Vierordtstraße in Palmbach - Ehrung eines Kriegshetzers

Vorlage: 2017/0371
Art: Anfrage
Datum: 29.05.2017
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Palmbach

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 27.06.2017

    TOP: 26

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Vierordtstraße in Palmbach - Anlage
    Extrahierter Text

  • Linke Vierordtstraße
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) Vorlage Nr.: 2017/0371 Vierordtstraße in Palmbach – Ehrung eines Kriegshetzers Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 27.06.2017 26 x 1. Ist der Stadtverwaltung das Gedicht „Deutschland, hasse!“ von Heinrich Vierordt bekannt, das dieser als „Kriegsruf“ im November 1914 veröffentlichte? (das Gedicht ist der Anfrage als An- lage beigefügt) 2. Sind der Stadt folgende Aussagen von prominenten Zeitgenossen des Hofrates Vierordt zu Gedicht und Autor bekannt: a) Romain Rolland: Vierordt gehöre zu den „lächerlichen Sängern des germanischen Chauvi- nismus“ und den „verbrecherischen Dichtern, die durch verlogene Berichte zum Hass an- stacheln“. b) Josef Luitpold Stern: Das Gedicht sei ein Beispiel dafür, dass „der geistige Landsturm im Augenblick zur Stelle gewesen“ und die deutschen Lyriker „plötzlich Hasser geworden“ seien c) Helene Stöcker bezeichnete die „blutrünstigen Verse eines Hofrates Vierordt“ als „ab- schreckendes Beispiel“ .... Was soll man zu so einer Benebelung durch den Blutrausch noch sagen?“ 3. Ist der Stadt bekannt, dass der Dichter Heinrich Vierordt Adolf Hitler u.a. folgende Zeilen wid- mete: „Du bist mehr als König und Kaiser, Du bist es Volkes Festzusammenschweißer“? 4. Hält die es die Stadt in Anbetracht dieser Informationen noch für angebracht, dass dem Na- men Heinrich Vierordt mit der Straßenbenennung in Palmbach weiterhin ein ehrendes Ange- denken gewährt wird? Wenn ja, warum? Wenn nein, was wird die Stadt in Bezug auf die Vierordtstraße in Palmbach unternehmen, de- ren Namensbezeichnung derzeit noch eine Ehrung für einen dichtenden chauvinistischen Kriegshetzer darstellt? 5. Hält die Stadt folgendes für angemessen? Auf dem Friedhof in Palmbach steht eine sog. Dich- terbank in Erinnerung an Heinrich Vierordt. Die Inschrift darauf ist ein Geistesprodukt des dich- tenden Hofrats: „Was knochig kernhaft erdenstark – das sprießt aus deutschem Bauernmark.“ 6. Hält die Stadt diese Dichterbank für ein Objekt zeitgemäßer Erinnerungskultur? Wenn ja, warum? Wenn nein, was wird die Stadt in Bezug auf die Dichterbank des Hofrates Heinrich Vierordt unternehmen? Seite 2 Heinrich Vierordt wurde 1855 in Karlsruhe geboren und starb 1945 in Triberg. Vierordt, Hofrat, lebte von Geburt an in Karlsruhe, bis sein Haus im Herbst 1944 völlig zerstört wurde. Alle Informationen zu Heinrich Vierordt sind entnommen: Ein schreckliches Gedicht, von Dr. Johannes Werner, in: Badische Heimat 1/2017 unterzeichnet von: Sabine Zürn Niko Fostiropoulos Sachverhalt / Begründung:

  • Stellungnahme TOP 26
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    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2017/0371 Dez. 4 Vierordtstraße in Palmbach - Ehrung eines Kriegshetzers Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 27.06.2017 26 x 1. Ist der Stadtverwaltung das Gedicht „Deutschland, hasse!“ von Heinrich Vierordt bekannt, das dieser als „Kriegsruf“ im November 1914 veröffentlichte? (das Gedicht ist der Anfrage als Anlage beigefügt) 2. Sind der Stadt folgende Aussagen von prominenten Zeitgenossen des Hofrates Vierordt zu Gedicht und Autor bekannt: a) Romain Rolland: Vierordt gehöre zu den „lächerlichen Sängern des germani- schen Chauvinismus“ und den „verbrecherischen Dichtern, die durch verlogene Berichte zum Hass anstacheln“. b) Josef Luitpold Stern: Das Gedicht sei ein Beispiel dafür, dass „der geistige Land- sturm im Augenblick zur Stelle gewesen“ und die deutschen Lyriker „plötzlich Hasser geworden“ seien c) Helene Stöcker bezeichnete die „blutrünstigen Verse eines Hofrates Vierordt“ als „abschreckendes Beispiel“ .... Was soll man zu so einer Benebelung durch den Blutrausch noch sagen?“ 3. Ist der Stadt bekannt, dass der Dichter Heinrich Vierordt Adolf Hitler u. a. folgende Zeilen widmete: „Du bist mehr als König und Kaiser, Du bist es Volkes Festzusammen- schweißer“? Der Stadtverwaltung liegt das Schreiben des Dr. Johannes Werner vor. Er hat dem Schreiben seinen Zeitungsartikel zu Heinrich Vierordt aus der „Badischen Heimat“, Ausgabe 01/2017, sowie den Kriegsruf „Deutschland, hasse!“ beigefügt. Die dort enthaltenen Aussagen promi- nenter Zeitgenossen Vierordts sowie seine eigene Aussage zu Adolf Hitler sind der Stadtverwal- tung damit bekannt. 4. Hält es die Stadt in Anbetracht dieser Informationen noch für angebracht, dass dem Namen Heinrich Vierordt mit der Straßenbenennung in Palmbach weiterhin ein ehren- des Angedenken gewährt wird? Wenn ja, warum? Wenn nein, was wird die Stadt in Bezug auf die Vierordtstraße in Palmbach unterneh- men, deren Namensbezeichnung derzeit noch eine Ehrung für einen dichtenden chau- vinistischen Kriegshetzer darstellt? Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Angesichts der Aussagen Vierordts sieht die Stadtverwaltung die Tatsache, dass nach ihm eine Straße benannt ist, aus heutiger Sicht als unannehmbar an. Im Hinblick auf die rund 100 An- wohner der Vierordtstraße wird die Verwaltung dem Gemeinderat den Vorschlag unterbreiten, den Namenspaten der Straße zu ändern. Der gleichnamige Großvater des Dichters war ein Karlsruher Bankier und Wohltäter, der der Stadt Karlsruhe und verschiedenen Wohlfahrtsein- richtungen Geld spendete, und der sich damit für die Ehrung durch einen Straßennamen eignet. 5. Hält die Stadt Folgendes für angemessen? Auf dem Friedhof in Palmbach steht eine sog. Dichterbank in Erinnerung an Heinrich Vierordt. Die Inschrift darauf ist ein Geistes- produkt des dichtenden Hofrats: „Was knochig kernhaft erdenstark – das sprießt aus deutschem Bauernmark.“ Die Bank zu Ehren Vierordts wurde 1925 zusammen mit einem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs vor dem Pfarrhaus aufgestellt. Beide Denkmäler wurden 1961 auf den Fried- hof versetzt. Zusammen mit einem benachbarten Gefallenendenkmal (Erster Weltkrieg), einer Buntsandsteinmauer mit Treppenanlage sowie Gedenktafeln ist es Sachgesamtheit als Kultur- denkmal eingetragen. 6. Hält die Stadt diese Dichterbank für ein Objekt zeitgemäßer Erinnerungskultur? Wenn ja, warum? Nein, denn es handelt sich nicht um ein Objekt heutiger „zeitgemäßer“ Erinnerungskultur, sondern um ein Objekt der Erinnerungskultur der 1920er-Jahre, das die damalige Verehrung in Palmbach für den Dichter ausdrückt. Wenn nein, was wird die Stadt in Bezug auf die Dichterbank des Hofrates Heinrich Vierordt unternehmen? In Absprache mit der Denkmalpflege wird eine Kommentierung vorgenommen werden.

  • Protokoll TOP 26
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    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 39. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 27. Juni 2017, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 22. Punkt 26 der Tagesordnung: Vierordtstraße in Palmbach - Ehrung eines Kriegs- hetzers Anfrage: Die Linke Vorlage: 2017/0371 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 26 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 25. Juli 2017