Gymnasiale Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule
| Vorlage: | 2019/0874 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 19.11.2019 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Schul- und Sportamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Grötzingen, Mühlburg, Oberreut, Waldstadt, Weststadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 19.11.2019
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2019/0874 Dez. 3 Gymnasiale Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule: Standort Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Schulbeirat 15.11.2019 2 X vorberaten Gemeinderat 19.11.2019 9 X Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Schulbeirat, die Einrichtung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an der Drais-GMS zum Schuljahr 2021/22 vorzubereiten und beauftragt die Verwaltung, die dafür erforderliche regionale Schulentwicklung durchzuführen. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Fol- geerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant x Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe hat in seiner Sitzung am 17. Juli 2018, nach Vorberatung im Schulbeirat am 20. Juni 2018, die Einrichtung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an einer der vier Gemeinschaftsschulen (Anne-Frank-, Augustenburg-, Drais-, Ernst-Reuter-GMS) beschlossen. Standortabhängig war als frühester Starttermin das Schuljahr 2020/21 genannt. Die Standort- frage war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt. Zur Diskussion standen die Anne-Frank-GMS und die Ernst-Reuter-GMS. Die Augustenburg-GMS kam nicht in Betracht, da keine Erweite- rungsmöglichkeiten bestanden. Die Drais-GMS wurde ebenfalls nicht in Betracht gezogen, da der Ausbau zur Vierzügigkeit begonnen hatte und es nicht möglich war, zusätzlich eine gymna- siale Oberstufe einzuplanen und zu realisieren. Spätestens zum SJ 2021/22 wird die Vierzügig- keit hergestellt sein. Die Ausgangslage hat sich zwischenzeitlich teilweise wie folgt geändert: 1. Die Anne-Frank- und die Ernst-Reuter-GMS kommen grundsätzlich weiterhin in Betracht. Die Untersuchungen durch HGW und GBA ergaben, dass das Grundstück der Anne-Frank-Schule im Gegensatz zum Areal der Ernst-Reuter-Schule weniger durch erhaltenswerten Baumbe- stand geprägt, das Planungsgrundstück ebenerdig ist und keine Niveausprünge aufweist. Außerdem kann die Anne-Frank-Schule das erforderliche Bauvolumen besser aufnehmen. 2. Die Augustenburg-GMS kommt weiterhin nicht in Betracht, da keine Erweiterungsflächen zur Verfügung stehen. 3. Aufgrund der Anmeldezahlen zum SJ 2019/20 und der Schülerzahlen der aktuellen Klassen- stufen 5-8 wird die Drais-GMS aktuell dreizügig geführt. Nach Beendung der Baumaßnah- men und Fertigstellung der Vierzügigkeit könnte in den dann vorhandenen Raumkapazitäten eine dreizügige gymnasiale Oberstufe zusätzlich zur dreizügigen Sekundarstufe I ohne zu- sätzliche Erweiterungsmaßnahmen untergebracht werden. Dies funktioniert, weil die Sekun- darstufe I dauerhaft dreizügig geführt wird. Die Entwicklung der Schülerzahlen an den Gemeinschaftsschulen ist nicht zufriedenstellend. Eine Ursache wird darin gesehen, dass es noch keine Standortentscheidung und keinen Zeitho- rizont für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe gibt. Um für die Eltern und die Schulen eine Planungssicherheit in einem überschaubaren Zeitrahmen zu bekommen, empfiehlt die Verwaltung, den Einrichtungsantrag für die gymnasiale Oberstufe für die Drais-GMS zum Schuljahr 2021/22 zu stellen. Dies ist der Standort, der am schnellsten verwirklicht werden kann und an dem keine zusätzlichen Erweiterungsmaßnahmen erforderlich sind. Eine Voraussetzung für die Antragstellung einer gymnasialen Oberstufe an einer Gemein- schaftsschule ist, dass sich die Schülerprognose für die Klassenstufe 11 auf mindestens 60 Schü- lerinnen und Schüler beläuft. Auf Grundlage der aktuellen Schülerzahlen wird dieser Prognose- wert erreicht. Grundlage für die Antragstellung zum Schuljahr 2021/22 sind die Lernentwick- lungsberichte der Schülerinnen und Schüler in Jahrgangsstufe 9 aus dem ersten Halbjahr 2019/20. Allein für eine dreizügige gymnasiale Oberstufe betragen die Baukosten jeweils zwischen 7 und 8 Millionen Euro für die Anne-Frank-GMS und die Ernst-Reuter-GMS. Dabei sind sie bei der Ernst-Reuter GMS aufgrund des beengten Planungsgrundstücks und der Topografie etwas hö- her anzusetzen. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 An beiden Standorten - Anne-Frank-GMS und Ernst-Reuter-GMS - könnten die Baumaßnahmen voraussichtlich im Frühjahr 2026 beendet sein. Voraussetzung wäre, dass diese Maßnahme in den DHH 2023/24 eingestellt wird. Dies erscheint aus heutiger Sicht unrealistisch. Der Schulbe- trieb könnte somit frühestens zum Schuljahr 2026/27 an einer der beiden GMS beginnen. Sollte die Maßnahme erst im DHH 2025/26 aufgenommen werden, was aus heutiger Sicht realistisch ist, kann der Schulbetrieb voraussichtlich erst zum Schuljahr 2028/29 starten. Vergleich Baukosten und Zeithorizonte für die möglichen Standorte Anne-Frank-GMS Ernst-Reuter-GMS Drais-GMS Kosten (Bau) 7 bis 8 Millionen Euro 7 bis 8 Millionen Euro 0 Euro Zeithorizont Schuljahr 2026/27 (Schuljahr 2028/29) Schuljahr 2026/27 (Schuljahr 2028/29) Schuljahr 2021/22 Dass eine gymnasiale Oberstufe möglichst bald eingerichtet werden sollte, um für alle Beteilig- ten Planungssicherheit zu bekommen, war auch ein Ergebnis des Elternforums „Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule“, das am 5. März 2018 stattfand. Eine abschließende Beratung über die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an einer GMS erfolgt im Schulbeirat am 04.03.2020. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Schulbeirat, die Einrichtung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an der Drais-GMS zum Schuljahr 2021/22 vorzubereiten und beauftragt die Verwaltung, die dafür erforderliche regionale Schulentwicklung durchzuführen.
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Niederschrift 4. Plenarsitzung des Gemeinderates 19. November 2019, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 10. Punkt 9 der Tagesordnung: Gymnasiale Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule Vorlage: 2019/0874 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Schulbeirat, die Einrichtung einer drei- zügigen gymnasialen Oberstufe an der Drais-GMS zum Schuljahr 2021/22 vorzubereiten und beauftragt die Verwaltung, die dafür erforderliche regionale Schulentwicklung durch- zuführen. Abstimmungsergebnis: Bei 40 Ja-Stimmen und 3 Nein-Stimmen mehrheitlich zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 9 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Schulbeirat. Bürgermeister Lenz: Es gab heute einige Änderungsanträge, der Schulbeirat war am Frei- tag. Eigentlich müssten Sie Ihre Vorlage wie folgt überschrieben sehen: Gymnasiale Ober- stufe an einer Gemeinschaftsschule. Das haben wir alles schon 14 Tage oder noch länger auf dem Schreibtisch liegen. Aber seit Freitagnachmittag Änderung durch den Schulbeirat: Ich weiß nicht, haben Sie das Deckblatt so? Wir haben es nicht. Aber an der Stelle wird es gleich noch deutlicher, wenn ich es etwas sportlicher ausdrücken darf. Wir haben uns 2017 darauf verständigt, dass wir in einer Art Dreisprung uns dem Thema gymnasiale Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule nicht nur nähern, sondern, erster Sprung, den Bedarf prüfen. Das war das klassische Instrument des Elternforums. Es geht nicht nur um die Eltern, es waren dort auch Schülerinnen und Schüler, wer sich erinnert und dabei war. Die Schülerin- nen und Schüler und die Eltern sehen einen Bedarf, dass die zweitgrößte Stadt in Baden- Württemberg das Schulgesetz an der Stelle umsetzt und eine gymnasiale Oberstufte ein- führt. Das war ein klares Ja. – 2 – Dann kam der zweite Sprung, nämlich die Idee unseres Schul- und Sportamtes, zu sagen, dann lasst uns doch einen Grundsatzbeschluss herbeiführen. Den haben wir dann herbei- geführt. Nun war die Prüfzeit aufgerufen, nämlich an welchen Standorten geht es denn überhaupt. Wir gingen ursprünglich von Vierzügigkeit aus. Das haben wir dann relativiert auf Dreizügigkeit. Sie entnehmen der Vorlage, so wurde aus einer 7-Millionen-Investition eine Null-Investition. Ich reduziere es auf das Wirtschaftliche, aufs Finanzielle. Das heißt, die Draisgemeinschaftsschule wäre bereit. Das ist das zweite Argument, warum der Schulbeirat bis auf eine Gegenstimme der Vorlage gefolgt ist am Freitag. Es wäre natürlich relativ schnell machbar, um Jahre vorzuziehen gegenüber den beiden anderen Alternativen. Der dritte Sprung kommt dann erst im März oder April, nämlich dass wir dann die Antrags- reife zusammen mit dem Staatlichen Schulamt mit Ihnen als Schulbeirat herstellen. Dann sehen wir uns im Gemeinderat wieder. Denn dann wissen wir, wie viele Schülerinnen und Schüler kommen infrage, gibt es der Bedarf tatsächlich her. Falls nicht, beschließen wir es trotzdem? Wie auch immer. Das ist alles heute nicht die Frage. Der Beschluss dazu ist im März 2018 schon gefallen. Heute machen wir den Standort. In diesem Sinne herzlichen Dank. Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Wir freuen uns, Herr Bürgermeister Lenz, dass wir den zweiten Sprung vom Dreisprung heute beschließen können. Aber natürlich sage ich als GRÜNE gleich, dass zu einem Dreisprung in der Regel auch der dritte Sprung gehört, weil man sonst disqualifiziert wird. Das müssen insbesondere die Sportmenschen unter uns wis- sen. Insofern sagen wir GRÜNE, der zweite Sprung, nämlich jetzt den Standort zu beschlie- ßen, ist richtig und gut. Das ist auch wichtig, dass wir das heute beschließen. Denn der Grundsatzbeschluss wurde schon von vor eineinhalb Jahren gefällt. Mittlerweile hatten wir Machbarkeitsstudien über zwei Jahre hinweg. Es ist jetzt auch überfällig, dass die vier be- troffenen Schulen endlich erfahren, an welchem Standort die Oberstufe angegliedert wird. Ich sage auch gleich, obwohl es heute prinzipiell um den Standort geht, dass wir GRÜNE natürlich davon ausgehen, dass auch der dritte Sprung, der dann im Frühjahr 2020 erfol- gen soll, möglich sein wird, dass die Voraussetzungen dann immer noch bestehen. Es ist auch insoweit vorhersehbar, denn wir haben nicht nur die vier Gemeinschaftsschulen in Karlsruhe, sondern wir haben auch im Umland drei Gemeinschaftsschulen, die in der regionalen Schulentwicklung mitberücksichtigt werden, sowie Quoten an anderen Schular- ten. Von daher wäre es völlig absurd, wenn eine Großstadt wie Karlsruhe, die zweitgrößte in Baden-Württemberg, nicht die Voraussetzungen erbringen würde, an einer unserer vier Gemeinschaftsschulen eine Oberstufe anzugliedern. Es ist nun die Draisschule geworden, nachdem wir jahrelang davon ausgegangen waren, dass nur an zwei Standorten überhaupt die Möglichkeit besteht, die Oberstufe einzurich- ten. Natürlich wird es auch Enttäuschung verursachen. Allerdings muss ich jetzt wirklich die vier Schulleitungen und die Elternbeiräte loben. Sie haben niemals in dieser langen Vorlauf- zeit irgendwie eine Konkurrenzsituation verursacht. Sie haben immer gesagt, für uns ist entscheidend, dass wir eine Oberstufe bekommen. Selbstverständlich ist es dann auch eine Oberstufe für alle vier Gemeinschaftsschulen. Denn die Schülerinnen und Schüler werden dann von dieser Schulart in die Oberstufe gehen und damit diesen Bildungsgang, wie er im Schulgesetz ermöglicht wird, bis zum Abitur fortsetzen können. – 3 – Wir begrüßen den Vorschlag der Draisschule. Das bringt auch viele Vorteile. Der Standort ist ganz gut, auch, dass das Schulgebäude schon fertig ist und die Schülerinnen und Schü- ler in ein neues Gebäude einziehen können. Von daher stimmen wir wirklich mit Begeiste- rung heute diesem Vorschlag zu und bedanken uns. Stadtrat Hofmann (CDU): Liebe Kollegin Rastätter, den zweiten Sprung gehen wir natür- lich mit, weil wir sportlich genug sind, dies zu tun. Ich danke Ihnen, Herr Bürgermeister Lenz, dass Sie das gesagt haben. Es geht hier um den Standort. Der Standort ist eindeutig. Die Draisschule bietet diese Möglichkeiten und zwar jetzt sofort. Ohne auch die finanziel- len Dinge in den Vordergrund zu stellen, ist es die richtige Entscheidung. So leid es mir wirklich für die anderen beiden Schulen tut, die wirklich ein hervorragendes Profil haben, die sich sehr angestrengt haben die ganze Zeit. Ich beziehe auch die Schule in Grötzingen mit ein, die wirklich mit großem Engagement arbeitet. Von daher hätte es sicher jeder ver- dient. Aber wir denken, dass es jetzt die richtige Entscheidung ist. Leider sieht man – es steht auch in der Vorlage -, dass die Schülerzahlen nicht die prognos- tizierte Entwicklung machen. Deswegen sehen wir die grundsätzliche Einführung einer Oberstufe immer noch kritisch und müssen dann sehen, ob wir den dritten Sprung mitma- chen, wenn die Zahlen es dann auch entsprechend hergeben. Ich weiß nicht, liebe Kolle- gin, ob wirklich die Schüler mit Gymnasialempfehlung aus Grötzingen dann auch auf die Draisschule gehen werden. Wenn dem so ist, werden wir das auch alle zusammen hinbe- kommen. Dann wird es auch funktionieren. Aber da stimmen nun einmal immer die Eltern darüber ab. Das müssen wir dann sehen. Wir haben immer gesagt, der Elternwille zählt für uns. Deswegen: Dem Standort heute für die Draisschule stimmen wir auch zu. Stadträtin Uysal (SPD): Im Sommer 2018 hat der Gemeinderat mehrheitlich die Einrich- tung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an einer der vier Gemeinschaftsschulen be- schlossen. Heute geht es nun tatsächlich um die Standortfrage. Die Machbarkeitsstudie hat uns drei Optionen vorgelegt. Die SPD-Fraktion begrüßt den Standort der Draisgemein- schaftsschule, zum einen wegen der schnellen Umsetzung, um für Schülerinnen und Schü- ler, aber auch Eltern und den Schulen gewissen Planungssicherheit zu geben, und zum an- deren natürlich auch wegen des Kostenfaktors. Wir freuen uns sehr, dass Karlsruher Schülerinnen und Schüler ab dem Schuljahr 2021 im Anschluss an die Klassenstufe 10 der Gemeinschaftsschule die allgemeine Hochschulreife an einer Gemeinschaftsschule erlangen können. Lieber Herr Kollege Hofmann, wir sind nicht so pessimistisch. Wir bleiben optimistisch. Wir glauben auch fest daran, dass wir die- sen dritten Sprung schaffen werden. Denn ich glaube, Karlsruhe ist sportlich und bleibt auch in dieser Hinsicht sportlich. Stadtrat Jooß (FDP): Wir sehen die Einrichtung einer gemeinschaftsschulischen Oberstufe äußerst kritisch. Dadurch wird der Akademierungswahn weiter vorangetrieben. Jetzt schon bekommen wir es zu spüren. Es fehlen Handwerker an allen Ecken und Enden. Genauso sieht es im Pflegebereich aus. Im Handwerk gibt es hervorragende Weiterbildungsmöglich- keiten: Gesellen- und Meisterbrief, Betriebswirt des Handwerks und sichere Arbeitsplätze. Wenn aber die Eltern meinen, das Abi ist der Königsweg für ihre Kinder, wollen wir nicht im Weg stehen. Wenn die nötigen Anmeldezahlen zusammenkommen sollten, ist die Draisschule die einzige Alternative. – 4 – Stadtrat Cramer (KAL/Die PARTEI): Meine Fraktion wird heute der Verwaltungsvorlage zustimmen, Standort Draisschule. Ich möchte aber trotzdem noch einmal daran erinnern, dass es bis vor kurzem um andere Standorte ging. Meine Fraktion hat immer die Anne- Frank-Schule favorisiert. Natürlich ist klar, dass es Stand heute keinen Sinn macht, wegen der Kosten, weil dort auch erst noch umgebaut wird. Aber diesen Umbau/Neubau möchte ich noch einmal zum Anlass nehmen – da möchte ich Sie bitten, Herr Oberbürgermeister, dass Sie das mitnehmen, dass das nicht nur von mir hier gesagt wird und dann wird es ver- gessen -, wenn wir jetzt die Planung machen, dass wir es ermöglichen, dass wir die Anne- Frank-Schule die Planung mit einbeziehen. Wie auch immer es dann im Detail aussieht, dass eine mögliche weitere gymnasiale Oberstufe in Oberreut mitgemacht werden kann. Das wäre uns sehr wichtig. Denn wenn wir jetzt neu in die Planung gehen, ist es einfacher, das so mitzuplanen, als wenn man dann vielleicht in wenigen Jahren wieder neu dazu pla- nen muss. Stadtrat Schnell (AfD): Eine Voraussetzung für die Genehmigung der Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe durch das Kultusministerium ist eine Schülerzahl von mindestens 60. Der Antragstellung liegt die Hoffnung zugrunde, diese 60 aus allen vier Gemeinschafts- schulen Karlsruhes, die in Oberreut, Mühlburg, der Waldstadt und ganz im Osten in Gröt- zingen gelegen sind, mühsam zusammenzubekommen. Das ist unrealistisch. Zum einen bietet ein derart kleiner Oberstufenjahrgang nur unzureichende Möglichkeiten für ein breites Portfolio an Leistungsfächern. Eine Kooperation mit einem anderen klassi- schen Gymnasium wäre somit unabdingbar, verbunden mit dem Nachteil wechselnder Un- terrichtsorte. Zum anderen bedeutet er für die Schüler von drei der vier Gemeinschafts- schulen einen Schulwechsel. Da können die Schüler auch gleich auf ein anderes, näher ge- legenes Gymnasium wechseln, zumal das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule in der Oberstufe ohnehin nicht stringent fortgeführt werden kann. Dass ein Großteil der Schüler somit ausgerechnet zur Draisschule für das Abitur wechselt und womöglich noch ein paar aus dem Landkreis Karlsruhe hinzukämen, ist daher reines Wunschdenken. Der Beschlussvorlage können Sie entnehmen, ich zitiere: Die Entwicklung der Schülerzahlen an den Gemeinschaftsschulen ist nicht zufriedenstellend. Gerade in der Draisschule, vierzügig erträumt, sind die Zahlen mittlerweile so weit im Keller, dass für die Schulanfänge zwei Züge ausreichen würden. Kein Wunder also, dass an diesem Standort Platz genug für eine Oberstufe wäre. Und das bei einer Schule am Rande der Weststadt, wo bekanntlich die GRÜNEN mit 38 % der Stimmen stärkste Partei wurden. Aber gerade diese Eltern haben ganz einfach mit den Füßen abgestimmt und wollen diese Schulform nicht. Sie haben ge- nug von Bildungsexperimenten, wie Schreiben nach Gehör, Rechnen nach Gefühl, Ideolo- gie statt Bildung oder Haltung statt Wissen für ihre Kinder. Folgen wir also der Weisheit der Dakota-Indianer, die da lautet: Wenn du merkst, du reitest ein totes Pferd, steig ab und beerdige die Gemeinschaftsschule. Je früher, desto besser. Unser bestehendes Schulsystem ist höchstdurchlässig. Gerade auch für Schüler, die nicht von Beginn an ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können. Deshalb werden wir diesem Antrag nicht zustimmen. Stadtrat Wenzel (FW|FÜR): Der Standort, über den wir heute entscheiden, ist die Drais- schule. Warum wir dem zustimmen, ist ganz einfach. Sie ist schnell zu realisieren. Die Um- setzung ist günstig, Herr Bürgermeister Lenz hat es dargestellt. Und es ist nachvollziehbar. – 5 – Ob die nötigen Schülerzahlen erreicht werden, wissen wir noch nicht. Ob die Liebe zur Gemeinschaftsschule nicht schneller erkaltet, wie es derzeit ist, wissen wir auch nicht. Des- halb Zustimmung zum Standort. Was danach kommt, werden wir sehen. Stadträtin Binder (DIE LINKE.): Ich möchte noch einmal eine Lanze brechen für die Ge- meinschaftsschule. Es bedeutet längeres gemeinsames Lernen. Es ist auf jeden Fall richtig, so wie das lebenslange Lernen für uns auch alle klar ist. Herr Jooß, genau darin eine Chan- ce, gerade für das Handwerk, gerade für Berufe, die ansonsten von Kindern gar nicht wahrgenommen werden. Wenn ich länger gemeinsam, querbeet durch alle Niveaus miteinander lerne, kann auch ein Schüler, der vielleicht von seinen Eltern aufs Gymnasium gesteckt worden wäre, die Chance ergreifen, in der 8., 9. oder 10. Klasse zu erkennen, das ist nicht meines. Eigentlich möchte ich gerne etwas mit den Händen machen. Dafür ist eine Gemeinschaftsschule ideal. Sie können in einer Gemeinschaftsschule Kinder viel eher nach ihren Möglichkeiten sich entwickeln lassen. Sie haben dort eine ganz andere Möglichkeit, selber zu erkennen, was sie später machen wollen, und müssen nicht mit 8, 9 Jahren mehr oder weniger schon vorgefertigt einen künftigen Berufsweg einschlagen, weil die Eltern der Meinung waren, das muss sein. Deshalb plädiere ich wirklich für diese Gemeinschaftsschulen. Weil hier Kinder eine Chance bekommen, die vielleicht sonst nie eine bekommen hätten. Wir haben tatsächlich Brenn- punktstadtteile mit einem hohen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund, mit einem Anteil an sogenannten Russlanddeutschen. Kinder aus solchen Familien, Kinder aus prekä- ren Einkommensverhältnissen, Kinder, deren Eltern als bildungsfern bezeichnet werden, haben über eine Gemeinschaftsschule eine andere Chance, sich entwickeln zu können. Sogenannte Spätzünder, die mit der Pubertät ihre Probleme haben, finden dann plötzlich in der 8. oder 9. Klasse ihren Zugang zum Lernen. Wenn man die vorher aussortiert hätte, dann hätten die keine Chance mehr. Ich plädiere wirklich dafür, diese Gemeinschaftsschulen zu befördern. Deshalb sind wir auf jeden Fall dabei, jetzt diese gymnasiale Oberstufe an der Draisschule zu platzieren. Ich dan- ke aber Lüppo Cramer für seinen Beitrag, weil ich wirklich glaube, wir sollten als große Stadt dafür sorgen, dass nicht nur an einer Schule diese gymnasiale Oberstufe möglich ist. Gerade vor dem Hintergrund, was ich beschrieben habe, halte ich es für wichtig, bei der Neuplanung, bei der Sanierung der Anne-Frank-Schule in Oberreut diese mitzudenken. Dass wir in 10 Jahren dann den Antrag haben auf eine zweite gymnasiale Oberstufe in Karlsruhe, halte ich für wünschenswert. Ich würde mich über Unterstützung freuen. Der Vorsitzende: Ich möchte drei Dinge noch ergänzen. Dass wir eine gymnasiale Ober- stufe an einer Gemeinschaftsschule einrichten, hat vor allem auch etwas mit dem Wunsch der Eltern zu tun. Das ist von vielen Seiten an uns herangetragen worden. Ich möchte da- rauf verweisen, dass der kleine Ort Wutöschingen im Schwarzwald auch über eine gymna- siale Oberstufe seiner Gemeinschaftsschule verfügt, weil einfach die Gemeinschaftsschule dort ein solches Erfolgsmodell ist, dass es auch dort möglich ist, eine Gemeinschaftsschule in der Oberstufe einzurichten. Das liegt einwohnermäßig weit hinter Karlsruhe. Auf Ihren Einwand, Herr Stadtrat Jooß, möchte ich ähnlich argumentieren, wie Frau Binder. Ich glaube, das Problem ist nicht der Akademisierungswahn, sondern dass in Deutschland, anders als in anderen Ländern – das hat viel mit der Aufteilung nach der 4. Klasse zu tun – eigentlich der kulturelle Weg nur über das Abitur hinaus zum Studium gesellschaftlich an- – 6 – erkannt ist. Das ist in skandinavischen Ländern anders. Spannend ist, ich weiß das noch aus meinen alten Zeiten, als es noch integrierte Gesamtschulen gab, Sie haben an den inte- grierten Gesamtschulen deutlich mehr Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulempfeh- lung, die später das Abitur machen. Sie haben aber auch sehr viele Abiturienten, die an- schließend wieder ins Handwerk oder in andere Berufe gehen, weil einfach die Selbstver- ständlichkeit zwischen allen Gruppen, gemeinsam zu lernen und sich alle Wege offen zu halten, anders ist, als beim traditionellen Gymnasium, wo im Grunde für viele Eltern mit dem Erreichen des Zieles, dass ihr Kind auf ein Gymnasium kommt, auch der Automatis- mus Studium verbunden ist. An der Stelle müssen wir etwas tun. Denn sonst kommt es genau dazu, was Sie beschrieben haben. Ich fände es aber auch schwierig zu vermitteln, dass man deswegen versucht, den Kindern den Weg zum Abitur zu erschweren, damit sie lieber ins Handwerk gehen. Wir müssen es eher andersherum aufziehen. Wir müssen sa- gen, gerade weil du Abitur gemacht hast, hat das Handwerk für dich noch ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten, mit dem Meister im Handwerk und was es alles gibt. Drittens, ich muss mich ein Stück weit verwahren, Herr Stadtrat Schnell, gegen den Begriff Idiotie als Gegenüberstellung von Bildungsinhalt, weil Sie damit indirekt zum Ausdruck bringen, dass die engagierten Pädagoginnen und Pädagogen an der Gemeinschaftsschule entweder das Ziel haben oder vielleicht auch unbeabsichtigt ein Ergebnis produzieren, das sie mit Idiotie hier bezeichnen. Das kann so nicht stehen bleiben. Stadtrat Schnell (AfD): Da haben Sie es falsch verstanden oder ich habe es nicht deutlich gesagt. Das Wort war Ideologie, nicht Idiotie. Sollte das falsch herüber gekommen sein, bitte ich um Entschuldigung. Der Vorsitzende: Dann habe ich es falsch verstanden. Dann bin ich ganz beruhigt. Zum Thema Anne-Frank-Schule. Ich halte es für schwierig, in einer umfassenden Sanie- rungsplanung jetzt schon eine Oberstufe miteinzubeziehen in eine Planung, von der wir heute noch nicht wissen, ob sie kommt. Nach allem, was wir wissen, kommt es eher nicht. Wir werden eher froh sein, dass wir die Oberstufe an der Draisgeemeinschaftsschule or- dentlich ausstatten und entwickeln. Ich würde Ihnen vorschlagen, dass wir als Anforderung in die Planungen aufnehmen, dass man die Option einer Erweiterung miteinbezieht, ohne die detaillierten Planungen zu vollziehen. Mit Option meine ich, dass man Flächen frei hält oder wie auch immer, aber noch nicht in eine Planung dieser Flächen einsteigt. Ich glaube, wenn wir uns so verständigen können, haben wir das so aufgenommen. Wir kommen damit zum Beschluss. – Das ist eine deutliche Mehrheit. Ich darf mich noch einmal der Ausführung anschließen und mich bei allen vier Schulen bedanken. Dass die vier Schulen das so sportlich miteinander entschieden haben, zeugt schon darauf, dass der Name Gemeinschaft nicht nur im Namen der Schule steckt, sondern dort auch so unter- einander gelebt wird. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 20. Dezember 2019