Biotope (Feldgehölze zwischen Neureut und Kirchfeld). Die Flächen nördlich und südlich der Neureuter Querallee gehören dem Naturraum „Hardtplatten“ an und sind durch großflächige Flugsandflächen und Binnendünengebiete ge- kennzeichnet. Im Plangebiet sind neben den gärtnerisch genutzten Flächen im Nordosten Getreideäcker mit Ackerwildkräutern und Feldgehölze vorhanden. Das Planungsgebiet hat derzeit einen offenen Landschaftscharakter. Künftige Ausgleichsmaßnahmen und eine entsprechende Grün- planung sollen auch weiterhin diese landschaftliche Prägung und Standortgunst erhalten. 2.10 Naturräumliche Gegebenheiten Aus landschaftstypologischer Sicht besteht das Plangebiet über- wiegend aus kleinteiliger, landwirtschaftlich genutzter Fläche, soge- nanntem Grabeland und schließt an die südlich gelegene Neureuter Feldflur an. 2.11 Planungsrechtliche Rahmenbedingungen Regionalplan Der Regionalplan Mittlerer Oberrhein 2003 weist für den angren- zenden Bereich entlang der Linkenheimer Landstraße eine „Sied- lungsfläche (überwiegend gewerbliche Nutzung), Bestand“ aus, sowie für den gesamten übrigen Bereich des Plangebietes einen „regionalplanerisch abgestimmte(n) Bereich für Siedlungserweite- rung“. Dieser erstreckt sich auch auf die südlich gegenüberliegende Fläche der Neureuter Querallee. Alle weiteren umgebenden Flächen des Gebietes weist der Regionalplan als „Siedlungsfläche (überwie- gend Wohn-/Mischnutzung), Bestand“ aus. Flächennutzungsplan (FNP) Gültig ist der Flächennutzungsplan 2010 des Nachbarschafts- verbandes Karlsruhe (NVK). Für den südlichen Bereich weist der Flächennutzungsplan eine geplante Wohnbaufläche aus. Diese be- findet sich nördlich der Neureuter Querallee und grenzt südöstlich an die bestehende gewerbliche Fläche (Badische Neueste Nachrich- ten Badendruck GmbH und Brunhilde-Baur-Haus). Derzeit wird der Flächennutzungsplan 2010 (2030), ebenso wie der Landschaftsplan fortgeschrieben. Für die Fortschreibung des FNP wird für die Wohnbauflächen, als Anhalts- bzw. Orientierungs- wert, eine Bevölkerungsdichte von circa 150 Einwohner pro Hektar vorgeschlagen. Für das Rahmenplangebiet sieht der Flächennutzungsplan grund- sätzlich Wohnbauflächen vor, welche im südlichen Teilbereich künftig durch einen geplanten in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Grünkorridor durchzogen werden. Dieser umfasst eine Fläche von 4,3 Hektar und soll die Weiterentwicklung und Verbindung der Freiflächen gewährleisten. Auch im Räumlichen Leitbild Karlsruhe ist die Freiraumstärkung und Aufwertung als wesentliches Ziel formuliert. Bebauungsplan Für das gesamte Planungsgebiet besteht kein rechtskräftiger Be- bauungsplan. Auf Grundlage des Rahmenplans „Neureut Zentrum- III“ soll ein Bebauungsplan entwickelt werden. Die umliegenden Gebiete sind durch gültige Bebauungspläne planungsrechtlich gesichert. Abb. 11: Übersicht der bestehenden Grünzüge bzw.-verbindungen im Plangebiet 10 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 13: Ausschnitt aus dem Flächennutzungsplan (FNP) 2030, 2. Entwurf Abb. 12: Übersicht der Grünverbindung mit angedachter Baufläche in Neureut aus dem Räumlichen Leitbild, Stand April 2016 Stadtplanungsamt | 11 Der Rahmenplan für Neureut wurde in einem breit angelegten und transparenten partizipatorischen Planungsprozess erarbeitet. Die Auftaktveranstaltung zum Rahmenplan fand am 22. September 2016 als Informationsveranstaltung über den Prozess im Allgemei- nen und die allgemeinen Rahmenbedingungen statt. Zudem wur- den während der Veranstaltung Anregungen und Interessen für den Prozess und die Aufgabenstellung des Wettbewerbs gesammelt. Im Rahmen der Prüfung neuer Wohnbauflächen in Neureut kamen bürgerschaftliche Einwände auf. Ihre Befürchtung lag auf einer zukünftigen Überbelastung der Hauptverkehrsstraßen, als Folge der neuen Quartiersentwicklung. Aufgrund dessen wurde eine Verkehrsuntersuchung durchgeführt. Deren Ergebnisse wurden am 5. April 2017 in einer zweiten öffentlichen Informationsveranstal- tung vorgestellt und thematisiert. 3. Partizipatorischer Planungsprozess Um die Aufgabenstellung des Wettbewerbs weiter zu konkreti- sieren, konnten Bürgerinnen und Bürger in einem öffentlichen Workshop am 14. September 2017 Hinweise und Anmerkungen einbringen und gemeinsam diskutieren. Im Rahmen der Veranstal- tung wurden zudem drei Bürgervertreterinnen und Bürgervertreter gewählt, die das Wettbewerbsverfahren begleiteten und als Vertre- ter der öffentlichen Meinung fungierten. Das Wettbewerbsverfahren fand im Zeitraum von Oktober 2017 bis April 2018 statt. Das Preisgericht tagte am 13. April 2018. Ziel des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs war die Entwicklung der Planungen für ein funktionales und modernes Stadtquartier, welches den übergeordneten, kleinräumigen und ortsbezogenen Anforderungen gerecht wird und gleichzeitig den gestiegenen Be- darf an bezahlbarem Wohnraum berücksichtigt. Zudem waren eine hohe städtebauliche Qualität sowie gelungene baulich-räumliche und sozioökonomische und ökologische Strukturen gefordert. Das Konzept sollte sich in die bestehenden Zielsetzungen des räumli- chen Leitbilds Karlsruhe sowie des Integrierten Stadtteilentwick- lungskonzepts Neureut 2020 einordnen. Gefordert war eine hohe städtebauliche Qualität und gelungene baulich-räumliche sowie sozioökonomische und ökologische Strukturen. Insgesamt wurden zwölf Arbeiten von der Jury beurteilt. Der 1. Preis ging an das Team pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Stuttgart mit helleckes landschaftsarchitektur, Karlsruhe. Im Anschluss an das Wettbewerbsverfahren wurde die Öffentlichkeit in einer weiteren Veranstaltung am 16. Mai 2018 über das Wettbe- werbsergebnis informiert. In der Veranstaltung wurden Anregungen zum Siegerentwurf der Bürgerinnen und Bürger aufgenommen, welche in die weitere Ausgestaltung des Rahmenplans mit einflie- ßen konnten. Zusätzlich fand im Zeitraum vom 3. Juli bis zum 12. September 2018 eine Onlinebefragung zum Entwurfstand des Rahmenplans statt. In dieser wurden erneut Ideen und Anregungen zum Rahmen- plan abgefragt und zur gemeinsamen Diskussion eingeladen. Abb. 14: Öffentlicher Workshop 12 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Prozess im Allgemeinen, Rahmenbedingungen Weitere Vorgehensweise undPräsentationder Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung Wahl von Bürgervertreterinnen und Bürgervertretern, die dasWettbewerbsverfahren begleiten undan der Preisgerichtssitzungteilnehmen Auslobung desWettbewerbes Juryvorbesprechung Preisgerichtssitzungmitgewählten Vertreterinnen undVertretern 13. April 2018 Vorstellung desWettbewerbsergebnissesmit Sammlung von Anregungen zur Weiterbearbeitung des Rahmenplans Auftaktveranstaltung 22. September 2016 Öffentliche Informationsveranstaltung 16. Mai 2018 ÖffentlicheInformationsveranstaltung und Workshop zur Konkretisierung der Aufgabenstellung 14. September 2017 Überarbeitung des Rahmenplanes Informationsveranstaltung 5. April 2017 Rückfragenkolloquium für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen undalle weiteren Interessierten 25. Januar 2018 Online-Befragung Juli-September 2018 Beschluss des Rahmenplanes als Grundlage für Bebauungsplan GR Juni2020 Abb. 15: Darstellung Planungsprozess Stadtplanungsamt | 13 4. Städtebaulicher Realisierungswettbewerb Neureut-Zentrum III Im Beurteilungstext der Jury heißt es: „Der städtebauliche Entwurf ist geprägt von vier Siedlungsabschnit- ten, die in sich funktionierende Quartiere bilden und gleichzeitig sehr differenziert auf den vorhandenen heterogenen Baubestand reagieren. Besonders gelungen ist in dieser Arbeit die in der Landschaftspla - nung und städtebaulichen Entwicklung homogen und insgesamt herausgearbeitete Leitidee einer differenzierten Öffnung und Verengung der Baustrukturen, öffentlichen Räume und Freiflächen. Diese nehmen sehr differenziert die Charakteristik und Qualität der Wegeführung aus dem Bestand auf. Auch aus ökologischer Sicht, hier insbesondere die Öffnung des Landschaftsraums nach Süden, wird besonders begrüßt, da hierdurch das geschützte Biotop erhalten wird. Die Freiraumplanung bietet unterschiedliche Räume: die Freihal - tetrasse wird durch einen Gehölzbestand in seiner Linienführung gestaltet, die Wegeführung zur Kirche erfährt mit einer Öffnung einen besonderen Eintritt in das neue Gebiet. Nach Südosten öffnet sich die Fläche schrittweise zu einer naturnahen Fläche in den über - geordneten Landschaftsraum und wird aber als gliederndes Element als öffentlicher Raum in die östliche Siedlungsfläche geführt. An diesem offenen Platz liegen Einkaufsmöglichkeiten, Versorgungsein- richtungen und Schule, auch eine Nutzung als Festplatz ist denkbar. (...) Als Baukörper bilden Kita und Seniorengerechtes Wohnen den südlichen Abschluss zum Landschaftsraum. Gegenüber liegt bereits ein Mehrgenerationenhaus. Das prägnante und sehr differenzierte Freiraumkonzept – geprägt durch die Verknüpfung von urbanen Freiräumen zu Landschaftsräumen – wurde von der Jury deshalb in besonderer Weise positiv hervorgehoben. Auch bei der schrittweisen Realisierung der Baufelder entstehen von Anbeginn an tragfähige Freiraumstrukturen. Abb. 16: Wettbewerbsergebnis, Lageplan 14 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Die Quartiersstruktur ist geprägt durch kleine, in ihrer Größe ange- messene Quartiersmittelpunkte und einer Körnung der Bebauung, die sehr unterschiedliche Dichten und Wohnungstypologien zulässt, auch innovative Wohnformen. Die hohe Dichte wurde kritisch bewertet und deshalb sollte der Entwurf im Hinblick auf eine höhere Qualität mit geringerer Dichte überarbeitet werden. Insbesondere betrifft dies die Eckausbildungen der Quartiere. Die Flexibilität des robusten Grundkonzeptes wird hingegen positiv beurteilt, da hier eine Modifizierung gut denkbar bei der weiteren Bearbeitung möglich wäre. Das Mobilitätskonzept sieht Tiefgaragen durchgängig vor, um den Individualverkehr in den Quartieren zu reduzieren bzw. weitge - hend zu vermeiden, ergänzt durch eine Mobilitätsstation mit Car-/ Bikesharing dezentral in verschiedenen Quartieren. Dennoch wurde ein höherer Erschließungsanteil festgestellt, der bei einer weiteren Bearbeitung im Sinn eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes über - prüft und reduziert werden sollte. Als besonders positiv hebt die Jury die Entscheidung hervor, die Linienführung der Tram in das Gebiet selbst zu führen. Die Quer - schnittsgestaltung und die Lage der Haltestellen müsste jedoch von der Fachplanung überprüft werden und die Konflikte mit den Tiefgaragenzufahrten deutlich reduziert werden. Dies gilt in gleicher Weise für die Zuwegung aus Richtung Kirchfeldbrücke in den östli - chen Siedlungsbereich. Um die Anbindung an den ÖPNV für alle neuen Quartiere sinnvoll nutzen zu können, muss die Zuwegung aus allen Flächen ergänzt werden. (...)“ Abb. 17: Wettbewerbsergebnis, Modellausschnitt Stadtplanungsamt | 15 5. Städtebaulicher Rahmenplan Neureut Der Rahmenplan „Neureut-Zentrum III” wurde von den Büros pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Stuttgart und helleckes landschaftsarchitektur, Karlsruhe in enger Zusammenar- beit mit der Stadt Karlsruhe erarbeitet. Der Rahmenplan Neureut stellt für die Gesamtstadt eine wichtige Entwicklungsfläche dar. Um lebendige Quartiere und eine bessere Flächennutzung zu erhalten, wird nach einer bestmöglichen Kom- bination der Funktionen Wohnen, Freizeit und Erholung gesucht. Dabei ist speziell der Frage nachzugehen, wo welche Mischungen sinnvoll sind und welche Nutzungen an bestimmten Stellen vermie- den werden sollten. Mit der qualitätsvollen Entwicklung der Fläche bietet sich für den Stadtteil Neureut die einmalige Chance, eine Verbindung zu den umliegenden Siedlungsbereichen zu schaffen und zugleich den Stadtteil zu einem städtebaulichen Ganzen mit eigener städtebaulicher Struktur, Identität und Charakteristik weiterzuentwickeln. Folgende Belange spielen im Rahmenplan eine zentrale Bedeutung und wurden auf Grundlage des Wettbewerbsergebnisses weiterent- wickelt: „„ Die Entwicklung eines in sich stimmigen, zusammenhängenden, lebendigen und gemischten Stadtquartiers, das den gestiegenen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum berücksichtigt. „„ Die Bereitstellung eines vielfältigen und qualitativen Angebots an hochwertigen Wohnbauflächen, das unterschiedliche Bevöl- kerungs- und Einkommensgruppen anspricht und den demogra- fischen Wandel berücksichtigt. „„ Die Prüfung einer angemessenen Dichte, die dem Spannungsfeld zwischen Bodenknappheit und Bevölkerungswachstum sowie zwischen Energieeffizienz und Wohlfühlen gerecht wird. „„ Der Umgang mit ökologisch wertvollen Landschaftsräumen in Verbindung mit der Entwicklung eines attraktiven Freiraumkon- zepts, das die grüne Prägung und die bestehenden Freiraumver- bindungen des Ortes unterstreicht und stärkt, auch im Sinne der Klimaanpassung. „„ Die Entwicklung eines integrierten, stadtverträglichen Mobilitäts- konzepts, das für das Plangebiet ein nachhaltiges Verkehrsver- halten fördert. „„ Die Stärkung des Umweltverbunds, um die negativen Auswir- kungen des Verkehrs zu minimieren und ein autoarmes Quartier anzubieten, welches den Umgang mit dem ruhenden Verkehr umfasst. „„ Die Berücksichtigung von Wegebeziehungen für alle Verkehrs- arten innerhalb des Plangebiets sowie die Anbindung an die vorhandenen Netze. Die Funktionen des öffentlichen (Verkehrs-) Raums sollen in das Gesamtkonzept eingebettet sein und sich quartiersprägend in der Gestaltung des öffentlichen (Straßen-) Raums widerspiegeln. „„ Energetisch und wasserwirtschaftlich zukunftsweisende Konzep- te, die an den Klimawandel angepasst sind und den Zielen des Klimaschutzes entsprechen. Abb. 18: „Offenland“ mit Blick auf die „Neureuter Terrasse“ 16 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Stadtplanungsamt | 17 Abb. 19: Rahmenplan, Lageplan wie beispielsweise freie Genossenschaften oder Baugruppen. Bei der Entwicklung von größeren Einheiten, sollen die Träger motiviert werden, ihre Baumaßnahmen als Einzelgebäude mit unterschiedli- chen Architekturbüros zu entwickeln. Ein attraktiver Freiraumverbund vernetzt die Quartiere untereinan- der und mit dem Bestand. Zusätzlich hält dieser die Ventilationsbah- nen der Karlsruher Innenstadt in Verlängerung des alten Flugplatzes offen. Daneben greift der Grünraum den Fuß- und Radverkehr von der Brücke über die Linkenheimer Landstraße in Höhe Kiefernweg auf, welche die Stadtteile verbindet, als Schulweg genutzt wird und als Verbindung zum Hardtwald zur Naherholung dient. Durch die zentrale Entwurfsidee der „Neureuter Terrasse“ wird die Landschaft mit der Bebauung verwoben und bildet einen einzigarti- gen Stadtraum. Die „Neureuter Terrasse“ steht für das Zusammen- spiel von urbaner Dichte und landschaftlicher Weite und prägt die Identität des neuen Quartiers. 5.1 Städtebauliche Leitidee Das neue Quartier greift den durchgrünten Charakter der ehema- ligen selbständigen Landgemeinde Neureut auf. Die zukünftigen Neureuter Bürgerinnen und Bürger wohnen urban und landschafts- nah, in überschaubaren Nachbarschaften mit individuellem Charme. Die bestehenden Quartiere Neureuts werden durch die Neuplanung zu einem städtebaulichen Ganzen mit einer eigenen städtebauli- chen Struktur und Charakteristik zusammengeführt. Die aus der Umgebung abgeleitete städtebauliche Körnung ermöglicht die Mischung unterschiedlicher Gebäudetypologien und Wohnformen, was zu einem lebendigen und gemischten Stadtquartier beisteuert. In allen Nachbarschaften ist die Integration von öffentlich geförder- tem Wohnungsbau vorgesehen. Die vorgeschlagene Baustruktur er- laubt die Bildung von Parzellen für unterschiedliche Konstellationen Abb. 20: Strukturelle Einbindung (Schwarzplan) 18 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Städtebauliche Siedlungscluster Das neue Quartier knüpft in vielfältiger Weise an die umliegenden Siedlungsstrukturen an. Gleichzeitig bildet es einen ganz eigenstän- digen Charakter aus. Fünf markante Teilquartiere bilden eindeutig abgegrenzte Siedlungscluster mit ablesbaren Raumkanten aus, die sich über ihre individuelle städtebauliche Körnung mit dem beste- henden Umfeld verzahnen. Großzügig ausgestaltete Grünräume unterstützen die Charaktere der einzelnen Teilquartiere und binden diese zu einem qualifizierten großen Ganzen zusammen. Klar abgegrenzte Wohnquartiere In den dadurch entstehenden klar abgegrenzten Wohnquartieren kann vielfältiges, qualitätvolles Wohnen entstehen. Dabei entstehen durch gezielt gesetzte Zuwegungen zu den öffentlichen Freiräumen in den einzelnen Teilquartieren identifizierbare Nachbarschaften. Je- des Teilquartier erhält einen zentralen Quartiersplatz als Treffpunkt für die Anwohner und ist nochmals in kleinere Quartiershöfe unter- gliedert. Diese gruppieren sich um jeweils einen gemeinschaftlichen Nachbarschaftshof. Die Ausgestaltung als Blockstruktur ermöglicht somit öffentliche Quartiersplätze und halböffentliche Wohnhöfe zur gemeinsamen Nutzung durch die Anwohner. Private Freibereiche sind darüber hinaus zusätzlich vorgesehen. „„ Im zentralen Bereich der „Lebendigen Mitte“ ist eine dichte Blockrandbebauung vorzufinden, die sich an den Rändern zum Bestand hin, über die Reduzierung von Geschossen und Integra- tion von Townhouses auflockert. Im Zentrum des Quartiers befin- det sich der eingebundene Stadtteilplatz„Neureuter-Terrasse“ der als bedeutender Ankerpunkt mit der angrenzenden Fußgängerzone und Nahversorgungsfunktion dient. „„ Im Nordosten liegt das „Waldquartier“. Es weist eine klein- teilige Struktur mit offener Bauweise auf, welche den Erhalt des Baumbestands in weiten Teilen erlaubt. Aufgrund seiner zentralen Lage an der Bestandshaltestelle „Adolf-Ehrmann-Bad“ werden weitere öffentliche Nutzungen am Auftaktplatz zum Ortskern angesiedelt. „„ Im Nordwesten liegt das „Gärtnereiquartier“ im Bereich der bestehenden Gärtnereiflächen. Das Teilquartier orientiert sich an der kleinteiligen Baustruktur entlang der Unterfeldstraße. Es werden hier überwiegend Townhouses angeordnet, die die kleinteilige Struktur aufgreifen. Zur Unterfeldstraße, wie auch zum Grünraum zeigt das Quartier eine geschlossene Raumkante. „„ Entlang der Neureuter Querallee, im „Parkquartier“, entstehen kompakte Baukörper als Blockrandbebauung mit einer Dichte, die sich am Bestand des Siedlungsbereiches „Neureut II“ orien- tiert und zur Neureuter Querallee eine geschlossene Raumkante ausbildet und sich zum südöstlich liegenden Grünraum über Punkthäuser auflockert. „„ Das südöstlich gelegene „Galeriequartier“ bildet eine geschlossene Kante zur bestehenden Gewerbenutzung aus und öffnet sich in Richtung Grünraum über Punkthäuser zu einer aufgelockerten Stadtsilhouette. Diese bildet ein Gegenüber zu den Punkthäusern des Parkquartiers. Dabei fungiert die östliche geschlossene Raumkante als Lärmpuffer. Abb. 21: Städtebauliche Siedlungscluster Stadtplanungsamt | 19 Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Maßstab (im Original) M 1:5.000 0 500 Format im Original DIN A 3 Stand: 27. März 2020 Brunhilde-Baur-Haus Schule Kita Pflege- und Servicewohnen Studentisches Wohnen Evtl. Öffentliche Nutzung Adolf Ehrmann Bad Evtl. öffentliche Nutzung Wohngebäude Öffentliche Nutzung Wohngebäude mit Nahversorger, Einzelhandel und Dienstleistungen im EG Qualifizierter Landschaftsraum Die bauliche Kante zum Landschaftsraum erfordert aufgrund ihrer exponierten Lage und der bestehenden Weite des Landschafts- raums besondere Beachtung. Zu den Grünraumen soll eine klare Stadtkante ausgebildet werden, die der Weite der Grünräume standhalten kann und den Dichtebedürfnissen der Umgebungsbe- bauung gerecht wird. Die Neureuter Feldflur wird als offene Landschaft zwischen Tiefge- stade und Hardtwald sowie als Teil der großen Nord-Süd-Achse in Verlängerung des alten Flugplatzes zu einer hochwertigen inneren Landschaft weiter qualifiziert. Differenzierte Freiraumtypologien binden die Siedlungsbereiche Neureuts zu einem gesamtheitlichen Stadtteil mit einer Vielzahl von Identifikationsorten zusammen. Dabei dient die Weiterentwicklung der grünen Infrastruktur glei- chermaßen der Verknüpfung mit Rad- und Fußwegen, der Adressbil- dung, der Versickerung von Regenwasser und der Sicherung von Kaltluftbahnen und der Biotopvernetzung: „„ Von Süden öffnet ein durch urbane Landwirtschaft gepräg- ter Raum die weiten Blickbeziehungen. Die Gliederung des Freiraums folgt der Ausrichtung der alten Flurgrenzen. Der westliche Siedlungsrand wird durch eine Kompositon aus neuen Feldgehölzen,Obstbäumen, Kiefern-Eiche-Gruppen und exten- siven Wiesen räumlich gegliedert und erlaubt eine Erlebbarkeit von den Rändern her. „„ Der offene Landschaftsraum mündet in der „Neureuter Terrasse“ als zentralem Platzraum. Dieses städtebauliche Gelenk am neu- en Straßenbahnhaltepunkt leitet über in das „Grüne Zimmer“ und die neue „Parkallee“ zum alten Dorfkern. „„ Das „Grüne Zimmer“ ist als kleiner Park nutzungsoffen mit Wiese und Baumgruppen geprägt. „„ Der neue „Nord-Süd-Boulevard“ ist der Lückenschluss der Grünverbindung nach Kirchfeld-Nord mit Aktivitätsfeldern wie Spielplätzen und kleinen Sportflächen. „„ An der Gürrichstraße bildet ein kleiner Auftaktplatz vom Ortskern Neureuts kommend den Auftakt in das neue Grünsystem. Abb. 22: Nutzungskonzept Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Maßstab (im Original) M 1:5.000 0 500 Format im Original DIN A 3 Stand: 27. März 2020 Brunhilde-Baur-Haus Schule Kita Pflege- und Servicewohnen Studentisches Wohnen Evtl. Öffentliche Nutzung Adolf Ehrmann Bad Evtl. öffentliche Nutzung Wohngebäude Öffentliche Nutzung Wohngebäude mit Nahversorger, Einzelhandel und Dienstleistungen im EG Ergänzende Nutzungen als neue Impulse Ziel des Entwurfs ist eine angemessene Durchmischung der Bewohnerstrukturen in überschaubaren Nachbarschaften. In diesem Sinne werden wichtige soziale Infrastrukturen, wie das Pflege- und Service- wohnen und die Kindertagesstätte im Zentrum des Quartiers angeordnet. Beide Nutzungen werden durch die neue Haltestelle „Neureuter Terrasse“ hervorragend angebunden. Angrenzend an den Platz „Neureuter Terrasse“ befinden sich in der Erdgeschosszone Dienst- leistungen, Nahversorgung und Einzelhandel. Vorstellbar wären an dieser Stelle ebenso ein Biomarkt, ein Café und ein Restaurant. An der Unterfeldstraße kann das neue Adolf- Ehrmann-Bad auf der Fläche des jetzigen Festplatzes entstehen. Nach dem Neubau können sich auf der Fläche des abgebrochenen Bades eine neue Grundschule und eventuell ergänzende weitere öffentliche Nutzungen aus- bilden. Die Anordnung nahe am bestehenden zentralen Bereich Neureuts und der bestehen- den Haltestelle „Adolf-Ehrmann-Bad“ sorgt für eine gute Verknüpfung des neuen Gebiets mit dem Bestand. 20 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III 5.2 Städtebauliche Kennzahlen und Dichte Die Fläche des Rahmenplans „Karlsruhe Neureut-Zentrum III“ ist hervorragend an den ÖPNV angebunden und liegt im geografischen Mittelpunkt Neureuts. Ortsteilrelevante Infrastrukturen befinden sich lediglich wenige hundert Meter entfernt. Im Sinne eines sparsamen Umgangs mit Grund und Boden bietet es sich daher an, das Gebiet einer zeitgemäßen Ausnutzung mit einer höheren Wohnungsdichte zuzuführen. Für die Fortschreibung des Flächennutzungsplans wer- den für die Wohnbauflächen aus dem städtebaulichen Entwurf des Rahmenplans wichtige Anhalts- beziehungsweise Orientierungswer- te abgeleitet. In Bezug zu den umgebenden Bestandsgebieten wird für die Entwicklung Neureuts III eine Bevölkerungsdichte von circa 150 Einwohner pro Hektar als angemessen erachtet. Aus der Dich- te von 150 Einwohner pro Hektar errechnen sich für das Plangebiet circa 2.500 Einwohnern (bereits abzüglich der Grünzüge). Das Wettbewerbsergebnis zeigte ein deutlich dichteres Konzept mit rund 200 Einwohner pro Hektar (bereits abzüglich der Grünzüge). Mit dem Rahmenplan soll dieser Dichtewert auf Verträglichkeit geprüft werden mit dem Ziel, sich den 150 Einwohnern pro Hektar anzunähern. In einer 3D-Dichtestudie wurde die Prüfung der Gebäudehöhen bezogen auf die Gebäudehöhen der Umgebungsbebauung vor- genommen und zusätzlich Townhouses ergänzt, um eine größere typologische Mischung für die Teilquartiere zu schaffen. Diese städtebauliche Struktur ermöglicht auf Folgendes einzugehen: Die heute vorhandenen zahlreichen kleinteiligen Grundstücke können auch nach der Umsetzung des Rahmenplans wieder einer Vielzahl an Eigentümern und Eigentümerinnen zugeteilt werden. Durch die Prüfung der Anschlusspunkte in der 3D-Dichtestudie wur- de deutlich, dass 150 Einwohner pro Hektar nicht ausreichend sind, um stadträumlich eine angemessene Stadtsilhouette zum Offenland und einen starken Rücken zum Gewerbegebiet im Bereich des Galeriequartiers ausbilden zu können. Aus diesen Gründen wurde der städtebauliche Entwurf an ausgewählten Stellen entsprechend angepasst. Im Ergebnis entsteht eine angemessene Dichte von 160 Einwohnern pro Hektar mit circa 2.670 Einwohnern. Gebäude öffentliche Erschließungsfläche/Freiflächen private Grünfläche Bruttobauland (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland GebäudehöhenFlächennutzung Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Stand: 12. Mai 2020 Fünfgeschossiges Gebäude Viergeschossiges Gebäude Zweigeschossiges Gebäude Dreigeschossiges Gebäude Eingeschossiges Gebäude Sechsgeschossiges Gebäude Zweieinhalbgeschossiges Gebäude Städtebauliche Kennzahlen Gesamter Rahmenplan ca. 24 Hektar Bruttobauland 100 % ca. 16,7 Hektar (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland 70 % ca. 11,7 Hektar öffentliche Erschließungsflächen/Freiflächen 30 % ca. 5 Hektar Einwohner pro Hektar 160 Einwohner ca. 2.670 Wohneinheiten ca. 1.400 (bei 1,9 Einwohner pro Wohneinheit) Gebäude öffentliche Erschließungsfläche/Freiflächen private Grünfläche Bruttobauland (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland GebäudehöhenFlächennutzung Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Stand: 12. Mai 2020 Fünfgeschossiges Gebäude Viergeschossiges Gebäude Zweigeschossiges Gebäude Dreigeschossiges Gebäude Eingeschossiges Gebäude Sechsgeschossiges Gebäude Zweieinhalbgeschossiges Gebäude Städtebauliche Kennzahlen Gesamter Rahmenplan ca. 24 Hektar Bruttobauland 100 % ca. 16,7 Hektar (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland 70 % ca. 11,7 Hektar öffentliche Erschließungsflächen/Freiflächen 30 % ca. 5 Hektar Einwohner pro Hektar 160 Einwohner ca. 2.670 Wohneinheiten ca. 1.400 (bei 1,9 Einwohner pro Wohneinheit) Abb. 23: FlächennutzungAbb. 24: Gebäudehöhen Städtebauliche Kennzahlen Gesamter Rahmenplan ca. 24 Hektar Bruttobauland 100 % ca. 16,7 Hektar (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland 70 % ca. 11,7 Hektar öffentliche Erschließungsflächen/Freiflächen 30 % ca. 5 Hektar Einwohner pro Hektar 160 Einwohner ca. 2.670 Wohneinheiten ca. 1.400 (bei 1,9 Einwohner pro Wohneinheit) Gebäude öffentliche Erschließungsfläche/Freiflächen private Grünfläche Bruttobauland (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland GebäudehöhenFlächennutzung Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Stand: 12. Mai 2020 Fünfgeschossiges Gebäude Viergeschossiges Gebäude Zweigeschossiges Gebäude Dreigeschossiges Gebäude Eingeschossiges Gebäude Sechsgeschossiges Gebäude Zweieinhalbgeschossiges Gebäude Städtebauliche Kennzahlen Gesamter Rahmenplan ca. 24 Hektar Bruttobauland 100 % ca. 16,7 Hektar (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland 70 % ca. 11,7 Hektar öffentliche Erschließungsflächen/Freiflächen 30 % ca. 5 Hektar Einwohner pro Hektar 160 Einwohner ca. 2.670 Wohneinheiten ca. 1.400 (bei 1,9 Einwohner pro Wohneinheit) Gebäude öffentliche Erschließungsfläche/Freiflächen private Grünfläche Bruttobauland (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland GebäudehöhenFlächennutzung Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Stand: 12. Mai 2020 Fünfgeschossiges Gebäude Viergeschossiges Gebäude Zweigeschossiges Gebäude Dreigeschossiges Gebäude Eingeschossiges Gebäude Sechsgeschossiges Gebäude Zweieinhalbgeschossiges Gebäude Städtebauliche Kennzahlen Gesamter Rahmenplan ca. 24 Hektar Bruttobauland 100 % ca. 16,7 Hektar (Bezugswert ohne Hallenbad) Nettobauland 70 % ca. 11,7 Hektar öffentliche Erschließungsflächen/Freiflächen 30 % ca. 5 Hektar Einwohner pro Hektar 160 Einwohner ca. 2.670 Wohneinheiten ca. 1.400 (bei 1,9 Einwohner pro Wohneinheit) Stadtplanungsamt | 21 Abb. 25: 3D-Dichtestudie (Ergebnis 160 Einwohner pro Hektar) 22 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Zentrum Neureut Waldquartier Gärtnereiquartier Parkquartier Evangelische Kirche Neureut Neureut Zentrum II Stadtplanungsamt | 23 Lebendige Mitte und Neureuter Terrasse Galeriequartier Kirchfeld Gewerbegebiet Abb. 26: Auszug Rahmenplan, Teilquartier „Lebendige Mitte“ Lebendige Mitte und Neureuter Terrasse Lage Das Teilquartier „Lebendige Mitte“ befindet sich an zentraler Stelle des Rahmenplans „Neureut-Zentrum III“ und ist von den einzelnen Teilquartieren schnell erreichbar. Dort liegt der zentrale Platz „Neu- reuter Terrasse“ mit einer neuen Haltestelle der Straßenbahnlinie 3. Der Platz ist baulich klar gefasst. Eine höhere Geschossigkeit der südlichen Baukörper markiert den Übergang zum „Offenland“. Nutzung Rund um die „Neureuter Terrasse“ entsteht das urbane Herz des neuen Quartiers. Mit einem Café, Nahversorgung, Dienstleistungen und Einzelhandel in den Erdgeschossen sowie Wohnen in den Ober- geschossen entsteht eine lebendige Mischung. Dabei kann ein dem Ort angemessener Besatz beispielsweise mit Biomarkt, Bäckerei oder Café positive Auswirkungen auf das öffentliche Leben haben. Das Service- und Pflegewohnen sowie die Kita ergänzen die urbane Nutzungsmischung rund um die „Neureuter Terrasse“. Die neue Haltestelle der verlängerten Tramlinie 3 bringt zusätzlich Frequenz in die neue Mitte. Abb. 27: Auszug aus 3D Modell, Teilquartier „Lebendige Mitte“ 5.3 Vertiefung der Teilquartiere und Grünräume 24 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Freiraum und Atmosphäre Mit dem Teilquartier „Lebendige Mitte“ wird ein urbaner Mittel- punkt und Identifikationsort des neuen Wohnquartiers geschaffen. Die „Neureuter Terrasse“ als zentraler urbaner Platz verknüpft das Offenland mit dem „Grünen Zimmer“ und leitet in dieses über. Gleichzeitig wird hier das Bild zwischen landschaftlicher Weite und urbaner Dichte geprägt. Die „Neureuter Terrasse“ bildet auch einen wichtigen Auftakt für das „Zentrum III“ und weiter in den alten Ortskern für die aus Kirchfeld-Nord kommenden Fahrradfahrer und Fußgänger. Wasserspiel, Baumquartiere, Sitzmöglichkeiten für die angrenzen- den Nutzungen definieren den urbanen Raum in seiner Gestaltung. Die Terrasse wird südlich durch eine Kante akzentuiert. Leicht abge- hoben ergeben sich Blickbeziehungen in die südliche offene Feldflur. Die Parkpromenade und das belebte Zentrum laden zum Flanieren und Verweilen ein. Abb. 33: Platzgestaltung, Lyon Abb. 28: BUGA, Heilbronn Abb. 29: Hafencity, HamburgAbb. 30: Seestadt, Wien Abb. 32: BUGA, Heilbronn Gestaltungsbeispiele Abb. 31: BUGA, Heilbronn Stadtplanungsamt | 25 Waldquartier und Nord-Süd-Boulevard Lage Im „Waldquartier“ werden die wertvollen Bestandsbäume weitest- gehend erhalten. Dadurch wird ein Viertel mit einer ganz eigenen Prägung erzeugt. Punktförmige Stadtvillen mit Geschosswohnungs- bau in mittlerer Dichte nehmen Wohnraum für Baugruppen und engagierte Gemeinschaftsprojekte auf. Um den Baumbestand zu sichern, wird in Teilbereichen auf Tiefgaragen verzichtet und im nordöstlichen Bereich eine Quartiersgarage mit Doppelparkern für den gesamten Bereich angeboten. Nutzung Für dieses Quartier eignen sich alternative Trägerschaften wie Baugruppen besonders gut, um gemeinsam mit der Stadt entspre- chende autofreie Konzepte zu entwickeln. Zusätzlich kann das neue Adolf-Ermann-Bad auf dem jetzigen Fest- platz verortet werden. Direkt angrenzend kann eine neue Grund- schule entstehen und ergänzend weitere Gebäude für öffentliche Nutzungen. Die Haltestelle der S-Bahn 1 und 11 „Adolf-Ehrmann- Bad“ bedient beide Nutzungen. Abb. 34: Auszug Rahmenplan, Teilquartier „Waldquartier“ 26 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 35: Auszug aus 3D-Modell, Teilquartier „Waldquartier“ Freiraum und Atmosphäre Mit dem „Waldquartier“ entsteht ein zukunftsweisendes, ruhiges und autoarmes Wohnquartier im Grünen, das in direkter Nachbar- schaft zu den öffentlichen Einrichtungen steht. Der angrenzende „Nord-Süd-Boulevard“ bietet umfangreiche Angebote für Freizeitaktivitäten. Ausgestaltet als grünes Sport- und Spielband schließt dieser die bestehende Grünverbindung zwischen „Neureut-Zentrum II“ und „Kirchfeld-Nord“ und stärkt diese zugleich. Im „Nord-Süd-Boulevard“ sind Aktionsfelder wie Spielplätze, kleinere Sportfelder aber auch Fitnessgeräte verortet. Die vorhandenen Feldgehölze werden aufgenommen und thema- tisch im Parkkonzept weiterentwickelt. So binden unter anderem neue Feldgehölzstrukturen die verschiedenen Nutzungen räumlich ein. Der grüne Boulevard wird an den Rändern mit angemessen gro- ßen Fuß- und Radwegen gerahmt. Diese führen gleichzeitig auch das übergeordnete Radwegenetz fort. Abb. 41: Volleyballfeld, Günther-Klotz-Anlage, Karlsruhe Abb. 39: Spielbereich im Citypark, Karlsruhe Abb.40: Spielfeld Spoor Noord, Antwerpen Abb. 37: Baugruppe Killesberg, Stuttgart Abb. 38: IBA Wilhelmsburg, HamburgAbb. 36: Baugruppe Killesberg, Stuttgart Gestaltungsbeispiele Stadtplanungsamt | 27 Abb. 42: Auszug Rahmenplan, Teilquartier „Gärtnereiquartier“ Gärtnereiquartier und Parkallee Lage Das „Gärtnereiquartier“ liegt auf den Flächen der Gärtnereibetriebe und antwortet in Wohntypologie und Dichte auf die vorhandene nördlich anschließende Bebauung aus Reihen- und Doppelhäusern. Mit dreigeschossigen Townhouses oder gestapelten Maisonetten wird eine angemessene Dichte erreicht. Nutzung Es ist ein reines Wohnquartier vorgesehen. Den Townhouses und Erdgeschosswohnungen sind jeweils kleine Gärten zugeordnet. Nordwestlich ist ein Auftaktplatz verortet, der zusätzlich als Orientierungspunkt für die ankommenden Besucher der Haltestelle „Adolf-Ehrmann-Bad“ dienen kann. Am Platz sind weitere öffentli- che Nutzungen angedacht. 28 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 43: Auszug aus 3D-Modell, Teilquartier „Gärtnereiquartier“ Abb. 45: Baumallee, Basel Freiraum und Atmosphäre Das Teilquartier „Gärtnereiquartier“ ist ein kleinteilig überschauba- res Wohnquartier mit Nähe zum Zentrum Neureuts. Der nordwestlich gestaltete Platz bildet den Auftakt ins neue Grünsystem. Gleichzeitig fungiert dieser als Verknüpfungspunkt der neuen städtebaulichen Struktur des Zentrum III mit der vorhande- nen Bebauung Neureuts. In Verbindung mit einer Außengastrono- mie kann hier eine schöne Eingangsgeste entstehen. Die in Verlängerung zum Platz verlaufende „Parkallee“ bindet den Bestand an die im Planungsgebiet neu gestalteten Freiräume an. Dabei schließt sie an bestehendes Grün wie den ehemaligen Fried- hof an und stärkt die Verbindungsachse bis hin zum alten Neureuter Ortskern mit evangelischer Kirche. Abb. 47: Gastronomie am Schlosspark, Karlsruhe Abb. 44: Townhouses auf Borneo, AmsterdamAbb. 46: Stadthäuser b44 Dragonerkaserne, Karlsruhe Abb. 48: Military Hospital, Antwerpen Abb. 49: Military Hospital, Antwerpen Gestaltungsbeispiele Stadtplanungsamt | 29 Abb. 50: Auszug Rahmenplan, Teilquartier „Parkquartier“ Parkquartier und Grünes Zimmer Lage Das „Parkquartier“ ist ebenfalls zentral gelegen und entwickelt sich von der Neureuter Querallee nach Nordosten. Vier Wohnhöfe gruppieren sich um einen kleinen Quartiersplatz. Die Wohnhöfe reagieren auf starken Verkehrs- und Freizeitlärm mit einer geschlossenen Bauweise und überwiegendem Geschosswoh- nungsbau. Zum südwestlich gelegenen Landschaftsraum öffnen sich die Höfe mit Punkthäusern. Nutzung Neben dem vorgesehenen studentischen Wohnen am Quartiersein- gang liegt eine zentrale Mobilitätsstation, hier wird, zusätzlich zu Carsharing- und Elektromobilitätsangeboten eine Packstation für Lieferdienste verortet. In der Packstation kann die Umverteilung der Pakete vom Kleintransporter auf Lastenfahrräder erfolgen. Die direkte Nähe zum geplanten Fahrradschnellweg entlang der Neu- reuter Querallee ist hier von großem Vorteil. Abb. 51: Auszug aus 3D-Modell, Teilquartier „Parkquartier“ 30 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 57: IBA Wilhelmsburg, Hamburg Freiraum und Atmosphäre Das „Parkquartier“ ist ein urbanes Quartier zwischen dem Quartier „Lebendige Mitte“ und dem bestehenden Zentrum Neureut II. Das im Nordosten anschließende „Grüne Zimmer“ stellt eine kleine Parkanlage zwischen den Teilquartieren dar. Grundlage bildet hier eine offene Wiese auf der sich Bäume gruppieren und an heißen Sommertagen für den nötigen Schatten sorgen. Das „Grüne Zim- mer“ liegt etwas tiefer als die umlaufenden Wege, sodass sich an den Seiten der Bebauung Sitzkanten entwickeln. Der nutzungsoffene Wiesenpark bietet Platz zum Liegen, Picknicken, Entspannen, Ball und Frisbee spielen und allem, was den Benutzern beliebt. Abb. 55: Schlosspark, KarlsruheAbb. 56: Otto-Dullenkopf-Park, Karlsruhe Abb. 52: BUGA, Heilbronn Abb. 54: IBA Wilhelmsburg, Hamburg Abb. 53: BUGA, Heilbronn Gestaltungsbeispiele Stadtplanungsamt | 31 Abb. 58: Auszug Rahmenplan, Teilquartier „Galeriequartier“ Galeriequartier und Offenland Lage Im Westen grenzt das „Galeriequartier“ an das Betriebsgelände der Badischen Neuesten Nachrichten an. Das neue Wohnquartier orientiert so, dass sich die schmalen Innenhöfe zum Landschafts- raum orientieren. Der nach Westen offene Rand wirkt als Membran, der den Bewohnerinnen und Bewohnern im Innern der Baufelder den Blick in die Landschaft freigibt. Eine heterogene Baustruktur mit verschiedenen Gebäudetypen wie Blockrand, Zeilen, Punkt- und Reihenhäusern ermöglicht vielfältige Wohnformen. Nutzung Bis auf eine Fläche im Süden überwiegt die Wohnnutzung. Der südliche Abschluss des Quartiers wird für eine mögliche öffentliche Nutzung vorbehalten und bildet ein Gegenüber zum Brunhilde- Baur-Haus. Das Brunhilde-Baur-Haus beherbergt aktuell ein Mehrgenerationenwohnen, betreute Wohnmöglichkeiten und eine Kindertagesstätte. Abb. 59: Auszug aus 3D-Modell, Teilquartier „Galeriequartier“ 32 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 65: Allmende-Kontor-Gemeinschaftsgarten, BerlinAbb. 64: City Park, Karlsruhe Freiraum und Atmosphäre Das „Galeriequartier“ ermöglicht durch die im Osten geschlossene Bebauung ein ruhiges Wohnen zum grünen Innenhof. Den größten Flächenanteil der geplanten Grünräume nimmt das „Offenland“ ein. Die freigehaltene Fläche nimmt Bezug auf den im Süden angrenzenden Freiraum der Neureuter Feldflur, der einen Freiraumverbund bis zum alten Flugplatz bildet. Das „Offenland“ endet an der „Neureuter Terrasse“, wo sich Blickbeziehungen in die Ferne ergeben. Die Pocket Parks am Rande des Galeriequartiers öffnen sich zum „Offenland“ mit Blick auf die gegenüberliegenden Biotopstrukturen am „Parkquartier“ und unterstützen die Erlebbarkeit der Weite. Durch die zur Spöcker Straße geschlossene Bebauung ergibt sich ein ruhiges Wohnen zum grünen Innenhof. Ausgerichtet an den vorgefundenen Flurstücksgrenzen eröffnet sich ein großes Feld für urbane Landwirtschaft. Hier können neben kleinbetrieblicher und extensiver Landnutzung auch Bereiche für zu pachtendes Grabeland vorgesehen werden. So findet ein regelmä- ßiger Umbruch auf den Feldern der Selbstversorgung und Nachbar- schaftsgärten statt, womit man auch unerwünschten Dauergehöl- zen gegensteuert und eine offene Feldflur erhält. Gefasst wird das „Offenland“ durch baumüberstandene Fuß- und Radwege. Dieser Raum wird von den Rändern her erlebt. Besonders am westlichen Siedlungsrand des Parkquartiers sollen neue Feldgehölze aus Kiefern-Eichen-Gruppen und Obstgehölzen die bestehenden Vegetationsstrukturen ergänzen und Ersatz für entfallende Biotope schaffen. Extensive Wiesen können dort auch etabliert werden. Abb. 60: Wohnpark am Ebenberg, LandauAbb. 61: Wohnpark am Ebenberg, LandauAbb. 62: BUGA, Heilbronn Abb. 63: Military Hospital, Antwerpen Gestaltungsbeispiele Stadtplanungsamt | 33 Nord-Süd-Boulevard Spiel- und Sport Parkallee Offenland Grabeland/Selbstversorgung/ Kleinbetrieb/Nachbarschaftsgärten Neureuter Terrasse Erhalt des Baumbestands Pocket Parks Grünes Zimmer Multifunktionaler Wiesenpark Öffentliches Grün Private Innenhöfe Nachbarschaftsplätze Urbanes Zentrum und Promenade Vernetzung Grünkorridor Abb. 66: Grünsystem und Freiräume 5.4 Freiraum und Parklandschaft Die Lebensqualität in den fünf bebauten Teilquartieren wird durch öffentliche Freiräume mit viel Grün und Aufenthaltsqualität gestei- gert. Dazu zählen die „Neureuter Terrasse“, das „Offenland“, das „Grüne Zimmer“, der „Nord-Süd Boulevard“ und die „Parkallee“. Der Zuschnitt der Wohnquartiere hält die Frischluftschneisen der Karlsruher Innenstadt in Verlängerung des alten Flugplatzes offen. Die jeweiligen Quartiersplätze sind als begrünte Nachbarschafts- plätze für ein besseres Mikroklima ausformuliert. Sie müssen dabei in gleicher Weise den Aspekten des sozialen Miteinanders wie auch dem Umgang mit zukünftigen Wetterereignissen gerecht werden. Innerhalb der einzelnen Wohnhöfe fördern große und begrünte Innenhöfe die Verdunstung und dienen, ebenso wie die begrünten Flachdächer, der Regenwasserrückhaltung und der Versickerung. Pocket Parks westlich des Galeriequartiers übernehmen eine Doppelfunktion. Bei schönem Wetter dienen diese kleinen Parks als Aufenthalts- und Spielorte, in niederschlagsreichen Zeiten wird hier das Wasser zurückgehalten, bevor es weiter in angrenzende Sickerflächen geführt wird. Biotope Auf die vorhandenen geschützten Biotope im Planungsgebiet wird weitestgehend Rücksicht genommen. Bleibende Feldgehölzstruktu- ren werden Teil des Freiraumkonzepts und in die Planung integriert sowie ergänzt. Dabei sollte nach Realisierung der Quartiere und Grünräume ein Pflegemanagement aufgestellt werden, das eine fachgerechte Bewirtschaftung der Grünstrukturen formuliert. Besonders die Feldgehölze im Süden des „Offenlandes“ sowie die im „Nord-Süd-Boulevard“ sind in regelmäßigen Abständen zu verjüngen. Das „Offenland“ bietet durch seine offene Feldflur und aufgrund der vorherrschenden extensiven Landwirtschaft beste Bedingungen für Feldbrüter der Avifauna. Nord-Süd-Boulevard Spiel- und Sport Parkallee Offenland Grabeland/Selbstversorgung/ Kleinbetrieb/Nachbarschaftsgärten Neureuter Terrasse Erhalt des Baumbestands Pocket Parks Grünes Zimmer Multifunktionaler Wiesenpark Öffentliches Grün Private Innenhöfe Nachbarschaftsplätze Urbanes Zentrum und Promenade Vernetzung Grünkorridor 34 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 67: Quartiersplatz, Lyon Abb. 69: Centro Verde, Mannheim Abb. 68: Quartiersplatzgestaltung, Lyon Abb. 70 a,b: Landwirtschaftlich genutzte Feldflur in Neureut als wichtiger Lebensraum für Bodenbrüter wie der Feldlerche. Die vorhandenen Feldgehölze sind geschützte Biotope. Gestaltungsbeispiele für den Freiraum und Ausschnitte der Bestandssituation Abb. 71: „Nord-Süd-Boulevard“ mit Blick auf die „Parkallee“ Stadtplanungsamt | 35 Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Kirchfeld Nord Kirchfeldsiedlung und Hardtwaldsiedlung Zentraler Bereich Neureut Packstation Car-/Bikesharing Umstieg Werkzeugverleih Car-/Bikesharing Car-/Bikesharing Werkzeugverleih Richtung Karlsruher Innenstadt Maßstab (im Original) M 1:5.000 Format im Original DIN A 3 0 500 S-Bahn/Tram Neureuter Querallee Quartierserschließung Neu Wichtige Fuß- und Radwegeverbindung Linkenheimer Landstraße Haltestellen S-Bahn Haltestelle Bus Quartierserschließung Bestand S-Bahn/Tram Neureuter Querallee Haltestellen S-Bahn/Tram Haltestelle Bus Stand: 19. Februar 2020 5.5 Stadtverträgliches Mobilitätskonzept Mehrfach ausgezeichnet als Fahrradhauptstadt, als Hauptstadt des Carsharings und mit einem sehr gut ausgebauten Schienennah- verkehr stellt sich Karlsruhe schon seit Jahren auf die Zukunft der Mobilität ein. Das neue Stadtquartier in Neureut verzichtet daher konsequent auf das Neuanlegen von übergeordneten Erschlie- ßungsstraßen. Stattdessen wird durch die Verlängerung der Straßen- bahnlinie 3 und deren städtebauliche Einbindung die Erreichbarkeit des neuen Quartiers mit dem ÖPNV gestärkt. Ein Großteil des Verkehrs in Wohnquartieren wird heutzutage vom Lieferverkehr verursacht. Aus diesem Grund könnten die neuen Teilquartiere für den motorisierten Lieferverkehr gesperrt werden. In einer zentralen Packstation könnte die Umverteilung der Pakete auf Lastenfahrräder erfolgen, mit denen die quartiersinterne Vertei- lung der Pakete organisiert wird. In drei dezentralen Mobilitätsstationen wird das Thema Car- und Bikesharing verortet. Neben E-Bikes können sich die Quartiers- bewohnerinnen und Quartiersbewohner hier auch Anhänger und Lastenräder leihen. Ergänzt werden die Stationen von Reparatur- möglichkeiten und anderen Sharing-Angeboten wie beispielsweise einem Werkzeugverleih. Die Radwege im neuen Stadtquartier werden durch attraktive Freiräume geführt. Diese ergänzen das städtische Radwegenetz und bieten eine zügige und sichere Verbindung in Ostwestrichtung, vom historischen Ortskern und der Evangelische Kirche Neureut Nord über das „Grüne Zimmer“ im Zentrum III und die Linkenhei- mer Landstraße bis in den Hardtwald sowie in Nord-Süd-Richtung von der Innenstadt über die neuen Landschaftsräume bis nach Kirchfeld-Nord. Abb. 72: Mobiltätskonzept Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Kirchfeld Nord Kirchfeldsiedlung und Hardtwaldsiedlung Zentraler Bereich Neureut Packstation Car-/Bikesharing Umstieg Werkzeugverleih Car-/Bikesharing Car-/Bikesharing Werkzeugverleih Richtung Karlsruher Innenstadt Maßstab (im Original) M 1:5.000 Format im Original DIN A 3 0 500 S-Bahn/Tram Neureuter Querallee Quartierserschließung Neu Wichtige Fuß- und Radwegeverbindung Linkenheimer Landstraße Haltestellen S-Bahn Haltestelle Bus Quartierserschließung Bestand S-Bahn/Tram Neureuter Querallee Haltestellen S-Bahn/Tram Haltestelle Bus Stand: 19. Februar 2020 36 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG Kirchfeldsiedlung Zentraler Bereich Neureut Richtung Karlsruher Innenstadt Kirchfeld Nord Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Maßstab (im Original) M 1:5.000 0 500 Format im Original DIN A 3 Nachweis Besucherstellplätze ca. benötigte Besucherstellplätze mit Stellplatzschlüssel 0,15:230 ca. nachgewiesene Besucherstellplätze im Quartier:250 Stand: 27. März 2020 5.6 Quartierserschließung Die einzelnen Wohnquartiere sind autoarm konzipiert. Das neue Quartier nutzt die umgebenden Straßenzüge wie die Spöcker Straße im Osten, die Unterfeldstraße im Westen, die Teutschneureuter Straße im Norden und die Neureuter Querallee im Süden für die Erschließung der Baufelder sowie für die Anlage von straßenbeglei- tenden Besucherstellplätzen. Die Anwohnerstellplätze befinden sich in Sammeltiefgaragen un- terhalb der Baufelder. Die Tiefgaragenzufahrten sind so angeordnet, dass der Verkehr entzerrt wird. Entlang des Parks befinden sich Fuß- und Radwege, welche im Bedarfsfall von der Feuerwehr (mindestens 3,50 Meter) genutzt werden können und entsprechend befahrbar sind. Müllfahrzeuge haben die Möglichkeit in den einzelnen Quartieren zu wenden und von zentraler Stelle die Entsorgung vorzunehmen. Die gesamte Ver- und Entsorgung im Quartier könnte über ein SMART-Grid erfasst werden. Zusätzlich könnte für die Bewohne- rinnen und Bewohner ein geeignetes Interface über den jeweiligen Ressourcenverbrauch zur Information eingerichtet werden. Im Bereich der Abfallentsorgung könnten Sensoren die bedarfsgerechte Entleerung veranlassen. Abb. 73: Quartierserschließung TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG TG Kirchfeldsiedlung Zentraler Bereich Neureut Richtung Karlsruher Innenstadt Kirchfeld Nord Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Maßstab (im Original) M 1:5.000 0 500 Format im Original DIN A 3 Nachweis Besucherstellplätze ca. benötigte Besucherstellplätze mit Stellplatzschlüssel 0,15:230 ca. nachgewiesene Besucherstellplätze im Quartier:250 eingeschränkte Befahrbarkeit (Feuerwehr) Tiefgaragen Tiefgaragenzufahrten Besucherstellplätze Neureuter Querallee Quartierserschließung Neu Linkenheimer Landstraße Quartierserschließung Bestand Stand: 19. Februar 2020 Stadtplanungsamt | 37 5.7 Straßenraumcharaktere 38 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Abb. 74: Straßenraumcharaktere Die Straßenprofile zur Erschließung der einzelnen Teilquartiere sind auf das jeweils erforderliche Minimum reduziert und unterschiedlich ausgebildet. Die Straßenprofile A1 und A2 befinden sich im Teilquartier „Le- bendige Mitte“. Im Straßenprofil A1 teilen sich die Tram 3 und der Individualverkehr eine gemeinsame Fahrbahn, um den Querschnitt zu minimieren. Der Bereich A2 wird nur von der Tram 3 genutzt, das Gleis geht an dieser Stelle bereits in ein Grünbett über. Die Straßenprofile B1 und B2 werden verkehrlich ebenfalls intensi- ver genutzt. Hier sind Parkstände für Besucher jeweils mit beglei- tenden Bäumen angeordnet. Die Straßenprofile für die Spielstraße C1 befinden sich im „Parkquartier“ und „Gärtnereiquartier“. Die Straßenprofile sind zugunsten des erhöhten Grünanteiles reduziert. Das gleiche gilt für die Straßenprofile der Spielstraßen D1 und D2, die sich in den Teilquartieren „Gärtnereiquartier“, „Lebendige Mitte“ und „Gale- riequartier“ befinden. Das Straßenprofil C2 ist nur im Bedarfsfall von Notdiensten oder Feuerwehr befahrbar und von den Anwohnern nur eingeschränkt zu nutzen (zum Beispiel Umzüge). Übergeordnet dienen diese Bereiche als Fußwege zu den Grünräumen. Entlang der Grünräume sind die Fußwege mit mindestens 3,5 Meter ausgebaut, damit sie ebenfalls im Bedarfsfall genutzt werden können. Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Maßstab (im Original) M 1:5.000 0 500 Format im Original DIN A 3 Bearbeitungsstand: 27. März 2020 A1 A2 B1 B2 C1 C2 D1 D2 Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Maßstab (im Original) M 1:5.000 0 500 Format im Original DIN A 3 Bearbeitungsstand: 27. März 2020 A1 A2 B1 B2 C1 C2 D1 D2 Abb. 75: Zuordnung Straßenraumcharaktere Stadtplanungsamt | 39 40 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Quartier: - Wohnwege mit offenen Rinnen - Weiterleitung zu gestaltetem und versickerungsfähigem Quartiersplatz oder zu Pocket Parks - Entwässerung der Fußgängerbereiche in angrenzenden Grünstreifen (Mulden) Privatgrundstücke Waldquartier: - Wasserrückhalt und Verdunstung über Gründächer - Versickerung auf dem eigenen Grundstück - Tiefgaragen-Bereich Anschluss an bestehendes Netz Spöcker Straße/Kita/Pflege- und Servicewohnen: - Wasserrückhalt und Verdunstung über Gründächer - Einleitung und Anschluss an bestehendes Entwässerungsnetz Pocket Parks: - gestalteter Bereich zum Wasserrückhalt - mögliche Weiterleitung in angrenz- ende Mulde Privatgrundstücke im Allgemeinen: - Wasserrückhalt und Verdunstung über Gründächer - Fußwege mit offenen Rinnen - Weiterleitung zu versickerungsfähigen Bereich im gestalteten Innenhof Freiraum: - Fuß-/Radwege entwässern in das direkt angrenzende Grün - Mulde entlang des Galeriequartiers - Mulden am Rand des „Grünen Zimmers“ zur Ausgestaltung der Sitzkante - Versickerungsfläche südlich der Neureuter Terrasse/Herausarbeitung Sitzkante Abb. 76: Entwässerungskonzept Systemskizze Die Energieversorgung im Quartier wird im Rahmen der weiteren Planung noch genauer zu untersuchen sein (Gesamt-Energiekon- zept). Die Energieversorgung könnte über einen Anschluss an das Fernwärmenetz der Stadt Karlsruhe erfolgen. Über die Nutzung der Prozesswärme der MiRO reduziert das Karlsruher Fernwärmenetz die Nutzung von Primärenergie signifikant und leistet somit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Die Dachflächen können zusätzlich mit Fotovoltaikanlagen belegt werden mit dem Ziel, den erzeugten Strom direkt im Quartier zu verbrauchen beziehungswei- se in den Mobilitätsstationen zu speichern. Für das neue Planungsgebiet ist es Ziel, das anfallende Regenwas- ser im Gebiet zu halten und es dort versickern zu lassen. Das dazu erarbeitete Entwässerungskonzept zeigt erste Überlegungen und Schritte auf, um der Zielstellung gerecht zu werden. Folgende Grundgedanken liegen dem Konzept zugrunde: „„ Die Fuß- und Radwege im Grünraum werden seitlich in die anschließenden Grünflächen entwässert. „„ Sofern Grünstreifen vorhanden sind, können hier Mulden ausge- bildet werden. Alle weiteren Wegeverbindungen weisen offene Rinnen auf, die zu Versickerungsbereichen geführt werden. „„ Über die generell vorgesehenen Gründächer kann das Regen- wasser zurückgehalten werden und zu Teilen verdunsten, bevor es zu den versickerungsfähigen Bereichen in den gestalteten Innenhöfen weitergeleitet wird. Eine Versickerung auf dem eigenen Grundstück wird vorgegeben. „„ Quartiersplätze und Pocket Parks sind gestaltet und dienen neben dem Aufenthalt auch der Funktion der Versickerung und des Wasserrückhalts. „„ Eine größere Retentionsfläche ist im Süden der „Neureuter Terrasse“ angedacht. „„ Die Straßenräume der Spöcker Straße, sowie die Baufelder im Nordosten müssen an die bestehende Mischkanalisation angeschlossen werden. Ebenso wird mit einem kleinen Teil des „Waldquartiers“ verfahren, dort wo eine Versickerung durch den Bau von Tiefgaragen nicht mehr möglich ist. 5.8 Energie- und Wassermanagement Stadtplanungsamt | 41 Abb. 77: Entwässerungskonzept Abb. 78: Darstellung denkbarer erster Bauabschnitt Im Auftrag der Stadt: Karlsruhe pesch partner architekten stadtplaner GmbH Dortmund | Stuttgart Maßstab (im Original) M 1:5.000 0 500 Format im Original DIN A 3 Stand: 27. Februar 2020 1 Gärtnereiquartier Urbanes Herz Parkquartier Waldquartier Galeriequartier Bauabschnitt 1 42 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III 6. Ausblick Der vorliegende, im Juni 2020 durch den Karlsruher Gemeinde- rat beschlossene Rahmenplan Zentrum III ist Grundlage für die anschließend beginnenden weiteren Planungsphasen. Er bindet die Verwaltung, die hierauf aufbauend nun für das Gesamtgebiet einen Bebauungsplan aufstellen wird. Erst dadurch wird die rechtliche Grundlage geschaffen, die derzeit noch vor allem landwirtschaft- lich genutzten Flächen in Wohnbauflächen umzuwandeln und aus diesen dann auch baureife Grundstücke zu bilden. Ausgehend von diesem Rahmenplan wird der für die späteren Bauherren verbind- liche Bebauungsplan als Rechtsplan erarbeitet, der unter anderem Vorgaben zur Gebäudegröße und deren Nutzung, aber auch zur Gestaltung des Quartiers, zu öffentlichen Straßen und Plätzen und zu den Grünflächen beinhalten wird. Im Zuge des Bebauungsplanverfahrens wird den Bürgerinnen und Bürgern erneut Gelegenheit zur Beteiligung am Planungsprozess gegeben werden. Außerdem werden viele Themenbereiche wie Klimaanpassung, Energieversorgung, Entwässerung, Freiraumgestal- tung und mehr im Rahmen des Bebauungsplan-Prozesses genauer untersucht und diskutiert werden. Im Rahmen der Erarbeitung des Bebauungsplanes ist es denkbar, das „Waldquartier“ als einen ersten Teilbereich zwischen Unterfeld- und Teutschneureuter Straße (Hallenbad und Festplatz) vorrangig zu entwickeln und Teilbereiche davon gegebenenfalls für besondere Bauformen/Baugruppen zur Verfügung zu stellen, da sich diese Flächen in städtischem Eigentum befinden. Um aus den derzeitigen zahlreichen, zumeist privaten und kleintei- ligen Landwirtschaftsgrundstücken auch bebaubare Wohngrundstü- cke zu bilden und hierfür auch die notwendigen Erschließungs- und Grünflächen zu schaffen, ist außerdem zusätzlich die Durchführung eines Bodenordnungs-/Umlegungsverfahrens notwendig. Das übergeordnete Ziel dieser verschiedenen, mit dem Rahmenplan erst begonnenen Planungsprozesse ist es, ein in sich stimmiges, zusammenhängendes, lebendiges und gemischtes Stadtquartier zu schaffen, das den gestiegenen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum berücksichtigt und dafür ein vielfältiges und qualitätvolles Angebot an Wohnbauflächen entwickelt, das unterschiedliche Bevölkerungs- und Einkommensgruppen anspricht. Stadtplanungsamt | 43 44 | Rahmenplanung Neureut-Zentrum III Seite 4 Abb. 1: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 6 Abb. 2: Kartengrundlage: Stadt Karlsruhe, Liegenschaftsamt; Plangebiet: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Seite 7 Abb. 3: Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt - Fränkle 2015 Abb. 4-9: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Seite 9 Abb. 10: Luftbild: Stadt Karlsruhe, Liegenschaftsamt Seite 10 Abb. 11: Kartengrundlage: Stadt Karlsruhe, Liegenschaftsamt; Grünzug: Stadtplanungsamt Seite 11 Abb. 12: Machleidt GmbH, sinai mbH, SHP Ingenieure, 2016 Abb. 13: Beschluss in Verbandsversammlung am 22. Mai 2017 Seite 12 Abb. 14: Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt Seite 13 Abb. 15: Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt 2020 Seite 14 Abb. 16: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 15 Abb. 17: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Seite 16 Abb. 18: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Seite 17 Abb. 19: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Bildnachweis Seite 18 Abb. 20: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 19 Abb. 21: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 20 Abb. 22: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 21 Abb. 23-24: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 22-23 Abb. 25: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 24 Abb. 26-27: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 25 Abb. 28-32: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Abb. 33: helleckes landschaftsarchitektur Seite 26 Abb. 34-35: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 27 Abb. 36-38: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Abb. 39: Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe Abb. 40: Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe Abb. 41: helleckes landschaftsarchitektur Seite 28 Abb. 42-43: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Stadtplanungsamt | 45 Seite 29 Abb. 44: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Abb. 45: helleckes landschaftsarchitektur Abb. 46-47: Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe Abb. 48-49: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Seite 30 Abb. 50-51: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 31 Abb. 52-53: Hueger, Stadtplanungsamt Karlsruhe Abb. 54: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Abb. 55-56: Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe Abb. 57: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Seite 32 Abb. 58-59: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 33 Abb. 60-63: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Abb. 64: Müller-Gmelin, Stadt Karlsruhe Abb. 65: helleckes landschaftsarchitektur Seite 34 Abb. 66: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 35 Abb. 67-70: helleckes landschaftsarchitektur Abb. 71: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH Seite 36 Abb. 72: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 37 Abb. 73: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 38 Abb. 74: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 39 Abb. 75: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 40 Abb. 76: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 41 Abb. 77: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur Seite 42 Abb. 78: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, helleckes landschaftsarchitektur

  • Protokoll TOP 14
    Extrahierter Text

    Niederschrift 12. Plenarsitzung des Gemeinderates 21. Juli 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 14. Punkt 14 der Tagesordnung: Städtebaulicher Rahmenplan Neureut-Zentrum III Vorlage: 2020/0576 dazu: Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit Änderungsantrag: AfD Vorlage: 2020/0880 Städtebaulicher Rahmenplan Neureut-Zentrum III Anfrage: FW|FÜR Vorlage: 2020/0911 Städtebaulicher Rahmenplan Neureut-Zentrum III Ergänzungsantrag: DIE LINKE. Vorlage: 2020/0915 Beschluss: Der Gemeinderat wird um Zustimmung zum Städtebaulichen Rahmenplan Neureut–Zentrum III gebeten und um Einleitung des Bebauungsplan-Verfahrens auf dieser Grundlage. Daneben beschließt der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe, die nach § 3 Abs. 1 BauGB vorgeschriebene frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an der Bauleitplanung in Form einer erweiterten Darlegung im Amtsblatt der Stadt Karlsruhe durchzuführen. Abstimmungsergebnis: Beschlussvorlage: Bei 1 Enthaltung und 47 Ja-Stimmen mehrheitlich zugestimmt Änderungsantrag AfD: Bei 3 Ja-Stimmen und 45 Nein-Stimmen mehrheitlich abgelehnt Ergänzungsantrag: DIE LINKE.: Bei 18 Ja-Stimmen, 1 Enthaltung und 29 Nein-Stimmen mehrheit- lich abgelehnt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 14 zur Behandlung auf, verweist auf die erfolgte Vorberatung im Planungsausschuss sowie die vorliegenden Stellungnahmen der Verwaltung: – 2 – Wir nehmen uns jetzt die fünf Minuten Zeit, dieses doch so wichtige Projekt für Karlsruhe ganz kurz vorzustellen. Frau Prof. Dr. Karmann-Woessner (StplA, beamerunterstützt): Ich freue mich, Ihnen heute diesen Rahmenplan vorzustellen. Das ist eines der ganz erfreulichen Projekte, die Sie heute be- raten dürfen. Wir haben einen europaweiten Wettbewerb gemacht. Das war die Ausgangssitu- ation. Und wir hatten schon klare Vorgaben aus dem Flächennutzungsplan und dem räumlichen Leitbild. Wir tragen hier bei zu mehr Wohnen, zu klaren Konturen, grüner Adressen und inneren Grünflächenübergängen von Stadt und Landschaft und zwischen den Stadtteilen. Wir erfüllen damit ganz wesentliche Aspekte, die Stadtentwicklung an dieser Stelle in Neureut weiter zu qualifizieren, nicht nur in dem neuen Stadtteil, sondern auch in den bestehenden Stadtteilen, die mit völlig unterschiedlichen Jahresringen an diese Fläche herangrenzen. Wir haben hier noch einmal die Kennzahlen. Es handelt sich um eine der großen letzten Flä- chen, die wir in Karlsruhe zur Verfügung haben. 24 ha Bruttobauland, dann 16,7 ha und davon nicht nur Wohnbaufläche sondern auch ein Schwimmbad beziehungsweise eine Schule und noch andere Einrichtungen, die hier neu entstehen sollen. Insgesamt ein neuer Stadtteil für etwa 2.600 Menschen. Sie sehen hier noch einmal, dass es sehr klar gegliedert ist, weil es uns mit diesem Wettbe- werbsergebnis gelungen ist, auf die einzelnen angrenzenden Charakteristika einzugehen. Wir haben hier das Waldquartier, das Parkquartier, die lebendige Mitte und das Gärtnereiquartier. Alle diese haben Charakteristika durch ganz unterschiedliche Einrichtungen, so dass wir hier auch eine Nutzungsmischung und die Stadt der kurzen Wege, wie wir sie immer genannt haben, die 5-Minunten-Stadt, weiter realisieren können. Gerade wenn wir die Stadtentwicklung mit und nach Corona diskutieren, sind genau das die Forderungen dieser guten Erreichbarkeit in unmittelbare Nähe und damit eine Aufwertung nicht nur des neuen Stadtteils, sondern auch der bestehenden Stadtteile. Wir haben die Schule, das Bad hatte ich schon genannt. Wir haben Pflege- und Serviceeinrichtungen, Wohnen, Kindergarten. Und wir haben noch eine weitere öffentliche Nutzung, die wir im südlichen Teil vorhalten. Was auch ein ganz entscheidender Punkt ist, dass wir mit der Verlängerung der Bahnlinie 3 eine exzellente Anbindung an den schienengebundenen Verkehr erreichen können in Ergänzung zu der S1 und der S11, die ohne- hin die Fläche bereits tangential erschließen. Wir haben aber auch eine sehr differenzierte Freiraumgestaltung, die aus den Pflugfeld im Sü- den hier herüberkommt, und ein Entwässerungskonzept, das den Anforderungen an die was- serwirtschaftlichen Belange integriert in die eigentlichen Quartiere folgt. Das ist auch wieder eine große Qualität, auch wieder ein Ergebnis aus COVID-19, dass diese unmittelbar zugeordne- ten Freiräume unglaublich wichtig sind für zukünftige Siedlungsbereiche. Dieser Nord-Süd-Boulevard war vorgegeben, bereits schon im Flächennutzungsplan, wie Sie gesehen haben. Auch diese Flächen haben wieder sehr unterschiedliche Charakteristika. Einmal die Anbindung über die Parkallee zum Altortbereich, dann das grüne Zimmer, das die beiden nördlichen und südlichen Teilbereiche gliedert, also die lebendige Mitte und das Parkquartier und dann das Offenland, was übergeht in diesen Flugfeldbereich, an dem auch unser anderes großes Gebiet, Zukunft Nord, liegt. Ein erster möglicher Bauabschnitt kann in der nordöstlichen Fläche entstehen, weil wir dort im Wesentlichen Grundstückseigentümer sind. Da soll die Schu- – 3 – le entstehen, das neue Bad, aber auch Wohnen. Da könnte gut experimentelles Wohnen ent- stehen. Im Prozess war immer wieder die Diskussion um die Dichte. Der Entwurf, wie er aus dem Wett- bewerb vorlag, hatte eine Dichte von 200 Einwohnern/ha. Das wurde insbesondere im Ort- schaftsrat kritisch diskutiert. Wir haben das dann reduziert in vielen Gesprächen mit Ihnen vor Ort und haben jetzt einen Rahmenplan, der etwa 160 Einwohner/ha vorsieht. Aber wir möch- ten gerne im laufenden Prozess dann in der Umsetzung in den Bebauungsplan – wir sind jetzt im Status der frühzeitigen Beteiligung – aufgrund der angrenzenden Kubaturen überprüfen, ob nicht an der einen oder anderen Stelle doch noch eine plastische Bebauung möglich wäre, die dann möglicherweise zu einer etwas geringeren Erhöhung führt. Wir haben hier Beispiele ange- führt. Wir stellen uns eine Plastizität vor, die durch Dachterrassen und Penthäuser eine große Variabilität hineinbringt, völlig unterschiedliche Wohnungstypen noch einmal anbietet und rea- giert auf die Volumen der angrenzenden Flächen. Dass das Ganze bis zur Umsetzung nicht ganz einfach wird, zeigt ein kleiner Hinweis auf die Lie- genschaftskarte, die Eigentumsverhältnisse. Wir sind ganz zuversichtlich, dass die Kollegen uns wunderbar unterstützen. Aber es wird eine Herausforderung. Stadtrat Honné (GRÜNE): Wir brauchen dringend zusätzlichen Wohnraum in Karlsruhe, insbe- sondere auch bezahlbaren Wohnraum. Da ist diese Planung ein großer Schritt in die richtige Richtung, dass zusätzliche Wohnungen angeboten werden. Insofern begrüßen wir das Ganze. Es ist auch viel Grün dabei, wie man auf dem Plan sieht. Es wird nicht alles zugebaut. Auch das ist ganz entscheidend. Auch bleiben in diesen einzelnen Quartieren dann jeweils noch Pocket- parks, die auch wieder zur Verbesserung des lokalen Klimas beitragen. Zum Antrag der LINKE. Beide Themen, sowohl preisgünstige Wohnungen als auch Unterstüt- zung von Wohnprojekten, haben wir selbst schon beantragt. Da sind wir voll dafür. Insofern unterstützen wir den Antrag, sehen aber auch die Probleme, die die Verwaltung genannt hat. Wir sahen es eben an dem Plan, wo die Eigentumsverhältnisse genannt wurden. Nur da, wo wir selbst Eigentümer sind, können wir solche Vorgaben machen. Auf dem städtischen Gelände muss viel Infrastruktur, das Bad usw., angelegt werden. Es bleibt leider Gottes nur relativ wenig für Bauen übrig. Aber das sollte dann von der Verwaltung umso intensiver oder ausschließlich für solche Dinge zur Verfügung gestellt werden, damit wir das machen, was geht. Die 50 % wer- den wir nicht erreichen. Aber es sollte auf jeden Fall möglichst viel realisiert werden. Stadtrat Hofmann (CDU): Nachdem ich in letzter Zeit das eine oder andere Mal etwas kritisch war gegenüber dem Stadtplanungsamt, kann ich hier nur sagen, es ist ein absolut gelungener Entwurf. Die Zustimmung im Ortschaftsrat Neureut war sehr groß und auch sehr euphorisch teilweise, dass man gesagt hat, das Ganze ist hervorragend eingepasst. Im Endeffekt ist genau die Problematik aufgegriffen, den fehlenden Wohnraum zusammen mit einer Entwicklung, die dort sehr gut möglich ist, auch mit einer grünen Entwicklung zu kombinieren. Von daher ist es wirklich eine schöne Geschichte. Wir freuen uns bereits darauf. Wichtig ist uns trotzdem, wie man sieht, dass der dörfliche Charakter von Neureut erhalten bleibt. Dies ist schön gemacht worden mit diesen Wohnhäusern zuerst an der einen Seite, das dann in höhergeschossige Wohnbebauung übergeht. Von daher ist es gut aufgegriffen. Deswe- gen haben wir dieser moderaten Erhöhung zustimmen können. Wir können auch, so wie wir es – 4 – noch einmal besprochen hatten, zustimmen, dass das eine oder andere noch etwas modifiziert wird. Wir möchten dann aber wirklich klar sehen, was gemacht wird. Der Entwurf sollte schon so gut es geht umgesetzt werden und nicht etwas komplett anderes, nur weil sich dann doch wieder irgendwas nicht so darstellt, wie man das jetzt gesehen hat. Sie haben eben gesagt, der mögliche erste Bauabschnitt sollte das Waldquartier sein. Wir sehen es als zwingend notwendig, dass das Waldquartier der erste Bauabschnitt wird. Denn die Schule ist einfach so wichtig, dass sie da ist, bevor die Bevölkerung einzieht, insbesondere, weil die Nordschule in einem Zustand ist, wo sie längere Zeit nicht mehr so betrieben werden kann, wie sie jetzt betrieben wird. Von daher denke ich, dass gerade das eine zwingende Notwendigkeit ist. Auch beim Bad ist die Bedeutung für die Neureuter Bevölkerung ganz wichtig, dass hier Fak- ten geschaffen werden, zumal dann auch der Festplatz entsprechend zur Verfügung steht. Das Wichtigste für uns ist einfach, dass das entsprechend gut geplant wird, und dass wir auch mit- einbezogen werden. Den Änderungsantrag der AfD verstehe ich überhaupt nicht. Denn die Bürgerschaft wurde so- wohl 2016, 2017, 2018 als auch 2020 mehrfach eingebunden. Ich denke, da war auch von Sei- ten Neureuts noch nie mehr gefordert. Zu dem Änderungsantrag der LINKE. kann ich nur sagen, der Kollege Honné hat es schon gesagt, es ist sicher in dem einen oder anderen wünschens- wert, aber nicht so umsetzbar. Von daher folgen wir der Antwort der Verwaltung und freuen uns auf die Umsetzung dieses Entwurfs. Stadträtin Moser (SPD): Als allererstes möchte ich dem Stadtplanungsamt und unserem Herrn Oberbürgermeister ganz herzlich danken für das große Engagement. Ich kann es nicht anders benennen. Schon seit den Wettbewerbsvorstellungen der einzelnen Büros haben wir zusam- mengearbeitet. Das wird etwas ganz Tolles. Der vorliegende Rahmenplan Neureut Zentrum III und das sich anschließende Bebauungsplan- verfahren werden auf Neureut große Auswirkungen haben. Nicht nur, dass sich die Bevölke- rungszahl um mehr als 15 % - die anderen noch zu bebauenden Gebiete habe ich miteingerech- net – erhöht, es bedeutet auch strukturelle Veränderungen. Das 24 ha große Areal bietet die Chance, Wohnen für Jung und Alt neben und miteinander anzubieten, alternative Wohnformen für Seniorinnen und Senioren auszuprobieren, integratives Wohnen zu ermöglichen. Wohn- gruppen könnten dort ihre Vorstellungen verwirklichen. Dabei darf das Angebot für bezahlba- ren Wohnraum auf keinen Fall aus den Augen gelassen werden. Die vom Architekturbüro ge- plante Dichte von 200 Einwohnern/ha wurde auf den Einspruch des Ortschaftsrates korrigiert und umfasst nun 160 Einwohner/ha. Punktuell werden höhere Gebäude entstehen, die die An- sicht auflockern und so dem Eindruck einer Riegelbildung entgegenwirken. Der Gedanke, dort Dachgärten für alle Bewohner des Hauses anzulegen, strahlt viel Charme aus. Sehr erfreulich ist, dass bereits im Rahmenplan die notwendigen Infrastruktureinrichtungen wie Schule, Kita, Hallenbad, Senioren- und studentisches Wohnen miteingeplant sind. Allerdings fehlt für uns eine ganz wichtige Einrichtung, zumindest haben wir sie nicht gefunden, wir haben zu dritt ge- sucht, der Jugendtreff. Oder soll ich das so verstehen, dass der Jugendtreff Trafohäusle an dem bestehenden Standort bleiben kann? Ich würde mich über eine Antwort freuen. An dieser Stelle muss nochmals betont werden, dass die geplante dreizügige Grundschule – mein Kollege Detlef Hofmann hat es schon angesprochen – als Ersatz für die schwer sanie- rungsbedürftige Nordschule nur gebaut werden kann, wenn vorher das Hallenbad auf dem – 5 – Festplatz neu entsteht. Die Schule, möglichst mit einer Turnhalle, muss groß genug geplant werden. Die zukünftigen Baugebiete müssen bei der Berechnung der Schülerzahlen miteinbe- zogen werden. Hervorzuheben ist, dass die Straßenbahn nicht mehr am Gebiet entlanggeführt wird, sondern mitten durch das Quartier geht. Das wird bestimmt zur Akzeptanz beitragen. Neureut hat sehr viel Grün. (Der Vorsitzende hebt die rote Karte.) - Darf ich noch etwas zu dem einen Antrag sagen? Ich glaube, es ist unnötig. Seit 2016 haben wir Beteiligungsprozesse geführt. Es werden weiterhin Beteiligungsprozesse stattfinden. Des- wegen lehnen wir das ab. Stadtrat Høyem (FDP): Herr Bürgermeister Fluhrer und Frau Dr. Karmann-Woessner, es macht oft Spaß, im Planungsausschuss mit dem Stadtplanungsamt zu arbeiten, und hier ganz beson- ders. Neureut ist eine wunderbare Stadt. Ich sage nicht, dass das die Ursache ist, dass es auch eine liberale Hochburg ist. Aber schaden kann es bestimmt nicht. Jetzt wird Neureut noch schöner. Es ist – das sage ich höflich zur AfD – wirklich mit den Bürgern in vielen Sitzungen diskutiert worden. Die Bürger haben großen Einfluss gehabt auf diese Ent- wicklung. An die LINKE. muss ich sagen, wir haben die Volkswohnung. Wir diskutieren jeden Tag über bezahlbare Wohnungen. Ich könnte polemisch sagen - das will ich nicht, weil das nicht meine Natur ist -, wenn wir zu viele Regelungen in der Landesbauordnung machen, dann ist es schwierig, gleichzeitig bezahlbare Wohnungen zu haben. Aber zurück zu Neureut. Neureut ist toll, Neureut wird noch schöner. Wir stimmen dem absolut und mit Begeisterung zu. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Das Wichtigste für uns an diesem Plan ist die Durchgrü- nung. Da kann man zufrieden sein, vor allem, wenn man an andere Stadtteile denkt in der Ver- gangenheit, wie da gebaut wurde. Ich möchte mich heute nur ganz kurz auf das Waldquartier beziehen. Meine Fraktion sieht es auch so, dass man – wie es der Kollege Hofmann gesagt hat – damit beginnen sollte. Denn dort wird die nötige Infrastruktur entstehen. Ich denke, dass es dem neuen Stadtteil nur zupass kommt, wenn man mit dem Waldquartier beginnt. Das würden wir auch vorschlagen und diese Anregung unterstützen. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Zunächst möchte ich um getrennte Abstimmung der beiden Punkte bitten, die wir heute beschließen. Dem städtebaulichen Rahmenplan stimmen wir zu. Unser Änderungsantrag bezieht sich nur auf die Art und Weise, wie die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden soll. Wir haben den Änderungsantrag zusammen mit unse- rem Kollegen Rouven Stolz vorbereitet, der in Neureut im Ortschaftsrat ist. Er hat uns darauf hingewiesen, dass diese Änderung schon eine einschneidende ist für Neureut. Jetzt sind in dem Bereich noch Störche, Mäusebussarde, Turmfalken, Fledermäuse zu beobachten. Bald werden an der Stelle Wohnungen für 2.800 Personen gebaut werden. Das heißt, wie es Frau Moser schon gesagt hat, die Bevölkerung Neureuts wird um 15 % zunehmen. Das ist schon eine Zäsur für Neureut. Deswegen sind wir der Meinung, dass die Öffentlichkeitsbeteiligung genauso er- – 6 – folgen sollte, wie das normalerweise auch der Fall ist. Nur das wollen wir mit unserem Ände- rungsantrag erreichen. – So viel zu unserem Änderungsantrag. Auch wir von der AfD sind mit diesem Konzept einverstanden. Das habe ich eben schon gesagt. Ich möchte Frau Prof. Dr. Karmann-Woessner noch einmal danken für die Darstellung. Zuerst waren es 200 Einwohner/ha. Dann wurde gesagt vom Ortschaftsrat – so wurde es dann auch im Planungsausschuss besprochen – 150 Einwohner/ha. Jetzt sind wir wieder bei 160 Einwoh- ner/ha. Nach Rücksprache mit Rouven Stolz ist es wohl so, dass das dann aber auch wirklich die Obergrenze sein soll, dass wir also nicht im weiteren Verfahren scheibchenweise immer mehr drauflegen. Dieses neue Viertel muss zu den bestehenden Vierteln in Neureut passen. Dazu gehört auch, dass die Einwohnerdichte 160 nicht überschreiten soll. Wir finden, dass man den Einwohnern von Neureut nicht mehr zumuten darf. Das ist für uns ein wichtiger Punkt. Darauf werden wir auch achten. Zum Änderungsantrag der LINKE. möchten wir sagen, dass wir gerne an dem bisherigen Kon- zept der Stadt Karlsruhe festhalten wollen, dass Sozialwohnungen über das gesamte Stadtge- biet möglichst gleich verteilt werden, um zu vermeiden, dass sich soziale Brennpunkte bilden. Wir finden, dass die Stadt Karlsruhe da bisher sehr erfolgreich ist. Wir möchten gerne, dass das so fortgesetzt wird. Deswegen lehnen wir diesen Änderungsantrag ab. Stadträtin Göttel (DIE LINKE.): Sozialer Brennpunkt kommentiere ich nicht. Ich will nur sagen, dass 50 % der Karlsruherinnen und Karlsruher Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben. Wenn das schon Ghetto ist, dann sind wir ein ziemlich großes. Ich begrüße den Rahmenplan von seiner städtebaulichen Gestaltung sehr. Ich finde, wie mein Vorredner auf der rechten Seite vorweggenommen hat, die Grünraumgestaltung sehr gut ge- lungen. Sie bindet das ganze übrige Gelände toll ein, auch in die größeren Grünlandzusammen- hänge. Aber dann komme ich zu unseren beiden Kritikpunkten, die wir an dieser Planung ha- ben. Der eine Punkt ist, dass in Punkto Beteiligung von Bauprojekten immer nur von „gegebe- nenfalls“ die Rede ist. Ich will den Konjunktiv weg haben. Ich finde, man muss gleich sagen, will man es oder will man es nicht. Ich will es klar haben. Für mich ist auch noch sehr wichtig, über welche Projekte reden wir eigentlich. Wenn man einfach nur „Bauprojekte“ schreibt, kann das alles und nichts sein. Es kann sein, dass man nur Baugruppen hat, die dann am Ende Eigen- tumswohnungen schaffen. Oder will man - das verstehe ich unter „gemeinnützigen Bauinitiati- ven“ - Projekte haben, die den Fokus darauf legen, am Ende gemeinsam genutztes Gemein- schaftseigentum zu haben für preisgünstigen Wohnraum, die noch Angebote für das ganze Viertel machen und vielleicht auch für besonders prekäre Gruppen auf dem Wohnungsmarkt. Ich finde, das gehört schon vor dem Verfahrensbeginn geklärt. Für mich ist bei dem Verfahren auch wichtig, dass man die Erfahrungen und besonderen Bedürfnisse, die Bauprojekte mit sich bringen - die kann man auch in anderen Städten abfragen - schon in das Verfahren miteinbe- zieht, dass man nicht einen Bebauungsplan hat, der wunderschön ist, aber wenn man die Pro- jekte heranzieht, feststellt, mit den Kubaturen und den Grundstückszuschnitten, das passt alles nicht so gut. Das will ich gerne vermeiden. Deswegen muss man das von Anfang mithineinden- ken. Ich finde auch wichtig, dass man diesen Austausch mit erfolgreichen Projekten sucht, weil das bisher in der Konzeptvergabeerstellung noch wenig stattgefunden hat. Der zweite Punkt, wo wir diese 50 % fordern, ist einfach, wir haben in Karlsruhe gerade im Be- reich des Sozialwohnungsbaus ein immenses Problem. 9.000 Karlsruherinnen und Karlsruher – 7 – sind bei der Volkswohnung auf der Suche, weil sie dort auf preiswerten Wohnraum hoffen. Wir müssen in den nächsten Jahren allein 1.300 Wohnungen bauen, damit wir überhaupt das Bin- dungsauslaufen kompensieren können. Aber eigentlich müssten wir darüber nachdenken, wie wir noch mehr bauen können. Deswegen müssen wir bei dieser letzten großen Potentialfläche alles versuchen, um so viel wie möglich preiswerten Wohnraum zu erhalten. Da muss ich an andere Verfahren denken, wo es immer darum ging. Man muss vorher festlegen, was für Kondi- tionen man hat, weil man such hier ein paar Verträge wird schließen müssen. Dann müssen wir schon vorher wissen, um was es geht. Nachträglich innerhalb des Verfahrens kann ich das nicht mehr machen. Wir kommen dem auch entgegen so gesehen im Planrecht. Soviel von meiner Seite. Stadtrat Wenzel (FW|FÜR): Wir haben hier einen Rahmenplan, der in einer sehr frühen Ent- wicklung ist. Daher auch unsere Anfrage. Leider finden wir nicht die Antwort in Mandatos. Uns ging es darum, schon in die Zukunft zu schauen, wenn man in einer frühen Entwicklungsphase ist. Deshalb auch unsere Anregungen, das Gesamtenergiekonzeptes, das Energiespeichers oder das Power-to-Gas zu berücksichtigen. Denn letztendlich sind wir in einer Phase, in der wir es tatsächlich noch können. Wir sind auch in einer Phase, in der bereits viele Bürger das Ganze Verfahren mitangeregt haben. Es ist ein sehr gelungener Entwurf. Was letztendlich im weiteren Verfahren mit Umlegung und den Eigentumsverhältnissen herauskommt, wissen wir nicht. Da können noch viele Überraschungen kommen. Ich finde es gut, dass man sich auf eine Dichte geeinigt hat, die dem Stadtteil gut tut. Auch die Grünflächen halte ich für sehr gelungen. Letztendlich muss man auch sehen, dass es in Karlsru- he, wenn es tatsächlich wächst - Corona zeigte uns - auch einen Knick in den Bewohnerzahlen gibt. Viele wollen wieder zurück aufs Land. Das ist ein Trend, den die Großstädte haben. Heute habe ich gehört, dass man in Neureut wieder erschwinglichen Wohnraum bekommen kann. Es wird wieder eine Stadtbewegung geben, die hinausgeht. Deshalb finde ich das Grün und diese Bauten, die Stadtvillen entsprechen, sehr gut. Das ist genau das Gegenteil von dem, was Frau Göttel sagte. Denn wir wollen auch Menschen hereinziehen. Die Durchmischung der Gesamt- stadt halten wir für ein wichtiges Anliegen. Auch die spätere Anbindung des ÖPNV halte ich für wichtig. Denn es ist immer so, wenn wir Wohnraum schaffen, ziehen wir Menschen an. Und Menschen haben es an sich, dass sie Fortbewegungsmittel haben. Deswegen auch die Infra- struktur. Nicht Straßen ziehen Verkehr an, sondern Wohnraum zieht Verkehr an. Deshalb ist es genau richtig. Wir werden von diesem Plan profitieren. Ich bin auch der Auffassung, dass wir mit dem Waldquartier beginnen und im Gesamtkonzept dann wirklich die Grünräume nicht aufgeben sollten, und bei kleinen Strukturen mitanbieten. Denn es ist wichtig, dass ein solches Viertel wie Neureut auch in der Gesamtbevölkerungsstruk- tur so gut erhalten durchmischt bleibt, wie es ist. Mein Lob geht an das Planungsamt, Frau Dr. Karmann-Woessner. Es ist wirklich etwas Gelungenes. Wir hoffen, dass es später in all den Jah- ren auch so verwirklicht werden kann. Der Vorsitzende: Ich fange gleich bei Ihrer Anfrage an, auch wenn Sie die Stellungnahme noch nicht haben. Zwei Stichworte: Es wird dort eine Fernwärmetrasse geben, und es soll ein geson- dertes Gutachten für ein nachhaltiges Gesamtenergiekonzept erstellt werden. Wobei wir im- mer auch darauf hinweisen müssen, dass wir nicht im Besitz aller Flächen sind. Daran scheitern dann vielleicht auch manche Festlegungen, die Sie sich gesamtkonzeptionell wünschen. Aber das müssen wir dann im Rahmen dieses Energiekonzeptes miteinander diskutieren. – 8 – Eine Ergänzung möchte ich noch machen. Ich war wegen der Fragestellung der Einwohnerdich- te draußen im Ortschaftsrat. Die 160 sind im Moment festgelegt. Aber es gibt in Abstimmung mit dem Ortschaftsrat die Öffnung, dass wir über einzelne Dachgeschosse bei den zur Stadt hin geneigten Häusern noch einmal reden dürfen. Nicht im Sinne einer massiven Steigerung dieser Anzahl, aber im Sinne einer architektonischen Optimierung dieses Entwurfes. Insofern nur der Hinweis. Aber das wird dann mit dem Ortschaftsrat abgestimmt ablaufen. So hatten wir das vor Ort vereinbart. Die 200 kamen auch nicht aus der städtischen Vorgabe, sondern der Ortschafts- rat und die Bevölkerung, die in den Workshops beteiligt waren, haben sich spannenderweise für einen Entwurf ausgesprochen, der mit 200 deutlich über den eigentlichen Grenzen lag. Dann hat man durch Abbau der Geschosse wieder diese Grenze erreicht. Da muss man an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen spielen, damit das dann architektonisch passt. Für diese Bereitschaft, darüber noch einmal zu diskutieren, habe ich auch im Ortschaftsrat gewor- ben und muss insgesamt sagen, dass ich es bemerkenswert finde, wie die Bevölkerung, der Ort- schaftsrat, auch Herr Weinbrecht als Ortsvorsteher, mit uns zusammengearbeitet hat. Das ist nicht selbstverständlich, wenn es um so viele neue Einwohnerinnen und Einwohner geht. Dafür auch noch einmal mein herzliches Dankeschön. Als erstes rufe ich den Ergänzungsantrag der LINKE. auf. Wir haben Ihnen nicht empfohlen, das jetzt alles nicht zu machen, sondern wir weisen darauf hin, an welchen Verfahrensschritten wir diese Fragen aufwerfen können. Wenn Sie dennoch auf eine Abstimmung bestehen, dann wür- de ich die jetzt durchführen. Ich bitte um das Kartenzeichen. – Das sind 18 Zustimmungen, eine Enthaltung, dann sind wir bei 29 Ablehnungen. Dann kommt der Änderungsantrag der AfD. Da geht es um die Bürgerversammlung. Ich möchte darauf hinweisen, dass natürlich über alle Prozessschritte der Ortschaftsrat ganz intensiv einge- bunden wird. Das ist neben der Veröffentlichung im Amtsblatt natürlich selbstverständlich. Ich bitte auch hier um das Kartenzeichen. – Dann habe ich 3 Zustimmungen und 45 Ablehnungen. Dann kommen wir zur unveränderten Beschlussvorlage der Verwaltung. Da bitte ich um Ihr Kartenzeichen. - Da haben wir eine Enthaltung und 47 Zustimmungen, damit einstimmig ange- nommen. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass es Zeit für eine Pause ist. Wir sehen uns um 19:15 Uhr hier wieder. (Unterbrechung der Sitzung von 18:40 – 19:15 Uhr) – 9 – Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 11. August 2020