Hebammen in Familienzentren - Beratung und Vernetzung ermöglichen
| Vorlage: | 2018/0572 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 21.08.2018 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Dezernat 3 |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister Gemeinsamer ANTRAG SPD-Gemeinderatsfraktion GRÜNE-Gemeinderatsfraktion KULT-Gemeinderatsfraktion FDP-Gemeinderatsfraktion Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) Stadtrat Jürgen Wenzel (FW) Stadtrat Eduardo Mossuto (FÜR Karlsruhe) Vorlage Nr.: 2018/0572 Hebammen in Familienzentren – Beratung und Vernetzung ermöglichen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 23.10.2018 18 x Angesichts der Unterversorgung durch Hebammen in der Geburtsvorbereitung und der Nachsorge soll die beratende und vernetzende Aktivität von Hebammen fester Bestandteil der Familienzentren wer- den. Dafür werden jedem Familienzentrum in Karlsruhe vier Hebammenstunden pro Woche zur Ver- fügung gestellt. Die Hebammen sollen folgende Aufgaben übernehmen: - Sprechstunden zur Beratung bei aktuell auftretenden Fragen der Geburtsvorbereitung und Nachsorge - Telefonische Beratung zur Geburtsvorbereitung und Nachsorge - Urlaubs- und Krankheitsvertretung der im Quartier arbeitenden Hebammen Begründung/Sachverhalt: Ein Teil der werdenden Mütter und Väter in Karlsruhe kann nicht mehr durch Geburtsvorbereitungs- kurse auf Geburt und Pflege der Neugeborenen vorbereitet werden. Auch eine Nachsorge erhalten nicht mehr alle Familien. Davon betroffen sind vor allem bildungsfernere oder ausländische Familien, die nicht wissen, dass sie sich außerordentlich früh um eine Hebamme kümmern müssen. Obwohl immer weniger Hebammen zur Verfügung stehen, werden sie dringender als in früheren Jah- ren gebraucht. Das Wissen über Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege wird häufig nicht mehr in den Familien weitergegeben, weil junge Familien oft an anderen Orten als ihre Ursprungsfa- milien wohnen und die Kinderzahl insgesamt abgenommen hat. Unsicherheiten und der damit leicht aufkommende Stress können zu Problemen in der Versorgung von Säuglingen führen. Die psychische Gesundheit von Müttern ist durch eine mangelhafte Hebam- menversorgung größeren Risiken ausgesetzt. Darauf wurde in einer Stellungnahme der Verwaltung auf eine Anfrage in der Gemeinderatssitzung am 23. Januar 2018 hingewiesen. Die im Sozialausschuss vom Hebammenverband geäußerte Idee, Hebammen in den Familienzentren fest durch Sprechstunden zu verankern, soll umgesetzt werden. Damit kann der Informationsmangel zumindest teilweise gelindert werden. Zusätzlich können durch Urlaubs- und Krankheitsvertretungen Engpässe abgefedert werden. Seite 2 unterzeichnet von: Verena Anlauf Michael Borner Dr. Ute Leidig Parsa Marvi Gisela Fischer Yvette Melchien Lüppo Cramer Max Braun Tom Høyem Thomas H. Hock Sabine Zürn Niko Fostiropoulos Jürgen Wenzel Eduardo Mossuto
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion SPD-Gemeinderatsfraktion KULT-Gemeinderatsfraktion FDP-Gemeinderatsfraktion Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Nico Fostiropoulos (Die Linke) Stadtrat Eduardo Mossuto (FÜR Karlsruhe) Stadtrat Jürgen Wenzel (Freie Wähler) Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2018/0572 Dez. 3 Hebammen in Familienzentren - Beratung und Vernetzung ermöglichen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 23.10.2018 18 x Kurzfassung Die Stadt Karlsruhe unterstützt ein mögliches Engagement von Hebammen in Familienzentren. Die Mittel werden auf die VÄL zum DHH 19/20 aufgenommen und mit einem Sperrvermerk versehen, bis zur Entscheidung des Gemeinderates über ein umsetzungsfähiges Konzept. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Fol- geerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein 58.240 Euro 58.240 Euro Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant X Nein Ja Korridorthema: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Die Verwaltung begrüßt grundsätzlich die Möglichkeit Beratungsangebote durch Hebammen in Familienzentren anzubieten. Die Verwaltung erarbeitet gemeinsam mit dem Hebammenverband ein Konzept wie die Verankerung von freiberuflichen Hebammen in Familienzentren aussehen kann. Dieses wird in der ersten Jahreshälfte 2019 im Jugendhilfeausschuss vorgestellt. Voraus- setzung hierfür ist die geplante finanzielle Förderung der Familienzentren durch die Stadt Karls- ruhe ab dem 1. Januar 2019. Sofern die Hebammen in ihrer Beratungsfunktion reguläre Hebammenleistungen erbringen, werden diese vorrangig mit den Krankenkassen abgerechnet. Inwieweit durch das Engagement der Hebammen an den Familienzentren zusätzliche Kosten wie z. B. für die Anmietung von Räumen in den Familienzentren entstehen, ist schwer vorauszubestimmen. Sollten die Beratungsfunktionen nicht mit den Krankenkassen abgerechnet werden können und im Ausgleich städtische Zuschüsse gewährt werden, würde eine Bezuschussung der Beratungs- angebote durch Hebammen in Familienzentren folgende finanziellen Auswirkungen haben: Ausgehend davon, dass bei einer möglichen Förderung acht Familienzentren teilnehmen und die Beratungsangebote nicht jede Woche stattfinden werden, würden sich die städtischen Zu- schüsse folgendermaßen zusammensetzen: Personalkosten: 8 Familienzentren x 4 Stunden pro Woche x 26 Wochen x 50 Euro Honorar pro Stunde = 41.600 Euro Sachkosten: 8 Familienzentren x 4 Stunden pro Woche x 26 Wochen x 20 Euro Raummiete pro Stunde = 16.640 Euro Insgesamt wird mit einem Personal- und Sachkostenzuschuss für das Beratungsangebot durch Hebammen in Familienzentren in Höhe von 58.240 Euro gerechnet. Die Mittel werden auf die VÄL zum DHH 19/20 aufgenommen und mit einem Sperrvermerk versehen, bis zur Entscheidung des Gemeinderats über ein umsetzungsfähiges Konzept. Ihr Antrag wird dem Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen zum Doppelhaushalt 2019/2020 zur Entscheidung vorgelegt.
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Niederschrift 56. Plenarsitzung des Gemeinderates 23. Oktober 2018, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 19. Punkt 18 der Tagesordnung: Hebammen in Familienzentren - Beratung und Ver- netzung ermöglichen Gemeinsamer Antrag: SPD, GRÜNE, KULT, FDP; Die Linke, FW, FÜR Karlsruhe Vorlage: 2018/0572 Beschluss: Einverstanden mit der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 18 zur Behandlung auf. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Ich spreche nicht unbedingt für die Antragsteller, weil ein paar Antragsteller eventuell auch noch etwas sagen wollen. Ist es in Ordnung, wenn ich jetzt rede? Der Vorsitzende: Es müssten sich die antragstellenden Fraktionen einigen, wer für die Antragssteller spricht. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Es hat sich etwas verändert. Der Vorsitzende: Was hat sich jetzt verändert? Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Alles klar, ich darf reden. Noch vor circa zehn Jahren hat man es als sicher angenommen, und es war selbstverständlich, dass werdende Eltern vor und nach der Geburt eine Hebamme hatten, die sie rund um die Uhr begleitet und nicht nur die vielleicht zehn oder zwanzig Stunden im Kreißsaal verbringt. Es war selbstverständ- lich, dass Frauen und auch immer mehr Männer auf den Verlauf der Schwangerschaft, rich- tige Ernährung und Entspannungsübungen, auf die Entbindung und Atemtechniken vorbe- reitet wurden. Es war auch ganz normal, dass eine Hebamme nach der Geburt einige Wo- – 2 – chen nach Hause kam, beim Stillen half und bei den ersten Unsicherheiten unterstützte. Viele Familien sagen im Nachhinein, ohne meine Hebamme wären wir verzweifelt gewe- sen, wenn der Säugling lange schrie und man nicht weiß, warum und so weiter. Was wir jetzt schleichend erleben, ist ein Einschnitt, ein Rückschritt im Bereich der frühen Hilfen, nämlich dass ein Teil der Frauen keine Hilfe mehr durch Hebammen erhält. Vor allem we- niger Informierte und neu nach Karlsruhe Zugezogene sind betroffen, obwohl man heute noch besser weiß, wie stark sich das Verhalten und Befinden der Mutter, letztlich der El- tern, schon in der Schwangerschaft auf das Kind auswirkt. Ist zum Beispiel der Stresshor- monspiegel der Mutter besonders in den letzten Wochen der Schwangerschaft dauerhaft erhöht, sieht dies der Fötus als normal an, und die Regulatoren im Gehirn werden falsch eingestellt, dies kann zu Erkrankungen wie Depressionen führen. Ohne einen Vorberei- tungskurs sind viele Väter kaum in der Lage, während der Geburt ihrer Frau zu helfen, ob- wohl es wichtig wäre und einen guten Beginn für die junge Familie darstellt. Wir wissen, dass wir als Stadt die mangelnde Versorgung durch Hebammen nur lindern aber nicht beheben können, da ist die Landes- und Bundespolitik dringend gefragt. Die zusätzliche halbe Stelle für eine Familienhebamme, die wir hier vor Kurzem beschlossen haben, ist allerdings ausschließlich für besondere Notfälle gedacht, zum Beispiel für min- derjährige Frauen. Wir halten die Idee für sinnvoll und machbar, dass wir zumindest ange- dockt an die Familienzentren vier Hebammensprechstunden pro Woche anbieten. Dies hät- te auch den Vorteil, dass die Familienzentren aufgewertet und noch bekannter werden. Hier können dann immerhin dringende Fragen vor und nach der Geburt geklärt werden. Manchmal genügt dann auch die Weitervermittlung oder ein ruhiges Kurzgespräch. Wir stimmen der Verwaltung zu, dass Beratungsfunktionen möglichst von den Krankenkassen übernommen werden sollten, was auch in der Antwort der Verwaltung steht. Dies gilt es zu überprüfen. Allerdings sollten die Hebammen nicht in einem Wulst an Bürokratie unter- gehen wobei viele Ressourcen verschleudert werden, weil viele verschiedene Anträge an die Krankenkasse, die Stadt und was weiß ich noch wohin, zu stellen sind, das wäre kont- raproduktiv. Wir stimmen der Verwaltung nicht zu, die Beratungsstunden auf die Hälfte der geforderten Stunden in unserem gemeinsamen Antrag zu reduzieren. Wir halten des- halb unseren Antrag aufrecht, mit vier Stunden pro Woche und Familie - also nicht genau pro Woche, weil es an Weihnachten und Ostern vielleicht nicht geht oder notwendig ist - aber im Wesentlichen wollen wir vier Stunden pro Woche. Stadtrat Dr. Müller CDU): Es ist jetzt viel gesagt worden, und es ist zweifelsohne richtig, dass die Unterversorgung durch die Hebammen ein eklatantes Problem auch in unserer Stadt ist. Ich sehe eine große Chance darin, dass angedockt an die Familienzentren, wo gebündelt Hilfestellungen in verschiedenen Lebensbereichen stattfinden sollen, eben auch die Hebammen die jungen Familien vor und nach der Geburt zumindest mit guten Rat- schlägen betreuen können. Denn es ist zum Teil schon eine Kunst, eine Hebamme vor und nach der Geburt nach Hause zu bekommen. Da kenne ich viele, die sich ihre Finger schon wund gewählt haben, um hier eine Betreuung zu erlangen. Ich sehe dies zumindest als einen Teil der Möglichkeit, diesem Problem etwas Abhilfe zu schaffen. Stadtrat Cramer (KULT): Es ist ein großer interfraktioneller Antrag, und das zeigt, dass sich hier eine große Mehrheit im Haus für die Hebammen und für die Geburt begleitenden Maßnahmen mit Hebammen einsetzen. Wir haben im Antrag genau formuliert, was wir uns wünschen, und wie Frau Kollegin Anlauf schon erwähnt hat, will die Stadtverwaltung die Betreuung auf 14 Tage insgesamt umstellen. Wir sind aber trotzdem der Meinung und – 3 – bestehen darauf, dass der Antrag so abgestimmt wird, wie er hier auch gestellt wurde, also mit wöchentlichen Angeboten. Der Vorsitzende: Ist das jetzt eine Wortmeldung oder nicht? Es wäre wirklich schön, wenn Sie sich am Anfang entscheiden, wer sich meldet, es ist sonst so ein Geplätscher. Ich weiß dann nie, ob wir die Rednerliste schließen oder nicht. Stadträtin Moser (SPD): Meine Kollegin Frau Anlauf hat schon alle Vorteile einer Heb- amme dargestellt, das möchte ich jetzt nicht wiederholen angesichts der Zeit. Aber ich möchte es auch unterstützen, dass die Verwaltung vielleicht den Betrag, der uns schon dargestellt wird, in die Veränderungsliste aufnimmt, und zwar nicht nur alle 14 Tage, son- dern jede Woche diese vier Stunden aufnimmt, weil nur durch Beständigkeit, durch ein ständiges Angebot, werden diese Stunden auch angenommen werden. Deswegen möchte ich alle Kolleginnen und Kollegen bitten, dass der Antrag so angenommen wird, wie er von uns fraktionsübergreifend gestellt wurde. Ich freue mich, dass die CDU da mitmacht. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Ich möchte einfach den Antrag zur Abstimmung stellen. Der Vorsitzende: Ja klar, ich bin nicht doof. Ich habe es jetzt verstanden, dass Sie mit un- serer Antwort nicht zufrieden sind, sondern eigentlich das Doppelte möchten, und da wir Ihnen zugesagt haben, es in die Veränderungsliste zu nehmen, würden wir den doppelten Betrag zumindest für 2020 reinnehmen müssen, weil wir im Laufe des Jahres 2019 erst mal über das Konzept reden. Also müssen wir das tun, wir können ja nicht sagen, dass es fach- lich sinnvoll ist, und wenn Sie dann das Doppelte wollen, sagen wir es ist fachlich nicht mehr sinnvoll. Wir machen ein Konzept, und wir müssen das aufnehmen und mit dem Haushalt wird es dann endgültig entschieden, denn die Veränderungsliste ist Teil dessen, was Sie verabschieden. Ich möchte nur noch darauf hinweisen, dass mir dann zwei Dinge ganz wichtig wären. Das eine ist, diese vier Stunden, die in den Familienzentren laufen, werden als zusätzliche Beratung vermittelt und ersetzen nicht die Hebamme, um die sich jede Familie trotzdem kümmern sollte, auch wenn sie diese möglicherweise nicht findet. Sonst entsteht der Eindruck, wir bilden jetzt über Familienzentren ein wirklich massives De- fizit ab. Das Zweite ist, man muss wirklich an die Bundespolitik appellieren, damit man das Thema Hebammen anders fördert und auch diese Versicherungsproblematik in den Griff bekommt. Wir können nicht auf Dauer über die Familienzentren, wo wir die wenigen Heb- ammen, die überhaupt noch zur Verfügung stehen, in Beratungen binden, dann auch noch dazu beitragen, dass noch weniger Familien am Ende eine Hebamme finden, die sie brau- chen, und die brauchen sie mit Sicherheit intensiver als die vier Stunden, die wir für einen ganzen Stadtteil zur Verfügung stellen können. Das ist auch noch mal etwas, wo wir dafür sorgen sollten, dass dieses Thema damit nicht geklärt ist, sondern es ein ergänzendes Bera- tungsangebot ist, so habe ich es eben verstanden. Dann wären Sie so zufrieden? Alles klar, dann machen wir das so. – 4 – Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 13. November 2018