Dokumentation Sprachbildung in Kindertagesstätten 2012 - 2015
| Vorlage: | 2016/0378 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 21.06.2016 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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1. Förderperiode September 2012 bis August 2015 SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE DOKUMENTATION Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde | Büro für Integration 2 | SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE – DOKUMENTATION www.karlsruhe.de SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | BÜRO FÜR INTEGRATION | 3 VORWORT Liebe Leserinnen und Leser, „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ (Ludwig Wittgenstein, österreichischer Philosoph) Um Kenntnis über die Situation in Bezug auf Sprachförderung und Umgang mit Vielfalt in Karlsruher Kindertageseinrichtungen zu erlangen, hat die Verwaltung 2011 eine Erhebung in den Einrichtungen durchgeführt. Die hohe Rückmeldung und das Ergebnis zeigen, dass das Thema Sprache eines der wichtigsten Themen in den Einrichtungen ist. Ein Viertel der Kinder haben einen Sprachförderbedarf. Dieses Viertel setzt sich fast zu gleichen Teilen aus Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zusammen. So wurde auf Grundlage der oben genannten Erhebung trägerübergreifend eine Förderrichtlinie zur Unterstützung der Sprachförderung in Kindertagestätten in Karlsruhe entwickelt. Die bereitgestellten Fördermittel waren ausreichend, damit 20 Einrichtungen sich um eine Förderung bewerben konnten. Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass der Bedarf der Einrichtungen an Unterstützung im Bereich Sprachförderung dauerhaft besteht und begonnene Prozesse in den Einrichtungen weiterhin begleitet und unterstützt werden müssen. Die Förderung wurde folgerichtig bis August 2017 verlängert und umfasst aktuell 29 Einrichtungen. Dazu kommen noch acht Einrichtungen in Karlsruhe, die über das Bundesprogramm Frühe Chancen gefördert werden. Die vorliegende Dokumentation hält die Ergebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse, der ersten Förderperiode des Sprachbildungsprojekts der Stadt Karlsruhe fest und zeigt, welche Grundsätze bei der Entwicklung eines gesamtstädtischen Konzepts für Sprachbildung in Karlsruher Kindertageseinrichtungen beachtet werden müssen. Martin Lenz Bürgermeister 4 | SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE – DOKUMENTATION Herausgegeben von Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Büro für Integration buero.fuer.integration@sjb.karlsruhe.de Layout: C. Streeck Bild Vorwort: www.pixabay.com Gedruckt in der Rathausdruckerei auf 100 Prozent Recyclingpapier. INHALTSVERZEICHNIS 1. Sprachförderung nach der Sprachförderrichtlinie der Stadt Karlsruhe ..........................................................................................5 2. Der Qualitätszirkel ...........................................................................................................................................................................6 2.1 Aufbau, Ziel und Aufgabenbeschreibung ........................................................................................................................6 2.2 Die Tutorien ...................................................................................................................................................................6 2.2.1 Ausgangslage ........................................................................................................................................................6 2.2.2 Umsetzung ............................................................................................................................................................7 2.2.3 Ergebnisse .............................................................................................................................................................7 2.2.4 Fazit ......................................................................................................................................................................8 2.3 Abschlussberichte der Kindertageseinrichtungen .............................................................................................................9 2.3.1 S – Sprachförderung ..............................................................................................................................................9 2.3.2 E – Elternarbeit ...................................................................................................................................................10 2.3.3 T – Team .............................................................................................................................................................10 3. Von der Sprachförderung zur Sprachbildung: Das Konzept für Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe .......................................11 3.1 Ausgangslage und Bedarf .............................................................................................................................................11 3.1.1 Auswahl der Kindertageseinrichtungen ................................................................................................................11 3.1.2 Förderprogramm oder Alltagsintegration der sprachlichen Anregungen? ..............................................................11 3.1.3 Kennzeichen alltagsintegrierter Förderung ...........................................................................................................11 3.1.4 Qualifi zierung der Fachkräfte ...............................................................................................................................12 3.2 Entwicklung eines gesamtstädtischen Sprachbildungskonzeptes für Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe ...................12 4. Resümee und Ausblick ...................................................................................................................................................................13 5. Literatur .........................................................................................................................................................................................14 SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | BÜRO FÜR INTEGRATION | 5 www.karlsruhe.de 1. SPRACHFÖRDERUNG NACH DER SPRACHFÖRDERRICHTLINIE DER STADT KARLSRUHE Am 28. Februar 2012 hat der Gemeinderat die „Förderrichtlinien für Sprachförderung in Kindertagesstätten in Karlsruhe“ beschlossen und fi nanzielle Mittel für die dreijährige Förderung von 20 Kindertageseinrichtungen bereitgestellt. Kernpunkte der Förderrichtlinien waren: Einrichtungen mit einer hohen Quote an Kindern mit Sprachförderbedarf bekommen eine zusätzliche Halbtageskraft für Sprachförderung. Die Sprachförderkraft hat eine zusätzliche Qualifi kation oder mit dem Erwerb der Zusatzqualifi kation begonnen. Die Einrichtung arbeitet auf der Grundlage eines Sprachförderkonzeptes. Die Zuschusshöhe beträgt 25.000 Euro für eine halbe Stelle inkl. Sachmittel und Overheadkosten. Die Förderung beginnt frühestens zum 1. September 2012 und ist befristet bis längstens 31. August 2015 (drei Jahre). Zur Qualitätssicherung und Evaluation wird ein Qualitätszirkel eingerichtet. Hieran sind die Pädagogische Hochschule Karlsruhe, Erzieherfachschulen und die geförderten Einrichtungen beteiligt. Für die inhaltliche Arbeit der Sprachförderkräfte in den Einrichtungen geben die Richtlinien drei Hauptschwerpunkte vor (SET): Sprachförderung für Kinder mit Sprachförderbedarf Einbeziehung der Eltern, Elternarbeit Teamweiterentwicklung und -qualifi zierung Im September 2012 haben die ersten Einrichtungen mit dem Einsatz einer Sprachförderkraft begonnen. Für einige Einrichtungen war es schwierig, geeignete Sprachförderkräfte zu gewinnen beziehungsweise vorhandenes Personal musste zuerst die geforderte Grundqualifi zierung zur Sprachförderkraft erwerben, weshalb sich der Projektbeginn verzögerte. Die letzte Einrichtung konnte im März 2013 mit dem Projekt starten. Nachdem die Arbeit in den Einrichtungen angelaufen war, wurde vom Büro für Integration gemäß der Richtlinie ein Qualitätszirkel aufgebaut. Für die Finanzierung des Qualitätszirkels stand ein Jahresetat in Höhe von 50.000 Euro zur Verfügung. Noch vor Ablauf des Förderzeitraums hat sich gezeigt, dass ein trägerübergreifendes Karlsruher Gesamtkonzept zur Sprachbildung im Vorschulalter zu entwickeln ist. Der Begriff Sprachförderung wurde dabei durch den Terminus Sprachbildung ersetzt, da damit ein ganzheitlicher und durchgängiger sprachlicher Bildungsprozess, der seinen Anfang in der Kindertagesstätte nimmt, besser beschrieben wird. In der Folge hat der Gemeinderat für die Dauer der Entwicklung eines gesamtstädtischen Konzeptes der Fortschreibung und Umbenennung der Förderrichtlinien im Oktober 2014 zugestimmt. Die Kernpunkte der Fortschreibung sind: Umbenennung in „Förderrichtlinie für Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe“ Laufzeit der neuen Richtlinie vom 1. September 2015 bis 31. August 2017 Verlängerung der Laufzeit der Förderung für die 20 Einrichtungen, die bereits ab 1. September 2012 durch die Stadt gefördert werden, bis 31. August 2017 Aufnahme von maximal 14 neuen Einrichtungen in das Programm Weiterführung des Qualitätszirkels „Sprachbildung“ über den neuen Förderzeitraum mit allen bezuschussten Einrichtungen Verminderung des jährlichen Förderbetrages auf 23.000 Euro ab Beginn der neuen Laufzeit 6 | SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE – DOKUMENTATION 2. DER QUALITÄTSZIRKEL 2.1 AUFBAU, ZIEL UND AUFGABENBESCHREIBUNG Zur Qualitätssicherung und Evaluation der Sprachförderung wurde vom Büro für Integration ein Qualitätszirkel eingerichtet. Hieran waren die Katholische Fachschule für Sozialpädagogik Agneshaus, die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik Bethlehem, die Jugendhilfeplanung des städtischen Jugendamtes und die geförderten Einrichtungen beteiligt. Dem Qualitätszirkel gehörten ferner zwei erfahrene Fachkräfte aus dem Bereich Sprachförderung und Erwachsenenbildung als Tutorinnen an. Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe hat sich nach einer anfänglichen Beteiligung aus Kapazitätsgründen aus dem Qualitätszirkel wieder zurückgezogen. Der Qualitätszirkel hat den Prozess, der sich durch die Einführung der Sprachförderung in den Einrichtungen entwickelte unterstützt, ihn begleitet und zur Qualitätsverbesserung beigetragen. Grundsätzliche Ziele: Etablierung, Vernetzung und Verankerung von Sprachbildung Verbesserung und Weiterentwicklung der Qualität von Sprachbildung in den Kitas Schaffung von Standards und Instrumenten In den regelmäßig stattfi ndenden Sitzungen des Qualitätszirkels wurden die genannten Ziele mittels Fortbildungsangeboten für die Sprachbildungskräfte, Angebote zur Prozessbegleitung und Beratung sowie die Förderung des Austauschs der Sprachbildungskräfte und Einrichtungsleitungen untereinander konzeptionell erörtert. Auch die Erfordernis einer kontinuierlichen schriftlichen Dokumentation der Sprachbildungsprozesse wurde festgelegt. 2.2 DIE TUTORIEN 2.2.1 AUSGANGSLAGE Durch den Qualitätszirkel wurden drei feste trägerübergreifende Tutorien für die Kindertageseinrichtungen eingerichtet, mit den Sprachbildungskräften und den Einrichtungsleitungen als Teilnehmende. Im Hinblick auf die fachlichen Herausforderungen wurden Tutorinnen ausgewählt, die sich durch Kompetenzen in folgenden Bereichen auszeichnen: Sprachbildung in Kindertagesstätten Elternarbeit in Kindertagesstätten Bildungspläne der Länder Erwachsenenbildung/Teamqualifi zierung/Kollegiale Beratung RAHMENBEDINGUNGEN Für die Tutorinnen war bald ersichtlich, dass sich jede Einrichtung in der Qualitätsentwicklung des Bereichs Sprachbildung auf einem anderen Entwicklungsstand befi ndet. Es stellten sich vor diesem Hintergrund folgende Fragen: 1. Wie wird der Bereich Sprachbildung in der jeweiligen Einrichtung umgesetzt? 2. Welche offenen Fragen gibt es in der Einrichtung? 3. Wie ist der Fortbildungsstand der pädagogischen Fachkräfte? 4. Welche Rahmenbedingungen hat die Einrichtung (Personal, Material, Ausstattung, Gruppengröße)? 5. Wie heterogen ist das Einzugsgebiet? 6. Wie stellen sich die Ressourcen und die Problemlagen der Einrichtung dar? 7. Wie geht die Einrichtung mit Vielfalt um? Die Rahmenbedingungen unterschieden sich in den teilnehmenden Kindertageseinrichtungen wie folgt: Räumliche Situation: Manche Einrichtungen weisen eine gute räumliche Situation auf, das heißt es gibt genügend Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder, um sprachbildende Prozesse zu initiieren, um beispielsweise in einer ruhigen Atmosphäre Bilderbücher zu betrachten, sich etwas zu erzählen oder Kleingruppenaktivitäten zu gestalten und einander zu begegnen. Andere Einrichtungen haben Mühe, ungestörten Raum zu fi nden und agieren auf „engen“ Fluren oder haben keine Rückzugsmöglichkeiten mit den Kindern. Personelle Situation: Größere Einrichtungen können aufgrund personeller Gegebenheiten auf mehr Ressourcen bei personellen Engpässen zurückgreifen. Für kleinere Einrichtungen stellt dies eine große Schwierigkeit dar. Sprachbildungskonzept: Hier gestaltet sich die Lage sehr different. Alle Einrichtungen haben ein eigenes Sprachbildungskonzept verfasst. Eine aktive Auseinandersetzung ist jedoch nicht bei allen Einrichtungen gegeben. Einige Einrichtungen haben ihr Konzept bereits SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | BÜRO FÜR INTEGRATION | 7 vor langer Zeit erstellt, weswegen es einer aktiven Auseinandersetzung und Überarbeitung bedarf. Vielfalt: Alle Einrichtungen haben Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen und weisen einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund auf. Es war den Tutorinnen ein Anliegen, Chancengleichheit zu fördern. Dies gelingt unter anderem durch die Auseinandersetzung mit Vielfalt als Ressource oder den Umgang und die persönliche Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Diskriminierung. Diese Ausgangslagen haben die Tutorinnen in differenzierter Arbeitsweise und in der methodischen Umsetzung bei der Begleitung der Kindertageseinrichtungen berücksichtigt. 2.2.2 UMSETZUNG Die Sitzungen der Tutorien wurden von den Tutorinnen vorbereitet und geleitet. Bis zum Ende der Laufzeit der Förderung wurden mehr als zehn Treffen durchgeführt. Die Vorgabe, dass die Sprachbildungskräfte sowie die Leitung anwesend sein müssen, gewährleistete die Umsetzung in den Teams und die Unterstützung der Sprachbildungsfachkraft. Konkret hat das Tutorium die aktive Auseinandersetzung von sprachbildenden Prozessen in der Kindertageseinrichtung gefördert, unter anderem durch: den Transfer der Inhalte in das Team eine Plattform, die einen trägerübergreifenden fachlichen Austausch geboten hat Begleitung und Beratung der pädagogischen Fachkräfte durch erfahrene Tutorinnen INHALTE UND STRUKTUR DER TUTORIEN Die Themenauswahl (an SET orientiert) erfolgte, in Abstimmung mit dem Qualitätszirkel, im Hinblick auf Erkenntnisse frühkindlichen Lernens und unter Berücksichtigung der Bildungspläne. Die Gruppen bestanden aus je circa sieben Einrichtungen. Inhaltlich widmeten sich die Tutorien folgenden Bereichen: Kennenlernen der Teilnehmenden, Erhebung der Ressourcen in den Einrichtungen Das Bild vom Kind/Refl exion der eigenen Haltung Sprachbildendes und sprachförderndes Verhalten der pädagogischen Fachkraft Gesprächsanlässe in der Einrichtung intensiv gestalten Vielfalt als Ressource erkennen und nutzen (Interkulturelle Kompetenz, Mehrsprachigkeit) Sprachbildungsprozesse ganzheitlich gestalten Bedeutung von Literacy in der Einrichtung etablieren. Mit dem Begriff „Literacy“ werden nicht nur die Fähigkeiten des Lesens und Schreibens bezeichnet, sondern auch Text- und Sinnverständnis, Erfahrungen mit der Lese- und Erzählkultur der jeweiligen Gesellschaft, Vertrautheit mit Literatur und anderen schriftbezogenen Medien (inklusive Internet) sowie Kompetenzen im Umgang mit der Schriftsprache. Ressourcenorientierte Sprachbeobachtungsverfahren Gelingende Zusammenarbeit mit Eltern forcieren Neben den inhaltlichen Themen wurde in den Treffen fortlaufend der Austausch über methodische Ideen und Materialen im Rahmen einer Materialbörse angeboten. 2.2.3 ERGEBNISSE FEEDBACK: AUSWERTUNG DES FRAGEBOGENS „ZUFRIEDENHEIT – QUALITÄT – BEDARF“ Am Ende des Förderzeitraums wurde eine Befragung mittels Fragebogen durchgeführt, um die Erkenntnisse, die Zufriedenheit und die Weiterqualifi zierung der Teilnehmenden zu erfassen und Richtwerte für die Fortschreibung des Sprachbildungsprogramms zu erhalten. Die Auswertung zeigt eine sehr hohe Zufriedenheit der Erzieherinnen, die sich einerseits mit den Inhalten und andererseits mit der Gestaltung des Tutoriums befasste. Insgesamt wurden 39 Fragebögen ausgewertet, von denen 20 Bögen von den Sprachbildungskräften und 19 von den Einrichtungsleitungen ausgefüllt wurden. Bei der Auswertung der Aussagen wurde ein hoher Zuwachs an Qualität der eigenen Arbeit ersichtlich. Die Auswertung der Fragebögen zeigt, dass eine Stärke des Angebots der Tutorien im Austausch unter Kollegen liegt, versetzt mit Impulsen zur Weiterentwicklung der eigenen Haltung und des Fachwissens. Die Mehrheit der Befragten gab an, dass die Themen so vermittelt wurden, dass sie die Teilnehmenden nachhaltig beschäftigt haben, vor allem in den Bereichen Literacy, Gesprächsführung und dem Umgang mit Vielfalt. Die Auswertung zeigte aber auch, dass circa ein Drittel der Befragten (27 Prozent) Probleme hatte, die Inhalte in das Team zu transferieren. Dies ist ein Aspekt, der im nächsten Förderzeitraum verstärkt in den Tutorien begleitet und unterstützt werden sollte. Die regelmäßige Teilnahme im Tandem (Sprachbildungskraft gemeinsam mit Einrichtungsleitung) wird vor allem von Sprachbildungskräften als wichtig eingestuft. Dies ist vermutlich ein Faktor, der den Transport der Inhalte ins Team erleichtert. 8 | SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE – DOKUMENTATION Allgemeine Refl exion der Tutorinnen: Jedes Treffen fand in einer anderen Einrichtung statt, so dass die Teilnehmenden Einblick in die unterschiedlichen Einrichtungen, Arbeitsweisen und Konzeptionen erhielten. Dadurch konnten sich Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten entwickeln, die wiederum positiven Einfl uss auf die eigene Arbeit hatten. Die Sprachbildungskräfte waren hochmotiviert und die Zusammenarbeit mit den Leitungen gab Sicherheit. Unterschiedliche Strukturen von Einrichtungen kennenzulernen, gewährleistete den Blick über den eigenen Tellerrand. Es war zu erkennen, dass eine Verbesserung der Arbeitsmaterialien zu besseren Arbeitsbedingungen führte. Durch die zusätzliche Finanzierung sind Bücherbestände erneuert worden, Leseecken wurden mit sinnvollen Möbeln ausgestattet und ermöglichten bessere Kleingruppenangebote. Schwierigkeiten: Die grundlegende Bereitschaft zur guten Zusammenarbeit mit Eltern ist vorhanden, jedoch herrscht hier oft ein Mangel an Ideen, wie die Zusammenarbeit auf die Lebenslagen der Familien zugeschnitten werden könnte. Schwierigkeiten zeigten sich auch bei der Gestaltung von Begegnungsräumen mit Eltern. Der Teamgedanke („Wir schaffen das gemeinsam!“) war im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Eltern oft nicht vorhanden. Oft waren auch „Berührungsängste“ mit Eltern erkennbar. Oft gibt es auch Rollenkonfl ikte im eigenen Team: Die Sprachbildungskräfte wollen die Inhalte im Team umsetzen, das Team reagiert abweisend. Zeitmangel/Organisatorisches wird in den Vordergrund gerückt, es gibt allgemein wenig Zeit für die Auseinandersetzung im Team. In Einzelfällen werden die Sprachbildungskräfte als Regelkräfte eingesetzt. Überforderung der Sprachkraft, wenn die Leitung nicht am Tutorium teilnimmt. Für die Leitungen sowie die Sprachbildungskräfte gestaltete es sich oftmals schwierig, die Inhalte in das Team zu transferieren, da sowohl die Zeit, als auch das methodische und didaktische Wissen zur Vermittlung fehlte. Einigen Teams ist nicht bewusst, dass Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen nur gelingt, wenn alle aus dem Team motiviert sind, diesen Prozess weiter zu entwickeln. Hier benötigen die Teams weitere Unterstützung von außen (Fachberatung für Sprachbildung). 2.2.4 FAZIT Der Qualitätszirkel arbeitete richtungsweisend und fokussierte die Qualität der Sprachbildungsprozesse in den Kindertageseinrichtungen. Durch die gezielte Auswahl von Themen, die auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und in Abstimmung mit den Bildungsplänen von Baden-Württemberg ausgesucht wurden, ist ein Rahmen entstanden, der in einer besonderen Art und Weise die Qualität in den Einrichtungen fördert: Die Tutorien ermöglichten, dass sich Leitung und Sprachbildungskraft in einem gestalteten Rahmen mit Sprachbildung beschäftigen konnten. Sinnvolles kann vernetzt und über Fortbildung und Austausch zusammengefügt werden. Die Tutorien sind für die Sprachbildungskräfte von besonderer Bedeutung und fördern Qualität aufgrund von zur Verfügung gestellter Materialien, Austausch, Fachgespräche und gegenseitiger Unterstützung/ kollegialer Beratung. Durch die Tutorien wurde eine qualifi zierte Sprachbegleitung in den Einrichtungen ermöglicht. Eine Verbesserung der räumlichen Ausstattung und Nutzung der Materialien durch die Projektmittel war deutlich erkennbar. Die Orientierung an SET war sinnvoll: Die Sprachbildung gelingt in der Umsetzung gut. Die Einbeziehung der Eltern gestaltet sich schwierig und bedarf weiterer Unterstützung. Die Inhalte in das Team zu transferieren gestaltete sich schwierig (siehe Refl exion) und bedarf weitere Unterstützung. HANDLUNGSEMPFEHLUNG Aufgrund der Auswertung der Fragebögen kann festgestellt werden, dass die Einrichtungen sich im Entwicklungsprozess zur Qualitätssteigerung der alltagsintegrierten Sprachbildung befi nden. Der Qualitätszirkel und die Tutorien unterstützen diesen Prozess, da er eine Austausch- und Fortbildungsplattform bietet. Auch bei der Verlängerung des Förderzeitraums ist das weitere Bestehen der Tutorien wichtig, um die Qualität der Einrichtungen zu verbessern und zu erweitern. Qualität entsteht, wenn die Sprachbildungskraft mit der Leitung gemeinsam Prozesse in den Fokus rückt und an den Tutorien teilnehmen. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | BÜRO FÜR INTEGRATION | 9 1. Ressourcennutzung: Im neuen Förderzeitraum soll die Unterstützung der Fachkräfte durch kollegiale Beratung erweitert werden. Die Fachkräfte nutzen ihre eigenen Ressourcen und beraten einander gegenseitig. Außerdem soll eine Kooperation und Vernetzung mit weiteren Stellen erfolgen, so dass die einzelnen Einrichtungen auf mehr Ressourcen zugreifen können. 2. Sprachbildung im Alltag: Durch die alltagsintegrierte Sprachbildung soll der defi zitären Ausrichtung entgegengewirkt werden, indem sie nicht nur auf Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen fokussiert, sondern sich potentiell an alle Kinder richtet. Sprachbildung ist als Entwicklungsaufgabe aller Kinder im Vorschulalter zu sehen, unabhängig vom sozio-ökonomischen Hintergrund. 3. Vielfalt: Ein besonderes Augenmerk soll neben SET auf dem Aspekt der Vielfalt liegen. Hierfür sollten die Fachkräfte sensibilisiert werden. Vielfalt darf nicht als Problem wahrgenommen werden, sondern soll ressourcenorientiert berücksichtigt werden. 4. Prozessorientierte Fortbildung und Begleitung: Der Fokus sollte auf der prozessorientierten Fortbildung und der Begleitung der einzelnen Teams liegen. Dieser Aspekt kam zu wenig zum Tragen, da die Teambegleitung nicht fi nanziert wurde. Qualität entsteht im Bereich alltagsintegrierter Sprachbildung über die Vernetzung, Umsetzung und Integration der Themen durch die pädagogischen Fachkräfte. Personelle Ressourcen sind nötig. Prozessbegleitung und eine Fortbildungsplattform, die das gesamte Team in den Fokus nimmt, sollte über die Finanzierung der Tutorien hinaus ermöglicht werden. Weiterhin wäre die Finanzierung einer Fachberatung für Sprachbildung der Stadt Karlsruhe, die diese Bandbreite an Möglichkeiten ausschöpfen kann, von großem Vorteil. Diese könnte alle oben genannten Aspekte abdecken, eng verzahnt mit den Einrichtungen agieren, Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung im Bereich Sprachbildung leisten und im Sinne der Nachhaltigkeit agieren. 2.3 ABSCHLUSSBERICHTE DER KINDERTAGESEINRICHTUNGEN Zum Abschluss des ersten Förderzeitraumes von September 2012 bis August 2015 waren die Einrichtungen aufgefordert, einen Abschlussbericht zu fertigen. Sie sollten zu den drei Bereichen von SET – Sprachförderung, Elternarbeit, Teamentwicklung – berichten. 2.3.1 S – SPRACHFÖRDERUNG Um die regelmäßige Dokumentation des sprachlichen Entwicklungsprozesses der Kinder zu gewährleisten, fi ndet eine Sprachstandserhebung bei den Kindern statt, aus deren Testergebnissen konkrete Förderentscheidungen abgeleitet und Entwicklungsfortschritte durch Wiederholungsmessungen geprüft werden können. Um diese Tests durchzuführen, wurden durch die Tutorinnen für alle Einrichtungen Testbögen angeschafft. Um eine erfolgreiche Förderung zu erzielen, wurden durch die fi nanzielle Unterstützung der Stadt Karlsruhe vor allem neue Spielsachen angeschafft, die die Sprache der Kinder fördern. Dabei handelt es sich vor allem um Sprachspiele, aber auch speziellere Spiele wie ein Erzähltheater „Kamishibai“ (sechs Einrichtungen) oder Materialien zur Förderung der Mundmotorik (drei Einrichtungen), wie etwa Pustespiele. Ebenso wurden die Rollenspielbereiche innerhalb der Einrichtungen überarbeitet und vervollständigt, da in diesen Bereichen die Sprachbereitschaft der Kinder sehr hoch ist. Hierfür wurden Kaufl äden (drei Einrichtungen), Kinderküchen (zwei Einrichtungen), Verkleidung (zwei Einrichtungen) sowie Musikinstrumente (vier Einrichtungen) angeschafft. Alle Kindertageseinrichtungen haben für die Förderung spezielle Sprachzimmer beziehungsweise Lese- und Schreibecken eingerichtet. Für diese Zimmer wurden sowohl Einrichtungsgegenstände wie Bücherständer (elf Einrichtungen), als auch Material im Bereich Literacy angeschafft. Dazu gehören vor allem Bilderbücher (zwölf Einrichtungen), aber auch mehrsprachige Bücher (sieben Einrichtungen) sowie Fachliteratur für die Sprachförderkräfte (zehn Einrichtungen). Einige Einrichtungen haben sich zudem dazu entschieden, eine Kinderbücherei zu erstellen (vier Einrichtungen). Auch die Erstsprache der Kinder wurde in den Alltag eingebunden, wodurch jedes Kind Interesse und Wertschätzung an seiner Kultur erfährt. Die Erzieherinnen fungieren für die Kinder ständig als Sprachvorbild und animieren diese dazu, selbst zu Sprechen. Dadurch wurde erreicht, dass die Kinder mehr aus sich heraus kamen, ausführlicher erzählten und den Dialog mit anderen Kindern, aber auch den Erwachsenen, suchten. Da die Sprachförderkraft täglich in den Einrichtungen war, bauten die Kinder schneller eine positive Beziehung und Vertrauen zu ihr auf, wodurch Sprachhemmungen abgebaut werden. 10 | SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE – DOKUMENTATION 2.3.2 E – ELTERNARBEIT Vor der Teilnahme am städtischen Sprachförderprogramm fand in den meisten Kindertageseinrichtungen deutlich weniger Austausch mit den Eltern statt, wodurch die Eltern aufgrund fehlender Rückmeldungen kaum oder erst sehr spät Veränderungen im Sprachprozess ihrer Kinder wahrnehmen konnten. Inzwischen hat sich die Zusammenarbeit intensiviert, da durch das Sprachförderprogramm das ganze Team der Einrichtung und insbesondere die Sprachförderkraft die Kommunikation mit den Eltern veränderte. Es wurden mehr Gesprächsanlässe geschaffen und von Seiten der Eltern gab es mehr Interesse und Gesprächsbedarfe bezüglich der Arbeit der Einrichtungen, der Sprachentwicklung ihrer Kinder sowie an speziellen Fördermöglichkeiten. Im Bereich Literacy wurde durch die Einrichtung von Elternbibliotheken (fünf Einrichtungen) eine Plattform geschaffen, die es Eltern ermöglicht, Bücher auszuleihen und ihren Kindern zu Hause vorzulesen. Dadurch wird sowohl das Eltern-Kind-Verhältnis, aber auch die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen den Eltern und den Einrichtungen gestärkt. Dieser Bereich konnte zudem durch das Angebot von Eltern-Kind-Nachmittagen (neun Einrichtungen) gestärkt werden, in deren Rahmen dann auch Sprachworkshops (zwei Einrichtungen) oder Theaterbesuche (drei Einrichtungen) ermöglicht wurden. Elterncafés sind Neuerungen, die sich in vielen Kindertageseinrichtungen durchgesetzt haben (acht Einrichtungen). Die Cafés werden geleitet von Erzieherinnen und Sprachförderkräften und bieten eine weitere Informations- und Austauschmöglichkeit für die Eltern. Diese Transparenz schaffte eine vertrauensvolle Basis zwischen Eltern und Einrichtungspersonal, was die Arbeit mit den Kindern deutlich erleichterte. 2.3.3 T – TEAM In regelmäßigen thematischen Teamsitzungen (neun Einrichtungen) fand eine Auseinandersetzung mit der Weiterentwicklung von Sprache, Sprachverständnis und Sprechverhalten statt, unter anderem indem die Sprachförderkraft Wissen ans Team weitergab, das sie in den Tutorien erworben hatte. Zusätzlich fanden häufi g Gespräche und Fallbesprechungen über einzelne, sprachlich benachteiligte Kinder statt (neun Einrichtungen). Diese Gespräche gab es in diesem Rahmen erst seitdem die Sprachförderkräfte in den Einrichtungen tätig geworden waren. Das gleiche Bild zeigte sich bei den Elterngesprächen. Auch hier konnten die Gespräche im Laufe der Zeit mit der Sprachförderkraft stattfi nden. Um das Grundwissen über Sprachentwicklung und -bildung und die Kompetenz der Erzieherinnen zu erweitern, fanden in vielen Einrichtungen regelmäßig Fortbildungen statt (14 Einrichtungen). Diese Fortbildungen wurden teilweise nur von der Sprachförderkraft besucht, doch meistens von allen Erzieherinnen in den Einrichtungen. Eine Einrichtung berichtete zudem, dass neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter geschult werden, um auf denselben Wissensstand der Kolleginnen und Kollegen zu kommen. Ein bedeutender Punkt ist, dass in allen Einrichtungen innerhalb des Teams die Rolle der Sprachförderkraft besprochen und geklärt sowie kontinuierlich am Sprachbildungskonzept weitergearbeitet wurde. Nur so konnte bewusst gemacht werden, wie das Themenfeld Sprache den Kita-Alltag durchzieht. Vier Einrichtungen haben bereits ein neues Sprachbildungskonzept erarbeitet und eine Einrichtung hat zudem einen eigenen Refl exionsbogen zum Sprachstand der Kinder entwickelt. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | BÜRO FÜR INTEGRATION | 11 3. VON DER SPRACHFÖRDERUNG ZUR SPRACHBILDUNG: DAS KONZEPT FÜR KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE 3.1 AUSGANGSLAGE UND BEDARF Wie einschlägige empirische Studien zeigen, lassen sich bei ungefähr 20 Prozent der einsprachig und rund 50 Prozent der zwei- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern im Vorschulalter Sprachauffälligkeiten feststellen (vergleiche Petermann 2015, Seite 161). Diese Befunde legen die Notwendigkeit von sprachfördernden Maßnahmen im Elementarbereich nicht zuletzt deswegen nahe, weil mangelnde Sprachbeherrschung nicht nur den Zugang zu Bildungsangeboten einschränkt, sondern auch ein hoher Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, die später die Schule ohne Abschluss verlassen, nachweisbar ist (vergleiche Jungmann, Koch, Etzien 2013, Seite 112). Der Sprachförderung im Vorschulalter kommt vor diesem Hintergrund eine präventive Funktion zur Schaffung von mehr Chancengleichheit und zur Teilhabe an Bildung zu. Gerade im Vorschulbereich sind in allen Bundesländern dazu in den jeweiligen Bildungsplänen Vorgaben und Unterstützungssysteme festgeschrieben worden. In Baden-Württemberg wurde zusätzlich in den Jahren 2003 bis 2010 durch die Baden-Württemberg-Stiftung ein Programm zur Sprachförderung für Vorschulkinder („Sag mal was“) aufgelegt. Zudem hält die Landesregierung seit dem Jahr 2010 das Programm „SPATZ – Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf“ bereit. 3.1.1 AUSWAHL DER KINDERTAGESEINRICHTUNGEN Die Anforderungen im Bereich sprachlicher Unterstützung sind von Kindertageseinrichtung zu Kindertageseinrichtung sehr unterschiedlich. Jede Einrichtung braucht eine konzeptionelle Festlegung des Bildungsauftrages, auch im Bereich der Sprachentwicklung. Mangelnde Sprachbeherrschung in Deutsch ist eng verwoben mit sozialen Faktoren des familiären Umfeldes. Einrichtungen in Wohngebieten, die mit entsprechenden Zielgruppen mehr befasst sind, brauchen intensivere Unterstützung und Begleitung. Kindertageseinrichtungen mit hohem Migrationsanteil haben zudem schlechtere Prozessqualität als die mit geringerem Migrationsanteil, was zu negativen Auswirkungen in der Sprachentwicklung bei Kindern führen kann (vergleiche Tietze unter anderem 2013, Seite 77 und Seite 121). Besondere Unterstützung brauchen also die Einrichtungen, die einen hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund haben und solche, deren Einzugsgebiet mit niedrigem ökonomischem Status verbunden ist. Diese Erkenntnisse schlagen sich auch in der Auswahl der Kindertageseinrichtungen nieder, die im laufenden Förderprogramm der Stadt Karlsruhe beteiligt waren. 3.1.2 FÖRDERPROGRAMM ODER ALLTAGSINTEGRATION DER SPRACHLICHEN ANREGUNGEN? Ging man in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends eher von einer Förderung durch systematisch aufgebaute und wissenschaftlich überprüfte Programme aus, so hat sich das Büro für Integration in Karlsruhe dem Konzept der ganzheitlich alltagsintegrierten Sprachförderung angeschlossen, wie es auch die Baden-Württemberg-Stiftung seit 2011 vorschlägt (vergleiche Baden-Württemberg-Stiftung 2014). Hintergrund der Entscheidung zur alltagsintegrierten Förderung waren zwei Auswertungsstudien in Heidelberg und Weingarten, deren Ergebnisse keine Effekte von additiven Sprachförderprogrammen, wie sie bis dahin eingesetzt wurden, nachweisen konnten (vergleiche Roos unter anderem 2010 und Gasteiger-Klicpera unter anderem 2010). Verändert wurden auch die Zielgruppen, so dass heute bereits die Zwei- bis Dreijährigen als Fördergruppe in den Blick genommen werden. Hintergrund sind internationale Erkenntnisse, dass zu kurzfristig und zu spät greifende Fördermaßnahmen für die geringen Effekte verantwortlich sind (vergleiche Kammermeyer unter anderem 2014, Seite 13). Eine erste Auswertung des von der Baden-Württemberg- Stiftung angeregten Förderansatzes der alltagsintegrierten Sprachförderung lassen zwar keine grundsätzlichen Unterschiede zugunsten der Programmgruppe erkennen, in bestimmten Variablen ergeben sich jedoch signifi kante Auswirkungen (vergleiche Lee, Jahn und Tietze, Seite 109). Jungmann unter anderem weisen in ihrer Studie ebenfalls Effekte der alltagsintegrierten Sprachförderung durch geschulte Fachkräfte für das Sprachverständnis und Sprachgedächtnis der Kinder nach (vergleiche Jungmann, Seite 119). Tracy unter anderem (2009) warnen allerdings davor, gezielte Förderanregungen grundsätzlich als wirkungslos einzustufen und auszuschließen und empfehlen eine kindbezogene Kombination von Fördermaßnahmen (vergleiche Tracy, Seite 84). 3.1.3 KENNZEICHEN ALLTAGSINTEGRIERTER FÖRDERUNG Der Ansatz der alltagsintegrierten Sprachförderung geht davon aus, dass die Fachkräfte sich individuell auf Kinder einstellen können und die als Voraussetzung geltende gute Beziehung zu den Kindern nutzen, um die entsprechende emotionale Bereitschaft der Kinder einzubeziehen. Kennzeichen des Ansatzes sind: Vorhandensein eines überprüfbaren Entwicklungs- und Förderkonzeptes (Team-Aspekte) Sichere emotionale Beziehung der Fachkräfte zu den Kindern; gemeinsamer Aufmerksamkeitsfokus 12 | SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE – DOKUMENTATION Fundierte Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte in den Bereichen Entwicklungspsychologie, Sprachentwicklung und Sprachdidaktik Vorhandensein geeigneter Methoden: Sprachimpulse ausgehend von der jeweiligen nächsten „Zone der Entwicklung“ Kenntnis von Modellierungs- und Korrekturtechniken (Intonation, Blickkontakt, Modellsprache unter anderem) Handlungsbegleitendes Sprechen und Rückmelde- oder Fragestrategien (Scaffolding) Beobachtung und Dokumentation der Sprachinteressen, des Sprachstandes und der Fortschritte Gestaltung nachweisbar förderlicher Bildungsanregungen: Bilderbuchbetrachtung, Kindergespräche, Musik und Rhythmik, begleitete Rollenspielsituationen, experimentierendes Weltentdecken (sustained shared thinking) Einbeziehung des sozialen und familiären Umfeldes der Kinder 3.1.4 QUALIFIZIERUNG DER FACHKRÄFTE Die alltagsintegrierte sprachliche Bildung stellt besonders hohe Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte. Die komplexen Anforderung und die daraus resultierenden Erwartungen verlangen eine gründliche Aus- und Weiterbildung. Die Möglichkeiten der sprachlichen Anregung, die für die Sprachentwicklung besonders bedeutsam sind, werden – so zeigen Videoanalysen – in der Regel nicht ausreichend genutzt (vergleiche Kammermeyer Seite 8). Das Büro für Integration in Karlsruhe setzte daher einen großen Schwerpunkt seiner Initiative auf die Weiterqualifi kation und beratende Begleitung der Fachkräfte und Einrichtungsleitungen. Kammermeyer und andere haben in der Evaluation ihres Qualifi zierungsansatzes gezeigt, dass die Erzieherinnen der Interventionsgruppe sich bezüglich des sprachlichen Anregungsniveaus und des Erziehungsstils signifi kant mehr durch die Intervention veränderten als die der Kontrollgruppe. Darüber hinaus konnte ein signifi kant positiver Effekt in der sprachlichen und kognitiven Entwicklung der Kinder festgestellt werden (Kammermeyer unter anderem Seite 14). 3.2 ENTWICKLUNG EINES GESAMTSTÄDTISCHEN SPRACHBILDUNGSKONZEPTES FÜR KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE Nach § 22a SGB VIII sollen die öffentlichen Träger der Jugendhilfe die Qualität der Förderung in ihren Einrichtungen durch geeignete Maßnahmen sicherstellen und weiterentwickeln. Dazu gehören neben dem Einsatz einer pädagogischen Konzeption auch der Einsatz von Instrumenten und Verfahren zur Evaluation der Arbeit in den Einrichtungen. Sprachbildung ist das gebotene und wissenschaftlich nachgewiesene Instrument zum Chancenausgleich für Familien aus bildungsfernen Schichten oder mit Migrationshintergrund. Vor dem Hintergrund dieses gesetzlichen Auftrages soll in Karlsruhe ein gesamtstädtisches, trägerübergreifendes Sprachbildungskonzept für Kinder im Vorschulalter entwickelt werden. Bei der Konzeptentwicklung sollen neben aktuellen wissenschaftlichen Befunden zur Sprachbildung im Vorschulalter die Erfahrungswerte des Förderzeitraums 2012 bis 2015 einbezogen werden, insbesondere der Sitzungen des Qualitätszirkels sowie der Tutorien. Zudem ist geplant, Standards für den Einsatz von Instrumenten zur Sprachstandfeststellung von Kindern im Vorschulalter festzulegen. Das zu entwickelnde Sprachbildungskonzept soll ferner die unterschiedlichen Bedarfe der Kindertageseinrichtungen vor Ort in Karlsruhe berücksichtigen und gegebenenfalls Erfahrungen aus anderen Kommunen mit einbeziehen. Nicht zuletzt geben die Ergebnisse der unter den Sprachbildungskräften und Einrichtungsleitungen des Förderzeitraums 2012 bis 2015 durchgeführte Erhebung zu „Zufriedenheit – Qualität – Bedarf“ wichtige Hinweise, welche Themenfelder in der Konzeptentwicklung mit zu berücksichtigen sind. Allen voran seien Folgende explizit genannt: Ressourcennnutzung Sprachbildung im Alltag Umgang mit Vielfalt Prozessorientierte Fortbildung und Begleitung An der Konzeptentwicklung die im Mai 2016 startet, sind Mitglieder des Qualitätszirkels, die Tutorinnen sowie Sprachförderkräfte aus den teilnehmenden Einrichtungen beteiligt. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | BÜRO FÜR INTEGRATION | 13 4. RESÜMEE UND AUSBLICK Vorliegender Abschlussbericht über drei Jahre städtisch geförderte alltagsintegrierte Sprachbildung in Karlsruher Kindertageseinrichtungen lässt sich im Wesentlichen als Erfolgsgeschichte lesen. Wie den berichteten Ergebnissen der Abschlussberichte der teilnehmenden Einrichtungen sowie der Umfrage zu „Zufriedenheit – Qualität – Bedarf“ zu entnehmen ist, zeigte die zusätzliche personelle Ressource, die über eine Fachkraft für Sprachbildung in die Kindertageseinrichtungen eingespeist wurde, positive Effekte. Die Umsetzung sprachfördernder Maßnahmen gelang überwiegend gut. Schwierigkeiten bestanden teils beim Transfer in die Teams und in der Zusammenarbeit mit den Eltern. Hieran wird in der Projektfortschreibung 2015 bis 2017 im Rahmen des Qualitätszirkels und der Tutorien anzuknüpfen sein. Als zentrales Fazit der dreijährigen Förderperiode ist zu sehen, dass in den teilnehmenden Kindertageseinrichtungen Konzepte der alltagsintegrierten Sprachförderung/-bildung etabliert worden sind. Prozesse zur Qualitätsentwicklung und -sicherung im Bereich Sprachbildung wurden nicht nur angestoßen, sondern kontinuierlich fortgeführt. Vor dem Hintergrund, dass die 20 teilnehmenden Einrichtungen allesamt einen hohen Anteil an Kindern mit festgestelltem Sprachförderbedarf aufwiesen, leistete das Projekt einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Schaffung von Chancengleichheit bei der Teilhabe an Bildung. Durch den Einbezug der Eltern wirkte sich diese im besten Fall nicht nur auf das Kind, sondern auch auf dessen familiäres Umfeld aus. Mit dem in der Förderperiode 2015 bis 2017 zu entwickelnden gesamtstädtischen Sprachbildungskonzept wird ein weiterer wichtiger Qualitätsbaustein entstehen, der in der ersten Förderperiode noch fehlte. Zudem wird im Rahmen des Qualitätszirkels kollegiale Beratung durchgeführt, um den Sprachbildungskräften und Leitungen über die Tutorien hinaus weitere Unterstützung anzubieten. Als Desiderat für den Zeitraum nach dem Auslaufen der Projektfortschreibung im August 2017 bleibt eine dauerhafte Etablierung des Sprachbildungsprojekts in der vielfältigen Karlsruher Kita-Landschaft. 14 | SPRACHFÖRDERUNG IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN IN KARLSRUHE – DOKUMENTATION 5. LITERATUR Baden-Württemberg-Stiftung (Hrsg.) Sag‘ mal was – Sprachliche Bildung für Kleinkinder. Sprachförderansätze und Refl exionen. Fracke-Verlag, Stuttgart 2014 Gasteiger-Klicpera B., Knapp W. und Kucharz D.: Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung des Programms „Sag‘ mal was – Sprachförderung für Vorschulkinder“. www.ph-weingarten.de/zep/Projekte/Abschlussbericht_ Sprachfoerderung_Landessiftung_PH_Weingarten.pdf (25.06.2010) Jungmann Tanja, Koch Katja, Etzien Maria: Effektivität alltagsintegrierter Sprachförderung bei ein-, zwei und mehrsprachig aufwachsenden Vorschulkindern, in Frühe Bildung, Interdisziplinäre Zeitschrift für Forschung, Ausbildung und Praxis, Seite 2. Jahrgang 2013, Heft 3, Seite 110 – 121 Kammermeyer G, Roux Seite, King Seite, Metz Astrid: Mit Kindern im Gespräch. Strategien zur sprachlichen Entwicklung von Kleinkindern in Kindertageseinrichtungen. Auer Verlag, Donauwörth 2014 Lee H, Jahn M. Tietze W.: Summative Evaluation, in: Baden-Württemberg-Stiftung (Hrsg.) Sag ́ mal was – Sprachliche Bildung für Kleinkinder. Sprachförderansätze und Refl exionen. Fracke-Verlag, Stuttgart 2014, Seite 93 – 123 Petermann Franz: Alltagsintegrierte Förderung oder Förderprogramme im Vorschulalter?, in Frühe Bildung, Interdisziplinäre Zeitschrift für Forschung, Ausbildung und Praxis, Seite 4. Jahrgang 2015, Heft 3, Seite 161 – 164 Roos J., Poltzek Seite, Schöler H.: EVAS Evaluationsstudie zur Sprachförderung von Vorschulkindern. Wissenschaftliche Begleitung des Programms „Sag‘ mal was – Sprachförderung für Vorschulkinder“. Abschlussbericht. Unmittelbare und längerfristige Wirkungen von Sprachförderungen in Mannheim und Heidelberg. www.sagmalwas-bw.de/media/WiBe%201/pdf/EVAS_ Abschlussbericht_Januar2010.pdf (17.04.2013) Tietze W., Becker- Stoll F., Bensel J., Eckhardt A., Haug- Schnabel G., Kalicki B., Keller H., Leyendecker B. (Hrsg.): NUBBEK. Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit. Verlag Das Netz, Weimar, Berlin 2013 Tracy Rosemarie, Lemke Vytautas (Hrsg.) Sprache macht stark. Offensive Bildung, Cornelsen, Düsseldorf 2009 SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | BÜRO FÜR INTEGRATION | 15 www.karlsruhe.de NOTIZEN
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: 2016/0378 Verantwortlich: Dez.3 Dokumentation Sprachbildung in Kindertagesstätten 2012 – 2015 Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Migrationsbeirat 30.06.2016 1 x vorberaten Jugendhilfeausschuss 13.07.2016 4 x vorberaten Gemeinderat 19.07.2016 12 x einstimmig zugestimmt Beschlussantrag Der Gemeinderat nimmt die Dokumentation zustimmend zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) x nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen Kontierungsobjekt:. Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant nein x ja Handlungsfeld: Sozialer Zusammenhalt und Bildung Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) x nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften x nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Ausgangslage Am 31. August 2015 endete das dritte Förderjahr des Projekts „Sprachförderung an Kinderta- geseinrichtungen in Karlsruhe“. In seiner Sitzung vom 21.10.2014 hat der Gemeinderat die Fortschreibung und Umbenennung des Projektes in „Förderrichtlinien für Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe“ unter Verlängerung der Förderung der bereits geförder- ten 20 Kindertageseinrichtungen beschlossen und gleichzeitig die Verwaltung beauftragt, bis August 2017 ein Sprachbildungskonzept für Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe zu entwi- ckeln. Die Fortschreibung der Förderrichtlinien für Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen in Karls- ruhe umfasst folgende Kernpunkte: Laufzeit der neuen Richtlinie vom 01.09.2015 bis 31.08.2017 Verlängerung der Laufzeit der Förderung für die 20 Einrichtungen, die bereits ab 01.09.2012 durch die Stadt gefördert werden, bis 31.08.2017 Aufnahme von maximal 14 neuen, bisher durch das Bundesprogramm geförderten Ein- richtungen, frühestens nach Auslaufen der Bundesförderung, ab 01.01.2016 Weiterentwicklung des Qualitätszirkels "Sprachbildung" über den neuen Förderzeitraum mit allen bezuschussten Einrichtungen Verminderung des jährlichen Förderbetrages von 25.000 Euro auf 23.000 Euro durch Kürzung der Sach- und Honorarmittel um 2.000 Euro. Als Abschluss der ersten Förderperiode (September 2012 – August 2015) wurde eine Dokumen- tation erstellt, die als Basis der Entwicklung eines gesamtstädtischen Sprachbildungskonzeptes dienen soll. Grundlagen der Förderung Am 28.02.2012 hat der Gemeinderat die "Förderrichtlinien für Sprachförderung in Kindertagesstätten in Karlsruhe" beschlossen und finanzielle Mittel für die Förderung von 20 Kindertageseinrichtungen bereitgestellt. In der Gemeinderatssitzung vom 21.10.2014 wurde die Fortschreibung der „Förderrichtlinien für Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe“ beschlossen. Auch der Bund hatte im Juni 2015 ein neues Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ als Fortschreibung des bisherigen Pro- gramms „Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration“ beschlossen. Von den 20 Kindertageseinrichtungen, die seit 01.09.2012 städtisch gefördert werden, haben 18 erneut einen Antrag auf Förderung ab 01.09.2015 eingereicht. Von den 14 bislang vom Bund geförderten Kindertageseinrichtungen haben drei einen Antrag auf Förderung ab 01.01.2016 gestellt, da sie die neuen Anforderungskriterien des Bundesprogramms „Sprach- Kitas“ nicht erfüllten. Unter den Anträgen befanden sich auch acht Kindertageseinrichtungen, die bis dato weder von der Stadt Karlsruhe noch vom Bund gefördert worden sind. Davon konnte für zwei Einrichtungen die Förderung noch im September 2015 beginnen, die andren sechs Einrichtungen starteten im Januar 2016. Somit werden insgesamt 37 Einrichtungen ge- fördert, acht durch den Bund und 29 durch die Stadt. Gemäß den Förderrichtlinien müssen die antragstellenden Kindertageseinrichtungen folgende Voraussetzungen erfüllen: Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die Einrichtung ist in der Bedarfsplanung der Stadt Karlsruhe berücksichtigt. In der Einrichtungskonzeption ist Sprachbildung als Bestandteil vorgesehen. Die Einrichtung arbeitet auf der Grundlage eines Sprachbildungskonzepts, in das Kinder mit dem Eintritt in die Einrichtung einbezogen sind und das die Zusammen- arbeit mit den Eltern vorsieht. Diese Konzeption ist bei Antragstellung vorzulegen. Die Einrichtung verfügt - ohne Schulkinder - über insgesamt mindestens 35 geneh- migte Plätze. Die Einrichtung betreut Kinder mit besonderem Sprachbildungsbedarf. Die Anzahl der Kinder mit besonderem Sprachbildungsbedarf ermittelt die Einrichtung selbst anhand Sprachstandserhebungen. Der verwendete Sprachstandstest muss geeignet sein. Der Antragsteller erklärt, dass eine Leitungskraft in angemessenem Umfang für Steuerungs-, Koordinierungs- und konzeptionelle Weiterentwicklungsaufgaben zur Verfügung steht. Die Einrichtung erklärt die Bereitschaft zur Teilnahme an einem Qualitätszirkel „Sprachbildung“. Erste Förderperiode September 2012 bis August 2015 Basierend auf dem jeweiligen Sprachförderkonzept hat in jeder der 20 Einrichtungen eine inten- sive Auseinandersetzung mit dem Thema Sprachbildung stattgefunden. Auch die Elternarbeit wurde intensiviert. Mit der Einrichtung des Qualitätszirkels konnten diese Entwicklungen unter- stützt und fachlich begleitet werden. Der Qualitätszirkel ist auf den Prozess fokussiert, der sich in den geförderten Einrichtungen entwickelte. Er hat zur Qualitätsverbesserung und zur langfris- tig Etablierung von Sprachbildung in den Kindertageseinrichtungen beigetragen. Zudem wur- den Standards und Instrumente, die sich an den Rahmenbedingen und Standortfaktoren der Einrichtungen orientieren sollen, geschaffen. Durch den Qualitätszirkel wurden drei feste, trägerübergreifende Tutorien für die Kindertages- einrichtungen eingerichtet. An diesen Treffen nahmen die Sprachförderkräfte und die Einrich- tungsleitungen oder deren Vertretungen teil. Die Sitzungen wurden von zwei Tutorinnen, die Fachkräfte in dem Bereich Sprachförderung / Sprachbildung sind, vorbereitet und geleitet. Ins- gesamt fanden zehn bis elf Treffen jährlich statt. Die Tutorinnen gaben einen Input über wichti- ge Themen aus der Sprachbildung, inklusive der Möglichkeit zur Reflexion. Die Themenauswahl war an den drei Säulen der städtischen Sprachförderrichtlinien (SET) orientiert. Sprachbildung: Förderung der Auseinandersetzung mit sprachbildenden Prozessen in der Kindertageseinrichtung Elternarbeit: Unterstützung des Transfers in das Team Teamentwicklung: Angebot einer Plattform für einen trägerübergreifenden fachlichen Austausch Rückmeldungen aus den Tutorien haben gezeigt, dass sich durch die personelle Verstärkung der Kindertageseinrichtung durch den Einsatz der Sprachförderkraft die Interaktionszeit quantitativ und qualitativ stark verbessert hat. Auch das Teambewusstsein ist gestiegen. Die Berichte zeigen aber auch, dass die Einrichtungen nach dreijähriger Projektlaufzeit teilweise noch am Anfang ihres Entwicklungsprozesses stehen und dass der Qualitätszirkel ein wichtiges Steuerungsinstrument ist. Die Einrichtungen haben durch dieses Angebot eine optimale Vernet- zungsplattform und können voneinander lernen. Mit dem Qualitätszirkel wurde der richtige Weg eingeschlagen. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Qualitätszirkel Das Büro für Integration war Träger des Sprachförderprojekts während der ersten Förderperio- de. Zur fachlichen Begleitung, Fortbildung der Erzieherinnen und Evaluation im Rahmen des Sprachförderkonzeptes wurde die Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern verein- bart. Diese waren die Jugendhilfeplanung des Jugendamts, die Katholischen Fachschule für So- zialpädagogik Agneshaus, die Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Betlehem sowie die Pädagogische Hochschule Karlsruhe und die Tutorinnen. Die Pädagogische Hochschule fiel jedoch bereits nach kurzer Zeit aufgrund dort fehlender Kapazitäten als Partner weg. Abschlussbericht (Anlage 1) Nach Abschluss der ersten dreijährigen Förderperiode am 31. August 2015 wurde ein Ab- schlussbericht über das Sprachförderprojekt erstellt. Dieser basiert im Wesentlichen auf den Erfahrungen der Tutorinnen, die sie in Zusammenarbeit mit den Sprachförderkräften und Lei- tungen innerhalb der Tutorien gesammelt haben, den Abschlussberichten der Einrichtungen über die ersten drei Jahre des Sprachförderprojekts und den neuesten wissenschaftlichen Er- kenntnissen zu SET. Der Abschlussbericht ist in drei Überpunkte gegliedert: 1. Sprachförderung nach der Sprachförderrichtlinie der Stadt Karlsruhe 2012 - 2015 2. Der Qualitätszirkel a) Aufbau, Ziel und Aufgabenbeschreibung b) Die Tutorien c) Abschlussberichte der Kindertageseinrichtungen 3. Von der Sprachförderung zur Sprachbildung: Das Konzept für die Kitas in Karlsruhe a) Ergebnisse aus dem Qualitätszirkel (inkl. den Tutorien) fließen in ein neues gesamtstädtisches Konzept b) Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu SET Der Bericht legt zusammenfassend dar, dass das Sprachförderprojekt in den ersten drei Förder- jahren erfolgreich angelaufen ist, sowohl aus Sicht der Projektpartner, als auch aus Sicht der Sprachförderkräfte, der Leitungen der Kindertageseinrichtungen und der Eltern. Das Sprachbildungskonzept für Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe wird derzeit erarbeitet. Beteiligt sind die Mitglieder des Qualitätszirkels, die Tutorinnen sowie die Sprachförderkräfte der beteiligten Einrichtungen. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat – nach Vorberatung im Migrationsbeirat und im Jugendhilfeaus- schuss - Der Gemeinderat nimmt die Dokumentation zustimmend zur Kenntnis.
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Extrahierter Text
NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 26. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 19. Juli 2016, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 15. Punkt 12 der Tagesordnung: Dokumentation Sprachbildung in Kindertagesstät- ten 2012 - 2015 Vorlage: 2016/0378 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt die Dokumentation zustimmend zur Kenntnis. Abstimmungsergebnis: einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 12 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Migrationsbeirat und im Jugendhilfeausschuss: Da können wir vielleicht gleich in die Abstimmung gehen. Das sehen Sie auch so. Ich sehe nur gelbe Karten. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 29. Juli 2016