Gedenken an jüdische Einrichtungen in Karlsruhe

Vorlage: 2015/0421
Art: Anfrage
Datum: 09.07.2015
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Südstadt

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 29.09.2015

    TOP: 36

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Stellungnahme TOP 36
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Friedemann Kalmbach (GfK) Stadtrat Eduardo Mossuto (GfK) vom: 06.07.2015 eingegangen: 06.07.2015 Gremium: 15. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 29.09.2015 2015/0421 36 öffentlich Dez. 6 Gedenken an jüdische Einrichtungen in Karlsruhe 1.1 Wie stellt sich die Verwaltung der Tatsache, dass im Moment lediglich eine unscheinbare, dunkle Gedenktafel an die traurige Geschichte der Synagoge erinnert, welche in der Karl- Friedrich-Straße 14-18 stand? Die vorhandene Bronzetafel wurde 1998 zum 60. Jahrestag der Zerstörung der Synagoge zwischen Hauseingang und Tiefgarage der Karl-Friedrich-Straße 14-18 produziert. Die Tafel ist Privateigentum der Firma G. Braun. Tafelgestaltung, Standort und Finanzierung erfolgte im Benehmen mit Frau Goldenberg, damalige Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe. Die Bronzetafel ist auch unserer Ansicht nach durch die zurückspringende Bauflucht unzureichend wahrnehmbar. 1.2 Ist sich die Verwaltung darüber hinaus bewusst, dass die Synagoge in nur wenigen his- torischen Stadtplänen verzeichnet ist und der Ort heute von einer Einfahrt und einer Tiefga- rage geprägt ist? Was hat die Verwaltung geplant, um die ursprüngliche Bedeutung des Standorts wieder mehr ins Bewusstsein zu rufen? Auf den historischen Ort wird in zahlreichen Publikationen der Stadt Karlsruhe hingewiesen, z. B. bei Josef Werner, 'Hakenkreuz und Judenstern', das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, und neuerdings im Atlas Karlsruhe, 300 Jahre Stadtgeschichte in Karten und Bildern. Bislang gibt es keine Planungen, die Gedenksituation am Ort zu verändern. Die Stadtverwaltung greift die Frage einer zeit- gemäßen und sichtbaren Erinnerung an die Synagoge im Rahmen des vom Gemeinderat in Auftrag gegebenen 'Leitfadens zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum' auf (Kulturamt/Stadtarchiv). 2. Sind Maßnahmen geplant, und wenn ja, welche, um auf die Synagoge, das Gemeinde- zentrum, die jüdische Schule, den jüdischen Kindergarten und die Mikwe (Ritualbad) hinzu- weisen, die an diesem Ort standen? Es sind keine weiteren Maßnahmen geplant. 3. Wird die Verwaltung eine blaue Gedenktafel an dem Gebäude anbringen lassen, das heu- te an dieser Stelle steht? Falls nein: Welche Hintergründe sprechen dagegen? Wird sich die Verwaltung darüber hinaus für ein solches Schild einsetzen. Wie wird sie dies tun? Die ehemalige Synagoge stand im Innern des Quartiers. Es ist für die Öffentlichkeit nicht frei zugäng- lich. Die damalige Vertretung der Jüdischen Kultusgemeinde und die Firma G. Braun wünschten keine zusätzliche blaue Informationstafel am Gebäude Karl-Friedrich-Straße 14-18. Seite 2 4. Ist sich die Verwaltung bewusst, dass es in der Kronenstraße ebenfalls kein solches Schild gibt, das an die ehemalige Synagoge hier erinnert? Wird die Verwaltung ein solches Schild dort anbringen? Falls nein: Welche Hintergründe sprechen dagegen? Wird sich die Verwaltung darüber hin- aus für ein solches Schild einsetzen? Wie wird sie dies tun? Die bisherige Konzeption der Stadt Karlsruhe sieht blaue Hinweisschilder an wichtigen Gebäuden und Bronzetafeln an besonders herausragenden Kulturdenkmalen und Erinnerungsorten vor – derzeit gibt es zu diesem Konzept keine tragfähige vom Gemeinderat verabschiedete Alternative. Die Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Kronenstraße erinnert mit einer sinnhaften Bronze- Texttafel von 1963 und zwei ergänzten Bronze-Reliefansichten von 1988 an die Zerstörung der Syna- goge. Die jetzige kleine Anlage, die an dieser Stelle möglich war, zeigt eine herausgehobene Situation. Eine zusätzliche blaue Emailletafel würde das bisherige Konzeptionsmodell verlassen und es wäre da- mit keine Intensivierung des Erinnerns verbunden, zumal diese Tafeln nur an Bestandsgebäuden an- gebracht wird. Die Stadtverwaltung wird auch die Situation Kronenstraße im noch zu erarbeitenden 'Leitfaden zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum' aufgreifen (Kulturamt/Stadtarchiv).

  • GfK-Gedenken jüdische Einrichtungen
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadtrat Friedemann Kalmbach (GfK) Stadtrat Eduardo Mossuto (GfK) vom 06.07.2015 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 15. Plenarsitzung Gemeinderat 29.09.2015 2015/0421 36 öffentlich Gedenken an jüdische Einrichtungen in Karlsruhe 1.1 Wie stellt sich die Verwaltung der Tatsache, dass im Moment lediglich eine un- scheinbare, dunkle Gedenktafel an die traurige Geschichte der Synagoge erinnert, wel- che in der Karl-Friedrich-Straße 14-18 stand? 1.2 Ist sich die Verwaltung darüber hinaus bewusst, dass die Synagoge in nur wenigen historischen Stadtplänen verzeichnet ist und der Ort heute von einer Einfahrt und einer Tiefgarage geprägt ist? Was hat die Verwaltung geplant um die ursprüngliche Bedeu- tung des Standorts wieder mehr ins Bewusstsein zu rufen? 2. Sind Maßnahmen geplant, und wenn ja, welche, um auf die Synagoge, das Gemein- dezentrum, die Jüdische Schule, den Jüdischen Kindergarten und die Mikwe (Ritualbad) hinzuweisen, die an diesem Ort standen? 3. Wird die Verwaltung eine blaue Gedenktafel an dem Gebäude anbringen lassen, das heute an dieser Stelle steht? Falls nein: Welche Hintergründe sprechen dagegen? Wird sich die Verwaltung darüber hinaus für ein solches Schild einsetzen? Wie wird sie dies tun? 4. Ist sich die Verwaltung bewusst, dass es in der Kronenstraße ebenfalls kein solches Schild gibt, das an die ehemalige Synagoge hier erinnert? Wird die Verwaltung ein sol- ches Schild dort anbringen? Falls nein: Welche Hintergründe sprechen dagegen? Wird sich die Verwaltung darüber hinaus für ein solches Schild einsetzen? Wie wird sie dies tun? Begründung: Es ist unbestreitbar, dass die Stadt sich sehr vorbildlich für das Bewusstsein der Ge- schichte einsetzt. GfK es ist wichtig, dass aus diesem Grunde aber auch Bewusstseinslü- cken geschlossen werden. Darum möchte GfK in diesem Zusammenhang auf den Falle der Synagoge in der Karl-Friedrich-Straße aufmerksam machen. Lediglich eine kleine, unauffällige Gedenktafel erinnert daran, dass hier einmal eine Synagoge, ein Gemeinde- zentrum, eine Jüdische Schule und eine Mikwe (Tauchbad) standen. Und das, obwohl die Historie dieser Synagoge so eindrücklich und traurig ist: Nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht wurde die Gemeinde gezwungen, das Gebäude auf eigene Kosten Seite 2 __________________________________________________________________________________________ abzureisen. Ein Aspekt der zeigt, wie herablassend mit der jüdischen Gemeinde umge- gangen wurde. Spätestens mit dem Bau der Tiefgarage, wurden an diesem Ort auch die Reste des stei- nernen Tauchbades zerstört, welches bis zu diesem Zeitpunkt noch existierte. Abgese- hen von der kleinen Gedenktafel, erinnert seitdem nichts mehr an die jüdische Gemein- de, die einmal dort ihre Heimat hatte. Diese Tatsache wird auch vom Team des Projektes "Nationalsozialismus in Karlsruhe" vom Stadtjugendausschusses e. V. in Kooperation mit dem Stadtarchiv Karlsruhe kritisiert. Auf ihrer Internet-Präsenz www.ns-in-ka.de be- richten sie mit Bedauern über den aktuellen Zustand. Gleiches findet man im Artikel über ehemalige jüdische Synagogen auf der Internetseite der Stadt Karlsruhe www.karlsruhe.de wieder. Aus der Kommunikation mit Mitarbeitern des Stadtarchivs ging hervor, dass bereits jetzt das Wissen über diese Synagoge sehr gering ist. Umso wichtiger ist es in den Augen von GfK, dass es nicht ganz verschwindet. Darum setzt sich GfK dafür ein, dass auch diese Orte entsprechend ausgezeichnet werden. Dies sollte mit blauen Schildern geschehen, wie sie auch an anderen historischen Orten in Karlsruhe angebracht sind. Es ist GfK ein Anliegen, dass auch Synagogen, die zerstört wurden, um sie aus der Gesellschaft und Geschichte zu verdrängen, durch die üblichen blauen Schilder aufgewertet und gleich- gestellt werden mit anderen historischen Stätten. Diese blaue Gedenktafel wäre auch ein weiteres Zeichen von Seiten der Stadt gegen das Vergessen. unterzeichnet von: Friedemann Kalmbach Eduardo Mossuto Hauptamt – Ratsangelegenheiten – 18. September 2015

  • Protokoll TOP 36
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 15. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 29. September 2015, 15:30 Uhr Öffentlich Ort: Südwerk-Bürgerzentrum Südstadt, Henriette-Obermüller-Straße 10, Karlsruhe Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 36. Punkt 36 der Tagesordnung: Gedenken an jüdische Einrichtungen in Karlsruhe Anfrage der Stadträte Friedemann Kalmbach und Eduardo Mossuto (GfK) vom 6. Juli 2015 Vorlage: 2015/0421 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 36 zur Behandlung auf und stellt fest, die Stellungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen. (Keine Wortmeldung) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 21. Oktober 2015