Evaluation und Weiterentwicklung des Konzepts für Bürgerzentren in Karlsruhe
| Vorlage: | 2020/0472 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 22.04.2020 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Amt für Stadtentwicklung |
| Erwähnte Stadtteile: | Beiertheim-Bulach, Daxlanden, Grötzingen, Grünwinkel, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Oberreut, Oststadt, Rintheim, Südstadt, Südweststadt, Waldstadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 26.05.2020
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung | Büro für Mitwirkung und Engagement Evaluation des Konzepts zur Förderung von Bürgerzentren 2013 bis 2020 2 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Impressum Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Zähringerstraße 61 76133 Karlsruhe Leiterin: Dr. Edith Wiegelmann-Uhlig Bereich: Büro für Mitwirkung und Engagement Christian Fulda Bearbeitung: Fabienne Deck Layout: Fabienne Deck Telefon: 0721 133-1270 Fax: 0721 133-1279 E-Mail: bme@afsta.karlsruhe.de Internet: www.karlsruhe.de/bme Stand: April 2020 ©Stadt Karlsruhe Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Herausgebers ist es nicht gestattet, diese Veröffentlichung oder Teile daraus zu vervielfältigen oder in elektronischen Systemen anzubieten. 3 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Inhalt Einleitung ............................................................................................................................ 4 Konzept für Bürgerzentren in den Stadtteilen ................................................................ 5 Neu geförderte Bürgerzentren seit 2015 .......................................................................... 9 Bereits vor 2015 geförderte Bürgerzentren ................................................................... 14 Ehrenamtlicher Betrieb von Bürgerzentren .................................................................... 17 Diversität der sozialen Einrichtungen in Karlsruhe........................................................ 19 Gesamtkonzept „Soziale Quartiersentwicklung“ .......................................................... 20 Fazit ................................................................................................................................... 20 4 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Einleitung Der Hauptausschuss hat in seiner Sitzung am 15. Oktober 2013 das „Konzept zur Förderung von Bürgerzentren in den Stadtteilen“ beschlossen. In diesem Beschluss wurden die Aufgaben und Ziele von Bürgerzentren sowie die Grundzüge der geplanten Förderkriterien benannt. Gleichzeitig wurde die Verwaltung beauftragt, nach vier Jahren einen Bericht zur Evaluation der Bürgerzentren vorzulegen. Dabei sollte insbesondere geprüft werden, ob die dargestellten Kriterien sowie die ehrenamtliche Trägerschaft sachgerecht sind. Aufgrund des im Jahr 2018 gestarteten Prozesses zur Konzeptentwicklung „Soziale Quartiersentwicklung“ in Karlsruhe wurde der Evaluations- bericht zurückgestellt. Nunmehr wurden die bisherigen Erfahrungen mit der Förderung von Bürgerzentren einer kritischen Bewertung unterzogen, um Verbesserungspotenzial zu identifizieren. 5 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Konzept für Bürgerzentren in den Stadtteilen Das Konzept sah vor, Bürgerzentren als Teil einer kommunalen, präventiv ausgerichteten Sozialpolitik zu entwickeln (Hauptausschussbeschluss vom 15. Oktober 2013). Bürgerzentren sollen bei der Bewältigung des demografischen Wandels helfen, indem sie Eigenverantwortung, gegenseitige Hilfe- leistungen, Integration und bürgerschaftliches Engagement stärken und den Zusammenhalt im Stadtteil fördern. Sie sollen als Orte des Miteinanders offen für alle Bürgerinnen und Bürger eines Stadtteils sein. Besondere Aufmerksamkeit ist auf die Einbeziehung von Familien mit Kindern, von Alleinstehenden, von älteren Menschen sowie von Personen mit Migrationshintergrund zu legen. Bürgerzentren sollten selbst organisierte und bürgerschaftliche Aktivitäten mit professionellen Angeboten und Dienstleistungen (zum Beispiel Frühe Hilfen, Sozialberatung, Seniorenberatung, Alt und Jung Hand in Hand und so weiter) verbinden und mit Einrichtungen und Initiativen im Stadtteil vernetzt arbeiten. Ein Bürgerzentrum kann ein individuelles Profil und eigene Schwerpunkte entwickeln, muss jedoch grundlegende Kriterien erfüllen, um eine städtische Förderung zu erhalten. Entstanden ist die Idee der Bürgerzentren im Rahmen des 2007 beschlossenen Karlsruher Masterplan 2015, der das Ziel formulierte, bis 2015 in Karlsruhe ein Netz von Bürgerzentren zu realisieren. Auf Basis eines gesamtstädtischen Grundkonzepts sollte zunächst in einem Stadtteil ein Modellprojekt errichtet werden. Von den Erfahrungen des Modellprojekts ausgehend sollten in einem nächsten Schritt in Zusammenarbeit mit den Bürgervereinen weitere Bürgerzentren realisiert werden. Im Zuge der Bürgerbeteiligung im Soziale-Stadt-Gebiet Mühlburg entstand als zentrale Projektidee im Sozialbereich die Einrichtung eines Bürgerzentrums in Kooperation mit der Stadtteilbibliothek. Daher wurde hier im Jahr 2010 das Modellprojekt durch den zu diesem Zweck gegründeten Verein Bürgerzentrum Mühlburg e. V. etabliert, zunächst als Interims-Bürgerzentrum. Bei den Überlegungen zu Bürgerzentren ging es in erster Linie darum, vorhandene Angebote und Strategien zusammenzuführen, um eine bessere Wirkung für die Menschen im Stadtteil zu erzielen. Auch unter Kostenaspekten war es nicht das Ziel, neue aufwendige Einrichtungen zu schaffen, sondern geeignete bestehende Sozial- bzw. Bildungseinrichtungen in Kooperation mit der Sozial- und Jugendbehörde zu Bürgerzentren weiterzuentwickeln. Angedacht waren beispielsweise folgende Modelle: Kindertagesstätte / Startpunkt Familienzentrum plus Bürgerzentrum, Jugendtreff plus Bürgerzentrum, Schule plus Bürgerzentrum, Stadtteilbibliothek plus Bürgerzentrum, Seniorentreff plus Bürgerzentrum, Kirchengemeinde plus Bürgerzentrum, Mehrgenerationenhaus plus Bürgerzentrum. Im Jahr 2014 hat die Verwaltung eine Bestandsaufnahme in den Stadtteilen und Fördergrundsätze für Bürgerzentren ausgearbeitet. Folgende Grundsätze für die Förderung von Bürgerzentren hat der Gemeinderat am 3. Februar 2015 beschlossen: Bürgerzentren können durch Mietkostenzuschüsse unterstützt werden. Über entsprechende Anträge entscheidet der Hauptausschuss beziehungsweise der Gemeinderat. Unverzichtbare Voraussetzungen dafür sind die Initiative und die Mitarbeit der Stadtteilbevölkerung. Träger eines Bürgerzentrums kann ein Bürgerverein, ein Trägerverein, eine Institution oder ein Zusammenschluss von freien Trägern und Vereinen sein. Die Konzeption für ein Bürgerzentrum ist eng mit der Stadtverwaltung und den Akteuren im Stadtteil abzustimmen, um vorhandene räumliche und personelle Ressourcen und Bedarfe einzubeziehen. 6 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Ein Zuschuss kann gewährt werden, wenn ein Verein, Bürgerverein oder ein sonstiger Träger ein Bürgerzentrum ehrenamtlich oder durch anderweitig finanzierte Projekte und Institutionen (zum Beispiel Wohlfahrtsverbände, Vereine, Krankenkassen, Volkshochschule, eingeworbene Projektmittel und so weiter) oder auf eigene Kosten betreiben will und ein dauerhaft tragfähiges Nutzungskonzept einreicht, das unter anderem die folgenden Kriterien erfüllt: Verlässliche Trägerschaft für das Bürgerzentrum durch einen neu gegründeten Verein, den Bürgerverein oder eine andere Trägerkonstruktion. Angebote für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen. Die Erfüllung von mindestens einem der nachfolgenden drei Kriterien: Kooperationen mit sozialen oder kulturellen Einrichtungen, Kooperationen mit Gewerbetreibenden, Offener Treff für alle, offen für neue Initiativen, Projekte, Zielgruppen. Stätte der Begegnung und Förderung bürgerschaftlichen Engagements. Förderung der Integration und des sozialen Miteinanders. Vernetzung von Initiativen, Vereinen, Organisationen, Hilfsangeboten sowie Bürgerinnen und Bürgern im Stadtteil. Belegungsplan mit geplanten Nutzungen für die ersten Monate (mindestens zwei bis fünf regelmäßige Termine pro Woche für die Anfangsphase). Wichtigstes Kriterium aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Zahl der offenen niedrigschwelligen Angebote für die Stadtteilgesellschaft in einem Bürgerzentrum. Im Rahmen einer Bestandsaufnahme, die am 21. Oktober 2014 dem Gemeinderat vorgelegt wurde, ermittelte die Verwaltung die in den Stadtteilen vorhandenen Strukturen, Räume und Möglichkeiten zur Einrichtung von Bürgerzentren beziehungsweise bürgerschaftlich nutzbaren Räumen. Dabei wurde eruiert, inwieweit Bürgervereine und andere Akteure vor Ort den Bedarf für ein Bürgerzentrum sehen und bereit sind, es auch zu betreiben. Die Situation in den Stadtteilen im Hinblick auf vorhandene Treffpunkte und Bedarfe erwies sich als äußerst vielschichtig: 1.) In einigen Stadteilen bestanden bereits Bürgerzentren oder Treffpunkte (Südstadt, Oststadt, Mühlburg, Oberreut, Rintheim und Neureut). Diese waren historisch gewachsen und wurden nach unterschiedlichen Fördermodalitäten von der Stadt bezuschusst. 2.) In Daxlanden gab es bereits konkrete Pläne für ein Bürgerzentrum. 3.) Es gab Stadtteile mit starkem Interesse an einem Bürgerzentrum (Nordweststadt, Knielingen). 4.) Stadtteile mit unterschiedlich ausgeprägtem Interesse an einem Bürgerzentrum und 5.) Stadtteile, die zum Zeitpunkt der Untersuchung keinen Bedarf an einem Bürgerzentrum / Bürgertreff hatten. Im Rahmen der Bestandsaufnahme wurde darüber hinaus deutlich, dass „die Mehrzahl der Bürgervereine ... sich nicht in der Lage“ sieht, „ein Bürgerzentrum ehrenamtlich zu betreiben“ (Gemeinderatsvorlage vom 21. Oktober 2014). Auch die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine (AKB) sah im ehrenamtlichen Betrieb eines Bürgerzentrums „eine Überforderung der Bürgervereine“ und regte an, „im Karlsruher Stadtgebiet einige größere Bürgerzentren mit hauptamtlichem Personal zu schaffen, in den übrigen Stadtteilen dagegen kleinere Bürgertreffs einzurichten, in denen sich Gruppen treffen können“ (ebd.). Auch die Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher hielten im Rahmen der Bestandsaufnahme eine Kombination aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften für erforderlich. Insofern gab es damals Bedenken gegenüber dem letztlich beschlossenen Konzept, in allen Stadtteilen ehrenamtlich geführte Bürgerzentren einzurichten. 7 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme wurden im Hauptausschuss am 7. Oktober 2014 vorberaten und im Gemeinderat am 21. Oktober 2014 zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung wurde beauftragt, a) die bestehenden Bürgerzentren und Treffpunkte in den Stadtteilen Südstadt, Oststadt, Mühlburg, Oberreut, Rintheim und Neureut zu unterstützen und im Sinne der Konzeption Bürgerzentren inhaltlich weiterzuentwickeln und ab 2015 Mietzuschüsse für die Südstadt (15.000 Euro), Oststadt (12.000 Euro), Mühlburg (32.138,50 Euro) und Rintheim (7.200 Euro) in Höhe von zusammen 66.338,50 Euro (wie bereits 2014) zu gewähren, b) in den anderen Stadtteilen interessierte Gruppen bei der Realisierung eines Bürgerzentrums intensiv zu unterstützen und für weitere sechs bis acht Stadtteile, wie zum Beispiel Daxlanden, Nordweststadt, Knielingen und so weiter für 2015 Mietzuschüsse in Höhe von etwa 184.000 Euro, für 2016 von etwa 284.000 Euro einzuplanen. Am 3. Februar 2015 hat der Gemeinderat die „Grundsätze für die Förderung von Bürgerzentren in den Stadtteilen“ beschlossen (siehe Anlage) . Am 22. Januar 2019 wurden die geänderten Grundsätze für die Förderung von Bürgerzentren vom Gemeinderat beschlossen (siehe Anlage). Ergänzt wurde die Möglichkeit eines Zuschusses in Höhe von maximal 10.000 Euro für die Erstausstattung eines neuen Bürgerzentrums beziehungsweise die Ausstattung bei einem Umzug in neue Räumlichkeiten. Der zusätzliche Investitionszuschuss kann gesondert beantragt werden, wenn die Anschaffungen für den Betrieb des Bürgerzentrums notwendig und die Kosten der Höhe nach angemessen sind. Bedarf besteht insbesondere an Möbeln (Tische, Stühle, Schränke) sowie Ausstattung für Präsentation und Moderation (Beamer, Leinwand, Pinnwand, Flipchart). Auf Grundlage des Um- und Einzugs in die neuen Räumlichkeiten Weinbrennerstraße 79a hat der Verein Bürgerzentrum Mühlburg e. V. am 9. April 2019 seinen Antrag auf Zuschuss für Erstausstattung für Schränke, Stühle und Tische in Höhe von 8.713,48 Euro über zusätzlich bereit- gestellte Mittel im Rahmen der Haushaltsberatungen zum Doppelhaushalt 2019/2020 bewilligt bekommen. Seither haben vier Einrichtungen und Vereine eine Förderung von Räumlichkeiten als Bürgerzentrum beantragt und bewilligt bekommen: Die Bürgerzentren in Daxlanden, der Südweststadt, der Nordweststadt sowie in Knielingen. Bereits zuvor waren Bürgerzentren in Mühlburg, Oststadt, Rintheim und Südstadt städtisch gefördert worden, die seit Januar 2015 ebenfalls über die dafür bereitgestellten Mittel vom Amt für Stadtentwicklung bezuschusst wurden. Nachdem die Förderrichtlinien beschlossen wurden, umfasst die „Förderung von Bürgerzentren“ die Beratung interessierter Träger für eine Antragstellung, die Unterstützung beim Aufbau und Betrieb eines Bürgerzentrums, die Prüfung neuer Anträge sowie die Abwicklung der Förderung inklusive Prüfung der jährlichen Verwendungsnachweise. Darüber hinaus hat das Büro für Mitwirkung und Engagement Ehrenamtliche in Bürgerzentren vermittelt, zusätzliche Fördermittel zur Stärkung und Weiterentwicklung von Bürgerzentren akquiriert und die folgenden Förderprojekte begleitet: „Gemeinsam sind wir bunt“ in der Nordweststadt; NIS 2015 (Nichtinvestive Städtebaufördermittel) für Mühlburg und das Rintheimer Feld, im Bürgerzentrum Mühlburg den ersten Karlsruher Leseclub, gefördert von der STIFTUNG LESEN, initiiert, 8 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 einen Erfahrungsaustausch zwischen den Betreiberorganisationen von Bürgerzentren initiiert und ausgewählte Betreiber von Bürgerzentren im Bereich Öffentlichkeitsarbeit beraten, einen Bürgermentorenkurs mit dem Schwerpunkt „Projektarbeit für Bürgerzentren, Quartierstreffpunkte und Nachbarschaftsinitiativen“ durchgeführt, um neue Impulse für nachbarschaftliche Aktivitäten anzuregen, das Bürgerzentrum Mühlburg bei dessen Etablierung am neuen Standort in der Weinbrennerstraße 79a und der neuen Angebotsgestaltung beraten und unterstützt, sowie die Stadtteilkoordination beim Aufbau und der Moderation der Stadtteilnetzwerke in Mühlburg und Daxlanden im Rahmen des gesamtstädtischen Prozess zur Quartiersentwicklung unterstützt. 9 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Neu geförderte Bürgerzentren seit 2015 Bürgerzentrum Daxlanden Am 3. Februar 2015 hat der Gemeinderat das vom Caritasverband Karlsruhe e. V. vorgelegte Konzept für ein Bürgerzentrum in Daxlanden zur Kenntnis genommen und beschlossen, rückwirkend ab Januar 2015 einen monatlichen Zuschuss zu gewähren. Das Bürgerzentrum im Seniorenzentrum St. Valentin wurde gemeinsam von Caritas und Bürgerverein Daxlanden entwickelt. Es ist Teil eines Quartiersprojekts. Bis 31. Juli 2018 gab es eine Quartiers- managerin, die sich zunächst im Rahmen einer 50 %-Stelle auch um die Entwicklung des Bürgerzentrums kümmert. Finanziert wurde die Stelle zunächst über eine Förderung vom Deutschen Hilfswerk (Fernsehlotterie). Nach Auslaufen dieser Förderung hat der Gemeinderat am 17. Juli 2018 beschlossen, ab 1. August 2018 bis 31. Dezember 2020 eine Übergangsfinanzierung für das Quartiersmanagement in Daxlanden im Umfang einer 50%-Stelle sicherzustellen. Das im Seniorenheim befindliche Bürgerzentrum (ehemals Café St. Valentin und Vereinsraum) steht auch für Stadtteilnutzungen, Vereine wie den Bürgerverein und andere Gruppierungen aus Daxlanden zur Verfügung und wird daher anteilig als Bürgerzentrum gefördert. Da die regelmäßig stattfindenden Angebote und Aktivitäten im Bürgerzentrum - abgesehen von einem wöchentlich stattfindenden Eltern-Kind-Café - auf Grundlage der demographischen Zusammensetzung der Stadtteilbevölkerung anfangs zu einem großen Anteil auf ältere Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet waren (zum Beispiel: Sturzprophylaxe, Seniorentanz, Muskelaufbautraining, Sitzgymnastik), wurde der Mietzuschuss zunächst auf ein Drittel der kalkulatorischen Miet-, Neben- und Reinigungskosten festgesetzt und die Verwaltung beauftragt, die Zuschusshöhe Ende 2015 anhand der bis dahin etablierten Nutzungen zu prüfen und für 2016 neu vorzuschlagen. Nach Prüfung des eingereichten Verwendungsnachweises des Bürgerzentrums Daxlanden für das Jahr 2015 zeigte sich, dass bei den durchgeführten Aktivitäten inhaltlich überwiegend weiterhin ein enger Bezug zum Seniorenzentrum bestand. Nach wie vor war die Hemmschwelle für die Stadtteil- bevölkerung relativ hoch, zu Aktivitäten in ein im Seniorenzentrum gelegenes Bürgerzentrum zu gehen. Da die Nutzung durch Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Stadtteil nicht wesentlich ausgebaut werden konnte, wurde in der Hauptausschusssitzung vom 14. Juni 2016 beschlossen, den Zuschuss ab 2016 nicht zu erhöhen, sondern auf dem Stand von 2015 zu belassen. Durch den Wegfall des täglichen Mittagstisches im ehemaligen Café St. Valentin ab März 2018 ergaben sich neue Raumkapazitäten und Möglichkeiten der Angebotsgestaltung für das Bürgerzentrum. Bis zum heutigen Tag wird der Prozess zur Öffnung des im Seniorenzentrum befindliche Bürgerzentrum beständig weiterverfolgt und die Synergieeffekte von Quartiers- management und Bürgerzentrumsarbeit genutzt. Die Räumlichkeiten dienen unter anderem einer offenen Spielrunde für Jung & Alt, Vorträgen, Vereinssitzungen, Back- und Kochaktionen, Informationsveranstaltungen, privaten Feiern, Veranstaltungen von Gruppen und Anmietungen durch Gewerbetreibende. Neben regelmäßigen Angeboten werden außerdem offene, teils jahreszeitlich geprägte Einzelveranstaltungen im Bürgerzentrum durchgeführt: Nachbarschaftsfest „Tag der Nachbarn“, Ostermarkt mit Künstlerischem, Handarbeiten und Selbstgemachtem, Flohmärkte für Jung und Alt, Martinsmarkt als Künstler- und Handwerkermarkt, Valentinskonzert, Frühjahrs- und Winterkonzert in Kooperation mit dem Handharmonika Orchester 1934 Daxlanden e. V., Oktoberfest „O’zapft is“, Adventscafé. Durch das einmal jährlich stattfindende „Meet and Greet“ leistet das Bürgerzentrum zudem einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung und zum Austausch unterschiedlichster Akteure aus dem Stadtteil wie Vereine, Institutionen, Gruppen und interessierte Bürgerinnen und Bürger. In den Räumlichkeiten 10 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 des Bürgerzentrums finden überdies Treffen zur Gründung und Etablierung eines Stadtteilnetzwerkes im Rahmen des 2019 gestarteten städtischen Prozesses zur Quartiersentwicklung Daxlanden statt. Durch die Stadtteilkoordination moderiert und begleitet, wird angestrebt, die aus dem Prozess entstandenen Arbeitsgruppen an bestehende Netzwerkstrukturen in Daxlanden anzubinden. Bürgerzentrum Südweststadt Am 27. Oktober 2015 hat der Hauptausschuss das vom Badischen Landesverein für Innere Mission (BLV) als Körperschaft des Öffentlichen Rechts vorgelegte Konzept für ein Bürgerzentrum (hervorgegangen aus dem Quartiersprojekt Südweststadt) in der Altenpflegeeinrichtung Friedensheim, Redtenbacherstraße 10-14, zur Kenntnis genommen und die Gewährung eines monatlichen Zuschusses ab November 2015 beschlossen. Das Quartiersprojekt Südweststadt wurde bis 31. Mai 2019 vom Deutschen Hilfswerk zunächst für drei Jahre mit einer halben Stelle und anschließend über weitere zwei Jahre mit einer vollen Stelle gefördert. Nach Ende dieser Förderung hat der Gemeinderat am 17. Juli 2018 für den Zeitraum von 1. Juni 2019 bis 31. Dezember 2020 eine Übergangs- finanzierung für das Quartiersprojekt Südweststadt im Umfang einer 50%-Stelle beschlossen. Da der Anteil stadtteilbezogener Aktivitäten und Gruppierungen im Grünen Zimmer des Friedensheims zum Zeitpunkt der Antragstellung noch relativ gering war, wurde der Mietzuschuss zunächst ebenso wie in Daxlanden auf ein Drittel der kalkulatorischen Miet-, Neben- und Reinigungskosten festgesetzt und die Verwaltung beauftragt, die Zuschusshöhe auf Grundlage des Verwendungsnachweises 2016 anhand der bis dahin etablierten Nutzungen zu prüfen und die Zuschusshöhe für 2017 neu vorzuschlagen. Das Bürgerzentrum bildet einen Baustein des Quartiersprojekts in der Südweststadt. Als weiteren Baustein eröffnete der Badische Landesverein für Innere Mission am 10. Juni 2016 in Kooperation mit dem Mieter- und Bauverein in zentraler Lage, Mathystraße 12, den „Mitmach-Laden Südwest“. Dieser hat sich zu einer wichtigen Anlaufstelle und einem Ort der Begegnung für die umliegende Anwohnerschaft entwickelt. Regelmäßige Angebote wie beispielsweise diverse Sprachgruppen, Skatnachmittage und themenspezifische Treffs finden mehrmals pro Woche statt. Für größere Veranstaltungen und Angebote mit hohem Platzbedarf reichen die Räumlichkeiten jedoch nicht aus. Hier ergänzen sich Bürgerzentrum und Mitmach-Laden gut. Heterogene Nutzergruppen mit unterschiedlichem Unterstützungs- und Begleitungsbedarf durch die Quartiersmitarbeiterinnen haben auf diese Weise die Möglichkeit ihren Interessen nachzugehen und Projektideen zu realisieren. Im Zusammenspiel von Quartiersprojekt, Mitmach-Laden und Bürgerzentrum kann der BLV nachhaltige Erfolge bei der Aktivierung von Bürgerinnen und Bürgern in der Südweststadt vorweisen, so dass eine Vielzahl neuer Gruppen und Projekte entstanden sind. Insbesondere der Mitmach-Laden hat sich als niedrigschwellige erste Anlaufstelle und Treffunkt etabliert. Allerdings ist die Anzahl der regelmäßig in dem anteilig als Bürgerzentrum geförderten „Grünen Zimmer“ des Friedensheims stattfindenden Angebote und Aktivitäten für die ganze Stadtteilbevölkerung weiterhin ausbaufähig. Aktuell gibt es 14 regelmäßige offene Angebote im Bürgerzentrum, wovon acht wöchentlich stattfinden. Hierzu zählen beispielsweise das Angebot „FreiRaum Bürgerzentrum“ für gemeinsame Aktivitäten von Menschen in der Südweststadt sowie das Kreativ-Café mit Basteln, Malen und Spielen für alle Generationen. Angebote der Pflegeeinrichtung wurden für und in den Stadtteil geöffnet zum Beispiel Seniorengymnastik, offenes Singen sowie der musikalische Besuchsdienst für Bewohnerinnen und Bewohner des Friedenheims. Bei den Einzelveranstaltungen im Bürgerzentrum handelt es sich zum Teil um offen zugängliche Angebote, zum Teil um Nutzungen durch geschlossene Gruppen mit Vereinsbindung. Für geschlossene Veranstaltungen kann das Bürgerzentrum von laut Nutzungsordnung förderungs- würdigen Nutzern (zum Beispiel kulturelle Vereinigungen, eingetragene Vereine) kostenlos belegt, von anderen Interessenten kostenpflichtig gemietet werden. 11 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Analog zum Bürgerzentrum Daxlanden besteht ebenfalls für das Bürgerzentrum Südweststadt durch dessen Lokalisation in einer Pflegeeinrichtung die Besonderheit in der Abgrenzung zwischen internen und externen Nutzern der Bürgerzentrumsangebote beziehungsweise hinsichtlich des Verhältnisses von Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegeeinrichtung und Bürgerinnen und Bürgern des Stadtteils als Besucherpublikum. Der Hauptausschuss beschloss in seiner Sitzung am 11. Juli 2017, den Zuschuss ab 2017 nicht zu erhöhen, sondern auf dem Stand von 2016 zu belassen. Bürgerzentren in Pflegeeinrichtungen Die Bürgerzentren Südweststadt und Daxlanden, die sich aus bestehenden Pflegeeinrichtungen heraus entwickelt haben, konnten zeitlich befristet vom Deutschen Hilfswerk (Fernsehlotterie) gefördertes hauptamtliches Personal für die Quartiersarbeit einsetzen. Da die beiden Bürgerzentren in den eigenen Räumlichkeiten des BLVs und des Caritasverbandes betrieben werden und formal keine Mietkosten für den Träger anfallen, kann durch den städtischen Mietkostenzuschuss als Bürgerzentrum ein Teil des personellen Mehraufwands, der Kosten für die Räume (Abschreibung, Wartungskosten und so weiter) und Betriebskosten kompensiert werden, der den Trägern durch die stadtteilbezogenen Aktivitäten und durch die Zurverfügungstellung der Räume entsteht. Jedoch entstehen durch den Ausfall von vormaligen Mieteinnahmen faktische Kosten durch Mindereinnahmen. In der Südweststadt dient der städtische Mietkostenzuschuss der teilweisen Deckung dieser Kosten für die Abnutzung, für die Betreuung des Bürgerzentrums (zum Beispiel Bearbeitung von Anfragen und deren Koordination) für die organisatorische Vor- und Nachbereitung (zum Beispiel Hausmeisterservice und technische Vorbereitungen), für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu Veranstaltungen und für die anschließende Reinigung der Räumlichkeiten. Angebote, die vorwiegend auf die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem jeweiligen Pflegeheim ausgerichtet sind, wurden für Teilnehmende aus dem Stadtteil geöffnet (zum Beispiel Gripsmuskeltraining, Sitzgymnastik, offenes Singen und so weiter). Dies fördert den Kontakt und den Austausch zwischen Heimbewohnerschaft und Stadtteilbevölkerung. Schwieriger ist es, von der Pflegeeinrichtung unabhängige Aktivitäten der Bevölkerung zu etablieren. Hier leistet das Quartiersmanagement in Daxlanden durch aufsuchende Quartiersarbeit und dezentrale Angebote im Stadtteil einen wichtigen Beitrag (zum Beispiel Rudelsingen auf dem Schlaucherplatz, Staudenbörse), um neue Bedarfe aufzugreifen und gegebenenfalls mittels Projekten und Angeboten im Bürgerzentrum zu verorten und zu integrieren. Auch das Daxlander Lotsenprojekt verfolgt das Ziel, vereinsamte Menschen an Stadtteilstrukturen und an das Bürgerzentrum heranzuführen. Neben dem hauptamtlich betriebenen Raummanagement im Bürgerzentrum Daxlanden gelingt es zunehmend, Ehrenamtliche für ein (mittelfristiges oder punktuelles) Ehrenamt zu gewinnen, die beispielsweise die Vor- und Nachbereitung sowie Durchführung von Veranstaltung und die Realisierung neuer Angebote unterstützen. Hier wird der Synergieeffekt des Zusammenspiels von Haupt- und Ehrenamt deutlich. In der Südweststadt ist es dem Quartiersprojekt gelungen, neue Aktivitäten auch ohne Bezug zum Pflegeheim zu etablieren (zum Beispiel Urban Gardening, Kreativcafé, Kochgruppe, Quartiers- spaziergänge, Erzählcafé, IT-Café). Diese finden zum Teil im Mitmach-Laden statt, der vor allem für kleinere Gruppen sehr gut und niedrigschwellig nutzbar ist. Einerseits zeigen sich hier Erfolge einer guten Quartiersarbeit, andererseits wäre es wünschenswert, das anteilig als Bürgerzentrum geförderte Grüne Zimmer durch mehr offene Angebote und Aktivitäten noch stärker im Bewusstsein der Stadtteilbevölkerung zu etablieren. Insofern zeigt sich hier auch die Begrenztheit einer auf die Förderung von Räumlichkeiten beschränkten Förderkonzeption. Denn entscheidend für die weitere Belebung der Räume ist neben dem Mietkostenzuschuss vor allem die hauptamtliche Quartiersarbeit. Daher haben Caritasverband und Badischer Landesverein darauf hingewiesen, dass die Fortsetzung der Arbeit einer finanziellen Absicherung der Personalkosten bedarf. Als Reaktion darauf beschloss der Gemeinderat, nach Ablauf der Förderung durch das Deutsche Hilfswerk, eine Übergangslösung für eine 50%-Stelle in Daxlanden und der Südweststadt bis 31. Dezember 2020 sicherzustellen (GR 17. Juli 2018). 12 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Bürgerzentrum Nordweststadt Die Bürgergemeinschaft Nordweststadt e. V. hat das „Schaufenster Nordwest“ auf dem Walther- Rathenau-Platz zunächst seit März 2015 als vom Stadtmarketing gefördertes Stadtteilprojekt im Rahmen des Stadtjubiläums betrieben. Container wurden als Veranstaltungsraum ausgestattet und als zentraler Treffpunkt für verschiedene Aktivitäten im Stadtteil etabliert. Um den Weiterbetrieb des von der Bevölkerung gut angenommenen Projekts gewährleisten zu können, hat die Bürgergemeinschaft einen Antrag auf Bezuschussung der Container als Bürgerzentrum gestellt. Da für das Stadt- jubiläumsprojekt keine Baugenehmigung eingeholt worden war, beschloss der Hauptausschuss am 8. Dezember 2015 die Container „vorbehaltlich der baurechtlichen Genehmigung“ als Bürgerzentrum zu bezuschussen. In der Folgezeit wurde deutlich, dass die Container an diesem Standort bauordnungs- und bauplanungsrechtlich nicht genehmigungsfähig sind. Daher hat der Haupt- ausschuss am 12. April 2016 beschlossen, dass der Zuschuss für die Fortführung des „Schaufenster Nordwest“ als Bürgerzentrum auch ohne baurechtliche Genehmigung der Container gezahlt wird, solange die Container dort geduldet werden. Aufgrund der Umgestaltung des Walther-Rathenau- Platzes endete die Duldung der Container im September 2017. Zwischenzeitlich wurden die Container auf das Schulgelände am Anebosweg verlegt, so dass die Arbeit des Bürgerzentrums dort weitergeführt werden kann. Die baurechtliche Genehmigung für diesen Standort gilt nach Antrag der Bürgergemeinschaft Nordweststadt auf nochmalige zweijährige Verlängerung bis 30. September 2022. Eine Lösung für die dauerhafte Standortfrage des Bürgerzentrums ist derzeit nicht in Sicht. Die Bürgergemeinschaft Nordweststadt e. V. wünscht eine Gesamtplanung der „Neuen Mitte“ inklusive Anebosweg, Neuapostolische Kirche, Schülerhort und Walther-Rathenau-Platz. Da ein solcher Neubau bis Ende 2022 nicht zu verwirklichen ist, wird eine mittelfristige Raumlösung für das Bürgerzentrum Nordweststadt gesucht. In dem ehrenamtlich betriebenen Bürgerzentrum finden zahlreiche Angebote für verschiedene Generationen statt: Senioren-Spielevormittage und -nachmittage, ein offener Singkreis in Unterstützung des Orgelclubs, ein Pilgertreff der Jakobuspilger, Musikunterricht, Kreativkurse für verschiedene Generationen, eine Foto-AG, Jam-Sessions, jahreszeitliche Märkte sowie unter anderem Workshops zum Rahmenplan Nordweststadt. Für größere Veranstaltungen wie das Stadtteilfest „Kultur Nordwest“, der Martinsumzug und die Marktfrühschoppen dient das Bürgerzentrum als Schaltzentrale zur Vor- und Nachbereitung. Eine große Nachfrage besteht ebenfalls für private Feiern und Raumnutzungen durch Vereine und Gruppierungen aus der Nordweststadt. Einmal im Monat findet der Stammtisch der Bürgergemeinschaft „NordWIRstadt“ als regelmäßiger Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger statt. Jeden Dienstag und Samstag fungiert das Bürgerzentrum zudem von 10 bis 12 Uhr als offener Treffpunkt im Stadtteil mit Bürgersprechstunde und einem Bücherschrank. Der Betrieb des Eltern-Kind-Cafés wurde von städtischer Seite eingestellt. Jedoch besteht vonseiten der Elternschaft der dringende Wunsch dieses Angebot wieder zu etablieren. Die zeitliche Unsicherheit und Befristung des Standortes erschwert laut Bürgergemeinschaft Nordweststadt e. V. die Aufnahme und Realisierung neuer Aktivitäten. Bürger- und Gemeindezentrum Knielingen Durch die gemeinsame Nutzung des evangelischen Gemeindezentrums durch Bürgerverein, Kirchengemeinde, Stadtjugendausschuss, Sozialstation und weitere Vereine entstand im Sommer 2019 ein neuer, offener Knielinger Treffpunkt für Menschen jeden Alters, von dem nicht nur das neue Quartier „Knielingen 2.0“ in unmittelbarer Nachbarschaft profitiert. Der Hauptausschuss beschloss am 7. Mai 2019 einstimmig den Mietkostenzuschuss von monatlich 1.454,00 Euro für den Bürgerverein Knielingen, der seit Juli 2019 ausgezahlt wird. Im Rahmen der 60-Jahres-Jubiläumsfeier des Bürgervereins Knielingen fand am 20. September 2019 die offizielle Einweihung des Bürger- und Gemeindezentrums (BGZ) statt. An festen Wochentagen (Dienstag und Donnerstag) und flexibel gestaltbaren Wochenendterminen wird das Zentrum verschiedenen Gruppen zur Verfügung gestellt und dient als Veranstaltungsort. Bereits seit 1980 betreibt der Bürgerverein Knielingen die Begegnungsstätte, die sich bis zuletzt in der 13 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Eggensteiner Straße 1 befand und nun mit ins neue Bürger- und Gemeindezentrum in der Struvestraße 45 umgezogen ist. Zu den Nutzergruppen zählen Musikvereine, Chöre, das Startpunkt Elterncafé und Seniorengruppen, aber auch Zeitfenster für VHS-Kurse und Kulturelles sind vorgesehen. Seit dem 2. Januar 2020 findet an jedem ersten Donnerstag im Monat von 14 bis 21 Uhr ein Bürgervereinstag im BGZ statt, beginnend mit einem offenen Treff für Gesellschaftsspiele, Kaffee & Kuchen sowie einem anschließenden Bürgertreff und einem ehrenamtlich betriebenen Reparatur- Café. Durch die Kooperation mit der Kirchengemeinde und die nur anteilige Raumnutzung durch den Bürgerverein ist letzterer nicht über Gebühr mit administrativen, koordinativen Aufgaben und Gebäudemanagement belastet und kann sich in größerem Umfang der inhaltlichen Arbeit widmen. 14 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Bereits vor 2015 geförderte Bürgerzentren Bürgerzentrum Mühlburg Das Bürgerzentrum Mühlburg wurde 2011 eröffnet und zunächst befristet bis Ende Mai 2013 als Modellvorhaben Soziale Stadt im Bau 2 der ehemaligen Seldeneck’schen Brauerei betrieben. Betreiber war und ist der zu diesem Zweck gegründete Verein Bürgerzentrum Mühlburg e. V. Bis zum Ablauf des Förderzeitraums wurden die Projektkosten zu 40% von der Stadt und zu 60% von Bund und Land getragen. Nach Ablauf des Förderzeitraums wurde das Bürgerzentrum am Standort im Bau 2 mit städtischer Förderung weitergeführt. Im Zuge des Sanierungsgebietes „Soziale Stadt Mühlburg“ ist ein Neubau in der Weinbrennerstraße 79a entstanden, der neben der Stadtteilbibliothek auch dem Bürgerzentrum Platz bietet. Der Bezug der neuen Räumlichkeiten erfolgte im August 2019, woraufhin am 18. Oktober 2019 die offizielle Einweihungsfeier und am 19. Oktober 2019 der Tag der offenen Tür stattfand. Die Nutzfläche am neuen Standort hat sich von bisher 183 qm auf 298 qm vergrößert, weshalb der monatliche Mietkostenzuschuss auf 4.995,48 Euro angepasst wurde. Das Bürgerzentrum wurde und wird vielfältig genutzt. Alle bisherigen Nutzergruppen des Bürgerzentrums sind mit umgezogen. Dazu zählen beispielsweise ein Sprachkurs der VHS, Musikunterricht, ein Erzählcafé, Nachhilfe, Kreativangebote, muttersprachlicher Unterricht des eritreischen Elternvereins, das interkulturelle Angebot „Sprecht miteinander“, Chorproben, Stimmbildung, zwei Selbsthilfegruppen sowie zahlreiche Einzelveranstaltungen, unter anderem organisiert vom Kulturnetzwerk Mühlburg e. V. Während der Schulzeit findet zudem an zwei Nachmittagen der Karlsruher Leseclub für Grundschulkinder statt. Der neue Standort mit größerer Raumkapazität hat außerdem neue Kooperationen und Nutzergruppen mit sich gebracht. So zählen nun auch das Startpunkt Elterncafé von pro familia, der Elterntreff der AWO, ein offener Nachbarschaftstreff, das Edukative Ethnozentrum, ein Seniorentreff der Nachbarschaftshilfe Sonnenblume e. V., vier Bewegungsangebote, ein zweiter Chor sowie ein zweiter Kurs der VHS zur Angebotspalette des Bürgerzentrums. Insgesamt gibt es 21 feste Nutzergruppen mit sieben regelmäßigen offenen Angeboten beziehungsweise Treffs pro Woche beziehungsweise Monat (Stand Januar 2020). Ebenfalls die Nachfrage für private Vermietungen, städtische Veranstaltungen und Konzerte ist groß. Ab Frühjahr 2020 wird darüber hinaus angestrebt ein offenes ehrenamtliches IT-Beratungsangebot zu realisieren, angelehnt an das Konzept des Internetcafés 55Plus in der Südstadt, Neureut und Grötzingen. Das Bürgerzentrum wird auch nach dem Umzug an den neuen Standort weiterhin ehrenamtlich betrieben, was vor allem in Hinblick auf das Veranstaltungs- und Raummanagement eine große Herausforderung darstellt. Die Finanzierung eines Hausmeisters sowie einer Bürofachkraft für je vier Stunden pro Woche für je 200,00 Euro monatlich wird derzeit über Mieteinnahmen gestemmt. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass der ehrenamtliche Betrieb einer Einrichtung dieser Größe mitunter an Grenzen stößt. Dies betrifft zum einen organisatorische Belange wie beispielsweise Hausmeistertätigkeiten, aber auch den Bereich der gezielten Öffentlichkeitsarbeit: Eine aktive Erhöhung des Bekanntheitsgrades des Bürgerzentrums findet nur in sehr geringem Ausmaß statt. Eine strategische inhaltliche Arbeit, um ausgehend von der Sozialstruktur im Stadtteil neue Nutzergruppen zu akquirieren oder bereits bestehende Nutzergruppen gezielt miteinander zu vernetzen, kann von einem ehrenamtlich betriebenen Bürgerzentrum kaum geleistet und erwartet werden, da dies eine zeitliche und fachliche Überforderung der Ehrenamtlichen darstellt. Vielmehr ist der Verein durch die nun größere Raumkapazität und Nutzungsanfragen in hohem Maße durch den Betrieb und die Belegung der Räume ausgelastet. Zudem wird diese Arbeit derzeit von einigen wenigen Ehrenamtlichen geleistet. Ein beispielsweise krankheitsbedingter zeitweiser Ausfall einer dieser engagierten Personen wäre kaum aufzufangen. 15 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Durch den Neubau in der Weinbrennerstraße zusammen mit der Stadtteilbibliothek entstanden für das Bürgerzentrum neue Möglichkeiten in Bezug auf die zentrale Lage, die Größe der Räumlichkeiten und Kooperationen mit der Stadtteilbibliothek. Das Bürgerzentrum Mühlburg könnte insofern als Pilotprojekt fungieren, als dass die dort stattfindenden Angebote und Aktivitäten - wie im Bürgerzentrenkonzept formuliert – bei der Bewältigung des demografischen Wandels helfen. Um dieses Potenzial voll nutzen zu können, erscheinen allerdings eine Weiterentwicklung des Trägerkonzepts und verlässliche, professionelle Organisations- und Arbeitsstrukturen notwendig. Durch die Teilnahme der Stadt Karlsruhe am Ideenwettbewerb des Sozialministeriums Baden- Württemberg „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten.“ erhält die Stadt Preisgeld, das für die Einrichtung einer Stadtteilkoordination in Mühlburg verwendet wird, mit dessen Hilfe neue Ziel- und Nutzergruppen an das Bürgerzentrum herangeführt werden können. Eine Maßnahme, die aus diesem Prozess heraus entstanden ist, ist der monatliche offene Nachbarschaftstreff im Bürgerzentrum. Neben weiteren bürgerschaftlichen Projekten ist die Etablierung professioneller sozialer Beratungs- und Unterstützungsangebote wünschenswert. Auch die praktische Kooperation mit der Stadtteilbibliothek im gleichen Gebäude gilt es inhaltlich mit Leben zu füllen. Das Bürgerzentrum Mühlburg könnte zudem im Hinblick auf die kulturelle Arbeit mit Senioren eine Vorreiterrolle spielen. Stadtteilbüro Oststadt Das Stadtteilbüro Oststadt in der Gottesauer Straße 2 ist aus dem Stadtteilentwicklungsprozess "Soziale Stadt Oststadt“ hervorgegangen. Es wurde vom Bürgerverein Oststadt betrieben. Bereits im Januar 2014 machte der damalige zweite Vorsitzende des Bürgervereins Oststadt, Herr Prof. Dr. Fritz, deutlich, dass der Bürgerverein das Stadtteilbüro langfristig nicht rein ehrenamtlich betreiben könne, zumal der Großteil der Nutzenden, abgesehen von dem etwa im Sechswochenrhythmus tagenden Oststadtforum, nicht in der Oststadt ansässig sei. Regelmäßige Nutzergruppen waren die islamische int ernationale Frauengemeinschaft, eine äthiopische Männergruppe, eine chinesische Kindergruppe, das Edukative Ethnozentrum (unter anderem Migrationsberatung) und eine Gruppe zur Lernförderung. Auch bei zwei Gesprächsrunden der Nutzergruppen mit dem Bürgerverein fand sich niemand bereit, ehrenamtlich Verantwortung für das Stadteilbüro zu übernehmen. Der Bürgerverein hat daher den Mietvertrag zum 30. Juni 2016 gekündigt. Bürgertreff Rintheim Der Bürgertreff Rintheim wurde im Juli 2013 als generationen- und quartiersübergreifendes Raumangebot im Rintheimer Feld eröffnet. Die Idee für diesen Treffpunkt hatte sich aus dem Beteiligungsprozess in Rintheim im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ heraus entwickelt. Der Bürgerverein Rintheim nutzte seit Juni 2013 Räumlichkeiten der Hausaufgabenhilfe der Diakonie in Untermiete als Bürgertreff für ehrenamtliche Aktivitäten aller Altersgruppen. Der Bürgerverein hatte jedoch nicht genügend personelle Kapazitäten, um die Bewohnerinnen und Bewohner im Rintheimer Feld zu Aktivitäten zu motivieren. Im Bürgertreff selbst fanden nur wenige regelmäßige Angebote statt. Neben den Terminen des Bürgervereins (Vorstandssitzung, Bürgersprechstunden und Arbeitskreise) waren dies vor allem ein Kinderchor, ein Kurs zur Gewaltprävention, Proben eines Karnevalvereins sowie Treffen einer deutsch-georgischen Gruppe. Hinzu kamen Vorstandssitzungen und Veranstaltungen anderer Vereine und Organisationen. Nachdem die Diakonie die Hausaufgabenhilfe im Zuge der Einführung der Ganztagesschule aufgelöst hatte, wurde der Mietvertrag zum 31. Juli 2016 gekündigt. In der Folge hat sich auch der Bürgerverein für eine Aufgabe der Räumlichkeiten entschieden, obschon die Volkswohnung eine Weiternutzung 16 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 angeboten hatte. Auch in diesem Fall stellte der ehrenamtliche Betrieb eine zu große Herausforderung dar, zumal es kaum Aktivitäten aus der unmittelbaren Nachbarschaft gab. Bürgerzentrum „Südwerk“, Südstadt Das Bürgerzentrum Südwerk entstand bereits im Jahr 2001 - und somit lange vor Beschlussfassung des Konzepts zur Förderung von Bürgerzentren im Jahr 2013 – im Rahmen der Sanierung Südstadt. Das Südwerk in der ehemaligen Kantine des Ausbesserungswerks der Deutschen Bahn wird von einer GmbH betrieben, deren Gesellschafter vier Vereine (unter anderem die Bürger-Gesellschaft Südstadt e. V.) sind. Diese GmbH ist darauf angewiesen, das Zentrum wirtschaftlich zu betreiben. Sie zahlt der Stadt einen (ermäßigten) Erbbauzins in Höhe von 18.620,62 Euro pro Jahr für das Grundstück und das Gebäude. Neben dem Erbbauzins fallen für den Betrieb und die Instandhaltung des Bürgerzentrums weitere Kosten an. Um diese Kosten zu erwirtschaften, ist die Gesellschaft auf die Vermietung der Räumlichkeiten angewiesen. Die Hälfte der Einnahmen wird durch Mieten der Vereine generiert, die andere Hälfte durch Vermietung an externe Nutzer. Im Untergeschoss hat die Stadt Räume für den Jugendtreff Südost des Stadtjugendausschusses angemietet und zahlt hierfür eine Grundmiete von 22.272 Euro pro Jahr. Zum Doppelhaushalt 2013/2014 hat der Gemeinderat einen Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro pro Jahr für das Südwerk beschlossen, damit die Betreiber die Anzahl lärmintensiver aber gewinnbringender Veranstaltungen reduzieren können, die zuvor wiederholt zu Beschwerden aus der Nachbarschaft geführt hatten. Seitdem erhält das Südwerk diesen jährlichen Zuschuss aus dem Budget Bürgerzentren. Die Bearbeitung und Verwaltung von Terminanfragen und Raumvermietungen erfolgt ehrenamtlich durch Mitglieder der Vereine. Die Betreuung von Veranstaltungen erfolgt auf Honorarbasis. Es gibt einen fest angestellten Hausmeister mit einem Deputat von einer halben Stelle sowie gelegentlich Ein- Euro-Kräfte, die den Hausmeister unterstützen. Hinzu kommen sogenannte Hausmeisterdienste, die stundenweise abgerechnet werden. Die Buchhaltung wird von einer 450 Euro-Kraft übernommen. Das Südwerk zeichnet sich im Unterschied zu den übrigen Karlsruher Bürgerzentren durch den großen (teilbaren) Saal aus, der ihm den Charakter eines Veranstaltungszentrums gibt. Hauptnutzer des Südwerks ist der Tanzsportclub Astoria e. V. An mehreren Tagen findet nachmittags und abends Tanztraining im Saal statt. Ferner bietet der Männerturnverein (MTV) vormittags Seniorengymnastik an, der Schachclub nutzt einmal wöchentlich einen Seminarraum im Südwerk. Darüber hinaus findet - auf Initiative der Bürgergesellschaft der Südstadt e. V. - seit Mai 2014 das Internet-Café 55+ sowie das Gymnastikangebot Balance 55+ jeweils zweimal pro Monat statt. Das Südwerk stellt insoweit einen Sonderfall dar, als dass hier der Gemeinderat einen Zuschuss beschlossen hat, um der Einrichtung eine größere Unabhängigkeit von zuvor teilweise lärmintensiven Vermietungen zu ermöglichen. Bürgerzentrumsarbeit gemäß den in den Grundsätzen zur Förderung von Bürgerzentren formulierten Kriterien wird durch den Zuschnitt der Räume erschwert. Die Räumlichkeiten werden überwiegend von Vereinen und für größere Veranstaltungen genutzt. Einerseits stellen Vereinsaktivitäten, Veranstaltungen und die Möglichkeit, die Räume für private Feiern zu mieten, wichtige Angebote für die Stadtteilbevölkerung dar. Andererseits gibt es mit Ausnahme des Internet-Cafés 55+, Balance 55+ sowie städtischen Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung kaum offene Angebote für die nicht vereinsgebundene Stadtteilbevölkerung. Niederschwellige Aktivitäten kleinerer Gruppen sowie offene Angebote sind aufgrund der Raumstruktur und der Mietkosten schwer zu etablieren. 17 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Ehrenamtlicher Betrieb von Bürgerzentren Da das Konzept zur Förderung von Bürgerzentren in den Stadtteilen eine Bezuschussung der Miet- und Mietnebenkosten, der Reinigungskosten und der Kosten für Erstausstattung vorsieht, jedoch keine Mittel für hauptamtliches Personal, werden Betrieb und Programmgestaltung der Bürgerzentren entweder ehrenamtlich oder in Kooperation mit sozialen Trägern geleistet, die zum Teil über andere Finanzierungsmöglichkeiten verfügen. Ein rein ehrenamtlicher Betrieb wurde bereits im Rahmen der Bestandsaufnahme in den Stadtteilen von vielen Bürgervereinsvorsitzenden als nicht machbar eingestuft (Bürgerverein Daxlanden, Bürgerverein Innenstadt-Ost, Bürgerverein Innenstadt-West, Bürgerverein Südweststadt, Bürgerverein Grünwinkel, Bürgerverein Beiertheim-Bulach, Bürgerverein Oststadt, Bürgerverein Waldstadt). Auch bei der Vorstellung des Konzepts bei der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine e. V. am 15. Januar 2014 äußerte der damalige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine, Herr Prof. Dr. Fritz, Bedenken angesichts der Tatsache, dass für die Bürgerzentren kein hauptamtliches Personal vorgesehen war. Nach seinem Dafürhalten sei der Betrieb eines Bürgerzentrums allein durch Ehrenamtliche nicht leistbar. Notwendig sei eine bezahlte Kraft, die zu festen Zeiten vor Ort ist. Auch die Ortverwaltungen betonten die Notwendigkeit von hauptamtlichem Personal zur Koordinierung. Viele Vereine sehen sich nicht der Lage, ein Bürgerzentrum ehrenamtlich zu betreiben. Infolgedessen haben zwei ehemals ehrenamtlich betriebene Bürgerzentren (Rintheim und Oststadt) den Betrieb eingestellt. Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine nimmt wie folgt Stellung zum ehrenamtlichen Betrieb von Bürgerzentren: Es hat sich in Diskussionen immer wieder gezeigt, dass Bürgerzentren in den Stadtteilen eine wesentliche Bereicherung für das gesellschaftliche Leben sind. Das ehrenamtliche Betreiben dieser Bürgerzentren durch Bürgervereine übersteigt jedoch regelmäßig deren Kapazität, die für ein weites Spektrum an politischen und gesellschaftlichen Aufgaben im Stadtteil Ansprechpartner sind. Um ein Bürgerzentrum erfolgreich zu betreiben, reichen die Aufgaben von der Belegungsplanung und Programmgestaltung bis zur regelmäßigen Betreuung vor Ort. Daher erfahren auch Ehrenamtliche, die nur für ein Bürgerzentrum zuständig sind, mit der Zeit, dass es sich um eine „Vollzeittätigkeit“ handelt, die so auf Dauer nicht leistbar ist. Daher kommt man nicht darum herum, Bürgerzentren letztendlich mit bezahlten Kräften zu betreiben. In der Praxis der vergangenen Jahre hat sich gezeigt, dass insbesondere die nachstehenden Arbeitsfelder/Bereiche in rein ehrenamtlich geführten Bürgerzentren nicht immer optimal organisiert und personell abgedeckt werden können: Initiierung neuer Aktivitäten und Angebote, Vernetzung von Nutzenden, Gewinnung neuer Nutzergruppen, insbesondere von unterrepräsentierten Gruppen, Öffentlichkeitsarbeit/Pressearbeit, Lobbyarbeit, Koordinationstätigkeit (Raumvergabe): Verantwortung für die Belegung/Vermietung der Räumlichkeiten inklusive Schlüsselübergabe, Hausmeisterliche Tätigkeiten: Zum Beispiel Bestuhlung, kleinere Reparaturtätigkeiten, Putzdienste: Auftragsvergabe und Kontrolle der Reinigungskräfte. Ein rein ehrenamtlich betriebenes Bürgerzentrum wie in der Nordweststadt oder in Mühlburg stößt des Öfteren allein durch die für den Bürgerzentrumsalltag relevante Organisation an seine personellen Grenzen. Inhaltliches Arbeiten im und für den Stadtteil sowie das Aufgreifen neuer Bedarfe im Stadtteil übersteigt daher nicht selten die vorhandenen Ressourcen. 18 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Da nicht alle Tätigkeiten ehrenamtlich geleistet werden können, beschäftigen einige Bürgerzentren für den organisatorischen Bereich (zum Beispiel Raumvergabe, Hausmeistertätigkeit) über Mieteinnahmen finanzierte Honorarkräfte. Zur Deckung der Ausgaben und Refinanzierung der Honorarkräfte ist wiederum der Anteil von kostenpflichtigen Raumvermietungen als notwendige Einnahmequelle vor allem in den größeren Bürgerzentren mit mehr Raumkapazitäten wie in der Südstadt und Mühlburg relativ groß im Vergleich zur kostenfreien Raumnutzung durch ehrenamtliche und gemeinnützige Nutzergruppen aus dem Stadtteil. So nimmt im Bürgerzentrum Mühlburg die Volkshochschule als mietkostenpflichtige Nutzergruppe mit ihren zwei Kursen von Montag bis Donnerstag bzw. Dienstag bis Freitag den gesamten Vormittag von 8 bis 12:30 Uhr zwei von drei Räumen in Anspruch. Auch wenn in den Bürgerzentren ehrenamtlich Herausragendes geleistet wurde und wird, hängt das Engagement meist nur an wenigen Personen. Das Ende der Bürgertreffs Rintheim und Oststadt hat die große Herausforderung deutlich gemacht, die der Betrieb solcher Räumlichkeiten für die Vereine bedeutet. Interessen und Neigungen der ehrenamtlich aktiven Personen prägen notwendigerweise die Ausrichtung eines Bürgerzentrums; demgegenüber bleiben unter Umständen die Bedürfnisse von weniger aktiven Gruppen unberücksichtigt. Das Potenzial von Bürgerzentren, aktiv die Teilhabe von gesellschaftlich weniger integrierten Personen zu fördern und durch die Zusammenführung von professionellen und ehrenamtlichen Aktivitäten einen Beitrag zu einer präventiv ausgerichteten Sozialpolitik zu leisten, kann rein ehrenamtlich zeitlich und fachlich kaum entwickelt werden. Insbesondere die Ansprache neuer Zielgruppen, eine aktivierende Arbeit im Stadtteil, eine Kooperation mit professionellen sozialen Angeboten, die strategische und kontinuierliche Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und quartiersbezogenen Netzwerken sowie die Koordination von nachbarschaftlichem Engagement und generationsübergreifenden Selbsthilfeaktivitäten ist in den ehrenamtlich betriebenen Bürgerzentren deutlich ausbaufähig. Diese Einschätzung ist keine Abwertung der geleisteten ehrenamtlichen Arbeit, sondern betont den Mehrwert professioneller sozialer Arbeit. Wünschenswert wären beispielsweise verstärkte Kooperationen mit Kitas, Grundschulen, Startpunkt Familienzentren, dem Sozialen Dienst, Seniorenbegegnungsstätten, Vereinen, Unternehmen, Migrantenorganisationen, Kirchengemeinden und so weiter. Gerade im Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen sieht die Stadtverwaltung eine große Chance, die Bürgerzentren als lebendige Orte der Begegnung zu stärken. Daher sollte künftig zumindest in großen Bürgerzentren der Einsatz von hauptamtlichem Personal erleichtert werden. Eine Förderkonzeption mit abgestuften Fördermodalitäten könnte den unterschiedlichen Trägerschaften sowie vorhandenen und benötigten Ressourcen gerechter werden. 19 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Diversität der sozialen Einrichtungen in Karlsruhe In Karlsruhe gibt es eine Vielzahl von Treffpunkten, die von der Stadt bezuschusst werden. Den Einrichtungen liegen dabei unterschiedliche Fördergrundsätze und -kriterien zugrunde. Während Seniorenbegegnungsstätten einen Miet- und Sachkostenzuschuss erhalten, werden bei Kinder- und Familienzentren ausschließlich Personalkosten bezuschusst. Kindertageseinrichtungen können Investitionskostenzuschüsse beantragen. Die Förderung von Bürgerzentren indes beinhaltet aktuell einen Mietkosten- und Reinigungskostenzuschuss sowie einen einmaligen Zuschuss für die Erstausstattung nach Umzug oder Erstbezug. Unterschiedliche städtisch geförderte Einrichtungen decken Teilfunktionen eines Bürgerzentrums ab: So gibt es beispielsweise 15 städtisch geförderte und ehrenamtlich betriebene Seniorenbegegnungs- stätten. Da in vielen dieser Treffpunkte die Aktivitäten gegenüber früheren Jahren deutlich zurückgegangen sind, bedarf es aus Sicht des Seniorenbüros neuer Impulse durch eine neue Konzeption und die Öffnung für neue Zielgruppen. Eine solche Neuausrichtung ist sinnvollerweise in Abstimmung mit einer Neukonzeption für Bürgerzentren zu entwickeln. Innerhalb des Arbeitskreises „Aktives Altern“ des Seniorenbüros findet ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch von Vertreterinnen und Vertretern der Seniorenbegegnungsstätten statt. Da dieser inhaltlich starke Überschneidungen mit dem Arbeitskreis der Bürgerzentren, Begegnungsstätten, Quartiersprojekte und Mehrgenerationenhäuser aufweist und der Teilnehmerkreis sich teilweise überschneidet, sollen beide Arbeitskreise künftig zusammengelegt werden. Das Bürgerzentrum Innenstadt (ehemaliger Seniorentreff und Begegnungsstätte „Gretl Vogt“) des AWO Kreisverbandes Karlsruhe-Stadt e. V. ist aus einer Begegnungsstätte entstanden und erhält entgegen seines neuen Titels dennoch weiterhin seine städtische Förderung als Seniorenbegegnungs- stätte durch die Sozial- und Jugendbehörde (SJB). Ergänzend wird das Bürgerzentrum Innenstadt derzeit aus Geldern der Fernsehlotterie gefördert. Der Stadtjugendausschuss verfügt über 24 Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, von denen einige ihre Räume außerhalb der Angebotszeiten für Jugendliche auch anderen Gruppen aus dem Stadtteil zur Verfügung stellen. Vorwiegend für Familien mit kleinen Kindern stehen die 20 Karlsruher Startpunkt Elterncafés zur Verfügung, die vom Kinderbüro gefördert werden und mindestens zwei Stunden pro Woche geöffnet sind. Darüber hinaus werden 34 weitere Treffpunkte für Mütter und Väter aus verschiedenen Programmen vom Kinderbüro bezuschusst. Am 15. Mai 2018 wurden die städtischen Förderrichtlinien zur Förderung von Kinder- und Familien- zentren beschlossen. Ab 2020 stehen Karlsruher Eltern insgesamt 25 Kinder- und Familienzentren zur Verfügung. Darüber hinaus stellen auch Kirchengemeinden, Schülerhorte, Schulen und so weiter teilweise ihre Räume anderen Gruppen zur Verfügung. Das Jugend- und Gemeinschaftszentrum Weiße Rose in Oberreut und das Mehrgenerationenhaus Brunhilde-Baur sind Einrichtungen, die zwar nicht aus dem Budget der Bürgerzentren gefördert werden, weil sie deutlich früher und aus anderen Zusammenhängen heraus entstanden sind, jedoch in Bezug auf Angebote und Aktivitäten vergleichbare Funktionen wie Bürgerzentren übernehmen. Vergleichbar ist ebenfalls das rein ehrenamtlich betriebene Kulturhaus Mikado e. V. in der Nordstadt, das jährlich 12.000 Euro aus dem Kulturetat erhält. Darüber hinaus zu nennen sind die Karlsruher Quartiersprojekte freier Träger im Seniorenbereich, welche quartiersbezogene soziale Arbeit häufig unter Nutzung von trägereigenen Räumlichkeiten leisten. Die Quartiersprojekte in der Südweststadt und in Daxlanden beleben mit ihren Aktivitäten in hohem Maße die dortigen Bürgerzentren und stellen somit eine wichtige Ressource für die Bürgerzentren dar. 20 | Evaluation des Konzepts zur Förderung der Bürgerzentren | Büro für Mitwirkung und Engagement © Stadt Karlsruhe | Layout: Deck | Stand: April 2020 Gesamtkonzept „Soziale Quartiersentwicklung“ Das Gesamtkonzept „Soziale Quartiersentwicklung“ (Gemeinderatsbeschluss 2017/0473) sieht vor, die sechs definierten Sozialräume bzw. Planungsgebiete in Karlsruhe mit jeweils einer hauptamtlichen Stadtteilkoordination zu versehen, die systematisch die Vernetzung der Akteure in den Quartieren zum Zwecke der ganzheitlichen Quartiersentwicklung fördert. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Pilotprojekt „Quartier 2020 – Mehrgenerationenquartier Mühlburg“ mit den Schwerpunkten Pflege und Unterstützung im Alter, Bürgerschaftliches Engagement und Bürgerbeteiligung dienen als Basis des Transfers in die Planungsgebiete. Eine Weiterentwicklung der Karlsruher Bürgerzentren sollte daher sowohl die Überlegungen zur Weiterentwicklung der Seniorenbegegnungsstätten einbeziehen als auch eingebettet in das Konzept „Soziale Quartiersentwicklung“ erfolgen. Nach Vorberatung im Sozialausschuss am 19. Februar 2020 wurde das gesamtstädtische Konzept der sozialen Quartiersentwicklung und dessen Etatisierung im Haushaltsjahr 2021 dem Gemeinderat vorgelegt. Fazit Die derzeit sechs Karlsruher Bürgerzentren haben sich als Kristallisationsorte des sozialen und kulturellen Miteinanders im jeweiligen Stadtteil etabliert. Ehrenamtliches Engagement bereichert das Stadtteilleben mit vielfältigen neuen Aktivitäten. Insofern kann die Förderung von Bürgerzentren durchaus als Erfolg betrachtet werden. Die hohe Auslastung der Räume belegt zudem den großen Bedarf an Räumlichkeiten. Allerdings erzielen die unterschiedlichen als Bürgerzentren geförderten Einrichtungen aus verschiedenen Gründen nicht in vollem Umfang die mit dem Begriff Bürgerzentrum üblicherweise erhoffte Wirkung einer starken Aktivierung und Vernetzung im Stadtteil. Die Evaluation der Karlsruher Bürgerzentren zeigt, dass die personelle Besetzung eines Bürgerzentrums einen wichtigen (Erfolgs-)Faktor darstellt. Ehrenamtlich betriebene Bürgerzentren stoßen daher häufig an ihre Grenzen. Auch die Einschätzung der Karlsruher Bürgervereine zeigt, dass die derzeitigen Förderbedingungen nicht bedarfsgerecht sind. Daher sollte aus Sicht der Stadtverwaltung das Bürgerzentrumskonzept überarbeitet und modular weiterentwickelt werden. Eine fachliche, räumliche und finanzielle Zusammenführung von städtisch geförderten Seniorenbegegnungsstätten und Bürgerzentren wird dabei angestrebt, da dies sowohl aufgrund der inhaltlichen Überschneidungen und der nutzbaren Synergieeffekte, als auch im Hinblick auf die angestrebte generationsübergreifende Ausrichtung großes Potential zur Förderung der Lebensqualität von Stadtteilbewohnerinnen und -bewohnern bietet. Eine Neukonzeption der Karlsruher Bürgerzentren ist daher eng mit dem Gesamtkonzept „Soziale Quartiersentwicklung“ und mit den Überlegungen zur künftigen Seniorenarbeit abzustimmen. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, die Förderung von Bürgerzentren und Seniorenbegegnungs- stätten in Abstimmung mit der sozialen Quartiersentwicklung in einem partizipativen Prozess mit Trägern und Bürgervereinen sowie unter Einbeziehung von Politik und Fachöffentlichkeit weiterzu- entwickeln.
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2020/0472 Dez. 2 Evaluation und Weiterentwicklung des Konzepts für Bürgerzentren in Karlsruhe Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Hauptausschuss 19.05.2020 9 x vorberaten Gemeinderat 26.05.2020 10 x Beschlussantrag Der Gemeinderat nimmt die Evaluation zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, eine Weiterentwicklung der Konzeption der Karlsruher Bürgerzentren und Seniorenbegegnungsstätten eingebettet in das Konzept zur sozialen Quartiersentwicklung zu erarbeiten und vorzulegen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant x Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Kurzfassung: Es wurden und werden unterschiedlichste Einrichtungen von der Stadt als Bürgerzentren gefördert. In ihrer Unterschiedlichkeit leisten die Bürgerzentren einen wichtigen Beitrag zum sozialen und kulturellen Miteinander in den Stadtteilen. Andererseits erzielen sie aus verschiedenen Gründen nicht in vollem Umfang die mit dem Begriff Bürgerzentrum üblicherweise erhoffte Wirkung einer starken Aktivierung und Vernetzung im Stadtteil. Die Evaluation des Förderkonzepts Karlsruher Bürgerzentren zeigt, dass die personelle Besetzung eines Bürgerzentrums einen wichtigen (Erfolgs- )Faktor darstellt. Ehrenamtlich betriebene Bürgerzentren stoßen daher häufig an ihre Grenzen. Auch die Einschätzung der Karlsruher Bürgervereine zeigt, dass die derzeitigen Förderbedingungen nicht bedarfsgerecht sind. Daher sollte aus Sicht der Stadtverwaltung das Bürgerzentrumskonzept überarbeitet und modular weiterentwickelt werden. Eine fachliche, räumliche und finanzielle Zusammenführung von städtisch geförderten Seniorenbegegnungsstätten und Bürgerzentren wird angestrebt. Eine Neukonzeption der Karlsruher Bürgerzentren ist daher eng mit dem Gesamtkonzept „Soziale Quartiersentwicklung“ und mit den Überlegungen zur künftigen Seniorenarbeit abzustimmen. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, die Förderung von Bürgerzentren und Seniorenbegegnungsstätten in Abstimmung mit der sozialen Quartiersentwicklung in einem partizipativen Prozess mit Trägern und Bürgervereinen sowie unter Einbeziehung von Politik und Fachöffentlichkeit weiterzuentwickeln. Der Hauptausschuss hat in seiner Sitzung am 15. Oktober 2013 das „Konzept zur Förderung von Bürgerzentren in den Stadtteilen“ beschlossen. In diesem Beschluss wurden die Aufgaben und Ziele von Bürgerzentren sowie die Grundzüge der geplanten Förderkriterien benannt. Gleichzeitig wurde die Verwaltung beauftragt, nach vier Jahren einen Bericht zur Evaluation der Bürgerzentren vorzulegen. Dabei sollte insbesondere geprüft werden, ob die dargestellten Kriterien sowie die ehrenamtliche Trägerschaft sachgerecht sind. Aufgrund des im Jahr 2018 gestarteten Prozesses zur Konzeptentwicklung „Soziale Quartiersentwicklung“ in Karlsruhe wurde der Evaluationsbericht zurückgestellt. Um die Kompatibilität beider Konzepte zu gewährleisten, befinden sich die Sozial- und Jugendbehörde und das Amt für Stadtentwicklung seit Anbeginn der gesamtstädtischen Überlegungen in Abstimmungsgesprächen. Nunmehr wurden die bisherigen Erfahrungen mit der Förderung von Bürgerzentren in einem Evaluationsbericht (s. Anlage) einer kritischen Bewertung unterzogen, um Verbesserungspotenzial zu identifizieren. Dabei zeigt sich, dass recht unterschiedliche Einrichtungen in Karlsruhe als Bürgerzentren gefördert werden. Diese flexible Handhabung der Förderrichtlinien ist einerseits eine Stärke, weil dadurch auf die unterschiedlichen Bedingungen in den Stadtteilen eingegangen und spezifische Lösungen realisiert werden können. Andererseits ist die Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Bürgerzentren eingeschränkt. Folgende Bürgerzentren-Modelle wurden bislang in Karlsruhe realisiert: Bürgerzentrum in kirchlichen Räumen betrieben von Kirchengemeinde und Bürgerverein (Knielingen) Bürgerzentren in Pflegeeinrichtungen der Caritas und des Landesvereins für Innere Mission (Daxlanden und Südweststadt) Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Ehrenamtlich betriebene Bürgerzentren als Neubau (Mühlburg) und Container (Nordweststadt), in einem Ladenlokal (Oststadt, nicht mehr in Betrieb) und zur Untermiete bei einem sozialen Träger (Rintheimer Feld, nicht mehr in Betrieb) Überwiegend von Vereinen und für größere Veranstaltungen genutztes Bürgerzentrum Südwerk betrieben von der Südwerk Bürgerzentrum Südstadt GmbH, in der vier Vereine zusammengeschlossen sind (Südstadt) Hauptamtlicher und ehrenamtlicher Betrieb von Bürgerzentren Da das Konzept zur Förderung von Bürgerzentren in den Stadtteilen eine Bezuschussung der Miet- und Mietnebenkosten, der Reinigungskosten und der Kosten für Erstausstattung vorsieht, jedoch keine Mittel für hauptamtliches Personal, werden Betrieb und Programmgestaltung der Bürgerzentren entweder ehrenamtlich oder in Kooperation mit sozialen Trägern geleistet. In der Südweststadt und in Daxlanden werden Räume in Pflegeeinrichtungen als Bürgerzentren bezuschusst, die zeitweise für Aktivitäten und Angebote für die Stadtteilbevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Hauptamtliches Personal gewährleistet hier im Rahmen von Quartiersprojekten den Betrieb und die Belegung der Räumlichkeiten. Da die Räume den Altenhilfeträgern gehören, dient der kalkulatorische Mietkostenzuschuss in diesem Fall vor allem zur (teilweisen) Deckung der Betriebs-, Abnutzungs- und Wartungskosten und der zusätzlichen Personalaufwendungen. Bürgerzentren in Pflegeeinrichtungen ringen darum, eigenständig als Bürgerzentren wahrgenommen zu werden. Von großer Bedeutung für eine vielfältige Nutzung ist die Koordination und Unterstützung der Aktivitäten durch hauptamtliches Personal. Auch bei dem zuletzt in die Förderung aufgenommenen Bürger- und Gemeindezentrum Knielingen übernimmt die Kirchengemeinde mit hauptamtlichem Personal einen großen Anteil der koordinierenden Tätigkeiten. Ein rein ehrenamtlicher Betrieb hingegen wurde bereits im Rahmen der Bestandsaufnahme in den Stadtteilen im Jahr 2014 von vielen Bürgervereinsvorsitzenden als nicht machbar eingestuft (Bürgerverein Daxlanden, Bürgerverein Innenstadt-Ost, Bürgerverein Innenstadt-West, Bürgerverein Südweststadt, Bürgerverein Grünwinkel, Bürgerverein Beiertheim-Bulach, Bürgerverein Oststadt, Bürgerverein Waldstadt). Auch bei der Vorstellung des Konzepts bei der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine e. V. am 15. Januar 2014 äußerte der damalige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine, Herr Prof. Dr. Fritz, Bedenken angesichts der Tatsache, dass für die Bürgerzentren kein hauptamtliches Personal vorgesehen sei. Nach seinem Dafürhalten sei der Betrieb eines Bürgerzentrums allein durch Ehrenamtliche nicht leistbar. Notwendig sei eine bezahlte Kraft, die zu festen Zeiten vor Ort ist. Auch die Ortverwaltungen betonten die Notwendigkeit von hauptamtlichem Personal zur Koordinierung. Zwei ehrenamtlich betriebene Bürgerzentren (Rintheim und Oststadt) haben nicht zuletzt aufgrund der großen zeitlichen Belastung den Betrieb eingestellt. Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine nimmt wie folgt Stellung zum ehrenamtlichen Betrieb von Bürgerzentren: Es hat sich in Diskussionen immer wieder gezeigt, dass Bürgerzentren in den Stadtteilen eine wesentliche Bereicherung für das gesellschaftliche Leben sind. Das ehrenamtliche Betreiben dieser Bürgerzentren durch Bürgervereine übersteigt jedoch regelmäßig deren Kapazität, die für ein weites Spektrum an politischen und gesellschaftlichen Aufgaben im Stadtteil Ansprechpartner sind. Um ein Bürgerzentrum erfolgreich zu betreiben, reichen die Aufgaben von der Belegungsplanung und Programmgestaltung bis zur regelmäßigen Betreuung vor Ort. Daher erfahren auch Ehrenamtliche, die nur für ein Bürgerzentrum zuständig sind, mit der Zeit, dass es sich um eine „Vollzeittätigkeit“ handelt, Ergänzende Erläuterungen Seite 4 die so auf Dauer nicht leistbar ist. Daher kommt man nicht darum herum, Bürgerzentren letztendlich mit bezahlten Kräften zu betreiben. In der Praxis der vergangenen Jahre hat sich gezeigt, dass insbesondere die nachstehenden Arbeitsfelder/Bereiche in rein ehrenamtlich geführten Bürgerzentren nicht immer optimal organisiert und personell abgedeckt werden können: - Initiierung neuer Aktivitäten und Angebote, - Vernetzung von Nutzenden, - Gewinnung neuer Nutzergruppen, insbesondere von unterrepräsentierten Gruppen, - Öffentlichkeitsarbeit/Pressearbeit, - Lobbyarbeit, - Koordinationstätigkeit (Raumvergabe): Verantwortung für die Belegung/Vermietung der Räumlichkeiten inklusive Schlüsselübergabe, - Hausmeisterliche Tätigkeiten: Zum Beispiel Bestuhlung, kleinere Reparaturtätigkeiten, - Putzdienste: Auftragsvergabe und Kontrolle der Reinigungskräfte. Ein rein ehrenamtlich betriebenes Bürgerzentrum wie in der Nordweststadt oder in Mühlburg stößt des Öfteren allein durch die für den Bürgerzentrumsalltag relevante Organisation an seine personellen Grenzen. Inhaltliches Arbeiten im und für den Stadtteil sowie das Aufgreifen neuer Bedarfe im Stadtteil übersteigt daher nicht selten die vorhandenen Ressourcen. Da nicht alle Tätigkeiten ehrenamtlich geleistet werden können, beschäftigen einige Bürgerzentren für den organisatorischen Bereich (z. B. Raumvergabe, Hausmeistertätigkeit) über Mieteinnahmen finanzierte Honorarkräfte. Zur Deckung der Ausgaben und Refinanzierung der Honorarkräfte ist wiederum der Anteil von kostenpflichtigen Raumvermietungen als notwendige Einnahmequelle vor allem in den größeren Bürgerzentren mit mehr Raumkapazitäten wie in der Südstadt und Mühlburg relativ groß im Vergleich zur kostenfreien Raumnutzung durch ehrenamtliche und gemeinnützige Nutzergruppen aus dem Stadtteil. So nimmt im Bürgerzentrum Mühlburg die Volkshochschule als mietkostenpflichtige Nutzergruppe mit zwei Kursen von Montag bis Donnerstag bzw. Dienstag bis Freitag den gesamten Vormittag von 8 bis 12:30 Uhr zwei von drei Räumen in Anspruch. Auch wenn in den Bürgerzentren ehrenamtlich Herausragendes geleistet wurde und wird, hängt das Engagement meist nur an wenigen Personen. Das Ende der Bürgertreffs Rintheim und Oststadt hat die große Herausforderung deutlich gemacht, die der Betrieb solcher Räumlichkeiten für die Vereine bedeutet. Interessen und Neigungen der ehrenamtlich aktiven Personen prägen notwendigerweise die Ausrichtung eines Bürgerzentrums; demgegenüber bleiben unter Umständen die Bedürfnisse von weniger aktiven Gruppen unberücksichtigt. Das Potenzial von Bürgerzentren, aktiv die Teilhabe von gesellschaftlich weniger integrierten Personen zu fördern und durch die Zusammenführung von professionellen und ehrenamtlichen Aktivitäten einen Beitrag zu einer präventiv ausgerichteten Sozialpolitik zu leisten, kann rein ehrenamtlich zeitlich und fachlich kaum entwickelt werden. Insbesondere die Ansprache neuer Zielgruppen, eine aktivierende Arbeit im Stadtteil, eine Kooperation mit professionellen sozialen Angeboten, die strategische und kontinuierliche Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und quartiersbezogenen Netzwerken sowie die Koordination von nachbarschaftlichem Engagement und generationsübergreifenden Selbsthilfeaktivitäten ist in den ehrenamtlich betriebenen Bürgerzentren deutlich ausbaufähig. Diese Einschätzung ist keine Abwertung der geleisteten ehrenamtlichen Arbeit, sondern betont den Mehrwert professioneller sozialer Arbeit. Wünschenswert wären beispielsweise verstärkte Kooperationen mit Kitas, Grundschulen, Startpunkt Familienzentren, dem Sozialen Dienst, Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Seniorenbegegnungsstätten, Vereinen, Unternehmen, Migrantenorganisationen, Kirchengemeinden etc. Gerade im Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen sieht die Stadtverwaltung eine große Chance, die Bürgerzentren als lebendige Orte der Begegnung zu stärken. Daher sollte es künftig zumindest in großen Bürgerzentren ermöglicht werden, auch mit hauptamtlichem Personal zu arbeiten. In Anbetracht der unterschiedlichen Konstellationen in Bezug auf die personellen Ressourcen und Trägerschaften von Bürgerzentren schlägt die Verwaltung die Erarbeitung einer modularen Förderkonzeption mit abgestuften Fördermodalitäten vor. Gesamtkonzept „Soziale Quartiersentwicklung“ Das Gesamtkonzept „Soziale Quartiersentwicklung“ (Gemeinderatsbeschluss 2017/0473) sieht vor, die sechs definierten Planungsgebiete in Karlsruhe mit jeweils einer hauptamtlichen Stadtteilkoordination auszustatten, die systematisch die Vernetzung der Akteure in den Quartieren zum Zwecke der ganzheitlichen Quartiersentwicklung fördert. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Pilotprojekt „Quartier 2020 – Mehrgenerationenquartier Mühlburg“ mit den Schwerpunkten Pflege und Unterstützung im Alter, Bürgerschaftliches Engagement und Bürgerbeteiligung dienen als Basis des Transfers in die Planungsgebiete. Zudem steht das Konzept der Seniorenbegegnungsstätten vor einer grundlegenden Neustrukturierung. Eine Weiterentwicklung der Karlsruher Bürgerzentren und Seniorenbegegnungsstätten sollte daher eingebettet in das Konzept „Soziale Quartiersentwicklung“ erfolgen. Nach Vorberatung im Sozialausschuss am 19. Februar 2020 wurde das Konzept „Soziale Quartiersentwicklung“ dem Gemeinderat am 28. April 2020 vorgelegt. Der Gemeinderat stimmte der Umsetzung des Konzeptes zu und nahm zur Kenntnis, dass Maßnahmen unter Finanzierungsvorbehalt stehen. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat – nach Vorberatung im Hauptausschuss - Der Gemeinderat nimmt die Evaluation zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, eine Weiterentwicklung der Konzeption der Karlsruher Bürgerzentren und Seniorenbegegnungsstätten eingebettet in das Konzept der sozialen Quartiersentwicklung zu erarbeiten und vorzulegen.
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Extrahierter Text
Niederschrift 10. Plenarsitzung des Gemeinderates 26. Mai 2020, 15:30 Uhr öffentlich Gartenhalle, Kongresszentrum Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 11. Punkt 10 der Tagesordnung: Evaluation und Weiterentwicklung des Konzepts für Bürgerzentren in Karlsruhe Vorlage: 2020/0472 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt die Evaluation zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, eine Weiterentwicklung der Konzeption der Karlsruher Bürgerzentren und Seniorenbegegnungsstätten eingebettet in das Konzept der sozialen Quartiersentwicklung zu erarbeiten und vorzulegen. Abstimmungsergebnis: Bei 3 Nein-Stimmen mehrheitlich zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 10 zur Behandlung auf, verweist auf die erfolgte Vorberatung im Hauptausschuss und stellt die Abstimmungsbereitschaft des Hauses fest: Ich sehe 3 Gegenstimmen, damit 43 zustimmende Voten und eine mehrheitliche Zustimmung. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 16. Juni 2020