Wiederaufbau des Ludwigsbrunnens auf dem Marktplatz
| Vorlage: | 2018/0482 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 03.07.2018 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 18.09.2018
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: Weiterbehandlung im Planungsausschuss
Zusätzliche Dateien
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG CDU-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2018/0482 Wiederaufbau des Ludwigsbrunnens auf dem Markplatz Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 18.09.2018 21.1 x Die CDU-Fraktion beantragt: Die Stadtverwaltung baut den Ludwigbrunnen in seiner ursprünglichen historischen Gestal- tung durch Weinbrenner auf dem Marktplatz wieder auf. Insbesondere steht der Brunnen erneut auf einem Sandsteinsockel. Dieser Sockel ist etwas höher als derjenige Sockel, auf dem der Ludwigbrunnen vor seinem Abbau stand. Der Brunnen wird durch Poller und vier Ketten umsäumt, wie dies auch bei der Pyramide der Fall ist. Sachverhalt/Begründung: Marktplatzbrunnen sind besondere Brunnen. Sie sind der Stolz der Städte, gewissermaßen die „Hauptbrunnen“ einer Stadt. So verhält es sich in Karlsruhe mit dem Ludwigbrunnen. Bis zu seinem Abbau stellte er einen Blickfang auf dem einst von Weinbrenner sorgsam und nach klassizistischem Ideal gestalten Karlsruher Marktplatz dar. Ursprünglich war der Ludwigbrunnen, ebenso wie die Pyramide, durch Poller eingegrenzt. Mit der Verlegung von Gleisen auf dem Marktplatz im Zuge des Straßenbahnbaus wurden die Poller um den Ludwigbrunnen abgebaut. Nach dem Bau der Kombilösung wäre der Weg wieder frei für die Eingrenzung des Brunnens durch Poller. Damit ergibt sich die Chance, die architektonische Harmonie zwischen Brunnen und Pyramide wie in der ursprünglichen Gestaltung wiederherzustellen. Aus bauhistorischer Sicht ist es zudem von besonderer Bedeutung, dass der Brunnen auf einem Sand- steinsockel steht, der etwas höher ist als derjenige, auf dem der Brunnen bis zu seinem Abbau stand. Die Pläne von Weinbrenner zeigen das sehr gut. Eine höhere Sockelhöhe ist für die Proportionen des gesamten Brunnens wichtig. unterzeichnet von: Tilman Pfannkuch Dr. Rahsan Dogan
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag CDU-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2018/0482 Dez. 6 Wiederaufbau des Ludwigsbrunnens auf dem Marktplatz Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 18.09.2018 21.1 x Kurzfassung Die Beurteilung, wie der Brunnen in seiner historischen Form wieder aufgebaut wird, bedarf einer ausführlichen historischen Recherche und einer gestalterischen, technischen und finanziel- len Prüfung. Die Verwaltung hält diese als Entscheidungsgrundlage für erforderlich und schlägt daher vor, das Thema entsprechend aufbereitet im Planungsausschuss zu behandeln. Finanzielle Auswirkungen Gesamtkosten der Maß- nahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatorischen Kosten abzügl. Fol- geerträge und Folgeeinsparungen) Ja Nein Haushaltsmittel sind dauerhaft im Budget vorhanden Ja Nein Die Finanzierung wird auf Dauer wie folgt sichergestellt und ist in den ergänzenden Erläuterungen auszuführen: Durch Wegfall bestehender Aufgaben (Aufgabenkritik) Umschichtungen innerhalb des Dezernates Der Gemeinderat beschließt die Maßnahme im gesamtstädtischen Interesse und stimmt einer Etatisierung in den Folgejahren zu IQ-relevant Nein x Ja Korridorthema: Zukunft Innenstadt Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X Nein Ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften X Nein Ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Das Gartenbauamt hat den Ludwigsbrunnen 2013 im Auftrag der KASIG demontiert und zwi- schengelagert. Der Auftrag der KASIG sieht im Weiteren vor, den Ludwigsbrunnen im Zuge der Neugestaltung des Marktplatzes am alten Standort so aufzubauen, wie er vor Beginn der Baumaßnahmen auf dem Platz stand. Der Brunnen hatte einen kleinen Sockel, aber keine Einfriedung mit Pollern und Ketten. Die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands des Brunnens, einschließlich seiner histori- schen Einfriedung mit Stufenanlage um das Becken, ist denkmalpflegerisches Ziel und in der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung vom 28. Mai 2018 aufgeführt. Eine Beurteilung, wie dies stadtgestalterisch sinnvoll, technisch machbar und finanziell möglich umzusetzen ist, bedarf zunächst einer ausführlichen Prüfung. Zunächst muss – mit Blick auf die Gestaltung – beleuchtet werden, welche Sockelausbildungen und welche Formen der Einfriedung zu welcher Zeit existiert haben und auf welche Zeit sich eine Rekonstruktion beziehen soll. Des Weiteren muss bei einer Entscheidung über eine mögli- che Einfriedung des Brunnens die Abfolge der Denkmäler der Via Triumphalis mit betrachtet werden. Dies betrifft deren historische Ausformungen und Veränderungen sowie den räumli- chen Zusammenhang, in dem sie früher standen und heute stehen. Auch die Frage, ob ein all- seits ungehinderter Zugang zum Brunnen nach dem heutigen Freiraumverständnis möglicher- weise wünschenswert ist, ist in die Beurteilung einzubeziehen. Bei einem historischen Wiederaufbau des Brunnens ist auch die technische Machbarkeit mit der KASIG abzustimmen, da die acht Poller, die den Brunnen ursprünglich umgaben, aufgrund er- forderlicher Fundamente möglicherweise mit unterirdischen Einbauten und Leitungen kollidie- ren. Ein Wiederaufbau des Brunnens in seiner ursprünglichen Gestalt ist mit Mehrkosten verbunden. Diese noch nicht bekannten Kosten, die durch den Wiederaufbau des Brunnens in geänderter Form anfallen, werden vom Zuwendungsgeber nicht mitgetragen und wären über städtische Mittel zu finanzieren. Die Stadtverwaltung schlägt vor, das Thema der Rekonstruktion der Einfriedung zunächst gründlich zu recherchieren und die technische Machbarkeit sowie die gestalterischen und finan- ziellen Auswirkungen zu prüfen. Anschließend wird das Thema im Planungsausschuss behan- delt.
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Niederschrift 54. Plenarsitzung des Gemeinderates 18. September 2018, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 23. Punkt 21 der Tagesordnung: Ludwigsbrunnen auf dem Marktplatz: 21.1: Wiederaufbau des Ludwigsbrunnens auf dem Marktplatz Antrag: CDU Vorlage: 2018/0482 21.2: Denkmalschutz bei Wiederaufstellung des Ludwigsbrunnens berücksichtigen – Orientierung an Weinbrenners Plänen Antrag: KULT Vorlage: 2018/0491 Beschluss: Weiterbehandlung im Planungsausschuss Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 21 zur Behandlung auf und verweist auf die vorliegenden Stellungnahmen der Verwaltung. Stadträtin Dr. Dogan (CDU): Ein Marktplatz ist das öffentliche Wohnzimmer einer Stadt. Es ist das öffentliche Wohnzimmer der Bürgerinnen und Bürger. Natürlich verfolgen sie es gerade jetzt, wo alles im Umbruch, Aufbruch steht in Karlsruhe, mit besonderem Interesse, wie denn unser öffentliches Wohnzimmer aussehen soll nach Abschluss der Arbeiten. Auf unserem Marktplatz spielt das Element Brunnen, konkret der Ludwigsbrunnen, eine ganz besondere Rolle, so wie die Brunnen in vielen Stadtteilen unsere Stadt prägen und aus- zeichnen. Als Brunnen auf dem Marktplatz stehend sticht er besonders hervor. Wenn man alte Ansichtskarten ansieht, die uns von Bürgerinnen und Bürgern im Zuge dieser Maß- nahmen übersandt wurden mit der Bitte um Berücksichtigung, dann erkennt man, dass es ein wirklich hervorhebender Brunnen war, auf einem Sockel stehend, um ihn etwas höher zu positionieren, mit Poller umgeben, ebenso wie auch die Pyramide mit Poller umgeben – 2 – war. Diese Poller wurden abgebaut, immer wenn Schienen verlegt wurden auf dem Markt- platz. Nun aber haben wir dieses Bedürfnis nicht mehr, dass Poller und andere Elemente der his- torischen Baukunst unseres Marktplatzes dem Schienenverkehr weichen müssen. Denn wir haben eine ganz tolle Chance, mit der Unterverlegung der Bahnen der Kombilösung und des frei werdenden Platzes, diesen wieder in seiner ursprünglich klassizistischen Form nach den Plänen Weinbrenners und so, wie er auch einmal ausgesehen hat, wieder herzurich- ten. Wir sehen ein, dass die Verwaltung natürlich hier noch Recherchen betreiben muss. Das ist ganz klar. Natürlich muss die Historie, müssen die Maße wieder ermittelt werden, es muss die technische Ausführbarkeit ermittelt werden. Insofern macht es auch Sinn, das noch einmal vorzubereiten und dann im Planungsaus- schuss zu beraten. Aber da regen wir an und appellieren auch an die Verwaltung und die Mitglieder des Planungsausschusses, im öffentlichen Teil zu beraten, um dem Interesse der Bürgerinnen und Bürger gerecht zu werden. Aber auch mit dem Ziel, unseren Marktplatz, unser Wohnzimmer, das ein Kleinod klassizistischer Baukunst ist, und damit durchaus ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland hat, wieder in seinem alten und neuen Glanz er- strahlen zu lassen. Da bedanken wir uns auch für die tollen Anregungen, die wir von vielen Bürgerinnen und Bürgern bekommen, und auch von der Europäischen Brunnengesell- schaft, die heute mit ihrem Präsidenten Harald Denecken prominent im Hause vertreten ist. Stadtrat Cramer (KULT): Meine Kollegin Frau Dogan hat es schon richtig gesagt: der Karlsruher Marktplatz ist ein wichtiger Platz. Er ist von seiner klassizistischen Ausformung sehr wichtig. Er wird weltweit als ein herausragendes Beispiel gesehen. Wir haben beim Tag des öffentlichen Denkmals sehr fundiert, sehr kultiviert, aber auch von dem Fachmann, der über den Marktplatz gesprochen hat, teilweise doch kritische Dinge benannt aus seiner fachlichen Sicht. Ich als Gemeinderat hatte da keine Probleme, mir eine gewisse Kritik, die man sich vielleicht selber auch ans Revers heften kann, in aller Ruhe anzuhören. Ich möchte jetzt nicht weiter auf die Dinge eingehen, die meine Kollegin genannt hat, die- se ganzen fachlichen Dinge, die natürlich gemacht werden müssen. Da folgt meine Frakti- on der Verwaltung. Für uns ist noch einmal ganz besonders wichtig, dass die Bürgerschaft und Fachverbände mit einbezogen werden in die Diskussion; wie gesagt, die Europäische Brunnengesellschaft, die Denkmalschutzbehörde, die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild und vor allem der Bürgerverein Stadtmitte, der – wie sicher mittlerweile bekannt ist im Haus – auch ein starkes bürgerschaftliches Engagement einbringt, nicht nur fachlich und aus ihrer Sicht als Stadtteilvertreter, sondern sich auch finanziell mit einer doch ganz ordentlichen, fast zu sagen enormen Summe einsetzt, um den Brunnen so authentisch und historisch wie möglich wieder aufzubauen. Das sollten wir aufnehmen, das sollten wir mit- nehmen. Dann wird es eine gute Sache für alle Beteiligten und für die gesamte Stadt. Stadtrat Zeh (SPD): Was ist historisch wichtig? Das ist eine durchaus offene Frage. Ich gehe, bevor ich auf den Ludwigsbrunnen eingehe, auf das Karl-Friedrich-Denkmal am Schloss ein. Das stand ursprünglich in der Mitte des Schlossplatzes. Es steht jetzt schon eine ganze Weile am südlichen Ende des Schlossplatzes. Das Land Baden-Württemberg hat an- lässlich der Renovierung 2015 zum Stadtgeburtstag das ganze Denkmal noch auf eine Wasserfläche gesetzt. Es gibt kein historisch Richtig. Ich muss zugeben, ich bin echter Karlsruher. Alle, die hier sind, haben vermutlich nie die Poller gesehen, von denen Sie jetzt – 3 – als historisch richtig sprechen. Das hängt durchaus mit den Straßenschienen zusammen, das ist richtig. Aber Geschichte verändert sich auch. Wir machen jetzt noch eine Brunnen- anlage auf dem Marktplatz. Wir stellen nicht den originalen Weinbrennerbrunnen her. Jetzt zu dem Ludwigsbrunnen ganz konkret. Auch der spielt gerade im Lichtkonzept - ur- sprünglich wussten Sie nicht einmal, Frau Dogan, dass der wieder aufgestellt wird nach dem Abbau – eine ganz besondere Rolle, denn das Wasser wird ganz anders beleuchtet als vorher. Die originale, uralte Form stellen wir nicht her. Wir sind durchaus offen, dass man zunächst einmal prüft, ob man das wieder auf Poller und die Sachen drumherum stellen kann. Aber es ist natürlich a) eine Kostenfrage und b) auch eine Zeitfrage, ob es überhaupt technisch machbar ist. Daher sollte die Prüfung durchaus gemacht werden. Im Planungs- ausschuss wird es zunächst einmal intern beraten und muss dann wieder zurück in den Gemeinderat. Das ist ganz richtig. Wir sind mit der Antwort der Verwaltung so zufrieden. Die Planung erwarten wir gespannt. Dann werden wir gemeinsam entscheiden. So verhält sich die SPD-Fraktion. Stadtrat Borner (GRÜNE): Ich möchte zu diesem Brunnen noch eine kritische Stellung- nahme zu Protokoll geben. So steht dieser Brunnen für den Großherzog Ludwig I, der An- hänger einer reaktionären Politik war und der die Arbeit des Parlaments behinderte, so gut er konnte. Er hebelte maßgeblich die badische Verfassung von 1818 aus. Wir wollen jetzt keine Kommentierung des Antrags, wir wollen es aber zumindest einmal gesagt haben. Auf der anderen Seite hat dieser Brunnen eine identitätsstiftende Wirkung in der Mitte un- serer Stadt. Wie wir aus der Antwort der Stadtverwaltung entnehmen können, war eine Wiederaufstellung des Brunnens sowieso geplant. Ob alle Wünsche, die in den Anträgen genannt werden, möglich sind, bleibt abzuwarten. Eine Absperrung des Brunnens durch Poller sehen wir allerdings kritisch, weil wir der Bevölkerung den Zutritt zum Brunnen ge- währen wollen. Wir würden es begrüßen, wenn bei der weiteren Vorgehensweise der Stadtverwaltung die Europäische Brunnengesellschaft ihre Berücksichtigung findet. Wir freuen uns auf die Diskussion im Planungsausschuss. Stadtrat Hock (FDP): Wir können nur hoffen, dass wir zu dem Brunnen, der wahrschein- lich der wichtigste Brunnen in der Stadt ist, das Richtige tun. Denn wenn ich wie letzte Woche bei der Begehung auf dem Markplatz gehört habe, dass die Verwaltung und wir Stadträte eigentlich völlig inkompetent zum Thema Marktplatz sind und überhaupt keine Ahnung hätten, dann hoffe und wünsche ich, dass wir es in diesem Fall hoffentlich der Bevölkerung und den Wünschen der Brunnengesellschaft recht machen. Denn man kann nicht alles im Leben immer richtig machen. Ein Platz wie der Marktplatz, verändert sich auch in den Jahrzehnten, Jahrhunderten. Es wird nie immer so bleiben, wie es einmal vor 200 oder 300 Jahren war. Ich war auch dabei. Ich habe auch zugehört. Ich war überrascht, wie man über den Karlsruher Gemeinderat denkt in dieser Gruppe, und wie man über die Verwaltung denkt. Vieles, was dort gesagt wurde, müsste man hinterfragen und kann man eigentlich so nicht stehen lassen. Aber lassen wir es dabei. Wir wünschen uns, dass der Ludwigsbrunnen in seiner damaligen Form wieder hier auf dem Marktplatz entsteht. Was machbar ist, wird geprüft. Das sagt die Verwaltung. Es wird Geld kosten. Das sollte man dann auch gleich dazu sagen, der Ehrlichkeit halber. Es wird uns eine Stange Geld kosten, weil solche Dinge nicht unbedingt günstig sind. Aber nichts- destotrotz, meine Fraktion wünscht sich, dass der Ludwigsbrunnen an seinen Platz zurück – 4 – kommt und so aufgebaut wird, dass man danach auch einmal bei einer Begehung des Marktplatzes zu uns sagt: das habt ihr aber einmal gut gemacht. Stadtrat Wenzel (FW): Eines habe ich gelernt hier im Gemeinderat: egal, was wir ma- chen, 50 % da draußen sind immer anderer Meinung. Ich möchte die Veränderung an- sprechen. Unsere Stadt verändert sich. Kollege Borner hat es gesagt. Denken Sie einmal an unseren Turmberg, den Hausberg. Vor dem Krieg gab es da überhaupt keine Bäume. Es war ein Weinberg. In der Schlussfolgerung müsste auch unsere Turmbergruine, die der Legende nach Sitz von Raubrittern war, irgendwie verändert werden. Aber Spaß beiseite, wir leben im Jahr 2018. Wir haben viele Veränderungen auf dem Marktplatz. Wir passen uns der Zeit an. Es wird moderner, es wird anders. So sollten sich dann auch die Brunnen und Anlagen – denken wir an die Diskussion des Lichtkonzeptes – anpassen. Wir werden vielleicht nicht das Richtige machen, darüber wird die nächste Gene- ration entscheiden. Deshalb ist es auch wichtig, die Diskussion im entsprechenden Aus- schuss weiterzuführen. Ich habe keine Angst, dass wir es richtig machen. Aber ich habe Angst, dass wir irgendwelche alten übergangenen historischen Denkmäler wertschätzen, die es vielleicht heute gar nicht mehr sind. Es muss auch die Moderne leben. Ich bin zuver- sichtlich, wir machen etwas Richtiges. Die 50 %, die es nachher kritisieren: ich tröste mich, dass die anderen 50 % es besser sehen. Bürgermeister Obert: Herr Stadtrat Zeh hat eigentlich die richtige Frage gestellt. Was ist historisch richtig? In dieser Frage sind sich schon die Denkmalpfleger und die Denkmal- schützer nicht einig. Sie sind sich aktuell nicht einig und sie waren sich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht einig, weil sich die Anschauung immer geändert hat. Ich will ein Beispiel nennen, das den Marktplatz betrifft und das ich immer gerne erwähne. Im Zeitalter des Historismus ist nach meinem Begriff im Unverstand der Verputz des Rathausturms ab- geschlagen worden. Ein klassizistisches Gebäude ist verputzt. Da gibt es auch bei einem Denkmalschützer oder Bauhistoriker keine zwei Meinungen. Vor 30 Jahren hat man das Rathaus saniert, Sie erinnern sich, in der 80er Jahre-Fassung. Das wurde übrigens total ab- gelehnt von der Bevölkerung. 30 Jahre später ist es heilig gesprochen, weil die Menschen sich daran gewöhnt hatten. Da ist aber die Frage gestellt worden – übrigens bei der katho- lischen Stadtkirche St. Stephan auch -, will man den historischen Zustand von Weinbren- ner, nämlich den Turm zu verputzen, wieder herstellen. Da hat die Denkmalpflege gesagt nein. Der ist seit 100 Jahren so und hat somit selbst einen eigenen Denkmalwert erhalten. Das kann man so sehen oder kann es anders sehen. Aber das So-und-so-sehen, da will ich dann doch etwas zu dem Ereignis auf dem Marktplatz sagen. Man soll sicher einen Diskurs führen. Was ist der richtige Weg? Sie sehen, selbst die Denkmalpflege, Kunsthistoriker, Bauhistoriker sind sich nicht einig. Aber die eigene Meinung als die allein selig machende darzustellen und die Meinung der anderen im politischen Prozess nieder zu machen als inkompetent und unausstehlich, das halte ich nicht für den richtigen Weg. Noch ein Satz zum Marktplatz: Ich habe das im Planungsausschuss auch gesagt. Die letzten 120 Jahre war der Marktplatz noch nie so nahe dran an Weinbrenner wie der künftige Marktplatz ein Weinbrenner sein wird. Ganz einfach: Es fahren keine Straßenbahnen mehr darüber, schon allein deshalb. Übrigens bis in die 70er Jahre sind auch Autos darüber ge- fahren. In der Mitte des Platzes war ein Parkplatz, schon allein deshalb. Es waren gar nicht die Straßenbahnen. Schon wegen des Parkplatzes konnte der Poller gar nicht aufgestellt werden. Das Einzige, was an diesem Marktplatz dezidiert unweinbrennerisch ist, sind die – 5 – Wasserspiele vor der Pyramide. Das war in diesem Haus auch umstritten. Genau die sind ein heftiger Wunsch. Herr Oberbürgermeister, wir waren damals 2015 zweimal bei ent- sprechenden Veranstaltungen, einmal im Schlossgarten bei diesem Veranstaltungspavillon. Das ist ein ausdrücklicher Wunsch der Bevölkerung gewesen. Man kann aber der Meinung sein, eigentlich gehören sie nicht auf einen klassizistischen Platz. Wobei wir nicht wissen, wenn er die technische Möglichkeit gehabt hätte, ob Weinbrenner so etwas gemacht hätte oder nicht. Eine letzte Bemerkung zur Ehrenrettung von Großherzog Ludwig. Es gibt eine Biografie über ihn. Er war sicherlich kein lupenreiner Demokrat. Aber er war nicht so übel, wie man ihm nachsagt. Das hat bestimmte Gründe, warum seine Biografie von bestimmten Leuten so dargestellt wurde, wie sie ist. Ich will einen Grund nennen: Der gute Ludwig hatte keine Nachkommen. Deswegen ist die hochberg’sche Linie drangekommen. Warum hatte er kei- ne? Weil er sich geweigert hatte, zur rechten Hand zu heiraten. Er hatte eine Familie mit Kindern. Die haben hier am Zirkel gewohnt. Die wollte er nicht aufgeben. Das muss man auch zu seiner Ehrenrettung sagen. Dem guten Karl wurde die Verfassung abgetrotzt. Er hat sie dann auf dem Sterbebett unterzeichnet. Aber gemessen an Ludwig war der Karl eine Kanaille. Das darf man auch einmal sagen. Stadträtin Dr. Dogan (CDU): Gestatten Sie mir noch eine kurze Anmerkung, nachdem dieser Punkt dann doch so kontrovers gesehen wird. Zum einen: es geht hier nicht um eine überholte Vergangenheit, die wir wieder aufrollen wollen. Es geht um ein architektonisches Gesamtkonzept. Wenn man auf dem Turm des Schlosses steht und von dort hinunter schaut über die Achse, die Via Triumphalis, dann erschließt sich ein Gesamtbild, ein Kon- zept, hinter dem viel Logik, viel System, aber auch viel Ästhetik steckt. Das kann man zer- stören im Laufe der Zeit. Ich weiß nicht, ob man dann der Stadt etwas Gutes tut, diesem Gesamtkomplex. Es geht dann einfach unwahrscheinlich viel verloren, was unglaublich schade wäre und was nicht wieder einbringlich ist. Ich werfe jetzt bewusst einmal eine ganz ketzerische Frage in den Raum, die wir auch nicht beantworten sollen, sondern vielleicht jeder einmal für sich mitnimmt: Wollen wir, dass die Bürger sich mit etwas zufrieden geben, weil sie sich an den Zustand gewöhnt haben, oder wollen wir, dass sie Zufriedenheit mit einem Zustand sehen, weil sie vieles darin berücksich- tigt und logisch durchdacht sehen? Stadtrat Cramer (KULT): Ich muss jetzt doch noch etwas sagen. Zu den Einlassungen von Herrn Hock wollte ich eigentlich nichts mehr sagen, aber zu den Einlassungen von Herrn Bürgermeister Obert oben von der Bürgermeisterbank weg, das drängt mich jetzt. Hier wird faktisch einem Mensch, der ein ausgewiesener honoriger Stadthistoriker ist, der klar aus seiner Sicht am Tag des offenen Denkmals vor 120 Leuten erzählt hat über den Markt- platz, Dinge in den Mund gelegt. Entschuldigung, Herr Obert, Sie waren nicht dort. Ich war dort. Ihm werden Dinge in den Mund gelegt, er hätte gegen den Gemeinderat und gegen den Baubürgermeister hergezogen. Das stimmt so nicht. Da haben einige Herren, die dort waren, offensichtlich etwas in den falschen Hals bekommen, irgendetwas nicht richtig ver- standen. Dann finde ich es nicht gut, wenn man das hier dann immer weiter, schon im Planungsausschuss, sehr massiv, behauptet. Da war ich ruhig, weil ich gedacht habe, das bringt nichts, ich will kein Öl ins Feuer gießen. Aber wenn es hier in einer öffentlichen Sit- zung wiederholt wird und im Grunde genommen fast schon rufschädigend ist ... – 6 – (Zuruf Stadtrat Hock/FDP) - Ja, Herr Hock, es ist rufschädigend. Das hätte ich von Ihnen nicht erwartet. Ich muss ehr- lich sagen, das hätte ich von Ihnen nicht erwartet. (Weiterer Zuruf Stadtrat Hock/FDP) - Ich nenne auch keine Namen. Aber jeder weiß es doch, es war eine öffentliche Veranstal- tung. Jeder kann doch nachschauen in der Broschüre der Stadt. Dann schaut man, wer hat den Vortrag gehalten. Dann weiß das jeder. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das geht so nicht, Herr Oberbürgermeister. Da würde ich auch irgendwie von Ihnen erwarten, dass Sie das so nicht zulassen hier in dem Haus. Der Vorsitzende: Herr Stadtrat, ich verstehe, was Sie meinen. Nur weiß ich a) immer noch nicht, um wen es geht, habe b) auch nicht ganz verstanden, ob das Zitierte vom Marktplatz sich auf den bezog, der die Führung gemacht hat oder noch auf jemand anders. Ich hatte es jetzt gar nicht so direkt auf denjenigen bezogen. Stadtrat Cramer (KULT): Ich war doch im Planungsausschuss! Es war sehr wohl auf den bezogen, der den Vortrag gemacht hat. Und hier auch. Ich finde das jetzt ärgerlich, dass das hier öffentlich diskutiert wird. Das lasse ich nicht so stehen. Weil das draußen ganz mies ankommt. Der Vorsitzende: Ich halte jetzt einmal fest, dass es hier unterschiedliche Erinnerungen an das gibt, was dort erzählt worden ist. Ich kann es nicht beurteilen. Ich halte auch fest, dass die Diskussion über den Brunnen – das ist bei nicht allen Denkmalschutzthemen in Karlsru- he so – außerordentlich sachlich war. Ich stelle fest, dass wir am Ende feststellen müssen, dass es doch eine politische Entscheidung werden wird. Der Denkmalschutz gibt uns mög- licherweise etwas vor, was wir sowieso nicht ändern können. Aber dann gibt es noch einen Spielraum. Ich kann Ihnen von den zwei Terminen berichten, die ich hatte, als ich noch relativ frisch im Amt war, wo sich die historischen Experten in einer Gruppe mit mir vor dem Rathaus versammelt haben, um mit mir zu klären wie das Rathaus farbig gestaltet werden soll. Es gab in dieser Gruppe wahrscheinlich fünf verschiedene Meinungen. Nur als ich dann meine Wünsche vorgetragen habe, waren sie plötzlich alle der Meinung, dass dieses Rosa zwar nicht historisch ist, aber die letzten 20 Jahre auch schon immer irgendwie ganz gut gehalten hat. Deswegen war das dann plötzlich die Meinung. Ich musste mich dann auch fügen. So ist es manchmal. Ich glaube deswegen auch, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt, sondern es ist unsere gemeinsame Verantwortung - dafür sind wir hier in den Gemeinderat gewählt -, eine mehrheitliche Lösung zu finden. Die wird immer bestimmten Gruppen nicht gefallen. Aber ich finde, dass Sie das – das haben Sie eben in der Diskussion bewiesen – erst einmal im Abwägungsprozess außerordentlich ernst nehmen. Das ist doch das, was von dieser Ver- sammlung rüberkommen soll. Wir nehmen das in den Planungsausschuss, sobald wir die Recherchen haben. An den Re- cherchen war übrigens auch ein Praktikant aus einem unserer Partnerstädte beteiligt, der mir dann am Abschlussabend erzählt hat, wie toll er das fand, sich durch die Archive zu- sammen mit einem Mitarbeiter des Stadtarchivs zu wühlen und zu schauen, was es für – 7 – Darstellungen gibt über diesen Brunnen. Er hat mir auch schon zugeflüstert, dass nach sei- ner Einschätzung der höhere Sockel vermutlich dem Original näher kommt als der niedrige- re Sockel. Aber ob das am Ende das allein ausschlaggebende Kriterium ist, das mögen Sie im Planungsausschuss mit all Ihrer Kompetenz dann zu einer Entscheidung bringen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 15. Oktober 2018