Kindgerechte pädagogische Ausgestaltung der Ganztagsgrundschulen in Karlsruhe (Rhythmisierung)
| Vorlage: | 2015/0687 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 18.11.2015 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 26.01.2016
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mit Stellungnahme einverstanden
Zusätzliche Dateien
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANTRAG Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträte Renate Rastätter (GRÜNE) Stadträtin Daniela Reiff (GRÜNE) Stadtrat Alexander Geiger (GRÜNE) GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 11. November 2015 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 20. Plenarsitzung Gemeinderat 26.01.2016 2015/0687 17 öffentlich Kindgerechte pädagogische Ausgestaltung der Ganztagsgrundschulen in Karlsruhe (Rhythmisierung) 1. Die Stadtverwaltung erstellt eine Bestandsaufnahme, an welchen Ganztagsgrundschulen in der Wahlform gemischte Klassen von Halbtagskindern und Ganztagskindern im Schul- jahr 2015/2016 eingerichtet sind und an welchen Ganztagsgrundschulen eigenständige Ganztagszüge bestehen. 2. Die Stadtverwaltung entwickelt eine Konzeption, wie beim weiteren Ausbau der Ganz- tagsgrundschulen in der Wahlform für alle Ganztagsgrundschulen eine Trennung in ei- genständige Ganztagszüge und Halbtagszüge erreicht werden kann. 3. Mit dieser Konzeption soll das Wahlangebot für die Eltern von Grundschulkindern künf- tig pädagogisch klarer mit folgenden Bausteinen profiliert werden: verbindliche Ganztagsgrundschulen mit einer Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler am Ganztag eigenständige Ganztagszüge und Halbtagszüge an Ganztagsgrundschulen in der Wahlform Halbtagsgrundschulen ergänzt durch freiwillige Betreuungsangebote oder Hort. 4. Die Stadtverwaltung ermuntert Ganztagsgrundschulen, neben den bisher schon prakti- zierten Kooperationen mit Verbänden für pädagogische Angebote sowie Angebote zu besonderen Thematiken (u. a. Kultur, Sport, Natur- und Umweltschutz) von der Moneta- risierung Gebrauch zu machen. Mit der Fortschreibung der Rahmenkonzeption und Richtlinie der Stadt Karlsruhe zur Förderung von „Ganztagsangeboten für Grundschulkinder“ hat die Stadtverwaltung auf die gesetzliche Verankerung der Ganztagsgrundschule der grün-roten Landesregierung reagiert. Die Entwick- lung der Karlsruher Ganztagsgrundschulen ist somit auch weiterhin auf einem guten Weg. Wir GRÜNE begrüßen es, dass zusätzlich zu den 12 Lehrerstunden pro Ganztagsklasse, die das Land gewährt, Stadtverwaltung und Gemeinderat weiterhin an einer zusätzlichen pädagogischen Fachkraft pro Klasse von 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr festhalten und ein additives Betreuungsange- bot bis 17.30 Uhr gebucht werden kann. Ergänzend zur Rahmenkonzeption besteht noch ein Handlungsbedarf bei der pädagogischen Ausgestaltung der Ganztagsgrundschule. Kinder in der Halbtagsschule haben in der Regel ihr gesamtes Unterrichtsangebot am Vormittag. Kinder der Ganztagsgrundschule brauchen eine andere Tagesstruktur. Die Rhythmisierung des Schultags bedeutet, dass sich Phasen der An- Sachverhalt / Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ spannung und Entspannung altersgemäß abwechseln und somit Unterrichtsanteile, Freizeitan- gebote und ergänzende Bildungsangebote sowie Übungsphasen altersgemäß über den ganzen Schultag verteilen. Dabei kann auch Monetarisierung, d. h. die Umwandlung einer Lehrerstunde (möglich sind maximal sechs pro Ganztagsklasse) in Mittel für besondere pädagogische Angebo- te in Anspruch genommen werden. Bei Klassen, die gemischt aus Ganztags- und Halbtagskindern zusammengesetzt sind, muss das gesamte Unterrichtsangebot auf den Vormittag konzentriert und die ergänzenden Angebote auf den Nachmittag gelegt werden. Das Prinzip „vormittags Unterricht und nachmittags Betreuung“ widerspricht aber den pädagogischen Qualitätsstandards der Ganztagsschule sowie den gesetz- lichen Anforderungen. Nur in den verbindlichen Ganztagsgrundschulen (sowie Gemeinschafts- schulen) ist es derzeit sichergestellt, dass die pädagogische Rhythmisierung verlässlich umgesetzt wird. Wir GRÜNE wissen, dass die Karlsruher Ganztagsgrundschulen mit gemischten Klassen engagiert versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Einige Schulen erreichen durch einen ver- bindlichen Nachmittag für alle Kinder zumindest eine teilweise Rhythmisierung. Viele betroffene Ganztagsgrundschulen wünschen sich eigenständige Halb- und Ganztagszüge oder eine ver- bindliche Ganztagsgrundschule für alle Kinder. Dies scheitert heute noch häufig daran, dass die separate Klassenbildung wegen der nicht passgenauen Anmeldungszahlen misslingt. Zweifelsohne sind beim derzeitigen rasanten Ausbau der Ganztagsgrundschulen in der Wahl- form gemischte Klassen nicht völlig zu vermeiden. Dennoch muss jetzt mit strategischen und konzeptionellen Überlegungen begonnen werden, Lösungen zu entwickeln, wie künftig separa- te Ganz- und Halbtagszüge erreicht werden. Die Attraktivität und Akzeptanz der Ganztagsgrundschule wird künftig entscheidend davon ab- hängen, ob die Eltern zuverlässig erkennen können, dass da, wo Ganztagsschule drauf steht, auch Ganztagsschule drin ist. Der Gesamtelternbeirat der Stadt Karlsruhe verfolgt ebenfalls die- ses Ziel. Die Stadt Stuttgart ist bereits auf dem Weg, gemischte Klassen zu überwinden. Es gibt dazu einen Gemeinderatsbeschluss. Für die echte Wahlfreiheit der Eltern ist es aus Sicht der Grünen notwendig, dass die Angebots- struktur der Ganztagsgrundschulen geschärft und profiliert wird. Eltern müssen künftig entwe- der eine verbindliche Ganztagsgrundschule für alle Kinder, eine Ganztagsgrundschule in der Wahlform mit eigenständigen Ganztagszügen oder eine Halbtagsgrundschule ergänzt durch freiwillige Nachmittagsangebote an Standorten ohne Ganztagsgrundschule wählen können. unterzeichnet von: Bettina Lisbach Renate Rastätter Daniela Reiff Alexander Geiger
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom: 11.11.2015 eingegangen: 11.11.2015 Gremium: 20. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 26.01.2016 2015/0687 17 öffentlich Dez. 3 Kindgerechte pädagogische Ausgestaltung der Ganztagsgrundschulen in Karlsruhe (Rhythmisierung) - Kurzfassung - Die Verwaltung wird eine Bestandsaufnahme erstellen und die entsprechenden Gespräche füh- ren. Finanzielle Auswirkungen des Antrages nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel (bitte auswählen) Kontierungsobjekt: (bitte auswählen) Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Sozialer Zusammenhalt und Bildung Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Die Stadtverwaltung erstellt eine Bestandsaufnahme an welchen Ganztagsgrund- schulen in der Wahlform gemischte Klassen von Halbtagskindern und Ganztags- kindern im Schuljahr 2015/2016 eingerichtet sind und an welchen Ganztagsgrund- schulen eigenständige Ganztagszüge bestehen. Die Stadtverwaltung wird in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Karlsruhe eine Be- standsaufnahme erstellen und diese im Schulbeirat vorstellen. 2. Die Stadtverwaltung entwickelt eine Konzeption, wie beim weiteren Ausbau der Ganztagsgrundschulen in der Wahlform für alle Ganztagsgrundschulen eine Tren- nung in eigenständige Ganztagszüge und Halbtagszüge erreicht werden kann. 3. Mit dieser Konzeption soll das Wahlangebot für die Eltern von Grundschulkindern künftig pädagogisch klarer mit folgenden Bausteinen profiliert werden: verbindliche Ganztagsgrundschulen mit einer Teilnahme aller Schülerinnen und Schüler am Ganztag eigenständige Ganztagszüge und Halbtagszüge an Ganztagsgrundschulen in der Wahlform Halbtagsgrundschulen ergänzt durch freiwillige Betreuungsangebote oder Hort. Die Stadtverwaltung wird die Thematik aufgreifen und mit dem Staatlichen Schulamt be- sprechen. Um gegebenenfalls eine entsprechende Konzeption entwickeln zu können, muss zunächst geprüft werden, inwieweit rechtliche Vorgaben und sonstige Rahmenbedingun- gen, wie pädagogische Aspekte, Klassenteiler und Lehrerstundenzuweisungen dem entge- genstehen. 4. Die Stadtverwaltung ermuntert Ganztagsgrundschulen, neben den bisher schon praktizierten Kooperationen mit Verbänden für pädagogische Angebote sowie Angebote zu besonderen Thematiken (u. a. Kultur, Sport, Natur- und Umwelt- schutz) von der Monetarisierung Gebrauch zu machen. Die am 15. Dezember 2015 beschlossene 1. Fortschreibung der Rahmenkonzeption und Richtlinie „Ganztagsangebote für Grundschulkinder“ sieht grundsätzlich keine Monetarisie- rung von Lehrerwochenstunden vor, da der Schwerpunkt der Ganztagsangebote der Ganz- tagsschule auf dem Bereich Bildung liegt und die Lehrerinnen und Lehrer dabei die zentrale Rolle einnehmen. In Einzelfällen ist eine Monetarisierung jedoch denkbar. Die Thematik wird mit den Ganztagsgrundschulen erörtert.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 20. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 26. Januar 2016, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 18. Punkt 17 der Tagesordnung: Kindgerechte pädagogische Ausgestaltung der Ganztagsgrundschulen in Karlsruhe (Rhythmisierung) Antrag der Stadträtinnen Bettina Lisbach, Renate Rastätter und Daniela Reiff, des Stadtrats Alexander Geiger (GRÜNE) sowie der GRÜNE- Gemeinderatsfraktion vom 11. November 2015 Vorlage: 2015/0687 Beschluss: Zustimmung zur der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 17 zur Behandlung auf und verweist auf die vorliegende Stellungnahme der Verwaltung. Stadträtin Rastätter (GRÜNE): Mit dem vorliegenden Antrag von uns wird keine Kritik an der Rahmenkonzeption für die Ganztagsgrundschule geübt. Im Gegenteil, wir ste- hen zu dieser Rahmenkonzeption des Ausbaus der Grundschulen und vor allem auch zu dem Element, dass wir hier zusätzliches pädagogisches Personal in die Ganztagsgrund- schulen hinein geben. Der Ausbau der Ganztagsgrundschulen erfolgt mittlerweile sehr schnell, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass die Ganztagesgrundschule im Schulgesetz verankert wurde. Nach gefühlten 30 Jahren Schulversuch haben wir endlich eine verlässliche Grundlage für die Ganztagesgrundschule in Baden-Württemberg. Nun ist es so, dass wir durch diese gesetzliche Verankerung auf der einen Seite sehr viel mehr pädagogische Lehrerstunden in die Ganztagesgrundschulen bekommen. Auf der anderen Seite werden aber auch die pädagogischen Qualitätsstandards in den Ganzta- gesgrundschulen verbindlich vorgeschrieben. Das wichtigste Element dieser pädagogi- schen Qualitätssicherung der Ganztagesgrundschule ist die vorgegebene Rhythmisie- rung, d. h. die kindgerechte pädagogische Ausgestaltung des Schultags mit Phasen der Entspannung, Phasen der Anspannung, mit Freizeitmodulen, mit erweiterten Bildungs- angeboten, alles kindgerecht rhythmisiert. - 2 - Bei diesem Ausbau sehen wir, dass an einzelnen Schulen sogenannte gemischte Klassen im Ganztagsbereich eingerichtet werden, d. h., die Kinder besuchen gemeinsam den Vormittag. Kinder, die den Halbtag besuchen, gehen dann nach Hause, und die Kinder, die den Ganztag besuchen, bleiben an der Schule. Damit aber werden dieses Prinzip und die verbindliche Vorgabe des Landes nicht optimal umgesetzt, denn es ist im Prin- zip dann wie früher. Vormittags findet Unterricht statt und nachmittags Betreuungsan- gebote. Damit ist diese Vorgabe des Landes nicht erfüllt. Es gibt Grundschulen, die versuchen eine Teilrhythmisierung zu machen. Die Lehrkräfte sind sehr stark engagiert, machen den Ganztag gerne. Aber bei den Schulen, bei denen ich angerufen habe, habe ich immer gehört, man hätte es lieber, wenn man einzelne Züge hätte und könnte mit denen die Rhythmisierung durchführen, und nicht mit dieser Mischform. Wenn wir an die ganz frühen Ganztagsschulen in Karlsruhe zurückdenken, die Alter- lassschulen, wie z. B. die Ernst-Reuter-Schule, da waren das immer separate Züge. Dann konnten auch diese Konzepte damals schon gut umgesetzt werden. Es ist für uns ein wichtiges Ziel, dass wir jetzt Perspektiven entwickeln, wie wir ganze Züge an den Schu- len hinbekommen. Ich will ein paar Beispiele nennen. Es gibt ein paar Grundschulen, die das so umsetzen können, weil sie diese günstigen Bedingungen haben. Ich habe z. B. auch in Durlach bei der Pestalozzischule angerufen. Als ich gefragt habe, haben Sie Mischklassen, war die Reaktion: Gott sei Dank nicht. Auch andere Schulleiterinnen und Schulleiter wünschen sich die Züge. Es gibt natürlich kein Patentrezept. Aber wir müssen uns bemühen, diese Situation zu ändern. Denn die Eltern – das merken wir jetzt zunehmend beim schnellen Ausbau der Ganztagsgrundschule – schauen jetzt auch genauer hin. Ist da auch Ganztagschule drin, wo Ganztagsschule drauf steht? Dann schauen die Eltern auch darauf und versuchen herauszufinden: Gibt es dann einen Mehrwert dieser Ganztagschule im Gegensatz zu beispielsweise dem Hort? Auch von daher ist jetzt diese Situation, dass wir die Misch- klassen haben, in gewisser Weise eine Achillesferse für unseren Ganztagesausbau. Ich habe selber im Augenblick kein Patentrezept. Aber insoweit begrüße ich es natür- lich, dass die Stadtverwaltung auf den Antrag geantwortet hat, dass sie sich mit dem Staatlichen Schulamt in Verbindung setzen will und dass die Möglichkeiten ausgelotet werden, die natürlich auch die rechtlichen Grundlagen, den Klassenteiler und solche Faktoren mitberücksichtigen. Perspektivisch schlagen wir Grünen folgende Lösung vor, die angestrebt werden sollte, dass wir auf der einen Seite dort verbindliche Ganztagesgrundschulen haben, wo der Bedarf dafür sehr hoch ist, denn da kann optimal und dauerhaft das pädagogische Konzept der Rhythmisierung sehr gut umgesetzt werden, dass wir dann die Wahlform Ganztagsschule haben, wo der Bedarf durchwachsen ist, dass aber dann Lösungen entwickelt werden, damit wir zumindest verbindliche Züge haben. Das andere ist für das Wahlangebot der Eltern der Fortbestand der Halbtagsgrundschulen mit dem ergän- - 3 - zenden Hort. Dann hätten wir eine runde Sache: bedarfsgerecht, familiengerecht, den Lebensentwürfen von Familien und ihren Wünschen entsprechend. Wir sind hier auf einem guten Weg. Das möchte ich betonen. Aber natürlich ist ein Pa- radigmenwechsel zu einer Ganztagsschule eine Sache, die nicht in fünf oder zehn Jah- ren erfolgt. Das ist eine Entwicklungsaufgabe, ähnlich wie die Inklusion. Das ist auch eine Entwicklungsaufgabe, die nicht von heute auf morgen zu stemmen ist. Damit kön- nen wir weitermachen. Deshalb haben wir diesen Antrag hier eingebracht, damit wir konsequent an dieser Entwicklung weiterarbeiten, mit Blick auf eine gute, differenzierte Bildungslandschaft im Ganztagsschulbereich. Ich möchte aber noch einen weiteren Punkt, der im Antrag enthalten war, erwähnen, die Monetarisierung. Es steht in der Antwort der Stadtverwaltung, dass sie so nicht vor- gesehen ist in der Rahmenkonzeption. Im Prinzip hat die Stadt nichts dazu zu sagen, denn die Monetarisierung ist eine Zuständigkeit, die einzig und allein die Schule treffen kann. Weder die Schulverwaltung hat eine Möglichkeit, hier reinzureden, noch die Stadt. Aber natürlich wird keine Schule monetarisieren, wenn das nicht auch im Kon- sens mit der Stadtverwaltung erfolgen würde oder auch mit unseren Gremien. Das ist die Umwandlung - für die, die es nicht wissen. Die Schulen können bis zu sechs Lehrer- stunden in Mittel umwandeln und können dann externe qualifizierte Lehrbeauftragte miteinbeziehen. Vor allem im kulturellen Bereich wäre das eine tolle Geschichte für die Schulen. Wir machen auch solche Angebote mit städtischen Mitteln. Aber hier könnten wir sie kostenneutral machen für die Schulen. Weder das Land noch die Stadt müssten mehr dafür bezahlen. Ich empfehle eine gewisse Offenheit. Ich freue mich deshalb, dass in der Antwort steht, dass das im Einzelfall auch ab sofort denkbar ist, und dass die Stadtverwaltung das Thema mit den Ganztagsgrundschulen besprechen möchte. Das begrüße ich sehr. Da- mit bin ich grundsätzlich mit der Antwort der Stadtverwaltung einverstanden und hoffe, dass wir dadurch etwas ins Rollen gebracht haben, was uns unterstützt, die Entwick- lung noch zielorientierter fortzusetzen. Stadträtin Meier-Augenstein (CDU): Die Kollegin Rastätter hat jetzt schon ausführ- lich Stellung genommen. Insofern versuche ich, es etwas kürzer zu machen. Ich kann für meine Fraktion sagen, dass die beantragte Bestandsaufnahme an den Schulen auch in unserem Sinne ist. Wir haben in den letzten Jahren viele Schulen auf den Ganztags- betrieb umgestellt. Jetzt ist es wichtig zu wissen, wie die Eltern sich tatsächlich bei der Schulform entschieden haben, und auch genaue Informationen darüber zu erhalten, wo Mischformen existieren und natürlich auch, wenn möglich, warum dort Mischformen existieren. Denn da gibt es vielleicht auch Unterschiede von der einen zu anderen Schu- le. Es ist richtig, dass leider die Rhythmisierung in vielen Fällen nicht funktioniert, und dass auch viele Eltern nicht ganz zufrieden sind, weil sie sich etwas anderes vorgestellt ha- ben. Das hat die Kollegin auch schon angesprochen. Ist da auch die Ganztagsschule drin, wo Ganztagsschule drauf steht? Insofern müssen wir uns damit beschäftigen, das ist ganz klar. - 4 - Die Umsetzung des pädagogischen Konzeptes wäre natürlich wünschenswert. Aber das ist ganz klar eine finanzielle Frage. Da geht es auch um Raumausstattung für die Rhythmisierung, gerade auch mit besonderen Angeboten, auch Ruhezonen, die dann möglich sein müssen. Da muss man auch von den baulichen Gegebenheiten schauen, ob das überhaupt möglich ist. Ich möchte noch etwas zur Kooperation mit den Vereinen und den Ganztagsklassen sagen. Das hört sich auf den ersten Blick immer sehr schön an, wenn jeden Tag ein an- derer Verein in die Schule kommt und der Klasse etwas anbietet. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es gerade für die neuen Grundschulkinder – 1. oder 2. Klasse – unheim- lich schwierig ist, wenn sie jeden Tag eine andere Betreuung am Nachmittag oder eine andere Bezugsperson haben, weil jeden Tag ein anderer Verein kommt; heute kommt der Sportverein, morgen kommt die Kultur oder die Kunstwerkstatt. Die brauchen ihre festen Bezugspersonen. Auch da müssen wir aufpassen, dass wir die Kinder nicht über- fordern. Wir sind damit einverstanden, dass wir das im Schulbeirat, sobald uns diese Bestands- auswertung vorliegt, noch einmal ausführlich diskutieren. Ich darf zum Abschluss – wie jedes Mal für meine Fraktion – sagen, dass es uns ganz wichtig ist, dass die Eltern wei- terhin in unserer Stadt die Wahlfreiheit haben und dass wir auch schauen, dass wir ne- ben den Ganztagsschulen, die wir bilden, auch noch genügend freiwillige Angebote anbieten, auch mit Schülerhorten und ergänzender Betreuung. Stadträtin Uysal (SPD): Die Ganztagsschulen sind eine qualifizierte Weiterentwicklung der Grundschulen. Auch Karlsruhe versucht, dieser Weiterentwicklung gerecht zu wer- den. Wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind, aber noch nicht am Ziel ange- kommen, weil wir noch einige Herausforderungen meistern müssen. Die grünen Kolle- gen haben mit diesem Antrag noch einmal klar gestellt, welchen Herausforderungen wir uns stellen müssen. Auch wir, die SPD, wünschen uns möglichst schnell eigenstän- dige Halb- und Ganztagszüge, weil wir nur so die Bedürfnisse der Schüler zu 100 % abdecken und die kindgerechte Rhythmisierung umsetzen können. Deshalb begrüßen wir diesen Antrag sehr. Durch das flexible Konzept der Ganztagsgrundschulen haben Schulen große Gestal- tungsräume erhalten, um den Schülerinnen und Schülern ein möglichst breites Angebot machen zu können. Man kann einen Teil der zusätzlichen Lehrerwochenstunden in Geldmittel umwandeln, wie Kollegin Rastätter schon erwähnt hat. Damit kann man au- ßerschulische Partner, wie etwa von Musikschulen oder Sportvereinen, aber auch Ein- zelpersonen finanzieren. Wir sehen diese Kooperation als eine Chance, denn die Verei- ne und Schulen profitieren davon. Man sollte auch die positive Seite sehen. Die Option sollten wir, trotz dass der Schwerpunkt bei uns auf Bildung liegt, in der Rahmenkonzep- tion und den Richtlinien Ganztagsschulen für Grundschulkinder im Auge behalten und Schulen unterstützen, die Interesse an dieser Option haben. Wir freuen uns, dass dieses Thema weiterhin ein Thema bleibt und dass die Verwaltung uns darüber im zuständigen Ausschuss berichten wird. Wir sind gespannt auf die Mög- lichkeiten, auf die Ergebnisse und die möglichen Lösungen. - 5 - Stadtrat Wohlfeil (KULT): Auch von unserer Fraktion ganz klare Zustimmung zu den Punkten 1 – 3 des Antrags der Grünen, also der Trennung der Ganztags- und Halbtags- züge in den Grundschulen. Wir müssen uns für den Antrag bedanken, dass das Thema angesprochen wird, denn es brennt sicher einigen schon einige Zeit unter den Nägeln, ohne dass es bisher angesprochen wurde. Zur Monetarisierung hoffe ich doch, dass den Schulen klar ist, dass das in ihrer freien Verantwortung liegt. Von daher muss nichts weiter dazu gesagt werden. Wenn es den Schulen noch nicht klar ist, kann man sie dazu ermuntern. Aber ich hoffe doch, dass die Schulleiter das wissen. Ich möchte noch kurz auf zwei Punkte eingehen. Frau Meier-Augenstein, ich kann Ihre Kritik nicht teilen, dass, wenn an jedem Wochentag ein anderer Verein kommt, man dann keine feste Bezugsperson hätte. Auch ich habe in den Vereinen, in denen ich aktiv und auch nur einmal die Woche dort war, die Personen dort als feste Bezugspersonen erlebt. (Stadtrat Jooß (FDP): Aber nicht wechselnd!) Wenn es an einem Wochentag immer der gleiche Verein ist, ist es vollkommen in Ord- nung. Es muss nicht an allen fünf Wochentag immer derselbe Verein sein. Zum Thema, dass der Schwerpunkt Bildung ist: Auch ehrenamtliche Vereinsarbeit ist Bildung. Das ist außerschulische Bildung. Die Leute bilden in dem Bereich, in dem die Vereine aktiv sind. Sie sind enorm engagiert und machen das mit einer Begeisterung, die gerade wichtig ist, um den Schülern klar zu machen, dass es ein wichtiges Thema ist, mit dem es sich zu befassen lohnt, was im klassischen Schulunterricht viel zu kurz kommt. Von daher ist es eine sehr sinnvolle Ergänzung zum schulischen Unterricht und durchaus ein sehr wichtiger Bildungsaspekt. Stadtrat Jooß (FDP): Für uns als freie Demokraten steht ganz oben: Freiheit für alle Eltern und Schüler in der Wahl ihrer Schule. Regulierung durch die staatlichen Behörden wie Schulämter, sowohl städtische, als auch staatliche, lehnen wir ab. Wir wollen weni- ger Staat und nicht mehr Staat. Die Schulen sollen vor Ort entscheiden, was für sie gut und richtig ist. Wir wollen keine Bevormundung. Lange Wege vom Wohnort zur Schule lehnen wir ab, denn kurze Beine brauchen kurze Wege. Genau hier sehen wir die Gefahren durch neue Strukturen, wie sie in dem GRÜ- NEN-Antrag gefordert werden. Wenn auch grün-rot klar die Einheits- und Ganztags- schulen favorisiert, so gibt es doch auch Eltern, die für sich und ihre Kinder Freiheit und Freiraum bevorzugen, um den Nachmittag selbst gestalten zu können. Sie wollen für ihre Kinder Sport, Kultur, Erziehung und Betreuung eigenverantwortlich gestalten oder sie in Horten versorgt wissen. Dass die Wahlfreiheit selbst in einzügigen Schulen wie der Hans-Thoma-Schule hervor- ragend funktioniert, steht in dem neuesten Bürgerheft. Nach deren Modell ist der An- trag der Grünen unnötig wie ein Kropf, zumal sogar zwei Schüler von der Ganztags- schule zur Halbtagsschule gewechselt haben. - 6 - Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Auch wir danken den Grünen für diesen Antrag. Er ist so formuliert, dass wir keinen Änderungs- oder Ergänzungsantrag stellen mussten. Wir selbst hätten so einen Antrag nicht stellen können. Aber wenn wir es gekonnt hätten, hätten wir einen ähnlichen Antrag gestellt. Denn wir sehen das Problem der Ganztags- grundschule darin, dass das Konzept insgesamt vor dem finanziellen Hintergrund, auf dem es geplant ist, nicht funktionieren kann. Man braucht in Wirklichkeit viel mehr Leh- rer. Wir haben schon im Schulbeirat gehört, dass man für die Zeiten, in denen die Ver- eine die Kinder betreuen, auch Lehrer braucht, damit das Ganze funktioniert. Deswe- gen weiß ich auch nicht, wie es gehen soll, dass man auf der einen Seite zusätzliche Lehrer hat, aber dann gleichzeitig das Geld noch für andere Sachen ausgibt. Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Ich finde, in gewisser Weise gibt es auch die Motivation für diesen Antrag wieder, dass es einfach noch nicht richtig funktioniert. Was wir an diesem Antrag gut finden, ist, dass er das Problem anspricht, dass in vielen doppelzügigen Grundschulen die Kinder, die in die traditionelle Grundschule gehen, in die Vormittagsgrundschule, darunter leiden, dass sie an dem Angebot des Ganztagszu- ges zum Teil teilnehmen müssen. Wir haben auch schon Klagen von Eltern erhalten, die davon betroffen sind. Die sagen, wir wollen unsere Kinder nur morgens in der Schule haben und nachmittags wollen wir sie selber betreuen. Dann kommt auf einmal die Schulleitung und sagt, wir bekommen es anders nicht hin. Ihr Kind muss nach dem Mit- tagessen noch einmal kommen, muss noch einmal zwei Stunden mit den anderen ma- chen. Das kann es nicht sein. Denn dann ist es letztendlich keine traditionelle Grund- schule, sondern eine Ganztagsschule light. Deswegen vielen Dank, denn hier steht es auch drin: Eigenständige Ganztagszüge und Halbtagszüge an Ganztagsgrundschulen in Wahlform. Das heißt dann aber wirklich ei- genständig und auch für die, die ihre Kinder in die traditionelle Schule schicken, die Gewähr, dass das Kind nachmittags frei hat und nachmittags zuhause von der Groß- mutter oder von wem auch immer bei den Hausaufgaben betreut werden kann und dass man frei ist in der Gestaltung des Nachmittags und nicht am Ende doch noch von dem Ganztagsschulzug da hineinregiert bekommt. Deswegen sind wir gespannt, was jetzt bei dieser Umfrage herauskommt und werden das Thema natürlich weiterhin im Auge haben. Der Vorsitzende: Sie haben allseits Zustimmung zum Vorgehen der Verwaltung signa- lisiert. Damit können wir den Tagesordnungspunkt abschließen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 10. Februar 2015