Stammschäden an Stadtbäumen als Folge massiver Sonneneinstrahlung
| Vorlage: | 2015/0456 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 24.07.2015 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Südstadt, Waldstadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 29.09.2015
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Renate Rastätter (GRÜNE) Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadtrat Johannes Honné (GRÜNE) vom: 22.07.2015 eingegangen: 22.07.2015 Gremium: 15. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 29.09.2015 2015/0456 47 öffentlich Dez. 6 Stammschäden an Stadtbäumen als Folge von massiver Sonneneinstrahlung 1. Wie groß wird die Zahl der Stadtbäume geschätzt, die massive Stammschäden durch hohe Sonneneinstrahlung aufweisen und deshalb voraussichtlich in den nächsten Jahren ersetzt werden müssen? Im städtischen Baumkataster werden Bäume mit Rindenschäden nicht weiter differenziert. Daher sind in der erfassten Gesamtzahl von rd. 30.000 Bäumen überwiegend Bäume er- fasst, deren Rinde nicht durch Sonneneinstrahlung, sondern durch andere Ursachen wie Anfahrschäden, Lagerung am Stamm, Vandalismus, Slacklining, Blitzschlag etc. beschädigt wurde. Der Anteil der Rindenschäden, die durch Sonneneinstrahlung erzeugt wurde, be- trifft schätzungsweise etwa 5.000 Bäume. Neben echten Sonnenbrandschäden zählen da- zu auch Frostrisse und Frostplatten, die während der Wintermonate durch extreme Tempe- raturunterschiede und damit verbundenen Spannungen im Stamm verursacht wurden. 2. Seit wann wird der Stammanstrich „Arboflex“ in Karlsruhe bei Neuanpflanzungen verwendet? Erste Anwendungen erfolgten im Jahre 2007. Der Anstrich hält in der Regel 4 bis 5 Jahre. Dieser Zeitraum reicht zur Anpassung in der Anwachsphase. Eine Wiederholung des An- strichs ist nicht erforderlich. 3. Welche Erfahrungen und Ergebnisse liegen mit dem Stammanstrich vor? Können damit die schweren Stammschäden, die durch das hohe Ästen der Bäume verur- sacht werden, vermindert oder verhindert werden? Der Zustand der behandelten Bäume ist heute gut. Die Anwendung hat sich bewährt. Dies wird auch von anderen Kommunen aus dem süddeutschen Raum, deren Bäume gleiche Schadbilder zeigen, bestätigt. Durch die frühe Ausbildung von Hochstämmen entstehen - entgegen der Formulierung in der Fragestellung- keine schweren Stammschäden. Die Aus- bildung von Hochstämmen ist an den allermeisten Standorten im Straßenraum zwingend notwendig. Für die Entwicklung einer tiefen Beastung steht selten genügend Platz zur Ver- fügung. Hinzu kommt, dass die dadurch erzeugten Einschränkungen der Sichtverhältnisse aus Gründen der Verkehrssicherheit und der sozialen Kontrolle nicht zugelassen werden können. Seite 2 4. Welche Möglichkeiten sieht die Stadtverwaltung, auf das hohe Ästen der Bäume dort zu verzichten, wo die Verkehrssicherheit nicht direkt tangiert ist? Welche Standorte in Karlsruhe kommen dafür in Frage? Soweit an einzelnen Standorten Stammaustriebe keine Sichtbehinderungen verursachen, werden diese schon heute häufig einige Jahre belassen. Allerdings kann diese Belaubung in den Wintermonaten, in denen durch die einseitige Besonnung auf der Südwest- bis Westseite der Stämme die Bildung von Frostrissen und Frostplatten begünstigt wird, keinen Schutz bieten. Standorte, an denen bereits heute solche Stammaustriebe belassen werden, sind z. B. die zurückgesetzten Ahornbäume entlang des östlichen Abschnitts der Südtangente in Dur- lach-Aue, die Linden und Eichen an der Nürnberger Straße oder die Linden im Grünstreifen entlang der Battstraße. 5. Welche weiteren Maßnahmen hält die Stadtverwaltung für geeignet, um künftige schwere Stammschäden durch Sonneneinstrahlung an Stadtbäumen zu verringern oder zu vermeiden? Der Anstrich mit der Stammschutzfarbe „Arboflex“ hat sich bewährt und soll auch zukünf- tig angewendet werden. In der stadteigenen Baumschule werden eine zunehmende Zahl an Jungbäumen auf die Karlsruher Klimaverhältnisse vorbereitet. Darüber hinaus stellt das Gartenbauamt generell hohe Anforderungen an die Pflanzenqualität (Frostresistenz), die Pflanzarbeiten und die Pflegemaßnahmen, um optimale Entwicklungschancen für die Bäume zu gewährleisten. 6. Hat die Stadtverwaltung Kontakt mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsan- stalt in Freiburg und mit Experten/-innen an Hochschulen aufgenommen, um wei- tere Hinweise zu gewinnen, wie mit diesem gravierenden und durch die Zunahme heißer Sonnentage wachsenden Problem präventiv umzugehen ist? Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg hat keine Erkenntnisse dazu und betrachtet Stammschäden durch hohe Sonneneinstrahlung auch nicht als ein waldwirt- schaftlich relevantes Thema. Die weitgehenden Erkenntnisse sind in der Studie „Süddeutscher Großversuch zu abioti- schen Stammschäden an jungen Alleebäumen“ der Landeshauptstadt München, des Münchner Gehölzinstitut e.V. und des Institut für Gartenbau, Fachhochschule Weihenste- phan dargestellt. Darüber hinaus bestätigen weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen (von Dujesiefken, D.; Stobbe, H.; Schneidewind, A. und anderen) die Vorteile und Wirk- samkeit eines Anstrichs mit Stammschutzfarbe. Es ist vorgesehen, dass das Gartenbauamt die Karlsruher Praxis beim Umgang mit Stamm- schäden in einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit vor- stellt.
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Extrahierter Text
STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Renate Rastätter (GRÜNE) Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadtrat Johannes Honné (GRÜNE) vom 22.07.2015 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 15. Plenarsitzung Gemeinderat 29.09.2015 2015/0456 47 öffentlich Stammschäden an Stadtbäumen als Folge massiver Sonneneinstrahlung 1. Wie groß wird die Zahl der Stadtbäume geschätzt, die massive Stammschäden durch hohe Sonneneinstrahlung aufweisen und deshalb voraussichtlich in den nächsten Jahren ersetzt werden müssen? 2. Seit wann wird der Stammanstrich „Arboflex“ in Karlsruhe bei Neupflanzungen verwendet? Wie viele Jahre hält er und wird er ggf. erneuert? 3. Welche Erfahrungen und Ergebnisse liegen mit dem Stammanstrich vor? Können damit die schweren Stammschäden, die durch das hohe Ästen 1 der Bäume verursacht werden, vermindert oder verhindert werden? 4. Welche Möglichkeiten sieht die Stadtverwaltung, auf das hohe Ästen der Bäume dort zu verzichten, wo die Verkehrssicherheit nicht direkt tangiert ist? Welche Standorte in Karlsruhe kommen dafür in Frage? 5. Welche weiteren Maßnahmen hält die Stadtverwaltung für geeignet, um künftige schwere Stammschäden durch Sonneneinstrahlung an Stadtbäumen zu verringern und zu vermeiden? 6. Hat die Stadtverwaltung Kontakt mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg und mit ExpertInnen an Hochschulen aufgenommen, um weitere Hinweise zu gewinnen, wie mit diesem gravierenden und durch die Zunahme heißer Sonnentage wachsenden Problem präventiv umzugehen ist? Durch starke Sonneneinstrahlung sind an vielen Karlsruher Stadtbäumen massive Rindenschäden im Stammbereich aufgetreten. Dabei sind häufig nicht nur die äuße- ren Rindenzellen betroffen. Es entstehen Rindennekrosen (Gewebstod) mit der Fol- ge von Fäulnis oder zerstörerischem Pilzbefall. Es muss davon ausgegangen wer- den, dass dadurch viele Stadtbäume in den nächsten Jahren vorzeitig entfernt und ersetzt werden müssen. Betroffen ist offenbar das gesamte Stadtgebiet, so z. B. Baumreihen in der Waldstadt und nach Auskunft des Gartenbauamts u. a. Bergahor- ne in der Stuttgarter Straße, Rosskastanien in der Sonnenstraße, Spitzahorne in der 1 das Entfernen von Ästen am Baumstamm Sachverhalt / Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Steinhäuserstraße sowie weitere Standorte. Einige Baumreihen wurden sogar schon komplett durch Jungbäume ersetzt. Für die Grüne Fraktion sind die massiven Rindenschäden ein sehr ernstzunehmen- der und alarmierender Befund. Stadtbäume werden von der Bevölkerung außeror- dentlich geschätzt. Sie spenden Schatten, tragen durch Verdunstungskühle zur Ver- besserung des Lokalklimas bei und erhöhen Lebens- und Aufenthaltsqualität. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Anzahl extrem heißer Sonnentage weiter zu- nimmt. Dadurch steigen auch die mit ihnen einhergehenden Risiken. Angesichts des Ausmaßes der Baumschäden durch massive Sonnenstrahlung möchte die Grüne Fraktion mit dieser Anfrage klären, welche präventiven Maßnahmen am wirkungs- vollsten sind und welche Strategie das Gartenbauamt zur Verhinderung künftiger Schäden verfolgt. Seit einigen Jahren erfolgt bei Neupflanzungen ein Stammanstrich mit dem Mittel „Arboflex“. Es stellt sich die Frage, welche Erfahrungen damit bisher gemacht wur- den. Wir hinterfragen auch, ob die bisher praktizierte hohe Ästung der Bäume wirk- lich an allen Standorten erforderlich ist. Eine tiefere Ästung bzw. ein kompletter Ver- zicht auf Ästung könnte auch für das Stadtklima von Nutzen sein. Wichtig ist auch die Auswahl der Baumarten, da vor allem bestimmte Baumarten betroffen sind. Grund- sätzlich sollte die Stadtverwaltung Kontakt mit wissenschaftlichen Einrichtungen pfle- gen, um aktuelle Forschungsergebnisse über die Schäden zu erhalten und um weite- re Maßnahmen für den bestmöglichen Schutz der Stadtbäume vor Sonnenschäden zu ergreifen. Es ist schließlich davon auszugehen, dass die geschilderten Stamm- schäden durch massive Sonneneinwirkung nicht auf die Stadt Karlsruhe beschränkt sind. unterzeichnet von: Renate Rastätter Bettina Lisbach Johannes Honné Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 18. September 2015
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Extrahierter Text
NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 15. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 29. September 2015, 15:30 Uhr Öffentlich Ort: Südwerk-Bürgerzentrum Südstadt, Henriette-Obermüller-Straße 10, Karlsruhe Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 48. Punkt 47 der Tagesordnung: Stammschäden an Stadtbäumen als Folge massiver Sonneneinstrahlung Anfrage der Stadträtinnen Renate Rastätter und Bettina Lisbach sowie des Stadtrats Johannes Honné (GRÜNE) vom 22. Juli 2015 Vorlage: 2015/0456 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 47 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 21. Oktober 2015