Regionales Übergangsmanagement (RÜM) und Duale Ausbildungsvorbereitung (AVdual), Beschlussvorllage
| Vorlage: | 2019/0439 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 26.04.2019 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Stadtamt Durlach |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
Beratungen
- Ortschaftsrat Durlach (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 08.05.2019
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Stadtamt Durlach BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: Dez. 3 Regionales Übergangsmanagement (RÜM) und Duale Ausbildungsvorbereitung (AVdual) Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ortschaftsrat Durlach 08.05.2019 8 x Schulbeirat 29.05.2019 4 X Beschlussantrag Der Ortschaftsrat Durlach nimmt hiervon Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Fol- geerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant X Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein X Ja durchgeführt am 8. Mai 2019 (OR Durlach) Abstimmung mit städtischen Gesellschaften X Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Ausgangslage Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg fördert anteil- mäßig bis 31. August 2020 das regionale Übergangsmanagement (RÜM) sowie die AVdual- Begleitung des neuen Bildungsgangs AVdual in der Stadt Karlsruhe an der Carl-Hofer-Schule und der Gewerbeschule Durlach im Rahmen des Modellversuchs „Neugestaltung des Über- gangs Schule-Beruf“. Die Modellregion ist folgendermaßen in der Stadt Karlsruhe verankert: Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Regionales Übergangsmanagement (RÜM) Das RÜM ist für die regionale Steuerung des Reformkonzepts Übergang Schule-Beruf sowie für die Abstimmung der Akteure vor Ort zuständig. In Karlsruhe ist es beim Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe (StJA) angesiedelt. Ziel ist es, mehr Schulabgängerinnen und -abgängern den direkten Einstieg in Ausbildung und Beruf zu ermöglichen. Das RÜM der Modellregion Karlsruhe wurde von der Stadt beim StJA angesiedelt, weil das Thema Berufsorientierung seit 2008 vom StJA durch die Servicestelle Übergang Schule-Beruf umgesetzt wird, beispielsweise in Form von praktischen Angeboten zur sozialen und beruflichen Orientierung. Das RÜM ist die zentrale Koordinierungsstelle bei der Neugestaltung des Übergangs Schule- Beruf. Es plant und koordiniert Sitzungstermine auf verschiedenen Ebenen und steuert Prozesse auch rechtskreisübergreifend. Für die Beratung und Integration junger Menschen unter 25 sind drei Sozialleistungsträger zuständig: die Agenturen für Arbeit, die Jobcenter und die Träger der Jugendhilfe. Diese arbeiten eng zusammen, damit Jugendliche abgestimmte und individuelle Unterstützung beim Übergang in Ausbildung und Arbeit erhalten. Folgende Themen befinden sich in der Planungs- beziehungsweise Umsetzungsphase: – Erarbeitung und Einführung eines „Qualipasses“ in einfacher Sprache. – Entwicklung und Koordinierung eines Online-Verfahrens zur Stammdatenübergabe und Betreuung der Schülerschaft von den abgebenden Schulen zu den ankommenden Schu- len. – Aufbau einer Jugendberufsagentur als rechtskreisübergreifendes Projekt. – Weiterentwicklung der bestehenden Produktionsschule der Hardtstiftung in Kooperation mit dem StJA. – Durchführung von einzelnen Veranstaltungen zu speziellen Themen. Am 15. Mai 2019 fand beispielsweise im JUBEZ das Forum „soziale, schulische und berufliche Perspektiven junger Geflüchteter“ statt. Gemeinsam mit der „Weinheimer Initiative“ wird das Thema „Die Wiederentdeckung des Sozi- alraums“ bearbeitet. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der intensiven Berufsvorbereitung im Rahmen der Berufs- wegeplanung. Dabei spielt die innerschulische Berufswegeplanung, die neu ins Curriculum auf- genommen wurde, eine zentrale Rolle. Das RÜM unterstützt die Schulen dabei und organisiert beispielsweise Projekte zur sozialen und beruflichen Orientierung. Die von RÜM aufgebauten Expertennetzwerke diskutieren und planen auch Maßnahmen im Hinblick auf berufliche Per- spektiven junger Menschen mit Beeinträchtigungen, junger Zugewanderter und Jugendlicher in besonderen Lebenslagen. Speziell entwickelte Angebote sind beispielsweise – die Praktikavorbereitung für AVdual Schülerinnen und Schüler. – die Lerntandems beim KIT, dem Internationalen Begegnungszentrum und speziell für junge Geflüchtete. – die Azubi-Botschafter-Ausbildung im erzieherischen und pflegerischen Bereich in Koope- ration mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. – das Sommerworkcamp für junge Geflüchtete. – die Einführung des digitalen und stärkenorientierten Berufefinders „ALBUS“. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 AVdual-Begleitung AVdual richtet sich an Jugendliche mit besonderem Förderbedarf, die noch keinen Ausbildungs- platz gefunden haben. Konzeptionelle Elemente von AVdual sind die Dualisierung der Lernorte, die individuelle Förderung der Jugendlichen nach einem neuen pädagogischen Konzept des Förderns und Forderns mit erhöhten Praktikumsanteilen und als wichtiger Baustein die „AVdual- Begleitung“. Diese Angebotsform ist zunächst als Ergänzung der bisherigen Angebote Berufs- einstiegsjahr (BEJ) und Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf (VAB) vorgesehen. Eine flächen- deckende Einführung ist seitens des Landes angedacht. Seit dem Schuljahr 2015/2016 wird AVdual an zwei beruflichen Schulen in Karlsruhe angebo- ten. Die AVdual-Begleitung wurde zeitgleich an der Carl-Hofer-Schule mit einer halben Stelle für eine Klasse und an der Gewerbeschule Durlach mit einer Stelle für zwei Klassen eingerichtet. Angedockt an die arbeitsweltbezogene Schulsozialarbeit liegt die Trägerschaft für die AVdual- Begleitung bei den Arbeitsförderungsbetrieben gGmbH (AFB). Die AVdual-Begleitung ist als entscheidender Mehrwert gegenüber den anderen berufsvorbereitenden Schularten ein unver- zichtbares Element und das entscheidende Bindeglied zwischen Schule, Eltern und Betrieben. Folgende Aufgaben werden von der AVdual-Begleitung wahrgenommen: - Beziehungsgestaltung zu den Schülerinnen und Schülern. - Sozialpädagogische Beratung und Betreuung, bei Bedarf Führung von Elterngesprächen. - Erstellung individueller Lern- und Förderplanungen. - Abschließen von Zielvereinbarungen und deren Überprüfung. - Regelmäßige Teamsitzungen mit den Lehrkräften (interdisziplinäres Team). - Akquise und Begleitung von Praktika. - Intensive Vor- und Nachbereitung der Praktika. - Möglichst passgenaue Vermittlung von Ausbildungsplätzen. - Dokumentation und Evaluation. Die AVdual-Begleitung ist kontinuierliche Ansprechperson und Vertrauensperson für die Ju- gendlichen, die Lehrkräfte und die Betriebe und arbeitet in enger Abstimmung mit dem Regio- nalen Übergangsmanagement RÜM, den Kammern, Innungen und der Berufsberatung der Agentur für Arbeit zusammen. Sie nimmt eine Brückenfunktion zu Praktikumsbetrieben wahr und ist das Alleinstellungsmerkmal von AVdual im Unterschied zu den anderen berufsvorberei- tenden Schularten. Die intensive Unterstützung, gerade durch die AVdual-Begleiterinnen der beiden Schulen, ist für die Jugendlichen im AVdual sehr positiv. Dabei hat sich im vergangenen Schuljahr 2017/18 vor allem der zusätzliche Betreuungsaufwand der Flüchtlinge im AVdual für die AVdual- Begleiterinnen als Herausforderung gezeigt. Die Zielgruppe benötigt einen weitaus höheren Bedarf an Unterstützung als angenommen. AVdual will innerhalb eines Jahres durch verstärkte Praktika und Übernahme von Eigenverant- wortung in eine Ausbildung beziehungsweise in andere zielführende Perspektiven führen. Durch einen beständigen Begleitprozess schaffen die AVdual-Begleiterinnen das notwendige Vertrauen, um die Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung beruflicher Perspektiven unter- stützen zu können. Die positiven Ergebnisse aus den ersten drei AVdual-Schuljahren in Karlsruhe bestätigen das. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Schuljahr 2015/2016 2016/2017 2017/2018 Gesamtzahl der Schülerschaft der AVdual-Klassen beider Schulen 72 78 89 In Ausbildung vermittelt 26 27 23 In andere Klassen gewechselt 14 4 0 Nach AVdual in das zweite Jahr der zweijährigen Berufsfachschule ge- wechselt 10 11 18 AVdual im Folgeschuljahr wieder- holt 8 2 Freiwilliges soziales Jahr, Einstiegs- qualifizierung, Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, Bundesfreiwilligendienst 2 4 4 Schule gewechselt, abgemeldet, verzogen 12 32 12 In Herkunftsländer zurückgegan- gen 3 Aktuell befinden sich 103 Schülerinnen und Schüler (63 Gewerbeschule Durlach, 40 Carl-Hofer- Schule) in den AVdual-Klassen. Vor dem Hintergrund der Bildungsvoraussetzungen des Adual- Klientels ist die Anzahl der in Ausbildung beziehungsweise in die zweijährige Berufsfachschule vermittelten Schülerinnen und Schüler als Erfolg zu bewerten. Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Modell AVdual wollen sowohl die Gewerbeschule Durlach als auch die Carl-Hofer-Schule das Angebot AVdual weiter ausbauen. Die Gewerbe- schule Durlach hat seit dem Schuljahr 2017/2018 bereits eine dritte Klasse eingeführt und will auf fünf AVdual-Klassen umstellen, die Carl-Hofer-Schule hat zum Schuljahr 2018/2019 auf zwei AVdual-Klassen aufgestockt. Diese Entwicklung entspricht den Zielsetzungen des Landes. Um das Modell AVdual nachhaltig umzusetzen, wären jedoch an der Gewerbeschule Durlach je nach Klassengröße 1,0 bis 1,5 zusätzliche AVdual-Begleiterstellen notwendig, an der Carl- Hofer-Schule eine halbe Stelle zusätzlich. Der vom Land vorgegebene Betreuungsschlüssel liegt bei 40 Jugendlichen pro Vollzeitstelle. Die Mehrkosten in Höhe von dann circa 98.000 € bis 130.000 € pro Jahr würden derzeit zu 60% vom Land Baden-Württemberg bezuschusst. Es verbleiben Mehrkosten in Höhe von rund 40.000 € bis 52.000 € jährlich, die dann ggf. in der Haushaltsberatung zum nächsten DHH dis- kutiert werden müssen. Beschluss: Der Ortschaftsrat Durlach nimmt hiervon Kenntnis.