Konzepterstellung Terra Preta

Vorlage: 2019/0809
Art: Antrag
Datum: 28.08.2019
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Ortsverwaltung Grötzingen
Erwähnte Stadtteile: Grötzingen

Beratungen

  • Ortschaftsrat Grötzingen (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 25.09.2019

    TOP: 3

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • TOP 3 Vorlage 14 Antrag OSR Terra Preta
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister Interfraktioneller Antrag der FDP-, GLG-, MfG-, SPD-Ortschaftsratsfraktion Grötzingen vom: 03.04.2019 Vorlage Nr.: 14 Konzepterstellung zur Schließung von Kreisläufen durch Energie- und Stoffstrommanage- ment bei Nutzung der Terra-Preta-Technologie in Grötzingen im Hinblick auf Ressourcenef- fizienz und Klimaschutz Gremium Termin TOP ö nö Ortschaftsrat Grötzingen 10.07.2019 3 x Der Ortschafsrat Grötzingen wurde in der Kick-Off-Veranstaltung zum Thema Klimaschutz auf die Herstellung und den Einsatz der fruchtbaren, tiefschwarzen „Schwarzen Erde“ bzw. Terra Preta aufmerksam. Bereits ein Vortrag hierzu und Herstellung der Biokohle in Grötzingen von Dr. Armin Siepe, Büro SchwarzErde, Karlsruhe sorgten für Aufmerksamkeit bei Hobby-Gärtnern. Als Forscher im Amazonasgebiet die „Terra Preta“ in den 1960er Jahren entdeckten, standen sie vor einem Rätsel. Denn eigentlich gilt der Regenwaldboden als karg und nährstoffarm. Und tatsächlich ist Terra Preta kein natürliches Phänomen, sondern entstand durch jahrhundertelan- ge Bewirtschaftung. Die Indios reicherten den Boden mit einem kompostierten oder fermentier- ten Gemisch an, das aus Pflanzenresten, Dung sowie menschlichen Fäkalien bestand und Kohle aus den Herdstellen enthielt. (Quelle NABU) Inzwischen gibt es mehrere Forschungsprojekte u.a. an der Fachhochschule in Bingen oder das 2010 gestartete TerraBoGa- Projekt der AG Geoökologie der Freien Universität Berlin gemein- sam mit dem Berliner Botanischen Garten. Hier wurde die modellhafte und praxisnahe Umset- zung einer nahezu vollständigen Kreislaufwirtschaft erforscht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Stoffkreisläufe fast völlig geschlossen werden konnten und sogar eine negative CO²-Bilanz er- zielt wurde: https://refubium.fu- berlin.de/bitstream/handle/fub188/15068/Endbericht_TerraBoGa_Endversion- 1.pdf?sequence=1&isAllowed=y Der Einsatz von Pflanzenkohle im landwirtschaftlichen Bereich zur Bodenverbesserung und Kli- magas-Entlastung ist vom Mercator-Institut mit Beteiligung der Bundesrepublik unter Anderem als „Negativ-Emissions-Technologie NET“ entsprechend dem jüngsten IPCC-Bericht aufgeführt. Pflanzen binden Kohlenstoff aus der Atmosphäre; Pflanzenkohle speichert ihn dauerhaft über Jahrhunderte bis Jahrtausende im Boden. Diese Kombination von Klimaschutz, Bodenverbesse- rung und Ernährungs-Souveränität wird auch als „Klima-Farming“ bezeichnet. - https://www.mcc-berlin.net/en/research/negativeemissions.html - https://www.ithaka-institut.org/de/ct/53 Weiterhin beteiligt sich die Bundesrepublik seit der COP 21 Paris 2015 an der internationalen „4-Promille-Initiative“ unter Leitung der Republik Frankreich. Hier wird angestrebt, den Boden- Humus-und Kohlenstoffgehalt auf Nutzflächen um ca. 4 Promille jährlich weltweit anzuheben, und so die anthropogenen CO²-Emissionen zu kompensieren. Ein Umsetzen des Projekts selbst auf Teilflächen kann zur regional-lokalen Treibhausgas-THG-Minderung bis hin zur völligen Kompensation führen; Ziel: Klima-neutrale Kommune. - https://www.4p1000.org/ Der Antrag entspricht diesen internationalen, nationalen und Landes-Zielen. Eigene Herstellung und praktische Anwendung von Bio- oder Pflanzenkohle zur Bodenverbesse- rung in Landwirtschaft, im kommunalen und privaten Bereich (Gärten, Vereine, Urban Garde- ning, Solidarische Landwirtschaft etc.) gibt es im großtechnischen Umfang in Baden- Württemberg:  auf Landkreis-Ebene: Abfallwirtschaft Neckar-Odenwald AWN - https://www.awn-online.de/aktuelles/867-anwendertag-pflanzenkohle-und-substrate-im- biomassezentrum-auf-sansenhecken  auf kommunaler Ebene: Abfallwirtschaft Freiburg - https://www.abfallwirtschaft-freiburg.de/de/news/eroeffnung_gruenschnitt_2017.php Die Projekte werden vom Umweltministerium Baden-Württemberg unterstützt. In einer Pi- lotphase entsprechend diesem Antrag sind weitaus geringere Investitions-Kosten als in den ge- nannten Projekten möglich. Erfahrungen aus weiteren Projekten können bei Bedarf mitgeteilt werden und werden in das beantragte Projekt integriert. Der Ortschaftsrat Grötzingen möchte gerne die Ergebnisse des besonders ganzheitlichen For- schungsprojekts TerraBoGa umsetzen und beantragt hierzu: 1. Konzepterstellung zur Schließung von Kreisläufen durch Energie- und Stoffstromman- agement bei Nutzung der Terra-Preta-Technologie in Grötzingen im Hinblick auf Res- sourceneffizienz und Klimaschutz 2. die Anschaffung der notwendigen Anlagen und Sachmittel hierfür 3. Die pilothafte Erprobung der Vorschläge aus dem Konzept (Hinweise: Das Projekt ist modular und von unten „bottom up“ aufbauend in drei Phasen vor- gesehen.  Phase 1: Zunächst soll In Abstimmung mit den zuständigen Stellen in Stadt und Ortsteil das Konzept erarbeitet und verabschiedet werden.  Phase 2: Das Konzept soll schrittweise durch Anschaffen der nötigen Anlagen und Bereit- stellen der benötigten Flächen und Kooperation mit Unterstützern vor Ort und in Verwal- tung zur Umsetzung vorbereitet werden.  Phase 3: Anschließend soll mit der Umsetzung als Pilotphase begonnen werden. Ein schritt- weise aufbauendes Vorgehen „bottom up“ integriert Lernerfahrungen und vermeidet rele- vante Fehlentwicklungen. Nach Projektstand und Bedarf können sich weitere Partner über den OT Grötzingen hinaus be- teiligen. Der flexible, modulare und kontinuierlich aufbauende Ablauf des Projekts ermöglicht in jeder Phase Kontroll-Schritte und Entscheidungen zum Umsteuern. Finanzmittel werden jeweils nur im Umfang der aktuell beschlossenen Projektphasen abgerufen.)

  • TOP 3 StN Antrag OSR Terra Preta
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag der FDP-, GLG-, MfG-, SPD-Ortschaftsratsfraktion Grötzingen Vorlage Nr.: Verantwortlich: 15 Dez. 5 Konzepterstellung zur Schließung von Kreisläufen durch Energie- und Stoffstrommanage- ment bei Nutzung der Terra-Preta-Technologie in Grötzingen im Hinblick auf Ressourcenef- fizienz und Klimaschutz Gremium Termin TOP ö nö Ortschaftsrat Grötzingen 25.09.2019 3 x Kurzfassung Die Terra Preta oder Schwarzerde Technologie kann zu einem wirksamen Klimaschutz vor Ort beitragen und damit die Klimaschutzziele der Stadt Karlsruhe unterstützen. Die CO 2 - Minderungspotentiale sind zu prüfen und zu quantifizieren. Deshalb soll eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden, die Informations- und Ent- scheidungsgrundlagen über die Einführung von Terra Preta im Stadtteil Grötzingen als Pilotprojekt liefern soll. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) nein x ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Max. 8.000 Haushaltsmittel stehen (bitte auswählen) Kontierungsobjekt: (bitte auswählen) Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant nein x ja Handlungsfeld: Umwelt, Klimaschutz und Stadtgrün Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein x ja abgestimmt mit KEK Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Terra Preta als Klimaschutzprojekt im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Karlsruhe Derzeit wird das Karlsruher Klimaschutzkonzept fortgeschrieben, um einen Fahrplan mit konkret umsetzbaren Maßnahmen mit Zielhorizont für 2030 zu formulieren. Bis 2050 strebt die Stadt Karlsruhe Klimaneutralität an. Das neue Konzept soll in der zweiten Jahreshälfte 2019 ausgear- beitet sein und anschließend dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt werden. Für die Überprüfung der Karlsruher Klimaschutzziele ist die Energie- und CO 2 -Bilanz wesentliche „Mess- latte“. Um den Anstieg der globalen Temperaturerhöhung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, kann der Einsatz CO ² -bindender Technologien notwendig werden. Die derzeit bekannten technischen Methoden zur dauerhaften und sicheren Abscheidung und Bindung von CO ² (CCS) sind teils technisch noch unausgereift, teils mit Risiken verbunden, teils ökonomisch kaum darstellbar. Eine Möglichkeit zur CO 2 -Reduktion ist die Herstellung von Pflanzenkohle aus holzigen Grünab- fällen. Die Pflanzenkohle kann u.a. in Form von Terra Preta weiter verwendet werden. Damit kann eine langfristige Kohlenstoffbindung im Boden erfolgen. Die Kosten wie auch die positiven volkswirtschaftlichen Effekte der Herstellung von Pflanzenkohle sind derzeit allerdings noch nicht exakt quantifizierbar. Der Einsatz von Terra Preta hat Wohlfahrtswirkungen auch jenseits des Klimaschutzes: Hu- musaufbau, Verbesserung der Bodenstruktur, Ertragssteigerung, Reduktion des Bedarfs an Stickstoffdünger, Schutz des Grundwassers, Förderung der Ernährungs-Souveränität bei den Anwender*innen. Auch diese Wohlfahrtswirkungen sind noch genauer zu ermitteln. Die Herstellung von Pflanzenkohle / Terra Preta in Grötzingen soll zugleich der Klimagas- Entlastung und dem Klimaschutz dienen und damit einen lokalen Beitrag auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune leisten. Die Maßnahme kann möglicherweise in den Klimaschutz- fonds der Karlsruher- Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) eingebunden werden, der als Kompensationsfonds nicht vermeidbare Emissionen ausgleicht. Das Projekt soll in Grötzingen fruchtbaren, humusreichen Boden nach Art von Terra Preta = Schwarzerde sowohl bei den öffentlichen als auch bei landwirtschaftlich genutzten bzw. priva- ten Gartenflächen aufbauen. Ziel ist, Kreisläufe vorhandener Materialien und Stoffströme – ins- besondere Baum- und Strauchschnitt sowie Durchforstungsabfälle – zu schließen und ggf. Ent- sorgungskosten einzusparen. Für die Herstellung von Terra Preta in Grötzingen ist an den Einsatz relativ einfacher Technologie (Pyrolyseofen) gedacht. Weitere Arbeitsschritte sollen ohne nennenswerte Zusatz- Aufwendungen in bestehende Kompostierungs-Konzepte der Ortschaft und von Privaten inte- griert werden. Bürgerschaftliches Engagement im Klimaschutz Um Kosten und Nutzen sorgfältig abzuwägen und bei Umsetzung eine gute Akzeptanz des Projektes zu erreichen, soll zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt und ein offener Dialog mit der Bürgerschaft, den Verbänden und betroffenen Akteuren geführt werden. Es ist geplant, dass ein Teil des Materialstromes, aus dem der Pyrolyseofen für Terra Preta gespeist wird, aus Anlieferungen Privater stammt. Wichtig ist, dass Abnehmer*innen, insbesondere bei einer Ver- wendung in der Landwirtschaft, in die Schadstofffreiheit des Produktes vertrauen können. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 In Grötzingen sind die Randbedingungen für erfolgreiche Bürgerbeteiligung günstig, da bereits mehrere Beteiligungsverfahren erfolgreich durchgeführt wurden. Aus einem bürgerschaftlichen Beteiligungsverfahren zum Thema Klimaschutz entspringt auch dieser Antrag, da eine Gruppe Grötzinger Bürger*innen bereits mit der Herstellung von Terra Preta begonnen hat. Beauftragung einer Machbarkeitsstudie Da bislang noch keine eigenen Erfahrungen mit dieser Technologie gemacht wurden und zu- nächst geklärt werden muss, ob der beantragte flexible, modulare Aufbau eines solchen Projek- tes für den Ortsteil Grötzingen sinnvoll ist, beauftragt die Ortsverwaltung Grötzingen eine Machbarkeitsstudie, die u.a. folgende Fragen beantworten soll:  Kurzbeschreibung der Projektidee  Darstellung der Vorteile, aber auch möglicher Risiken (Boden, Grundwasser, Klimaschutz u.a.)  Welche Infrastruktur wird für die Herstellung der Schwarzerde benötigt?  Von wo kommen welche Stoffmengen und sind diese für die geplante Anlage ausrei- chend?  Wieviel Aktivkohle und Schwarzerde lässt sich mit Einsatz eines Pyrolyse-Ofens im Jahr herstellen?  Wer könnte der Betreiber einer Pilotanlage in Grötzingen sein?  Mit welchen Kosten (G/V) muss kalkuliert werden? Welche Fördermöglichkeiten gibt es?  Kann die CO ² -Bindung zum Gegenstand einer freiwilligen CO ² -Reduktion (voluntary car- bon offset) der KEK gemacht werden?  Wie können die Bürgerinnen und Bürger Grötzingens in das Projekt aktiv eingebunden werden? Die Machbarkeitsstudie soll Informations- und Entscheidungsgrundlagen über Wirkungs- und Vorgehensweisen innerhalb eines halben Jahres liefern. Die Kosten der Machbarkeitsstudie werden auf max. 8.000 € geschätzt und sollen zwischen OV Grötzingen und Umwelt- und Arbeitsschutz (Klimaschutzfonds) hälftig geteilt werden. Der Bei- trag aus dem Klimaschutzfonds wird dabei auf maximal 4.000 € beschränkt.