KEG Karlsruhe Event GmbH: DAS FEST - Erhöhung des Ticketpreises
| Vorlage: | 2017/0389 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 13.06.2017 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 25.07.2017
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich beschlossen
Zusätzliche Dateien
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: 2017/0389 Verantwortlich: Dez. 1 KEG Karlsruhe Event GmbH; DAS FEST – Erhöhung des Ticketpreises Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderätliche Kommission KEG 28.06.2017 x vorberaten Hauptausschuss 11.07.2017 11 x vorberaten Gemeinderat 25.07.2017 2 x genehmigt Beschlussantrag Der Gemeinderat ermächtigt den städtischen Vertreter in der Gesellschafterversammlung der KEG Karlsruhe Event GmbH, der Erhöhung des Ticketpreises für die Veranstaltung DAS FEST ab 2018 von 5 Euro pro Tag auf 10 Euro pro Tag zuzustimmen. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) nein x ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Wegfall des Zuschusses von 140.000 € p.a. Haushaltsmittel stehen Wählen Sie ein Element aus. Kontierungsobjekt: Wählen Sie ein Element aus. Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant x nein ja Handlungsfeld: Wählen Sie ein Element aus. Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 (Vorbemerkung Bis zu 250.000 Besucher jeden Alters kommen alljährlich am letzten Wochenende vor den baden-württembergischen Sommerferien in der Günther-Klotz-Anlage zusammen, um DAS FEST zu feiern. Somit ist DAS FEST, welches seit 1985 stattfindet, das größte Familienfestival im süddeutschen Raum. Für Kinder und Familien gibt es den Kinder- und Kulturbereich, für Funsportbegeisterte bietet der Sportbereich zahlreiche Möglichkeiten. Durch seine generationsübergreifen- den Angebote, durch die Mischung von Jung bis Alt entsteht die einzigartige FEST- Stimmung, die von vielen Besuchern gelobt und geschätzt wird. Seit 2010 ist der Hügelbereich mit der Hauptbühne eintrittspflichtig. 70 % des FEST- Geländes ist immer noch kostenfrei zugänglich. Der Ticketpreis wurde erhoben, um die Sicherheitskosten abzudecken und den Zugang zu regulieren. Die Kostensteigerungen seit 2010 konnten durch höhere Sponsoreneinnahmen abgedeckt werden. Der Ge- samtaufwand des Großevents beträgt aktuell 2,3 Mio. Euro, im Jahr 2010 waren es noch 1,5 Mio. Euro. Die Bandgagen blieben dabei unverändert, die Mehrkosten ent- standen ausschließlich durch die Bereiche Infrastruktur und Sicherheit. Notwendigkeit einer Ticketpreis-Erhöhung Aufgrund der letztjährigen Ereignisse (zahlreiche europaweite Festival-Abbrüche vor allem bedingt durch klimatische Veränderungen) und der extremistischen Vorfälle des vergangenen Jahres in München, Ansbach, Nizza und Ludwigshafen, werden die Instal- lation eines präventiven Sicherheitsprogrammes sowie der Abschluss einer Versiche- rung, die die Bereiche Abbruch/Ausfall, Terror und Pietät einschließt, zwingend not- wendig. Des Weiteren erhöhen sich die GEMA-Gebühren. Ferner kommen noch die Teuerungsrate und die steigenden Mindestlöhne hinzu. Bisher konnten die steigenden Kosten mit zusätzlichen Sponsoreneinnahmen abdeckt werden. Im Bereich Sponsorenakquise ist keine Steigerung mehr möglich, da sämtliche verfügbaren Präsentations-Flächen durch Sponsorenlogos und Stände belegt sind. Der freie Bereich musste dadurch immer mehr beschnitten werden. Die Erlöse wurden in den letzten Jahren von 230.000 Euro auf fast 500.000 Euro gesteigert. Die Erfahrung seit 2010 zeigt, dass der Ticketpreis von 5 Euro pro Tag zu Hamsterkäu- fen und nicht genutzten Tickets führt, was fehlende Erlöse bei den Getränkeverkäufen bedeutet. Auf der anderen Seite ist DAS FEST immer früher ausverkauft, was die Bevöl- kerung verärgert und einen blühenden Schwarzmarkt zur Folge hat. Vorteile / Nutzen Die notwendigen Maßnahmen bezüglich der Sicherheit könnten ohne weitere Zuschüsse umgesetzt werden. Der städtische Zuschuss von aktuell 140.000 Euro wird jährlich eingespart und wäre nur bei außerordentlichen Aufwendungen auf Abruf notwendig. Mit der Erhöhung des Ticketpreises und gleichzeitiger Integration des KVV-Fahrscheines ergibt sich eine Aufwertung des Tickets. Dies ermöglicht eine klimaneutrale Anreise und unterstreicht die Green-and-Clean-Philosophie von DAS FEST. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Allen Inhabern eines Karlsruher Passes wird ein Ticket zum reduzierten Preis von 5 Euro pro Tag angeboten. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat – nach der Vorberatung in der Gemeinderätlichen Kommission KEG und im Hauptausschuss - Der Gemeinderat ermächtigt den städtischen Vertreter in der Gesellschafterversammlung der KEG Karlsruhe Event GmbH der Erhöhung des Ticketpreises für die Veranstaltung DAS FEST ab 2018 von 5 Euro pro Tag auf 10 Euro pro Tag zuzustimmen.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 40. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 25. Juli 2017, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 3. Punkt 2 der Tagesordnung: KEG Karlsruhe Event GmbH: DAS FEST - Erhöhung des Ticketpreises Vorlage: 2017/0389 dazu: Änderungsantrag: Die Linke Vorlage: 2017/0507 Anfrage: Die Linke Vorlage: 2017/0509 Gesamtkonzept für mehr Teilhabe bei „DAS FEST“ Änderungsantrag: SPD Vorlage: 2017/0512 DAS FEST: Defizitübernahme aufgrund gestiegener Sicherheitskosten durch die Stadt Karlsruhe; Beibehaltung Ticketpreis von 5 Euro Änderungsantrag: KULT Vorlage: 2017/0513 Beschluss: Der Gemeinderat ermächtigt den städtischen Vertreter in der Gesellschafterversamm- lung der KEG Karlsruhe Event GmbH der Erhöhung des Ticketpreises für die Veranstal- tung DAS FEST ab 2018 von 5 Euro pro Tag auf 10 Euro pro Tag zuzustimmen. Abstimmungsergebnis: Beschlussvorlage: Bei 32 Ja-Stimmen und 12 Nein-Stimmen mehrheitlich zugestimmt Änderungsantrag Die Linke: Bei 9 Ja-Stimmen und 39 Nein-Stimmen mehrheitlich abge- lehnt Änderungsantrag SPD: Kenntnisnahme von der Stellungnahme, Weiterbehandlung im Aufsichtsrat Änderungsantrag KULT: Bei 12 Ja-Stimmen und 33 Nein-Stimmen mehrheitlich abge- lehnt Anfrage Die Linke: Kenntnisnahme von der Stellungnahme - 2 - Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 2 zur Behandlung auf, verweist auf die er- folgte Vorberatung in der Gemeinderätlichen Kommission KEG und im Hauptausschuss sowie auf die vorliegenden Stellungnahmen der Verwaltung: Ich will gar nicht weiter in das Thema einführen. Es ist bereits ausführlich öffentlich und im Hauptausschuss vorberaten worden. Der Änderungsantrag der KULT-Fraktion kam so spät, dass wir jetzt auf eine schriftliche Stellungnahme verzichtet haben, aber gerne nachher noch mündlich zu dieser Thematik etwas sagen. Ich kann vielleicht schon als Teilantwort mitteilen, dass eine Übernahme der zusätzlichen Sicherheitskosten inklusive der Veranstaltungsausfallversicherung den städtischen Zuschuss nach Berechnung der KEG um weitere etwa 400.000 Euro belasten würde. Damit kommen wir direkt in die Diskussion. Stadträtin Dr. Doghan (CDU): Der Erhöhung des Ticketpreises, die wir in den entspre- chenden Ausschüssen und auch im Stadtmarketing ausführlich miteinander diskutiert haben, stimmen wir als CDU-Fraktion zu. Wir halten die Erhöhung auf 10 Euro für durchaus angemessen und auch zum jetzigen Zeitpunkt für einen richtigen Schritt. Denn der Ticketpreis war über Jahre hinweg konstant sehr niedrig. Es haben sich aller- dings die Angebote auf dem FEST verändert, vervielfältigt, und auch die Anforderun- gen, um dieses Fest schön und sicher zu gestalten und durchzuführen, sind gestiegen. Wir können nachvollziehen, was uns die Verantwortlichen erklärt haben, dass gerade im Bereich Sicherheit in den letzten Zeiten aufgrund der vielen schlimmen Ereignisse auch beim FEST die maximale Sicherheit für die Besucherinnen und Besucher gewähr- leistet werden soll. Da muss eben entsprechend investiert werden. Das kostet. Wir se- hen aber auch die großen Anstrengungen der Verantwortlichen, im Bereich des Spon- sorings und der Akquise sehr hohe Summen einzubringen. Man kann aber natürlich nicht alles immer auf die gleichen Sponsoren abwälzen, die auch andere Festivitäten unserer Stadt, wie die Lichtspiele und andere schöne Ereignisse, mitsponsern. Wir sehen auch eine Attraktivität darin, dass vielleicht dieses Aufkaufen der Tickets vor- weg beim Christkindlesmarkt, die dann teilweise nicht genutzt werden und dann ande- ren Besucherinnen und Besuchern, die Interesse gehabt hätten, fehlen, dass dieser „Schwarzmarkthandel“, wenn man es so nennen darf, dann vielleicht auch etwas zu- rückgeht und viel mehr Menschen die Möglichkeit haben, an dem FEST teilzunehmen. Vor allem sehen wir auch hier das Bemühen und die Anstrengungen der Verantwortli- chen, mit dieser Erhöhung des Ticketpreises über die künftigen Jahre hinweg den Zu- schuss der Stadt zu reduzieren bzw. dass dieser Zuschuss irgendwann entbehrlich sein wird. Wir meinen, dass dennoch das FEST auch bei diesem Ticketpreis nicht als eine kommerzielle Veranstaltung per se bezeichnet werden kann. Es besteht noch viel Spiel- raum, verschiedene Bühnen, viele Aktivitäten auf der Meile, die kostenfrei zugänglich sind. Da kommen einfach alle zum Zug und auf ihre Kosten. Stadtrat Dr. Fechler (SPD): Zunächst möchte ich die Gelegenheit nutzen, nach einem erfolgreichen FEST 2017 Martin Wacker, der Event GmbH, den Vertreterinnen und Ver- tretern um Elisabeth Peitzmeier vom Stadtjugendausschuss ganz herzlich zu danken. Letztendlich auch den tausenden von Helferinnen und Helfern, sei es ehrenamtliche oder auch die, die damit ein Stück weit Geld verdienen. Dass das Fest eine Erfolgsmarke ist, muss man auch nicht betonen, ist hinlänglich bekannt. Es haben verschiedene - 3 - Künstlerinnen und Künstler auch dieses Jahr wieder auf der Bühne gesagt, es ist etwas besonderes, wenn der Hügel rockt. Aber es ist nicht nur der Hügel, sondern es ist die gesamte Festivalmeile. Mit der Ticketpreiserhöhung tut sich keiner von uns leicht. Aber wir werden damit aus unserer Sicht der Verantwortung und den Realitäten gerecht, denen wir uns stellen müssen, seien es steigende Preise im Bereich der Versicherungen, der GEMA, aber auch erhöhte Sicherheitsauflagen. Aus unserer Sicht ist es eine moderate Preiserhöhung. 5 Euro mehr mag sicher für den einen oder anderen schwierig sein. Hier gibt es die Mög- lichkeit, über den Karlsruher Pass, Karlsruher Kinderpass weiterhin den bisherigen Preis zu nutzen. Es ist aus unserer Sicht wichtig, hier eine zeitgemäße Antwort zu finden. Wer aus welchen Gründen auch immer nein sagt zur Ticketpreiserhöhung - dafür gibt es auch gut Gründe –, muss auf der anderen Seite sagen, woher diese Gelder zukünftig kommen sollen. DAS FEST stößt ein Stück weit an seine Grenzen. Das wurde in der Vorlage auch darge- legt und war in der Diskussion, sei es im Hauptausschuss oder auch im zuständigen Aufsichtsrat. Aus unserer Sicht wäre es auch einmal Zeit innezuhalten. Vielleicht braucht das FEST auch eine Konsolidierung. Es geht hier um eine inhaltliche Konsolidierung, um nicht den Charakter des FESTES zu verwässern. Aber da wird es hinreichend Raum ge- ben für Diskussionen im entsprechenden Aufsichtsrat. Unser Ergänzungsantrag hinsichtlich der Teilhabe richtet sich nicht auf die finanzielle Teilhabe oder die Möglichkeit eines Eintritts zum FEST oder auf die Barrierefreiheit. Vielmehr geht es darum, das FEST weiterhin zu öffnen für andere gesellschaftliche Gruppen. Es gibt Gruppen, die aus verschiedensten Gründen weiterhin das FEST nicht besuchen. Hier würden wir uns wünschen, dass es vielleicht Konzepte gibt, die diesen Gruppen den Weg zum FEST erleichtern. Zusammenfassend möchten wir sagen, wir werden der Ticketpreiserhöhung zustimmen. Wir halten es in dem Fall für den richtigen Weg. Von allen anderen, die einen anderen Weg einschlagen wollen, würden wir uns aber wünschen, auch die Alternativen ent- sprechend zu benennen und aufzuzeigen. Stadtrat Hodapp (GRÜNE): Ich möchte ähnlich wie Herr Dr. Fechler mit einem kleinen Vorwort beginnen. Ich bin, wahrscheinlich wie alle hier, froh, wieder ein tolles, vielfälti- ges, fröhliches und vor allem ein friedliches FEST erlebt zu haben, das einmal mehr ge- zeigt hat, dass es ein im positiven Sinne spezielles Karlsruher Fest ist und nicht irgendein beliebiges Open Air irgendwo in Deutschland und in der Welt. Im Grunde stecken die beiden Abwägungen schon im Vorwort drin, was für oder gegen die Erhöhung der Ti- cketpreise spricht. Wir verstehen natürlich den Wunsch der Organisatoren, gerade im Hinblick auf die permanente Verbesserung der Sicherheit - das ist das Stichwort friedlich - und in Bezug auf die Infrastruktur mehr Planungssicherheit zu bekommen für das FEST und sich diese Planungssicherheit über die Erhöhung der Ticketpreise holen zu wollen. Eines – das wä- re vielleicht schon ein Antwort auf eine der Fragen von Herrn Dr. Fechler: Wo soll das Geld herkommen? – ist ganz einfach. Bisher ist es gelungen, diese Mehrkosten über - 4 - Sponsorengelder aufzufangen. Meines Wissens auch dieses Jahr. Daher wäre natürlich die Erwartung berechtigt, dass das auch in den nächsten Jahren gelingen könnte. Das Argument, dass der freie Bereich immer mehr beschnitten werden müsste, wenn man mehr Geld braucht, dann braucht man mehr Flächen für Sponsoren, würde ich mit ei- nem Fragezeichen versehen. Vorausgesetzt, wir erhöhen jetzt die Ticketpreise auf 10 Euro, dann möchte ich gerne die Situation nächstes Jahr erleben, dass ein Sponsor kommt und eine Fläche braucht und die Organisatoren sagen: Danke, wir haben genug Geld, ihr bekommt die Fläche nicht. Da wäre ich zumindest darauf gespannt, ob dieser Fall dann tatsächlich eintritt. Aber ich möchte noch einmal ganz deutlich sagen, das Thema Sicherheit ist ein schwerwiegendes Argument und hat uns durch die ganzen Gremien begleitet, dass wir in vielen Diskussionen innerhalb der Fraktion auch immer wieder dieses Thema ange- sprochen haben und uns gerade vor dem Aspekt schwer tun, die Ticketpreiserhöhung abzulehnen. Aber es gibt unseres Erachtens noch andere Argumente. Was meines und unseres Erachtens weiterhin gegen eine Erhöhung spricht, ist der erwähnte Karlsruhe- Faktor. Das ist unser Karlsruher Fest. Der Ticketpreis, der seit 2010 erhoben wird, ist für viele Karlsruher eher ein symbolischer Preis. Das soll er auch bleiben. Ansonsten denke ich, verstärken wir eine Bewegung, die seit 2010 ganz deutlich zu beobachten ist. Die Karlsruher, darunter viele ältere Semester, gehen zum Vorfest, unter dem Motto „Do isch’s Fest wie’s früher war“. Und das Party- und Open Air-Publikum von außerhalb geht zum FEST. Das ist eine Entwicklung, die wir nicht verstärken wollen. Die Erhöhung der Ticketpreise – zwar nur 5 Euro, aber 100 % - zeigt eine gewisse Tendenz. Ich möch- te ganz deutlich sagen, es ist eine Tendenz. Aber es ist die Tendenz zur Kommerzialisie- rung und zur Normalisierung. Damit wird das FEST irgendwann, vielleicht schon die nächsten Jahre, ein Open Air wie viele andere auch. Die Besonderheit sehen viele Künst- ler. Wir hatten Stellungnahmen wie z. B. am Freitagabend von den Sportfreunden Stil- ler, die im positiven Sinne gesagt haben: Ihr werdet uns hier nicht mehr los. Wir wollen ständig und immer wieder kommen. Diese Besonderheit wird auch von den Künstlern entsprechend empfunden. Das Argument mit den Hamsterkäufen erschließt sich mir nicht ganz. Für ein einzelnes Konzert, wie das der Sportfreunde Stiller am Freitag, zahle ich, wenn ich auch so hin gehe, 30 – 40 Euro. Nehmen wir Sido, wo ich sonst nicht hin gehe, da zahlt man auch 40 Euro. Das heißt, wenn ich 5 oder 10 Euro bezahle, bekomme ich drei oder vier Kon- zerte zusätzlich und das Konzert, das ich sehen möchte, für 5 oder 10 Euro. Da möchte ich gerne wissen, ob jemand, der im Jahr 2017 für den 5-Euro-Ticketpreis hamstert, im Jahr 2018 nicht mehr hamstert. Die Differenz zum eigentlichen Konzertpreis ist immer noch so gewaltig, dass ich einfach nicht nachvollziehen kann, dass darüber die Hams- terkäufe erledigt sein sollen. Noch ein Wort zum städtischen Zuschuss. Die 140.000 Euro sind meines Erachtens kein Zuschuss, sondern die sinnvollste Marketingausgabe, die die Stadt Karlsruhe tätigt. Und das, seit es das FEST und seit es einen Zuschuss gibt. Ich würde das gerne umbenennen. Lassen Sie uns lieber von unglaublich sympathischer, erfolgreicher und, gemessen an ihrer Wirkung, sehr preiswerter Werbung für Karlsruhe sprechen. Mir würden auch ei- nige Zuschüsse einfallen, die ich viel lieber auf den Prüfstand stellen wollte. - 5 - Ein letztes Wort zur Berichterstattung in den BNN vom letzten Mittwoch. Überschriften: „FEST-Tickets werden teurer“ und „FEST-Ticket ist künftig KVV-Karte“. Mir persönlich hätte es ganz gut gefallen, im Konjunktiv oder etwas Ähnliches zu lesen, wo zumindest deutlich wird, dass das hier und heute und nicht vorab schon über die Medien ent- schieden wurde. Stadtrat Braun (KULT): Vorweg möchte ich mich bei allen Mitwirkenden um das Team von Martin Wacker für das schöne Festwochenende bedanken. Auch dieses Jahr war wieder für alle Altersklassen von groß bis ganz klein etwas dabei. So wird das FEST je- des Jahr aufs Neue zum Anziehungspunkt von nah und fern. Was unser FEST so einzig- artig macht, ist, dass alle Karlsruher einmal im Jahr zusammengebracht werden. Das ist, was das FEST ausmacht und der Grund dafür, dass wir alle das FEST so lieben. Der Grundgedanke des FESTES ist, wie auf der Homepage zu lesen, alle Bevölkerungsschich- ten anzusprechen und uns zu unterhalten, ungeachtet jedes Alters und Einkommens. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn es mag sein, dass für Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, 10 Euro nicht viel Geld ist. Aber Sie sollten wissen, dass es zunehmend Menschen in Karlsruhe gibt, die diese 10 Euro am Ende des Monats nicht übrig haben. Wir verschließen uns aber nicht der Problematik, dass die Sicherheitsvorkehrungen ei- nen immer teurer werdenden Kostenpunkt darstellen und wir diesen selbstverständlich gerecht werden müssen. Aber das sind doch Kosten, die wir als Stadt zu begleichen haben und keine, die auf dem Rücken der Besucher ausgetragen werden sollten. Daher unser Änderungsantrag, dass der Eintrittspreis von 5 Euro aufrecht erhalten bleiben soll und das Defizit aus den steigenden Sicherheitskosten von der Stadt übernommen wird. Nur so bleibt das FEST bei seinem ursprünglichen Gründungsgedanken, was DAS FEST zu dem machte, was es heute mit über 250.000 Besuchern ist. KULT setzt sich außerdem ausdrücklich gegen eine Kommerzialisierung des FESTES ein. Daher wollen wir vermeiden, dass sich bald internationale Großkonzerne, die nicht in die FEST-Familie gehören, in der Günther-Klotz-Anlage ansiedeln. Dazu wird es aber kommen, wenn wir keine Einnahmensteigerungen durch Preiserhöhungen beschließen, außer – und das ist der springende Punkt – wenn wir, wenn die Stadt für das mögliche Defizit aufkommt. Unsere ganz klare Meinung ist, dass die Stadt das tun sollte, dem FEST, wie all seinen Besuchern zuliebe. Denn eine Separation, wer denn nun das nötige Kleingeld für einen Besuch hat oder nicht, ist tunlichst abzulehnen. Zum Abschluss: Natürlich hat sich das FEST in den letzten Jahren super weiterentwi- ckelt. Aber die Frage muss gestellt werden, ob die Menschen überhaupt eine solche Weiterentwicklung wollen oder ob sie genau das wollen, was wir beispielsweise vor 10 Jahren angeboten haben. Und man muss die Frage stellen, ob nicht lokale Künstler ge- nauso zum Erfolg beitragen würden wie beispielsweise ein Sido. Stadtrat Hock (FDP): In einem hochgeschätzten Werk der Literatur lässt Johann Wolf- gang von Goethe seinen Zauberlehrling rufen: „Herr, die Not ist groß. Die ich rief, die Geister, werde ich nun nicht mehr los.“ Spontan musste ich beim Lesen dieser Vorlage an diese Zeilen denken. Gibt es gute Gründe, den Ticketpreis zu erhöhen? Interessant anzumerken ist an dieser Stelle bereits, dass die Verwaltung in der Vorlage von einem - 6 - Ticketpreis spricht und nicht, wie 2009 beschlossen, einer Reservierungsgebühr. Das aber nur am Rande. Gibt es gute Gründe? Ja, diese gibt es immer. Wenn nicht, dann werden sie gesucht oder gemacht. Ein guter Grund: gestiegene GEMA-Kosten. Im November 2009 monier- te der Gemeinderat, die GEMA-Kosten von damals 30.000 Euro könnten steigen, wenn man eine Gebühr erhebe. OB Fenrich verneint dies damals. Im Dezember 2009 erklärte OB Fenrich, die GEMA-Kosten seien nun auf 60.000 Euro gestiegen. In der heutigen Vorlage werden uns gestiegene GEMA-Kosten als einer der Gründe für die Ticketpreis- Erhöhung genannt. – Die Geister, die ich rief. Ein weiterer Grund seien Hamsterkäufe bei gleichzeitig ausbleibenden Besuchen und damit reduzierten Einnahmen auf dem Gelände, sowie ein gestiegener Schwarzmarkt. Ich verstehe, dass der Geschäftsführer Druck von seinen Kunden bekommt, wenn die Zahlen nicht zufriedenstellend sind. Glauben Sie mir, das kann ich aus meiner Erfahrung aus der Wirtschaft sagen. Die Lösung für Hamster- und Schwarzmarktkäufe kann aber nicht das Drehen an der Preisschraube für alle Besucherinnen und Besucher eines Fami- lienfestes sein. Der Schwarzmarkt orientiert sich am Interesse und nicht am grundsätzli- chen Ticketpreis. Den ausbleibenden Besucherinnen und Besuchern sollte eher durch ein System von Last-Minute-Tickets gepaart mit Ticketverfall bei Nichtnutzung bis Uhr- zeit X oder ähnlichem begegnet werden, als mit einer Kollektivstrafe gegenüber allen Festbesucherinnen und –besuchern. Ein sehr gutes Argument, welches auch ich nicht zu entkräften suche, ist die Sicherheit der Besucher und Teilnehmer von DAS FEST. Die Sicherheit sollte uns allen erst Recht in unsteten Zeiten ein hohes Gut sein. Die Antwort muss hier die Bereitschaft der Stadt Karlsruhe sein, sich dieses zu leisten, ergo, es aus der Tasche der Stadt zu zahlen. Dies ist im Übrigen auch Ansinnen des KULT-Antrages. Das werden wir heute unterstützen. Meine Damen und Herren, das FEST war immer als „Umsonst-und-draußen- Veranstaltung“ vorgesehen. 2009 haben wir als Gemeinderat den Fortbestand des FES- TES gesichert. Dafür waren Änderungen notwendig. Die jetzt vor uns liegende Preiser- höhung ist keine notwendige Änderung, sondern der Beginn der Preisschraube, die wir alle gerne von Anfang an verhindert hätten. – Die Geister, die wir riefen. Auch ich glau- be, dass die Bands, die jetzt zum FEST kommen, auch an der Preisschraube drehen wer- den, denn ihnen wird dieses auch nicht entgehen. Für uns steht fest, die FDP-Fraktion wird der Erhöhung der FEST-Eintrittspreise, oder sprechen wir doch noch von einer Reservierungsgebühr, eine klare Absage erteilen. Den Antrag der KULT – das hatte ich schon erwähnt – werden wir heute mitgehen. Den An- trag der Linken werden wir ablehnen. Der Antrag der SPD ist dem schlechten Gewissen der heutigen Abstimmung geschuldet. Stadtrat Fostiropoulos (Die Linke): Die Linke wird dem Antrag der Preiserhöhung heute nicht zustimmen. Wir haben einen weiteren Antrag gestellt, dem FEST den Cha- rakter wie bei der Gründung und viele Jahre danach zu geben, eben beitragsfrei, drau- ßen und umsonst. Ein Fest für alle Karlsruherinnen und Karlsruher. Aber wenn wir alle meinen, dann auch die, die nicht bereit sind, für die drei Tage 30 Euro zu zahlen, die - 7 - jetzt vorgesehen sind. Wir haben in vielen Debatten festgestellt, dass es auch ein Presti- geobjekt ist, und zwar schon damals, als es kostenfrei war. Wie der Kollege Hock richtig erwähnt hat, hat der Oberbürgermeister davor von einer Reservierungsgebühr gespro- chen, weil es damals nicht beliebt war, gleich Eintrittsgebühr oder Belegungsgebühr zu sagen. Dann hat man anfangen. Damals habe ich schon erwähnt, dass es nur der Ein- stieg in die Gebührenordnung ist und dass die Preise steigen werden. Heute geht man nicht 10 % hoch, sondern macht gleich eineVerdoppelung, also 100 % Steigerung. Merkwürdig sind auch die Argumente. Jeder, der zustimmen will, hat natürlich schnell Argumente zusammengebastelt, damit er es auch begründen kann. Die Frage der Sicherheit. Es ist kein kommerzielles Fest. Jetzt weiß ich aber, dass nur bei kommerziellen Festen die Sicherheitsgebühr, der Einsatz von Polizei auf die Preise draufgeschlagen wird, denn die Veranstalter müssen dafür grade stehen. Jetzt weiß ich aber, dass bei Demonstrationen, Kundgebungen, beitragsfreien Veranstaltungen der Staat und die Gesellschaft für die Sicherheit sorgen und die Kosten nicht auf die Nutzer draufgeschlagen werden, weil der Charakter ein anderer ist. Des Weiteren, wenn es kein kommerzielles Fest wäre, dann würde die GEMA nicht ordentlich hinlangen. Auch das wird übrigens dem Preis zugeschlagen. Das hat auch der Kollege schon dargestellt. Der Preis wird automatisch höher, weil wir das FEST immer kommerzieller betrachten. Ist das die Idee, die wir haben wollten? Im Übrigen: Es können nicht alle Karlsruherinnen und Karlsruher teilnehmen. Als es bei- tragsfrei war, haben viele, egal, ob sie das Geld dafür haben oder nicht, oder es ihnen Wert ist, das Geld auszugeben, gesagt, wir gehen hin, wir erleben das mit. Denn es ist frei. Die Stadt hat es uns mit unseren Geldern, mit den Steuermitteln, mit kommunalen Mitteln zur Verfügung gestellt. Wir können alle teilnehmen. Heute ist es aber anders. Es gibt die, die sagen, mir ist es Wert, ich kann es bezahlen oder ich hab das Geld, ich geh hin. Und die anderen gehen nicht. Wollen wir denn dazu motivieren, dass die Men- schen zusammenkommen, dass sie zusammen feiern, dass sie auch kulturell etwas er- fahren? Oder wollen wir alles immer nur über den Geldbeutel regeln? Das wird nämlich damit gemacht. Warum haben wir nicht ein paar Freiräume, damit es nicht so ist? Ist denn alles unter dem Punkt Konsolidierung, Kürzung, fiskalische Aspekte zu betrach- ten? Haben wir denn nicht ein paar Dinge in unserer Gesellschaft, unserer Kommune, die eben nicht dem unterliegen? Wir können nicht ständig Gründe suchen. Natürlich gibt es immer Gründe, Geld zu verlangen für irgendetwas. Aber wollen wir nicht einmal ein paar Dinge haben, die wir in eine andere Logik packen? Ich frage auch einmal all die, die immer die Kassenlage bedienen wollen und immer Argumente finden, damit der Markt sich regelt. Im Moment brummt die Wirtschaft bundesweit. Der deutsche Aktienindex hat Höhen erreicht, die er bisher noch nicht erreicht hatte, d. h. überall brummt die Wirtschaft. Wir in Karlsruhe konsolidieren. Wir haben kein Geld. Karlsruhe ist eine reiche Stadt in Deutschland. Gerade in der Zeit, in der alle loben, dass Herr Schäuble viel Kohle hat, die Wirtschaft brummt, der Dax hoch geht, sparen wir. Wir werden noch auf Jahre hin kürzen. Ich bin sicher, in fünf Jahren werden wir vielleicht über eine weitere Erhöhung reden, auch beim FEST, weil wir einfach kein Konzept ha- ben zu sagen, es gibt Bereiche, die nicht nach Kassenlage finanziert werden. Die wollen wir einfach für unsere Stadt so haben. - 8 - Deshalb werden wir der Erhöhung nicht zustimmen. Wir wollen ganz gerne, dass dieser Charakter von früher, wie das FEST geplant war, wieder hergestellt wird. Deshalb der Antrag, es wieder beitragsfrei anzubieten, damit tatsächlich alle Jugendlichen, alle Fami- lien teilnehmen können und nicht nur die, die sagen, ich hab das Geld oder mir ist es Wert dahin zu gehen. Oder ich gehe nicht hin, wenn ich zuhause bleibe, spare ich das Geld. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Wir von der AfD sind froh, dass wir das FEST in Karlsruhe haben. Aber genau wie die Linken trauern wir den Tagen nach, als es noch umsonst war. Aus unserer Sicht war es ein Fehler, damals diese Gebühren einzuführen. Wir wä- ren bereit, Einschnitte bei der Berühmtheit der Top-Akts in Kauf zu nehmen, wenn da- für auf die Gebühren verzichtet werden kann. Dieses FEST ist das FEST der Karlsruher. Was Herr Fostiropoulos eben gesagt hat, ist richtig. Dadurch, dass es Geld kostet, ge- hen viele nicht mehr hin. Das finden wir schade. Wir werden daher den Antrag der Lin- ken unterstützen. Der gegenwärtige Zustand des FESTES ist bedauerlich, was die Situation mit den Tickets angeht. Denn: Wasch mich, aber mach mich nicht nass, funktioniert nicht. Wir können nicht Tickets einführen, die nur ganz wenig kosten. Es ist offensichtlich, dass diese Ti- ckets sofort aufgekauft werden, die dann eigentlich den Leuten, für die sie gedacht sind, nämlich den normalen Karlsruher, nicht mehr zur Verfügung stehen. Die werden dann über den Schwarzmarkt angeboten. Das kann auch nicht Sinn der Sache sein. Wenn sich heute keine Mehrheit dafür findet, das FEST wieder kostenfrei zu machen wie früher, werden wir der Erhöhung der Ticketpreise zustimmen müssen. Denn so, wie es jetzt ist, ist es eigentlich die schlimmste Situation. Wenn der Ticketpreis steigt, wird es vielleicht die Möglichkeit geben, mehr Tickets offen auf dem Markt zu erwerben. Deswegen werden wir am Ende, wenn wir dazu gezwungen sein sollten, der Erhöhung der Ticketpreise zustimmen. Allerdings mit dem klaren Ziel, wie es auch in der Vorlage steht, dass dann zukünftig auf die Zuschüsse der Stadt verzichtet werden soll. Denn dann ist es ein kommerzielles Fest. Wenn wir Ticketpreise erheben, ist es ein kommerzi- elles Fest. Dann muss es sich auch selber tragen. Entweder das FEST wie früher, mit städtischen Zuschüssen für die Karlsruher, ohne Ticketpreise, oder tatsächlich als kom- merzielles Fest, das sich selber trägt. Stadtrat Kalmbach (GfK): Zuerst muss man etwas richtig stellen. Wenn ich richtig weiß, sind immer noch 70 % der Angebote beim FEST kostenfrei. Das FEST ist nicht durch und durch kommerzialisiert. Es ist so, dass man frei hinein gehen kann. Nur wer speziell auf den Hügel will, bezahlt. Das ist eine Minderheit. – Das zum Ersten. Zum Zweiten möchte ich daran erinnern, Peter Fox war in Karlsruhe. Der Hügel hat ge- bebt. Am nächsten Tag stand überall in der Zeitung, wenn da etwas passiert wäre, je- mand kollabiert, hätte man die verunfallte Person nicht mehr herausbekommen. Auf- grund dessen hat man nachgebessert. Da hat man gesagt, es entstehen Kosten. Seither, immer wenn etwas vorkommt in Deutschland, heißt es, die Sicherheitsmaßnahmen müssen erhöht werden. Deswegen halte ich es sehr wohl für schlüssig, dass man sagt, die Leute, die in den Genuss des Hügels kommen, warum sollen die nicht 10 Euro be- zahlen. Was sind schon 10 Euro für so ein hochwertiges Angebot? Das ist wirklich nicht viel. Das andere ist immer noch frei. Wer es nicht zahlen kann, nebendran kann man es - 9 - immer noch hören. An manchen Stellen sogar besser, als wenn man auf dem Hügel ist. Deswegen ist aus meiner Sicht die Feststellung völliger Unsinn, dass es ab jetzt nicht mehr frei wäre und eine Kommerzialisierung drohen würde. Auf keinen Fall. Kurze Würdigung für das Team hier. Es ist der Spagat, auf der einen Seite eine Professi- onalisierung und gleichzeitig die Atmosphäre hochzuhalten. Das finde ich in unglaub- lich guter Weise gelungen. Dafür gebührt dem Team um Martin Wacker wirklich ein Lob. Professionalisierung, Sicherheit schaffen, ohne das Gefühl zu haben, man ist ein- geengt. Es ist hervorragend gelöst. Deswegen mein Kompliment. Die GfK wird mit Freude zustimmen, weil es richtig ist, weil es keinen anderen Weg gibt. Alles andere ist Augenwischerei. Es ist ein freies FEST für die Mehrzahl der Menschen. Das wird es auch bleiben. Da habe ich keine Sorge. Stadtrat Wenzel (FW): Sehr geehrter Herr Wacker, Ihnen und Ihrem ganzen Team, allen Verantwortlichen, allen Akteuren und Aktiven mein Dank für dieses gelungene FEST in diesem Jahr. Wir hörten, es war friedlich, es war toll. Auch ich war Besucher. Ich muss sagen, ich bin zum FEST gekommen, wurde von professionellen Sicherheitskräften durchsucht. Ich stand keine zwei Minuten. Ich habe das FEST besuchen können, frei und kostenlos, wie mein Kollege Kalmbach sagt. Denn das FEST besteht aus zwei Tei- len. Das möchte ich auch hier betonen. Wir haben einmal das FEST, ähnlich, wie wir es auch kennengelernt haben, mit der Infomeile, mit den freien Bühnen. Ein FEST für die ganze Familie. Es hat fast so einen guten Charme wie das Durlacher Altstadtfest. Das ist nämlich auch noch frei. Zum Thema Ticketerhöhung: Die Zeiten ändern sich. Ich habe es in meiner Rede kurz angesprochen. Es ist auf dem FEST so, man wird professionell begutachtet, kontrolliert. Man darf rein. Ich glaube, keine innereuropäische Grenze wird so gut bewacht, wie das FEST. Aber es hat natürlich auch seine Kosten und seinen Preis. Diese Ticketerhöhung trage ich mit, weil ich sie auch für richtig halte. Einmal ist es ein Mehrgewinn durch den KVV-Bonus. zum anderen ist es dem geschuldet, dass sich die Zeiten ändern. Versiche- rungen werden teurer, Gebühren. Immer noch ist es sehr günstig und im unteren Be- reich für solche Veranstaltungen. Ich kann hier guten Gewissens sagen, ich möchte nicht wieder das FEST von 1985 haben, denn ich glaube, da würde keiner mehr kom- men. Das FEST ist national und sogar europaweit in allen Medien zu hören. Es ist, wie schon gesagt wurde, eine der besten Werbemaßnahmen, die wir für unsere Stadt ha- ben. Zudem werden auch, wie die Beschlussvorlage sagt, der Stadt Gebühren oder Querfinanzierungen genommen. Ich denke, es ist ein bescheidener Schritt, den wir hier gehen. Es wurde schon öffentlich gesagt. Es soll fünf Jahre so eingefroren werden. Das ist das einzige Manko, das ich habe. Es hätte mich gefreut, wenn wir erst im Gemeinde- rat darüber geredet hätten, als schon über die Medien. Ansonsten gehe ich den Weg mit. Die Zusatzanträge werde ich ablehnen. Stadtrat Fostiropoulos (Die Linke): Eine Sache muss ich jetzt noch einmal deutlich machen: Im Ausschuss ist uns genannt worden, ein Teil der Erhöhung kommt, weil das KVV-Ticket die Hälfte der 5-Euro-Gebühr wegnimmt. Jetzt wird in der Antwort keine Zahl genannt, wird es wieder heruntergespielt. Da muss ich mich fragen: Was ist jetzt die Wahrheit? Wenn das KVV-Ticket 2,50 Euro kostet und wir das drauf schlagen, dann muss ich sagen, die Mehrheit der Menschen, die auf den Hügel geht und die Konzerte - 10 - anschaut, sind Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, junge Men- schen. Die meisten davon haben ein Jahresticket, ein Schülerticket, ein Studiticket oder kommen mit dem Fahrrad. Wen will man denn damit finanzieren? Warum schlägt man so eine Gebühr drauf, wenn die Leute eigentlich schon ein Ticket haben? Damit man die KVV füttert, oder die wiederum hintenherum sponsert, oder wir ein Stück weit die U-Strab finanzieren mit den paar Bröseln? Was ist der Sinn? Ich bin für Ehrlichkeit. Man kann es nicht in der Sitzung so sagen, weil man die Stimmen der Fraktionen braucht. Dann bekomme ich eine Wischi-Waschi-Antwort, und hier wird es nicht einmal be- nannt. Wir brauchen ehrliche Zahlen, damit wir entscheiden können. Wenn entschieden wird, will ich nicht, dass sich dann alle Fraktionen, die zustimmen wollen, die Wenn- Aber-Argumente zusammenbasteln, um am Ende ja zu sagen. Ehrliche Zahlen, bitte dann auch an die Öffentlichkeit, damit die Bevölkerung weiß, warum und wieso. Und nicht verklausuliert im Ausschuss eine Zahl nennen, die dann nicht mehr kommt. Als wir vor einigen Jahren die Debatte mit dem FEST hatten, hatte die Linke einen Vor- schlag gemacht, der von vielen Fraktionen als gut empfunden wurde, dass man z. B. sagt, können wir nicht einmal Positivimage machen für Feiern auf dem FEST ohne Alko- hol. Das fanden viele gut, als Positivimage zu entwickeln. Bis heute sehe ich nicht, dass auch nur ein Konzept in diese Richtung gemacht wurde. Eher gibt es eine tolle Wein- werbung, warum es ganz toll ist für die jungen Menschen, sich auf Wein einzulassen. Ich weiß, der nächste wird jetzt kommen und sagen: Irgendwo habe ich gelesen, 2 Glä- ser Rotwein am Tag ist gesund. Weißwein nicht komischerweise. Es liegt also doch an der roten Beere und nicht am Alkohol. Also, warum probieren wir nicht einfach einmal mit unserem FEST neue Aspekte, wo die Welt und andere Städte auf uns schauen wer- den? Warum versuchen wir nicht die Brauereien zu überzeugen, dass sie auch einmal alkoholfreies Bier anbieten und wegkommen von solchen Konzepten? Warum gehen wir immer diesen kommerziellen Weg? Wenn mein Kollege Kalmbach und andere sa- gen, wir haben einen Teil nicht kommerziell und einen Teil kommerziell, da können die Familien feiern, aber es gibt auch die ganzen jungen Menschen, die auch gerne Konzer- te sehen wollen, denen die kommerziellen aber zu teuer sind. Und wir machen jetzt aus unserem eigenen auch ein kommerzielles. Nicht 30, 40 Euro, sondern 10 Euro. Das nächste Mal sind es 15 Euro, dann 20 Euro. Warum können wir nicht einmal etwas ver- suchen und sagen, wir haben hier etwas Tolles. Lassen wir doch einmal eines kommerz- frei. Warum versuchen wir nicht, diese positive Idee, alkoholfrei feiern zu können, mit hineinzubringen? Man kann auch sanfte Dinge mit einbauen. Warum können wir nicht so einen Weg gehen? Warum immer nur den klassischen? Geld wird gebraucht, also schlagen wir es überall drauf. Der Vorsitzende: Das waren jetzt alle Wortbeiträge. Zur Frage, was ist in den 2,50 Eu- ro drin und was nicht, würde ich gerne noch einmal Herrn Wacker um eine kurze Ant- wort bitten. Herr Wacker (KEG): Die Preissteigerung des FEST-Tickets wird Dinge ermöglichen, die nicht in der Hauptsache der finanziellen Gestaltung des KVV-Tickets geschuldet sind. Der wichtigste Punkt ist die Veranstaltungsausfallversicherung. Das betrifft übrigens nicht nur Weltbands auf der Bühne sondern auch eine kleinere Band. Tatsache ist, dass es die Wetterkapriolen der Vergangenheit nötig machen. Die Dinge, die man bestellt hat, müssen auch bezahlt werden, wenn das Wetter schlecht ist. Wir haben diese Ver- - 11 - anstaltungsausfallversicherung nicht alleine hier. Um eine Zahl zu nennen, es sind 75.000 Euro veranschlagt. Wir haben die GEMA-Gebühren nicht erhöht, weil die Ti- cketpreise steigen. Die GEMA-Gebühren sind, ob Ticket oder kein Ticket – das ist das Besondere bei der GEMA – ein Preis, der sich an den Besucherzahlen orientiert, und der immer teurer wird. Die GEMA hat neue Gebührensysteme. Deswegen steigt die GEMA permanent an. Die konjunkturelle Preissteigerung etc., all das ist ein Punkt, den wir bis- her abfangen konnten, der aber auf uns zu rollt. Die Besucherzählsysteme im kosten- freien Bereich werden von den Sicherheitsbehörden dringend gefordert. Das haben wir im Moment nicht. Sicherheitspersonal, Präventionsmaßnahmen müssen weiter aufge- stockt werden. Wir wollen weiterhin digital alarmieren und überwachen. Auch das ha- ben wir nachgebessert. Auch da haben wir hohe Anforderungen. Die Infrastruktur für Katastrophenmanagement, auch das ist ein Thema. Wir haben bisher viel Unterstützung von THW und Feuerwehr. Aber auch hier würden wir uns im Bereich eigener Apparatu- ren mehr eigene Sicherheit wünschen. So kommen wir hier auf eine Gesamtsumme von etwa 376.000 Euro, die wir ohne wei- tere finanzielle Mittel nicht gedeckt haben. Das sind die Ausführungen zu diesem The- ma. Der KVV ist dabei der geringste Teil und hier noch nicht aufgeführt. Der Vorsitzende: Lassen Sie mich zu einzelnen anderen Punkten noch etwas sagen. Es geht nicht darum, das ist mir auch für die Öffentlichkeit wichtig, dass wir durch diese Erhöhung um 5 Euro ein anderes FEST bekommen. Sondern es geht darum, dass wir diese 5 Euro Erhöhung brauchen, um dieselbe Qualität des FESTES zu erhalten, mit allen professionellen Strukturen für Sicherheit usw. Herr Fostiropoulos, Sie wissen es besser. Es geht hier nicht darum, dass wir die Polizei bezahlen. Aber für die Sicherheitsmaßnahmen sind wir selber finanziell verantwortlich. Die sind natürlich in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ich bin dem Team des FES- TES außerordentlich dankbar, dass man immer im Grunde schon eine Stufe weiter ge- dacht hat, als es dann am Ende die Realität einfordert durch den einen oder anderen Anschlag, und wir von daher immer davon ausgehen konnten und auch weiter können, dass wir hier die maximal zu dem Zeitpunkt mögliche Sicherheit schaffen, die von unse- ren Besucherinnen und Besuchern auch verlangt wird, und zwar nicht nur für den Be- reich des FESTES, für den wir eine Gebühr verlangen, sondern für das gesamte FEST. Es ist manchmal ein Irrglaube, dass Dinge, die umsonst sind, besonders einfach in der Or- ganisation sind. Gerade, wenn wir Leute einladen, und 70 % des FESTES sind umsonst, und hier öffentlich eine Verantwortung übernehmen, weil wir auch die Schwelle sehr niedrig setzen, müssen wir umso mehr dafür sorgen, als wäre es mindestens eine hoch- kommerzielle Veranstaltung, dann für die Sicherheit gerade zu stehen. Ich glaube, dass gerade wenn man Familien, Kinder und Jugendliche ansprechen will, die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger gar nicht hoch genug angesetzt werden können, dass wir uns um diese Dinge kümmern. Wenn Sie, Herr Fostiropoulos, ein alkoholfreies FEST wünschen oder das KVV-Ticket nicht da drin, dann können Sie es hier beantragen. Ich sehe jetzt keinen solchen Antrag, außer dass Sie sagen, wir sollen überhaupt nichts mehr erheben. Aber dann wäre das aus meiner Sicht der richtige Weg. - 12 - Ich kann nicht erkennen, warum eine Steigerung von 5 auf 10 Euro, angesichts der von Ihnen, Herr Stadtrat Hodapp, zu Recht angesprochenen Ticketpreise, die man sonst bei Open Air-Veranstaltungen hat, jetzt zu einer Kommerzialisierung führen, die es vorher bei 5 Euro nicht gab. Das deckt sich nicht mit dem, was wir als Stadt wahrnehmen. Sie haben gesagt, Sie wollen erleben, dass man Sponsoren ablehnt. Das tun wir heute schon. Wir lehnen heute Zigarettensponsoren ab, wir lehnen harte Alkoholika- Sponsoren ab. Wir wären aber umso mehr gezwungen, noch mehr Sponsoren zuzulas- sen. Das ist nicht nur eine Frage der Produkte, die dort angeboten werden, sondern vor allem auch der Fläche, die in Anspruch genommen wird. Ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich finde es jetzt auch um die Hauptbühne ausreichend, was es an Marketingmaßnah- men gibt. Ich würde es schade finden, wenn man hier jetzt noch mehr drumherum pflastern müsste, weil man ansonsten nicht mehr zurechtkommt. Ich kann auch nicht erkennen, und weise das auch ausdrücklich ab, dass wir hier an einer Preisspirale drehen. Wir passen es nach 7 Jahren um 5 Euro den gestiegenen Kos- ten und Herausforderungen, Erwartungen an. An der Grundkonstruktion wird hier nicht gerührt. Wer, Herr Stadtrat Braun, regionale Gruppen anschauen will, kann das um- sonst auf der entsprechenden Bühne tun. Das hat aber jetzt mit der Ticketpreiserhö- hung nichts zu tun. Die Finanzierung durch die Stadt war bisher ein jährlicher Zuschuss von 140.000 Euro. Den brauchen wir dann in dieser Regelmäßigkeit nicht mehr. Aber wir gehen natürlich gleichzeitig nach wie vor ein hohes Risiko ein, dass sich auch nicht immer alles durch Versicherung abdecken lässt. Ich glaube, in Ihrer aller Namen haben wir mit der KEG auch immer signalisiert, dass, wenn ein FEST einmal völlig ausfallen sollte – es geht nicht nur um den Ausfall, dass man dann die Honorare der Gruppen bezahlen muss, sondern es geht auch darum, dass man dann keinen Bierumsatz hat und andere Ge- tränke, das sind alles auch Teile, die dazu beitragen, - die Stadt natürlich immer zum Thema Defizitausgleich bereit ist, mit Ihrer entsprechenden Zustimmung als Gemeinde- rat. Hier müssen wir die Finanzierung der Stadt ein bisschen verändern, weil es höhere Risiken, aber nicht mehr den Bedarf an einem bestimmten jährlichen Zuschuss gibt. Auch das ist eine Anpassung an die Realität des FESTES und der Entwicklung. Die Aus- sage, weil das Geld kostet, geht keiner mehr hin, deckt sich nicht mit der Wahrneh- mung, dass im Januar schon alle Tickets ausverkauft waren. Ich bitte da ein bisschen auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Wir haben eher das Problem – das hat nicht nur etwas mit Schwarzmarkt zu tun -, dass Leute auf Vorrat Karten kaufen und, weil sie eben nur 5 Euro kosten, am Samstag oder Sonntag überlegen, ob sie überhaupt hin gehen. In den letzten Jahren gab es durchaus schon die Rückmeldung von den Anbie- tern von Getränken und Essen – das war dieses Jahr nicht so, weil wir supergutes Wet- ter hatten -, dass man erlebt, dass Leute nur punktuell zu ein oder zwei Gruppen oder auch gar nicht kommen, und sich damit am sonstigen Umsatz nicht beteiligen. Dann bricht dieses Finanzierungsgefüge auch ein Stück weit zusammen. Das zu den Punkten, die mir noch einmal wichtig waren. Wir kommen jetzt zur Ab- stimmung. Wir fangen an mit dem Änderungsantrag der Linken, auf den Eintrittspreis komplett zu verzichten. – Das ist mehrheitlich abgelehnt. - 13 - Wir kommen zum Änderungsantrag der KULT-Fraktion, der im Wesentlichen begehrt, dass der Ticketpreis bei 5 Euro bleibt. – Auch das ist eine mehrheitliche Ablehnung. Dann gibt es einen Änderungsantrag der SPD mit einer entsprechenden Antwort. Ich denke, das hat sich erledigt und wird weiter aufgenommen. Wir nehmen es in den Auf- sichtsrat. Damit kommen wir zur unveränderten Beschlussvorlage, so wie sie Ihnen vorliegt. – Das ist eine sehr deutliche Mehrheit. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 3. August 2017