Maßnahmen gegen das Schilfsterben am Knielinger See

Vorlage: 2017/0046
Art: Anfrage
Datum: 25.01.2017
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Zentraler Juristischer Dienst
Erwähnte Stadtteile: Daxlanden

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 14.03.2017

    TOP: 38

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • GRÜNE Maßnahmen gegen das Schilfsterben am Knielinger See
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2017/0046 Maßnahmen gegen das Schilfsterben am Knielinger See Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 14.03.2017 38 x 1. Wie haben sich die Schilfbestände an den unter Naturschutz stehenden Gewässern auf der Gemarkung der Stadt Karlsruhe in den letzten Jahren entwickelt? 2. Wie wirkt sich der Rückgang des aquatischen Schilfs im Naturschutzgebiet Knielinger See (Alt- rhein Maxau) auf die Artenvielfalt von Fischen, Vögeln und Insekten aus? 3. Welche Erkenntnisse liegen der Stadtverwaltung über die Ursachen des Rückgangs des aquati- schen Schilfs vor? Hält sie es für sinnvoll, ein wissenschaftliches Gutachten dazu in Auftrag zu geben? 4. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Entwicklung des Schilfröhrichts am Knielinger See zu fördern? 5. In welchem Entwicklungszustand befindet sich die sogenannte „Ernestinenwiese“ am nord- westlichen Ufer des Sees? Wird die Einrichtung einer Schilfentwicklungs- und Beobachtungs- zone im Uferbereich befürwortet, soweit sie mit den Zielen des Managementplanes Natura 2000 „Wintersdorf-Karlsruhe“ vereinbar ist? 6. Wird beabsichtigt, die Bootsanlegeplätze am Westufer durch die Förderung gemeinsamer Nut- zungen von Fischerbooten schrittweise zu reduzieren, um damit die Uferzonen für die Ent- wicklung von Schilfröhricht zu erweitern? 7. Welche alternativen Standorte könnten für eine Verlegung des am Südufer direkt an den See angrenzenden Bruthauses der Anglervereine auf der Gemarkung der Stadt Karlsruhe infrage kommen? Mit welchen Kosten müsste dabei gerechnet werden und käme eine öffentliche Un- terstützung durch die Naturschutzbehörden (Regierungspräsidium, Stadt) infrage? 8. Wird die Stadtverwaltung das Thema in einer der nächsten Sitzungen des Naturschutzbeirats auf die Tagesordnung nehmen? Sachverhalt / Begründung: Auf der Gemarkung Karlsruhe befinden sich einige wertvolle unter Naturschutz stehende Seen. Dazu gehören u. a. der Knielinger See, das Weingartner Moor und der Erlachsee. Ihre Schilfröhrichte bieten einer Vielzahl von spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensräume. Die Schilfhalme im Wasser bieten Laichplätze und Rückzugsräume für Jungfische. Viele Vogelarten, u. a. Haubentaucher, Blaukehlchen, Rohr- und Zwergdommeln, brüten im Schilf. Singvögel wie Zaunkönige, Rotkehlchen, Blau- und Kohl-meisen nutzen Röhrichte bei der Nahrungssuche. Amphibien und eine Vielzahl von Säugetieren leben zeitweise im Schilf. Im Spätsommer und zur Zugzeit werden Röhrichte von Staren, Rauch- und Uferschwalben sowie von Bachstelzen als Schlafplätze genutzt. Wegen des hohen ökologischen Stellenwerts der Röhrichte ist es deshalb sehr Besorgnis erregend, dass die aquatischen Schilfbestände am Knielinger See seit vielen Jahren stark zurückgehen. Bei einer Vorort-Begehung mit VertreterInnen der Natur- und Umweltschutzverbände NABU und BUND wurde uns erläutert, dass durch die Verringerung des Schilfröhrichts die dortige Artenvielfalt zunehmend bedroht wird. Seite 2 So sei z. B. die Zahl der Haubentaucher rückläufig. Die Hauptbedrohung für den See wurde 2014 durch die Umleitung des Federbachs zwar beseitigt, aber nach dieser Großmaßnahme müssen nun weitere Pflegeschritte folgen. Am wichtigsten ist die Einrichtung einer größeren Entwicklungszone auf der mit Gehölzen bewachse- nen Ernestinenwiese. Ein Teil der Gehölze müsste dazu gerodet und die Zone bis zum Ufer freigelegt werden, damit die Chance auch zur Entwicklung aquatischen Schilfs besteht. Die im Managementplan Natura 2000 empfohlene „Erhaltung der lebensraumtypischen Baumzusammensetzung und Habitats- strukturen im Wald (Altholz/Totholz/Habitatsbäume)“ sollte dabei beachtet werden. Hilfreich für die Entwicklung des aquatischen Schilfs wäre, wenn künftig keine Störungen mehr stattfänden und jegli- che Nutzung und Betretung unterbleiben würde. Eine lange Uferzone ist mit Bootsplätzen belegt. Die Stadtverwaltung sollte prüfen, wie die sehr hohe Zahl von rund 160 Anlegeplätzen für Fischerboote deutlich reduziert werden kann, um weitere Ent- wicklungszonen für Schilf zu gewinnen. Sinnvoll wäre außerdem eine Verlagerung des Bruthauses an einen ökologisch weniger sensiblen Standort, zumal der Anglerverein dazu seine Bereitschaft signali- siert hat. Die Stadt sollte deshalb nach Möglichkeiten suchen, den Anglerverein zu unterstützen, die- ses Vorhaben umzusetzen. Der Rückgang des aquatischen Schilfs ist in ganz Mitteleuropa festzustellen. Trotz verschiedener Un- tersuchungen gibt es bislang noch keine umfassenden Erkenntnisse zu den Ursachen. Es gelingt aber gelegentlich durch geeignete Pflegemaßnahmen, eine Regeneration zu erreichen. Deshalb wäre es hilfreich, für unsere Karlsruher Standorte ein wissenschaftliches Gutachten einzuholen, um ggf. zu- sätzliche Maßnahmen ergreifen zu können. unterzeichnet von: Renate Rastätter Johannes Honné Verena Anlauf Dr. Ute Leidig Zoe Mayer

  • Stellungnahme 38
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2017/0046 Dez. 5 Maßnahmen gegen das Schilfsterben am Knielinger See Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 14.03.2017 38 x 1. Wie haben sich die Schilfbestände an den unter Naturschutz stehenden Gewäs- sern auf der Gemarkung der Stadt Karlsruhe in den letzten Jahren entwickelt? 2. Wie wirkt sich der Rückgang des aquatischen Schilfs im Naturschutzgebiet Knielinger See (Altrhein Maxau) auf die Artenvielfalt von Fischen, Vögeln und Insekten aus? 3. Welche Erkenntnisse liegen der Stadtverwaltung über die Ursachen des Rück- gangs des aquatischen Schilfs vor? Hält sie es für sinnvoll, ein wissenschaftli- ches Gutachten dazu in Auftrag zu geben? Im Rahmen eines Treffens der “Burgau-Runde“ am 14.11.2016 am Knielinger See wurde das Problem des Schilfrückgangs am Knielinger See angesprochen. Gemäß Beobachtungen des Anglervereins Karlsruhe e.V. geht das Schilf vom Land zum Wasser zurück. Bzgl. der Ursachen kann derzeit nur spekuliert werden, da gemäß Literatur vielfache Ursachen und vor allem ein Ursachenmix möglich sind. Ein Einfluss von Schwänen und Gänsen (im vergangenen Jahr waren 82 Schwäne auf dem Knielinger See) wird nicht ausgeschlossen, zumal das Tiefbauamt diesen bei nachgepflanztem Schilf beobachtet hat. Auch im Naturschutzgebiet (NSG) „Altrhein kleiner Bodensee“ ist ein Rückgang des Schilfes, gefördert durch Gänse und Schwäne vom Umwelt- und Arbeitsschutz schon vor einigen Jahren festgestellt worden. Die Beeinträchtigung des Schil- fes erfolgt insbesondere durch Zertreten und Gründeln, wohl weniger durch Fressen. Die ökologische Bedeutung des Schilfs ist bekannt, quantitative Aussagen zur Beeinträchtigung der Artenvielfalt von Fischen, Vögeln und Insekten durch einen Schilfrückgang im NSG/LSG „Burgau“ liegen nicht vor. Eine 2015 / 2016 durchgeführte ornithologische Erhebung im NSG/LSG „Burgau“ bestätigt einerseits die noch immer hervorragende ornithologische Bedeu- tung des Knielinger Sees. Anderseits sind klar die Beeinträchtigungen durch Nutzer und Naturin- teressierte - die sich häufig nicht an das Wegegebot halten - erkennbar. Das Regierungspräsidi- um Karlsruhe hatte daher ein Besucherlenkungskonzept in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse seit 2016 diskutiert werden und teilweise in Umsetzung sind. Um zuverlässige quantitative Aussagen über den Schilfrückgang am Knielinger See zu erlangen, wurde Ende 2016 der Auftrag für das ökologische Monitoring des Sanierungsprojektes erwei- tert. Erkenntnisse werden im Herbst 2017 vorliegen. Die anerkannten Naturschutzverbände wurden Ende 2016 über die Beauftragung in Kenntnis gesetzt. Ergänzende Erläuterungen Seite 2 4. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Entwicklung des Schilfröhrichts am Knielinger See zu fördern? Zur Förderung des Schilfs wurden im Rahmen der Sanierung des Knielinger Sees in ausgewähl- ten Bereichen Schilfrhizome eingesetzt. In Teilen war dies erfolgreich, in anderen wie oben be- schrieben nicht. Das gesamte Sanierungsprojekt ist allerdings so angelegt, dass die Schilfaus- breitung gelingen könnte, denn die Wasserspiegelschwankungen, auf die Schilf sehr empfind- lich reagiert, werden auch langfristig gedämpft. Neben den Schilfbeständen am Knielinger See ist eine große Besonderheit des NSG/LSG „Burgau“ das große Schilfgebiet im Zentrum des Schutzgebietes. Auch hier gibt es seit vielen Jahren Bemühungen, in extremen Trockenphasen im Herbst oder Winter das Schilf vom Rand aus durch Mahd zu verjüngen. Der Frost im Januar 2017 konnte seit vielen Jahren erstmals für einen kleinen Mahdversuch im Inneren des Schilfgebietes genutzt werden. Der Erfolg ist abzu- warten. 5. In welchem Entwicklungszustand befindet sich die sogenannte „Ernestinenwie- se“ am nordwestlichen Ufer des Sees? Wird die Einrichtung einer Schilfentwick- lungs- und Beobachtungszone im Uferbereich befürwortet, soweit sie mit den Zielen des Managementplanes Natura 2000 „Wintersdorf-Karlsruhe“ vereinbar ist? Die Ernestinenwiese am nordwestlichen Ufer des Knielinger Sees ist ein zentraler Teil des Natur- schutzgebietes. Im Januar 2017 wurde in Abstimmung mit den Naturschutzverbänden, dem Naturschutzbeauftragten und dem Regierungspräsidium Karlsruhe eine Pflegemaßnahme durchgeführt, deren Ziele das Zurückdrängen von Gehölzaufwuchs und die Förderung von Schilf sind. Die Trockenheit und der Frost ließen optimales Arbeiten zu. Die Maßnahmen befin- den sich im Einklang mit dem Managementplan für das FFH- und Vogelschutzgebiet „Rheinnie- derung zwischen Wintersdorf und Karlsruhe“, dessen Bestandteil das NSG / LSG „Burgau“ ist. Die Ernestinenwiese ist Teil des Naturschutzgebietes, die Einrichtung einer Beobachtungszone bedürfte der Genehmigung durch das Regierungspräsidium Karlsruhe. Die Naturschutzverwal- tung befürwortet diese Beobachtungszone aus ökologischen Gründen nicht. 6. Wird beabsichtigt, die Bootsanlegeplätze am Westufer durch die Förderung gemeinsamer Nutzungen von Fischerbooten schrittweise zu reduzieren, um damit die Uferzonen für die Entwicklung von Schilfröhricht zu erweitern? Das Reduzieren von Anglerbooten am Westufer des Knielinger Sees mit dem Ziel, die Ufervege- tation zu fördern und die Beunruhigungen des Schutzgebietes zu reduzieren, wird seitens der Stadtverwaltung unterstützt. Verhandlungen mit dem Pächter, dem Anglerverein Karlsruhe e.V., laufen im Rahmen des Abschlusses eines neuen Pachtvertrages mit dem Verein. 7. Welche alternativen Standorte könnten für eine Verlegung des am Südufer di- rekt an den See angrenzenden Bruthauses der Anglervereine auf der Gemar- kung der Stadt Karlsruhe infrage kommen? Mit welchen Kosten müsste dabei gerechnet werden und käme eine öffentliche Unterstützung durch die Natur- schutzbehörden (Regierungspräsidium, Stadt) infrage? Die Verlegung des Bruthauses des Anglervereins Karlsruhe e.V. ist für eine positive Entwicklung des Schutzgebietes entscheidend, da durch das Bruthaus im zentralen Südwesten des Gebietes erhebliche Beunruhigungen und auch Flächeninanspruchnahmen (Parkplätze, Zufahrten) ausge- Ergänzende Erläuterungen Seite 3 hen. Die Verlegung des Bruthauses wird auch vom Verein gewünscht. Alternativstandorte z.B. in Daxlanden an der Alb sind im Gespräch, wurden aber noch nicht umfassend geprüft. Zu den Kosten sowie einer finanziellen Unterstützung können derzeit noch keine Aussagen ge- troffen werden. 8. Wird die Stadtverwaltung das Thema in einer der nächsten Sitzungen des Na- turschutzbeirats auf die Tagesordnung nehmen? Das Thema wird in einer der kommenden Sitzungen des Ausschusses für Umwelt und Gesund- heit und des Naturschutzbeirates behandelt werden.

  • Protokoll TOP 38
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 36. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 14. März 2017, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 38 der Tagesordnung: Maßnahmen gegen das Schilfsterben am Knielin- ger See Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2017/0046 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 38 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 10. April 2017