Scheiternskultur in Gründerzentren der Stadt Karlsruhe

Vorlage: 2019/0343
Art: Anfrage
Datum: 05.04.2019
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 14.05.2019

    TOP: 67

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Anfrage
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2019/0343 Scheiternskultur in Gründerzentren der Stadt Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 14.05.2019 67 x 1. Wie viele Unternehmensgründungen in den Karlsruher Gründerzentren scheitern? Bitte für die Jahre 2016 bis 2018 die absoluten Zahlen und den prozentualen Anteil der insgesamt dort angesiedelten Firmen nennen. 2. Wie wird mit dem möglichen Scheitern von Start-Ups in Karlsruher Gründerzentren um- gegangen? 3. Wie wird in Karlsruher Gründerzentren eine positive Kultur des Scheiterns vermittelt? 4. Gibt es Beratungs- und Unterstützungsangebote für bereits gescheiterter Grün- der*innen von Start-Ups, die z.B. dabei helfen mit einem Projekt abzuschließen und neue Perspektiven zu finden? Um welche Form von Angeboten handelt es sich? 5. Erhalten Gründer*innen, die mit einem Start-Up gescheitert sind, weitere Chancen auf einen Platz in Karlsruher Gründerzentren? Verändern sich in diesen Fällen der Unterstüt- zungszeitraum oder die Unterstützungsleistungen? Sachverhalt/Begründung: Viele Start-Ups scheitern. Scheitern ist ein natürlicher Prozess und ein reales Risiko für jedes Un- ternehmen. Laut Informationen des statistischen Bundesamts bestanden im Jahr 2005 lediglich noch 41 % aller erfassten Unternehmen fünf Jahre nach ihrer Gründung. Damit scheitern mehr Start-Ups als sich am Markt längerfristig etablieren konnten. Das Scheitern hat Auswirkungen auf die Psyche und das Selbstverständnis von Gründer*innen. In der deutschen Unternehmenskultur wird Scheitern noch weitgehend als Misserfolg und häu- fig als Versagen wahrgenommen. Die Unterstützung und Akzeptanz des Scheiterns kann hin- gegen dazu beitragen, Gründer*innen zu ermutigen und weniger Druck auszuüben. Damit wächst die Lust am Unternehmen und der Herausforderung. Nach Informationen des Deutschen Start-Up-Monitors 2015 hat ein Drittel aller Startup- Gründer*innen bereits ein zuvor begonnenes Startup-Projekt eingestellt. Nach dem Deutschen Start-Up-Monitor von 2017 würden zwei von drei Gründer*innen trotz eines Scheiterns wieder ein Startup gründen. Erfolg gelingt häufig erst nach mehreren Anläufen. Es gilt, das Potential und die Lerneffekte eines Scheiternsprozesses bestmöglich zu nutzen. Gerade auch schon ein- mal gescheiterte Gründer*innen sollten deshalb erneute Chancen für Unterstützungen erhalten. Ein zentrales Ziel der Gründungsförderung muss es sein, die Möglichkeit des Scheiterns zu nor- malisieren und eine positive Kultur gegenüber gescheiterten Vorhaben in Karlsruher Gründer- zentren voranzutreiben. Unterzeichnet von: Zoe Mayer Joschua Konrad Ekkehard Hodapp

  • Stellungnahme TOP 67
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2019/0343 Dez. 4 Scheiternskultur in Gründerzentren der Stadt Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 14.05.2019 67 x Vorbemerkung In der Anfrage wird Bezug auf eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2005 genommen, nach der nur noch rund 41 Prozent aller erfassten Unternehmen fünf Jahre nach ihrer Gründung bestehen. Diese Zahl ist aber so nicht mehr auf die heutige Situation bei Gründungsunternehmen übertragbar. Seit 2001 sinkt die Gründungsquote von ursprünglich 2,9 Prozent auf zuletzt 1 Prozent in 2017 (Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2018). Der Arbeitsmarkt und die gute Konjunktur haben dabei seit Jahren einen starken Einfluss auf die Gründungstätigkeit in Deutschland. Die Arbeitslosig- keit ist auf einem Rekordtief, der Fachkräftemangel wächst. Potenziellen Gründern bietet sich so eine Fülle attraktiver Beschäftigungsmöglichkeiten. Qualifizierte Erwerbstätige ziehen daher eine Festanstellung der Selbstständigkeit vor. Entsprechend sind Gründungen aus der Not heraus deutlich seltener als noch vor Jahren. Allerdings belegt die Statistik auch, dass Gründer/-innen heute deutlich besser vorbereitet und somit langfristig erfolgreicher sind. Die Bestandsquote junger Unternehmen ist heute besser als noch vor einigen Jahren. Rund 84 Prozent der Unternehmen, die vor zwei Jahren gegründet wurden, sind heute noch am Markt aktiv. Immerhin jeder Zehnte der befragten Gründer hat sein Unternehmen nach nur zwei Jahren in die Wachstumsphase gebracht. Wie der KfW-Gründungsmonitor 2018 darüber hinaus ausweist, sind die heutigen Gründer ideengetriebener, wachstumsorientierter und innovativer. Die Zahl ideengetriebener Chancen- gründer stieg bundesweit um 8 Prozent auf 333.000. Chancengründer entwickeln eigene Ideen im Gegensatz zu denen, die bereits am Markt gängige Geschäftskonzepte übernehmen. Sie haben dadurch weniger Konkurrenz und sind deshalb in der Regel überdurchschnittlich be- standsfest und beschäftigungsintensiv und haben volkswirtschaftlich einen besonderen Stellen- wert. Darüber hinaus ging es bundesweit bei der Zahl innovativer Gründer – das sind Gründer, die Neuerungen oder Erneuerungen zu Produkten, Dienstleistungen oder Verfahren entwickeln - (76.000, +31 Prozent), digitaler Gründer (144.000, +3 Prozent) und Wachstumsgründer (127.000, +10 Prozent) sichtbar bergauf. Die Angebote digitaler Gründer lassen sich nur mithil- fe digitaler Technologien nutzen, sie sind meist überregional und / oder international im B2B Bereich aufgestellt und stärker auf Neues ausgerichtet, womit sie auch ihrer Vorreiterrolle ge- recht werden. Die Ergebnisse sind auch auf Baden-Württemberg und die Region übertragbar. Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Zu den Fragen im Einzelnen 1. Wie viele Unternehmensgründungen in den Karlsruher Gründerzentren scheitern? Die Tabelle weist die gescheiterten Gründungen in den vier städtischen Gründerzentren in den Jahren von 2016 bis 2018 aus. Die niedrigen Ausfallquoten sind auch das Ergebnis eines gut funktionierenden Beratungsangebotes für Gründer speziell in der Gründungsphase. Die vorhan- dene Personalausstattung setzt der Beratungstätigkeit der Verwaltung jedoch Grenzen. Die meisten Start-up-Unternehmen in den Gründerzentren in Karlsruhe bleiben über die vollen fünf Jahre Mieter, so dass die Verwaltung für diesen Zeitraum einen guten Überblick über das Scheitern von Unternehmen hat. 2. Wie wird mit dem möglichen Scheitern von Start-ups in Karlsruher Gründerzentren umgegangen? 3. Wie wird in Karlsruher Gründerzentren eine positive Kultur des Scheiterns vermit- telt? Ebenso wie Erfolg, kann auch das Scheitern das Ergebnis eines Gründungsprozesses sein. Um dieses Risiko bereits im Vorfeld so weit als möglich zu minimieren, bietet die Kontaktstelle Exis- tenzgründung bei der Wirtschaftsförderung sowie das K3-Büro zusammen mit den Partnern aus der Gründerallianz Karlsruhe ein breit gefächertes Angebot an Beratungen an. Darüber hinaus wird dieses Angebot durch Vorträge, Workshops und Intensivberatungen von Kammern und Gründerinitiativen abgerundet. Trotz bester Vorbereitung bei der Gründung verbleibt jedoch ein Restrisiko, da im Vorfeld nicht immer alle Gefahren erkennbar sind. Tritt eine solche Situation auf, steht die Verwaltung im Rahmen der personellen Möglichkeiten mit individuellen Hinwei- sen auf weitergehende Unterstützung zur Seite. Sofern Mieter der städtischen Gründerzentren vorübergehend vom Scheitern bedroht sind und diese rechtzeitig auf die Verwaltung zukommen, kann neben der Beratung auch die finanzielle Belastung durch Stundungen der Mietzahlungen in einem überschaubaren Rahmen von bis zu maximal zwei Monatsmieten angeboten werden. Die Gründerzentren bieten somit grundsätz- lich Start-ups durch entsprechende Rahmenbedingungen bei den Mietverträgen die Möglich- keit, durch günstige Mieten und durch kurze Kündigungsfristen von drei Monaten gegen finan- zielle Schäden bei auftretenden Schwierigkeiten in der Gründungs-, Aufbau- wie auch Wachs- tumsphase abgesichert zu sein. Neben der Unterstützung der Verwaltung gibt es in Karlsruhe zudem Angebote, die sich mit der Kultur des Scheiterns beschäftigen, wie zum Beispiel die „FuckUp Night in Karlsruhe: Erfolgreich gescheitert“ mit zuletzt rund 160 Teilnehmenden. Gescheiterte Unternehmen in Karlsruher Gründerzentren GründerzentrumBetriebegescheitert% SatzBetriebegescheitert% SatzBetriebegescheitert% Satz 1 Pfinztalstraße 90 (P90) 4912,00%5311,90%5323,80% Seboldzentrum4213,00%2800,00%2813,60% Perfekt Futur2827,10%2700,00%2926,90% Handwerkerhof2129,50%2100,00%2100,00% 201620172018 Ergänzende Erläuterungen Seite 3 4. Gibt es Beratungs- und Unterstützungsangebote für bereits gescheiterte Gründer/- innen von Start-ups, die z. B. dabei helfen, mit einem Projekt abzuschließen und neue Perspektiven zu finden? Um welche Form von Angeboten handelt es sich? Neben den beschriebenen Angeboten gibt es von Seiten der Verwaltung keine speziellen Pro- gramme für ausschließlich gescheiterte Gründungsvorhaben. Für jeden steht jedoch die Mög- lichkeit einer individuellen Beratung durch die Kontaktstelle für Existenzgründung bei der Wirt- schaftsförderung offen. Darüber hinaus eröffnet auch das Beratungsangebot der Exi- Gründungsgutschein-Initiative des Landes, die durch das CyberForum e. V. in Karlsruhe ausge- führt wird die Möglichkeit, zugeschnittene Beratungsangebote in der Kompaktberatung oder aber mit Experten in der Intensivberatung abrufen zu können. Nicht zuletzt hilft der „KFW run- de Tisch“, der über das Beraternetzwerk Karlsruhe organisiert wird, bei finanziellen Schieflagen. Hier werden die an der Gründung Beteiligten (zum Beispiel auch Banken) zusammengebracht, und Lösungen für akute Probleme (Ertrag, Liquidität, Vertrieb, Organisation etc.) erarbeitet. 5. Erhalten Gründer/-innen, die mit einem Start-up gescheitert sind, weitere Chancen auf einen Platz in Karlsruher Gründerzentren? Verändern sich in diesen Fällen der Un- terstützungszeitraum oder die Unterstützungsleistungen? Auch gescheiterte Gründer/-innen erhalten eine zweite Chance und können erneut Räume in einem der städtischen Gründerzentren anmieten. Es wird allerdings immer nur ein Gründungs- vorhaben unterstützt. Das heißt, die vorangegangene Gründung muss vollständig abgewickelt und beendet sein. Dabei gelten die gleichen Bedingungen wie für Neugründer.

  • Protokoll Gemeinderat
    Extrahierter Text

    Niederschrift 64. Plenarsitzung des Gemeinderates 14. Mai 2019, 13:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 62. Punkt 67 der Tagesordnung: Scheiternskultur in Gründerzentren der Stadt Karlsruhe Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2019/0343 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 67 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin Hauptamt – Ratsangelegenheiten – 11. Juni 2019