Insektenpopulation in und um Karlsruhe
| Vorlage: | 2017/0785 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 13.12.2017 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 23.01.2018
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE CDU-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2017/0785 Insektenpopulation in und um Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 23.01.2018 27 x Die CDU-Fraktion bittet um Beantwortung folgender Fragen: 1. Gibt es in Karlsruhe oder seiner Region wissenschaftlich belastbare Messungen über die Entwick- lung der (fliegenden) Insektenpopulation. 2. Gibt es anderweitige fachliche Erkenntnisse zu diesem Thema aus unserem Raum? 3. Welche Folgen hätte eine signifikante Abnahme der Insektenpopulation auf das ökologische System von Karlsruhe und seiner Region? 4. Welche Möglichkeiten gäbe es für die Stadt Karlsruhe, auf eine signifikante Abnahme der Insekten- population zu reagieren? Sachverhalt/Begründung: In den vergangenen Jahren wurde wiederholt auf den Rückgang der Insektenpopulation aufmerksam gemacht. Die Ursachen sind vielfältig. Mit unserer Anfrage möchten wir eine Studie aus der Online- Fachzeitschrift PLOS ONE aufgreifen. Darin wurde durch Messungen in den letzten 27 Jahren ein Rückgang von bis zu 75 % der fliegenden Insekten in geschützten Gebieten dokumentiert. Wir möch- ten wissen, ob es vergleichbare Zahlen und Daten für Karlsruhe gibt. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern zu können, bedarf es grundlegender Studien und Progno- sen, die den Rückgang der Insektenpopulation und seine Auswirkungen auf Karlsruhe näher beleuch- ten. unterzeichnet von: Tilman Pfannkuch Sven Maier
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage CDU-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2017/0785 Dez. 5 Insektenpopulation in und um Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 23.01.2018 27 x 1. Gibt es in Karlsruhe oder seiner Region wissenschaftlich belastbare Messungen über die Entwicklung der (fliegenden) Insektenpopulation? Für Karlsruhe sind keine Studien bekannt. Die folgende Grafik über die Entwicklung von Tagfaltern im Kraichgau wurde vom Staatlichen Museum für Naturkunde zur Verfügung gestellt. Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Der Rückgang der Insekten ist ein überregionales Phänomen. Es gibt sowohl für Nord- wie für Süddeutschland belastbare Studien. Örtliche Unterschiede im Ausmaß des Rückgangs finden sich vor allem zwischen den Lebensräumen wie Wald und Feldflur oder städtischen Parks und dem Ortsrand. 2. Gibt es anderweitige fachliche Erkenntnisse zu diesem Thema aus unserem Raum? Die Landesdatenbank Schmetterlinge Baden-Württembergs zeigt die Verbreitung einzelner Ar- ten über die Fläche für die letzten Jahrzehnte. Die Rasterdarstellung zeigt, ob eine Art in diesem Raster vorkommt oder nicht, sagt aber nichts über den Bestand in einem Raster. Deshalb lassen sich nur die dramatischen Veränderungen darstellen, das heißt, wenn eine Art völlig aus einem Raster verschwunden ist. Leider ist dies bereits für nicht wenige Falter Realität, wie die Beispiele zeigen. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 3. Welche Folgen hätte eine signifikante Abnahme der Insektenpopulation auf das ökologische System von Karlsruhe und seiner Region? Insekten haben eine zentrale Rolle für das Funktionieren unseres Ökosystems. Sie sind neben dem Wind die wichtigsten Bestäuber, insbesondere in der Landwirtschaft zum Beispiel im Obst- bau oder auch im Gemüsebau. Das Bestäuben von Wildblumen sorgt für Sämereien, die wiede- rum anderen Tieren wie etwa Vögeln als Nahrungsgrundlage dienen. Insekten sind Hauptnah- rungsquelle für zahlreiche Vogelarten, Kleinsäuger wie den Igel und die Fledermäuse. Viele In- sekten leben selbst räuberisch und kontrollieren so den Bestand anderer Arten, vor allem in der Landwirtschaft übernehmen einige Arten die Funktion der natürlichen Gegenspieler, wie bei- spielsweise die Florfliege, Marienkäfer, räuberisch lebende Milben und regulieren so den Schäd- lingsbefall, was sich positiv auf die Umwelt auswirkt, da Pflanzenschutzmittel reduziert oder ganz auf sie verzichtet werden kann. 4. Welche Möglichkeiten gäbe es für die Stadt Karlsruhe, auf eine signifikante Ab- nahme der Insektenpopulationen zu reagieren? Verschiedene Studien lassen den Rückschluss zu, dass der Insektenrückgang in den Feldfluren besonders dramatisch ist. Im Außenbereich sind deshalb wichtige Ansatzpunkte: Städtische Wiesenflächen, Wegränder und Randzonen können insektenfreundlich behandelt werden, soweit dem keine in der Verkehrssicherungspflicht begründeten Erfordernisse ent- gegenstehen. Grundsätzlich ist unter Abwägung aller Aspekte des Einzelfalls ein möglichst differenziertes Mähregime die beste Lösung. Dies bedeutet, dass auf dem überwiegenden Teil größerer zusammenhängender Mahdflächen im Außenbereich der ein- bis zweischürigen Mahd im Langschnittverfahren mit Aufnahme des Mahdgutes der Vorzug zu geben ist, so- fern dem im Einzelfall keine ökologischen – beispielweise Neophytenunterdrückung – oder sonstigen wichtigen Gründe entgegenstehen. Des Weiteren können beispielsweise auch Brombeerhecken als wichtiger Lebensraum für nützliche und geschützte Arten stellenweise belassen werden. Diese Maßnahmen würden allerdings einen deutlichen finanziellen und personellen Mehraufwand nach sich ziehen. Auf verpachteten städtischen Flächen sollte die Stadt Karlsruhe geeignete Auflagen in die Pachtverträge aufnehmen und so deren Umsetzung verbindlich festlegen und kontrollieren. Bestehende Agrarumweltmaßnahmen sollten finanziell und ökologisch optimiert von den städtischen Pächtern umgesetzt werden. Verpflichtungen zur ökologischen Flächenpflege, die aus der europäischen Gesetzgebung, z. B. FFH-Richtlinie oder der Eingriffsregelung resultieren, müssten konsequenter umgesetzt werden. So werden Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen, deren zielgerichtete Pflege eine ge- setzliche Verpflichtung ist, oft nicht den Anforderungen entsprechend gepflegt. Die Begrün- dung hierfür ist fehlendes Personal, fehlendes Geld und bei privaten Bewirtschaftern fehlen- de Bereitschaft zur Umsetzung. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der ökologischen Flächenpflege ist in der Feld- flur vor allem auf Streuobstwiesen möglich. Die sachkundige Hilfe bei der Pflege von privaten Streuobstwiesen soll daher noch weiter intensiviert und gefördert werden. Unter anderem wur- de hierzu ein umfangreiches „Streuobstwiesenkonzept“ erstellt, welches in Kürze dem Ge- meinderat vorgestellt wird. Eine ökologische Ausrichtung in diesem weiteren Beratungszweig ist für die Stadt Karlsruhe selbstverständlich und bereits durch das Liegenschaftsamt in seiner Funk- tion als offizielle Beratungsstelle für Obst und Gartenbau etabliert. Weitere konkrete Ansatzpunkte sind: Im Siedlungsbereich Beleuchtung: Umstellung der öffentlichen Beleuchtung auf weniger insektenkritische Leuchtmittel, bzw. zeitweise Reduktion der Beleuchtungsstärke und -dauer Wiesen im öffentlichen Grün: Das Gartenbauamt praktiziert bereits seit 1980 eine naturnahe Pflege der Karlsruher Grünflächen. Bei den ein- bis zweischürigen Wiesen wird ein- bzw. zweimal jährlich gemäht und das Mähgut abgeräumt. So entstehen bunte Wiesengesell- schaften, `Blumenwiesen ́, mit 35 bis 40 verschiedenen Pflanzenarten. Um den Vorgang zur Entwicklung einer artenreichen Wiese zu beschleunigen, wurden in verschiedenen Bereichen der Blumenwiesen gebietsheimische Wildkräuter stellenweise eingesät. Die positiven Folgen für die Insektenwelt wiesen die Biologen Klaus und Erwin Rennwald in einer Untersuchung 2002 nach: In den 15 im Stadtgebiet untersuchten Flächen fanden sich 26 verschiedene Tag- falter- sowie 131 Wildbienenarten. Seit dieser insektenkundlichen Untersuchung durch die Biologen Rennwald im Jahr 2002 hat sich das Wiesenmanagement des Gartenbauamtes wieder verändert. Im Jahr 2003 wurden von den insgesamt 523 ha Mahdflächen 167 ha als ein- bis zweischürige Wiesen mit Schnittgutentnahme unterhalten, 139 ha als drei- bis fünf- schürige Wiesen mit Mulchmahd. Ab 2004 ging der Anteil der ein- bis zweimal gemähten Blumenwiesen wieder zurück, aus Kostengründen erfolgte weniger Schnittgutentnahme aus den ein- bis zweimal gemähten Flächen und mehr Mulchmahd seitens der Grünflächenpfle- ge. Von den insgesamt 571 ha Mahdflächen im Jahr 2016 wurden 104 ha als ein- bis zwei- schürige Wiesen unterhalten, 326 ha als drei- bis fünfschürige Wiesen. Eine Reduzierung der Rasenflächen (sechs oder mehr Schnitte im Jahr) geht damit ebenfalls einher. Eine Verringe- rung der Mulchmahd zugunsten der ein- bis zweischürigen Wiesen wäre nur bei Bereitstel- lung von zusätzlichen Mitteln (Personal und Finanzmittel) möglich. Im Zeittraum des Doppel- haushaltes 2019/20 ist ein erneutes Monitoring auf den extensiv gemähten Blumenwiesen in den Grünanlagen der Stadt Karlsruhe im Rahmen einer insektenkundlichen Untersuchung durch Biologen geplant. Differenzierte Grünausstattung: Neben Wiesenflächen tragen auch die weiteren Bausteine einer differenzierten Grünausstattung zur biologischen Vielfalt bei: Vielfältig gestaltete Grün- anlagen mit standortgerechten Baum- und Straucharten in Karlsruhe bieten unterschiedli- chen Arten einen Lebensraum in der Stadt. Des Weiteren sind auch viele Stauden und Som- merblüher wertvoll für Insekten wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge, so dass ein differenziertes Grün in den öffentlichen Flächen und privaten Gärten für die biologische Viel- falt entscheidend ist. Bei der Pflanzenauswahl kann dem Aspekt der Insektenfreundlichkeit größeres Gewicht gegeben werden. Eine vorbildliche Grünflächenpflege der Stadt erlaubt auch, das Thema glaubwürdig an die Bürgerinnen und Bürger zu vermitteln. Diese können auf ihren Privatflächen mit einfachen Maßnahmen die biologische Vielfalt fördern, indem beispielsweise Mahdhäufigkeiten redu- ziert werden und damit auf Teilflächen in den Gärten artenreiche Wiesen entstehen statt der Ergänzende Erläuterungen Seite 5 üblichen artenärmeren Vielschnittrasen oder auch Steingärten in naturnahe Gärten umwan- deln. Durch die Verwendung von für Insekten besonders attraktiven Blühpflanzen können weitere positive Impulse im Privatgarten gegeben werden. Wertvolle Tipps, Hinweise und Hil- festellung hierzu bietet beispielsweise Naturgarten e.V. als Verein für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung. Zur Förderung der biologischen Vielfalt tragen auch Brachflächen oder blütenreiche Säume bei. Innerstädtische Brachflächen haben zwar ein hohes Potential für die Steigerung der bio- logischen Vielfalt, eine derartige Nutzung dieser Flächen steht allerdings in Konkurrenz zu anderen Bedarfen, vorrangig zur baulichen Entwicklung. Entsprechend des Prinzips Innen- entwicklung vor Außenentwicklung stellen Blühflächen auf Brachen daher nur eine Interims- nutzung dar. Des Weiteren ist bei der künftigen Inanspruchnahme der Flächen als Bauland darauf zu achten, dass die Zwischennutzung nicht zu einem erhöhten Ausgleichsbedarf im Sinne des Natur- oder Artenschutzes führt. Städtische Friedhöfe Bei Neuanlagen und Ersatzpflanzungen von Bäumen und Sträuchern auf Karlsruher Fried- höfen wird neben der Erschaffung biologischer Vielfalt besonderes Augenmerk auf heimi- sche und standortgerechte Baum- und Straucharten gelegt. Auf 26 Standorten, verteilt über das ganze Stadtgebiet, können damit besonders geeignete Stauden und Sommerblüher, aber insbesondere auch viele Baumstandorte als wertvolle Lebensräume zum Beispiel für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge geschaffen werden. Neben dem auf Friedhöfen typischen umfangreichen und zeitlich ununterbrochenen Nah- rungsangebot für die genannten Insekten wird auf einzelnen Friedhöfen derzeit auch die An- lage von sogenannten „Blumenwiesen“ umgesetzt. Die hierfür notwendigen Entwicklungen und Maßnahmen werden insbesondere im Hinblick auf die Pflege und Stärkung der Insek- tenpopulation innerhalb des Stadtgebietes unternommen. Wesentlicher Teil dieses Projektes sind die in den letzten Jahren realisierten Aufstellungen von Bienenvölkern auf vielen Stadt- teilfriedhöfen sowie dem Hauptfriedhof der Stadt. Im Wald: Das Forstamt erstellt 2018 ein Maßnahmen-Konzept zur Optimierung von Pflegemaßnahmen im Stadtwald zur Förderung der Artenvielfalt bei den Insekten. Dazu gehören zum Beispiel die Ausbildung blütenreicher Säume entlang von Waldwegen und Waldrändern durch ge- eignete Pflege. Notwendige zusätzliche Mittel (Personal und Finanzmittel) werden kalkuliert unter Einbeziehung von Fördermöglichkeiten. Das Alt- und Totholzkonzept des Landes wird auch im Stadtwald umgesetzt. Das Forstamt führt mit den Forstwirten in Zusammenarbeit mit dem Umwelt- und Arbeits- schutz und dem Naturschutzbeauftragten Dr. Trusch einen ökologischen Fortbildungstag zum Thema "Schutz von Insekten bei Pflegemaßnahmen im Wald" durch.
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Niederschrift 46. Plenarsitzung Gemeinderat 23. Januar 2018, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 26. Punkt 27 der Tagesordnung: Insektenpopulation in und um Karlsruhe Anfrage: CDU Vorlage: 2017/0785 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 27 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stel- lungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 26. Januar 2018