Die Stadt Karlsruhe aus Sicht von Städterankings
| Vorlage: | 2016/0223 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 26.04.2016 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Amt für Stadtentwicklung |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 31.05.2016
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister BESCHLUSSVORLAGE Vorlage Nr.: 2016/0223 Verantwortlich: Dez.2 Die Stadt Karlsruhe aus Sicht von Städterankings Beratungsfolge dieser Vorlage Gremium Termin TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 31.05.2016 4 X Kenntnisnahme Beschlussantrag Der Gemeinderat nimmt die Analyse zu den Platzierungen der Stadt Karlsruhe im Städteranking der WirtschaftsWoche in den Jahren 2013, 2014 und 2015 zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen (bitte ankreuzen) X nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen Wählen Sie ein Element aus. Kontierungsobjekt: Wählen Sie ein Element aus. Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK-Karlsruhe-2020-relevant X nein ja Handlungsfeld: Wählen Sie ein Element aus. Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) X nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften X nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Karlsruhe im Städteranking in der WirtschaftsWoche Das Städteranking der WirtschaftsWoche bringt jährlich ca. 70 Städte Deutschlands mit mehr als 100.000 Einwohnern in eine kriteriengestützte Rangfolge, die in der Öffent- lichkeit gemeinhin als Erfolgsbarometer städtischen Handelns gilt. Insbesondere dann, wenn Städte schlechte Ergebnisse erzielen oder sich in ihrer Platzierung verschlechtert haben, erwachsen daraus Forderungen nach (kommunal-)politischen Maßnahmen und Sieger- oder Verliererstädte werden zum Vergleich von „best“ oder „worst practices“ herangezogen. Eher selten wird dagegen hinterfragt, welche Mechanismen den ermit- telten Ergebnissen zu Grunde liegen und inwieweit das Abschneiden einer Stadt über- haupt durch kommunale Maßnahmen beeinflusst werden kann. Karlsruhe hat beim aktuellen Städteranking von November 2015 die Plätze 10 (Ni- veauranking) und 25 (Dynamikranking) von 69 Vergleichsstädten erreicht. Die Landes- hauptstadt Stuttgart liegt im Niveauranking auf Rang 4 und damit vor Karlsruhe, wäh- rend Mannheim mit Rang 21 (2015) deutlich hinter der Fächerstadt rangiert. Dagegen liegen im Dynamikranking – welches die relativen Veränderungen der letzten fünf Jahre abbildet – Stuttgart und Mannheim mit den Rängen 28 und 27 knapp hinter Karlsruhe. Wie diese Platzierungen zu Stande kommen, auf welchen Annahmen und Mechanis- men sie beruhen und ob daraus kommunalpolitisches Handeln abzuleiten ist, wird im Weiteren aufgezeigt. 1. Das Städteranking der WirtschaftsWoche: Methodik Der Großstadtvergleich der IW Consult GmbH im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Zeitschrift WirtschaftsWoche wird seit dem Jahr 2003 jährlich durchgeführt und die Ergebnisse in der WirtschaftsWoche veröffentlicht. Anhand der verwendeten Indikatoren sollen implizit sowohl das Beschäftigungs- als auch das Wohl- standsniveau der Städte verglichen werden. Der Großstadtvergleich besteht grundsätz- lich aus zwei Rankings: Das auf insgesamt 52 Indikatoren basierende Niveauranking vergleicht die aktuellsten Zahlen. Dagegen wird im Dynamikranking die Entwicklung der letzten fünf Jahre verglichen; es basiert auf 41 Indikatoren. Tabelle 1: Indikatoren und deren Gewichtung im Großstadtvergleich 2015 Niveauranking Gewichtung Anzahl Indikato- ren Gewicht pro Indika- tor Arbeitsmarkt 40,0% 14 2,9% Wirtschaftsstruktur 30,0% 10 3,0% Immobilien 20,0% 9 2,2% Lebensqualität 10,0% 19 0,5% Summe 100,0% 52 Dynamikranking Gewichtung Anzahl Indikato- ren Gewicht pro Indika- tor Arbeitsmarkt 40,0% 14 2,9% Wirtschaftsstruktur 30,0% 7 4,3% Immobilien 20,0% 6 3,3% Lebensqualität 10,0% 14 0,7% Summe 100,0% 41 Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die relative Bedeutung einzelner Indikatoren spiegelt sich in deren Gewichtung inner- halb des Niveau- und des Dynamikrankings wider (Tabelle 1). Laut WirtschaftsWoche erfolgt die Gewichtung der einzelnen Indikatoren auf Basis von Expertenmeinungen und ökonometrischen Berechnungen. Sie soll abbilden, welche Auswirkungen die The- menkomplexe Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilien und Lebensqualität auf die Vergleichsgrößen „hohe Beschäftigung“ und „hoher Wohlstand“ haben. In Tabelle 1 ist die Anzahl der dem Niveau- und Dynamikranking 2015 zu Grunde liegenden Indika- toren und deren Gewichtung dargestellt. Hinter den einzelnen Themenkomplexen Ar- beitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilien und Lebensqualität – die zu 40 %, 30 %, 20 % und 10 % in das Gesamtranking eingehen – steht jeweils eine unterschiedliche Anzahl Indikatoren. Beide Faktoren, das heißt die Gewichtung der Themenkomplexe und die Anzahl der Indikatoren, führen letztlich zu unterschiedlichen Gewichten einzel- ner Indikatoren im Hinblick auf die Gesamtplatzierung im Ranking. Folgende Punkte bezüglich der Methodik sind kritisch zu sehen. Es ist davon auszugehen, dass die im Ranking enthaltenen Indikatoren nicht hin- reichend unabhängig von einander sind. Das heißt, sie messen den gleichen Sachverhalt. So ergibt sich aus den Indikatoren Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner und BIP je Erwerbstätigem („Produktivität“) im Themenkomplex Wirt- schaftsstruktur eine ähnliche Rangfolge der Städte. Bei der Zusammenführung der einzelnen Indikatoren zu Themenkomplexen kompensieren sich diese teilweise in unrealistischen Zusammenhängen. So kön- nen sich im Themenkomplex Lebensqualität beispielsweise Geburtenrate, natur- nahe Flächen und Straftaten gegenseitig kompensieren. Die unter dem Themenkomplex Lebensqualität zusammengefassten Indikatoren sind in ihrer Auswahl zweifelhaft. Beispielsweise fließen kulturelle Angebote, Zu- gang zu Bildungsangeboten, Ausstattung mit ÖPNV und (mikro-)klimatische Be- dingungen wie Luftqualität – die in anderen Städtevergleichen durchaus als rele- vant für die Lebensqualität erachtet werden – nicht mit ein. Jeweils vier Indikato- ren im Niveau- und Dynamikranking beziehen sich auf das Wanderungssaldo. Sie geben zwar Aufschluss über das Zuzugsverhalten, jedoch nicht über die Lebens- qualität der in der Fächerstadt ansässigen Bevölkerung. Letztlich erklären die Au- toren die Auswahl der Indikatoren im Hinblick auf den Themenkomplex nicht und lassen den an sich stark subjektiv vorgeprägten Begriff der Lebensqualität undefiniert. Etwa 80 % der Indikatoren des Themenkomplexes Immobilien stammen von Immobilienscout24, einem kommerziellen Immobilienportal. Inwieweit diese Da- ten repräsentativ für die jeweiligen Wohnungsmärkte in deutschen Großstädten sind, kann zumindest kritisch hinterfragt werden, da die Abwicklung von Immo- biliengeschäften auch über viele andere Kanäle erfolgen kann. Darüber hinaus reflektieren preisbezogene Kennzahlen zwar die Vorstellungen der Anbieter, nicht aber die tatsächlich erzielten Kauf- und Mietpreise. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 2. Karlsruhe im Niveauranking Die Methodik des Rankings wurde im Jahr 2013 sowohl bezüglich der Indikatorenaus- wahl als auch bezüglich des zu Grunde gelegten Gewichtungsschemas substantiell ver- ändert. Deshalb können lediglich die Ergebnisse der Jahre 2013, 2014 und 2015 mitei- nander verglichen werden. Auch in diesem Drei-Jahres-Zeitraum wurden weitere leichte Änderungen bezüglich der Indikatoren vorgenommen und die Anzahl der Vergleichs- städte von 71 im Jahr 2013 auf 69 in den Jahren 2014 und 2015 verringert. Insgesamt konnte sich Karlsruhe im Niveauranking von Rang 17 im Jahr 2013 auf die Rän- ge 9 (2014) bzw. 10 (2015) verbessern. Die Landeshauptstadt Stuttgart liegt in den Vergleichsjahren auf den Rängen 5 (2013 und 2014) und 4 (2015). Dagegen erreicht Mannheim mit den Rängen 28 (2013), 16 (2014) und 21 (2015) stets Platzierungen hinter der Fächerstadt. 2.1 Niveauranking: Arbeitsmarkt Bei den Platzierungen innerhalb des Themenkomplexes Arbeitsmarkt zeichnet sich keine eindeutige Entwicklung ab: Karlsruhe verbessert sich leicht von Rang 18 (2013) auf 16 (2014 und 2015). Dagegen liegt Stuttgart in allen Jahren auf Platz 8. Mannheim kann sich von Rang 26 im Jahr 2013 deutlich auf Platz 14 in den Jahren 2014 und 2015 verbessern und liegt damit aktuell vor Karlsruhe. In Tabelle 2 werden die Platzierungen für den Themenkomplex Arbeitsmarkt und des- sen einzelne Indikatoren in den Vergleichsjahren dargestellt. Bei der Darstellung der Einzelindikatoren ist in der Spalte „Bewertung“ die Wirkrichtung der Indikatoren ange- geben. Der Hinweis „höher=besser“ zeigt an, dass ein relativ hoher Wert des Indikators positiv bewertet wird und zu einem höheren Rangplatz führt. Die Bemerkung „niedri- ger=besser“ verweist darauf, dass ein relativ niedriger Wert des Indikators zu einer hö- heren Platzierung führt. Geht ein Indikator in einem Jahr nicht ein, so ist dies mit „---“ gekennzeichnet. Bei Indikatoren zur Struktur der Schulabgänger – Anteil Abiturienten und Anteil Schul- abgänger ohne Hauptschulabschluss – erreicht die Fächerstadt tendenziell Platzierungen im unteren Mittelfeld, wobei insbesondere die Platzierung beim Anteil der Abiturienten stark schwankt: Karlsruhe erreicht im Jahr 2013 Rang 30, im Jahr 2014 Rang 6 und im Jahr 2015 Rang 46. Die relativ gute Platzierung im Jahr 2014 ist allerdings auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Durch die Umstellung von G9 auf G8 hat sich die Zahl der Abiturienten im Vergleichsschuljahr des Jahres 2014 drastisch erhöht, was letztlich zu einem einmalig höheren Anteil an Abiturienten geführt hat. Dieser Effekt ist auch bei anderen baden-württembergischen Großstädten zu beobachten: So verschlechtert sich Stuttgart von Rang 7 (2014) auf Rang 42 (2015) und Mannheim von Rang 12 (2014) auf Rang 60 (2015). Auch die Rankingergebnisse für Schulabgänger ohne Hauptschul- abschluss werden durch die Umstellung von G9 auf G8 beeinflusst, da sich die Bezugs- größe, also die Zahl der Schulabgänger, im Ranking des Jahres 2014 einmalig erhöht hat. Grundsätzlich lässt sich die Höhe der Anteilswerte auf denen das Ranking bei den Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss beruht jedoch nicht nachvollziehen. Die vom Amt für Stadtentwicklung in Kooperation mit dem Schul- und Sportamt erhobenen Daten ergeben wesentlich geringere Abbrecherquoten. Eventuell ist diese auf die unter- Ergänzende Erläuterungen Seite 5 schiedliche statistische Verarbeitung von Vorbereitungsklassen zurückzuführen; diese fließen in die kommunale Statistik nicht mit ein. Bei der Versorgung mit Ausbildungsplätzen hat sich Karlsruhe insbesondere vom Jahr 2013 auf das Jahr 2014 im Rang verbessert. Dies bedeutet, dass die Anzahl der Ausbil- dungsplätze pro Bewerber sich in Relation zu anderen Städten erhöht hat. Absolut be- trachtet können die Unternehmen in der Fächerstadt nicht alle Ausbildungsplätze be- setzen. Ein solcher Mangel an Bewerbern führt in der Logik des Städterankings zu einer besseren Platzierung, läuft jedoch kommunal- bzw. arbeitsmarktpolitischen Zielsetzun- gen diametral entgegen. Tabelle 2: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Arbeitsmarkt (Niveau) ARBEITSMARKT (40 %) Wirkrichtung Rang 2013 Rang 2014 Rang 2015 Anteil Abiturienten an allen Schulabgängern höher=besser 30 6 40 Anteil Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss niedriger=besser 51 35 46 Ausbildungsplätze je 100 Nachfrager höher=besser 34 20 22 ALG-II-Empfänger je 100 Einwohner niedriger=besser 12 11 11 Arbeitslose unter 25 Jahre je 100 Einwohner im Alter von 15 bis unter 25 Jahren niedriger=besser 12 11 13 Arbeitslose ab 55 Jahre je 100 Einwohner im Alter von 55 bis 64 Jahren niedriger=besser 7 6 5 Arbeitsplatzversorgung: Anteil der Beschäftigten an den 15- bis unter 65-Jährigen höher=besser --- 46 47 Beschäftigungsquote von Frauen höher=besser 31 32 34 Arbeitnehmer ab 55 Jahre je 100 Einwohner im Alter von 55 bis 64 Jahren höher=besser 23 19 21 Anteil Hochqualifizierte an allen Beschäftigten höher=besser 17 17 18 Zahl der Ingenieure je 100 Beschäftigte höher=besser 14 14 14 Beschäftigte in privatwirtschaftlicher Forschung und Entwicklung je 1.000 Erwerbstätige höher=besser --- 35 40 Pendlersaldo: Saldo der Beschäftigten am Arbeits- und am Wohnort höher=besser 14 15 15 Altersquotient: 20- bis 59 -Jährige im Verhältnis zur Bevölkerung 60 Jahre und älter höher=besser 19 14 15 RANG ARBEITSMARKT 18 16 16 Bei den Indikatoren zur Arbeitslosigkeit – ALG-II-Empfänger, Arbeitslose unter 25 Jahren und Arbeitslose ab 55 Jahren – ist Karlsruhe über die Jahre stabil im oberen Bereich platziert. Dies ist Ausdruck des relativ guten und krisenfesten Arbeitsmarkts. Bei der Arbeitsplatzversorgung, also dem Anteil der Beschäftigten an den 15- bis unter 65- Jährigen, schneidet Karlsruhe mit den Rängen 46 (2014) bzw. 47 (2015) jedoch relativ schlecht ab. Dies ist allerdings primär dem relativ hohen Anteil von Beamten und Stu- dierenden geschuldet. Während Beamte nicht zu den sozialversicherungspflichtig Be- schäftigten zählen, erhöhen Studierende die Zahl der Gesamtbevölkerung. Hier ergibt sich also trotz einer relativ schlechten Platzierung kein (kommunalpolitischer) Hand- lungsbedarf. Die Platzierungen bezüglich einzelner Beschäftigtengruppen – Frauen, Arbeitnehmer ab 55 Jahre, Hochqualifizierte, Ingenieure – sind für Karlsruhe insgesamt stabil. Insbesondere im Bereich der Hochqualifizierten und der Ingenieure befindet sich Ergänzende Erläuterungen Seite 6 die Fächerstadt über alle Jahre unter den Top 20. Beim Pendlersaldo erreicht Karlsruhe eine gleichbleibende Platzierung. Der „Altersquotient“ – also das Verhältnis der 20- bis 59-Jährigen zur Bevölkerung 60 Jahre und älter – ist in Karlsruhe nicht zuletzt durch die studentische Bevölkerung relativ hoch, was zu einem stabilen Rang unter den Top 20 führt. 2.2 Niveauranking: Wirtschaftsstruktur Bei den Indikatoren zum Themenkomplex Wirtschaftsstruktur ergeben sich größtenteils Rangverbesserungen und nur selten Rangverschlechterungen. Dies hat zur Folge, dass Karlsruhe sich von Rang 16 (2013) auf Rang 9 (2014 und 2015) verbessern kann. Im selben Zeitraum verliert Stuttgart den ersten Platz (2013) und landet für die Jahre 2014 und 2015 auf den Rängen 7 und 5. Mann- heim erreicht die Plätze 23 (2013), 17 (2014) und 26 (2015). Einzelne Indikatoren, die in den Themenkomplex Wirtschaftsstruktur einfließen, sind in Tabelle 3 aufgeführt. Bei den Wohlstandsindikatoren Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner und BIP je Er- werbstätigem liegt Karlsruhe jeweils im oberen Drittel der Vergleichsstädte. Deutlich höhere Platzierungen ergeben sich vor allem für Städte, in denen die Automobilindu- strie angesiedelt ist. Hierzu zählen beispielsweise Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart und München. Im Umkehrschluss zur Platzierung im oberen Drittel bei den BIP-basierten Indikatoren ergibt sich für die Fächerstadt beim Indikator Arbeitskosten, das heißt Ent- gelt je Arbeitnehmer, eine relativ schlechte Platzierung, da die Arbeitskosten das Niveau des BIP reflektieren. Ein relativ hohes BIP führt also im Falle des Indikators BIP je Er- werbstätigem zu einer Aufwertung, beim Indikator Arbeitskosten zu einer Abwertung. Methodisch kann eine relative Verbesserung bezüglich des einen Indikators nur durch eine Verschlechterung des anderen Indikators erreicht werden. Bezüglich der gemeind- lichen Steuerkraft je Einwohner ergeben sich für Karlsruhe ähnlich gute stabile Platzie- rungen wie bei den BIP-basierten Indikatoren. Tabelle 3: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Wirtschaftsstruktur (Niveau) WIRTSCHAFTSSTRUKTUR (30 %) Wirkrichtung Rang 2013 Rang 2014 Rang 2015 Bruttoinlandsprodukt je Einwohner höher=besser 17 15 15 Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem höher=besser 25 21 21 Arbeitskosten: Entgelt je Arbeitnehmer niedriger=besser 52 51 51 Gemeindliche Steuerkraft je Einwohner höher=besser 18 14 14 Unternehmensgründungen je 10.000 Erwerbsfähigen höher=besser --- 26 26 Saldo aus Gewerbean- und -abmeldungen je 1.000 Einwohner höher=besser 23 16 16 Voraussichtliche Forderungen aus Insolvenzen in Rela- tion zum Bruttoinlandsprodukt niedriger=besser 11 14 30 Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Dienst- leistungen höher=besser 12 11 9 Patentanmeldungen je 100.000 Erwerbstätige höher=besser 34 21 17 Gewerbesteuerhebesatz niedriger=besser 11 8 18 RANG WIRTSCHAFTSSTRUKTUR 16 9 9 Die Gründungsdynamik in Karlsruhe, repräsentiert durch die Indikatoren Unterneh- mensgründungen sowie Saldo aus Gewerbean- und -abmeldungen, ist in Karlsruhe re- lativ gut. Qualitative Aspekte des Gründungsgeschehens – zum Beispiel in welchen (zu- Ergänzende Erläuterungen Seite 7 kunftsfähigen) Branchen gegründet wird – werden im Ranking allerdings nicht erfasst. Eine substantielle Verschlechterung der Platzierung Karlsruhes zeigt sich für voraussicht- liche Forderungen aus Insolvenzen. Die Position der Fächerstadt verschlechtert sich von Rang 11 im Jahr 2013 auf Rang 30 im Jahr 2015. Eine sukzessive Verbesserung im Ran- king ergibt sich sowohl beim Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleis- tungen (von Rang 12 in 2013 auf Rang 9 in 2015) und bei der Anzahl der Patentanmel- dungen (von Rang 34 in 2013 auf Rang 17 in 2015). Beide Indikatoren reflektieren die Zukunfts- und Innovationsfähigkeit einer Stadt. 2.3 Niveauranking: Immobilienmarkt Ausgehend von Rang 18 im Jahr 2013, hat sich Karlsruhe im Themenkomplex Immobilienmarkt insgesamt auf Rang 10 (2014) bzw. 12 (2015) verbessert. Die guten Platzierungen der Fächerstadt sind allerdings Ausdruck der Knappheiten auf dem hiesigen Wohnungsmarkt – im Ranking werden überhitzte Woh- nungsmärkte mit guten Platzierungen belohnt. Ein Vergleich der Karlsruher Platzierungen mit den Platzierungen von Stuttgart und Mannheim zeigt, dass Stuttgart mit den Plätzen 8 (2013), 5 (2014) und 6 (2015) immer vor und Mann- heim mit den Plätzen 30 (2013), 18 (2014) und 25 (2015) immer hinter Karlsruhe liegt. Die Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Immobilienmarkt sind in Tabelle 4 dargestellt. Insbesondere bei der Anzahl Gesuche pro Eigentumswohnungen liegt Karlsruhe in allen Vergleichsjahren unter den Top 3. Bei der Anzahl Gesuche pro Mietwohnung ergibt sich gleichbleibend der neunte Rang. Im Vergleich zu anderen Städten ist das Interesse an Eigentums- und Mietwohnungen in Karlsruhe also hoch. Bei diesen beiden Indikatoren führen relative Knappheiten am Immobilienmarkt zu einer Rangverbesserung: Je höher das relative Mietniveau oder die relativen durchschnittli- chen Kaufpreise von Eigentumswohnungen sind, desto besser ist eine Stadt im Ranking gestellt. Eine solche Auswahl der Indikatoren läuft kommunalpolitischen Zielen – wie zum Beispiel eines ausgeglichenen Wohnungsmarkts für Familien, sozial Schwache oder Studierende – vollkommen entgegen. Tabelle 4: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Immobilienmarkt (Niveau) IMMOBILIENMARKT (20 %) Wirkrichtung Rang 2013 Rang 2014 Rang 2015 Anzahl Gesuche pro Eigentumswohnung höher=besser 2 2 3 Anzahl Gesuche pro Mietwohnung höher=besser 9 9 9 Anzahl Tage, die eine Mietwohnung durchschnitt- lich angeboten wird niedriger=besser 6 25 18 Baugenehmigungen für Wohnungen je 1.000 Be- standswohnungen höher=besser 20 36 46 Fertiggestellte Wohnungen je 1.000 Bestandswoh- nungen höher=besser 39 10 27 Warmmiete pro qm höher=besser 14 14 15 Anteil Wohnkosten am monatlichen Einkommen höher=besser --- 12 12 Durchschnittspreise Eigentumswohnungen pro qm höher=besser 13 15 17 Blasengefahr: Wertentwicklung Eigentumswoh- nungen abzüglich Mietentwicklung niedriger=besser 49 29 37 RANG IMMOBILIENMARKT 18 10 12 Ergänzende Erläuterungen Seite 8 Die Platzierung der Fächerstadt bezüglich der durchschnittlichen Anzahl Tage, die eine Mietwohnung auf Immobilienscout24 angeboten wird, ist relativ volatil – ein Trend lässt sich nicht ableiten. Eine sukzessive Rangverschlechterung von Rang 20 in 2013 auf Rang 45 in 2015 ergibt sich für den Indikator Baugenehmigungen. Bei fertiggestellten Wohnungen zeigt sich kein eindeutiger Trend. Grundsätzlich stellt sich die Frage inwie- weit ein auf Jahresfrist bezogener Vergleich von Baugenehmigungen und fertiggestell- ten Wohnungen sinnvoll ist, da diese Zahlen jährlich stark schwanken und deshalb kei- nen Trend abbilden können. Konstante Platzierungen unter den Top 20 erreicht Karlsruhe bei der Warmmiete pro qm und beim Anteil der Wohnkosten am monatlichen Einkommen. Zu beachten ist hier wiederum, dass hohe Mieten und hohe Wohnkosten zu einem hohen Rang führen. Eine angespannte Lage am Mietwohnungsmarkt führt also auch hier zu einer Aufwertung im Ranking. Die Durchschnittspreise von Eigentumswohnungen pro qm sind – im Ver- gleich zu den anderen Großstädten – in Karlsruhe weniger stark gestiegen. In der Logik des Rankings sinkt somit die Platzierung der Fächerstadt von Rang 13 in 2013 auf Rang 17 in 2015. 2.4 Niveauranking: Lebensqualität Karlsruhe erreicht im Themenkomplex Lebensqualität in den Jahren 2013, 2014 und 2015 jeweils insgesamt die Ränge 15, 14 und 21. Während Stuttgart mit den Rängen 13 (2013 und 2014) und 12 (2015) relativ stabile Platzierungen er- reicht, schwanken die Platzierungen Mannheims mit den Rängen 40 (2013), 22 (2014) und 39 (2015) deutlich. Ein eindeutiger Grund für das Abrutschen Karls- ruhes im aktuellsten Ranking erschließt sich aus den Einzelindikatoren nicht. Wie bereits erwähnt, sind die unter dem Themenkomplex Lebensqualität zu- sammengefassten Indikatoren in ihrer Auswahl zweifelhaft, da wesentliche Aspekte nicht abgedeckt werden. Tabelle 5 zeigt die Einzelindikatoren und die je- weiligen Platzierungen Karlsruhes. Bei der Fertilität weichen die Werte in den einzelnen Städten nur gering voneinander ab. Karlsruhe befindet sich stets im unteren Mittelfeld. Bei der durchschnittlichen Le- benserwartung Neugeborener ist Karlsruhe von Rang 8 in den Jahren 2013 und 2014 auf Rang 14 im Jahr 2015 abgerutscht. Aufgrund der geringen Abweichungen in den Absolutwerten ist jedoch davon auszugehen, dass diese Rangverschlechterung nicht mit einer entsprechend signifikanten Wertveränderung der zugrundeliegenden Daten ein- hergeht. Bei der Betreuungsquote der unter 3-Jährigen bleibt die Platzierung Karlsruhes mit Rang 22 bzw. 21 stabil. Dagegen erreicht Karlsruhe bei der Betreuung der 3- bis 5- Jährigen im Jahr 2015 nur noch Rang 22 (2013: 12; 2014: 11). Diese Zahlen sind jedoch eingeschränkt aussagefähig, da ausschließlich öffentlich geförderte Einrichtungen in die Statistik einfließen. Zum anderen bilden die Zahlen nicht ab, welche Mechanismen den jeweiligen Versorgungsgraden zu Grunde liegen. Eine relativ schlechte Platzierung muss nicht gleichzeitig ein Indiz für einen Mangel an Betreuungsplätzen sein, da die Nachfra- geseite nicht abgebildet wird. Ergänzende Erläuterungen Seite 9 Bei flächenartenbezogenen Rangplätzen zeigt sich Karlsruhe relativ stabil. Beim Anteil der naturnahen Fläche erreicht Karlsruhe Rang 15; bezüglich des Anteils an Siedlungs- und Verkehrsfläche ergibt sich für 2015 Rang 23. Während ein relativ hoher Anteil na- turnaher Fläche zu einer Aufwertung im Ranking führt, führt ein relativ hoher Anteil an Siedlungs- und Verkehrsfläche zur Abwertung. Die Betrachtung der Wohnfläche zeigt sich relativ volatil: Die Platzierungen Karlsruhes bei der Wohnfläche je Einwohner schwanken zwischen Rang 30 (2015) und 40 (2014). Die insgesamt mäßigen Platzie- rungen in puncto Wohnfläche sind eine Folge des engen Wohnungsmarkts und studen- tischer Wohnformen. Tabelle 5: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Lebensqualität (Niveau) LEBENSQUALITÄT (10 %) Wirkrichtung Rang 2013 Rang 2014 Rang 2015 Fertilität: Geburten pro Frau in gebärfähigem Alter höher=besser 51 40 60 Durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener höher=besser 8 8 14 Betreuungsquote U3: Anteil unter 3-Jährige in öffent- lich geförderten Einrichtungen höher=besser 22 21 21 Betreuungsquote 3- bis 5-Jährige: Anteil 3- bis 5-Jährige in öffentlich geförderten Einrichtungen höher=besser 12 11 22 Anteil der naturnäheren Fläche an der gesamtstädti- schen Fläche höher=besser 15 15 15 Siedlungs- und Verkehrsfläche je Einwohner in qm niedriger=besser 24 23 23 Wohnfläche je Einwohner höher=besser 33 40 30 Straftaten je 100.000 Einwohner niedriger=besser 28 45 41 Aufklärungsquote von Straftaten höher=besser 24 31 32 Ärztedichte: Ärzte je 100.000 Einwohner höher=besser 32 30 38 Krankenhausbetten je 10.000 Einwohner höher=besser 30 29 31 Wanderungssaldo 18- bis 24-Jährige je 1.000 Ein- wohner dieser Altersgruppe mit dem Bundesgebiet höher=besser 12 7 15 Wanderungssaldo 25- bis 29-Jährige je 1.000 Einwoh- ner dieser Altersgruppe mit dem Bundesgebiet höher=besser 33 23 49 Wanderungssaldo 30- bis 49-Jährige je 1.000 Ein- wohner dieser Altersgruppe mit dem Bundesgebiet höher=besser --- 39 44 Wanderungssaldo aus Zu- und Fortzügen je 1.000 Einwohner höher=besser 20 4 16 Durchschnittliche Pkw-Fahrzeit zur nächsten Auto- bahn-Anschlussstelle niedriger=besser 36 36 36 Gästeübernachtungen je Einwohner höher=besser 32 32 32 Anteil der privat Verschuldeten an allen Einwohnern über 18 Jahren niedriger=besser 12 12 12 Wasserabgabe an Endverbraucher in m 3 je Einwohner niedriger=besser 38 36 36 RANG LEBENSQUALITÄT 15 14 21 Bei Straftaten je 100.000 Einwohner verschlechtert sich Karlsruhe ausgehend von Rang 28 (2013) auf die Ränge 45 (2014) und 41 (2015). Über die Schwere der Straftaten ge- ben die Daten keinen Aufschluss: Die Statistik behandelt einen Fahrraddiebstahl genau- so wie schwere Körperverletzung. Auch bei der Aufklärungsquote von Straftaten ist von 2013 (Rang 24) auf 2014 (Rang 31) und 2015 (Rang 32) eine Rangverschlechterung zu beobachten. Wie die Straftaten und deren Aufklärung, so wird auch die ärztliche Ver- sorgung im Ranking rein quantitativ abgebildet. Im Jahr 2015 erreicht Karlsruhe bei der Ärztedichte Rang 38 und bei Krankenhausbetten Rang 31. Ergänzende Erläuterungen Seite 10 Das Wanderungssaldo Karlsruhes, also die Zu- und Fortzüge aus dem beziehungsweise in das Bundesgebiet, zeigt für verschiedene Altersgruppen unterschiedliche Platzierun- gen: Während sich Karlsruhe im Jahr 2015 in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen mit Rang 15 noch unter dem ersten Drittel befindet, rutscht die Fächerstadt im selben Jahr für die Altersgruppen 25 bis 29 Jahre sowie 30 bis 49 Jahre ins Mittelfeld ab und erreicht die Ränge 49 und 44. Die gute Platzierung in der jüngsten Altersgruppe ist vermutlich auf vermehrte Zuzüge zum Ausbildungs- bzw. Studienbeginn zurückzufüh- ren. Die schlechteren Platzierungen in den Altersgruppen 25 bis 29 Jahre sowie 30 bis 49 Jahre sind ein Indiz dafür, dass relativ gesehen geringe Zuzüge zum Zwecke der Ar- beitsaufnahme erfolgen. Grundsätzlich ergeben sich für Karlsruhe bezüglich der alters- gruppenspezifischen Wanderung ähnliche Rangmuster wie für andere, stark durch die tertiäre Bildungslandschaft geprägte Städte wie Aachen, Darmstadt, Heidelberg, Frei- burg und Münster. Damit bestätigt sich die zweifelhafte Aussagekraft der Wande- rungsdaten bezüglich der Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung. Beim Wande- rungssaldo insgesamt liegt Karlsruhe mit Rang 16 im Jahr 2015 im oberen Drittel der Vergleichsstädte. Dies bestätigt die insgesamt positive demografische Entwicklung in der Fächerstadt. 3. Karlsruhe im Dynamikranking Wie das Niveauranking, so gliedert sich das Dynamikranking in die Themenkomplexe Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilienmarkt und Lebensqualität. Insgesamt sind die einzelnen Themenkomplexe im Dynamikranking jedoch mit weniger Indikatoren hinterlegt als im Niveauranking. Bei der Bewertung der Platzierungen im Dynamikran- king sollte bedacht werden, dass die Rangfolge der Städte auf relativen Veränderungen basiert. Damit erreichen Städte mit einem niedrigeren Ausgangsniveau bei gleicher ab- soluter Veränderung höhere Rangveränderungen als Städte mit einem höheren Aus- gangsniveau. Grundsätzlich ist es also schwierig, bei einer guten Platzierung im Ni- veauranking eine ebenfalls gute Platzierung im Dynamikranking zu erreichen. Insge- samt erreicht Karlsruhe im Dynamikranking des Jahres 2015 Rang 25. Stuttgart und Mannheim erreichen mit den Rängen 28 und 27 ähnliche Platzierungen. Auf den Plätzen 1 und 2 landen mit Ingolstadt und Wolfsburg von einzelnen Automobilkonzernen dominierte Städte. Hier bilden sich mit besonders hohen Wachstumsraten bei der Entwicklung des BIP, der Steuerkraft und den sozial- versicherungspflichtig beschäftigten Akademikern insbesondere Erholungsef- fekte nach der Wirtschaftskrise ab. 3.1 Dynamikranking: Arbeitsmarkt Beim Themenkomplex Arbeitsmarkt erreicht Karlsruhe im Dynamikranking Rang 28. Die Fächerstadt liegt damit einen Platz hinter Stuttgart (Rang 27) und deutlich hinter Mannheim (Rang 3). Das gute Abschneiden Mannheims erklärt sich vor allem durch eine positive Entwicklung im Bereich der Arbeitslosigkeit im Alter sowie durch die deutliche Zunahme der Beschäftigtenzahlen allge- mein. In Tabelle 6 sind die Einzelplatzierungen Karlsruhes beim Dynamikranking des Themenkomplexes Arbeitsmarkt im Jahr 2015 dargestellt. Neben der Platzierung wer- den auch Angaben zur Wirkungsrichtung eines Indikators gemacht. Die Angabe „ab- nehmend=besser“ zeigt an, dass ein abnehmender Indikatorwert zu einer Verbesserung Ergänzende Erläuterungen Seite 11 der Platzierung führt. Dagegen steht die Angabe „zunehmend=besser“ für eine ten- denzielle Rangverbesserung bei einem zunehmenden Indikatorwert. Beim Themenkomplex Arbeitsmarkt ist zunächst auffällig, dass Karlsruhe bei der Verän- derung des Anteils der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss mit Rang 58 eine rela- tiv schlechte Platzierung erreicht. Wie bereits im Niveauranking, so sind die Zahlen auf denen die Platzierung basiert jedoch anhand der Kommunalstatistik nicht nachvollzieh- bar: Während im Städteranking von einem steigenden Anteil an Schulabbrechern aus- gegangen wird, zeigt die Kommunalstatistik für den Vergleichszeitraum eine Abnahme. Bei der Entwicklung des Ausbildungsplatzangebots erreicht Karlsruhe Rang 37. Insge- samt hat die Zahl der Ausbildungsplätze je 100 Nachfrager zugenommen – dies deutet auf eine Verknappung der verfügbaren Auszubildenden hin. Bei der Entwicklung der ALG-II Empfänger erreicht Karlsruhe Rang 28 bei einem gleich- zeitig relativ guten Niveau (Rang 11 in 2015). Bei Arbeitslosen bestimmter Altersgrup- pen – unter 25 Jahren und von 55 bis 64 Jahren – sind die mittleren Ränge im Dyna- mikranking (Rang 47 beziehungsweise Rang 33) im Zusammenhang mit den guten Ni- veauplatzierungen (Rang 13 beziehungsweise Rang 5) zu sehen: Aufgrund der allge- mein guten Lage am Karlsruher Arbeitsmarkt in den letzten Jahren ergeben sich kaum Verbesserungspotentiale. Die relativ schlechte Platzierung bei der Entwicklung der Ar- beitsplatzversorgung (Rang 48) beruht wiederum auf dem Einfluss von Studierenden und Beamten in der Bezugsgröße des Indikators. Tabelle 6: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Arbeitsmarkt (Dynamik) ARBEITSMARKT (40 %) – Veränderung von ... Wirkungsrichtung Rang 2015 Anteil Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss abnehmend=besser 58 Ausbildungsplätze je 100 Nachfrager zunehmend=besser 37 ALG-II-Empfänger je 100 Einwohner abnehmend=besser 28 Arbeitslose unter 25 je 100 Einwohner im Alter von 15 bis unter 25 Jahren abnehmend=besser 47 Arbeitslose ab 55 Jahre je 100 Einwohner im Alter von 55 bis 64 Jahren abnehmend=besser 33 Arbeitsplatzversorgung: Anteil der Beschäftigten an den 15- bis unter 65- Jährigen zunehmend=besser 48 Beschäftigungsquote von Frauen zunehmend=besser 51 Arbeitnehmer ab 55 Jahre je 100 Einwohner im Alter von 55 bis 64 Jahren zunehmend=besser 32 Anteil Hochqualifizierte an allen Beschäftigten zunehmend=besser 12 Pendlersaldo: Saldo der Beschäftigten am Arbeits- und am Wohnort zunehmend=besser 16 Altersquotient: 20- bis 59 -Jährige im Verhältnis zur Bevölkerung 60 Jahre und älter zunehmend=besser 5 Veränderung der Beschäftigtenzahl zunehmend=besser 25 RANG ARBEITSMARKT 28 Bei Arbeitnehmern im Alter von 55 bis 64 Jahren erreicht Karlsruhe Rang 32 im Jahr 2015. Auch hier kann – wie bei anderen arbeitsmarktbezogenen Größen – auf die gute Platzierung im Niveauranking verwiesen werden. Mit Rang 12 bei der Veränderung des Anteils der Hochqualifizierten im Jahr 2015 geht auch eine relativ gute Platzierung im Niveauranking einher (Rang 18). Die Platzierung bei der Veränderung des Pendlersaldos (16) zeigt die relativ hohe Zunahme der Pendlerzahlen an. Ein Blick auf das Niveauran- Ergänzende Erläuterungen Seite 12 king zeigt eine ähnlich gute Platzierung (Rang 15). Die positive Veränderung des Alters- quotienten beruht auf der Dynamik der Studierendenzahlen. 3.2 Dynamikranking: Wirtschaftsstruktur Insgesamt erreicht die Fächerstadt beim Themenkomplex Wirtschaftsstruktur im Dynamikranking Rang 10. Damit zeichnet sich eine deutlich vorteilhaftere Entwicklung als in Stuttgart (Rang 48) und Mannheim (Rang 69) ab. In Tabelle 7 sind die Dynamik-Platzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Wirtschaftsstruktur dar- gestellt. Sowohl bei der Veränderung des BIP je Einwohner als auch beim BIP je Er- werbstätigem liegt Karlsruhe im Mittelfeld (Rang 29 beziehungsweise Rang 32). Bei der Veränderung der Arbeitskosten landet Karlsruhe auf Rang 29 (2015). Eine relativ positi- ve Entwicklung ist bei der gemeindlichen Steuerkraft je Einwohner festzustellen: Karls- ruhe erreicht Rang 17. Hier dürfte sich die Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes po- sitiv auswirken. Auch bei der Dynamik des Saldos aus Gewerbean- und -abmeldungen befindet sich Karlsruhe im oberen Drittel (Rang 17). Bei der Veränderung des Anteils der Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen ist Karlsruhe mit Rang 7 unter den Top 10, obwohl das Niveauranking ebenfalls eine Platzierung unter den Top 10 aus- weist. Insgesamt hat Karlsruhe also bereits einen überdurchschnittlichen Anteil an Be- schäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen, der zusätzlich in den letzten Jahren überproportional gestiegen ist. Tabelle 7: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Wirtschaftsstruktur (Dynamik) WIRTSCHAFTSSTRUKTUR (30 %) – Veränderung von ... Wirkungsrichtung Rang 2015 Bruttoinlandsprodukt je Einwohner zunehmend=besser 29 Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem zunehmend=besser 32 Arbeitskosten: Entgelt je Arbeitnehmer abnehmend=besser 29 Gemeindliche Steuerkraft je Einwohner zunehmend=besser 17 Saldo aus Gewerbean- und -abmeldungen je 1.000 Einwohner zunehmend=besser 17 Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen zunehmend=besser 7 Gewerbesteuerhebesatz abnehmend=besser 46 RANG WIRTSCHAFTSSTRUKTUR 10 3.3 Dynamikranking: Immobilienmarkt Bei der Entwicklung des Immobilienmarkts erreicht Karlsruhe im Dynamikran- king des Jahres 2015 Rang 47. Stuttgart und Mannheim liegen auf den Rängen 20 und 38. Die Rangfolge im Themenkomplex Immobilienmarkt basiert auf der Verän- derung von sechs Einzelindikatoren (Tabelle 8). Bei der Anzahl der Gesuche pro Eigen- tumswohnung erreicht Karlsruhe im Dynamikranking Rang 2. Dies bedeutet, dass die Anzahl der Gesuche in Karlsruhe stärker angestiegen ist als in den Vergleichsstädten – bei gleichzeitig hohen Werten im Niveauranking. Das Dynamikranking bildet – ausge- hend von einer bereits angespannten Lage – weitere Verknappungstendenzen am Im- mobilienmarkt ab und ist aus kommunalem Blickwinkel keineswegs eine Auszeichnung. Bei der Entwicklung der Anzahl der Gesuche je Mietwohnung liegt Karlsruhe auf Rang 38. In puncto Veränderung von Baugenehmigungen und fertiggestellten Wohnungen liegt Karlsruhe auf den Rängen 40 und 68. Da beide Zahlen jährlich stark schwanken Ergänzende Erläuterungen Seite 13 können, sind diese Platzierungen wenig aussagekräftig. Die Platzierungen Karlsruhes bezüglich der Indikatoren Veränderung der Warmmiete pro qm und der Durchschnitts- preise von Eigentumswohnungen pro qm liegen mit den Rängen 35 bzw. 39 im unteren Mittelfeld. Angesichts der relativ hohen Platzierungen im Niveauranking – die tendenzi- ell Knappheiten auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt anzeigen – ist dies jedoch als unproblematisch zu bewerten. Tabelle 8: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Immobilienmarkt (Dynamik) IMMOBILIENMARKT (20 %) – Veränderung von ... Wirkungsrichtung Rang 2015 Anzahl Gesuche pro Eigentumswohnung zunehmend=besser 2 Anzahl Gesuche pro Mietwohnung zunehmend=besser 38 Baugenehmigungen für Wohnungen je 1.000 Bestandswohnungen zunehmend=besser 40 Fertiggestellte Wohnungen je 1.000 Bestandswohnungen zunehmend=besser 68 Warmmiete pro qm zunehmend=besser 35 Durchschnittspreise Eigentumswohnungen pro qm zunehmend=besser 39 RANG IMMOBILIENMARKT 47 3.4 Dynamikranking: Lebensqualität Insgesamt erreicht Karlsruhe im Dynamikranking des Themenkomplexes Le- bensqualität lediglich den vorletzten Rang (68). Die Lebensqualität – so wie sie durch die Auswahl der Indikatoren implizit definiert wurde – hat sich in der Fä- cherstadt also in den letzten fünf Jahren deutlich unterdurchschnittlich entwi- ckelt. Gleichzeitig ist jedoch festzuhalten, dass Karlsruhe sich bei den Niveau- größen desselben Themenkomplexes im oberen Drittel bewegt und damit in Relation grundsätzlich geringere Verbesserungspotenziale als andere Städte hat. Stuttgart und Mannheim erreichen jeweils die Ränge 43 und 61. In Tabelle 9 sind die Einzelplatzierungen Karlsruhes im Dynamikranking des Themen- komplexes Lebensqualität dargestellt. Bei der Dynamik der Betreuungsquote von unter 3-Jährigen liegt Karlsruhe mit Rang 16 im oberen Drittel bei einer gleichzeitig guten Niveauplatzierung. Im Vergleich zu anderen Städten ist die Betreuungsquote der 3- bis 5-Jährigen (Rang 50) weniger stark gestiegen – bei guter Niveauplatzierung. Bei der Veränderung der Wohnfläche je Einwohner liegt Karlsruhe mit Rang 38 (2015) im Mit- telfeld. Die Entwicklung von Ärztedichte (Rang 59) und Krankenhausbetten (Rang 65) ist unterdurchschnittlich. Bei den Niveaugrößen liegt die Fächerstadt jedoch im Mittel- feld. Für die schlechten Platzierungen bei der Entwicklung der Wanderungssalden der 18- bis 24-Jährgen und der 25- bis 29-Jährigen gibt es plausible Erklärungen: Zum einen ist die Nettozuwanderung in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen relativ hoch – damit ergeben sich nur äußerst geringe Verbesserungspotentiale. Zum anderen hat sich an dem Wegzugsverhalten der 25- bis 29-Jährigen – vermutlich nach Abschluss des Studi- ums – kaum etwas geändert. Die Platzierung unter den Top 20 bei der Veränderung des Binnenwanderungssaldos in der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen zeigt jedoch, dass Karlsruhe attraktiver für berufsbedingte Zuwanderung geworden ist. Bei der Entwick- lung des Wanderungssaldos insgesamt erreicht die Fächerstadt Rang 36 und liegt damit im Mittelfeld. Bei der Veränderung der Gästeübernachtungen liegt Karlsruhe im oberen Ergänzende Erläuterungen Seite 14 Mittelfeld (Rang 27). In die Statistik der Gästeübernachtungen geht der Übernach- tungsanlass – touristisch, privat oder beruflich motiviert – jedoch nicht mit ein. Bei der Veränderung des Anteils der privat Verschuldeten (Rang 31) und der Einwohnerzahl (Rang 23) befindet sich Karlsruhe ebenfalls im Mittelfeld. Tabelle 9: Einzelplatzierungen Karlsruhes im Themenkomplex Lebensqualität (Dynamik) LEBENSQUALITÄT (10 %) – Veränderung von... Wirkungsrichtung Rang 2015 Durchschnittliche Lebenserwartung Neugeborener zunehmend=besser 68 Betreuungsquote U3: Anteil unter 3-Jährige in öffentlich geförderten Einrich- tungen zunehmend=besser 16 Betreuungsquote 3- bis 5-Jährige: Anteil 3- bis 5-Jährige in öffentlich geför- derten Einrichtungen zunehmend=besser 50 Wohnfläche je Einwohner zunehmend=besser 38 Straftaten je 100.000 Einwohner abnehmend=besser 64 Aufklärungsquote von Straftaten zunehmend=besser 48 Ärztedichte: Ärzte je 100.000 Einwohner zunehmend=besser 59 Krankenhausbetten je 10.000 Einwohner zunehmend=besser 65 Wanderungssaldo 18- bis 24-Jährige je 1.000 Einwohner dieser Altersgruppe mit dem Bundesgebiet zunehmend=besser 64 Wanderungssaldo 25- bis 29-Jährige je 1.000 Einwohner dieser Altersgruppe mit dem Bundesgebiet zunehmend=besser 66 Wanderungssaldo 30- bis 49-Jährige je 1.000 Einwohner dieser Altersgruppe mit dem Bundesgebiet zunehmend=besser 20 Wanderungssaldo: Saldo aus Zu- und Fortzügen je 1.000 Einwohner zunehmend=besser 36 Gästeübernachtungen je Einwohner zunehmend=besser 27 Anteil der privat Verschuldeten an allen Einwohnern über 18 Jahren abnehmend=besser 31 Entwicklung der Einwohnerzahl zunehmend=besser 23 RANG LEBENSQUALITÄT 68 4. Fazit Beim aktuellen Städtevergleich der WirtschaftsWoche erreicht Karlsruhe Platz 10 im Niveauranking und Platz 25 im Dynamikranking von je 69 Vergleichsstäd- ten. Insbesondere im Niveauranking konnte sich die Fächerstadt ausgehend von Rang 17 im Jahr 2013 deutlich verbessern. Diese Verbesserung im Ranking resultiert vermutlich vor allem aus überdurchschnittlich guten Entwicklungen bei den Indikatoren der Themenkomplexe Wirtschaftsstruktur und Immobili- enmarkt. Hier arbeitet sich Karlsruhe von Rang 16 (2013) auf Rang 9 (2015) be- ziehungsweise von Rang 18 (2013) auf Rang 12 (2015) nach oben. Allerdings gilt es zu beachten, dass eine gute Platzierung im Themenkomplex Immobili- enmarkt mit einer relativ angespannten Lage desselben einhergeht. Grundsätzlich ist das Städteranking der WirtschaftsWoche – wie auch andere Städ- terankings – als kritisch anzusehen, da es komplexe Sachverhalte auf simple Kausalket- ten und letztlich auf eindimensionale Kennziffern reduziert. Die detaillierte Auswer- tung des Städtevergleichs hat gezeigt, dass aus einem schlechten Abschneiden im Ranking nur sehr begrenzt kommunalpolitische Handlungsbedarfe abgelei- tet werden können. Dies ist auf vier Gründe zurückzuführen: Ergänzende Erläuterungen Seite 15 1. Nicht immer sind die Bewertungen der Indikatoren deckungsgleich mit kommu- nalen Interessenlagen; in einigen Fällen laufen sie ihnen sogar diametral entge- gen. Dies betrifft beispielsweise den Indikator Ausbildungsplatzversorgung sowie auf den Wohnungs- und Immobilienmarkt bezogene Indikatoren (Gesuche pro Eigentumswohnung, Gesuche pro Mietwohnung, Warmmieten und Anteil Wohnkosten am Einkommen), bei denen ein überhitzter und enger Immobilien- markt mit steigenden Mieten und Kaufpreisen zu einer Aufwertung im Ranking führt. 2. Einige der Indikatoren bilden stadtspezifische Besonderheiten ab, die an sich kei- ne Handlungserfordernisse mit sich bringen bzw. an denen nichts geändert wer- den kann. Hierzu zählen für Karlsruhe insbesondere die deutlich durch die Stu- dierenden geprägten Ergebnisse der Indikatoren zur Arbeitsplatzversorgung und den Wanderungssalden nach Altersgruppen. 3. Teilweise schwanken Indikatoren zwischen den einzelnen Jahren stark, so dass ein auf Jahreszahlen basierender Vergleich wenig aussagekräftig ist. Dies betrifft insbesondere die Punkte Baugenehmigungen und fertiggestellte Wohnungen. 4. Die im Ranking verarbeiteten Kennzahlen sind teilweise wenig aussagekräftig, da sie sehr allgemein gehalten und inhaltlich wenig ausdifferenziert sind. Besonders deutlich wird dies bei den Indikatoren Gründungsdynamik, Straftaten, Aufklä- rungsquote von Straftaten und Gästeübernachtungen. Trotz dieser Vorbehalte geben einige Indikatoren durchaus Aufschluss für mögliche Handlungsfelder. So zeigen sich im Hinblick auf die Einzelindikatoren Straftaten, Aufklä- rungsquote von Straftaten und die Erwerbsbeteiligung von Frauen sowohl im Dynamik- als auch im Niveauranking relativ schlechte Platzierungen. Hier signalisiert der Vergleich zu anderen Städten tatsächlich Anhaltspunkte für (kommunal-)politische Handlungsbe- darfe. Nahezu alle diese Sachverhalte sind jedoch auch aus anderen Quellen bekannt und es wird an ihnen gearbeitet. Beschluss: Der Gemeinderat nimmt die Analyse zu den Platzierungen der Stadt Karlsruhe im Städteranking der WirtschaftsWoche in den Jahren 2013, 2014 und 2015 zur Kenntnis.
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Extrahierter Text
NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 24. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 31. Mai 2016, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 4. Punkt 4 der Tagesordnung: Die Stadt Karlsruhe aus Sicht von Städterankings Vorlage: 2016/0223 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt die Analyse zu den Platzierungen der Stadt Karlsruhe im Städteranking der WirtschaftsWoche in den Jahren 2013, 2014 und 2015 zur Kenntnis. Das Thema wird im Hauptausschuss weiter behandelt werden. Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 4 zur Behandlung auf: Herr Erster Bürgermeister zu einer kurzen Einführung. Erster Bürgermeister Jäger: Die jährlich von der WirtschaftsWoche mit der IW Con- sult GmbH herausgegebenen Städterankings haben uns veranlasst, die Hintergründe der Rangplatzierung der Stadt Karlsruhe einmal genauer zu analysieren. Im November- Ranking 2015 der WirtschaftsWoche erreicht Karlsruhe den Platz 10 im Niveauranking von rd. 70 Städten und konnte sich seit 2013, damals Platz 17, deutlich verbessern. Stuttgart erreicht Platz 4, Mannheim Platz 21. Die dahinter liegenden Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt, Immobilien und Lebensqualität werden aus Sicht der Wirtschaftsunternehmen und der Immobilienwirtschaft beurteilt. So erreichen Großstädte wie Karlsruhe mit einem sehr engen Wohnungsmarkt und steigenden Miet- und Kaufpreisen sehr gute Rangplätze. Zur Einschätzung der Bedeu- tung und Interpretation dieses Rankings sind diese Informationen unabdingbar, um da- raus die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Nun ist vor wenigen Tagen ein weiteres Ranking erschienen. Lassen Sie mich dazu ein paar Ausführungen machen. In diesem vor drei Tagen neu erschienenen Zukunftsatlas der Prognos AG wird für den Stadtkreis Karlsruhe der Rang 46 errechnet bzw. in einer Achterskala die dritte Kategorie hohe Zukunftschancen von allen 402 deutschen Stadt- - 2 - und Landkreisen. Dabei erreicht Karlsruhe den Städteranking-Rang 47 bzw. die dritte von sechs Kategorien hohe Stärke, den Dynamikrang 56 bzw. die dritte von sechs Kate- gorien hohe Dynamik. Hinterlegt sind bei dieser Untersuchung 29 Indikatoren aus den Bereichen Demografie, hier haben wir den Rangplatz 18, Wirtschaft Arbeitsmarkt, er- reicht Karlsruhe den Platz 33, Wettbewerb Innovation, haben wir den Rangplatz 85 und Wohlstand und soziale Lage, hier haben wir den Rang 262. Dieser Zukunftsatlas, der von der Prognos AG seit 2004 alle drei Jahre erscheint, hatte im Jahr 2010 bei 412 un- tersuchten Stadt- und Landkreisen für Karlsruhe damals noch den Gesamtrang 37, in dem Stärkerang 38, im Dynamikrang 77 ausgewiesen. Die Hintergründe der Verschlech- terung im Rangplatz muss von unserem Amt für Stadtentwicklung nun noch bei Prog- nos erfragt und dann ausführlich analysiert werden. In diesen drei Tagen, seit der Atlas erschienen ist, konnte nicht mehr diese umfangreiche Nacharbeit geleistet werden, um dies hier noch mit in diese Vorlage einzuarbeiten. Eine besondere Bewertung ergibt sich noch, dass neu in dieser Prognos-Untersuchung in diesem Jahr erstmals ein Digitalisierungskompass aufgenommen wurde. Dieser zeigt, wie gut die Kreise beim Thema Digitalisierung abschneiden. Hier hält Karlsruhe die zweite Kategorie, ausgezeichnete Chancen, in einer Sechserskala von hervorragende bis schlechte Chancen. Der Vorsitzende: Vielen Dank. Es gibt jetzt einige Wortmeldungen. - Herr Stadtrat Dr. Heilgeist. Stadtrat Dr. Heilgeist (CDU): Dieser Tagesordnungspunkt lautet: Die Stadt Karlsruhe aus Sicht von Städterankings. Ich betone das, denn die ganze Vorlage befasst sich nur mit dem Städteranking der WirtschaftsWoche. Es ist also doch etwas kurz gesprungen, wenn man dieses Thema hier draufsetzt. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass man sich mit verschiedenen Städterankings befasst. Es ist nämlich jetzt nicht nur das Prog- nos-Gutachten erschienen, sondern im Oktober letzten Jahres ist das Gutachten der Berenberg-Bank und des Hamburgerischen Instituts für Weltwirtschaft erschienen, bei der auch sehr gut die Stärken und Schwächen der Stadt Karlsruhe dargestellt werden. Gerade auf das letztere Gutachten möchte ich noch mal eingehen. Das ist ein Gutach- ten, was jeder sich vollständig herunterladen kann, nicht wie das Prognos-Gutachten, was ja sehr teuer ist. Die verdienen ihr Geld mit diesen Gutachten. Das geht dann schon in die zigtausend für die sie die verkaufen, so dass klar ist, dass man da tiefer steigen muss. Dieses von der WirtschaftsWoche dargestellte Städteranking kommt schon seit vielen Jahren. Da freut man sich immer, wenn Karlsruhe weit oben steht. Sie müssen auch sehen, die WirtschaftsWoche will natürlich seine Auflage verkaufen und es spannend und interessant machen, so dass die Leute möglichst viel davon kaufen. Dann zeigt auch diese Auswertung, die hier von der Stadt getroffen wurde, die - das muss ich lo- bend sagen - sehr tiefschürfend ist und ins Einzelne geht, und sicher sehr viel Arbeit gemacht hat, aber letztlich auch darauf kommt, dass doch teilweise Äpfel mit Birnen verglichen werden, uns dass hier Grundlagen genommen werden, die so gar nicht ver- gleich bar sind, so dass die Zahlen, die am Schluss rauskommen, teilweise schön sind, aber doch nicht das, was man davon erwarten kann. - 3 - Ich möchte zunächst mal vorschlagen, dass man dies nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern man dieses Städteranking-Vergleich mit anderen Städten in irgendeinem Aus- schuss diskutiert. Gerade dieses Gutachten des Hamburgerischen Instituts für Weltwirt- schaft und der Berenberg-Bank, das sich hier ausführlich mit befasst, zeigt nämlich ent- scheidende Schwächen der Stadt Karlsruhe bei der Bevölkerungsentwicklung auf. Karls- ruhe schneidet auch in diesem Gutachten hervorragend ab, Platz 3 oder 4, was jetzt die gegenwärtige Lage betrifft, aber bei der Frage der 18- bis 30-Jährigen, die ja Vorausset- zung sind für eine zukünftige günstige Entwicklung, schneidet Karlsruhe dabei nicht so gut ab, während sie bei den 30- bis 60-Jährigen gut abschneidet. Das sind die Fragen, mit denen man sich durchaus befassen soll, was kann Karlsruhe tun, wo sind Stärken, nämlich die Frage Verkehrsanbindung, die hier auch eine große Rolle spielt, und auch andere Dinge. Man sollte sich nicht darauf beschränken jetzt das WirtschaftsWoche- Gutachten zur Kenntnis zu nehmen - das hat man wahrscheinlich schon selbst gelesen - , sondern wirklich fragen, welche Folgerungen können wir aus solchen Rankings ziehen. Es ist auch die Frage, womit will man sich vergleichen. Das Prognos-Gutachten ver- gleicht ja alle Stadt- und Landkreise Deutschlands, also 402 Einheiten, die miteinander verglichen werden. Ob das so sinnvoll ist oder ob nicht vielleicht dieses hamburgerische Gutachten, was die 30 Großstädte Deutschlands umfasst, mit denen wir uns verglei- chen wollen, um daraus zu ersehen, welche Auswirkungen die Frage Großstadt auf die umliegenden Gemeinden hat, wenn man dort sieht, wie die Großstädte in Deutschland verteilt sind. Es gibt Länder, die gar keine Großstädte haben, Rheinland-Pfalz oder das Saarland, auch im Osten Deutschlands, was sich doch nicht unbedingt positiv auf die umliegenden Gemeinden auswirkt. Bei diesem Prognos-Gutachten - Herr Jäger hat es angesprochen - kann man die Zahlen sehen, rückwirkend bis 2004. Da hatte Karlsruhe schon mal Platz 29, dann 2013 wieder Platz 28. Interessant in dem Zusammenhang ist, wenn man Karlsruhe-Land aufgerufen hat, die haben sich stetig verbessert. Die kommen 2007 auf Platz 99 und sind runter bis auf Platz 47, also nur ein Platz schlechter als Karlsruhe ist. Das ist auch interessant, wa- rum diese Entwicklung sich hier vollzogen hat. Ich glaube, es ist interessant und wichtig für uns, dieses Thema weiter zu diskutieren. Stadträtin Ernemann (SPD): Ich kann mich dem Kollegen Dr. Heilgeist nahtlos an- schließen. Um es gleich vorwegzunehmen: Das Prognos-Gutachten kenne ich nicht. Ich habe mich jetzt auf die Vorlage konzentriert, die dieses Gutachten der WirtschaftsWo- che zugrunde legt. Meine Fraktion nimmt die Vorlage Analyse zu der Platzierung der Stadt Karlsruhe im Städteranking der WirtschaftsWoche zur Kenntnis, aber mehr auch nicht. Wir freuen uns über die Platzierung der Stadt Karlsruhe auf Platz 10 im Ni- veauranking, Platz 25 im Dynamikranking im Vergleich zu 69 Städten unserer Größen- ordnung. Die Platzierungen sind aber wenig aussagekräftig. Ich sehe darin für mich als Kommunalpolitiker sowie für meine Kolleginnen und Kollegen und für die Stadt Karls- ruhe wenig sowie überhaupt keinen Handlungsbedarf. Die Faktoren, die zu den einzel- nen Platzierungen geführt haben, sind uns allen mehr oder weniger bekannt und teil- weise wenig beeinflussbar. Automobilstädte wie Wolfsburg oder Ingolstadt zu verglei- chen oder zu messen mit Städten wie Karlsruhe mit einem hohen Studentenanteil, mit wissenschaftlichen Einrichtungen, ist in der Tat Äpfel mit Birnen verglichen. Das ist nicht messbar und nicht vergleichbar. - 4 - Gewertet wurden in den Rankings vor allem auch die Themen komplexer Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstrukturen, Immobilienmarkt und Lebensqualität. Weder der soziale Aspekt, noch der Faktor Umwelt und die Bewertung des kulturellen Angebots sind mit einge- flossen. Da es ein Ranking der WirtschaftsWoche ist, und dass zudem 80 % des The- menkomplexes vom kommerziellen Immobilienportal Immoscout stammt, ist es wohl auch nicht weiter verwunderlich. Wie soll man das bewerten und was zählt für mich eine Platzierung, wenn je höher das Mietpreisniveau oder das Kaufpreisniveau auf dem Wohnungsmarkt ist, die Stadt im Ranking besser platziert ist. Ich habe mir geschworen, nicht mehr als fünf Sätze dazu zu sagen. Selbst die Verwaltung zweifelt ja an der Vorla- ge, sieht das kritisch und nimmt das zur Kenntnis, kann aber aktuell kennen Hand- lungsbedarf erkennen und uns empfehlen. Wie soll ich das bewerten? Ich ende meinen Beitrag mit dem Satz des Theaterkritikers Marcel Reich-Ranicki: Der Vorhang fällt und alle Fragen offen. Stadträtin Dr. Leidig (GRÜNE): Ganz generell kann ich mich der Kritik bezüglich die- ses Rankings schon auch anschließen. Ich finde es aber dennoch interessant und wich- tig, dass so eine Analyse mal stattgefunden hat, weil uns diese Zahlen irgendwie in den Medien begegnen und für irgendwelche Beurteilung und Aufruhr sorgen. Jetzt einfach mal dezidiert aufgezeigt zu bekommen, dass sowohl diese Vergleichswerte sehr fraglich sind, bestimmte Begriffe verwendet werden wie Lebensqualität, die mit Sicherheit für jeden von uns was anderes bedeutet, als das was in diesem Ranking erfasst wird, das finde ich wichtig, weil es das einfach gerade rückt und ein Fragezeichen über solche Rankings überhaupt macht, ganz generell aber auch den Blick dafür schärft, eben nicht nur den Rangplatz zu betrachten, sondern genauer hinzuschauen. Deswegen finde ich das jetzt prinzipiell eigentlich ganz gut, dass wir das jetzt getan haben. Ich kann mich aber auch der Aussage vom Kollegen Heilgeist gerne anschließen, dass wir da einfach noch genauere Blicke darauf werfen sollten, auf unterschiedliche Rankings, um daraus dann eben tatsächlich auch Handlungsempfehlungen zu ziehen. Auf einige Punkte will ich dennoch eingehen, ganz einfach weil meiner Ansicht nach manche Dinge vielleicht doch im Fachausschuss beraten werden sollten. Da möchte ich jetzt noch einige Dinge nennen. Bezüglich der Schulabgänger, das habe ich ehrlich ge- sagt nicht richtig verstanden. Diese Diskrepanz war jetzt schon erschreckend. Sie ni- cken. Ich denke, das ich auf jeden Fall etwas, was wir im Schulbeirat noch einmal erläu- tern sollten. Genau so ist der Punkt mit der Lebensqualität. Das gibt es einige Punkte. Bei der Betreuungsquote, auch das bitte mal im Jugendhilfeausschuss aufzeigen, wa- rum eben dieser Abfall vorhanden ist gegenüber den anderen Städten bei der Betreu- ung der Drei- bis Fünfjährigen. Auch das hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Es wäre sinnvoll, sich das noch mal genauer anzuschauen. Bei den Straftaten und deren Aufklärungsquote war ich auch etwas ratlos. Da war letz- te Woche bei Spiegel-Online eine Analyse, wie sich die Daten da verschlechtert haben in sämtlichen Kreisen und Städten des Landes. Da hat Karlsruhe seit 2012 36 % erhöhte Straftaten. Das ist im Vergleich zu den anderen Städten anscheinend schon relativ viel, im Vergleich zu vielen Landkreisen aber sehr viel weniger. Aber auch das ist etwas, wo wir genauer hinschauen sollten, warum trifft es uns als Stadt denn tatsächlich auch. - 5 - Ein Punkt, der mir wirklich auch am Herzen liegt und der mich auch beschäftigt hat, war letzten Endes der Aspekt, dass wir bei der Beschäftigungsquote von Frauen an- scheinend nicht besonders gut dastehen und eben auch im Dynamikranking da nach unten rutschen. Das ist auch etwas, da sollten wir hinschauen, da sollten wir wenn es um Haushaltskonsolidierung geht hinschauen, ob wir da nicht wirklich aufpassen, dass wir Strukturen, die uns nicht gerade in dem Punkt weiterhelfen, nicht vielleicht auch beschädigen. Das war es auch schon. Also bitte, in den Ausschüssen würden wir uns freuen, wenn die Sachen aufgegriffen werden. Stadtrat Wohlfeil (KULT): Auch ich sehe es so, dass dieses Ranking einige Themen anschneidet, über die wir sicher in den Ausschüssen diskutieren sollten. Zu den Auf- traggebern ist noch zu sagen, dass ja nicht nur die WirtschaftsWoche der Auftraggeber ist, sondern auch die Initiative Neue soziale Marktwirtschaft. Die steht für sich. Es ist eben eindeutig so, dass hier die Interessen der Auftraggeber abgebildet sind und nicht die Interessen der Kommunalpolitik. Es gibt einige Indikatoren, die bilden harte Fakten ab wie die Anzahl der Straftaten. Die sind uns insoweit auch schon bekannt und bieten nichts Neues. Andere Indikatoren messen da nicht unbedingt das, wovon sich die Erstel- ler der Daten gedacht haben, was man dann damit messen könnte. Von daher wirkt sich das alles nicht unbedingt so aus oder indiziert nicht das, was es indizieren soll. Für uns als Kommunalpolitik ist es auch ein bisschen schade, dass hier kaum weiche Fakto- ren einspielen, die uns quasi mehr weiterhelfen und mehr weiterhelfen würden. Was da im Abschnitt Lebensqualität vorkommt ist ja nur ein äußerst schmaler Ausschnitt des- sen, was Lebensqualität in einer Großstadt ausmacht. Einen Punkt will ich ansprechen. Wir sehen an den Wanderungssalden, dass viele Men- schen zum Studieren nach Karlsruhe kommen, aber wenige letztlich auch in Karlsruhe bleiben, sondern viele nach dem Studium dann wieder wegziehen. Wir sollten auch schauen, dass die gut ausgebildeten Menschen, die hier in Karlsruhe studiert haben, dann auch eine Perspektive in der Stadt haben, hier Arbeit zu finden. Auch darüber soll- ten wir reden. Wenn wir jetzt in einem Ranking mal schlecht abschneiden, dann ist es sicher nicht schlimm. Das muss uns auch keine Sorge bereiten. Wie gesagt, die Rankings bilden nicht immer wirklich die Lage der Stadt ab. Etwas anderes wäre, wenn wir durch die Bank weg in allen Rankings schlecht abschneiden würden. Dann müssten wir uns wirk- lich ernsthaft Gedanken machen, ob bei uns was schief läuft. Mir persönlich bereitet bei diesem Ranking jetzt keine schlechte Platzierung die Sorge, sondern mir bereitet vor allem eine gute Platzierung die Sorge, nämlich dass wir im Bereich Immobilienmarkt so gut platziert sind. Das deutet schon darauf hin, dass wir hier eine angespannte Woh- nungsmarktsituation haben. Das ist uns auch allen bekannt. Das müssen wir sicher an- gehen. Stadtrat Høyem (FDP): Ich habe gehört, dass Muhammad bin Raschid Al Maktum, der Herrscher in Dubai, als Leitspruch hat: Wir sollten Nummer 1 sein, möglichst in jeder Beziehung, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. An der Hauptstraße Sheikh Zayed in Dubai soll in zahlreichen überlebensgroßen Plakaten geschrieben sein: Ordina- ry is for the others. Konkurrenz ist gut und hat für uns Liberale eine ganz besondere Qualität. Aber dieses Städteranking ist wirklich sehr dubios. Besonders das Niveauran- - 6 - king ist wenig aussagekräftig. Das Dynamikranking ist vielleicht ein bisschen mehr inte- ressant, aber wie die sehr gründliche Analyse deutlich darstellt, eigentlich auch wenig anwendbar. Grundsätzlich ist das Städteranking der WirtschaftsWoche, wie auch ande- re Städterankings, kritisch zu betrachten, sagt die Verwaltung, da es komplexe Sachver- halte auf simple Kausalketten und letztlich auf eindimensionale Kennziffern reduziert. Alle Städte und Länder benutzen Superlative und möchten Nummer 1 sein. Aber wa- rum eigentlich? Die Dänen werden wieder und wieder als die glücklichsten Menschen bezeichnet. Das mag auch richtig sein. Wir haben aber auch viele unglückliche Dänen. Noma in Kopenhagen mag das beste Restaurant der Welt sein, aber auch unglaublich teuer. Wir bezahlen in Dänemark die höchsten Steuern in der Welt. Wir haben keine Krankenversicherung. Bildung und Gesundheitswesen sind kostenfrei. Komplexe Sach- verhalte kann man nicht zur eindimensionalen Kennziffer reduzieren. Jede Stadt muss sich auf seine eigene Identität und Dynamik konzentrieren und seine eigenen Stärken und Schwächen analysieren. Neuschwanstein ist kreativ und faszinierend, aber ist schon gebaut. Das brauchen wir in Karlsruhe nicht zu kopieren. Stadtrat Kalmbach (GfK): Allzu viel vergleichen macht krank. Sie wissen wie das ist, wenn Menschen sich ständig vergleichen. Das ist einfach ungesund. Wenn ich mich ständig vergleiche: bin ich besser, bin ich schlechter und ständig nach anderem aus- schaue. Ich sage, eine Stadt muss sehr genau wissen was sie ist und wer sie ist, damit sie das fördern kann, was stark ist. Es ist gewiss sinnvoll, an manchen Stellen zu verglei- chen und zu schauen, wo stehen die und wo stehen wir. Dieses ständige Vergleichen macht wirklich nicht glücklich, sondern eher unzufrieden. Dieses Tagesgeschäft, das uns in Rankings sozusagen gegeben wird, finde ich ungesund und krank, weil auch Ideen und Ideologien dahinter stehen. So ein Ranking ist nicht objektiv, sondern es sind ge- wisse Interessen dahinter verborgen. Die werden uns nicht offen gesagt. Offen gesagt, verstehe ich es auch nicht, warum wir das hier diskutieren, was die geheime Agenda der Stadtverwaltung an dieser Stelle ist, warum wir das hier diskutieren. Auf jeden Fall möchte ich dazu ermutigen, dass Karlsruhe eben Karlsruhe ist. Mich stört es, dass man da schon wieder Mannheim und Stuttgart drin hat. Wir sollten uns verbieten, uns mit Stuttgart zu vergleichen. Wir sollten uns verbieten, uns mit Mannheim zu vergleichen. Wir sind Karlsruhe, eine schöne Stadt in Baden-Württemberg. Stadtrat Wenzel (FW): Aus meiner Erfahrung weiß ich: Rankings sind dazu da zu se- hen, wie andere einen sehen oder platzieren. Sie sind nicht Ausdruck der eigenen Leis- tung und müssen es nicht sein. Was wir schaffen, beweisen wir selbst. Trotzdem kön- nen sie Leitfaden und Orientierung sein im Vergleich. Da widerspreche ich meinem Kol- legen Kalmbach. Das eine oder andere ich schon gut zu vergleichen. Den einen oder anderen Punkt dieses Rankings können wir kritisch oder positiv betrachten. Kritisch, da es hier einige gesagt haben, möchte ich das Thema Lebensqualität sehen. Es ist schade, wenn wir als Stadt sehr weit unten sind. Das Thema Straftaten sollte man nicht einfach wegwischen. Sie sind da, man sollte denen auch entgegen wirken. Der Immobilien- markt bekümmert mich, denn da wird gerankt. Das sagt mal wieder, was ein Ranking ist: Je knapper und je teurer der Markt ist, desto besser. Das ist ein bisschen widersin- nig, denn wir versuchen ja alles, um diesen Markt zu verbessern. - 7 - Trotzdem möchte ich mir ein kleines Späßchen erlauben, mal auf ein anderes Ranking zu gucken, wo wir Platz 3 belegen. Es steht zwar nicht da drauf, aber es das Ranking der Stauhöllen. Auch das lehrt uns, wir können hier auch nur besser werden. Nehmen wir alles nicht so ernst, denn wir tun gute Arbeit und werden das eine oder andere noch besser machen. Der Vorsitzende: Zum Stauranking möchte ich natürlich anmerken, dass das mit den Autobahnen drum herum zu tun hat und keine Messung der Staus in der Stadt ist. Das zu diesem Merkmal. Herr Kalmbach, Sie haben gefragt, was die Stadtverwaltung umtreibt. Mich treibt um, dass es permanent irgendwelche Rankings gibt. Wenn man sich durch die Online- Medien switcht, dann kann man fast jede Woche oder alle zwei Wochen ein neues Ranking finden. Ich habe das Amt für Stadtentwicklung gebeten, dass wir alle diese Rankings versuchen wahrzunehmen, auch mal uns zu erklären, wie wir von außen ge- sehen werden - Herr Wenzel hat dazu etwas gesagt -, weil es letztlich doch Benchmarks sind, die im bundesrepublikanischen Vergleich von Menschen wahrgenommen werden, unabhängig davon, ob wir die für sinnvoll halten oder nicht. Insofern ist es sinnvoll, ein bisschen zu wissen, wie andere über uns denken, wenn sie sich an solchen Rankings orientieren, was andere überhaupt für Auswahlkriterien für solche Rankings anlegen. Da ist hier sehr viel Kritisches zum Thema Lebensqualität gesagt worden, das wird auch in der Vorlage deutlich, und dass wir auch ausgewählte Rankings durchaus mal mitei- nander diskutieren, damit auch Sie von unserem Recherchergebnissen profitieren kön- nen. Ich nehme gerne den Vorschlag von ihnen auf, Herr Dr. Heilgeist, dass wir das noch mal im Hauptausschuss aufrufen, dort noch mal die einzelnen Punkte durchgehen und dann entscheiden, sollte das beispielsweise bei der Kindergartenbedarfsplanung noch mal in einen Vergleich mit rein, so wie das üblicherweise ist oder was können wir im Haupt- ausschuss miteinander schon mal abschließend klären. Ich würde Sie auch bitten, uns den Hinweis zu geben auf dieses Ranking, aus dem Sie zitiert haben, damit wir das schon mal ein bisschen betrachten können. Insgesamt möchte ich mich beim Amt für Stadtentwicklung für diese Analyse ganz herz- lich bedanken. Es ist manchmal nicht so schwer zu den Ergebnissen etwas zu sagen, wenn man weiß, wie sie zustande kommen, aber es ist manchmal nicht so einfach her- auszufinden, wie sie zustande gekommen sind. Das ist oft eine mühsamere Recherche, als es im ersten Moment erscheinen mag. Damit können wir den Tagesordnungspunkt 4 verlassen und legen das noch einmal im Hauptausschuss auf. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 7. Juni 2016