Klimaanpassungsmaßnahmen für starke Hitzewellen im Bereich Gesundheit

Vorlage: 2017/0033
Art: Anfrage
Datum: 18.01.2017
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 14.03.2017

    TOP: 35

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • GRÜNE Klimaanapassungsmaßnahmen für starke Hitzewellen im Bereich Gesundheit
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: 2017/0033 Klimaanpassungsmaßnahmen für starke Hitzewellen im Bereich Gesundheit Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 14.03.2017 35 x 1. Welche aktuellen Prognosen liegen der Stadt Karlsruhe über die gesundheitlichen Auswirkun- gen des Klimawandels durch starke Hitzewellen in Karlsruhe vor? 2. Welche Maßnahmen sieht die Stadtverwaltung aktuell vor, um gesundheitlichen und psychi- schen Problemen durch starke Hitzewellen und Hitzespitzen entgegen zu wirken? Welche Maßnahmen sind für besonders sensible Bereiche vorgesehen, wie dem Städtischen Klinikum oder den Altenpflegeeinrichtungen der Heimstiftung? 3. Wie beurteilt die Stadtverwaltung die baden-württembergischen Anpassungsstrategien für den Klimawandel im Bereich Gesundheit, wie “HeatScouts“ und die Einrichtung kommunaler Kühlstuben? 4. Welche der vorgeschlagenen Anpassungsstrategien des Bundes und der EU im Bereich Ge- sundheit könnten in die Anpassungsstrategie der Stadt Karlsruhe aufgenommen werden? 5. Wie bewertet die Verwaltung den potenziellen Nutzen, die Anpassungs-strategie der Stadt zu evaluieren und zu aktualisieren? Sachverhalt / Begründung: Hitzewellen sind extreme Wettererscheinungen, die negativ auf die Gesundheit wirken können. Nach Angaben des Umweltbundesamtes von 2016 wirken diese besonders in Innenstädten und Ballungs- räumen gesundheitsgefährdend auf Säuglinge, Kleinkinder sowie ältere oder pflegebedürftige Men- schen. Nach Prognosen des städtischen Berichts zu „Anpassung an den Klimawandel in Karlsruhe“ aus dem Jahr 2008 wäre die Stadt Karlsruhe hinsichtlich der Wärmeveränderung die am stärksten betroffene Stadt Deutschlands. Die heißen Tage (> 30°C) und damit auch die Zahl der Tropennächte werden sich schätzungsweise bis 2050 auf 32 Tage im Jahr verdoppeln. Dies birgt für die Gesundheit große Gefah- ren. Dies zeigte sich im extremen Hitzesommer 2003, als die Sterblichkeit in Baden-Württemberg ge- genüber dem langjährigen Mittelwert um mehr als 10 % anstieg. Das entsprach für die ersten beiden Augustwochen zusätzlich 1.100 Hitzetoten (Quelle: Bestandsaufnahme und Strategie für die Stadt Karlsruhe zur Klimaanpassung, 2013). Die Stadt Karlsruhe ist damit im Bereich der Klimaanpassung mit gesundheitlicher Relevanz besonders gefordert. Karlsruhe ist dabei vorbildlich bei vielen Maßnahmen sowohl gegen den Klimawandel als auch zur Anpassung an die Klimafolgen. Zuletzt wurde das durch die Auszeichnung als "Klimaaktive Kommu- ne" für das Projekt "Anpassung an den Klimawandel" gewürdigt. Über den aktuellen Standard hinaus sollten die Wirksamkeit bestehender Maßnahmen und Strategien sowie neue Anregungen im Bereich der Klimaanpassung stetig geprüft und weiterentwickelt werden. Der Bericht „Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Baden-Württemberg“ aus dem Jahr 2015 beschreibt verschiedene Ansätze im Bereich der Gesundheit, die in Kommunen umgesetzt wer- den können. Für großstädtische Verdichtungsgebiete werden kommunale, interkulturell kompetente Anlaufstellen („HeatScouts“) vorgeschlagen, die Information, praktische Unterstützung und Hilfe für besonders schutzbedürftige Personengruppen geben. Während der Hitzeperioden sollen laut Strate- Seite 2 giepapier auch kommunale, innerstädtische Kühlstuben bereitstehen. Dabei handelt es sich um klima- tisierte Räume, in denen sich vor allem ältere Menschen abkühlen können. Diese können zum Beispiel in öffentlichen Einrichtungen sein oder separate Räume in Kaufhäusern ohne Konsumzwang. Für Menschen in städtischen Einrichtungen, die aus eigener Kraft nicht für eine Abkühlung ihrer Auf- enthaltsräume sorgen können, wie PatientInnen des Klinikums oder BewohnerInnen von Altenpflege- einrichtungen, sind deren Träger zu besonderer Fürsorge verpflichtet. Laut Strategiepapier des Bundes sollen öffentliche Bauherren insbesondere in Gemeinschaftseinrich- tungen wie Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen für ausreichende Isolation und Kühlungs- möglichkeiten, möglichst durch solares Kühlen, sorgen. In der Karlsruher Bestandsaufnahme und Stra- tegie für die Stadt Karlsruhe von 2013 wird das Thema „Kühlung im Sommer“ bei Neubauten von Schulen und Kindergärten der Stadt bereits in ähnlicher Form berücksichtigt. Die Anfrage soll offen legen, in welcher Weise bestehende Konzepte der Stadt im Bereich der Klima- anpassung im Themenbereich Gesundheit weiterentwickelt werden könnten. unterzeichnet von: Zoe Mayer Michael Borner Verena Anlauf Renate Rastätter

  • Stellungnahme TOP 35
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage GRÜNE-Gemeinderatsfraktion Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2017/0033 Dez. 5 Klimaanpassungsmaßnahmen für starke Hitzewellen im Bereich Gesundheit Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 14.03.2017 35 x 1. Welche aktuellen Prognosen liegen der Stadt Karlsruhe über die gesundheitli- chen Auswirkungen des Klimawandels durch starke Hitzewellen in Karlsruhe vor? Die Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Baden-Württemberg gibt über die Darstel- lung der „Klimatischen Leitplanken“ für die nahe (2021-2050) und ferne Zukunft (2071-2100) darüber Auskunft, auf welche klimatischen Rahmenbedingungen sich Kommunen in Baden- Württemberg einstellen müssen. Die Stadt Karlsruhe orientiert sich dabei an den Ergebnissen der Klimaprojektionen. Bezüglich der Kennzahlen Wärme- und Hitzeentwicklung besteht eine große Richtungssicherheit. Die Zahl der Sommertage (t max ≥ 25°C) kann im landesweiten Durch- schnitt von heute 30 Tagen in der nahen Zukunft um eine Bandbreite von 4 bis 18 Tagen, in der fernen Zukunft sogar um 20 bis 44 Tage zunehmen. Bei der Kennzahl der Hitzetage (t max ≥ 30°C) ergibt die Projektion bei heute 4 Tagen für die nahe Zukunft zusätzlich 2,7 Hitze- tage, für die ferne Zukunft weitere 20,8 Hitzetage. Aufgrund der Lage im Oberrheingraben wird die Stadt Karlsruhe hier besonders betroffen sein und sieht sich dementsprechend großen Herausforderungen gegenüber. Zu nennen sind vor allem gesundheitliche Belastungen (z.B. Hyperthermie), insbesondere auch unter Berücksichtigung des demographischen Wandels, sowie das Ausbreiten Allergie auslösender Pflanzenarten oder parasitärer Überträger von Infektionen. 2. Welche Maßnahmen sieht die Stadtverwaltung aktuell vor, um gesundheitli- chen und psychischen Problemen durch starke Hitzewellen und Hitzespitzen entgegen zu wirken? Welche Maßnahmen sind für besonders sensible Bereiche vorgesehen, wie dem Städtischen Klinikum oder den Altenpflegeeinrichtungen der Heimstiftung? Im Sommer 2003 starben hitzebedingt 29 Menschen in den stationären Pflegeeinrichtungen in Karlsruhe. In keiner anderen Stadt in Baden-Württemberg waren so viele Hitzetote zu beklagen. Die dramatischen Erfahrungen haben zu einer hohen Sensibilität aller Verantwortlichen geführt. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, dem Seniorenbüro, dem Geriatrischen Zentrum und den Trägern der Einrichtungen wurden umgehend „Hitzestandards“ erarbeitet. Darüber hinaus wurden Hitzewarnsysteme in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) eingerichtet, um kritische Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser, Alten- und Pflegehei- me zeitnah über drohende Hitzeextreme zu informieren. Gewarnt wird täglich per E-Mail für den aktuellen und den Folgetag, wenn die „gefühlte Temperatur“ die Warnschwelle von 32 °C (Warnung vor starker Wärmebelastung) bzw. 38 °C (Warnung vor extremer Wärmebelastung) Ergänzende Erläuterungen Seite 2 überschreitet. Die Heimstiftung Karlsruhe leitet die E-Mail über die Pflegedienstleitung an die Wohnbereiche weiter. Folgende Maßnahmen werden dann durchgeführt:  Lüften früh morgens und abends sowie in der Nacht  Sonnenschutz-Verdunkelung der Räume, Sonnenschutz im Außenbereich  Einsatz von Ventilatoren oder Klimageräten  Verwendung von leichter Bettwäsche, Laken als Zudecke  Wechsel der durchgeschwitzten Bettwäsche  Anlegen von leichter, luftdurchlässiger Kleidung  Bei Inkontinenz Nutzung von Netzhosen mit Einlage, anstatt folienbeschichtete Windelhose  Vermehrte Körperwaschungen oder feuchte kühle Abreibungen, insbesondere bei bettlägerigen Bewohnern  Bereitstellung von verschiedenen kühlen Getränken (Kräuter- oder Früchtetee, Saftschorle, Mineralwasser, Leitungswasser, kalten Suppen), vermehrtes Angebot von Trinkrunden, frei zugängliche Getränke und Gläser an allen Sitzgelegenheiten  Flüssigkeitsbilanzierung der Trinkmenge und –häufigkeit bei allen Bewohnern (zusätzliche Trinkprotokolle)  Bereitstellung von wasserreichem Obst  Nutzung von kühlender Körperlotion, zur Verfügung stellen von Sonnenschutzcreme  Kontrolle der Körpertemperatur  Verstärkte Beobachtung der Bewohner auf Symptome von Überhitzung (Unruhe, Ver- wirrtheit, Erbrechen, trockene kühle Haut bei gleichzeitiger hoher Körpertemperatur)  Zu Abwehr von Durchfallerkrankungen Kühlung von Lebensmitteln und Entsorgung angebrochener Fruchtsaftflaschen  Beschäftigungsaktivitäten mit körperlicher Betätigung nur vormittags Darüber hinaus ist die Schulung und Sensibilisierung des Betreuungspersonals (Lehr- und Pfle- gekräfte) ein wichtiger Ansatzpunkt. Das Gesundheitsamt des Stadt- und Landkreises Karlsruhe beim Landratsamt Karlsruhe hat in den vergangenen Jahren Aufklärungsaktionen über das Auftreten von Hyperthermieerkrankungen in Form von Schulungen in Alten- und Pflegeheimen durchgeführt und Informationsblätter mit Verhaltenshinweisen (auch in Arztpraxen und Apotheken) verteilt. Fortbildungen für Ärzte und medizinisches Personal fanden ebenfalls statt. Das Städtische Klinikum hat im Rahmen der Neubaumaßnahmen bei der Auslegung sämtlicher Kühlsysteme eine um 3 Kelvin (K) angehobene Außentemperatur zugrunde gelegt, um insbe- sondere in länger anhaltenden Hitzewellen einen Hitzekollaps der Systeme und Gebäude zu vermeiden. In der Dimensionierung der Kälteanlagen wurde aus Gründen der Versorgungs- sicherheit eine entsprechende Reserveleistung vorgehalten, um auf Erzeugerseite den zukünftigen klimatischen Entwicklungen entgegenzuwirken. Des Weiteren wird im Pflegebe- reich verstärkt darauf geachtet, dass Patienten ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden bzw. eine angemessene Aufenthaltsqualität gewährleistet wird. 3. Wie beurteilt die Stadtverwaltung die baden-württembergischen Anpassungs- strategien für den Klimawandel im Bereich Gesundheit, wie „HeatScouts“ und die Einrichtung kommunaler Kühlstuben? Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Der Ansatz der „HeatScouts“ wird aus Sicht der Stadtverwaltung als grundsätzlich sinnvoll er- achtet und ist eng mit dem Ansatz zur Entwicklung eines „Trinkpatenkonzepts“, das derzeit beim Umwelt- und Arbeitsschutz überlegt wird, verknüpft. Dabei soll der Fokus auf diejenigen Personenkreise gelegt werden, die nicht über die institutionalisierten Einrichtungen versorgt werden und gegebenenfalls Hitzewarnungen bzw. Informationen zu adäquatem Schutzhandeln nur unzureichend erlangen. Trinkpatenschaften (z. B. in Form von Nachbarschaftshilfen) könn- ten Lücken schließen und zu einer angemessenen Information und Sensibilisierung sowie einem angepassten Verhalten während Hitzeperioden beitragen. Da dieses Projekt mit den vorhande- nen Ressourcen nicht konkret weiterentwickelt werden kann, wurde schon mehrfach - bislang jedoch ohne Erfolg - versucht, hierfür eine Förderung zu erhalten. Die Einrichtung von „Kühlstuben“ (Hitzeentlastungsräumen) in Form separater Räume innerhalb bestehender Gebäude ist hinsichtlich des Bedarfs und auch der damit verbundenen Kosten aus derzeitiger Sicht (noch) kritisch zu bewerten. Sofern die klimatische Entwicklung es erfordert, wird die Stadtverwaltung diesen Vorschlag im Rahmen der Evaluierungen erneut prüfen. Neben baulichen Strukturen fungieren darüber hinaus aber auch Grünräume als wichtige lokale, quartiersbezogene Entlastungsräume. Auf diese Potentiale ist ebenfalls verstärkt aufmerksam zu machen. Im Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung ist die Vernetzung und Anbindung von Freiräumen (Stadtparks/Grünanlagen) als übergeordnete Maßnahme, sowie die Neueinrich- tung von Pocket-Parks (lokale Maßnahme) festgesetzt. 4. Welche der vorgeschlagenen Anpassungsstrategien des Bundes und der EU im Bereich Gesundheit könnten in die Anpassungsstrategie der Stadt Karlsruhe aufgenommen werden? Die zentralen Maßnahmen aus dem Handlungsfeld Gesundheit in den Anpassungsstrategien auf Bundes- und Landesebene finden sich auch in der Karlsruher Anpassungsstrategie wieder. Zu nennen sind hier vor allem Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung, Information und Kommu- nikation sowie Maßnahmen zur Bekämpfung gesundheitsgefährdeter Pflanzen und Tiere. Beispielsweise wurde ein Projekt zur Bekämpfung der Ambrosie inklusive örtlich orientierter Öffentlichkeitsarbeit über Landesmittel (KLIMOPASS) gefördert und vor kurzem abgeschlossen. 5. Wie bewertet die Verwaltung den potenziellen Nutzen, die Anpassungsstrate- gie der Stadt zu evaluieren und zu aktualisieren? Die Anpassungsstrategie „Anpassung an den Klimawandel – Bestandsaufnahme und Strategie für die Stadt Karlsruhe“ wurde im Mai 2013 nach Beschluss im Gemeinderat veröffentlicht. Eine Evaluierung ist nicht vor fünf Jahren beabsichtigt. Derzeit ist eine Vorlage an den Gemeinderat im Jahr 2019 geplant. Unabhängig davon werden die städtischen Aktivitäten zur Klimaanpas- sung im regelmäßigen Austausch mit den Fachdienststellen weiterentwickelt und seitens des Umwelt- und Arbeitsschutzes kontinuierlich erfasst.

  • Protokoll TOP 35
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 36. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 14. März 2017, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 32. Punkt 35 der Tagesordnung: Klimaanpassungsmaßnahmen für starke Hitzewel- len im Bereich Gesundheit Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2017/0033 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 35 zur Behandlung auf: Stadtrat Borner (GRÜNE): Das Klinikum bezieht sich hauptsächlich im Rahmen Neu- baumaßnahmen, mich würde der Altbaubestand interessieren. Wie sieht die Hitzestra- tegie im Altbaubestand des Klinikums aus? Wird im Altbau verstärkt über den Einsatz von portablen Klimageräten nachgedacht? Stehen hierfür entsprechende Mittel im Haushalt des Klinikums bereit, oder werden bereitgestellt? Wie kann oder wie wird die Aufenthaltsqualität verbessert? Vielleicht kann man mir ein oder zwei Beispiele, die schon umgesetzt worden sind, nennen. Der Vorsitzende: Alles klar und vielen Dank. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 10. April 2017