Hinterm Hauptbahnhof - Schlussbericht zur Beendigung der Ateliersnutzung, Bericht über den Workshop zur Nutzungskonzeption
| Vorlage: | 2017/0400 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 13.06.2017 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Karlsruher Fächer GmbH |
| Erwähnte Stadtteile: | Grünwinkel, Südweststadt |
Beratungen
- Hauptausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 11.07.2017
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig beschlossen
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
1 Ideenwerkstatt „Rund um’s Heizkraftwerk“ Dokumentation der Dialogphase („Denkanstöße“) Stadt Karlsruhe Entwicklungsquartier Hauptbahnhof Süd im Südwerk am27. und28.7.2016 von 17.00-20.00 Uhr Moderation: suedlicht. moderation. mediation. Planungsdialog Dr. Christine Grüger Roland Strunk Lena Hummel 2 1.Ablauf der Ideenwerkstatt „Rund um’s Heizkraftwerk“ Das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensembledes ehemaligen Heizkraftwerkes im Süden des Karlsruher Hauptbahnhofes ist Teil des künftigen Entwicklungsquartiers Hauptbahnhof Süd. Die alte Kesselhalle und der Lokschuppen sowie die Sozialgebäude und Wohnhäuser wurden jahrzehntelang von Künstlern genutzt. Da die Gebäude jedoch in einem schlechten baulichen Zustand sind, ist das Gelände aus sicherheitstechnischen Gründen gesperrt worden. Da akuter Handlungsbedarf besteht, hat der Gemeinderat beschlossen, eine Konzeption zur zukünftigen Nutzung der vorhandenen Gebäude, aber auch deren Abbruch, Teilabbruch oder auch eine Sanierung in möglichen Entwicklungsszenarien darzustellen. In den 1990er Jahren wurden bereits erste Planungsideen für diesen Bereich entwickelt und ein Bebauungsplan aufgestellt. Diese sollen bei der konzeptionellen Bearbeitung möglicher Entwicklungsszenarien berücksichtigt werden. Die Fächer GmbH hat daher im Namen der Stadt Karlsruhe interessierte und betroffene Akteure zu einer ersten Ideenwerkstatt eingeladen, um Anregungen undDenkanstöße zur weiteren Entwicklung des Areals zu erhalten. Dazu wurde am Mittwoch, 27.7.2016, dem Vortag der Ideenwerkstatt, eine eineinhalbstündige Ortsbesichtigung durchgeführt, bei der den Teilnehmenden die frühere Funktion der Gebäude erläutert und ihr momentaner Zustand vor Augen geführt wurde. Die Ideenwerkstatt am Donnerstag, 28.7.2016, gliederte sich in eine Informationsphase und zwei Arbeitsphasen auf: 1.Erläuterung der Rahmenbedingungen zur Entwicklung des Areals aus wirtschaftlicher, planerischer, städtebaulicher und kultureller Sicht durch Vertreter/-innen städtischer Ämter sowie ein Impulsreferat von Frau Prof. Dr. Martina Baum zu Erfolgsfaktoren, Chancen, Risiken von Kreativ-Arealen 2.Dialogphase 1 zum Charakter des Gebietes als Einstieg in dieDiskussion und Vorbereitung der zweiten Dialogphase 3.Dialogphase 2 zu den drei Themenfeldern „Betreiberschaft/ Prozessdesign“, „Städtebauliche Konzeption“ sowie „Nutzung/ Nutzergruppen“, um konkrete Anregungen und Denkanstöße zur Vorlage vor dem Gemeinderat zu erhalten. Die Dialogphasen sind jeweils moderiert worden. In den Gruppen kamen jeweils 20 bis 25 Teilnehmende zusammen. Im Folgenden werden die wesentlichen Hinweise auf den Charakter und die Grundidee des Gebietes aus den drei Arbeitsgruppen zusammenfassend wiedergegeben. 2.Dialogphase 1: Ist-Zustand und Gebietscharakter Zum Einstieg in das Thema wurde in der erstenDialogphase in allendreiGruppen die Frage diskutiert, welchen Charakter das Gebiet derzeit besitztund was das Arealbesonders aus der Sicht der Teilnehmendenauszeichnet. Genannt wurden hier beispielsweise derEnsemble-Charakter des Areals, seine dörfliche Struktur,das kleinteilige Miteinander von Innen-und Freiflächen, dieInsellage unddie zentrale Lage am Hauptbahnhof. Bezugnehmend auf den am Vortag stattgefundenen Rundgangwurden dannbereits erste Ideen zu Entwicklung des Gebietes und potenzielle Nutzungsmöglichkeitengesammelt, die dann in der zweiten Dialogphase vertieft wurden.Die Ergebnisse der ersten Dialogphase wurden im Plenum kurz vorgestellt.Aus beidenDialogphasensinddie unten angeführten Denkanstößeerarbeitet worden. 3 3.Themenspezifische Dialogphase:Anregungen und Denkanstöße (Städtebauliche Konzeption) Thema:Städtebauliche Konzeption Moderation:Roland Strunk ___________________________________________________________________________ Denkanstoß 1 Als Erstessolleinstädtebauliches Leitbild, eine Idee entwickelt werden, um das künftige Quartier als besonderen Ort zu kennzeichnen. Das kann ein Ort der Kreativität oder auch Sonstiges sein. Der damit verbundene Charakter ist im Sinne einer „Adressbildung“ auch für Investoren interessant. Denkanstoß 2 Das bestehende Ensemble des ehemaligen Heizkraftwerks isteineigenständiger „Stadtbaustein“ undsolltemit der kommenden Bebauung vernetzt werden. Denkanstoß 3 Der Bebauungsplan „Hauptbahnhof Süd“kannindrei Bebauungsplänegeteilt werden. Einer soll für den östlichen Bereich in Verlängerung der Ettlinger Allee, einer für das ehemalige Heizkraftwerk und einer für den zentralen Bereich am Hauptbahnhof gelten. Die Fläche der DB AG mit dem Stellwerk ist sinnvollerweisemiteinzubeziehen. Auch ist eine direkte Zuwegung vom ehemaligen Heizkraftwerk zum Hauptbahnhof zu prüfen. Denkanstoß 4 Der Gartenanteilsollerhöht werden. DieGärtenfungierenals öffentliche Gemeinschaftsgärten. Denkanstoß 5 Bei der Entwicklung derFreiräumesolldaraufgeachtet werden, dass das Areal des ehemaligen Heizkraftwerks öffentlich wird. Der zentrale Platz vor Haus 2, 3 und Halle 4ist ein wichtiges Element und sollwiederhergestellt werden. Die Höhensituation istgeeignet, in südlicher Richtung den Weitblick und in nördlicher Richtung Transparenz zu den Gleisen zu gewährleisten. Dazukannvor Haus 7 ein sogenannter „Stadtbalkon“ beitragen, gerne auch mit Cafébetrieb. Denkanstoß 6 Es solltenNutzungenuntergebracht werden, die Leute anziehen und als Magnet für die Bevölkerung der umliegenden Stadtteile wirken. Das können Werkstätten, Läden etc. sein. Die Erdgeschosse 4 sollen nicht für das Parken von Autos verwendet werden. Wichtig erscheint auch der Aspekt der sozialen Kontrolle durch geeignete Nutzungen, um Belebung und Sicherheit zu gewährleisten. Einige der Anregungen während der Gesprächsrunde beziehen sich bereits auf die bauliche Ausgestaltung von Gebäuden, wie unterschiedliche Raumhöhen für unterschiedliche Bedarfe. Thema:Nutzungen und Nutzer/innen Moderation:Lena Hummel ___________________________________________________________________________ Themenspezifische Dialogphase:Anregungen und Denkanstöße (Nutzungen und Nutzer/innen) Denkanstoß 1 DieKesselhalle (Gebäude 4) hat eine zentraleFunktionund strahlt auf die umliegenden Gebäude aus. Die Entwicklung und mögliche Nutzungsmischungenwerden sinnvollerweisevon diesem zentralen Ort heraus gedacht und entwickelt. Denkanstoß2 Um sich mögliche Nutzungen für das Areal vorzustellen, muss dasUmfeldin den Focus gerückt werden. Die neugeplanten Bürokomplexe werden das Gebiet massiv beeinflussen. Denkanstoß3 Das Areal sollganzheitlich entwickeltwerden. Dazu braucht ein fürs „Große“ einen Betreiber und im „Kleinen“ verschiedene Kümmerer, die sich z.B. für die individuelle Freiraumgestaltung und-pflege verantwortlich fühlen. Denkanstoß 4 Auf dem Areal soll auchWohnenmöglich sein. Dies belebt das Viertel und es zieht den Bedarf nach Nahversorgungen und weiteren kleinen Dienstleistungen (z.B. Kindergarten) nach sich. Darüberhinaus ermöglicht es eine Form von Selbstverwaltung für den (öffentlichen) Freiraum. Denkanstoß 5 Es sollGastronomieauf dem Areal angesiedelt werden. Die Zielgruppe sind Angestellte und Freischaffende, v.a. auch aus den neuen, angrenzenden Bürogebäuden. Das sorgt für 5 Publikumsverkehr / Besucher/innen und garantiert „Leben“ am Tage. Denkanstoß 6 Diehistorischen Gebäudemachen das Areal einzigartig und spezifisch. In diesem Sinne soll der besondere, historisch geprägte Charakter um Neubauten ergänzt werden, damit ein„Alt und Neu“ entstehen kann, das sich gegenseitig fördert. Denkanstoß7 Um eineInnenhofstrukturmit zentralem Platz zu erhalten, muss an der Stelle des abgerissenen Hauses 1 („Ex Steffi“) wieder ein Gebäude platziert werden. Denkanstoß 8 DerBebauungs-Plan(und der Umgriff) sollte die o.g. Ideen ermöglichen. Nutzungsideen der Halle (Gebäude 4) Bürgerzentrum (fehlt z.B. in der Südweststadt) einfacher, bezahlbarerer, niedrigschwelliger Veranstaltungs-und Experimentierraum für vielfältige Zielgruppen und Aktivitäten, z.B. für Diplome, Konzerte, Ausstellungen, Think Tanks... (mehrheitlicheZustimmung, da solch ein Raum ins Karlsruhe fehlt) Konferenzraum–nutzbar für die Firmen und Unternehmen in den Nachbarhäusern und den umliegenden Gebieten(wurde kontrovers diskutiert, weil es davon ausreichen in Karlsruhe gibt) Temporäre Nutzungen in Form von Gastateliers bzw. „residency“ anbieten Laboratorium / „creative lab“ Kletterhalle ggf. in Kombination mit einem Themenschwerpunkt auf betriebliches Gesundheitsmanagement Nutzungsideen der umliegenden Häuser (Gebäude 2 & 3) Atelierräume kleines Gewerbe undBüronutzungen Wohnen Keller Gebäude 4: Proberäume Haus 3: Rezeption und Herberge, die dann auch Gebäude 4 mit nutzt bzw. bespielt(wurde kontrovers diskutiert) 6 Thema:Betreibermodelle und Prozessdesign Moderation:Dr. Christine Grüger ___________________________________________________________________________ Themenspezifische Dialogphase:Anregungen und Denkanstöße(Betreibermodelle u.Trägerformen) Denkanstoß1 Als Trägerform sindprivate, genossenschaftliche oder städtische Gmbhsfürdas gesamte Ensemble denkbar. Die Betreiberform hängt jedoch stark von den zukünftigen Nutzungen der einzelnen Gebäude ab. So ist durchaus vorstellbar, dass das Kesselhaus(Gebäude 4)für gastronomische Zwecke umgebaut und die wirtschaftlichen Einnahmen in die Instandhaltung der anderen Gebäude fließen. Denkanstoß2 Diegenossenschaftliche Trägerformwird gegenüber einem Trägerverein bevorzugt vorgeschlagen. Man erhofft sich dadurch, dass eine Genossenschaft eine Bandbreite von interessierten Unterstützer/innen zusammen bringt und einengrößeren Kapitalstock und eine professionelle Struktur garantieren kann. Denkanstoß3 Die Stadt kann das Grundstückverkaufen oder in Erbpachtvergeben. Wichtiges Anliegen der Stadt ist es dabei, dassbei der Übertragung der Häuser an einen Betreiber vereinbart wird, dass dieser die volle Verantwortung der Gefahrenabwehr und dieKostenfür die notwendigen Instandhaltungen übernimmt. Denkanstoß4 Um den weiteren Verfall der Häuser aufzuhaltensollenbaldmöglichstNutzungsformen– möglicherweise auch dertemporären Zwischennutzung–gefunden werden, die als Initialzündung zur (Wieder)Belebungdes Ortes beitragen. Dabei ist auch eine kontrollierte Gentrifizierung denkbar. Denkanstoß5 DemKulturamtwirdim Gründungsprozess einer Trägerform für das Gebäudeensemble eine besondere Rollezugewiesen: Es soll den Prozess begleiten und mitsteuern sowie die Akteure der Kunst-und Kreativwirtschaft zusammenbringen. 7 Denkanstoß6 Karlsruhe sollvon guten Beispielen aus anderen Städten lernenund den Planungs-und Entscheidungsprozess zumAltenSchlachthof kritisch reflektieren. Denkanstoß7 EineGesprächsrunde mit Immobilienmaklernwird empfohlen, um die Vor-und Nachteile verschiedener Trägermodelle zu diskutieren und eine passgenaue Lösung für das Ensemble um das Heizkraftwerk zu erarbeiten. Denkanstoß8 Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Einrichtung einerInfobörsein einem der Gebäude denkbar, um Informationen zum Veränderungsprozess rund um das Heizkraftwerk niederschwellig und kontinuierlich anbieten zu können. Denkanstoß9 In dem Entwicklungsprozess sollen zukünftig dasWissen der Universitätund der Hochschulen, sowie ihrer Einrichtungeneinbezogen werden. Denkanstoß10 Die organisierteKunst-und Kreativszene(Bundes-und Landesverbände) soll in diesen Prozess eingebunden werden. Denkanstoß11 Temporäre öffentlichwirksame Event-Aktionensollen im Gebäudekomplex durchgeführt werden.
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2017/0400 Dez. 6 Hinterm Hauptbahnhof - Schlussbericht zur Beendigung der Ateliersnutzung, Bericht über den Workshop zur Nutzungskonzeption Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Hauptausschuss 11.07.2017 8 X Beschlussantrag Der Hauptausschuss nimmt die Ausführungen zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, die Ergebnisse des Workshops als Diskussionsgrundlage zu betrachten, wenn sich im Stadtgebiet entsprechende räumliche Möglichkeiten ergeben. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) X nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen (bitte auswählen) Kontierungsobjekt: (bitte auswählen) Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant X nein ja Handlungsfeld: (bitte auswählen) Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein X ja abgestimmt mit KFG Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Hintergrund In seiner Sitzung am 28. Juli 2015 beschloss der Gemeinderat, die bestehende Ateliersnutzung auf dem Areal „Hinterm Hauptbahnhof“ wegen schwerwiegender baulicher Mängel aus Si- cherheitsgründen zu beenden. Die noch verbliebenen Künstlerinnen und Künstler mussten das Areal daraufhin verlassen. Der Gemeinderat beschloss außerdem, die Verwaltung mit einer Konzeption für die mögliche weitere Nutzung der Bestandsgebäude „rund ums Heizkraftwerk“ zu beauftragen. Unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sei zu prü- fen, ob und unter welchen Umständen eine künstlerisch-kulturelle Nutzung des zum Teil denk- malgeschützten Gebäudeensembles möglich sei. Schlussbericht zur Beendigung der Ateliersnutzung Die Künstler sind erstmals im April 2015 über die Mängel an den Gebäuden „Hinterm Haupt- bahnhof“ informiert worden. Dabei wurden sie darauf hingewiesen, dass die Beseitigung dieser Mängel mit einem vertretbaren Kostenaufwand nicht möglich ist und die Nutzung des Areals daher baldmöglichst beendet werden muss. Eine konkrete Räumungsaufforderung war mit die- sem Schreiben nicht verbunden. Die Künstler wurden jedoch gebeten, sich frühzeitig nach Er- satzräumen umzuschauen. Mit dem Gemeinderatsbeschluss am 28. Juli 2015 waren die rechtlichen Voraussetzungen für eine Räumung des Areals auf der Grundlage der mit den Künstlern bestehenden Räumungsver- einbarungen geschaffen. Über den Beschluss des Gemeinderates wurden die Künstler im Au- gust 2015 informiert; mit der Ankündigung, dass sie im November die formelle Räumungs- aufforderung zum 31. März 2016 erhalten werden. Die Verwaltung hat den Künstlern in die- sem Schreiben auch angeboten, ihnen bei der Suche nach Ersatzräumen behilflich zu sein. Die entsprechende Unterstützung haben die Künstler vom Kulturamt erhalten. Auch wenn die Be- reitstellung von Ersatzflächen für alle Nutzer nicht möglich war, da im Immobilienbestand der Stadt und der städt. Gesellschaften nicht genügend Räume zur Verfügung standen, konnten doch ein paar der Künstler für ihre Zwecke passende Ersatzräume in städt. Gebäuden erhalten. Im September 2015 wurde rein vorsorglich nochmals die fristgemäße Kündigung der Nutzungs- verhältnisse zum 31. März 2016 ausgesprochen. Mit Schreiben vom 3. Dezember 2015 haben die Künstler schließlich die formelle Aufforderung zur Räumung erhalten. Danach waren die Mieträume bis zum 31. März 2016 zu räumen und an die Stadt herauszugeben. Am 31. März 2016 erfolgte eine Besichtigung aller Gebäude auf dem Areal mit dem Ziel, den Stand der Räumung festzustellen. Das Ergebnis war Folgendes: 5 Künstler hatten ihr Räume geräumt und an die Stadt zurückgegeben. Bei einem Großteil der übrigen Künstler war die Räumung im Gange; einige hatten mit der Räumung jedoch noch nicht begonnen. In der Folge wurde die Räumung der Flächen jeweils individuell weiterverfolgt, wobei die Belange der Künst- ler soweit möglich berücksichtigt wurden. Zur Unterstützung der Räumung hat die Stadt dauer- haft Container auf dem Areal bereitgestellt, in denen das nicht mehr benötigte Räumgut ent- sorgt werden konnte. Insgesamt ist es so gelungen, eine weitgehend einvernehmliche und kon- fliktfreie Räumung und Herausgabe der Räume zu erreichen. Lediglich bei einem Künstler musste die Räumung mit Hilfe des Gerichtsvollziehers durchgeführt werden, wobei diese dann auch in einer guten Art und Weise erfolgte. Zwei Künstler haben die Räumungsaufforderung der Stadt gerichtlich überprüfen lassen. Die Angelegenheit endete mit einem Vergleich vor dem Landgericht Karlsruhe. Dabei haben sich die beiden Künstler verpflich- Ergänzende Erläuterungen Seite 3 tet, bis 31. Januar 2017 ihre Mietobjekte zu Räumen und an die Stadt herauszugeben. Dieser Räumungsverpflichtung sind beide nachgekommen. Der letzte Künstler hat am 25. April 2017 die Schlüssel seiner Räume zurückgegeben, so dass seit diesem Zeitpunkt die Gebäude „Hinterm Hauptbahnhof“ komplett geräumt sind. Bericht über den Workshop zur Nutzungskonzeption Die Karlsruher Fächer GmbH wurde ebenfalls auf Grundlage des Gemeinderatsbeschlusses be- auftragt, einen Leitbildworkshop durchzuführen und Akteure aus der Verwaltung und Politik, ehemalige Nutzerinnen und Nutzer des Areals, Interessensvertreter, Expertinnen und Experten zusammenzubringen, um die Zukunft des Areals unter verschiedenen Gesichtspunkten zu disku- tieren. Der Teilnehmerkreis des Workshops zeichnete sich also durch eine große Vielfalt aus. Neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Verwaltung waren Stadträtinnen und Stadträte, Ver- treterinnen und Vertreter von jungen und etablierten Kunst- und Kulturverbänden sowie Ver- antwortliche aus der Immobilienwirtschaft anwesend. Einbezogen wurden außerdem die ehe- mals auf dem Areal ansässigen Künstlerinnen und Künstler sowie die Bürgervereine der anlie- genden Stadtteile. Die Architektenkammer war zudem ebenso vertreten wie Repräsentanten der Hochschule und des KIT. Weiterhin war der Workshop (nach Anmeldung) offen für interes- sierte Bürgerinnen und Bürger. Der Workshop war als zweizügige Veranstaltung angelegt. Zunächst verschafften sich die Teil- nehmerinnen und Teilnehmer vor Ort einen Eindruck vom Gelände und bekamen in einem Rundgang die rechtlichen und baulichen Rahmenbedingungen sowie die Ergebnisse der Gut- achter vorgestellt. Am Folgetag fand dann die eigentliche Ideenwerkstatt statt. Die Themenfel- der waren zum einen die städtebauliche Situation, die möglichen zukünftigen Nutzungen, so- wie mögliche Formen der Betreiberschaft, diskutiert auch mit Hinblick auf das weitere Prozess- design. „Städtebauliche Konzeption“ Für das Areal hinter dem Hauptbahnhof, so wurde befunden, sei es von zentraler Bedeutung, ein städtebauliches Leitbild zu entwickeln, eine „Idee“ für die zukünftige Nutzung des Quar- tiers, die Struktur und Kontinuität verleiht. Dies unterstützt auch die „Adressbildung“ und macht das Gelände für Investoren, Nutzerinnen und Nutzer sowie Besucherinnen und Besucher interessant. Das Ensemble sollte weiterhin als eigenständiger Stadtbaustein fungieren und wahrgenommen werden. Wichtig war den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops außerdem der öffentliche Zugang des Areals. Möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sollten die Möglichkeit haben, sich an diesem besonderen Ort aufzuhalten. Es wurde darum vorschlagen, Freiflächen zu öffnen, Werkstätten und Läden sowie möglicherweise eine Gastronomie zu etab- lieren, um die Aufenthaltsqualität zu sichern. Thema „Nutzerinnen und Nutzer“ Eine ganzheitliche Entwicklung des Areals – das aufgrund seiner historischen Bausubstanz ein- zigartige Qualitäten aufweist – war den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Anliegen. Ein Betreiber, der, wo notwendig, Entscheidungen trifft sowie „Kümmerer“, die für bestimmte Be- reiche Verantwortung übernehmen. Die Gebäude sollten im Einzelnen stimmig miteinander wirken, die zentrale Funktion des Kesselhauses unterstrichen und genutzt werden. Auch in die- ser Gruppe wurde das Potenzial einer auf dem Areal angesiedelten Gastronomie betont, um Besucherinnen und Besuchern anzuziehen und für Leben auf dem Areal zu sorgen. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Speziell für die sogenannte „Halle 4“ (Kesselhaus) wurden Nutzungsideen entwickelt, unter anderem entlang von Lücken, wie sie von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Stadtgebiet beobachtet wurden. Genannt wurden unter anderem ein Bürgerzentrum, niedrigschwellige Veranstaltungs- und Experimentierräume, Arbeitsräume für Künstler und Kreative, Proberäume und Gastateliers. Eine vollständig einheitliche Nutzungskonzeption konnte allerdings nicht ge- funden werden, wohl auch, da damals noch weitgehend unklar war, wie sich der Rest des Ge- ländes im Weiteren entwickeln würde. Thema „Betreibermodelle und Prozessdesign“ Als mögliche Trägerformen für das Areal wurden private, gesellschaftliche oder städtische GmbHs angedacht. Wichtig war den Beteiligten die baldige Wiederbelebung der Gebäude zum Beispiel durch Zwischennutzung. In die Überlegungen zur weiteren Entwicklung sollten die Uni- versitäten sowie die organisierte Kunst- und Kreativszene einbezogen werden. Die Ergebnisse sind ausführlicher in der angehängten Workshopdokumentation dargestellt. Im Anschluss an den Workshop haben weitere Gespräche und Ortstermine mit Fachleuten aus der Immobilienwirtschaft stattgefunden, um die Nutzungsideen zu vertiefen und sich einer ganzheitlichen Nutzungskonzeption zu nähern. Fazit und weiterer Umgang mit den Ergebnissen Der Workshop fokussierte sich konkret auf die Entwicklung des Areals „rund ums Heizkraft- werk“. Zum Zeitpunkt des Workshops wurden Gespräche mit Investoren nur über den östlichen Grundstücksteil geführt. Zwischenzeitlich hat sich kurzfristig eine neue Situation ergeben: Seit Ende 2016 gibt es intensive Gespräche mit einem Investor, der großes Interesse an einer Bebau- ung von ca. 80 % des gesamten Entwicklungsquartiers Süd hat, inklusive des Heizkraftwerkes. Der Gemeinderat hat am 25. April 2017 den Verkauf der Fläche an diesen Investor beschlossen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung setzt sich der Investor auch mit den städtebaulichen Fragestellungen rund um das Areal auseinander. Hier gibt es Berührungspunkte zu den Denkanstößen aus der Ideenwerkstatt. Der Investor beabsichtigt, das Kesselhaus mit zu erwerben. Eine öffentliche Nutzung des Gebäudes soll jedoch ggf. möglich sein. Einige andere der angesprochenen Themen werden in ähnlicher Form bereits an anderer Stelle umgesetzt, zum Beispiel mit dem Kunsthandwerkerzentrum oder der dauerhaften Sicherung der Fleischmarkthalle auf dem Alten Schlachthof. Jedoch gibt es unbestritten weiterhin Bedarf an wie im Workshop beschriebenen Räumen und Ensembles, die als Agglomerationsort inner- halb eines kreativen Netzes der Stadt dienen: Mit einem Ausgangsbestand, der eine einladende Arbeitskulisse darstellt, einem konkreten Leitbild, einer Nutzerschaft, die Kooperationen eingeht und Synergien nutzt und schließlich einem Ort, der durch seine Identität und seine Nutzung in das Stadtumfeld strahlt und als Magnet für Besucherinnen und Besucher wirkt. Es ist also möglich und absolut sinnvoll, einige Ergebnisse des Workshops in die Überlegungen für die zukünftige Entwicklungsflächen zu integrieren. Einige Teilansätze sind, wie erwähnt, auf dem Alten Schlachthof umgesetzt bzw. können dort umgesetzt werden. So können die grund- sätzlichen Bedarfe und Ideen zur Weiterentwicklung des kreativen Potenzials der Stadt weiter zu thematisieren mit dem Ziel, diese letztendlich an geeigneten Stellen umzusetzen. In eine ähnli- che Richtung zielte die Antwort der Stadtverwaltung auf den Antrag der KULT zur Kulturnut- zung in Gewerbegebieten, wonach eine Einzelfallprüfung in besonders geeigneten Objekten bzw. dem richtigen Bestandsgebiet eine schlüssige Vorgehensweise darstellt. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Beschluss: Antrag an den Hauptausschuss Der Hauptausschuss nimmt die Ausführungen zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung die Ergebnisse des Workshops als Diskussionsgrundlage zu betrachten, wenn sich an anderer Stelle im Stadtgebiet entsprechende räumliche Möglichkeiten ergeben.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 24. Sitzung Hauptausschuss Termin: 11. Juli 2017, 16:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal, Rathaus Marktplatz Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 8. Punkt 8 der Tagesordnung: Hinterm Hauptbahnhof – Schlussbericht zur Beendigung der Ateliersnutzung, Bericht über den Workshop zur Nutzungskonzeption Vorlage: 2017/0400 Beschluss: Der Hauptausschuss nimmt die Ausführungen zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung die Ergebnisse des Workshops als Diskussionsgrundlage zu betrachten, wenn sich an ande- rer Stelle im Stadtgebiet entsprechende räumliche Möglichkeiten ergeben. Abstimmungsergebnis: einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 8 zur Behandlung auf. Man schließe hiermit einen Zwischenschritt ab, ohne dass man die Ergebnisse des Work- shops und die Bedarfe, die sich gezeigt hätten, in die Schublade legen wolle. Man müsse für das Eine oder Andere an anderer Stelle Möglichkeiten schaffen. Er habe den Wunsch an die Verwaltung geäußert, dass man bei dem Gebiet in Grünwinkel, welches man nun genau unter die Lupe nehme, nach geeigneten Räumen schaue, die man dann der kulturel- len Nutzung verstärkt zuführen könne. Stadtrat Wohlfeil (KULT) kennt die Workshop-Ergebnisse. Das, was in diesem Workshop versprochen wurde, sei in seiner Fraktion sehr kontrovers diskutiert worden. Es sei darum gegangen, am jetzigen Ort weiterhin ein kulturelles Angebot zu haben. Nun sei unklar, was noch passieren werde, nachdem ein Großteil des Geländes an Dommermuth gegan- gen sei. Was sei von Seiten der Stadtverwaltung mit den Häusern westlich des Kesselhauses vorge- sehen, die nicht an Herrn Dommermuth gingen? Warum sei das Thema jetzt im Hauptaus- schuss und nicht im Gemeinderat? Man sei nicht zufrieden, wie jetzt mit den Workshop-Ergebnissen umgegangen werde. Er möchte nicht, dass die Bürgerbeteiligung so ablaufe, dass alles überholt werde, weil die - 2 - Stadt dann doch andere Entscheidungen treffe. Trotzdem sei man froh über die Maßnah- men, die nun eingeleitet würden. Stadträtin Dr. Leidig (GRÜNE) stellt fest, das besondere Interesse am Workshop sei dem besonderen Ort geschuldet gewesen. Sie freue sich darüber, dass man den Bedarf an Kul- turräumen in der Stadt erkannt habe. Es sei wichtig Zentren zu schaffen, in denen Kreativi- tät und künstlerisches Engagement zum Ausdruck kommen können. Die Frage, was mit den weiteren Häusern geschehe, wolle sie ebenfalls beantwortet wis- sen. Es sei ein öffentlicher Prozess gewesen. Jetzt müsse dies auch in die Bevölkerung kommuniziert werden. Stadträtin Ernemann (SPD) weist darauf hin, der Workshop habe vor einem Jahr stattge- funden. Im Laufe des Jahres habe sich einiges hinter dem Hauptbahnhofareal entwickelt. Das habe man nicht wissen können. Aus diesem Workshop seien sehr sinnvolle Ideen her- vorgegangen. Es müsse die Aufgabe sein, dass man sich mit dem Investor zusammensetze und an einem städtischen Leitbild für diese Fläche arbeite. Man müsse aber auch zur Kenntnis nehmen, dass sich seit dem Workshop einiges entwickelt habe. Ihre Fraktion begrüße das Engagement und die Arbeit und Mühe, die in den Workshop gesteckt wurden und auch die Ergebnisse, die daraus hervorgegangen seien. Jetzt liege es an der Verwaltung und auch am Gemeinderat, das Eine oder Andere in die weitere Ent- wicklung mit einfließen zu lassen. Der Vorsitzende erläutert, die Verwaltung sei beauftragt worden, für die alten Gebäude, die man erhalten wolle, eine kulturkreative gastronomische Nutzung zu organisieren, unter Beteiligung möglichst vieler Interessenten, aber auch unter der Prüfung, wie eine möglichst wirtschaftliche Sanierung und auch Verwendung dort möglich sei. Das habe man mit die- sem Workshop gemacht, auch eingedenk der Tatsache, dass man es schon 15 Jahre am Markt hatte und sich nie etwas Vernünftiges ergeben habe. Durch das Anliegen eines In- vestors sei es ein Stückweit überholt worden. Letztendlich habe der Gemeinderat dem Ver- kauf des Geländes an den Investor unter diesen Konditionen zugestimmt. Westlich gebe es nur noch ein Gebäude, parallel zur Schwarzwaldstraße. Es stehe auf einer Fläche, die noch weiter auf dem Markt sei. Für diese gebe es bereits einige Interessenten. Die Verhandlungen habe man in den Herbst verschoben, weil man zunächst das andere einigermaßen in den Griff bekommen müsse. Ein Aspekt werde dann sein, wie man es schaffe, dort eine Entwicklung hinzubekommen und möglichst das Gebäude zu erhalten. Ob man dann in diesem einen Gebäude eine künstlerische Nutzung vorsehe, wolle er nicht zusagen. Er halte die Suche nach passenden Gebäuden innerhalb der Stadt für sinnvoller. Den Workshop-Teilnehmern habe man bereits einen entsprechenden Brief geschrieben. Damit wolle er die öffentliche Bearbeitung als abgeschlossen betrachten. Nachdem keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, lässt er über die Vorlage abstimmen und stellt Einstimmigkeit fest. - 3 - Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 20. Juli 2017