Taubenpopulation in Karlsruhe - Sachstand
| Vorlage: | 2016/0736 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 14.11.2016 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 13.12.2016
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE SPD-Gemeinderatsfraktion vom: 10.11.2016 Vorlage Nr.: 2016/0736 Taubenpopulation in Karlsruhe - Sachstand Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 13.12.2016 29 x 1. Wie viele Taubenhäuser und Taubenschläge (in städtischen Dächern) unterhält die Stadt Karlsruhe und wo befinden sich diese? Sind Veränderungen (Abriss, Neubau) geplant? 2. Wie hat sich die Taubenpopulation in der Stadt in den vergangenen Jahren entwickelt? 3. Wie viele Gelege von Tauben werden durch Gipseier pro Jahr ersetzt, in welchem Intervall und durch wen? 4. Welche Kosten entstehen durch die Beseitigung von Taubenkot an städtischen Gebäuden, Denk- mälern und rund um die Taubenhäuser? 5. Wird das Taubenfütterungsverbot in der Stadt eingehalten und kontrolliert? 6. Sind der Stadt Beeinträchtigungen von Bürgern in der Nachbarschaft von Taubenhäusern bekannt? Begründung: Karlsruhe hat - wie alle anderen Großstädte auch – Probleme mit einer großen Stadttaubenpopulati- on. Zu einem lebendigen Stadtbild können auch Tauben gehören; eine Überzahl stellt jedoch, abgese- hen von der Zerstörung wertvoller Bausubstanz, für Menschen eine Belästigung und die Gefahr der Krankheitsübertragung dar. Durch die Aufstellung von sogenannten "Taubenhäusern" und die Ein- richtung von Taubenschlägen, in denen die Taubeneier durch Gipseier ersetzt werden, sollte eine langfristige, wirkungsvolle Bestandregulierung erreicht werden. Leider haben wir nicht das Gefühl, dass sich die derzeitige Taubenpopulation in einer überschaubaren Größenordnung hält, sondern im Gegenteil eher zugenommen hat. Sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten, wären Sinn und Zweck von Taubenhäusern verfehlt. Eine massive Zunahme von Stadttauben ist nicht nur an prominenten Orten, wie in der Kaiserstraße oder am Hauptbahnhof festzustellen, sondern wird uns auch von An- wohnern mitgeteilt, deren Anwesen sich in der unmittelbaren Nachbarschaft von Taubenhäusern be- finden und die teils unzumutbaren Beeinträchtigungen ausgesetzt sind. unterzeichnet von: Parsa Marvi Elke Ernemann Dr. Raphael Fechler Irene Moser Gisela Fischer Michael Zeh
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage SPD-Gemeinderatsfraktion vom: 10.11.2016 Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2016/0736 Dez. 2 Taubenpopulation in Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 13.12.2016 29 x Die Verwaltung teilt zu den Fragen der SPD-Gemeinderatsfraktion Folgendes mit: 1. Wie viele Taubenhäuser und Taubenschläge (in städtischen Dächern) unterhält die Stadt Karlsruhe und wo befinden sich diese? Sind Veränderungen (Abriss, Neubau) geplant? Im Rahmen des Karlsruher Stadttaubenprojektes unterhält die Stadt derzeit fünf Taubenschläge beziehungsweise Taubentürme. Ein weiterer Schlag wird derzeit im Dachboden in der Karlsburg in Durlach eingerichtet. Die Inbetriebnahme erfolgt im Januar 2017. Die derzeitigen Taubenschläge/Taubentürme befinden sich an folgenden Standorten: a) Mühlburger Tor/Rathaus West (Taubenturm), b) Schul- und Sportamt, Blumenstraße 2a (Taubenschlag im Dachboden), c) Schlossplatz (Taubenturm), d) B36/Lindenallee (Taubenturm) und e) Heinrich-Meidinger-Schule, Bertholdstraße 1 (Taubenschlag im Dachboden). Der Taubenturm am Mühlburger Tor wird derzeit durch einen neuen Turm ersetzt. Auf Betrei- ben und Vorschlag von Karlsruher Tierschutzorganisationen wurde der Taubenturm am Mühl- burger Tor im Jahr 2002 errichtet. Leider wurde der Turm an dieser Stelle damals nicht so di- mensioniert, wie es für die in diesem Gebiet ansässigen Stadttauben erforderlich gewesen wäre. Folglich findet die Brutaktivität der Tiere derzeit überwiegend außerhalb des jetzigen Tauben- turmes statt, so dass eine Geburtenkontrolle nicht hinreichend stattfinden kann und die Popula- tion in den vergangenen Jahren nach Einschätzung des Ordnungs-und Bürgeramtes, Abteilung Lebensmittelüberwachung und Veterinärwesen, zugenommen hat. Aus diesem Grund ist an der bisherigen Stelle ein neuer und größerer Taubenturm geplant, der eine bessere Geburtenkon- trolle erlaubt. Bis zum 31. März 2016 wurde ein Taubenschlag in der Nähe des alten Wasserturms von der Stadttaubeninitiative betreut (Container südlich der Gleisanlagen am Hauptbahnhof, in der Nä- he des alten Wasserturms, Grundstückeigentümer Hoepfner BauInvest Plus). In diesem Schlag wurden, seit der Übernahme der Federführung des Stadttaubenprojektes durch die Veterinärab- teilung im Jahr 2013, keine Brutaktivitäten festgestellt. Die Fütterung ohne gleichzeitige Brut- Ergänzende Erläuterungen Seite 2 kontrolle widerspricht den Zielen des Stadttaubenkonzeptes (Vermeidung von Populationszu- nahmen). Die Verwaltung hat deshalb die Futterlieferung an den Schlag zum 1. April 2016 eingestellt. 2. Wie hat sich die Taubenpopulation in der Stadt in den vergangenen Jahren ent- wickelt? Da in den vergangenen Jahren regelmäßige Untersuchungen nach halbwegs wissenschaftlichen Kriterien nicht durchgeführt wurden, kann über die Entwicklung der Population keine zuverläs- sige Aussage gemacht werden. Allerdings hat im Sommer 2015 das Ordnungs- und Bürgeramt, Lebensmittelüberwachung und Veterinärwesen, die Taubenpopulationen an allen von der Stadt betreuten Taubenschlägen beziehungsweise Taubentürmen ermittelt. Aufgrund des hohen per- sonellen und zeitlichen Aufwandes für valide Populationsbestimmungen sind regelmäßige Zähl- aktionen derzeit nicht vorgesehen. Nach Einschätzung der Verwaltung hat speziell im Bereich des Mühlburger Tors die Population in den vergangenen Jahren zugenommen. Ursache ist vermutlich, der zu gering dimensionierte Taubenturm an dieser Stelle und die unzureichende Möglichkeit zur Populationsbeeinflussung. Der Neubau eines größeren Taubenturmes ist deshalb erforderlich (siehe auch Antwort unter Nummer 1) 3. Wie viele Gelege von Tauben werden durch Gipseier pro Jahr ersetzt, in welchem Intervall und durch wen? Die Betreuung der Taubenschläge und Taubentürme erfolgt durch Ehrenamtliche der Stadttau- beninitiative Karlsruhe (Taubenschlag im Schul- und Sportamt, Taubenturm im Schlossplatz und Taubenturm an der B36/Lindenallee) und die Falknerei Karlsruhe (Taubenturm am Mühlburger Tor und Taubenschlag in der Heinrich-Meidinger-Schule). Der Schlag, der derzeit in der Karls- burg in Durlach eingerichtet wird, soll ab Inbetriebnahme im Januar 2017 ebenfalls durch die Falknerei Karlsruhe betreut werden. Da die logistischen Arbeiten (Futterlagerung und –auslieferung), die im Rahmen des Stadt- taubenprojektes notwendig sind, durch die Ehrenamtlichen der Stadttaubeninitiative nicht ge- leistet werden konnten, musste diese Leistung im Jahr 2015 ausgeschrieben und an einen ex- ternen Dienstleister vergeben werden. Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung durch das Hauptamt erhielt die Falknerei Karlsruhe den Zuschlag. Diese nimmt somit seit dem 1. Juni 2015 Aufgaben im Rahmen des Stadttaubenprojektes wahr. Bei den Aufgaben handelt es sich sowohl um logistische Aufgaben als auch um Betreuungsarbeiten. Im Einzelnen werden folgende Auf- gaben wahrgenommen: Lagerung des gesamten Taubenfutters und Anlieferung des Futters an die fünf genannten Taubenschläge/Taubentürme, Fütterungs- und Reinigungsarbeiten im Turm am Mühlburger Tor und -seit dem 1. Januar 2016- im Schlag in der Heinrich-Meidinger-Schule sowie Austausch der Eier in den von der Falknerei betreuten Einrichtungen. Die Aufgaben der Stadttaubeninitiative sind Fütterung, Reinigung und Austausch der Eier im Taubenschlag Schul- und Sportamt und im Taubenturm am Schlossplatz. Am Taubenturm an der B36/Lindenallee erfolgt lediglich die Fütterung durch die Stadttaubeninitiative. Die Reini- gung und Austausch der Eier erfolgt durch die Falknerei Karlsruhe. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Der Austausch der Eier erfolgt situativ, das heißt, wenn Eier in den Gelegen sind, werden diese gegen künstliche Eier ausgetauscht. Um die Akzeptanz der Fütterungsstelle durch die Tauben zu gewährleisten, dürfen nicht sämtliche Eier in den Gelegen ausgetauscht werden; die Tiere müs- sen die Möglichkeit haben, Jungtiere aufzuziehen, da andernfalls andere Nistplätze aufgesucht werden. Aus diesem Grund werden nicht 100 Prozent der Eier in den Gelegen ausgetauscht. In den Jahren 2015 und 2016 (Stand: 17. November 2016) wurden folgende Eiermengen ent- nommen: a) Mühlburger Tor Jahr 2015: 54 Eier (ab Juni) Jahr 2016: 127 Eier b) Heinrich-Meidinger-Schule Jahr 2015: keine Daten vorhanden Jahr 2016: 317 Eier (Betreuung durch Falknerei seit dem 1. Januar 2016) c) B36/Lindenallee Jahr 2015: 4 Eier Jahr 2016: 22 Eier (ab Juni) d) Schul-und Sportamt Jahr 2015: 835 Eier Jahr 2016: 790 Eier (ohne November 2016) e) Schlossplatz Jahr 2015: 290 Eier Jahr 2016: 274 Eier (ohne November 2016) Summe entnommener Eier (alle Einrichtungen): Jahr 2015: 1183 Eier Jahr 2016: 1530 Eier (Stand: 17. November 2016) 4. Welche Kosten entstehen durch die Beseitigung von Taubenkot an städtischen Ge- bäuden, Denkmälern und rund um die Taubenhäuser? Die angefallenen Kosten im Teilhaushalt 8800 für die Entfernung von Taubenkot sind auf Grund der Buchungssystematik nicht auswertbar. Oft wird dies von der Reinigungs- firma miterledigt und ist somit nicht im Buchungstext vermerkt. Falls die Reinigungsfir- ma den Taubenkot nicht entfernt, übernimmt diese Aufgabe ein Schädlingsbekämpfer. Die Kosten betrugen hierfür in den Jahren 2015 und 2016 etwa 1.683,57 Euro. 5. Wird das Taubenfütterungsverbot in der Stadt eingehalten und kontrolliert? Es gibt immer wieder einzelne Hinweise und Beschwerden aus der Bevölkerung, dass das Tau- benfütterungsverbot von manchen Personen nicht beachtet wird. Diesen Beschwerden geht der Kommunale Ordnungsdienst dann im Rahmen seiner personellen Möglichkeiten nach. Darüber hinaus achten die Beschäftigten des Kommunalen Ordnungsdienstes auch im Rahmen ihrer Streifentätigkeit auf entsprechende Auffälligkeiten und schreiten gegebenenfalls ein. 6. Sind der Stadt Beeinträchtigungen von Bürgern in der Nachbarschaft von Tauben- häusern bekannt? Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Beschwerden sind der Verwaltung lediglich von Anwohnern am Mühlburger Tor bekannt (Be- wohner des Gebäudes Riefstahlstraße 1). Beschwerden von Anwohnern im Einzugsbereich der übrigen Taubenhäuser sind nicht bekannt. Anmerkung zur Begründung in der Anfrage Taubenhäuser sind aus Sicht der Verwaltung sinnvolle Einrichtungen, um eine nachhaltige Po- pulationskontrolle durchführen zu können. Hinsichtlich der Betreuung von Stadttauben existieren zwei konkurrierende Konzepte. Das so- genannte Augsburger Modell, das derzeit in Karlsruhe umgesetzt wird, sieht neben dem Aus- tausch der Eier auch die Fütterung der Tiere in den Einrichtungen vor. Im sogenannten Basler Modell (entwickelt von Prof. Haag-Wackernagel, Universität Basel) werden lediglich die Eier in den Nestern ausgetauscht. Die Fütterung der Tiere erfolgt nicht und wird als kontraproduktiv angesehen. Die Bindung der Tiere an den Schlag oder Turm erfolgt durch die Bereitstellung von geschützten Brutplätzen in den Schlägen oder Türmen. Das Basler Modell gilt unter Fachleuten als das einzige, das bisher nachweisbar in Basel und Luzern zu einer Reduktion des Taubenbe- standes geführt hat (Haag-Wackernagel, persönliche Mitteilung am 1. Juni 2016). Beiden Konzepten gemeinsam ist demnach, dass zum Zweck der Populationsbeeinflussung, regelmäßig und konsequent die Eier in den Gelegen ausgetauscht werden und die Tiere durch die Gewährung geschützter Aufzuchtmöglichkeit an einen Taubenschlag/Taubenturm gebun- den werden.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 33. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 13. Dezember 2016, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 30. Punkt 29 der Tagesordnung: Taubenpopulation in Karlsruhe – Sachstand Anfrage der Stadträtinnen und Stadträte Parsa Marvi, Elke Ernemann, Dr. Raphael Fechler, Irene Moser, Gisela Fischer und Michael Zeh (SPD) sowie der SPD- Gemeinderatsfraktion vom 10. November 2016 Vorlage: 2016/0737 Beschluss: Einverstanden mit Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 29 zur Behandlung auf. Stadträtin Ernemann (SPD): Hinsichtlich der Betreuung von Tauben gibt es zwei kon- kurrierende Konzepte, das sogenannte Augsburger Modell, das derzeitig in Karlsruhe umgesetzt wird und das Basler Modell, das unter den Fachleuten als das einzige, das bisher nachweisbar in Basel und in Luzern zu einer Reduktion des Taubenbestandes ge- führt hat. Bei diesen zwei Modellen möchte ich fragen, warum man in Karlsruhe nicht das Basler Modell anwendet, wenn das doch offensichtlich das erfolgreichere ist und die Taubenpopulation reduziert. Der Vorsitzende: Die Antwort bekommen Sie nachgeliefert. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt – Ratsangelegenheiten 5. Januar 2017 - 2 -