Pflegekonzept Buurtzorg
| Vorlage: | 2017/0336 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 12.05.2017 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Daxlanden, Durlach, Grötzingen, Rintheim, Südweststadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 27.06.2017
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: verwiesen in Sozialausschuss
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG SPD-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2017/0336 Pflegekonzept Buurtzorg Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 27.06.2017 13 x 1. Im Sozialausschuss wird das in den Niederlanden sehr erfolgreiche Pflegenetzwerk „Buurtzorg“ vorgestellt und die Übertragbarkeit auf die örtlichen Verhältnisse geprüft. 2. Die Verwaltung erstellt eine Auflistung von bereits vorhandenen Quartiersprojekten zur ambulanten Betreuung. Begründung: „Buurtzorg“ bedeutet Betreuung in der Nachbarschaft. In den Niederlanden hat sich dieser ambulante Krankenpflegedienst in den letzten 10 Jahren zum größten Pflegenetzwerk entwickelt und versorgt mittlerweile fast 80.000 Menschen. Das Modell orientiert sich an den individuellen Bedarfslagen der Nutzerinnen und Nutzer und sucht gemeinsam mit diesen und deren informellen und professionellen Bezugspersonen nach Lösungen. Gemeindeschwestern (community nurses) helfen den Betroffenen, ihr Leben mit Hilfe lokaler Ressour- cen soweit wie möglich selbständig zu gestalten. Die Zielsetzung von Buurtzorg lässt sich folgender- maßen beschreiben: „Wahrung der Eigenständigkeit und Unterstützung der Unabhängigkeit.“ Zu- grunde liegt der Dienstleistung ein integriertes Pflege- und Pflegeplanungskonzept. In einem ersten Schritt wird im Rahmen der Beratung und Begleitung festgehalten, was die Betroffenen selbst beitra- gen können, um ihre Unabhängigkeit zu erhalten oder wieder zu erlangen. Im zweiten Schritt wird ein informelles Netzwerk aus Familienangehörigen, Nachbarn und Freunden aufgebaut. In der dritten Stufe wird durch ein pflegefachliches Team ein stabiles und verlässliches Netzwerk aus Hausarzt, Apo- theke und weiteren Diensten (z.B. Physiotherapeuten) aufgebaut und koordiniert. In unserer Stadt wird ansatzweise nach diesem Prinzip bereits im Quartiersmanagement gearbeitet. Zur Weiterentwick- lung dieser Anfänge und einer ersten Evaluierung wäre der Vergleich mit der niederländischen Nach- barschaftshilfe interessant. unterzeichnet von: Parsa Marvi Gisela Fischer Yvette Melchien
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag SPD-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2017/0336 Verantwortlich: Dez. 3 Pflegekonzept Buurtzorg Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 27.06.2017 13 X Kurzfassung Das Pflegekonzept Buurtzorg wird in den Niederlanden sehr erfolgreich umgesetzt. Im Mittel- punkt des Konzeptes steht die Frage, wie der individuelle Bedarf der Pflegebedürftigen durch Selbsthilfe, durch die Unterstützung von Angehörigen und durch professionelle Hilfsangebote gesichert werden kann. Die gesetzlichen Regelungen zur Finanzierung der Pflegeleistungen ha- ben maßgeblichen Einfluss auf die Übertragungsmöglichkeiten dieses Konzeptes. Eine erste Einschätzung der Ergebnisse sowie die Auflistung der in Karlsruhe vorhandenen Quar- tiersprojekte werden dem Sozialausschuss vorgestellt. Finanzielle Auswirkungen des Antrages (bitte ankreuzen) X nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) keine Haushaltsmittel stehen Wählen Sie ein Element aus. Kontierungsobjekt: Wählen Sie ein Element aus. Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant x nein ja Handlungsfeld: Sozialer Zusammenhalt und Bildung Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Im Sozialausschuss wird das in den Niederlanden sehr erfolgreiche Pflegenetzwerk „Buurtzorg“ vorgesellt und die Übertragbarkeit auf die örtlichen Verhältnisse ge- prüft Die Diskussion um effiziente, zukunftsorientierte Konzepte zur ambulanten Unterstützung von Pflegebedürftigen ist außerordentlich wichtig. Der Bericht „Bedarfsentwicklung in der stadtteil- bezogenen Versorgung Pflegebedürftiger“ liefert die entsprechenden Prognosen der steigenden Zahl der Pflegebedürftigen. Die beschriebenen Konsequenzen betonen den Ausbau der ambu- lanten Unterstützung und dabei insbesondere die Stärkung der familiären, privaten Pflegepo- tentiale. Das Pflegekonzept Buurtzorg gibt dazu neue und praxiserprobte Anregungen. Die explizite Beratung und Begleitung der Betroffenen zur Stärkung ihrer eigenen Beiträge, die trotz Ein- schränkungen immer möglich und nötig sind, ist eine neue Zielausrichtung. Dies erscheint auf den ersten Blick als Selbstverständlichkeit, setzt jedoch eine entsprechende konstruktive Grund- haltung gegenüber den Betroffenen, entsprechende Qualifikationen und entsprechende Ar- beitsprozesse voraus. Gleiches gilt für den zweiten Schritt der gezielten Suche und Förderung des informellen Netzwerkes aus Familienangehörigen, Nachbarn und Freunden. Der Ansatz, dass die Pflegekraft im Sinne einer Gemeindeschwester die Koordinierung des pflegefachlichen Teams übernimmt, ist eine neue Ausrichtung, in der viele Chancen für die Effizienzsteigerung in der ambulanten Versorgung liegen. Es ist lohnenswert, die Zielausrichtungen dieses Pflegekon- zeptes in ihrer konkreten erfolgreichen Umsetzung näher anzuschauen und mit den Trägern der Pflegeangebote in Karlsruhe zu diskutieren. Hinsichtlich möglicher Übertragungseffekte sind nähere Informationen einzuholen bezüglich - der Unterschiede der deutschen Pflegeversicherung und der niederländischen Finanzierungs- regelungen zur Pflege, - der Bedeutung des Zusammenspiels mit anderen Pflegediensten, - den Erfordernissen in den internen Arbeitsstrukturen, wie zum Beispiel digitale Dokumenta- tion, geringe Hierarchie, optimiertes Qualifikationssystem, um Kapazitäten für die neuen Arbeitsziele freizusetzen. Dieses Pflegekonzept kann im Sozialausschuss vorgestellt werden. 2. Die Verwaltung erstellt eine Auflistung von bereits vorhandenen Quartiersprojek- ten zur ambulanten Betreuung Derzeit gibt es drei unterschiedliche Projekte in Karlsruhe mit dem Fokus auf das jeweilige Quar- tier verbunden mit der Zielsetzung der Quartiersentwicklung. Südweststadt: Das Quartiersprojekt „Gemeinsam in der Südweststadt“ früher „Gemeinsam älter werden in der Südweststadt“ wurde vom Badischen Landesverein für Innere Mission e. V. (BLV) aufgebaut. Es hat mit dem „Mitmachladen“ in der Mathystraße und dem „grünen Zimmer“ im Pflegeheim Friedensheim zwei Standorte. Das „Grüne Zimmer“ ist seit 2015 auch als Bürgerzentrum aner- kannt und wird städtisch gefördert. Der Mitmachladen wird in einer Kooperation zwischen dem Mieter- und Bauverein und dem BLV betrieben. Der Schwerpunkt der Quartiersarbeit liegt auf einer Aktivierung der Bevölkerung für Eigeninitiativen und der Förderung eines generationen- übergreifenden, sozialen Miteinanders in einer engen Zusammenarbeit mit Kooperationspart- nern und -partnerinnen, wie zum Beispiel dem Bürgerverein und dem Jugendzentrum. Im Hin- blick auf die ältere Bevölkerung zielt das Quartiersprojekt auf die Förderung einer konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Alter (durch themenbezogene Informationsveranstaltungen) so- wie die Förderung von Bürgerprojekten (Rollatorenspaziergänge oder Gedächtnistraining in der Gruppe). Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Daxlanden: Das Quartiersprojekt des Caritasverbands Karlsruhe e. V. im Seniorenzentrum St. Valentin ver- fügt mit dem Nachbarschaftsbüro WILLkommen in der Pappelallee und Räumen im Gebäude des Pflegeheims St. Valentin im Waidweg ebenfalls über zwei Standorte. Das Café Valentins im Seniorenzentrum St. Valentin ist seit 2015 ebenfalls als Bürgerzentrum anerkannt und wird städtisch gefördert. Der Einsatz der Quartiersmanagerin richtet sich an die gesamte Bürgerschaft im Stadtteil und zielt auf die Förderung eines nachbarschaftlichen Miteinanders und bürger- schaftlichen Engagements im Zusammenwirken mit Kooperationspartnerinnen und -partnern. Neben themenbezogenen Veranstaltungen finden im Nachbarschaftsbüro insbesondere für die ältere Bevölkerung Beratung und die Vermittlung von praktischen Hilfen statt. Diese Projekte in der Südweststadt und in Daxlanden fördern im Quartier das Bewusstsein für ein bürgerschaftliches, solidarisches, soziales Miteinander. Sie initiieren mit den Bürgerinnen und Bürgern konkrete Gruppenaktionen, die Partizipation und soziale Teilhabe konkret erfahr- bar machen und die den Alltag erleichtern und verbessern können. Menschen, die vorher iso- liert gelebt haben, können den offenen, einladenden Zugang zu Treffpunkten nutzen und fin- den damit auch leichter Zugang zu Hilfemöglichkeiten. Die Ausrichtungen auf Eigengestaltung und Miteinander werden in diesen Projekten auf die gesamte Bevölkerung des Quartiers bezogen. Das Pflegekonzept Buurtzorg zielt auf die Unter- stützung der einzelnen pflegebedürftigen Person. Die Quartiersprojekte und das Pflegekonzept ergänzen sich, indem die Quartiersprojekte die Bürgerschaft für diese grundsätzlichen Ziele sen- sibilisiert und aktivieren. Rintheim: Das Angebot „Gut versorgt daheim – Selbstbestimmt wohnen ohne Betreuungspauschale im Rintheimer Feld“ der AWO Karlsruhe gGmbH ist als ambulantes Versorgungskonzept für das Quartier Rintheimer Feld in enger Kooperation mit der Volkswohnung ausgestaltet. Die speziell für dieses Quartier eingesetzte Fachkraft ermittelt und koordiniert vor Ort die notwendigen Hil- fen und die Betreuung für hilfe- und pflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner und ver- mittelt Pflegeleistungen der AWO Karlsruhe gGmbH in der eigenen Wohnung oder in fünf da- für von der Volkswohnung umgebauten Pflegewohnungen. Mit der Einrichtung des „Wohnca- fés“ ist für die Bewohnerschaft ein Nachbarschaftstreff schon weit im Vorfeld von Pflege ge- schaffen. Das Wohncafé erleichtert Kontaktmöglichkeiten zur Bewohnerschaft und ist Service- stützpunkt für Information und Beratung. Mit dem Angebot des regelmäßigen Mittagessens, das von bürgerschaftlich Engagierten zubereitet wird, hat sich das Wohncafé fest im Quartier etabliert. Von hier aus entstehen weitere bürgerschaftliche Projekte. Dieses Projekt verbindet die pflegerische Versorgung mit einem quartiersbezogenen Treffpunkt, ausgestaltet mit bürgerschaftlichem Engagement. Es ist auf die Förderung der nachbarschaftli- chen Gemeinschaft ausgerichtet und baut auf Kooperationen auf. Sein Fokus ist jedoch auf eine „zugehende ambulante Pflegeversorgung“ für die hilfe- und pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner ausgerichtet. Damit unterscheidet es sich von den beiden zuerst genannten Quartiersprojekten. In der Diskussion um effiziente, zukunftsorientierte Konzepte zur ambulanten Unterstützung von Pflegebedürftigen – auch am Beispiel von dem Pflegekonzept Buurtzorg – kann auch dieses Versorgungskonzept wichtige Ansatzpunkte und Erfahrungen liefern. Es ist vorgesehen, diese Quartiersprojekte in der nächsten Sitzung des Arbeitsausschusses Ältere Generation am 26. September 2017 näher zu diskutieren. Dabei kann auch die Verbindung mit der Erörterung des Buurtzorg Pflegekonzeptes überlegt werden.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 39. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 27. Juni 2017, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 11. Punkt 13 der Tagesordnung: Pflegekonzept Buurtzorg Antrag: SPD Vorlage: 2017/0336 Beschluss: In den Sozialausschuss verwiesen Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 13 zur Behandlung auf: Stadträtin Fischer (SPD): Bevor ich unseren Antrag begründe, habe ich zwei Vorbe- merkungen. Die Idee zu diesem Antrag kam nicht aus unserer Fraktion, sondern es war ein Arbeitsauftrag der Jusos auf einer Kreisdelegiertenkonferenz. Das macht sehr deut- lich, dass sich die junge Generation sehr viele Gedanken macht, die mit der demografi- schen Entwicklung verbunden sind. Die zweite Vorbemerkung, die uns immer wieder in den Fachausschüssen beschäftigt ist, dass wir dringend einen Ausbau der ambulanten Versorgung brauchen. Zum einen, möchte jeder von uns im Alter nicht ins Pflegeheim und zum anderen, können wir gar nicht soviel Pflegeheime in der Stadt bauen, wie wir, wenn wir nichts an ambulanter Betreuung machen würden, Pflegeplätze einrichten müssten. Nun zu den Besonderheiten von Buurtzorg, das heißt Pflege im Nahbereich oder in der Nachbarschaft, die ich, nachdem ich mich damit befasst habe, sehr interessant finde um sie im Fachausschuss zu diskutieren. Im Mittelpunkt steht der Mensch, der Pflegehilfe in Anspruch nehmen muss, und seine Ressourcen. Es wird in drei Stufen mit ihm ein Kon- zept erarbeitet, in dessen Mittelpunkt die Selbstverantwortung und die Individualität steht. Der erste Schritt ist die Stärkung des Pflegenden, was er selbst noch leisten kann und zu was er im Stande ist, mit Rehabilitationsmaßnahmen wieder zu erlangen. Der zweite Schritt ist, dass man sich im persönlichen Umfeld des Pflegenden umschaut, wer kann stützend helfen, damit ambulante Versorgung weiter geleistet werden kann, sprich Familie, Nachbarschaft oder Freunde. Erst der dritte Schritt ist der Aufbau eines professionellen Pflegenetzwerkes, und da wäre eine Einrichtung von ganz zentraler Be- deutung, so etwas Ähnliches wie die Gemeindeschwester, die wir früher in den Stadt- - 2 - teilen hatten. Ein Konzept das sehr gut im Zusammenspiel mit dem funktionieren könn- te, was wir hier in der Stadt zum Teil schon im Quartiersmanagement haben, aber doch auch ein ganz neuer Ansatz ist. Ich denke, es ist sehr wichtig, und ich bin der Verwal- tung auch dankbar, dass es aufgegriffen wurde und wir das insbesondere im Fachaus- schuss „Ältere Generation“ vorberaten. Wir brauchen diese ambulanten Versorgungs- leistungen dringend, und vielleicht kann man doch das eine oder andere aus dieser Idee, die in Holland sehr erfolgreich ist, übernehmen und versuchen, auf unsere Quar- tiere umzubauen. Stadträtin Wiedemann (CDU): Buurtzorg ist keine Erfindung der Holländer, Buurtzorg gab es auch bei uns früher, nur hieß es damals anders. Damals waren es die Schwes- ternhelferinnen oder die Gemeindeschwestern, die in die Familien gegangen sind, wo Betreuung erforderlich war. Ich kenne es noch aus meiner Jugend, da gab es den Müt- terverein und den Frauenbund, die sich kümmerten, wenn in irgendeiner Familie je- mand zu betreuen war, der zu Betreuende Aufsicht brauchte oder jemand entlastet wurde, damit er einkaufen gehen konnte und so weiter - das gab es früher. Da haben sich die Frauen untereinander unterstützt. In Durlach hat es zumindest funktioniert, da hat es geheißen, dass Du zwei Stunden dahin gehst, dafür kannst Du zum Friseur gehen und ich bekomme einen Kuchen von dir. Das war ein gegenseitiges Geben und Neh- men, und das war früher einfacher als heute. Heute gibt es diese Klientel einfach nicht mehr. Ich habe heute Morgen mit meinen Nachbarinnen darüber gesprochen. Es heißt, die Menschen sind ichbezogen, die Menschen sind berufstätig und die, die zuhause sind, haben nicht das Zutrauen, zu fremden Personen zu gehen und diese zu betreuen. Deswegen ist es unheimlich wichtig, dass dieses Quartiersmanagement, das in Daxlan- den, Rintheim und in der Redtenbacherstraße schon besteht, ausgebaut wird und auf andere Stadtteile übergreifen wird. Ich denke, wir werden im Arbeitsausschuss „Ältere Generation“ vielleicht einen Lösungsweg suchen, wie man Leute motivieren kann, dass Sie sich dieser Nachbarschaftshilfe, dieser Buurtzorg annehmen. Stadträtin Anlauf (GRÜNE): Wir unterstützen den Antrag der SPD zu überprüfen, ob das Buurtzorg-Modell in Karlsruhe Sinn macht. Ganz klar, das Buurtzorg-Modell hat Zielsetzungen mit denen wir übereinstimmen, nämlich die Orientierung an den indivi- duellen Bedürfnissen, die Orientierung an den Fähigkeiten und den Ressourcen der Be- dürftigen, um dann durch Angehörige oder Professionelle zu ergänzen, und die Woh- nortnähe oder Stadtteilbezogene Versorgung. Allerdings hat Buurtzorg in den Nieder- landen nicht nur die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer erhöht, das finden wir wichtig, sondern fällt auch durch den hohen Zufriedenheitsgrat und das hohe Engage- ment des Personals auf. Das Buurtzorg-Modell hat anscheinend keine Probleme, Fach- kräfte zu finden, und die Frage ist, woran das liegt. Das liegt wohl daran, dass die Ver- sorgung in kleinen autonomen Teams organisiert wird und das Personal mehr Befriedi- gung in der Arbeit erlebt, weil die Beziehung zu den betreuten Menschen weitaus stär- ker in den Mittelpunkt gerückt wird. Außerdem ist das Personal für Pflege und soziale Betreuung verantwortlich. Dieser Aspekt, Zufriedenheit und Engagement des Personals, sollte bei der Betrachtung im Sozialausschuss oder im Ausschuss Ältere Generationen nicht unter den Tisch fallen, unter anderem scheint hier bei dem Personal der Knack- punkt bei der Übertragbarkeit zu liegen. Das Berufsbild der Community Nurse existiert in Deutschland eben nicht. Die Frage ist demnach, welches Personal für ein deutsches - 3 - Buurtzorg-Modell notwendig wäre und, wie die Verwaltung schon sagte, wie die Finan- zierung gesichert werden könnte. Darüber muss man dann reden. Wir sind mit der Antwort der Verwaltung zufrieden, trotzdem hier noch eine Ergän- zung: In der Antwort der Verwaltung, welche Quartiersprojekte es zur ambulanten Be- treuung gibt, wurde merkwürdigerweise, was ich nicht verstanden habe, nicht auf die sehr weit fortgeschrittenen Projekte der Heimstiftung eingegangen, die ja eigentlich auch in diese Richtung gehen, wie wir gerade im Aufsichtsrat Heimstiftung diskutiert haben. In Grötzingen wird demnächst eine ambulant betreute Pflegewohngruppe für neun Personen entstehen, und hier sind wie bei Buurtzorg der stadtteilbezogene Ansatz und die Orientierung der Ressourcen wichtig. Eine ähnliche Richtung verfolgt die Heim- stiftung mit dem Dorfblütenkonzept in den Bergdörfern, so wie ich verstanden habe, auch davon können wir lernen, im Vergleich zu dem Buurtzorg-Konzept. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Für die AfD möchte ich meinen Vorrednern zustimmen. Wir halten die Pflege zuhause auch für ganz entscheidend wichtig, und wir müssen al- les tun, um sie in unserer heutigen Zeit, die vom Drang nach individueller Selbsterfül- lung geprägt ist und wo der Zusammenhalt zwischen den Nachbarn nicht mehr wie früher so gegeben ist, zu stützen. Es ist tatsächlich so, dass Pflege, die zuhause stattfin- det, am Besten ist. Ich weiß das, weil in meiner Familie zurzeit auch ein Pflegefall vor- handen ist. Da kann man noch so gute Pflegeheime finden, es wird immer eine gewisse Entwurzelung des zu Pflegenden bedeuten. Deswegen ist es wichtig, dass man ver- sucht, die Betroffenen so lange wie möglich zuhause unterzubringen und in der ge- wohnten Umgebung zu pflegen. Ich kenne aus meiner Jugendzeit auch noch die Gemeindeschwester, so gesehen muss man sagen, dass diese Community Nurse bei uns schon mal vorhanden war, vielleicht mit einer anderen Ausbildung, aber letztlich mit der gleichen sozialen Funktion. Das ist also nicht etwas, das wir uns von anderen Ländern abschauen müssen, sondern wir müssen uns da einfach wieder auf unsere alte Tradition besinnen. Wenn es tatsächlich so ist, dass von den Jusos so ein Anstoß kommt, dann gibt mir das Mut, weil mein Ein- druck ist eher, dass die junge Generation sich ums Älterwerden und um die Alten weni- ger Gedanken macht als früher, und es wäre wichtig, dass wir insgesamt als Gesell- schaft an der Stelle wieder mehr zusammenrücken. Letztendlich die Aufgabe der Pflege an andere zu delegieren, indem man beispielsweise die Pflegekräfte aus Osteuropa kommen lässt, funktioniert auch nicht so gut. Das meiste Geld geht an die vermitteln- den Organisationen verloren, und man hat nicht die Qualität an Pflege, die man eigent- lich bräuchte. Deswegen ist es für uns alle, die wir im Moment noch gesund und mun- ter sind, aber in Zukunft vielleicht auch irgendwann gepflegt werden müssen, wichtig, alles dafür zu tun, dass die häusliche Pflege gestärkt und erweitert wird. Stadtrat Braun (KULT): Ich will mich ganz kurz halten. Das vorgeschlagene Pflegekon- zept erscheint uns als das Konzept, welches mit zwei zentralen Bedürfnissen, wenn nicht mit den zwei wichtigsten Bedürfnissen, von pflegebedürftigen Menschen am ehesten vereinbar ist, nämlich Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Daher begrüßen wir eine Vorstellung und eine nähere Betrachtung im Fachausschuss und freuen uns dort auf die Diskussion. - 4 - Stadtrat Wenzel (FW): Auch von meiner Seite gibt es Zustimmung. Wir wissen, die Gesellschaft verändert sich, sie wird vor allem älter. Deshalb ist jeder Versuch der Pfle- gedienste, das Älterwerden und die Zusammenhänge des Gepflegtwerdens angeneh- mer zu machen, löblich, und auch deshalb die Zustimmung zur Antwort der Verwal- tung. Wir dürfen aber dabei nicht vergessen, dass sich heute schon viele Familienange- hörige viele Stunden für die Familien opfern, und wenn man eine solches Netzwerk baut, müssen wir auch solche Fälle einbeziehen, denn die, die heute schon Pflege und Hilfe leisten, dürfen sich nicht an die Seite gestellt fühlen. Deshalb denke ich, dass es ein ausbaufähiger Weg ist, weiter Hilfe zu leisten, aber auch die Familie nicht zu verges- sen. Der Vorsitzende: Vielen Dank, ich habe sehr viel Positives über den Vorschlag gehört, das im Sozialausschuss zu beraten und zu diskutieren, damit hat sich das für heute erle- digt. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 20. Juli 2017