Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035

Vorlage: 2016/0671
Art: Beschlussvorlage
Datum: 26.10.2016
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Amt für Stadtentwicklung
Erwähnte Stadtteile: Beiertheim-Bulach, Daxlanden, Durlach, Grötzingen, Grünwettersbach, Grünwinkel, Hagsfeld, Hohenwettersbach, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Oberreut, Oststadt, Palmbach, Rintheim, Rüppurr, Stupferich, Südstadt, Südweststadt, Waldstadt, Weiherfeld-Dammerstock, Weststadt, Wolfartsweier

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 22.11.2016

    TOP: 10

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: mehrheitlich beschlossen

Zusätzliche Dateien

  • Anlage Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGS- PROGNOSE 2035 Beiträge zur Stadtentwicklung Nr. 50 2 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 IMPRESSUM Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Zähringerstraße 61 76133 Karlsruhe Leiterin: Dr. Edith Wiegelmann-Uhlig Bereich: Stadtentwicklung Otto Mansdörfer Bearbeitung: Daniel Götz Datenanalyse und -aufbereitung: Ilona Forro Layout: Stefanie Groß Bildnachweise: Titelfoto: ©Monkey Business / Fotolia Seite 4, 9, 17: designed by Pressfoto - Freepik.com Auskunftsdienst und Bestellung: Telefon: 0721 133-1220 Fax: 0721 133-1209 E-Mail: stadtentwicklung@afsta.karlsruhe.de Internet: www.karlsruhe.de/stadtentwicklung Stand: Oktober 2016 Gedruckt in der Rathausdruckerei auf 100 Prozent Recyclingpapier © Stadt Karlsruhe AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 3 INHALT 1. ZUSAMMENFASSUNG 4 2. ÜBERGEORDNETE BEVÖLKERUNGSVORAUSRECHNUNG 9 2.1 Künftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 10 2.2 Bevölkerungsvorausrechnung für Baden-Württemberg 12 2.3 Regionale Bevölkerungsentwicklung 14 3. VORAUSSICHTLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN KARLSRUHE BIS 2035 17 3.1 Bevölkerungsentwicklung in Karlsruhe 2007 bis 2015 18 3.2 Annahmen der Bevölkerungsprognose 2035 24 3.3 Ergebnisse der Bevölkerungsprognose 2035 auf Gesamtstadtebene 26 3.4 Kleinräumige Bevölkerungsentwicklung bis 2035 in den Karlsruher Stadtteilen 33 4 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 1. ZUSAMMENFASSUNG AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 5  Die künftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Baden-Württemberg wird nicht einheitlich verlaufen. Während in Deutschland bereits ab 2022 die Bevölkerungszahl abnehmen wird, kommt die Prognose des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg in der Hauptvariante zu dem Ergebnis, dass die Einwohnerzahl in Baden-Württemberg bis 2024 zunächst noch anwachsen wird (um etwa +420.000 Personen beziehungsweise +3,9 %) und im Anschluss bis 2035 annähernd konstant etwa 11,13 Millionen Menschen betragen wird.  Aber auch innerhalb Baden-Württembergs ist künftig nicht von einer geradlinigen Bevölkerungsentwicklung auszugehen. Grundsätzlich werden die größeren Städte sowie deren verstädtertes Umland bis 2035 weiter wachsen, während eher ländlich-periphere Landesteile (zum Beispiel Hochschwarzwald, Main-Tauber-Kreis) zwischen 2014 und 2035 leicht an Bevölkerung verlieren werden.  Die verwendeten Bevölkerungsbegriffe in der Vorausrechnung des Statistischen Landesamts Baden- Württemberg auf Basis der amtlichen Einwohnerzahl und der Prognose der Stadt Karlsruhe auf Basis des kommunalen Einwohnerregisters mit Haupt- oder Neben- wohnung unterscheiden sich deutlich. Zudem ist in den Berechnungen des Statistischen Landesamts für Karlsruhe die Zahl der Flüchtlinge in der Landeserstaufnahmestelle enthalten. Daher kann die vom Land prognostizierte Einwohnerentwicklung in Karlsruhe (2035: 318.000 Personen beziehungsweise +6,1 % gegenüber 2014) nicht mit der Prognose des Amts für Stadtentwicklung verglichen werden.  Da es in Zusammenhang mit den hohen Flüchtlings- zuwanderung seit Beginn des Jahres 2015 zu erheblichen Verzerrungen der Meldefälle in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA) in Karlsruhe kam und der künftige Verlauf der Flüchtlingszuwanderung nicht abschätzbar ist, wurde die vorliegende Prognose ohne die Bevölkerung in der LEA gerechnet.  Die wohnberechtigte Bevölkerung (Haupt- und Neben- wohnsitz, ohne LEA) in Karlsruhe wächst seit Jahren stetig. Allein zwischen 2010 und 2015 nahm die Bevölkerung innerhalb von fünf Jahren um +13.000 Personen auf +312.842 Personen zu (+4,3 %). Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Zunahme von +2.600 Personen. Darin sind die hohen Flüchtlingszahlen des Jahres 2015 nicht enthalten. Das Bevölkerungswachstum beruht ausschließlich auf Wanderungsüberschüssen (mehr Zuzüge als Fortzüge). Die Bilanz aus Geburten und Sterbefällen ist in Karlsruhe seit 1970 negativ. Während die Wanderungsgewinne mit Baden-Württemberg und dem übrigen Deutschland konstant bis leicht rückläufi g sind, stieg die Netto-Zuwanderung aus dem Ausland (vor allem aus Ost- und Südosteuropa) seit 2010 sehr deutlich an. Parallel dazu nahmen die jährlichen Wanderungsverluste Karlsruhes mit den Umlandgemeinden als Begleiterscheinung des angespannten Wohnungsmarkts in der Fächerstadt weiter zu. Im Durchschnitt belaufen sich die jährlichen Wanderungsgewinne Karlsruhes der letzten fünf Jahre (2011 bis 2015) auf +2.700 Personen pro Jahr, wobei in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren mit deutlichem Abstand die höchste Netto-Zuwanderung stattfi ndet. Dies führt in Karlsruhe zu einer im bundes- und landesweiten Vergleich demographisch sehr jungen Bevölkerung.  Ausgangsbasis der Prognoserechnung ist die wohnberechtigte Bevölkerung (Haupt- und Nebenwohnsitz) zum 31. Dezember 2015 ohne die Personen in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge, differenziert nach Alter, Geschlecht und Stadtteil. Die Annahmen zur künftigen Entwicklung der Geburtenhäufi gkeit sowie der Sterblichkeit orientieren sich eng an den Annahmen der Vorausrechnung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg. Bei den Zu- und Fortzügen wurde grundsätzlich angenommen, dass die Wanderungsgewinne in der ersten Prognosehälfte bis 2025 auf Grund weiterhin hoher Zuwanderung aus dem Ausland sowie Land-Stadt- Wanderungen von anerkannten Flüchtlingen ohne Residenzpfl icht aus der ländlich-peripheren Region Baden- Württembergs und dem übrigen Deutschland nach Karlsruhe hoch bleiben werden. Wenn dann im Zuge des demographischen Wandels die Zahl der potentiell Zuziehenden aus den Herkunftsgebieten in Baden-Württemberg und Deutschland ab 2025 verstärkt zurückgehen wird, sinken auch die Wanderungsgewinne in Karlsruhe.  Es wurden zwei Prognoseszenarien mit unterschiedlichen Annahmen zur Zahl und Entwicklung der Zu- und Fortzüge modelliert, das „Verhaltene Szenario“ und das „Dynamische Szenario“.  Im Verhaltenen Szenario wird davon ausgegangen, dass der zukunftsorientierte Ausbau des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe auf Grund der Konjunkturentwicklungen in Deutschland und Europa in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) ins Stocken gerät, weshalb ab 2025 die Zuwanderung nach Karlsruhe nachlässt und nur noch wenig Neubaugebiete entwickelt werden. Insgesamt ist zwischen 2015 und 2035 diesen Annahmen zufolge mit einem Bevölkerungsanstieg von +24.700 Personen beziehungsweise +7,9 % zu rechnen, wobei sich das Wachstum sehr stark auf die erste Prognosehälfte (2015 bis 2025) konzentrieren wird. Im Jahre 2035 würden in Karlsruhe dann 337.500 Wohnberechtigte leben. 6 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035  Im Dynamischen Szenario wird sich die positive wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre auch künftig weiter fortsetzen. Es entstehen stetig attraktive Arbeitsplätze in wissensintensiven und innovativen Wirtschaftsbereichen und Karlsruhe gelingt es, seine Anziehungskraft für junge Fach- und Führungskräfte aus dem In- und Ausland weiter auszubauen. Daher bleiben die Wanderungsgewinne auch nach 2025 hoch und der Druck auf dem Wohnungsmarkt befördert die kontinuierliche Entwicklung neuer Wohnbaufl ächen. Im Dynamischen Szenario wird die wohnberechtige Bevölkerung von 312.842 Personen im Jahr 2015 auf 350.268 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2035 ansteigen, was einer Zunahme um +37.400 Personen beziehungsweise +12,0 % entspricht.  Beide Szenarien unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035). In der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) errechnet sich in beiden Szenarien ein ähnlich hoher Bevölkerungsanstieg (Dynamisches Szenario: +23.900 Personen; Verhaltenes Szenario: +22.200 Personen). Während im Dynamischen Szenario die Zahl der Bevölkerung in Karlsruhe auch zwischen 2025 und 2035 noch weiter kräftig ansteigt (+13.600 Personen), ist im Verhaltenen Szenario ab 2025 nur von geringem Wachstum auszugehen (+2.500 Personen).  Altersstrukturell wirkt sich die höhere Zuwanderung im Dynamischen Szenario vor allem durch ein stärkeres Wachstum der Altersgruppen unter 65 Jahren aus. Die Bevölkerungsentwicklung der 65-Jährigen und Älteren wird durch Zu- und Fortzüge relativ gering beeinfl usst, weshalb sich hier die Ergebnisse in beiden Szenarien sehr ähnlich sind.  Die Altersgruppe, die zwischen 2015 und 2035 am stärksten wachsen wird, sind die Seniorinnen und Senioren zwischen 65 und 85 Jahren. Je nach Szenario sind dort Zuwächse zwischen +11.400 und +12.300 Personen zu erwarten (+23,3 % beziehungsweise +25,1 %). Das stärkste prozentuale Wachstum wird in der Altersgruppe der Hochbetagten (85 Jahre und älter) stattfi nden. Zwischen 2015 und 2035 wird deren relative Zunahme zwischen +42,3 % und +45,3 % betragen. Absolut entspricht dies einer Zunahme zwischen +3.452 und +3.692 Personen.  Die Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis 65 Jahre) wird sich in beiden Szenarien unterschiedlich entwickeln. Während im Dynamischen Szenario in Folge von anhaltend hoher Netto-Zuwanderung zwischen 2015 und 2035 von einem Anstieg in Höhe von +13.300 Personen beziehungsweise +6,4 % auszugehen ist, ergibt sich aus den rückläufi gen Wanderungsüberschüssen des Verhaltenen Szenarios ein deutlich geringeres Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (+4.600 Personen beziehungsweise +2,2 %). Dabei ist zu beachten, dass in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) sogar im Dynamischen Szenario die Zahl der erwerbsfähigen Bevölkerung um -1.200 Personen zurückgehen wird, weil die Zuwanderung selbst in diesem Szenario nicht ausreichen wird, um die Bevölkerungszahl der derzeit (2015) sehr stark besetzten Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen konstant zu halten. Im Verhaltenen Szenario hingegen wird der Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter im zweiten Prognoseabschnitt mit -8.500 Personen beziehungsweise -3,8 % sehr deutlich ausfallen.  Die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren wird in beiden Prognoseszenarien zwischen 2015 und 2035 deutlich zunehmen, wobei der Anstieg im Dynamischen Szenario mit +8.800 Personen beziehungsweise +20,3 % um ein Drittel höher ausfallen wird als im Verhaltenen Szenario (+6.000 Personen beziehungsweise +13,8 %). Dabei wird die Zahl der potentiellen Grundschüler in der Altersgruppe der 6- bis unter 10-Jährigen in beiden Szenarien prozentual am stärksten ansteigen (Dynamisches Szenario: +26,1 % beziehungsweise +2.416 Personen; Verhaltenes Szenario: +18,1 % beziehungsweise +1.672 Personen).  Im Dynamischen Szenario werden innerhalb des Prognosezeitraums (2015 bis 2035) alle 27 Stadtteile Karlsruhes Bevölkerung hinzugewinnen. Sehr stark wird das Wachstum in den Stadtteilen mit vergleichsweise großen Neubaugebieten ausfallen: Durlach (+4.900 Personen), Neureut (+4.000 Personen), Knielingen (+2.300 Personen) und Nordstadt (+2.300 Personen). Darüber hinaus wird die Bevölkerung aber auch in den meisten innerstädtischen und innenstadtnahen Stadtteilen ansteigen. AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 7  Im Verhaltenen Szenario wird die Zahl der Wohnberechtigten mit Ausnahme der Innenstadt-West in allen übrigen 26 Stadtteilen zwischen 2015 und 2035 ansteigen. Das Muster der Zunahme ähnelt dabei stark dem im Dynamischen Szenario – bei niedrigeren Wachstumsintensitäten.  Die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren wird im Dynamischen Szenario zwischen 2015 und 2030 in 25 Stadtteilen ansteigen. Nur in Oberreut (-9 Personen), Wolfartweier (-18 Personen) und Grötzingen (+27 Personen) werden sich die Einwohnerzahlen in dieser Altersgruppe praktisch kaum verändern. Zentrumsnahe Stadtteile und Stadtteile mit hohen Baulandreserven werden im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) dagegen vergleichsweise stark an Bevölkerung unter 18 Jahren hinzugewinnen.  Im Verhaltenen Szenario wird die Zahl der unter 18-Jährigen innerhalb des Prognosezeitraums (2015 bis 2035) in 23 Stadtteilen zunehmen. Nur in Hohenwettersbach (-17 Personen), Wolfartsweier (-33 Personen), Oberreut (-61 Personen) und Grötzingen (+22 Personen) verändert sich die Zahl der Kinder kaum. In der Regel sind die Zuwächse im Verhaltenen Szenario bei den unter 18-Jährigen jedoch um 30 bis 40 Prozent geringer als im Dynamischen Szenario.  In beiden Szenarien wird die Zahl der 65-Jährigen und Älteren in allen 27 Karlsruher Stadtteilen im Prognose- zeitraum (2015 bis 2035) ansteigen. Dabei werden die zu erwartenden Bevölkerungszunahmen in der Altersgruppe der Senioren in den einwohnerstarken und/oder derzeit (2015) demographisch jüngeren Stadtteilen am stärksten ausfallen. 8 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 9 2. ÜBERGEORDNETE BEVÖLKERUNGSVORAUS- RECHNUNG 10 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung in Karlsruhe ist eingebettet in das demografi sche Geschehen in Deutschland und Baden-Württemberg. Die Rahmenbedingungen der künftigen Bevölkerungsentwicklung im Bund und im Land wirken auf die Karlsruher Bevölkerungsentwicklung ein. Karlsruhe nimmt als wachsende Stadt vor diesem Hintergrund dennoch eine besondere Stellung ein. Als Teil des prosperierenden Bundeslandes Baden-Württemberg ist die europaweite Anziehungskraft von Karlsruhe ungebrochen. So zieht Karlsruhe als Universitätsstadt und IT-Schwerpunkt ganz bestimmte Bevölkerungsgruppen an, die maßgeblich die positive demografi sche Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten bestimmen. 2.1 KÜNFTIGE BEVÖLKERUNGS- ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND In seiner 13. koordinierten Bevölkerungsvorausrechnung für Deutschland 1 zeigt das Statistische Bundesamt auf, dass die Faktoren Geburtendefi zit und Zuwanderung weiterhin die künftige Bevölkerungsentwicklung und die altersmäßige Zusammensetzung bis 2060 bestimmen. Durch erhöhte Annahmen bei der Zuwanderung ergeben sich etwas höhere Erwartungszielwerte im Jahr 2060. An der Perspektive einer schrumpfenden Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland ab etwa 2022 ändert sich dadurch allerdings nichts. Seit 1972 übersteigt die jährliche Zahl der Sterbefälle die der Geburten kontinuierlich, so dass sich auf der Ebene der natürlichen Bevölkerungsentwicklung (Geburten- und Sterbefälle) ein fortwährender Rückgang der Bevölkerungszahl (Geburtendefi zit oder Sterbeüberschuss) ergibt. In den 1970er Jahren sank die Fruchtbarkeit der Bevölkerung unter das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern (zusammengefasste Geburtenziffer) und verharrt seither bei 1,4 Nachkommen je Frau. Damit ersetzt sich eine Elterngeneration durch ihre geborenen Kinder nur zu etwa 67 % und die Bevölkerung schrumpft mit jeder Generation. Für diesen Geburtenrückgang gibt es vielfältige Gründe. Vor allem aufgrund des medizinischen Fortschritts nimmt die Lebenserwartung vor allem in den höheren Altersgruppen fortwährend zu. Anfang der 1970er lag die Lebenserwartung bei Geburt für Mädchen bei 73,8 Jahre und für Jungen bei 67,4 Jahre. Der vorliegenden Prognose wird ein Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2060 für Mädchen auf 88,8 Jahre und für Jungen auf 84,8 Jahre angenommen. Damit wird die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gewachsene Lebenserwartung in der Vorausrechnung abgebildet. In der Konsequenz nimmt die Zahl älterer Menschen in Deutschland deutlich zu. Dadurch entstehen – bei gleichzeitig schrumpfender jüngerer Bevölkerung – gravierende Verschiebungen im Verhältnis der Altersgruppen untereinander. Die vom Statistischen Bundesamt favorisierten beiden Haupt- varianten unterscheiden sich in den Annahmen zur Netto- zuwanderung nach Deutschland. Die Variante „Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung“ geht von jährlich netto zunächst 500.000 zuwandernden Personen zum Prognosestart 2014 aus. Diese Zahl sinkt auf jährlich 100.000 bis zum Jahr 2021 und wird dann konstant gehalten bis 2060. In der Variante „Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung“ wird bei gleichem Ausgangswert erwartet, dass sich die langfristige Netto- zuwanderung ab 2021 auf 200.000 Personen pro Jahr einspielt. Im Ergebnis ergibt sich für die Bevölkerungszahl der Bundesrepublik Deutschland bis etwa 2022 eine ansteigende Entwicklung von 80,8 Millionen Einwohnern (2013) auf rund 81,5 Millionen. Danach sinkt die Bevölkerungszahl – je nach Variante – bis 2060 auf 67,6 Millionen („Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung“) beziehungsweise 73,1 Millionen („Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung“). In Abbildung 2.1 ist die Entwicklung der Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2060 dargestellt. Beide Kurven unterscheiden sich zwar durch den unterschiedlichen Neigungswinkel des abnehmenden Verlaufs. Deutlich wird aus der Abbildung aber auch, dass die Annahme einer noch höheren Nettozuwanderung, die nach dem starken Zuzug von Flüchtlingen im Jahr 2015 sowie der hohen Zuwanderung von EU-Bürgern aus den osteuropäischen Ländern durchaus plausibel erscheint, den Prognoseverlauf nicht grundlegend beeinfl ussen kann. 1 Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2060 – 13. koordinierte Bevölkerungsvorausrechnung, Wiesbaden 2015 AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 11 Abbildung 2.1 BEVÖLKERUNGSZAHL VON 1950 BIS 2060 Ab 2014 Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungsberechnung Die Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungs- vorausberechnung sind für Deutschland vor allem im Hinblick auf die Verschiebung der Altersgruppen untereinander von gravierender Bedeutung. Dies betrifft vor allem die Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis 64 Jahre). Ihre Zahl betrug 2013 49,2 Millionen Menschen. Ab 2020 setzt der Rückgang ein, so dass für 2030 noch mit 40 beziehungsweise 45 Millionen Erwerbsfähigen zu rechnen ist. Bis 2060 sinkt die Zahl weiter auf 38 Millionen (Variante 2) beziehungsweise 34 Millionen (Variante 1). Als Folgen dieser Entwicklung ist mit einer verschärften Konkurrenz um Arbeitskräfte in der Wirtschaft aber auch zwischen unterschiedlichen Regionen zu rechnen. Die absehbare Verknappung des Erwerbsfähigenpotentials wird auch die Vollzeitbeschäftigung von Frauen weiter vorantreiben – mit allen Konsequenzen auf das notwendige Angebot an Kinderbetreuung. Die Zahl der unter 20 Jahre alten Bevölkerung in Deutschland wird dagegen in beiden Varianten schrumpfen. In Variante 1 (schwächere Zuwanderung) geht die Zahl von 14,7 Millionen (2013) auf 13,8 Millionen (2030) und 10,9 Millionen im Jahr 2060 zurück. Auch die Variante 2 (stärkere Zuwanderung) ergibt rückläufi ge Werte: 14,2 Millionen für 2030 sowie 12 Millionen im Jahr 2060. In umgekehrter Richtung verläuft die Entwicklung der älteren Bevölkerung. Aufgrund der wachsenden Lebenserwartung und der Tatsache, dass die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ins Seniorenalter kommen, wächst die Zahl der 65-Jährigen und Älteren von 16,9 Millionen (2013) auf 21,8 Millionen (2030; beide Varianten gleich) und 22,3 Millionen (Variante 1) beziehungsweise 23,2 Millionen (Variante 2) im Jahr 2060. Diese Personengruppe ist durch die demografi sche Entwicklung Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten in ihrem Umfang fest determiniert und unabhängig von der Nettozuwanderung. Die erhebliche Zunahme der Menschen im Seniorenalter bei gleichzeitiger Schrumpfung des Erwerbspersonenpotentials hat erhebliche Rückwirkungen auf die Alterssicherungssysteme der Bundesrepublik. Der Bevölkerung im Erwerbsleben werden immer mehr Seniorinnen und Senioren gegenüberstehen. Im Jahr 2013 standen in Deutschland 100 Personen im Erwerbsalter (20 bis 64 Jahre) 34 über 65-Jährige gegenüber. Im Jahr 2035 wird das Verhältnis 100:56 betragen, im Prognoseendjahr 2060 100:65 (Variante 1). Die Ergebnisse der Variante 2 liegen nur geringfügig darunter. Die bereits laufende Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre senkt die Anzahl der Seniorinnen und Senioren jeweils um rund 8 Personen/100 Erwerbspersonen im Prognoseverlauf. Quelle: Statistisches Bundesamt 2015 55 60 65 70 75 80 85 90 Millionen Personen 195060708090200010203040502060 Stand vor dem Zensus geschätzte Entwicklung Stand nach dem Zensus Variante 1: Kontinuität bei schwächerer Zuwanderung Variante 2: Kontinuität bei stärkerer Zuwanderung 12 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 2.2 BEVÖLKERUNGSVORAUS- RECHNUNG FÜR BADEN-WÜRTTEMBERG Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg legte im Dezember 2015 eine Bevölkerungsvorausrechnung für Baden-Württemberg vor 1 . Sie baut auf der Prognose von 2012 auf, in der die Wanderungsannahmen vor allem für die Großstädte im Land der realen Entwicklung angepasst worden waren. Nach der Hauptvariante der Landesprognose 2015 wird die Bevölkerungszahl Baden-Württembergs von 10,72 Millionen im Jahr 2014 auf 11,14 Millionen im Jahr 2024 ansteigen, um dann bis 2035 wieder geringfügig auf 11,13 Millionen zurückzugehen (siehe Abbildung 2.2). Auch auf Landesebene übersteigt die Zahl der Sterbefälle während des gesamten Prognosezeitraums die Zahl der Geburten. Ab 2024 – wenn die Annahmen für die Zuwanderung geringer angesetzt sind – sorgt das Geburtendefi zit für einen langsamen Rückgang der Bevölkerung. Die Schere zwischen Geburten und Sterbefällen wird im weiteren Zeitablauf ständig größer – aus den gleichen Ursachen heraus, wie bei der Prognose für die Bundesrepublik bereits geschildert. Die Zahl der Erwerbsfähigen im Alter von 20 bis unter 65 Jahre wird bis 2020 von 6,53 Millionen auf 6,74 Millionen anwachsen und bis 2035 dann auf 6,08 Millionen absinken. Damit wird am Ende des Prognosezeitraums landesweit etwa eine halbe Million Erwerbspersonen weniger zur Verfügung stehen als heute. Die Zahl der unter 20-Jährigen (2014: 2,06 Millionen) nimmt im Prognosezeitraum bis 2030 auf 2,11 Millionen zu und bleibt bis 2035 auf diesem Niveau. Die Anforderungen an das System der Kinderbetreuung wird bis 2025 landesweit deutlich zunehmen. Das gesamte Bildungssystem in Baden-Württemberg wird im Prognosezeitraum durchgängig mit einer Nachfrage konfrontiert, die über dem heutigen Niveau liegt. Der demografi schen Alterung, wie sie für den Bund bereits beschrieben wurde, kann sich auch das Land nicht entziehen. Die Zahl der 65-Jährigen und Älteren steigt von 2,12 Millionen (2014) mit einem sich in der zweiten Prognosehälfte deutlich beschleunigenden Zuwachs auf 2,96 Millionen Menschen im Jahr 2035. Vor allem ist mit einer deutlichen Zunahme der Hochbetagten (85 Jahre und älter) von 273.000 im Jahr 2014 auf 431.000 Menschen (2035) zu rechnen. Bei der Zuwanderung geht das Statische Landesamt in der Hauptvariante von einem Plus von jährlich 79.000 Personen netto bis 2019 aus, für den weiteren Prognosezeitraum bis 2035 von netto jährlich 23.000 Zuziehenden nach Baden-Württemberg. Vor dem Hintergrund des starken Flüchtlingszuzugs wurde auch eine obere Variante in die Prognose aufgenommen, in der bis 2019 von jährlich 112.000 Nettozuzügen und danach von 46.000 jährlich zuwandernden Menschen (netto) ausgegangen wird (siehe Abbildung 2.2). Diese angenommene stärkere Zuwanderung kann das Geburtendefi zit über den gesamten Prognosezeitraum bis 2035 (mehr als) ausgleichen, so dass die Bevölkerungszahl in Baden-Württemberg in der oberen Variante bis über 2035 hinaus ansteigt. Durch den Nettozuzug jüngerer Bevölkerung wird einerseits der sogenannte Altersquotient, das Verhältnis von erwerbsfähiger Bevölkerung zur nicht mehr erwerbsfähigen Bevölkerung, positiv beeinfl usst. An der demografi schen Alterung großer Teile der baden-württembergischen Bevölkerung an sich und dem daraus erwachsenden Umfang des künftigen Betreuungs- und Pfl egeaufwands ändert die Zuwanderung nichts. 1 Aktualisierte Bevölkerungsvorausrechnung für Baden-Württemberg 2014 bis 2060; Statistisches Monatsheft 2/2016. *) 2014 Ist-Werte, danach Ergebnisse der Bevölkerungsvorausrechnung auf Basis 31. Dezember 2014. 10,0 11 , 0 10,5 11 , 5 Mill. 12,0 2060201420202025203020352040204520502055 Hauptvariante Obere Variante Untere Variante AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 13 Abbildung 2.2 VORAUSSICHTLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN BADEN-WÜRTTEMBERG BIS 2060* Quelle: Statistisches Landesamt 2015 14 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 2.3 REGIONALE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG Breiten Raum in der Bevölkerungsvorausrechnung des Landes Baden-Württemberg nimmt die Entwicklung der Bevölkerung in den einzelnen Regionen, Kreisen und Kommunen des Landes ein. Im Überblick wird in Abbildung 2.3 zunächst deutlich, dass große Teile des Landes, insbesondere entlang des Rheins, im weiten Umgriff um den mittleren Neckarraum sowie am Bodensee und in Oberschwaben bis 2035 in der Hauptvariante der Prognose mit einer wachsenden Bevölkerung zu rechnen haben. Daneben zeichnen sich die ländlichen Räume ab, in denen die Bevölkerungszahl zurückgeht. Alle Großstädte des Landes, aber auch zahlreiche mittlere Städte stehen in den kommenden Jahren vor der Aufgabe, einer wachsenden Bevölkerung hinreichend Wohnraum bieten zu müssen. In der Region Mittlerer Oberrhein (2014: 1.009.395 Einwohner) sollen nach der Landesprognose im Jahr 2025 1.058.800 Menschen leben, zum Ende des Betrachtungs- zeitraums 1.049.200 Personen, das sind rund 40.000 mehr als heute. Mit Ausnahme von Baden-Baden werden alle Kreise der Region Bevölkerungszuwächse aufweisen. Besonders hoch wird der Zuwachs in Karlsruhe eingeschätzt. Zu beachten ist, dass das Land auf einer anderen Zahlenbasis rechnet. Verwendet wird die amtliche Einwohnerzahl, die in etwa den Einwohnern mit Hauptwohnsitz einschließlich der in der Landesaufnahmestelle (LEA) registrierten Flüchtlinge entspricht. Nicht dabei sind die Einwohner mit Nebenwohnsitz (Karlsruhe 2014: 16.864). So gerechnet soll die Fächerstadt (2014: 300.051) laut Landesprognose bis 2025 auf 327.190 Einwohner anwachsen, um bis 2035 wieder auf 318.000 Einwohner abzusinken. Damit verbliebe ein Zuwachs um +6,1 %. Die eigene Prognose des Amtes für Stadtentwicklung (siehe Kapitel 3) macht allerdings deutlich, dass diese Zahlen eher zu niedrig gegriffen sind und der Rückgang der Bevölkerung nach 2025 durch die stadteigene Berechnung nicht bestätigt werden kann. Einer erheblichen Bevölkerungszunahme blickt auch der Landkreis Karlsruhe entgegen. Dort geht das Statistische Landesamt davon aus, dass die Einwohnerzahl von 431.315 (2014) um fast 16.000 auf 447.300 steigen wird. Auch diese Zahl dürfte von der Realität eher übertroffen werden, da für die Stadt Karlsruhe ein erheblicher „Überlauf“ an Zuziehenden zu erwarten ist, die ihren eigentlichen Wunsch-Wohnstandort Karlsruhe mangels entsprechender Wohnungsangebote nicht realisieren können und auf den Landkreis ausweichen. Alle Großen Kreisstädte der Region werden am Bevölkerungswachstum im Umfang von bis zu +9 % teilhaben. Dennoch fi nden sich auch in der Region einzelne Kommunen, denen bis 2035 eine gleichbleibende oder auch leicht rückläufi ge Bevölkerungsentwicklung bescheinigt wird. AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 15 Abbildung 2.3 VORAUSSICHTLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN DEN GEMEINDEN BADEN-WÜRTTEMBERGS VON 2014 BIS 2035 B o d e n s e e 61-61-16-09A © Kartengrundlage GfK GeoMarketing GmbH Karte erstellt mit RegioGraph 2015 Datenquelle: Regionalisierte Bevölkerungsvorausrechnung Basis 2014, Hauptvariante. Zu- bzw. Abnahme der Bevölkerung in % unter – 5 – 5 bis unter – 1 – 1 bis unter + 1 + 1 bis unter + 5 + 5 bis unter + 9 + 9 und mehr © Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2016 Vervielfältigung und Verbreitung mit Quellenangabe gestattet. Kommerzielle Nutzung bzw. Verbreitung über elektronische Systeme bedarf vorheriger Zustimmung. Landesdurchschnitt: 3,8 gemeindefreies Gebiet 16 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 17 3. VORAUSSICHTLICHE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN KARLSRUHE BIS 2035 18 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 3.1 BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN KARLSRUHE 2007 BIS 2015 Die aktuelle und künftige Bevölkerungsentwicklung hat weitreichenden Einfl uss auf viele Bereiche der öffentlichen und privaten Daseinsgrundversorgung. So nimmt die Bevölkerungsstruktur direkt Einfl uss auf die Nachfrage nach Gütern, Dienstleistungen sowie den Bedarf nach technischer und sozialer Infrastruktur. Darüber hinaus ist die Bevölkerungsgröße einer Stadt die Basis für die Berechnung des kommunalen Finanzausgleichs. Neben der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz beanspruchen auch Einwohner, die in Karlsruhe nur mit Nebenwohnsitz gemeldet sind, Infrastrukturleistungen und stellen auf dem Wohnungsmarkt ein nicht zu vernachlässigendes Nachfragepotential dar. Daher basiert die nachfolgende Analyse auf den Zahlen der sogenannten wohnberechtigten Bevölkerung – also der Einwohnerschaft mit Haupt- oder Nebenwohnsitz. In Karlsruhe befi ndet sich auch eine Zentrale Landes- aufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA). Die dort lebenden Personen werden im kommunalen Einwohnermelderegister der Stadt gemeldet. Allerdings kam es im Zuge des erhöhten Flüchtlingsaufkommens seit Januar 2015 zu erheblichen Verzerrungen der Meldefälle in der LEA. Die nachfolgenden Darstellungen und Analysen erfolgen daher ohne die Bevölkerung in der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge. BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG INSGESAMT Zwischen 2007 und 2014 stieg die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung in Karlsruhe (ohne LEA) von 300.412 Einwohnerinnen und Einwohnern auf 312.842 Wohnberechtigte (siehe Abbildung 3.1). Das ist ein Zuwachs von +12.430 Personen beziehungsweise +4,1 % innerhalb von acht Jahren. Pro Jahr entspricht dies einem Wachstum von etwa +1.550 Personen oder +0,5 %. Wie Abbildung 3.1 zeigt, verlief die Bevölkerungsentwicklung zwischen 2007 und 2015 nicht konstant. Zwischen 2007 und 2009 nahm die Zahl der Wohnberechtigten nur vergleichsweise gering um etwa +900 Personen zu. Im Jahr 2010 fi el die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung in Karlsruhe sogar um -1.500 Personen. Zwei Ursachen zeichnen dabei für das verhaltene Bevölkerungsentwicklung zwischen 2008 und 2010 verantwortlich. Einmal führte die bundesweite Einführung der Steueridentifi kationsnummer zu zahlreichen Abmeldungen von doppelt gemeldeten Personen in den kommunalen Einwohnermelderegistern in ganz Deutschland. Zum anderen wurde im Jahr 2010 in Karlsruhe im Vorfeld des Zensus eine Melderegisterbereinigung durchgeführt, im Zuge derer alle nicht mehr in Karlsruhe lebenden Personen mit Nebenwohnsitz ermittelt und aus dem kommunalen Einwohnermelderegister abgemeldet wurden. Die Korrekturen des Karlsruher Registers der Jahre 2008 bis 2010 haben demnach den „eigentlichen“ Bevölkerungsanstieg dieser Jahre so überlagert, dass im Ergebnis die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung in Karlsruhe nur relativ gering anwuchs (2008 und 2009) beziehungsweise sogar leicht zurückging (2010). Zwischen 2010 und 2015 hingegen nahm die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung in Karlsruhe sehr rasch um +13.005 Personen beziehungsweise +4,3 % zu. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von etwa +2.600 Personen. AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 19 Abbildung 3.1 ENTWICKLUNG DER WOHNBERECHTIGTEN BEVÖLKERUNG (OHNE LEA) IN KARLSRUHE 2007 BIS 2015 GEBURTEN- UND STERBEFÄLLE Seit 1970 übersteigt die Zahl der jährlich Gestorbenen die der Geburten. Somit hat die natürliche Bevölkerungsbewegung (Bilanz aus Geburten und Sterbefällen) an dem eben beschriebenen Bevölkerungsanstieg Karlsruhes zwischen 2007 und 2015 keinen Anteil. Wie in den meisten Kommunen Baden-Württembergs und Deutschlands liegt die Geburtenhäufi gkeit auch in Karlsruhe mit durchschnittlich 1,3 Kindern pro Frau unterhalb des Generationen- ersatzniveaus. Das bedeutet, dass die Zahl der Geburten einer Generation bei weitem nicht ausreicht, um sich selbst in ihrem Bestand zu ersetzen. So liegt die Zahl der jährlich Geborenen in Karlsruhe in den vergangenen Jahren (2008 bis 2015) zwischen 2.500 und 2.800 Lebendgeborenen (siehe Abbildung 3.2). Die Zahl der jährlichen Sterbefälle ist mit 2.800 bis 3.000 Todesfällen seit Jahren relativ konstant, übersteigt jedoch stets die Zahl der Geburten, was zu einem Geburtendefi zit zwischen -100 bis -500 jährlich führt. 300.412 301.346 299.837 312.842 290.000 295.000 300.000 305.000 310.000 315.000 200720082009201020112012201320142015 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 20082009201020112012201320142015 Geborene Gestorbene - Wohnberechtigte Bevölkerung (ohne LEA) - Die Zahl der jährlich Gestorbenen übersteigt die Zahl der Geborenen seit dem Jahr 1970 kontinuierlich. Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 Abbildung 3.2 GEBORENE UND GESTORBENE IN KARLSRUHE 2008 BIS 2015 20 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 ZU- UND FORTZÜGE Stattdessen beruht das eben beschriebene rasche Bevölkerungswachstum Karlsruhes zwischen 2007 und 2015 ausschließlich auf Wanderungsgewinnen. Die Verrechnung der jährlichen Zu- und Fortzüge ergibt – mit Ausnahme des Jahres 2010 – einen deutlich positiven Saldo, da jedes Jahr mehr Menschen nach Karlsruhe zuziehen als Personen die Fächerstadt verlassen (siehe Abbildung 3.3). Abbildung 3.3 ZU- UND FORTZÜGE DER WOHNBERECHTIGTEN BEVÖLKERUNG (OHNE LEA) IN KARLSRUHE 2008 BIS 2015 Analog zur Entwicklung der Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung war auch der Saldo der Zu- und Fortzüge in den Jahren 2008 und 2009 mit Werten zwischen +900 bis +1.400 Personen durch den Sondereffekt der Einführung der Steuer- ID (siehe oben) relativ gering und im Jahr 2010 durch eine kommunale Registerbereinigung unter der Bevölkerung mit Nebenwohnsitz mit -850 Personen sogar negativ. Ab dem Jahr 2011 werden jährlich deutlich höhere Wanderungsgewinne erzielt (zwischen +2.024 und +3.676 Personen pro Jahr), da die Zuzüge deutlich angestiegen sind, während die Fortzüge in den Jahren 2011, 2012 und 2013 sogar unter das Niveau der Vorjahre fi elen. 1.435 916 -847 2.242 3.676 2.951 2.024 2.581 -5.000 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 2008200920102011201220132.0142.015 ZuzügeFortzügeWanderungssaldo Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 21 Die differenzierte Betrachtung der Quell- und Zielgebiete der Zu- und Fortzüge zeigt, dass vor allem die Zuzugsgewinne aus dem Ausland den sprunghaften Anstieg der Wanderungsgewinne seit dem Jahr 2011 verursacht haben (siehe Abbildung 3.4) 1 . Während in den Jahren 2008 und 2009 die Bilanz der Auslandswanderungen negativ war und Karlsruhe per Saldo Einwohner an das Ausland verlor, stieg die Zahl der Zuzüge aus dem Ausland ab dem Jahr 2010 sprunghaft an. Bis 2015 stieg die Netto-Zuwanderung aus dem Ausland kontinuierlich auf über +4.000 Personen pro Jahr an. Abbildung 3.4 GEWINNE/VERLUSTE WOHNBERECHTIGTER BEVÖLKERUNG (OHNE LEA) IN KARLSRUHE DURCH ZU- UND FORTZÜGE 2008 BIS 2015 NACH VERSCHIEDENEN QUELL- UND ZIELGEBIETEN -198 -750 -1.284 -654 -916 -838 -1.115 -1.187 1.466 1.703 191 1.145 1.456 1.313 790 692 554 553 -864 -91 413 107 -1 316 -206 -105 1.150 1.964 3.032 2.913 3.939 4.152 -2.000 -1.000 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 20082009201020112012201320142015 Region KA insgesamtübriges Baden-Württembergübriges DeutschlandAusland Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 Ebenfalls hohe Wanderungsgewinne erfährt die Fächerstadt durch die starke Zuwanderung aus Baden-Württemberg (ohne die Region Karlsruhe). Wie in Abbildung 3.4 dargestellt, schwankte die jährliche Netto-Zuwanderung aus dem Land in den Jahren 2008 bis 2013 zwischen +1.100 Personen und +1.700 Personen. In der jüngsten Vergangenheit 2014 und 2015 sanken die Wanderungsgewinne mit Baden- Württemberg (ohne Region Karlsruhe) unter +1.000 Personen jährlich (2014: +790 Personen und 2015: +692 Personen). Quantitativ von geringerer Bedeutung sind hingegen die Wanderungen mit Deutschland (ohne Baden- Württemberg und die Region Karlsruhe). Während nach der Wiedervereinigung die Zahl der jährlichen Zuzüge aus Deutschland nach Karlsruhe im Zuge der Ost-West- Wanderungen sehr schnell stark anstieg, sinken die Wanderungsgewinne Karlsruhes seit Anfang der 2000er Jahre mit Deutschland allmählich wieder. Lagen die Wanderungsgewinne 2008 und 2009 noch bei jährlich rund +500 Personen sanken sie im Jahr 2011 sogar leicht ins Minus (-91 Personen). Seitdem ist die Wanderungsbilanz zwischen Karlsruhe und Deutschland (ohne Baden-Württemberg und die Region Karlsruhe) ausgeglichen bis leicht positiv und die jährliche Netto-Zuwanderung liegt zwischen null und +400 Personen. Durch Netto-Fortzüge von jungen Familien in der Gründungs- und Wachstumsphase in die Gemeinden der Region verliert Karlsruhe durchgängig Bevölkerung. Dabei nehmen die jährlichen Wanderungsverluste Karlsruhes zwischen 2008 und 1 Auch hinsichtlich der Wanderungsbilanzen nach Quell- und Zielgebieten gilt, dass das Jahr 2010 auf Grund der Registerbereinigung durch eine Anschreibaktion aller Nebenwohnsitzler eine Ausnahme darstellt. 22 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 2015 tendenziell zu. Waren es in 2008 nur -200 Personen, die Karlsruhe per Saldo an die Gemeinden der Region verlor, steigerte sich die jährliche Netto-Abwanderung bis 2015 auf fast -1.200 Personen pro Jahr. Insgesamt sind in Karlsruhe zwischen 2008 und 2015 rund 192.000 Personen zu- und 177.000 fortgezogen. Innerhalb dieses kurzen Zeitraums wurde die Bevölkerung Karlsruhes damit rein rechnerisch zu fast zwei Dritteln ausgetauscht. Insgesamt ergibt sich aus den Zu- und Fortzüge zwischen 2007 und 2015 ein Wanderungsgewinn in Höhe von +15.000 Personen. Verglichen mit der natürlichen Bevölkerungsbewegung ist der Effekt der Wanderungen auf die demographische Entwicklung Karlsruhes ungleich größer und bedeutender. Insgesamt stehen im Zeitraum zwischen 2008 und 2015 fast 370.000 Zu- und Fortzügen rund 44.500 Geborene und Gestorbene gegenüber. Bilanziert ergeben sich +15.000 Personen als Wanderungsgewinne auf der einen und gerade einmal -2.000 Sterbeüberschüsse auf der anderen Seite (siehe Abbildung 3.5). Abbildung 3.5 KOMPONENTEN DER BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN KARLSRUHE 2008 BIS 2015 -195 -384 -375 -228 -497 -109 -122 -292 1.435 916 -847 2.242 3.676 2.951 2.024 2.581 -2.000 -1.000 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 20082009201020112012201320142015 Geborenen- (+) bzw. Gestorbenenüberschuss (-) Saldo aus Zu- und FortzügenGesamtbilanz 1 Die Gesamtbilanz des Jahres 2010 ist auf Grund von einmalig durchgeführten Melderegisterbereinigungen, in deren Zuge etwa 3.000Personen mit Nebenwohnsitz abgemeldet wurden, negativ. Ohne dieses Sonderereignis läge die Gesamtbilanz bei etwa +1.800 Personen. Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 - Wohnberechtigte Bevölkerung (ohne LEA) - AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 23 Darüber hinaus ist der Einfl uss der Zu- und Fortzüge auf die Altersstruktur der Bevölkerung nicht zu unterschätzen. Da Wanderungen in der Regel altersselektiv sind – das heißt jüngere Altersgruppen nehmen überproportional am Wanderungsgeschehen teil – führen die Wanderungsgewinne der Fächerstadt per Saldo beständig junge Bevölkerung vornehmlich im Alter zwischen 20 und 35 Jahren zu. Dies bewirkt – über einen längeren Zeithorizont betrachtet –, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20 bis unter 65 Jahre) nur vergleichsweise langsam demografi sch altert. An der starken Zunahme der älteren Bevölkerung über 80 Jahren durch höhere Lebenserwartung kann die beständige Nettozuwanderung von Auszubildenden, Studenten und Berufsanfängern allerdings nur wenig ändern. ALTERSSTRUKTUR Abbildung 3.6 zeigt die Verteilung der zum 31. Dezember 2015 gemeldeten 312.842 wohnberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner in Karlsruhe (ohne LEA) auf die verschiedenen Altersgruppen. Derzeit leben in Karlsruhe 24.400 Kinder unter 10 Jahren und 19.000 10- bis unter 18-Jährige. Das entspricht einem Gesamtanteil von 8 % beziehungsweise 6 % der Karlsruher Einwohnerschaft. Abbildung 3.6 WOHNBERECHTIGTE BEVÖLKERUNG IN KARLSRUHE 2015 NACH ALTERSGRUPPEN (OHNE LEA) Mehr als doppelt so stark ist die Altersgruppe der Personen im Auszubildenden- und Studentenalter vertreten (18- bis unter 30-Jährige). Auf Grund seines großen und exzellenten Angebots an Ausbildungs-, Fortbildungs- und Studienangeboten ist Karlsruhe besonders attraktiv für junge Erwachsene. In der Fächerstadt leben derzeit (2015) etwa 64.300 Personen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Im Verhältnis zur gesamten Einwohnerzahl in Karlsruhe lag deren Anteil somit bei 18,3 % (zum Vergleich: Baden- Württemberg 12,9 %). Bemerkenswert ist, dass es gerade die Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen ist, in der Jahr für Jahr die höchsten Wanderungsgewinne erzielt werden (2015: +3.500 Personen). Zahlenmäßig etwa gleich groß ist die Gruppe der Berufsanfänger und Familien in der Gründungs- und Wachstumsphase (30 bis unter 45-Jährige). Ende 2015 zählten etwa 65.000 Wohnberechtigte zu dieser Altersgruppe. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag damit bei 20,8 %. Die größte Altersgruppe mit zusammengefasst 20 Altersjahren bilden die 45- bis unter 65-Jährigen, die sogenannten Best Ager. Insgesamt leben über 83.000 Personen dieser Altersgruppe in Karlsruhe. Damit stellen sie über ein Viertel (26,5%) der Gesamtbevölkerung. Fast 49.000 ältere Menschen zwischen 65 und 85 Jahren lebten Ende 2015 in der Fächerstadt. Das entspricht einem Anteil 15,6 % an der Gesamtbevölkerung. Der Gruppe der Hochbetagten gehören aktuell (2015) rund 8.000 wohnberechtigte Karlsruherinnen und Karlsruher über 85 Jahren (2,6 %) an. Die Gruppe ist zahlenmäßig im Vergleich zu den anderen Altersgruppen vergleichsweise schwach besetzt, weist aber mit einer relativen Zunahme um +18,3 % innerhalb der vergangenen acht Jahre (2007 bis 2015) das deutlich stärkste Wachstum auf. 24.394 18.956 64.340 64.957 83.097 48.942 8.156 020.00040.00060.00080.000 100.000 0 bis unter 10 10 bis unter 18 18 bis unter 30 30 bis unter 45 45 bis unter 65 65 bis unter 85 85 Jahre und älter 7,8 % 6,1% 20,6% 20,8% 15,6% 2,6% Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 26,6% 24 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 3.2 ANNAHMEN DER BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Ausgangsbasis der Bevölkerungsvorausrechnung bis zum Jahr 2035 ist die wohnberechtigte Bevölkerung Karlsruhes am 31. Dezember 2015 auf Stadtteilebene – gegliedert nach Alter und Geschlecht. Neben der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz in Karlsruhe umfasst die wohnberechtigte Bevölkerung auch die Einwohner mit Nebenwohnsitz in der Fächerstadt. Die Personen, die in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Karlsruhe (LEA) leben beziehungsweise dort gemeldet sind, werden in der Prognose nicht berücksichtigt. Durch die hohe Flüchtlingszuwanderung im Jahr 2015 kam es zu erheblichen Rückständen bei den An- und Abmeldungen im kommunalen Melderegister, sodass die Datenbasis hinsichtlich der Zahl der Personen in der LEA sehr ungenau ist. Zudem ist der künftige Verlauf der Flüchtlingszuwanderung nach Deutschland nicht abschätzbar. Da Karlsruhe LEA-Standort ist, wird die Fächerstadt bei der Zuweisung von Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften beziehungsweise der Anschlussunterbringung nicht berücksichtigt. Im Prognosemodell wird jedoch davon ausgegangen, dass sich der Zuzug von anerkannten Flüchtlingen aus der Region, weiteren Teilen Baden- Württembergs sowie dem übrigen Deutschland nach Karlsruhe in den kommenden fünf Jahren (2016 bis 2020) erhöhen wird, da nach Wegfall der Residenzpfl icht ein Teil der derzeit in ländlichen Regionen untergebrachten Flüchtlinge in die Großstädte ziehen wird. Für die Prognoseberechnung wurden zwei Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen zur Wirtschafts- und Wohnbaufl ächenentwicklung modelliert. Im Verhaltenen Szenario wird davon ausgegangen, dass sich der Wirtschaftsstandort Karlsruhe auf Grund weltwirtschaftlicher Bedingungen nur noch allmählich entwickelt und der zukunftsorientierte Aus- und Umbau nur zögerlich voranschreitet. In der Konsequenz werden die Wohnbaufl ächenpotentiale in Karlsruhe nicht in vollem Umfang erschlossen. Bis 2035 werden nur die bereits im Verfahren befi ndlichen Bebauungspläne realisiert und ein Großteil der Wohnbaufl ächen aus dem Flächennutzungsplan 2010 entwickelt und bezogen. Flächen aus dem Baulandkataster werden nur in Teilen erschlossen und bebaut. Insgesamt entstehen in diesem Szenario im Prognosezeitraum neue Wohnungen für etwa 18.500 Personen. Dagegen gehen die Annahmen des Dynamischen Szenarios davon aus, dass Karlsruhe auch weiterhin ein attraktiver Wirtschafts-, Forschungs- und Wissenschaftsstandort mit nationaler und internationaler Anziehungskraft bleibt. Auf Grund des innovativen Milieus in Karlsruhe sowie den Fühlungsvorteilen zum KIT siedeln sich auch weiterhin vermehrt Unternehmen aus wissens- und technikintensiven Bereichen an. Dadurch bleiben Karlsruhe und die Technologieregion krisenstabil und zukunftssicher und der Standort kann den Konkurrenzkampf mit anderen Großstädten um gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte erfolgreich bestehen. Dies hat zur Folge, dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt weiter zunimmt und Wohnbaufl ächenpotentiale schneller und umfassender entwickelt werden. Neben den bereits im Verfahren befi ndlichen Bebauungsplänen, den Wohnbaufl ächen aus dem Flächennutzungsplan 2010 sowie den Flächen aus dem Baulandkataster werden bis zum Ende des Prognosezeitraums im Jahr 2035 noch zusätzlich Flächen aus der Fortschreibung des Flächennutzungsplans 2030 sowie weitere Nachverdichtungspotentiale an den Siedlungsrändern bebaut und bezogen. Das Potential neuer Wohnungen ist in diesem Szenario daher deutlich größer und umfasst Neubauwohnungen für 30.300 Personen. Einen Überblick über die zentralen Annahmen der Bevölkerungsprognose 2035 gibt Tabelle 3.1. Hierin lassen sich für die einzelnen Prognoseszenarien die angenommenen Parameterentwicklungen ablesen. Die Annahmen zur Entwicklung der Geburtenhäufi gkeit, der Lebenserwartung sowie der Binnenwanderungsströme sind in beiden Varianten gleich. Deutliche Unterschiede zwischen den Varianten bestehen hingegen bei den Annahmen zur künftigen Bautätigkeit und damit auch den Zu- und Fortzügen. AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 25 Tabelle 3.1 ANNAHMEN DER BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 verhaltendynamisch Fruchtbarkeit Sterblichkeit Binnenwanderung Zweitwohnsitzsteuer wirtschaftliche Entwicklung Die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe schreitet nur zögerlich voran; es entstehen kaum neue Arbeitsplätze in innovativen Wirtschaftsbereichen Karlsruhe bleibt weiterhin ein attraktiver Wirtschafts-, Forschungs- und Wissenschaftsstandort mit hoher Anziehungskraft; die Ansiedlung von wissens- und technikintensiven Unternehmen befördert den stetigen Zuzug von Fach- und Führungskräften Außenwanderungen Wanderungsgewinne bis 2020 weiter auf hohem Niveau (Zuzüge aus dem Ausland und Land-Stadt-Wanderungen von anerkannten Flüchtlingen); Ab 2025 deutlicher Rückgang der Zuzüge und nur noch zögerliche Entwicklung von Wohnungsbaupotentialen; Wanderungsgewinn 2016 bis 2035 etwa 30.500 Personen Wanderungsgewinne bis 2020 weiter auf hohem Niveau (Zuzüge aus dem Ausland und Land-Stadt-Wanderungen von anerkannten Flüchtlingen); auch nach 2025 weiter hohe Wanderungsgewinne durch hohe Neubautätigkeit; Wanderungsgewinn 2016 bis 2035 etwa 42.200 Personen Leichter Anstieg von 1,31 auf 1,33 Kinder pro Frau; Zunahme des durchschnittlichen Alters der Mutter bei Geburt von 32,2 auf 33,7 Jahre Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt zwischen 2015 und 2035 um +2,4 Jahre (Männer) und 2,1 Jahre (Frauen) Die alters- und geschlechtsspezifischen Fortzugswahrscheinlichkeiten zwischen den Karlsruher Stadtteilen der vergangenen Jahre (2011 bis 2015) werden über den Prognosezeitraum hinweg als konstant angenommen Durch die Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer 2017 sinkt die Zahl der Bevölkerung mit Nebenwohnsitz zwischen 2016 und 2018 um -73 %; rund ein Viertel der ehemaligen Bevölkerung mit Nebenwohnsitz meldet sich mit Hauptwohnsitz an (etwa 3.000 Personen) PROGNOSE- PARAMETER SZENARIO Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 26 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 3.3 ERGEBNISSE DER BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 AUF GESAMTSTADTEBENE An Hand der in Kapitel 3.2 beschriebenen Annahmen zur künftigen Entwicklung der einzelnen Prognoseparameter wurden zwei Szenarien der Bevölkerungsentwicklung in Karlsruhe und seiner Stadtteile zwischen 2016 und 2035 modelliert und berechnet. Ausgangspunkt dabei bildet die wohnberechtigte Bevölkerung zum 31. Dezember 2015 differenziert nach Alter, Geschlecht und Stadtteilen ohne die Personen in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA). Abbildung 3.7 VORAUSSICHTLICHE ENTWICKLUNG DER WOHNBERECHTIGTEN BEVÖLKERUNG IN KARLSRUHE 2007 BIS 2035 NACH VERSCHIEDENEN PROGNOSEVARIANTEN (OHNE LEA) 323.236 335.013 336.667 337.500 315.190 312.317 323.380 336.716 344.647 350.268 280.000 290.000 300.000 310.000 320.000 330.000 340.000 350.000 360.000 Startbevölkerung: 312.842 Wohnberechtigte (ohne LEA) 1) Bevölkerungsrückgang durch die Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer Bevölkerungsveränderung 2015 bis 2035 Dynamisches Szenario: +37.400 Personen bzw. +12,0 % Verhaltenes Szenario: +24.700 Personen bzw. + 7,9 % DYNAMISCHES SZENARIO Anhaltend positive wirtschaftliche Entwicklung und der Ausbau Karlsruhes als zukunftssicherer Technik- und Forschungsstandort bedingen auch über 2025 hinaus deutliche Wanderungsgewinne; neue Wohnbaupotentiale werden zügig bereitgestellt. VERHALTENES SZENARIO Die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe schreitet nur zögerlich voran; es entstehen kaum neue Arbeitsplätze in innovativen Wirtschaftsbereichen. Darum sinken ab 2025, wenn die Zahl junger Erwachsener in Deutschland und Baden-Württemberg im Zuge des Demographischen Wandels sinken, die Wanderungsgewinne Karlsruhes spürbar. Der Wohnungsbau entwickelt sich nach 2025 nur noch verhalten. 1 Die Bevölkerungsentwicklung der Jahre 2008 bis 2010 ist durch die bundesweite Einführung der Steuer-ID sowie eine 2010 in Karlsruhe durchgeführte Melderegisterbereinigung deutlich unterzeichnet. Im Zuge dieser Maßnahmen, kam es zu einer erheblichen Zahl an Abmeldungen aus dem Melderegister. Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 - Bestand und Vorausrechnung - Bestandsentwicklung Dynamisches Szenario Verhaltenes Szenaio AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 27 Bei verhaltener Wirtschafts- und Wohnbaufl ächen- entwicklung (Verhaltenes Szenario) wird die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung (Haupt- und Nebenwohnsitz) ohne Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA) von derzeit (2015) 312.842 Personen auf 337.500 Wohnberechtigte im Jahr 2035 ansteigen. Das entspricht einem Wachstum von rund +24.700 Einwohnerinnen und Einwohner beziehungsweise +7,9 % in den kommenden 20 Jahren (siehe Abbildung 3.7). Dabei ist nicht von einem geradlinigen Wachstum auszugehen. Stattdessen wird die Bevölkerungszahl im Verhaltenen Szenario in der ersten Prognosehälfte zwischen 2015 und 2025 dem Trend der Vorjahre (2011bis 2015) folgend vergleichsweise stark um +22.200 Wohnberechtigte (+7,1 %) auf 335.013 Personen zunehmen. Ausschlaggebend dafür ist in erster Linie die Annahme, dass in dieser Zeit die Zuzüge aus dem Ausland (vor allem Südeuropa und Übersee) sowie dem Inland (Land-Stadt-Wanderung anerkannter Flüchtlinge) und damit auch die Wanderungsgewinne noch vergleichsweise hoch ausfallen. Zudem werden in dieser Zeit verstärkt neue Wohnungen gebaut und vermarktet werden (Fertigstellung Konversionsgebiete, Baulandkataster, Flächennutzungsplan 2010). Wenn den Annahmen des Verhaltenen Szenarios zu Folge ab 2025 die Zuzüge aus dem Ausland zurückgehen und auch von innerhalb Deutschlands weniger junge Studierende und Berufsanfänger nach Karlsruhe zuziehen, fallen die jährlichen Bevölkerungszuwächse deutlich geringer aus. So wird Karlsruhe zwischen 2025 und 2035 nur noch um +2.500 Wohnberechtigte (+0,7 %) auf 337.500 Einwohnerinnen und Einwohner wachsen. Bei künftig anhaltendem zukunftsorientiertem Ausbau des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts Karlsruhe, wie er im Dynamischen Szenario angenommen wird, wird die wohnberechtigte Bevölkerung in Karlsruhe bis 2035 stärker wachsen als im Verhaltenen Szenario. Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner (ohne LEA) wird von derzeit (2015) 312.842 bis zum Jahr 2035 auf 350.268 Personen zunehmen. Das bedeutet einen Zuwachs von circa + 37.400 Personen beziehungsweise +12,0 % in den kommenden 20 Jahren. Wie Abbildung 3.7 zeigt, ist der Bevölkerungsanstieg im Dynamischen Szenario kontinuierlicher als im verhaltenen Szenario. In der Variante mit anhaltend starker Wirtschafts- entwicklung setzt sich das Einwohnerwachstum Karlsruhes auch nach 2025 weiter fort – wenn auch mit geringer Intensität. Im Dynamischen Szenario ist in der ersten Prognosehälfte zwischen 2015 und 2025 ein Anstieg der wohnberechtigten Bevölkerung von +23.900 Personen (+7,6 %) auf 336.716 Einwohnerinnen und Einwohner zu erwarten. Ab 2025 verlangsamt sich die Wachstumsgeschwindigkeit. Dennoch wird die Bevölkerung in der zweiten Prognosehälfte noch einmal deutlich um +13.600 Personen (+4,0 %) ansteigen, sodass in Karlsruhe im Jahr 2035 mit einer wohnberechtigten Bevölkerung von 350.268 Personen zu rechnen ist. Ähnlich wie im Verhaltenen Szenario auch wird das starke Bevölkerungswachstum bis 2025 von der hohen Zuwanderung aus dem Ausland sowie starken Wanderungsüberschüssen durch Land-Stadt- Wanderungen innerhalb Deutschlands (zum Beispiel anerkannte Flüchtlinge) getragen werden. Im Unterschied zum Verhaltenen Szenario bleibt Karlsruhe im Dynamischen Szenario jedoch ein Innovationsstandort mit nationaler und internationaler Anziehungskraft, was die Zuwanderung und den Druck auf den Wohnungsmarkt auch über 2025 hinaus hoch hält. Im Zuge dessen werden im Dynamischen Szenario auch noch zwischen 2025 bis 2035 weiter Wohnbaupotentiale in erheblichem Umfang erschlossen und bebaut (Flächen an den Siedlungsrändern sowie aus der Fortschreibung des Flächennutzungsplans 2030). Sowohl im Verhaltenen Szenario als auch im Dynamischen Szenario beruht das Bevölkerungswachstum ausschließlich auf Wanderungsgewinnen – vor allem in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen. Die Bilanz aus Geburten und Sterbefällen ist in beiden Prognosevarianten durchweg negativ. Dabei stehen im Verhaltenen Szenario +30.500 Wanderungsgewinne -2.900 Sterbeüberschüssen gegenüber. Im Dynamischen Szenario ist die Netto-Zuwanderung mit +42.200 Personen deutlich höher, die Bilanz aus Geborenen und Gestorbenen mit -1.800 Personen, jedoch niedriger als im Verhaltenen Szenario, weil durch die stärkere Zuwanderung junger Erwachsener im Dynamischen Szenario auch die Zahl der Geburten höher ist (bei gleicher Fruchtbarkeit). 1 Jährlich betrachtet war das durchschnittliche Bevölkerungswachstum (ohne LEA) in der Zeitspanne zwischen 2011 und 2015 mit +2.600 Personen pro Jahr deutlich höher als im Verhaltenen Szenario zwischen 2016 und 2035 mit +1.100 Personen pro Jahr. 28 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 EXKURS ZWEITWOHNSITZSTEUER In beiden Szenarien geht die wohnberechtigte Bevölkerung Karlsruhes zwischen 2016 und 2017 um etwa -2.900 Personen zurück – von 315.200 auf 312.300 Wohnberechtigte. Ursache hierfür ist die bereits in Kapitel 3.2 erwähnte Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer in Karlsruhe zum 1. Januar 2017. Die Beobachtungen in anderen Städten Baden-Württembergs, die bereits eine Zweitwohnsitzsteuer eingeführt haben, legen nahe, dass innerhalb weniger Jahre etwa drei Viertel der Einwohnerinnen und Einwohner mit Zweitwohnsitz in Karlsruhe diesen Nebenwohnsitz aus steuerlichen Gründen abmelden werden. Im Zuge dessen wird die Zahl der Bevölkerung in Karlsruhe mit Nebenwohnsitz deutlich von 16.627 Personen (2015) auf 4.496 Personen in 2018 zurückgehen (vergleiche Abbildung 3.8). Gleichzeitig wird angenommen, dass etwa 25 % derer, die ihren Zweitwohnsitz in Karlsruhe aufgeben, sich gleichzeitig mit Hauptwohnsitz in der Fächerstadt wieder anmelden werden. Man spricht in einem solchen Fall von Statuswechsel. Insgesamt ist im Zuge der Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer in Karlsruhe zwischen 2016 und 2018 mit etwa 3.000 zusätzlichen Statuswechseln zu rechnen. Daher steigt, wie Abbildung 3.8 zeigt, die Zahl der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz in den Jahre 2015 bis 2018 noch einmal besonders stark von 296.215 auf 310.395 Personen an. Abbildung 3.8 ENTWICKLUNG DER BEVÖLKERUNG IN KARLSRUHE 2007 BIS 2035 NACH WOHNSTATUS – AB 2016 PROGNOSEWERTE OHNE LEA – 312.842 323.380 336.716 344.647 350.268 277.019 282.036 296.215 318.976 332.390 340.295 345.883 300.412 299.837 312.317 250.000 270.000 290.000 310.000 330.000 350.000 370.000 BESTAND - Bevölkerung mit NebenwohnsitzPROGNOSE Bevölkerung mit Nebenwohnsitz BESTAND - Bevölkerung mit HauptwohnsitzPROGNOSE - Bevölkerung mit Hauptwohnsitz 23.393 17.801 16.627 4.404 4.327 4.352 4.384 4.496 310.175 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 DYNAMISCHES SZENARIO AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 29 Insgesamt erscheint eine Bevölkerungszunahme von +24.700 (Verhaltenes Szenario) beziehungsweise +37.400 Einwohnerinnen und Einwohner (Dynamisches Szenario) in Karlsruhe innerhalb der kommenden 20 Jahre (2015 bis 2035) auf den ersten Blick sehr hoch. Pro Jahr bedeutet dies immerhin ein durchschnittliches Wachstum von +1.200 beziehungsweise +1.900 Personen. Vergleicht man damit jedoch das durchschnittliche jährliche Wachstum der Jahre 2011 bis 2015 1 in Höhe von +2.600 Personen pro Jahr, erscheinen die Annahmen und Ergebnisse selbst des Dynamischen Szenarios als durchaus realistisch. ALTERSSTRUKTUR Neben der Veränderung der Einwohnerzahl wird sich künftig auch die Altersstruktur der Bevölkerung Karlsruhes weiter verändern. Abbildung 3.9 zeigt die Bevölkerungsgewinne beziehungsweise –verluste der einzelnen Altersgruppen zwischen 2015 und 2035 für beide Szenarien. Mit Ausnahme der Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen werden zwischen 2015 und 2035 alle Altersgruppen Bevölkerung hinzugewinnen. Abbildung 3.9 BEVÖLKERUNGSGEWINN/-VERLUST NACH ALTERSGRUPPEN IN KARLSRUHE 2015 BIS 2035 NACH VERSCHIEDENEN PROGNOSESZENARIEN (OHNE LEA) 1.091 1.609 2.416 3.665 -2.867 10.479 5.040 12.303 3.692 474 987 1.672 2.851 -4.901 6.006 2.689 11.427 3.452 -6.000-4.000-2.00002.0004.0006.0008.00010.00012.00014.000 0 bis unter 3 3 bis unter 6 6 bis unter 10 10 bis unter 18 18 bis unter 30 30 bis unter 45 45 bis unter 65 65 bis unter 85 85 und älter Verhaltenes Szenario Dynamisches Szenario Gewinn/Verlust KA insgesamt Verhaltenes Szenario: +24.658 Personen Dynamisches Szenario: +37.426 Personen Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 1 Die Jahre 2008 bis 2010 sind auf Grund der zahlreichen technischen Umzüge (Abmeldungen von Amts wegen) im Zuge der Einführung der Steuer-ID sowie der Registerbereinigung im Vorfeld des Zensus deutlich verfälscht und spiegeln nicht das tatsächliche Bevölkerungswachstum jener Jahre wieder. 30 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Die Zahl der 65- bis unter 85-Jährigen wird im Prognosezeitraum (2015-2035) in beiden Szenarien am stärksten wachsen. Mit +11.427 Personen (Verhaltenes Szenario) beziehungsweise +12.303 Personen (Dynamisches Szenario) ist mit einer beachtlichen absoluten Zunahme der Einwohnerinnen und Einwohner in diesem Alterssegment zu rechnen. Hier kommt in erster Linie die Tatsache zum Tragen, dass die geburtenstarken Jahrgänge der zwischen 1955 und 1969 Geborenen („Baby-Boomer-Generation“) in die Altersgruppe der 65- bis unter 85-Jährigen hineinaltern und die eher geburtenschwachen Jahrgänge der zwischen den Weltkriegen und bis in die frühen 1950er Jahre Geborenen ersetzen. Dieser Effekt macht sich vor allem nach 2025 bemerkbar. Während in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) je nach Szenario nur eine Zunahme zwischen +2.085 und +2.148 Personen zu erwarten ist, wird sich die Zahl der Seniorinnen und Senioren in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) um +9.342 bis +10.155 Wohnberechtigte erhöhen. Ohne Wanderungen wäre der eben beschriebene Altersstruktureffekt sogar noch stärker, weil in der Altersgruppe der 65- bis unter 85-Jährigen im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) die Zahl der Fortzüge die Zahl der Zuzüge leicht übersteigt (etwa -1.200 Personen), weil viele Senioren im Alter ihren Kindern und Enkelkindern ins suburbane Umland folgen und ihren Alterswohnsitz in Gemeinden der Region Karlsruhe verlagern. Doch nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zur Ausgangsbevölkerungsgröße ist die zu erwartende Zunahme der Bevölkerung zwischen 65 und 85 von etwa einem Viertel (+23,3 % beziehungsweise +25,1 %) beachtlich (siehe Abbildung 3.10). Die stärkste prozentuale Zunahme gemessen am Ausgangsbestand der Altersgruppe im Jahr 2015 ist in der Altersgruppe der Hochbetagten im Alter von 85 Jahren und mehr zu erwarten. Dort wurde im Dynamischen Szenario zwischen 2015 und 2035 eine Zunahme von+ 45,3 % errechnet (siehe Abbildung 3.10, dunkelgrüne Balken). Im Verhaltenen Szenario wird die relative Zunahme mit +42,3 % ähnlich hoch ausfallen (siehe Abbildung 3.10, hellgrüne Balken). In absoluten Zahlen bedeutet dies einen Anstieg zwischen 2015 und 2035 in Höhe von +3.692 Personen (Dynamisches Szenario) beziehungsweise +3.452 Personen (Verhaltenes Szenario; siehe Abbildung 3.9). Anders als bei den Senioren (65- bis unter 85-Jährige) wird bei den Hochbetagten das stärkere Bevölkerungswachstum in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) mit +2.862 beziehungsweise +2.860 Personen stattfi nden. Neben der Zunahme der fernen Lebenserwartung (Rückgang der Sterbewahrscheinlichkeiten im höheren Alter) kommt hier zum Tragen, dass die Altersgruppe zu Beginn der Prognose auf Grund der zahlreichen Gefallenen der beiden Weltkriege sowie der Geburtenausfälle während der Wirtschaftskrise 1932 vergleichsweise schwach besetzt war. Während des Prognosezeitraums altern vermehrt normal besetzte Geburtsjahrgänge ohne Kriegs- und Geburtenausfälle in die Altersgruppe der Hochbetagten (85 Jahre und älter) hinein, was unter anderem zu deren starken Wachstum führt. Auch in der Altersgruppe der 30- bis unter 45-Jährigen ist in beiden Szenarien mit einer deutlichen Zunahme der Zahl der Wohnberechtigten zu rechnen. Da sich diese Altersgruppe deutlich stärker an Zu- und Fortzügen beteiligt als die Bevölkerung über 65 Jahren und sich beide Prognosevarianten in erster Linie durch die Annahmen zum künftigen Wanderungsgeschehen unterscheiden, sind bei den jüngeren Altersgruppen die Unterschiede zwischen beiden Prognoseszenarien größer. Das Dynamische Szenario errechnet eine Zunahme der Zahl der 30- bis unter 45-Jährigen zwischen 2015 und 2035 von +10.479 Personen beziehungsweise +16,1 %, während den Annahmen des Verhaltenen Szenarios in dieser Altersgruppe nur ein Wachstum von +6.006 Personen beziehungsweise +9,2 % zu erwarten ist. Ganz grundsätzlich ergibt sich die Einwohnerzunahme aber auch in dieser Altersgruppe aus der derzeitigen Altersstruktur der Karlsruher Bevölkerung: die schwach besetzten Jahrgänge der in den 1970er Jahren Geborenen (zweiter säkularer Geburtenrückgang) rücken während der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) aus der Altersgruppe der 30- bis unter 45-Jährigen in die Altersgruppe darüber (45 bis unter 65 Jahre) vor und werden gleichzeitig von den geburtenstärkeren Jahrgängen der ersten Kinder der Baby-Boomer-Generation ersetzt. Dies führt bei den 30- bis unter 45-Jährigen vor allem in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2035) zu einem starken Anstieg der Bevölkerungszahlen (+10.654 beziehungsweise 9.976 Personen). In der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) bleibt die Zahl der 30- bis unter 45-Jährigen im Dynamischen Szenario annähernd konstant (-176 Personen) während im Verhaltenen Szenario deutliche Bevölkerungs- verluste prognostiziert werden (-3.970 Personen). AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 31 Abbildung 3.10 BEVÖLKERUNGSGEWINN/-VERLUST NACH ALTERSGRUPPEN IN KARLSRUHE 2015 BIS 2035 NACH VERSCHIEDENEN PROGNOSESZENARIEN (OHNE LEA) 13,8% 22,3% 26,1% 19,3% -4,5% 16,1% 6,1% 25,1% 45,3% 6,0% 13,7% 18,1% 15,0% -7,6% 9,2% 3,2% 23,3% 42,3% -20%-10%0%10%20%30%40%50% 0 bis unter 3 3 bis unter 6 6 bis unter 10 10 bis unter 18 18 bis unter 30 30 bis unter 45 45 bis unter 65 65 bis unter 85 85 und älter Verhaltenes Szenario Dynamisches Szenario Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 Der eben angesprochene Effekt (Vorrücken der in den 1970er Jahren geborenen, geburtenschwachen Jahrgänge in die Altersgruppe der 45- bis unter 65-Jährigen) erklärt zusammen mit geringen Wanderungsgewinnen bei den 45- bis unter 65-Jährigen auch das verhaltene Wachstum dieser Altersgruppe im Prognosezeitraum (Dynamisches Szenario: +5.040 Personen beziehungsweise +6,1 %; Verhaltenes Szenario: +2.689 Personen beziehungsweise +3,2 %). Bei der Altersgruppe der 10- bis unter 18-Jährigen sorgen vor allem Wanderungsgewinne sowie der leichte Anstieg der Geburtenzahlen für Bevölkerungszuwächse. Im gesamten Prognosezeitraum (2015 bis 2035) wird sich deren Zahl je nach Szenario um +3.665 Personen (Dynamisches Szenario) bzw. +2.851 Personen (Verhaltenes Szenario) erhöhen. Das entspricht einer prozentualen Zunahme von +19,3 % beziehungsweise +15,0 %. Steigende Geburtenzahlen und Wanderungsüberschüsse führen auch in den unteren Altersgruppen (0 bis unter 3 Jahre; 3 bis unter 6 Jahre; 6 bis unter 10 Jahre) zu einem Anstieg der Einwohnerzahlen. Dabei resultiert der Anstieg der jährlich Geborenen in erster Linie aus Altersstruktureffekten: nämlich der Zunahme der Zahl der Bevölkerung im gebärfähigen Alter (vor allem der Altersgruppe der 30- bis unter 45-Jährigen). Die in der Prognose nur sehr zurückhaltend angenommene Steigerung der Geburtenhäufi gkeit spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Da sowohl der Anstieg der jährlichen Geborenenzahlen als auch die angenommenen Wanderungsgewinne im Dynamischen Szenario größer sind, unterscheiden sich die Ergebnisse für die Altersgruppen der unter 10-Jährigen in beiden Prognoseszenarien relativ deutlich. Bei den 0- bis unter 3-Jährigen wurde im Dynamischen Szenario ein Bevölkerungszuwachs innerhalb des Prognosezeitraums (2015 bis 2035) von +1.091 beziehungsweise 13,8 % errechnet. Nur halb so groß (+474 Personen beziehungsweise 4,0 %) wäre der Anstieg unter den Bedingungen des Verhaltenen Szenarios. Bei den 3- bis unter 6-Jährigen errechnet das Dynamische Szenario einen Zuwachs von +1.609 Personen beziehungsweise 22,3 % zwischen 2015 und 2035, während das Verhaltene Szenario nur von einem Anstieg um +987 Personen beziehungsweise 13,7 % ausgeht. Noch etwas ausgeprägter wird voraussichtlich der Bevölkerungsgewinn in der Altersgruppe der Grundschulkinder (6- bis unter 10-Jährige) ausfallen. Dort beträgt der Zuwachs im Dynamischen Szenario +3.665 Personen (+26,1 %) und im Verhaltenen Szenario +2.851 Personen (+18,1 %). Die einzige Altersgruppe, die im Prognosezeitraum Bevölkerung verlieren wird, ist die der 18- bis unter 30-Jährigen. Zwischen 2015 und 2035 wird die Einwohnerzahl in dieser Altersgruppe laut Dynamischem Szenario um -2.867 Personen beziehungsweise -4,5 % zurückgehen. Im Verhaltenen Szenario wird der Rückgang 32 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 mit -4.901 Personen beziehungsweise -7,6 % noch stärker ausfallen. Dafür zeichnen zwei Faktoren verantwortlich. Einmal der im Zuge der Einführung einer Zweitwohnsitzsteuer anzunehmende starke Rückgang der Bevölkerung mit Nebenwohnsitz in den Jahren 2016 bis 2018. Und zum anderen der in beiden Szenarien angenommene Rückgang der Zuzüge von Bevölkerung im Studien- und Ausbildungsalter ab dem Jahr 2025. Die hohen Wanderungsgewinne der Jahre 2015 bis 2025 würden eigentlich in beiden Szenarien dazu führen, dass die Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 30 Jahren weiterhin deutlich anwachsen würde. Allerdings führt der mit der Einführung der Zweitwohnsitzsteuer angenommene Rückgang der Bevölkerung mit Nebenwohnsitz (-73 %) dazu, dass die Bevölkerung in dieser Altersgruppe trotz hoher Netto- Zuwanderung in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) nahezu konstant bleibt. Wenn aber ab 2025 die Zahl der Zuzüge zurückgeht – vor allem weil in Deutschland und Baden-Württemberg im Zuge des demographischen Wandels die Zahl mobiler junger Erwachsener (Zuzugspotential) schrumpft – sinkt die Zahl der 18- bis unter 30-Jährigen in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) deutlich. Da der angenommene Rückgang der Zuzüge junger Erwachsener ab 2025 im Verhaltenen Szenario ausgeprägter ist, sinken dort die Einwohnerzahlen bei den 18- bis unter 30-Jährigen stärker. Dabei wird Karlsruhe auch nach 2025 weiterhin erhebliche Wanderungsgewinne in dieser Altersgruppe verbuchen können. Diese sind jedoch nicht ausreichend, um die sehr stark besetzte Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen, die in Karlsruhe jedes Jahr zu über zwei Dritteln aus Zuwanderung und nur zu einem Drittel aus Bevölkerung aus jüngeren Jahrgängen gespeist wird, konstant zu halten. Die Zahl der Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis 65 Jahre) wird im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) in Karlsruhe nach den Annahmen des Dynamischen Szenarios um +13.338 Personen zunehmen (+6,4 %). Allerdings beschränkt sich das Wachstum (+14.493 Personen beziehungsweise +7,0 %) auf die erste Prognosehälfte (2015-2025). Im zweiten Prognoseabschnitt (2025 bis 2035) ist ein leichter Rückgang von -1.155 Personen (-0,5 %) zu erwarten. Am stärksten wird die Zahl der Erwerbspersonen im mittleren Alter (30 bis unter 55 Jahren) zunehmen (2015 bis 2035: +10.693 Personen beziehungsweise +9,5 %). Da in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) vor allem bei den jüngeren Einwohnern im Erwerbsalter (20- bis unter 30-Jährige) die Bevölkerungszahlen zurückgehen werden (-3.561 Personen beziehungsweise -6,2 %), wird die Gruppe der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 65 Jahre) insgesamt leicht demographisch altern. Das Durchschnittsalter dieser Altersgruppe wird von derzeit (2015) 40,7 auf 41,3 Jahre in 2035 ansteigen (+0,5 Jahre). Im Verhaltenen Szenario ist mit +4.567 Personen beziehungsweise +2,2 % ein deutlich geringerer Zuwachs der Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis 65 Jahre) zwischen 2015 und 2035 zu erwarten. In der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) ist das Wachstum auch im Verhaltenen Szenario mit +13.023 Personen beziehungsweise -6,2 % ähnlich hoch wie bei dynamischer Wirtschaftsentwicklung. Nach 2025, wenn im Verhaltenen Szenario Jahr für Jahr weniger Netto-Zuwanderer nach Karlsruhe kommen, sinkt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter bis 2035 deutlich um -8.456 Personen beziehungsweise -3,8 %. Dabei beruht das Wachstum der Bevölkerung im Erwerbsalter im Verhaltenen Szenario ausschließlich auf der Zunahme von Bevölkerung zwischen 30 und 65 Jahren (+13.048 Personen) in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025). Die jüngere Bevölkerung im Erwerbsalter zwischen 20 und 30 Jahren bleibt in diesem Zeitraum nahezu konstant (-25 Personen). Zwischen 2025 und 2035 wird die Zahl der Bevölkerung im Erwerbsalter dann in allen Altersgruppen zurückgehen – am stärksten bei den jüngeren Jahrgängen (20 bis unter 30 Jährige: -4.824 Personen; 30- bis unter 55-Jährige: -726 Personen; 55- bis unter 65-Jährige: -2.906 Personen). Dennoch ist der Anstieg des Durchschnittsalters der Bevölkerung im Erwerbsalter zwischen 2015 und 2035 auch im Verhaltenen Szenario mit +0,6 Jahren nur vergleichsweise gering. Die beschriebenen Veränderungen der Altersgruppen- besetzung (siehe Abbildung 3.9 und 3.10) werden auch in Karlsruhe dafür sorgen, dass künftig (2015 bis 2035) die Bevölkerung insgesamt demographisch altern wird – wenn auch vergleichsweise langsam. Dies schlägt sich zum einen in der starken absoluten Zunahme der Zahl der Bevölkerung zwischen 65 und 85 Jahren nieder (Dynamisches Szenario +12.303 Personen beziehungsweise -25,1 %; Verhaltenes Szenario: +11.427 Personen beziehungsweise +23,3 %). Zum anderen zeigt sich die demographische Alterung an der sehr starken prozentualen Zunahme der Hochbetagten Einwohnerinnen und Einwohner über 85 Jahren (Dynamisches Szenario: +3.692 Personen beziehungsweise +45,3 %; Verhaltenes Szenario: +3.452 Personen beziehungsweise +42,3 %). Gleichzeitig reproduziert sich die Bevölkerung im AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 33 gebärfähigen Alter jedes Jahr nur zu rund zwei Dritteln. Dies kann langfristig auch von der massiven Zuwanderung von jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren nicht kompensiert werden, was sich im Rückgang der Einwohnerzahlen in dieser Altersgruppe in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) manifestiert (-3.283 Personen beziehungsweise -4.659 Personen). Im baden-württembergischen Vergleich wird die demographische Alterung in Karlsruhe jedoch relativ langsam voranschreiten. Während das Durchschnittsalter der Bevölkerung der Fächerstadt im Dynamischen Szenario ganz leicht von derzeit (2015) 42,3 um +1,1 Jahre auf 43,4 Jahre in 2035 steigen wird (Verhaltenes Szenario +1,3 Jahre), errechnet das Statistische Landesamt in seiner aktuellen Landesprognose für Baden- Württemberg insgesamt einen Anstieg des Durchschnittsalters zwischen 2015 und 2035 um etwa das Doppelte (+2,3 Jahre; 2015: 43,4 Jahre; 2035: 45,7 Jahre). Trotz der vergleichsweise geringen demographischen Alterung in Karlsruhe ist künftig mit einer deutlichen Zunahme der Zahl der Pfl egebedürftigen in der Fächerstadt zu rechnen. Statt derzeit (2015) rund 8.400 Pfl egebedürftigen werden im Jahr 2035 in beiden Szenarien etwa 11.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Karlsruhe der Pfl ege bedürfen. Das entspricht einer Zunahme von rund +2.600 Personen beziehungsweise +31 %. Die anhaltend hohe Zuwanderung, wie sie sich im Dynamischen Szenario aus guter konjunktureller Entwicklung und hoher Wohnbaufl ächenbereitstellung ergibt, bewirkt bei den mobilen Altersgruppen unter 65 Jahren einen deutlichen Wachstumseffekt. Die Bevölkerungsgewinne in diesen Altersgruppen sind im Dynamischen Szenario deutlich größer, beziehungsweise ist der Rückgang der 18- bis unter 30-Jährigen spürbar geringer als im Verhaltenen Szenario. Vor allem der in beiden Szenarien ab 2025 einsetzende Rückgang des Erwerbspersonenpotentials könnte durch die höhere Zuwanderung des Dynamischen Szenarios abgefedert werden. Voraussetzung dazu ist aber in jedem Fall die kontinuierlich hohe Ausweisung von neuen Wohnbaufl ächen auch über 2025 hinaus. Gleichzeigt zeigen beide Szenarien, dass sich die Veränderungen der Bevölkerung über 65 Jahren weitestgehend unabhängig vom künftigen Wanderungsvolumen vollziehen werden. Die starke absolute Zunahme der 65- bis unter 85-Jährigen sowie der deutliche prozentuale Anstieg der Hochbetagten über 85 Jahren ergibt sich hauptsächlich aus der bereits bestehenden Altersstruktur in Karlsruhe und ist auf Grund der hohen Altersselektivität von Wanderungen durch Zuwanderung kaum beeinfl ussbar. 3.4 KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG BIS 2035 IN DEN KARLSRUHER STADTTEILEN Wie in Kapitel 3.2 beschrieben, wurde in der vorliegenden Bevölkerungsprognose nicht nur für die Gesamtstadt sondern auch für die 27 Stadtteile Karlsruhes die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung vorausberechnet. 1 Ganz grundsätzlich ist bei kleinräumigen Vorausberechnungen auf Stadtteilebene der Einfl uss des künftig geplanten Wohnungsneubaus sehr groß. Die Annahmen dazu wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt sowie dem Liegenschaftsamt entwickelt. Die voraussichtlichen Bevölkerungsgewinne beziehungsweise -verluste der einzelnen Stadtteile im Prognosezeitraum (2015 bis 2035), die bei anhaltend dynamischer Wirtschaftsentwicklung zu erwarten sind, sind in Abbildung 3.11 dargestellt. Dem Dynamischen Szenario zufolge wird in allen 27 Stadtteilen die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung (ohne LEA) zwischen 2015 und 2035 zunehmen. Dabei werden die Bevölkerungszahlen in den Stadtteilen Durlach (+4.891 Personen) und Neureut (+4.010 Personen) am stärksten ansteigen. In beiden Fällen resultiert das starke Bevölkerungswachstum fast ausschließlich aus Zuzügen in neu gebaute Wohnungen. In Durlach wird angenommen, dass neben größeren Neubaugebieten (Oberer Säuterich, Sportfl ächen) auch zahlreiche Flächen aus dem Baulandkataster sowie neue Flächen an den Siedlungsrändern erschlossen und bezogen werden. In Neureut ergeben sich die hohen Bevölkerungsgewinne fast gänzlich aus dem Wohnungsneubau im Rahmen des Räumlichen Leitbilds. In Knielingen (+2.326 Personen) und der Nordstadt (+2.304 Personen) wird die Zahl der Wohnberechtigten bis 2035 künftig ebenfalls deutlich ansteigen. In Knielingen sind durch die abschließende Aufsiedelung des Konversionsgebiets Knielingen 2.0 sowie die Neubauvorhaben auf dem ehemaligen Gelände des VfB Knielingen erhebliche Wanderungsgewinne durch Neubaubezug zu erwarten. In der Nordstadt wird die Bevölkerung im Zuge der Realisierung des Rahmenplans „Zukunft Nord“ ebenfalls deutlich durch den Zuzug in neu gebaute Wohnungen anwachsen. 1 Generell ist anzumerken, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit bei kleinräumigen Prognosen immer einer größeren Schwankungsbreite unterliegt als bei großräumiger Betrachtungsweise. 34 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Abbildung 3.11 VORAUSSICHTLICHE ZU-/ABNAHME DER WOHNBERECHTIGTEN BEVÖLKERUNG 2015 BIS 2035 IN DEN KARLSRUHER STADTTEILEN (OHNE LEA) 2.304 4.010 683 805 349 1.623 723 216 4.891 1.478 696 1.416 1.532 405 254 1.004 1.466 2.326 1.373 1.393 1.196 1.936 1.434 2.170 1.495 22 225 -1.00001.0002.0003.0004.0005.000 Nordstadt Neureut Palmbach Grünwettersbach Wolfartsweier Hohenwettersbach Stupferich Grötzingen Durlach Hagsfeld Rintheim Waldstadt Rüppurr Weiherfeld-Dammerstock Beiertheim-Bulach Oberreut Grünwinkel Knielingen Daxlanden Mühlburg Oststadt Nordweststadt Weststadt Südweststadt Südstadt Innenstadt-West Innenstadt-Ost Karlsruhe insgesamt:+37.426 Personen Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 DYNAMISCHES SZENARIO AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 35 Ebenfalls Schwerpunkte des künftig geplanten Wohnungsneubaus (Nachverdichtung, Siedlungsränder- arrondierung und/oder Flächennutzungsplan) bilden die Stadtteile Nordweststadt (+1.936), Hohenwettersbach (+1.623), Rüppurr (+1.532), Hagsfeld (+1.478), Grünwinkel (+1.466), Waldstadt (+1.416), Daxlanden (+1.373) und Oberreut (+1.004). Dementsprechend werden dort auch die Zahlen der wohnberechtigten Bevölkerung im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) vergleichsweise stark ansteigen. Oberreut bildet in dieser Hinsicht eine Ausnahme, da hier hohe Neubauzuzüge von einer ansonsten leicht negativen Bevölkerungsentwicklung überlagert werden, was dort zu einem vergleichsweise mäßigen Bevölkerungsgewinn in Höhe von +1.004 Personen zwischen 2015 und 2035 führen wird. In den meisten innerstädtischen und innenstadtnahen Stadtteilen wird innerhalb des Prognosezeitraums (2015 bis 2035) ebenfalls eine deutliche Zunahme der wohnberechtigten Bevölkerung stattfi nden: Südweststadt (+2.170), Südstadt (+1.495), Weststadt (+1.434), Mühlburg (+1.393) und Oststadt (+1.196). Hier spielt jedoch häufi g die künftige Neubautätigkeit eine weniger gewichtige Rolle. In erster Linie wachsen diese Stadtteile auf Grund der hohen Außenzuzüge in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025). Handelt es sich dabei doch um genau jene Gebiete, die für Zuziehende von außerhalb Karlsruhes die bevorzugte erste Anlaufstelle darstellen. In den beiden Innenstadtteilen Innenstadt-Ost und Innenstadt-West wird die Bevölkerung im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) vergleichsweise gering ansteigen (Innenstadt- Ost: +225; Innenstadt-West: +22 Personen). Einerseits handelt es sich bei beiden Stadtteilen um Gebiete, in denen künftig praktisch kein Neubau und auch nur in geringem Umfang Nachverdichtung stattfi nden wird. Zum anderen werden dort die Wanderungsgewinne aus der Außenwanderung stark vom antizipierten Rückgang der Nebenwohnsitzbevölkerung überlagert, weil der Anteil der Bevölkerung mit Nebenwohnsitz in beiden Stadtteilen im Karlsruher Vergleich mit Abstand am höchsten ist (Innenstadt-Ost: 8,9 %, Innenstadt-West: 10,6 %, Karlsruhe insgesamt: 5,8 %). Im Verhaltenen Szenario ähnelt das Muster der Zu- und Abnahme der wohnberechtigten Bevölkerung in den Karlsruher Stadtteilen zwischen 2015 und 2035 stark dem Bild des Dynamischen Szenarios (siehe Abbildung 3.11 und 3.12. Auch im Verhaltenen Szenario gewinnen vor allem die innerstädtisch gelegenen Stadtteile durch Außenzuwanderung und die Stadtteile mit großen Wohnbaufl ächenpotentialen durch Neubauzuzug an Bevölkerung hinzu. Allerdings sind hier die absoluten Beträge des Bevölkerungswachstums in der Regel geringer als im Dynamischen Szenario. Besonders groß sind die Unterschiede der quantitativen Bevölkerungsentwicklung innerhalb des Prognosezeitraums (2015 bis 2035) in denjenigen Stadtteilen, die viel Wohnbaufl ächenpotentiale an den Siedlungsrändern (Nachverdichtung) und/oder Wohnfl ächen aus der Fortschreibung des Flächennutzungsplans 2030 haben (Durlach, Hohenwettersbach, Neureut, Rüppurr, Waldstadt, Nordweststadt). Denn genau diese Flächen werden den Annahmen des Verhaltenen Szenarios zufolge innerhalb des Prognosezeitraums (2015 bis 2035) nicht entwickelt werden, weil die Nachfrage nach neuen Wohnungen im Zuge zögerlicher wirtschaftlicher Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe ab der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) nachlässt. Aber auch in den innerstädtischen Stadtteilen sind die Bevölkerungsgewinne im Verhaltenen Szenario geringer, weil sich hier die geringeren Wanderungsannahmen in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) bemerkbar machen – vor allem in der Südstadt, der Oststadt und der Nordweststadt. Die Innenstadt-West ist der einzige Stadtteil, der im Verhaltenen Szenario zwischen 2015 und 2035 Bevölkerung verlieren wird. Schon im Dynamischen Szenario wurden dort im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) praktisch keine Bevölkerungsgewinne erzielt (+22 Personen), weil dort der Rückgang der Bevölkerung mit Nebenwohnsitz in dem Zeitraum zwischen 2016 und 2018 (Einführung Zweitwohnsitzsteuer) auf Grund der sehr hohen Zweitwohnsitzquote in der Innenstadt-West besonders hoch ausfallen wird. Durch die geringere Zuwanderung im Verhaltenen Szenario in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) können die Bevölkerungsverluste an Nebenwohnsitzbevölkerung durch die Einführung der Zweitwohnsitzsteuer bis zum Ende des Prognosezeitraums (2015 bis 2035) jedoch nicht mehr ganz wett gemacht werden. 36 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 2.027 2.802 618 483 277 367 540 145 3.024 839 693 621 429 136 309 764 917 1.623 960 1.303 703 1.184 1.176 1.691 982 -217 261 -1.00001.0002.0003.0004.0005.000 Nordstadt Neureut Palmbach Grünwettersbach Wolfartsweier Hohenwettersbach Stupferich Grötzingen Durlach Hagsfeld Rintheim Waldstadt Rüppurr Weiherfeld-Dammerstock Beiertheim-Bulach Oberreut Grünwinkel Knielingen Daxlanden Mühlburg Oststadt Nordweststadt Weststadt Südweststadt Südstadt Innenstadt-West Innenstadt-Ost Karlsruhe insgesamt:+24.658 Personen Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 VERHALTENES SZENARIO Abbildung 3.12 VORAUSSICHTLICHE ZU-/ABNAHME DER WOHNBERECHTIGTEN BEVÖLKERUNG 2015 BIS 2035 IN DEN KARLSRUHER STADTTEILEN (OHNE LEA) AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 37 ALTERSSTRUKTUR IN DEN STADTTEILEN Auch auf Stadtteilebene wird sich künftig die Verteilung der einzelnen Altersgruppen verändern. In Abbildung 3.13 sind die Bevölkerungsgewinne beziehungsweise -verluste der wohnberechtigten Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahre im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) für die einzelnen Stadtteile nach dem Dynamischen Szenario dargestellt. Dabei zeigen die hellgrünen Balken die Veränderungen in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) an. Die dunkelgrünen Balken stehen für die Bilanz der unter 18-Jährigen während der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035). Die Zahlen am rechten Rand der Abbildung geben die errechneten Veränderungen während des gesamten Prognosezeitraums (2015 bis 2035) wieder. Grundsätzlich ist zu beobachten, dass mit Ausnahme von Oberreut (-9 Personen), und Wolfartsweier (-18 Personen) die Zahl der unter 18-Jährigen zwischen 2015 und 2035 in allen übrigen 25 Stadtteilen Karlsruhes zunehmen wird. Dabei konzentrieren sich die Bevölkerungsgewinne in dieser Altersgruppe überwiegend auf den Zeitraum 2015 bis 2025. Neben höheren Wanderungsgewinnen in dieser ersten Prognosehälfte kommt hierbei die Tatsache zum Tragen, dass ab 2017 verstärkt die geburtenstarken Jahrgänge der Kinder der Babyboom-Generation selbst in das regenerative Alter vorrücken, was zur Folge hat, dass bei gleichbleibend niedriger Fruchtbarkeit mehr Kinder geboren werden. In der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) schwächt sich dieser Effekt mehr und mehr ab, während zusätzlich die Wanderungsgewinne niedriger werden, was insgesamt zu geringeren Wachstumsraten bei den Kindern und Jugendlichen führt. In der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) gewinnen vor allem diejenigen Stadtteile, die auch nach 2025 noch über größere Wohnbaulandpotentiale verfügen, noch stärker Bevölkerung unter 18 Jahren hinzu: Neureut, Durlach, Hohenwettersbach, Hagsfeld, Daxlanden, Nordstadt, Rüppurr. Insgesamt werden die Gewinne an Bevölkerung unter 18 Jahren im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) im dynamischen Szenario in den einwohnerstarken Stadtteilen und/oder Stadtteilen mit großen Wohnbaulandpotentialen vergleichsweise hoch ausfallen: Durlach (+1.255), Neureut (+842), Waldstadt (+529), Knielingen (+502), Südweststadt (+492) und der Nordweststadt (+488). Bemerkenswert ist die Entwicklung in der Südstadt. Hier nimmt die Zahl der Kinder und Jugendlichen 2015 bis 2025 noch deutlich um +446 Personen zu. In der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) ist jedoch ein leichter Rückgang zu erwarten (-129 Personen). Dies resultiert im Wesentlichen daraus, dass durch die kürzlich erfolgte und im ersten Prognoseabschnitt weiter anhaltende Besiedelung des Konversionsgebiets Südstadt – Östlicher Teil die Zahl der Kinder dort vergleichsweise hoch ist. Dem Trend nach urbanem Wohnen folgend, zogen sehr viele Familien mit Kindern in das neue Stadtquartier. Wenn nun in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) die Zuzüge in den Stadtteilen relativ rasch deutlich zurückgehen – weil alle Wohnungen im Konversionsgebiet bereits bezogen sind – kann die hohe Zahl an Kindern und Jugendlichen nicht mehr gehalten werden und es ist mit einem leichten Bevölkerungsrückgang im Segment der unter 18-Jährigen zu rechnen. Wie sich die wohnberechtigte Bevölkerung unter 18 Jahren nach den Annahmen des Verhaltenen Szenarios in den Karlsruher Stadtteilen zwischen 2015 und 2035 entwickeln wird, ist in Abbildung 3.14 dargestellt. Auch im Verhaltenen Szenario wird die Zahl der unter 18-Jährigen zwischen 2015 und 2035 in fast allen Stadtteilen zunehmen. Nur in Hohenwettersbach (-17 Personen), Wolfartsweier (-33 Personen) und Oberreut (-61 Personen) ist mit minimalen Verlusten in dieser Altersgruppe zu rechnen. Da sich beide Szenarien hinsichtlich der Annahmen zur Entwicklung der Bevölkerungsparameter in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) kaum voneinander unterscheiden, ähnelt sich auch die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in den Stadtteilen zwischen 2015 und 2025 in beiden Szenarien sehr stark. Lediglich in der Waldstadt und in Neureut weichst die Zahl der unter 18-Jährigen in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) in beiden Szenarien vergleichsweise deutlich voneinander ab, da sich hier die Annahmen zum Wohnungsneubau in beiden Szenarien schon in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) deutlich unterscheiden. 38 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Abbildung 3.13 ENTWICKLUNG DER ZAHL DER KINDER UNTER 18 JAHREN 2015 BIS 2035 IN DEN KARLSRUHER STADTTEILEN (OHNE LEA) 8 184 101 52 -8 -30 168 -46 768 105 127 371 152 59 124 -22 145 507 169 223 375 330 273 371 446 98 127 196 658 75 181 -10 391 129 72 486 312 40 159 196 90 -35 13 129 -5 237 65 49 158 52 121 -129 -15 -11 -20002004006008001.0001.2001.400 Nordstadt Neureut Palmbach Grünwettersbach Wolfartsweier Hohenwettersbach Stupferich Grötzingen Durlach Hagsfeld Rintheim Waldstadt Rüppurr Weiherfeld-Dammerstock Beiertheim-Bulach Oberreut Grünwinkel Knielingen Daxlanden Mühlburg Oststadt Nordweststadt Weststadt Südweststadt Südstadt Innenstadt-West Innenstadt-Ost Zu-/Abnahme 2015 – 2025 Zu-/Abnahme 2025 – 2035 Karlsruhe insgesamt 2015 – 2025: +5.179 Personen 2025 – 2035: +3.601 Personen 2015 – 2035: +8.781 Personen 116 83 317 492 325 488 424 287 406 502 273 -9 88 149 347 529 167 417 1.255 27 298 360 -18 234 177 842 204 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 DYNAMISCHES SZENARIO Zu-/Abnahme 2015 – 2035 AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 39 Abbildung 3.14 ENTWICKLUNG DER ZAHL DER KINDER UNTER 18 JAHREN 2015 BIS 2035 IN DEN KARLSRUHER STADTTEILEN (OHNE LEA) -1 412 101 52 -36 -31 168 -31 724 71 128 219 112 58 117 -28 143 480 163 226 370 330 271 361 436 98 128 141 69 55 89 3 14 74 53 138 158 42 121 39 43 -20 -33 47 -168 154 50 -5 51 14 52 -187 -39 -11 -20002004006008001.0001.2001.400 Nordstadt Neureut Palmbach Grünwettersbach Wolfartsweier Hohenwettersbach Stupferich Grötzingen Durlach Hagsfeld Rintheim Waldstadt Rüppurr Weiherfeld-Dammerstock Beiertheim-Bulach Oberreut Grünwinkel Knielingen Daxlanden Mühlburg Oststadt Nordweststadt Weststadt Südweststadt Südstadt Innenstadt-West Innenstadt-Ost Zu-/Abnahme 2015 – 2025 Zu-/Abnahme 2025 – 2035 Karlsruhe insgesamt 2015 – 2025: +5.041 Personen 2025 – 2035: +944 Personen 2015 – 2035: +5.985 Personen 59 250 414 284 381 365 276 317 312 190 -61 97 101 150 340 170 228 862 22 243 -17 -33 141 156 481 139 117 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 VERHALTENES SZENARIO Zu-/Abnahme 2015 – 2035 40 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 In der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035) ist der errechnete Anstieg der Kinder- und Jugendjahrgänge im Verhaltenen Szenario dann aber deutlich geringer als in der Variante mit dynamischer Wirtschaftsentwicklung. Die ab 2025 geringeren Wanderungsgewinne im Verhaltenen Szenario führen dazu, dass in fünf Stadtteilen die Zahlen der unter 18-Jährigen zwischen 2025 und 2035 sogar leicht zurückgehen werden: Oststadt (-5), Innenstadt-Ost (-11), Beiertheim-Bulach (-20), Oberreut (-33), Innenstadt-West (-39). In Knielingen sowie der Südstadt, wo die Zahlen der unter 18-Jährigen in der Vergangenheit durch starken Familienzuzug (Stichwort Konversionsgebiete) sehr hoch waren, sinkt die Besetzung der Kinder- und Jugendjahrgänge durch den ausbleibenden weiteren Zuzug zwischen 2025 und 2035 relativ stark um –168 (Knielingen) beziehungsweise -187 (Südstadt) Personen. Über den gesamten Prognosezeitraum (2015 bis 2035) betrachtet sind aber im Verhaltenen Szenario die absoluten Bevölkerungszuwächse an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sehr viel stärker an die absolute Einwohnergröße der einzelnen Stadtteile geknüpft, während der Faktor Neubau auf Grund geringerer Bautätigkeit eher eine untergeordnete Rolle spielt. Besonders groß fallen daher die errechneten Bevölkerungsgewinne in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen in den einwohnerstarken Stadtteilen wie Durlach (+862), Neureut (+481), Südweststadt (+414), Nordweststadt (+381) oder der Oststadt (+365) aus. Karte 1 zeigt die Anteile der wohnberechtigten Bevölkerung unter 18 Jahren an der Gesamtbevölkerung auf Stadtviertelebene für das Jahr 2035 nach dem Dynamischen Szenario. Auffällig hoch sind die Anteile der Kinder und Jugendlichen in Stadtvierteln mit (im Verhältnis zur Einwohnerzahl) großen Wohnbaupotentialen in der zweiten Prognosehälfte (2025 bis 2035): Hohenwettersbach (22,1 %); Alt-Hagsfeld (21,7 %), Oberreut-Waldlage (19,7 %), Waldstadt-Waldlage (19,5 %), Nordstadt-Amerikanersiedlung (19,3 %). Dort wird der Zuzug von jungen Familien mit Kindern in die neu gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass die Anteile der unter 18-Jährigen deutlich steigen. Aber auch in Stadtvierteln mit hohen Anteilen junger Erwachsener in der Familiengründungsphase (30 bis 45 Jahre) sind 2035 vergleichsweise hohe Kinder- und Jugendlichen- anteile zu erwarten: Durlach-Bergwald (21,5 %), Palmbach (20,9 %), Rintheimer Feld (20 %), Stupferich (20 %). AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 41 Karte 1 ANTEIL DER UNTER 18-JÄHRIGEN WOHNBERECHTIGTEN BEVÖLKERUNG AN DER GESAMTBEVÖLKERUNG 2035 NACH STADTVIERTELN (OHNE LEA) Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 unter 10 % Stadtteile 19 Durlach 20 Grötzingen 21 Stupferich 22 Hohenwettersbach 23 Wolfartsweier 24 Grünwettersbach 25 Palmbach 26 Neureut 27 Nordstadt 01 Innenstadt-Ost 02 Innenstadt-West 03 Südstadt 04 Südweststadt 05 Weststadt 06 Nordweststadt 07 Oststadt 08 Mühlburg 09 Daxlanden 10 % bis unter 13 % 16 % bis unter 19 % 19 % und mehr 10 Knielingen 11 Grünwinkel 12 Oberreut 13 Beiertheim-Bulach 14 Weiherfeld-Dammerstock 15 Rüppurr 16 Waldstadt 17 Rintheim 18 Hagsfeld ________________________ 19 10 26 20 09 16 18 15 21 24 08 07 11 22 06 17 14 04 13 27 12 02 03 23 05 01 25 102 201 263 161 091 193 211 101 262 241 181 191 197 221 083 151 171 261 132 154 195 272 231 072 073 142 121 022 114 182 251 071 202 032 011 043 141 111 061 264 052 041 153 064 062 162 021 081 094 115 194 192 042 082 113 051 271 122 092 063 131 112 031 033 152 093 196 012 084 172 Anteil der unter 18-Jährigen Karlsruhe insgesamt: 14,9 % Zeichenerklärung Stadtgrenze Stadtteilgrenze Stadtviertelgrenze 13 % bis unter 16 % DYNAMISCHES SZENARIO 42 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Dagegen sind die Anteile der Bevölkerung unter 18 Jahren in den innerstädtischen Stadtvierteln mit stark studentisch geprägter Einwohnerstruktur auch im Jahr 2035 vergleichsweise gering: Innenstadt-West – östlicher Teil (7 %), Südstadt – Nördlicher Teil (8,8 %), Innenstadt-West – westlicher Teil (9,3 %), Oststadt – südlicher Teil (9,7 %). Nach Beendigung von Ausbildung oder Studium ziehen die jungen Erwachsenen entweder in weniger dicht bebaute Stadtviertel oder sie verlassen Karlsruhe ganz, bevor sie in die Phase der Familiengründung eintreten. Die so frei werdenden Wohnraumkapazitäten werden vorwiegend von neuen Studienanfängern und Auszubildenden bezogen. Die Bevölkerungsgewinne beziehungsweise -verluste in der Altersgruppe 65plus sind in sehr viel weniger starkem Maße abhängig von der in den Prognoseszenarien angenommenen Bautätigkeit wie es bei jüngeren Altersgruppen der Fall ist. Es ist vor allem Bevölkerung zwischen 18 und 45 Jahren sowie deren minderjährige Kinder, die am Wanderungsgeschehen teilnehmen. Die Veränderung der Zahl der älteren Bevölkerung ist dagegen viel stärker abhängig von der Einwohnergröße der Stadtteile sowie der vorherrschenden Altersstruktur. Da sich beide Prognoseszenarien im Wesentlichen durch die Annahmen der Zu- und Fortzüge unterscheiden, ist die Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 65plus zwischen 2015 und 2035 in beiden Prognoseszenarien sehr ähnlich. Während im Dynamischen Szenario eine Zunahme der 65-Jährigen und Älteren in Karlsruhe zwischen 2015 und 2035 von +15.994 Personen errechnet wurde, wird sich die Zahl in dieser Altersgruppe den Annahmen des Verhaltenen Szenarios zufolge um beinahe denselben Betrag erhöhen (+14.879 Personen). Die Abbildungen 3.15 und 3.16 zeigen, dass auch auf Ebene der Stadtteile kaum Unterschiede zwischen beiden Szenarien hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung der Seniorinnen und Senioren bestehen. In beiden Szenarien wird die Zahl der 65-Jährigen und Älteren in allen 27 Karlsruher Stadtteilen im Prognosezeitraum (2015 bis 2035) ansteigen. Dabei werden die zu erwartenden Bevölkerungszunahmen in der Altersgruppe der Senioren in den einwohnerstarken und/oder derzeit (2015) demographisch jüngeren Stadtteilen am stärksten ausfallen. Dies betrifft Durlach (+1.716), Neureut (+1.695), Nordstadt (+1.094), die Südstadt (+1.029) und Oberreut (+910) am meisten. In heute (2015) bereits demographisch älteren Stadtteilen wie Weiherfeld-Dammerstock (+68) oder der Waldstadt (+182) wird die Zunahme der Bevölkerung der Altersgruppe 65plus vergleichsweise gering ausfallen, weil diese dort bereits heute stark besetzt sind. Zudem ist zu beobachten, dass sich die Zunahme der Bevölkerung im Seniorenalter in fast allen Stadtteilen wesentlich stärker auf die zweite Prognosehälfte (2025 bis 2035) konzentrieren wird. Dies beruht im Wesentlichen darauf, dass die geburtenstarken Jahrgänge der Baby- Boom-Generation (Geborene der Jahre 1955 bis 1969) verstärkt nach 2025 in die Altersgruppe 65plus hineinaltern werden, wodurch die Besetzungszahlen dort stark ansteigen. Während die Bevölkerung der 65-Jährigen und Älteren in der ersten Prognosehälfte (2015 bis 2025) in beiden Szenarien um etwa +5.000 zunehmen wird, ist das voraussichtliche Bevölkerungswachstum in dieser Altersgruppe zwischen 2025 und 2035 mit +10.000 etwa doppelt so hoch. AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 43 445 622 68 58 119 136 117 90 524 248 118 43 95 -140 218 540 183 367 173 107 -62 5 182 231 379 149 -8 648 1.072 124 184 130 397 103 214 1.192 376 169 139 466 208 321 369 421 474 476 619 275 291 615 671 650 237 143 -50005001.0001.5002.000 Nordstadt Neureut Palmbach Grünwettersbach Wolfartsweier Hohenwettersbach Stupferich Grötzingen Durlach Hagsfeld Rintheim Waldstadt Rüppurr Weiherfeld-Dammerstock Beiertheim-Bulach Oberreut Grünwinkel Knielingen Daxlanden Mühlburg Oststadt Nordweststadt Weststadt Südweststadt Südstadt Innenstadt-West Innenstadt-Ost Zu-/Abnahme 2015 – 2025 Zu-/Abnahme 2025 – 2035 Karlsruhe insgesamt 2015 – 2025: +5.009 Personen 2025 – 2035:+10.985 Personen 2015 – 2035: +15.994 Personen 135 387 1.029 902 797 295 213 727 650 841 605 910 539 68 561 182 287 624 1.716 305 220 533 242 191 1.695 1.094 249 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 DYNAMISCHES SZENARIO Zu-/Abnahme 2015 – 2035 Abbildung 3.15 ENTWICKLUNG DER ZAHL DER 65-JÄHRIGEN UND ÄLTEREN 2015 BIS 2035 IN DEN KARLSRUHER STADTTEILEN (OHNE LEA) 44 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 444 725 68 58 107 136 117 95 502 234 118 -30 79 -143 216 537 182 355 169 108 -64 4 181 230 377 149 -8 636 869 118 149 130 254 84 208 1.043 321 176 113 394 174 333 337 382 399 444 615 259 239 599 654 631 226 147 -400-20002004006008001.0001.2001.4001.6001.800 Nordstadt Neureut Palmbach Grünwettersbach Wolfartsweier Hohenwettersbach Stupferich Grötzingen Durlach Hagsfeld Rintheim Waldstadt Rüppurr Weiherfeld-Dammerstock Beiertheim-Bulach Oberreut Grünwinkel Knielingen Daxlanden Mühlburg Oststadt Nordweststadt Weststadt Südweststadt Südstadt Innenstadt-West Innenstadt-Ost Zu-/Abnahme 2015 – 2025 Zu-/Abnahme 2025 – 2035 Karlsruhe insgesamt 2015 – 2025: +4.945 Personen 2025 – 2035: +9.934 Personen 2015 – 2035: +14.879 Personen 138 375 1.007 884 781 243 195 723 613 754 564 874 549 31 473 83 294 556 1.545 303 201 390 237 207 186 1.594 1.080 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 VERHALTENES SZENARIO Zu-/Abnahme 2015 – 2035 Abbildung 3.16 ENTWICKLUNG DER ZAHL DER 65-JÄHRIGEN UND ÄLTEREN 2015 BIS 2035 IN DEN KARLSRUHER STADTTEILEN (OHNE LEA) AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 45 Karte 2 ANTEIL DER 65-JÄHRIGEN WOHNBERECHTIGTEN BEVÖLKERUNG AN DER GESAMTBEVÖLKERUNG 2035 NACH STADTVIERTELN (OHNE LEA) DYNAMISCHES SZENARIO Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung | Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 unter 14 % Stadtteile 19 Durlach 20 Grötzingen 21 Stupferich 22 Hohenwettersbach 23 Wolfartsweier 24 Grünwettersbach 25 Palmbach 26 Neureut 27 Nordstadt 01 Innenstadt-Ost 02 Innenstadt-West 03 Südstadt 04 Südweststadt 05 Weststadt 06 Nordweststadt 07 Oststadt 08 Mühlburg 09 Daxlanden 14 % bis unter 19 % 24 % bis unter 30 % 30 % und mehr 10 Knielingen 11 Grünwinkel 12 Oberreut 13 Beiertheim-Bulach 14 Weiherfeld-Dammerstock 15 Rüppurr 16 Waldstadt 17 Rintheim 18 Hagsfeld ________________________ 19 10 26 20 09 16 18 15 21 24 08 07 11 22 06 17 14 04 13 27 12 02 03 23 05 01 25 102 201 263 161 091 193 211 101 262 241 181 191 197 221 083 151 171 261 132 154 195 272 231 072 073 142 121 022 114 182 251 071 202 032 011 043 141 111 061 264 052 041 153 064 062 162 021 081 094 115 194 192 042 082 113 051 271 122 092 063 131 112 031 033 152 093 196 012 084 172 Anteil 65-Jährigen und Älteren Karlsruhe insgesamt: 20,9 % Zeichenerklärung Stadtgrenze Stadtteilgrenze Stadtviertelgrenze 19 % bis unter 24 % 46 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Karte 2 zeigt den jeweiligen Anteil der Bevölkerung 65plus an der gesamten Stadtviertelbevölkerung in Karlsruhe im Jahr 2035 nach dem Dynamischen Szenario. Hohe Seniorenanteile von über 30 Prozent sind demnach zum Ende des Prognose- zeitraums in Waldstadt-Feldlage (31,3 %), Bulach (30,8 %), Dammerstock (30,8 %) und in der Rheinstrandsiedlung in Daxlanden (30,3 %) zu erwarten. Dabei handelt es sich um Gebiete, die heute überwiegend von Familien in der Konsolidierungsphase bewohnt werden und in denen kaum Neubau stattfi ndet. Vielfach leben die Haushalte dort in Wohneigentum. Wenn dann die Kinder erwachsen werden und den elterlichen Haushalt verlassen, verbleiben die Eltern in der Wohnung. So kann nur vergleichsweise wenig jüngere Bevölkerung zuziehen. In der Folge altern die Stadtviertel relativ stark. Die innerstädtischen und innenstadtnahen Stadtteile hingegen fungieren für die vielen jungen Zuziehenden als erste Anlaufstelle in der Stadt. Dort ist die Fluktuation auf dem Wohnungsmarkt hoch, weshalb auch in Zukunft dort die Anteile der Altersgruppe 65plus vergleichsweise gering sein werden. Besonders gering werden die Anteile 2035 in der Südstadt – Nördlicher Teil (10,1 %), der Innenstadt-West – östlicher Teil (11,4 %) sowie der Innenstadt-Ost – nordöstlicher Teil (11,7 %) sein. AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 47 48 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 KARLSRUHER BEITRÄGE ZUR STADTENTWICKLUNG Heft 20 | 2006 WOHNEN IM ZENTRUM 2006 RÜCKKEHR IN DIE ZENTRALEN STADTTEILE Bearbeitung: Otto Mansdörfer | Tanja Kronenwett Heft 21 | 2006 DEMOGRAFISCHER WANDEL IN KARLSRUHE 2 ERSTE ERGEBNISSE DER KLEINRÄUMIGEN BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2005 – 2030 Bearbeitung: Dr. Hans-Heinrich Hartung Heft 22 | 2007 DEMOGRAFISCHER WANDEL IN KARLSRUHE 3 KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSVORAUSRECHNUNG DER STADT KARLSRUHE 2005 BIS 2030 Bearbeitung: Dr. Hans-Heinrich Hartung | Daniel Götz Mai 2007 ZUKUNFTSFÄHIGE INNENSTADT ENTWICKLUNG DER KARLSRUHER CITY Projektleitung: Otto Mansdörfer | Sigrun Hüger (StPlA) In Zusammenarbeit mit: Wirtschaftsförderung und Stadtplanungsamt Heft 23 | 2007 EINKAUFEN UND NAHVERSORGUNG IN KARLSRUHE 2007 AKTUELLE TRENDS UND GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN Bearbeitung: Christian Fulda | Andreas Mangold (Wifö) In Zusammenarbeit mit: Wirtschaftsförderung Heft 24 | 2008 DEMOGRAFISCHER WANDEL IN KARLSRUHE 4 LEBENSVERHÄLTNISSE DER JUGENDLICHEN IN KARLSRUHE 2008 Ergebnisse der Jugendumfrage Bearbeitung: Dr. Hans-Heinrich Hartung In Zusammenarbeit mit: Sozial- und Jugendbehörde | Stadtjugendausschuss e.V. | Gartenbauamt Polizeipräsidium Karlsruhe Heft 25 | 2008 WOHNEN UND BAUEN IN DER STADT 7. SACHSTANDSBERICHT 2008 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Daniel Götz In Zusammenarbeit mit: Gutachterausschuss | Liegenschaftsamt | Sozial- und Jugendbehörde | Stadtplanungsamt | VOLKSWOHNUNG GmbH Heft 26 | 2009 DEMOGRAFISCHER WANDEL IN KARLSRUHE 5 ZU- UND FORTZÜGE ÜBER DIE STADTGRENZEN 1999 – 2008 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Daniel Götz Heft 27 | 2010 DAS SICHERHEITSEMPFINDEN DER BEVÖLKERUNG IN KARLRSRUHE 2009 2. SACHSTANDSBERICHT ZUR ÖFFENTLICHEN SICHERHEIT UND ORDNUNG Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Nadia Kasper-Snouci ÜBERSICHT VERÖFFENTLICHUNGEN AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 49 Heft 28 | 2010 DIE NUTZUNG KULTURELLER EINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE 2009 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Nadia Kasper-Snouci | Christian Fulda | Daniel Götz Heft 29 | 2010 IMAGE VON KARLSRUHE AUS SICHT DER REGION 2009 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Christian Fulda | Andrea Hammer Heft 30 | 2011 UNTERNEHMENS- UND BETRIEBSUMFRAGE 2010 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Andrea Hammer Heft 31 | 2011 DEMOGRAFISCHER WANDEL IN KARLSRUHE 6 ZURÜCK IN DIE STADT – MOTIVE DER ZU- UND FORTZIEHENDEN 2010 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Maria Mertens | Nadia Kasper-Snouci Heft 32 | 2011 WIRTSCHAFT UND ARBEIT 1 ANALYSE WICHTIGER ZUKUNFTSBRANCHEN 2011 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Andrea Hammer Heft 33 | 2011 LEBENSQUALITÄT IN KARLSRUHE AUS BÜRGERSICHT 2011 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Christian Fulda | Nadia Kasper-Snouci | Andrea Hammer Heft 34 | 2012 WIRTSCHAFT UND ARBEIT 2 FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG IN DER REGION MITTLERER OBERRHEIN 2012 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Andrea Hammer Heft 35 | 2012 BEVÖLKERUNGSVORAUSRECHNUNG KARLSRUHE 2030 NEUE PROGNOSE 2012 – GRUNDLEGENDE ERGEBNISSE Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Daniel Götz Heft 36 | 2012 BÜRGERUMFRAGE 2012 KOMMUNALPOLITIK, BÜRGERENGAGEMENT, BÜRGERBETEILIGUNG Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Andrea Hammer | Christian Fulda | Benedikt Dierßen Heft 37 | 2012 KONZEPT ZUR SYSTEMATISCHEN BÜRGERBETEILIGUNG IN KARLSRUHE Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Andrea Hammer Heft 38 | 2013 REGIONSUMFRAGE 2012 KARLSRUHE AUS SICHT DER REGION Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Christian Fulda | Benedikt Dierßen 50 | KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Heft 39 | 2013 BÜRGERUMFRAGE 2013 SPORT, BEWEGUNG, BÄDER Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Christian Fulda | Daniel Götz | Nadia Kasper-Snouci | Ilona Forro Heft 40 | 2013 DER ZENTRALE CITYBEREICH EINSCHÄTZUNGEN AUS PASSANTENSICHT 2013 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Benedikt Dierßen | Ilona Forro | Martin Noth Heft 41 | 2013 DIE ATTRAKTIVITÄT DER DURLACHER INNENSTADT ERGEBNISSE DER BÜRGER- UND PASSANTENUMFRAGE 2013 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Daniel Götz | Nadia Kasper-Snouci | Ilona Forro Heft 42 | 2013 SOZIALDATEN 2013 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Benedikt Dierßen | Ilona Forro Heft 43 | 2014 ESSEN UND TRINKEN IM ZOO UMFRAGE ZUM GASTRONOMISCHEN ANGEBOT UND DEN VERZEHRGEWOHNHEITEN DER BESUCHERINNEN UND BESUCHER IM KARLSRUHER ZOO 2014 – ERGEBNISBERICHT Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Benedikt Dierßen | Ilona Forro | Ann Janin Waltemathe Heft 44 | 2015 SICHERHEITSEMPFINDEN DER BEVÖLKERUNG 3. SACHSTANDSBERICHT ZUR ÖFFENTLICHEN SICHERHEIT UND ORDNUNG 2014 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Benedikt Dierßen | Ilona Forro In Zusammenarbeit mit: Ordnungs- und Bürgeramt | Sozial- und Jugendbehörde Heft 45 | 2015 WOHNEN UND BAUEN IN KARLSRUHE 8. SACHSTANDSBERICHT 2015 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Daniel Götz | Thorsten Ach | Ilona Forro | Lieselotte Kluckhohn | Andrea Rosemeier | Juliane Schaber In Zusammenarbeit mit: Liegenschaftsamt | Sozial- und Jugendbehörde | Stadtplanungsamt | Gutachterausschuss in Karlsruhe | Wirtschaftsförderung | VOLKSWOHNUNG GmbH Heft 46 | 2015 BÜRGERUMFRAGE 2015 GRÜNE STADT Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Andrea Hammer | Benedikt Dierßen | Ilona Forro Heft 47 | 2015 EVALUATIONSBERICHT | STADTGEBURTSTAG KARLSRUHE 2015 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: KA300-Team | Stadtmarketing Karlsruhe – Gesamtleitung Martin Wacker (Cathrin Batzner | Sascha Binoth | Manuel Brenneisen | Natalie Jacob | Norbert Käthler | Dr. Oliver Langewitz | Franziska Pfaff | Markus Pommerening | Sebastian Schneider | Hendrikje Schwarze | Anna Weißhaar | Daniel Wensauer-Sieber, Das Ziel führt zum Weg) Amt für Stadtentwicklung (Benedikt Dierßen | Ilona Forro | Daniel Götz | Andrea Hammer | Otto Mansdörfer | Willi Pradl | Andrea Rosemeier | Juliane Schaber | Alexander Süß) Karlsruhe Tourismus GmbH (Stefan Theysohn) AMT FÜR STADTENTWICKLUNG | 51 Heft 48 | 2016 LEBENSQUALITÄT IN KARLSRUHE 2015 IM STÄDTEVERGLEICH Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Otto Mansdörfer | Ilona Forro | Lara Schillinger Heft 49 | 2016 REGIONSUMFRAGE 2016 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Andrea Hammer | Ilona Forro In Zusammenarbeit mit: Ordnungs- und Bürgeramt | Sozial- und Jugendbehörde Heft 50 | 2016 KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSPROGNOSE 2035 Projektleitung: Otto Mansdörfer Bearbeitung: Daniel Götz | Ilona Forro

  • Bevölkerungsprognose
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: 2016/0671 Verantwortlich: Dez.2 Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 22.11.2016 10 X zugestimmt Beschlussantrag Der Gemeinderat nimmt die Ergebnisse der stadteigenen kleinräumigen Bevölkerungsprognose für Karlsruhe und seine Stadtteile bis 2035 zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, das dynamische Szenario den weiteren Überlegungen zur Flächenbereitstellung für den Wohnungs- bau zugrunde zu legen. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) X nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen Wählen Sie ein Element aus. Kontierungsobjekt: Wählen Sie ein Element aus. Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant nein X ja Handlungsfeld: Städtebau Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften X nein ja abgestimmt mit Das Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Das Amt für Stadtentwicklung legt die Ergebnisse der neuesten Bevölkerungsprognose der Stadt Karlsruhe für den Zeitraum 2015 bis 2035 vor. Ausgangspunkt ist die wohnberechtigte Bevölkerung am 31.12.2015 mit 312.842 Wohnberechtigten ohne Personen in der Landeserst- aufnahmestelle. Eine Neuerstellung der Bevölkerungsprognose wurde notwendig, da Karlsruhe derzeit bereits den Einwohnerbestand (ohne LEA) erreicht hat, der in der oberen Variante der vorhergehenden Prognose für das Jahr 2026 berechnet wurde. Die Bevölkerungsprognose 2035 wurde in zwei Varianten erstellt, die sich im Wesentlichen in den Annahmen zum künftigen Zuzug nach Karlsruhe unterscheiden. Im dynamischen Szena- rio wurde über den gesamten Prognosezeitraum (2015 - 2035) die Zahl der Wanderungsge- winne aus Zu- und Fortzügen auf ähnlich hohem Niveau wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre angenommen. Das verhaltene Szenario geht dagegen davon aus, dass die Zahl der Zu- zugsgewinne ab dem Jahr 2025 zurückgeht und zwar aus dem Ausland sowie aus deutschen Herkunftsgemeinden. Bis zum Jahr 2025 verlaufen beide Szenarien daher nahezu identisch. Dem dynamischen Szenario zufolge wird die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Karlsruhe (ohne LEA) zwischen 2015 und 2035 von 312.842 auf 350.268 Personen zunehmen (+37.400 Personen beziehungsweise +12,0 %). Im verhaltenen Szenario wird hingegen auf Grund der geringeren Wanderungsgewinne nach dem Jahr 2025 nur von einem Anstieg der Bevölkerungszahlen um +24.700 Personen auf 337.500 Wohnbe- rechtigte im Jahr 2035 ausgegangen (+7,9 %). Die Ergebnisse des dynamischen sowie des verhaltenen Szenarios mit einem jährlichen Anstieg von +1.900 bzw. +1.200 Einwohnerinnen und Einwohnern bleiben bewusst unter dem derzei- tigen Bevölkerungsplus der letzten fünf Jahre von +2.600 Personen (ohne LEA) pro Jahr. Der demographische Wandel zeigt sich in Karlsruhe nicht wie in anderen Städten und Regionen Deutschlands im Rückgang der Bevölkerung, sondern in der Zunahme der älteren Bevölkerung – und das unabhängig vom Ausmaß der künftigen Zuwanderung. Zwischen 2015 und 2035 wird die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung über 65 Jahren (ohne LEA) in beiden Szenarien stark ansteigen (dynamisches Szenario: +16.000 Personen; verhaltenes Szenario: +14.900 Per- sonen). Prozentual wird das Bevölkerungswachstum bei den Hochbetagten (85 Jahre und älter) zwischen 2015 und 2035 je nach Szenario mit +42,3 % bzw. +45,3 % am stärksten ausfallen. Absolut entspricht dies einer Zunahme zwischen +3.452 und +3.692 Hochbetagten. Die Bevölkerungsentwicklung im Erwerbsalter zwischen 20 bis 65 Jahren ist relativ stark abhän- gig von der Höhe der jährlichen Zuwanderung. Daher unterscheiden sich hier die Ergebnisse der beiden Prognoseszenarien vergleichsweise deutlich. Im dynamischen Szenario vollzieht sich im gesamten Prognosezeitraum ein Anstieg der potentiell erwerbsfähigen Bevölkerung in Höhe von +13.300 Personen bzw. +6,4 %. Im verhaltenen Szenario fällt das Wachstum dieser Altersgrup- pe mit +4.600 Personen bzw. +2,2 % geringer aus. Allerdings konzentriert sich der Anstieg in beiden Rechenvarianten auf die erste Prognosehälfte (2015 - 2025). In der zweiten Prognose- hälfte (2025 - 2035) ist im dynamischen Szenario ein ganz leichter Rückgang in Höhe von -1.200 Personen und im verhaltenen Szenario ein deutlicherer Verlust in Höhe von -8.500 Per- sonen bzw. -3,8 % zu erwarten. Dabei werden die Bevölkerungsrückgänge unter den Erwerbs- fähigen ab 2025 in erster Linie von der Abnahme der Bevölkerungszahl im jüngeren Alter zwi- schen 20 und 30 Jahren verursacht. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die Zahl der Kinder- und Jugendlichen unter 18 Jahren wird zwischen 2015 und 2035 im dy- namischen Szenario um +8.800 Personen bzw. +20,3 % und im verhaltenen Szenario um +6.000 Personen bzw. +13,8 % zunehmen. Prozentual wird die Zahl der 6- bis unter 10- Jährigen in beiden Szenarien prozentual am stärksten ansteigen (dynamisches Szenario: +26,1 % bzw. +2.400 Personen; verhaltenes Szenario: +18,1 % bzw. +1.672 Personen). Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat nimmt die Ergebnisse der stadteigenen kleinräumigen Bevölkerungsprognose für Karlsruhe und seine Stadtteile bis 2035 zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, das dynamische Szenario den weiteren Überlegungen zur Flächenbereitstellung für den Wohnungs- bau zugrunde zu legen.

  • Protokoll TOP 10
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 32. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 22. November 2016, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 13. Punkt 10 der Tagesordnung: Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2035 Vorlage: 2016/0671 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt die Ergebnisse der stadteigenen kleinräumigen Bevölkerungs- prognose für Karlsruhe und seine Stadtteile bis 2035 zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, das dynamische Szenario den weiteren Überlegungen zur Flächenbereit- stellung für den Wohnungsbau zugrunde zu legen. Abstimmungsergebnis: 33 Ja-stimmen, 10 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen Der Vorsitzende setzt um 18:49 Uhr die unterbrochene Sitzung fort und ruft Tages- ordnungspunkt 10 zur Behandlung auf: Es gibt noch jede Menge Redewunsch von Ihnen, wie ich aus dem Ältestenrat weiß. Dem wollen wir jetzt zügig nachkommen. Sie können dieser Prognose entnehmen, dass wir weiter von einer stark wachsenden Bevölkerung mit den entsprechenden Konsequenzen auf die Wohnungsnachfrage und Infrastruktur ausgehen. Das Amt für Stadtentwicklung hat hier eine neue Vorausbe- rechnung vorgelegt. Darin werden vor allem zwei Dinge deutlich: Der Anstieg der Be- völkerung wird sich fortsetzen. Wir sind attraktiv für Zuwanderung aus jungen und mittleren Jahrgängen. Die Zahl der Seniorinnen und Senioren wird demografiebedingt auch steigen und damit auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Zuletzt ist die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung mit Haupt- und Nebenwohnsitz allerdings auf rund 315.300 zurückgegangen. Das hat etwas mit der Anschreibaktion der Kämmerei zu den Nebenwohnsitzlern zu tun. Daraufhin haben sich 3.200 gleich einmal abgemeldet. Die deutlich überhöhte Zahl der Personen mit Hauptwohnsitz von 307.300 im Dezember 2015 wurde aufgrund der geringeren Flüchtlingszahlen um rund 4.800 wieder korrigiert. Diese Korrekturen sind in der Vorlage entsprechend bereits be- rücksichtigt. - 2 - Jetzt muss ich kurz einmal schauen, wer dazu etwas sagen möchte. Stadtrat Wohlfeil (KULT): Schön, dass wir jetzt alle frisch und gut gestärkt aus der Pause kommen. Auch wenn das für die Zukunft von Karlsruhe ein viel wichtigeres Thema ist als die Rheinbrücke, möchte ich doch nicht so lange diskutieren. Wir sehen ganz eindeutig, wir haben in Karlsruhe ein Flächendilemma. Dieses Karlsruher Flächendilemma ergibt sich daraus, weil wir eine attraktive Stadt sind, weil hier immer mehr Menschen zuziehen. Wir haben, wie der Begriff Dilemma schon sagt, keine einfache Lösung dafür. Wir brau- chen mehr Wohnraum. Wir brauchen dann auch entsprechende Gewerbeflächen, weil die Leute auch Arbeit brauchen. Andererseits wollen wir auch die Naherholungsflächen, Stichwort: Umweltschutz, Naturschutz, Landschaftsschutz, erhalten. Da haben wir die entsprechenden Gebiete ausgewiesen. Ich mache es jetzt kurz. Wir stimmen der Vorlage so zu, denn gerade angesichts der Mietentwicklung in den nächsten Jahren und angesichts des knappen Wohnraums, den wir jetzt schon haben, sollten wir das in der Zukunft besser planen. Natürlich ist die dy- namische Entwicklung die wahrscheinlichere als die abflauende. Aber trotzdem wissen wir nicht so wirklich, wie wir das dann tatsächlich realisieren sollen mit den Flächen, die wir in Karlsruhe haben. Stadträtin Dr. Leidig (GRÜNE): Das ist nicht das erste Mal, dass uns solche Bevölke- rungsszenarien dargestellt werden und wir darüber debattieren. Es ist auch richtig, im- mer wieder zu aktualisieren, weil wir zukunftsorientiert denken und planen müssen. Die Bevölkerungsvorausrechnungen zeigen Entwicklungen auf, die wir frühzeitig angehen müssen. Vor allen Dingen auch die steigende Anzahl von Kindern und Jugendlichen ist etwas, was wir sehr genau im Auge haben müssen, weil das auch etwas ist, was ganz unmittelbaren Bedarf, z. B. für Kinderbetreuungsplätze hat, aber auch bei der Entwick- lung von Pflegeeinrichtungen. Aber es hört damit nicht auf. Barrierefreiheit, aber auch, wie gestalten wir Freizeitangebote und für wen und der öffentliche Nahverkehr, das sind alles Dinge, die wir an solchen Bevölkerungsentwicklungen ausrichten müssen. Prognosen können aber auch ein Anhaltspunkt sein, Dingen entgegenzuwirken. Die Studie zeigt auch auf, dass die 18- bis 30jährigen irgendwann ausdünnen werden. Da gemeinsam mit den Hochschulen dem aktiv entgegensteuern, dass der Trend nicht so stark wird, wie er heute vorhergesagt wird, kann auch eine Aufgabe sein. Insofern dan- ken wir der Verwaltung für die Analyse und nehmen die Ergebnisse zur Kenntnis, sind auch bereit, die Planungen im Auge zu behalten. Aber es geht hier nicht nur um Kenntnisnahme und um ein im Auge behalten bei der Planung. Es geht darum, wie es in der Vorlage heißt, die Verwaltung zu beauftragen, bei den weiteren Überlegungen zur Flächenbereitstellung für den Wohnungsbau das dynamische Szenario zugrunde zu legen. Das dynamische Szenario und das normale Szenario unterscheiden sich vor allen Dingen im Vorhersagezeitraum 2025 – 2035. Diesen Unterschied sollen wir heute schon bei Planungen zum Wohnungsbau mitberücksichtigen. Letzten Endes geht es dann auch um die Frage: Mehr Fläche für Wohnungsbau ausweisen, weil wir diesem dynamischen - 3 - Szenario folgen. Der Eintritt von Prognosen hängt aber sehr stark davon ab, wie groß die zeitliche Entfernung zu einem Ereignis ist. Es zeigt sich in wissenschaftlichen Studien immer wieder, dass je größer die Entfernung ist, desto weniger können wir tatsächlich sagen, ob Prognosen eintreffen. Wenn Sie heute denken, was wir nicht einmal vor ei- nem Jahr für möglich gehalten hätten, was heute in der Türkei geschieht, dass ein Herr Trump Präsident der Vereinigten Staaten wird oder was bei VW geschieht, oder dass Samsung Handys produziert, die brennen. Also all diese Dinge sind eigentlich auch un- denkbar in so einem kurzen Zeitraum. Jetzt rechnen wir heute und wollen vorhersagen, was nicht in 10 Jahren geschieht, sondern über den Zeitraum hinaus. Das halten wir für eine Art Kaffeesatzleserei. Das kann man tun. Aber danach zu planen und unseren Wohnungsbedarf daran auszurichten, das geht uns zu weit. Letzten Endes können wir die Motivation der Verwaltung, das so tun zu wollen, gut nachvollziehen. Aber ich hoffe, dass Sie auch verstehen können, dass wir dem nicht folgen werden. Für uns ist der Erhalt von Frei- und Grünflächen ein essentieller Bestand- teil einer zukunftsprächtigen gesunden Stadt. Befragungen von Bürgerinnen und Bür- gern zeigen immer wieder, wie wichtig den Menschen das Grün in der Stadt ist. Wir sind der Ansicht, dass wir hier nur dann Einschnitte machen sollten, wenn es gar nicht anders geht. Wir werden bei den anstehenden Beratungen um den Flächennutzungs- plan das Nötige tun, um in den kommenden Jahren den Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen. Wir werden dabei aber solche weitreichenden, die gesamte Stadt verändernde Entscheidungen nicht auf Szenarien stützen, deren Wahrscheinlichkeit wir heute nicht seriös abschätzen können. Wir bitten daher die Verwaltung, auf die Formulierung, dass wir auf das dynamische Szenario zurückgreifen bei der weiteren Planung des Woh- nungsbaus, zu verzichten, also dies zu streichen. Ansonsten können wir der Vorlage nicht zustimmen. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Ich kann mich dem letzten Beitrag von den GRÜNEN nur anschließen. Wir sehen es so, dass man die Interessen derjenigen, die zu uns zuziehen wollen, abwägen muss gegenüber den Interessen derjenigen, die hier bereits wohnen, und viele hier in Generationen schon wohnen. Die Leute wohnen gerne in Karlsruhe, gerade weil es eine gute Mischung ist aus dichterer Bebauung in der Innenstadt, aus dünnerer Bebauung in den Randgebieten und aus vielen Grünflächen zwischendrin. Karlsruhe ist eine attraktive Stadt. Aber wir wollen auch, dass Karlsruhe eine attraktive Stadt bleibt. Eine attraktive Stadt bleiben wir nur, wenn wir eben nicht alles zubauen und wenn wir uns genau überlegen, ob wir einen Grünzug opfern wollen, nur um dort zusätzliche Wohnbebauung hinzustellen. Denn irgendwann werden wir zusätzliche Probleme bekommen. Die Durchlüftung wird nicht mehr so funktionieren wie bisher. Wenn ich nur daran denke, wie man im Bereich zwischen Nordstadt und Neureut jetzt daran geht, die Trasse, die jetzt noch da ist, wo der Luftaustausch stattfinden kann mit der Strömung aus dem Westen, immer weiter zuzubauen, nur um mehr Wohnbebau- ung zu schaffen. Wir sind der Meinung, dass man diese Themen nicht mehr außer Acht lassen kann. Wir haben an vielen Stellen schon diskutiert über die Erwärmung im Innern der Stadt. Die Erwärmung im Innern der Stadt kann nur verhindert werden, wenn weiterhin freie Flä- chen bleiben, die es erlauben, dass bei der Sommerhitze kalte Luft von außen hinein- strömt. Auch das spricht dagegen, dass man weiterbaut. - 4 - Es geht darum, die Interessen der Leute, die hier wohnen, auch im Blick zu halten. Das bedeutet, dass wir nicht so stark Wohnbebauung zulassen können, wie es nötig wäre, wenn man von diesem Szenario ausgehen würde. Deswegen: Falls diese Formulierung nicht geändert wird, müssen wir leider auch dagegen stimmen, obwohl wir finden, dass der Bericht an sich sehr hilfreich ist. Man sieht z. B. dass wir gerade in den letzten Jah- ren, da zitiere ich jetzt einmal, „Nettofortzüge von jungen Familien in der Gründungs- und Wachstumsphase“ hatten, die von Karlsruhe weg gezogen sind in die Umgebung. Das ist auch ein Problem. Da muss man sich fragen: Sind wir nicht mehr attraktiv für junge Familien? Woran könnte das liegen? Hier gibt es schon einige Informationen, die wichtig sind. Man sieht auch, dass wir sehr viele Ausländer haben, die von außen zu uns kommen. Da muss man sich fragen, ob das wirklich so weitergehen wird. Also ist die Frage, ob man wirklich auf der Basis ein solches Szenario folgern kann. Es sind sehr viele Informationen, die sicher hilfreich sind. Aber die Antwort, die wir jetzt geben sollen, dass wir einfach vom größtmöglichen Zu- zug ausgehen sollen, das können wir leider nicht mitgehen. Stadtrat Dr. Heilgeist (CDU): Diese Vorlage wirft doch viele Fragen auf. Vielleicht wä- re es sinnvoll gewesen, hier zunächst eine Einführung zu den Dingen zu geben. Denn was soll das eigentlich? Sollen wir jetzt die Zahlen zur Kenntnis nehmen und einfach sagen, das, was hier vorher gesagt wird, tritt so ein? Oder müssen wir die Frage stellen: Sollen Maßnahmen ergriffen werden – wenn das überhaupt geht -, die Attraktivität Karlsruhes zu reduzieren, damit dieses Szenario nicht eintritt? Denn im Prinzip klingt es danach, auch wenn man es liest, dass der Erfolg auch seinen Preis hat. Wenn wir nicht bereit sind, diesen Preis zu zahlen, dass mehr Leute kommen, dann müssen wir uns et- was überlegen, dass wir nicht so attraktiv sind. Das wollen wir natürlich nicht. Also müssen wir uns vielleicht doch damit auseinandersetzen, dass es zu einer solchen Ent- wicklung kommen kann. Prognosen sind immer Fortschreibungen, denn die Zukunft selbst können wir nicht kennen. Bei der Stiftungsvorlesung des Heinrich-Hertz-Preises in der Uni hat Prof. Harms gesagt, durch die Digitalisierung in den nächsten 20 Jahren bleibt kein Stein auf dem anderen. Was will man daraus dann für Prognosen ziehen? Mit der Digitalisierung wer- den wir uns auch noch befassen müssen. Aber, Herr Wohlfeil hat ein Thema angesprochen, das hat mich auch etwas berührt, als ich gelesen habe, wir sollen nur Kenntnis nehmen, dass das dynamische Szenario der Flächenbereitstellung für den Wohnungsbau zugrunde zu legen ist. Für Gewerbe und Industrie aber nicht. Die Leute, die nach Karlsruhe kommen, kommen vielleicht auch, weil sie hier arbeiten wollen. Vielleicht müssen wir hier auch für Gewerbe entsprechend Flächen bereitstellen. Das nur für den Wohnungsbau zur Kenntnis zu nehmen, dann hätte die Vorlage „Kleinräumige Bevölkerungsprognose“ vielleicht etwas anders lauten müssen. Denn das schließt eigentlich Leben und Arbeiten ein. Dann ist mir eine Frage wichtig: Die Zweitwohnsitzkampagne. Wir geben Geld aus, da- mit die Studenten ihren Erstwohnsitz in Karlsruhe anmelden. Das fließt in diese Progno- se mit hinein. Aber diese Erstwohnsitzkampagne hört nach vier Jahren auf, so lange die - 5 - Leute studieren. Denn die kommen nur während ihres Studiums nach Karlsruhe. Dann werden sie Karlsruhe wieder verlassen. Denn wir bedauern ja, dass von den Studenten, die alle hier sind, so wenige in Karlsruhe bleiben. Die gehen alle wieder weg. Also ver- ringern wir die Bevölkerung. Und es kommen wieder Leute dazu, d. h., diese dynami- sche Fortschreibung, in der die Erstwohnsitzkampagne vorhanden ist, sehe ich nicht. Denn die Zu- und Abgänge aus dieser Erstwohnsitzkampagne heben sich irgendwann auf. Es sei denn, wir gehen nicht davon aus, dass sich die Universitäten noch vergrö- ßern, dass immer mehr Studenten nach Karlsruhe kommen. Ich glaube, selbst wenn wir zustimmen, dass wir diese Szenarien zugrunde legen, heißt das noch nicht, dass das eintritt. Das ist das Eine. Aber: Es ist schon die Frage, ob wir damit diese Bevölkerungszunahme, die hier angenommen wird, herbeireden, wie es den Eindruck hat. Denn wir müssen uns darauf einstellen. Tritt es doch ein, bleiben wir so attraktiv, dann können wir nicht plötzlich sagen, jetzt haben wir eben Pech gehabt. Wir haben jetzt nicht die Schulen und wir haben jetzt nicht die Wohnungen dafür. Es beantwortet eigentlich nicht die Fragen, die man sich stellt, wenn man diesen Bericht hier liest. Aber wenn schon Kenntnisnahme, dann können wir eigentlich nur diese klein- räumige Bevölkerungsprognose zur Kenntnis nehmen, aber nicht mit den weiteren Überlegungen uns hier abfinden. Stadtrat Kalmbach (GfK): Ich kann mich entsinnen, vor Jahren haben wir schon ein- mal eine Prognose anzunehmen gehabt. Da gab es drei verschiedene Szenarien, eine untere, eine mittlere und eine obere. Ich weiß, die GRÜNEN und ich haben damals für die mittlere, die gemäßigtere gestimmt. Was ist passiert? Es ist genau die dynamische, diese höchste Steigerung gekommen. Wir werden überrollt von diesen Entwicklungen, wenn wir uns nicht darauf einstellen. Deswegen halte ich es für richtig, dass wir dieses dynamische Szenario annehmen und als Basis nehmen für weitere Überlegungen. Natürlich hat Karlsruhe Grenzen. Natürlich hat es Wachstumsgrenzen, bevölkerungs- mäßig wie vom Grünen her. Aber da müssen wir auch neu denken mit dem Umland. Dann werden wir auch richtig liegen. Deswegen bestätige ich der Verwaltung ausdrück- lich hier, dieses Szenario anzunehmen und mitzugehen. Stadtrat Hermanns (SPD): Eigentlich wollten wir dazu nicht reden. Aber wir haben uns jetzt doch entschieden. Zum einen, Frau Kollegin Dr. Leidig, wir können auf der einen Seite Prognosen nicht zur Grundlage nehmen und auf der anderen Seite Progno- sen zur Grundlage nehmen, um langfristige Entwicklungen in der Stadt vorausschauend zu planen. Ich glaube, dass auch aufgrund unserer Stärke als IT-Standort wir durchaus eine Dynamik entfalten werden, Herr Dr. Heilgeist hat es auch vorhin angesprochen. Die Digitalisierung wird eine neue Dynamik in der Wirtschaft entfalten. Wir als Stadt haben genau auch dieses entsprechende Flair hier am Standort, alle Zutaten, um genau in dem Bereich einen zentralen Punkt aufzuschlagen in Deutschland. Das wird dazu führen, dass wir deutlich mehr Mitarbeiter nach Karlsruhe bekommen werden und wir auch für diese Mitarbeiter deutlich mehr Wohnraum benötigen wer- den. Das Schöne dabei ist aber, Herr Dr. Heilgeist, dass diese Mitarbeiter oder Fachkräf- te, die hierher kommen, nicht die klassischen Gewerbegebiete brauchen, sondern die Unternehmen, die sich hier ansiedeln und die bestehen, in Büroräumen weiterentwi- - 6 - ckeln. Vielleicht haben wir da sogar einen schönen Spagat, dass wir das Wachstum mit unseren bestehenden Flächen doch zumindest eine Zeitlang sehr gut abdecken können. Aus unserer Sicht muss es sein, dass, wenn wir solche Prognosen haben, vorausschau- end die Verwaltung sich auch Gedanken machen muss in unterschiedlichen Szenarien, wie man darauf reagieren kann. Wenn wir uns das betrachten, 20 Jahre sind im Pla- nungszeitraum einer Kommune nicht sehr lange. Wenn wir uns das anschauen, wie lange auch die ganzen Planverfahren brauchen, sollten wir uns schon dafür rüsten, wenn diese Szenarien eintreten, dass wir auch dafür gewappnet sind, weil wir keine kurzfristigen Reaktionsmöglichkeiten haben. Von daher nehmen wir diese Prognose zur Kenntnis und werden dieser auch zustimmen. Stadtrat Wohlfeil (KULT): Ich möchte auf einen Satz von Herrn Dr. Schmidt kurz ant- worten. Er hat gemeint, man muss abwägen zwischen den Interessen der Einheimi- schen und der Zugezogenen. Ich behaupte, das ist hier kein Interessenskonflikt zwi- schen den Einheimischen und den Zugezogenen. Denn die Leute, die schon immer in Karlsruhe wohnen, haben genauso ein Problem damit, wenn der Wohnungsmarkt total überhitzt ist und man keine Wohnung mehr bekommt. Dass wir Nettoabzug von jun- gen Familien haben, hängt gerade damit zusammen, weil es eben in letzter Zeit immer mehr Studierende gibt. Wenn man eine Familie gründen will, zieht man zusammen. Dann braucht man mehr Raum für eventuell ein Kind. Dann finden die Leute keine Wohnung mehr in Karlsruhe und ziehen teilweise aus Karlsruhe weg. Deswegen haben wir aktuell diesen Nettoverlust bei den jungen Familien. Ich möchte ganz klar widersprechen, dass es den Wohnungsmarkt in Karlsruhe vernünf- tig zu gestalten, irgendetwas mit einem Interessenskonflikt zwischen Leuten, die hier schon wohnen und Leuten, die hier zuziehen, zu tun hätte. Zu einem anderen Punkt, weswegen ich wie Kollege Hermanns meine, dass das dyna- mische Szenario das wahrscheinlichere ist. Es ist so, dass durch die Digitalisierung immer mehr der niedrig qualifizierten Jobs wegfallen. Das ist ein volkswirtschaftliches Problem. Aber das sorgt vor allem dafür, dass Hochschulstandorte, wie Karlsruhe einer ist, immer mehr Zulauf haben. Denn immer mehr Leute studieren nach der Schule, weil sie nur dadurch einen Job bekommen. Dadurch werden die Hochschulen in Karlsruhe weiterhin immer mehr Studierende haben. Die Bevölkerungszahl von Karlsruhe wird eher – wie auch in den vergangenen Jahren – dem höchsten Anwachs entsprechen, als dem mittle- ren oder dem gehemmten. Deswegen gehe ich stark davon aus, dass die dynamische Entwicklung die ist, die eintreten wird. (Stadtrat Dr. Fischer/KULT: Aber man weiß es nicht!) - Aber man weiß es nicht. Aber von irgendeiner Prognose muss man ausgehen. Stadtrat Fostiropoulos (Die Linke): Ich möchte an dieser Stelle doch noch einmal daran erinnern, dass wir sehr wohl Wohnraum brauchen. Was aber macht die Stadt Karlsruhe seit einigen Jahren? Sie erneuert nicht die Mietpreisbindungen. Dadurch ent- steht folgendes Problem: Personen, die einen preisgünstigen Wohnraum brauchen, können sich die Mieten hier nicht mehr leisten. Da wir TechnologieRegion sind, da wir - 7 - alle von Digitalisierung sprechen, gerne Akademikerinnen und Akademiker hätten, die unsere digitale Welt bedienen, ist es auch von Interesse, dass die sich hier ansiedeln. Die bekommen die guten Jobs. Sie können die teuren Mieten zahlen und verdrängen letzt- lich Teile der Bevölkerung, die diese Mieten nicht zahlen können. Natürlich, aus Sicht einer Stadt ist es attraktiv, lukrativ, denn sie hat auch mehr Steuern, mehr Einnahmen. Die Frage ist aber, ob dann der Titel „Soziale Stadt“ noch gerechtfer- tigt ist, wenn wir nicht Konzeptionen haben, damit die Personen, die nur wenig bezah- len können, einen vernünftigen Wohnraum bekommen und wir nicht nur die akademi- schen, gut bezahlten Kräfte hereinbekommen. Im Übrigen bin ich sehr dafür, das war immer unser Appell, dafür zu sorgen, dass die Kinder im 1. bis 6. Lebensjahr eine qualifizierte Kita oder einen Lebensweg bekommen, damit sie nachher nicht mit Hauptschulabschluss oder ähnlichem hängen bleiben, son- dern dass sie genau diese guten Jobs später auch annehmen können. Aber auch da fehlt uns das Konzept oder auch der Mut, größere Schritte zu machen. Damit meine ich jetzt nicht nur die Kommune, sondern Bund und Land in der Gesamtpolitik der Bildung, dass hier zu wenig investiert wird und dass wir uns dann am Ende als Stadt auch noch freuen, dass wir leicht Investoren bekommen, die teure Wohnungen bauen und wir selbst zu wenig Geld in die Hand nehmen, um preiswerten Wohnraum zu erstellen. Ich betone noch einmal: Es geht uns nicht darum, nur Neubauten, sondern auch aus den vorhandenen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Letzter Satz noch dazu: Vielleicht müssen wir noch enger mit der Region zusammenar- beiten und sagen, wir können nicht nur die Gemarkung Karlsruhe betrachten. Wir müs- sen Wohnraum schaffen für die Bürgerinnen und Bürger, die hier in der Stadt, in der Region wohnen. Dazu müssen wir gemeinsam Geld in die Hand nehmen und den Wohnraum schaffen, und zwar für alle Gehaltsgrößen. Der Vorsitzende: Ich verspreche Ihnen, dass wir bei den entsprechenden Flächennut- zungsplänen, die die Stadt wie die Region betreffen, ausreichend Gelegenheit haben, alles dies noch einmal am Einzelbeispiel wie im Gesamten zu besprechen. Jetzt geht es erst einmal nur darum, dass Sie eine entsprechende kleinräumige Bevölkerungsprogno- se für 2035 zur Kenntnis nehmen. Ihre Wortbeiträge haben gezeigt, dass Sie das alles schon gemacht haben. Wir empfehlen Ihnen ausdrücklich, diese dynamische Prognose für gegebene Infrastrukturplanung zugrunde zu legen, weil wir schon oft die Erfahrung gemacht haben – ich erinnere nur an die Grundschulen Südstadt-Ost und viele andere Beispiele -, dass wir uns meistens eher etwas zu konservativ – konservativ ist vielleicht etwas zu reduziert – vertun in der Prognose und von der Dynamik eher überrollt wer- den, als dass es umgekehrt ist. Dennoch sind die Zahlen bei beiden Prognosen bis zum Jahr 2025 relativ identisch. Aber in der Perspektive würden wir doch immer eher von ein bisschen mehr ausgehen, was wir anschließend brauchen, als weniger. Aber das nimmt jetzt keine Entscheidung vorweg, irgendwo etwas weniger oder mehr dynamisch zu errichten oder nicht. Ich halte es dennoch für sinnvoll, dass wir auch immer im Hin- terkopf haben, dass wir selbst mit diesem Bevölkerungszuwachs dann zurecht kommen sollten. Dass das ein regionales Thema ist, das wird sich dann beim Flächennutzungs- plan noch einmal sehr deutlich zeigen. - 8 - Ich würde von daher auch bei unserer Formulierung von Seiten der Stadt bestehen blei- ben wollen und stelle jetzt die Vorlage, so wie sie da liegt, zur Abstimmung und bitte um Ihr entsprechendes Votum. – Das ist eine mehrheitliche Annahme. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 3. Januar 2017