Aufsuchende ambulante psychiatrische Versorgung in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe
| Vorlage: | 2020/0511 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 29.04.2020 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2020/0511 Aufsuchende ambulante psychiatrische Versorgung in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 21.07.2020 24 x 1. Die Verwaltung unterstützt eine Verlängerung der Kooperation zwischen der Psychiatrie des Städtischen Klinikums Karlsruhe und dem „Hotel Anker“ über das Jahr 2020 hinaus. 2. Die Verwaltung erhöht den psychiatrischen Versorgungsgrad der in Karlsruhe lebenden Obdachlosen um ein niedrigschwelliges Angebot aufsuchender ambulanter Hilfen (Home Treatment) in weiteren Einrichtungen der ambulanten Wohnungslosenhilfe. 3. Die Verwaltung erstellt dazu ein Konzept und informiert über die notwendigen Ressourcen. Sachverhalt / Begründung: Die Kooperation zwischen der Psychiatrie des Städtischen Klinikums Karlsruhe (SKK) und dem „Hotel Anker“ (AWO) hat sich als wichtige neue Versorgungsform herausgestellt. Bisher war es nicht gelungen, die überwiegende Zahl der an psychischen Störungen leidenden Bewohner*innen des „Hotel Anker“ dazu zu bewegen, eine psychiatrische Behandlung wahrzunehmen. Dies hat sich nun durch den regelmäßigen medizinischen Konsiliardienst eines Psychiaters und den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses geändert. Zudem konnte erfolgreich eine psychiatrische Sprechstunde im Hotel Anker für dort nicht untergebrachte obdachlose Menschen etabliert werden. Eine Verlängerung dieser Versorgungsform ist notwendig, weil sie zum Ende des Jahres 2020 ausläuft. Wir unterstützen die Verwaltung dahingehend, weiter zu insistieren, dass die Krankenkassen als eigentlich – unserer Meinung nach - Zuständige die Kosten übernehmen. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Versorgung von Obdachlosen, die an psychischen Störungen leiden, auf die ca. 300 weiteren in Karlsruhe in verschiedenen ambulanten Einrichtungen untergebrachten Menschen auszudehnen. Im Gemeindepsychiatrischen Verbund wurde dies bereits angeregt. Der richtige Weg scheint uns die aufsuchende Versorgung, zumindest für Menschen, die bei den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege wohnen. Der Paritätische Gesamtverband in Berlin hat dazu bereits ein Papier „ Home Treatment – Gemeinsam handeln“ verfasst (https://www.der-paritaetische.de/publikation/home-treatment- gemeinsam-handeln/). Home Treatment bedeutet, dass die notwendigen Behandlungs- und Unterstützungsleistungen für psychisch kranke Menschen bei Bedarf und auf Wunsch in deren Lebensumfeld erbracht werden Ergänzende Erläuterungen Seite 2 können. Die umfassende rechtliche und finanzielle sowie qualitative Absicherung dieser komplexen Leistungen und der damit verbundenen Koordinationsleistungen ist längst überfällig. Unterzeichnet von: Verena Anlauf Michael Borner Niko Riebel Aljoscha Löffler
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0511 Dez. 5 Aufsuchende ambulante psychiatrische Versorgung in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 21.07.2020 24 x Kurzfassung Die Verwaltung unterstützt eine Verlängerung der Kooperation zwischen der Psychiatrie des Städtischen Klinikums Karlsruhe (SKK) und dem „Hotel Anker“ über das Jahr 2020 hinaus und schlägt vor, die Projektziele und ein mögliches Konzept im zuständigen Fachausschuss vorzustellen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Die Verwaltung unterstützt eine Verlängerung der Kooperation zwischen der Psychiatrie des Städtischen Klinikums Karlsruhe (SKK) und dem „Hotel Anker“ über das Jahr 2020 hinaus. Einer Verlängerung des Projektes über das Jahr 2020 hinaus wird befürwortet. Die Kooperation wird von Seiten der Psychiatrie des SKK, der Verantwortlichen des „Hotel Anker“ und von der Sozial- und Jugendbehörde als sehr gut angesehen. Gegenwärtig führt ein erfahrener Facharzt der Klinik für Psychiatrie eine regelmäßige Sprechstunde im „Hotel Anker“ durch. Diese Sprechstunde wurde inhaltlich so weit ausgeweitet, dass daraus auch eine psychiatrische Supervision des Teams im „Hotel Anker“ wurde. Auch Obdachlose, die nicht innerhalb des „Hotels Anker“ untergebracht sind, nehmen Termine im Rahmen dieser Sprechstunde wahr. Hierzu trägt bei, dass die Betroffenen das „Hotel Anker“ als wenig stigmatisierend ansehen. Weiterhin werden mehrere Bewohnende des „Hotels Anker“ auch in ihrem persönlichen Wohnumfeld aufgesucht, da ihnen selbst das Aufsuchen einer Sprechstunde nicht möglich ist. Es ist also erreicht worden, innerhalb der derzeit laufenden rund 12 Monate des Projektes eine sehr wichtige Versorgungsform neu zu etablieren, die für alle Beteiligten von hoher Effektivität und Wirksamkeit ist. Durch die Kooperation ist es einerseits gelungen, Menschen in die psychiatrische Versorgung zu bringen, andererseits wurde die Sicherheit der Bewohnenden, des Teams im „Hotel Anker“ und des Umfeldes entscheidend durch die psychiatrische Fachkompetenz in der Betreuung des „Hotels Anker“ verbessert. Weiterhin ist es gelungen, stationäre Aufnahmen - die weiterhin notwendig werden – zielorientierter zu steuern und effektiver auszugestalten. Somit wurde nicht nur die Verbesserung der Versorgung, sondern vor allem auch – zumindest mittelfristig – eine Verbesserung des Umfeldes des „Hotels Anker“ erzielt. 2. Die Verwaltung erhöht den psychiatrischen Versorgungsgrad der in Karlsruhe lebenden Obdachlosen um ein niedrigschwelliges Angebot aufsuchender ambulanter Hilfen (Home Treatment) in weiteren Einrichtungen der ambulanten Wohnungslosenhilfe 3. Die Verwaltung erstellt dazu ein Konzept und informiert über die notwendigen Ressourcen. Die Verwaltung schlägt vor, die Projektziele und ein mögliches Konzept im Fachausschuss vorzustellen.
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Niederschrift 12. Plenarsitzung des Gemeinderates 21. Juli 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 23. Punkt 24 der Tagesordnung: Aufsuchende ambulante psychiatrische Versorgung in Einrich- tungen der Wohnungslosenhilfe Antrag: GRÜNE Vorlage: 2020/0511 Beschluss: Verwiesen in den Sozialausschuss Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 24 zur Behandlung auf. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Es ist jetzt total ernsthaft, was ich jetzt sage. Wir freuen uns, dass die Kooperation zwischen der Psychiatrie des Städtischen Klinikums und dem Hotel Anker wei- tergeführt wird. Wir GRÜNEN setzen uns schon seit einiger Zeit für eine Verbesserung der Situ- ation im Hotel Anker und der dort untergebrachten wohnungslosen Menschen ein. Wobei ich auch sagen möchte, es ist super, dass wir das Hotel Anker haben, das hat nicht jede Stadt und das ist uns durchaus bewusst. Die psychiatrische Versorgung hat sich als notwendig und über- fällig herausgestellt, die Menschen dort sind froh, dass sie Hilfe erfahren, gerade weil sie es in vielen Fällen selbst nicht geschafft hätten, eine Psychiatrie aufzusuchen. Weiterhin hatten wir unter Punkt 2 den Antrag gestellt, den psychiatrischen Versorgungsgrad auf weitere Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe auszuweiten, im Sinne von Home Treat- ment, also aufsuchende ambulanter Hilfen, halten wir genauso für notwendig wie beim Hotel Anker. Man könnte mit einem Angebot beginnen und evaluieren, wie hoch der tatsächliche Bedarf ist. Die Antwort der Verwaltung, nur ein kleiner Satz dazu, empfinden wir doch als etwas mager. Wir denken, wenn nicht genügend Zeit für eine Antwort war, wäre es möglich gewesen, die Antwort zu verschieben, denn es wird auch kein Zeitrahmen angegeben. Wir möchten gerne – 2 – wissen, bis wann spätestens ein Konzept im Fachausschuss vorgestellt wird. Das nicht im Sinne von Druck, sondern einfach um sich realistisch darauf einstellen zu können. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Die psychiatrische Versorgung gerade von obdachlosen Menschen am Rande unserer Gesellschaft, ist ein ganz wesentlicher Punkt sowohl für diese Menschen als auch für die Menschen, die sie betreuen und für das Umfeld in dem sie leben. Auch diese As- pekte darf man nicht ganz außer Acht lassen. Es ist toll, was im Anker geschieht, nicht nur im psychiatrischen Bereich, sondern auch im allgemeinmedizinischen Bereich sind dort Anlaufstel- len für diese Menschen geschaffen worden. Die Zusammenarbeit mit der Psychiatrie vom Städ- tischen Klinikum, das dort ein Facharzt direkte Hilfe für die aufsuchenden Menschen bringt, ist sicherlich wichtig. Der Weg solcher Menschen, die psychiatrisch beeinträchtigt sind, in eine Arztpraxis oder in eine psychiatrische Klinik stellt eine große Hemmschwelle dar, die nur auf diese Art und Weise unterbrochen werden kann. Dann entstehen Möglichkeiten, wenn Ver- trauen hergestellt ist, auch in andere Einrichtungen oder in eine psychiatrische Klinik zu über- weisen. Dass dies auch in anderen Einrichtungen wichtig ist, sehen wir ein, aber dazu sollte in kurzer Zeit mal ein entsprechendes Konzept erstellt werden. Wo kann man das im Stadtgebiet machen? Ich glaube, diese Frage kann man so im Moment noch nicht so genau beantworten, aber ich erwarte, dass wir in kurzer Zeit im Fachausschuss hierzu eine Überlegung und Lösungs- ansätze bekommen. Stadträtin Melchien (SPD): Ich kann mich direkt daran anschließen. Ich glaube, es herrscht gro- ße Einigkeit über die Wichtigkeit dieses Angebots. Der SPD-Fraktion ist die Wohnungslosenhilfe in Karlsruhe ein Herzensanliegen, und auch wir waren im Hotel Anker und haben uns über das sehr wichtige Angebot informiert und begrüßen die Kooperation mit der Psychiatrie des Städti- schen Klinikums sehr. Die Verwaltung sagt es auch, dass diese wichtige Versorgungsform von einer hohen Wirksamkeit geprägt ist und sich etabliert hat, von daher sind wir uns alle einig, dass diese Versorgung so weiterhin gewährleistet werden muss, allerdings auch, und da stim- men wir den Antragstellern voll und ganz zu, weiter in der Stadt ausgebaut werden sollte, gera- de mit diesen positiven Erfahrungen, die alle Beteiligten da sammeln konnten. Ich sehe es wie Herr Stadtrat Müller, wir möchten darüber gerne zeitnah im Fachausschuss beraten. Dazu braucht es kein Riesenkonzept, aber einfach dass man die nächsten Schritte miteinander klärt. Ich glaube, da spricht nichts dagegen, und da sind wir uns alle in der Sache einig. Stadträtin Böringer (FDP): Wir begrüßen den Antrag der GRÜNEN auch. Es geht um Hilfe für Menschen, die zu den schwächsten in unserer Gesellschaft zählen. Dass dieser Personenkreis nach Bedarf und auch nach Wunsch in eine ambulante psychiatrische Versorgung gebracht wird, ist besonders wichtig und wir sind selbstverständlich auch mit der Verlängerung der Ko- operation zwischen der Psychiatrie des Städtischen Klinikums und dem Hotel Anker sehr einver- standen. Mit dem Vorschlag, die weiteren aufgeworfenen Themen in einem zuständigen Aus- schuss zu erörtern, damit sind wir ebenfalls einverstanden. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Auch wir unterstützen den Antrag der GRÜNEN, es ist richtig, dass hier ein Konzept entwickelt werden soll. Die einzige Anregung, die wir dazu noch geben wür- den, wäre, dass man bitte versuchen soll, andere Kostenträger, die noch infrage kommen, viel- leicht zum Beispiel die Krankenkassen, bei diesem Konzept mit ins Boot zu nehmen. – 3 – Der Vorsitzende: Große Zustimmung, verwiesen in den Fachausschuss, sobald es möglich ist, in Verbindung zur Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe, das steht sowieso an, habe ich mir gerade erzählen lassen. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Nur eine Frage, mit Fachausschuss ist jetzt der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit gemeint? Der Vorsitzende: Wir hätten es jetzt eher im Sozialausschuss gesehen. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich finde schon, dass man im Gesundheitsausschuss durchaus auch solche Themen behandeln kann. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Ich glaube, dass dies im Sozialausschuss genau der richtige Ort ist, dort ist die Breite. Der Umwelt- und Gesundheitsausschuss würde es nur auf einen kleinen Teil runterbrechen, nämlich nur rein die gesundheitliche Vorsorge. Ich glaube wir müssen es breit aufstellen, deswegen sollte es in den Sozialausschuss. Der Vorsitzende: Sie hätten keine Mehrheit, Frau Binder, insofern kommt es in den Sozialaus- schuss. Sie können gerne die Mitglieder Ihrer Fraktion vom Gesundheitsausschuss mit hinzuzie- hen, das gilt für alle anderen auch. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 6. August 2020