Vorstellung der Befragungsergebnisse zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Vorlage: 2017/0163
Art: Beschlussvorlage
Datum: 03.03.2017
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Jugendhilfeausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 15.03.2017

    TOP: 1

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

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  • TOP 1: Vorlage Vorstellung der Befragungsergebnisse
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: Verantwortlich:Dez.3 Vorstellung der Befragungsergebnisse zur Offenen Kinder-und Jugendarbeit Beratungsfolge dieser Vorlage GremiumTerminTOPönöErgebnis Jugendhilfeausschuss15.03.20171X Beschlussantrag Der Jugendhilfeausschuss nimmt dieVorlagezur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen)Xneinja Gesamtkostender Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) ISEK-Karlsruhe-2020-relevantneinXjaHandlungsfeld:Sozialer Zusammenhalt und Bildung Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO)Xneinjadurchgeführt am Abstimmung mit städtischen GesellschaftenXneinjaabgestimmt mit Ergänzende ErläuterungenSeite2 Wie werden die Angebote der Offenen Kinder-und Jugendarbeit in Karlsruhe ge- nutzt?Ergebnisse einer Besucherinnen-/Besuchererhebung und-befragung Der Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe(stja)führte 2016 zum ersten Mal eine breit angelegte Erhebung und Befragung in seinen Kinder-und Jugendhäusern durch. Das Interesse galt vor- rangig den offenen Bereichender Einrichtungen. Um fundierte und möglichst objektive Daten zu bekommen,wurde die Firma „Explanandum Gesellschaft für empirische Sozialforschung“ mit der Durchführung beauftragt. Dieses Unternehmen verfügt über mehrjährige Erfahrungen mit vergleichbaren Untersuchungen bei der Jugendhaus gGmbHStuttgart. Sowohl die Erhe- bung alsauch die Befragung werden vomMinisterium für Soziales und Integration Baden- Württembergim Rahmen eines Förderprogramms „Reichweitenuntersuchung Kinder-und Ju- gendarbeit/Jugendsozialarbeit“ bezuschusst. Ziel der Erhebung war es, belastbare Zahlen über die Besuchsfrequenz der Kinder-und Jugend- häuser zu erhalten.Die Erhebung und die daraus zu ziehenden Rückschlüsse greifen damit auch den Impuls des SPD-Antrags „Jugendarbeit stärken–Entwicklungspotentiale in den Jugendhäu- sern in den Blick nehmen“ weiter auf. Mit einer zusätzlich durchgeführten Befragung der Jugendlichen ab 12 Jahren sollten zudem verwertbare Aussagen über die Zusammensetzung und Herkunft der Jugendlichen, ihr Nutzer- verhalten, ihre Aktivitäten in den Kinder-und Jugendhäusernund ihre Motivation diese zu be- suchen, gewonnen werden. Besonderes Interesse galt den Einschätzungen der Jugendlichen zur Partizipationinnerhalb und außerhalb derEinrichtungen. Die Erhebungund Befragung wurde in einemsechswöchigen Zeitraum von Februar bis März 2016 durchgeführt. Der stja plant in den Folgejahren periodisch weitere Erhebungen und Befragungen durchzufüh- ren. Dadurch sollen Veränderungen festgestellt und nachvollzogen werden.Die Befragung wird jeweils mit aktuellen Themen, die die Jugendlichen beschäftigen,ergänzt. Die Ergebnisse fließen beim stjain Entwicklungs-und Steuerungsprozesse ein. 1.Ergebnisse der Besucherinnen-/Besucherzählung Die Besucherinnen und Besucherderoffenen Bereichealler stadtteilorientierter Kinder-und Jugendhäuser wurden durch externe Zählung in8Jugendhäusern und interne Kontrollzählung in allen 19 Jugendhäusern erfasst. Hieraus wurden nach Plausibilisierung der Daten durchdie FirmaExplanandumJahreswerte für alle Einrichtungen und ein Gesamtwert hochgerechnet. Um dieReichweite der Einrichtungen vollständig abzubilden, wurdenzusätzlich zu den offenen Be- reichendie Teilnehmerinnen und Teilnehmer gruppenbezogener Angebote, von Veranstaltun- gen,Projekten und Kooperationen mit Schulen auf Grundlage der Jahresberichte separat er- fasst. Ebenfalls gesondert ermitteltedie FirmaExplanandum anhand derJahresmeldungen die Besucherinnen-/Besucherfrequenzen der 9 Einrichtungen des stja mit stadtweitem Wirkungs- kreis (Musikmobil Soundtruck, Mobile Spielaktion, Jubez, Aktionspark Otto Dullenkopf,Jugend- freizeit-und Bildungswerk, Fanprojekt, Jugendagentur, Anne Frank-Haus und KLEVER).Ausge- nommen war die Jugendfreizeit-und Bildungsstätte Baerenthal. Aufgrundsehr unterschiedlicher Bedingungen, wie beispielsweise Größe und Standort,ergaben sich für die Einrichtungen erheblich voneinander abweichende Besuchszahlen. Die durchschnitt- liche Tagesbesuchszahl der Einrichtungen lag zwischen 46 und 188 Kindern und Jugendlichen. Für alle stadtteilbezogenen Einrichtungen hochgerechnet errechnete sich ein Jahreswert von Ergänzende ErläuterungenSeite3 333.536Besucherinnen und Besuchern, davon 243.007in den offenen Bereichen und 90.529 in gruppenbezogenen Angeboten und Veranstaltungen. Für die stadtweiten Einrichtungen wurden in der Summe 167.768 Besucherinnen und Besucher ermittelt. Die Addition ergibt einen Jahreswert für den stja-ohne Schülerhorte undGanztages- schulen-von501.304Kindern und Jugendlichen. Sehr positiv ist der ermittelte Wertzur Verweildauer der Kinder und Jugendlichen in den Einrich- tungen:Mit 2,08 Stunden pro Besuchstag liegt der Wert deutlich höher als in einer vergleichba- ren Untersuchung inStuttgart. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich die Besucherinnen und Besucher inden Kinder-und Jugendhäusern wie zuHausefühlen. 2. Ergebnisse der Besucherinnen-/Besucherbefragung Befragt wurden Besucherinnen und Besucher ab 12 Jahre. In den 8 Einrichtungen wurde die Befragung per Interviewbogen vonder FirmaExplanandum selbstdurchgeführt, in allen ande- ren Einrichtungen konnten die Jugendlichen online teilnehmen. 2.1 Soziodemographische Ergebnisse 2.1.1 Altersstruktur Die Kinder-und Jugendhäuser werden im Schnitt zu 38Prozentvon Kindern bis 12 Jahre und zu 62Prozentvon Jugendlichen und jungen Erwachsenen besucht. Detaillierte Angaben lieferte die Befragung der Besucherinnen und Besucher über 12 Jahre:90,9 Prozentder Jugendlichen sind zwischen 12 und 21 Jahre alt. Nur9,1 Prozentder Befragten gibt an älter als 21 Jahre zu sein. Diese Werte belegen, dass die Einrichtungen exakt das gewünschte Altersspektrum errei- chen. 2.1.2 Herkunft Knapp 69Prozentder befragten Besucherinnen und Besucher geben an, einen einfachen oder doppelten Migrationshintergrund zu haben. Dieses Ergebnis überrascht nicht. Es unterstreicht die hohe Bedeutung und Verantwortung der Offenen Kinder-und Jugendarbeit für die Integra- tion zugewanderter junger Menschen. 2.1.3 Status Der schulische und berufliche Status der Besucherinnen und Besucher weist ein breites Spekt- rum auf, wobei der Anteil der Schülerinnen und Schüler und Auszubildenden gegenüber dem Anteil der Berufstätigen naturgemäß deutlich überwiegt. 35,3 Prozentder Befragten gibt an, die Werkrealschule zu besuchen. Realschüler und Gymnasiasten sind mit insgesamt 32,6 Pro- zentetwas geringer in den Kinder-und Jugendhäusern vertreten. 2.1.4 Mädchen-und Jungenanteil Mit einem Drittel ist der Anteil der Mädchen in den Offenen Bereichen der Kinder-und Jugend- häuser objektiv betrachtet gering.Allerdings stellt das Karlsruher Ergebnis keine Besonderheit dar, in anderen Städten zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Gründe hierfür werden seit Jahren dis- kutiert, unter anderem scheinen siein der ungleichen Erziehung von Mädchen und Jungenzu liegen, wobei kulturelle Einflüsse eine maßgebliche Rolle spielen. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass es im Freizeitverhalten von Mädchen-und Jungen nach wie vor starke Unterschiede gibt. Mädchen scheinen konkrete und überschaubare Freizeitangebote zu bevorzugen. Darin könnte ein Grund liegen,warum sie in den offenen Freizeit-und Bildungsangeboten unterre- Ergänzende ErläuterungenSeite4 präsentiert sind. Da sich der prozentuale Anteil der Mädchen in den Kinder-und Jugendhäusern erheblich unterscheidet–in einigen Einrichtungen liegt der Mädchenanteil bei fast 50 Prozent- werden die Gründe hierfürbeim stjaerneut tiefer betrachtet und bewertet. 2.1.5 Einzugsgebiet Mit Spannung wurden die Ergebnisse zum Einzugsgebiet der Kinder-und Jugendhäuser erwar- tet. Aufgrund von Veränderungen in derSchullandschaft,insbesondere durch den Wegfall eini- ger stadtteilbezogener Werkrealschulen und steigende Schülerzahlen an Gymnasiensowie der permanenten digitalen Konnektivität junger Menschen, nimmt die Mobilität Jugendlicher aller Milieus zu. DieseThese, die Praktikerinnen und Praktiker durch Beobachtung im Alltag machen, wird durch die Befragungsergebnisse allerdings nur teilweise belegt. Zwar gibt es Einrichtungen, die erkennbar viele Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten Stadtgebiet haben,nach wie vor wird die Mehrzahl der Kinder-und Jugendhäuser aber zu 75 Prozentund mehr von Jugendlichen aus dem nahen Umfeld besucht. Mehr Aufschluss über Veränderungen der Ein- zugsbereiche der Kinder-und Jugendhäuser werden von zukünftigen Untersuchungenerwartet. 2.2 Die Bedeutung des Jugendhauses für die Besucherinnen und Besucher Bereits die Feststellung der durchschnittlichen täglichen Verweildauer(siehe Punkt1) der Kinder und Jugendlichen zeigt, dass diese gerne in die Jugendhäuser kommen. Hierfürspricht auch, dass nahezu die Hälfte der Befragten ihr Kinder-und Jugendhaus täglich besuchen und über viele Jahre deren Stammgäste bleiben(circa60 ProzentüberdreiJahre).Auf die Frage,welche Bedeutung das Jugendhaus für sie im Vergleich zu anderenFreizeitaktivitäten hat, gaben 65 Prozentan, dass es eine sehr große, beziehungsweise große Bedeutung hat. 2.3 Was motiviert Jugendliche zum Besuch eines Jugendhauses? Weit oben steht das Bedürfnis, einen Ort zu haben, um sich mit Freundinnen und Freunden zu treffen. Moderne Freizeitbeschäftigungen, insbesondere Mediennutzung und Sport sind eben- falls wichtig. Das Freiwilligkeitsprinzip der Offenen Kinder-und Jugendarbeit nehmen die Be- fragten ebenfalls positiv wahr.Nahezu 65 Prozentgeben an, dass es ihnen im Jugendhaus sehr wichtig oder wichtig ist „auch mal in Ruhegelassen zu werden“ und über 68 Prozentschätzen es sehr, dass sie hier „selbst entscheiden können was sie tun“. Neben Selbstbestimmung und Peergroup ist den Besucherinnen und Besuchernwichtig, dass es im Jugendhaus erwachsene Ansprechpartnerinnen/Ansprechpartnergibt, diezuhören undvon denen man Hilfe bei Problemen bekommt. Die befragten Jugendlichen bestätigen damit die hohe Bedeutung, die niedrigschwellige, sozialpädagogische Arbeitneben der Freizeit-und au- ßerschulischen Bildungsarbeit in unseren Kinder-und Jugendhäusern hat. 2.4. Partizipation 2.4.1 Beteiligung in den Kinder-und Jugendhäusern Jungen Menschen Partizipation in unseren Einrichtungen zu ermöglichen und sie zu sozialem und demokratischem Engagement zu befähigen, gehört zum grundlegenden Charakter und Auftrag der Offenen Kinder-und Jugendarbeit. Ein Schwerpunkt der Befragung Jugendlicher bezog sich deshalb auf deren Wahrnehmung und Bewertung ihrer Partizipationsrechte.Deutlich über 70 Prozentaller Jugendlichen geben an, dass ihnen bei Programm, Ausstattung und Raumgestaltung in den Jugendhäusern Mit-und Selbstgestaltungsrechte eingeräumt werden. Naturgemäß weniger, aber immer noch zwischen 30 und 40 Prozentgeben an,bei Öffnungs- zeiten, Hausregeln und Servicepreisen mitsprechen zu können. Hier stößt das Beteiligungsrecht an strukturelle Grenzen. Das ‚Gros‘ der Jugendlichen bewertet ihr Mitspracherecht als umfäng- lich ausreichend. Ergänzende ErläuterungenSeite5 2.4.2 Jugendkonferenz Der Bekanntheitsgrad der Jugendkonferenz als stadtweiter Beteiligungsplattform liegt bei den befragten Jugendhausbesucherinnen undJungendhausbesuchern bei annähernd 50 Prozent. Aktiv an einer Jugendkonferenz teilgenommen haben allerdings nur etwa 13Prozentder Be- fragten. Um Besucherinnen und Besucher der Kinder-und Jugendhäuser noch mehr an die Be- teiligung im sozialen und kommunalen Umfeld heranzuführen,sind deshalb zusätzliche An- strengungen erforderlich. Derzeit laufen in allen Einrichtungen intensive Kampagnen zur Vorbe- reitung der 4. Jugendkonferenz im Mai dieses Jahres. Dass den hauptamtlichen Pädagoginnen und Pädagogen der Kinder-und Jugendhäuser hierbei eine wichtige Rolle zukommt, wird ihnen von den Jugendlichen eindeutigbescheinigt: 59,6 Prozentwürden sich, wenn sie eine Idee oder Beschwerde hätten,an sie wenden. 3. Fazit Die erhobenen Zahlen belegen, dass die offenen Angebote der Kinder-und Jugendhäuser von Kindern und Jugendlichen sehr gut angenommen werden. Sie sind für vielewieein zweites Zuhause,somit haben die Einrichtungen eine wichtige Sozialisationsfunktion. Im Vordergrund des Interesses an Kinder-und Jugendhäusern stehen für Jugendliche das Gemeinschaftsangebot und interessante Freizeitangebote. Aber in gleichem Maße wichtig ist esden Jugendlichen,dort verlässliche erwachsene Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu haben. Sehr positiv werden von Jugendlichen ihre Beteiligungs-und Mitwirkungsmöglichkeiten bewertet. Insge- samt ergeben die Rückmeldungen der Jugendlichen ein sehr positivesBild über die in den Kin- der-und Jugendhäusern geleistete Arbeit.