Multiresistente Keime in Karlsruher Gewässern
| Vorlage: | 2018/0143 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 15.03.2018 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 24.04.2018
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2018/0143 Multiresistente Keime in Karlsruher Gewässern Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 24.04.2018 47 x 1. Werden Karlsruher Gewässer und die Kläranlage Karlsruhe auf multiresistente Keime und Colistin-resistente Keime untersucht? Wenn ja, in welchen Abständen? Welche Gewässer werden untersucht? Wie waren die Ergebnisse? Wenn nein, warum findet diese Untersuchung nicht statt? Wie bewertet die Stadt die Dringlichkeit dieser Untersuchung für die Gesundheit der Karlsruher Bevölkerung? 2. In welchem Umfang wird die im Bau befindliche 4. Reinigungsstufe im Klärwerk solche Keime (auch mehrfach resistente 3 und 4 MRGN-Keime sowie Colistin-resistente Keime) zurückhalten? 3. Falls die Reinigung nicht zu 100 % erfolgt: Welche multiresistenten Keime werden nicht erfasst? Gibt es eine technische Möglichkeit, den Reinigungsgrad zu erhöhen? 4. Inwieweit werden Antibiotika (und andere Medikamente) durch die 4. Reinigungsstufe aus dem Abwasser entfernt? 5. Wann wird die 4. Reinigungsstufe voraussichtlich in Betrieb gehen? Das Problem resistenter Keime wird immer deutlicher von der Öffentlichkeit erkannt. Die Wissenschaft warnt schon seit Jahrzehnten. Vor allem die nächste Generation wird betroffen sein, weil dann immer weniger Behandlungsmöglichkeiten gegeben sind, auch wenn mit Hochdruck an neuen Medikamen- ten gearbeitet wird. Diese Anfrage geht davon aus, dass bei der Bekämpfung von resistenten Keimen in erster Linie die Bundesregierung gefragt ist. Die industrielle Massentierhaltung und der damit verbundene Antibioti- ka-Einsatz muss weitestgehend reduziert werden. Ebenso muss der häufig ausufernde Antibiotika- Einsatz in der Humanmedizin zurückgefahren werden. Dennoch hat die Stadtverwaltung eine Verantwortung, im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Ge- sundheit der Bevölkerung zu sorgen. In Niedersachsen wurden laut NDR vom 6.2.18 (https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Gefaehrliche-Keime-in-Baechen-Fluessen-und- Seen,keime302.html), an elf untersuchten Stellen im Wasser und in Sedimenten mehrfachresistente Keime gefunden. Zu den Gewässern zählten beliebte Badestellen, Flüsse, Bäche. Die Wissenschaft- ler*innen der Universitäten Dresden und Gießen zeigten sich alarmiert durch den neuen Nachweis, dass multiresistente Keime großflächig in der Umwelt angekommen sind. Auch in Frankfurt wurden in vielen Gewässern entsprechende Keime gefunden. Sachverhalt / Begründung: Seite 2 Alarmierend ist vor allem, dass regelmäßig auch Keime gefunden wurden, die gegen mehrere Antibio- tikagruppen resistent sind und Keime, die eine Colistin-Resistenz aufweisen. Colistin ist derzeit das letzte Reserveantibiotikum, das die Medizin besitzt. Wissenschaftler*innen bewerten die Gefahr v. a. für alte und kranke Menschen und für Neugeborene als hoch. Aber auch gesunde Menschen können von diesen Keimen besiedelt werden. Gefährlich wird es dann bei Operationen oder Krankheiten. In dem Bericht äußern sich die Forscher*innen dahinge- hend, dass wir „auf vorantibiotische Zeiten zurasen“ würden. Das Bundesumweltministerium sieht Handlungsbedarf, insbesondere bei Badegewässern. Generell sei eine systematische Untersuchung aller Gewässer notwendig. Die Frage ist, wie in Karlsruhe mit diesem Handlungsbedarf umgegangen wird bzw. wie der Kenntnis- stand über die Reinheit hiesiger Gewässer in Bezug auf multiresistente Keime aussieht. Die Stadt Karlsruhe geht mit dem Bau der 4. Reinigungsstufe einen richtigen Weg. Dadurch kann ein großer Teil der multiresistenten Keime entfernt werden, denn Kläranlagen mit drei Reinigungsstufen können die Keime nicht beseitigen. Jedoch können dies auch Kläranlagen mit vier Reinigungsstufen nur bedingt. Da Antibiotika im Abwasser wahrscheinlich eine weitere Ursache für Multiresistenzen sind, ist es von hoher Bedeutung, inwieweit diese durch die 4. Reinigungsstufe zurückgehalten wer- den können. Angesichts der aktuellen Berichte stellt sich die Frage, wie hoch der Reinigungsgrad hiermit konkret ausfällt und ob es weitere technische Möglichkeiten gibt, diesen Grad zu erhöhen. unterzeichnet von: Verena Anlauf Renate Rastätter Istvan Pinter Michael Borner
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2018/0143 Dez. 6 Multiresistente Keime in Karlsruher Gewässern Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 24.04.2018 47 X 1. Werden Karlsruher Gewässer und die Kläranlage Karlsruhe auf multiresistente Keime und Colistin-resistente Keime untersucht? Wenn ja, in welchen Abständen? Welche Gewässer werden untersucht? Wie waren die Ergebnisse? Wenn nein, wa- rum findet diese Untersuchung nicht statt? Wie bewertet die Stadt die Dringlich- keit dieser Untersuchung für die Gesundheit der Karlsruher Bevölkerung? Gewässeruntersuchungen werden im Rahmen der Badegewässerverordnung durch das Ge- sundheitsamt durchgeführt. Außerdem untersucht die LUBW Gewässer landesweit im Rahmen ihres eigenen Messprogrammes. Das Baden ist in allen Karlsruher Gewässern verboten (Rechtsverordnung der Stadt Karlsru- he über das Baden vom 15. Mai 1979 (Amtsblatt vom 25. Mai 1979), zuletzt geändert durch Verordnung vom 19. Mai 2015 (Amtsblatt vom 22. Mai 2015). Lediglich am Grötzin- ger Baggersee ist eine Badestelle eingerichtet. Diese wird durch das Gesundheitsamt nach den Parametern der Badegewässerverordnung vom 16. Januar 2008 untersucht. Eine Un- tersuchung auf multiresistente Keime sowie Colistin-resistente Keime ist darin nicht gefor- dert. Entsprechend liegen für den Grötzinger Baggersee auch keine Untersuchungsergeb- nisse für derartige Keime vor. Auch die LUBW untersucht, laut eigener Aussage, keine Gewässer auf multiresistente sowie Colistin-resistente Keime. Neben den Untersuchungen des Gesundheitsamtes und der LUBW sind grundsätzlich Ge- wässeruntersuchungen im Rahmen von Neuzulassungen von Gewässereinleitungen mög- lich. Bislang wurden in diesem Zusammenhang jedoch keine entsprechenden Untersuchun- gen durchgeführt. Nach derzeitigem Stand sind seitens des Gesundheitsamtes, der LUBW und auch der Stadt Karlsruhe keine Untersuchungen auf multiresistente sowie Colistin-resistente Keime an Karlsruher Gewässern geplant. Eine unmittelbare konkrete Dringlichkeit, dort stichprobenhaft auf diese Keime zu untersu- chen, hat sich bislang nicht aufgezeigt. Am Grötzinger Baggersee, der einzigen Badestelle in Karlsruhe, ist unseres Erachtens kein Eintragspfad, zum Beispiel durch Massentierhal- tung, erkennbar, deshalb wird auch hier kein Bedarf gesehen. Ergänzende Erläuterungen Seite 2 2. In welchem Umfang wird die im Bau befindliche 4. Reinigungsstufe im Klärwerk solche (multiresistenten) Keime (auch mehrfach resistente 3 und 4MRGN-Keime sowie Colistin-resistente Keime) zurückhalten? Das Klärwerk Karlsruhe ist auf dem Stand der Technik und erfüllt alle gesetzlichen Anforde- rungen. Es reduziert die im Abwasser enthaltenen organischen und anorganischen Schad- stoffe weitgehend. Durch Trennung von Wasser und Schlamm wird über den Schlammweg (Behandlung, thermische Verwertung) ein großer Teil der organischen Masse (und damit der Keime) aus dem System ausgeschleust und verbrannt. Dennoch verbleiben Spuren von Schadstoffen im Wasser und finden über den Kläranlagenablauf den Weg ins Gewässer in den Rhein. Mit dem Ziel, die Gewässerbelastungen weiter zu reduzieren, wird derzeit die sogenannte 4. Reinigungsstufe in Karlsruhe umgesetzt. Diese Reinigungsstufe besteht aus einer Flockungs- filtration und einer Aktivkohle-Adsorptionsstufe. Hierbei handelt es sich um die derzeit bestmögliche verfügbare Technik. Die Flockungsfiltration zielt zwar in erster Linie auf die Reduzierung des gewässerrelevanten Phosphors ab, gleichzeitig wird aber auch die Keimzahl insgesamt im Vergleich zum heuti- gen Kläranlagenablauf reduziert. Mikroorganismen spielen eine tragende Rolle in der Ab- wasserreinigung, sie sind essentieller Bestandteil des biologischen Reinigungsprozesses zum Abbau der organischen Verschmutzung. Eine vollständige Eliminierung der Keime ist nicht möglich. Die später geplante Inbetriebnahme der Adsorptionsstufe wird zu keiner weiteren Reduzierung der Keimzahl beitragen. 3. Falls die Reinigung nicht zu 100 % erfolgt: Welche multiresistenten Keime werden nicht erfasst? Gibt es eine technische Möglichkeit, den Reinigungsgrad zu erhöhen? Welche multiresistenten Keime im Klärwerksablauf noch vorhanden sind, wurde bisher nicht untersucht. Verfahren zur Desinfektion von Kläranlagenabläufen wie Ozonierung, UV- Bestrahlung oder Membranfiltration sind zwar bekannt, aber werden in Deutschland in der Regel nicht angewandt, da in den Gewässern in jedem Fall eine Wiederverkeimung stattfin- det. Ob der Anteil multiresistenter Keime nach Desinfektion und Wiederverkeimung am En- de höher oder geringer wäre, ist vollkommen ungewiss. Verfahren, die selektiv multiresis- tente Keime zerstören könnten, wären erstrebenswert, sind aber zurzeit Gegenstand von Wissenschaft und Forschung. Die Entwicklung des Erkenntnisstandes muss weiter verfolgt werden. 4. Inwieweit werden Antibiotika (und andere Medikamente) durch die 4. Reinigungs- stufe aus dem Abwasser entfernt? Der Bau der Aktivkohleadsorption zielt speziell auf die Reduzierung sogenannter Spuren- stoffe, worunter man Hormone, endokrin wirksame Stoffe, Medikamentenreste und Um- weltchemikalien in minimalem Konzentrationsbereich versteht. 5. Wann wird die 4. Reinigungsstufe voraussichtlich in Betrieb genommen? Die Flockungsfiltration wird voraussichtlich im Frühjahr 2019 in Betrieb gehen, als Bauzeit für die Aktivkohleadsorption ist Ende 2018 bis 2021 vorgesehen.
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Niederschrift 49. Plenarsitzung Gemeinderat 24. April 2018, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 42. Punkt 47 der Tagesordnung: Multiresistente Keime in Karlsruher Gewässern Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2018/0143 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 47 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stel- lungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 30. April 2018