Inklusion umsetzen: Stärkung der Kitas für den Umgang mit der Heterogenität der Kinder
| Vorlage: | 2019/0104 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 07.02.2019 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich)
Datum: 26.03.2019
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: Weiterbehandlung im Jugendhilfeausschuss
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2019/0104 Inklusion umsetzen: Stärkung der Kitas für den Umgang mit der Heterogenität der Kinder Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 26.03.2019 27 x 1. Die Stadtverwaltung erstellt im Rahmen eines Modellprojektes ein Konzept, um Kinder mit besonderem sozial-emotionalem Bedarf und Kinder mit herausforderndem Verhalten weiter in stadtteileigenen Kindergärten betreuen und sie und deren Familien unterstüt- zen zu können (Inklusion). 2. Sie orientiert sich dabei an den Erfahrungen und Erkenntnissen sowie Empfehlungen des Pilot-Projekts „Stärkung von Kindern mit herausforderndem Verhalten in Kindertages- stätten“, das von der Karlsruher Vereinigung zur Hilfe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e. V. initiiert und ein Jahr im Katholischen Kindergarten St. Pius erprobt wurde. 3. Mit der Umsetzung der zusätzlichen Einbeziehung einer heilpädagogischen Fachkraft wird im Kindergartenjahr 2019/20 an drei Kindertagestätten mit einem besonderen Un- terstützungsbedarf begonnen, davon an mindestens einer kommunalen Kita. 4. Das Unterstützungssystem mit einem fachlichen Beirat und einer Koordinierungsgruppe wird beibehalten. Sachverhalt/Begründung: Eine wichtige Aufgabe der Qualitätsentwicklung für Kindertagesstätten ist ihre Weiterentwick- lung zu inklusiven Einrichtungen. Das Ziel ist dabei ein wertschätzender, positiver und individuell fördernder Umgang mit der gesamten Heterogenität aller Kinder. Dazu gehören auch Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf und Kinder mit herausfordernden Ver- haltensweisen, auch wenn keine kinderpsychiatrische Diagnostik vorliegt. Bislang erhalten lediglich Kinder mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf eine – viel zu geringe – Eingliederungshilfe nach SGB XII oder SGB VIII. Für Kinder mit heraus- fordernden Verhaltensweisen gibt es bislang keine strukturelle Unterstützung. Bundesweit wird geschätzt, dass 15 % aller Kinder in den Kindertagesstätten vielfältige Problemstellungen in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung aufweisen. Diese Quote wurde 2016 auch für Karlsruhe durch eine Umfrage der Sozial- und Jugendbehörde und der Karlsruher Vereinigung für psy- chisch kranke Kinder und Jugendliche bestätigt. Aus dem fehlenden Fördersystem resultiert eine sehr belastende Situation für die betroffenen Kinder, ihre Eltern, die Erzieher*innen sowie die anderen Kinder der Einrichtung. Es entstehen Notsituationen, die dazu führen, dass einzelne betroffene Kinder die Einrichtung verlassen müssen. (So mussten 31 Kinder im Jahr 2015 in Karlsruhe die Kindertagesstätte wegen ihres Verhaltens verlassen.) Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Es ist dem gemeinnützigen Verein Karlsruher Vereinigung zur Hilfe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e V. zu verdanken, dass ein Pilotprojekt am Katholischen Kindergarten St. Pius in Karlsruhe eingerichtet wurde, um Gelingensfaktoren für die Entwicklung von inklusiven Kitas zu identifizieren. Der Abschlussbericht nach einem Jahr hat die Stärkung der Inklusionskraft der Kita eindrucksvoll bestätigt. Am wirkungsvollsten für den großen Erfolg des Projekts war die Erweiterung des pä- dagogischen Teams durch eine zusätzliche Heilpädagogin. Die Fortbildung des gesamten päda- gogischen Teams, die Supervision, die Einrichtung eines Beirats und einer Koordinierungsgruppe sowie die wissenschaftliche Begleitung durch die PH Karlsruhe waren weitere zentrale Bausteine für den Erfolg. Wir Grüne begrüßen es, dass im Beirat die Fachstellen der Stadt Karlsruhe aktiv eingebunden waren: der Heilpädagogische Fachdienst, die Jugendhilfeplanung und das Kinder- büro. Wir Grüne beantragen deshalb, dass die Erkenntnisse und Empfehlungen aus diesem Pilot- Projekt für die von der Stadtverwaltung auf unseren Antrag „Bessere Rahmenbedingungen für Inklusion“ angekündigte Konzeption für inklusive Kitas berücksichtigt werden. Wir halten es vor allem für notwendig, dass in Kindertagestätten mit einem hohen Anteil von Kindern mit großen Problemen bei ihrer psychischen und sozialen Entwicklung sowie mit schweren Verhaltensstö- rungen die interdisziplinäre Zusammensetzung des pädagogischen Teams durch eine Heilpäda- gogin oder vergleichbar qualifizierte Fachkraft verstärkt wird. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, dass auch für diese Kinder das Recht auf Inklusion gilt, wie es die UN-Behindertenrechts- konvention verbindlich vorschreibt. Deshalb halten wir es für wichtig, dass mit der Umsetzung bereits zum kommenden Kitajahr begonnen wird. Dabei können wichtige zusätzliche Erfahrun- gen gewonnen werden, um das Konzept stufenweise auf alle Kitas mit besonderem Unterstüt- zungsbedarf zu übertragen. unterzeichnet von: Renate Rastätter Verena Anlauf Zoe Mayer Ekkehard Hodapp Tim Wirth
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2019/0104 Dez. 3 Inklusion umsetzen: Stärkung der Kitas für den Umgang mit der Heterogenität der Kinder Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 26.03.2019 27 X Kurzfassung Der Heilpädagogische Fachdienst ist in Karlsruhe ein bewährtes und nachhaltiges Unterstüt- zungssystem zur Förderung der Inklusion von Kindern mit herausforderndem Verhalten in Kin- dertageseinrichtungen. Darauf aufbauend befindet sich die Sozial- und Jugendbehörde in einem Planungsprozess zur verbesserten Förderung der Inklusion von Kindern mit besonderen emotio- nalen und sozialen Bedürfnissen in Kindertageseinrichtungen. Der enge fachliche Austausch mit dem fachlichen Beirat wird fortgesetzt. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Fol- geerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant x Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Die Stadtverwaltung erstellt im Rahmen eines Modellprojektes ein Konzept, um Kinder mit besonderem sozial-emotionalem Bedarf und Kinder mit herausfordern- dem Verhalten adäquat in stadtteileigenen Kindergärten betreuen und sie und de- ren Familien unterstützen zu können (Inklusion). Die Sozial- und Jugendbehörde befindet sich derzeit in einem Planungsprozess, um Kinder mit besonderen sozialen und emotionalen Bedürfnissen (das heißt ohne Diagnose einer „wesentlichen Behinderung“ oder „drohenden Behinderung“) Unterstützung zukommen zu lassen. Das Ziel des Konzepts zur Verbesserung der Inklusion von Kindern mit herausfor- derndem Verhalten ist, dem Unterstützungsbedarf der Kindertageseinrichtungen, Familien und Kindern niedrigschwellig zu begegnen. Der Planungsprozess berücksichtigt drei Ebe- nen: Einrichtung, Familie und Kind. Damit wird eine ganzheitliche Förderung verfolgt, um der Komplexität und Multidimensionalität des Themas Rechnung zu tragen. Ganz im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und des inklusiven Gedankens, werden die sozial- räumliche Nähe und der Verbleib des Kindes in der stadtteileigenen Kindertageseinrichtung als entscheidende Kriterien bei der Erstellung des Konzepts betrachtet. Die Sozial- und Jugendbehörde wird im Jugendhilfeausschuss am 14. Oktober 2019 zum Thema „Förderung der Inklusion von Kindern mit besonderen emotionalen und sozialen Be- dürfnissen in Kindertageseinrichtungen“ eine Vorlage einbringen. 2. Sie orientiert sich dabei an den Erfahrungen und Erkenntnissen sowie Empfehlun- gen des Pilot Projekts „Stärkung von Kindern mit herausforderndem Verhalten in Kindertagesstätten“, das von der Karlsruher Vereinigung zur Hilfe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e. V. initiiert und ein Jahr im Katholischen Kinder- garten St. Pius erprobt wurde. Zusammenfassende Stellungnahme zu den Punkten 2 und 4: Die Arbeitsgruppe „Kinder mit besonderen sozial und emotionalen Bedürfnissen“ unter Fe- derführung der Jugendhilfeplanung besteht bereits seit dem Jahr 2015. Wie bereits er- wähnt, wurde auf Initiative dieser Arbeitsgruppe eine Befragung zu Kindern mit herausfor- dernden Verhaltensweisen in Karlsruher Kitas durchgeführt und die Koordination von der Sozial- und Jugendbehörde übernommen. In enger Zusammenarbeit mit den Vertretern der Karlsruher Vereinigung zur Hilfe für psy- chisch kranke Kinder und Jugendliche e. V. und dem Heilpädagogischen Fachdienst wurden die Ergebnisse analysiert und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Befragung flossen unter anderem in die Konzeptgestaltung des Pilot-Projekts „Stärkung von Kindern mit herausfor- derndem Verhalten in Kindertagesstätten“ in Trägerschaft der Katholischen Kirche mit ein. Im Rahmen der Arbeitsgruppe fand ein regelmäßiger und intensiver Austausch während der Projektphase statt. In der Erarbeitung des Konzepts zur Förderung der Inklusion von Kindern mit besonderem Bedarf bilden die Erfahrungen und Erkenntnisse des Pilot-Projekts weiterhin eine wichtige Grundlage. Aufbauend auf der bereits bestehenden engen Kooperation und dem intensiv geführten fachlichen Austausch sollen der fachliche Beirat und die Koordinierungsgruppe auch in Zu- kunft enge Partner sein, um die Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen weiter voran zu bringen. Bei Bedarf kann es punktuell zu einer fachlichen Öffnung des bestehen- den Gremiums kommen. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 3. Mit der Umsetzung der zusätzlichen Einbeziehung einer heilpädagogischen Fach- kraft wird im Kindergartenjahr 2019/20 an drei Kindertagestätten mit einem be- sonderen Unterstützungsbedarf begonnen, davon an mindestens einer kommuna- len Kita. Mit dem Aufbau des Heilpädagogischen Fachdienstes hat sich die Stadt Karlsruhe bereits 2008 auf den Weg gemacht, um ein Unterstützungssystem zur Förderung der Inklusion von Kindern mit herausforderndem Verhalten zu installieren. Die zentralen Ziele waren bereits damals die Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen und die Verbesserung der In- klusion. Seit dem Jahr 2009 hat sich der Heilpädagogische Fachdienst in Trägerschaft der Reha- SüdWest als mobiles Betreuungsangebot für die pädagogischen Fachkräfte der Karlsruher Kindertageseinrichtungen etabliert. Die Erzieherinnen und Erzieher erhalten durch den Heil- pädagogischen Fachdienst eine fachliche Beratung zu Fragen der sozial-emotionalen Ent- wicklung und dem pädagogischen Unterstützungsbedarf der Kinder. Zusätzlich zur Fallbera- tung der pädagogischen Fachkräfte werden vom Heilpädagogischen Fachdienst zudem Wei- terbildungen und Fortbildungen angeboten. Neben der aufsuchenden Arbeit verfügt der Heilpädagogische Fachdienst über einen flexibel einsetzbaren Ressourcenpool zur Stärkung des pädagogischen Personals in einer Einrichtung mit einem herausfordernden Kind. In einem solchen Fall kann es zum Einsatz einer zusätzli- chen Fachkraft für einen befristeten Zeitraum kommen. Die strukturelle und zeitlich be- grenzte Personalaufstockung hat sich in den letzten Jahren bewährt und wird als nachhalti- ge Form betrachtet, den Kindertageseinrichtungen in herausfordernden Situationen schnell und unbürokratisch Unterstützung zukommen zulassen. 4. Das Unterstützungssystem mit einem fachlichen Beirat und einer Koordinierungs- gruppe wird beibehalten. Siehe Antwort zu Punkt 2.
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Niederschrift 62. Plenarsitzung des Gemeinderates 26. März 2019, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 27. Punkt 27 der Tagesordnung: Inklusion umsetzen: Stärkung der Kitas für den Um- gang mit der Heterogenität der Kinder Antrag: GRÜNE Vorlage: 2019/0104 Beschluss: Verwiesen in den Jugendhilfeausschuss Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Die Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 27 zur Behandlung auf. Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Wir GRÜNEN hatten schon etliche Anträge in den Ge- meinderat eingebracht zur Stärkung der Inklusionskraft der Kindertagesstätten, und das ist jetzt kein Gegensatz dazu, dass wir bereits in Baden-Württemberg und auch in Karlsruhe eine sehr gute Qualität der Kindertagesstätten insgesamt haben, insbesondere beim Perso- nalschlüssel. Aber bislang ist es noch nicht gelungen, diesen großen Handlungsbedarf zu erfüllen, nämlich die Kitas auch zu inklusiven Kindertagesstätten weiterzuentwickeln. Wir sind dazu verpflichtet, nicht zuletzt auch durch die UN-Konvention für die Rechte Behinder- ter, und wir müssen uns da jetzt wirklich auf den Weg machen, um dies zu erreichen. Inso- fern geht dieser Antrag in diese Richtung. Er bezieht sich allerdings auf ein Pilotprojekt, das jetzt auch von einem Verein eingeleitet wurde, und bei dem, in Zusammenarbeit mit dem Heilpädagogischen Dienst und der Stadtverwaltung, das Pilotprojekt durchgeführt wurde. Es geht um die Frage, wie man Kitas so ausgestalten und solche Konzepte umsetzen kann, dass speziell die Kinder, die heute noch durch alle Raster fallen, insbesondere Kinder mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen, aufgefangen werden. Ich will jetzt gar nicht erwähnen, welcher Problemdruck dadurch entsteht für die Familien, Eltern, die Kitas selbst und auch für Kinder mit psychosozialen Problemlagen, die keine entsprechende kin- derpsychiatrische Diagnostik haben. Wir begrüßen die Antwort der Stadtverwaltung, dass hier jetzt in die Planung gegangen wird, und dass dazu eine Vorlage für den Jugendhil- – 2 – feausschuss im Oktober erstellt wird. Insoweit werden wir dann bei dieser Gelegenheit die Fachdebatten noch einmal führen. Deshalb verzichte ich jetzt noch näher in die Details ein- zugehen, aber zumindest ist jetzt schon mal ein Weg eingeleitet worden. Wir müssen hier an der Stelle vorankommen. Das sind wir speziell diesen Kindern und Eltern, die wirklich unter großen Problemen leiden, und den Kindertagesstätten, die mit dieser besonderen pädagogischen Herausforderung nicht klar kommen, das sind wir denen schuldig. Stadträtin Meier-Augenstein (CDU): Die GRÜNE-Fraktion hat hier in dem Antrag ein wichtiges Thema angesprochen. Wir sind darüber dankbar, dass wir uns damit im Jugend- hilfeausschuss intensiver beschäftigen, weil diese Heterogenität die Arbeit in den einzelnen Einrichtungen erschwert und gerade da, wo sie besonders stark ausgeprägt ist, es die Ar- beit sehr schwierig macht. Wir müssen auch bedenken, wir reden jetzt über die Kitas, die Probleme lösen sich nicht auf. Diese Auffälligkeiten bleiben bestehen, wenn die Kinder in das schulfähige Alter kommen, das heißt, es ist schon in unserem Sinne, dass wir uns hier weiter mit dem Thema beschäftigen und gemeinsam überlegen, wie wir hier weiter tätig werden können. Deswegen begrüßen wir es auch, dass die Verwaltung an dem Thema dran ist, dass wir uns am 14. Oktober 2019 im Jugendhilfeausschuss mit der Vorlage be- schäftigen werden. Von unserer Seite wären wir dankbar, wenn wir noch ein paar Zahlen drum herum bekommen könnten. Wie viel Kinder sind es denn im Moment? In welchen Einrichtungen sind sie? Kann man das einfach so ein bisschen sagen? Mich persönlich hat die Zahl, die die Kollegen in ihrem Antrag genannt haben, geschockt, dass 31 Kinder sogar die Einrichtungen verlassen mussten. Das bedeutet 31 Einzelschicksale und Familien, die dahinter stehen! Damit wir uns mit der Thematik ein bisschen intensiver beschäftigen kön- nen, würden wir um weitere Informationen für die Ausschusssitzung bitten. Stadträtin Melchien (SPD): Die SPD-Fraktion ist der Stadtverwaltung dankbar, dass sie in der Antwort auf den vorliegenden Antrag der GRÜNEN, ausführlich und dezidiert be- schreibt, wie lange und mit welchen Maßnahmen wir in Karlsruhe bereits daran arbeiten, Kinder mit herausforderndem Verhalten besser zu unterstützen und somit Inklusion zu för- dern, und dass dieser Weg auch weiter bestritten wird. Wir unterstützen dabei ausdrück- lich die Herangehensweise mit Hilfe eines flexibleren einsetzbaren Ressourcenpools als nachhaltige Formen, Kitas in herausfordernden Situationen schnell und unbürokratisch Un- terstützung zukommen zu lassen. Zusätzliche Ressourcen lediglich einzelnen Kitas zukom- men zu lassen, wie im GRÜNEN- Antrag gefordert, lehnen wir ab, da dies auch eine Frage der Haushaltsberatungen gewesen wäre. Auch sind wir der Karlsruher Vereinigung zur Hil- fe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche, so wie dem Pius-Kindergarten der Seelsor- geeinheit Allerheiligen, sehr zu Dank verpflichtet, dass wir aufgrund ihres Projektes wert- volle Erkenntnisse in diesem Bereich gewonnen haben. Es ist gut und richtig, dass die Sozi- al- und Jugendbehörde diese Erkenntnisse in die aktuelle Konzepterstellung einbezieht und wir freuen uns darauf, mit allen gemeinsam im Oktober darüber zu beraten, wie wir noch gezielte und verstärkt wichtige Unterstützung leisten können. Der Abschlussbericht des Projekts liefert hierzu vielfältige Ideen, neben der im Antrag angesprochenen interdiszipli- naren Zusammenarbeit mit der Heilpädagogik auch mehr Beratung zur Verfügungszeit, oder beispielsweise Teamschulungen und Supervision. Irritiert sind wir über die Forderung, ein weiteres Modell, wohl aber in ähnlicher oder gleicher Form, durchzuführen, und dabei eine der kommunalen Kitas, ungeachtet der besonderen Problemlagen, zum Zug kommen zu lassen. Sie sind jetzt in der Begründung gar nicht darauf eingegangen, aber da es im Antrag so steht, möchte ich auch dazu Stellung nehmen. Uns liegt ein detaillierter Ab- schlussbericht vor, erarbeitet von den Projektträgern in Zusammenarbeit mit dem fachli- – 3 – chen Beirat und der Koordinierungsgruppe, also dem Heilpädagogischen Dienst, dem Ju- gendamt sowie mit Unterstützung der PH und ihrer fachlichen Expertise. Die Grundlagen zur Beratung im Ausschuss sind aus unserer Sicht damit gelegt und Perspektiven bezie- hungsweise Handlungsmöglichkeiten hinreichend aufgezeigt. Stadtrat Lancier (KULT): Grundsätzlich ist Inklusion im gesamten Bildungsweg, eine mitt- lerweile allgemein gestellte Forderung aller Parteien mit sozialem Gewissen. Aber offen- sichtlich ist es auch von der Verwaltung bereits verinnerlicht, wie für uns von der KULT, aus der Antwort der Verwaltung hervorgeht. Auch wenn wir annehmen, dass dies ohne Verlust bei der Behandlung in den entsprechenden Ausschüssen hätte geklärt werden können, ist es gut, dass der Gemeinderat auf diese Dinge ein Auge behält, und allen Menschen, unab- hängig von Maß und Art einer Behinderung, die Beteiligung an allen Aspekten einer Stadt- gesellschaft ermöglicht. Wir sind daher mit der Aussage der Verwaltung sehr zufrieden und hoffen auf eine reibungslose Fortsetzung und Umsetzung. Stadtrat Høyem (FDP): Inklusionen sollen und müssen wir in den Kitas durchsetzen, wo es möglich ist. Das wünscht sich unsere GRÜNE Fraktion und das wünschen wir uns alle. Aber noch besser, die Verwaltung antwortet auf die Wünsche in diesem Antrag, das tun wir schon und das wollen wir auch weiter so tun. Falls die GRÜNEN das gewusst haben, wäre der Antrag überflüssig, falls die GRÜNEN das nicht gewusst haben, hätten Sie eigent- lich kein Problem. Stadtrat Kalmbach (FÜR Karlsruhe): Dieser Vortrag, bei dem dieses Modell vorgestellt wurde, war beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Ich war dabei, und ich möchte daran erinnern, dass der Vortragende gesagt hat, in Ordnung, wenn wir das machen, dann müs- sen wir in den Kitas eine deutliche Qualitätserhöhung durchsetzen. Das heißt, dass der Lei- ter einer Einrichtung sich während seiner täglichen Arbeit mehr Zeit nehmen und mehr Raum/Flächen für die Kinder freisetzen muss, auch wird vorausgesetzt, dass die Gruppen kleiner werden. All das bedeutet, dass wir deutlich mehr investieren müssen. Das hat der Paritätische Wohlfahrtsverband zu der Aussage bewogen, dass es zuerst um die Qualität der Einrichtungen gehen soll, und dann erst um kostenfreie Kitas. Das glaube ich auch, es entspricht meiner Überzeugung. Wenn wir konsequent diesen Weg gehen, dann müssen auf einige Zeit auf kostenfreie Kitas verzichten und erstmal Qualität schaffen, und dann können wir uns über alles andere unterhalten. Der Vorsitzende: Das waren jetzt alle Wortmeldungen, die antragstellende Fraktion war einverstanden, dass wir das am 9. Oktober 2019 im Jugendhilfeausschuss diskutieren. Ich möchte nur auf Folgendes hinweisen, dass ein Pilotprojekt erfolgreich ist, wenn zu einer guten Ausstattung in Karlsruhe durch die Bertelsmann-Stiftung noch eine ganze Heilpäda- gogin in eine Kita kommt, um sich dort um die besonderen Herausforderungen zu küm- mern. Es spricht vor allem mal dafür, dass zusätzliche heilpädagogische Kompetenz sich immer positiv auf die Kita auswirkt, weil mehr Personal mehr bewirken kann, als weniger Personal. Daraus jetzt abzuleiten, dass wir für alle Kindertagesstätten, zusätzlich zu unse- rem Förderrahmen, noch eine heilpädagogische Fachkraft einsetzen, davor möchte ich warnen, und darum bitten, eine Lösung zu finden, die heilpädagogische Kompetenz in den Einrichtungen zu steigern, die auch gut dort zu steigern ist, bei der Kompetenz der Erziehe- rinnen und Erzieher und nicht nur durch eine zusätzliche Heilpädagogin. Sie haben sich auch mit uns darüber verständigt, dass für jedes als Inklusion anerkannte Kind, um 0,1 Pro- zent der Personalschlüssel gesteigert wird. Viele dieser Kinder mit herausforderndem Ver- – 4 – halten können sich nach dem Paragraph 35 a Kinder- und Jugendhilfe Gesetz auch als för- derbedürftig erklären, und dann kann ich auch für die eine 0,1 Prozent-Personalstelle ein- richten. Wenn ich dann zehnmal eine 0,1 Prozent-Personalstelle habe, kann ich eine ganz neue zusätzliche Personalstelle einplanen und dann hindert niemand eine Kita daran, diese eine Personalstelle mit einer Heilpädagogin zu besetzen. Ich will einfach nur deutlich ma- chen, dass ich es gut fände, wenn man es am Ende in unser bestehendes Fördersystem von Inklusion einbaut, und nicht jetzt für bestimmte Untergruppen der Inklusion, wieder ein neues Fördersystem neben dran stellt. Das müssten Sie im Oktober miteinander klären. Dass der Bedarf sinnvoll ist, ist nicht strittig, aber nicht, wenn ich jetzt versuche, zu viele unterschiedliche Konzepte nebeneinander zu stellen, sondern unsere bisherige Struktur fördere. Das war mein Wunsch an dieser Stelle, ohne dass ich mich sonst in die Fachdiskus- sion einmischen werde. Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Ich habe das jetzt in meinem Beitrag nicht erwähnt, und offensichtlich hat Kollege Høyem nicht gelesen, dass es darum geht, mehr heilpädagogi- sche Kompetenz in die Kindertagesstätten einzubringen. In der Antwort der Stadtverwal- tung steht, dass man die flexible heilpädagogische Kompetenz schon einbringt, nur kommt sie noch nicht an, weil es offensichtlich noch nicht genügend gibt. Es gibt die Reha Süd- west, die können das gelegentlich machen, in der Regel handelt es sich dabei um Bera- tung. Es gibt auch Weiterbildungsangebote, das ist hervorragend, aber im Grunde muss man tatsächlich mehr heilpädagogische Kompetenz in die Kitas einbringen. Wir haben bei der Sprachförderung halbe Stellen in den Kindertagesstätten geschaffen, und ich sehe kei- nen Grund, Herr Oberbürgermeister, warum wir da, wo der Bedarf höher ist, nicht auch in diese Richtung gehen. Genau das ist unser Anliegen. Genau diese interdisziplinäre Zusam- menarbeit unterschiedlicher Disziplinen in dieser Kindertagesstätte St. Pius, hat dazu ge- führt, dass der besondere Erfolg am Schluss auch in dem Abschlussbericht enthalten war. Das möchte ich nur ergänzend erwähnen, damit nicht der Eindruck entsteht, wie bei Herrn Høyem, der offensichtlich die Antworten nicht ausführlich genug liest und meint, es würde schon alles gemacht werden. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 29. April 2019 – 5 –