Eschentriebsterben in Karlsruhe
| Vorlage: | 2016/0177 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 14.04.2016 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 31.05.2016
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Renate Rastätter (GRÜNE) Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadtrat Johannes Honné (GRÜNE) Stadträtin Zoe Mayer (GRÜNE) vom 12. April 2016 Vorlage Nr.: 2016/0177 Verantwortlich: Dez. 6 Eschentriebsterben in Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 31.05.2016 13 x 1. Wie hoch ist Anfang 2016 der Anteil der Eschen an den Karlsruher Straßen- und Park- bäumen sowie in den Wäldern auf Karlsruher Gemarkung (Stadt- und Landesbesitz)? Der Anteil an Eschen am Straßenbaumbestand beträgt ca. 5 %. Der Anteil an Eschen am Baumbestand in Grün- und Parkanlagen beträgt ca. 4 %. Der Anteil der Esche beträgt im Staatswald ca. 5%, im Stadtwald ca. 13 %. 2. An welchen Standorten besteht noch eine hohe Dichte an Eschen auf Karlsruher Ge- markung? Die meisten Eschen befinden sich in den Wäldern der Rheinaue und in den Bruchwäldern der Kinzig-Murg-Rinne. 3. In welcher prozentualen Größenordnung sind Eschen in den letzten Jahren aufgrund von Pilzbefall (Chalara fraxinea) gefällt worden, aufgeschlüsselt nach Eschen in Park- anlagen und an Straßen sowie in den Wäldern? Im Baumbestand an Straßen, wie auch in Grün- und Parkanlagen wird das Eschentriebsterben statistisch nicht als separate Fällursache erfasst. Dies ist darin begründet, dass es sich um eine für diese Standorte marginal relevante Erkrankung handelt. Schätzungsweise beziffern die Verantwortlichen in der Baumpflege des Gartenbauamtes den Bestand an von Eschentrieb- sterben betroffenen Bäumen auf unter ein Prozent. Der Anteil der aufgrund von Pilzbefall gefällten Eschen in Wäldern lag 2014 bei rund 13 %, 2015 und 2016 stieg der Anteil auf rund 80% der gesamten Eschenholzernte an. 4. Von welchem Anteil erkrankter Eschen muss derzeit an Straßen und in Parks sowie in den Wäldern ausgegangen werden? Schätzungsweise beziffern die Verantwortlichen in der Baumpflege des Gartenbauamtes den Bestand an von Eschentriebsterben betroffenen Bäumen im Straßenbaumbestand, wie auch in Grün- und Parkanlagen auf unter ein Prozent. Eine separate statistische Erfassung findet auf- grund dieser geringen Werte und der niedrigen Relevanz für die Verkehrssicherheit bei ohne- hin stattfindender regelmäßiger Baumkontrolle nicht statt. Diese Pilzerkrankung wird mit an- deren Pilzerkrankungen subsummiert und ist daher nicht differenziert zu beziffern. Seite 2 Im Wald sind inzwischen nach Schätzung der Revierleiter des Forstamtes 80-90% der Eschen befallen. Alle Altersstufen sind betroffen. 5. Wie sieht die Prognose für die Entwicklung des Eschenbestands in Karlsruhe für die nächsten zehn Jahre aus? Für die Straßenbäume, wie auch die Eschen in Grün- und Parkanlagen geht das Gartenbauamt davon aus, dass keine wesentlichen Beeinträchtigungen oder Veränderungen im Eschenbe- stand eintreten werden. Sollten sich in den kommenden Jahren Veränderungen einstellen, werden diese zu gegebener Zeit bewertet. Für Waldflächen gilt: Untersuchungsergebnisse der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA) ergaben, dass etwa ein Drittel der Eschen relativ rasch absterben werden. Ein kleiner Prozentsatz gilt als (weitge- hend) resistent. Im Moment sind ca. 7% des landesweiten Eschenvorrats noch gesund. Der Be- stand in Karlsruhe wird vermutlich etwas stärker zurückgehen als im Landesdurchschnitt, da die Befallsintensität in Überflutungsbereichen (Auen- und Bruchwäldern) am stärksten ist. Aufgrund des hohen Ausfallrisikos werden derzeit keine Eschenkulturen begründet. Wenn sich die Esche natürlich verjüngt, werden vorhandene Mischbaumarten verstärkt gefördert bzw. zusätzlich gepflanzt, um reine Eschenbestände zu vermeiden. Wenn komplette Eschenbestän- de ausfallen, werden die entstehenden Freiflächen mit Eichen und weiteren für den jeweiligen Standort geeigneten Laubbaumarten aufgeforstet. 6. Werden noch gesunde sowie im Anfangsstadium erkrankte Eschen stehen gelassen als Chance für eine Resistenzbildung? Wie werden die Chancen dafür derzeit beur- teilt? Die Chancen für eine Resistenzbildung lassen sich aktuell nicht seriös beurteilen. Hier sind et- waige zukünftige Forschungsergebnisse sowie die Entwicklung abzuwarten. Im Straßenbaumbestand sowie in Grün- und Parkanlagen werden erkrankte Eschen belassen, so lange sie nicht aus Gründen der Verkehrssicherheit entnommen werden müssen oder die Vitalität soweit herabgesetzt ist, dass mit einem zeitnahen vollständigen Absterben zu rechnen ist. Für Waldflächen gilt: Künftig werden gesunde Eschen erhalten. Erkrankte Eschenbestände werden beobachtet und im Sommer begutachtet, um die Vitalität besser beurteilen zu können. Kranke Eschen werden erst dann entnommen, wenn der Blatt- verlust 75% übersteigt und keine Aussicht auf Regeneration mehr besteht. Bisher konnte nicht beobachtet werden, dass sich befallene Eschen erholen. 7. Gibt es aktuelle Forschungsprojekte für den Erhalt der Eschen, an denen sich die Stadt Karlsruhe bzw. das Forstamt Karlsruhe beteiligt oder beteiligen könnte? Im Moment sind weder dem Gartenbauamt, noch dem Forstamt Forschungsprojekte bekannt, bei denen eine konkrete Beteiligung gefragt wäre. Die Forstliche Versuchsanstalt Freiburg forscht am Thema Eschentriebsterben. Das Forstamt liefert Daten für den landesweiten Waldzustandsbericht.
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Extrahierter Text
Stadt Karlsruhe Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Renate Rastätter (GRÜNE) Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadtrat Johannes Honné (GRÜNE) Stadträtin Zoe Mayer (GRÜNE) vom 12. April 2016 Vorlage Nr.: 2016/0177 Eschentriebsterben in Karlsruhe Gremium Termin TOP ö nö Gemeinderat 31.05.2016 13 x 1. Wie hoch ist Anfang 2016 der Anteil der Eschen an den Karlsruher Straßen- und Parkbäumen sowie in den Wäldern auf Karlsruher Gemarkung (Stadt- und Landesbesitz)? 2. An welchen Standorten besteht noch eine hohe Dichte an Eschen auf Karlsruher Gemarkung? 3. In welcher prozentualen Größenordnung sind Eschen in den letzten Jahren aufgrund von Pilzbe- fall (Chalara fraxinea) gefällt worden, aufgeschlüsselt nach Eschen in Parkanlagen und an Straßen sowie in den Wäldern? 4. Von welchem Anteil erkrankter Eschen muss derzeit an Straßen und in Parks sowie in den Wäl- dern ausgegangen werden? 5. Wie sieht die Prognose für die Entwicklung des Eschenbestands in Karlsruhe für die nächsten zehn Jahre aus? 6. Werden noch gesunde sowie im Anfangsstadium erkrankte Eschen stehen gelassen als Chance für eine Resistenzbildung? Wie werden die Chancen dafür derzeit beurteilt? 7. Gibt es aktuelle Forschungsprojekte für den Erhalt der Eschen, an denen sich die Stadt Karlsruhe bzw. das Forstamt Karlsruhe beteiligt oder beteiligen könnte? Seit rund 20 Jahren bedroht das Eschentriebsterben eine einheimische Baumart, die wegen ihrer Schönheit und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung beliebt und in ganz Mitteleuropa verbreitet ist. Auslö- ser ist ein Pilz, der aus Ostasien eingeschleppt wurde. Zunächst werden die Triebspitzen befallen. Wenn die Laubkrone einen hohen Anteil ihrer Blätter verloren hat, werden die Äste brüchig. Der Blattverlust und die Astbrüche beschleunigen sich und die Krankheit schreitet voran bis die Eschen völlig kahl sind und absterben. Auch die einheimischen Hallimaschpilzarten tragen offenbar zum Eschensterben bei. Es wird deshalb vermutet, dass das Eschensterben auch eine Folge des Klimawandels ist. Das zunehmend feuchte und warme Klima begünstigt die Ausbreitung und die Angriffe der Pilze auf die Wurzeln, die Blätter und die Rinde der Bäume. Da es in Karlsruhe viele Eschen an Straßen und in Parkanlagen sowie in den Karlsruher Wäldern gibt, vor allem in den Auenwäldern, soll mit unserer Anfrage geklärt werden, wie der Zustand der Eschen auf dem gesamten Stadtgebiet ist und von welcher Entwicklung die Stadtverwaltung und der Forst ausgehen. Sachverhalt / Begründung: Seite 2 Wie der Landesnaturschutzverband aktuell fordert, sollen keine Eschenkahlschläge durchgeführt wer- den. Außer bei einer Gefährdung der Verkehrssicherheit sollen erkrankte Bäume erhalten bleiben. Dadurch erhofft man sich die Bildung von resistenten Bäumen. Wie sich in Polen und in den skandina- vischen Ländern gezeigt hat, gibt es erste resistente Eschen. Bislang hat die Forschung noch keine Erkenntnisse geliefert, um das Eschentriebsterben aufzuhalten. Trotzdem wird intensiv weiterge- forscht. Denn nicht nur aus ökologischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht wäre das Ver- schwinden der Esche aus Mitteleuropa ein großer Verlust. Eschenholz ist für die Möbelindustrie schon seit Jahrhunderten ein wichtiges Holz, denn es ist trotz seiner Massivität flexibel. So werden auch Sportgeräte, die eine hohe Biegsamkeit erfordern, wie das z.B. bei Bögen der Fall ist, meist aus Eschenholz gefertigt. Deshalb sollen sich die Stadt Karlsruhe und der Forst an allen Maßnahmen und Projekten beteiligen, mit denen dem Eschensterben entgegen gewirkt werden kann. unterzeichnet von: Renate Rastätter Bettina Lisbach Johannes Honné Zoe Mayer
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 24. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 31. Mai 2016, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 13. Punkt 13 der Tagesordnung: Eschentriebsterben in Karlsruhe Anfrage der Stadträtinnen und Stadträte Renate Rastätter, Bettina Lisbach, Johannes Honné und Zoe Mayer (GRÜNE) vom 12. April 2016 Vorlage: 2016/0177 Beschluss: Einverstanden mit Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 13 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 10. Juni 2016