Konzept Höhenentwicklung in Karlsruhe
| Vorlage: | 2019/1268 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 10.12.2019 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Stadtplanungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Grünwinkel, Knielingen, Nordstadt, Oberreut, Rüppurr, Waldstadt, Weiherfeld-Dammerstock |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 21.01.2020
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister Beschlussvorlage Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2019/1268 Dez. 6 Konzept Höhenentwicklung in Karlsruhe Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Planungsausschuss 19.12.2019 1 x vorberaten Gemeinderat 21.01.2020 10 x Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss das Konzept als Grundlage für weitere Planungsentscheidungen im Rahmen der Abwägung. Das Konzept wird im Planungsausschuss vorgestellt. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein x Ja Korridorthema: Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Kurzbeschreibung und Ziel des Konzepts Das Konzept teilt Karlsruhe in Zonen unterschiedlicher Eignung für Höhenentwicklung ein, die räumlich verortet von stadtgestalterischen Kriterien und Hinweisen überlagert werden. Es werden keine fixen Standorte für zukünftige Hochhäuser festgelegt. Die Lage in der Stadt ist nur eines von mehreren Kriterien, die letztendlich für die Planung ausschlaggebend sind. Das Konzept hat den Anspruch, dass jedes hohe Gebäude einen Mehrwert für Karlsruhe erzeugen muss. Es wird eine Vielzahl an Kriterien und Handlungsanweisungen aufgeführt, die bei zukünftigen Planungen zu beachten und abzuwägen sind und es der Verwaltung so ermöglichen, Investoren Bedingungen für den Bau hoher Gebäude an die Hand zu geben. Die Anforderungen werden hierbei nicht nur auf das Gebäude selbst beschränkt, sondern berücksichtigen auch den Einfluss auf das nähere Umfeld und das Quartier. Der Gemeinderat wird so in die Lage versetzt, im Rahmen der Abwägung qualifizierte und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Anlass Der Druck auf die Stadt ist gewachsen, weil neue Flächen für gewerbliche und Wohnnutzung in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen und zudem im Siedlungsbereich vor dem Hintergrund einer doppelten Innenentwicklung (Freiraum und Bebauung) nur schwer identifiziert werden können. Die Notwendigkeit, innerstädtische Nachverdichtungspotenziale zu nutzen, wird auch durch das „Räumliche Leitbild Karlsruhe“ bestätigt und betont. Darüber hinaus erreichen das Stadtplanungsamt seit ein paar Jahren vermehrt Anfragen zum Bau von hohen Gebäuden, die in den jeweiligen Quartieren neue Hochpunkte darstellen würden. Für einen abgestimmten konzeptionellen Umgang mit derartigen Anfragen fehlte bislang ein Regelwerk. Warum sollte genau an dieser Stelle in der Stadt ein hohes Gebäude zugelassen werden? Gäbe es geeignetere Standorte in der näheren Umgebung? Welche Anforderungen müssten an das Gebäude gestellt werden? Und wollen wir überhaupt neue Gebäude in der Stadt, die in ihrer Höhe deutlich von der umgebenden Regelbauweise abweichen? Vorgehen und Ablauf Um diese Fragen zufriedenstellend beantworten zu können und damit auch Antworten auf potenzielle Bauanfragen zu finden, beauftragte der Planungsausschuss die Verwaltung am 17. Januar 2018 damit, ein Konzept für die bauliche Entwicklung in die Höhe auszuarbeiten. Zu diesem Zweck wurde bereits im Dezember 2017 ein Vorauswahlverfahren durchgeführt, zu dem 20 Planungsbüros aufgefordert wurden, eine Bewerbung einzureichen. Durch sachverständige Vertreter/innen der Stadt Karlsruhe und externe Berater wurden daraufhin aus allen Bewerbungen vier Büros ausgewählt, die im Februar 2018 ihr Angebot und ihre Herangehensweise skizzenhaft präsentierten und sich einer Diskussion mit einem Fach- und Sachverständigengremium sowie Vertretern der Verwaltung und der Politik („Expertengremium“) stellten. Den Zuschlag erhielt das Büro sa_partners, ein Planungsbüro aus Zürich. Das Expertengremium begleitete im Weiteren den kompletten Prozess. In einem intensiven fachlichen Austausch mit dem Planungsbüro wurde das Konzept ausgearbeitet. Im Verlauf des Prozesses trafen sich sa_partners und das Expertengremium in insgesamt vier Sitzungen, um Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Zwischenstände der Arbeit zu besprechen und über grundlegende Vorgehensweisen und Inhalte zu diskutieren. Neben den Empfehlungen und Anmerkungen aus dem Expertengremium flossen auch Anregungen aus der Öffentlichkeit in das Konzept ein. Im Juli 2018 sowie im September 2019 wurde die interessierte Bevölkerung zu Veranstaltungen geladen, in der nicht nur der Konzeptstand vorgestellt, sondern auch in Workshops zur aktiven Beteiligung aufgefordert wurde. Die Ergebnisse und Hinweise wurden ausgewertet und finden sich in Teilen im fertigen Konzept wieder. Im November 2018 wurde das Projekt im Gestaltungsbeirat vorgestellt. Durch den Planungsausschuss am 5. Juni 2019 wurde die Politik über den Stand des Konzepts informiert. Das Konzept fand über alle Parteigrenzen hinweg Zustimmung. Konzept Das Konzept „Höhenentwicklung in Karlsruhe“ ist in drei Kapitel unterteilt. Kapitel I: Ansatz und Rahmenbedingungen Das Kapitel erläutert das Aufgabenverständnis (zentrale Fragen, den Stellenwert sowie Ziele und Herausforderungen) und die Rahmenbedingungen des Konzepts Kapitel II: Analyse und Ziele Die Stadt Karlsruhe wird nach für das Konzept relevanten Gesichtspunkten analysiert. Aus jedem Unterkapitel werden Erkenntnisse abgeleitet und Ziele gefolgert. Kapitel III: Konzept der Höhenentwicklung Dieses Kapitel bildet den Hauptteil des Konzepts. In ihm wird systematisch erklärt, wie das Konzept aufgebaut ist, wie es zu lesen ist und worauf bei zukünftigen Planungen zu achten ist. Das Konzept baut auf vorhandene Planwerken der Stadt Karlsruhe auf. Insbesondere das Räumliche Leitbild findet starke Beachtung. Dessen Aussagen beispielsweise zu Konturen und Stadteingängen finden sich auch im Konzept zur Höhenentwicklung wieder. Das Konzept weist ganz bewusst keine Gebiete in der Stadt aus, in der zukünftig Hochhäuser gebaut werden sollen. Vielmehr gibt das Konzept räumlich präzise Hinweise, welche Stellen in Karlsruhe nach stadtgestalterischen Gesichtspunkten geeigneter für hohe Gebäude sind als andere und welche Kriterien bei der Planung zu beachten sind. Das Konzept postuliert dabei folgenden Anspruch: Jede Höhenentwicklung – als Abweichung von der Regelbauweise – muss einen Mehrwert für Karlsruhe erzeugen! Zum einen finden die Programmatik eines potenziellen Gebäudes und seine Auswirkung auf die Umgebung Beachtung und fließen als Kriterien und Anforderungen in einen nachgelagerten Prozess ein. Zum anderen können Mehrwerte durch räumlich-gestalterische Kriterien erzeugt werden, indem bspw. ein Stadteingang hervorgehoben oder eine Institution betont wird. Bei den programmatischen Kriterien handelt es sich um: Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Städtebauliche Komposition und Innenentwicklung - Bezug zum Ort! - Es wird insbesondere auf den Beitrag der Höhenentwicklung zum Stadt- und Landschaftsbild Karlsruhes und der Region eingegangen, der potenziellen Fernwirkung von hohen Gebäuden und auf die Abstimmung mit der bestehenden Stadtstruktur. Nutzung und Diversifizierung - Mehrwerte für das Quartier! - Die Kategorie beinhaltet u. a. den Beitrag von Höhenentwicklung zur Verdichtung und Innenentwicklung, der Nutzungsmischung und den Beitrag zur sozialen Durchmischung und zur Belebung von Quartieren. Freiraum und Stadtklima - Beitrag zur ökologischen Stadt! - Es geht um die doppelte Innenentwicklung: Beachtung des Mikroklimas, Förderung attraktiver und klimaverträglicher Stadträume und Belebung des öffentlichen Raums sowie der Abstimmung von Planungen mit den Zielen des Rahmenplans Klimaanpassung und des Freiraumentwicklungskonzeptes. Mobilität und Erreichbarkeit - Verbesserung des Verkehrsangebots! - Beachtung der Erschließungsqualität, insbesondere mit dem ÖPNV, Erstellung von Mobilitätskonzepten bei der Planung von hohen Gebäuden und die Verlagerung von Parkplätzen weg von Freiräumen sind hier die wichtigen Themen. Architektur und Baukultur - Beitrag zur Baukultur! - Diese Kategorie geht auf die Exponiertheit von hohen Gebäuden und die damit verbundenen hohen Ansprüche an die architektonische Gestaltung ein. Sie beinhaltet u. a. den Bezug zu bestehenden Hochpunkten, die Setzung im baulichen Ensemble, aber auch z. B. die Beachtung des Schattenwurfs bis hin zu der architektonischen Detailausbildung des Gebäudes selbst. Jedes der Kriterien wird im Kapitel kurz beschrieben und mit einer Vielzahl an konkreten Handlungsanweisungen verknüpft, die bei der Planung von hohen Gebäuden zu beachten sind. Nicht alle Handlungsanweisungen müssen hierbei umgesetzt werden – in den meisten Fällen wird dies auch gar nicht möglich sein. Eine kritische Abwägung zwischen ihnen wird jedoch vorausgesetzt. Die räumlich-gestalterischen Kriterien sind in Form eines Konzeptplans dargestellt. Der Konzeptplan besteht aus zwei Ebenen: die erste Ebene ist eine flächige Einteilung des Siedlungsgebiets in sechs Zonen, denen unterschiedliche Eignung und Anforderungen für eine Höhenentwicklung zugesprochen wird. Die Einteilung der Zonen erfolgte nach deren städtebaulichen Struktur, dem bestehenden Maß der Höhenentwicklung sowie der Lage im Stadtgrundriss. Die zweite Ebene geht auf die Stadtgestaltung ein und beinhaltet punktuell verortete Kriterien. Nicht alle Kriterien sind hierbei „pro Eignung Hochhaus“. Während sich Bahnhöfe oder Stadteinfahrten durchaus für den Bau höherer Häuser anbieten, sind wichtige Sichtachsen oder das Sichtfenster vom Schloss aus ggf. als Einschränkungen oder zumindest als Hinweis für eine besondere Achtsamkeit bei der Planung zu verstehen. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 In Lupenräumen wurde die Wirkungsweise des Konzepts exemplarisch überprüft und bestätigt. Das Konzept wird im Planungsausschuss vorgestellt. Anlagen Konzept Höhenentwicklung in Karlsruhe Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss das Konzept als Grundlage für weitere Planungsentscheidungen im Rahmen der Abwägung. Das Konzept wird im Planungsausschuss vorgestellt.
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Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Konzept Höhenentwicklung in Karlsruhe November 2019 2 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Auftraggeber Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt Lammstraße 7 D-76124 Karlsruhe Auftragnehmer Städtebau, Planung (Federführung) sapartners Dufourstraße 95 CH-8008 Zürich www.sapartners.ch Thomas Kovári, Dr. sc. ETH, dipl. Arch. ETH/SIA Angela Wiest, M.Sc. ETH Architektur Elisa Brusa, M.Sc. Architektur Lea von Moos, M.Sc. ETH Raumentwicklung und Infrastruktursysteme Dunja Kovári, Dipl. Ing. TU Berlin Begleitprozess bureau für RAUMENTWICKLUNG Binzstraße 39 CH-8045 Zürich www.raum-ent-wickeln.ch Markus Nollert, Dr. sc. ETH Verkehr, Umwelt, Klima EBP Schweiz AG Mühlebachstrasse 11 CH-8032 Zürich www.ebp.ch Visualisierung, 3D Modellierung vrbn AG Winterthurerstraße 53 CH-8610 Uster www.vrbn.io Stand: November 2019 Stadtplanungsamt | 3 Konzept Höhenentwicklung in Karlsruhe November 2019 4 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Stadtplanungsamt | 5 Inhalte Tabelle 1 7 Einleitung 9 I Ansatz und Rahmenbedingungen I.1 Aufgabenverständnis I.2 Rahmenbedingungen 13 II Analyse und Schlussfolgerungen II.1 Ausgangslage II.2 Gesamtstädtische Strukturanalyse und Schlussfolgerungen Bestand Hochpunkte Stadtstrukturtypen Bauhistorisches Erbe Städtebaulich markante Elemente Öffentliche Freiräume Mobilität Gebiete mit Entwicklungspotential Stadtklima 39 III Konzept der Höhenentwicklung III.1 Leitideen der Höhenentwicklung III.2 Vier Höhenkategorien III.3 Kriterien der Höhenentwicklung Programmatische Kriterien Räumlich-gestalterische Kriterien III.4 Konzeptplan Maß der Höhenentwicklung Qualitätssicherung Sechs Zonen Komposition Ausblick – „Kriterienkatalog Bauliche Höhenplanung“ 79 Quellenverzeichnis 6 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Anhang Anhang 1: Stadtlandschaft Karlsruhe Anhang 2: Konzeptplan Anhang 3: Öffentliches Stadtbauforum - Aspekte der Höhenentwicklung Anhang 4: Öffentliches Stadtbauforum - Bürgerbeteiligung Stadtplanungsamt | 7 Einleitung Der Druck auf die Stadt Karlsruhe ist gewachsen, weil neue Flächen für gewerbliche Nutzung und Wohnnutzung in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen und im Siedlungsbereich vor dem Hintergrund einer doppelten Innenentwicklung (Freiraum und Bebauung) nur schwer identifiziert werden können. Die Notwendigkeit, innerstädtische Nachverdichtungspotenziale zu nutzen, wird durch das „Räumliche Leitbild Karlsruhe“ bestätigt und betont. Darüber hinaus erreichen das Stadtplanungsamt seit geraumer Zeit vermehrt Anfragen zum Bau von Gebäuden, die in ihren Quartieren neue Hochpunkte darstellen würden. Für einen abgestimmten konzeptionellen Umgang mit derartigen Anfragen fehlt bislang ein Regelwerk. Warum sollte genau an dieser Stelle in der Stadt ein hohes Gebäude zugelassen werden? Gäbe es geeignetere Standorte in der näheren Umgebung? Welche Anforderungen müssten an das Gebäude gestellt werden? Und wollen wir überhaupt neue Gebäude in der Stadt, die in ihrer Höhe deutlich von der umgebenden Regelbauweise abweichen? Um diese Fragen zufriedenstellend beantworten zu können und damit auch Antworten auf potenzielle Bauanfragen zu finden, beauftragte der Planungsausschuss die Verwaltung im Januar 2018 damit, ein Konzept für die bauliche Entwicklung in die Höhe auszuarbeiten. Das nun vorliegende Höhenentwicklungskonzept liefert Antworten auf die gestellten Fragen. Es ist eine Orientierungshilfe und Grundlage für die zukünftige Entwicklung Karlsruhes in der dritten Dimension. Die Entwicklung orientiert sich am Räumlichen Leitbild Karlsruhe, dem Rahmenplan Klimaanpassung und den Zielen der Innenentwicklung. Gleichzeitig knüpft es an der bislang mehrheitlich sorgfältig erfolgten Höhenentwicklung in Karlsruhe an, mit an strategischen Orten in den Bestand eingestreuten Einzelobjekten sowie wenigen, moderaten Häufungen von Höhenakzenten. Das Konzept weist ganz bewusst keine Gebiete in der Stadt aus, in welchen künftig Hochhäuser gebaut werden sollen. Vielmehr gibt das Konzept räumlich präzise Hinweise, welche Stellen in Karlsruhe nach stadtgestalterischen Gesichtspunkten geeigneter für hohe Gebäude sind als andere und welche Kriterien bei der Planung zu beachten sind. Das Konzept postuliert dabei folgenden Anspruch: Jede Höhenentwicklung – als Abweichung von der Regelbauweise – muss einen Mehrwert für Karlsruhe erzeugen! Zum einen finden die Programmatik eines potenziellen Gebäudes und seine Auswirkung auf die Umgebung Beachtung und fließen als Kriterien und Anforderungen in einen nachgelagerten Prozess ein. Zum anderen können Mehrwerte durch räumlich-gestalterische Kriterien erzeugt werden, indem bspw. ein Stadteingang hervorgehoben oder eine Institution betont wird. Die Bestimmung der Gebäudehöhen erfolgt anhand programmatischer sowie räumlich-gestalterischer Kriterien: Einordnung in die Stadtsilhouette, Bezug zur Stadtstruktur, städtebauliche Komposition um Platz- und Straßenräume, Erhalt und Schaffung neuer Freiräume, Ziele der Klimaanpassung, Erschließungsqualität, architektonisch-gestalterische Qualität und nicht zuletzt die Nutzung des Gebäudes. 8 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Stadtplanungsamt | 9 I Ansatz und Rahmenbedingungen 10 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe I Ansatz und Rahmenbedingungen I.1 Aufgabenverständnis Zentrale Fragen Folgende zentrale Fragen waren Ausgangslage und Orientierungsrahmen bei der Erarbeitung des Höhenentwicklungskonzepts: • In welchem Maß ist eine Höhenentwicklung in Karlsruhe sinnvoll? • Wo könnte eine Höhenentwicklung gesamtstädtische Vorteile bieten? • Wo befinden sich besonders geeignete quartiersbezogene Bereiche, wo Schongebiete? • Welche Faktoren tragen zu einer besonderen Eignung eines Gebiets für die Höhenentwicklung bei: Stadtsilhouette, Stadtstruktur und Komposition, Erschließung und Mobilität, Landschaft und Freiräume, Nutzung, Stadtklima? • Welche Aussagen macht das Höhenentwicklungskonzept auf den unterschiedlichen Maßstabsebenen: Gesamtstadt, Quartiere, Nachbarschaften, Gebäude? • Inwiefern kann die Höhenentwicklung einen Beitrag zur Bereitstellung von neuem, differenziertem Wohnraum leisten? • Welche Aussage macht das Konzept zu absoluten und relativen Höhen? • Welche Aussagen macht es zum architektonischen Ausdruck und der Qualitätssicherung? • Welches Maß zwischen Regelungsdichte und Flexibilität (Kontrolle vs. Laissez-faire) ist angemessen? • Welchen Charakter besitzt das Höhenentwicklungskonzept zwischen „Konzept als Steuerungs- instrument der Entwicklung“ (Planung) und „Konzept als gesamtstädtisches Zielbild“ (Plan)? • Für welche nachgelagerten Prozesse und Planungsinstrumente stellt das Höhenentwicklungskonzept Grundlage und Orientierungsrahmen dar? Abb.1: Disziplin- und maßstabsübergreifende Betrachtung, Verständnis der Höhenentwicklung in seiner ganzen Bandbreite und Blick auf gesamtstädtische Zusammenhänge – Abwägung zwischen Regelungsdichte und Flexibilität (sa_partners) Stadtplanungsamt | 11 Stellenwert Abb.2: Stellenwert des Höhenentwicklungskonzepts (sa_partners) Das Höhenentwicklungskonzept Karlsruhe ist ein Orientierungsrahmen für die zukünftige Entwicklung in die Höhe. Es bildet die Vorlage für nachgelagerte Beurteilungen, die Steuerung und Qualitätssicherung. Das Konzept bezieht mit den Aspekten und Leitideen eine klare Position zu Haltung, Ziel und Zweck der baulichen Höhenentwicklung in Karlsruhe. Es gibt im Konzeptteil mit den definierten Höhenkategorien, den programmatischen und den räumlich-gestalterischen Kriterien sowie den räumlichen Zuordnungen im Stadtgrundriss maßgebende Hinweise zur Beurteilung und Planung von Projekten mit Höhenentwicklung sowie zum Maß der gewünschten Höhenentwicklung. Ziele und Herausforderungen Das Höhenentwicklungskonzept Karlsruhe verfolgt folgende Ziele: • Beleuchtung unterschiedlicher Aspekte und Wirkungsweisen der Höhenentwicklung • Festigung der Vorstellung von Art und Maß der Höhenentwicklung • Klärung der Rolle, Definition und Bedeutung der Höhenentwicklung • Sicherstellung des Interessensausgleichs und Herbeiführung eines gemeinsamen Verständnisses bei Schlüsselakteuren und Öffentlichkeit • Aufzeigen von Mehrwerten (für Alle) zur Erhöhung der Akzeptanz (auch für aktive Beteiligung bei Umsetzung) Maßgebende Hinweise Die programmatischen und räumlich-gestalterischen Kriterien sowie die Hinweise zum Maß der Höhenentwicklung sind im Konzept grau hinterlegt. 12 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Das Höhenentwicklungskonzept bietet folgende Chancen für Karlsruhe: • Eindämmen des Flächenwachstums durch eine Innenentwicklung auch in die Höhe • Ausschöpfen von Entwicklungspotentialen an zugewiesenen und strategischen Orten • Schaffen von neuem Wohnraum und Gewerbeflächen • Differenziertes Gestalten im spezifischen Stadtgrundriss Karlsruhes • Ausschöpfen von Möglichkeiten zur Verbesserung des Stadtklimas Das Höhenentwicklungskonzept steht vor folgenden Herausforderungen und Anforderungen: • Differenzierter Umgang und Schonung des baulichen Erbes (Fächerstadt) • Differenzierter Umgang in den für Karlsruhe typischen Quartieren • Offenhalten eines angemessenen Entwicklungsspielraums bei gleichzeitigem Festlegen der wichtigsten Eckpunkte und Leitplanken I.2 Rahmenbedingungen Übergeordnete planerische Grundlagen Das Höhenentwicklungskonzept basiert einerseits auf einer gesamtheitlichen Betrachtung des heutigen Bestands von Hochpunkten unter Einbezug aller höhenentwicklungsrelevanten programmatischen und gestalterischen Aspekte, andererseits auf den übergeordneten Planwerken. Als übergeordnete planerische Grundlagen wurden herangezogen: • Räumliches Leitbild Karlsruhe (2016) • Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung (2015) • Verkehrsentwicklungsplan (2013) Aufbau Das Höhenentwicklungskonzept ist folgendermaßen gegliedert: In der gesamtstädtischen Analyse werden höhenentwicklungsrelevante Themen untersucht, insbesondere unter Einbezug des Räumlichen Leitbilds und des Städtebaulichen Rahmenplans Klimaanpassung. Dazu gehören der Bestand an Hochpunkten, die Stadtstrukturtypen, das bauhistorische Erbe, städtebaulich markante Elemente, Mobilität, öffentliche Freiräume, Gebiete mit Entwicklungspotential sowie das Stadtklima. Die städtebaulichen Schlussfolgerungen, welche aus der Analyse abgeleitet werden können, bilden die Grundlage für die Ableitung städtebaulicher Verhaltensweisen und Anforderungen bezüglich Art und Maß der Höhenentwicklung. Im Zentrum des Konzepts stehen zum einen die sechs Aspekte der Höhenentwicklung und darin begründet die Leitideen für einen Karlsruher Weg der Höhenentwicklung, zum anderen die Definition von vier Höhenkategorien, die den Karlsruher Maßstab definieren. Kernstück bilden einerseits die Kriterien an die Höhenentwicklung, welche ortsbauliche Gewinne und programmatische Vorteile für eine nachhaltige Stadtentwicklung schaffen, andererseits der Konzeptplan, der verortete städtebauliche Verhaltensweisen an die Entwicklung und räumlich festgelegte Hinweise auf das Maß der Höhenentwicklung beinhaltet. Stadtplanungsamt | 13 II Analyse und Schlussfolgerungen 14 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe II Analyse und Schlussfolgerungen II.1 Ausgangslage Gesamträumliche Ausgangslage Karlsruhe setzt sich aus 27 Stadtteilen zusammen. Viele dieser Stadtteile kamen durch Eingemeindungen zu Karlsruhe und sind älter als die Stadt selbst. Das Karlsruher Stadtgebiet stellt ein buntes Mosaik dörflicher und städtischer Quartiere dar. Karlsruhes städtebauliche Einzigartigkeit beruht auch auf seiner topografischen und landschaftlichen Einbettung: der Hardtwald, die südliche Hardt und der Oberwald ragen als Grünkeile in den Stadtgrundriss. Die Wälder der Rheinaue, der Rhein und der Rheinhafen definieren die Stadtgestalt im Westen. Abb.3: Mosaik von Stadtteilen in Karlsruhe Abb.4-7: Impressionen der Stadtteile Stadtplanungsamt | 15 Bauhistorisches Erbe Die Kernstadt ist geprägt durch den barocken Stadtgrundriss mit dem Fächer, dem Schloss sowie den zentrisch zulaufenden Schlossstrahlen. Die Stadtstruktur der Innenstadt weist zudem die klassizistische Strenge der Blockrandstruktur auf. Die historischen Ortskerne von Durlach und den eingemeindeten Siedlungen, wie z.B. Knielingen, sowie das gabelförmige Hafenbecken stellen weitere wichtige historische Strukturen der Stadtstruktur dar. Abb.8: Historische Fächerstadt – Abb.9: Historische Ortskerne (Durlach) Innenentwicklung und Wohnraumknappheit Die Stadt Karlsruhe sieht sich mit einer Wohnraumknappheit konfrontiert. Gleichzeitig wurde mit Beschluss des Räumlichen Leitbilds der Anspruch formuliert, das Bevölkerungswachstum möglichst ohne weiteres Flächenwachstum des Siedlungsgebiets aufzunehmen. Dies setzt eine effiziente Nutzung der innerstädtischen Nachverdichtungspotentiale voraus. Die Innenentwicklung ist u.a. durch eine Entwicklung in die Höhe möglich. Freie Flächen bzw. Bauland für Wohn- und Gewerbenutzug stehen in Karlsruhe nur noch in begrenztem Umfang zur Verfügung und sind innerhalb des Siedlungsbereichs vor dem Hintergrund der doppelten Innenentwicklung nur eingeschränkt verfügbar. Abb.10-12: Innenentwicklung durch Aufstockung mit Beitrag zu bezahlbarem Wohnraumangebot, Zürich Stadtklima Karlsruhe zählt zu den wärmsten Städten Deutschlands. Vor allem in der Innenstadt herrscht ein Wärmeinseleffekt, der sich durch die Auswirkungen des Klimawandels voraussichtlich noch weiter verstärken wird. Der städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung zeigt auf, welcher Handlungsbedarf und welche Handlungsoptionen unter Berücksichtigung sozioökonomischer und 16 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe weiterer Faktoren bestehen, um die Auswirkungen des Klimawandels in der Stadt so gering wie möglich zu halten. Eine abgestimmte Höhenentwicklung kann möglicherweise einen positiven Einfluss auf die künftige Vulnerabilität gegenüber sommerlicher Extremhitze leisten. Abb.13: Ökologisches Holzhochhaus, Pforzheim – Abb.14: Fassadenbegrünung Bestehendes Höhenprofil In Karlsruhe fand bereits eine Höhenentwicklung statt, was heute deutlich an den unterschiedlichen Hochpunkten in der Stadtgestalt ablesbar ist. Die ersten Hochhäuser in Karlsruhe entstanden Anfang der 50er Jahre. Das Hochhaus am Entenfang im Mühlburger Feld (1954) gehört mit 34m Höhe zu einem der ersten. Darauf folgten zwischen 1962-65 die bis heute höchsten Bürohochhäuser der Stadt, das Gebäude der Deutschen Rentenversicherung mit 77m und das Landratsamt Karlsruhe mit knapp 70m Höhe. Das bislang höchste Wohnhochhaus Karlsruhes entstand schließlich 1969 an der Liebigstraße mit 50m Höhe. Abb.15-17: Am Entenfang im Mühlburger Feld (34m) - Deutsche Rentenversicherung (77m) – Wohnhoch- haus Liebigstraße (50m) Das heutige Stadtbild weist sowohl historische Hochpunkte (z.B. Kirchtürme, Schlossturm), industrielle höhere Bauten (z.B. Kamine, Fabrikgebäude, Windkraftanlagen) sowie hohe Dienstleistungs- und Wohngebäude (z.B. LVA, Landratsamt) auf. Die unterschiedlichen Hochpunkte formen die heutige Stadtlandschaft mit Höhenakzenten als eingestreute Einzelobjekte an strategischen Orten sowie vereinzelten Häufungen (z.B. KIT, Beiertheimer Feld). Stadtplanungsamt | 17 Abb.18: Typen der Stadtgestalt in gesamtstädtischer Betrachtung (sa_partners) Qualitative Höhenentwicklung Identitätsstiftend für die Stadtsilhouette des heutigen Stadtbilds als Stadtlandschaft sind die Höhenakzente als eingestreute Einzelobjekte an strategischen Orten sowie vereinzelte moderate Häufungen von Hochpunkten (z.B. KIT, Beiertheimer Feld). Die bestehenden Hochhäuser sind meist präzise städtebaulich gesetzt und harmonisch in das Stadtbild eingeordnet. Sie geben den Karlsruher Maßstab der Höhenentwicklung vor. Das höchste Hochhaus (LVA Baden) ist heute 77 m hoch, Industriebauten am Stadtrand erreichen eine Höhe von bis zu 233 m (Kamine am Hafen). Der Anspruch an eine qualitative Umsetzung der Höhenentwicklung soll auch in Zukunft fortgeführt werden. Im Folgenden werden einige gelungene Karlsruher Beispiele einer qualitativen Höhenentwicklung gezeigt. Ludwig-Erhard-Allee Der 6 bis 11-geschossige straßenbegleitende Gebäuderiegel mit öffentlichem Sockelgeschoss und vereinzelten Hochpunkten innerhalb des Gebäuderiegels dient der Akzentuierung der inneren Stadtkante und der Eingangssituation in die Innenstadt. Abb.19: Axonometrie Luftbild Ludwig-Erhard-Allee (sa_partners) - Abb.20: Luftbild Ludwig-Erhard-Allee 18 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Waldstadt Mit einer Höhe von 9 bis 18 Geschossen ist die Modellsiedlung am Hardtwald ein markantes Beispiel für die Markierung innerer bzw. äußerer Stadtkanten mit Hochpunkten. Die Hochhäuser reihen sich entlang der Theodor-Heuss-Allee und der Haupterschließung des Quartiers (Kolberger Straße) auf und dienen der Adressbildung und Akzentuierung der Stadtkanten. Abb.21: Axonometrie Höhenakzente Waldstadt (sa_partners) – Abb.22: Luftbild Waldstadt Gewerbegebiet Grünwinkel Der Hochpunkt mit 8 Geschossen im Industrie- und Gewerbequartier entlang der Infrastrukturtrasse der B10 dient der Adressbildung und Orientierung entlang der Straße. Er nutzt die großzügigen Freiräume der Infrastruktur für eine Entwicklung in die Höhe, ohne umliegende Gebäude zu verschatten. Abb.23: Axonometrie Grünwinkel (sa_partners) – Abb.24: Luftbild Grünwinkel Stadtplanungsamt | 19 Rintheimer Feld Das Feld mit Hochpunkten von 9 bis 18 Geschossen und attraktiv gestalteten öffentlichen Frei- und Grünflächen zwischen den Gebäuden ist ein Beispiel für die doppelte Innenentwicklung, welche durch die Entwicklung in die Vertikale möglich wird. Höhere Gebäude können zur Innenentwicklung beitragen und die Freiräume in der Stadt erhalten. Abb.25: Axonometrie Rintheimer Feld (sa_partners) – Abb.26: Luftbild Rintheimer Feld KIT Campus Der KIT Campus vereint Gebäude verschiedener architektonischer Ausdrucksweisen mit einer Höhe zwischen 7 und 14 Geschossen. Die Hochpunkte dienen dem Branding und der Akzentuierung der Stadt als Bildungs- und Technologiestandort. Abb.27: Axonometrie Höhenakzente KIT Campus (sa_partners) – Abb.28: Luftbild KIT Campus 20 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Yorckstraße Das 15-geschossige Gebäude an der Yorckstraße kann als stadtbildprägender Hochpunkt gesehen werden. Es steht im Kontext zu der Blockrandstruktur der Innenstadt und markiert eine wichtige Straßenbahnhaltestelle sowie den angrenzenden öffentlichen Platz. Abb.29: Axonometrie Yorckstraße (sa_partners) – Abb.30: Luftbild Yorckstraße Stadtplanungsamt | 21 II. 2 Gesamtstädtische Strukturanalyse und Schlussfolgerungen Eine gesamtstädtische quartiers- und bautypologische Strukturanalyse stellt den Ausgangspunkt für die Ableitung von Schlussfolgerungen für den Konzeptplan der Höhenentwicklung in Karlsruhe dar. Sie ist Grundlage, um den Karlsruher Weg der Höhenentwicklung zu formulieren. Aufgebaut ist die gesamtstädtische Strukturanalyse aus acht höhenentwicklungsrelevanten Themenschwerpunkten, welche auf den herangezogenen Grundlagen (Räumliches Leitbild, Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung) und deren Interpretation beruhen. Folgende thematischen Schwerpunkte, welche für die Höhenentwicklung relevant sind, wurden im Zuge der Analyse untersucht: Abb.31: Aufbau gesamtstädtische Strukturanalyse (sa_partners) Bestand Hochpunkte Stadtstrukturtypen Bauhistorisches Erbe Städtebaulich markante Elemente Öffentliche Freiräume Mobilität Gebiete mit Entwicklungspotential Stadtklima 22 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Bestand Hochpunkte Analyse In Karlsruhe fand ab den 1950er Jahren bereits eine Höhenentwicklung statt. Bei Betrachtung bestehender Höhenakzente zeigt sich, dass diese weiträumig im Stadtgrundriss verteilt und von unterschiedlicher Höhe sind (Höhenprofil einer Stadtlandschaft). Sie schließen sowohl industrielle Bauten (z.B. Schornsteine, Kamine), sakrale und historische Bauten (z.B. Kirchtürme, Schlossturm) als auch Hochpunkte für Wohn- und Arbeitsnutzung ein. Eine Einzelbetrachtung der bestehenden Höhenentwicklung zeigt eine situativ meist sorgfältige Setzung der Hochpunkte im städtebaulichen Kontext. Heutige Richtwerte der Höhenentwicklung: Häuser ab einer Höhe von 22 m Oberkante Fußboden gelten in Baden-Württemberg planungsrechtlich als Hochhaus. Ab dieser Gebäudehöhe gelten erhöhte feuerpolizeiliche Anforderungen. Durch die erhöhten Anforderungen, welche an ein Hochhaus gestellt werden, sinkt die wirtschaftliche Rendite von Gebäuden kurz oberhalb der Hochhausgrenze auf ein ungünstiges Niveau ab. Ab ungefähr 36 m Gebäudehöhe wird der Bau je nach Lagequalität im ökonomischen Sinne wieder rentabel. In Karlsruhe kann von einer stadtbildprägenden Höhe gesprochen werden (Studie Entwicklungsachse Durlacher Allee). Ab 60 m Gebäudehöhe gelten besondere Brandschutzmaßnahmen (Muster-Hochhaus-Richtlinie MHHR). Abb.32: Heutige Richtwerte der Höhenentwicklung (sa_partners) Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung des Bestands an Hochpunkten für das Höhenentwicklungskonzept: Karlsruhes Höhenprofil entspricht einer Stadtlandschaft. à Dies ist Ausgangslage für eine gesamtstädtische, punktuelle Konzeption der Höhenentwicklung. Die heutige Höhenentwicklung lässt sich in eine vierstufige Skala übersetzen, die mitunter feuerpolizeilichen bzw. technischen Richtwerten entspricht. à Die Festlegung von Höhenkategorien basiert auf den heutigen technischen Richtwerten und dem Bestand. Stadtplanungsamt | 23 Abb.33: Bestand Hochpunkte (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 24 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Stadtstrukturtypen Analyse Karlsruhe besteht aus einem Mosaik unterschiedlicher Stadtstrukturtypen. Sie reichen von der innerstädtischen Blockrandstruktur, Zeilenbau-Siedlungen, Hochhäusern und städtebaulichen Großstrukturen bis hin zu verdichteten Einfamilienhausquartieren und lockeren Bebauungen geringer Dichte. Die Stadtstruktur dient als wichtige Grundlage für die Konzeption und Beurteilung der Bauhöhenentwicklung. Die Verträglichkeit eines höheren Gebäudes ist jeweils im Kontext der Stadtstruktur zu beurteilen. Art und Maß der Höhenentwicklung ist nicht nur abhängig von der absoluten Gebäudehöhe, sondern auch von der umgebenden Bebauung im Quartier. Abb.34: Blockrand (Innenstadt und Gründerzeitquartiere) Abb.35: Hochhäuser und Zeilen (Siedlungen der 60er/70er Jahre) Abb.36: Einfamilienhäuser (z.B. Höhenstadtteile) Abb.37: Industrie- und Gewerbe- gebiete (z.B. Am Entenfang) Abb.38:Historische Ortskerne (z.B. Durlach) Abb.39: Großstrukturen (z.B. KIT Campus) Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung der Stadtstrukturtypen für das Höhenentwicklungskonzept: Karlsruhe besteht aus einem Mosaik an Stadtstrukturen. à Die Höhenentwicklung ist in hohem Maße abhängig von der Stadtstruktur und folgt damit unterschiedlichen Beurteilungskriterien was Verteilung, Dichte und Maß der Höhe angeht. Höhe ist relativ. à Die Verträglichkeit eines Hochpunkts ist im Kontext der Stadtstruktur zu beurteilen. Höhenentwicklung und Stadtstruktur Höhe ist relativ Stadtplanungsamt | 25 Abb.40: Stadtstrukturtypen (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 26 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Bauhistorisches Erbe Analyse Das historische Erbe ist insbesondere in der Planstadt Karlsruhe sehr präsent und stellt spezifische Anforderungen an die Höhenentwicklung. Karlsruhe ist geprägt von der Fächerstruktur der Innenstadt mit dem Schloss und den Schlossstrahlen als wichtiges Bezugssystem. Gleichzeitig tragen die historischen Ortskerne der Stadtquartiere und vor allem der historische Kern von Durlach zum reichen baulichen Erbe der Stadt bei. Zusätzlich prägen Modellsiedlungen unterschiedlicher Epochen (z.B. Dammerstock) sowie das markante gegabelte Hafenbecken am Rhein die Stadtgestalt. Abb.41: Fächerstadt mit Schloss und Schlossstrahlen – Abb.42: Historischer Ortskern Durlach Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung des bauhistorischen Erbes für das Höhenentwicklungskonzept: Karlsruhe besitzt ein einzigartiges bauhistorisches Erbe (Schloss, Fächerstadt, historische Ortskerne, Modellsiedlungen, Hafenbecken). à Identitäts- und Schongebiete für Höhenentwicklung müssen den Schutz dieser Bereiche des Stadtbilds gewährleisten. Historische Achsen und Sichtbezüge (z.B. Schlossstrahlen) sind wichtige Elemente der Gliederung und Bezugssysteme. à Sie müssen bei der Höhenentwicklung gebührend berücksichtigt werden. Stadtplanungsamt | 27 Abb.43: Bauhistorisches Erbe (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 28 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Städtebaulich markante Elemente Analyse Markante Grundzüge prägen den Karlsruher Stadtgrundriss. Neben dem Fächer sind dies insbesondere die kompakte Innenstadt, gegliedert durch wichtige historische Achsen (Kriegsstraße, Via Triumphalis, Kaiserstraße), die radial angeordnete Eingangs- bzw. Torsituationen mit den ins Zentrum zulaufenden Einfahrtachsen (Kaiserstraße, Durlacher Allee, Ludwig-Erhard-Allee), das um die Innenstadt verlaufende Gewerbeband (Dynamisches Band, Südtangente), die ansatzweise schon ausgeprägten Stadtkonturen (nach Innen und Außen) sowie das Hafenbecken. Diese Elemente sollen Anhalts- und Ausgangspunkt einer Höhenentwicklung zwecks städtebaulicher Artikulation, Akzentuierung und Adressbildung sein. Dazu gehören auch wichtige öffentliche Einrichtungen und Plätze, welche durch Hochpunkte betont werden könnten (z.B. Ettlinger Tor, Festplatz, Hauptbahnhof). Abb.44: Artikulierung der Stadteinfahrt Ludwig-Erhard-Allee Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung der städtebaulich markanten Elemente für das Höhenentwicklungskonzept: Karlsruhe weist (neben dem Fächer) folgende markante Grundzüge im Stadtgrundriss auf: §Kompakte Innenstadt gegliedert durch Achsen (Kriegsstraße, Via Triumphalis, Kaiserstraße) §Radial angeordnete Eingangs- / Torsituationen §Ins Zentrum zulaufende Einfahrtsachsen §Um die Innenstadt verlaufendes Gewerbeband (Dynamisches Band, Südtangente) §Ansatzweise ausgeprägte Stadtkonturen (nach Innen und Außen) §Emblematisches Hafenbecken à Diese können durch Artikulation, Akzentuierung und Adressbildung zur Verbesserung der Orientierung und der Lesbarkeit im Stadtgrundriss beitragen. Stadtplanungsamt | 29 Abb.45: Städtebaulich markante Elemente (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 30 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Öffentliche Freiräume Analyse Die öffentlichen Freiräume in Karlsruhe sind in Grün-, Sport- und Erholungsräume einerseits sowie öffentliche Plätze und Straßenräume andererseits gegliedert. Markante Grundzüge im Karlsruher Stadtgrundriss sind neben den morphologischen Stadtstrukturen vor allem die Grünkeile des Hardtwalds und des Oberwalds sowie die südliche Hardt und die Rheinauen. Innerhalb der Stadtstruktur bilden der Zoologische Stadtgarten, Schrebergartenanlagen und Parks grüne Korridore. In der Innenstadt charakterisieren vor allem wichtige öffentliche Plätze und Fußgängerzonen die Freiraumstruktur. Angrenzend an die Freiräume ist eine Höhenentwicklung zwecks Artikulierung der inneren und äußeren Stadtkanten möglich, welche in angemessener Weise auf den Freiraum Bezug nimmt (z.B. Erdgeschoss und Erdgeschossnutzung, Beschattung). Höhenentwicklung kann auch zur Schaffung neuer Grün- und Freiräume beitragen (doppelte Innenentwicklung). Abb 46: Attraktivierung der Erdgeschosse – Abb.47:Doppelte Innenentwicklung – Abb.48: Hochhaus neben Zoologischem Stadtgarten Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung der öffentlichen Freiräume für das Höhenentwicklungskonzept: Die Höhenentwicklung kann zum Erhalt und der Schaffung von Freiflächen beitragen (doppelte Innenentwicklung). à Höhenentwicklung muss die doppelte Innenentwicklung berücksichtigen und fördern. Angrenzend an öffentliche Grün- und Freiräume ist eine Entwicklung in die Höhe möglich. à Höhenentwicklung dient der Artikulierung innerer und äußerer Stadtkanten. Sie muss insbesondere im Erdgeschoss durch öffentliche Nutzung einen Beitrag zur Attraktivierung der Freiräume leisten (z.B. Café, Gemeinschaftsräume). Höhenentwicklung soll, wenn möglich, stadtklimatische Anpassungsmaßnahmen (z.B. Freihaltung und Lenkung von Frischluftströmen) unterstützen. à Die Konzeption des Gebäudes und der Umgebung muss den Zielen des Rahmenplans Klimaanpassung folgen. Stadtplanungsamt | 31 Abb.49: Öffentliche Freiräume (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 32 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Mobilität 1 Analyse Das Verkehrsnetz des Individualverkehrs in Karlsruhe wird stark geprägt durch die zentrumsnahe Kreisstraße K9657, besser bekannt als Südtangente. Diese umschließt die Innenstadt von Karlsruhe in südlicher Richtung. Dank der geringen Abstände von Ausfahrten kann sie auch einen Teil des Quell-Ziel-Verkehrs innerhalb der Stadt aufnehmen und so das restliche Straßennetz entlasten. Die Südtangente ist häufig hoch belastet und weist zu den Hauptverkehrszeiten Stau auf. Auf dem übrigen Straßennetz sind Überlastzeiten jedoch selten. Vor allem das historische Stadtzentrum südlich des Schlosses weist einen geringen motorisierten Individualverkehr auf. Für den öffentlichen Verkehr in Karlsruhe ist der Hauptbahnhof mit ICE-Halten von zentraler Bedeutung. Geringerer Wichtigkeit haben heute die Bahnhöfe Karlsruhe West sowie Karlsruhe- Durlach. Vor allem der Bahnhof West ist unattraktiv und das Angebot an Verbindungen ungenügend. Öffentliche Verkehrsmittel im Stadtzentrum sind die sieben Straßenbahnlinien und die insgesamt elf Stadtbahnlinien. Ergänzt wird dieses Angebot in den Randbezirken mit Bussen. Karlsruhe ist relativ flach und bietet deshalb gute Voraussetzungen für den Fahrradverkehr. 2011 wurde die Stadt als eine der ersten drei Städte in Baden-Württemberg als fahrradfreundliche Kommune ausgezeichnet. Der ADFC-Test 2018 kürte Karlsruhe zur fahrradfreundlichsten Stadt bis 500.000 Einwohner. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung der Mobilität für das Höhenentwicklungskonzept: 1 Erarbeitet durch Fachplaner von EBP Schweiz AG à Die Identifikation optimaler Standorte für Hochhäuser muss eine Analyse der Auswirkungen auf die Mobilität einschließen. à Erarbeitung eines Mobilitätskonzepts bei größeren Überbauungen, um weitere Maßnahmen festzulegen, welche die hochhausbezogene Mobilität optimieren sollen (z.B. Carsharing- und Fahrradsharing-Angebot; Ausfahrtsdosierung der Tiefgarage zur Gewährleistung der Kapazität des Straßennetzes in der Umgebung; verbindliche Festlegung der Zahl der Parkplätze, Motorräder, Fahrräder, etc.) à Aufgrund der erhöhten Mobilitätsnachfrage bilden Bahnhöfe und Hubs des öffentlichen Verkehrs gute Standorte für Hochhäuser. Die Entwicklung von Hochhäusern kann aber auch eine Verbesserung der Angebotsdichte im öffentlichen Verkehr induzieren. à In direkter Umgebung des Hochhauses ist auf eine sinnvolle Entflechtung von Fuß- und Radverkehr auf der einen und motorisiertem Verkehr auf der anderen Seite zu achten. Stadtplanungsamt | 33 Abb.50: Mobilität (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 34 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Gebiete mit Entwicklungspotential 2 Analyse Karlsruhe weist unterschiedliche Gebiete mit Entwicklungspotential auf. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Industrie- und Gewerbegebiet, das sogenannte „Dynamische Band“. Im Zuge einer ökonomischen Betrachtung der Höhenentwicklung und einen möglichen Beitrag zur Entwicklung der Gebiete mit Entwicklungspotential stehen Dichte, Höhe der Gebäude und Landwerte in einem wechselseitigen Verhältnis. Im Grundsatz resultieren aus hoher Dichte höhere Landwerte, andererseits ist eine hohe Dichte ein Erfordernis aufgrund hoher Landwerterwartungen. Höhenentwicklung kann, insbesondere in den unteren Höhenkategorien, einen Beitrag zur Innenentwicklung leisten. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung der Gebiete mit Entwicklungspotential für das Höhenentwicklungskonzept: 2 Erarbeitet durch Fachplaner von EBP Schweiz AG Hochhäuser prägen durch ihre Typologie das Stadtbild durch eine verstärkte Aufmerksamkeit im Standortwettbewerb („Wahrzeichen“), Adressbildung („Marke“) sowie eine klarere Positionierung („Identität“). à Stadtbildprägende Effekte von Höhenentwicklung können gesamtstädtisch über die Stadtgestalt wie auch quartiers-/arealbezogen wirken. Sie können wahrnehmbare Akzente setzen und damit Impulse für eine (Neu-)Entwicklung auslösen und bestehende Transformationsprozesse verstärken. Die Nutzungen und Nutzungsdurchmischung (unterschiedliche kommerzielle Nutzungen / Branchenstruktur, wie auch der Wohnungsmix mit der Ausrichtung auf spezifische Nachfragesegmente) sind für die stadträumlichen Auswirkungen von zentraler Bedeutung. à Nutzungsmischungen ergeben sich nicht per se, sondern sind bewusst zu steuern. Objekt- und Umgebungsqualitäten beeinflussen sich gegenseitig. An hochwertigen Lagen bedarf es besonderer Maßnahmen, um preisgünstige Nutzungen zu etablieren; an minderwertigen Lagen sind besondere Qualitäten zu schaffen, um hochwertige Nutzungen anzuziehen. Höhenentwicklung ist immer im Kontext ihrer Umgebung zu prüfen. Ihre Impulsfunktion strahlt in die umliegenden Gebiete bzw. Quartiere aus. Die ökonomischen Effekte wirken nicht nur objektbezogen, sondern beeinflussen auch die Landwerte der umliegenden Gebiete in positiver oder negativer Weise. à Die Impulsfunktion einer Höhenentwicklung fällt je nach Charakteristik eines Transformationsgebietes unterschiedlich aus. Hochhäuser können bewusst als Instrument der Stadtentwicklung eingesetzt werden, z.B. im Dynamischen Band. Ihre Impulswirkung ist gezielt einzusetzen, d.h. sie sind auf die erwünschte räumliche Entwicklung im entsprechenden Transformationsgebiet auszurichten. Je stärker der Impuls einer Höhenentwicklung beabsichtigt ist, desto stärker ist eine Steuerung bzw. begleitende Planung vorzunehmen, damit ein Hochhaus nicht als „isoliertes“ Objekt bzw. als Fremdkörper am Standort wirkt. Stadtplanungsamt | 35 Abb.51: Gebiete mit Entwicklungspotential (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 36 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Stadtklima 3 Analyse Durch die Lage im Oberrheingraben treten in Karlsruhe im Sommer regelmäßig Hitzeperioden auf und der Effekt der städtischen Wärmeinsel verursacht in der Stadt eine zusätzliche Wärmebelastung. Im Innenstadtbereich sind einige stark verdichtete Quartiere bioklimatisch stark belastet. Städtebauliche Aktivitäten, insbesondere die Höhenentwicklung, haben einen wichtigen Einfluss auf das Stadtklima. Die Auswirkungen auf das Lokalklima müssen für jedes Vorhaben im Einzelfall überprüft werden. Mit jeweils geeignete Maßnahmen muss eine stadtklimatische Verschlechterung durch die Höhenentwicklung vermieden werden. Mit einer entsprechenden Planung kann Höhenentwicklung einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden der Bevölkerung haben. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Folgende Erkenntnisse und Schlussfolgerungen folgen aus der Untersuchung des Stadtklimas für das Höhenentwicklungskonzept: 3 Erarbeitet durch Fachplaner von EBP Schweiz AG Die Stadt ist von starker Hitze betroffen. Das Hauptkriterium aus klimatischer Sicht bei der Höhenentwicklung ist das Verhindern von negativen Auswirkungen auf das Lokal- und Bioklima, den Windkomfort und die Luftqualität durch neue Bebauung. à Insbesondere beim Bau von Hochhäusern ist der Einfluss auf die Luftleitbahnen innerhalb der Stadt zu prüfen: Projekte, die den Einfluss von Kaltluftschneisen und den innerstädtischen Luftaustausch insgesamt einschränken, sind zu vermeiden und Projekte, die vermehrt Kaltluft in die betroffenen Gebiete bringen, zu befürworten. à Höhenentwicklung kann durch eine geeignete Fassadengestaltung die Aufwärmung der Stadt im Sommer reduzieren (z.B. durch Fassadenbegrünung, helle Fassadenelemente). Ein angenehmes Wohnklima in Hitzeperioden in Gebieten der Innenentwicklung und Verdichtung durch Höhenentwicklung trägt zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. à Die klimagerechte Planung von Projekten ist für ein angenehmes Wohnklima essentiell. Dazu gehören beispielsweise eine gute Wärmedämmung, geeignete Positionierung der Fenster- und Fassaden, entsprechender Sonnenschutz oder geeignete Kühl- und Ventilationssysteme. Das Stadtklima kann durch die Umgebungsgestaltung von Freiräumen und die Schaffung von Grünflächen am und um das Gebäude verbessert werden, indem durch höhere Bebauung Umgebungsflächen von Bebauung freigehalten werden. Im Umfeld von höheren Gebäuden müssen negative Effekte wie Turbulenzen, Düseneffekte, unerwünschte Verschattung und Reflektionen an der Fassade verhindert werden. à Durch den Erhalt und die Schaffung von Grün- und Freiflächen hat die Höhenentwicklung einen wichtigen Einfluss auf die Kühlung der Stadt, z.B. durch entsiegelte Flächen, Grün- und Freiräume mit Bäumen und Wasserelemente. Parkplätze sind von den neu geschaffenen und erhaltenen Freiräumen fernzuhalten. Stadtplanungsamt | 37 Abb.52: Stadtklima (Quelle: Stadt Karlsruhe, Darstellung: sa_partners) 38 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Fazit In Ergänzung zu den historischen Hochpunkten (z.B. Schlossturm, Rathausturm) fand in Karlsruhe insbesondere ab den 1950er Jahren eine Höhenentwicklung statt. Die bestehenden Höhenakzente sind gesamtstädtisch gesehen weiträumig im Stadtgrundriss verteilt und von unterschiedlicher Höhe. Sie sind situativ meist präzise gesetzt und qualitativ hochwertig ausformuliert. Dieses Höhenprofil der Stadt Karlsruhe kann als Stadtlandschaft klassifiziert werden. Der Karlsruher Maßstab der Höhenentwicklung wird durch den Bestand definiert - das höchste Hochhaus (LVA Baden) ist heute 77 m hoch (Industriebauten bis 233 m). Karlsruhe soll auch in Zukunft dem Anspruch einer qualitativ hochwertigen, punktuell über den Stadtgrundriss verteilten Höhenentwicklung gerecht werden, welche behutsam auf den städtebaulichen Kontext reagiert, abgestimmt auf den Karlsruher Maßstab der Höhenentwicklung. Innenentwicklung und Verdichtung in die Höhe müssen lokal spezifisch, situativ und mit Bezug auf den jeweiligen städtebaulichen Kontext umgesetzt werden. Abb.53: Stadtlandschaft Karlsruhe (sa_partners) Stadtplanungsamt | 39 III Konzept Höhenentwicklung 40 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe III Konzept Höhenentwicklung III. 1 Leitideen der Höhenentwicklung Folgende Leitideen bilden Rahmen und Leitplanken einer zukünftigen Höhenentwicklung in Karlsruhe. Sie spiegeln die Vielschichtigkeit der Aspekte der Höhenentwicklung wider. Entscheidend für die Höhenentwicklung ist die Interessensabwägung im Einzelfall. Abb.54: Interessensabwägung unterschiedlicher Aspekte und Kriterien bei der Höhenentwicklung (vgl. Kap.III.3: Kriterien der Höhenentwicklung, sa_partners) Die Leitideen für die Höhenentwicklung in Karlsruhe sind die folgenden: • Höhenentwicklung setzt Impulse in der Stadtentwicklung und stärkt Karlsruhes Bild als attraktiver Wohn-, Arbeits- und Bildungsstandort. Sie fördert die Bereitstellung attraktiver Arbeits- und Gewerbeflächen. • Höhenentwicklung trägt zur Bereitstellung eines neuen und differenzierten Wohnraumangebots bei und begegnet der Wohnungsknappheit in Karlsruhe. Sie fördert ein diversifiziertes Wohnraumangebot und macht Karlsruhes Stadtteile zu lebendigen und durchmischten Quartieren. • Höhenentwicklung macht den Gestaltungswillen von Karlsruhe sichtbar. Sie schafft städtebauliche Mehrwerte innerhalb der Stadtstruktur (Innenentwicklung). • Höhenentwicklung ordnet sich dem Erhalt und der Schonung des historischen Erbes unter und trägt zur behutsamen Weiterentwicklung und der Lesbarkeit des Stadtgrundrisses bei. • Höhenentwicklung beeinträchtigt den klimatischen Komfort nicht, fördert, wenn möglich, eine klimagerechte sowie nachhaltige Stadtentwicklung im ökologischen Sinne und trägt zur Sicherstellung eines verträglichen Stadtklimas bei. • Höhenentwicklung findet an Orten guter verkehrlicher Erschließung statt und soll gleichzeitig den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel an bestimmten Stellen fördern. à Stadtplanungsamt | 41 III. 2 Vier Höhenkategorien Zur Höhenbestimmung und Einteilung in Größenordnungen sind Höhenkategorien als Skalen- und Maßsystem notwendig. Basierend auf der gesamtstädtischen Analyse werden für Karlsruhe vier Höhenkategorien anhand bestimmter Kriterien definiert. Neben den bestehenden rechtlichen und gebäudetechnischen Höhendefinitionen ist insbesondere die Wirkung bestimmter Gebäudehöhen im Stadtbild maßgebend. Abb.55-58: Illustrierende Beispiele im Bestand von Karlsruhe Kategorie I Die erste Höhenkategorie nimmt Bezug auf die bestehende Höhe und Quartiersstruktur und stellt eine Aufstockung oder Mehrhöhe zum Bestand um einzelne Geschosse dar. In diesem Bereich der Höhenentwicklung ist erfahrungsgemäß das Potential einer baulichen Verdichtung und der Schaffung eines neuen, differenzierten Wohnraumangebots besonders hoch. Der Eindämmung negativer Folgen der Verdichtung (z.B. Grün- und Freiraummangel) sowie der Gentrifizierung (z.B. Preisanstieg durch höhere Ersatzneubauten) kommt in dieser Höhenkategorie besondere Bedeutung zu. Die Bauhöhen bei Kategorie I tragen im Stadtkontext in erster Linie zur Innenentwicklung und Verdichtung bei, sind in ihrer städtebaulichen Wirkung jedoch nicht stadtbildprägend auf gesamtstädtischer Ebene. Insbesondere bei Arealüberbauungen kann ein Beitrag zur Verdichtung und einem differenzierten Wohnraumangebot geleistet werden. Kategorie II Die zweite Höhenkategorie, ebenfalls im Bereich der Innenentwicklung einzuordnen, umfasst Höhenentwicklungen bis 36 m Höhe. 42 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe In diesem Bereich ist insbesondere die Untersuchung der ökonomischen Rentabilität der Höhenentwicklung entscheidend. Ab der Hochhausgrenze von ca. 25 m Höhe (22 m Oberkante Fußboden) werden erhöhte brandschutztechnische Anforderungen an ein Gebäude gestellt, die den Bau erst ab einer bestimmten Höhe wieder rentabel machen (Sprungkosten). In diesem Bereich kommt es also insbesondere auf die Bedeutung und Wirkung im näheren Quartierskontext und die Abwägung der ökonomischen Rentabilität an. Kategorie III Die dritte Kategorie von 36 m – 60 m Höhe definiert Gebäude in Karlsruhe, die eine stadtbildprägende Höhe aufweisen, das heißt, dass ihre Wirkung über die Quartiersgrenzen hinausgeht und sie somit zur Komposition der Stadtgestalt beitragen. Hochhäuser in dieser Kategorie stellen eine Ausnahme in Karlsruhe dar, die städtebaulich gut begründet werden müssen. Sie leisten weniger einen Beitrag zur gesamtstädtischen Innenentwicklung, sondern dienen der lokalen Verdichtung und insbesondere der städtebaulichen Akzentuierung. Sie können zur Diversifizierung des Wohn- und Dienstleistungsangebots beitragen. Als emblematische Gebäude müsse sie erhöhte Anforderungen und Mehrwerte für die Stadtentwicklung erfüllen. Kategorie IV Die vierte Höhenkategorie beginnt ab einer Höhe von 60 m. Ein Gebäude dieser Höhe kann als Landmark betrachtet werden. Hochhäuser dieser Höhe müssen sehr hohe qualitative Anforderungen erfüllen und besondere Mehrwerte für die Stadtentwicklung generieren, um die für Karlsruhe außergewöhnliche Höhe zu rechtfertigen. Der Karlsruher Maßstab der Höhenentwicklung mit heutigem Höchstmaß von 77 m (Höchstes Hochhaus, LVA Baden – Industriebauten bis 230 m) ist zu berücksichtigen. Gebäude dieser Kategorie sind als Ausnahmen im Stadtbild mit großer Sorgfalt und Achtsamkeit in die Stadtsilhouette zu integrieren, insbesondere z.B. für die Akzentuierung wichtiger Institutionen, um den Hauptbahnhof, auf dem KIT Campus, im Beiertheimer Feld sowie im Hafengebiet. Die vier Höhenkategorien, auf welchen die Höhenentwicklung in Karlsruhe basiert, im Überblick: Abb.59: Vier Höhenkategorien (sa_partners) Stadtplanungsamt | 43 III. 3 Kriterien der Höhenentwicklung Kernstück des Höhenentwicklungskonzepts Karlsruhe bilden die Kriterien zur Höhenentwicklung sowie der Konzeptplan, in welchem bestimmte Kriterien verortet sind (s. Kap III.4). Zusammen geben sie maßgebende Hinweise zu den Anforderungen, den städtebaulichen Verhaltensweisen sowie zur Bestimmung des Maßes der Höhenentwicklung in Karlsruhe. Die Kriterien dienen zur Bestimmung der Mehrwerte im Sinne programmatischer Vorteile für eine nachhaltige Stadtentwicklung einerseits und der Schaffung städtebaulicher Gewinne andererseits. Die Kriterien gliedern sich in programmatische und in räumlich-gestalterische Kriterien. Programmatische Kriterien betreffen das Gebäude selbst sowie die Umgebung, auf die das Gebäude wirkt. Es handelt sich bei ihnen beispielsweise um die architektonische Gestaltung, die Anbindung, die Art der Nutzung und die Ausbildung der Erdgeschosszone. Sie müssen bei jeder Höhenentwicklung beachtet und abgewogen werden. Bei den räumlich-gestalterischen Kriterien handelt es sich um die städtebaulichen Prinzipien einer qualitativen Höhenentwicklung, welche im Konzeptplan räumlich verortet sind. Sie geben Hinweise, welche Stellen in Karlsruhe nach stadtgestalterischen Gesichtspunkten geeigneter für hohe Gebäude sind als andere und bis in welche Höhe – bei der entsprechenden Schaffung von Mehrwerten – gebaut werden könnte. Abb.60: Kriterien der Höhenentwicklung (sa_partners) + Programmatische Kriterien Räumlich-gestalterische Kriterien Konzeptplan 44 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Programmatische Kriterien Die programmatischen Kriterien geben maßgebende Hinweise, wie durch Höhenentwicklung Mehrwerte verschiedener Art für die Stadtentwicklung von Karlsruhe geschaffen werden können. Diese Kriterien sind nicht spezifisch verortet, sondern bei jedem Höhenentwicklungsprojekt zu prüfen. Sie stellen übergeordnete Anforderungen und Prinzipien dar, welche in jeden Prozess einer Höhenentwicklung einfließen müssen. Zusammen mit den räumlich-gestalterischen Kriterien, welche im Konzeptplan verortet sind, stellen sie die Grundlage des Kriterienkatalogs „Bauliche Höhenplanung“ dar, einer Arbeitshilfe im Planungsprozess konkreter Projekte mit Höhenentwicklung. Die programmatischen Kriterien sind in folgende fünf Untergruppen unterteilt: • Städtebauliche Komposition und Innenentwicklung • Nutzung und Diversifizierung • Freiraum und Stadtklima • Mobilität und Erreichbarkeit • Architektur und Baukultur Sie werden auf den folgenden Seiten ausführlich erläutert. Abb.61: Abstimmung auf die bestehenden quartier- und stadtstrukturspezifischen Kriterien (Stadtstruktur und Morphologie) und Überprüfung im städtebaulichen Kontext (sa_partners) Stadtplanungsamt | 45 Städtebauliche Komposition und Innenentwicklung - Bezug zum Ort! - Welchen Einfluss hat Höhenentwicklung auf das Quartier und auf das Stadtbild von Karlsruhe insgesamt? Wie ordnet sich eine künftige Höhenentwicklung in den historischen Bestand, die Stadtsilhouette und die Komposition der Fächerstadt ein? Die Einordnung in den städtebaulichen Kontext sowie die Bildung der Stadtsilhouette ist im Zusammenhang der Höhenentwicklung von besonderer Bedeutung. Aufgrund der überdurchschnittlichen Höhe und teilweise außerordentlicher Volumina erfordert die Integration von Höhenakzenten in den Bestand besondere Aufmerksamkeit. Je nach Lage und Exposition wirkt Höhenentwicklung mehr oder weniger hoch – die Wirkung ist relativ zum Kontext. Je nach Lage, Gestaltung und Höhe kann Höhenentwicklung ins Quartier oder sogar auf Karlsruhe insgesamt ausstrahlen. In Karlsruhe fand die Entwicklung in die Höhe bisher in mehrheitlich sorgfältiger Weise mit im Stadtgrundriss eingestreuten Hochpunkten statt. Dieses Bild der „Stadtlandschaft“ soll bewahrt und weitergeführt werden. Folgende städtebaulichen Aspekte spielen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung in die Höhe: • Einordnung in den städtebaulichen Kontext und die Stadtsilhouette • Bezug zum Ort auf unterschiedlichen Maßstabsebenen: Bezug zur Stadtlandschaft Karlsruhe, Bezug zur Quartiersstruktur, Bezug zum öffentlichen Raum (insbesondere EG) • Integration in die bestehende Siedlungsstruktur mit Abstimmung des Standorts und der Volumetrie auf bestehende Siedlungs- und Freiraumstrukturen • Beachtung des Karlsruher Maßstabs: höchstes Gebäude heute 77m • Erleichterung der Orientierung in der Stadt und der Lesbarkeit des Stadtgrundrisses • Adressbildung durch Stärkung der Stadtkonturen und Unterstreichung der Stadteingänge, Artikulation von Einfahrtsachsen etc. • Hervorhebung und Betonung wichtiger Institutionen (z.B. Verwaltung, KIT, Krankenhaus) – „Place Making“ • Keine Clusterbildung, aber angemessene Häufung von Hochpunkten an strategischen Orten (u.a. KIT, Hauptbahnhof) • Rücksichtnahme auf denkmalgeschützte Gebäude und Stadtstrukturen, Inwertsetzung des historischen Bestands • Einordnung von Höhenentwicklung von bedeutenden Aussichtspunkten aus, insbesondere dem Schlossturm • Freihalten historischer Sichtachsen, insbesondere der Schlossstrahlen Abb.62: Diagrammatische Darstellung der Stadtlandschaft von Karlsruhe mit an strategischen Lagen eingestreuten Hochpunkten (sa_partners) 46 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Nutzung und Diversifizierung - Mehrwerte für das Quartier! - Welchen Einfluss hat Höhenentwicklung auf ein durchmischtes, differenziertes Wohnangebot und wie kann sie der Wohnraumknappheit entgegenwirken? Wie kann Höhenentwicklung zur „Stadt der kurzen Wege“ beitragen? Kann Gewerbenutzung von Höhenentwicklung profitieren? Eine Entwicklung in die Höhe kann bis zur Hochhausgrenze, also bis zu einer Höhe von ca. 25 m (Hochhausgrenze: 22 m Oberkante Fußboden), einen Beitrag zur Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum leisten. Gebäude oberhalb der Hochhausgrenze können nach heutigem baulichen Standard zur Diversifizierung des Wohnraumangebots in anderen Preissegmenten beitragen. Höhenentwicklung soll die Vielfalt und Diversifizierung eines Quartiers fördern und zur Belebung des öffentlichen Raums beitragen. Insbesondere in gewerblich geprägten Stadtquartieren soll Höhenentwicklung langfristig zu einer Verdichtung führen. Die Ansprüche und Erwartungen an Höhenentwicklung vor dem Hintergrund einer sozial nachhaltigen Stadtentwicklung sind folgende: • Beitrag zur qualitativen, sozialverträglichen Verdichtung und Innenentwicklung an dafür geeigneten Orten • Beitrag zu differenziertem und bis zur Hochhausgrenze zu bezahlbarem Wohnraumangebot, insbesondere an zentralen Lagen • Abmilderung des Preisdrucks auf umliegende Gebiete durch Bereitstellung hochwertigen Wohnraums in den höheren Gebäuden (über Hochhausgrenze) • Möglichkeit der sozialen Durchmischung durch Querfinanzierung zur Schaffung differenzierten Wohnraums in den unteren und in den höheren Geschossen (Durchmischung Miet-, Eigentums- und subventionierter Wohnungen) • Vermeidung von sozialer Clusterbildung • Keine Verstärkung der negativen Folgen der Gentrifizierung, z.B. durch Ersatzneubauten bei Erhöhung um einzelne Geschosse • Möglichkeit zur Nutzungsmischung mit Wohnen, Arbeiten, Bildung, Gesundheit, Betreuungsangeboten, Kultur und Freizeitnutzung • Beitrag zur Belebung des öffentlichen Raums durch publikumsorientierte Erdgeschossnutzungen oder auch durch öffentliche Dachgeschosse • Bereitstellung von neuen Dienstleistungs- und Gewerbeflächen in dafür geeigneten Gebieten • Sicherung und Schaffung neuer attraktiver Arbeitsplätze durch Verdichtung von Gewerbegebieten Abb.63: Typenhochhaus Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE Berlin – Abb.64: Nutzungsdurchmischung und unterschiedliche Wohnsegmente (sa_partners) Stadtplanungsamt | 47 Freiraum und Stadtklima - Beitrag zur ökologischen Stadt! - Welchen Beitrag leistet Höhenentwicklung für den Erhalt und die Schaffung attraktiver Grün- und Freiräume? Wie müsste sie konkret umgesetzt werden, um zu einem Baustein für eine klimagerechte Stadtentwicklung zu werden? Welche negativen Effekte können durch hohe Gebäude entstehen und wie können sie verhindert werden? Eine Entwicklung in die Höhe muss im Sinne einer doppelten Innenentwicklung, insbesondere vor dem Hintergrund der baulichen Verdichtung in Karlsruhe, einen Beitrag zur Schaffung bzw. dem Erhalt von Grün- und Freiräumen im Siedlungsraum leisten. Es dürfen durch Höhenentwicklung keine negativen Folgen für das städtische Mikroklima entstehen. Wenn möglich sollte sie einen Beitrag zur stadtklimaverträglichen Entwicklung leisten. Die Ansprüche und Erwartungen an Höhenentwicklung bezüglich der Frei- und Grünraumversorgung sowie der klimatischen Anpassung sind folgende: • Beitrag zur doppelten Innenentwicklung durch Erhalt oder Schaffung attraktiver Freiflächen, insbesondere als Ausgleich zur baulichen Verdichtung des Siedlungsraums, z.B. Grünflächen, Wasserflächen, Spielplätze • Beitrag zu einer klimagerechten Stadtentwicklung, Konzeption des Gebäudes und der Umgebung in Abstimmung mit den Zielen des Rahmenplans Klimaanpassung • Reduzierung der Versiegelung und keine Schaffung von Parkplätze auf den durch Höhenentwicklung gewonnenen Freiflächen • Prüfung von Gebäuden auf Möglichkeiten zur Schaffung von vertikale Gärten oder Fassadenbegrünung • Förderung von Gebäuden in nachhaltiger Bauweise, z.B. Holzbauweise (auch bei Hochhäusern möglich) • Vermeidung von negativen mikroklimatischen Folgen durch Fallwinde, Beschattung von Bestandsgebäuden, Turbulenzen oder Kanalisierung zwischen Gebäuden (Düseneffekt), Beachtung des Fußgängerkomforts • Keine Einschränkung des innerstädtischen Luftaustauschs und der lokalen Durchlüftung durch Störung der übergeordneten Strömung • Beitrag zur Belebung des Stadtraums durch Schaffung attraktiver öffentlicher Räume • Schaffung von ökologischen Ausgleichsflächen Abb.65: Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas durch Fassadenbegrünung – Abb.66: Doppelte Innenentwicklung durch Höhenentwicklung 48 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Mobilität und Erreichbarkeit - Verbesserung des Verkehrsangebots! - Welche Beziehung besteht zwischen Höhenentwicklung und der lokalen Erschließungsqualität, insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Bauliche Verdichtung und damit auch Höhenentwicklung soll grundsätzlich an Lagen mit hoher Erschließungsqualität erfolgen. Die Höhenentwicklung an Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs trägt zudem zur Belebung dieser wichtigen öffentlichen Räume bei. Bauliche Verdichtung hat gleichzeitig das Potenzial, die Verbesserung der Erschließungsqualität eines Orts zu fördern. Höhenentwicklung und Erschließungsqualität eines Orts hängen folgendermaßen zusammen: • Höhenentwicklung grundsätzlich an Stellen mit hoher Erschließungsgüte, insbesondere für Verkehrsmittel des Umweltverbunds, zur besseren Ausnutzung gut erschlossener Lagen • Beitrag zur Orientierung im Stadtgrundriss und zur Adressbildung an regionalen Knotenpunkten (Hauptbahnhof) • Optimierung der Auslastung bestehender Verkehrsinfrastrukturen durch gezielte Verdichtung • Beitrag zur Belebung des öffentlichen Raums durch publikumsorientierte Erdgeschossnutzungen an den wichtigen Verkehrsknotenpunkten, insbesondere des öffentlichen Verkehrs • Beitrag zur Förderung und Neuschaffung von ÖPNV-Erschließung, z.B. beim Westbahnhof • Beitrag zur Förderung kombinierter Mobilitätsformen, z.B. Hauptbahnhof als Mobilitätshub unterschiedlicher Mobilitätsformen und -angebote • Verlagerung der Parkierung weg von potenziell durch Höhenentwicklung geschaffenen Grün- und Freiräumen • Erstellung von Mobilitätskonzepten bei der Planung von Höhenentwicklung Abb.67: Entwicklung an Verkehrsknoten: Hauptbahnhof Mannheim – Abb.68: Bahnhof Neuchâtel Stadtplanungsamt | 49 Architektur und Baukultur - Beitrag zur Baukultur! - Wie kann Höhenentwicklung zur Baukultur der Stadt Karlsruhe beitragen? Welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es und worauf muss bei der Architektur von hohen Gebäuden besonders geachtet werden? Die Exponiertheit jeder Höhenentwicklung durch deren außerordentliche Proportion und Höhe steigert die Anforderungen an die architektonische Gestaltung. Die nachfolgenden Aspekte beeinflussen die Wirkung einer Höhenentwicklung aus architektonischer Sicht im Sinne der optischen Erkennbarkeit und/oder Unverkennbarkeit des Gebäudes sowie im Sinne von qualitativ hochwertigem und nachhaltigem Bauen (Baukultur). Insbesondere sind folgende Aspekte zu beachten: • Hohe Anforderungen an die architektonische Gestaltung von hohen Gebäuden • Beachtung der Kubatur und Form des Hochpunkts: Ausbildung als schlanker Turm, als Scheibe oder als kompaktes Volumen je nach Lage, baulichem Kontext und Wirkung in der Stadtlandschaft • Lage des Gebäudes auf dem Grundstück nach stadtgestalterischen Gesichtspunkten: auf der Gebäudeflucht der Umgebungsbebauung oder davon zurückgesprungen • aktive Entscheidung für oder gegen Sockelgeschosse bzw. einen Solitär • Eingliederung insbesondere der unteren Stockwerke in den Kontext • Auflockerung und Gliederung des Bauvolumens • Beachtung des Schattenwurfs und der nächtlichen Lichtemissionen • Beachtung bzw. Ausarbeitung von Bestimmungen zu Beschriftungen und Reklame Abb.69: Hochhaus der Deutschen Rentenversicherung als repräsentatives Gebäude – Abb.70: Qualitativ hochwertige architektonische Gestaltung des Höhenakzents, Hohes Haus West, Zürich 50 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Räumlich-gestalterische Kriterien im Konzeptplan Neben den übergeordneten thematischen Kriterien der Höhenentwicklung können Anforderungen und städtebauliche Verhaltensweisen auch lokal im Stadtgrundriss von Karlsruhe verortet werden. Die räumlich-gestalterischen Kriterien tragen zur Schaffung von städtebaulichen Mehrwerten an spezifischen Orten in Karlsruhe, z.B. an Platz- und in Straßenräumen, bei und schaffen so einen ortsbaulichen Gewinn. Sie werden im Konzeptplan (s. Kap. III.4) definiert und sowohl bestimmten Zonen (zonenspezifische gestalterische Kriterien) als auch kompositorisch wichtigen Orten in der Stadt (verortete gestalterische Kriterien) zugeordnet. Zusammen mit den übergeordneten, thematischen Kriterien haben sie zum Ziel, städtebauliche Mehrwerte für eine nachhaltige Entwicklung von Karlsruhe zu generieren. Folgende räumlich-gestalterischen Kriterien sind bei der Höhenentwicklung in Bezug auf die Einordnung in die Stadtsilhouette und die städtebauliche Komposition zu beachten: Einordnung in die Stadtsilhouette • Schlossstrahlen und Sichtfenster vom und zum Schlossturm • Via Triumphalis • Wichtige Sichtachsen der Innenstadt Städtebauliche Komposition • Interessante Bereiche für moderate Häufung von Höhenakzenten (keine Clusterbildung) • Konturen an repräsentativen Stadtkanten • Wichtige Stadteinfahrten • Bedeutende Stadteingängen und Torsituationen • Zentrale Lage an wichtigen Innenstadtachsen • Adressbildung bei institutionellen Großstrukturen • Erschließungsqualität Abb.71: Räumlich-gestalterische Kriterien, verortet und detailliert im Konzeptplan (sa_partners) Stadtplanungsamt | 51 III.4 Konzeptplan Zusammen mit den Kriterien der Höhenentwicklung (s. Kap III.3) bildet der Konzeptplan das Kernstück des Höhenentwicklungskonzepts. Er wurde auf Basis der gesamtstädtischen Analyse sowie der daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen entwickelt, u.a. Erschließungsgunst, Morphologie, Stadtklima, Abhängigkeit der Freiraumentwicklung. Im Konzeptplan werden stadtgestalterische Kriterien und städtebauliche Verhaltensweisen der Höhenentwicklung räumlich verortet. Sie geben maßgebende Hinweise auf die Eignung eines Gebiets oder Ortes für Höhenentwicklung. Zudem dienen sie der Beurteilung der ortsbaulichen Gewinne, welche durch eine Entwicklung in die Höhe an einem bestimmten Ort geschaffen werden können. Der Konzeptplan beinhaltet räumlich-gestalterische Kriterien, gibt Hinweise auf das Maß der Höhenentwicklung und zeigt Möglichkeiten zur Qualitätssicherung für nachfolgende Prozesse und Beurteilungen auf. Er besteht einerseits aus einer flächigen Aufteilung des Siedlungsgebiets in sechs Zonen, andererseits aus der Komposition als Ausdruck des Gestaltungswillens. Die räumlich- gestalterischen Kriterien im Konzeptplan beziehen sich sowohl die sechs Zonen als auch auf die Komposition. Sechs Zonen • Identitätsgebiete • Innere Stadt • Dynamisches Band • Urbane Nachbarschaften • Vororte/Siedlungen (Schongebiete) • Höhenstadtteile Komposition • Bereiche für moderate Häufung • Konturen • Stadteinfahrten • Stadteingänge / Torsituationen • Schloss / Schlossstrahlen • Sichtfenster vom / zum Schlossturm • Wichtige Sichtachsen • Wichtige Innenstadtachsen • Via Triumphalis • Institutionelle Großstrukturen • Bahnhöfe / ÖPNV Haltestellen 52 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Maß der Höhenentwicklung Sowohl die „sechs Zonen“ als auch die „Komposition“ definieren Kriterien der Höhenentwicklung, welche zusammen mit den programmatischen Kriterien (s. Kap. III.4) die Schaffung von Mehrwerten für die Entwicklung von Karlsruhe zum Ziel haben. Sie geben folgende Hinweise für das Maß der Höhenentwicklung: • Generell gilt für jede Zone die Regelbauweise. • Unter der Voraussetzung der Schaffung von Mehrwerten ist ein Abweichen von der Regelbauweise bis zu einer zonenspezifischen allgemeinen Mehrhöhe möglich. • Eine potentielle Überschreitung dieser allgemeinen Mehrhöhe ist mit erhöhten Auflagen verbunden und muss u.a. durch qualitative Verfahren abgesichert werden. Dafür müssen besonders bedeutende Mehrwerte für die Stadtentwicklung generiert und begründet werden – kumulierbare Mehrhöhe. Außerdem ist eine Überschreitung der allgemeinen Mehrhöhe nur in bestimmten Zonen möglich. Die Beurteilung der Bedeutung generierter Mehrwerte und die Einordnung des jeweiligen Projekts in den städtebaulichen Kontext und die Stadtsilhouette ist in nachgelagerten Prozessen in einer ganzheitlichen Betrachtung genau zu prüfen. Anhand konkreter Informationen ist jeweils eine situationsspezifische Interessensabwägung vorzunehmen. Das Instrumentarium zur Beurteilung der Kriterien und Mehrwerte und generell für die Implementierung stellt der Kriterienkatalog Bauliche Höhenplanung, dar. Dieser dient sowohl Investoren und Entwicklern, als auch den Entscheidungs- und Beurteilungsbefugten als Arbeitshilfe für den nachgelagerten Entwicklungsprozess. Das Höhenentwicklungskonzept stellt hierzu den Orientierungsrahmen dar. Abb.72: S chema zur Bestimmung des Maßes der Höhenentwicklung (sa_partners) Maß der Höhenentwicklung Das Maß der Höhenentwicklung wird bestimmt durch Abwägung und Prüfung aller Kriterien und geschaffenen Mehrwerte. Je bedeutender die Mehrwerte für eine nachhaltige Stadtentwicklung sind, desto größer ist das Potential für eine Höhenentwicklung. • Generell gilt: Regelbauweise • Unter der Voraussetzung der Schaffung von Mehrwerten: Möglichkeit zur Abweichung von Regelbauweise bis zu zonenspezifischer allgemeiner Mehrhöhe • Kumulierbare Mehrhöhe: Besonders präzise Einordnung und Prüfung in Stadtsilhouette und Kontext, Abwägung der Bedeutung aller Kriterien und geschaffenen Mehrwerte, Sicherung durch qualitative Verfahren als Orientierungsrahmen für die Überschreitung der allgemeinen Mehrhöhe Allgemeine Mehrhöhe Kumulierbare Mehrhöhe Regelbauweise Stadtplanungsamt | 53 Ein Überblick zum Maß der Höhenentwicklung, welcher im Folgenden für jede der sechs Zone einzeln aufgeschlüsselt wird: Qualitätssicherung Die Beurteilung der Kriterien sowie der geschaffenen Mehrwerte eines konkreten Projekts ist grundsätzlich Gegenstand der Implementierung und Bestandteil weiterführender Prozesse. Eine gesamtheitliche Prüfung jeder Entwicklung in die Höhe durch einen Ausschuss, z.B. den Planungsausschuss, die Verwaltung und gegebenenfalls zusätzliche Instrumente bzw. Gremien ist sicherzustellen. Der Kriterienkatalog Bauliche Höhenentwicklung dient als Arbeitshilfe bei der Umsetzung und Qualitätssicherung. Sobald die allgemeine Mehrhöhe überschritten werden soll, werden zusätzliche qualitätssichernde Verfahren und die Beurteilung durch den Gestaltungsbeirat zur städtebaulichen und architektonischen Qualitätssicherung vorausgesetzt. Qualitätssichernde Verfahren können sein: • Mehrfachbeauftragung: Sicherung der städtebaulichen und architektonischen Qualität durch Beauftragung von mindestens drei Fachbüros und Begleitung durch Sach- sowie Fachgremium • Städtebauliches Konzept: Sicherstellung einer qualitativen, städtebaulichen Setzung in Bezug auf den Kontext, Überprüfung der städtebaulichen Verträglichkeit unter Berücksichtigung der Einpassung in die Stadtsilhouette von strategischen Sichtfenstern und Einbezug eines erweiterten Betrachtungsperimeters (u.a. zur Sicherung der Möglichkeiten für weitere Projekte in der Umgebung) • Architekturwettbewerb: Sicherstellung einer hochwertigen architektonischen Gestaltung mit Bezug auf die städtebauliche Situation Maß der Höhenentwicklung Regelbau- weise Einzelne Geschosse 25m 36m 60m > 60m Zonen Identitätsgebiete u Innere Stadt u Dynamisches Band u Urbane Nachbarschaften u Vororte / Siedlungen u Höhenstadtteile u u „Allgemeine Mehrhöhe“ bei ausgewiesenen Mehrwerten „Kumulierte Mehrhöhen“ bei ausgewiesenen außerordentlichen Mehrwerten 54 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Abb.73: Konzeptplan (sa_partners) Stadtplanungsamt | 55 Sechs Zonen Das Siedlungsgebiet von Karlsruhe ist in sechs Zonen unterschiedlicher Entwicklungsdynamik und Eignung für eine Höhenentwicklung unterteilt, charakterisiert durch deren städtebauliche Struktur, dem bestehenden Maß der Höhenentwicklung sowie der Lage im Stadtgrundriss. Die Zonen beinhalten räumlich-gestalterische Kriterien sowie städtebauliche Verhaltensweisen und geben Hinweise bezüglich des Maßes der Höhenentwicklung. Mit Ausnahme der Identitätsgebiete sind sie nicht scharf räumlich abgegrenzt. Im Detail ist die Zuordnung eines Standorts zu einer Zone inhaltlich im Sinne der qualitativen Beschreibung zu argumentieren. Der Siedlungsraum ist in folgende sechs Zonen gegliedert: Abb.74: Sechs Zonen (sa_partners) Abb.75: Identitätsgebiete Abb.76: Innere Stadt Abb.77: Dynamisches Band Abb.78: Urbane Nachbarschaften Abb.79: Vororte/ Siedlungen Abb.80: Höhenstadtteile 56 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Identitätsgebiete – Sehr eingeschränkte Höhenentwicklung Abb.81: Identitätsgebiete (sa_partners) Identitätsgebiete sind Zonen höchster Empfindlichkeit gegenüber künftiger Bauhöhen- entwicklung. In diesen Gebieten besteht eine geringe Eignung für Höhenentwicklung außerhalb der Regelbauweise. Die Identitätsgebiete schließen das historische Erbe der Fächerstadt, des historischen Ortskerns von Durlach und der historischen Ortskerne im gesamten Siedlungsgebiet Karlsruhes ein. Sie sind scharf räumlich abgegrenzt. Die Schonung des historischen Bestands und des Ortsbilds hat höchste Priorität. An der Kriegsstraße rückt das Identitätsgebiet um eine Bautiefe zurück, um das Potential der Entwicklung im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Kriegsstraße und dem Eintritt in die Fächerstadt (insbesondere Kreuzung Ettlinger Straße) sicherzustellen. Räumlich-gestalterische Kriterien Schützenswerte Strukturen • Schutz und Bewahrung des historisch prägenden Orts- und Stadtbilds • Beachtung des Umgebungsschutzes zur Schonung des historischen Ortsbilds mit den historischen Schlossstrahlen sowie der Sichtbarkeit einer eventuellen Höhenentwicklung vom Schloss aus Abb.82: Zonenspezifische räumlich-gestalterische Kriterien (sa_partners) Maß der Höhenentwicklung • Einhaltung der Regelbauweise • Überschreitung der Regelbauweise nur in Ausnahmefällen möglich bei Projekten mit besonderem öffentlichen Interesse mit Aufstellung eines Bebauungsplans Abb.83: Höhenprofil Identitätsgebiete (sa_partners) Regelbauweise Stadtplanungsamt | 57 Innere Stadt – Situative Höhenentwicklung Abb.84: Innere Stadt (sa_partners) Der kompakte Stadtkörper der Inneren Stadt ist charakterisiert durch die vorwiegend konsolidierte und geschlossene drei- bis fünfgeschossige Blockrandbebauung. Der gleichmäßige Gebäude- horizont wird durch vereinzelte Hochpunkte, sowohl historisch wie auch modern, akzentuiert. Die Weiterführung des Stadtgrundrisses der Fächerstadt, ausgedehnte historische (Sicht)- Achsen, die Gründerzeiterweiterungen, mehrere Grünkeile sowie klare Konturen im Süden (klare Fassung durch die Südtangente und die Gleise) prägen den Stadtgrundriss der Inneren Stadt. Kulturelle Institutionen, bedeutende öffentliche Räume und zentrale öffentliche Plätze sind hier lokalisiert. Ein Großteil der Karlsruher Bevölkerung lebt in diesem Bereich. Räumlich-gestalterische Kriterien Städtebaulicher Kontext und Sichtachsen • Behutsame und sorgfältige Integration einer Höhenentwicklung in die ortstypische Blockstruktur der Inneren Stadt bzw. Stadtstruktur um den Ortskern von Durlach • Einordnung einer Höhenentwicklung bezüglich der Sichtachsen der Schlossstrahlen und große Zurückhaltung gegenüber dem historischen Bestand • Prüfung der Eignung und Empfindlichkeit des Gebiets für eine Höhenentwicklung Komposition • Artikulierung von Hauptachsen, Plätzen, Stadtkanten (Konturen), Torsituationen • Akzentuierung wichtiger institutioneller Einrichtungen • Beitrag zur Lesbarkeit und Gliederung im Stadtgrundriss • Beitrag zur Verbesserung der Orientierung • Ausdruck des Gestaltungswillens der Stadt durch architektonisch hochwertige, qualitative Gestaltung Zentrale Orte • Anordnung an guter ÖPNV-Erschließung, insbesondere um den Hauptbahnhof • Funktionale und strukturelle Eignung eines Standorts aufgrund seiner zentrale Lage und Wichtigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung Nutzungsdurchmischung • Umsetzung mit Beitrag zu differenziertem Wohnraum („Mehr Wohnen“) • Berücksichtigung einer attraktiven Erdgeschossnutzung und –gestaltung 58 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Freiraum und Klima • Beitrag zur doppelten Innenentwicklung durch Erhalt oder Schaffung attraktiver Freiflächen, stärkerer Durchgrünung und besserer Durchlüftung in dem heute am stärksten bioklimatisch belasteten Stadtbereich der inneren Stadt mit geschlossenen Blockrandbebauungen • Keine negativen mikroklimatischen Folgen durch Fallwinde, Beschattung von Bestandsgebäuden, Turbulenzen, Kanalisierung zwischen Gebäuden (Düseneffekt) und keine Verschlechterung des Fußgängerkomforts Abb.85: Zonenspezifische räumlich-gestalterische Kriterien (sa_partners) Maß der Höhenentwicklung • Allgemeine Mehrhöhe: Aufstockungen um einzelne Geschosse bis 25 m (Kat. I) • Kumulierbare Mehrhöhe: bis + 60 m (Kat. II, III & IV) mit stichhaltiger Begründung, Qualitätssicherung und gesamtheitlicher Beurteilung/ Bewertung aller Kriterien Qualitätssicherung • Kat. II: Wettbewerb empfohlen, Mehrfachbeauftragung Pflicht • Kat. III & IV: Städtebauliches Konzept sowie Architekturwettbewerb Pflicht Abb.86: Zonenspezifisches Höhenprofil Innere Stadt (sa_partners) Allgemeine Mehrhöhe Kumulierbare Mehrhöhe Regelbauweise Stadtplanungsamt | 59 Dynamisches Band – Dynamische Höhenentwicklung Abb.87: Dynamisches Band (sa_partners) Der produktive Gürtel mit Industrie und Gewerbe legt sich U-förmig um die Kernstadt. Das sogenannte dynamische Band ist durch Infrastrukturtrassen (Bahn, Autobahn, Südtangente, Stadteinfahrten) und Bahnhöfe sowie durch einen der leistungsfähigsten Binnenhäfen Deutschlands gekennzeichnet. Das Hafengebiet stellt mittel- bis langfristig ein großes Entwicklungspotential dar. Diese Zone ist zumeist in einzelne, auf sich selbst bezogene Teilräume unterteilt und weist kaum öffentliche Grün- und Freiräume auf. Sie besitzt eine heterogene Baustruktur mit einer Mischung aus Industrie- brachen und -gebäuden, niedrigen Gewerbe- bauten und Hochhäusern mit Dienstleistungs- nutzung. Die Zone weist besonders um den Hauptbahnhof eine gute Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf und besitzt generell einen guten Anschluss an das Straßennetz. Räumlich-gestalterische Kriterien Komposition • Förderung der Lesbarkeit und Orientierung in der heterogenen und meist dispersen Struktur • Stärkung der Identität der klar definierbaren Gebiete („Inseln“ zwischen Infrastrukturtrassen) • Akzentuierung von Torsituationen, Hauptachsen und Stadtkanten (Konturen) Zentrale, unempfindliche Orte • Anordnung an guter ÖPNV-Erschließung, insbesondere um den Hauptbahnhof und ggf. künftig um den Westbahnhof • Funktionale und strukturelle Eignung eines Standorts aufgrund zentraler Lage und Wichtigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung, z.B. Postareal • Nutzung der weiten Räume und Korridore entlang der Infrastrukturtrassen • Interessante Bereiche für moderate Häufung um den Bahnhof und im Hafen mit mittel- bis langfristigem Potential für eine Höhenentwicklung • Nutzung und Verbesserung der Erschließungsgunst (ÖPNV, Südtangente) im Zuge einer Höhenentwicklung Nutzungsdurchmischung • Nutzung des Verdichtungs- und Transformationspotentials der ehemaligen Industrieflächen • Beitrag zur Nutzungsdurchmischung (attraktives Arbeiten, differenziertes Wohnen, Bildung, Gesundheit, Betreuungsangebote, Kultur- und Freizeitnutzung) • Berücksichtigung einer attraktiven Erdgeschossnutzung und –gestaltung 60 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Doppelte Innenentwicklung • Förderung der doppelten Innenentwicklung zur Schaffung öffentlicher Grün- und Freiflächen • Freihaltung von Frischluftschneisen Abb.88: Zonenspezifische räumlich-gestalterische Kriterien (sa_partners) Maß der Höhenentwicklung • Allgemeine Mehrhöhe: Höhenentwicklung bis 36 m (Kat. I und II) • Kumulierbare Mehrhöhe: bis + 60 m (Kat. III & IV) mit stichhaltiger Begründung, Qualitätssicherung und gesamtheitlicher Beurteilung/ Bewertung aller Kriterien Qualitätssicherung • Kat. III: Wettbewerb empfohlen, Mehrfachbeauftragung und städtebauliches Konzept Pflicht • Kat. IV: Städtebauliches Konzept sowie Architekturwettbewerb Pflicht Abb.89: Zonenspezifisches Höhenprofil Dynamisches Band (sa_partners) Abb.90: Städtebauliche Verhaltensweisen im dynamischen Band: Artikulation der Inselstruktur (sa_partners) Allgemeine Mehrhöhe Kumulierbare Mehrhöhe Regelbauweise Stadtplanungsamt | 61 Urbane Nachbarschaften – Moderate Höhenentwicklung Abb.91: Urbane Nachbarschaften (sa_partners) Die Zone der Urbanen Nachbarschaften umfasst vor allem Siedlungen der 60-70er Jahre in Zeilenstruktur, kompakten Einfamilienhaus- Siedlungen und vereinzelte Hochhaus-Ensembles. Die umfangreichen Siedlungsplanungen nach dem zweiten Weltkrieg als „gegliederte und aufgelockerte Stadt“ formen eigene Stadtteile mit oftmals geringer Dichte, offener drei- bis fünfgeschossiger Zeilenbebauung, durchsetzt mit großzügigen Freiräumen und Gliederung in Nachbarschaftseinheiten mit jeweils eigenen Versorgungszentren (z.B. Waldstadt, Nordstadt). Räumlich-gestalterische Kriterien Städtebaulicher Kontext • Integration im bestehenden Siedlungsraum und Verdichtung der bestehenden klar definierten, abgrenzbaren Siedlungen (60-70er Jahre) • Prüfung der Möglichkeit zur Aufstockung einzelner Geschosse im Bestand, vgl. Amerikanersiedlung zur Bereitstellung eines differenzierten Wohnraumangebots Komposition • Artikulierung der Hauptachsen, der unterschiedlichen inneren und äußeren Stadtkanten (Konturen) und der Torsituationen Erschließungsqualität • Anordnung an guter ÖPNV-Erschließung und Beitrag zur Verbesserung der Erschließung mit öffentlichem Verkehr Doppelte Innenentwicklung • Erhalt und Schaffung attraktiver öffentlicher Grün- und Freiflächen • Erhalt der guten Durchgrünung und Freihaltung von Frischluftschneisen Abb.92: Zonenspezifische räumlich-gestalterische Kriterien (sa_partners) 62 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Maß der Höhenentwicklung • Allgemeine Mehrhöhe: Aufstockungen um einzelne Geschosse (Kat. I) • Kumulierbare Mehrhöhe: bis max. 60 m (Kat. II & III) mit stichhaltiger Begründung, Qualitätssicherung und gesamtheitlicher Beurteilung/ Bewertung aller Kriterien Qualitätssicherung • Kat. II: Wettbewerb empfohlen, Mehrfachbeauftragung Pflicht • Kat. III: Städtebauliches Konzept sowie Architekturwettbewerb Pflicht Abb.93: Zonenspezifisches Höhenprofil Urbane Nachbarschaften (sa_partners) Allgemeine Mehrhöhe Kumulierbare Mehrhöhe Regelbauweise Stadtplanungsamt | 63 Vororte / Siedlungen (Schongebiete) – Behutsame Höhenentwicklung Abb.94: Vororte / Siedlungen (sa_partners) Die Zone der Vororte/Siedlungen ist gekennzeichnet durch eine Reihe unterschiedlicher Siedlungsstrukturen und Bebauungsmuster geringer Dichte und Bauhöhe. Sie sind hauptsächlich durch Eingemeindungen der ehemals umliegenden Dörfer mit den historischen Ortskernen inkl. unterschiedlicher Erweiterungen entstanden. Charakteristisch sind auch die Areale der sozialen Wohnprojekte der städtebaulichen Moderne (z.B. Dammerstock) sowie die Gartenstädte und Gebiete mit Ein- oder Mehrfamilienhäusern mit freistehender anderthalb- bis dreigeschossiger, offener, straßenbegleitender Bebauung mit Nutzgärten und Nebengebäuden (z.B. Oberreut, Rüppurr). Es existiert viel Grün- und Freiraum innerhalb dieser Siedlungen. Räumlich-gestalterische Kriterien Historische Ortskerne • Große Rücksichtnahme auf die Maßstäblichkeit des Bestands und die denkmalgeschützten Ortskerne und Bauten • Beachtung der feingliedrigen Körnung • Rücksichtnahme auf die historischen Ortskerne • Behutsame Weiterentwicklung und Schonung der Modellsiedlungen Komposition • Akzentuierung von inneren und äußeren Stadtkanten (Konturen), Stadteingängen und Torsituationen Doppelte Innenentwicklung • Erhalt und Schaffung attraktiver öffentlicher Grün- und Freiflächen • Erhalt der guten Durchgrünung und Freihaltung von Frischluftschneisen Abb.95: Zonenspezifische räumlich-gestalterische Kriterien (sa_partners) 64 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Maß der Höhenentwicklung • Allgemeine Mehrhöhe: Aufstockungen um einzelne Geschosse (Kat. I) • Überschreitung der allgemeinen Mehrhöhe nicht möglich Abb.96: Zonenspezifisches Höhenprofil Vororte / Siedlungen (sa_partners) Allgemeine Mehrhöhe Kumulierbare Mehrhöhe Regelbauweise Stadtplanungsamt | 65 Höhenstadtteile – Geringfügige Höhenentwicklung Abb.97: Höhenstadtteile (sa_partners) Charakterisiert sind die Höhenstadtteile im Süden von Karlsruhe durch eine vorwiegend lockere Bebauung geringer Dichte mit historischen Ortskernen in einem ruralen, ländlichen Kontext. Sie befinden sich „im Grünen“ und sind geprägt durch die jeweiligen individuellen Identitäten und die Topografie. Eine Ausnahme stellt das Gewerbegebiet Kohlplatte dar, welches das südöstliche Eingangstor nach Karlsruhe von der Autobahn aus markiert. Räumlich-gestalterische Kriterien Kontext und Topografie • Bewahrung des ortsbaulichen Kontexts sowie der Topografie Abb.98: Zonenspezifische räumlich-gestalterische Kriterien (sa_partners) Maß der Höhenentwicklung • Allgemeine Mehrhöhe: Aufstockungen um einzelne Geschosse (Kat. I) • Überschreitung der allgemeinen Mehrhöhe nicht möglich mit Ausnahme im Gewerbegebiet Kohlplatte bis 36 m (Kat. II) Abb.99: Zonenspezifisches Höhenprofil Höhenstadtteile (sa_partners) Allgemeine Mehrhöhe Regelbauweise 66 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Komposition Räumlich-gestalterische Kriterien der Höhenentwicklung werden nicht nur für die sechs Zonen festgelegt, sondern geben auch städtebauliche Verhaltensweisen an bestimmten Orten im Stadtgrundriss vor, welche sich besonders für eine Höhenentwicklung eignen – die Komposition der Höhenentwicklung in Karlsruhe. Die Komposition spiegelt den Gestaltungswillen der Stadt wider. Im Konzeptplan werden die Zonen mit der Komposition überlagert, welche die für Karlsruhe spezifische städtebauliche Verortung einer möglichen Höhenentwicklung zeigt und insbesondere Bezug auf das Stadtbild und die Stadtsilhouette von Karlsruhe nimmt. Die kompositorischen Kriterien und gestalterischen Anforderungen werden zur Einordnung sowie Überprüfung des Maßes der Höhenentwicklung an einer spezifischen Lage herangezogen. Durch sie soll sichergestellt werden, dass hohe Gebäude in der Stadt gut gesetzt sind. Konkrete Entscheidungen für oder gegen eine Höhenentwicklung können jedoch erst nach sorgfältiger Prüfung aller für den jeweiligen Standort relevanter Kriterien in nachgelagerten Prozessen erfolgen. Folgende räumlich-gestalterische Kriterien und Mehrwerte sind Bestandteil der Komposition und sind auch als Legende im Konzeptplan festgehalten. Sie werden im Anschluss genauer erläutert. Räumlich-gestalterische Kriterien Einordnung in Stadtsilhouette • Schlossstrahlen und Sichtfenster vom und zum Schlossturm • Via Triumphalis • Wichtige Sichtachsen der Innenstadt Städtebauliche Komposition • Interessante Bereiche für moderate Häufung von Höhenakzenten (keine Clusterbildung) • Konturen an repräsentativen Stadtkanten • Wichtige Stadteinfahrten • Bedeutende Stadteingängen und Torsituationen • Zentrale Lage an wichtigen Innenstadtachsen • Adressbildung bei institutionellen Großstrukturen • Erschließungsqualität Maß der Höhenentwicklung Das Maß der Höhenentwicklung ist eine Abwägung und Prüfung aller Kriterien, programmatischer Mehrwerte sowie ortsbaulicher Gewinne. Je bedeutender die Mehrwerte für eine nachhaltige Stadtentwicklung unter Berücksichtig der Kriterien der Höhenentwicklung sind, desto höher ist das Potential für eine Höhenentwicklung. Stadtplanungsamt | 67 Abb.100: Komposition (sa_partners) Schlossstrahlen Die Einordnung einer Höhenentwicklung in den städtebaulichen Gesamtkontext ist insbesondere in den Sichtachsen der historischen Schlossstrahlen zu überprüfen. Hochpunkte können in der Sichtachse aus den Schlossstrahlen eine Beeinträchtigung der historischen, visuellen Verbindungen und Bezüge darstellen. Die ursprüngliche historische Absicht der Schlossstrahlen, in alle Richtungen einen freien Blick in die Landschaft zu haben, ist grundsätzlich stadtbildprägend, jedoch nur noch an wenigen Orten in dieser Weise vorhanden. Die städtebauliche sowie architektonische Einordnung von Hochpunkten in den Sichtfenstern der Schlossstrahlen ist vertieft zu prüfen. Dabei der Bezug zum näheren und weiteren Kontext sowie das programmatische Konzept mit einzubeziehen. Abb.101: Historische Fächerstadt – Abb.102: Sichtachsen der Schlossstrahlen 68 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Wichtige Sichtachsen der Innenstadt Ein Kriterium zur Einordnung der Höhenentwicklung im städtebaulichen Kontext ist die Überprüfung der Setzung anhand wichtiger Sichtachsen entlang bedeutender Straßenzüge der Innenstadt. Explizit zu nennen ist neben allen Schlossstrahlen die Via Triumphalis als zentrale Sichtachse auf das Schloss und vom Schloss in Richtung Lauterberg (vgl. Abschnitt „Schlossstrahlen“ und „Via Triumphalis“). Außerdem zählen zu den wichtigen Sichtachsen die historischen Straßenräume der Innenstadt, u.a. die Kriegs- und Kaiserstraße. Hochpunkte stellen immer eine visuelle Veränderung des Stadtbildes dar. Die Veränderungen visueller Verbindungen und Bezüge müssen bei Höhenentwicklung daher mit viel Sensibilität überprüft werden. Hohe Gebäude müssen auf den Bestand reagieren und mit Bezug auf den städtebaulichen Kontext präzise gesetzt werden. Insbesondere bei der Sicht auf historische Gebäude und Denkmäler muss die Höhenentwicklung mit Zurückhaltung gegenüber dem Bestand erfolgen. Die Beachtung von Sichtachsen bedeutet nicht automatisch den Ausschluss von Höhenentwicklung, sondern vielmehr die sorgfältige Prüfung der visuellen Veränderung. Eine Reaktion auf den Bestand kann beispielsweise auch durch ein Zurückspringen eines Turms oder der Ausbildung eines Sockelgeschosses erfolgen. Zur Beurteilung der städtebaulichen Einordnung sind an unterschiedlichen Standorten entlang der Straßenräume Perspektiven auf Augenhöhe zu prüfen. Abb.103: Prüfkriterium zur städtebaulichen Einordnung in den Kontext ist das Freihalten von wichtigen Sichtachsen u.a. durch Zurückversetzen hoher Gebäude – Abb.104: Prüfung der Sichtbezüge in den historischen Sichtachsen, z.B. Kaiserstraße Stadtplanungsamt | 69 Sichtfenster auf Stadtsilhouette Höhenentwicklung beeinflusst und formt die Stadtsilhouette von Karlsruhe. Das Stadtbild von Karlsruhe als Stadtlandschaft mit eingestreuten, strategisch gesetzten Höhenakzenten ist identitätsstiftend. Neue Hochhäuser sollen in eine bewusste Höhenbeziehung zur vorhandenen Stadtsilhouette treten. Es darf keine Konkurrenzsituation zwischen dem Stadtbild und der identitätsstiftenden Fächerstadt als klares Zentrum durch unangemessene Einzelobjekte oder für Karlsruhe untypische, nicht moderate Häufungen, Ensembles oder Cluster von Höhenakzenten geschaffen werden. Ein relevantes Sichtfenster auf das Stadtbild stellt insbesondere die Aussicht vom und zum Schlossturm dar, welche ein wichtiges Prüfkriterien bezüglich der städtebaulichen Einordnung der Höhenentwicklung ist . Ob und inwiefern eine Höhenentwicklung im Sichtkegel zwischen Rathausturm und dem Turm der Stadtkirche denkbar ist, muss gesondert geprüft und beraten werden. Abb.105: Prüfkriterium der Einordnung in die Stadtsilhouette vom Schlossturm aus – Abb.106: Skizze Wettbewerb Via Triumphalis 70 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Via Triumphalis Die „Via Triumphalis“ ist die zentrale nordsüdliche Straßenachse, welche bereits im historischen Stadtgrundriss eine maßgebliche Bedeutung hatte und bis heute verschiedene Bereiche der Stadt verbindet. Am Schloss beginnend erstreckt sie sich mit einer wiederkehrenden Sequenz repräsentativer Plätze vom Schlossplatz entlang der Karl-Friedrich-Straße über den Marktplatz und den Rondellplatz bis hin zur Erweiterung des Ettlinger Tors. Der Bereich um das Ettlinger Tor ist dabei wichtige Scharnierstelle zwischen historischer Fächerstadt im Norden und dem Stadtgrundriss der vorletzten Jahrhundertwende mit Reparaturen der Nachkriegszeit im Süden. Während die Fächerstadt hier eine niedrige aber klare Stadtkante mit Torwirkung aufweist, ist der Süden des Ettlinger Tors mit wichtigen Institutionen (Landratsamt, Staatstheater) locker gesäumt. Um der anspruchsvollen städtebaulichen Gegebenheit gerecht zu werden, wird daher insbesondere für den Bereich des Ettlinger-Tor-Platzes ein städtebauliches Entwicklungskonzept aufgestellt. Die Sichtachse vom Schloss aus endet am Lauterberg im Zoologischen Stadtgarten, die Ettlinger Straße als Fortführung der zentralen Achse reicht dagegen über die strategisch wichtige Stelle mit „Knick“ beim querenden Grünzug (Tiergartenweg) bis zum abschließenden Gleisfeld beim Hauptbahnhof. Um der Bedeutung dieser zentralen Hauptachse gerecht zu werden, bedarf die Höhenentwicklung einer gesamtheitlichen Abwägung von u.a. • städtebaulich historischen Kriterien für das Stadtbild (Fächerstadt, Schlossstrahl, Sichtfenster vom Schlossturm), • freiräumlichen und topografischen Elementen (Lauterberg, Zoologischer Stadtgarten als Grünkeil), • der Betrachtung unterschiedlicher Stadtstrukturen (Fächerstadt, großräumig-landschaftliche Gestaltung um Landratsamt, Staatstheater und Novotel/Kongresszentrum) sowie • der hohen Erschließungsqualität um den Hauptbahnhof. Darüber hinaus sind auch Resultate der laufenden Planungen (u.a. Postareal) in die Betrachtung mit einzubeziehen. Als Prüfkriterium für die Einordnung dienen die Sichtachse entlang des Schlossstrahls (sowohl in Süd- als auch in Nordrichtung) und das Sichtfenster vom Schloss aus. Zusätzlich zu einem gesamtheitlichen städtebaulichen Konzept ist für die Sicherung der Objektqualität (Architektur) bei jeder Überschreitung der Regelbauweise ein qualifiziertes Verfahren (konkurrierendes Verfahren) erforderlich. Abb.107: Via Triumphalis Stadtplanungsamt | 71 Bereiche für moderate Häufungen von Höhenakzenten Häufungen oder auffallende Ensembles von Hochpunkten in größeren zusammenhängenden Gebieten sind untypisch für das Stadtbild von Karlsruhe. Von der bisherigen Identität Karlsruhes als Stadtlandschaft mit dem Fächer als klares Zentrum und Höhenakzenten als eingestreute Einzelobjekte an strategischen Orten soll generell nicht abgewichen werden. Deshalb soll eine Cluster-Bildung von Hochpunkten an einem oder mehreren Orten vermieden werden. Die Möglichkeit einer moderaten Häufung von Höhenakzenten besteht künftig gegebenenfalls an wenigen, ausgewählten Orten: im Hafen, auf dem KIT Campus, im Beiertheimer Feld und um den Hauptbahnhof. An allen anderen Stellen sind Häufungen von Höhenakzenten nicht erwünscht. Diese Bereiche mit Möglichkeit zu moderater Häufung sind bedeutende Orte und funktionale Drehscheiben im Stadtgrundriss und dürfen aufgrund ihrer regionalen Bedeutung (Hafen, Bahnhofsgebiet), ihrer Rolle als innovative Bildungs- und Forschungseinrichtung (KIT Campus) oder als wichtige institutionelle Großstruktur an zentraler Lage (Beiertheimer Feld) angemessen in Erscheinung treten. Die zusammenhängenden Gebiete sind eher geeignet und unempfindlich gegenüber einer gewissen Höhenentwicklung. Die Entwicklung der Bereiche für moderate Häufungen bietet das Potential für eine verdichtete Durchmischung unterschiedlicher Nutzungen und einer Differenzierung des Wohn- und Dienstleistungsangebots. Die Einordnung moderater Häufungen von Höhenakzenten in das Stadtbild und die Stadtsilhouette ist besonders von Bedeutung und sorgfältig zu prüfen. In den interessanten Bereichen für moderate Häufungen ist die Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts unter Einbezug bestehender Planungen zwingend, um die Entwicklung des Gebiets zu koordinieren. Lockere Reihungen von Hochpunkten entlang Siedlungskanten (wie beispielsweise in der Waldstadt) oder bei wichtigen Innenstadtachsen finden sich dagegen häufig im Stadtraum und könnten an geeigneten Stellen in der Stadt weiterentwickelt werden. Abb.108: Hafenentwicklung Offenbach – Abb.109: KIT Campus Karlsruhe (Bestand) 72 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Konturen an repräsentativen Stadtkanten Karlsruhes Siedlungsraum wird durch äußere Stadtkanten von der umgebenden Landschaft und dem Wald abgegrenzt. Innerhalb des Stadtgebiets markieren die sogenannten inneren Stadtkanten Konturen, z.B. zu Parks, Grünkeilen oder großen Infrastrukturachsen. Innere und äußere Stadtkonturen sind weite, unbebaute Räume und erlauben dadurch den „Blick in die Ferne“. Die klaren Stadtkanten sind ein typisches, strukturierendes Merkmal der Stadt Karlsruhe. Sie tragen zu ihrer Identität „im Grünen“ bei und prägen den klar wiedererkennbaren Stadtgrundriss Karlsruhes (u.a. Hardtwald, Oberwald, Zoologischer Stadtgarten). Höhenentwicklung kann der Artikulation der Stadtkanten dienen und den Ausdruck des Siedlungsraums gegenüber der Landschaft und größeren zusammenhängenden Freiräumen definieren. Die Stärkung der Konturen durch Höhenentwicklung dient der Adressbildung des Siedlungsraums in Bezug auf die zusammenhängenden Grün- und Freiräume. Die Entwicklung am Siedlungsrand in die Höhe anstelle einer flächigen Ausdehnung kann außerdem zur Freihaltung von Luftleitbahnen und damit zur Verbesserung des Stadtklimas durch durchlässige, punktförmige Bebauung beitragen (vgl. Rahmenplan Klimaanpassung). Abb.110: Hochpunkte am Siedlungsrand in der Waldstadt zur Ausformulierung einer klaren Stadtkante gegenüber der Landschaft – Abb.111: Höhenakzent am Rand eines innerstädtischen Freiraums zur Artikulation der inneren Stadtkante zum Park Stadtplanungsamt | 73 Wichtige Stadteinfahrten Höhenentwicklung trägt zur Orientierung im Stadtkörper bei. Mit präzisen Setzungen von Gebäuden, welche sich von der Umgebung abheben (Gebäudehöhe und / oder Qualität des architektonischen Auftritts), kann die Lesbarkeit der Stadt aus der Perspektive des alltäglichen Nutzers sowie die Adressbildung unterstützt werden. In Karlsruhe ist dies an bedeutenden Orten und wichtigen strukturellen Merkmalen im Stadtgrundriss möglich. Dazu zählen neben den interessanten Bereichen für moderate Häufungen von Höhenakzenten die wichtigen Stadteinfahrten. Als Stadteinfahrten können in Karlsruhe die wichtigsten Einfahrtsachsen des motorisierten Individualverkehrs und der Bahn definiert werden. Abb.112: Situation Artikulation Stadteinfahrt 74 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Bedeutende Stadteingänge und Torsituationen Zur Stärkung der Orientierung im Stadtkörper trägt auch die präzise Setzung von Höhenakzenten an bedeutenden Stadteingängen und Torsituationen bei (siehe Räumliches Leitbild Karlsruhe). Stadteingänge und Torsituationen unterschiedlicher Größe und Bedeutung als Schwellen- und Scharnierräume markieren den Eintritt in den Stadtraum bzw. in die Innenstadt. Sie sind als Eingangssituationen unterschiedlicher Verkehrsmittel relevant: Öffentlicher Verkehr (Bahnhöfe, Gleise), motorisierter Individualverkehr (Verkehrsknotenpunkte, wichtige Einfahrtsachsen) und Fuß- und Radverkehr (menschlicher Maßstab der Stadteingänge). Höhenentwicklung dient in dieser Form der Adressbildung von Stadtteilen und Quartieren sowie der Artikulation und Stärkung dieser städtebaulich bedeutenden Orte. Insbesondere am Hauptbahnhof als Ankunftstor nach Karlsruhe kann Höhenentwicklung auch dem „Place Making“ dienen und eine neue, urbane Identität für das Gebiet schaffen. Attraktive, publikumsorientierte Erdgeschossnutzung und –gestaltung mit Bezugnahme zum menschlichen Maßstab ist an den wichtigen Torsituationen insbesondere in der inneren Stadt zur Belebung der öffentlichen Stadträume und generell für eine lebenswerte Stadt von hoher Bedeutung. Abb.113: Akzentuierung des Stadteingangs und Adressbildung am „Kühler Krug“ – Abb.114: Artikulation Platz und Torsituation durch Aufstockungen Wien Stadtplanungsamt | 75 Wichtige Innenstadtachsen (Kriegsstraße, Ludwig-Erhard-Allee, Brauerstraße) Überhohe Bauten sollten funktional mit einer in der öffentlichen Wahrnehmung und im Leben der Öffentlichkeit hohen Bedeutung des Standorts korrespondieren. Bei den wichtigen Innenstadtachsen der umgestalteten Kriegsstraße, der Ludwig-Erhard-Allee sowie der Brauerstraße entlang des Beiertheimer Felds handelt es sich um Orte, welche sich funktional und strukturell für eine Höhenentwicklung eignen. Sie haben als Zufahrten in die Innenstadt repräsentative Bedeutung und stellen das Rückgrat der künftigen Entwicklung und somit Orte mit Verdichtungspotential dar. Höhenentwicklung leistet einen Beitrag zur Artikulation und Stärkung dieser städtebaulich bedeutenden Straßenräume. Eine zentrumsnahe, städtebauliche Entwicklung an den zentralen Orten der Innenstadtachsen bietet das Potential für eine Durchmischung unterschiedlicher Nutzungen und einer baulichen Verdichtung. Attraktive, publikumsorientierte Erdgeschossnutzung und –gestaltung ist in den wichtigen öffentlichen Stadträumen der Innenstadtachsen von hoher Bedeutung zur Belebung des öffentlichen Raums. Entlang der wichtigen Innenstadtachsen besteht, z.B. durch die Umgestaltung der Kriegsstraße, das Potential zur Verdichtung durch Entwicklung in die Höhe. Das Identitätsgebiet der Fächerstadt ist um eine Bautiefe von der Kriegsstraße zurückversetzt, um eine angemessene Höhenentwicklung auf der nördlichen Seite zu ermöglichen. Besondere Bedeutung hat dabei die Kreuzung Kriegsstraße / Ettlinger Straße rund um den Ettlinger-Tor-Platz, an dem sich das Landratsamt, eines der höchsten Gebäude Karlsruhes, befindet. Prüfkriterien der Einordnung in die Stadtsilhouette stellen an den zentralen Lagen der Innenstadtachsen insbesondere die Sichtachsen (Schlossstrahlen) und das Sichtfenster vom Schloss und vom Schlossturm dar. Abb.115: Lesbarkeit im Stadtgrundriss der wichtigen Einfahrtsachse Ludwig-Erhard-Allee – Abb.116: Menschlicher Maßstab in den Erdgeschossen für eine lebenswerte Stadt 76 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Adressbildung bei institutionellen Großstrukturen Institutionelle Großstrukturen in Karlsruhe sind u.a. der KIT Campus, der Technologiepark sowie die Hochschule für Gestaltung (Beiertheimer Feld), aber auch Institutionen wie u.a. Krankenhäuser, Landratsamt (Verwaltung), Staatstheater, Bibliothek sowie wichtige Museen. Höhenentwicklung trägt zur Akzentuierung dieser Institutionen bei und stärkt dadurch auch das Bild der Stadt als innovativer Forschungs- und Bildungsstandort sowie behördliches und kulturelles Zentrum. Höhenakzente bei wichtigen Institutionen dienen der Orientierung und Lesbarkeit der Funktion im Stadtgrundriss und dem Wiedererkennungswert der Stadt Karlsruhe. Abb.117: KIT-Campus Karlsruhe – Abb.118: Löwenbräu Areal Zürich Stadtplanungsamt | 77 Erschließungsqualität Eine hohe Erschließungsqualität insbesondere mit öffentlichen Verkehrsmitteln stellt ein wichtiges Eignungskriterium für die Innenentwicklung generell und die Höhenentwicklung im speziellen dar. An Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs besteht die Möglichkeit, höhere Dichten zu realisieren. Haltestellen der Straßenbahn, der Westbahnhof und insbesondere der Hauptbahnhof eignen sich in diesem Sinne für eine Entwicklung in die Höhe. Dadurch wird z.B. die städtebaulich bedeutende Umgebung des Hauptbahnhofs gestärkt, belebt („Place Making“) und bekommt eine neue Bedeutung für die Stadt. Die Artikulation der Knotenpunkte dient außerdem der Erleichterung der Orientierung und der Lesbarkeit der Funktion im Stadtgrundriss. Höhenentwicklung im Sinne einer Verdichtung und die Erschließungsqualität mit dem öffentlichen Verkehr bedingen sich gegenseitig. Eine Höhenentwicklung und die Verdichtung eines Gebiets kann auch die Verbesserung der ÖPNV-Versorgung induzieren. Abb.119: Wohnbebauung in Bahnhofsnähe Zürich – Abb.120: Akzentuierung Bahnhof Neuchâtel 78 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Ausblick – „Kriterienkatalog Bauliche Höhenplanung“ Das Höhenentwicklungskonzept ist eine Orientierungshilfe und Grundlage für die zukünftige Entwicklung Karlsruhes in der dritten Dimension. Es stellt die Basis zur Beurteilung der durch Höhenentwicklung geschaffenen Mehrwerten im Sinne programmatischer Vorteile für eine nachhaltige Stadtentwicklung einerseits und der Schaffung von ortsbaulichen Gewinnen andererseits dar. Der „Kriterienkatalog Bauliche Höhenplanung“ stellt als ergänzendes Instrumentarium eine Arbeitshilfe zur Umsetzung des Höhenentwicklungskonzepts dar. Dieser soll in einem nächsten Schritt, aufbauend auf dem vorliegenden Höhenentwicklungskonzept, erarbeitet werden. Der Kriterienkatalog Bauliche Höhenplanung soll als Orientierungshilfe bei der Planung und Begleitung von Projekten mit Höhenentwicklung dienen und sich zum einen an die verantwortlichen Behörden sowie die fachlichen und politischen Gremien richten. Außerdem soll er zur proaktiven Steuerung der Höhenentwicklung in Karlsruhe beitragen. Weiterhin hat er zum Ziel die Projektautoren bei einer zielführenden Abwicklung konkreter Planungen zu unterstützen, da von Anfang an die zu beachtenden Kriterien für eine Höhenentwicklung kommuniziert werden. Stadtplanungsamt | 79 Quellenverzeichnis Abbildung Quelle Titelbild Stadt Karlsruhe 1 © sa_partners Titelbild I Stadt Karlsruhe 2 © sa_partners 3-7 Stadt Karlsruhe 8 Karlsruhe, Kupferstich Prospekt 1721 © Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 18 https://www.monumente- online.de/de/ausgaben/2015/1/idealstaedte.php#.XRMeGC35zOF 9 Stadt Karlsruhe 10-12 https://www.swiss-architects.com/de/architecture-news/bau-der- woche/regeln-herausgefordert © Christian Senti 13 https://pws.eu/projekt/carl-holz-hybrid-hochhaus/ 14 https://www.lwg.bayern.de/landespflege/urbanes_gruen/090685/index.php © Wisteria Sinensis 15-17 Stadt Karlsruhe 18-19 © sa_partners 20 Stadt Karlsruhe 21 © sa_partners 22 Stadt Karlsruhe 23 © sa_partners 24 Stadt Karlsruhe 25 © sa_partners 26 Stadt Karlsruhe 27 © sa_partners 28 Stadt Karlsruhe 29 © sa_partners 30 Stadt Karlsruhe 31-33 © sa_partners 34-39 Stadt Karlsruhe 40 © sa_partners 80 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe 41-42 Stadt Karlsruhe 43 © sa_partners 44 Stadt Karlsruhe 45 © sa_partners 46 https://www.toronto.ca/legdocs/mmis/2013/pg/bgrd/backgroundfile- 57177.pdf Tall Building Guidelines, Toronto, 2013 47 A country of cities, Vishaan Chakrabarti, 2013 48 Stadt Karlsruhe 49-53 © sa_partners Titelbild III Stadt Karlsruhe 63 https://senkrechtstarter-blog.de/2017/07/hochhaeuser-neue-typen-fuer- den-block/ © Ponnie Images via LIN 64 © sa_partners 65 https://www.julius-kuehn.de/media/Institute/GF/_FS_Stadtgruen/2/FS-2- Stadtgruen_1.5_Koehler_Wandgebundene_Begruenungssysteme.pdf 66 A country of cities, Vishaan Chakrabarti, 2013 70 https://loeligerstrub.ch/nproject/hohes-haus-west-zuerich/ 69 Stadt Karlsruhe 62 © sa_partners 67 http://www.af-z.ch/publikationen/max-dudler-%C2%96-architecture-since- 1979/ © Hanne-Birgit Wiedehold-Alt 68 https://avocado360.com/de/bundesamt-fuer-statistik-20-jahre-jubilaeum/ © avocado360 54 © sa_partners 55-58 Stadt Karlsruhe 59-62 © sa_partners 71-74 © sa_partners 75-80 Stadt Karlsruhe 81-100 © sa_partners 101 Karlsruhe, Kupferstich Prospekt 1721 © Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 18 https://www.monumente- online.de/de/ausgaben/2015/1/idealstaedte.php#.XRMeGC35zOF 102 Stadt Karlsruhe 103 https://www.toronto.ca/legdocs/mmis/2013/pg/bgrd/backgroundfile- 57177.pdf Tall Building Guidelines, Toronto, 2013 104-106 Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt | 81 107 © google.maps 108 https://www.fr.de/rhein-main/offenbach/hafen-spitze-11662092.html © HHVISION 109 © sa_partners 110 Stadt Karlsruhe 111 https://www.timbatec.com/chde/aktuelles/meldungen/2019-05-Krokodil- Start-Aufrichtung.php 112 Zürich Leutschenbach, Stadt Zürich 113 Stadt Karlsruhe 114 Hochhäuser in Wien – Städtebauliche Leitlinien 2001 115 Stadt Karlsruhe 116 https://www.toronto.ca/legdocs/mmis/2013/pg/bgrd/backgroundfile- 57177.pdf Tall Building Guidelines, Toronto, 2013 117 Stadt Karlsruhe 118 Löwenbräu-Areal, Gigon/ Guyer, atelier ww © Shinkenchiku-sha https://wienerberger-building-solutions.com/expertise/löwenbräu-areal- zurich-switzerland 119 http://www.gutschoep.ch/projekte/1504.html 120 https://avocado360.com/de/bundesamt-fuer-statistik-20-jahre-jubilaeum/ © avocado360 82 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Stadtplanungsamt | 83 Anhang 84 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Stadtplanungsamt | 85 Anhang 1 Stadtlandschaft Karlsruhe 86 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe 36m 60m Siedlung 60er/70er Jahre Innenstadt Historische Stadt Hafen Campus KITKarlsruhe Hbf Gartenstadt Bernharduskirche 93 m Rathausturm 51 m Windkraftanlage 123 ,5 m Kesselhaus Rheinhafendampfkraftwerk 120 m Schornstein Rheinhafendampfkraftwerk 233 m MiRO-Raffinerie West 210 m Physikhochaus Rheinstrandsiedlung MZE Schlossturm 50 m Verwaltungsgebäude LVA Baden 77 m Landratsamt 70 m Fernmeldeturm Grünwetterbach 144 ,7 m Stadtplanungsamt | 87 Anhang 2 Konzeptplan 88 | Konzept: Höhenentwicklung in Karlsruhe Konzeptplan Nachbarschaften Dynamisches Band Innere Stadt Stadteinfahrten Zonen Gewässer Gebäude Ergänzende Inhalte Stadteingänge und Torsituationen unterschiedl. Bedeutung Komposition Konturen Identitätsgebiete Urbane Institutionelle Großstrukturen Höhenstadtteile Vororte/Siedlungen Bahngleise S-Bahn Linien Bahnhöfe / ÖPNV Haltestellen Bereiche für moderate Häufung Hafenbecken Sichtfenster Bestand Hochpunkte Schloss & Schlossstrahlen Autobahn / Südtangente Wichtige Innenstadtachsen Via Triumphalis Wichtige Sichtachsen 16.09.2019 / eb Stadt Karlsruhe Konzept Höhenentwicklung in Karlsruhe 1'000 0 2'000m
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Niederschrift 6. Plenarsitzung des Gemeinderates 21. Januar 2020, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 8. Punkt 10 der Tagesordnung: Konzept Höhenentwicklung in Karlsruhe Vorlage: 2019/1268 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss das Konzept als Grundlage für weitere Planungsentscheidungen im Rahmen der Abwägung. Das Konzept wird im Planungsausschuss vorgestellt. Abstimmungsergebnis: Bei 46 Ja-Stimmen einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 10 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Planungsausschuss: Das das ein heftig, auch öffentlich diskutiertes Thema ist, wird Herr Bürgermeister Fluhrer ganz kurz einführen. Bürgermeister Fluhrer: Wir legen Ihnen ein wichtiges Rahmenwerk für die weitere Entwicklung der Stadt Karlsruhe vor. Das Höhenentwicklungskonzept der Stadt Karlsruhe beinhaltet keine planerischen Höhenflüge, sondern beinhaltet sehr viel Fleiß und Liebesmüh. Eine Arbeitszeit, die schon unter meinem Vorgänger, Herrn Bürgermeister Michael Obert, begonnen wurde und jetzt abgeschlossen ist. Ich darf mich bedanken bei allen, die hier fleißig gerungen und abgewogen haben, so dass es ein Konzept mit sehr viel Substanz ist. Eigentlich muss man sagen, die Höhenentwicklung in Karlsruhe ist keine neue Erfindung, sondern die hat längst schon begonnen. Aber allerdings sehr pragmatisch, wenn man überlegt, was sich in der Höhe aus Karlsruhe heraushebt. Dann sind es nicht mehr die Kirchtürme und die Türmchen, sondern es sind Kraftwerksanlagen oder auch Wohnblocks, die eher unsortiert in der Skyline wirken. – 2 – Wir nehmen aber dieses Konzept auf und sagen, für Karlsruhe ist es wichtig, dieses System der Stadtlandschaft auch fortzuschreiben, auch ein Stück weit weiter zu systematisieren und fortzuentwickeln. Aber wir wollen die Grundintention Karlsruhes weiter beibehalten und das bisher sehr geschickt gemachte Modellieren in die dritte Dimension auch fortschreiben. Es sind zwei Gedankengänge noch enthalten, die dieses Konzept etwas sperrig machen, so dass es nicht so einfach abzubilden ist in einer Pressemitteilung mit einem schönen, dreidimensionalen Bild mit ein paar Hochhäusern drin, weil wir dann zwei Effekte hätten. Das eine ist, wir würden so tun, als könnten wir als Stadt tatsächlich sagen, wo die Stadt wächst. Das können wir faktisch nur ganz begrenzt, dort wo wir eigene Grundstücke haben, wo wir es beeinflussen können, wie die Entwicklung ist. Tatsächlich ist aber bei 99 % die Stadt bebaut. Sie wird sich sicher dort in die Höhe entwickeln, wo heute schon Substanz besteht. Da brauchen wir immer den Eigentümer. Das heißt, es ist nicht linear zu vollziehen, sondern es wird dispers über den Stadtraum sich entwickeln. Deshalb wäre es auch nicht redlich, Ihnen ein fertiges dreidimensionales Bild zu zeigen. Zum anderen, wenn wir Ihnen dieses Bild zeigen würden, würde über Nacht die Bodenspekulation einsetzen, weil man genau wüsste, wo denn Sie schon Recht setzen möchten, das heute noch nicht besteht. Diese beiden Gedanken haben dazu geführt, dass wir sagen, wir werden Ihnen ein Rahmenwerk vorschlagen, das sehr viele Prinzipien und Ideen hinterlegt hat und wo man auch gemeinsam, wenn Interesse ist an der einen oder anderen Stelle, wo man sich Höhenentwicklung vorstellen kann, in einen Prozess geht, wo man Gestaltungswettbewerbe für die Qualität macht, wo man Rechtsverfahren anstrengt, um das zu entwickeln. Das heißt, es wird sukzessive sich entwickeln. Selbstverständlich, das ist eine der wesentlichen Grundlagen, muss man auf die bestehende Substanz Rücksicht nehmen. Das ist hier schön kategorisiert, wo man überhaupt in die Höhe gehen kann und wo es gar nicht denkbar ist. Es gibt sehr sensible Strukturen, wie man in den einzelnen Gebietskategorien in die Höhe entwickelt. Das sind nicht nur die großen Akzente im Stadtgebiet, die man hier setzt, sondern es sind in vielen Gebieten auch tatsächlich die dringend benötigen Erweiterungen im Dachraum, vielleicht einmal ein Geschoss aufstocken, mal einen Dachausbau forcieren, also einfach die Stadt etwas in die Höhe entwickeln, ohne dass das dramatisch im Stadtfeld auffällt. Wir haben gesagt, um es einfach zu diskutieren, die Höhenentwicklung muss immer nach dem Motto Qualität gehen. Je höher, desto qualitativer. Eigentlich haben wir gesagt, wir brauchen eine Handvoll an Kriterien als Mehrwerte, die man einlösen muss für jede Höhenentwicklung, eigentlich ganz einfach. Das erste Prinzip ist, es muss passen. Es muss passen in die Nachbarschaft, in den Ort, es muss passen zur Skyline insgesamt, und es muss passen ins Quartier. Es muss sozusagen ein Akzent sein. Höhe bedeutet auch immer eine Bedeutung eines Ortes. Das Zweite, wir möchten keine monofunktionale Entwicklung, wie das bisher historisch ein Stück weit war. Also nur ein Hochhaus für Büro oder ein Kraftwerk, sozusagen nur eine Dimension, sondern wir wollen, dass sich die Stadt dreidimensional nach oben entwickelt, dass sie Erdgeschosslagen öffentliches Leben einspielen und attraktiv sind. Denn wir haben so viel Konzentration an Personen, dass wir Erdgeschosszonen hervorragend bespielen können, einen großen Mehrwert für die Nachbarschaft. Wir wollen auch, dass die Skyline unterschiedlich beleuchtet ist im Nachtglamor. Wenn Sie einen Monoblock haben, wo um 17:00 Uhr alle den – 3 – Arbeitsplatz verlassen, ist so ein Gebäude natürlich tot. Wenn Sie noch Wohnen haben oder andere Nutzungen, dann leuchtet auch so ein Baukörper in der Höhe. Das ist dann auch ein Stadtprofil, das man sieht. Das Dritte ist, weil wir gemeinsam sagen, der Footprint der Stadt ist faktisch schon im Endausbau, und wir in die Höhe gehen müssen, dann muss diese Höhe auch trotzdem dazu beitragen, dass wir den Nachhaltigkeitsgedanken deutlich spielen, dass wir Mikroklima thematisieren, dass man vielleicht auch unterschiedliche Trassen anbietet, wo Vegetation, wo Grasdächer entstehen können. All diese Themen, die uns in Karlsruhe auch beschäftigen, müssen durch diese Struktur zusätzlich eingelöst werden und selbstverständlich überall dort in die Höhe gehen, wo es die Mobilitätskontenpunkte auch sinnhaft machen. Es gibt viele Knotenbereiche, beispielsweise das Ettlinger Tor, wo man so viele Mobilitätsinfrastruktur – wir haben es gerade diskutiert – anbietet. Da macht es auch Sinn, Feinheiten, Nutzungen zu konzentrieren. Aber auch die Gebäude sollen die nachhaltigen Mobilitätsangebote fördern, Zugänge zu Carsharing, zu Bikeparkplätzen etc. Das fünfte Kriterium muss so sein, dass Sie und unsere Bürgerschaft am Ende alle sagen, das ist ein richtig guter Beitrag für die Baukultur. Das kann sich auch in hundert Jahren noch sehen lassen, denn diese Höhe wird die Stadt weiter prägen. Das muss auch aus unserer Sicht eingelöst sein. Wenn wir das dann alles berücksichtigen und spielen – dieses Konzept wird sich in den nächsten Monaten auch beweisen müssen -, dann kann man sagen, wir schreiben das Weinbrennererbe auch ein Stück weit fort. Zurzeit, als Weinbrenner die Stadt entwickelt hat, waren wir etwa 30.000 Personen stark, also ein Zehntel. Er hat trotzdem mit der Höhe – ich habe extra ein Bild mitgebracht – ein bisschen einen Fingerzeig gegeben. Heute sind wir 10fach größer. Ich denke, wir können auch einen mutigen Schritt in die Höhe gehen. Deshalb bitten wir auch um Ihre Zustimmung und freuen uns auf diese Entwicklung. Stadtrat Löffler (GRÜNE): Wir denken, dass wir mit dem vorliegenden Konzept eine gute Grundlage haben, die Stadtplanung in Karlsruhe auch in die dritte Dimension zu denken. Denn es ist aus unserer Sicht unbedingt notwendig, da wir damit Planungen auf der grünen Wiese vermeiden und das auch vermeiden müssen, da ein Großteil unserer Gebiete drumherum Schutzgebiete sind und wir auf die Wiese gar nicht mehr gehen können. Genau deswegen müssen wir die innerstädtischen Potentiale nutzen, gerade auf versiegelten Flächen, die schon da sind. Da können wir in die Höhe entwickeln, in die Höhe denken, wenn wir an das Thema Wohnraum denken, um Lücken, die bisher existieren mit teils niedriger Bebauung, dann dafür auch nutzen zu können. Wir begrüßen es gleichzeitig, dass die bestehende Stadtstruktur, dass die einzelnen Stadtteile mit ihren Charakteristika berücksichtigt worden sind, und dass die verschiedenen Potentiale einzelner Gebiete dadurch schon ausgewiesen und auch sehr gut visualisiert sind, aber dass eben keine einzelnen Standorte benannt sind, dass nicht jetzt direkt schon der Aufschrei oder die Spekulation groß ist, was passiert bei mir vor der Tür. Sondern, dass gewisser Grundkonsens dadurch entwickelt kann, in welchem Stadtteil welche Art von Bebauung realisiert werden kann. – 4 – Wir werden auch bei den weiteren Planungen, unter anderem jetzt zum Beispiel beim Landratsamt am Ettlinger Tor, kritisch darauf achten, wie diese Mehrwerte umgesetzt und auch kommuniziert werden. Denn nur, wenn wir diese erreichen, eine Verbesserung des Mikroklimas, mehr Wohnraum umsetzen und das Ganze mit einem nachhaltigen Verkehrskonzept verknüpfen können, dann kann aus unserer Sicht eine höhere Bebauung rechtsgefertigt und auch sinnvoll umgesetzt werden. Genau diese Mehrwerte müssen den Menschen, die dann direkt in der Umgebung wohnen, gut kommuniziert werden, dass die von den Mehrwerten auch etwas haben. Das heißt, wenn es eine Verbesserung des Mikroklimas ist, wenn es eine verbesserte Anbindung gibt, dass nicht nur diejenigen profitieren, die jetzt in der neuen Bebauung eventuell von höherpreisigen Wohnungen profitieren, sondern dass alle Menschen drumherum auch etwas davon haben, wenn Parkanlagen nicht im privaten Raum sondern auch im öffentlichen Raum zugänglich sind. Denn dadurch können wir die Akzeptanz derjenigen stärken, die dem Ganzen sonst kritisch gegenüber stehen, weil sie sonst nur die Nachteile sehen, weil sie sonst nur Verschattungen befürchten oder eine Verschlechterung der Luftzufuhr, und gar nichts davon haben, dass wir dann mehr Wohnraum oder mehr Arbeitsplätze in ihrer direkten Umgebung haben. Genau deswegen werden wir uns vor allem auch dafür einsetzen, dass wir dieses Höhenentwicklungskonzept für eine allgemeine Mehrhöhe anwenden können, also bei Planungen von Bebauungsplänen, um diese Aufstockungen, diese Lückenschlüsse bei Neu- und Umbaumaßnahmen zur Anwendung zu bringen, um dort Mischnutzung von Gewerbe und Wohnen umsetzen zu können, dass aus dem Höhenentwicklungskonzept ein solches wird und kein Hochhauskonzept für punktuelle Standorte in der Stadt. Stadtrat Müller (CDU): Mit dem Höhenentwicklungskonzept haben wir uns quasi ein Regelwerk selbst gestaltet auferlegt, welches auf – Herr Baubürgermeister Fluhrer hat es beschrieben – fünf Säulen basiert. Demnach werden keine Gebiete explizit ausgewiesen, an welchen Hochhäusern entwickelt werden sollen, sondern aus städtebaulicher Sicht werden geeignete Gebiete identifiziert, um diese dann in eine genauere Planung miteinbinden zu können. Dieses Konzept ist kein reines Hochhauskonzept. Es soll auch Entwicklungen in einem Wohnquartier, in einem bestimmten Rahmen im Hinblick auf Aufstockungen generieren und möglich machen, dort, wo es verträglich ist. Aber, das beste Konzept taugt nicht viel, wenn es irgendwann, irgendwo in einer Schublade verschwindet, sondern wir müssen daraus den Mut entwickeln, nicht nur in die Höhe denken zu wollen, sondern diesbezüglich auch planen zu wollen, um es dann schlussfolgernd umzusetzen. Wichtiger Grundsatz, der zieht sich auch wie ein roter Faden durch dieses gesamte Konzept, sind die angesprochenen Mehrwerte, die sich daraus generieren müssen, die wiederum – wie vorbeschrieben, auf diesen fünf Säulen basieren. Was allerdings auch, zumindest für uns, klar ist, dieses Höhenentwicklungskonzept ist nicht dafür geeignet, den Bedarf an Wohnraum in seiner Gänze abzudecken, zu befriedigen. Hier müssen wir auch in Zukunft, und das schon in sehr naher Zukunft, über weitere Wohnraumakquirierungskonzepte reden. Dennoch ist das Höhenentwicklungskonzept zu einer weiteren städtebaulichen Entwicklung in seiner Gesamtheit eine große Chance und deswegen diesbezüglich auch die Zustimmung der CDU-Fraktion. Stadtrat Zeh (SPD): Herr Bürgermeister Fluhrer hat richtig eingeführt in das seit zwei Jahren entwickelte Höhenentwicklungskonzept wo viele Fachleute miteinander diskutiert haben. – 5 – Sicher ist, wir können aufgrund des Flächennutzungsplanes 2030 nicht wirklich mehr in die Fläche gehen. Es gibt nur noch wenige beschränkte Neubaugebiete. Wir wollen auch bei der Innenentwicklung auf grüne Flächen, auf Pocketparks usw. achten. Da bleibt dann wirklich nur noch die Entwicklung in die dritte Dimension, die Entwicklung in die Höhe übrig. Es gibt hier in Karlsruhe schon positive Beispiele, die man als Vorbilder nennen kann. Das ist beispielsweise die Nordstadt. Die wurde durch die Volkswohnung um zwei Stockwerke aufgestockt. Oder jetzt die Hardwaldsiedlung. Die hat in der Emil-Gött-Straße ihre Wohnungen um zwei Stockwerke aufgestockt. Auch bei INIT haben wir damals – die wollten sich auch weiterentwickeln – deutlich in die Höhe weiterentwickelt. Jetzt könnte man auch den heute verabschiedeten Satzungsbeschluss Kriegsstraße 23 – 25, das Motel One, wo eine Mischung aus Büro, Hotel und Wohnung vorhanden ist, statt nur ein reines Bürohaus, genau in dieses Konzept mit hineinbringen. Wir sind gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Wichtig ist auch bei einem Konzept, Gebiete nicht explizit auszuweisen, sondern Investoren die Möglichkeit zu geben, Anfragen zu stellen, dass sie uns den Mehrwert auch erklären können, was gemacht wird. Wir sind gespannt, welche Entwicklungen dadurch angestoßen werden. Allerdings, wenn ein Gebäude plötzlich zwei Stockwerke höher gebaut wird in einer bisherigen einheitlichen Bebauung, weil es ein Eckgebäude und besonders markant ist und bislang nur ein einfacher Bebauungsplan existierte, müssen wir darauf achten, dass nicht aufgrund § 34 BauGB Wildwüchse in der Umgebung da sind. Dann muss sicherlich das komplette Gebiet genau betrachtet und festgelegt werden, wo kann in die Höhe gebaut werden. In diesem Sinne stimmen wir dem Konzept zu und sind gespannt auf die weitere Entwicklung. Stadtrat Høyem (FDP): Herr Bürgermeister Fluhrer, danke, dass Sie Ihren Vorgänger Michael Obert genannt haben. Denn seit ich im Gemeinderat bin – das ist seit 15 Jahren – und davor auch schon ist dies Thema bei der FDP gewesen. Wir freuen uns richtig und geben von Herzen ein Kompliment. Die letzten 15 Jahre waren spannend. Die Kombilösung stand klar im Zentrum der Stadtentwicklung. Aber wir haben auch viele andere Dinge gemacht. Jetzt sind wir in einer Phase, wir wissen, dass die Flächen begrenzt sind. Das haben alle hier gesagt. Wir haben diese Nachverdichtung immer kontrovers diskutiert. Es ist ein Entwicklungsplan, der nicht – das muss man sagen, Sie haben das glücklicherweise auch gesagt – einfach ein paar Hochhäuser dort oder dort vorsieht, darüber sprechen wir überhaupt nicht. Die Höhenentwicklung ist – da kann der ehemalige Bundeskanzler meinen, was er will –eine Vision. Man muss nicht zum Arzt gehen mit dieser Vision. Das ist eine Vision für unsere Entwicklung. Der zentrale Platz, das haben wir, wenn wir über die Kombilösung gesprochen haben, immer gesagt, wird in Zukunft auch das Ettlinger Tor sein. Dort haben wir eine neue Entwicklung, die Möglichkeiten für die Kaiserstraße bietet. Ich finde, dass die kommenden fünf Jahre für uns als Stadträte noch spannender werden, als es lange Zeit war. Wir haben gewartet und gewartet, wann kommt endlich die Möglichkeit, diese Stadtentwicklung in der Praxis umzusetzen. Kompliment, wie Sie das gemacht haben, und auch, wenn es hier nicht Thema ist, wie Sie mit dem Landratsamt Diskussionen geführt haben. Wir freuen uns wirklich von Herzen, und werden gerne dieser spannenden Entwicklung weiter folgen. Kompliment an alle, die mitgewirkt haben. Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Meine Fraktion wird heute dieser Vorlage zustimmen. Für uns sind zwei Dinge besonders wichtig. – 6 – Wichtig ist, dass es nicht um ein Hochhauskonzept geht, sondern um ein Höhenentwicklungskonzept. Das war am Anfang, als wir in die Diskussion eingestiegen sind, als sich dann auch das Begleitgremium zusammengefunden hatte aus Mitgliedern des Gemeinderates und Fachleuten, immer noch eine Diskussion, da war man sich nicht sicher, in welche Richtung soll es gehen. Sehr schnell war klar, es geht nicht darum, wie in Frankfurt irgendwelche Hochhauskomplexe zu bauen, eine City nach außen hin zu zeigen, sondern dass es darum geht, was ist für Karlsruhe wichtig, was ist für die bisherige städtebauliche Entwicklung und den Städtebau in Karlsruhe notwendig. Darum können wir den Weg mitgehen, dass es darum geht, moderat Höhen zu entwickeln, sich an den Gebäuden zu orientieren, die heute schon da sind. Der zweite Punkt, der auch sehr wichtig ist: Ich glaube, das ist mittlerweile auch klar, dass man durch Hochhäuser nicht so viel mehr Wohnraum, der gebraucht wird, bekommen wird. Da gibt es viele Dinge, die sich auch für einen Investor gar nicht rechnen. Da hat man eine bestimmte Höhe. Ob dann auch die Menschen wirklich in so ein Hochhaus ziehen wollen, ist noch einmal eine zweite Frage. Von daher ist es absolut gut und richtig, welchen Weg wir jetzt gehen. Natürlich, wir werden die Sache mitbegleiten und weiter verfolgen, und werden auch dem Stadtplanungsamt und dem Herr Baubürgermeister unsere Unterstützung in Zukunft immer zukommen lassen. Stadtrat Wenzel (FW|FÜR): Sehr geehrter Herr Fluhrer, Ihr Vortrag hat sehr viele positive Aspekte, denn unser Höhenentwicklungskonzept legt nicht fest, wo. Es gibt uns einen Leitfaden, wo wir etwas machen können. Es zeigt und schließt aus. Doch in einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen. Wenn der Wanderer das Ende der Gasse erreicht hat, dann hat er nur zwei Möglichkeiten. Entweder, er dreht um oder überwindet das Hindernis. Ich glaube nicht, dass wir das Thema Footprint unserer Stadt bei den Voraussagen – ich hatte schon einmal das Thema Vision gehabt – letztendlich abgeschlossen haben. Ich denke, das wird noch in der Zukunft die eine oder andere Diskussion bringen. Deshalb sehe ich in dem Höhenentwicklungskonzept, so wie Sie es dargestellt haben, Belebung der Stadt, Belebung der Erdgeschosse, die Möglichkeit mit Architektur und mit Mikroklima zu arbeiten. Deshalb von meiner Fraktion die Zustimmung. Aber ob wir endgültig mit dem Thema Wohnungsbau dann am Schluss sind, bezweifle ich. Das wird die Zukunft zeigen. Ich denke, da sollten wir auch in der Diskussion offen sein, nicht dass wir vor einer Sackgasse stehen. Der Vorsitzende: Wir haben keine weiteren Wortmeldungen. Dann kommen wir hier zum Beschluss. – Das ist eine einstimmige Zustimmung. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es beim Thema Höherbauen am Ende ein einstimmiges Votum für die Qualitätskriterien gibt. Das ist auch noch einmal wirklich stark, weil damit auch entsprechenden Anfragen qualifiziert begegnen können. Vielen Dank auch an alle, die daran beteiligt waren. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: – 7 – Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 3. Februar 2020