Straßennamen für Walther Bensemann (1873 - 1934)

Vorlage: 2016/0558
Art: Antrag
Datum: 26.09.2016
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 25.10.2016

    TOP: 11

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mit Stellungnahme einverstanden

Zusätzliche Dateien

  • FDP-Straßennamen Walther Bensemann
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANTRAG FDP-Gemeinderatsfraktion vom: 13.09.2016 Vorlage Nr.: 2016/0558 Straßennamen für Walther Bensemann (1873 - 1934) Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 25.10.2016 11 x Die Stadt Karlsruhe benennt eine Straße oder einen Platz nach Walther Bensemann. Walther Bensemann war ein Pionier des Fußballsports. Er kam 1889, als 16-Jähriger, aus Montreux (Schweiz) nach Karlsruhe ans heutige Bismarck-Gymnasium mit einem Fußball im Gepäck. Er führte in Karlsruhe sehr früh (gespielt wurde auf dem „Engländerplatz“) das Fußballspiel, den sogenannten „Association Football“, ein. Er war Gründer zahlreicher Vereine (in Karlsruhe 1889 den International Footballclub – erster Fußballclub Süddeutschlands -, 1891 den Karlsruher FV, 1894 die Karlsruher Ki- ckers und 1900 Mitgründer des FC Bayern München) sowie 1920 der Fußballfachzeitschrift „Kicker“. 1900 war er Mitbegründer des Deutschen Fußballbundes. Er initiierte die sogenannten Urländerspiele (Nationalmannschaftsspiele vor Gründung des DFB), in denen er vor allem ein Medium für die Völker- verständigung sah, weshalb er auch angefeindet wurde. Da er eine jüdische Mutter hatte, musste er 1933 nach Montreux emigrieren, wo er 1934 -verarmt - starb. unterzeichnet von: Tom Høyem Thomas H. Hock Karl-Heinz Jooß Sachverhalt/Begründung:

  • Stellungnahme TOP 11
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag FDP-Gemeinderatsfraktion vom: 13.09.2016 Vorlage Nr.: Verantwortlich: 2016/0558 Dez. 4 Straßennamen für Walther Bensemann (1873 - 1934) Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 25.10.2016 11 x Kurzfassung Der Rolle Walther Bensemanns bei der Einführung der Sportart Fußball in Karlsruhe soll durch eine Straßen- oder Platzbenennung Rechnung getragen werden. Um den Zusammenhang zum Thema Fußball deutlich hervorzuheben, wäre die Benennung eines der Zugangswege im Bereich des zukünftigen Neubaus des Wildparkstadions sinnvoll und möglich. Bis zur Realisierung des Bauvorhabens wird der Name in die Vormerkliste für Straßennamen aufgenommen. Eine ent- sprechende Beschlussvorlage wird dem hierfür zuständigen Bauausschuss in einer der nächsten Sitzungen vorgelegt werden. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) x nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen (bitte auswählen) Kontierungsobjekt: (bitte auswählen) Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant x nein ja Handlungsfeld: (bitte auswählen) Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Walther Bensemann wurde 1873 in Berlin geboren. Während seiner Zeit als Schüler an einer englischen Privatschule in der Schweiz kam er mit der damals auf dem europäischen Kontinent noch weitgehend unbekannten Sportart Fußball in Berührung und gründete dort seinen ersten Fußballverein, den Fußballclub Montreux. Anschließend ließ ihn das Fußballspiel nicht mehr los. Im Herbst 1889 ließen sich Bensemanns Eltern in Karlsruhe nieder, wo ihr Sohn Schüler am Großherzoglichen Lyzeum, dem heutigen Bismarck-Gymnasium, wurde. Dort animierte er seine Mitschüler dazu, mit ihm Fußball auf dem „Engländerplatz“ zu spielen. Noch im selben Jahr gründete er den International Football Club (IFC), den ersten Verein in Süddeutschland, der nach den englischen Association-Regeln spielte. Es folgte die Gründung des Karlsruher Fußball- vereins (KFV) im Jahre 1891. Nach seinem Abitur 1892 wanderte Bensemann durch Süd- deutschland, wo er Vereinsgründungen initiierte und unterstützte. Im Jahre 1893 gründete er den dritten Karlsruher Fußballverein – die Karlsruher Kickers. Im selben Jahr war er auch an der Gründung des ersten süddeutschen Fußballverbandes - der Süddeutschen Fußballunion – betei- ligt, die leider zwei Jahre später zerfiel. Weitere Vereinsgründungen hatte Bensemann in Straß- burg, Baden-Baden, Freiburg, Mannheim und anderen Städten zu verantworten. Die prominen- testen hierunter waren die Fußballabteilung des MTV München, aus der der FC Bayern Mün- chen hervorging, und die Frankfurter Kickers, einer der Vorläufer von Eintracht Frankfurt. Nach eigenen Angaben wollte Bensemann die Fußballvereinsgründungen anstoßen und unterstützen, die Organisation derselben überließ er den Aktiven vor Ort. Zusätzlichen zu den Vereinsgründungen bemühte sich Bensemann um die Organisation interna- tionaler Fußballspiele. Der Höhepunkt waren die sogenannten Ur-Länderspiele gegen französi- sche und englische Mannschaften. Für Bensemann war dies ein Mittel zur Völkerverständigung, da er in der Sportart Fußball den Gedanken von Fair Play und Toleranz verwirklicht sah. Bense- mann lehnte engstirniges Nationaldenken ab: „Auf den Geburtsort eines Menschen kommt es so wenig an, wie auf den Punkt, von wo er in den Hades fährt.“ Im Jahr 1900 wurde unter kräftiger Unterstützung Bensemanns der Deutsche Fußballbund ge- gründet, er selbst hatte diesen Namen für den neuen Verband vorgeschlagen. Er selbst bewarb sich nicht um eine Verbandsfunktion, sondern arbeitete fortan – hauptsächlich aus finanziellen Gründen - als Lehrer in der Schweiz und in Großbritannien. Stets versuchte er jedoch seinen Schülern die Sportart Fußball nahezubringen. Im Jahr 1920 rief Bensemann in Konstanz eine eigene Fußballzeitschrift, den bis heute erschei- nenden „Kicker“ ins Leben. Das Titelblatt der ersten Ausgabe zierten Fotos der Mannschaften des Karlsruher FV und der Karlsruher Kickers. Bensemann selbst schrieb Kommentare, Glossen, Reiseberichte und Artikel für die Zeitschrift. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 sah Bensemann, der einer jüdischen Familie entstammte, sich gezwungen, sich aus der Pressearbeit zurückzuziehen, da die Sportpresse nun eine „mehr referierende als kritische Aufgabe“ hatte. Auf Druck der neuen Machthaber wanderte er in die Schweiz aus. Er starb im November 1934 in Montreux vermutlich an einem Herzleiden. Der Rolle Walther Bensemanns bei der Einführung der Sportart Fußball in Karlsruhe soll durch eine Straßen- oder Platzbenennung Rechnung getragen werden. Um den Zusammenhang zum Thema Fußball deutlich hervorzuheben, wäre die Benennung eines der Zugangswege im Bereich des zukünftigen Neubaus des Wildparkstadions sinnvoll und möglich. Bis zur Realisierung des Bauvorhabens wird der Name in die Vormerkliste für Straßennamen aufgenommen. Eine ent- sprechende Beschlussvorlage wird dem hierfür zuständigen Bauausschuss in einer der nächsten Sitzungen vorgelegt werden.

  • Protokoll TOP 11
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    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 30. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 25. Oktober 2016, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 13. Punkt 11 der Tagesordnung: Straßennamen für Walther Bensemann (1873 - 1934) Antrag der Stadträte Tom Høyem, Thomas H. Hock und Karl-Heinz Jooß (FDP) vom 13. September 2016 Vorlage: 2016/0558 Beschluss: Einverstanden mit der Stellungnahme der Verwaltung. Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 11 zur Behandlung auf: Da würde ich ergänzend zu dem was wir hier geantwortet haben, Ihnen noch anbieten, dass wir an die Fraktionsgeschäftsstellen die Vormerkliste schicken, damit Sie überhaupt wissen, was es bedeutet, wenn da ein Name landet. Das sollte man bei der Sache schon wissen. Herr Stadtrat Hock für die Antragsteller. Stadtrat Hock (FDP): Bei der Erarbeitung dieses Antrages ist man, wenn man mit dem Namen Walther Bensemann zu tun hat, in der einen oder anderen Zeitung dann doch überrascht, was Walther Bensemann für den deutschen Fußball gebracht und erarbeitet hat. Walther Bensemann, man kann es mit Verlaub auf jeden Fall sagen, hat den Fuß- ball nach Deutschland gebracht. Er hat u. a. viele Vereinsgründungen - Sie können das alles in der Stellungnahme zu unserem Antrag noch einmal nachlesen - erarbeitet und mit vorangetrieben. Für Karlsruhe ist es wichtig, dass man weiß, er kam hier nach Karls- ruhe ans Bismarck-Gymnasium. Die Mutter war Jüdin. Hier in Karlsruhe hat er u. a., auch dies ist in unserem Antrag zu lesen, bei verschiedensten Vereinsgründungen mit- gewirkt, u. a. ist der KFV zu nennen und natürlich, was ganz wichtig ist, da war ich sel- ber überrascht gewesen, dass er auch Mitbegründer des MTV München, später dann ableitend Bayern München, war. Von daher gesehen haben wir in der Stellungnahme - 2 - gelesen, dass Sie, Herr Oberbürgermeister, mit der Verwaltung dann davon ausgehen, dass das neue Stadion gebaut wird, da hören wir nachher etwas dazu. Wenn in dieser Stellungnahme im Zusammenhang zum Thema Fußball steht, dass das Wildparkstadion dann gebaut wird und man es als sinnvoll und gut erachtet, dass dann dort im Wegebe- reich Walther Bensemann zu ehren, dann würden wir uns freuen, wenn dies hier im Hause große Unterstützung findet. Die FDP-Fraktion ist der Meinung, dass Walther Ben- semann für den deutschen und internationalen Fußball sehr viel getan hat und mit die- sem Straßennamen eventuell in der Nähe des neuen Wildparkstadions mit Sicherheit gut aufgehoben wäre. Herzlichen Dank und danke für Ihre Zustimmung. Stadtrat Dr. Käuflein (CDU): Ich kann es kurz machen, weil der Begründung der An- tragsteller kaum noch etwas hinzugefügt werden kann. Zustimmung von meiner Frakti- on zum Antrag wie zur Stellungnahme der Verwaltung. Stadtrat Pfalzgraf (SPD): Ich kann genau das Gleiche für die SPD-Fraktion sagen. Lie- be Kollegen von der FDP, ihr habt hier eine gute Idee gehabt. Liebe Damen und Herren von der Stadtverwaltung, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Sie haben auch eine gute Idee gehabt, nämlich dort beim neuen Wildparkstadion diesen Mann zu würdigen, der in der Tat, ich muss ehrlich gestehen, ich habe es nicht gewusst, mehr als vielleicht alle anderen für den Fußball gemacht hat. Da können wir als Karlsruher auch stolz sein, dass er hier so gewirkt hat. Deshalb Zustimmung der SPD. Stadtrat Hodapp (GRÜNE): Zustimmung auch von unserer Fraktion. Die fällt einmal deswegen leicht, weil die Stellungnahme der Verwaltung ja auch deutlich in die Zukunft weist. Wir können das an einem zukünftigen Stadion machen und gucken uns dann noch einmal die Liste an, von der Sie gesprochen haben. Der zweite Punkt für uns ist der klare Karlsruher Bezug, natürlich auch da vom Bis- marck-Gymnasium bis hin zu den Vereinsgründungen. Mir geht es genauso. Er war of- fensichtlich ein wilder Vereinsgründer, was man dann erst mal beim Nachlesen fest- stellt. Was ich sehr schön fand, es wird ihm zugeschrieben, er hätte sich - Zitat „immer gerne für Völkerverständigung, Internationalität und Frieden eingesetzt“. Davon kön- nen wir heutzutage grundsätzlich immer eher mehr als weniger gebrauchen. Der letzte Punkt, weil Sie die Liste erwähnt haben, das wäre vielleicht der kleine Wer- mutstropfen oder die Anfrage von uns. Wir sollten vielleicht doch einmal grundsätzlich überlegen, wie wir mit dieser Liste umgehen. Der Begriff Karteileichen würde sich in dem Zusammenhang verbieten, aber es ist tatsächlich so, dass wir permanent immer wieder Menschen auf diese Liste setzen. Vielleicht wäre es schön, einfach einen ande- ren Umgang damit zu finden, denn diese Liste ist mittlerweile so endlos lang, dass es Jahre geht und Herr Bensemann kommt vielleicht ein bisschen früher zum Zuge, weil es eben sehr zielgerichtet für den Sport ist. Stadtrat Cramer (KULT): Anknüpfend an die letzte Wortmeldung: Im letzten Kultur- ausschuss ist in der Richtung schon diskutiert worden. Ich denke auch, dass diese Liste letztendlich keine Liste ist, die Prioritäten vorgibt. Meine Fraktion geht davon aus, dass eben Namen aufgenommen werden und dann genau geschaut wird, wo ist der konkre- - 3 - te Bezug zu Karlsruhe. Der ist natürlich in diesem Fall absolut gegeben. Meine Fraktion wird natürlich den Antrag und auch die Antwort der Verwaltung so gerne mittragen. Der Vorsitzende: Vielen Dank. Ich habe jetzt nur Zustimmung zu dem Inhalt der Stel- lungnahme der Verwaltung und damit auch zum Antrag gehört. Insofern brauchen wir nicht abstimmen, sondern fühlen uns von Ihnen allen beauftragt und entsprechend na- türlich vom Antragsteller, hier jetzt die Dinge so anzugehen und umzusetzen. Sie sehen das auch so. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. November 2016