Übernahme von Grabstätten als erhaltungswürdige Grabstätten in städtische Pflege
| Vorlage: | 2017/0544 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 15.08.2017 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Friedhofs- und Bestattungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Knielingen |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 21.11.2017
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig zugestimmt
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2017/0544 Dez. 5 Übernahme von Grabstätten als erhaltungswürdige Grabstätten in städtische Pflege Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für öffentliche Ein- richtungen 24.10.2017 5 x vorberaten Hauptausschuss 14.11.2017 18 x vorberaten Gemeinderat 21.11.2017 17 x genehmigt Beschlussantrag Die Grabstätten von - Robert Curjel, Untere Terrasse Nr. 8, Hauptfriedhof - Ludwig Dill, Mauer 2, Nr. 81, Hauptfriedhof - Wilhelm Schnarrenberger, Mauer 4, Nr. 69, Hauptfriedhof - Hans Schöpflin, Hauptweg 3, 15 a, Hauptfriedhof - Willy F. Storck, Seitlich der Parterre Anlage Nr. 180, Hauptfriedhof werden aufgrund der Verdienste der darin bestatteten Personen als erhaltungswürdig erklärt. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst für die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die gärtne- rische Unterhaltung und Pflege dieser Grabstätten. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) nein X ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) 11.600,00 € 1.160,00 € Haushaltsmittel stehen in voller Höhe zur Verfügung Kontierungsobjekt: PSP-Element: 1.690.55.30.03.03 Kontenart: 42700000 Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant X nein ja Handlungsfeld: (bitte auswählen) Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften X nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Die Übernahme der Nutzungsrechtsgebühren und die gärtnerische Betreuung der Grabstätten von herausragenden Persönlichkeiten setzen voraus, dass diese in einem gemeinderätlichen Verfahren als erhaltungswürdig angesehen werden und das Grabnutzungsrecht von den Nut- zungsberechtigten aufgegeben bzw. nicht mehr verlängert wird. Die nachfolgend genannten Verstorbenen haben sich bleibende Verdienste für Karlsruhe er- worben. Robert Curjel geboren 17.12.1859 gestorben 18.08.1925 Curjel begann um 1880 das Studium der Architektur am Polytechnikum unter anderem bei Jo- sef Durm, Heinrich Lang und Otto Warth. Nach einigen Semestern in München kehrte er nach Karlsruhe zurück. Während eines Praktikums in Wiesbaden 1885/86 befreundete er sich mit Karl Moser. Mit ihm eröffnete er in Karlsruhe 1888 das Baubüro Curjel & Moser. In den 1890er Jahren übernahm das Atelier Aufträge für Wohn- und Geschäftshäuser in Karls- ruhe. Es avancierte zu den wichtigsten Architekturbüros in Baden, das auch Aufträge in der Schweiz übernahm. Bis 1915 standen über 400 Bauten und Projekte auf ihrer Werkliste, darun- ter die Christuskirche (1896-1900), die Lutherkirche (1901-1907), das Bankhaus Veit L. Hom- burger an der Karlstraße (1898-1901), das Konzerthaus und die Ausstellungshalle (1913-1915) in Karlsruhe, das Empfangsgebäude Badischer Bahnhof Basel (1907-1910), das Hauptgebäude der Universität Zürich (1908-1914). In Karlsruhe entstanden zudem zahlreiche Wohn- und Ge- schäftshäuser in der Kaiserstraße und in den neuen Villenquartieren im Westen der Stadt. 1901 wurde Curjel Vorstandsmitglied der Westendbaugesellschaft in Karlsruhe. Nachdem Moser 1915 einem Ruf als Professor an die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich folgte, wirkte Curjel als Aufsichtsratsvorsitzender der Badischen Baubund GmbH und war Gründungsmitglied des Mieter- und Bauvereins. 1907 erhielt Robert Curjel von Großherzog Friedrich I. das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen. Ludwig Dill geboren 02.02.1848 gestorben 03.04.1940 Der auch international anerkannte Maler Ludwig Dill lebte von 1899 bis 1940 in Karlsruhe, von 1899 bis 1919 war er hier als Professor an der Kunstakademie tätig. Bedeutend war die interna- tional besetzte Jubiläums-Kunstausstellung 1902 in Karlsruhe, deren künstlerischer Leiter er war. Sie wurde in der Karlsruher Chronik als die erste große Karlsruher Kunstausstellung be- zeichnet. 1918 erhielt Ludwig Dill die Ehren-Dr.-Ing-Würde der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Er ist eine der Personen, deren Gesichter 1905 im Brunnen am Stephanplatz abgebildet wurden. Vor seiner Karlsruher Zeit war Ludwig Dill in München tätig und bereits dort ein bekannter Künstler. Er gründete den Künstlerkreis Neu-Dachau in der Künstlerkolonie Dachau und die Münchner Künstlervereinigung Sezession mit. Die Ludwig-Dill-Straße im Karlsruher Stadtteil Knielingen wurde 1964 nach ihm benannt. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Wilhelm Schnarrenberger geboren 30.06.1892 gestorben 12.04.1966 Wilhelm Schnarrenberger lehrte als Professor für Gebrauchsgrafik von 1921 bis 1933 an der Landeskunstschule in Karlsruhe. Bereits zu dieser Zeit war er auch in den Bereichen freie Grafik und Malerei tätig, in letzterer wird er in den 1920-er Jahren der Neuen Sachlichkeit zugeordnet. 1933 wurde Schnarrenberger von den Nationalsozialisten entlassen, wohl weil er Sozialdemo- krat war. 1947 erhielt er erneut eine Professur, diesmal für Malerei, an der Akademie der Bil- denden Künste in Karlsruhe (ehemalige Landeskunstschule), die er bis zu seiner Pensionierung 1957 innehatte. 1962 erhielt er den Hans-Thoma-Staatspreis. Wilhelm Schnarrenberger starb 1966 in Karlsruhe. Posthum fanden in Karlsruhe 1972 im Badischen Kunstverein und 1992 in der Städtischen Galerie große Schnarrenberger-Ausstellungen statt. Zur Ausstellung in der Städ- tischen Galerie erschien ein umfangreicher Katalog zu Leben und Werk. Weit über 100 Einzel- und Gruppenausstellungen seiner Werke dokumentieren seine künstlerische Bedeutung. Werke von Schnarrenberger befinden sich in Karlsruhe in der Staatlichen Kunsthalle, in der Städtischen Galerie und im Stadtarchiv. Für die Stadt Karlsruhe gestaltete Schnarrenberger 1923 einen Notgeldschein, in den Nach- kriegsjahren entstanden Skizzen und Gemälde mit Karlsruher Darstellungen. Sein Wirken als Künstler und Akademieprofessor in Karlsruhe und seine weit über die Stadt hinausreichende Bedeutung als Maler machen Wilhelm Schnarrenberger zu einer stadtge- schichtlich bedeutsamen Persönlichkeit. Hans Schöpflin geboren 09.01.1896 gestorben 10.04.1976 Der Kunstmaler Hans Schöpflin wurde 1896 in Furtwangen geboren und absolvierte in Freiburg eine Lehre als Kirchenmaler. 1916 studierte er an der Kunstgewerbeschule, dann an der Kun- stakademie in Karlsruhe. Außerdem war er mehrere Jahre Privatschüler von Hans Thoma. 1933 bis 1944 war er als Fachlehrer für dekorative Malerei an der Karlsruher Kunstakademie tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Schöpflin in Nürtingen und kehrte 1952 nach Karlsru- he zurück, wo er bis zu seinem Tod 1976 lebte und arbeitete. Sein Stil wurde als „realistische Feinmalerei“ bezeichnet; er bevorzugte bäuerliche und Naturmotive. Einzelausstellung 1964 in Offenburg. Er ist mit seinem künstlerischen Werk und seinen langjährigen Beziehungen zur Kunsthoch- schule (Lehrer) und zum Karlsruher Künstlerverein ein typisches Beispiel eines Karlsruher Malers des 20. Jahrhunderts, dessen Lebenslauf und Wirken durch den Wechsel der politischen Syste- me geprägt wurden. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Willy F. Storck geboren 09.05.1889 gestorben 30.08.1927 Seine historische Bedeutung für Karlsruhe hat Willy F. Storck im wesentlichen durch seine beruf- liche Tätigkeit als Direktor der „Badischen Kunsthalle", die er als Nachfolger von Hans Thoma von 1920 – 1927 leitete. Er konzipierte insbesondere deren Dauerausstellung neu, um sie für breitere Kreise attraktiv zu machen, außerdem engagierte er sich gegen den Widerstand kon- servativer Kunstkreise in der Stadt für die moderne Kunst. Durch von ihm konzipierte Ausstel- lungen Karlsruher Maler in der Schweiz wirkte er auch über die Region hinaus. Tatsächlich kann er als einer der hervorragenden deutschen Museumsleute in der Zeit der Weimarer Republik gelten. In die Stadt hinein wirkte er durch die Mitarbeit bei der 1. Karlsruher Herbstwoche sowie mit der Beteiligung an den kirchlichen Volksvorlesungen. Willy F. Storck war in seinen Jahren in Karlsruhe eine stadtbekannte Persönlichkeit, die wesentli- che Entwicklungen und Diskussionen im Bereich der Kunst und der Kunstvermittlung anstieß. Der künstlerisch gestaltete Grabstein auf dem Grab von Willy F. Storck ist eine Reliefplastik des bekannten Bildhauers Adam Antes (1891-1984), der überwiegend in Darmstadt wirkte. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt – nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und im Hauptausschuss -, dass die Grabstätten von - Robert Curjel, Untere Terrasse Nr. 8, Hauptfriedhof - Ludwig Dill, Mauer 2, Nr. 81, Hauptfriedhof - Wilhelm Schnarrenberger, Mauer 4, Nr. 69, Hauptfriedhof - Hans Schöpflin, Hauptweg 3, Nr. 15 a, Hauptfriedhof - Willy F. Storck, Seitlich der Parterre Anlage Nr. 180, Hauptfriedhof aufgrund der Verdienste der darin bestatteten Personen als erhaltungswürdig erklärt werden. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst für die Dauer von 10 Jahren die Kosten für die gärtne- rische Unterhaltung und Pflege dieser Grabstätten.
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Extrahierter Text
NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 44. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 21. November 2017, 15:30 Uhr Öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 18. Punkt 17 der Tagesordnung: Übernahme von Grabstätten als erhaltungswürdi- ge Grabstätten in städtische Pflege Vorlage: 2017/0544 Beschluss: Der Gemeinderat beschließt – nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrich- tungen und im Hauptausschuss -, dass die Grabstätten von - Robert Curjel, Untere Terrasse Nr. 8, Hauptfriedhof - Ludwig Dill, Mauer 2, Nr. 81, Hauptfriedhof - Wilhelm Schnarrenberger, Mauer 4, Nr. 69, Hauptfriedhof - Hans Schöpflin, Hauptweg 3, Nr. 15 a, Hauptfriedhof - Willy F. Storck, Seitlich der Parterre Anlage Nr. 180, Hauptfriedhof aufgrund der Verdienste der darin bestatteten Personen als erhaltungswürdig erklärt werden. Die Stadt Karlsruhe übernimmt zunächst für die Dauer von 10 Jahren die Kos- ten für die gärtnerische Unterhaltung und Pflege dieser Grabstätten. Abstimmungsergebnis: einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 17 zur Behandlung auf, verweist auf die erfolgte Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und im Hauptaus- schuss und stellt die Abstimmungsbereitschaft des Hauses fest: Das ist einstimmig. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 8. Dezember 2017