Majolika-Relief im Postgebäude am Entenfang
| Vorlage: | 2017/0078 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 06.02.2017 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Mühlburg |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 14.03.2017
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2017/0078 Majolika-Relief im Postgebäude am Entenfang Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 14.03.2017 42 x 1. Aus welcher Zeit stammt das Relief und welchen Schutzstatus hat es? 2. Ist der Stadtverwaltung bekannt von welcher Künstlerin oder welchem Künstler das Relief entworfen wurde und wer die Auswahl für das Majolika-Relief getroffen hat? 3. Wie beurteilt die Stadtverwaltung den künstlerischen Wert des Reliefs? 4. Wie beurteilt die Stadtverwaltung die identitätsstiftende Funktion des Reliefs für den Stadtteil Mühlburg? 5. Von welchem Kostenrahmen müsste man für den Ausbau des Reliefs sowie den Einbau in eine andere Gebäudewand ausgehen? 6. Welchen Prozess schlägt die Stadtverwaltung für die Entscheidungsfindung vor? Inwiefern sieht sie es als sinnvoll an, die Kunstkommission mit dieser Aufgabe zu betrauen? Sachverhalt / Begründung: Vielen BürgerInnen in Mühlburg ist seit Jahrzehnten das Majolika-Relief an der linken Seitenwand des Postgebäudes am Entenfang bekannt und vertraut. Laut Medienberichten setzt sich der Vorsitzende des Bürgervereins Mühlburg dafür ein, dass das Majolika-Relief beim Abriss des veralteten Gebäudes erhalten bleiben kann. Nach diesen Berichten hat sich der Bürgervereinsvorsitzende an einige – aber nicht an alle – Fraktionen gewandt und es wurden bereits briefliche Anfragen an die Verwaltung ge- richtet, deren genauer Inhalt jedoch nicht öffentlich bekannt ist. Bei Entscheidungen zu „Kunst am Bau“ handelt es sich um Fragen, die öffentliche Interessen behan- deln. Schließlich geht es um lang andauernde Gestaltungsfragen des öffentlichen Raums. Die GRÜNE Fraktion ist daher der Ansicht, dass die Klärung der Sachverhalte und der Entscheidungsprozesse zum möglichen Relieferhalt transparent vollzogen werden sollten. Mit dieser Anfrage soll zum einen geklärt werden, wie der künstlerische Wert des Reliefs und die Be- deutung des Erhalts einzuschätzen ist. Zum anderen sollte der Aufwand eines möglichen Ausbaus und erneuten Einbaus offen gelegt werden. Außerdem ist aufzuzeigen, welche weiteren Wege der Ent- scheidungsprozess nehmen könnte. unterzeichnet von: Renate Rastätter Dr. Ute Leidig Verena Anlauf
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Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2017/0078 Dez. 2 Majolika-Relief im Postgebäude am Entenfang Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 14.03.2017 42 x 1. Aus welcher Zeit stammt das Relief und welchen Schutzstatus hat es? Das Relief wurde im Zuge des Gebäudebaus Ende der 50er Jahre angebracht. Das Relief steht nicht unter Denkmalschutz, auch das Gebäude wird nicht als schützenwertes Baudenkmal be- wertet. 2. Ist der Stadtverwaltung bekannt, von welcher Künstlerin oder welchem Künstler das Relief entworfen wurde und wer die Auswahl für das Majolika-Relief getrof- fen hat? Die Wandarbeit soll gemäß Bericht der BNN vom 9. Februar 2017 von dem Maler, Grafiker und Bildhauer Karl Rödel stammen. Der Bericht stützt sich auf einen Bericht eines früheren Mitarbei- ters der Majolika, der das Wandbild nach dem Entwurf des mit Keramikarbeiten nicht erfahre- nen Karl Rödel gefertigt hat. In der Zwischenzeit wurden im Generallandesarchiv entsprechende Belege gefunden, die von einer ehemaligen Geschäftsführung bestätigt wurden. Karl Rödel wurde 1907 in Neu-Isenburg geboren. Ab 1929 studierte er an der Kunstgewerbe- schule Burg Giebichenstein in Halle/Saale u.a. bei Charles Crodel, Gerhard Marcks und Herbert Post. Sein Studium setzte er 1933 an der Akademie Leipzig fort und schloss eine Ausbildung zum Restaurator an. Nach Kriegsdienst und Zerstörung seines Ateliers in Berlin leitete er ab 1947 fünf Jahre lang die Klasse für Lithografie an der Kunstschule Burg Giebichenstein. 1952 siedelte er nach Mannheim über, wo er ein Jahr später mit städtischer Hilfe die Kunstschule Mannheim gründete. Es folgten zahlreiche Reisen, auf denen er u.a. mit Nina Kandinsky, Pablo Picasso und Marc Chagall zusammentraf. 1961 nahm er einen Lehrauftrag am Institut für Kunsterziehung in Saarbrücken an. Karl Rödel starb 1982 in Mannheim. In Mannheim realisierte Rödel an verschiedenen Kirchen Kirchenfenster und ein Altarbild. In Karlsruhe soll Karl Rödel neben der Keramik-Wandarbeit in Mühlburg eine weitere Keramik- wand für das Gebäude der Gemeindeprüfungsanstalt Baden-Württemberg in der Hoffstraße gestaltet haben, auch diese in Zusammenarbeit mit der Majolika-Manufaktur. Über das Künstlerauswahlverfahren für die Kunst-am-Bau-Gestaltung am ehemaligen Postge- bäude in Mühlburg ist der Verwaltung nichts bekannt. 3. Wie beurteilt die Stadtverwaltung den künstlerischen Wert des Reliefs? Ausgehend von der Annahme, dass Karl Rödel der Künstler des Wandbildes ist, ist festzustellen, dass das Bild von einem in der Region und über die Region hinaus anerkannten Künstler gestal- tet worden ist. Karl Rödel hatte sich durch sein Studium in Halle und Leipzig und durch seine Lehrtätigkeit an der Burg Giebichenstein Halle einen guten künstlerischen Ruf erworben. In Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Mannheim fand er in den 50er Jahren künstlerische Anerkennung, die sich in verschiedenen kirchlichen Aufträgen (Altarbild und Kirchenfenster) ebenso zeigte wie in der städtischen Unter- stützung für die Gründung einer Kunstschule. Auch als Grafiker fand er Anerkennung. Das Relief in Mühlburg ist Ausdruck der Auseinandersetzung des im Südwesten geschätzten Künstlers mit der Formensprache der Nachkriegszeit und ihrer Auflösung. Es steht in engem Zusammenhang mit der Architektur des ehemaligen Postgebäudes und muss als künstlerisch gelungenes Beispiel für Kunst am Bau in dieser Zeit angesehen werden. 4. Wie beurteilt die Stadtverwaltung die identitätsstiftende Funktion des Reliefs für den Stadtteil Mühlburg? Das Majolika-Bild ist die einzige großflächige künstlerische Wandarbeit am Entenfang. Es ist an der nordöstlichen Giebelseite zur Sophienstraße hin angebracht und von der Rheinstraße aus nur eingeschränkt wahrnehmbar. Nicht zuletzt durch die öffentlichen Diskussionen hat es je- doch eine Aufmerksamkeit erlangt, die über die eigentliche Ausstrahlung in den öffentlichen Raum hinausgeht und die derzeit durchaus identitätsstiftende Wirkung für Mühlburg hat. 5. Von welchem Kostenrahmen müsste man für den Ausbau des Reliefs sowie den Einbau in eine andere Gebäudewand ausgehen? Eine Kostenschätzung liegt noch nicht vor, es ist jedoch für den Ausbau des Reliefs und für die Anbringung an einem Neubau sicherlich von einem mittleren fünfstelligen Betrag auszugehen. 6. Welchen Prozess schlägt die Stadtverwaltung für die Entscheidungsfindung vor? Inwiefern sieht sie es als sinnvoll an, die Kunstkommission mit dieser Aufgabe zu betrauen? Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Immobilien-GmbH Golden Gate Projektentwick- lung. Nach derzeitiger Planung ist nicht vorgesehen, die Wandarbeit in den dort entstehenden Neubau zu integrieren. Andere Pläne des Bauherrn bezüglich der Wandarbeit sind nicht be- kannt. - Die Verwaltung schlägt vor, die Kunstkommission um eine Empfehlung zu bitten, ob das Relief bei einem Neubauvorhaben der Stadt oder einer städtischen Gesellschaft (Volkswoh- nung GmbH) als Kunst am Bau eingeplant werden solle. Bei positiver Entscheidung wären die in Frage kommenden Bauplanungen auf die Umsetzung des Vorhabens zu prüfen und die auf die Stadt Karlsruhe konkret entfallenden Kosten für die Sicherung und Umsetzung des Reliefs zu ermitteln. Auf dieser Grundlage kann der Gemeinderat über die planerische und kostenmäßige Realisierbarkeit entscheiden.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 36. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 14. März 2017, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 39. Punkt 42 der Tagesordnung: Majolika-Relief im Postgebäude am Entenfang Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2017/0078 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 42 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 10. April 2017