Graffiti und Streetart in Karlsruhe
| Vorlage: | 2015/0656 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 05.11.2015 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 15.12.2015
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mit Stellungnahme einverstanden
Zusätzliche Dateien
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANTRAG Stadtrat Tilman Pfannkuch (CDU) Stadtrat Jan Döring (CDU) Stadtrat Dr. Klaus Heilgeist (CDU) Stadtrat Detlef Hofmann (CDU) Stadtrat Dr. Albert Käuflein (CDU) Stadtrat Dr. Thomas Müller (CDU) Stadträtin Bettina Meier-Augenstein (CDU) CDU-Gemeinderatsfraktion vom 4. November 2015 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 19. Plenarsitzung Gemeinderat 15.12.2015 2015/0656 28 öffentlich Graffiti und Streetart in Karlsruhe Die CDU-Fraktion beantragt: 1. Die Stadtverwaltung gibt Auskunft darüber, wie die bereits bestehenden lega- len Graffitiflächen im Stadtgebiet genutzt werden und wer darüber entschei- det, wann diese übersprüht werden. 2. Die Stadtverwaltung prüft, ob sich weitere öffentliche Flächen dazu eignen, als legale Graffitiflächen und Flächen für Streetart, ausgewiesen zu werden. Ins- besondere kämen hier die Innenwandseiten der Hirschbrücke in Betracht. 3. Die Stadtverwaltung gibt Auskunft darüber, ob sich entlang der Bahngleise an der Mathystraße – im Bereich des Sonntagplatzes – aufstellbare Wände be- festigen lassen, die als legale Flächen für Graffitis und Streetart dienen. 4. Die Stadtverwaltung prüft, ob sich Karlsruhe als Austragungsort für einen Graffitiwettbewerb und/oder Streetartwettbewerb für Künstlerinnen und Künst- ler aus Karlsruhe und der Region eignet, bei dem der/die Gewinner/in eine besondere Fläche für ihr/sein Kunstwerk zur Verfügung gestellt bekommt. 5. Die Stadtverwaltung prüft, ob sich in Zusammenarbeit mit (beispielsweise) der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste und/oder Schulen/Kindergärten, Kästen – wie die Stromverteilerkästen oder die Schränke der Deutschen Post und Telekom usw. – im Stadtgebiet verschönern lassen. 6. Die Stadtverwaltung deckt eventuell durch die Punkte 2 bis 4 entstehende Kosten durch Umschichtungen im städtischen Haushalt ab. Sachverhalt/Begründung: Als tolerante Stadt muss Karlsruhe offen für kulturelle Vielfalt sein und neben der tra- ditionellen Kunst auch jungen Menschen Raum für ihre künstlerische Ausdrucksform bieten. Graffiti und Streetart mögen zwar zu den neueren Formen der Kunst zählen, doch haben sie vielerlei mit der traditionellen Kunst gemein. So setzen sich die Kunstwerke oftmals mit kritischen, gesellschaftlichen Themen auseinander, sind Ausdruck eines Zeitgeistes und werden kontrovers diskutiert. Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Graffiti und Streetart sollten als eine Chance gesehen werden, den urbanen Raum zu verschönern und zu gestalten. Damit das gelingen kann, müssen den Künstlerinnen und Künstlern die dafür benötigten legalen Flächen zur Verfügung gestellt werden, damit sie Zeit haben zu gestalten. Wer nachts unter Zeitdruck und Angst vor Entde- ckung eine Fläche bearbeitet, wird selten ein ansehnliches Ergebnis erzielen und macht sich zudem strafbar. Als Beispiel für eher misslungene Ergebnisse der Sprüh- kunst kann die Hirschbrücke aufgeführt werden. Wenn diese neue Form der Kunst jedoch als Chance wahrgenommen wird, so kön- nen Flächen – wie auch die Innenwände der Hirschbrücke – nachhaltig kunstvoll ge- staltet werden. Gegenden oder Plätze, wie beispielsweise jene entlang der Bahnglei- se der Mathystraße oder auch Stromverteilerkästen, können durch moderne Kunst interessant gestaltet werden. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass der gegenseitige Respekt unter den Künstlern dazu führt, dass selten eine bereits bearbeitete Fläche verunstaltet wird. In einem Wettbewerb im Bereich Streetart/Graffiti, der unter ein gesamtgesellschaft- lich relevantes Motto gestellt werden könnte, sehen wir neben der Möglichkeit städti- sche Flächen mit den Gewinnermotiven besonders künstlerisch hervorzuheben, die Chance, junge Menschen einzubinden, ihnen eine Plattform für ihre künstlerische Ausdrucksweise zu geben und sie dazu anzuregen, sich mit einem gesamtgesell- schaftlich relevanten Thema auseinanderzusetzten. unterzeichnet von: Tilman Pfannkuch Jan Döring Dr. Klaus Heilgeist Detlef Hofmann Dr. Albert Käuflein Dr. Thomas Müller Bettina Meier-Augenstein Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 4. Dezember 2015
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag CDU-Gemeinderatsfraktion vom: 04.11.2015 eingegangen: 04.11.2015 Gremium: 19. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 15.12.2015 2015/0656 28 öffentlich Dez.2 Graffiti und Streetart in Karlsruhe Die Verwaltung wird ein abgestimmtes Konzept zu Urban Art in Karlsruhe entwickeln und in die zuständigen gemeinderätlichen Gremien einbringen. Finanzielle Auswirkungen des Antrages nein X ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel (bitte auswählen) Kontierungsobjekt: (bitte auswählen) Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja X Handlungsfeld: Kultur Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein X ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein X ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Vorbemerkung: Karlsruhe verfügt über eine qualitätsvolle, lebendige und vielschichtige Graffiti- und Street Art- Szene. Neben einigen herausragenden, auch international agierenden Künstlern wirken in der Szene viele, die sich in ihrer Bildsprache zeigen und mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort mes- sen wollen. Bestand lange Zeit ein großes Problem mit illegalen Bildern, Schriftzügen und Zei- chen an Hauswänden und im öffentlichen Raum in Karlsruhe, konnte dies durch ein Zusam- menwirken verschiedener Dienststellen und durch die Bereitstellung legaler Flächen weitgehend zurückgedrängt werden. Ein Partner und wichtiges Bindeglied in die Szene ist dabei die Mobile Jugendarbeit und der Verein Farbschall e.V. Der vorliegende Antrag bezieht sich auf Graffiti und Street Art in Karlsruhe. Im Folgenden wird hierfür der weitergehende Sammelbegriff Urban Art verwendet. Urban Art ist Kunst im öffentlichen Raum. Sie prägt das künstlerische Stadtbild in gleicher Weise wie andere Kunstwerke im öffentlichen Raum. Für Urban Art gelten daher die gleichen Maßstä- be und Regelungen wie für die sonstigen künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum. Das bedeutet, dass auch für Urban Art die Richtlinien für Kunst im öffentlichen Raum Anwen- dung finden. Das gilt auf jeden Fall für Auftragsarbeiten. Da Urban Art, die sich aus der illegalen Wandgestaltung der 70er-Jahre heraus entwickelte, nach ihrem Selbstverständnis gestaltbare Freiräume sucht, muss die Stadt, die freie Urban Art im öffentlichen Raum ermöglichen will, einen Weg aufzeigen, wie sie die formalen Vorgaben für Kunst im öffentlichen Raum mit dem Szenebedürfnis nach freien Aktionsflächen im Stadtraum in Einklang bringen kann. In diesem Spannungsverhältnis bewegt sich der vorliegende Antrag. Die Punkte des Antrags im Einzelnen: 1. Die Stadtverwaltung gibt Auskunft darüber, wie die bereits bestehenden legalen Graf- fitiflächen im Stadtgebiet genutzt werden und wer darüber entscheidet, wann diese übersprüht werden. Gegenwärtig sind Flächen entlang der Alb und am Messplatz für Graffiti-Kunst legal freigege- ben. Einige der Flächen sind „Halls of Fame“, die immer wieder neu gestaltet werden. Der Ver- ein Farbschall e.V., der über die Streetworker der Mobilen Jugendarbeit/Jugendamt begleitet wird, ist Ansprechpartner für die Graffiti-Szene, die sich wiederum untereinander über die Nut- zung der Halls of Fame verständigt: Hochwertige Arbeiten bleiben für mehrere Wochen beste- hen, kleinere oder Anfängerarbeiten haben nur eine geringere Existenzdauer. Sexistische, dis- kriminierende, Gewalt verherrlichende oder rassistische Aussagen sind verboten. Bei Missach- tung werden die Arbeiten von den Künstlern selbst oder von anderen umgehend übermalt. Farbschall e.V. ist hierfür ebenfalls Ansprechpartner, der stets in der Szene und in der Öffent- lichkeit vermitteln konnte. 2. Die Stadtverwaltung prüft, ob sich weitere öffentliche Flächen dazu eignen, als legale Graffitiflächen und Flächen für Street Art ausgewiesen zu werden. Insbesondere kä- men hier die Innenwandseiten der Hirschbrücke in Betracht. Die Bereitstellung legal von der Urban Art-Szene zu gestaltenden Flächen im Stadtraum ist eine Aufgabe, die den Empfehlungen des Handlungsfelds 4 des Kulturkonzepts 2025 – Stadt: Raum für Kultur – entspricht. Seitens der Szene würden zusätzliche „Walls“, sei es für Auftragsarbei- ten oder für Halls of Fame, begrüßt. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die Verwaltung unter Federführung des Kulturamtes sollte gemeinsam mit Farbschall e.V. den Bedarf prüfen und ein Gesamtkonzept für Urban Art und die verfügbaren Flächen in Karlsruhe entwickeln. Einzubinden sind Stadtplanungsamt, Ordnungsamt, Jugendamt sowie Dienststellen und städtische Gesellschaften, die Flächen anbieten könnten. Gegenstand des Konzepts sollte auch sein, ob die im vorliegenden Antrag angesprochenen Einzelflächen wie die Innenwandsei- ten der Hirschbrücke zur Gestaltung freigegeben werden können und sollen. Hinzuweisen ist - auch nach Einschätzung von Farbschall e. V. - darauf, dass sich durch die Be- reitstellung zusätzlicher legaler Walls das illegale Gestalten im Stadtraum nicht vollständig un- terbinden lässt. Da es sich bei der Hirschbrücke um ein Sandsteingebäude handelt, ist dies für Graffiti nicht geeignet. 3. Die Stadtverwaltung gibt Auskunft darüber, ob sich entlang der Bahngleise an der Mathystraße – im Bereich des Sonntagplatzes – aufstellbare Wände befestigen lassen, die als legale Flächen für Graffitis und Street Art dienen. Siehe Antwort zu Ziffer 2. Auch die Frage der Errichtung neuer „Walls“ muss Gegenstand des Gesamtkonzepts sein. Diese müssten in jedem Fall kostenneutral sein. 4. Die Stadtverwaltung prüft, ob sich Karlsruhe als Austragungsort für einen Graffiti- wettbewerb und/oder Street Art-Wettbewerb für Künstlerinnen und Künstler aus Karlsruhe und der Region eignet, bei dem der Gewinner oder die Gewinnerin eine be- sondere Fläche für ihr bzw. sein Kunstwerk zur Verfügung gestellt bekommt. Die Graffiti-Szene ist in Karlsruhe sehr gut untereinander organisiert. Dies ist auch ein Verdienst von Farbschall e. V. In der Szene sind Wettbewerbe und konkurrierende Ausschreibungen unüb- lich; sie widersprechen der Praxis, miteinander zu agieren. Sollte die Szene ein Treffen von Ur- ban Art-Künstlern in Karlsruhe planen, so unterstützt die Verwaltung dies nach ihren Möglich- keiten und Vorgaben in der gleichen Weise wie andere künstlerische Projekte, sofern dies nach jeweiliger Haushaltslage möglich erscheint. 5. Die Stadtverwaltung prüft, ob sich in Zusammenarbeit mit (beispielsweise) der Staatli- chen Akademie der Bildenden Künste und/oder Schulen/Kindertageseinrichtungen, Kästen – wie die Stromverteilerkästen oder die Schränke der Deutschen Post und Tele- kom usw. – im Stadtgebiet verschönern lassen. Auch die Gestaltung der genannten Objekte sollte Gegenstand des zu erstellenden Gesamtkon- zepts sein. Die Gestaltung könnte mit unterschiedlichsten Partnern erfolgen. Zu beachten ist jedoch, dass sich die Kästen in der Regel nicht im Eigentum der Stadt befinden; die jeweilige Zustimmung müsste eingeholt werden. Eine etwaige Gestaltung der Kästen sollte ebenso wie von der Stadt in Auftrag gegebene Wandgestaltungen mit Urban Art in Abstimmung mit dem Stadtplanungsamt und der Kunst- kommission erfolgen. Dass dies gut funktioniert, belegen die professionell gestaltete Außen- wand der Stadtbibliothek in der östlichen Einfahrt zum Herrenhof und die von Mitgliedern von Farbschall e. V. gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus Durlach gestaltete Unterführung an der Haltestelle Auer Straße in Durlach: beide Maßnahmen hatten die Zustimmung der Kunstkommission erhalten. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 6. Die Stadtverwaltung deckt eventuell durch die Punkte 2 bis 4 entstehende Kosten durch Umschichtungen im städtischen Haushalt ab. Die Verwaltung hat in der Vergangenheit Auftragsarbeiten der Urban Art projektbezogen er- möglicht bzw. bezuschusst. Ob dies auch künftig möglich sein wird und inwieweit finanzielle Mittel zur Bezuschussung bereitgestellt werden können, ist zu gegebenem Zeitpunkt unter Be- rücksichtigung der Auswirkungen des HSPKA zu beurteilen. Sollte sich die Stadt im Rahmen eines Gesamtkonzepts für die Errichtung neuer Walls aussprechen, so müssten für diesen Bau entsprechende Mittel bewilligt werden. Eine Umschichtung von Mitteln im städtischen Haushalt erscheint nicht erforderlich und angesichts der Haushaltsstabilisierung nicht möglich.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 19. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 15. Dezember 2015, 15:30 Uhr Öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 29. Punkt 28 der Tagesordnung: Graffiti und Streetart in Karlsruhe Antrag der Stadträte Tilman Pfannkuch, Jan Döring, Dr. Klaus Heilgeist, Detlef Hofmann, Dr. Albert Käuflein und Dr. Thomas Müller, der Stadträtin Bettina Meier-Augenstein (CDU) sowie der CDU-Gemeinderatsfraktion vom 4. November 2015 Vorlage: 2015/0656 Beschluss: Zustimmende Kenntnisnahme der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 28 zur Behandlung auf und verweist auf die vorliegende Stellungnahme der Verwaltung. Stadtrat Dr. Käuflein (CDU): „Diesen Antrag hätten wir von der CDU nicht erwartet.“ So hat mir heute Mittag ein politischer Mitbewerber gesagt. Zu seinem Schutz sage ich jetzt nicht, wer es war. Wir haben das jedenfalls als Zustimmung verbucht. Worum geht es? Inhaltlich geht es darum, dass wir illegale Graffiti, illegale Streetart zurückdrängen möchten, indem wir legale Möglichkeiten ausweiten. Dass das nicht vollständig gelingen wird, ist uns klar. Das teilt uns auch die Verwaltung mit. Das wissen wir. So realistisch sind wir. Aber unsere Idee ist, dass wir über die bestehenden Flächen, die es gibt, und die gut angenommen werden, weitere Flächen für diese moderne Kunstform ausweisen. Wir freuen uns, dass die Verwaltung positiv auf diesen Antrag reagiert hat. Wir sind dankbar dafür. Die Verwaltung sagt, dass ein Konzept für die Ausweisung neuer Flä- chen erarbeitet wird, dass uns das in den zuständigen Ausschüssen – ich gehe einmal davon aus, das ist der Kulturausschuss – zu gegebener Zeit vorgestellt wird. - 2 - Anlass – aber nur Anlass – waren die Schmierereien, um es offen zu sagen, an der Hirschbrücke. Da waren wir mit der Fraktion vor Ort. Es ist von uns vielleicht im Antrag missverständlich formuliert worden oder möglicherweise auch von der Verwaltung missverstanden worden. Deswegen muss ich noch einen Satz dazu sagen. Es ging uns nicht darum, die Hirschbrücke als legale Graffitifläche auszuweisen. Das geht natürlich schon von der Oberfläche Sandstein nicht. Aber die Idee war schon, vielleicht im Umfeld der Hirschbrücke Flächen zu schaffen. Wie dem auch sei, Danke für die Verwaltungsantwort. Wir sehen dann dem Konzept- entwurf im Kulturausschuss entgegen. Stadträtin Ernemann (SPD): Der Antrag hat in der Tat Charme. Den können wir auch begrüßen. Auch die Verwaltung schließt sich dem an, indem sie ein Konzept erstellt. Ich wollte nur noch anmerken: Der Kick bei Graffiti ist das Illegale, das Nicht-erwischt- werden bei Nacht und Nebel. Das werden wir natürlich auch mit der Schaffung von Freifläche nicht unterbinden. Das ist uns ganz klar. Aber nichtsdestotrotz begrüße ich es auch, dass Möglichkeiten geschaffen werden. Eine Bitte noch: Was in anderen Städten ein bisschen besser funktioniert als in Karlsru- he, ist die Bearbeitung der Strom- und Verteilerkästen der Telekom. Da kann man wirk- lich im öffentlichen Raum etwas machen. Das sollte man in dem Konzept berücksichti- gen, dass man die etwas verschönert. Denn die sehen teilweise in der Tat nicht schön aus. Stadträtin Dr. Leidig (GRÜNE): Erst die Bäume, jetzt die Subkultur. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Aber Gott sei Dank hat der Kollege wieder richtig dargestellt, es geht gar nicht um die Subkultur, sondern es geht eher darum, dass man Ordnung schafft in der Stadt. Aber es könnte durchaus um die Kunstform Urban Art, Streetart, Graffiti gehen. Man sieht das heute in vielen Städten. Ich habe mir am Wochenende mit meiner Tochter, die im Herbst im Urlaub in Kolumbien war, Fotos angeschaut. In Bogotá ist anscheinend die ganze Stadt voll mit Streetart. Die Häuser dort sind gelb, blau und grün und die Häuser gegenüber sind mit großen Wandgemälden verziert und werden ab und zu wieder überkritzelt mit irgendetwas anderem. Aber die Stadt lebt sehr davon. Die Stadt, die letztes Jahr Kulturhauptstadt in Europa war, Marseille, benutzt Streetart auch dazu, ganze Stadtviertel optisch zu verändern. Das Viertel um den Platz Saint- Julien herum, das vorher eine ziemlich verkommene Gegend war, hat sich zu einer sehr hippen Szenegegend entwickelt. Unter anderem auch deswegen, weil ganz viel damit gearbeitet wird und weil aber auch der künstlerischen Ausdrucksform Freiraum gege- ben wird. Auch in Lissabon habe ich dieses Jahr sehr viel Streetart gesehen. Prinzipiell ist das eine schöne Form. Aber es muss natürlich auch passen. Das ist das Problem. Ich kann es mir in der West- stadt jetzt nicht so recht vorstellen. Es muss natürlich auch zum Gebäude, zur Substanz passen, wie uns das Kulturamt auch gesagt hat. Das Kulturamt möchte jetzt eine Richt- - 3 - linie entwickeln, die sich an der Kunst im öffentlichen Raum orientiert. Das finde ich jetzt schon wieder etwas korsettmäßig. Entweder wir akzeptieren die Kunstform als das, was sie ist. Sie ist nun einmal eine Hiphop-Kultur, die andere Szeneregeln hat. Oder wir sagen, wir stellen Leute ein, die uns irgendwo etwas hinpinseln. Das sind schon un- terschiedliche Herangehensweisen. Ich habe etwas mitgebracht, was ich einmal im Urlaub in Montreal aufgenommen habe. So können Parkuhren ausschauen. (Zurufe, Heiterkeit) - Eben. Aber was versteht letzten Endes jemand unter Verschönerung? (Der Vorsitzende: Vielleicht können wir erst einmal eine Konzeption entwi- ckeln. Über die können Sie dann diskutieren. Das müssen wir heute Abend nicht mehr klären!) Ich will aber trotzdem noch einen Satz sagen, wenn Sie erlauben, Herr Oberbürgermeis- ter. (Der Vorsitzende: Auch zwei, kein Thema!) Auf das Konzept freuen wir uns. Worüber wir sehr gespannt sind, ist, dass das alles kos- tenneutral geschehen soll. Die CDU sagt schlicht: Schichtet Geld um. Aber ohne zu sa- gen, woher. Ich muss schon sagen, Kollegen, dann macht ihr es euch ein bisschen ein- fach. Die Verwaltung sagt dann: Umschichten geht nicht. Gebt uns neues Geld, wenn ihr es haben wollt. Ich sage: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn wir bedenken, dass wir für einen Abend Organum 250.000 Euro ausgegeben haben und für eine Und#8 mit einem Full- timeprogramm über vier Tage gerade einmal 6.000 Euro städtischen Zuschuss benötigt wurde, dann sollten wir uns über Prioritäten, Zielsetzung und Zielgruppen im Kulturbe- reich viel öfter einmal Gedanken machen. Uns ist wichtig, dass Streetart tatsächlich auch der Hiphop-Szene das zollt, was das Fundament dieser Szene ausmacht, Respekt. Das heißt, nicht einfach vorgeben, da kommen jetzt Walls, da sind Stromkästen und da macht ihr jetzt Kunst und verschönert unsere Stadt. Wenn wir es machen, dann sollten wir auch deren freien künstlerischen Ausdruck würdigen und sie mitentscheiden lassen, wo z. B. Walls hinkommen, wo es für sie Sinn macht, wo sie sich vorstellen können, künstlerisch ein Viertel mitzugestalten. Stadtrat Braun (KULT): Urban Art ist eine neuere, moderne Art von Kunst, die die Stadt gut in ihr Stadtbild integrieren könnte. Schon lange fallen Graffitis in Karlsruhe vor allem negativ auf. Häuserfassaden werden illegalerweise beschmiert oder an jeder möglichen Ecke findet man grottenhässliche Schriftzüge von Künstlern, die sich verewi- gen wollen. Also, wieso nicht mehr legale Plätze zum Besprühen schaffen? Auch wenn sich die illegalen Sprühereien so nicht vollständig verhindern ließen, würden wir den Künstlern mehr Möglichkeiten zum legalen Sprayen geben, was diese als Unter- - 4 - stützung ansehen und vielleicht auch daher mehr legale Flächen nutzen würden. Schafft man neue legale Flächen, haben die Künstler mehr Zeit und weniger Stress, die- se zu besprühen, als würden sie dies illegal tun. Man kann davon ausgehen, dass die Kunst dadurch noch attraktiver wird. Aus Erfahrung weiß ich, dass sehr schöne Motive sehr selten übersprüht werden, schlechtere dagegen öfters. Dass also fast immer schönere Motive zu sehen sind, ist wahrscheinlich. Auch die Idee eines Graffiti-Wettbewerbs möchte ich aufgreifen. Die Stadtverwaltung sieht keinen Erfolg, da in dieser Szene konkurrierende Wettbewerbe unüblich seien. Ich stelle mir einen solchen unkommerziellen Wettbewerb eher als Zu- sammenkunft und Austauschplattform für Graffitikünstler vor. An der Spitze dieses Events kann durchaus das Besprühen von Stellwänden stehen, bei dem das beste Werk mit der Vergabe einer besonderen Fläche für seine Kunst gewürdigt werden kann. Die Veranstaltung würde dann weniger Konkurrenzverhalten wecken, sondern würde im ersten Sinne im Zeichen des Kennenlernens anderer Künstler stehen, bei denen eventu- ell jeder noch etwas dazulernen kann. Als Stadt sollten wir versuchen, die verschiedensten Subkulturen zu stärken, gerade wenn sie, wie hier, einen wesentlichen Teil zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen können. Es freut mich und meine Fraktion, dass dieser Antrag gestellt wurde. So kön- nen wir auch neue Kunst und junge Künstler in die künstlerische Gestaltung des Stadt- bilds einbeziehen. Einen einzigen Punkt des vorliegenden Antrags müssen wir ablehnen – das wurde schon genannt. Das Besprühen der Hirschbrücke halten wir aus einigen Gründen nicht für geeignet. Nochmals zusammenfassend: Meine Fraktion begrüßt den Antrag der CDU und ebenso die Antwort der Verwaltung. Wir begrüßen die Zusage zur Entwicklung eines abge- stimmten Konzepts zu Urban Art in Karlsruhe. Die Frage nach geeigneten Standorten müsse außerdem mit in den Kulturausschuss genommen werden. Wir freuen uns über den Antrag. Ich möchte dennoch schließen mit dem Satz, mit dem Kollegen Dr. Käuflein begonnen hat. Diesen Antrag hätte ich von der CDU nicht erwartet. Stadtrat Høyem (FDP): Wie Kollegin Dr. Leidig kann ich auch ein Angebot machen. Falls Sie einmal in meine Heimatstadt Kopenhagen kommen, dann mache ich eine Tour für Streetart in Kopenhagen. Aber der Grund, warum ich jetzt hier etwas sagen will, ist mein Beruf. In den letzten 30 Jahren habe ich mich sehr mit illegaler Graffiti beschäftigt. Da gibt es nur ein einziges Mittel. Das ist, das sofort zu entfernen. Da gibt es kein ande- res Mittel. Der Vorsitzende: Ich habe keine weiteren Wortmeldungen. Wir diskutieren es weiter, wenn das Konzept vorliegt. Es gab hier schon ein paar Anregungen. Die kann man bei der Konzepterstellung berücksichtigen. - 5 - Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 13. Januar 2016