Gegen das Insekten- und Vogelsterben: Blühende Landschaften für Karlsruhe
| Vorlage: | 2018/0338 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 22.05.2018 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 19.06.2018
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: Verwiesen in Ausschuss für Umwelt und Gesundheit
Zusätzliche Dateien
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG KULT-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2018/0338 Gegen das Insekten- und Vogelsterben: Blühende Landschaften für Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 19.06.2018 9 x Die Stadtverwaltung legt dar, welche Maßnahmen die städtischen Fachämter intensivieren und zusätz- lich ergreifen können, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Die Maßnahmen werden mit einer Aufwands- bzw. Kostenschätzung sowie einer Effektivitäts- und Effizienz-Einschätzung versehen. Die Fachämter stellen die Ergebnisse im Naturschutzbeirat und im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit (AUG) öffentlich vor. Insbesondere folgende Maßnahmen sollen geprüft werden: Flächenbewirtschaftung (Mahd und Aussaat) der städtischen Grünflächen optimieren, z.B. durch mehr Aussaatflächen für Blumenwiesen mit heimischen und standortgerechten Arten Anpassungen in den Ausschreibungen und Richtlinien für die Fremdvergabe der Mahd bzw. Grünflächenpflege Geeignete Insektenhäuser auf öffentlichen Flächen einrichten, pflegen und warten Patenschaften für Blumenwiesen mit Vereinen, Schulen, Kitas oder Privatpersonen vereinbaren Öffentlichkeitsarbeit gegen den privaten Einsatz von Pestiziden, für das private Aufstellen ge- eigneter Insektenhäuser und das Aussähen bzw. Anpflanzen geeigneter Blütenpflanzen auf privaten Flächen. Die Zahl der Fluginsekten wie Wildbienen, Schmetterlinge, Hummeln usw. ist in Deutschland mit über 75% Verlust in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig. Hauptursachen dafür sind der Einsatz von Pestiziden und der Anbau von Monokulturen, insbesondere in der Landwirtschaft. Die Fluginsekten haben viele wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen, u.a. als Pflanzenbestäuber und Nahrung für andere Tierarten, z.B. kleine Vogelarten. Sollte sich der Trend der letzten Jahrzehnte fortsetzen, kann dies schwere Folgen für Mensch und Natur haben („Stirbt die Biene, stirbt der Mensch“). Folgen sind schon jetzt zu beobachten, z.B. das Vogelsterben (Rückgang der Anzahl der Brutpaare deutschland- weit um 13% zwischen 1998 und 2009, neue Zahlen dazu erst 2019), das nach Ansicht des Natur- schutzbund Deutschlands u.a. durch das Insektensterben mitverursacht wird. Die EU vollzieht jetzt mit dem Verbot von drei Neo-Nicotinoiden erste Schritte gegen das Insektenster- ben. Die Stadt Karlsruhe setzt schon heute auf öffentlichen Flächen keine Pestizide ein. In der Land- wirtschaft in Karlsruhe geschieht dies aber weiterhin. Die kommunale Ebene sollte unserer Ansicht nach stärker tätig werden, Fluginsekten zu unterstützen. Die PARTEI Baden-Württemberg macht aktuell mit der Veranstaltungsreihe „Die PARTEI besamt's Ländle!“ auf das Insektensterben aufmerksam und regt die Menschen dazu an, Gärten, Grün- und Brachflächen mit der Aussaat entsprechender Blumen insektenfreundlich zu gestalten. Die Grünen- Gemeinderatsfraktion hat das Insektensterben mit dem Antrag „Bienen schützen – Masterplan für Biodiversität“ im Juni 2017 im Karlsruher Gemeinderat thematisiert. Sachverhalt / Begründung Seite 2 In der Naturschutzbeirat- und AUG-Sitzung am 3. Mai dieses Jahres wurde deutlich, dass es aus den Reihen des Gemeinderats den Willen gibt, im kommenden Haushalt mehr Mittel bereitzustellen, um die Grünflächenpflege insektenfreundlich zu gestalten. Um effektive und effiziente Maßnahmen zu identifizieren, ist eine Vorbereitung durch die Fachämter notwendig. unterzeichnet von: Erik Wohlfeil Max Braun Michael Haug Uwe Lancier
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag KULT-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2018/0338 Dez. 5 Gegen das Insekten- und Vogelsterben: Blühende Landschaften für Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 19.06.2018 9 x Kurzfassung Die Stadtverwaltung begrüßt den Antrag grundsätzlich, da vielfältige, artenreiche Lebensräume für Flora und Fauna in der Stadt im Sinne der Biodiversität übergeordnete Ziele sind. Der Antrag wird, wie vorgeschlagen, in den Ausschuss für Umwelt und Gesundheit (AUG) verwiesen. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen (bitte auswählen) Kontierungsobjekt: (bitte auswählen) Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant nein ja Handlungsfeld: (bitte auswählen) Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Die Stadtverwaltung begrüßt den Antrag grundsätzlich, da vielfältige, artenreiche Lebensräume für Flora und Fauna in der Stadt im Sinne der Biodiversität übergeordnete Ziele sind. Die naturnahe Gestaltung und Unterhaltung der städtischen Flächen ist damit ein wichtiges Kriterium, kann allerdings nicht das alleinige sein, da die Grünflächen zahlreichen Belangen gerecht werden müssen. So ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Alleine das Garten- bauamt unterhält nahezu 600 ha Fläche, bei denen sich in irgendeiner Form die Frage des Mä- hens stellt. Ein differenziertes Mahdregime liegt der Unterhaltung dieser Flächen zugrunde. Ein- bis zweischürige Wiesen, bei denen das Mahdgut aufgenommen wird, sogenannte Blumenwie- sen, sind ein Teil davon. Neben Wiesenflächen tragen auch die weiteren Bausteine einer diffe- renzierten Grünaustattung zur biologischen Vielfalt bei: Vielfältig gestaltete Grünanlagen, mit standortgerechten Baum- und Straucharten bieten Lebensräume in der Stadt, viele Stauden und Sommerblüher sind wertvoll für Insekten, so dass ein differenziertes Grün in den öffentlichen Flächen und privaten Gärten entscheidend ist. Die in den letzten Monaten starke Medienpräsenz des Themas Insektensterben wird von den in diesem Bereich arbeitenden Fachdienststellen der Stadtverwaltung aus fachlicher Sicht begrüßt, da eine breite Aufmerksamkeit erforderlich scheint, um gemeinsam (sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich) dem Insektensterben entgegenzuwirken. Die Präsenz führt derzeit dazu, dass vielerorts Blühmischungen ausgebracht werden. Doch teilweise ist dies auch kontraproduk- tiv, obwohl zunächst gut gemeint. Durch das Ausbringen artenreicher Einsaaten besteht zum einen das Risiko der Nivellierung der lokalspezifischen Flora und der Verdrängung von Arten innerhalb einer standortspezifischen Artenzusammensetzungen, zum anderen wird durch nicht für den Standort vorgesehenes Saatgut in die angedachte Flächenentwicklung eingegriffen. Daher ist mit dem Ausbringen von Saatgut äußerst vorsichtig umzugehen. Flächenbewirtschaftung (Mahd und Aussaat) der städtischen Grünflächen optimieren, z. B. durch mehr Aussaatflächen für Blumenwiesen mit heimischen und standortge- rechten Arten Anpassungen in den Ausschreibungen und Richtlinien für die Fremdvergabe der Mahd bzw. Grünflächenpflege Die Stadtverwaltung hat bereits im letzten AUG einen Sachstandsbericht zur Wiesenpflege an- gekündigt und wird dem Ausschuss für Umwelt und Gesundheit am 18.07.2018 Handlungsop- tionen zur Optimierung der Mahd im erweiterten öffentlichen Verkehrsraum sowie in Außenan- lagen an Gebäuden aufzeigen, welche die im Antrag angesprochenen Themenbereiche Flä- chenbewirtschaftung und Fremdvergabemanagement abdecken werden. Geeignete Insektenhäuser auf öffentlichen Flächen einrichten, pflegen und warten Bezüglich "geeigneter Insektenhäuser" kann festgestellt werden, dass eine pauschale Betrach- tung und somit eine allgemeingültige Antwort zu diesem Thema nicht möglich ist. Hintergrund ist, dass es in Deutschland rund 33.000 Insektenarten gibt, welche die vielfältigsten Ansprüche bezüglich ihrer Brut- und Ruhestätten haben. Hier ist also immer eine Einzelfallbetrachtung notwendig. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, sämtliche Varianten zu prüfen, allerdings sollen bei geeigneten Gegebenheiten auch die Errichtung von künstlichen Brut- und Ruhestät- ten für wildlebende Insekten geprüft werden. Die umweltpädagogische Arbeit, z.B. des Forstes und des Umweltamtes, thematisiert auch am Beispiel "Insektenhäuser" Aspekte des angewand- ten Naturschutzes. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Patenschaften für Blumenwiesen mit Vereinen, Schulen, Kitas oder Privatpersonen vereinbaren Der Komplex von Patenschaften ist aktuell innerhalb der Stadtverwaltung - insbesondere bezüg- lich des Korridorthemas "Meine Grüne Stadt" - in der juristischen Überprüfung, um die rechtli- chen und normativen Rahmenbedingungen für alle Akteure rechtssicher ausgestalten zu kön- nen. Abschließende Ergebnisse liegen aktuell noch nicht vor, werden jedoch, sobald die Prüfung abgeschlossen ist, an geeigneter Stelle an die politischen Gremien kommuniziert und bei etwai- ger Anwendbarkeit auch auf "Wiesenpatenschaften" angewandt. Aktuell ist die Überlassung von städtischen Flächen aufgrund der laufenden Prüfung ausgesetzt. Öffentlichkeitsarbeit gegen den privaten Einsatz von Pestiziden, für das private Auf- stellen geeigneter Insektenhäuser und das Aussähen bzw. Anpflanzen geeigneter Blü- tenpflanzen auf privaten Flächen. Aus Sicht der Verwaltung sind bereits etliche Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit beispielswei- se im Bereich Umweltbildung, Waldpädagogik oder Fachberatungsstelle Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau wirksam. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl von Landes-, Bundes- und privat orga- nisierten Initiativen und Vereinigungen. Allgemein ist festzuhalten, dass das Thema aktuell re- gelmäßig in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Die Verwaltung stimmt dem Antrag in Bezug auf die in der Begründung zum Antrag getroffe- nen Annahme zu, dass zu einer weiteren Differenzierung und Optimierung des Mahdregimes im Sinne der Biodiversität zusätzliche Mittel (Personal- und Finanzmittel) benötigt werden.
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Niederschrift 51. Plenarsitzung Gemeinderat 19. Juni 2018, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 11. Punkt 9 der Tagesordnung: Gegen das Insekten- und Vogelsterben: Blühende Landschaften für Karlsruhe Antrag: KULT Vorlage: 2018/0338 Änderungsantrag: SPD Vorlage: 2018/0423 Beschluss: Verwiesen in den Ausschuss für Umwelt und Gesundheit Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 9 und den Änderungsantrag zur Behandlung auf. Wir haben hier die Befassung in einem der Fachausschüsse empfohlen. Stadtrat Braun (KULT): Autofahrer nehmen es auf ihrer Windschutzscheibe wahr, ich als Rollerfahrer an meinem Helmvisier: Die Fluginsekten werden weniger. Was mich beim Fah- ren manchmal freut, ist ein alarmierendes Zeichen für unser Ökosystem, denn die Biene stirbt und steht symbolisch für viele Insektenarten. Das ist im letzten Jahrzehnt überall in Deutschland zu beobachten. Mit einem Insektenrückgang von über 75 Prozent. Die Haupt- ursachen kennen wir alle. Überall liest man von den negativen Einflüssen von Pestiziden und Neonicotinoiden, und jeder versteht auch, Monokulturen sehen nicht nur langweilig aus, wenn man an ihnen vorbeigeht, sie verhindern vor allem ein sich selbst regulierendes Ökosystem. Wir in Karlsruhe wollen deshalb von Monokulturen weg und hin zu blühenden Landschaften. Im Umgang mit Pestiziden verhält sich unsere Stadtverwaltung bereits vor- bildlich. Schon jetzt werden auf öffentlichen Flächen keine Pestizide eingesetzt. So muss es weitergehen, aber auch die anderen Aspekte der Grünpflege müssen standortgerecht aus- – 2 – geführt werden. Aussaat und Mahd müssen sich verstärkt nach den heimischen Insekten richten. Das kommt dem ganzen Ökosystem zugute, denn Amphibien wie Frösche, Säuge- tiere wie Mäuse, Marder oder Fledermäuse und Vögel sind untrennbar mit dem Wohlbe- finden der Insekten verbunden. Ein weiterer Punkt ist: Privates und städtisches Engagement müssen Hand in Hand gehen. Mit guter Öffentlichkeitsarbeit kann Karlsruhe seine Bürger sensibilisieren Gärten, Grün- und Brachflächen mit standortgerechten Blumen insekten- freundlich zu gestalten. Das Thema Insektensterben ist in diesem Jahr ohnehin im ständi- gen Gespräch. Der erste Weltbienentag, auf Initiative der Vereinten Nationen, oder die Pes- tizidverbote der EU halten das Thema aktuell. Jetzt kann man die Öffentlichkeit gut mit- nehmen. Jedem sollte vermittelt werden, welche Bedeutung der eigene Balkon für unser Ökosystem hat. Wer auf Steingärten verzichtet und heimische statt exotische Blumen pflanzt, rettet die Biene und damit den Menschen. Dieser Zugewinn muss jedem klar sein. Das Leben von Bienen und anderen Insekten ist auch ein guter Anlass, um Kindern in Schu- len oder Kindertagesstätten Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit beizubringen. Wir können uns vorstellen, dass die Stadt auf geeigneten öffentlichen Flächen Insektenhäuser einrichtet. Vereine, Schulen, Kindertagesstätten oder Privatpersonen könnten dafür die Patenschaften übernehmen. Die Stadtverwaltung selbst nennt in der Verwaltungsantwort auch Wiesenpartnerschaften, diese Idee unterstützt die KULT. Wir sind mit der Antwort der Stadtverwaltung soweit zufrieden und sind gespannt auf die nächsten Gespräche im Aus- schuss für Umwelt und Gesundheit, und wir freuen uns, dass wir das Thema mit breiter Unterstützung des Gemeinderats diskutieren. Stadträtin Dr. Dogan (CDU): Der Antrag der KULT-Fraktion findet bei uns Zustimmung, und wir danken der Verwaltung für die ausführliche Antwort. Wir haben bereits 2017 ei- nen Anstoß zu diesem Thema gegeben, weil wir schon frühzeitig von Bürgerinnen und Bürgern auf dieses Problem, nämlich Bienen, nützliche Insekten, Vögel und ihre Bedro- hung, aufmerksam gemacht wurden. Wir verfolgen es seitdem intensiv mit und sehen, dass es in Karlsruhe schöne Ansätze aus der Bürgerschaft und den Vereinen gibt, hier initi- ativ und aktiv zu werden. Allein bei den Kleingärtnern und beim Verein der Gartenfreunde ist es bezeichnend, dass in mehreren Stadtteilkleingartenanlagen mittlerweile immer mehr darauf geachtet wird, ein Pachtgrundstück als naturnahe blühende Wiese zu gestalten, sie kooperieren mit Grundschulen vor Ort, die dann gemeinsam mit Unterstützung des Gar- tenbauamtes tolle Erlebnispfade, Projekte, Insektenhäuser, Vogelnistplätze, Igelburgen und was auch immer an schönen und vielfältigen Dingen aufstellen. Das schöne Miteinander regt die Bürgerschaft an, und wir können noch tolle Anstöße geben, aber es ist auch wich- tig, gerade diese Vereine in dem Ausschuss mitzunehmen, weil die agierenden Personen eine gewisse Grunderfahrung mitbringen, die Möglichkeiten und auch das Interesse daran haben. Wir haben es auch schon 2017 gesagt, besonders wichtig ist es uns, die Landwirt- schaft und die Landwirte miteinzubeziehen, die schon eine nicht unbeachtliche Fläche im Karlsruher Raum, vor allem in den Randstadtteilen, bewirtschaften und pachten, denn auch da gibt es Interessen. Wir wollen auch gleichzeitig den Anbau regionaler Produkte unter- stützen, und da müssen wir dann auch die Akteure mit ins Boot nehmen und mit ihnen gemeinsam Lösungen erarbeiten. Stadträtin Fischer (SPD): Wir sind uns im Grundanliegen einig und die Kollegin Dr. Do- gan hat es gerade zurecht gesagt, ich glaube, jede Fraktion hier im Haus hat in den letzten Monaten in irgendeiner Weise zu diesem Thema etwas beantragt oder gefragt, und dazu wurden auch von der Verwaltung Maßnahmen vorgestellt und beschrieben. Der Grund, der uns zu diesem Änderungsantrag bewogen hat, ist das Korridorleitthema GRÜNE Stadt, – 3 – in dem schon seit Jahren Maßnahmen beschrieben sind, und wir uns alle einig sind, dass etwas getan werden muss. Wenn ich in der Antwort lese, es muss rechtssicher ausgestaltet sein, muss ich sagen, wir sind seit Jahren Mitglied im Bündnis für biologische Vielfalt, da werden vielfach Maßnahmen von anderen Städten beschrieben, die dort schon seit Jahren laufen, und wir müssen nur mal in unserer näheren Umgebung in nahe Städte schauen, da wird alles Mögliche gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht aufgrund einer rechtlichen Grundlage und rechtssicher gestaltet wird. Deshalb war unser Anliegen, lasst uns doch endlich etwas tun und nicht nur immer reden. Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Auch wir GRÜNEN freuen uns natürlich, dass immer mehr Fraktionen im Gemeinderat sich für den Schutz der Bienen mit Anträgen und Anfragen einbringen. Wenn Sie jetzt diese Antworten anschauen, die heute die Stadtverwaltung ge- geben hat, dann werden Sie festgestellt haben, dass bereits sehr viele Ihrer Forderungen, auf gutem Weg sind. Das liegt daran, dass wir GRÜNEN bereits vor über einen Jahr einen Antrag eingebracht haben, „Bienen schützen - Masterplan für Biodiversität“. Dankens- werterweise hat die KULT-Fraktion in ihrer Begründung auch diesen Antrag erwähnt, und wenn Sie den im Detail anschauen, werden Sie sehen, dass genau diese Forderungen nach Extensivierung der öffentlichen Grünflächen in Karlsruhe, dass nach einem Gesamtkonzept ein Masterplan zum Schutz der Biodiversität erstellt wird, dass entsprechende Verbraucher- verhalten auch durch Umweltbildung noch einmal verstärkt wird, dass die Haltung von Bienen in Kleingärten auch gefördert wird und dass die Landwirtschaft mit ins Boot ge- nommen wird, auch als Fülle von uns eingebracht worden war. Die Stadtverwaltung hat damals alle unsere Forderungen und Ziele unterstützt, hat aber klargestellt, und jetzt kommen wir zu dem entscheidenden Punkt, dass eine Extensivierung der Grünflächen, das heißt, eine ein- bis zweischürige Mahd mit einer Abfuhr des Mähguts, dass diese erhebli- che Mehrkosten bedeuten würde. Allein diese Aussage hat uns GRÜNE nicht befriedigt, sondern wir haben in der Folge sofort eine Anfrage gestellt, mit der wir um Zahlen gebeten haben, was es kosten würde, diese Extensivierung durchzuführen. Dann hat interessanterweise die Stadtverwaltung geantwor- tet, dass man in den letzten zehn Jahren von den 197 Hektar Grünflächen, die so extensiv mit ein bis zweischüriger Mahd gepflegt werden, wieder auf eine dreischürige umstellen musste, weil ihr die Mittel bei der Ausschreibung an die Gartenbaubetriebe fehlen. Das heißt, wir haben in den letzten zehn Jahren sogar Flächen verloren, die tatsächlich bienen-, hummeln- und schmetterlingfreundlich gepflegt wurden. Allein um diese ein- bis zweischü- rige Mahd auf hundert Hektar wieder zu erreichen, kostet es 300.000 Euro, das hat uns die Stadtverwaltung mitgeteilt, das heißt, mindestens 300.000 Euro sind im Haushalt notwen- dig, damit wir überhaupt wieder auf den Stand kommen, den wir schon hatten. Und wenn wir jetzt, was Sie alle wünschen, so nehme ich das jedenfalls entgegen, noch mehr extensi- vieren und noch weiter voranschreiten, dann werden wir erheblich mehr Mittel als die 300.000 Euro hinaus benötigen. Ich sage das auch deshalb als Ansage an Sie alle, bienen- freundliche Anträge, mehr Samentütchen verbreiten, etwas mehr extensivieren, das gibt es nicht zum Nulltarif und der Lackmustest wird dann stattfinden wenn der nächste Doppel- haushalt haben, aufgrund unseres Antrags sind schon Mittel eingestellt worden, wie Sie aus der Antwort lesen, nämlich der Masterplan für Biodiversität, der wird jetzt tatsächlich umgesetzt und dafür hat die Stadtverwaltung dankenswerterweise die Mittel schon einge- stellt, die werden also schon im Haushaltsentwurf stehen, die brauchen wir nicht zu bean- tragen, aber wir werden, wenn wir tatsächlich, das, was wir alle wünschen, umsetzen wol- len, auch Mittel in die Hand nehmen müssen. Von daher freue ich mich auf die Diskussio- – 4 – nen, die wir dann während der Haushaltsberatungen führen. Was auch noch zum Ab- schluss gesagt werden muss, die Landwirtschaft ist ganz entscheidend. Es genügt nicht, die öffentlichen Grünflächen in den Blick zu nehmen. Wir müssen vorankommen, es ist ein großes Anliegen von uns GRÜNEN, dass wir eine pestizidfreie Landwirtschaft in Karlsruhe erreichen, auch dazu hatten wir einen Fraktionsantrag, und der Auftrag ist insbesondere an das Liegenschaftsamt ergangen, hier dann eine Arbeitsgruppe zu bilden und auf städti- schen Pachtflächen zu klären, ob dort Pestizide untersagt werden können. Das sind alles Dinge, die können Sie unterstützen, deshalb freuen wir uns, dass Sie aktiv sind, aber jetzt gilt es auch, das zu tun, damit wir es umsetzen können. Stadtrat Høyem (FDP): Wir finden die Verwaltungsantwort gut und wir wollen uns sehr gerne im Umweltausschuss darüber unterhalten. Ob der Ergänzungsantrag von unseren SPD-Kolleginnen notwendig ist, weiß ich nicht. Jährliche Berichte finden wir übertrieben, und so ein Katalog hört sich eigentlich sehr bürokratisch an. Aber lassen Sie uns das Thema noch einmal im Ausschuss diskutieren. „Blühende Landschaften“ klingt ganz poetisch, das Ziel haben wir wahrscheinlich alle gemeinsam, am Besten ist es wohl von Paul Gerhardt ausgedrückt: „Die unverdrossne Bienenschar, fleucht hin und her, sucht hie und da, Ihr' edle Honigspeise: Des süßen Weinstocks starker Saft, bringt täglich neue Stärk' und Kraft in seinem schwachen Reise.“ Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Ich habe vorhin schon gesagt, dass für uns von der AfD der Natur- und Artenschutz besonders wichtig sind. Deswegen unterstützen auch diesen An- trag, finden aber auch die Antwort der Verwaltung in Ordnung. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass man diesen Trend, den wir im privaten Bereich haben, dass Gärten immer steriler werden, dass man dem durch Überzeugungsarbeit versucht entgegenzuwirken. Man kann sich auch überlegen, ob man nicht auf öffentlichen Grünflächen dazu übergeht, gemischte Hecken zu pflanzen, die über die ganze Saison für die Insekten Nahrung bieten. Wir in unserem Garten haben es schon lange so, gemischte Hecke, Bäume und Blumen, und wir fahren damit sehr gut, und freuen uns über die vielen Insekten, die uns besuchen kommen, und deswegen kann ich es allen anderen, die einen Garten haben, nur empfeh- len. Der Garten wird dadurch lebendiger und es ist einfach schön, wenn man immer etwas im Garten hat, das gerade blüht. Der Vorsitzende: Sie waren alle einverstanden, dass wir das im Fachausschuss weiterdis- kutieren. Stadtrat Wenzel (FW): Sie haben es ja angedeutet, wir sind alle dafür, dass es in den Fachausschuss kommt. Ich möchte aber noch kurz die Gelegenheit nutzen, weil es zu die- sem Thema passt, auf meine Anfrage Nummer 12 hinzuweisen, da ging es auch um das Thema Urban Gardening. Eine Studie, die vor Kurzem veröffentlicht wurde, besagt, dass die Artenvielfalt von Insekten in Stadtparks, Städten und stadtnahen Bezirken weitaus hö- her ist, als auf Agrarflächen. Dies belegt, dass wir in den Städten etwas tun müssen, dass wir in den Städten wie New York, Wien oder auch Berlin, das Urban Gardening vernetzen müssen, Konzepte erarbeiten müssen, und auch in den Köpfen der Bürger klar machen müssen, dass ein Rasen eine Monokultur ist, damit das Umdenken, wie Kollegin Rastätter sagte, stattfindet. Was mich ein bisschen gestört hat bei der Beantwortung der Verwaltung auf meine Frage, dass man beim Vernetzten die Sorge über die rechtlichen Bedenken hat. Das finde ich schade, denn auf der Seite der Stadt wird darauf hingewiesen, dass man die Bürger beim Thema Urban Gardening und Grüne Stadt gewinnen möchte. Wenn es dann – 5 – zum Schwur kommt und die Bürger es wollen, wird aber die rechtliche Hürde aufgebaut. Da müssen wir einfach flexibler werden, ich denke, da ist das Thema auch angebracht, um in den Ausschüssen darüber zu reden und ich hoffe, dass, auch wenn wir nachher Geld ausgeben müssen, die Zukunft, wenn es hochgetragen ist, der Menschheit und der Bienen gerettet wird. Der Vorsitzende: Wir bleiben dabei, dass wir es in den Ausschuss verweisen und Sie es dort noch mal diskutieren. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. Juli 2018