Einführung Artenschutz-Euro für den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe
| Vorlage: | 2018/0654 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 25.09.2018 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Zoologischer Garten |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 23.10.2018
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2018/0654 Dez. 6 Einführung Artenschutz-Euro für den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 05.10.2018 7 X vorberaten Gemeinderat 23.10.2018 14 X Beschlussantrag Der Gemeinderat beschließt die Erhebung eines freiwilligen Artenschutz-Euros in Höhe von 1 Euro auf Tageseintrittskarten und in Höhe von 4 Euro auf Jahreskarten. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Fol- geerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant x Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Kurzfassung Bereits in der Gemeinderatssitzung vom 20. Februar 2018 wurde der Antrag der GRÜNEN-Ge meinderatsfraktion zur Erhebung eines freiwilligen Artenschutz-Euros für die Entwicklung des Karlsruher Zoos zu einem Natur- und Artenschutzzentrum behandelt. Die Erhebung eines freiwilligen Artenschutz-Euros für die Entwicklung des Zoologischen Stadt- gartens Karlsruhe zu einem Natur- und Artenschutzzentrum ist aus Sicht der Verwaltung gebo- ten, sinnvoll und umsetzbar. Der Zoo Karlsruhe hat aufgrund seiner Größe und der Mitgliedschaften in nationalen und inter- nationalen Fachorganisationen die faktische Verpflichtung, sich für die Belange des Natur- und Artenschutzes einzusetzen. Hierzu könnten zusätzliche Finanzmittel aus einem Artenschutz-Euro einen entscheidenden Beitrag leisten. Der Kernaspekt einer guten Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft der Besuchenden liegt nach den Erfahrungen des Basler Zoos insbesondere in einer plastischen und nachvollziehbaren Kommunikation der mit diesem Artenschutz-Euro verfolgten und ggfs. bereits erreichten Ziele des Natur- und Artenschutzes. Hinzu kommt die potenzielle Möglichkeit, sich gegen den Arten- schutz-Euro zu entscheiden. Ziele des Natur- und Artenschutzzentrums Zoo Karlsruhe Ausgangspunkte der Zieldefinition eines Natur- und Artenschutzzentrums Zoo Karlsruhe sind die in der Weltzoonaturschutzstrategie niedergelegten Ziele des Tier-, Natur und Artenschutzes. So muss es neben dem tatsächlichen Handeln im Sinne des Natur- und Artenschutzes ein zent- rales Ziel sein aufzuzeigen, an welchen Naturschutzaktivitäten sich der Zoo Karlsruhe beteiligt und wie dieser die Maßnahmen zur Naturerhaltung und zur verträglichen Nutzung natürlicher Ressourcen unterstützt. Damit könnte das Natur- und Artenschutzzentrum Zoo Karlsruhe eine Vorreiterrolle in der deut- schen Zoolandschaft einnehmen. Die derzeitigen und zukünftigen Natur- und Artenschutzprojekte des Zoos Karlsruhe sind so- wohl lokal als auch global. Der Fokus liegt darauf, die natürlichen Lebensräume der aktuellen Zootiere – soweit noch möglich – zu schützen oder wiederherzustellen. Dies kann sich in einem Kontinuum von bedrohten Lebensräumen heimischer Tierarten bis hin zu bereits zerstörten Le- bensräumen exotischer Tierarten erstrecken. Bisherige Umsetzung Als eigenständige juristische Person wurde 2016 die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe gegrün- det, deren Vorsitzende der Amtsleiter des Zoos, Herr Dr. Reinschmidt, und der Kurator Arten- schutz, Herr Dr. Becker, sind. Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe führt zum einen eigenstän- dige Natur- und Artenschutzmaßnahmen, bspw. im Rahmen eines Wiederaufforstungsprojekts in Ecuador, durch. Zum anderen unterstützt sie laufende Maßnahmen von Drittorganisationen (NGOs) finanziell, bspw. die Ausstattung mit GPS-Halsbändern bei auszuwildernden Elefanten in Sri Lanka oder die Unterstützung einer Auswilderungsstation für Orang-Utans auf Borneo. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Mit diesen und weiteren Projekten hat sich die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe innerhalb kürzester Zeit zu einem professionellen Partner entwickelt. Diese erfüllt hervorragend die Auf- gaben des Natur- und Artenschutzes, die von einem Zoo unserer Größe erwartet werden, für und auf Weisung des Zoos Karlsruhe. Das Engagement der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe derzeit ist allerdings ausschließlich von den stark fluktuierenden Spendenerträgen interessierter Personen abhängig, da eine Erfüllung des Stiftungszwecks aus den Erträgen der geringen Stiftungsmasse bei der derzeitigen Zinslage nicht möglich ist. Der Zoo Karlsruhe könnte als Natur- und Artenschutzzentrum diese Beziehung zur Artenschutz- stiftung Zoo Karlsruhe weiter ausbauen und so weitere Projekte fördern. Die Auswahl der zu fördernden Projekte – lokal und global – könnte so, je nach Summe, unter den Vorbehalt des/der zuständigen Dezernenten/Dezernats gestellt werden. Somit wäre ein adäquates Con- trolling der eingehenden und verwendeten Mittel nach städtischen Standards möglich. Umsetzung und technische Machbarkeit Das Basler Modell geht davon aus, dass alle Besuchenden grundsätzlich den dortigen Natur- schutzfranken zusätzlich zum Tageseintritt entrichten, wenn diese sich nicht aktiv dagegen ent- scheiden. Wie die Erfahrungen dort zeigen, ist die Schwelle des Naturschutzfrankens wohl so niedrig, dass der größte Teil der Besuchenden diesen entrichtet oder aber gar nicht zur Kenntnis nimmt, dass die Möglichkeit zur „Abwahl“ besteht. Die Erhebung eines zusätzlichen Artenschutz-Euros in Höhe von 1,00 Euro je erwachsenem Ta- gesgast ist auch beim Zoo Karlsruhe technisch mit relativ geringem Aufwand umsetzbar. Es ist mit dem seit November 2017 eingesetzten computerbasierten Kassensystem insbesondere auch möglich, dass sich der Kunde an den Zookassen aktiv gegen den Artenschutz-Euro entscheidet und dies systemseitig, ohne zusätzlichen Aufwand, nachvollziehbar dokumentiert wird. Somit wäre die Höhe der eingenommenen Artenschutz-Euros jederzeit ausweisbar. Dies ist insbeson- dere daher wichtig, da der Artenschutz-Euro keine Spende an die Stadt Karlsruhe im Sinne des § 52 Abgabenordnung darstellt. Rechtlich stellen die Einzahlungen aus dem Artenschutz-Euro haushaltsfremde Gelder dar, die direkt über die Stadtkasse an die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe weitergegeben werden. Da die Jahreskarten für den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe mit einem Faktor von vier im Verhältnis zu den Tageseintrittskarten berechnet sind, sollte für die Jahreskarten ein Arten- schutz-Euro in Höhe von analog 4,00 Euro erhoben werden. Kinder und Jugendliche sowie Gruppen von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen sollten vom Artenschutz-Euro ausgenommen sein. Gleiches gilt für voll- oder teilsubventionierte Tage- stickets und Jahreskarten wie bspw. für Inhaber des Karlsruher Passes. Die vollständige Preis- struktur mit und ohne Artenschutz-Euro ist als Anlage 1 angefügt. Basierend auf den Besucherzahlen des Jahres 2017 von ca. 300.000 zahlenden erwachsenen Tagesgästen (inkl. Rentner) entstünden bei einer ähnlichen Besucherentwicklung in 2018 und einer angenommenen aktiven Ablehnung des Artenschutz-Euros von 50% dieses Personenkrei- ses Erträge in Höhe von 150.000,00 Euro. Hinzu kämen aus dem Verkauf von Jahreskarten un- ter den gleichen Prämissen weitere 30.000,00 Euro. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Kommunikation Die Einführung des Artenschutz-Euros erfordert eine vorbereitende und begleitende Kommuni- kation. Hierbei wird auf verschiedenen Transportkanälen die emotionale und plastische Darstel- lung der bisher erfolgreich abgeschlossenen und laufenden Projekte erfolgen (z. B. durch die Medien und mittels Beschilderungen, Flyern und interaktiven Elementen im Zoo). Die im Raub- tierhaus vorhandenen Groß-Poster über die derzeitigen sechs Artenschutz-Projekte (siehe Anla- ge 2) werden mit dem Zusatz „Danke für Ihren Artenschutz-Euro“ versehen und auch an ande- ren Zoostandorten positioniert. Damit wird dokumentiert und jedem Besucher noch während des Zoobesuchs deutlich vor Augen geführt, wie und wofür der Artenschutz-Euro tatsächlich eingesetzt wird. So kann das Verständnis für die Notwendigkeit des Artenschutz-Euros als per- sönlicher Beitrag zum aktiven Natur- und Artenschutz erreicht und die Bereitschaft zur Unter- stützung gewonnen werden. Zusätzlich muss der Zoo Karlsruhe als kompetenter, vernetzter Player im Natur- und Artenschutz dargestellt werden, um Akzeptanz und Vertrauen herzustel- len. So können ggf. über den Artenschutz-Euro hinausgehende Beträge generiert und zur Erfül- lung der Aufgaben des Natur- und Artenschutzes eingesetzt werden. Es ist vorgesehen, den Ausschuss für öffentliche Einrichtungen regelmäßig (z. B. jährlich) über die Entwicklung der Artenschutz-Projekte des Zoo Karlsruhe und der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe (lokal, regional und global) sowie über die Verwendung der Finanzmittel aus dem Artenschutz-Euro zu informieren. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen: Erhebung eines freiwilligen Artenschutz-Euros in Höhe von 1 Euro auf Tageseintrittskarten und in Höhe von 4 Euro auf Jahreskarten.
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Zoologischer StadtgartenANLAGE 1 Darstellung der Eintrittspreise und Benutzerentgelte für den Zoologischen Stadtgarten unter Berücksichtigung des Artenschutz-Euros PreisePreise seitinkl. TAGESKARTEN 01.03.2018Artenschutz-Euro EINZELPERSONEN Erwachsene11,00€12,00€ Kinder (6-15 Jahre)5,00€5,00€ Kinder (3-5 Jahre)-€-€ ERMÄSSIGUNG für Rentner, Pensionäre, Schwerbehinderte,9,00€10,00€ Studenten, Bundesfreiwilligendienstleistende (einschl. FÖJ und FSJ) Schüler und Jugendliche über 15 Jahre9,00€10,00€ ABENDKARTE Verkauf 1 Stunde vor Kassenschluss 50 % Ermäßigung auf Tageskarten für Erwachsene, Rentner u. Kinder (6-15 Jahre); Kinder (3-5 Jahre) frei GRUPPENKARTEN SCHULKLASSEN: Schüler im Klassenverband, Schülerhorte,4,00€4,00€ Kinderortsranderholung (ohne Altersbegrenzung) (pro 10 Schüler freier Eintritt für 1 Begleitperson; weitere Begleitpersonen 9,00€) KINDERGARTENGRUPPEN: Kindergartenkinder---- (pro 5 Kinder freier Eintritt für 1 Begleitperson; weitere Begleitpersonen 9,00€) KLEINGRUPPEN: 2 Erwachsene mit bis zu 4 kostenpflichtigen Kindern27,50€29,50€ 1 Erwachsener mit bis zu 4 kostenpflichtigen Kindern18,50€19,50€ GROSSGRUPPE ab 25 zahlende Erwachsene, je Erw.9,00€10,00€ G:\Zoo\Office\Stadtfeld\AföE\Artenschutzeuro\Anlage 1 - Preisstruktur.xlsx JAHRESKARTEN * Erwachsene42,00€46,00€ Rentner, Pensionäre, Schwerbehinderte,32,00€36,00€ Schüler u. Jugendliche über 15 Jahre, Studenten, Bundesfreiwilligendienstleistende (einschl. FÖJ und FSJ) Kinder (6-15 Jahre)20,00€20,00€ Kinder (3-5 Jahre)-€-€ 2 Erwachsene mit bis zu 4 kostenpflichtigen Kindern110,00€118,00€ 1 Erwachsener mit bis zu 4 kostenpflichtigen Kindern68,00€72,00€ JAHRESKARTEN Plus (inkl. Gondolettafahrten) * Erwachsene62,00€66,00€ Rentner, Pensionäre, Schwerbehinderte,47,00€51,00€ Schüler u. Jugendliche über 15 Jahre, Studenten, Bundesfreiwilligendienstleistende (einschl. FÖJ und FSJ) Kinder (6-15 Jahre) (Gondoletta erst ab 6 Jahre)31,00€31,00€ 2 Erwachsene mit bis zu 4 kostenpflichtigen Kindern172,00€180,00€ inkl. Gondoletta für 2 Erwachsene und 2 Kinder Zuschlag für Gondoletta für drittes Kind11,00€11,00€ Zuschlag für Gondoletta für viertes Kind11,00€11,00€ 1 Erwachsener mit bis zu 4 kostenpflichtigen Kindern110,00€114,00€ inkl. Gondoletta für 1 Erwachsenen und 2 Kinder Zuschlag für Gondoletta für drittes Kind11,00€11,00€ Zuschlag für Gondoletta für viertes Kind11,00€11,00€ * Bei Sonderveranstaltungen (z.B. Lichterfest) haben die Jahreskarten keine Gültigkeit G:\Zoo\Office\Stadtfeld\AföE\Artenschutzeuro\Anlage 1 - Preisstruktur.xlsx
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Niederschrift 59. Plenarsitzung des Gemeinderates 23. Oktober 2018, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 15. Punkt 14 der Tagesordnung: Einführung Artenschutz-Euro für den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe Vorlage: 2018/0654 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen die Erhebung eines freiwilligen Artenschutz-Euros in Höhe von 1 Euro auf Tageseintrittskar- ten und in Höhe von 4 Euro auf Jahreskarten. Abstimmungsergebnis: einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 14 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen: Das war seinerzeit ein Antrag aus dem Gemeinderat, den wir jetzt zur Umsetzung vor- schlagen. Stadtrat Döring (CDU): Heute geht es mal wieder um den Artenschutz-Euro. Im Kern hält die CDU-Fraktion den für eine sehr gute Sache. Deswegen appellieren wir auch, diese Ver- waltungsvorlage zu unterstützen, da wir dieses Anliegen für zentral halten, gerade in unse- rer heutigen Zeit. Damit tun wir nicht nur etwas für den Artenschutz, sondern wir unter- stützen damit vorbildliche Projekte, die vor allem aus unserer Mitte, aus Karlsruhe geleistet werden. Damit meine ich auch die vorbildliche Arbeit von Herrn Dr. Becker und seinem Team, die er auf der ganzen Welt leistet, um unseren kleinen Beitrag dazu zu leisten, dem Klimawandel zu begegnen. Darauf können wir hier alle zu Recht stolz sein. Das Modell, das uns heute vorgeschlagen wird, weicht ab von dem Projekt, das momentan in Basel praktiziert wird, das des Naturschutz-Frankens. Das ist meiner Fraktion noch einmal ganz wichtig zu betonen, dass es nicht darum geht, diesen Euro den Besuchern in den Ein- – 2 – trittspreisen mitunterzujubeln, sondern dass sich der Besucher bewusst dafür entscheidet, etwas für den Artenschutz zu tun und auch entsprechend darauf hingewiesen wird. In dem Fall geht es nicht um Kleingedrucktes und ein kleines Zettelchen an der Kasse, sondern dass auch die Bereitschaft in den Menschen wächst, freiwillig etwas zu tun und eine kleine Spende zu leisten. Letzten Endes bleibt ein Aspekt noch offen. Den möchte ich an dieser Stelle ganz arg be- tonen. Wir möchten, dass der Artenschutz-Euro ein Erfolg wird und damit auch viele Pro- jekte unterstützt werden. Dies bedingt aber eines: einen attraktiven und modernen Zoo, auch mit einer entsprechenden Tierhaltung, auch wenn es gefährliche Wildtiere sind. Inso- fern ist das Bekenntnis zum Artenschutz und auch zum Artenschutz-Euro auch ein Be- kenntnis zu unserem Karlsruher Zoo. Stadträtin Fischer (SPD): Wir unterstützen die Einführung des Artenschutz-Euros natür- lich mit großer Begeisterung. Inzwischen ist der Artenschutz eine zentrale Aufgabe für je- den Zoo. Unser Zoo hat sich schon sehr früh dieser Aufgabe gestellt. Ich erinnere nur an die Auswilderung der Przewalski-Pferde oder an die Auswilderung der Säbelantilopen. In- zwischen sind ganz viele Artenschutzprojekte dazugekommen, lokale und globale. Mit der Artenschutz-Stiftung und der Einrichtung einer Kuratorenstelle Artenschutz ist in unserem Zoo diese Aufgabe ganz besonders hervorgehoben. Mit dem Artenschutz-Euro kann diese Arbeit noch stärker finanziell unterstützt werden, wie dies der in Basel erfolgreich einge- führte Artenschutz-Franken beweist. Alle derzeit geförderten Projekte machen Hoffnung, dass auch mit kleinen Beiträgen etwas zum Erhalt der bedrohten Lebenswelten vieler Tierarten getan werden kann. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass der weltweite Artenschutz auf die Unterstützung unserer Zoos dringend angewiesen ist. Dies gilt für die Auswilderung bereits ausgestorbener Tierarten. Dies gilt in gleicher Weise für die bedrohten Tierarten, deren natürliche Lebenswelten wir erhalten wollen. Allerdings: die bedrohten Tierarten brauchen Botschafter in unseren Zoos. Seien es die Elefanten in Sri Lanka, seien es die Kolibris in Ecuador und erst recht die Orang-Utans auf Borneo. Zumal Dr. Becker weltweit das Zuchtbuch für die Orang-Utans führt. Diese Tierarten, die wir mit unseren Artenschutzprogrammen unterstützen, müssen deshalb auch in unserem Zoo als Stellvertreter der bedrohten Tierarten präsent sein. Es ist unsere Aufgabe als Gemeinderat, in unserem Zoo dafür die entsprechenden Einrichtungen zu schaffen. Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Wir GRÜNE freuen uns natürlich sehr über die heutige Beschlussvorlage. Der Beschluss der Einführung eines freiwilligen Artenschutz-Euros geht auf einen Antrag von uns GRÜNEN vom Frühjahr zurück. Wir haben uns da schon sehr über die positive Resonanz der Stadtverwaltung einerseits gefreut, aber auch über die posi- tive Resonanz aus dem gesamten Gemeinderat. Insofern ist dieser Beschluss heute, der von einer breiten Mehrheit im Gemeinderat getragen wird, ein sehr guter Tag für den Arten- schutz, sowohl bei uns im Zoo selbst aber auch in den Herkunftsländern vieler unserer Wildtierarten, die dort massiv bedroht sind. Nicht nur die Tiere selbst sind bedroht, sondern sie sind auch bedroht, weil ihre Lebensräume massiv bedroht sind. Wenn wir uns den Arti- kel in den BNN heute anschauen „Der letzte Bulle seiner Art“, so können wir feststellen, dass wir nicht nur die Bedrohung haben, sondern dass viele der wunderbaren Tiere, die unseren Planeten bevölkert haben als Mitgeschöpfe von uns Menschen, schon ausgestor- ben sind und wir große Mühe haben, international viele der jetzt noch bedrohten Tierarten – 3 – zu schützen. Insofern kann der Zoo, der sich in ein Artenschutz-Zentrum weiterentwickelt und wozu auch schon Bausteine eingerichtet wurden, nämlich mit der Artenschutz- Stiftung, erheblich dazu beitragen, die Menschen zu sensibilisieren, ihnen bewusst zu ma- chen, wie wichtig der Schutz der Mitwelt auf unserem Planeten ist. In der Vorlage ist der Artenschutz-Euro so hervorragend begründet, dass ich nun die ganzen Argumente, lieber Herr Dr. Becker, gar nicht wiederholen will. Ich möchte nur sagen, dass heute schon Spen- den zusammen kommen. Aber natürlich braucht der Zoo, wenn er groß angelegte länger- fristige Artenschutzprojekte unterstützen möchte, eine stabile, eine durchgängige und vor allem auch eine signifikante Unterstützung, um diese Artenschutzprojekte einzurichten. Denn die gibt es natürlich nicht zum Nulltarif, sondern die müssen von uns finanziert wer- den. Dafür ist der Artenschutz-Euro als freiwilliger Euro hervorragend geeignet. Vor allem auch diese Konstruktion, dass er zunächst einmal auf dem Ticket als voller Preis enthalten ist und dann nur auf Wunsch eingezogen wird, ist ein Anreiz für die Menschen, den Artenschutz- Euro zu entrichten. Nun ist etliche Male schon bemerkt worden, dass da doch ein gewisser Druck ausgeübt wird. Das Gegenteil ist der Fall. Wir ermöglichen den Menschen durch die- sen freiwilligen Artenschutz-Euro, so wie er steht, ein Teil eines Projekts zu werden, sich aktiv an so einem Projekt zu beteiligen. Damit ist es für die Menschen, die dann im Zoo durch die großen Darstellungen sehen, welche Projekte eingerichtet werden, so, dass sie es als positiv empfinden, dass sie selbst mit einem kleinen Beitrag dazu beitragen können. Man soll die Menschen auch ernst nehmen und nicht meinen, dass sie hier als Mäkler auf- treten. Unsere Bevölkerung weiß inzwischen, wo wir global stehen, wie wichtig der Arten- schutz ist, die Biodiversität. Insofern habe ich keinerlei Befürchtung, dass es hier in irgend- einer Weise negativ empfunden wird, sondern im Gegenteil, es ist eine Bereicherung für die Menschen. Einen Aspekt möchte ich noch nennen. Wir haben dann mit dem freiwilligen Artenschutz- Euro, wie er in Basel, also in der Schweiz, eingeführt wurde, in Deutschland ein Alleinstel- lungsmerkmal. Wir werden der erste Zoo in Deutschland sein, der diesen Artenschutz-Euro einführt. Damit haben wir neben anderen Aspekten auch hier schon eine Vorreiterrolle. Denn wir können davon ausgehen, dass die anderen großen Zoos, die ebenfalls dem Ar- tenschutz verpflichtet sind, auch diese Möglichkeit mittel- und längerfristig nutzen werden. Abschließend noch, weil das angesprochen wird mit der Tierhaltung in unserem Zoo. Na- türlich haben wir die Tiere als Botschafter. Wenn wir groß angelegt in den Artenschutz gehen, dann sind diese Tiere Botschafter für die bedrohten Tiere in ihren natürlichen Le- bensräumen. Wir müssen dazu aber nicht die gesamte Arche Noah in unserem Zoo haben, sondern hier ist selbstverständlich, dass wir exemplarisch diese Tiere in unserem Zoo haben. In unserem Zookonzept sind auch die Tiere enthalten. Deshalb läuft dieser Appell ins Leere. Wir brauchen exemplarisch diese Tiere im Zoo. Wenn wir sagen, wir wollen diesen Arten- schutz-Euro, bin ich überzeugt, dass unser Zoo hervorragende Arbeit leisten wird. Ich be- danke mich ganz herzlich bei Herrn Dr. Reinschmidt und bei Herrn Dr. Becker für diese tol- len Vorleistungen. Stadtrat Wohlfeil (KULT): Auch meine Fraktion begrüßt die Einführung des Artenschutz- Euros und diese Vorlage. Wir sehen es insbesondere im Kontext des globalen Klimawandels und immer stärkeren Eingriffs des Menschen in die Natur und in viele Lebensräume. Jähr- lich sterben zehntausende von Tierarten aus. Ein Großteil der vorhandenen Tierarten ist – 4 – noch bedroht. Je nachdem, ob man jetzt Säugetiere, Amphibien, Fische, Weichtiere oder ähnliches betrachtet, sind es zwischen 15 und über 50 % bei den verschiedenen Bereichen der Tierwelt. Das ist natürlich nicht alles in den Zoos zu retten. Man kann nicht zehntau- sende Tierarten, die jedes Jahr aussterben, in den Zoos erhalten. Das geht nicht. Von daher ist es in dem Sinne auch nur ein symbolischer Beitrag, der den Menschen vor Augen führen soll bei den Tieren, die wir hier im Zoo haben, die es teilweise in freier Wildbahn nicht mehr gibt, wie die Säbelantilope oder die in der freien Wildbahn stark bedroht sind, dass es auf jeden Fall lohnenswert ist, die Natur zu erhalten. (Stadtrat Ehlgötz/CDU: Einhorn!) - Ja, oder das Einhorn, was leider weltweit in freier Wildbahn ausgestorben ist. Auf jeden Fall ist es sehr wichtig, dazu beizutragen - - - (Weitere Zurufe) - Jetzt lasst mich einmal in Ruhe schwätzen. Das stört. (Heiterkeit) Es ist wichtig, dass die Menschen sehen, auch wenn sie vor Ort nicht mehr unbedingt den direkten Kontakt dazu haben, wie vielfältig unsere Natur ist. Ich denke, das teilen auch die Christdemokraten, auch wenn sie Witze machen. Aber auch sie schätzen unsere Schöp- fung. Von daher sind wir auf jeden Fall dafür, dass der Zoo sich an Erhaltungsprojekten, an Artenschutzprojekten beteiligt, an der Auswilderung von Orang-Utans, an der Wiederauf- forstung von Rinderweiden in Ecuador, an den Schutz der Regenwälder in Ecuador, an der Hilfe für verwaiste Elefantenkinder auf Sri Lanka. All das sind gute Projekte, die wir mit dem Artenschutz-Euro unterstützen können. Daher stimmen wir heute auch dafür. Stadtrat Hock (FDP): Angesichts des nächsten Tagesordnungspunktes, wo ich denke, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger darauf warten, was wir hier beschließen, möchte ich meine fünfminütige Rede heute nicht ausdehnen. Ich werde eines ganz klar sagen: Wir befürworten dieses Projekt, sind stolz, dass es hier umgesetzt wird, haben aber, wie die CDU genau dasselbe „Problem“. Wir wollen, dass es klar ersichtlich ist, dass ich es tun kann, aber nicht tun muss. Das ist uns sehr wichtig. Deshalb die Bitte an die Zooverwal- tung, das mitaufzunehmen. Dann können wir schon weitermachen. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Wir von der AfD haben bei den letzten beiden Malen, das waren die beiden Male, wo wir dabei waren, als die Eintrittsgelder für den Zoo erhöht wurden, dagegen gestimmt, weil wir der Meinung sind, dass es wichtig ist, dass der Zoo erschwinglich bleibt, damit auch Leute, die wenig Geld haben, oft und häufig hinein gehen können, auch wenn sie nur am Bahnhof aussteigen und zwei Stunden auf den nächsten Zug warten müssen. Vor diesem Hintergrund müssen wir allerdings ganz klar sagen, dass es hier nicht um eine Gebührenerhöhung geht sondern wirklich, das wurde uns versichert, um einen freiwilligen zusätzlichen Beitrag. Es ist auch gut, dass in der Vorlage genau steht, dass diese Lösung, dieser zusätzliche freiwillige Beitrag, bei dem ich an der Kasse entscheiden kann, ob ich ihn – 5 – leisten will oder nicht, erst seit November 2017 überhaupt möglich ist. Denn erst seitdem hat der Zoo Kassen, die so eine Buchung durchführen können, wo man also an der Kasse entscheidet, ja, ich möchte den einen Euro zusätzlich bezahlen oder nicht. Auch erst seit dieser Zeit gibt es ein Kassensystem, das sicherstellen kann, dass dieser zusätzliche Euro dann tatsächlich separat verbucht wird und nicht der Stadt zugute kommt, sondern wirk- lich nur dem Artenschutz. Vor dem Hintergrund, dass wir als AfD nicht nur den Natur- schutz sondern auch den Artenschutz in unserem Grundsatzprogramm haben, es eine wichtige Sache für uns ist, und vor dem Hintergrund, dass es sich hier nicht um eine Erhö- hung der Gebühren handelt, sondern um die Möglichkeit, an der Kasse einen zusätzlichen Beitrag für den Artenschutz zu leisten, und vor dem Hintergrund, dass damit gute Pro- gramme unterstützt und möglich gemacht werden, stimmen wir heute zu und bedanken uns für die Möglichkeit. Stadtrat Kalmbach (FÜR Karlsruhe): Ich habe das Feuer für dieses Programm in der Di- rektion gesehen. Ich habe gespürt, mit welcher Leidenschaft sie dabei sind. Deswegen glaube ich, dass das Programm auch zum Ziel kommt. Es gibt viele Programme, die wir gut aufgestellt haben, die aber keine Wirkung zeigen. Aber wenn die Direktion in dieser Weise dahinter steht, dann bin ich überzeugt, dass es auch funktioniert und eine positive Auswir- kung hat. Deswegen unterstützt FÜR Karlsruhe das von ganzem Herzen. Da sind wir dabei. Eine Sache noch, es wurde vermehrt angesprochen, ich habe immer noch Bedenken: Das Basler Modell ist kein Vorbild für die Auszeichnung an der Kasse. Sie müssen einmal das Schild in Basel sehen. Da steht ein kleines Sternchen und unten steht: Dieser Euro ist frei- willig. Sie können sich dann dagegen entscheiden. Das muss ganz eindeutig sein. In der Vorlage steht drin, dass manche Leute gar nicht merken, dass sie den Artenschutz-Euro entrichten. Das darf nicht sein. (Zuruf Stadträtin Rastätter/GRÜNE) - Das steht hier drin, Frau Rastätter. Auf jeden Fall muss es deutlich sein. Es muss aus einer freiwilligen, aus einer feurigen, aus einer begeisterten Haltung heraus geschehen. Darauf legen wir Wert, aber wir sind sehr dafür. Stadtrat Wenzel (FW): Ein freiwilliger Euro kann ein kleiner Schritt oder ein kleiner Preis sein, der aber große Projekte fördern kann. Das ist das Positive an der ganzen Sache. Es soll auch nur positiv sein. Die Freiwilligkeit ist wichtig zu erkennen. Die Projekte sprechen für sich. Das, was uns hier vorgestellt wird und was man auch lesen kann, macht Freude auf mehr. Wie gesagt, ein kleiner freiwilliger Euro kann viel bewirken. Wenn es bis zum letzten durchdringt, kann es sein, dass die Besucherzahlen steigen. Denn wenn ich etwas Gutes leisten will, dann möchte ich auch den Zoo fördern. Dieses Ja zu diesem Projekt ist auch gleichzeitig ein Ja zu unserem Zoo, der sich in den letzten Jahren immer positiver und bes- ser entwickelt hat. An dem sollte einfach nicht mehr gerüttelt werden. Der Vorsitzende: Wir kommen zur Abstimmung. – Das ist Einstimmigkeit. Damit kann die begeisterte Zoodirektion noch begeisterter ans Werk gehen, Herr Dr. Becker. – 6 – Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 8. November 2018