Wiederherstellung Marktplatzbrunnen mit Großherzog-Ludwig-Denkmal

Vorlage: 2019/0572
Art: Beschlussvorlage
Datum: 29.05.2019
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtplanungsamt
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Hauptausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 09.07.2019

    TOP: 3

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2019/ 0572 Dez. 5 Wiederherstellung Marktplatzbrunnen mit Großherzog-Ludwig-Denkmal Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Planungsausschuss 05.06.2019 4 X Hauptausschuss 09.07.2019 3 X Beschlussantrag Der Hauptausschuss stimmt der Vorlage zu und beauftragt die Verwaltung, den Marktplatzbrunnen gemäß der zwischen der Denkmalbehörde und den städtischen Ämtern erfolgten Abstimmung zur Art der Sanierung an seinem bisherigen Standort wieder zu errichten. Zur Komplettierung der historischen Situation werden dabei auch die ursprünglich vorhandenen Sandsteinpoller inklusive der Kettenelemente ergänzt. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Folgeerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein 230.000 Euro 50.000 Euro Die jährlichen Folgekosten sind im Gesamtprojekt "Marktplatzumbau" enthalten KASIG für Wiederaufbau Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja HHstelle 7.661028 (Neugestaltung Marktplatz) Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein X Ja Korridorthema: Zukunft Innenstadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein X Ja abgestimmt mit KASIG Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Der historische Marktplatzbrunnen mit Großherzog-Ludwig-Denkmal wurde mit Beginn der Arbeiten zur Realisierung der Kombi-Lösung 2013 abgebaut und in den Zentralen Werkstätten des Gartenbauamtes sachgerecht zur Wiederverwendung eingelagert. Nach der Neugestaltung des Marktplatzes soll der Brunnen wieder am angestammten Standort zentral zwischen dem Rathaus und der Evangelischen Stadtkirche aufgestellt werden. Durch eine Restauratorin wurden die Einzelteile der Gesamtanlage von Brunnen und Denkmal vor dem Abbau und auch im eingelagerten Zustand fachlich begutachtet mit dem Ziel einer qualifizierten Empfehlung für die Art und den Umfang der Restaurierung für den Wiederaufbau. Vor der Demontage stand der Brunnen auf einem Sockel aus großformatigen Sandsteinplatten, der sich mit einer randlichen Blockstufe aus Sandstein vom Belag des Platzes abhob. Die Kosten für die Wiederherstellung dieses Zustandes trägt die KASIG, erforderliche Restaurierungsarbeiten und eventuell weitere Ergänzungen sind durch die Stadt finanziell zu tragen. Stadtintern wurde im Sommer 2018 eine Analyse zur Historie des Brunnens und seiner Ausprägung in verschiedenen Epochen erstellt mit dem Ziel, konkrete Planungshinweise für die Wiedererrichtung abzuleiten. Dabei wurde deutlich, dass die Pyramide, der Marktplatzbrunnen sowie die Verfassungssäule am Rondellplatz ein Gesamtensemble bilden. Ursprünglich waren alle drei Objekte mit Sandsteinpollern umgeben, in die alternierend Kettenelemente eingehängt waren. Bei der Pyramide ist dieser Zustand noch vorhanden. Beim Marktplatzbrunnen sind diese Elemente nicht mehr existent. Der Marktplatz erhält im Rahmen der Neugestaltung eine einheitliche Gestaltung. Eine Ergänzung des Marktplatzbrunnens mit dem historischen Motiv der Sandsteinpoller mit den Ketten unterstützt diesen gestalterischen Ansatz. Die Verwaltung ist sich daher mit der Denkmalbehörde und der Restauratorin einig, dieses historische Bild wieder anzustreben. In der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung des Regierungspräsidiums Karlsruhe vom 28.05.2018 „Sanierung und Aufstellung des Marktplatzbrunnens“ ist ebenfalls die Auflage beinhaltet, die nach dem 2. Weltkrieg beseitigte "Einfriedung" des Brunnens wieder herzustellen. Im Rahmen der Einbringung des Doppelhaushaltes 2019/2020 wurden darüber hinaus seitens der CDU- und der KULT-Gemeinderatsfraktion Anträge zur Wiederherstellung dieses historischen Ensembles gestellt und positiv beantwortet. In der restauratorischen Begutachtung der baulichen Substanz des Marktplatzbrunnens sollten unterschiedliche Varianten dargestellt werden, einschließlich ihrer fachlichen und finanziellen Beurteilung. Dabei wurden die folgenden vier Konzeptionen ausgearbeitet: 1. Konservierung des Bestandes 2. Restaurierung des Bestandes 3. Rekonstruktion des Bestandes 4. Totalrekonstruktion Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die folgende Tabelle, angelehnt an das Gutachten der Diplom-Restauratorin Silke Günther, zeigt mögliche Varianten der Restaurierung (Steinrestauratorische Arbeiten). Maßnahme / Ansatz Technik Vorteil Nachteil Kosten 1. Konservierung Erhaltung des überkommenen Bestand mittels Zurückhalten der Konservierung ohne weitreichendere Neuanfertigungen Konservierende Maßnahmen (Festigung Mörtelinjektion, -anböschung, -schlämme) Kostengü nstigste Variante Mäßig nachhaltig (stark beanspruchter Untergrund durch Wasserbetrieb und anthropogene Nutzung: Stabilität/Standzeit der üblichen Restauriermaterialien im stark beanspruchten öffentlichen Raum und Brunnenbetrieb fraglich) 71.200 € 2. Restaurierung Erhaltung des überkommenen Bestand mit Ergänzung von Fehlstellen Konservierende Restaurierung mit rekonstru- ierenden Form- verläufen mittels Mörtelergänz- ungen Kosten ähnlich 1 Ähnlich 1 86.200 € 3. Rekonstruktion Restaurierung mit Teilrekonstruktionen nach historischem Vorbild Konservierende Maßnahmen mit Steinaustausch/ Vierungen (Brüs- tungszonen am Brunnenbecken) Nachhaltig er als 1 und 2 Kostenintensiv Eingriff in den Bestand Gefahr einer gestörten ästhetischen Wahrnehmung (Zerstückelung der Einzelelemente in alt/neu) 114.200 € 4. Totalrekonstruktion Rekonstruktion nach historischem Vorbild Nachbildung des Brunnenbeckens in Naturstein Nachhaltig er als 1 und 2 Kostenintensiv Eingriff in den Bestand 202.200 € Bei der Diskussion um denkmalgerechte Sanierung und Wiederherstellung historischer Elemente stellt sich immer die Frage nach der Gesamthistorie des Objektes und dessen Ausprägung und Wandel im Lauf der Zeit. Man kann grundsätzlich unterschiedlicher Auffassung sein, welche Zeitepoche diejenige ist, die man in den Fokus nimmt. Im vorliegenden Fall ist es so, dass der Brunnen bis auf wenige Einzelfragmente durch die Kriegswirren zerstört worden war. Der Wiederaufbau nach dem Krieg in den Jahren 1952 - 1955 war eine Rekonstruktion aus rotem Maintäler Sandstein durch den Bildhauer Fritz Moser. 1983 wurden sieben der acht Sandsteinreliefs der Wandelemente, die das Brunnenbecken fassen, gegen Epoxidharzabgüsse ausgetauscht, so dass nur eines der Reliefs im alten (Nachkriegs-) Zustand erhalten blieb. Im Herbst 2018 wurde in einem Ortstermin unter Beteiligung der Landesdenkmalpflege beraten, welche der durch die Restauratorin dargestellten Varianten zur Sanierung vertieft und als Gesamtkonzeption weiterverfolgt werden soll. Die Vorgabe des Landesamtes für Denkmalpflege ist, zwei der bestehenden Brunnenwandungen unbedingt zu erhalten, nämlich das Element, das komplett aus Sandstein gearbeitet ist sowie ein Element mit Epoxidharzguss. Damit soll die Entwicklungsgeschichte des Brunnens dokumentiert werden. Durch diese Rahmenbedingung ist festgelegt, dass alte, verwitterte Elemente wieder zu verwenden sind. Die Beteiligten waren sich einig, dass eine Rekonstruktion von Elementen im Kontrast zu den tradierten Elementen gestalterisch sehr unbefriedigend ist. Somit scheiden die Varianten aus, die wesentliche Rekonstruktionen beinhalten oder gar eine Neugestaltung von Reliefelementen (Varianten 3 und 4). Da auch die Pyramide und die Verfassungssäule in ihrer vorhandenen Materialität weiter bestehen, sprechen sich die Beteiligten dafür aus, dass auch der Marktbrunnen in der vorhandenen Materialität konserviert werden soll. Somit ergibt sich ein Ergänzende Erläuterungen Seite 4 gestalterisch stimmiges Gesamtbild für den Brunnen. Der Kontrast des historischen Brunnens zum neugestalteten Marktplatz wird als unproblematisch gesehen. Die Spuren der Zeit in Form von Abplatzungen sollen durchaus sichtbar sein und die Historie des Brunnens unterstreichen. Konzeptionell wird daher die Variante 1 vorgeschlagen, also die Überarbeitung und Konservierung des Bestandes. Da bei Variante 2 auch Teilelemente wie Brüstungskanten herausgesägt und durch neue Elemente ersetzt würden, wurde auch diese Variante verworfen, da mit dem Austausch einzelner Bauteile wie zum Beispiel einer Brüstung das historische Gesamtbild des Brunnens überprägt wird. Mit der Entscheidung zur Restaurierung nach Variante 1 wird sich der Brunnen nach der Wiederherstellung in seinem Erscheinungsbild nur unwesentlich von der Wahrnehmung vor seinem Abbau unterscheiden. Im Einzelnen sind folgende restauratorischen Maßnahmen vorgesehen: - Strukturelle Festigung mit Kieselsäureethylester - Reinigung: Abnahme von Kalk- und Mörtelanhaftungen - Rückbau funktionsloser Metalle, Dübel und ähnliches - Riss- und Schaleninjektion - Vernadeln abbruchgefährdeter/bereits gebrochener Teile - Respektvolle Konservierung des Bestandes mit einem gezielten Oberflächenverschluss - Zurückhaltenden Mörtelantragungen (keine umfänglichen rekonstruierenden Formergänzungen) - Neuverfugung - Retusche zur Beruhigung des Gesamteindruckes (im Bedarfsfall) - Metallrestaurierung (Medaillons mit Röhren) - Steinaustausch/Neuanfertigung/Versetzen/Verfugen des Stufenpodestes nach historischem Vorbild unter Einbindung der neu herzustellenden Sandsteinpoller (Vergleichspyramide) - Anfertigung von metallenen Ketten nach historischem Vorbild mit Verbleien der Ketten an den Pollern - Rekonstruktion von metallenen Auflastgabeln - Abdichten des Brunnenbeckens mit einer "Innenwanne": Auffangen des Wasserdruckes und nachhaltige Trockenlegung der Sandsteinwandungen Gesamtkosten der Maßnahme: Gutachten/vorbereitende Untersuchung 5.300,00 € Steinrestauratorische Arbeiten (Variante 1) 71.200,00 € Metallrestauration 9.300,00 € Sandsteinbelag/Versetzen Brunnenteile 83.000,00 € Sandsteinpoller neu sowie Ketten 28.600,00 € Unvorhergesehenes 22.600,00 € aktvierungsfähige Eigenleistungen 10.000,00 € Gesamtaufwand 230.000,00 € Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Beschluss: Antrag an den Hauptausschuss Der Hauptausschuss stimmt der Vorlage zu und beauftragt die Verwaltung, den Marktplatzbrunnen gemäß der zwischen der Denkmalbehörde und den städtischen Ämtern erfolgten Abstimmung zur Art der Sanierung an seinem bisherigen Standort wieder zu errichten. Zur Komplettierung der historischen Situation werden dabei auch die ursprünglich vorhandenen Sandsteinpoller inklusive der Kettenelemente ergänzt.

  • Protokoll TOP 3
    Extrahierter Text

    Niederschrift 41. Sitzung Hauptausschuss 9. Juli 2019, 16:30 Uhr öffentlich Großer Sitzungssaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 3. Punkt 3 der Tagesordnung: Wiederherstellung Marktplatzbrunnen mit Großher- zog-Ludwig-Denkmal Vorlage: 2019/0572 Beschluss: Der Hauptausschuss stimmt der Vorlage zu und beauftragt die Verwaltung, den Markt- platzbrunnen gemäß der zwischen der Denkmalbehörde und den städtischen Ämtern er- folgten Abstimmung zur Art der Sanierung an seinem bisherigen Standort wieder zu errich- ten. Zur Komplettierung der historischen Situation werden dabei auch die ursprünglich vorhandenen Sandsteinpoller inklusive der Kettenelemente ergänzt. Abstimmungsergebnis: mehrheitlich zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 3 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Planungsausschuss. Er übergibt das Wort an Herrn Bürgermeister Fluhrer, um die neuen Entwicklungen aus der Sitzung des Planungsausschusses vorzustel- len. Bürgermeister Fluhrer teilt auf die noch offene Frage aus der Sitzung des Planungsaus- schusses mit, dass die Nachmodellierung der Sandsteinreliefs der Brunnenwände in histori- schem Sandstein ca. 83.000 Euro zusätzliche Kosten verursachen würde. Herr Stadtrat Honné (GRÜNE) stellt den Antrag, auf die Ketten zu verzichten. Herr Stadtrat Cramer (KULT) teilt für seine Fraktion mit, dass von dem Vorhaben, die Nachmodellierung in historischem Sandstein zu fertigen, abgerückt werde. Er spricht sich für die Umsetzung der Variante 1 aus. – 2 – Der Vorsitzende bemerkt, dass gegebenenfalls vonseiten des Regierungspräsidiums die Denkmalschutzauflage zur Herstellung der alten Sandsteinreliefs gemacht werden könne, was einen weiteren Beschluss nötig mache. Herr Stadtrat Pfannkuch (CDU) zeigt sich erfreut über die maßvolle Planungsvorlage für diesen Brunnen. Sie komme der Situation wie sie zuletzt bestand am nächsten und knüpfe daran an. Herr Stadtrat Zeh (SPD) spricht sich ebenfalls für die Variante 1 aus. Der Vorsitzende stellt den Änderungsantrag der GRÜNEN, auf die Kettenkonstruktion zu verzichten, zur Abstimmung und stellt fest, dass er mehrheitlich abgelehnt wird. Im Anschluss stellt der Vorsitzende die unveränderte Beschlussvorlage zu Abstimmung, die mehrheitlich bei zwei Enthaltungen angenommen wird. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten- 17. Juli 2019