Ökologische Qualität der Karlsruher Fließgewässer, insbesondere der Alb

Vorlage: 2018/0334
Art: Anfrage
Datum: 22.05.2018
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Beiertheim-Bulach, Durlach, Grünwinkel, Hagsfeld, Rüppurr

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 17.07.2018

    TOP: 47

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Stellungnahme TOP 47
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage KULT-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2018/0334 Dezernat 5 Ökologische Qualität der Karlsruher Fließgewässer, insbesondere der Alb Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 17.07.2018 47 x 1. Nach den Angaben der LUBW ist der ökologische Gesamtzustand gemäß den Krite- rien der EU-Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere bei der Alb unbefriedigend. Was unternimmt die Stadt und was plant sie, um den Zustand zu verbessern? Die Gewässer in Baden-Württemberg werden durch die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) überwacht. Die Stadt Karlsruhe führt keine eigenen Messungen zur Überwachung der Oberflä- chengewässer durch. Zur Verbesserung der Gewässerqualität führt die Stadt Karlsruhe ökologische Renaturierungs- maßnahmen durch, um insbesondere die Gewässerstruktur und die Gewässermorphologie zu verbessern. In den letzten Jahren wurden Maßnahmen u. a. an der Alb im Bereich der Raffine- rien oder im Bereich der Albkapelle durchgeführt. Das Tiefbauamt ist für den Teilaspekt der Hydromorphologie zuständig. Hierzu gibt es für die Alb und die Pfinz ein Maßnahmenprogramm der Flussgebietsbehörde beim Regierungspräsidi- um Karlsruhe aus dem Jahr 2015. Im Stadtkreis Karlsruhe werden sechs Einzelmaßnahmen an der Alb und zwei an der Pfinz genannt:  Als aus fachlicher Sicht wichtigste Maßnahme ist die Verbesserung der Durchgängigkeit der Alb an der Wasserkraftanlage Appenmühle und dem dazugehörenden Thomaswehr gefordert. Dieses Vorhaben liegt in der Verantwortung der Stadtwerke Karlsruhe als Be- treiber der Wasserkraftanlage. Die Anpassung der Fischaufstiegsanlage und der Neubau einer Fischabstiegseinrichtung befinden sich derzeit in der Planung und sollen absehbar umgesetzt werden.  An der Alb bei der Raffinerie steht noch ein Abschnitt der naturnahen Umgestal- tung/strukturellen Verbesserung aus. Dieser Bereich ist im Planfeststellungsantrag zur zweiten Rheinbrücke als Ausgleichsmaßnahme enthalten.  Im Bereich der Albkapelle Grünwinkel ist die Strukturverbesserung der Alb gefordert. Hier wurde der erste Bauabschnitt bereits umgesetzt und der zweite soll in diesem Jahr folgen.  In Beiertheim, unterhalb des Stephanienbades, ist ebenfalls eine Strukturverbesserung vorgesehen. Hier findet im Rahmen der Möglichkeiten des Wassergesetzes ein Erwerb Ergänzende Erläuterungen Seite 2 der Gewässerrandstreifen statt, um die zur Entwicklung notwendigen Flächen zu Verfü- gung zu haben.  In Rüppurr ist die Gewässerstruktur der Alb oberhalb des Friedhofes noch defizitär. Auch hier findet der Erwerb des Gewässerrandstreifens statt, damit die notwendigen Flächen zukünftig verfügbar sind.  Umgesetzt werden konnte im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme der Transnet BW die Strukturverbesserung der Alb unterhalb der Autobahn A 5 in Rüppurr.  An der Pfinz in Durlach wurde in diesem Jahr der Abschnitt unterhalb der Pforzheimer Straße naturnah umgestaltet.  Lediglich in Hagsfeld oberhalb der Brückenstraße ist noch ein Abschnitt der Pfinz im Maßnahmenprogramm erwähnt. Hier sind die baulichen Vorbereitungen schon getrof- fen. Es fehlt noch die abschließende Anbindung an die Pfinz. Diese soll aber erst erfol- gen, wenn die am Ufer stehenden alten, großen Pappeln natürlicherweise abgängig sind. Dies vermeidet unnötige Eingriffe in andere geschützte Lebensräume. 2. Wie ist der Null-Wert der Gewässergüte, also die Belastung direkt an der Quelle der Karlsruher Fließgewässer und wie der Wert an der Stelle, wo die Fließgewässer in Karlsruhe einfließen? Im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), 2. Bewirtschaftungszyklus, wurde der Zustand der Alb laut LUBW wie folgt klassifiziert: (Alb Grundlage Überwachungsergebnisse Flusswasserkörper 9/2008) Oberlauf Makrozoobenthos (Saprobie) Ziel erreicht Durchgängigkeit Ziel verfehlt Morphologie und Wasserhaushalt Ziel erreicht Orthophosphat Zielerreichung unklar (siehe Erläuterung) Flussgebietsspezifische Schadstoffe Ziel erreicht Chemischer Zustand Ziel erreicht Bereich Karlsruhe Makrozoobenthos (Saprobie) Ziel verfehlt Durchgängigkeit Ziel verfehlt Morphologie und Wasserhaushalt Ziel verfehlt Orthophosphat Ziel erreicht Flussgebietsspezifische Schadstoffe Ziel erreicht Chemischer Zustand Ziel erreicht Erläuterung:Makrozoobenthos: Als Benthos wird die Gesamtheit der im Benthal ("Gewässerboden") lebenden Or- ganismen bezeichnet. Unter Makrozoobenthos werden hierbei die tierischen Organismen bis zu einer definierten Größe (mit dem Auge noch erkennbar) zusammengefasst. Orthophosphat: Orthophosphat (o-PO4-P) kennzeichnet den Gehalt an direkt pflanzenverfügbarem Phosphor im Wasser. Möglicherweise sind Einflüsse im lokalen Umfeld der Messstelle, daher „unklare Zielerreichung“. Morphologie: Gewässerstruktur. Dazu zählen zum Beispiel der Verlauf des Gewässers (mäandrierend, gestreckt), das Sohlsubstrat (Kies, Sand), die Fließgeschwindigkeit, die Uferbeschaffenheit . Ergänzende Erläuterungen Seite 3 3. Welche Neozoen und Neophyten treten in welchen Karlsruher Fließgewässern auf? Bei welchen Arten ist eine starke Zunahme bzw. Ausbreitung erkennbar? Welche Maßnahmen sieht die Verwaltung, diese Arten zurückzudrängen und welche Finanz- mittel wären dafür nötig? Wir beschränken uns bei den Angaben auf die relevanten und invasiven Arten: Bei den Neozoen wird aktuell eine Ausbreitung des sehr Gewässer schädigenden Kalikokrebses beobachtet. Aus der Pfinz sind bisher keine Vorkommen bekannt, zumindest in den rheinnahen Abschnitten der Alb gehen wir von einem Vorkommen des Kalikokrebses aus. Der Kalikokrebs steht jedoch nicht auf der EU-Liste der invasiven Arten, da es sich bisher eher um ein regionales Problem handelt. Eine Planung beziehungsweise gezielte Durchführung von Gegenmaßnahmen gibt es bisher nicht. Allerdings steht der Umwelt- und Arbeitsschutz in Kontakt mit Herrn Prof. Dr. Martens von der PH Karlsruhe, um in ausgewählten Karlsruher Gewässern (auch Stillgewäs- sern) geeignete Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Krebses auszuloten. Auch das Regie- rungspräsidium Karlsruhe, Höhere Naturschutzbehörde, hat Interesse an Gegenmaßnahmen bekundet, da zahlreiche betroffenen Flächen in Naturschutzgebieten liegen. Der Kamberkrebs, von dessen Vorkommen in Pfinz und Alb ausgegangen werden muss, steht auf der Liste der invasiven Arten der EU, gegen die Maßnahmen durchzuführen sind. Die erfor- derlichen Konzepte zur Bekämpfung werden derzeit auf Landesebene abgestimmt. Anders ist die Situation bei den Neophyten. Im Wesentlichen sind an den Gewässern folgende Arten relevant: Japanknöterich, Indisches Springkraut, Riesenbärenklau, Ambrosia, Eschenah- orn. Grundsätzlich kann durch die weitere naturnahe Umgestaltung und die dazugehörende Unter- haltung der Gewässer eine Förderung der heimischen Arten und damit ein Zurückdrängen der Neophyten langfristig erreicht werden. Kurzfristig werden diese invasiven Arten in unterschiedli- cher Weise durch das Tiefbauamt bekämpft:  Japanknöterich, häufiges Mähen  Indisches Springkraut, eine gezielte Bekämpfung findet auf Grund der Vielzahl und Grö- ße der betroffenen Flächen nicht statt, obwohl diese Art Teil der EU-Liste ist. Gemäß derzeitigem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass Bekämpfungen auch zukünftig nur auf naturschutzfachlich hochwertigen Flächen erfolgen sollen.  Riesenbärenklau, Ausgraben der Wurzeln  Ambrosia, Auszupfen der Pflanzen vor der Blüte  Eschenahorn, Fällen der Bäume Vor einer Maßnahmenplanung ist die Erfassung der Bestände in einem Kataster notwendig. Dann sind nur koordinierte Maßnahmen aller Gewässeranlieger sinnvoll, um die erneute Ver- breitung der Samen entlang der Gewässer zu vermeiden. Insgesamt erfordert die Bekämpfung der Neophyten neben der finanziellen Aufstockung der Haushaltsmittel für die Gewässerunter- haltung auch zusätzliches Personal. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass es für ein erfolgver- sprechendes Zurückdrängen dieser Pflanzen nur möglich ist, wenn gezielt und kurzfristig auch kleinste Flächen an einzelnen Standorten bekämpft werden. Bisher gab es punktuell Unterstützung durch ehrenamtliche Gruppen. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 4. In welchen Fließgewässern Karlsruhes gibt es Belastungen durch Pflanzenschutzmit- tel und Pflanzendünger und wie stark sind diese? (aufgeschlüsselt nach Gewässerab- schnitten samt Entwicklung seit 2000)? Zur Belastung mit Pflanzenschutzmitteln können keine konkreten Aussagen getroffen werden, da uns keine Untersuchungen vorliegen. Um Verbesserungen zu erreichen, hat der Schutz des Gewässerrandstreifens Priorität. Im Rahmen der Gewässerschauen wird besonders auf die Ein- haltung der Bestimmungen zum Gewässerrandstreifen geachtet. Bei Verstößen werden die Grundstücksbesitzer angeschrieben und zu den Verboten und Geboten im Gewässerrandstrei- fen informiert. Außerdem macht die Stadt Karlsruhe von ihrem Vorkaufsrecht des Gewässer- randstreifens Gebrauch. 5. Welche Erkenntnisse liegen über die Wasserqualität der Alb (alle Parameter) bei den Rüppurrer Wiesen vor? Messwerte im Bereich der Rüppurrer Wiesen liegen nicht vor. Die LUBW betreibt die Messstellen in der Regel am Ausgang eines Wasserkörpers. 6. Sind Karlsruher Fließgewässer durch Mikroplastik belastet? Wenn ja, durch welche und wie stark? Ist ein zu- oder abnehmender Trend der Belastungen erkennbar? Messwerte zur Problematik von Mikroplastik in Karlsruher Gewässern liegen nicht vor. Die LUBW hat einen Bericht „Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands“ veröffentlicht. Dieser vorliegende Bericht fasst die bisherigen Untersuchungsergebnisse zum Vorkommen von Mikroplastik an der Wasseroberfläche ausgewählter deutscher Fließgewässer an den beiden großen Flussgebieten (Rhein und Donau) zusammen und bewertet diese. Im Einzugsgebiet des Rheins wurden die niedrigste (2,9 Partikel/m³) sowie die höchsten Plastik- konzentration (214,2 Partikel/m³) des gesamten Monitoring Programms gefunden. Dabei lagen die Konzentrationen in den Zuflüssen i.d.R. deutlich höher als im Rhein selbst. Die im Rhein festgestellten Konzentrationen lagen in einem relativ engen Schwankungsbereich von maximal Faktor 10 (2,9 Partikel/m³ bis 22,2 Partikel). Es lässt sich keine kontinuierliche Zu- nahme der Partikelkonzentrationen im Flussverlauf erkennen. Insgesamt wurde im Rhein hauptsächlich kleines Mikroplastik gefunden. Größere Kunststoffteile der Kategorie Makroplastik wurden dagegen kaum detektiert. Als Fazit lässt sich konstatieren, dass großes Mikroplastik (5 mm bis 1 mm) und kleines Mikro- plastik (< 1 mm bis 20 μm) an der Wasseroberfläche aller Messstellen des Bodensees, des Hoch- rheins und des südlichen Oberrheins anzutreffen waren. Es muss von einer zivilisatorischen Grundlast von Mikroplastik in den Gewässern ausgegangen werden. Im Einzugsgebiet des Rheins zwischen Bregenz und Mannheim konnten keine Hotspots ausgemacht werden.

  • KULT Qualität Fließgewässer
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    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE KULT-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2018/0334 Ökologische Qualität der Karlsruher Fließgewässer, insbesondere der Alb Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 17.07.2018 47 x 1. Nach den Angaben der LUBW ist der ökologische Gesamtzustand gemäß den Kriterien der EU- Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere bei der Alb unbefriedigend. Was unternimmt die Stadt und was plant sie, um den Zustand zu verbessern? 2. Wie ist der Null-Wert der Gewässergüte, also die Belastung direkt an der Quelle der Karlsruher Fließgewässer und wie der Wert an der Stelle, wo die Fließgewässer in Karlsruhe einfließen? 3. Welche Neozoen und Neophyten treten in welchen Karlsruher Fließgewässern auf? Bei welchen Arten ist eine starke Zunahme bzw. Ausbreitung erkennbar? Welche Maßnahmen sieht die Ver- waltung, diese Arten zurückzudrängen und welche Finanzmittel wären dafür nötig? 4. In welchen Fließgewässern Karlsruhes gibt es Belastungen durch Pflanzenschutzmittel und Pflan- zendünger und wie stark sind diese? (aufgeschlüsselt nach Gewässerabschnitten samt Entwicklung seit 2000)? 5. Welche Erkenntnisse liegen über die Wasserqualität der Alb (alle Parameter) bei den Rüppurrer Wiesen vor? 6. Sind Karlsruher Fließgewässer durch Mikroplastik belastet? Wenn ja, durch welche und wie stark? Ist ein zu- oder abnehmender Trend der Belastungen erkennbar? Insgesamt 92 Prozent aller Flüsse und Seen in Deutschland sind in einem beklagenswerten Zustand (BUND-Gewässerreport vom 16. Mai 2018). In 93 Prozent der deutschen Bäche und Flüsse leben nicht mehr die Tiere und Pflanzen, die man dort eigentlich vorfinden müsste (vgl. Bundestag-Drucksache 19/1415). Außerdem sind vier von fünf Gewässern in ihrer Struktur deutlich bis vollständig verändert. In einem nach EU-Richtlinien ökologisch guten Zustand sind noch 6,6 Prozent der Fließgewässer, als sehr gut kann der Zustand in 0,1 Prozent der Fälle bezeichnet werden. KULT möchte wissen, ob dieser Befund der schlechten ökologischen Fließgewässerqualität auch in Karlsruhe zutrifft. Über den Daten- dienst der LUBW sind keine Daten zur Gewässergüte abrufbar. Das Ökosystem Fluss ist derzeit akut bedroht und verdient Schutz, da es u.a. ein wichtiger Garant der Artenvielfalt ist. In Karlsruhe liegt die Alb in einem Natura 2000-Gebiet. Gleichzeitig durchfließt die Alb Gebiete in Karlsruhe, die intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Somit ist ein Schadstoff- und Düngemitteleintrag nicht unwahrscheinlich. Deshalb sollte von Amts wegen auf die Wasserqualität dieser Lebensader wie auch auf die der restlichen Fließgewässer geachtet werden. unterzeichnet von: Erik Wohlfeil Max Braun Michael Haug Uwe Lancier Sachverhalt / Begründung:

  • Protokoll TOP 47
    Extrahierter Text

    Niederschrift 52. Plenarsitzung Gemeinderat 17. Juli 2018, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 43. Punkt 47 der Tagesordnung: Ökologische Qualität der Karlsruher Fließgewässer, insbesondere der Alb Anfrage: KULT Vorlage: 2018/0334 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 47 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stel- lungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 20. Juli 2018