Rahmenplan Waldstadt-Waldlage

Vorlage: 2015/0508
Art: Beschlussvorlage
Datum: 17.08.2015
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtplanungsamt
Erwähnte Stadtteile: Oststadt, Südstadt, Waldstadt

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 29.09.2015

    TOP: 18

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig zugestimmt

Zusätzliche Dateien

  • Anlage Rahmenplan Waldstadt
    Extrahierter Text

    RAHMENPLAN WALDSTADT-WALDLAGE Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Städtebaulicher Rahmenplan zur qualifi zierten Innenentwicklung in der Waldstadt 2 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE STADTPLANUNGSAMT | 3 VORWORT Qualitäten zu versehen. Zu diesem Zweck wurde der städtebauliche Rahmenplan Waldstadt- Waldlage beauftragt. In einem dialogischen Prozess mit der Öffentlichkeit und dem Bürgerverein Waldstadt e. V. wurden in verschiedenen Öffentlichkeitsveranstaltungen sowohl die Stärken und Potenziale als auch die vorhandenen Schwächen und Herausforderungen erörtert. Über die rege Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger während des gesamten Prozesses habe ich mich besonders gefreut. Der nun vorliegende städtebauliche Rahmenplan soll der Politik sowie den Bürgerinnen und Bürgern als Entscheidungshilfe bei der künftigen Entwicklung der Waldstadt-Waldlage dienen, etwa bei der Aufstellung von Bebauungsplänen. Der städtebauliche Rahmenplan Waldstadt- Waldlage wurde vom Planungsbüro Pesch Partner a/s in Kooperation mit Helleckes Landschaftsarchitektur in enger Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein und dem Stadtplanungsamt erarbeitet. Liebe Bürgerinnen und Bürger, aufgrund des rasanten Wachstums der Stadt Karlsruhe in den Nachkriegsjahren nahmen Pläne für eine Trabantenstadt im Hardtwald immer mehr Form an. In einem Architekten-Wettbewerb, den der Bund Deutscher Architekten für ein Bauvorhaben dieser Dimension verlangte, entschied sich das Preisgericht für den Entwurf von Professor Karl Selg. Auf dieser Grundlage wurde beschlossen, dass insgesamt etwa 4.500 Wohneinheiten für rund 20.000 neue Einwohnerinnen und Einwohner errichtet werden sollten. Mit dem Spatenstich von Oberbürgermeister Günther Klotz am 10. September 1957 begannen die Bauarbeiten für die Waldstadt. Heute leben etwa 12.300 Menschen in der Waldstadt und die Stadt Karlsruhe steht erneut vor der Aufgabe, Wohnraum für die weiterhin steigende Zahl von Zuziehenden zu schaffen. Aus diesem Grund ist es erforderlich, das Stadtgefüge zu betrachten und gegebenenfalls Raum für neue Wohnungen zu fi nden. Es gilt aber auch, die bestehenden Quartiere an die aktuellen Lebensverhältnisse und Bedürfnisse anzupassen und das in die Jahre gekommene Wohnumfeld wieder aufzuwerten und mit neuen Michael Obert Bürgermeister 4 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE STADTPLANUNGSAMT | 5 1 Anlass und Aufgabenstellung 6 2 Rahmenbedingungen 8 2.1 Stadtteilprofi l: Lage, Größe, Bedeutung 8 2.2 Bevölkerungsentwicklung und -struktur 8 2.3 Bestehende kommunale Planungen 9 3 Städtebauliche und räumliche Analyse 10 3.1 Erschließung und ruhender Verkehr 10 3.2 Flächeneigentumsverhältnisse 10 3.3 Nutzung, Gebäudezustand, Geschosszahl 12 3.4 Infrastruktur und Versorgung 13 3.5 Gebäudetypologien und Funktionszusammenhänge 14 3.6 Grün- und Freifl ächensystem 15 3.7 Öffentlicher Raum 16 3.8 Städtebauliche Missstände 19 4 Planungsprozess 20 4.1 Öffentlichkeitsbeteiligung 20 4.2 Diskussionsrunde mit den Wohnungsunternehmen 22 4.3 Umfrageergebnisse 22 5 Rahmenplan Waldstadt-Waldlage 24 5.1 Leitziele 24 5.2 Räumliches Leitbild und städtebauliche Ziele 25 5.2.1 Zukunftsfähige Quartierszentren 26 5.2.2 Aufenthalts- und Erholungsräume – die grüne Mitte und die Waldstadtpromenade 26 5.2.3 Optimierung der Vernetzung 27 5.2.4 Modernisierung und qualifi zierte Innenentwicklung im Zeilenbereich 27 5.2.5 Barrieren überwinden – „Waldstadtboulevard“ und Jägerhaussee 29 6 Umsetzungsstrategie 32 6.1 Gebäude 32 6.2 Freiraum 33 6.2.1 Zuordnung der Räume 33 6.2.2 Straßenräume und Parkraummanagement 34 7 Überschlägige Ermittlung des Wohnraumpotenzials 35 Impressum und Abbildungsverzeichnis 36 INHALT 6 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE Eigentümerstruktur der Waldstadt mit ihren vielen Wohnungseigentümergesellschaften (WEG) ist es wichtig, den Rahmenplan in einem iterativen Prozess zu entwickeln. Weitere Besonderheiten des Untersuchungsgebietes sind die reizvolle Lage am Hardtwald sowie die Durchdringung des Siedlungskörpers mit Waldfl ächen. Die großen Frei- und Abstandsfl ächen erzeugen eine Stadtlandschaft von besonderer Qualität. Alle künftigen freiräumlichen Veränderungen müssen das ursprüngliche Freifl ächenkonzept respektieren und dürfen es nur behutsam weiterentwickeln. Die Rahmenplanung umfasst neben der städtebaulichen Bestandsaufnahme und Analyse vor allem Vorschläge zur qualifi zierten Innenentwicklung. Entwicklungsmöglichkeiten und -potenziale im Bereich Waldlage sowie innerhalb der zentralen „Versorgungsachse“ werden untersucht und konkret räumlich verortet. Mithilfe von Testplanungen werden Strategien und Lösungsvorschläge für eine städtebauliche und freiraumplanerische Gestaltung entwickelt und darauf aufbauend Empfehlungen für die Umgestaltung sowie den Erhalt der Freiraumqualitäten abgeleitet. Der Geltungsbereich für den zu erarbeitenden Rahmenplan ist etwa 113 ha groß und kann der unten stehenden Karte entnommen werden. Das engere Untersuchungsgebiet umfasst den Bereich der Zeilenbauten und der Waldfi nger in Waldstadt- Waldlage und schließt die Bereiche der Einfamilien- und Reihenhäuser sowie die öffentlichen Einrichtungen im Zentralbereich aus. 1 ANLASS UND AUFGABENSTELLUNG Die vorliegende städtebauliche Rahmenplanung soll dazu beitragen, wichtige Zukunftsfragen zur städtebaulichen Entwicklung des Stadtteils Waldstadt, konkret des Bereiches Waldlage, zu klären. Aufgrund des prognostizierten hohen Wohnraumbedarfs der Stadt Karlsruhe (+ 8.000 Einwohner bis 2020) und des landespolitischen Ziels „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ rücken Bereiche mit Nachverdichtungspotenzial verstärkt in den Fokus der Stadtentwicklung. Die Waldstadt, insbesondere der Bereich Waldlage mit seiner aufgelockerten Zeilenbauweise, ist gut dazu geeignet, beispielhaft nachhaltige Innenentwicklungsstrategien für die Karlsruher Siedlungen der 1950er und 1960er Jahre auf ihre Realisierbarkeit sowie auf die Akzeptanz der Bewohnerschaft zu untersuchen. Die Waldlage mit ihrer großmaßstäblichen Zeilenbebauung ist ein typisches Beispiel des sozialen Wohnungsbaus der Nachkriegszeit. Der Bereich rückte in letzter Zeit verstärkt in den Fokus von Investoren, die jeweils eine Nachverdichtung auf einzelnen Grundstücken vorsehen. Dies ist jedoch nach dem bestehenden Planungsrecht nicht möglich. Aus diesem Grund gilt es, Umbaupotenziale und erhaltenswerte Strukturen anhand eines städtebaulichen Rahmenplanes für den Gesamtbereich Waldstadt – Waldlage herauszuarbeiten. Neuplanungen und Nachverdichtungsmaßnahmen in Wohnquartieren stoßen oft auf Vorbehalte bei den Bewohnern. Die Akzeptanz solcher Maßnahmen hängt entscheidend davon ab, dass die Planungen gemeinsam mit den Anwohnern nachvollziehbar und transparent durchgeführt werden. Die Rahmenplanung wird daher von einem umfassenden Partizipationsprozess begleitet, der auch frühzeitig die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer ermittelt. Wegen der sehr vielschichtigen 1 ANLASS UND AUFGABENSTELLUNG STADTPLANUNGSAMT | 7 Vorläufi ge Abgrenzung des Untersuchungsgebiets Engeres Untersuchungsgebiet Weiteres Untersuchungsgebiet Königsberger Straße Schneidemühler Straße Insterburger Straße Kolberger Straße Elbinger Straße Theodor-Heuss-Allee Glogauer Straße 8 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE 2.1 STADTTEILPROFIL: LAGE, GRÖSSE, BEDEUTUNG Das Untersuchungsgebiet Waldlage ist Teil des Stadtteils Waldstadt, der im Jahr 1957 als neue Siedlung gegründet wurde, um die starken Flüchtlingsströme der Nachkriegsjahre aufzunehmen. Fertiggestellt in den 1960er Jahren, liegt die Waldstadt nordöstlich der Innenstadt in verhältnismäßig geringer Entfernung zum Stadtzentrum (ca. 6 km) am Rande des Hardtwaldes. Von der Gesamtfl äche des Stadtteils, die insgesamt 225 ha umfasst, gehören etwa zwei Drittel zum Bereich „Waldlage“. Die Nachkriegsjahre boten die Chance, in der Waldstadt architektonische und städtebauliche Prinzipien der Moderne umzusetzen: „Licht, Luft und Sonne“, das Prinzip einer gesunden Mischung aus Sozialwohnungen und Privathäusern sowie die kleinteiligen grünen Nachbarschaften tragen bis heute zur Beliebtheit des Stadtteils bei. Insbesondere der hohe Anteil an Grünfl ächen, die den Siedlungskörper durchdringen, verleiht dem Auszug aus dem Stadtplan Stadtteil die attraktive Atmosphäre einer „Stadt im Wald“. 2.2 BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG UND -STRUKTUR Im Zuge der starken Einwohnerzunahme Karlsruhes in den 1950er und 1960er Jahren stieg auch die Bevölkerungszahl im neuen Stadtteil Waldstadt innerhalb kurzer Zeit rasant an. Im Jahr 1970 erreichte sie ein Maximum von 13.705 Personen. Vielen in den ersten Jahren zugezogenen Familien wurden die Wohnungen in der Waldstadt jedoch bald zu klein und sie bezogen größere Wohnungen in angrenzenden Quartieren. Die Zahl der Bewohner ging zurück. 1995 betrug die Einwohnerzahl der Waldstadt 12.557 Personen 1 . Auch in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Bevölkerungsabnahme, wenn auch nur leicht (-0,7 bis -0,3 %), fortgesetzt, während die Gesamtstadt Karlsruhe im gleichen Zeitraum Bevölkerungszuwächse von 2 bis 4 % verzeichnete 2 . Die Einwohnerzahl in der Waldstadt betrug im Juni 2015 rund 12.300 Personen. Im Untersuchungsbereich der Waldlage wohnten rund 9.100 Personen 3 . Die Altersstruktur der Waldstadt hat sich seit Gründung des Stadtteils Ende der 1950er Jahre stark verändert. Der Anteil der unter 20-Jährigen – er lag in den Anfangsjahren bedingt durch die hohe Zuzugsrate insbesondere von Familien bei 34,6 % – ist bis 2007 auf 17,4 % gesunken. Der Anteil der über 65-Jährigen hat sich im gleichen Zeitraum versechsfacht 4 und ist bis 2010 auf 25,9 % weiter angestiegen. Damit liegt ihr Anteil merklich über dem in der Gesamtstadt Karlsruhe (19,7 %) 5 . Äquivalent zur Altersstruktur hat sich das Verhältnis von Geburtenzahl und Sterbefällen entwickelt. Die anfänglich hohe Geburten- und geringe Sterberate in der Waldstadt hat sich mittlerweile umgekehrt. Im Jahr 2010 verzeichnete die Waldstadt einen negativen Saldo von -4,4 je 1.000 Einwohner. 2, 5, 6 Stadt Karlsruhe: Stadtteilprofi l Waldstadt, Karlsruhe 2010 1, 4 Bürgerverein Walstadt e.V. : Die Waldstadt in Karlsruhe – Ein lebendiger Stadtteil im Grünen, Info Verlag, 2007 3 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung: Statistik Aktuell, Bevölkerung, August 2015 2 RAHMENBEDINGUNGEN STADTPLANUNGSAMT | 9 Auszug aus dem Flächennutzungsplan (oben) Der hohe Anteil älterer Bevölkerung in der Waldstadt äußert sich auch in der Haushaltsstruktur des Stadtteils. Im Vergleich zur Gesamtstadt Karlsruhe ist die Zahl der Einpersonenhaushalte im Seniorenalter (ab 60 Jahre) 1,5 mal höher (42,5 %), obwohl die Zahl aller Einpersonenhaushalte in der Waldstadt (45,0 %) insgesamt geringer ist als in der Gesamtstadt Karlsruhe (51,7 %). Die Zahl der deutschen Einwohner mit Migrationshintergrund ist in der Waldstadt geringfügig höher (13,5 %) als in der Gesamtstadt Karlsruhe (10,0 %) 6 . 2.3 BESTEHENDE KOMMUNALE PLANUNGEN Für die Waldstadt liegen einige Fachplanungen vor, die nachfolgend näher erläutert werden. Um den Kontext der bisherigen Entwicklung besser zu verstehen, sind vor allem die formellen Bauleitpläne (Flächennutzungsplan, Bebauungsplan) von Relevanz. FLÄCHENNUTZUNGSPLAN Die Flächen in der Waldstadt sind vorwiegend als Wohnbaufl ächen dargestellt. Lediglich die „Versorgungsachse“ innerhalb des Geltungsbereichs weist darüber hinaus Flächen für den Gemeinbedarf sowie eine gemischte Baufl äche aus. BEBAUUNGSPLÄNE Für den Bereich „Waldlage“ westlich der „Versorgungsachse“ mit öffentlichen Einrichtungen und einem Einkaufszentrum (Waldstadtzentrum), bestehen drei ältere rechtskräftige Bebauungspläne aus den 1950er Jahren, die lediglich grundlegende Aussagen zu Nutzungen, Bebauungsart und Geschossigkeit treffen. Zwei dieser Bebauungspläne betreffen den zu bearbeitenden Geltungsbereich. Dieser umfasst darüber hinaus einen 1996 für einen Lebensmittel- Discounter entstandenen Vorhaben- und Erschließungsplan an der Elbinger Straße sowie Auszüge aus Bebauungsplänen: BPlan 332 Waldlage IIA 3.3.1967 BPlan 333 Waldlage IIB 3.3.1967 BPlan 545 Feldlage II nördlicher Teil 2.3.1979 BPlan 545a Feldlage III 2.3.1979 BPlan 699 VEP Elbinger Straße 16 28.06.1996 Teilbereiche zweier östlich der „Versorgungsachse“ liegender Bebauungspläne aus den 1970er Jahren. Diese legen für die Bereiche innerhalb der Versorgungsachse „fl eckenartig“ Abschnitte für öffentliche Nutzungen fest. Dazwischen befi nden sich öffentliche Grünfl ächen. 10 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE Die Schneidemühler Straße zeigt ein für die Waldstadt charakteristisches Straßenbild. geplant. Die Garagenhöfe werden heute allerdings vor allem als Abstellraum genutzt, da die Anwohner ihre Autos vorzugsweise in der Nähe ihrer Wohnung parken. Im Quartier besteht ein hoher Parkierungsdruck, insbesondere in der Königsberger Straße und der Schneidemühler Straße. Der Grund dafür liegt in den damaligen Planungsparametern, die von nur einem Auto pro zwei Familien ausgingen. Die Waldlage ist gut an das ÖPNV-Netz angeschlossen. Die Straßenbahnlinie 4 (Hauptbahnhof – „Europäische Schule“) sichert eine schnelle Verbindung zur Innenstadt. Die Busverbindungen entlang der Theodor-Heuss-Allee und der Glogauer Straße ergänzen das Angebot. Dadurch entsteht vor allem im östlichen Bereich des Untersuchungsgebiets eine optimale ÖPNV- Erschließung. Die Fuß- und Radwege innerhalb des Stadtteils sichern eine gute Erreichbarkeit des Waldstadtzentrums und der sozialen Infrastruktur. Das Rahmenplangebiet ist in das städtische Radverkehrsnetz über den Radweg entlang der Büchiger Allee und Glogauer Straße gut integriert. Der Übergang in die Forstwege des Hardtwaldes ist über drei Fuß-und Radwege möglich, an denen sich auch die Bushaltestellen befi nden. Der Zugang zum Hardtwald wird erschwert durch die Unterschiedlichkeit von Forst- und Siedlungsweg. Die Wege des Hardtwaldes folgen der Strahlengeometrie der Karlsruher Fächerstadt. Bei der Planung der Trabantenstadt „Waldstadt“ wurde für die Wege in der Siedlung ein von der Strahlengeometrie unabhängiges Erschließungssystem entwickelt. 3.2 FLÄCHENEIGENTUMSVERHÄLTNISSE Die Eigentümerstruktur in der Waldstadt ist sehr heterogen und zeichnet sich durch langfristige Stabilität aus. 3.1 ERSCHLIESSUNG UND RUHENDER VERKEHR Die Lage des Untersuchungsgebietes „Waldstadt – Waldlage“ an der Theodor-Heuss-Allee (L 604) sichert eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt sowie die Anbindung des Stadtteils an die im Osten liegenden Hauptverkehrsachsen L 560 (Gustav- Heinemann-Allee) und A5. Als Hauptzufahrtsachse stellt die Theodor-Heuss-Allee für die Waldlage auch einen wichtigen Quartierseingang dar. Allerdings bedingt der intensive Durchgangsverkehr eine hohe Verkehrs- und Lärmbelastung entlang der Theodor-Heuss-Allee und trennt so die Siedlung und den Hardtwald. Die innere Erschließung der Waldlage erfolgt über fünf Wohnsammelstichstraßen: Königsberger Straße, Schneidemühler Straße, Insterburger Straße, Kolberger Straße und Elbinger Straße. Alle fünf Straßen enden östlich jeweils in einer Wendeschleife. Königsberger Straße und Kolberger Straße sind nach Osten zusätzlich mit der Glogauer Straße verknüpft. Die Einfahrtsbereiche der Nachbarschaften wurden jeweils S-förmig gestaltet, um den motorisierten Verkehr zu verlangsamen. In diesen S-Kurven der Zugangsstraßen waren ein Garagenhof und eine Tankstelle mit Autowerkstatt 3 STÄDTEBAULICHE UND RÄUMLICHE ANALYSE STADTPLANUNGSAMT | 11 Erschließung und ruhender Verkehr Landstraße Erschließungsstraße Nebenroute Rad Straßenbahn Busline Gleiskörper Bus- und Tramhaltestelle Einzugsbereich Haltestelle 200 m Parkplatz Siedlungsfl äche (Bestand) Gebäude (Bestand) Öffentliche Einrichtungen Gewässer 12 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE Die städtische Wohnungsbaugesellschaft VOLKSWOHNUNG GmbH verfügt über mehrere zusammenhängende Grundstücke südlich von Königsberger Straße und Insterburger Straße sowie in der Kolberger Straße (nördlicher Bereich). Der größte Teil der Flächen, die sich in privatem Eigentum befi nden (zwischen 3 und 100 Eigentümern, organisiert in WEGs), liegt südlich von Schneidemühler Straße und Kolberger Straße sowie nördlich der Insterburger Straße. Die Flächen der Garagenhöfe und Ladenzeilen in Königsberger Straße, Schneidemühler Straße und Kolberger Straße befi nden sich ebenso in privatem Eigentum, in diesen Bereichen handelt es sich jedoch um maximal drei Eigentümer. Die Stadt Karlsruhe ist Eigentümerin sämtlicher Straßenfl ächen, der Grünfl ächen in der Königsberger Straße sowie der Grünfl ächen zwischen den Siedlungskörpern. Die übrigen Flächen gehören Baugenossenschaften und Religionsgemeinschaften. 3.3 NUTZUNG, GEBÄUDEZUSTAND, GESCHOSSZAHL Das Bild der Siedlung wird durch eine Vielfalt an Bautypologien geprägt: zeilenförmige drei- bis fünfgeschossige Wohnbauten, Hochhäuser mit neun bis dreizehn Geschossen sowie Einzel- und Reihenhäuser mit ein bis zwei Geschossen. Im Zentrum des Untersuchungsgebiets Waldlage befi nden sich neben einigen eingeschossigen Sonderbauten (u. a. das Theater „die Käuze“, verschiedene Kindergärten und zwei religiöse Einrichtungen) und ein- bis zweigeschossigen Ladenzeilen fast ausschließlich drei- bis fünfgeschossige Zeilenbauten. Drei- bis fünfgeschossige Zeilenbauten prägen auch das Straßenbild der Königsberger Straße, der Schneidemühler Straße und der Insterburger Straße. Nördlich der Wohnsammelstichstraßen wechseln sich drei- und viergeschossige Zeilenbauten ab, Flächeneigentumsverhältnisse Privat 1-3 Privat 3-100 Wohnungsbaugesellschaft Baugenossenschaft Religionsgemeinschaft Stadt Karlsruhe Sonstiges Siedlungsfl äche (Bestand) Grün- und Freifl äche Straßenbahn Gewässer Engerer Untersuchungsbereich 3 STÄDTEBAULICHE UND RÄUMLICHE ANALYSE STADTPLANUNGSAMT | 13 während sich auf der jeweils gegenüberliegenden Straßenseite vier- und fünfgeschossige Zeilenbauten orthogonal zur Straße orientieren. Da die Wohnzeilen in ihrer Höhe nicht über den alten Baumbestand hinausragen, entsteht der Eindruck, die Siedlung befi nde sich im Wald. Auf der nördlichen Seite der Kolberger Straße befi nden sich fünf neungeschossige Hochhäuser. Der Erhaltungszustand der Gebäude ist unterschiedlich. Die drei- und viergeschossigen Zeilenbauten in der Insterburger Straße wurden in den letzten Jahren teilweise oder komplett saniert. In der Schneidemühler Straße dagegen befi nden sich viele noch nicht sanierte oder nur teilsanierte Gebäude. Auch die dreigeschossige Zeilenreihe in der Königsberger Straße sowie die Hälfte der Zeilenbauten und Hochhäuser in der Kolberger Straße wurden bis heute nur teilsaniert. Besonders die Ladenzeilen und die sozialen Einrichtungen, ursprünglich als soziale Mitte der Nachbarschaften gedacht, weisen heute einen erheblichen Modernisierungs- und Sanierungsbedarf sowie eine hohe Leerstandsquote auf. 3.4 INFRASTRUKTUR UND VERSORGUNG Die Waldstadt verfügt über gute Nahversorgungsangebote sowie eine hervorragende soziale Infrastruktur: zwei Grund- und Hauptschulen, ein Gymnasium, die Waldorfschule und die Europäische Schule sowie das Sportzentrum mit dem Fächerbad. Im Waldstadtzentrum befi nden sich neben verschiedenen Ladengeschäften eine Stadtbibliothek und mehrere Banken. An drei Tagen fi ndet dort auch ein Wochenmarkt statt. Auch westlich des Waldstadtzentrums im Bereich der Waldlage befi nden sich in jeder Wohnstraße Ladenzeilen. Diese Areale wurden ursprünglich als Nahversorgungszentren geplant. Diese Aufgabe hat seit den 80er Jahren jedoch das Waldstadtzentrum übernommen, zudem ist die Nachfrage nach Erhaltungszustand Kein Handlungsbedarf Handlungsbedarf absehbar Handlungsbedarf offensichtlich Siedlungsfl äche (Bestand) Grün- und Freifl äche Straßenbahn Gewässer Engerer Untersuchungsbereich 14 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE kleinen Einzelhandelsfl ächen gering. Einige wenige Läden gibt es noch in der Schneidemühler Straße und der Elbinger Straße. In der Waldstadt fehlen vor allem gastronomische Angebote sowie informelle Treffpunkte. 3.5 GEBÄUDETYPOLOGIEN UND FUNKTIONSZUSAMMENHÄNGE Die Waldlage wurde schrittweise von Süden in Richtung Norden entwickelt, von der Nachbarschaft um die Königsberger Straße bis zur Nachbarschaft um die Elbinger Straße. Im Laufe der Realisierung wurden die Planungsparameter immer wieder veränderten Wohnansprüchen angepasst. Dies betrifft insbesondere die Wohnraumgröße sowie den Stellplatzschlüssel. Im Bereich der Kolberger Straße mit der doppelten Erschließungsstraße und den Punkthäusern ist diese Entwicklung gut ablesbar. Während der Realisierung wurden zudem unterschiedliche Erschließungsvarianten der Zeilenbauten erprobt. Die nachfolgende Übersicht zeigt die verschiedenen Systeme auf: Typologie A  orthogonal zur Straße liegende Zeilenbauten werden seitlich erschlossen  die Gebäudeeingänge orientieren sich nach Westen („front to back“-Typologie)  EG-Wohnen mit persönlichem Freibereich  Balkonseite nach Süd-Osten orientiert Typologie B  orthogonal zur Straße liegende Zeilenbauten werden seitlich erschlossen  drei- und viergeschossige Zeilenbauten wechseln sich ab  die Gebäudeeingänge orientieren sich je zur einer Wegeverbindung  EG-Wohnen mit persönlichem Freibereich Typologie A Typologie B Typologie C Typologie D Typologie E 3 STÄDTEBAULICHE UND RÄUMLICHE ANALYSE STADTPLANUNGSAMT | 15 Offene Siedlungszeilen sind eingebettet in frei fl ießende Grünräume. Charakteristische waldartig geprägte öffentliche Grünbereiche zwischen den Siedlungseinheiten Typologie C  orthogonal zur Straße liegende Zeilenbauten werden seitlich erschlossen  die Gebäudeeingänge sowie die Balkonseite orientieren sich nach Osten („front to back“- Typologie)  EG-Wohnen mit persönlichem Freibereich nicht möglich Typologie D  orthogonal zur Straße liegende Zeilenbauten werden seitlich erschlossen (separate Wegeverbindung)  drei- und viergeschossige Zeilenbauten wechseln sich ab  EG-Wohnen mit persönlichem Freibereich nicht möglich Typologie E  zwei Zeilengebäude und ein Punkthochhaus bilden die Raumkanten eines Nachbarschaftshofes  die Gebäudeeingänge sind zur gemeinschaftlichen Freifl äche orientiert („front to front“-Typologie)  EG-Wohnen mit persönlichem Freibereich zur Rückseite hin orientiert 3.6 GRÜN- UND FREIFLÄCHENSYSTEM Das Grün- und Freifl ächensystem ist typisch für die Entstehungszeit: offene Siedlungszeilen sind eingebettet in frei fl ießende Grünräume. Es gliedert sich im Wesentlichen in die Freifl ächen der Zeilenbauten, die zwischen den Siedlungseinheiten liegenden waldartig geprägten öffentlichen Grünbereiche, die in Nord-Süd Richtung ausgerichteten offenen Wiesenfl ächen im Waldstadtzentrum sowie in die Grünbereiche um den Jägerhaussee. Als übergeordnete Struktur werden die Siedlungseinheiten in Ost-West-Richtung von öffentlichen Freifl ächen unterbrochen. Diese waren zur Anfangszeit teilweise als Wiesen mit Gehölzrändern angelegt und sind im Flächennutzungsplan als öffentliche Parks ausgewiesen. Heute stellen sie sich ausnahmslos als dichter Waldbestand dar. 16 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE 3.7 ÖFFENTLICHER RAUM Die öffentlichen Freiräume tragen in ihrer jetzigen Gestaltung nicht zur Urbanität der Siedlung bei. In vielen Bereichen entsteht der Eindruck eines Waldgebietes. Insbesondere im Westen der Grünfl ächen sind die Wege in Richtung der ehemaligen kleinen Versorgungszentren und Hardtwald wenig attraktiv gestaltet und die Wegeführung ist diffus. Die Freifl ächen zwischen den Zeilenbauten orientieren sich nicht zum öffentlichen Raum. Und die Straßenräume weisen ausschließlich Verkehrsfunktionen auf und dienen nicht als Begegnungsraum. Eine markante übergeordnete Struktur ist die historische Waldkante des Hardtwaldes, die auch heute noch in der Siedlung ablesbar ist. Ein in Nord-Süd-Richtung verlaufendes Freiraumband entlang der Waldkante dient 3 STÄDTEBAULICHE UND RÄUMLICHE ANALYSE Freiraumtypologien Hardtwald Öffentliche Waldparks Bewaldete Zwischenräume Offene Wiesenfl ächen Seengebiet Die Freifl ächen zwischen den Siedlungszeilen sind in sehr unterschiedlichem Zustand: Das Spektrum reicht von Rasenfl ächen mit Einzelbäumen bis hin zu dichten Waldbeständen, die vor allem die unteren Geschosse der Wohnbebauung stark verdunkeln. Teilweise sind an die Erdgeschosse kleine Privatgärten angegliedert. Die Qualität der wohnungsnahen Freifl ächen hängt neben dem Pfl egezustand erheblich von der Erschließung, den Grundstückszuschnitten und der Zuordnung der Gebäude zueinander ab. STADTPLANUNGSAMT | 17 Wegesystem Übergang Wohngebiete – Freiraumband Übergang und Anschluss Forstweg Parkwege Freiraumband Wege Siedlungsgrün Übergang Feldlage hier als übergeordnetes Bindeglied zwischen den Wohngebieten der Waldstadt-Waldlage und dem heutigen Waldstadtzentrum mit der Straßenbahnhaltestelle sowie der Überleitung in die Feldlage. Es ist die einzige größere wiesenartige Fläche in der Waldstadt und hat für die Orientierung im Stadtteil eine erhebliche Bedeutung. Dieses Band ist ein entscheidender Kontaktraum für die Waldstadt-Öffentlichkeit, denn es ermöglicht Freiraumnutzungen, die auf den anderen Grünfl ächen nicht möglich sind. Die Gestaltung dieses Raumes wird seiner Bedeutung jedoch nicht gerecht. Da er über keine markanten Baumbestände verfügt, diente er in der Vergangenheit lediglich als Reservefl äche für Baumaßnahmen. Der hier angelagerte Hauptweg stellt den wichtigsten Verteiler im Wegesystem der Waldstadt dar. Die Übergänge in die Wohnstraßen und die öffentlichen Parks sind allerdings nur schwach ausgeprägt. Das übergeordnete Freiraumband endet im Norden abrupt an einer Häuserzeile. Die Freifl ächen sind hier z. B. wegen des Verkehrsübungsplatzes nicht mehr frei zugänglich. Der Zusammenhang zum Gebiet der Jägerhausseen ist nicht gegeben. Der Zugang zu diesem wertvollen Naherholungsbereich wird durch die Linienführung von Straße und Straßenbahn, Zäunen und Gebäuden blockiert. Die Anbindung der nördlichen Siedlungsteile verliert sich in wenig einladenden Wegen, die aus dem Gesamtzusammenhang nicht schlüssig sind. 18 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE Städtebauliche Missstände Trennwirkung durch Straßenbahngleise Verkehrsbelastung, Lärmbelastung Wohnsiedlung Hoher Parkdruck Defi zitäre Quartierseingänge Mangelnde Gebäudesubstanz Defi zitäre Nahversorgung (Leerstand, mangelnde Gebäudesubstanz) Raumkanten mit Defi ziten/ Fehlende Raumkanten Mindergenutzte Fläche Überdimensionierung des Straßenraums Fehlender Bezug zur Straße Städtebaulich undefi nierte Situation Siedlungsfl äche (Bestand) Gebäude (Bestand) Öffentliche Einrichtungen Verkehrsfl äche Straßenbahn Grün- und Freifl äche Wald Gewässer 3 STÄDTEBAULICHE UND RÄUMLICHE ANALYSE STADTPLANUNGSAMT | 19 3.8 STÄDTEBAULICHE MISSSTÄNDE In vielen Nachbarschaften (z. B. Königsberger Straße, Schneidemühler Straße, Kolberger Straße) weisen die Zeilenbauten einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Die orthogonal zur Straße liegenden Zeilenbauten werden seitlich erschlossen. Die zur Straße ausgerichteten Wände weisen nur wenige Öffnungen und keine Eingänge auf. Als Folge wird die Straße oftmals nur als Verkehrsraum wahrgenommen. Das städtebauliche Prinzip der fl ießenden Räume sieht in der Regel keine räumliche Fassung vor. Eine Ausnahme bilden die Nachbarschaftszentren, die durch die S-förmige Verschwenkung des Straßenraums räumlich gefasst werden. Teilweise marode Gebäudesubstanz und Leerstand in den Ladenzeilen (Königsberger Straße, Schneidemühler Straße, Insterburger Straße) führen zu einem vernachlässigten Erscheinungsbild. Das ursprüngliche Parkierungs-Konzept (Garagenhöfe und Stellplätze im Straßenraum) ist mittlerweile überholt. Aufgrund der allgemeinen Zunahme der PKW-Nutzung auch im Quartier der Waldstadt besteht hoher Parkierungsdruck. Das Straßenbild ist vorwiegend von ruhendem Verkehr geprägt. Der Straßenraum der Glogauer Straße mit der starken Trennwirkung der Straßenbahngleise schwächt die Verbindungsfunktion der zentralen Versorgungsachse. Die beiden Quartiere Waldlage und Feldlage sind nur eingeschränkt vernetzt. Der intensive Durchgangsverkehr der Theodor- Heuss-Allee erzeugt eine hohe Verkehrs- und Lärmbelastung für die Wohnbereiche entlang der Straße und schränkt die Verbindung der Waldlage zum Hardtwald stark ein. Auch das Wegesystem in der Waldstadt trägt nicht zur städtebaulichen Verknüpfung bei. Die Wegeführung korreliert nicht mit dem Wegesystem des Hardtwaldes, es gibt keine eindeutig erkennbaren verbindenden Übergänge zwischen Siedlung und Wald. Die Waldstadt ist somit nicht in ein hochwertiges Grün- und Freiraumsystem eingebettet, sondern weist lediglich einen waldartigen Charakter auf („Stadt am/im Wald“). Die Übergänge ins Quartier aus Richtung des Freiraumbandes weisen städtebauliche und gestalterische Defi zite auf. Am nördlichen Ende der Freiraumachse, an der Ecke Glogauer Straße, unterbricht die geschlossene Seitenfassade eines Zeilengebäudes die Achse der übergeordneten in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Freiraumverbindung. Dadurch wird die intuitive räumliche Orientierung behindert und die nördlichen Siedlungsbereiche sowie die Freiräume der Jägerhausseen werden nicht durch die zentrale Freiraumachse erschlossen und so miteinander verbunden. Zeilenbauten mit Sanierungsbedarf in der Kolberger Straße. Das Erscheinungsbild in den ursprunglichen Quartierszentren ist durch Leerstand und funktionale Mängel geschwächt. Undefi nierter Übergang zwischen der grünen Mitte und den Nachbarschaften. 20 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE 4.1 ÖFFENTLICHKEITSBETEILIGUNG Als Auftakt des Beteiligungsprozesses fand im Februar 2014 ein Spaziergang durch den Stadtteil mit Vertretern des Bürgervereins statt und in einem ersten Gespräch wurden die Schwächen und Stärken des Quartiers besprochen. Im Juli 2014 wurde in Kooperation mit der Stadt Karlsruhe ein Planungsworkshop organisiert. Mehr als 25 Teilnehmer nahmen die Gelegenheit wahr, die wichtigen Themen sowie die Vertiefungsbereiche des Rahmenplanes festzulegen. In der ersten Arbeitsrunde wurden die Bürgerinnen und Bürger gebeten, die bestehenden Probleme, aber auch die positiven Aspekte in der Waldstadt zu benennen. Auf Grundlage der Beschreibungen wurden gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern Leitthemen herausgearbeitet:  ÖPNV/ Lage  Nahversorgungszentren  Jägerhaussee  Mitte / Waldstadtzentrum  Gastronomie / Treffpunkte  Modernisierung  Wohnen im Alter  Wohnen mit Kindern  Sicherheit  Verkehr Eine „Wohlfühlkarte“ bot den Teilnehmenden die Gelegenheit, ihre persönliche Wahrnehmung der Waldstadt in einem räumlichen Bild festzuhalten. Orte mit Wohlfühlcharakter sowie Unorte bzw. Orte mit Mängeln wurden auf der Karte mit grünen und roten Punkten wie folgt markiert: Orte mit Wohlfühlcharakter  die Waldfi nger  die grüne Mitte  gut genutzte Zwischenräume (als Gemeinschaftsfl ächen) Orte mit Mängeln  Garagenhöfe und Quartierszentren  Übergänge zwischen den einzelnen Quartieren und der grünen Mitte  nicht sichtbare Aufenthalts- und Spielbereiche  Übergang zwischen Hardtwald und Waldfi ngern  Straßenräume Im Anschluss präsentierten die beauftragten Planungsbüros ihre räumliche und funktionale Analyse. Anhand der Bewertung der anwesenden Bürgerinnen und Bürger und der Analyse Wohlfühlkarte, Planungsworkshop. 4 PLANUNGSPROZESS STADTPLANUNGSAMT | 21 der Planer wurden die städtebaulichen und freiraumbezogenen, die nutzungsbezogenen sowie die verkehrlichen Aspekte erneut thematisiert und schließlich die Probleme und Potenziale des Stadtteils gegeneinander abgewogen. Von Seiten der Bürgerinnen und Bürger wurden Ziele entwickelt, die die Planer bei ihrer weiteren Bearbeitung berücksichtigen sollen. Diese Ziele lassen sich den folgenden zwei Vertiefungsbereichen zuordnen: Vertiefungsbereich 1 – Garagenhöfe und Quartierszentren  Zustimmung der Anwesenden: Lösungen für die Garagenhöfe erarbeiten  Vorteile bzw. ein Mehrwert für das Umfeld (Qualifi zierung) sichern  Situative Betrachtung der einzelnen Garagenhöfe (Königsberger Straße, Schneidemühler Straße, Kolberger Straße)  Verdichtung „nach oben“ prüfen (Aufstockung)  Berücksichtigung der umgebenden Bebauung  Prüfung der angemessenen Bebauungshöhe  Integration des ruhenden Verkehrs  Konzentration der Nahversorgung in Schneidemühler Straße und Elbinger Straße; Ladenzeilen in Königsberger Straße und Insterburger Straße -> Potenzial zum Wohnen  Wegeverbindungen verbessern (Orientierung / Lesbarkeit des Netzes, Gestaltung)  Quartierszentren als informelle Treffpunkte weiterentwickeln Vertiefungsbereich 2 – Bereich Zeilenbauten: Qualifi zierte Nachverdichtung, Siedlungsgrün / Modernisierung  Besonders im Süden den ruhenden Verkehr betrachten und mögliche Lösungen anbieten  Neue Dachformen/Aufstockung prüfen (inkl. Stirnseite an der Straße)  Kubaturen der Häuser neu denken  Energetische Sanierung und Barrierefreiheit (Aufzug)  Eine Tiefgarage zwischen den Zeilen scheint (ohne neue Bebauung) kaum machbar  Gemeinschaftsfl ächen in den Zwischenräumen: geschützte Arten berücksichtigen Im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 15. Oktober 2014 wurden den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern (ca. 50 Teilnehmer) die ersten Ergebnisse der Konzeptionsphase der Planenden vorgestellt. Daraufhin konnten die Bürgerinnen und Bürger in einer offenen Diskussionsrunde weitere Planungshinweise geben. Abstimmung im Plenum, Informations- veranstaltung. Gruppenarbeit, Planungsworkshop. Gruppenarbeit, Planungsworkshop. 22 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE Modernisierungsstand der Gebäude im Stadtteil Waldstadt- Waldlage (links) und in der Gesamtstadt Karlsruhe (rechts). Angaben der Befragten zur Barrierefreiheit ihrer Wohnung im Stadtteil Waldstadt-Waldlage (links) sowie zu deren Eingangsbereich und Aufzug (rechts). Hat heutigen Neubaustand Wurde umfassend modernisiert Wurde teilmodernisiert Barrierefrei Wurde mit älterer Ausstattung instand gehalten Hat Mängel in der Instandhaltung Nicht barrierefrei Als wichtigste Themen wurden folgende genannt:  Garagenhöfe  Parken im Straßenraum  Freiraum  ÖPNV-Anbindung  Übergänge zwischen Hardtwald und der Siedlung  Quartierszentren Die von den Planenden erarbeiteten räumlichen Ideen zur Weiterentwicklung des Stadtteils wurden grundsätzlich positiv bewertet. Um die Waldstadt „fi t“ für den demographischen Wandel zu machen, wurde darüber hinaus vorgeschlagen, noch intensiver über Barrierefreiheit nachzudenken. Die Investitionsbereitschaft der privaten Eigentümer ist jedoch eher gering. Die Anwesenden sehen daher die Stadt und die Wohnungsbaugesellschaften in der Pfl icht. Unklar blieb auch, inwieweit die Investitionen in neue Räume und neue Qualitäten der Allgemeinheit zugutekommen können. 4.2 DISKUSSIONSRUNDE MIT DEN WOHNUNGSUNTERNEHMEN Später wurden auch die großen Einzeleigentümer – die Baugenossenschaft Hardtwaldsiedlung Karlsruhe eG und die städtische Wohnungsbaugesellschaft VOLKSWOHNUNG GmbH – in die Planungen einbezogen. Die von den Planenden vorgestellten Ideen wurden von den Vertretungen der Eigentümer grundsätzlich positiv bewertet. Hervorgehoben wurde, dass durch die konsequente Zuordnung der Räume Handlungssicherheit für zukünftige private Maßnahmen entsteht. Die mangelnde Belichtung der Wohnräume aufgrund des dichten Baumbestandes erschwere jedoch die Vermietung der Wohnungen und sorge für Beschwerden der Mieter. Der Parkierungsdruck im Bestand könnte durch zusätzliche Neubauten noch stärker werden. Gefordert wurde daher eine präzise Stellplatzregelung. 4.3 UMFRAGEERGEBNISSE Im Verlauf des Verfahrens wurde deutlich, dass der überwiegende Teil der bei öffentlichen Veranstatlungen Anwesenden zu Eigentümern im Bereich des Rahmenplanes gehörte. Um auch ein Meinungsbild der Mietenden zu erhalten, wurde eine Befragung dieser durchgeführt. Die Befragung ergab wichtige Hinweise für die Formulierung der Leitziele. Insgesamt wurden 2.000 Fragebögen verschickt. 658 ausgefüllte Fragebögen gingen in die Auswertung ein. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 34,2 %. Die vollständige Auswertung der Befragung ist in einem separaten Bericht dokumentiert. Die wichtigsten Ergebnisse werden im Folgenden kurz beschrieben. Der Modernisierungsstand der Wohnung / des Hauses wurde nur von ca. 25 % der Befragten als gut und sehr gut eingestuft. Die meisten Wohnungen in der Waldstadt (ca. 40 %) sind nur 4 PLANUNGSPROZESS STADTPLANUNGSAMT | 23 teilmodernisiert. 35 % der Wohnungen sind mit älterer Ausstattung instand gehalten oder weisen Mängel in der Instandhaltung auf. Die Frage, ob ihre Wohnung barrierefrei ist, haben nur 33 % der Befragten positiv beantwortet. Von den Bereichen, die nicht barrierefrei sind, wurden mit 72 % am häufi gsten der Eingangsbereich und der Aufzug erwähnt. Im Hinblick auf die Wohnungsanforderungen wurden folgende Themen als besonders wichtig eingestuft: Bezahlbarer Wohnraum (66 %), ausreichende Wohnfl äche (65 %) und gute Belichtung (64 %). Was die Wohnumfeldanforderungen angeht, wurden folgende Themen als wichtig empfunden: Sicheres Wohnumfeld (86 %), Grünfl ächen (79 %) und Infrastruktur (61 %). Das Thema „privater Parkplatz“ wurde nur von 33 % der Befragten erwähnt. Mit dem Parkplatzangebot in der Waldstadt zeigen sich allerdings nur 39 % der Befragten „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“, 22 % der Befragten sind „teilweise zufrieden“, 39 % sehr unzufrieden. Im Vergleich mit der Waldstadt sieht die Situation in der Gesamtstadt Karlsruhe besser aus: 50 % der Befragten bezeichnen sich als „sehr zufrieden“ und „zufrieden“, während sich nur ca. 25 % als „unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“ zeigen. Der Zustand der Gebäude im Stadtteil wurde in der Waldstadt deutlich schlechter als in der gesamten Stadt beurteilt. Während sich in Karlsruhe nur 3 % der Bewohner als „unzufrieden“ oder „sehr unzufrieden“ bezeichnen, sind diese Kategorien im Stadtteil Waldstadt jeweils mit 13 % repräsentiert. „Teilweise zufrieden“ zeigen sich 28 % der Befrag- ten in Karlsruhe, in der Waldstadt sind es 39 %. Bei den Angeboten für Jugendliche und Wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten verfügt die Waldstadt über eine sehr gute Ausgangslage. 58 % der Befragten bezeichnen sich als „sehr zufrieden“ und „zufrieden“ mit den Angeboten für Jugendliche. 81 % der Befragten sind „sehr zufrieden“ und „zufrieden“ mit den Einkaufsmöglichkeiten. Mit den Gastronomieangeboten ist mehr als die Hälfte der Bewohner „sehr unzufrieden“ oder „unzufrieden“, 31 % sind „teilweise zufrieden“. Zum Thema Verbesserung der Lebensqualität im Stadtteil wurden folgende Handlungsfelder am häufi gsten erwähnt: Parksituation – 27 %, Gastronomie / Soziale Treffpunkte – 21 %, Pfl ege Grünfl ächen / Wald – 16 %, Straßen / Wege (Pfl ege / Instandhaltung) – 14 %, Sanierung, Modernisierung (bezahlbar) – 13 %. Sehr zufrieden Zufrieden Teilweise zufrieden Unzufrieden Sehr unzufrieden Zufriedenheit der Befragten mit der Parkplatzsituation im Stadtteil Waldstadt- Waldlage (links) und in der Gesamtstadt Karlsruhe (rechts). Zufriedenheit der Befragten mit dem Gebäudezustand im Stadtteil Waldstadt- Waldlage (links) und in der Gesamtstadt Karlsruhe (rechts). Zufriedenheit der Befragten mit dem Gastronomieangebot im Stadtteil Waldstadt- Waldlage (links) und in der Gesamtstadt Karlsruhe (rechts). 24 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE 5.1 LEITZIELE Ausgehend von den Ergebnissen der Analyse, den Ideen der Bürgerinnen und Bürger aus dem Planungsworkshop sowie der Einbindung der Eigentümer wurden die folgenden Leitziele für den Rahmenplan Waldstadt – Waldlage defi niert: ERHALT DES GENIUS LOCI: „STADT IM WALD“, FLIESSENDE RÄUME Einer der Leitgedanken der ursprünglichen Planung von Prof. Selg war die Gliederung der einzelnen „Nachbarschaften“ durch öffentliche Grünfl ächen, die als Erholungsräume dienen und Spielplätze für Kinder sowie Ruheplätze anbieten. Durch die längliche Orientierung der Wohngebäude ergibt sich ein wichtiges Merkmal der Waldstadt: der fl ießende Raum, der Blickbeziehungen zwischen Freiräumen unterschiedlicher Nutzung zulässt und als Ganzes wahrgenommen wird. Ziel der städtebaulichen und freiräumlichen Rahmenplanung sollte es daher sein, Strategien und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, um die Waldstadt zu erneuern, ohne jedoch den Genius Loci, den „Geist des Ortes“ zu verändern. SICHERUNG EINES MEHRWERTS BEI DER ENTWICKLUNG DER MINDERGENUTZTEN FLÄCHEN Ziel der geplanten Umstrukturierung sollte es sein, die Aufenthaltsqualität und Attraktivität der Waldstadt insgesamt zu steigern. Die Einzelinteressen von Investoren müssen auf ihre Gesamtwirkung für den Stadtteil hin untersucht werden. Neben einer Rendite für die Investoren müssen die Projekte auch einen Mehrwert für die Waldstadt liefern. BARRIEREFREIE UND ALTERSGERECHTE WOHNFORMEN Angesichts der Tatsache, dass rund 25 % der Anwohner über 65 Jahre und weitere 25 % zwischen 45 und 65 Jahre alt sind, sollten bei der Entwicklung neuer Wohnangebote sowie bei der Modernisierung des Gebäudebestands die Aspekte „Barrierefreiheit“ und „altersgerechtes Wohnen“ besondere Bedeutung erhalten. Auch das Wohnumfeld sollte so gestaltet sein, dass Versorgungsangebote und ÖPNV-Anbindungen fußläufi g erreicht werden können. Zudem sollen neue informelle Treffpunkte geschaffen werden, um Kontakte der Anwohner zu fördern beziehungsweise zu ermöglichen. UMSETZUNG HOHER ENERGETISCHER STANDARDS Viele Gebäude der Waldstadt sind vom Gebäudestandard her noch auf dem Stand ihrer Errichtung in den 1950er und 1960er Jahren. Eine energetische Sanierung des Gebäudebestands ist daher zwingend geboten. Dabei soll eine sozial verträgliche Sanierung angestrebt werden. Bei Umbau- und Sanierungsprojekten sind die Betroffenen möglichst frühzeitig zu informieren und aktiv in die Planungen einzubinden. SOZIALE VIELFALT Die Sicherung der sozialen Vielfalt und des Zusammenhalts im Quartier ist den Anwohnern ein wichtiges Anliegen. Entmischungsprozesse während der Umsetzung von Sanierungs- und Modernisierungsprojekten sollen verhindert werden. Auch bei der Planung von neuen Wohngebäuden wie beispielweise im Bereich der Garagenhöfe soll eine sozial gerechte Mischung angestrebt werden. Das Wohnen in der Waldstadt soll auch zukünftig bezahlbar bleiben. VERBESSERUNG DER FREIRAUMQUALITÄT Das Freiraumsystem der Waldstadt ist der Träger der Siedlungsstruktur. In der Zuordnung und Deutung der Räume gibt es jedoch Unsicherheiten und Missverständnisse. Daher müssen die Freiräume eindeutig zugeordnet und Status und Funktion klar defi niert sein, z. B. durch Zuordnung der Freiräume zu bestimmten Typen. Von großer Bedeutung für die Stärkung der Wohnfunktion 5 RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE STADTPLANUNGSAMT | 25 ist auch die Attraktivierung der Freiräume. Die gemeinschaftlichen wohnungsnahen Freiräume müssen in enger Verzahnung mit den Gebäuden und ihrer Erschließung verbessert werden. Hier gilt es, gemeinschaftliche Orte für Hausgemeinschaften und Kinderspielmöglichkeiten, attraktive Eingangsbereiche und private Freiräume, z. B. durch Freisitze mit guter Anbindung an die Gebäude und mit guter Belichtung, zu schaffen. Für den Umgang mit dem immer dichter werdenden Gehölzbestand sollen Gestaltungsregeln benannt werden, die sehr behutsam mit dem bestehenden Freiraumsystem umgehen und die besonderen Freiraumqualitäten weiterentwickeln. Die öffentlichen Freiräume müssen das erweiterte Wohnumfeld stärken. Nachbarschaftliche Beziehungen über die Hausgemeinschaften hinaus benötigen Begegnungsräume. Aber auch die Verknüpfungen innerhalb der Gesamtsiedlung sowie Treffpunkte und Wahrnehmungsräume für die Waldstadtöffentlichkeit sind von Bedeutung. BERÜCKSICHTIGUNG DER VORHANDENEN EIGENTÜMERSTRUKTUREN Der Rahmenplan muss auf die spezifi sche und sehr vielschichtige Eigentümerstruktur der Waldstadt Rücksicht nehmen. Die Eigentümer müssen von der Notwendigkeit von Investitionen überzeugt werden. Es ist wichtig, ein Konzept zu erarbeiten, das eine schrittweise Realisierung zulässt. Die Eigentümer und die Anwohner sind auf allen Planungsebenen an der Entscheidungsfi ndung zu beteiligen. 5.2 RÄUMLICHES LEITBILD UND STÄDTEBAULICHE ZIELE Für das Rahmenplankonzept wurden folgende fünf Themenfelder formuliert, um die gemeinsam mit der Bürgerschaft entwickelten Leitziele in räumliche Entwicklungsstrategien zu übertragen: 1. Zukunftsfähige Quartierszentren 2. Aufenthalts- und Erholungsräume – Die grüne Mitte und die Waldstadtpromenade 3. Optimierung der Vernetzung 4. Modernisierung und qualifi zierte Innenentwicklung im Zeilenbereich 5. Barrieren überwinden –„Waldstadtboulevard“ und Jägerhaussee Leitbild 26 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE 5.2.1 ZUKUNFTSFÄHIGE QUARTIERSZENTREN Die mindergenutzten, zentral gelegenen Flächen der ursprünglich angedachten Nachbarschaftszentren sind zu stärken und zu qualifi zieren. Die Flächen der Garagenhöfe sowie der Ladenzeilen wurden von der Mehrheit der beteiligten Bürgerinnen und Bürger als Chance für eine städtebauliche Erneuerung angesehen. Die Entwicklung dieser Potenzialfl ächen soll nach situativer Betrachtung der umgebenden Bebauung erfolgen und einen Mehrwert für die umliegenden Wohnbereiche sichern. Den neuen Nachbarschaftszentren sollte im Rahmen der Umstrukturierung eine besondere Bedeutung zukommen. Im Mittelpunkt der Entwicklung sollen die öffentlichen Räume stehen. Attraktiv gelegen im westlichen Bereich der Waldfi nger und gut eingebunden in das Wege- und Freiraumnetz sollen die Quartiersplätze wichtige Begegnungsorte im Quartier werden und das Wegesystem an der aktuell schwächsten Stelle im Übergang zum Hardtwald stärken. Die neuen Wohnbauten sollen öffentlich orientierte Erdgeschosszonen anbieten. Kindergärten, Gastronomieangebote oder kleine Nahversorgungsangebote sollen die sozialen Kontakte im Quartier fördern. Nachbarschaftstreffpunkte könnten darüber hinaus in zentral gelegenen Mehrgenerationenhäusern entstehen. Neben Sonderwohnformen können angrenzend zeitgemäße Geschosswohnungen entstehen. In den Verknüpfungsbereichen zu Reihen- und Einfamilienhäusern könnten Punkthäuser (Waldvillen) einen verträglichen Übergang schaffen. Ziel sollte es sein, neue Wohnformen wie beispielweise Mehrgenerationen-Wohnen sowie eine ausgewogene Mischung aus sozial orientierten Bauträgern, Baugenossenschaften und Baugruppen zu fördern. 5.2.2 AUFENTHALTS- UND ERHOLUNGSRÄUME – DIE GRÜNE MITTE UND DIE WALDSTADTPROMENADE Eine Schlüsselfunktion im Freiraumsystem der Waldstadt hat die grüne Mitte mit der Waldstadtpromenade. Sie soll dauerhaft gesichert und als hochwertiger Freiraum gestaltet werden. Dieser Raum soll exemplarisch für alle öffentlichen Freiräume erneuert werden. Die offenen Wiesenfl ächen sollen an der Rändern eine Kontur erhalten, die die Flächen als Wiesen defi niert und auch langfristig vor neuen Baumaßnahmen schützt. Der zentrale Hauptweg soll zur großzügigeren „Waldstadtpromenade“ entwickelt werden. Diese soll neben einer bequemen Wegeverbindung auch zum Aufenthalt einladen. Die Wegebreite soll vergrößert werden, es sollen ein Bodenbelag „mit Wiedererkennungswert“ eingesetzt und Zukunftsfähige Quartierszentren: Piktogramm und Axonometrie. 5 RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE STADTPLANUNGSAMT | 27 markante Sitzmöglichkeiten angeboten werden. Die Übergänge von der grünen Mitte in die Waldfi nger und die Quartierstraßen sollen gestalterisch über- arbeitet werden. Ein übergeordnetes Beleuchtungs- system soll zur besseren Orientierung wie auch zur Vermeidung von Angsträumen beitragen. 5.2.3 OPTIMIERUNG DER VERNETZUNG Bauliche Entwicklungsmöglichkeiten sollen immer auch einen Mehrwert für den öffentlichen Raum und die Stärkung des Wegesystems bieten. Sie können sich deutlicher zum Straßenraum hin orientieren. Dadurch entstehen Vorbereiche mit öffentlicher Wahrnehmung innerhalb des Quartiers, die den Straßenraum vom bloßen Parkplatz abheben. Im Bereich der Wendeschleifen sollen Einzelgebäude den Übergang in die Wohnstraßen attraktiver machen und belebte Erdgeschosszonen bieten. Die bessere Vernetzung soll auch durch klarere Wegeführungen und eine bessere Ausleuchtung unterstützt werden. Es sollen mehr besondere Orte entstehen, die logisch angebunden sowie markant ausgeprägt und damit besser auffi ndbar sind. 5.2.4 MODERNISIERUNG UND QUALIFIZIERTE INNENENTWICKLUNG IM ZEILENBEREICH Die zentralen Bereiche der Waldlage mit den zeilenförmigen drei- bis fünfgeschossigen Wohn- bauten stellen den größten Teil der Bebauung dar und bieten somit das größte Erneuerungspotenzial. Aufgrund der Eigentümerstruktur sowie des geforderten Erhalts der städtebaulichen Zeilenstruktur ist eine grundlegende Überformung dieses Bereichs nicht möglich. In Zusammenarbeit mit der Verwaltung sowie den Eigentümern wurden drei Erneuerungsstrategien entwickelt, um die oben beschriebenen Ziele der Rahmenplanung zu verwirklichen: 1. Neubau – Ergänzung an den Potenzialräumen 2. Sanierung und Modernisierung – Überformung des Bestands 3. Abriss und Neubau – Überformung des Bestands fl ächenhaft Aufenthalts- und Erholungsräume: Axonometrie und Piktogramm. Optimierung der Vernetzung. 28 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE Die Erneuerungsstrategien sollen den beteiligten Akteuren bei ihrer Entscheidungsfi ndung zur Verfügung stehen und verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. In Abhängigkeit von den jeweiligen Rahmenbedingungen und Eigentumsverhältnissen können eine oder mehrere Strategien zur Anwendung kommen: Strategie 1: Neubau – Ergänzung an den Potenzialräumen Im Plangebiet der Waldstadt wurden vielfältige mindergenutzte Potenzialfl ächen identifi ziert. Neben den Flächen im Bereich der Nachbarschaftszentren gibt es auch im Bereich der Zeilen mindergenutzte Flächen. Hier sind zum einen die überdimensionierten Wendefl ächen zu benennen. Es gibt jedoch auch im Bereich der Zeilen Flächen, die für eine punktuelle Einfügung neuer Baukörper geeignet erscheinen. Entlang der Stichstraßen könnten Punkthäuser zwischen den Zeilen platziert werden, ohne die Zeilen zu verschatten oder das Prinzip der fl ießenden Räume zu beeinträchtigen. Diese neuen Baukörper müssten mit einer Tiefgarage unterbaut werden, die sich in den Hofbereich hineinzieht. Im Unterschied zu den bestehenden Zeilenbauten orientieren sich die Neubauten mit ihren Eingängen konsequent zur Straße. Als Nutzergruppen für die Punkthäuser auf den städtischen Flächen wären Familien mit Kindern, organisiert als Baugemeinschaftsprojekte, gut vorstellbar. Strategie 2: Sanierung und Modernisierung – Überformung des Bestands Um die Häuserzeilen in der Waldstadt auf den aktuellen energetischen Standard zu bringen und den Wohnungsbestand den heutigen Bedürfnissen anzupassen (u. a. Sicherung der Barrierefreiheit), sind umfassende Modernisierungsmaßnahmen notwendig, die mit hohen Investitionskosten verbunden sind. Für eine barrierefreie Modernisierung sind beispielsweise außenliegende Aufzüge erforderlich. Für eine Wohnungseigentümergemeinschaft ist die Finanzierung solch umfassender Maßnahmen eine Modernisierung und qualifi zierte Innenentwicklung: Axonometrie und Piktogramm. Neubau: Ergänzung an den Potenzialräumen Sanierung und Modernisierung: Überformung des Bestands beispielhaft Abriss und Neubau: Überformung des Bestands fl ächenhaft 5 RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE STADTPLANUNGSAMT | 29 große Herausforderung, die zumeist nicht von der Sanierungsrücklage bezahlt werden kann. Um die Sanierungskosten zu fi nanzieren, sollte den Eigentürmern daher die Möglichkeit eingeräumt werden, die Bestandsgebäude aufzustocken oder anderweitig zu überformen, um neue Wohnungen zu schaffen, die die Sanierungskosten kompensieren bzw. lindern. Die Überformung und Weiterentwicklung des Bestands kann nur erfolgreich sein, wenn hierbei von Seiten der Stadt auf den Nachweis von zusätzlichen Stellplätzen verzichtet wird. Strategie 3: Abriss und Neubau – Überformung des Bestands fl ächenhaft Oft entsprechen die bestehenden Wohnungen nicht mehr dem heutigen Wohnstandard oder eine umfassende Modernisierung ist aufgrund maroder Bausubstanz unwirtschaftlich. Die dritte Strategie sieht daher vor, dass die bestehenden Zeilen zurückgebaut werden und auf den frei werdenden Flächen Neubauten mit zeitgemäßen Wohnungsgrößen entstehen. Die Neubauten könnten ebenfalls eine größere Geschossanzahl aufweisen. Die überdimensionierten Abstandsfl ächen zwischen den Zeilen lassen das zu. Die notwendigen Stellplätze müssen in Tiefgaragen unter den Gebäuden nachgewiesen werden. Aufgrund der angespannten Parkplatzthematik wäre es zudem vorstellbar, die geforderten Besucherstellplätze ebenfalls in den Tiefgaragen zu verorten. 5.2.5 BARRIEREN ÜBERWINDEN –„WALDSTADTBOULEVARD“ UND JÄGERHAUSSEE Die Anbindung der nördlichen Quartiere und der Freiräume um die Jägerhausseen soll weiterentwickelt werden. Dazu ist am nördlichen Ende der grünen Mitte eine komplette Neuorganisation von Gebäuden und Erschließungen notwendig. Ziel ist es, sowohl die nördlichen Quartiere besser an das Gefüge der Waldstadt anzubinden, als auch das wertvolle Potenzial der Freiräume um die Jägerhausseen besser zu erschließen und als Naherholungsfl ächen zu nutzen. Das von den Bürgerinnen und Bürgern gewünschte Gastronomieangebot könnte an dieser wichtigen Schnittstelle angesiedelt werden. Barrieren überwinden – Waldstadtboulevard und Jägerhaussee: Axonometrie und Piktogramm. 30 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE STADTPLANUNGSAMT | 31 32 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE PHASE 2: LEUCHTTURMPROJEKTE Die zweite Phase setzt die Erneuerung der Siedlung durch Leuchtturmprojekte im Bereich der Zeilenbauten fort. In diese Kategorie fallen die punktförmigen Neubauten zwischen den Zeilen in der Königsberger Straße und der Schneidemühler Straße sowie die Gebäude in schlechtem Bauzustand, die sich im Besitz einer Wohnungsbaugesellschaft oder Baugenossenschaft befi nden oder der Stadt gehören. Für die Zeilenbauten wird eine umfassende Sanierung und Modernisierung angestrebt, in Einzelfällen können aber auch alternative Optionen (z. B. Abriss und Neubau) erwogen werden. Ziel der Leuchtturmprojekte ist es, die Umsetzbarkeit nachzuweisen und die neuen Qualitäten sichtbar zu machen. Sie dienen als Anschauungs- und Überzeugungsprojekte für die Diskussion innerhalb der Wohnungseigentümergemeinschaften. PHASE 3: UMFASSENDE ERNEUERUNG Die dritte Phase, die umfassende Erneuerung, setzt die umfangreichsten Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen in Gang. Sowohl Gebäude mit schlechter Bausubstanz als auch solche mit mittlerem Sanierungsbedarf werden auf Grundlage der entwickelten Strategien erneuert. Es wäre wünschenswert, wenn durch die Realisierung der Leuchtturmprojekte möglichst viele Eigentümer für die Modernisierung ihrer Bestandsbauten gewonnen werden könnten. Aufgrund der komplexen Eigentümerstruktur und der Eigenheiten des Wohnungseigentumsgesetzes, das bei grundlegenden Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen eine einstimmige Entscheidung verlangt, ist die Umsetzungschance der dritten Phase derzeit nicht planbar. 6.1 GEBÄUDE Die im folgenden Kapitel erläuterte Umsetzungsstrategie basiert auf einer Synthese des Analyseteils (u. a. Flächeneigentumsverhältnisse, Erhaltungszustand) sowie der oben erläuterten Strategien der Modernisierung und strebt eine schrittweise qualifi zierte Innenentwicklung des gesamten Quartiers an. Anhand von drei Phasen wird ein grober zeitlicher Rahmen für die räumliche Entwicklung des Gebiets defi niert. Der in Phasen festgelegte Zeitplan entfaltet keine verbindliche Wirkung und kann bei Mitwirkungsbereitschaft einzelner Akteure beliebig abgeändert werden. PHASE 1: AKTIVIERUNG MINDERGENUTZTER BEREICHE Die erste Phase der städtebaulichen Erneuerung setzt den Fokus auf die mindergenutzten Bereiche des Stadtteils Waldstadt – Waldlage. In die Kategorie der mindergenutzten bebauten Flächen, die neu strukturiert werden sollen, fallen die Garagenhöfe, die Ladenzeilen sowie die entbehrlichen religiösen Einrichtungen in den Nachbarschaftszentren. Die Flächen befi nden sich in Privatbesitz, jedoch mit einer überschaubaren Zahl von Eigentümern, oder gehören Religionsgemeinschaften bzw. der Stadt Karlsruhe. Die privaten Eigentümer und die betroffenen Religionsgemeinschaften haben Ihre Mitwirkungsbereitschaft signalisiert, sodass hier von einer zeitnahen Umsetzung ausgegangen werden kann. Auch die mindergenutzten Verkehrsfl ächen wie die Wendeschleifen am jeweiligen Ost-Ende der Nachbarschaftsstraßen sowie die Flächen an der Schnittstelle zwischen den Nachbarschaftsstraßen und der Freiraumachse bieten sich für eine solche „Aktivierung“ an. Hier könnten Neubauten entstehen, die z. B. für generationsübergreifendes oder betreutes Wohnen geeignet sind und zudem den Nachbarschaftseingang sichtbar machen. 6 UMSETZUNGSSTRATEGIE STADTPLANUNGSAMT | 33 Mindergenutzte Bereiche Leuchtturmprojekte Umfassende Erneuerung Neubau/Modernisierung/Sanierung Abbruch Bestand 6.2 FREIRAUM 6.2.1 ZUORDNUNG DER RÄUME – DAS BILD DER WALDSTADT Der erste und wichtigste Schritt ist die Zuordnung der Freiräume im Rahmenplan. Dadurch entsteht ein übergeordneter Zusammenhang, in den auch die Siedlungsstrukturen eingebunden sind. SIEDLUNGSGRÜN Die fl ießenden Grünräume, die den Wohnzeilen zugeordnet sind, werden als „Siedlungsgrün“ defi - niert. Als Bestandteil des Wohnumfelds sollen sie als Wiesenfl ächen mit Bäumen weitgehend ohne Unterwuchs gepfl egt werden. Durch Sanierungs- maßnahmen können an den Gebäuden neue private Freisitze sowie gemeinschaftliche Flächen an den Zugangsseiten der Gebäude geschaffen werden. WALDFINGER Die öffentlichen Parks zwischen den Siedlungs- einheiten werden als „Waldfi nger“ entwickelt. Sie behalten ihren waldartigen Charakter, aber auch hier müssen vor allem im Bereich der öffentlichen Wege unübersichtliche Situationen mit Unterholz entfernt werden. Die Vielzahl der Wege soll zugunsten eindeutigerer und mit einem besseren Lichtraumprofi l ausgestatteter Hauptwege reduziert werden. Diese können sich an den Forstwegen des Hardtwaldes orientieren. Auch die eingestreuten Spielplätze und Treffpunkte müssen durch Auslich- tung des Baumbestandes besser belichtet werden, um eine höhere Aufenthaltsqualität und ein besseres Sicherheitsgefühl der Nutzer zu gewinnen. Mit dem Ziel eines lichteren Baumbestandes, soll im Rahmen der Pfl ege der Unterwuchs weitestgehend entfernt werden um die natürliche Verjüngung zu steuern. Generell ist zu prüfen, wie viele Spielplätze notwendig sind. Voraussichtlich können einige in die Jahre gekommene Spielplätze aufgelassen werden. Andere Spielplätze sollten hingegen umfassend erneuert werden. 34 | RAHMENPLAN WALDSTADT – WALDLAGE GRÜNE MITTE Die Wiesenfelder zwischen den Waldfi ngern und dem Waldstadtzentrum sollen als offene grüne Mitte erhalten werden. Sie bleiben weitgehend gehölzfrei und sollen durch Baumreihen und Wege an den Rändern sowie einen breiten „Waldstadtboulevard“ als Mittelpunkt der öffentlichen Räume in der Waldstadt gesichert und gestärkt werden. Für den Bereich der grünen Mitte mit dem Waldstadtboulevard sollte ein konkretes Projekt entwickelt werden, um eine Initialzündung für die öffentlichen Freiräume zu bewirken. Dies könnte insbesondere im Zusammenhang mit Baumaßnahmen an anderer Stelle eine positive identitätsstiftende Wirkung für die Bevölkerung im Quartier haben. JÄGERHAUSSEEN Die Anbindung der nördlichen Wohnstraßen und des Gebietes um die Jägerhausseen ist ein neuralgischer Punkt im Wegegefl echt der Waldstadt. Die komplizierte Überlagerung von Gebäuden, Erschließungen und monofunktionalen Freiraumnutzungen erfordert eine konkretere Planung. Hier ruht ein großes Potenzial für die Freiraumqualität im gesamten Quartier. 6.2.2 STRASSENRÄUME UND PARKRAUMMANAGEMENT Die Straßenräume sollen als öffentliche Räume gestärkt werden. Im Falle von neuen Baumaßnahmen sollen zusätzliche Tiefgaragenplätze geschaffen werden, die es ermöglichen, Parkplätze im Straßenraum zu reduzieren. Weiterhin sollen Querungshilfen von Nord nach Süd geschaffen werden, an denen punktuell Stellplätze entfernt werden, um Gehsteig und Gehsteig näher zusam-menzuführen und den Straßenraum in der Abfolge mit kleinen Plätzen zu gliedern. In den südlichen Bereichen ist ein kompaktes Querparken vorgesehen, die nördlichen Straßenseiten sollen hingegen frei von Stellplätzen gestaltet werden. Um ein ungehindertes Parken im Süden zu gewährleisten und wildes Parken im Norden zu vermeiden, sollten die nördlichen Straßenseiten durch entsprechende Vorrichtungen frei gehalten werden. Entscheidend für die Aufwertung der Straßenräume ist der Stellplatzschlüssel bei zukünftigen Baumaßnahmen. 6 UMSETZUNGSSTRATEGIE STADTPLANUNGSAMT | 35 bis 1.000 neue Wohnungen. Bei der Entwicklung von Neubauvorhaben in der Waldstadt muss konsequent auf die unterirdische Errichtung von Stellplätzen geachtet werden, um insbesondere in den nördlichen Nachbarschaften die Parkraumversorgung nicht weiter zu verschlechtern. Das Gesamtareal des Rahmenplanes bietet zudem weitere Potenzialfl ächen wie die nördlich gelegene Fläche des Heizkraftwerks, deren Aktivierbarkeit derzeit nicht gesichert sind. Diese Flächen sollten jedoch nicht aus dem Fokus einer zukünftigen Wohnraumentwicklung fallen, da sie über eine hohe Lagegunst verfügen. Auch im Bereich der zentralen Versorgungsachse bestehen große Flächenpotenziale. Die an das Waldstadtzentrum angrenzende Bebauung sowie die angrenzenden Parkierungsfl ächen könnten großfl ächig überplant werden. Hier werden allerdings vom Eigentümer die entsprechenden Signale benötigt, um in eine detailliertere Planung einzusteigen. Insgesamt bietet die Waldstadt ein großes zusätzliches Wohnraumpotenzial, ohne die ursprüngliche Planung der „Stadt im Wald“ aufzugeben. Es gilt, Bewohner und Eigentümer über gelungene Leuchtturmprojekte von der Möglichkeit einer behutsamen Transformation zu überzeugen und die private Investitionsbereitschaft zu steigern. Die Stadt Karlsruhe sollte über eine gezielte Steuerung des Baumbestandes die unterschiedlichen Freiraumtypologien stärken und die interne Wegeführung vereinfachen. Es sollten insbesondere die informellen Treffpunkte gestärkt werden, daneben sollte der öffentliche Raum an die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung angepasst werden. 7 ÜBERSCHLÄGIGE ERMITTLUNG DES WOHNRAUMPOTENZIALS Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten bei der Umsetzung des Rahmenplanes kann das Wohnraumpotenzial der vorgeschlagenen Maßnahmen nur überschlägig ermittelt werden. Die Auswirkungen der 3. Phase „Umfassende Erneuerung“ unter Einbeziehung der Bauten in Privatbesitz sind nicht realistisch abschätzbar. Die nachfolgende Berechnung bezieht sich daher nur auf den zentralen Bereich der vier Nachbarschaften „Königsberger Straße“, „Schneidemühler Straße“, „Insterburger Straße“ und „Kolberger Straße“, und hier nur auf die Bereiche „Neubau“ und „Abriss und Neubau“. Unter Berücksichtigung dieser Prämissen ergibt sich folgender Berechnungsansatz: Grundfl äche neuer Gebäude im zentralen Bereich: 18.280 m² Geschossfl äche bei 5 Vollgeschossen: 91.400 m² GF Anzahl der Wohneinheiten bei 91 m²/WE: 1.004 WE Anzahl Einwohner bei 2,3 EW/WE: 2.309 EW Anzahl Stellplätze bei 1,0 Stpl./WE: 1.004 Stpl. Grundfl äche neuer Gebäude im zentralen Bereich: 18.280 m² Geschossfl äche bei 4 Vollgeschossen: 73.120 m² GF Anzahl der Wohneinheiten bei 91 m²/WE: 804 WE Anzahl Einwohner bei 2,3 EW/WE: 1.849 EW Anzahl Stellplätze bei 1,0 Stpl./WE: 804 Stpl. Auch wenn „nur“ die mindergenutzten Flächen und die Gebäude mit schlechter Bausubstanz im Eigentum von Wohnungsgesellschaften oder Baugenossenschaften überplant werden, ergibt sich für das zentrale Planareal des Rahmenplanes Waldstadt – Waldlage ein Potenzial von rund 800 ABBILDUNGSVERZEICHNIS Fotos pp a|s pesch partner architekten stadtplaner Helleckes Landschaftsarchitektur BDLA Mit Ausnahme von: Stadt Karlsruhe: Seite 5 Pläne und Abbildungen pp a|s pesch partner architekten stadtplaner Helleckes Landschaftsarchitektur BDLA Mit Ausnahme von: Stadt Karlsruhe: Seite 6 und 7 Karlsruhe/Stuttgart, August 2015 IMPRESSUM Karlsruhe – Stadtteil Waldstadt, Teilbereich Waldlage Rahmenplan Im Auftrag der Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Lammstraße 7 76124 Karlsruhe Telefon: 0721 133-6101 | Fax: 0721 133-6109 stpla@karlsruhe.de Dipl.-Ing. Heike Dederer M.Sc. Raumplanung Viola Steinmetz Bearbeitung pp a | s pesch partner architekten stadtplaner BDA | SRL Prof. Dr. Franz Pesch M.Sc. Dipl. Arch. Raluca Davidel Dipl.-Ing. Philip Schmal Mörikestraße 1 | 70178 Stuttgart Telefon: 0711 2200763-10 | Fax: 0711 2200763-90 pps@pesch-partner.de www.pesch-partner.de Helleckes Landschaftsarchitektur BDLA Dipl.-Ing. Stefan Helleckes Dipl.-Ing. Meike Wittenberg Stephanienstraße 15 | 76133 Karlsruhe Telefon: 0721 9202041 | Fax: 0721 9202042 buero@helleckes-landschaftsarchitektur.de www.helleckes-landschaftsarchitektur.de

  • Rahmenplan Waldstadt
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    BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 15. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 29.09.2015 2015/0508 18 öffentlich Dez. 6 Rahmenplan Waldstadt-Waldlage Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 29.09.2015 18 Zustimmung Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Gemeinderat wird um den Beschluss des Rahmenplanes als Grundlage für darauf aufbau- ende Bebauungspläne gebeten und beauftragt die Verwaltung, die entsprechenden Bebau- ungspläne aufzustellen. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen Kontierungsobjekt: Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Städtebau Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Im November 2013 hat der Planungsausschuss die Verwaltung beauftragt, einen Rahmenplan für den Bereich Waldstadt-Waldlage – unter Einbeziehung eines externen Planungsbüros – zu erarbeiten. Den Auftrag hierfür hat das Büro Pesch Partner a/s in Kooperation mit dem Karlsru- her Landschaftsarchitekten Herrn Helleckes erhalten. Der Rahmenplan stellt die abgestimmte Gesamtkonzeption für die Freiraum- und Grünflächengestaltung, die städtebauliche Ausfor- mung der öffentlichen Räume sowie das Parkierungskonzept dar. Er ist die Grundlage für künf- tige Bebauungspläne. Nachdem am 12. März 2014 der Auftakt für das Verfahren im Rahmen der Jahreshauptver- sammlung des Bürgervereines Waldstadt e. V. stattgefunden hat, wurde am 5. Juli 2014 ein ganztägiger Planungsworkshop mit Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt. Hier wurden ge- meinsam mit den Anwesenden die positiven und negativen Aspekte innerhalb des Bereiches des Rahmenplanes erörtert. Hier ist zum einen der Wunsch nach dem Erhalt des Genius Loci, also dem Erhalt der Stadt im Wald, mit der gleichzeitigen Verbesserung der Freiraumqualität ge- nannt worden. Diese in Einklang mit einer qualifizierten Innenentwicklung der Zeilenstrukturen (Modernisierung/Sanierung, Barrierefreiheit, Abriss/Neubau) zu bringen, ist unter anderem Ziel des Rahmenplanes. Zum anderen sollen die Garagenhöfe sowie die Quartierszentren eine wich- tige Rolle im Zusammenhang mit qualifizierter Innenentwicklung einnehmen. Die Garagenhöfe bieten, unter Berücksichtigung der Umgebung, die Möglichkeit zu neuen Wohnformen in der Waldstadt. Die Quartierszentren in der direkten Nähe der Garagenhöfe sollen ihre alte Funktion als informelle Treffpunkte wieder aufnehmen. Neben den Städtebaulichen Aspekten betrachtet der Rahmenplan Waldstadt-Waldlage auch den Freiraum in der Waldstadt. Neben einer Verjüngung des alten Baumbestandes ist es von großer Bedeutung, den Freiraum neu zu strukturieren. Hierzu zählen u. a. eine Verbesserung der Wegeführung in den „Waldfingern“ sowie eine Ausgestaltung des Waldstadtboulevards (Bereich zwischen dem Versorgungszentrum und dem Wohnbereich). Dieser Punkt stieß bei der Öffentlichkeit im Rahmen der Beteiligung durchaus auf breite Akzeptanz. Ferner ist die Betrachtung des ruhenden Verkehrs von immenser Bedeutung. Der Parkdruck in der Waldstadt, gerade im Bereich des Rahmenplanes ist sehr hoch. Dieser wird weiter steigen, wenn neuer Wohnraum geschaffen wird. Zudem sind nach derzeitiger Rechtslage bei Neubau zwingend zusätzliche Stellplätze auf privatem Grundstück zu schaffen. Im Rahmen interner Ge- spräche mit dem Bauordnungsamt wurde dies weiter erörtert. Lösungen hierfür bedürfen je- doch neuer – auch rechtlicher – Ansätze, wie z. B. einer Stellplatzsatzung. Zudem gilt es im wei- teren Verlauf der Entwicklung der Waldstadt-Waldlage u. a. auch eine wasserwirtschaftliche Konzeption zu erstellen. Hierbei stehen der Umgang mit Regenwasser und Überflutung bei Starkregen im Vordergrund. Am 15. Oktober 2014 wurden in einer weiteren öffentlichen Veranstaltung Zwischenergebnisse mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Insgesamt stieß der vorgestellte Entwurf dabei auf eine positive Resonanz. In Ergänzung zu den öffentlichen Veranstaltungen, die vorrangig von Eigentümerinnen und Eigentümern besucht wurden, ist im November 2014 eine Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner durchgeführt worden. Die Ergebnisse der Befragung sowie der Rahmenplan Waldstadt-Waldlage selbst wurden dem Planungsausschuss in der Sitzung vom 15. Juli 2015 vorgestellt. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat wird um den Beschluss des Rahmenplanes als Grundlage für darauf aufbau- ende Bebauungspläne gebeten und beauftragt die Verwaltung, die entsprechenden Bebau- ungspläne aufzustellen. Hauptamt – Ratsangelegenheiten – 18. September 2015

  • Protokoll TOP 18
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    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 15. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 29. September 2015, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Südwerk-Bürgerzentrum Südstadt, Henriette-Obermüller-Straße 10, Karlsruhe Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 18. Punkt 18 der Tagesordnung: Rahmenplan Waldstadt-Waldlage Vorlage: 2015/0508 Beschluss: Der Gemeinderat wird um den Beschluss des Rahmenplanes als Grundlage für darauf aufbauende Bebauungspläne gebeten und beauftragt die Verwaltung, die entspre- chenden Bebauungspläne aufzustellen. Abstimmungsergebnis: einstimmige Zustimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 18 zur Behandlung auf: Weil das doch ein etwas ungewöhnliches Verfahren zu einem ungewöhnlichen Instru- ment geführt hat ist es wichtig, das hier noch einmal einzuordnen. Ich gebe Frau Prof. Dr. Karmann-Woessner die Möglichkeit einer kurzen Darstellung. Prof. Dr. Karmann-Woessner (mit Beamer-Unterstützung): Vielen Dank, dass ich hier die Gelegenheit habe, Ihnen den Rahmenplan Waldstadt-Waldlage kurz vorzustellen. Es ist ein Projekt, was bei uns im Amt große Bedeutung hat, weil es die zentrale Frage ei- ner verträglichen Nachverdichtung bzw. einer qualifizierten Innenentwicklung unmittel- bar untersucht. Deshalb möchte ich es Ihnen gerne kurz vorstellen. Wir hatten hier auch ein konkurrierendes Verfahren in der Auswahl des Planungsbüros. Pesch und Partner mit Helleckes aus Karlsruhe als Landschaftsarchitekt hat hier diese Planung über einein- halb Jahre etwa betreut und die Grundsätze des Entwurfs von Prof. Selg von 1959 auf- genommen, auch damals aus einem Wettbewerb hervorgegangen, noch vor dem städ- tebaulichem Leitbild einer luftdurchströmten Stadt, die aber von einer Nutzungstren- nung hier ganz stark ausging. Das ist auch die Fragestellung, vor die wir uns heute ge- stellt sehen, denn wir haben hier eine starke Wohnnutzung, die wenig geprägt ist von - 2 - den Nahversorgungsmöglichkeiten über den zentralen Strang dieses Boulevards in der Mitte hinaus. Beschäftigt haben wir uns in dieser Planung mit dem Bereich Waldlage. Die Waldstadt insgesamt ist ein sehr beliebtes Stadtgebiet und hat aber ganz unterschiedliche Qualitä- ten und auch ganz unterschiedliche Charakteristiken. Beschäftigt haben wir uns eben mit dem Zeilenbau insbesondere und mit den Charakteristiken der Freiraumplanung, die in der Waldstadt, in dieser Lage, eine ganz besondere Bedeutung haben. Sie sehen hier noch einmal in der Ausgangssituation, die städtebauliche Analyse, weshalb es notwen- dig war und ist, sich mit diesem Bereich auseinanderzusetzen. Wir haben einen sehr hohen Parkdruck. Wir haben nicht klar definierte Quartierseingänge, die Charakteristik der Freiraumplanung ist dadurch verloren gegangen, dass es auch eine starke Verwal- tung in diesem Bereich gab, die anders geplant war, nicht mehr so charakteristisch ab- lesbar. Die Nahversorgung hatte ich angesprochen. Es gibt durchaus in den Wohnun- gen, die den heutigen Anforderungen nicht mehr vollumfänglich entsprechen, Leer- stand, weil eben nicht alle Bereiche inzwischen saniert sind. Es gibt mindergenutzte Flä- chen, es gibt insgesamt einen Sanierungsbedarf in der Gebäudesubstanz, und wir ha- ben eine Sozialstruktur, die doch in diesen Bereichen durch eine Überalterung geprägt ist. Wir haben hier gerade bei der Freiraumsituation zwei große Bereiche zu unterscheiden. Es ist einmal dieser mittlere Bereich, der sich linear an die Waldlage anschließt, die dann fingerartig mit Grüncharakteristika in diese Zeilenbebauung hineingreift. Das sind auch die wesentlichen Merkmale dieses Siedlungsbereiches. Der Erhaltungszustand der Ge- bäude ist – das hatte ich bereits angedeutet – sehr unterschiedlich, und so ist auch der Handlungsbedarf sehr unterschiedlich. Wir haben eine sehr differenzierte Eigentü- merstruktur, aber eben auch die große Chance, dass ein Großteil der Gebäude im Besitz der Volkswohnung sind, und zwar ist es hier dieser untere Teil, der dann auch noch quasi verzahnt mit städtischen Grundstücken eine große Entwicklungschance aufzeigt. Wir haben privaten Eigentümerbestand in ganz unterschiedlicher Konstellation, auch von Gemeinschaftseigentum von 1 bis jeweils 300 Eigentümeranteilen. Da wissen wir selber, dass es da bei den großen Anteilen außerordentlich schwierig ist etwas zu tun, bei den kleinen aber durchaus möglich ist. Wir haben einen großen Anteil an bauge- nossenschaftlichem Bestand, mit dem wir natürlich sehr gut dann auch arbeiten können und hier auch durchaus eine Nachverdichtung realisieren können. Insgesamt eine durchaus positive Ausgangssituation. Das ist der Bereich, um den es hier geht, den ich gerade benannt hat, wo die Volks- wohnung eben einen großen Bestand hat. Auch dieser Prozess ist in einem sehr ausge- prägten dialogischen Verfahren realisiert worden. Wir hatten Workshops, wir haben am Anfang in einer Auftaktveranstaltung noch einmal die grundsätzlichen Ziele diskutiert, die damals in den 60er-Jahren zu dieser Konzeption geführt hatten und konnten wirk- lich sehr viele Bürgerinnen und Bürger erreichen. Wir haben vor allem, und das eben für die Umsetzung der Planung nachher auch wichtig, sehr viele Eigentümer erreicht, weni- ger die Mieter, die dann noch mal, um diesen Ausgleich herzustellen, in einer gesonder- ten Befragung ganz gezielt nach diesem Workshop angefragt wurden. - 3 - Insgesamt sind die Zielsetzungen, dass dieser Genius Loci, der ganz besonders ist in der Siedlungsstruktur dieser Stadt im Wald mit den fließenden und sich verzahnenden Räumen zu erhalten, dass gerade die Sicherung eines Mehrwerts bei Entwicklung min- dergenutzter Flächen Zielsetzung sein soll. Das hat auch sehr viel damit zu tun, wie die- se Flächen gepflegt und unterhalten werden können. Um es einer zukunftsfähigen Quartiersentwicklung tatsächlich zuführen zu können, sind barrierefreie und altersge- rechte Wohnformen erforderlich. Das es eben durch diese halb versetzten Geschosse heute häufig nicht möglich. Deshalb haben wir in dieser Diskussion darüber nachge- dacht, nicht nur zu sanieren, sondern eben auch Gebäude zu ersetzen. Der heutige sehr hohe energetische Standard ist natürlich in den Gebäuden Ende 50er- und der 60er- Jahre nicht gegeben, genauso wie es Ziel sein soll, die soziale Vielfalt wieder zu diffe- renzieren, die ursprünglich da war. Es war in Nachbarschaft zu den großen Einfamilien- hausgrundstücken in der Waldstadt vorwiegend sozialer Wohnungsbau, der hier reali- siert werden konnte. Das sind die Schwerpunkte des räumlichen Leitbildes und der städtebaulichen Ziele in diesem Bereich. Sie sehen, dass es vor allem die an den Endpunkten dieser Achsen lie- genden Verknüpfungsbereiche sind in die andere Quartiere, die ursprünglich von Selg auch mal angedacht waren als Quartiersversorgung. Genau diese zu modernisieren und wieder als Verknüpfungs- und Vernetzungsbereiche herzustellen ist hier Ziel. Wir haben aber auch Garagenhöfe, die gar nicht mehr genutzt werden und die gerade in diesen Bereichen auch ein wesentliches Potential für eine neue Entwicklung und damit neue Strukturen und eine neue Durchmischung ermöglichen. So kann das aussehen, wenn ich diese Bereiche dann auch baulich entwickle und entlang der grünen Mitte tatsäch- lich auch diesen Bereich stärker charakterisiere, deutlicher abgrenze, Bereiche offenhal- te, aber auch andere gestalte, um eine Hinterhofsituation zu den bestehenden Versor- gungseinrichtungen hier auszugleichen. Dies sind unterschiedliche Szenarien, wie auch diese qualifizierte Nachverdichtung bzw. qualifizierte Innenentwicklung im Einzelnen realisiert werden kann. Es wurde eben in diesen verschiedenen Vorschlägen gearbeitet ohne zu sagen, das ist jetzt wirklich die Lösung, sondern es wurde quasi ein Portfolio von Möglichkeiten aufgetan. Da muss jetzt im Einzelnen diskutiert werden, an welcher Stelle welche Lösung sich als sinnvoll darstellt. Die umfassende Erneuerung und die Auswahlkriterien habe ich bereits dargestellt. Mit dieser Charakteristik dieses sehr schönen Stadtgebietes, was wir wieder stärken und erhalten wollen, möchte ich abschließen. Der Vorsitzende: Ein schöner Prozess mit einem guten Ergebnis. – Herr Stadtrat Maier. Stadtrat Maier (CDU): Als die Waldstadt im Jahre 1957 entstand, war das sicherlich nicht nur im Vorfeld eine wahre Pionierarbeit, sowohl was die Schaffung des Wohn- raums, der damals dringend benötigt war und auch heute wieder benötigt ist, als auch was die Grünflächengestaltung mitten im Wald – Frau Karmann-Woessner hat es ja de- tailliert ausgeführt – betrifft. Seitdem hat die Waldstadt eine interessante, eine tolle Entwicklung genommen. Sie hat sich mit der Waldstadt-Feldlage vergrößert, und sie hat sich in der Waldstadt-Waldlage auch einigen Facelifts unterzogen. Aber die alte Dame Waldstadt ist in die Jahre gekommen. In zwei Jahren wird sie 60 Jahre alt und benötigt mittlerweile mehr als ein Lifting. - 4 - Wir danken der Verwaltung und allen beteiligten Bürgern für die Erstellung des Rah- menplans. Es wird wieder eine Pionierarbeit geleistet werden müssen. In den Bebau- ungsplänen werden wir Antworten geben müssen. Das wird nicht einfach werden, wenn ich nur an drei exemplarische Stichworte denke, an die qualifizierte Innenentwick- lung ohne Zerstörung der Grundidee der Waldstadt, Reaktion auf die sich veränderten Einkaufs- und Mobilitätsgewohnheiten der Menschen und in dem gestiegenen Park- druck sowie den noch zu erwartenden weiter steigenden Parkdruck. Ich glaube, dass hier der Rahmenplan einen sehr guten Ausblick gibt. Deshalb stimmt die CDU-Fraktion ihm zu und freut sich auf die Beschäftigung mit den kommenden Bebauungsplänen. Stadtrat Zeh (SPD): Frau Karmann-Woessner hat sehr gut den Rahmenplan darge- stellt. Ende der 50er-Jahre ist der Stadtteil in der Ära Günther Klotz entstanden. Heute wahrscheinlich undenkbar, dass man wirklich so viel Wald abholzt. Die Umweltauflagen und Ähnliches würden das nicht mehr erlauben. Die Wohnungsnot damals hat das aber ermöglicht. Nach rd. 60 Jahren ist nun eine Erneuerung der Häuser angesagt, ist Nachverdichtung Gott sei Dank auch hier jetzt möglich. Es ist ja durchaus sehr locker bebaut. Frau Karmann-Woessner hat schon darauf hingewiesen, mit der Eigentü- merstruktur in manchen Gebieten einfacher, in manchen werden wir wahrscheinlich das eine oder andere Problem haben oder einfach die Nichtaktivität muss ich sagen. Der Rahmenplan zeigt auf jeden Fall viel Potential. Es können 800 bis 1.000 Wohnungen hier neu entstehen. Das ist natürlich für die Stadt Karlsruhe ein riesiges Potential, insbe- sondere in Bezug auf die Garagenhöfe, die heute wirklich nicht mehr zeitgemäß sind. Man muss aber auch den Parkdruck in der Waldstadt sehen. Das Thema Parken mit Tiefgarage o. Ä. muss natürlich dementsprechend auch gelöst werden. Die SPD stimmt diesem Rahmenplan zu und hofft auf baldige Umsetzung in den entsprechenden Be- bauungsplänen und Bauaktivitäten, dass eben die Wohnungsnot in Karlsruhe auch heu- te wieder gelindert werden kann. Stadträtin Lisbach (GRÜNE): Auch von der Grünen-Fraktion ein großes Lob für diesen Rahmenplan, der ja die Innenentwicklung zum Ziel hat und die Schaffung von Wohn- raum, gleichzeitig aber auch eine Aufwertung des Wohnumfeldes. Das ist sehr ambitio- niert. Die Planung zeigt auch, dass es möglich ist, beides miteinander zu verbinden, dass man hier wirklich eine Qualität schaffen kann für die heutigen Bewohnerinnen und Be- wohner und dann gleichzeitig noch zusätzlichen Wohnraum schaffen kann. Herr Zeh hat schon diese Größenordnung von 800 bis 1.000 Wohnungen, die wirklich beachtlich ist, genannt, was dann 2.000 neuen Einwohnerinnen und Einwohnern entspricht. Da ist wirklich eine ganze Menge möglich. Deswegen hat dieser Plan, auch wenn die Wald- stadt natürlich noch einmal Besonderheiten hat, wirklich Pilotcharakter für die Stadt. Wenn es auch immer heißt, wir haben keine Flächen, muss man sich einfach die Quar- tiere einmal genauer angucken, wo sind auch mindergenutzte Flächen wie Garagenhö- fe oder Wendeschleifen, überbreite Straßen. Wir müssen einfach nach solchen Potentia- len suchen, wenn wir das Wohnraumproblem, das wir haben, bei uns auch lösen und aktiv angehen wollen. Die Leitziele wurden schon benannt. Es ist wichtig, den Charakter dieses Stadtteils im Wald zu erhalten und die Aufenthaltsqualität auch im Freiraum zu stärken. Eine Moder- nisierung des Bestandes und dann auch eine altersgerechte Wohnform gleichzeitig zu - 5 - schaffen, soziale Durchmischung zu ermöglichen, all das sind wichtige Ansätze für eine moderne Stadtplanung. Das findet sich alles in diesem Rahmenplan wunderbar wieder. Es wurde auch schon mehrfach gesagt, dass die Eigentümerstruktur hier noch einmal eine besondere Herausforderung darstellt. Auch das wird sicherlich kein Einzelfall sein, auch wenn wir an Planungen in anderen Stadtteilen denken, die vielleicht noch kom- men mögen. Da finde ich es jetzt auch sehr gut, dass dieser Ansatz, der gewählt wurde, dass man erst einmal das macht, was mit der Volkswohnung geht oder was ohne Prob- leme geht, weil es einfach Flächen sind, die heute nicht von mehreren Eigentümern be- legt sind und man als nächstes diese Leuchtturmprojekte macht, um dann auch die Ei- gentümer zu motivieren, sich vielleicht anzuschließen und einfach auch zu zeigen, was denn möglich ist, dass vielleicht mit einer Aufstockung des Gebäudes durchaus Geld verdient werden kann, was dann wieder für eine Sanierung oder Modernisierung zur Verfügung steht. All das sind sehr gute, sehr innovative und interessante Ansätze. Wir sind gespannt, wie das jetzt läuft. Wir werden sicher Geduld mit der Umsetzung haben müssen. Hier aber wirklich der Appell, das für andere Quartiere in der Stadt anzugehen, damit wir hier mit der Wohnraumförderung auch wirklich vorankommen. Vielleicht könnten wir uns auch überlegen, auch in das kommunale Wohnraumförderprogramm noch Überlegungen mit aufzunehmen, wie man eben solchen komplexen Eigentü- merstrukturen gerecht werden kann, auch durch attraktive Förderung. Stadtrat Dr. Fischer (KULT): Zum Gelde drängt alles, am Besitz hängt alles. Das gilt gerade in diesem Fall ganz besonders. Ich sage Ihnen gleich vorab, ein Erfolg des Rah- menplans ist mir persönlich sehr wichtig, weil die Waldstadt-Waldlage, die eigentliche Waldstadt, für mich auch so ein Stück Heimat ist. Ich habe dort zwar nie gewohnt, aber ich bin aufs Otto-Hahn-Gymnasium gegangen, und die meisten meiner Freunde und Freundinnen haben da gelebt. (Zuruf Stadtrat Ehlgötz/CDU) Es ist nicht immer das, was Sie sich vorstellen, Herr Ehlgötz unter Freundinnen und Freunden. Es war immer klar, für diese Vorzugslage Waldstadt, ich kam dann aus der Oststadt an- geradelt, habe ich meine Freundinnen und Freunde manchmal richtig beneidet, dass die in einem so schönen Wohnumfeld leben können. Die Ausgangslage ist klar, wir haben hier ein Vorbild einer Wohnlage, eines Stadtquartiers aus den 60er-Jahren, zeitgemäßen Wohnens der damaligen Zeit. Heute ist es ein Leben zwischen vielen Bäumen mit vielen Sanierungsdefiziten geworden. Der Rahmenplan, der wirklich hervorragend ist, zeigt eine mögliche Zukunft. Ein paar Punkte will ich nennen, die schon zum Teil genannt worden sind: Bürgerinteressen wurden berücksichtigt. Es gibt einen attraktiven Wechsel von Wohnumfeldern, von Grün- und Freiräumen, von Entsiegelungen und Versiegelun- gen. Dieses Thema Versiegelung bringt mich auf den wichtigen Aspekt für alle hier im Raum: die Wohnungsnot in Karlsruhe. Wir hoffen schon, dass es gelingt, weitere Woh- nungen in der Waldstadt-Waldlage zu schaffen. Ich sage Ihnen aber auch, hier wird es dicke Bretter zu bohren gelten, denn bei jedem Gebäude, das angedacht ist, wird es im Umfeld Widerstand geben. Da müssen wir auch Überzeugungsarbeit leisten, dass wir einfach zusammenrücken müssen in den nächsten Jahren – verstärkt durch die Flücht- - 6 - lingszuströme –, noch mehr Menschen in Karlsruhe untergebracht werden müssen, als wir eigentlich eingeplant hatten. Am Besitz hängt alles, hatte ich gesagt. Leider haben wir nur an die Volkswohnung di- rekt Einfluss. Ich vertraue darauf, dass Sie, Herr Oberbürgermeister Obert, hier in engem Kontakt mit den Genossenschaften und mit den privaten Eigentümern stehen, um es vielleicht doch zu schaffen, dass die überzeugt werden, dass es sich lohnt, sich an ei- nem solchen Projekt, an einer Sanierung und einer Verbesserung des Wohnumfeldes, zu beteiligen. Ich will an Fazit ziehen. Schon heute ist die Waldlage, trotz der über die Jahre angewachsenen Defizite, ein attraktives Biotop für Menschen und für Kreaturen. In Zukunft wird sie hoffentlich noch schöner. Stadtrat Hock (FDP): Ich bin Oberbürgermeister Klotz dankbar, dass er damals so ei- nen weitreichenden Beschluss zusammen mit dem Gemeinderat hinbekommen hat, um dieses riesige Projekt in der Waldstadt zu verwirklichen. Ich selbst wohne in der Wald- stadt, und für mich gibt es keinen schöneren Stadtteil, entschuldigen Sie bitte, wie die Waldstadt. Ich habe das jetzt sagen müssen. Es wäre wahrscheinlich heute nicht mehr denkbar, dass man so ein Projekt umsetzen kann, denn die Grünen würden da so nicht mitgehen wollen, wobei ich das ich in diesem Umfang auch nicht mitgehen würde. Jetzt aber zum Thema. Ich bin der Verwaltung unter Führung von Frau Karmann- Woessner sehr dankbar, dass man bei diesem Projekt wirklich die Bürgerinnen und Bür- ger der Waldstadt phänomenal mitgenommen hat. Ich war bei diesen Veranstaltungen jeweils dabei und habe – das muss ich ganz offen gestehen – nicht weil es jetzt in der Waldstadt ist, nein, weil es wirklich so war und bei den Bürgern so ankam. Die Leute kamen sich mitgenommen vor. Sie wussten von Anfang an, was kommt auf sie zu. Kol- lege Fischer, hat jetzt natürlich etwas angesprochen. Wir werden irgendwann einmal konkret werden. Wenn wir das aber so machen, wie wir jetzt schon auf den Weg ge- bracht haben, bin ich der festen Überzeugung, dass wir das verträglich für die Wald- stadt so hinbekommen, dass zum Schluss jeder sagt, diese Umgestaltung und diese Veränderung in der Waldstadt hat sich gelohnt für alle, die dann auch neu dazukom- men. Wir brauchen die Wohnungen, das ist uns allen klar. Kollege Fischer hat es freundlicherweise schon angesprochen. Uns wird in nächster Zeit einiges an Wohnun- gen fehlen. Deshalb muss man froh sein, wenn man so umweltverträglich wie möglich diese Dinge in der Waldstadt hinbekommt. Es gibt dort Garagenhöfe, die wirklich nicht mehr schön sind und auch teilweise nicht mehr benutzt werden. Deshalb ist es in die- sem Bereich unserer Fraktion auf jeden Fall klar, dass man da Eingriffe machen muss und tun sollte, wo wir auch gerne auf diesem Weg mitgehen möchten. Die Waldstadt wird, Kollege hat es schon gesagt, in zwei Jahren 60 Jahre alt. Da ist es nach so langer Zeit natürlich irgendwann erforderlich, dass man in gewissen Bereichen eine Modernisierung macht und durchführt. Das ist gut, und das ist wichtig. Der Bür- gerverein der Waldstadt trägt dieses Projekt wohlwollend mit, und die Bürgerschaft hat sich in vielen Veranstaltungen auch wohlwollend gezeigt, dieses Projekt zu unterstüt- zen. Deshalb bin ich sehr dankbar und möchte ich es noch einmal auf den Punkt brin- gen, dass es in dieser Art und Weise bis jetzt ablief. Meine Fraktion, die FDP-Fraktion, ist gerne bei diesem Rahmenplan Waldstadt-Waldlage weiterhin dabei und würde das gerne unterstützen. Ganz wichtig: Weiter so auf diesem Weg, die Bürgerinnen und - 7 - Bürger mitnehmen. Dann kriegen wir zum Schluss etwas ganz Tolles raus, wo jeder sagt, gut gemacht Stadt Karlsruhe. Der Vorsitzende: Wir können zur Abstimmung kommen. Ich bitte um das Kartenzei- chen. – Oh Herr Mossuto, sorry. Bitte sehr. Stadtrat Mossuto (GfK): Tut mir Leid, dass wir jetzt nicht sofort abstimmen können. Ein paar Worte wollte ich als Waldstadtbürger, ich wohne auch dort, noch sagen. Ich bin auch im Bürgerverein der Waldstadt. Insofern wollte ich einige Details meinerseits erwähnen. Zunächst möchte ich mich bei Frau Prof. Karmann-Woessner, dem Büro Petsch und Partner und dem Landschaftsarchitekt Helleckes bedanken. Sie haben eine ausgezeich- nete Arbeit geleistet, mehr als einige, die ich schon von woanders kenne. Der Rahmen- plan beinhaltet nicht nur ausgezeichnete Analysen, sondern macht auch aufmerksam auf die städtebaulichen Missstände sowie die dazu gemachten Realisierungsvorschläge. Dies finde ich gut. An dem Planungsprozess und an Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern habe mich intensiv beteiligt und ich möchte von den vielen Veranstaltun- gen einige Informationen geben. In der am 15. Oktober öffentlichen Veranstaltung mit Bürgerinnen und Bürgern fanden die vorgestellten Zwischenergebnisse eine weitgehen- de positive Resonanz. Jedoch bei den Ausführungen der Verwaltung wird nicht er- wähnt, dass von Seiten der Bürgerinnen und Bürger folgende kritische Punkte leiden- schaftlich vorgetragen wurden: 1. Beim Begriff der qualifizierten Innenentwicklung war massive Kritik und Wider- stand zu verzeichnen, da eine darunter zu verstehende Verdichtung absolut ab- gelehnt wurde. 2. Abriss und Neubau oder Sanierung in bestimmten Bereichen wurde dagegen voll und ganz akzeptiert, wenn diese Bereiche die Garagenhöfe, ehemalige Tankstel- len oder die Ladenzeilen umfassen. Nicht zu vergessen ist die enorme Parkraum- not, die im Waldstadt-Waldlage-Bereich herrscht und die durch eine Verdichtung sich noch weiter verschärfen würde. Um dies zu verstehen, meine Damen und Herren, müssen Sie wissen, dass bei der Konzipierung der Waldstadt zu Beginn der 50er-Jahre für jeweils zwei Familien ein Pkw-Abstellpatz vorgesehen war. Heute liegt der Bedarf dagegen bei zwei Abstellplätzen je Familie - 1:4. Abschließend ist anzumerken, um das Ziel einer qualifizierten Innenentwicklung den- noch zu erreichen, ist es unbedingt notwendig, die Eigentümer, Einwohner und den Bürgerverein zeitnah auf allen Planungsebenen an der Entscheidungsfindung zu beteili- gen. Der Vorsitzende: Jetzt kommen wir zur Abstimmung. Ich sehe nur gelbe Karten. Da- mit einstimmige Zustimmung. - 8 - Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 19. Oktober 2015