Lebenssituation von Senioren und Seniorinnen mit geistigen Behinderungen

Vorlage: 2017/0107
Art: Anfrage
Datum: 10.02.2017
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 14.03.2017

    TOP: 46

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • GRÜNE Lebenssituation von Senioren und Seniorinnen mit geistigen Behinderungen
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2017/0107 Lebenssituation von Senioren und Seniorinnen mit geistigen Behinderungen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 14.03.2017 46 x 1. Wie viele Menschen mit geistiger Behinderung, die derzeit in geschützten Werkstätten oder anderen Arbeitsplätzen tätig sind, werden in den nächsten fünf Jahren das Rentenalter errei- chen (belegte Zahlen oder Schätzungen)? 2. Welche Konzepte bestehen, diesen Menschen auch in ihrem Ruhestand eine Tagesstruktur anzubieten? Inwiefern werden dabei allgemeine Angebote der Seniorenarbeit der Stadt bzw. der Freien Träger genutzt? Wenn zutreffend, welche Erfahrungen wurden damit gemacht? 3. Wie werden die betroffenen Personen in die Entwicklung ihrer zukünftigen Tagesstruktur mit einbezogen? 4. Inwiefern werden z.B. in den Werkstätten schon frühzeitig besondere Interessen herausgear- beitet? Werden die Werkstätten in das Angebot für die Tagesstruktur einbezogen, z.B. um Kontakte zu früheren Kolleg*innen nicht abreißen zu lassen? 5. Gibt es Kooperationen z.B. mit Sportvereinen, Kirchengemeinden, etc.? Sachverhalt / Begründung: Aufgrund des medizinischen Fortschritts erreichen Menschen mit geistigen oder anderen Einschrän- kungen mittlerweile häufig ein hohes Lebensalter. Für viele Menschen, die in einer Werkstatt oder auf einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz beschäftigt sind, fällt mit dem Eintritt ins Rentenalter ein wichtiges Stück Tagesstruktur weg, gleichzeitig treten altersbedingte Einschränkungen auf. Insbesondere für Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen sind eine Tagesstruktur und eine Bewältigung der Einschränkungen jedoch von großer Bedeutung. Bisher bestehen nur wenige Angebote für diese Personengruppe, wahrscheinlich weil die Zahl älterer Menschen mit Behinderungen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten sehr niedrig war (durch die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen während des Nationalsozialismus). Daher ist es wichtig, bestehende Angebote für diese Personen zu erweitern oder neu zu schaffen. Diese An- gebote sollten an deren altersspezifischen und individuellen Bedürfnissen angepasst werden können. Die Anfrage zielt darauf ab, einen Überblick über vorhandene Angebote für Senior*innen mit psychi- schen Beeinträchtigungen zu erhalten, sowie Ansatzpunkte für Weiterentwicklungen anzustoßen, die den altersspezifischen und individuellen Bedürfnissen dieser Menschen gerecht werden. unterzeichnet von: Michael Borner Verena Anlauf Renate Rastätter

  • Stellungnahme TOP 46
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Michael Borner, GRÜNE Stadträtin Verena Anlauf, GRÜNE Stadträtin Renate Rastätter, GRÜNE vom: 07.02.2017 Vorlage Nr.: 2017/0107 Verantwortlich: Dez. 3 Lebenssituation von Seniorinnen und Senioren mit geistigen Behinderungen Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 14.03.2017 46 x 1. Wie viele Menschen mit geistiger Behinderung, die derzeit in geschützten Werkstätten oder anderen Arbeitsplätzen tätig sind, werden in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen (belegte Zahlen oder Schätzungen)? In Karlsruhe erreichen voraussichtlich 31 Menschen, die derzeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) arbeiten und geistig behindert sind, in den nächsten fünf Jahren die Regelal- tersgrenze. Menschen mit geistiger Behinderung gehören in Deutschland überwiegend einer Generation an, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde. Die erste Nachkriegsgeneration steht kurz vor dem Ruhestand oder hat ihn zum Teil schon erreicht. Die Studie "Der demografische Wandel bei Erwachsenen mit geistiger Behinderung" von Friedrich Dieckmann und Christos Giovis zeigt, dass die aktuelle durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen mit geistiger Behinderung in stationä- ren Wohneinrichtungen in Westfalen 72,8 Jahre beträgt, die von Männern 71 Jahre. Die Lebens- erwartung ist immer noch deutlich geringer als die der Gesamtbevölkerung. Allerdings hat sie sich in den letzten Jahrzehnten überproportional erhöht. 2. Welche Konzepte bestehen, diesen Menschen auch in ihrem Ruhestand eine Tagesstruk- tur anzubieten? Inwiefern werden dabei allgemeine Angebote der Seniorenarbeit der Stadt bzw. der Freien Träger genutzt? Wenn zutreffend, welche Erfahrungen wurden damit gemacht. Die Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften Karlsruhe (HWK) als Träger von Werkstatt- plätzen für Menschen mit überwiegend geistigen Behinderungen entwickelten aufgrund der oben genannten Altersentwicklung im Jahre 2009 ein Projekt „Individuelle Ruhestandsgestaltung für Seniorinnen und Senioren mit einer geistigen Behinderung“. Das Projekt endete im Jahr 2011. Seitdem werden von den HWK fortlaufend die Grundlagen einer qualifizierten Beratung und Be- gleitung älterer Menschen mit Behinderung weiterentwickelt. Beispiele:  Beratung für ältere Menschen mit Behinderung im Umgang mit dem Älterwerden. Konkrete Kursangebote, wie Seniorenstammtisch, Biografiearbeit, Gesprächskreise usw.  Beratung und Schulung der Mitarbeitenden in Bezug auf neue Aufgaben.  Einführung des Steuerkreises Seniorenarbeit für die strukturelle und organisatorische Weiter- entwicklung in Bezug auf das Älterwerden der Menschen mit Behinderung.  Stabsstelle Fachberatung für Seniorinnen und Senioren mit Behinderung als Koordinatorin und Ansprechpartnerin zu allen Themen des Älterwerdens mit Behinderung.  Entwicklung von geregelten Begleitungsprozessen in Form eines Wegweisers für Senioren mit Behinderung und Verankerung der Grundlagen im Qualitätsmanagementsystem der HWK. Seite 2 Die Information über die Angebote der Seniorenarbeit der Stadt und der Freien Träger sind Be- standteil dieser Kurse. Diese stehen auch Menschen mit Behinderungen zur Verfügung. Die Ange- bote werden eher vereinzelt genutzt. Viele nutzen die Offenen Angebote der Lebenshilfe. Hier können sie mit anderen etwas unternehmen, ein Konzert besuchen oder in den Zoo gehen. 3. Wie werden die betroffenen Personen in die Entwicklung ihrer zukünftigen Tagesstruk- tur mit einbezogen? Die HWK bietet älteren Beschäftigten in den oben genannten Kursen die gemeinsame Vorberei- tung für die bevorstehende Rentenphase an. Um Schritt für Schritt in den Ruhestand hineinwach- sen zu können, beginnt die Vorbereitung darauf schon während der Arbeitszeit. In den Kursen werden von den Teilnehmenden Ideen und Vorstellungen entwickelt, wie die neue Lebensphase gestaltet werden kann. Den eigenen Hobbys nachgehen, Freunde treffen, eine Aufgabe überneh- men, sich entspannen – Möglichkeiten, den eigenen Ruhestand zu gestalten, gibt es zahlreiche. Die Vorstellungen darüber sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Darin unterscheiden sich künftige Rentnerinnen und Rentner mit Behinderung nicht von ihren Altersgenossen ohne Behinderung. 4. Inwiefern werden zum Beispiel in den Werkstätten schon frühzeitig besondere Interes- sen herausgearbeitet? Werden die Werkstätten in das Angebot für die Tagesstruktur einbezogen, zum Beispiel um Kontakte zu früheren Kolleginnen und Kollegen nicht ab- reißen zu lassen? Viele der heutigen Rentnerinnen und Rentner haben lange Zeit in der Werkstatt gearbeitet, dort wurden Beziehungen aufgebaut und sind Freundschaften entstanden. Die älteren Beschäftigten werden frühzeitig auf die Kurse zur Vorbereitung der Rentenphase hingewiesen und nehmen die- se wahr. Hier werden vorhandene Interessen herausgearbeitet und neue Möglichkeiten der Betäti- gung entwickelt. Die Werkstätten werden in das Angebot einer Tagesstruktur mit einbezogen, denn den Menschen ist der weitere Kontakt zu ehemaligen Kolleginnen und Kollegen und den Gruppenleiterinnen und -leitern wichtig. So ist die Teilnahme am Mittagessen oder an Ausflügen möglich und wird ge- nutzt. 5. Gibt es Kooperationen zum Beispiel mit Sportvereinen, Kirchengemeinden etc.? Auf der Grundlage der Wünsche der Menschen haben sich Kooperationen entwickelt. Manche Rentnerinnen und Rentner besuchen Angebote in der Nachbarschaft wie den Seniorennachmittag in der Kirchengemeinde oder sie gehen zur Gymnastik, besuchen die Seniorentagesstätte, und machen Besuche in einem Pflegeheim. Zitat eines Berichtes der HWK „Viele der heutigen Rentner haben lange Zeit in der Werkstatt ge- arbeitet und sind froh, im Ruhestand mehr Freiheit bei der Gestaltung ihres Alltags zu haben. Für sie reicht es aus, wenn nur ab und zu eine Unternehmung geplant wird. Wer immer Teil einer Gruppe war und sich immer nach anderen richten musste, der genießt es im Alter, auch mal für sich sein zu können.“

  • Protokoll TOP 46
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 36. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 14. März 2017, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 43. Punkt 46 der Tagesordnung: Lebenssituation von Senioren und Seniorinnen mit geistigen Behinderungen Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2017/0107 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 46 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 10. April 2017