Gesamtkonzeption Frühe Prävention Karlsruhe - Fortschreibung 2019

Vorlage: 2018/0743
Art: Beschlussvorlage
Datum: 24.10.2018
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat Beratung Doppelhaushalt (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 20.11.2018

    TOP: 4

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mehrheitlich beschlossen

Zusätzliche Dateien

  • TOP 4 Anlage 1 farbig Gesamtkonzept_Fruehe_Praevention_Karlsruhe
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Gesamtkonzeption und Qualitätsstandards der Frühen Prävention Karlsruhe ANLAGE 2 Impressum Copyright Stadt Karlsruhe Herausgegeben von: Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Redaktion: Siegfried Mutschler-Firl Jonas Nees Frauke Ostmann Ulrich Schierlinger Dr. Frauke Zahradnik Layout Pruß Bilder Titel: www.pixelio.de jenzig Druck Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand Fortschreibung, Februar 2018 Die aktuellen Kontaktdaten der verschiedenen Stellen der Frühe Prävention finden Sie im Internet unter: www.karlsruhe.de/b3/soziales/einrichtungen/kinderbuero/fruehe_praevention 3 Vorwort Die Frühe Prävention der Stadt Karlsruhe zielt ab auf eine frühe Förderung der sicheren familiären Bindungen sowie die Be- und Erziehungsfähigkeit aller Eltern von Babys und Kleinkindern in Karlsruhe. Die früh ansetzenden Angebote sollen den Eltern Entlastung und Unterstützung bieten. Gleichzeitig möchte die Stadt Karlsruhe zeigen, dass Babys und Kleinkinder erwünscht und Familien willkommen sind. Die Zielgruppe der meisten Angebote der Frühen Prävention sind Schwangere sowie Eltern mit Kindern von null bis drei Jahren. In der Frühen Prävention arbeitet die Stadt Karlsruhe in Kooperation mit dem Gesund- heitsamt mit verschiedenen Trägern zusammen, die differenzierte Angebote unter- schiedlichen Inhalts und für unterschiedliche Zielgruppen machen. Zur Sicherung einer hohen Qualität sowohl dieser Angebote als auch der Zusammenarbeit und der Effekti- vität wurden die vorliegenden Standards erarbeitet. Sie gelten für alle benannten Ar- beitsbereiche und Träger, werden aber im Einzelfall durch spezielle Vereinbarungen zwischen Stadt und Trägern ergänzt und erweitert. Zur Sicherung der Qualität gibt es bereits die fachlichen Grundlagen der Frühen Prävention. Die Standards werden regelmäßig überprüft, den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen angepasst und fortgeschrieben. Martin Lenz Bürgermeister 4 Inhalt 1. Strukturqualität 5 1.1 Arbeitsfeld der frühen Prävention in Karlsruhe 5 1.2 Bausteine der frühen Prävention 1.2.1 Bausteine aus dem Bereich der Jugendhilfe 7 1.2.1.1 Willkommensbesuche 7 1.2.1.2 Startpunkt-Elterncafes 7 1.2.1.3 Fachteam Frühe Kindheit 9 1.2.1.4 Familienhebammen 10 1.2.1.5 Beratungsstelle Frühe Hilfen 12 1.2.1.6 wellcome 13 1.2.1.7 SAFE®-Elternkurse 14 1.2.1.8 Landesprogramm STÄRKE 15 1.2.1.9 Koordination der Frühen Prävention im Kinderbüro 16 1.2.2 Bausteine aus dem Bereich des Gesundheitsamtes 1.2.2.1 Familienhebammen 18 1.2.2.2 Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin 18 1.2.2.3 Ärztinnen des Gesundheitsamts im Sachgebiet Frühe Hilfen 19 1.3 Gremien in der frühen Prävention 19 1.3.1 Lenkungsgruppe 19 1.3.2 Planungsrunde Frühe Prävention 20 1.3.3 Netzwerk Frühe Prävention 20 1.3.4 AK „Fühl mal“ 21 2. Prozessqualität 21 2.1 Teambesprechungen und Intervision 21 2.2 Beratungsteam Frühe Prävention 21 2.3 Vernetzung und interdisziplinärer Austausch 22 2.4 Kooperationsgrundsätze in der Frühen Prävention 22 2.5 Grundsätze der Kooperation mit dem Sozialen Dienst bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung 24 2.6 Fortbildung und Supervision 24 3. Ergebnisqualität 25 3.1 Dokumentation und Statistik 25 3.2 Öffentlichkeitsarbeit 25 3.3 Evaluation 25 5 1. Strukturqualität 1.1 Arbeitsfeld der Frühen Prävention Ziel der Frühen Prävention in Karlsruhe ist die Schaffung einer früh ansetzenden bedarfsgerechten Unterstützung für Schwangere und Eltern mit Kindern bis drei Jahren. In Kooperation zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Gesundheitsamt geschieht dies durch den Ausbau bereits vorhande- ner Strukturen und durch Vernetzung und Weiterentwicklung der bestehenden Angebote. Hierbei handelt es sich sowohl um Angebote aus dem Bereich der Jugendhilfe als auch aus dem Gesund- heitswesen. Die Frühe Prävention in Karlsruhe verfügt im Bereich der Jugendhilfe über die folgenden Bausteine: • Willkommensbesuche • Startpunkt-Elterncafés • Fachteam Frühe Kindheit • Familienhebammen • Beratungsstelle Frühe Hilfen • Projekt „wellcome“ • SAFE-Kurse • Landesprogramm STÄRKE • Koordination/Jugendhilfeplanung Im Bereich der Frühen Prävention des Gesundheitsamtes umfasst sie: • Familienhebammen • Familiengesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen des Gesundheitsamtes • Ärztinnen des Gesundheitsamtes Weitere Beratungs- und familienentlastende Angebote im Netzwerk: Weitere wichtige Partnerinnen und Partner der Frühen Prävention sind die Schwangerenbera- tungsstellen sowie die freiberuflichen Hebammen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frü- hen Prävention kooperieren mit der Beratungsstelle AllerleiRauh, der Frühförderstelle, dem Heilpä- dagogischen Fachdienst, den Kinderärztinnen und Kinderärzten und weiteren Fachärztinnen und Fachärzten sowie mit den Kliniken in Karlsruhe, der Abteilung Kindertageseinrichtungen, dem Kinderschutzbund Karlsruhe, dem Pflegekinderdienst und der Adoptionsvermittlung, der Psycho- logischen Beratungsstelle, dem Psychosozialen Dienst, dem Sozialen Dienst sowie der Sozialmedi- zinischen Nachsorge. Als ergänzendes Entlastungsangebot für Familien entstand das Projekt Mi- nikids (Hilfe durch Ehrenamtliche), um Familien mit Kindern von ein bis drei Jahren praktische Un- terstützung zukommen zu lassen. 6 Die Frühe Prävention in Karlsruhe wird trägerübergreifend umgesetzt. Damit sind fast alle großen Wohlfahrtsverbände in Karlsruhe an der Umsetzung des Konzepts beteiligt. Die Stadt Karlsruhe stellt die Koordination/Jugendhilfeplanung der Frühen Prävention sowie die Beratungsstelle Frühe Hilfen. Das Gesundheitsamt stellt die Ärztinnen und die Kinderkrankenschwestern. Ebenfalls dort ange- siedelt ist eine Familienhebamme. Darüber hinaus setzen neun Träger in Karlsruhe einzelne Bausteine der Frühen Präventi- on um: • Diakonisches Werk Karlsruhe (Fachteam, Startpunkt-Elterncafé) • Sozialdienst katholischer Frauen (Fachteam, Startpunkt-Elterncafé) • AWO Karlsruhe e. V. (Fachteam, Startpunkt-Elterncafé, SAFE Kurse) • Stadtjugendausschuss e. V. (Startpunkt-Elterncafé) • Caritas e. V. Karlsruhe (Startpunkt-Elterncafé) • Verein für Jugendhilfe e. V. (Startpunkt-Elterncafé) • pro familia Karlsruhe (Startpunkt-Elterncafé, Familienhebamme) • Paritätische Sozialdienste (Startpunkt-Elterncafé, wellcome) • Hardtstiftung (Startpunkt-Elterncafé) Die Dienst- und Fachaufsicht für die Mitarbeitenden liegt jeweils bei den Trägern. Dort sind ent- sprechende Strukturen der Hierarchie, Zusammenarbeit sowie fachlicher Beratung und Supervision vorhanden, die die Qualität der Frühen Prävention maßgeblich fördern. Die Zusammenarbeit mit den städtischen Dienststellen ist in Kooperationsvereinbarungen mit den Trägern festgelegt. 7 1.2 Bausteine der Frühen Prävention Die unterschiedlichen Bausteine haben beratende, unterstützende, vermittelnde und koordinieren- de Funktionen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf der Basis der gemeinsam erarbeiteten „Fachli- chen Grundlagen der Frühen Prävention in Karlsruhe“ entstanden sind, die im Arbeitskreis „Fühl mal“ erstellt wurden und bei Bedarf weiterentwickelt werden. Ein grundlegender Bestandteil der Arbeit ist die enge Vernetzung und fallbezogene sowie fall- übergreifende Kooperation der verschiedenen Berufsgruppen auch unter Einbeziehung anderer Beteiligter der Jugendhilfe. Alle Angebote sind dem Kindeswohl verpflichtet, achten auf mögliche Gefährdungen und arbeiten nach Maßgabe des Kinderschutzgesetzes mit „Insoweit erfahrenen Fachkräften“ zur Gefähr- dungseinschätzung und bei Bedarf mit dem Jugendamt/Sozialen Dienst zusammen. Einige Bausteine der Frühen Prävention können derzeit aus Mitteln des Landesprogramms „STÄR- KE“ und aus der Bundesstiftung Frühe Hilfen (co-)finanziert werden. 1.2.1 Bausteine aus dem Bereich der Jugendhilfe 1.2.1.1 Willkommensbesuche Freiberufliche Hebammen führen im Rahmen der Nachsorge von betreuten Frauen ein zusätzliches Informationsgespräch durch. Grundlage der Informationsgespräche sind die fachlichen Grundla- gen der Frühen Prävention. Bei einem Termin innerhalb der Nachsorgetätigkeit nehmen sich Heb- amme und Eltern ausreichend Zeit, um die Angebote der Stadt Karlsruhe und der Kooperations- partner der Frühen Prävention anhand der Begrüßungsmappe durchzusprechen. Hierfür eignet sich ein Zeitpunkt, wenn die Eltern mit der Hebamme schon etwas vertraut sind und insgesamt Bereitschaft besteht, sich zusätzlich zur Wochenbettbetreuung Zeit zu nehmen. Die Hebamme weist die Eltern auf die Angebote hin und führt aus, was sich dahinter verbirgt, wann welches Angebot sinnvoll und wie der Zugang ist. Bei Bedarf stellt die Hebamme direkt den Kontakt her und nimmt so die Rolle einer Lotsin ein, die die Eltern in passgenaue Hilfen/Angebote vermittelt. Am Ende der Nachsorgetätigkeit weist die Hebamme noch einmal auf die Angebote hin. Die ko- operierenden Hebammen erhalten eine jährliche Schulung. 1.2.1.2 Startpunkt-Elterncafés Die Startpunkt-Elterncafés bauen auf bereits bestehenden Strukturen auf und vernetzen sich mit vorhandenen Angeboten im Stadtteil. Startpunkt-Elterncafés halten zusätzliche bedarfsgerechte Angebote vor. Ziele Die Startpunkt- Elterncafés sind stadtteil- und sozialraumorientierte Angebote und somit eine niedrigschwellige Anlaufstelle mit Beratung in Fragen rund um die Lebenssituation von Schwange- 8 ren und Familien mit Säuglingen und Kleinkindern von null bis drei Jahren. Eltern können dort frühzeitig zielgenaue und unmittelbare Hilfe und Unterstützung erhalten oder bei Bedarf vermittelt bekommen. Darüber hinaus können Eltern dort andere Eltern treffen und Kontakte aufbauen. Zugang Die Startpunkt-Elterncafés sind an verschiedenen Wochentagen und Tageszeiten geöffnet, um vielen Familien den Besuch zu ermöglichen. Verlässliche Öffnungszeiten auch in den Ferienzeiten sind Voraussetzung. Die Angebote sind für alle Familien kostenfrei und leicht zugänglich. Für eine erfolgreiche interkulturelle Öffnung ist es wichtig, dass die Angebote die Lebensweise von Migran- tinnen und Migranten berücksichtigen. Spezielle Angebote für Migrantinnen und Migranten wer- den bei Bedarf durchgeführt. Die verschiedenen Angebote sind durchlässig und aufeinander abge- stimmt. Innerhalb der Öffnungszeiten können die Besuchszeiten individuell gestaltet werden. Aufgaben a. Erstberatungskontakte • Ausgabe der Begrüßungsmappe, sofern sie den Eltern noch nicht vorliegt. • Ausgabe des Begrüßungsgeschenks (Handtuch mit dem Karlsruher Logo). • Vermittlung weiterführender Beratung und Unterstützung. b. Elterncafé • Die Startpunkt- Elterncafés sind ganzjährig auch in den Ferien mindestens zwei Stunden pro Woche geöffnet. • Die Startpunkt-Elterncafés werden von einer Fachkraft mit einem abgeschlossenen Studium in Sozialer Arbeit oder einem vergleichbaren Abschluss geleitet. • Das Angebot der Kinderbetreuung entlastet die Eltern. • Feste qualifizierte Ansprechpersonen schaffen eine vertrauensvolle Atmosphäre und unterstüt- zen die Bereitschaft der Eltern, die Angebote wahrzunehmen. Sie stehen bei Problemen und Fragen zur Verfügung und können gegebenenfalls weitervermitteln an die anderen Bausteine der Frühen Prävention. Sie vermitteln insbesondere verunsicherten und belasteten Familien Si- cherheit, Vertrauen und Wertschätzung. • Die Cafébesucherinnen und -besucher erhalten regelmäßige Informationen über die Angebote der Frühen Prävention in Karlsruhe, sowie umfassende Informationen zu familienrelevanten Themen und Angeboten im Stadtteil und in Karlsruhe. • Die Caféleiterinnen fördern den selbstständigen Austausch der Besucherinnen und Besucher. • Familien und Besucherinnen und Besucher werden nach Möglichkeit in Planung, Durchführung und Bewertung von Angeboten einbezogen. Eigene Aktionen der Eltern sind nach Absprache erwünscht und können bei vorhandenen Ressourcen durchgeführt werden. 9 c. Kooperationen mit den Fachkräften der Frühen Prävention • Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Startpunkt- Elterncafés und anderen Elterncafés besteht in der Kooperation mit den Fachkräften der Frühen Prävention: • Die Startpunkt-Elterncafés erhalten regelmäßig (zwei- bis viermal jährlich) Besuch von folgen- den Fachkräften: Fachteam Frühe Kindheit, Beratungsstelle Frühe Hilfen, Familienhebammen sowie Ärztinnen des Gesundheitsamtes. • Jedes Startpunkt-Elterncafé hat feste Ansprechpartnerinnen, die die Besuche vor Ort tätigen, so dass die Eltern Vertrauen entwickeln können und sich im Café direkt mit ihren Fragen an die Fachleute wenden. • Die Kooperationsbeziehungen werden von der Koordination der Frühen Prävention organisiert. Weitere Kooperation • Die Träger der Startpunkt-Elterncafés verpflichten sich, entweder eine Eltern-Kind-Gruppe (zum Beispiel Gruppe für jugendliche Mütter/Alleinerziehende) durch eine Fachkraft oder jähr- lich einen Kurs für Familien in besonderen Lebenslagen im Rahmen des Landesprogramms STÄRKE anzubieten. • Die Startpunkt-Leiterinnen nehmen an Fortbildungen und Strategieworkshops im Rahmen der Frühen Prävention teil. • Die Zusammenarbeit und Vernetzung mit den anderen Startpunktleiterinnen, mit weiteren Akteuren im Stadtteil sowie die Zusammenarbeit mit anderen Trägern und der Koordinie- rungsstelle/Jugendhilfeplanung der Stadt Karlsruhe ist gewährleistet. 1.2.1.3 Fachteam Frühe Kindheit Das „Fachteam Frühe Kindheit“ leistet sozialpädagogische Beratung, Begleitung und Vermittlung in weiterführende Hilfen für Schwangere und Familien mit Säuglingen und Kindern von null bis drei Jahren. Die Mitarbeiterinnen haben eine Ausbildung als Diplom-Sozialpädagogin oder eine vergleichbare Ausbildung. Eine zusätzliche Qualifikation im Bereich der Frühen Kindheit ist wünschenswert. Ziele Ziele des Unterstützungsangebots des Fachteams für Schwangere und Eltern mit Kindern von null bis drei Jahren sind: 1. Befähigung zur Selbstverantwortung als Eltern. 2. Stärkung der Beziehungs-, Pflege- und Erziehungskompetenz. 3. Sensibilisierung für die Bedürfnisse der Kinder. 4. Beratung in Fragen des Familienalltags. 5. Klärungshilfen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 6. Soziale Integration als Prävention. 10 7. Erhöhung der Sicherheit der Eltern durch eine vertraute Ansprechperson bei (möglichen) neu- en Krisen und Problemen. Zugang Das Fachteam Frühe Kindheit stellt ein niedrigschwelliges, unbürokratisches und kostenfreies An- gebot der Stadt Karlsruhe im Bereich der Frühen Prävention dar. Die Mitarbeiterinnen können von den Schwangeren und Familien selbst angefragt und um Unterstützung gebeten werden. Gleich- zeitig ist das Fachteam Ansprechperson für Ärztinnen und Ärzte, Kliniken, Schwangerenbera- tungsstellen, Hebammen, den Sozialen Dienst und andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Diese weisen Schwangere und Eltern mit Kindern von null bis drei Jahren auf das Angebot hin und stellen bei Bedarf den Kontakt her. Aufgaben Das Fachteam arbeitet bedarfsorientiert und flexibel mit folgenden Aufgaben: 1. Weitergabe von Informationen über Familienangebote in Karlsruhe. 2. Einzelberatung für Schwangere und Familien mit Kindern von null bis drei Jahren: die Einzelbe- ratung kann unbürokratisch und kostenfrei von den Betroffenen in Anspruch genommen wer- den. 3. Begleitung von Schwangeren und Familien mit Kindern von null bis drei Jahren über einen nach Möglichkeit begrenzten Zeitraum. Stellt sich heraus, dass der Bedarf dadurch nicht ge- deckt werden kann, übernimmt die Mitarbeiterin des Fachteams eine Lotsenfunktion und stellt den Kontakt zu weiterführenden Hilfsangeboten her. Sie begleitet bei Bedarf zu Ämtern. 4. Hausbesuche und Besuche in der Klinik: die Beratung und Begleitung kann in der unmittelba- ren Umgebung der Hilfesuchenden erfolgen. Die Betroffenen erhalten praktische Unterstüt- zung, gemeinsam werden bei Bedarf familienentlastende Systeme aufgebaut. 5. Es werden je nach Bedarf Gruppen mit unterschiedlicher Ausrichtung angeboten. 6. Kooperation mit Startpunkt-Elterncafés: Das Fachteam kooperiert eng mit den Startpunkt El- terncafés. Eine Mitarbeiterin des Fachteams Frühe Kindheit stellt sich als feste Ansprechpartne- rin für bestimmte Startpunkt-Elterncafés zu Verfügung und macht dort regelmäßig (mindes- tens zweimal jährlich) Besuche. 1.2.1.4 Familienhebammen Familienhebammen sind staatlich examinierte Hebammen mit einer Zusatzqualifikation für die aufsuchende Betreuung von Schwangeren, Müttern, Vätern und deren Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahr. Unter den verschiedenen Ansätzen, Frühe Prävention für Familien mit erhöhtem Beratungsbedarf zugänglich zu machen, erweist sich das Konzept der Familienhebammen durch die Ausrichtung auf die körperliche und psychosoziale Gesundheit und durch die Niedrigschwellig- keit des Angebots als sehr erfolgreich. 11 Ziele 1. Unterstützung von Eltern vor und nach der Geburt eines Kindes. 2. Förderung sicherer familiärer Bindungen der Eltern zu ihren Kindern. 3. Sensibilisierung für die Bedürfnisse der Kinder. 4. Stärkung der Beziehungs-, Pflege- und Erziehungskompetenz der Eltern. 5. Beratung und Begleitung zur kindlichen Entwicklung. 6. Unterstützung bei der Überbrückung schwieriger Lebenslagen. Zugang Die Familienhebammen stellen ein niedrigschwelliges, unbürokratisches und kostenfreies Angebot der Stadt Karlsruhe im Bereich der Frühen Prävention dar. Die Familienhebammen können von den Schwangeren und Familien selbst angefragt werden. Gleichzeitig sind die Familienhebammen An- sprechpartnerinnen für den Sozialen Dienst, Ärztinnen und Ärzte, Kliniken, Schwangerenbera- tungsstellen, Hebammen und andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Diese weisen Schwangere und Eltern mit Neugeborenen und Kindern bis zu einem Jahr auf das Angebot hin und stellen bei Bedarf den Kontakt her. Neben den fest angestellten Familienhebammen wird von pro familia Karlsruhe ein zusätzlicher Pool von freien Familienhebammen koordiniert, das heißt der Einsatz erfolgt in Absprache mit pro familia und wird von dort fachlich begleitet. Der zeitliche Umfang dieses Einsatzes beträgt maximal 30 Stunden pro Familie. In begründeten Einzelfällen kann eine höhere Stundenzahl nach Absprache mit der vom Verein benannten Fach- koordination gerechtfertigt und geboten sein. In diesen Fällen werden maximal 30 weitere Stun- den genehmigt. Aufgaben 1. Einzelberatung und Begleitung für Schwangere und Familien mit Neugeborenen und Kindern bis zu einem Jahr. Die Tätigkeiten umfassen Schwangerenbegleitung, Geburtsvorbereitung und -planung, Nachsorge, Stillberatung, Ernährungs- und Beikostberatung, Säuglingspflege, Hygiene, Infos zu Verhütung etc.. 2. Hausbesuche und Besuche in der Klinik. Die Beratung und Begleitung kann in der unmittelba- ren Umgebung der Hilfesuchenden erfolgen. Die Betroffenen erhalten praktische Unterstüt- zung, wenn gewünscht, wird Kontakt zu weiteren Hilfs- oder Unterstützungssystemen aufge- nommen. 3. Enge Kooperation der Familienhebammen mit dem „Fachteam Frühe Kindheit“ und der Bera- tungsstelle Frühe Hilfen, um die sozialpädagogische/psychologische Beratung und Begleitung zu gewährleisten, sowie interne medizinische Fachberatung (pro familia, Gesundheitsamt). 12 1.2.1.5 Beratungsstelle Frühe Hilfen In der Beratungsstelle Frühe Hilfen erhalten Eltern mit Babys und Kleinkindern bis zwei Jahren psy- chologische Frühberatung. Ergänzend zu den Einzelkontakten erfolgen regelmäßige Besuche in den Startpunkt-Elterncafés sowie in verschiedenen Eltern-Kind-Gruppen. Die Beratungsstelle ist mit anderen Fachleuten und Akteurinnen und Akteuren der Frühen Prävention eng vernetzt. Die Mitarbeiterinnen sind Diplom-Psychologinnen (oder vergleichbar) und verfügen über therapeuti- sche Zusatzausbildung und eine spezielle Ausbildung in Eltern-Baby/Kleinkind-Beratung. Ziele In den ersten zwei Lebensjahren eines Kindes stehen sehr viele neue Entwicklungsschritte an. El- tern müssen sich immer wieder neu auf die Bedürfnisse ihres Kindes einstellen. Die Beratungsstelle Frühe Hilfen bietet Information, Orientierung, Beratung und Unterstützung bei schwierigen Situa- tionen mit dem Kind und bei Unsicherheiten der Eltern. Sie hilft so, Bindungen zu stärken und Entwicklungsrisiken zu minimieren. Zugang Die Beratungsstelle Frühe Hilfen stellt ein niedrigschwelliges, unbürokratisches und kostenfreies Angebot der Stadt Karlsruhe im Bereich der Frühen Prävention dar. Die Mitarbeitenden können von den Familien selbst angefragt und um Unterstützung gebeten werden. Auch eine anonyme Beratung ist möglich. Gleichzeitig ist die Beratungsstelle Ansprechpartnerin für Ärztinnen und Ärzte, Kliniken, Schwangerenberatungsstellen, Hebammen, den Sozialen Dienst und andere Mul- tiplikatorinnen und Multiplikatoren. Diese weisen Eltern mit Kindern von null bis zwei Jahren auf das Angebot hin und stellen bei Bedarf den Kontakt her. Mitarbeitende der Beratungsstelle Frühe Hilfen beraten zudem Fachleute, die mit Familien im Be- reich der Frühen Prävention arbeiten und führen Informationsveranstaltungen und Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren durch. Aufgaben 1. Beratung bei Regulationsstörungen (Schreien, Unruhe, Quengeln, Schlafen, Füttern, Klam- mern). 2. Erziehungsberatung (Entwicklungsfragen, Erziehungsfragen und -unsicherheiten) 3. Psychologische Beratung bei postpartalen Depressionen und anderen schwierigen psychischen Lebenssituationen (psychische Belastung beziehungsweise Erkrankung eines Elternteils, man- gelnde Feinfühligkeit, Bindungsprobleme, belastete Paarbeziehung, traumatisch erlebte Geburt oderWochenbettzeit). 4. Bindungs- und Beziehungsförderung. 5. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle stehen für Fallbesprechungen zur Verfügung und organisieren nach Möglichkeit und Kapazität Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multi- plikatoren. 13 6. Die Mitarbeiterinnen arbeiten auch aufsuchend. 1.2.1.6 wellcome wellcome ist eine gemeinnützige, nicht gewerbliche Initiative und wurde 2002 als Angebot der evangelischen Familienbildung in Hamburg gegründet. Die Umsetzung des Projekts wellcome in Karlsruhe realisiert der Paritätische Sozialdienst gGmbH. Die Erfüllung der Verpflichtung aus dem wellcome-Kooperationsvertrag zwischen der wellcome gGmbH (Hamburg) und der Paritätischen Sozialdienste gGmbH ist Grundlage und Bestandteil dieser Umsetzung. Ziel Ziel ist die Gewährleistung eines Unterstützungsangebotes für Eltern in den ersten Monaten bis zu einem Jahr nach der Geburt eines Kindes. Zielgruppe Eltern mit Neugeborenen und Kindern bis einem Jahr. Auswahl der Ehrenamtlichen Die Auswahl erfolgt unter zwei Gesichtspunkten • Erfahrung in der Kleinkindbetreuung • Vorlage eines einwandfreien erweiterten Führungszeugnisses Die wellcome-Koordination führt mit allen Ehrenamtlichen ein Gespräch vorab und stellt den Kon- takt zwischen den Eltern und den Ehrenamtlichen her. Zugang Die Teamkoordination von wellcome kann von den Schwangeren und Familien selbst angefragt und um Unterstützung gebeten werden im Sinne eines niedrigschwelligen Angebotes. Gleichzeitig ist die Teamkoordination Ansprechpartner für die anderen Fachleute der Frühen Prävention, Ärz- tinnen und Ärzte, Kliniken, Schwangerenberatungsstellen, Hebammen und andere Multiplikato- rinnen und Multiplikatoren, damit diese Schwangere und Eltern mit Kindern in den ersten Mona- ten nach der Geburt auf das Angebot hinweisen und bei Bedarf den Kontakt herstellen können. Die Teamkoordination kooperiert außerdem eng mit den Startpunkt-Elterncafés. Die Koordination wird namentlich benannt und vertritt wellcome in der stadtweiten Zusammenarbeit der Frühen Prävention. 14 Aufgaben Wellcome bietet familienentlastende Dienste durch freiwillige/ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und individuelle Hilfe für Eltern in den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes. 1.2.1.7 SAFE®-Elternkurse Dieses von Dr. Karl Heinz Brisch in München entwickelte primäre Präventionsprogramm wird bun- desweit von dafür ausgebildeten SAFE®-Mentorinnen und -Mentoren angeboten. Das Programm „SAFE®-Sichere Ausbildung für Eltern“ fördert eine sichere Bindungsentwicklung zwischen Eltern und Kind und soll die Entwicklung von Bindungsstörungen ebenso verhindern wie die transgenera- tionale Weitergabe von traumatischen Erfahrungen. Die SAFE® Elternkurse werden vorgeburtlich an vier Tagen, nachgeburtlich an sechs Tagen, beziehungsweise an elf Tagen bei den SAFE®- Intensiv-Kursen, durchgeführt. Ziele • Sichere Bindungsentwicklung zwischen Eltern und Kind. • Vermeidung von Bindungsstörungen. • Verhinderung einer transgenerationalen Weitergabe von traumatischen Erfahrungen. • Stabilisierung und Stärkung der Eltern in ihrem Kompetenzerleben. • Verbesserte Wahrnehmung der Bedürfnisse des Kindes und angemessene Reaktionsweisen der Eltern. • Erfahrung der Eltern, dass ihre eigenen Bedürfnisse durch die Kursleitungen wahrgenommen werden und sie selbst Fürsorglichkeit, Beachtung und Empathie erleben können. Zugang Vor allem über Schwangerenberatungsstellen, Geburtsvorbereitungskurse, Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie soziale Dienste, auch über SAFE-Homepage. Aufgaben Erreichen der Eltern ab circa der 27. Schwangerschaftswoche, Begleitung bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres des Kindes. 15 Aufbau • Vier pränatale Module: unter anderem die Auseinandersetzung mit Phantasien, Hoffnungen und Ängsten der Eltern, den Kompetenzen des Säuglings sowie der Eltern, dem Thema präna- tale Bindung sowie den Eltern-Säuglingsinteraktionen (Videodemonstration). • Sechs beziehungsweise elf postpartale Module: unter anderem Informationen über die emoti- onale Entwicklung des Säuglings, Einbeziehen der elterlichen Erfahrungen, Bewältigungsmög- lichkeiten von interaktionellen Schwierigkeiten beim Säugling, Informationen und Anleitung zu Entwicklung des Bindungs- und Explorationsverhaltens des Säuglings, Raum für eigene Anlie- gen der Eltern. • Feinfühligkeitstraining mit Hilfe von Videoarbeit. • Telefonische Hotline 1.2.1.8 Landesprogramm STÄRKE Eine sinnvolle Ergänzung zu den Angeboten der Frühen Prävention stellt das Landesprogramm STÄRKE dar, welches in Karlsruhe im Bereich der Familienbildung angesiedelt ist und eng mit der Frühen Prävention verbunden ist. STÄRKE bietet verschiedene Möglichkeiten STÄRKE ist ein Landesprogramm, das zum Ziel hat, Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stär- ken und die Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Kinder zu verbessern. Dies soll durch eine bessere Information der Eltern über Angebote, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten für die Teilnahme sowie die Zusammenarbeit der Anbieter und Dienste vor Ort gelingen. Offene Treffs Offene Treffs stehen allen Familien kostenfrei als Orte für Begegnung und Austausch offen. Dort können Sie auch Informationen über andere Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten für Fa- milien erhalten. Kurse für Familien mit Kindern im 1. Lebensjahr In den Kursen befassen Sie sich mit der Pflege, Ernährung und Entwicklung Ihres Kindes und kommen in Kontakt mit anderen Eltern. Bei finanziellem Unterstützungsbedarf können Sie einma- lig pro Elternteil einen Zuschuss von bis zu 100 Euro beantragen. Die Antragsformulare erhalten Sie vom jeweiligen Kursanbieter. Angebote für Familien in besonderen Lebenssituationen Wenn Sie sich in einer besonderen Lebenssituation befinden, können Sie auf Ihre Situation speziell zugeschnittene Angebote in Anspruch nehmen. Die Teilnahme ist unabhängig vom Alter Ihres Kindes. Das Angebot ist einmalig pro Elternteil ermäßigt oder kostenfrei. 16 Besondere Lebenssituationen können unter anderem sein: • Alleinerziehend • Frühe Elternschaft (mindestens ein Elternteil unter 18 Jahren) • Gewalterfahrung • Krankheit (auch Sucht) oder Behinderung eines Familienmitglieds • Mehrlingsgeburt • Migrationshintergrund • Pflege- oder Adoptivkinder in der Familie • Prekäre finanzielle Verhältnisse • Unfall oder Tod eines Familienmitglieds • Trennung und Scheidung Familienbildungsfreizeiten Familien in besonderen Lebenssituationen können auch einmalig an einer Familienbildungsfreizeit oder einem Wochenende teilnehmen, das auf ihre Zielgruppe ausgerichtet ist. Eine finanzielle Un- terstützung ist hier ebenfalls möglich. Hausbesuche mit Beratung Wenn in Ergänzung zu einem STÄRKE-Angebot eine Familie individuelle Unterstützung benötigt, können auf Wunsch kostenfreie Hausbesuche mit Beratung in Anspruch genommen werden. In Karlsruhe gibt es zahlreiche Kurse für Schwangere und Eltern. Das aktuelle Kursangebot ist im Internet zu finden. 1.2.1.9 Koordination der Frühen Prävention im Kinderbüro Die Koordination der Frühen Prävention ist verantwortlich für die Planung und Umsetzung des Jugendhilfeplans Frühe Prävention. Sie sichert den Informationsfluss, verwaltet die Finanzen der Frühen Prävention, greift Anregungen auf und vernetzt die verschiedenen Akteurinnen und Akteu- re. Darüber hinaus plant und organisiert sie Fachtagungen und Fortbildungen. Sie entwickelt die Konzeption weiter und leistet umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit für die Frühe Prävention. Sie ist zuständig für den Qualitätsentwicklungsprozess innerhalb der Frühen Prävention und koordiniert die einzelnen Maßnahmen. Externe Forschungsprojekte zu Fragestellungen in der Frühen Präventi- on werden von ihr fachlich begleitet. Die Koordination umfasst folgende Kerntätigkeiten • Ansprechpartnerin für alle Beteiligten an der Frühen Prävention. • Vorbereitung und Moderation der Lenkungsgruppe. • Entwicklung und Fortschreibung von Zielen, Maßnahmen und Konzepten im Bereich der Frü- hen Prävention. 17 • Konzeptionelle Umsetzung relevanter Gesetzesänderungen. • Präsentation der Frühen Prävention in Ausschüssen, Gremien und Ämtern. • Berichterstattung im Jugendhilfeausschuss. Vernetzungsaufgaben • Vernetzung aller innerstädtischen Gremien und Arbeitskreise und Sicherung des internen In- formationsflusses. • Bundes- und landesweite Vernetzung mit anderen Akteurinnen und Akteuren der Frühen Hil- fen. Öffentlichkeitsarbeit • Koordination und Durchführung von Öffentlichkeitsarbeit für den Jugendhilfeplan Frühe Prä- vention. • Präsentation des Konzepts und der Ergebnisse der Tätigkeiten innerhalb der Frühen Präventi- on. • Beratungs- und Referententätigkeit bezüglich der Umsetzung von Frühen Hilfen und zu ver- schiedenen Teilaspekten des Konzepts. Verwaltung und Finanzen • Finanzplanung, -verwaltung und -überwachung des Budgets der Frühen Prävention sowie die Verwaltung des Ressourcenpools Frühe Prävention. • Aktenführung, Erledigung des Schriftverkehrs, Beantragung von Zuschüssen. • Zielgerichteter Einsatz der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel. Tagungen und Fortbildung • Anlassbezogene Organisation von Fachtagungen und Fortbildungen für das Netzwerk Frühe Prävention oder für Teilbereiche. • Teilnahme an bundesweiten Tagungen und Fortbildungen. Evaluation und wissenschaftliche Begleitung • Koordination der Evaluation der Frühen Prävention und Aufbereitung für den Jugendhilfebe- richt. • Beratung bei Forschungsprojekten wie zum Beispiel Bachelor- oder Masterarbeiten. • Initiierung der Evaluation und Verfassen des jährlichen Tätigkeitsberichts. 18 1.2.2 Bausteine aus dem Bereich der Frühen Prävention des Gesundheitsam- tes 1.2.2.1 Familienhebammen Siehe 1.2.1.4 1.2.2.2 Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Die Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin des Gesundheitsamtes im Sachgebiet Frühe Hilfen bietet Beratung, Begleitung und Vermittlung in weiterführende Hilfen für Schwangere und Familien mit Kindern im Alter von null bis drei Jahren, gegebenenfalls auch ältere Kinder. Sie verfügt über berufsspezifisches Wissen über die somatische, psychomotorische, geistige und psy- chosoziale Entwicklung von Kindern. Ziele • Gesundheitsförderung. • Früherkennung von Gesundheits- und Entwicklungsrisiken. • Förderung der elterlichen Kompetenzen und der Feinfühligkeit. • Überbrückung schwieriger Lebenslagen. • Heranführung zu Angeboten und Versorgungsstrukturen im gesundheitlichen Bereich. • Vertrauen in andere fördernde Institutionen. Zugang Die Arbeit der Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenschwester stellt für die Familien ein nied- rigschwelliges, unbürokratisches Angebot des Gesundheitsamtes Karlsruhe dar. Gleichzeitig ist die Familien- und Kinderkrankenschwester Ansprechpartnerin für Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäu- ser, Hebammen und Beratungsstellen. Aufgaben • Einzelberatung, auch aufsuchend, und Begleitung von Schwangeren und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren, gegebenenfalls auch älter. • Gruppenberatung zum Beispiel in Müttercafés, Mutter-Kind-Gruppen. • Befunderhebung zum Gesundheits- und Entwicklungszustand des Kindes. • Medizinisches und sozialmedizinisches Fallmanagement und Dokumentation. • Beratung und Anleitung zum Handling mit Säuglingen und Kleinkindern und zum feinfühligen Umgang mit den kindlichen Bedürfnissen. • Beratung und Anleitung bei Frühgeburtlichkeit, Mehrlingsgeburten, akuten und chronischen kindlichen Erkrankungen, Entwicklungsverzögerungen und vieles mehr. • Beratung von Eltern in belasteten Lebenssituationen. 19 • Fortbildung und Beratung anderer Fachleute oder Helferinnen und Helfer (Tageseltern, Mini- Kids, Pflege- Eltern, Erzieherinnen, etc.). Vernetzung Die Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin ist Mitglied des Sachgebietes Frühe Hilfen im Gesundheitsamt. Sie kooperiert eng mit anderen Akteuren der Gesundheitshilfe und der Ju- gendhilfe wie zum Beispiel dem Team Frühe Prävention, Beratungsstelle Frühe Hilfen, dem Sozia- len Dienst, behandelnden Ärztinnen und Ärzten, Kliniken, Frühförderstellen, etc. 1.2.2.3 Ärztinnen des Gesundheitsamts im Sachgebiet Frühe Hilfen Die Ärztinnen der „Frühen Hilfen“ des Gesundheitsamtes kooperieren mit den Fachleuten der Frühen Prävention Karlsruhe und stellen ihnen und den Familien ihr medizinisches Fachwissen zur Verfügung. Dies erfolgt in Form von • Fachliche Beratung der Sozialpädagoginnen des Fachteams Frühe Kindheit, zum Beispiel durch Fortbildungen, Einzelberatungen und Teambesprechungen. • Fachliche Beratung und Vernetzung mit anderen Fachleuten, zum Beispiel Klinikärzten, nieder- gelassenen Ärztinnen und Ärzten, Mitarbeitenden des Sozialen Dienstes des Jugendamtes und vielen mehr. • Beratung der Eltern individuell oder in Gruppen: im Rahmen der Startpunktbesuche (mindes- tens zweimal pro Jahr), der Mutter-Kind-Gruppen, bei Hausbesuchen oder bei Vorstellungen im Gesundheitsamt. • Leitung und Koordination des Sachgebietes „Frühe Hilfen“ im Gesundheitsamt. Fachliche Be- gleitung der im Gesundheitsamt angesiedelten Familienhebammen und der Kinderkranken- schwestern, konzeptionelle Weiterentwicklung des Bereichs der Frühen Hilfen im Gesundheits- amt. 1.3 Gremien in der Frühen Prävention 1.3.1 Lenkungsgruppe Die interdisziplinär zusammengesetzte Lenkungsgruppe bestimmt die Richtung, in welcher die Entwicklung der Frühen Prävention weitergehen soll und gibt Empfehlungen über den weiteren Ausbau. Sie entscheidet über die Vergabe der Startpunkt-Elterncafés an die Träger. Die einzelnen Mitglieder der Lenkungsgruppe stellen die Vernetzung in ihrem Tätigkeitsgebiet sicher und geben aus ihrer jeweiligen Fachdisziplin die Bedürfnisse und Anregungen an die Gruppe und die Koordi- nation (s. 1.2.1.9) weiter. Darüber hinaus beraten die Mitglieder die Koordination in Fragen die ihr jeweiliges Fachgebiet betreffen. 20 Der Lenkungsgruppe gehören an: • Sprecher der Kinderärztinnen und Kinderärzte • Sprecher der Gynäkologinnen und Gynäkologen • Leiter des Sozialen Dienstes • Gesundheitsamt • Beratungsstelle Frühe Hilfen • Fachteam Frühe Kindheit • Controller Jugendamt • Vorsitzende des Hebammenverbands Die Treffen finden nach Bedarf statt. Die Koordination der Frühen Prävention bereitet die Sitzun- gen vor und leitet sie. Gleichzeitig dienen die einzelnen Mitglieder der Lenkungsgruppe als An- sprechpartnerinnen und -partner bei Fachfragen der Koordination. 1.3.2 Planungsrunde Frühe Prävention Die Planungsrunde dient der Förderung einer integrierten und zentralisierten Planung innerhalb der Sozial- und Jugendbehörde. Die Planungsrunde wird bei Bedarf einberufen. Sie wird immer dann beteiligt, wenn Planungen der Frühen Prävention Auswirkungen auf angrenzende Fachberei- che haben. Mitglieder sind neben der Koordination der Frühen Prävention die Planungsverantwort- lichen der betroffenen Fachbereiche beziehungsweise Hauptabteilungen. 1.3.3 Netzwerk Frühe Prävention Das Netzwerk Frühe Prävention ist der Zusammenschluss aller Kooperationspartnerinnen und - partner. In den jährlich zweimal stattfindenden Netzwerktreffen informieren sich die beteiligten Akteurinnen und Akteure gegenseitig über das jeweilige Angebots- und Aufgabenspektrum, sie besprechen Fragen der Angebotsgestaltung und -entwicklung und stimmen ihre Verfahren im Kinderschutz aufeinander ab. Die Netzwerktreffen werden von der Koordination der Frühen Prä- vention vorbereitet und geleitet. Das Netzwerk Frühe Prävention umfasst folgende Netzwerkpartnerinnen und –partner • Beratungsstelle Frühe Hilfen • Fachteam Frühe Kindheit • Familienhebamme • Familien- und Gesundheitskrankenpflegerin • Freie Hebammen • Gesundheitsamt • Träger der Jugendhilfe, die die Angebote der Frühen Prävention umsetzen • Schwangerenberatungsstellen • Psychologische Beratungsstellen 21 • Psychosozialer Dienst • Vertreterinnen und Vertreter des Gesundheitswesens • Familienbildung • Frühförderstellen • Familiengericht • Anlassbezogen weitere Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Jugendhilfe 1.3.4 AK „Fühl mal!“ Der Arbeitskreis „Fühl mal!“ ist ein interdisziplinäres Fachgremium, das sich mehrmals im Jahr trifft. Es nimmt die aktuellen gesellschaftlichen Themen rund um Schwangerschaft und Familie auf und reflektiert sie. Relevante Inhalte werden unter Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Er- kenntnisse diskutiert und in die Frühe Prävention eingebracht. Dies geschieht durch Fortbildungen, Vorträge, Broschüren und das jährlich stattfindende, vom Arbeitskreis organisierte Kooperations- treffen, in dem sich alle interessierten Fachleute mit einem referierten Thema auseinandersetzen. In diesem Fachpublikum sind Vertreterinnen und Vertreter aller wichtigen Angebote der Frühen Prävention und angrenzender Arbeitsbereiche vertreten. Auf diese Weise unterstützt und inspiriert der Arbeitskreis die fachliche Fundierung und Weiter- entwicklung der Frühen Prävention. Basis aller Themen sind Einfühlsamkeit und Bindungsorientie- rung als zu fördernde Haltungen im Zusammenhang mit Familien mit Babys und Kleinkindern. Die interdisziplinäre Zusammensetzung erlaubt es, die verschiedenen fachlichen Kompetenzen und Erfahrungen einzubeziehen. Hierbei ergänzen sich psychologische, sozialarbeiterische, sozialpäda- gogische, Hebammen- und medizinisch-psychiatrische Sichtweisen. 2. Prozessqualität 2.1 Teambesprechungen und Intervision Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen der Frühen Prävention treffen sich jeweils regelmäßig zu Teambesprechungen. Darin werden sowohl organisatorische aber auch grundsätzli- che und fallbezogene Fragen besprochen. Die Fallbesprechungen dienen der kollegialen Supervisi- on (Intervision). 2.2 Beratungsteam Frühe Prävention Der interdisziplinäre Austausch zwischen Fachteam Frühe Kindheit, Familienhebammen, Bera- tungsstelle Frühe Hilfen und gegebenenfalls, Familien- und Kinderkrankenpflegerin wird über das Beratungsteam Frühe Prävention gewährleistet. So können die unterschiedlichen fachlichen Kom- petenzen auch in Fällen genutzt werden, wo nur einer der Bereiche vertreten ist. Hier finden auch 22 Fallbesprechungen statt. Außerdem dient das Beratungsteam der Vernetzung und dem fachlichen Austausch. 2.3 Vernetzung und interdisziplinärer Austausch Die Angebote der Frühen Prävention in Karlsruhe werden von verschiedenen Akteurinnen und Akteuren und Trägern erbracht. Deshalb sind gute und regelmäßige Kooperation und Vernetzung von entscheidender Bedeutung. Die Koordination sorgt für die entsprechenden Strukturen und Voraussetzungen. Wichtigste Bausteine der Kooperation sind die Gremien nach 1.3., in die alle Träger die entsprechenden Vertreterinnen und Vertreter entsenden. Aber auch Vernetzungstreffen mit anderen Stellen finden bei Bedarf statt (zum Beispiel Frühförderstelle, Baden- Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH, Psychiatrie, nieder- gelassene Ärztinnen und Ärzte, Sozialpädiatrisches Zentrum). Das Kooperationstreffen „Fühl mal“ wird vom AK „Fühl mal“ organisiert und erweitert den Kreis der beteiligten Fachleute um weitere Akteurinnen und Akteure aus dem Sozialbereich und dem Gesundheitswesen, zum Beispiel Kinderärzte. Es dient zum einen der Vertiefung von fachlichen und arbeitsfeldspezifischen Fragestellungen und Themen, zum anderen auch der gegenseitigen Information. Es findet ein- bis zweimal jährlich statt. Darüber hinaus sichern gemeinsame Fortbildungen und Fachveranstaltungen den Austausch. 2.4 Kooperationsgrundsätze in der Frühen Prävention Zugangsmöglichkeiten Alle Angebote sind für alle Familien kostenfrei und leicht zugänglich. Beratungs- und Unterstüt- zungsangebote stehen direkt und ohne komplizierte Anträge zur Verfügung. Beziehungsangebot Innerhalb der Frühen Prävention soll die erste Ansprechperson der Familie auch eventuelle weitere Unterstützungsangebote koordinieren und alle weiteren Helferinnen und Helfer informieren. Sie vermittelt insbesondere verunsicherten und belasteten Familien Sicherheit, Vertrauen und Wert- schätzung. Anonymität/Vertraulichkeit Schweigepflicht und Datenschutz werden berücksichtigt, damit Eltern in einen vertrauensvollen Kontakt treten können. 23 Freiwilligkeit Familien wollen ihre Probleme alleine lösen. Familien können daher, sofern das Kindeswohl nicht gefährdet ist, selbst entscheiden, ob und welche Hilfe sie annehmen. Beratungen zielen auf die Eigenverantwortlichkeit der Familien ab. Alle Angebote der Frühen Prävention beruhen auf Freiwil- ligkeit und können von den Familien auf Wunsch beendet werden. Dies wird den Familien gegen- über kommuniziert. Kindeswohlgefährdung In Anlehnung an § 8a, b SGB VIII werden die Fachleute der Frühen Prävention und die Multiplika- torinnen und Multiplikatoren zur frühzeitigen Erkennung gefährdender Faktoren geschult. Sie müssen sich dazu auch an eine „Insoweit erfahrene Fachkraft“ wenden. Wird festgestellt, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist und angebotene und notwendige Hilfen nicht in Anspruch genom- men werden, erfolgt eine Mitteilung an den Sozialen Dienst. Familien werden im Sinne der Trans- parenz über diesen Schritt vorab informiert, sofern dies das Kindeswohl nicht weiter gefährdet. Kommunikation Insgesamt ausdrücklich erwünscht ist die Kommunikation zwischen den Mitarbeiterinnen und Mit- arbeitern der unterschiedlichen Fachbereiche. Bei gemeinsamen Fällen gibt es bei Bedarf und mit Einverständnis der Familie einen regelmäßigen Austausch zwischen den beteiligten Fachleuten der Frühen Prävention und dem Sozialen Dienst sowie anderer Fachberatungsstellen und der sozialpädagogischen Familienhilfe. Diejenige oder derjenige, die oder der als erstes Kontakt mit der Familie hatte, übernimmt die Fallkoordination oder regelt die Übernahme. Ausnahmen: Wenn der Soziale Dienst beteiligt ist, hat der oder die jeweilige Mitarbeitende des Sozialen Dienstes die Fallkoordination. Wenn eine später hinzu ge- kommene Fachkraft intensiver mit der Familie arbeitet, kann die Fallkoordination von dieser nach Absprache übernommen werden. Bei Unklarheiten oder unterschiedlichen Ansichten wird zeitnah Kontakt aufgenommen. Die Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialen Dienstes geben – unter Beachtung des Datenschutzes – Auskunft über die getroffenen Maßnahmen. Ändert sich die Familiensituation (zum Beispiel Familie zieht um oder das Kind kommt in eine Pfle- gefamilie), informiert die oder der Fallverantwortliche die anderen Helferinnen und Helfer, die auch mit der Familie arbeiten. Die Fachleute innerhalb der Frühen Prävention sprechen sich untereinander ab, welche Hilfekons- tellation sinnvoll ist. Die Angebote der Frühen Prävention ersetzen keine Familienhilfe oder Therapie. 24 2.5 Grundsätze der Kooperation mit dem Sozialen Dienst bei Ver- dacht auf Kindeswohlgefährdung Werden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Frühen Prävention Anhaltspunkte für Kindes- wohlgefährdung mitgeteilt oder stellen sie selbst solche Anhaltspunkte fest, laufen die Prozesse der Gefährdungseinschätzung im Sinne des § 8a SGB VIII beim jeweiligen Träger ab (wie in den Kooperationsvereinbarungen zwischen Jugendamt und freien Trägern festgehalten). Die Träger haben dazu in der Regel eigene Verfahrensstandards und Qualitätsmerkmale entwickelt. Dazu gehört auch der Einbezug „Insoweit erfahrener Fachkräfte“. Kann eine Kindeswohlgefährdung mit eigenen Mitteln nicht abgewendet werden, wird der Soziale Dienst von den Mitarbeiterinnen der Frühen Prävention schriftlich darüber informiert, die Informa- tionen über die Familie werden an den Sozialen Dienst weitergegeben. Die jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialen Dienstes geben der betroffenen Mit- arbeiterin der Frühen Prävention eine Rückmeldung, dass der Fall bei ihnen angekommen ist und unverzüglich bearbeitet wird. Beim Prozess der Gefährdungseinschätzung (der im Sinne des § 8a Abs. 1 SGB VIII durch das Zu- sammenwirken mehrerer Fachkräfte erfolgt) werden die fallbeteiligten Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter einbezogen. Bei diesem Kontakt wird abgesprochen, wie die Zusammenarbeit weiter ver- laufen soll insbesondere auch nach Beendigung des Kinderschutzverfahrens. Sollten nach Beendigung eines Kinderschutzverfahrens erneut Anhaltspunkte für einen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bemerkt werden, wird ein neues Kinderschutzverfahren, wie oben beschrieben, eingeleitet. Ergänzend zu diesen Grundsätzen gelten für die Kooperation im Kinderschutz die Kooperations- standards des Sozialen Dienstes. Diese sind in aktueller Version auf der Homepage unter www.karlsruhe.de/sodi zu finden. 2.6 Fortbildung und Supervision Zum Standard der Frühen Prävention gehören regelmäßige Fortbildungen und externe Supervision der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Bedarf ist bei der Koordinierungsstelle anzumelden und wird je nach finanziellen Möglichkeiten gewährt. Bei erhöhtem Bedarf beteiligen sich die Träger an den Kosten für die Supervision. Aus Mitteln der Frühen Prävention werden finanziert: • Supervision des Fachteams Frühe Kindheit und der Familienhebammen und • eintägige In-House Fortbildung für das Beratungsteam Frühe Prävention 25 3. Ergebnisqualität 3.1 Dokumentation und Statistik Die Beteiligten der Frühen Prävention dokumentieren ihre Arbeit durch Erheben von relevanten und vergleichbaren statistischen Daten. Diese werden unter anderem im Jugendhilfebericht der Stadt Karlsruhe veröffentlicht. Darüber hinaus werden bis jeweils Ende jeden Jahres die Kontakte zu den Familien auf Dokumentationsbögen festgehalten, welche der Koordinationsstelle und ge- gebenenfalls dem Gesundheitsamt zur Verfügung gestellt werden. 3.2 Öffentlichkeitsarbeit Die Träger sorgen für die Bekanntmachung ihrer Angebote in den Stadtteilen. Es wird eine breit gefächerte Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt, um möglichst viele Schwangere und Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern zu erreichen. Bei allen Werbeaktionen wird das Logo der Stadt Karlsruhe verwendet. Ein verbindendes Gestal- tungsbild wird im Rahmen der unterschiedlichen Corporate Designs der Träger angestrebt. Bei Pressemitteilungen wird der Satz: „Im Rahmen der Frühen Prävention der Stadt Karlsruhe“ ver- wendet. Die Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere öffentliche Veranstaltungen, werden mit der Koordinati- onsstelle Frühe Prävention im Kinderbüro abgesprochen und abgestimmt. 3.3 Evaluation Die Arbeit wird durch Auswertung der statistischen Daten durch das Gesundheitsamt, durch Nachbesprechungen in den Teams und Gremien sowie durch Befragungen der Klientinnen und Klienten regelmäßig evaluiert. Nach Möglichkeit sind dabei wissenschaftliche Kriterien zu verwen- den sowie Unterstützung aus dem wissenschaftlichen Bereich (Universität, Fachhochschule, Stu- dentinnen und Studenten etc.) in Anspruch zu nehmen.

  • TOP 4 Gesamtkonzeption Frühe Prävention
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: 2018/0743 Verantwortlich: Dez.3 Gesamtkonzeption Frühe Prävention Karlsruhe - Fortschreibung 2019 Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Hauptausschuss 06.11.2018 6 x vorberaten Jugendhilfeausschuss 07.11.2018 1.3 x vorberaten Gemeinderat 20./21.11.2018 4 x Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt - nach inhaltlicher Kenntnisnahme im Jugendhilfeausschuss am 09.05.2018 und Gemeinderat am 15.05.2018 sowie nach Vorberatung im Hauptausschuss am 06.11.2018 und im Jugendhilfeausschuss am 07.11.2018 - die bedarfsgerechte Erweiterung der Leistungen innerhalb der Gesamtkonzeption Frühe Prävention und die Bereitstellung der dafür erforderlichen finanziellen Mittel in Höhe von 141.200 € ab dem Haushaltsjahr 2019. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) nein x ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Ergebnis-HH 2019 141.200 € keine Ergebnis-HH 2019 141.200 € Ergebnis-HH 2020 ff. 141.200 € Haushaltsmittel sind in der Veränderungsliste enthalten. Kontierungsobjekt: PSP-Element: 1.500.36.30.02 Kontenart: 43310000, 40000000 Ergänzende Erläuterungen: Kostenstelle: 5000.6010 ISEK-Karlsruhe-2020-relevant x nein ja Handlungsfeld: Wählen Sie ein Element aus. Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Gesamtkonzeption Frühe Prävention Karlsruhe Die Frühe Prävention unterstützt Karlsruher Familien ab der Schwangerschaft bis zu einem Alter des Kindes von drei Jahren. Dabei werden insbesondere Familien in belastenden Lebenssituatio- nen frühzeitig angesprochen und niedrigschwellig unterstützt. Herausforderungen während der Schwangerschaft und in den ersten Jahren des Aufwachsens sollen so frühzeitig angemessen berücksichtigt und den Familien ressourcenorientierte Hilfen angeboten werden. Das Netzwerk Frühe Prävention hat sich in Karlsruhe vor zehn Jahren gegründet und wurde seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert. Die beiliegende Fortschreibung der Konzeption bildet dabei das Grundgerüst des Netzwerks Frühe Prävention. Sie beschreibt die einzelnen Bausteinen mit ihren Zielgruppen und Aufgaben. Die Bausteine bauen aufeinander auf. Neben diesen Bausteinen findet eine enge Kooperation mit allen angrenzenden Diensten und Einrichtungen statt. ABB. 1: LEBENDGEBORENE, QUELLE: SJB Bei all diesen Maßnahmen stehen die Stärkung von familiären Ressourcen und das Wohl des Kindes im Mittelpunkt. Die Angebote des Netzwerks werden von den Karlsruher Familien sehr gut angenommen und sind durch die positive Entwicklung der Geburtenzahlen stark ausgelas- tet. Dies macht in einigen Bausteinen der Frühen Prävention (Startpunkt-Elterncafés, Beratungs- stelle Frühe Hilfen) eine Erweiterung der Angebote notwendig. Aktuelle Entwicklungen in Bausteinen der Jugendhilfe - Willkommensbesuche Durch den Beschluss des Gemeinderats vom 03.03.2015 können Informationsbesuche von Hebammen zur persönlichen Vermittlung weiterführender Hilfen angeboten werden. Mitt- lerweile wurden mit 50 Hebammen Kooperationsverträge geschlossen, die kooperierenden Hebammen nehmen an jährlichen Fortbildungsveranstaltungen teil. In 2017 wurden 905 Besuche durchgeführt. 2000 2200 2400 2600 2800 3000 3200 2008200920102011201220132014201520162017 LebendgeboreneTrend Ergänzende Erläuterungen Seite 3 - Startpunkt-Elterncafés Für den niedrigschwelligen Zugang sind die Startpunkte ein zentraler Baustein des Netz- werks. Eltern haben hier die Gelegenheit zum Austausch mit Expertinnen mit medizini- schem, psychologischem und pädagogischem Hintergrund – auch Familienhebammen ste- hen regelmäßig als Ansprechpersonen zur Verfügung. Nicht zuletzt ist auch die persönliche Vernetzung zwischen Eltern ein wichtiges Qualitätsmerkmal der Startpunkte. Hier ist insbe- sondere der Austausch über Kultur- und Milieugrenzen hinweg ein wichtiger Beitrag zu ei- nem chancengerechten Aufwachsen. In 2017 hatten 17 Startpunkte insgesamt an 827 Terminen geöffnet. Dabei waren im vergangenen Jahr 9.888 Mütter und 573 Väter mit 11.016 Kindern zu Gast. Im Durchschnitt treffen sich wöchentlich 12,1 Mütter, 0,71 Väter und 13,37 Kinder in jedem Startpunkt-Elterncafé. ABB. 2: STARTPUNKT-ELTERNCAFÉS (2018), QUELLE: LIEGENSCHAFTSAMT - Fachteam Frühe Kindheit Das Fachteam Frühe Kindheit sind sechs Sozialpädagoginnen, die jeweils im Tandem bei folgenden Trägern angesiedelt sind: AWO, Diakonisches Werk und Sozialdienst katholi- Ergänzende Erläuterungen Seite 4 scher Frauen. Die Mitarbeiterinnen sind für Schwangere und Familien mit Kindern bis drei Jahren Lotsinnen, helfen bei der Vermittlung von weiterführenden Hilfen und bieten Bera- tung an. In 2016 wurden 153 Familien begleitet. - Familienhebammen Familienhebammen sind Hebammen mit einer Zusatzqualifikation. Vier Honorar- Familienhebammen sind weiterhin als originäre Hebammen als Leistung der Krankenkassen im Einsatz. Die Stadt Karlsruhe ermöglicht bei Familien mit besonderen Belastungen den Einsatz als Familienhebammen, sobald die möglichen Einsatzstunden als Kassenleistung ausgeschöpft sind. So wird eine kontinuierliche Betreuung durch eine Fachkraft ermöglicht, und Familien erhalten niedrigschwellig Unterstützung. Zusätzlich koordinieren zwei festan- gestellte Familienhebammen die Anfragen und die Einsatzplanung. Eine Familienhebamme ist bei pro familia angesiedelt, eine weitere im Gesundheitsamt. In 2016 wurden 120 Fami- lien betreut. - Beratungsstelle Frühe Hilfen Die Beratungsstelle Frühe Hilfen bietet psychologische Beratung für Familien mit Säuglin- gen/Babys und Kleinkindern an. Schwerpunkte der Arbeit sind Beratungen bei Regulations- störungen, Erziehungsberatungen und psychologische Beratungen bei postpartalen Depres- sionen und anderen schwierigen psychischen Lebenssituationen. ABB. 3: ANMELDEGRUND UND BEARBEITETE THEMEN (N=188; MFN) Verhaltensprobleme: Klammern, Trotzen, Schlagen, Ängstlichkeit, Geschwisterprobleme Psychische Belastung: psychosoziale Belastung oder psychische Auffälligkeit / Erkrankung ei- nes Elternteils Lebenssituation: Wohnsituation, Trennung der Eltern / Umgang mit dem Vater, große Arbeitsbelastung eines Elternteils, (drohende) Arbeitslosigkeit, psychi- sche und körperliche Erkrankungen (eines Elternteils oder Geschwis- ters), Kind in Pflegefamilie untergebracht 85 24 20 8 18 6 15 57 39 5 81 26 20 8 20 6 14 50 36 7 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 AnmeldegründeBearbeitete Themen Ergänzende Erläuterungen Seite 5 ABB. 4: ANZAHL DER GESPRÄCHE (Basis: 182 abgeschlossene Fälle) Als präventive Maßnahme ist eine Vielzahl der Beratungen mit zwei bis drei Terminen ab- geschlossen. Die Beratungsstelle Frühe Hilfen stellt mit ihren drei Psychologinnen, welche über therapeutische Zusatzausbildungen verfügen, ein niedrigschwelliges, unbürokratisches und kostenfreies Angebot der Stadt Karlsruhe dar. Die Mitarbeitenden können von den Familien direkt angefragt werden, und auch Hausbesuche sind möglich. Dies ist gerade für Familien mit Babys eine wesentliche Erleichterung. Die Beratungs- und Kontaktzahlen sind seit Jahren sehr hoch und die Belastungsgrenze ist bei den Mitarbeitenden erreicht. In 2017 wurden 241 Familien beraten. - Projekt „wellcome“ Das Ehrenamts-Projekt ermöglicht engagierten Bürgerinnen und Bürgern fachlich begleitete Unterstützung für Familien. In dem Projekt sind derzeit 37 Ehrenamtliche aktiv, und in 2017 konnten 55 Familien unterstützt werden. - SAFE® - Elternkurse Das Präventionsprogramm fördert eine sichere Bindungsentwicklung zwischen Eltern und Kind. Die Elternkurse werden vorgeburtlich an vier Tagen und nachgeburtlich an sechs bzw. elf Tagen angeboten. In 2016 wurden neun Familien erreicht. Fazit und notwendige Maßnahmen Das Netzwerk Frühe Prävention erreicht eine Vielzahl von Karlsruher Familien und trägt unmit- telbar zu einem guten Aufwachsen von Kindern in Karlsruhe bei. Dabei unterstützt das Netz- werk auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Diensten und Einrichtungen. Die exakte Wirkungsmessung von Prävention ist nicht möglich, doch sind sich wissenschaftliche Studien einig, dass präventive Maßnahmen stets günstiger sind als spätere Hilfsmaßnahmen. Die enge Zusammenarbeit mit dem Sozialen Dienst ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal des Netzwerks. Die Startpunkt-Elterncafés haben sich als qualitativ sehr hochwertiges Instrument bewährt. Daher ist eine flächendeckende Versorgung des Karlsruher Stadtgebiets anzustreben, sodass alle 35 87 43 9 8 0 20 40 60 80 100 1 Termin2 bis 3 Termine4 bis 8 Termine9 bis 15 Termineüber 15 Termine Ergänzende Erläuterungen Seite 6 Eltern in ca. 20 Gehminuten ein Startpunkt-Elterncafé erreichen können. Um dieses Ziel zu er- reichen, wäre die Einrichtung von drei weiteren Startpunkt-Elterncafés im Jahr 2019 notwendig. Die Kosten je Startpunkt lägen bei 15.000€/ Jahr. Damit entstünden insgesamt Mehrkosten i. H. v. 45.000€/ Jahr. Alle Bausteine der Frühen Prävention sind durch die positive Entwicklung der Geburtenziffern hohen Fallzahlen und einer enormen Auslastung unterworfen. In vielen Bereichen werden der- zeit qualitative Verbesserungen geprüft, um durch verbesserte Schnittstellenarbeit zu einer Ent- lastung zu gelangen. Im Baustein der Beratungsstelle Frühe Hilfen sind diese qualitativen Verbesserungen ausgereizt, sodass eine Erweiterung der Personalressourcen um eine Personal- stelle ab 2019 notwendig wäre. Ohne eine Erweiterung kann der bisherige Standard in der Ar- beit der Beratungsstelle Frühe Hilfen nicht gewahrt bleiben. Die Arbeitsplatzkosten einer Perso- nalstelle (BU 1,0, E13) lägen bei 96.200€/ Jahr. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt - nach inhaltlicher Kenntnisnahme im Jugendhilfeausschuss am 09.05.2018 und Gemeinderat am 15.05.2018 sowie nach Vorberatung im Haupt- ausschuss am 06.11.2018 und im Jugendhilfeausschuss am 07.11.2018 - die bedarfsge- rechte Erweiterung der Leistungen innerhalb der Gesamtkonzeption Frühe Prävention und die Bereitstellung der dafür erforderlichen finanziellen Mittel in Höhe von 141.200 € ab dem Haushaltsjahr 2019.

  • TOP 4 GR_Abstimmungsergebnis
    Extrahierter Text

  • Protokoll GR TOP 3 und TOP 4
    Extrahierter Text

    Niederschrift 57. Plenarsitzung Gemeinderat (DHH-Beratungen 2019/20) 20. November 2018, 9 Uhr und 21. November 2018, 9 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup (...) Punkt 3 der Tagesordnung: Rahmenkonzeption für Kinder- und Familienzentren in Karlsruhe Punkt 4 der Tagesordnung: Gesamtkonzeption Frühe Prävention Karlsruhe – Fort- schreibung 2019 Ich rufe jetzt Tagesordnungspunkt 3, Vorlage Nr. 2018/0742, und gleich noch Tagesord- nungspunkt 4, Vorlage Nr. 2018/0743, zur Behandlung auf. Beide Themen sind im Haupt- ausschuss am 6. November 2018 und im Jugendhilfeausschuss am 7. November 2018 vor- beraten worden. Wir haben die entsprechenden Dinge ergänzt, die im Vorfeld zum Teil noch offen waren. Wenn Sie einverstanden sind, können wir die beiden Punkte hinterei- nander abstimmen. – Ich rufe zunächst die Vorlage zu TOP 3 auf und bitte um Ihr Votum. – Das ist eine große Zustimmung. Dann rufe ich die Vorlage zu TOP 4 auf und bitte auch hier um Ihr Votum. – Auch das ist eine große Zustimmung. (...)