Präventive Hausbesuche bei 75jährigen
| Vorlage: | 2019/0938 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 25.09.2019 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 22.10.2019
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: keine Abstimmung
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2019/0938 Präventive Hausbesuche bei 75jährigen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 22.10.2019 37 x 1.) Wie bewertet die Stadt Karlsruhe die Bedeutung präventiver Hausbesuche für die präventive Versorgung von Senior*innen angesichts des Pfleger*innenmangels? 2.) Welche Ressourcen würden benötigt werden, a) wenn alle 75jährigen aufgesucht werden? b) wenn nur diejenigen aufgesucht werden, die auf das briefliche Gesprächsangebot reagiert haben (ca. 30 %)? Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass in der Altenpflege mit den geburtenstarken Jahrgängen ein schwerwiegender Engpass auch in Karlsruhe auf uns zukommt. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Die Hauptursache dürfte aber inzwischen der Pflegekräftemangel sein, der schon heute auch in Karlsruhe dazu führt, dass Betten geschlossen werden müssen und Kund*innen keinen Pflegedienst mit freien Plätzen finden. Es ist realistisch gesehen – selbst bei deutlich erhöhten Anstrengungen – nicht davon auszuge- hen, dass diese Lücke geschlossen und eine deutliche Unterversorgung verhindert werden kann. Umso wichtiger ist die Suche nach Alternativen. Dabei ist die Verschiebung der Pflegebedürftig- keit durch Prävention ein nicht zu unterschätzendes Kettenglied. Durch Nutzung von Unterstüt- zungsmöglichkeiten, Vorsorge im Bereich Wohnen, Hauswirtschaft, ambulanter Pflege usw., durch soziale Einbindung und Kenntnisse über Gesundheitsvorsorge kann die Pflegedauer deut- lich verkürzt und hinausgeschoben werden. Allerdings zeigt die Studie der Bertelsmann-Stiftung (1) , dass viele Elemente des deutschen Ge- sundheitssystems nicht genutzt werden, weil sie für größere Bevölkerungsgruppen schwer ver- ständlich sind. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat eine eingeschränkte Gesund- heitskompetenz, 66 % der Menschen in höherem Alter. Dies könnte durch aufsuchende Bera- tung und Erläuterung verändert werden. In mehreren Städten, wie z.B. Köln und Hamburg wird deshalb das Modell der „Präventiven Hausbesuche“ genutzt, um Senior*innen ab 75 oder 80 (oder rund um den 75. oder 85. Ge- burtstag) kostenlos zu beraten und dann passgenaue Hilfe zu vermitteln zu den Themen: - Wohnsituation - Gesunderhaltung - soziale Einbindung - Mobilität - finanzielle Fragen - Fragen zur Pflege - Hilfen im Haushalt Sachverhalt / Begründung: Ergänzende Erläuterungen Seite 2 In Karlsruhe dürften nach unseren Berechnungen im Jahr 2020 ca. 2.200 75jährige Menschen leben. Geht man von einer Quote von 30 % aus (so die Erfahrung in Köln), die auf das Angebot reagieren, würden ca. 700 Hausbesuche pro Jahr stattfinden. Würden alle Menschen, z.B. zum 75. Geburtstag, aufgesucht werden, wäre der Aufwand grö- ßer. Allerdings könnten auch Menschen mit stark eingeschränkter Gesundheitskompetenz er- reicht werden. Die Beratungsgespräche sind ein Angebot und damit freiwillig. Durch die Besuche soll Vertrauen in die Unterstützungsangebote aufgebaut und Senior*innen aktiviert werden, ihre jetzige und zukünftige Situation selbstbestimmt zu planen. Unterzeichnet von: Verena Anlauf Aljoscha Löffler Michael Borner Benjamin Bauer (1) Schaeffer, D./Vogt,D./Berens, E.M./Hurrelmann, K. „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland – Ergebnisbericht, Bielefeld“, Universität Bielefeld, 2016 https://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/downloads/Ergebnisbericht_HLS-GER.pdf
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2019/093837 Dez. 3 Präventive Hausbesuche bei 75-Jährigen Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 22.10.2019 37 1. Wie bewertet die Stadt Karlsruhe die Bedeutung präventiver Hausbesuche für die präventive Versorgung von Senior*innen angesichts des Pfleger*innenmangels? Präventive Hausbesuche werden in verschiedenen Kommunen mit unterschiedlichen Konzeptio- nen umgesetzt. Es können keine validen Aussagen getroffen werden, ob und wie lange ein Pflegebedarf (Behandlungspflege) oder ein Heimaufenthalt durch die Beratung im Rahmen der präventiven Hausbesuche herausgezögert werden und präventive Hausbesuche damit zur Ent- lastung in der Behandlungspflege beitragen können. Geht man davon aus, dass durch präventi- ve Hausbesuche Menschen frühzeitiger an Hilfen herangeführt werden und eine größere Zahl von älteren Menschen Zugänge zum Hilfe- und Unterstützungssystem findet, wird deutlich, dass es zu einer steigenden Nachfrage kommen könnte. Damit wäre die Wirkung von präventiven Hausbesuchen unter dem Aspekt des Fachkräftemangels nicht entlastend. 2. Welche Ressourcen würden benötigt a) wenn alle 75-Jährigen aufgesucht werden? b) wenn nur diejenigen aufgesucht werden, die auf das briefliche Gesprächsangebot reagiert haben (circa 30 Prozent)? Welche personellen Ressourcen für präventive Hausbesuche benötigt werden, ist vom Konzept und der Ausgestaltung abhängig. So variert beispielsweise in den verschiedenen Städten die mögliche Anzahl der Nachbesuche. In einigen Städten finden Hausbesuche in festgelegten Stadtteilen statt, was Fahrwege verkürzen kann. Die Arbeit umfasst je nach Konzeption neben der Beratung mit Terminkoordination, Fahrwegen, Vor- und Nachbereitung der Besuche als weitere Aufgabenbereiche Vernetzungs- und Kooperationstätigkeiten, Informationssammlung, Fortbildungen, gegebenenfalls Team- und Fallbesprechungen, Dokumentation, Versand von Geburtstagsbriefen und allgemeine Bürotätigkeiten, die Erarbeitung und Aktualisierung von Informationsmaterial, Öffentlichkeitsarbeit, Aufgaben zur Qualitätssicherung und Weiterent- wicklung des Angebots. Neben personellen Ressourcen werden dementsprechend Räume und Sachmittel benötigt. Im Rahmen des Evaluationsberichts zu „Gemeindeschwestern Plus“ werden für ein Erstgespräch zwischen 80 und 120 Minuten (im Mittel 100 Minuten) eingeplant. In der Aufbauphase des Projekts konnten lediglich 30 Prozent der Arbeitszeit für die Beratung aufgebracht werden. Für die Schätzung des Personalbedarfs wird hier angenommen, dass nach Etablierung des Angebots etwa 60 Prozent der Arbeitszeit für die direkte Beratung genutzt werden können. Das sind bei einer 100 Prozent-Stelle bei einer Arbeitszeit von 39 Stunden knapp 24 Stunden für die Bera- tung pro Woche. Im Mittel könnten somit pro Vollzeitstelle und Woche rund 14 Erstberatungen mit 100 Minuten Beratungsdauer beziehungsweise 24 kürzere Beratungen (Nachberatungen) Ergänzende Erläuterungen Seite 2 á 60 Minuten Dauer durchgeführt werden. Nimmt man als grobe Taxierung eine produktive Jahresarbeitszeit von 44 Kalenderwochen an, können mit einer 100 Prozent-Stelle im Jahr etwa 616 Erstberatungen oder rund 1.060 Zweitgespräche durchgeführt werden. Bei der angenom- menen Personenzahl von 2300 Peronen im Alter von 75 Jahren würden allein für die Erstbera- tung pro Jahr rund vier Stellen benötigt. Nehmen 30 Prozent der 75-Jährigen (also 690 Perso- nen) die Beratung in Anspruch, würden für die Erstberatung 1,1 Stellen benötigt. In den ver- schiedenen Kommunen wurden präventive Hausbesuche häufig als Projekte erprobt, um Erfah- rungen zu sammeln, Bedarf und Akzeptanz und den daraus resultierenden Ressourcenbedarf abzuschätzen und anzupassen. In anderen Kommunen wird eine Einwilligung der Personen für den präventiven Hausbesuch eingeholt. Dieses kann entweder – wie zum Beispiel in Köln – durch eine positive Rückmeldung und Terminvereinbarung erfolgen oder auch – wie zum Beispiel in Ulm – durch eine nicht er- folgte Absage. Damit kann der Aufwand von „Fehlbesuchen“, in denen keine Beratung erfol- gen kann, minimiert werden. Für ein Klingeln an der Haustür bei allen 75-Jährigen ohne Einwil- ligung oder Möglichkeit zur Absage fehlt nach fachlicher Einschätzung die gesetzliche Rechts- grundlage als allgemeine Grundlage des Verwaltungshandelns.
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Niederschrift 3. Plenarsitzung des Gemeinderates 22. Oktober 2019, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 41. Punkt 37 der Tagesordnung: Präventive Hausbesuche bei 75jährigen Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2019/0938 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 37 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stel- lungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 19. November 2019