Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ´97 - Neunter Sachstandsbericht

Vorlage: 2015/0236
Art: Beschlussvorlage
Datum: 20.04.2015
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Oberreut, Weststadt

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 19.05.2015

    TOP: 10

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe
    Extrahierter Text

    BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 12. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 19.05.2015 2015/0236 10 öffentlich Dez. 3 Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe `97 - Neunter Sachstandsbericht 2015 Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 06.05.2015 3 vorberaten Gemeinderat 19.05.2015 10 Kenntnisnahme Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss In seiner Sitzung am 13. Mai 1997 hat der Gemeinderat beschlossen, im Zweijahres- rhythmus den jeweiligen Sachstandsbericht des Gesamtkonzeptes Wohnungslosen- hilfe `97 zu diskutieren. Der Gemeinderat nimmt - nach Vorberatung im Sozialausschuss - den neunten Sach- standsbericht zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 wurde im Jahr 1997 als lokale Strategie der Armutsbekämpfung ins Leben gerufen. Seither wird der aktuelle Sachstand dem Gemeinderat im Zweijahresrhythmus vorgelegt. Das Konzept dient als konzeptioneller Gegenentwurf zu sozialen und baulichen Dimen- sionen der Ausgrenzung wohnungsloser Menschen und deckt die Bandbreite von akut von Wohnungslosigkeit betroffenen Personen bis zur sozialen Stadtteilentwicklung ab. Thematisiert werden unter anderem die Entwicklung der Unterbringungszahlen, der Ausbau und die Differenzierung des Karlsruher Hilfesystems sowie die medizinische Ver- sorgung oder Hilfen für Wohngebiete mit besonderem Unterstützungsbedarf. Das Konzept ist zudem ein Beleg für die gute Kooperation der Fachstelle Wohnungssi- cherung mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe. Der vorliegende neunte Sachstandsbericht „Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe“ bil- det die Datenlage 2013/2014 der Karlsruher Wohnungslosenhilfe ab. Es wird deutlich, dass sich die Auswirkungen des begrenzten Wohnungsmarktes auf die Fachstelle Woh- nungssicherung auswirken. Im Dezember 2012 war mit 290 untergebrachten Personen bereits eine steigende Tendenz im Vergleich zu den Vormonaten sichtbar. Dieser Trend steigender Unterbringungszahlen hielt seither an, so dass mittlerweile mehr als 450 Per- sonen obdachlosenrechtlich versorgt werden müssen. Besonders betroffen hiervon sind Familien, oftmals mit Migrationshintergrund. Aufgrund der enormen Zunahme der Zahl wohnungsloser Menschen in den letzten zwei Jahren hat die Fachstelle Wohnungssicherung im Jahr 2014 das Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe aufgelegt. Im vorliegenden Bericht ist der Stand der Umsetzung beschrieben. Trotz der Herausforderungen, die der angespannte Wohnungsmarkt auch in den nächs- ten Jahren für das Karlsruher Wohnungslosenhilfesystem birgt, ist es ein Ziel der Fach- stelle Wohnungssicherung, die bisherigen Qualitätsstandards in der Versorgung woh- nungsloser Menschen halten zu können. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat: In seiner Sitzung am 13. Mai 1997 hat der Gemeinderat beschlossen, im Zweijahres- rhythmus den jeweiligen Sachstandsbericht des Gesamtkonzeptes Wohnungslosenhilfe `97 zu diskutieren. Der Gemeinderat nimmt - nach Vorberatung im Sozialausschuss - den neunten Sach- standsbericht zur Kenntnis. Hauptamt – Ratsangelegenheiten – 8. Mai 2015

  • Anlage Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe 97
    Extrahierter Text

    Neunter Sachstandsbericht 2015 GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE` 97 Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde | Wohnungslosenhilfe 588 468 328 267 207 177 183 226 241 311 340 303 294 333 317 296 287 256 235 290 362 448 613 0 100 200 300 400 500 600 700 9293949596979899000102030405060708091011121314 Jahr A nzahl Wohnungslose 1992 bis 2014, Stichtag 31. Dezember 2 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 2 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 3 GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE` 97 Neunter Sachstandsbericht 2015 4 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 VORWORT Das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 wurde im Jahr 1997 als lokale Strategie der Armutsbekämpfung ins Leben gerufen. Es ist ein konzeptioneller Gegenentwurf zur sozialen und baulichen Dimension der Ausgrenzung wohnungsloser Menschen und deckt die Bandbreite von akut von Wohnungslosigkeit betroffenen Personen bis zur sozialen Stadtteilentwicklung ab. Thematisiert werden unter anderem die Entwicklung der Unterbringungszahlen, der Ausbau und die Differenzierung des Karlsruher Hilfesystems, aktuelle Trends und Bedarfe sowie die medizinische Versorgung oder Hilfen für Wohngebiete mit besonderem Unterstützungsbedarf. Initiiert wurde das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 in der Gemeinderatssitzung vom 13. Mai 1997. Seither wird dem Gemeinderat im Zweijahresrhythmus ein Sachstandsbericht vorgelegt. Die Stadt Karlsruhe hat in den vergangenen Jahrzehnten viel unternommen, um die Zahl der Wohnungslosen zu senken: So wurde in den 1960er Jahren das Barackenbeseitigungsprogramm und in den 1970er Jahren das Rahmenprogramm zur Rehabilitation sozialer Randgruppen aufgelegt. Der Bestand des Wohngebietes Kleinseeäcker wurde besonders in den 1980er Jahren in Augenschein genommen, und in den 1990er Jahren erfolgte die konzeptionelle Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe über das Gesamtkonzept. 2003 initiierte das Dezernat 3 das „Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe“, um den negativen Trend steigender Wohnungslosenzahlen zu stoppen. Im Jahr 2010, dem Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung, hat Karlsruhe das Masterplanziel: „Auflösung der unbetreuten Unterkünfte“ erreicht. Dieser Beitrag zur Bekämpfung der extremsten Ausprägung von Armut war vor allem aufgrund eines differenzierten und gut funktionierenden Hilfesystems, verbunden mit einem ausdifferenzierten Netzwerk, möglich. Wohnen ist ein elementares Grundbedürfnis aller Menschen. Eine eigene Wohnung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um sich in die Gesellschaft zu integrieren. In den letzten Jahren hat sich die Lage auf dem Karlsruher Mietwohnungsmarkt jedoch deutlich verschlechtert. Auch der Stillstand des Sozialen Wohnungsbaus in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass es für einkommensschwache Haushalte enorm schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Betroffen hiervon sind vor allem allein Erziehende, Familien mit geringen Einkünften und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Wartelisten bei den Wohnungsbaugesellschaften sind aufgrund des engen Wohnungsmarktes lang, die Wartezeiten können mehrere Jahre betragen. Die seit Jahren andauernde Knappheit auf dem niedrigpreisigen Mietwohnungsmarkt hat sich seit Beginn des Jahres 2013 deutlich verschärft. Fehlender Leerstand, Preisentwicklung der Mieten und eine zunehmende Zahl von „Geringverdienenden“, die die Mieten über den sozialhilferechtlichen Grenzen nicht finanzieren können, erschweren die Situation für wohnungslose und von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. Die Auswirkungen davon sind seit Beginn des Jahres 2013 auch deutlich in der Fachstelle Wohnungssicherung sowie in allen Bereichen der Karlsruher Wohnungslosenhilfe zu spüren. Die Unterbringungszahlen von Familien, Paaren und Alleinstehenden sind seit 2013 drastisch gestiegen, ebenso die Verweildauer in den Unterkünften. Erstmals seit zwanzig Jahren ist die Zahl der wohnungslosen Menschen auf über 400 angestiegen! Um dieser drastischen Zunahme von Menschen ohne Obdach konzeptionell zu begegnen, hat die Fachstelle Wohnungssicherung nach über zehn Jahren Anfang 2014 ein weiteres „Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe“ aufgelegt. Ziel des Programms ist es, die Menschen auch bei steigenden Unterbringungszahlen mit adäquaten Angeboten zu versorgen. Die Bausteine des Aktionsprogramms umfassen den Ausbau der sozialpädagogischen Unterstützung für Menschen in Wohnungsnot, die Suche neuer Unterkünfte sowie die Stärkung des Programms Wohnraumakquise durch Kooperation. Ein elementares Instrument zur Wohnraumbeschaffung ist die Wohnraumakquise, über die im Zeitraum 2005 bis 2014 491 Wohnungen für 1.260 Personen bereitgestellt wurden. Die dezentrale Versorgung mit eigenem Wohnraum bedeutet für wohnungslose Menschen gleichzeitig die Erhöhung der Integrations- und Teilhabechancen. Dennoch bleibt die Versorgung wohnungsloser Menschen mit Wohnraum weiterhin eine große Herausforderung. Dass der Wohnungsmarkt gerade im preiswerten Mietsegment sehr angespannt ist, führt dazu, dass Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten als Mietsuchende in Konkurrenz mit anderen Gruppen mit geringen Einkünften bei Vermieterinnen und Vermietern oft nur geringe Chancen haben. Bezüglich der Wohnraumversorgung für einkommensschwache Haushalte bleibt abzuwarten, wann das im Januar 2014 vom Gemeinderat beschlossene Karlsruher Wohnbauförderprogramm (KaWoF) zu einer Entlastung führt. Im Jahr 2014 fanden in Karlsruhe zwei sehr gut besuchte Fachtagungen zum Thema Wohnungsnot statt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) veranstaltete in Kooperation mit der Stadt Karlsruhe sowie mit SOZPÄDAL e. V. im Mai 2014 eine Präventionstagung, in der unter anderem die städtische „Wohnraumakquise durch Kooperation“ sowie das Projekt von SOZPÄDAL „Bürger/Innen ohne Wohnung“ einem breiten Publikum vorgestellt wurden. Mit dem 2. Fachtag Armutsbekämpfung „Armut und Ausgrenzung – Herausforderung für die Stadtgesellschaft“ im Herbst 2014 unterstützte die Stadt Karlsruhe die Aktionswoche „ARMUT bedroht ALLE“ der Liga der freien Wohlfahrtspflege, die unter dem Titel: „Wohnst Du noch?“ das Thema „Wohnungsnot“ in den Mittelpunkt der landesweiten Aktion rückte. Schwerpunkte der Veranstaltung waren die Themenkomplexe Armut/Ausgrenzung und Wohnen/Benachteiligungen am Wohnungsmarkt. 4 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 VORWORT Das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 wurde im Jahr 1997 als lokale Strategie der Armutsbekämpfung ins Leben gerufen. Es ist ein konzeptioneller Gegenentwurf zur sozialen und baulichen Dimension der Ausgrenzung wohnungsloser Menschen und deckt die Bandbreite von akut von Wohnungslosigkeit betroffenen Personen bis zur sozialen Stadtteilentwicklung ab. Thematisiert werden unter anderem die Entwicklung der Unterbringungszahlen, der Ausbau und die Differenzierung des Karlsruher Hilfesystems, aktuelle Trends und Bedarfe sowie die medizinische Versorgung oder Hilfen für Wohngebiete mit besonderem Unterstützungsbedarf. Initiiert wurde das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 in der Gemeinderatssitzung vom 13. Mai 1997. Seither wird dem Gemeinderat im Zweijahresrhythmus ein Sachstandsbericht vorgelegt. Die Stadt Karlsruhe hat in den vergangenen Jahrzehnten viel unternommen, um die Zahl der Wohnungslosen zu senken: So wurde in den 1960er Jahren das Barackenbeseitigungsprogramm und in den 1970er Jahren das Rahmenprogramm zur Rehabilitation sozialer Randgruppen aufgelegt. Der Bestand des Wohngebietes Kleinseeäcker wurde besonders in den 1980er Jahren in Augenschein genommen, und in den 1990er Jahren erfolgte die konzeptionelle Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe über das Gesamtkonzept. 2003 initiierte das Dezernat 3 das „Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe“, um den negativen Trend steigender Wohnungslosenzahlen zu stoppen. Im Jahr 2010, dem Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung, hat Karlsruhe das Masterplanziel: „Auflösung der unbetreuten Unterkünfte“ erreicht. Dieser Beitrag zur Bekämpfung der extremsten Ausprägung von Armut war vor allem aufgrund eines differenzierten und gut funktionierenden Hilfesystems, verbunden mit einem ausdifferenzierten Netzwerk, möglich. Wohnen ist ein elementares Grundbedürfnis aller Menschen. Eine eigene Wohnung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um sich in die Gesellschaft zu integrieren. In den letzten Jahren hat sich die Lage auf dem Karlsruher Mietwohnungsmarkt jedoch deutlich verschlechtert. Auch der Stillstand des Sozialen Wohnungsbaus in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass es für einkommensschwache Haushalte enorm schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Betroffen hiervon sind vor allem allein Erziehende, Familien mit geringen Einkünften und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Wartelisten bei den Wohnungsbaugesellschaften sind aufgrund des engen Wohnungsmarktes lang, die Wartezeiten können mehrere Jahre betragen. Die seit Jahren andauernde Knappheit auf dem niedrigpreisigen Mietwohnungsmarkt hat sich seit Beginn des Jahres 2013 deutlich verschärft. Fehlender Leerstand, Preisentwicklung der Mieten und eine zunehmende Zahl von „Geringverdienenden“, die die Mieten über den sozialhilferechtlichen Grenzen nicht finanzieren können, erschweren die Situation für wohnungslose und von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. Die Auswirkungen davon sind seit Beginn des Jahres 2013 auch deutlich in der Fachstelle Wohnungssicherung sowie in allen Bereichen der Karlsruher Wohnungslosenhilfe zu spüren. Die Unterbringungszahlen von Familien, Paaren und Alleinstehenden sind seit 2013 drastisch gestiegen, ebenso die Verweildauer in den Unterkünften. Erstmals seit zwanzig Jahren ist die Zahl der wohnungslosen Menschen auf über 400 angestiegen! Um dieser drastischen Zunahme von Menschen ohne Obdach konzeptionell zu begegnen, hat die Fachstelle Wohnungssicherung nach über zehn Jahren Anfang 2014 ein weiteres „Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe“ aufgelegt. Ziel des Programms ist es, die Menschen auch bei steigenden Unterbringungszahlen mit adäquaten Angeboten zu versorgen. Die Bausteine des Aktionsprogramms umfassen den Ausbau der sozialpädagogischen Unterstützung für Menschen in Wohnungsnot, die Suche neuer Unterkünfte sowie die Stärkung des Programms Wohnraumakquise durch Kooperation. Ein elementares Instrument zur Wohnraumbeschaffung ist die Wohnraumakquise, über die im Zeitraum 2005 bis 2014 491 Wohnungen für 1.260 Personen bereitgestellt wurden. Die dezentrale Versorgung mit eigenem Wohnraum bedeutet für wohnungslose Menschen gleichzeitig die Erhöhung der Integrations- und Teilhabechancen. Dennoch bleibt die Versorgung wohnungsloser Menschen mit Wohnraum weiterhin eine große Herausforderung. Dass der Wohnungsmarkt gerade im preiswerten Mietsegment sehr angespannt ist, führt dazu, dass Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten als Mietsuchende in Konkurrenz mit anderen Gruppen mit geringen Einkünften bei Vermieterinnen und Vermietern oft nur geringe Chancen haben. Bezüglich der Wohnraumversorgung für einkommensschwache Haushalte bleibt abzuwarten, wann das im Januar 2014 vom Gemeinderat beschlossene Karlsruher Wohnbauförderprogramm (KaWoF) zu einer Entlastung führt. Im Jahr 2014 fanden in Karlsruhe zwei sehr gut besuchte Fachtagungen zum Thema Wohnungsnot statt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) veranstaltete in Kooperation mit der Stadt Karlsruhe sowie mit SOZPÄDAL e. V. im Mai 2014 eine Präventionstagung, in der unter anderem die städtische „Wohnraumakquise durch Kooperation“ sowie das Projekt von SOZPÄDAL „Bürger/Innen ohne Wohnung“ einem breiten Publikum vorgestellt wurden. Mit dem 2. Fachtag Armutsbekämpfung „Armut und Ausgrenzung – Herausforderung für die Stadtgesellschaft“ im Herbst 2014 unterstützte die Stadt Karlsruhe die Aktionswoche „ARMUT bedroht ALLE“ der Liga der freien Wohlfahrtspflege, die unter dem Titel: „Wohnst Du noch?“ das Thema „Wohnungsnot“ in den Mittelpunkt der landesweiten Aktion rückte. Schwerpunkte der Veranstaltung waren die Themenkomplexe Armut/Ausgrenzung und Wohnen/Benachteiligungen am Wohnungsmarkt. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 5 Auch in Zukunft wird sich die Stadt Karlsruhe diesen Herausforderungen stellen und die vorhandenen Unterstützungskonzepte mit Hilfe ihrer Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner bedarfsgerecht weiterentwickeln. Wichtige Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner bei der Bekämpfung von Wohnungsnot sind neben den privaten Vermieterinnen und Vermietern die freien Träger und die Volkswohnung GmbH. Dass Menschen trotz des angespannten Karlsruher Wohnungsmarktes mit Wohnraum versorgt werden können, ist vor allem aufgrund des guten Zusammenspiels aller Beteiligten möglich. Gerade deshalb ist die gute Zusammenarbeit im Netzwerk der Wohnungslosenhilfe weiterhin notwendig. Mein besonderer Dank gilt daher allen Akteurinnen und Akteuren der Karlsruher Wohnungslosenhilfe sowie allen in dem Arbeitsfeld Tätigen. Danken möchte ich auch den Stadträtinnen und Stadträten des Karlsruher Gemeinderates für ihre Unterstützung und ihr Engagement für wohnungslose Menschen. Ohne die Bereitstellung von Wohnraum durch private Vermietungen wäre die Wohnungsnot in Karlsruhe weitaus größer. Auch in Zukunft ist die Stadt Karlsruhe auf diese Angebote in hohem Maß angewiesen. Sie alle tragen dazu bei, Wohnungsnot zu beseitigen und Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Martin Lenz Bürgermeister 6 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 INHALTSVERZEICHNIS VORWORT..................................................................................................................................................................................................................4 INHALTSVERZEICHNIS................................................................................................................................................................................................6 1. FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG.................................................................................................................................................................8 2. PRÄVENTION.....................................................................................................................................................................................................10 2.1. Fristlose Kündigungen, Klagen, Mietrückstandsausgleich, Mietsicherung............................................................................ 10 2.2. Aufsuchende Arbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe................................................................................................ 11 2.3. Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe im Kontext der Wohnungssicherung......................................................................... 14 3. BESEITIGUNG VON OBDACHLOSIGKEIT.............................................................................................................................................................15 3.1. Zahlen, Strukturen, Ergebnisse.............................................................................................................................................15 3.2. Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe 2014...................................................................................................................... 19 3.3. Betreute Obdachlosenunterkünfte.......................................................................................................................................19 3.3.1. Das Lotsenkonzept........................................................................................................................................................20 3.3.2. Wohnheim Rüppurrer Straße 23...................................................................................................................................20 3.3.3. Gartenstraße 9..............................................................................................................................................................21 3.3.4. Frauenpension: SOZPÄDAL...........................................................................................................................................21 3.3.5. Übergangswohngruppe Kriegsstraße 88....................................................................................................................... 21 3.3.6. Sozialpension Augustiner: AWO...................................................................................................................................21 3.3.7. Sporthotel Stutensee.....................................................................................................................................................22 3.4. Angebote Betreutes Wohnen...............................................................................................................................................22 3.4.1. Betreute Wohnformen: SOZPÄDAL...............................................................................................................................22 3.4.2. Wohngruppe Adlerstraße und Außenstellen: Heimstiftung........................................................................................... 23 3.4.3. Betreutes Wohnen: AWO..............................................................................................................................................23 3.4.4. Betreutes Wohnen für haftentlassene wohnungslose Männer: Verein für Jugendhilfe e. V........................................... 23 3.4.5. Wohngemeinschaft Lessingstraße: bwlv........................................................................................................................ 24 3.4.6. Haus Bodelschwingh: Verein für ev. Heimfürsorge Karlsruhe e. V. (keine Rückmeldung!)............................................. 24 3.5. Langzeithilfen.......................................................................................................................................................................25 3.5.1. Langzeitwohngruppe Thomas-Mann-Straße: Heimstiftun............................................................................................. 25 3.5.2. Hotel Anker: AWO........................................................................................................................................................25 3.5.3. Wohnetage Scheffel 37: Wohnen für wohnungslose Frauen mit erheblichen multiplen Erschwernissen: SOZPÄDAL..... 25 4. WOHNRAUMBESCHAFFUNG..............................................................................................................................................................................26 4.1. Wohnraumakquise durch Kooperation................................................................................................................................. 26 4.2. Nutzungsverhältnisse...........................................................................................................................................................28 4.3. Scharnierstelle zur Volkswohnung GmbH............................................................................................................................. 29 5. BERATUNG........................................................................................................................................................................................................30 5.1. Beratungsstelle für wohnungslose Männer........................................................................................................................... 30 5.2. Beratungsstelle für Frauen und Paare in Wohnungsnot: SOZPÄDAL..................................................................................... 30 5.3. Straßensozialarbeit: Diakonisches Werk................................................................................................................................30 5.4. Anlaufstelle Iglu: Heimstiftung Karlsruhe.............................................................................................................................. 30 5.5. Bahnhofsmission..................................................................................................................................................................31 6 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 INHALTSVERZEICHNIS VORWORT..................................................................................................................................................................................................................4 INHALTSVERZEICHNIS................................................................................................................................................................................................6 1. FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG.................................................................................................................................................................8 2. PRÄVENTION.....................................................................................................................................................................................................10 2.1. Fristlose Kündigungen, Klagen, Mietrückstandsausgleich, Mietsicherung............................................................................ 10 2.2. Aufsuchende Arbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe................................................................................................ 11 2.3. Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe im Kontext der Wohnungssicherung......................................................................... 14 3. BESEITIGUNG VON OBDACHLOSIGKEIT.............................................................................................................................................................15 3.1. Zahlen, Strukturen, Ergebnisse.............................................................................................................................................15 3.2. Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe 2014...................................................................................................................... 19 3.3. Betreute Obdachlosenunterkünfte.......................................................................................................................................19 3.3.1. Das Lotsenkonzept........................................................................................................................................................20 3.3.2. Wohnheim Rüppurrer Straße 23...................................................................................................................................20 3.3.3. Gartenstraße 9..............................................................................................................................................................21 3.3.4. Frauenpension: SOZPÄDAL...........................................................................................................................................21 3.3.5. Übergangswohngruppe Kriegsstraße 88....................................................................................................................... 21 3.3.6. Sozialpension Augustiner: AWO...................................................................................................................................21 3.3.7. Sporthotel Stutensee.....................................................................................................................................................22 3.4. Angebote Betreutes Wohnen...............................................................................................................................................22 3.4.1. Betreute Wohnformen: SOZPÄDAL...............................................................................................................................22 3.4.2. Wohngruppe Adlerstraße und Außenstellen: Heimstiftung........................................................................................... 23 3.4.3. Betreutes Wohnen: AWO..............................................................................................................................................23 3.4.4. Betreutes Wohnen für haftentlassene wohnungslose Männer: Verein für Jugendhilfe e. V........................................... 23 3.4.5. Wohngemeinschaft Lessingstraße: bwlv........................................................................................................................ 24 3.4.6. Haus Bodelschwingh: Verein für ev. Heimfürsorge Karlsruhe e. V. (keine Rückmeldung!)............................................. 24 3.5. Langzeithilfen.......................................................................................................................................................................25 3.5.1. Langzeitwohngruppe Thomas-Mann-Straße: Heimstiftun............................................................................................. 25 3.5.2. Hotel Anker: AWO........................................................................................................................................................25 3.5.3. Wohnetage Scheffel 37: Wohnen für wohnungslose Frauen mit erheblichen multiplen Erschwernissen: SOZPÄDAL..... 25 4. WOHNRAUMBESCHAFFUNG..............................................................................................................................................................................26 4.1. Wohnraumakquise durch Kooperation................................................................................................................................. 26 4.2. Nutzungsverhältnisse...........................................................................................................................................................28 4.3. Scharnierstelle zur Volkswohnung GmbH............................................................................................................................. 29 5. BERATUNG........................................................................................................................................................................................................30 5.1. Beratungsstelle für wohnungslose Männer........................................................................................................................... 30 5.2. Beratungsstelle für Frauen und Paare in Wohnungsnot: SOZPÄDAL..................................................................................... 30 5.3. Straßensozialarbeit: Diakonisches Werk................................................................................................................................30 5.4. Anlaufstelle Iglu: Heimstiftung Karlsruhe.............................................................................................................................. 30 5.5. Bahnhofsmission..................................................................................................................................................................31 SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 7 6. VERSORGUNG...................................................................................................................................................................................................32 6.1. Erfrierungsschutz Kriegsstraße 88........................................................................................................................................32 6.2. Tagestreff „Tür“: Diakonisches Werk...................................................................................................................................32 6.3. TafF – Kombiniertes Angebot: „Tagesaufenthalt“ und „Arbeiten und Qualifizieren“ für Frauen in Wohnungsnot: SOZPÄDAL.............................................................................................................................. 33 6.4. Medizinische Versorgung.....................................................................................................................................................33 6.4.1. Obdachlosenunterkunft „Anker“, AWO....................................................................................................................... 33 6.4.2. Tagestreff „TÜR“, Kriegsstraße 88, Diakonie................................................................................................................ 34 6.4.3. Tagestreff für Frauen (TafF), Sozpädal........................................................................................................................... 34 7. ZIELGRUPPEN....................................................................................................................................................................................................35 7.1. Wohnungslose Familien.......................................................................................................................................................35 7.1.1. Mehrfamilientherapie mit wohnungslosen Familien: Ohlebusch GmbH......................................................................... 35 7.2. Junge erwachsene Wohnungslose........................................................................................................................................36 7.2.1. Noku: Heimstiftung Karlsruhe.......................................................................................................................................36 7.2.2. JUNO: Heimstiftung Karlsruhe.......................................................................................................................................37 7.2.3. Betreutes Wohnen: Heimstiftung Karlsruhe................................................................................................................... 37 7.2.4. Wohnen 18+: SOZPÄDAL.............................................................................................................................................37 7.3. Psychisch kranke Wohnungslose..........................................................................................................................................38 7.3.1. Betreutes Wohnen: AWO..............................................................................................................................................38 7.3.2. Betreutes Wohnen: SOZPÄDAL.....................................................................................................................................38 7.3.3. Aufsuchende Betreuung für wohnungslose psychisch kranke Menschen: Diakonisches Werk....................................... 38 7.3.4. Appartementhaus Rüppurrer Straße 56: Diakonisches Werk......................................................................................... 39 7.3.5. Ambulant betreutes Wohnen: Badischer Landesverein für Innere Mission..................................................................... 39 7.4. Menschen mit Migrationshintergrund..................................................................................................................................40 8. ARBEIT, BESCHÄFTIGUNG, AKTIVIERUNG.........................................................................................................................................................41 8.1. Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II)................................................................................................................. 41 8.2. Arbeits- und Beschäftigungsprojekt „Esperanza“: Heimstiftung........................................................................................... 41 8.3. Arbeits- und Beschäftigungsprojekt: AWO........................................................................................................................... 42 8.4. Beschäftigungsprojekt LaBOR für junge Erwachsene in Wohnungsnot: SOZPÄDAL............................................................. 42 8.5. Plan B: SOZPÄDAL................................................................................................................................................................43 8.6. TafF – Arbeiten und Qualifizieren: SOZPÄDAL...................................................................................................................... 43 8.7. Wohnungsakquise und Sanierung: SOZPÄDAL..................................................................................................................... 43 8.8. Streetwork: Diakonisches Werk............................................................................................................................................43 9. HILFEN FÜR WOHNGEBIETE MIT BESONDEREM UNTERSTÜTZUNGSBEDARF....................................................................................................44 9.1. Kleinseeäcker.......................................................................................................................................................................44 9.2. Nussbaumweg.....................................................................................................................................................................44 9.3. Wohnwagenabstellplatz.......................................................................................................................................................44 10. AUSBLICK..........................................................................................................................................................................................................45 11. ANHANG...........................................................................................................................................................................................................46 11.1. Flyer BAGW-Tagung.............................................................................................................................................................46 11.2. Flyer Armutstagung..............................................................................................................................................................47 12. IMPRESSUM......................................................................................................................................................................................................48 8 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 1. FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG Die Fachstelle Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde hat darüber hinaus auch die Sachbearbeitung der Sozialleistungen nach Sozialgesetzbuch II (SGB II) und Sozialgesetzbuch XII (SGB XII) für wohnungslose Menschen integriert. So ist gewährleistet, dass Leistungssachbearbeitung und Sozialarbeit eng kooperieren. In einem mehrjährigen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern initiierten Prozess der Organisationsentwicklung hat sich die Abteilung Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde seit 2007 zur „Fachstelle Wohnungssicherung“ gewandelt. Das Modell „Zentrale Fachstelle“ geht auf ein Konzept des Städtetages zurück und verfolgt den Kerngedanken, Zuständigkeitszersplitterung verschiedener städtischer Stellen zu überwinden. Daher kann die erforderliche Hilfe für Haushalte in Wohnungsnot zielgenauer, koordinierter und schneller erfolgen. Das folgende Organigramm veranschaulicht den Aufbau der Fachstelle Wohnungssicherung. Organigramm Fachstelle Wohnungssicherung | Abbildung 1 8 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 1. FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG Die Fachstelle Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde hat darüber hinaus auch die Sachbearbeitung der Sozialleistungen nach Sozialgesetzbuch II (SGB II) und Sozialgesetzbuch XII (SGB XII) für wohnungslose Menschen integriert. So ist gewährleistet, dass Leistungssachbearbeitung und Sozialarbeit eng kooperieren. In einem mehrjährigen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern initiierten Prozess der Organisationsentwicklung hat sich die Abteilung Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde seit 2007 zur „Fachstelle Wohnungssicherung“ gewandelt. Das Modell „Zentrale Fachstelle“ geht auf ein Konzept des Städtetages zurück und verfolgt den Kerngedanken, Zuständigkeitszersplitterung verschiedener städtischer Stellen zu überwinden. Daher kann die erforderliche Hilfe für Haushalte in Wohnungsnot zielgenauer, koordinierter und schneller erfolgen. Das folgende Organigramm veranschaulicht den Aufbau der Fachstelle Wohnungssicherung. Organigramm Fachstelle Wohnungssicherung | Abbildung 1 SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 9 Wohnungslosenhilfe in Karlsruhe (Stand Februar 2015) | Abbildung 2 FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG BETREIBT FINANZIERT UND/ODER KOOPERIERT MIT PRÄVENTION  Mietrückstandsausgleich  fristlose Kündigungen, Klagen  Mietsicherung  aufsuchende Sozialarbeit PRÄVENTION  Prävention durch den Sozialen Dienst der Stadt Karlsruhe (SoDi) BERATUNG  Beratungsstelle für Männer  Schuldnerberatung BERATUNG  Iglu: Heimstiftung  Beratungsstelle für Frauen und Paare: SOZPÄDAL  Bahnhofsmission INSTITUTIONELLE HILFEN  Erstaufnahme in Rü 23  Wohnheim Rü 23  Übergangswohngruppe K88/DG INSTITUTIONELLE HILFEN  Frauenpension: SOZPÄDAL  Sozialpension Augustiner WOHNEN  Wohnraumakquise durch Kooperation  Belegungsvereinbarungen/Nutzungsverträge  Scharnierstelle Volkswohnung (VoWo) BETREUTES WOHNEN  AWO  Bodelschwingh  BWLV  Heimstiftung  Mehrfamilientherapie: Ohlebusch GmbH  SOZPÄDAL  Verein für Jugendhilfe BESEITIGUNG VON OBDACHLOSIGKEIT  Einweisung in Unterkünfte und Hotels  Verwaltung der Unterkünfte  Erfrierungsschutz K 88  Lotsenkonzept LANGZEITHILFEN  Anker: AWO  Langzeit-WG Thomas-Mann-Straße: Heimstiftung  Wohnetage Scheffelstraße: SOZPÄDAL ARBEIT UND BESCHÄFTIGUNG  SGB II-Arbeitsvermittlung VERSORGUNG  Tagestreff TÜR: Diakonisches Werk  TafF: SOZPÄDAL  Medizinische Versorgung PSYCHISCH KRANKE  Betreutes Wohnen: AWO  Appartementhaus Rü 56: Diakonisches Werk  Aufsuchende Hilfe: Diakonisches Werk  Betreutes Wohnen: SOZPÄDAL  Ambulant Betreutes Wohnen: Badischer Landesverein für Innere Mission JUNGE ERWACHSENE  NOKU: Heimstiftung  Juno: Heimstiftung  Betreutes Wohnen: SOZPÄDAL MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND  Projekt ITL: Institut für transkulturelle Lösungen FAMILIEN  Mehrfamilientherapie  Beratung AKTIVIERUNG  Arbeitsprojekt AWO  Streetwork: Diakonisches Werk  Esperanza: Heimstiftung  LABOR/Wohnungsakquise und Sanierung: SOZPÄDA L  TafF: SOZPÄDAL  Plan B: SOZPÄDAL 10 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 2. PRÄVENTION Die eigene Wohnung ist der Lebensmittelpunkt für jeden Menschen. Dort lebt man, hat seine sozialen Kontakte und seinen privaten Rückzugsraum. Das Team der Prävention der Fachstelle Wohnungssicherung versucht unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten zu verhindern, dass Menschen wegen einer Kündigung oder einer Räumungsklage ihre Wohnung verlieren. 2.1. FRISTLOSE KÜNDIGUNGEN, KLAGEN, MIETRÜCKSTANDSAUSGLEICH, MIETSICHERUNG In den Jahren 2013 und 2014 waren 825 beziehungsweise 993 Verfahren wegen Mahnungen, fristlosen Kündigungen und Räumungsklagen bei der Fachstelle Wohnungssicherung anhängig. Im Jahr 2013 konnten 241 Mietverhältnisse für 450 Personen, darunter 147 Kinder, durch Mietrückstandsübernahmen erhalten werden. Im Jahr 2014 konnten sogar 251 Mietverhältnisse für 513 Personen, darunter 187 Kinder, gesichert werden. Übernahme Mietrückstände 2008 bis 2014 | Abbildung 3 209 294 277 288 239 241 251 0 50 100 150 200 250 300 350 2008200920102011201220132014 Jahr Anzahl 10 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 2. PRÄVENTION Die eigene Wohnung ist der Lebensmittelpunkt für jeden Menschen. Dort lebt man, hat seine sozialen Kontakte und seinen privaten Rückzugsraum. Das Team der Prävention der Fachstelle Wohnungssicherung versucht unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten zu verhindern, dass Menschen wegen einer Kündigung oder einer Räumungsklage ihre Wohnung verlieren. 2.1. FRISTLOSE KÜNDIGUNGEN, KLAGEN, MIETRÜCKSTANDSAUSGLEICH, MIETSICHERUNG In den Jahren 2013 und 2014 waren 825 beziehungsweise 993 Verfahren wegen Mahnungen, fristlosen Kündigungen und Räumungsklagen bei der Fachstelle Wohnungssicherung anhängig. Im Jahr 2013 konnten 241 Mietverhältnisse für 450 Personen, darunter 147 Kinder, durch Mietrückstandsübernahmen erhalten werden. Im Jahr 2014 konnten sogar 251 Mietverhältnisse für 513 Personen, darunter 187 Kinder, gesichert werden. Übernahme Mietrückstände 2008 bis 2014 | Abbildung 3 209 294 277 288 239 241 251 0 50 100 150 200 250 300 350 2008200920102011201220132014 Jahr Anzahl SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 11 Laufende Mietsicherungen 2008 bis 2014 | Abbildung 4 174 142 156 162 158 149 144 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 2008200920102011201220132014 Jahr Anzahl Die konstant hohe Anzahl der laufenden Mietsicherungen erlaubt es, zuverlässig und zielorientiert den Erhalt der Wohnung zu sichern. Durch die Abtretung der eigenen Einkünfte in Höhe der Monatsmiete an die Fachstelle Wohnungssicherung und die dann folgende Weiterleitung der Einkünfte an die Vermieterin/den Vermieter werden effektiv und nachhaltig neue Mietrückstände verhindert. Wie in den vergangenen Jahren auch kann die Prävention der Fachstelle Wohnungssicherung durch die Einrichtung von Mietsicherungen zuverlässig und effektiv dazu beitragen, Mietrückstände zu vermeiden und Wohnungen langfristig für die Mieterinnen und Mieter zu erhalten. 2.2. AUFSUCHENDE ARBEIT IN DER PRÄVENTIVEN WOHNUNGSLOSENHILFE Schwerpunkt der aufsuchenden Arbeit ist die Hilfe vor dem Räumungstermin mit dem Ziel der Verhinderung von Wohnungslosigkeit. Dies beinhaltet, die vor dem Wohnungsverlust stehenden Haushalte aufzusuchen, den Hilfebedarf abzuklären und falls notwendig, Hilfen zum Mietrückstandsausgleich und zur Mietabsicherung zu vermitteln. Vorrangiges Ziel ist der Wohnungserhalt. Sofern dies nicht möglich ist, erfolgt der Versuch einer Wohnungsvermittlung. Wenn eine Räumung nicht zu verhindern ist, erfolgt Vorbereitung auf die Situation der Wohnungslosigkeit und Begleitung beim Räumungstermin. Um die Sicherheit beim Räumungstermin zu verbessern, wurde mit dem Amtsgericht vereinbart, dass künftig die Gerichtsvollzieherin/der Gerichtsvollzieher allein die Wohnung betritt. Wenn sie/er die Lage abgeklärt hat, kann die Ansprechperson der Stadt, die vor der Wohnung oder vor dem Haus wartet, dazugeholt werden. Wird eine Mieterin/ein Mieter schon vor dem Räumungstermin, zum Beispiel aufgrund von Drohungen oder früheren Erfahrungen, als gefährlich eingeschätzt, dann wird von der Gerichtsvollzieherin/vom Gerichtsvollzieher die Polizei zum Termin hinzugezogen. 12 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Die nachfolgende Statistik zeigt die hohe Zahl an verhinderten Räumungsterminen. Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe | Abbildung 5 Zeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 2013 Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe | Abbildung 6 Zeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 2014 2013 und 2014 ist es der Fachstelle Wohnungssicherung durch ihre Hilfsangebote wie in den Vorjahren gelungen, circa die Hälfte der bereits terminierten Räumungstermine zu verhindern. Dadurch konnte für 281 Menschen der Wohnraum erhalten werden und die obdachlosenrechtliche Unterbringung mit all ihren sozialen Nachteilen verhindert werden. Unterbringung nach Räumungstermin 24 Haushalte (51 Personen) Unterbringung nach Räumungstermin 26 Haushalte (51 Personen) RÄUMUNGSTERMINE 145 Haushalte Ohne direkten Kontakt 48 Hausha lte (61 Personen) (252 Personen) RÄUMUNGSTERMINE 168 Haushalte Abgesetzte Räumungstermine 71 Haushalte (136 Personen) Alleinlebende 40 Allein Erziehende 12 (33) Alleinlebende 14 Allein Erziehende 7 (16) Paare 8 (16) Familien 11 (47) Paare 0 (0) Familien 5 (21) (279 Personen) Ohne direkten Kontakt 59 Haushalte (78 Personen) Abgesetzte Räumungstermine 85 Haushalte (145 Personen) Alleinlebende 58 Allein Erziehende 5 (11) Paare 6 (12) Familien 16 (64) Alleinlebende 13 Allein Erziehende 2 (5) Paare 1 (2) Familien 8 (31) 12 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Die nachfolgende Statistik zeigt die hohe Zahl an verhinderten Räumungsterminen. Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe | Abbildung 5 Zeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 2013 Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe | Abbildung 6 Zeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 2014 2013 und 2014 ist es der Fachstelle Wohnungssicherung durch ihre Hilfsangebote wie in den Vorjahren gelungen, circa die Hälfte der bereits terminierten Räumungstermine zu verhindern. Dadurch konnte für 281 Menschen der Wohnraum erhalten werden und die obdachlosenrechtliche Unterbringung mit all ihren sozialen Nachteilen verhindert werden. Unterbringung nach Räumungstermin 24 Haushalte (51 Personen) Unterbringung nach Räumungstermin 26 Haushalte (51 Personen) RÄUMUNGSTERMINE 145 Haushalte Ohne direkten Kontakt 48 Hausha lte (61 Personen) (252 Personen) RÄUMUNGSTERMINE 168 Haushalte Abgesetzte Räumungstermine 71 Haushalte (136 Personen) Alleinlebende 40 Allein Erziehende 12 (33) Alleinlebende 14 Allein Erziehende 7 (16) Paare 8 (16) Familien 11 (47) Paare 0 (0) Familien 5 (21) (279 Personen) Ohne direkten Kontakt 59 Haushalte (78 Personen) Abgesetzte Räumungstermine 85 Haushalte (145 Personen) Alleinlebende 58 Allein Erziehende 5 (11) Paare 6 (12) Familien 16 (64) Alleinlebende 13 Allein Erziehende 2 (5) Paare 1 (2) Familien 8 (31) SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 13 Trotz vieler präventiver Maßnahmen sind Mietrückstände, wie in den Vorjahren auch, die Hauptursache für den Wohnungsverlust nach einer Räumung (siehe Abbildung 7). Mietrückstände entstehen unter anderem durch teure Mieten, die die wirtschaftlichen Verhältnisse der Mieterinnen und Mieter übersteigen oder durch besondere soziale Schwierigkeiten der Mietschuldnerinnen und Mietschuldner, die die präventiven Hilfen der Fachstelle Wohnungssicherung erschweren. Räumungsgründe in Prozent | Abbildung 7 77 8383 84 94 84,5 78,7 80 84,1 82,1 16 15 13 10 6 15 7 2 4 6 0 2,9 5,5 5 5,5 6 10,4 12,6 11,9 15,8 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 2005200620072008200920102011201220132014 Jahr Prozent MietrückständeMietwidriges VerhaltenEigenbedarf 14 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 2.3. DER SOZIALE DIENST DER STADT KARLSRUHE IM KONTEXT DER WOHNUNGSSICHERUNG Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe ist auf Grund seiner wohnumfeld- und sozialraumorientierten Arbeitsweise unter anderem auch Ansprechpartner für alle Menschen, die Wohnprobleme haben. Die Fachstelle Wohnungssicherung unterrichtet den Sozialen Dienst bei allen eingehenden Mitteilungen über drohenden Wohnungsverlust. Nach Eingang dieser Information versucht die zuständige Bezirkssozialarbeiterin/der zuständige Bezirkssozialarbeiter, umgehend Kontakt zu den Betroffenen herzustellen. Gelingt dies, findet eine Beratung sowie Klärung, welche Hilfen zur Vermeidung von Wohnungsverlusten erforderlich und möglich sind, statt. Benötigen die Klientinnen und Klienten zum Wohnungserhalt finanzielle Unterstützung, werden sie an die Fachstelle Wohnungssicherung oder die Anlaufstelle weitervermittelt. Für wohnungslose Familien und allein Erziehende werden in gemeinsamen Fallbesprechungen und Hilfekonferenzen unter Beteiligung der Leistungserbringer, der Fachstelle und dem Sozialen Dienst die notwendigen Hilfeleistungen geklärt, bei Bedarf um Jugendhilfeleistungen ergänzt und koordiniert. Im Jahr 2014 war der Soziale Dienst in 752 Fällen mit der Beratung zur Wohnungssicherung befasst. Fallzahlen der Beratung zur Wohnungssicherung beim Sozialen Dienst (2004 bis 2014) | Abbildung 8 751 812 770 699 850 705 693 639 756 699 752 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2004 Beratungen 2005200620072008200920102011201220132014 Jahr 14 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 2.3. DER SOZIALE DIENST DER STADT KARLSRUHE IM KONTEXT DER WOHNUNGSSICHERUNG Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe ist auf Grund seiner wohnumfeld- und sozialraumorientierten Arbeitsweise unter anderem auch Ansprechpartner für alle Menschen, die Wohnprobleme haben. Die Fachstelle Wohnungssicherung unterrichtet den Sozialen Dienst bei allen eingehenden Mitteilungen über drohenden Wohnungsverlust. Nach Eingang dieser Information versucht die zuständige Bezirkssozialarbeiterin/der zuständige Bezirkssozialarbeiter, umgehend Kontakt zu den Betroffenen herzustellen. Gelingt dies, findet eine Beratung sowie Klärung, welche Hilfen zur Vermeidung von Wohnungsverlusten erforderlich und möglich sind, statt. Benötigen die Klientinnen und Klienten zum Wohnungserhalt finanzielle Unterstützung, werden sie an die Fachstelle Wohnungssicherung oder die Anlaufstelle weitervermittelt. Für wohnungslose Familien und allein Erziehende werden in gemeinsamen Fallbesprechungen und Hilfekonferenzen unter Beteiligung der Leistungserbringer, der Fachstelle und dem Sozialen Dienst die notwendigen Hilfeleistungen geklärt, bei Bedarf um Jugendhilfeleistungen ergänzt und koordiniert. Im Jahr 2014 war der Soziale Dienst in 752 Fällen mit der Beratung zur Wohnungssicherung befasst. Fallzahlen der Beratung zur Wohnungssicherung beim Sozialen Dienst (2004 bis 2014) | Abbildung 8 751 812 770 699 850 705 693 639 756 699 752 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2004 Beratungen 2005200620072008200920102011201220132014 Jahr SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 15 3. BESEITIGUNG VON OBDACHLOSIGKEIT Nach dem baden-württembergischen Polizeigesetz ist die Kommune verpflichtet, auftretende Obdachlosigkeit als Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu beseitigen, sofern den Betroffenen zumutbare Selbsthilfe nicht möglich ist. Dabei spielen die jeweiligen Ursachen der Obdachlosigkeit keine Rolle. In Karlsruhe ist schon seit Jahrzehnten diese eigentlich ordnungsrechtliche Funktion an die Sozial- und Jugendbehörde delegiert. Außerhalb der regulären Sprechzeiten der Fachstelle für Wohnungssicherung werden notwendige Sofortmaßnahmen über das Wohnheim Rüppurrer Straße 23 veranlasst. Soweit nicht unmittelbar Wohnungen zur Verfügung stehen, werden obdachlose Haushalte und Einzelpersonen in städtische Unterkünfte und angemietete Hotels eingewiesen. 3.1. ZAHLEN, STRUKTUREN, ERGEBNISSE Über die jeweils am Jahresende untergebrachten Personen gibt die folgende Grafik Auskunft: Wohnungslose 1992 bis 2014, Stichtag 31. Dezember | Abbildung 9 Zum S tichtag 31. Dezember 2014 waren 448 Personen von der Fachstelle Wohnungssicherung obdachlosenrechtlich untergebracht, darunter 78 Kinder (362 Personen in 2013, darunter 58 Kinder). Die Zahl der wohnungslosen Personen steigt seit Ende 2012 wieder kontinuierlich an und hat in 2014 mit 448 Personen fast dasselbe hohe Niveau wie Anfang der 1990er Jahre erreicht. Obwohl die Fachstelle Wohnungssicherung in den letzten Jahren viele Maßnahmen zur Wohnraumversorgung eingeleitetet hat und das Karlsruher Wohnungslosenhilfe- System, damit einhergehend, sehr differenziert ist, konnte aufgrund des engen Wohnungsmarktes und der hohen Zugangszahlen der drastische Anstieg in das Wohnungslosenhilfe-System nicht verhindert werden. Die Stichtagszahlen geben lediglich darüber Auskunft, wie viele Personen jeweils am Ende eines Monats untergebracht waren. Die Zahl der Personen, die über die Fachstelle betreut und mit Wohnraum versorgt werden, ist jedoch deutlich höher als die Stichtagszahl. So stieg beispielsweise die Stichtagszahl von 31. Juli 2014 (387 Personen) auf 31. August 2014 (388 Personen) lediglich um eine Person. Diese Zahl bildet nicht ab, dass zugleich im August 76 Personen neu untergebracht werden mussten und für 75 weitere die Unterbringung im gleichen Monat beendet werden konnte. Die V erlaufszahlen hingegen repräsentieren, wie viele Personen im Laufe eines Jahres von der Fachstelle Wohnungssicherung betreut und versorgt wurden. Anhand des folgenden Schaubilds (Abbildung 10) ist zu erkennen, dass die Verlaufszahlen in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen sind und in 2014 mit 1.073 Personen beziehungsweise 805 Haushalten einen Höchststand erreicht haben. Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht absehbar. Die hohen Zahlen haben dazu geführt, dass erstmals seit Jahren wieder extern Hotelzimmer angemietet werden mussten. Dies ist mit steigenden Kosten verbunden. 16 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Untergebrachte 2005 bis 2014 im Jahresverlauf | Abbildung 10 932 Vergleicht man Gesamtjahres- und Stichtagszahlen (Abbildung 9 und Abbildung 10), so stellt man fest, dass sowohl an den Stichtagen 31. Dezember 2013 und 2014 die Zahl der Untergebrachten deutlich gestiegen ist als auch die Zahl der Personen, die im Laufe der Jahre 2013 und 2014 untergebracht waren, zugenommen hat. Dies deutet darauf hin, dass es im Vergleich zu den Vorjahren weniger Abgänge aus dem Hilfesystem gab, was dem engen Karlsruher Wohnungsmarkt geschuldet ist. Wie in den letzten Jahren bilden auch 2013 und 2014 die Ein-Personen-Haushalte mit 84 Prozent in 2013 beziehungsweise 79 Prozent in 2014 die größte Gruppe, wobei ihr Anteil im Vergleich zu den Vorjahren stetig gesunken ist (91 Prozent in 2011). Dies liegt vor allem daran, dass der Anteil der Familien zugenommen hat. Da allgemein die Zugangszahlen in 2013/2014 höher als in den Vorjahren sind, hat sich die absolute Zahl der Ein-Personen-Haushalte jedoch erhöht auf 620 Personen in 2013 beziehungsweise 654 Personen in 2014. Der häufigste Haushaltstyp bei einer geschlechtsdifferenzierten Betrachtung sind alleinlebende Männer ohne Kinder. Insgesamt stellen Frauen in 2014 knapp über ein Drittel (34 Prozent) und Männer fast zwei Drittel (66 Prozent) der Untergebrachten. Dieses Verhältnis blieb in den letzten Jahren relativ konstant. Der Anteil der Familien ist hingegen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Zu den Familien zählen hier Paare und allein Erziehende jeweils mit Kind(ern). Betrug ihr Anteil 2011 noch sieben Prozent, so ist er in 2013 auf 13 Prozent und 2014 auf 14 Prozent gestiegen. Während in den Jahren 2009/2010 durchschnittlich 15 Familien versorgt wurden, hat sich die Zahl im Jahr 2012 auf 20 Familien im Durchschnitt erhöht und liegt mittlerweile bei 50 Familien und mehr. Damit hat sich die Zahl der wohnungslosen Familien innerhalb der letzten zwei Jahre mehr als verdoppelt. Auch die Aufenthaltsdauer in den Unterkünften ist gestiegen. Während sie im Jahr 2010 maximal vier Monate betrug, hat sie sich zwischenzeitlich auf sechs bis neun Monate erhöht. In Kapitel 7.1 wird diese Zielgruppe eingehender betrachtet. Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2013 | Abbildung 11 Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2014 | Abbildung 12 1073 876 81% 5% 5% 9% Ein-Personen-HHPaare ohne Kind Familien mit Kind Allein Erziehende 84% 3% 5% 8% Ein-Personen-HH Paare ohne Kind Familien mit Kind Allein Erziehende 763 680 795 651 710 740 623 742 624 781 659 813 687 819 693 740 805 800 900 700 600 500 Anzahl 400 300 200 100 0 2005 2006 2007 2008 200920102011201220132014 PersonenHaushalte 16 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Untergebrachte 2005 bis 2014 im Jahresverlauf | Abbildung 10 932 Vergleicht man Gesamtjahres- und Stichtagszahlen (Abbildung 9 und Abbildung 10), so stellt man fest, dass sowohl an den Stichtagen 31. Dezember 2013 und 2014 die Zahl der Untergebrachten deutlich gestiegen ist als auch die Zahl der Personen, die im Laufe der Jahre 2013 und 2014 untergebracht waren, zugenommen hat. Dies deutet darauf hin, dass es im Vergleich zu den Vorjahren weniger Abgänge aus dem Hilfesystem gab, was dem engen Karlsruher Wohnungsmarkt geschuldet ist. Wie in den letzten Jahren bilden auch 2013 und 2014 die Ein-Personen-Haushalte mit 84 Prozent in 2013 beziehungsweise 79 Prozent in 2014 die größte Gruppe, wobei ihr Anteil im Vergleich zu den Vorjahren stetig gesunken ist (91 Prozent in 2011). Dies liegt vor allem daran, dass der Anteil der Familien zugenommen hat. Da allgemein die Zugangszahlen in 2013/2014 höher als in den Vorjahren sind, hat sich die absolute Zahl der Ein-Personen-Haushalte jedoch erhöht auf 620 Personen in 2013 beziehungsweise 654 Personen in 2014. Der häufigste Haushaltstyp bei einer geschlechtsdifferenzierten Betrachtung sind alleinlebende Männer ohne Kinder. Insgesamt stellen Frauen in 2014 knapp über ein Drittel (34 Prozent) und Männer fast zwei Drittel (66 Prozent) der Untergebrachten. Dieses Verhältnis blieb in den letzten Jahren relativ konstant. Der Anteil der Familien ist hingegen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Zu den Familien zählen hier Paare und allein Erziehende jeweils mit Kind(ern). Betrug ihr Anteil 2011 noch sieben Prozent, so ist er in 2013 auf 13 Prozent und 2014 auf 14 Prozent gestiegen. Während in den Jahren 2009/2010 durchschnittlich 15 Familien versorgt wurden, hat sich die Zahl im Jahr 2012 auf 20 Familien im Durchschnitt erhöht und liegt mittlerweile bei 50 Familien und mehr. Damit hat sich die Zahl der wohnungslosen Familien innerhalb der letzten zwei Jahre mehr als verdoppelt. Auch die Aufenthaltsdauer in den Unterkünften ist gestiegen. Während sie im Jahr 2010 maximal vier Monate betrug, hat sie sich zwischenzeitlich auf sechs bis neun Monate erhöht. In Kapitel 7.1 wird diese Zielgruppe eingehender betrachtet. Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2013 | Abbildung 11 Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2014 | Abbildung 12 1073 876 81% 5% 5% 9% Ein-Personen-HHPaare ohne Kind Familien mit Kind Allein Erziehende 84% 3% 5% 8% Ein-Personen-HH Paare ohne Kind Familien mit Kind Allein Erziehende 763 680 795 651 710 740 623 742 624 781 659 813 687 819 693 740 805 800 900 700 600 500 Anzahl 400 300 200 100 0 2005 2006 2007 2008 200920102011201220132014 PersonenHaushalte SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 17 Eine gesonderte Betrachtung der allein Erziehenden zeigt einen Anstieg des Anteils von acht Prozent in 2013 auf neun Prozent in 2014. Somit ist der Anteil im Vergleich zu den Vorjahren kontinuierlich gestiegen (2009: zwei Prozent; 2010: vier Prozent; 2011: fünf Prozent; 2012: sechs Prozent). Die allein Erziehenden setzen sich zahlenmäßig zusammen aus 69 Personen mit insgesamt 97 Kindern in 2014 (58 Personen mit 92 Kindern in 2013). Davon waren im Jahr 2013 sechs Frauen unter 25 Jahren mit sechs Kindern allein erziehend; im Jahr 2014 waren dies zehn Frauen mit 14 Kindern. Ein Viertel der Untergebrachten in 2013 hat ausländische Wurzeln. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich ihr Anteil im Jahr 2014 um 11 Prozent auf 36 Prozent deutlich erhöht. Im Vergleich zum gesamtstädtischen Bevölkerungsdurchschnitt von 16,5 Prozent liegt der Ausländeranteil in 2013 um knapp zehn Prozentpunkte beziehungsweise um fast zwanzig Prozentpunkte in 2014 wesentlich höher. Aufgrund der Freizügigkeitsregelung für Rumänien und Bulgarien seit 1. Januar 2014 wurden erstmals im Jahr 2014 auch Rumänen und Bulgaren in der Obdachlosenstatistik erfasst. Von den Untergebrachten mit ausländischen Wurzeln stellen Rumänen knapp ein Drittel (29,3 Prozent). Zukünftig ist zu beobachten, ob es sich hierbei um eine sich verstetigende Entwicklung handelt. Ausländeranteil der Untergebrachten in 2013 | Abbildung 13 Ausländeranteil der Untergebrachten in 2014 | Abbildung 14 64% 36% Ausländer/-innenDeutsche 25% 75% Ausländer/-innenDeutsche Seit 2010 wird der M igrationshintergrund statistisch erfasst; er lag zum damaligen Zeitpunkt bei 28 Prozent. In den letzten Jahren hat sich der Anteil an untergebrachten Menschen mit Migrationshintergrund stark erhöht; er betrug im Jahr 2013 34,3 Prozent und in 2014 sogar 46,5 Prozent. Somit ist der Personenkreis der Migrantinnen und Migranten im Hilfesystem deutlich überrepräsentiert, denn der gesamtstädtische Bevölkerungsanteil liegt bei 27,3 Prozent. Menschen mit Migrationshintergrund sind häufig tendenziell benachteiligt am Wohnungsmarkt beispielsweise aufgrund von Sprachproblemen. Insgesamt ist festzustellen, dass vom Anstieg der untergebrachten Personen seit 2013 insbesondere einkommensschwache wohnungslose Familien, die ohne Unterstützung kaum mehr eine Wohnung in Karlsruhe selbstständig anmieten können, sowie Menschen mit Migrationshintergrund betroffen sind. Bei einer Auswertung der Gründe für die Notwendigkeit der obdachlosenrechtlichen Unterbringung ist zu beachten, dass die möglicherweise langfristig entstandenen Ursachen der Entwicklung zur Wohnungslosigkeit, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Armut, Suchterkrankung und so weiter bei der Fachstelle nicht für alle Betroffenen verlässlich erhoben werden können. Das folgende Schaubild veranschaulicht die G ründe für eine U nterbringung in den Jahren 2013 und 2014. Es beruht auf der Auswertung von 737 Personen in 2013 und 833 Personen in 2014, deren Daten dokumentiert sind. G ründe für eine Unterbringung in den Jahren 2013 und 2014 | Abbildung 15 Fehler! Keine gültige Verknüpfung. 18 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Von all den Gründen, die eine obdachlosenrechtliche Unterbringung notwendig machen, ist die Räumung der einzige Bereich, dessen Entwicklung durch Konzept und Organisation der Fachstelle Wohnungssicherung beeinflussbar ist. Alle anderen Gründe, die eine Unterbringung erforderlich machen, sind nicht durch die Fachstelle steuerbar; sie kann nur auf diese reagieren. Daher ist es umso erfreulicher, dass der Anteil der Personen, der aufgrund einer Zwangsräumung untergebracht werden musste, in den letzten Jahren von 13 Prozent auf zehn Prozent in 2013 und acht Prozent in 2014 gesunken ist. Dieser relative geringe Anteil zeigt, dass die Prävention zur Verhinderung von Wohnungsverlust, vor allem bei Mietschulden, nach wie vor sehr gut funktioniert. Veränderungen gibt es hinsichtlich der Einreise aus dem Ausland. Im Jahr 2014 hat sich der Anteil mit sieben Prozent deutlich im Vergleich zu den Vorjahren erhöht (2013: 4,5 Prozent; 2012: zwei Prozent; 2011: drei Prozent). Vermutlich steht damit auch eine Erhöhung des Anteils an Arbeitsaufnahmen in Karlsruhe in Zusammenhang. Auffällig ist vor allem der kontinuierliche Anstieg im Bereich „Unterschlupf bei Bekannten“ von 17 Prozent in 2012 auf 25 Prozent in 2013 beziehungsweise 30 Prozent in 2014. Hintergrund ist, dass viele Migrantinnen und Migranten arbeitsbedingt nach Karlsruhe ziehen, dort Arbeit aber zunächst keine eigene Wohnung finden. Daher nächtigen sie vorübergehend bei Bekannten. Eine obdachlosenrechtliche Unterbringung wird nötig, wenn das Mietverhältnis der Bekannten wegen Überbelegung der Wohnung gefährdet wird. Positiv fällt auf, dass prozentual immer weniger Personen wegen eines Rauswurfes aus dem Elternhaus untergebracht werden mussten. Lag der Anteil im Jahr 2011 und 2012 noch bei sieben beziehungsweise sechs Prozent, so ist er deutlich gesunken auf knapp drei Prozent in 2013 beziehungsweise auf zwei Prozent in 2014. Ein Faktor für die Abnahme könnte der geringere Anteil an jungen Erwachsenen sein. Als Unterbringungsgrund wurde 2014 erstmals „Rauswurf aus stationärer Einrichtung/betreutem Wohnen“ erfasst. In den Vorjahren waren diese Vorkommnisse zahlenmäßig unerheblich. Wie das folgende Schaubild (Abbildung 16) verdeutlicht, haben der Ausbau und die Differenzierung des Hilfesystems in den letzten Jahren zu einer Verbesserung der Ergebnisse der Wohnungslosenhilfe dahingehend geführt, dass der Anteil der von der Fachstelle untergebrachten Personen, die in gesicherten Wohnraum oder notwendige Therapien vermittelt werden konnten, gleich bleibend hoch geblieben ist. Abgangsart nach Unterbringung | Abbildung 16 35% 39% 34% 33% 37% 58% 56% 61% 63% 57% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 20102011201220132014 Abgang nach unbekannt sicheres Wohnen und Therapie Anhand der Grafik wird sichtbar, dass sich die Abgänge aus den Unterkünften und Hotels nach unbekannt über die letzten Jahre prozentual auf ähnlichem Niveau halten. Der Anteil an Weitervermittlung in gesicherten Wohnraum (betreut und unbetreut) oder in notwendige Therapien hat sich ebenso auf hohem Niveau gehalten, trotz eines leichten Rückgangs in den Jahren 2013 und 2014. Dies ist darauf zurück zu führen, dass es angesichts des engen Wohnungsmarktes immer schwieriger wird, eine stets wachsende Zahl wohnungsloser Menschen in adäquaten Wohnraum zu vermitteln. Von den Personen, die in gesicherten Wohnraum vermittelt werden konnten, wurden im Jahr 2014 über die Hälfte (51 Prozent) in eine Wohnung ohne Betreuung (2013: 55 Prozent) und 34 Prozent in eine betreute Wohnung (2013: 19 Prozent) vermittelt. Der in der Grafik nicht dargestellte restliche Prozentanteil setzt sich zusammen aus inhaftierten und verstorbenen Personen. 18 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Von all den Gründen, die eine obdachlosenrechtliche Unterbringung notwendig machen, ist die Räumung der einzige Bereich, dessen Entwicklung durch Konzept und Organisation der Fachstelle Wohnungssicherung beeinflussbar ist. Alle anderen Gründe, die eine Unterbringung erforderlich machen, sind nicht durch die Fachstelle steuerbar; sie kann nur auf diese reagieren. Daher ist es umso erfreulicher, dass der Anteil der Personen, der aufgrund einer Zwangsräumung untergebracht werden musste, in den letzten Jahren von 13 Prozent auf zehn Prozent in 2013 und acht Prozent in 2014 gesunken ist. Dieser relative geringe Anteil zeigt, dass die Prävention zur Verhinderung von Wohnungsverlust, vor allem bei Mietschulden, nach wie vor sehr gut funktioniert. Veränderungen gibt es hinsichtlich der Einreise aus dem Ausland. Im Jahr 2014 hat sich der Anteil mit sieben Prozent deutlich im Vergleich zu den Vorjahren erhöht (2013: 4,5 Prozent; 2012: zwei Prozent; 2011: drei Prozent). Vermutlich steht damit auch eine Erhöhung des Anteils an Arbeitsaufnahmen in Karlsruhe in Zusammenhang. Auffällig ist vor allem der kontinuierliche Anstieg im Bereich „Unterschlupf bei Bekannten“ von 17 Prozent in 2012 auf 25 Prozent in 2013 beziehungsweise 30 Prozent in 2014. Hintergrund ist, dass viele Migrantinnen und Migranten arbeitsbedingt nach Karlsruhe ziehen, dort Arbeit aber zunächst keine eigene Wohnung finden. Daher nächtigen sie vorübergehend bei Bekannten. Eine obdachlosenrechtliche Unterbringung wird nötig, wenn das Mietverhältnis der Bekannten wegen Überbelegung der Wohnung gefährdet wird. Positiv fällt auf, dass prozentual immer weniger Personen wegen eines Rauswurfes aus dem Elternhaus untergebracht werden mussten. Lag der Anteil im Jahr 2011 und 2012 noch bei sieben beziehungsweise sechs Prozent, so ist er deutlich gesunken auf knapp drei Prozent in 2013 beziehungsweise auf zwei Prozent in 2014. Ein Faktor für die Abnahme könnte der geringere Anteil an jungen Erwachsenen sein. Als Unterbringungsgrund wurde 2014 erstmals „Rauswurf aus stationärer Einrichtung/betreutem Wohnen“ erfasst. In den Vorjahren waren diese Vorkommnisse zahlenmäßig unerheblich. Wie das folgende Schaubild (Abbildung 16) verdeutlicht, haben der Ausbau und die Differenzierung des Hilfesystems in den letzten Jahren zu einer Verbesserung der Ergebnisse der Wohnungslosenhilfe dahingehend geführt, dass der Anteil der von der Fachstelle untergebrachten Personen, die in gesicherten Wohnraum oder notwendige Therapien vermittelt werden konnten, gleich bleibend hoch geblieben ist. Abgangsart nach Unterbringung | Abbildung 16 35% 39% 34% 33% 37% 58% 56% 61% 63% 57% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 20102011201220132014 Abgang nach unbekannt sicheres Wohnen und Therapie Anhand der Grafik wird sichtbar, dass sich die Abgänge aus den Unterkünften und Hotels nach unbekannt über die letzten Jahre prozentual auf ähnlichem Niveau halten. Der Anteil an Weitervermittlung in gesicherten Wohnraum (betreut und unbetreut) oder in notwendige Therapien hat sich ebenso auf hohem Niveau gehalten, trotz eines leichten Rückgangs in den Jahren 2013 und 2014. Dies ist darauf zurück zu führen, dass es angesichts des engen Wohnungsmarktes immer schwieriger wird, eine stets wachsende Zahl wohnungsloser Menschen in adäquaten Wohnraum zu vermitteln. Von den Personen, die in gesicherten Wohnraum vermittelt werden konnten, wurden im Jahr 2014 über die Hälfte (51 Prozent) in eine Wohnung ohne Betreuung (2013: 55 Prozent) und 34 Prozent in eine betreute Wohnung (2013: 19 Prozent) vermittelt. Der in der Grafik nicht dargestellte restliche Prozentanteil setzt sich zusammen aus inhaftierten und verstorbenen Personen. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 19 3.2. AKTIONSPROGRAMM WOHNUNGSLOSENHILFE 2014 Aufgrund der seit dem Jahr 2013 steigenden Zahl der Obdachlosenunterbringungen wurde dem Sozialausschuss am 19. März 2014 das Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe 2014 vorgestellt. Es dient als konzeptioneller Handlungsrahmen, um dieser Entwicklung zu begegnen. Bausteine des Programms sind Beratung, Schaffung neuer Unterbringungsmöglichkeiten für Wohnungslose, Ausbau der sozialarbeiterischen Unterstützung und Stärkung des Programms Wohnraumakquise durch Kooperation. Zur Schaffung neuer Unterbringungsmöglichkeiten wurden neue Belegrechte für zwei Hotels in der Weststadt für 47 Personen erworben: Ab August 2014 wurde ein Hotel mit zwei Stockwerken für Familien (mit Kochmöglichkeit) und zwei Stockwerken für Alleinstehende neu belegt. Ab Oktober 2014 kam ein Stockwerk in einem Hotel mit Plätzen für 17 Einzelpersonen hinzu. Zusätzlich zu der Suche nach neuen Hotelplätzen musste auch noch eine Ersatzunterkunft für 30 alleinstehende Männer gefunden werden. In dem Hotel, in dem sie untergebracht waren, gab es im April 2014 einen Brand im Treppenhaus. Es entstand ein großer Sachschaden im ganzen Haus, zum Glück wurde jedoch niemand verletzt. Das Haus konnte erst im Februar 2015 wieder bezogen werden. Trotz der steigenden Zahlen konnte der Qualitätsstandard der Unterbringungen erhalten bleiben. Es wurde Wert darauf gelegt, dass zum Beispiel Kochgelegenheiten für Familien vorhanden sind und keine Massenunterkünfte geschaffen werden. Dadurch konnten auch Belastungen für das Wohnumfeld vermieden werden. Bis zur Belegung dieser Hotels mussten Einzelzimmer in diversen Hotels für bis zu 35 Euro pro Nacht und Person angemietet werden. Für kurzfristige Notunterbringungen fielen in Einzelfällen deutlich höhere Kosten an. Die sozialarbeiterische Betreuung wurde ausgebaut. Die Anzahl der intensiv betreuten Fälle im Bereich des betreuten Wohnens und der der aufsuchenden Arbeit wurde bedarfsbezogen erhöht. Im Aktionsprogramm war der Baustein „Aufnahmehaus“ mit mehreren Modulen vorgesehen. Diese Module werden nun einzeln umgesetzt, so dass das neue Angebot nicht mehr einem klassischen „Aufnahmehaus“ entspricht und die Begrifflichkeit somit hinfällig wurde. Inhaltlich werden die Ziele, die mit der Einrichtung des „Aufnahmehauses“ angestrebt wurden, weiterverfolgt. Zum einen wird verwaltungsintern in aussichtsreichen Fällen die Kostenerstattung verfolgt. Zum anderen ist vorgesehen, im Jahr 2015 den „Eingangsbereich“ des Wohnheims Rüppurrer Straße 23 mit einer erhöhten Bettenzahl auszubauen. Zudem wird für die intensive Betreuung ein Ausbau der Sozialpension der Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe erfolgen. Dies wird räumlich in dem neu angemieteten Stockwerk des Hotels für alleinstehende Obdachlose angesiedelt sein. Aufgrund der gestiegenen Verwaltungsarbeit für den Ausbau der Hilfen wurde eine zusätzliche 50-Prozent-Stelle genehmigt, die zum 1. Oktober 2014 besetzt werden konnte. Für das Programm Wohnraumakquise wurde aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes je eine zusätzliche Verwaltungs- und eine Sozialarbeitsstelle bewilligt. Die Besetzung der Stellen erfolgte Ende des Jahres 2014 beziehungsweise Anfang 2015. Vorgesehen war zudem eine Erstberatungsstelle im Sozialamt, die zentral die Fragen der Obdachlosenunterbringung und des Sozialleistungsanspruches klärt. Von der Umsetzung wird abgesehen, da gemeinsame Vorsprachen aufgrund der übermäßig hohen Zugangszahlen nicht mehr praktikabel sind. In Anbetracht der Tatsache, dass die Unterbringungszahlen auch in Zukunft steigen werden, werden auch weiterhin Hotelplätze angemietet werden. 3.3. BETREUTE OBDACHLOSENUNTERKÜNFTE Seit Gründung der Fachstelle Wohnungssicherung am 1. Januar 2007 wurden die Hilfen nach § 67 ff Sozialgesetzbuch (SGB) XII weiter ausgebaut und vervollständigt, mit dem Ziel, die gesellschaftliche Integration von Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zu verbessern, vor allem hinsichtlich ihrer Wohnsituation. Schwerpunkt der Hilfen sind ambulante Betreuungen sowohl in Obdachlosenunterkünften als auch im Wohnraum. Mit verschiedenen Trägern wurden Vereinbarungen geschlossen, so dass seither die nachfolgenden Hilfen angeboten werden können:  Betreutes Wohnen  Betreutes Wohnen für psychisch kranke Personen  Betreutes Wohnen für junge Erwachsene  Lotsen aus der Wohnungslosigkeit  Betreuungsangebote in Obdachlosenunterkünften 20 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 3.3.1. DAS LOTSENKONZEPT Ein wichtiger Baustein der Karlsruher Wohnungslosenhilfe, um die Dauer der Obdachlosigkeit zu verkürzen, ist seit 2006 das Lotsenkonzept. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter verschiedener Träger nehmen Kontakt zu den Menschen in den Unterkünften auf und suchen mit ihnen gemeinsam Wege aus der Obdachlosigkeit: eine neue Wohnung oder, falls notwendig, betreute Angebote. Die Finanzierung erfolgt über die Hilfen nach § 67 SGB XII. Aufgrund des 2004 bis 2006 mit großem Erfolg durchgeführten Pilotprojektes stimmte der Sozialausschuss 2006 der festen Implementierung dieses Programms im Umfang von zunächst 42 Plätzen zu. Am 23. Juli 2008 beschloss der Sozialausschuss eine Ausweitung um sieben Plätze. Folgende Träger sind seit 2010 mit der Durchführung beauftragt: Caritas: 14 Plätze (entspricht einer Sozialarbeitsstelle) Diakonisches Werk: 14 Plätze (entspricht einer Sozialarbeitsstelle) SOZPÄDAL: 21 Plätze (entspricht zwei Sozialarbeitsstellen) Wegen des enormen Anstiegs von wohnungslosen Familien wurde seit Juni 2013 eine Rate (sieben Plätze) bei SOZPÄDAL speziell für das Lotsen von Familien umgewandelt. Die Lotsen- Rate für Alleinstehende wurde beim Caritasverband verdoppelt von sieben auf 14 Plätze. Schließlich wurde eine Lotsen-Rate beim Diakonischen Werk speziell für junge Erwachsene umgewandelt. Das Lotsen bei jungen Erwachsenen ist aufgrund der Besonderheit der Lebenslagen unter anderem mit einer längeren Erstkontaktphase verbunden. Erfreulich sind die hohen T eilnahmequoten der letzten Jahre; sie liegen seit Jahren bei 80 Prozent und mehr. Dies bedeutet, dass das Programm von den Betroffenen gut angenommen wird. In 2013 wurden 82 Prozent der erfolgreich Gelotsten in Wohnraum v ermittelt (51 Personen). In 2014 waren dies trotz des engen Wohnungsmarktes mit 35 Personen immerhin noch 72 Prozent. 2014 wurden 14 Prozent entsprechend ihrer Bedarfslage in eine Einrichtung vermittelt (sieben Personen). In 2013 waren es acht Prozent (fünf Personen) In 2013 und 2014 wurde jeweils fast die Hälfte (49 Prozent) nach Beendigung des Lotsenprogramms w eiter betreut. Die durchschnittliche Lotsentätigkeit dauert bei den erfolgreich Gelotsten – das sind die Klientinnen und Klienten, die in Wohnraum, Einrichtungen oder andere bedarfsgerechte Hilfen vermittelt wurden und deren Obdachlosigkeit somit beendet wurde – 18 bis 21 Wochen. Die Erfolgsquote ist in den letzten Jahren gleichbleibend hoch und liegt zwischen 65 Prozent und 70 Prozent. In 2013 war die Erfolgsquote mit knapp 73 Prozent am höchsten seit Programmbeginn 2007. In 2014 betrug die Erfolgsquote „nur“ 60 Prozent. Dies resultiert aus dem angespannten Wohnungsmarkt. 3.3.2. WOHNHEIM RÜPPURRER STRAßE 23 Die steigenden Unterbringungszahlen und der enge Wohnungsmarkt haben auch Auswirkungen auf das Wohnheim. Gab es 2013 noch 165 Abgänge aus der Erstaufnahme, waren es 2014 nur noch 132. Das führte zu mangelndem Durchfluss in der Erstaufnahme. Wurden 2012 noch 26,5 Prozent der Abgänge ins Hotel und 27 Prozent ins Wohnheim verlegt, waren es 2014 nur noch 11,3 Prozent ins Hotel und 43,2 Prozent ins Wohnheim. 2014 stieg die Verweildauer in der Erstaufnahme, nach drei Wochen zogen nur noch 32,6 Prozent (2013: 51,5 Prozent) aus, 35,7 Prozent verweilten bis zu zwei Monaten und länger (2013: 18,2 Prozent). Trotzdem konnte die Vermittlung aus der Erstaufnahme in privaten Wohnraum 2014 mit 11,4 Prozent (2013: 9,7 Prozent, 2012: 11,4 Prozent) stabil gehalten werden, beim Wohnheim waren es 22,5 Prozent (2013: 32,8 Prozent, 2012: 17,6 Prozent). Dies ist eine beachtliche Leistung der Sozialarbeit im Haus, setzt man es in Relation zu dem angespannten Wohnungsmarkt in Karlsruhe. Deutlich ist der Anstieg der Zahl der Männer mit einem sehr hohen Hilfebedarf in der Erstaufnahme von 57 Prozent in 2013 zu 71,2 Prozent in 2014. Auffällig war 2014 die Zunahme bei den psychisch kranken Männern mit 17,4 Prozent (2013: 10,3 Prozent) und bei den Männern, die bereits alle Hilfsangebote erfolglos durchlaufen haben auf 10,6 Prozent (2013 6,7 Prozent). Dies bringt die Sozialarbeit im Haus an ihre Grenzen. Hinsichtlich der Altersstruktur in der Erstaufnahme war der Anteil der unter 25-Jährigen mit 18,9 Prozent in 2014 leicht rückgängig (2013: 21,8 Prozent), der Anteil der bis 29- Jährigen betrug in 2014 32,5 Prozent (2013: 33 Prozent). 2014 konnten nach der Verlegung ins Wohnheim 18,7 Prozent in das Projekt U25 der Heimstiftung vermittelt werden. Die Vermittlung zu freien Trägern betrug für das Wohnheim 2014 32,8 Prozent. Ein auffälliger Trend ist die Zunahme der Zahl an Klienten, die bereits eine Pflegestufe haben oder bei denen die Beantragung derselben von Nöten ist. Gab es diesbezüglich 2012 noch keine Person, waren es 2013 bereits 3,6 Prozent, die direkt von der Erstaufnahme in ein Pflegeheim gingen. 2014 waren es insgesamt 3,8 Prozent im gesamten Wohnheim (2013: 2,9 Prozent), nicht mitgerechnet die Personen, die über die Einweisung in eine Klinik ins Pflegeheim vermittelt werden. Der Wohnungsmangel führt zu längerem Aufenthalt im Wohnheim. Waren 2012 nur sieben Prozent länger als zwei Jahre untergebracht, waren es 2014 bereits 14,3 Prozent. 20 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 3.3.1. DAS LOTSENKONZEPT Ein wichtiger Baustein der Karlsruher Wohnungslosenhilfe, um die Dauer der Obdachlosigkeit zu verkürzen, ist seit 2006 das Lotsenkonzept. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter verschiedener Träger nehmen Kontakt zu den Menschen in den Unterkünften auf und suchen mit ihnen gemeinsam Wege aus der Obdachlosigkeit: eine neue Wohnung oder, falls notwendig, betreute Angebote. Die Finanzierung erfolgt über die Hilfen nach § 67 SGB XII. Aufgrund des 2004 bis 2006 mit großem Erfolg durchgeführten Pilotprojektes stimmte der Sozialausschuss 2006 der festen Implementierung dieses Programms im Umfang von zunächst 42 Plätzen zu. Am 23. Juli 2008 beschloss der Sozialausschuss eine Ausweitung um sieben Plätze. Folgende Träger sind seit 2010 mit der Durchführung beauftragt: Caritas: 14 Plätze (entspricht einer Sozialarbeitsstelle) Diakonisches Werk: 14 Plätze (entspricht einer Sozialarbeitsstelle) SOZPÄDAL: 21 Plätze (entspricht zwei Sozialarbeitsstellen) Wegen des enormen Anstiegs von wohnungslosen Familien wurde seit Juni 2013 eine Rate (sieben Plätze) bei SOZPÄDAL speziell für das Lotsen von Familien umgewandelt. Die Lotsen- Rate für Alleinstehende wurde beim Caritasverband verdoppelt von sieben auf 14 Plätze. Schließlich wurde eine Lotsen-Rate beim Diakonischen Werk speziell für junge Erwachsene umgewandelt. Das Lotsen bei jungen Erwachsenen ist aufgrund der Besonderheit der Lebenslagen unter anderem mit einer längeren Erstkontaktphase verbunden. Erfreulich sind die hohen Te ilnahmequoten der letzten Jahre; sie liegen seit Jahren bei 80 Prozent und mehr. Dies bedeutet, dass das Programm von den Betroffenen gut angenommen wird. In 2013 wurden 82 Prozent der erfolgreich Gelotsten in Wohnraum ve rmittelt (51 Personen). In 2014 waren dies trotz des engen Wohnungsmarktes mit 35 Personen immerhin noch 72 Prozent. 2014 wurden 14 Prozent entsprechend ihrer Bedarfslage in eine Einrichtung vermittelt (sieben Personen). In 2013 waren es acht Prozent (fünf Personen) In 2013 und 2014 wurde jeweils fast die Hälfte (49 Prozent) nach Beendigung des Lotsenprogramms we iter betreut. Die durchschnittliche Lotsentätigkeit dauert bei den erfolgreich Gelotsten – das sind die Klientinnen und Klienten, die in Wohnraum, Einrichtungen oder andere bedarfsgerechte Hilfen vermittelt wurden und deren Obdachlosigkeit somit beendet wurde – 18 bis 21 Wochen. Die Erfolgsquote ist in den letzten Jahren gleichbleibend hoch und liegt zwischen 65 Prozent und 70 Prozent. In 2013 war die Erfolgsquote mit knapp 73 Prozent am höchsten seit Programmbeginn 2007. In 2014 betrug die Erfolgsquote „nur“ 60 Prozent. Dies resultiert aus dem angespannten Wohnungsmarkt. 3.3.2. WOHNHEIM RÜPPURRER STRAßE 23 Die steigenden Unterbringungszahlen und der enge Wohnungsmarkt haben auch Auswirkungen auf das Wohnheim. Gab es 2013 noch 165 Abgänge aus der Erstaufnahme, waren es 2014 nur noch 132. Das führte zu mangelndem Durchfluss in der Erstaufnahme. Wurden 2012 noch 26,5 Prozent der Abgänge ins Hotel und 27 Prozent ins Wohnheim verlegt, waren es 2014 nur noch 11,3 Prozent ins Hotel und 43,2 Prozent ins Wohnheim. 2014 stieg die Verweildauer in der Erstaufnahme, nach drei Wochen zogen nur noch 32,6 Prozent (2013: 51,5 Prozent) aus, 35,7 Prozent verweilten bis zu zwei Monaten und länger (2013: 18,2 Prozent). Trotzdem konnte die Vermittlung aus der Erstaufnahme in privaten Wohnraum 2014 mit 11,4 Prozent (2013: 9,7 Prozent, 2012: 11,4 Prozent) stabil gehalten werden, beim Wohnheim waren es 22,5 Prozent (2013: 32,8 Prozent, 2012: 17,6 Prozent). Dies ist eine beachtliche Leistung der Sozialarbeit im Haus, setzt man es in Relation zu dem angespannten Wohnungsmarkt in Karlsruhe. Deutlich ist der Anstieg der Zahl der Männer mit einem sehr hohen Hilfebedarf in der Erstaufnahme von 57 Prozent in 2013 zu 71,2 Prozent in 2014. Auffällig war 2014 die Zunahme bei den psychisch kranken Männern mit 17,4 Prozent (2013: 10,3 Prozent) und bei den Männern, die bereits alle Hilfsangebote erfolglos durchlaufen haben auf 10,6 Prozent (2013 6,7 Prozent). Dies bringt die Sozialarbeit im Haus an ihre Grenzen. Hinsichtlich der Altersstruktur in der Erstaufnahme war der Anteil der unter 25-Jährigen mit 18,9 Prozent in 2014 leicht rückgängig (2013: 21,8 Prozent), der Anteil der bis 29- Jährigen betrug in 2014 32,5 Prozent (2013: 33 Prozent). 2014 konnten nach der Verlegung ins Wohnheim 18,7 Prozent in das Projekt U25 der Heimstiftung vermittelt werden. Die Vermittlung zu freien Trägern betrug für das Wohnheim 2014 32,8 Prozent. Ein auffälliger Trend ist die Zunahme der Zahl an Klienten, die bereits eine Pflegestufe haben oder bei denen die Beantragung derselben von Nöten ist. Gab es diesbezüglich 2012 noch keine Person, waren es 2013 bereits 3,6 Prozent, die direkt von der Erstaufnahme in ein Pflegeheim gingen. 2014 waren es insgesamt 3,8 Prozent im gesamten Wohnheim (2013: 2,9 Prozent), nicht mitgerechnet die Personen, die über die Einweisung in eine Klinik ins Pflegeheim vermittelt werden. Der Wohnungsmangel führt zu längerem Aufenthalt im Wohnheim. Waren 2012 nur sieben Prozent länger als zwei Jahre untergebracht, waren es 2014 bereits 14,3 Prozent. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 21 Bei den Notübernachtungen von Frauen gibt es seit Jahren einen stetigen Anstieg. 2011 gab es sieben Übernachtungen (2012: 34; 2013: 81; 2014: 71) Es gibt eine weitere Veränderung für die tägliche Sozialarbeit mit den Klienten im Wohnheim: Die Gewaltbereitschaft einzelner Männer ist gestiegen, so dass manches Klientengespräch nur in Anwesenheit des Sicherheitsdienstes der Pforte stattfinden kann. 3.3.3. GARTENSTRAßE 9 Die Gartenstraße 9 bietet für mindestens 30 Personen Übernachtungsmöglichkeiten: Auf fünf Stockwerken stehen jeweils zwei Doppelzimmer und zwei Einzelzimmer sowie ein gemeinsam genutztes Bad und eine gemeinsam genutzte Küche zur Verfügung. Die größeren Räumlichkeiten werden überwiegend zur obdachlosenrechtlichen Unterbringung von Familien genutzt, für die die Gemeinschaftsküche eine deutlich bessere Versorgung als in Hotelzimmern ermöglicht. Die Auslastung betrug im Berichtszeitraum jeweils 100 Prozent. Zur Koordinierung der Ansprechpartner im Haus finden regelmäßige Treffen zwischen Sozialem Dienst, SOZPÄDAL (Lotsen der Alleinstehenden und Paare) und der Fachstelle Wohnungssicherung statt. 3.3.4. FRAUENPENSION: SOZPÄDAL Die Frauenpension „Unter den Linden“ war auch in den Jahren 2014 und (2013) durchgehend zu 100 Prozent belegt. 33 (18) Frauen mit insgesamt sieben (vier) Kindern, darunter vier (drei) schwangere Frauen konnten ein Zimmer in der Frauenpension beziehen. 33 (18) Frauen mit 13 (acht) Kindern, darunter drei (keine) Schwangere sind aus der Frauenpension ausgezogen. Mit 25 (12) Frauen, das entspricht durchschnittlich jeweils circa 70 Prozent, konnten die im Hilfeplan formulierten Ziele/Perspektiven erreicht und eine individuelle Perspektive erarbeitet werden. 20 (acht) Frauen konnten Wohnraum beziehen, fünf (eine) Frauen wurden in eine geeignete Einrichtung vermittelt. Um die Fortsetzung und Nachhaltigkeit des in der Frauenpension begonnenen Hilfeprozesses sicherzustellen, war es für 16 (drei) Frauen notwendig, Anschlusshilfen beim Bezug einer Wohnung in Anspruch zu nehmen wie beispielsweise Ambulant Betreutes Wohnen oder Sozialpädagogische Familienhilfe. Für Frauen mit Kindern bestehen während des Aufenthaltes in der Frauenpension enge Absprachen mit dem Sozialen Dienst, bei Bedarf werden spezifische Angebote vermittelt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Frauenpension lag bei 8,4 (6,9) Monaten. Sie ist neben Faktoren wie begrenzt verfügbarer Wohnraum im Niedrigpreissegment sowie Vorbehalte der Vermieterinnen und Vermieter gegenüber dieser Gruppe auch abhängig von den Ressourcen der jeweils in der Frauenpension lebenden Frauen. 2014 konnten elf (zwei) Frauen Wohnraum von SOZPÄDAL beziehen. Das Konzept Frauenpension ist nach wie vor eine äußerst erfolgreiche Form der Betreuung während der Zeit der obdachlosenrechtlichen Unterbringung. Die Unterbringung in Einzelzimmern und die gute Instandhaltung des Hauses durch den Vermieter schafften hierfür eine positive Grundlage. 3.3.5. ÜBERGANGSWOHNGRUPPE KRIEGSSTRAßE 88 Die Übergangswohngruppe im Dachgeschoss der Kriegsstraße 88 verfügt über sieben Plätze für wohnungslose Männer, die längstens für sechs Monate dort obdachlosenrechtlich untergebracht werden können. Betreut werden die Bewohner von der städtischen Beratungsstelle im gleichen Gebäude. Insgesamt wurden 2014 zwölf Männer betreut. Von den sieben ausgezogenen Personen im Jahr 2014 fanden fünf Bewohner eine eigene Wohnung oder konnten in eine adäquate Einrichtung vermittelt werden. Zwei Personen haben Karlsruhe mit unbekanntem Ziel verlassen. Die durchschnittliche Verweildauer betrug drei Monate und ist im Vergleich zum letzten Sachstandsbericht um einen Monat gesunken. In zwei begründeten Fällen wurde die maximale Verweildauer um einen Monat überschritten. 3.3.6. SOZIALPENSION AUGUSTINER: AWO Die Sozialpension Augustiner ist eine von der AWO betriebene obdachlosenrechtliche Unterkunft für 18 wohnungslose volljährige Frauen und Männer, in die die Stadt Karlsruhe wohnungslose Menschen ordnungsrechtlich einweist. Das alleinige Belegungsrecht liegt somit bei der Fachstelle Wohnungssicherung. Ziel ist, die wohnungslosen Menschen innerhalb von sechs Monaten mit geeignetem Wohnraum zu versorgen. Im Berichtsjahr 2014 befanden sich noch 16 Personen aus dem Vorjahr im Hause, davon waren neun weiblich und sieben männlich. Zu diesen 16 Personen aus 2013 wurden 2014 weitere 73 Personen aufgenommen. Somit durchliefen im Berichtsjahr insgesamt 89 wohnungslose Menschen die Einrichtung. Davon waren 30 weiblichen und 59 männlichen Geschlechts. 22 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Das Durchschnittsalter der eingewiesenen Personen ist im Berichtsjahr im Vergleich zu den Vorjahren weiterhin gesunken. Weiterhin auffällig war die hohe Anzahl junger Erwachsener unter 25 Jahren. Von den 89 eingewiesenen Personen waren 31 unter 25 Jahre alt. Im Jahre 2013 waren von 65 eingewiesenen Personen 16 unter 25 Jahre alt. Bei vierzehn Personen bestand 2014 eine gesetzliche Betreuung im Sinne des Betreuungsgesetzes. Dies stellt eine Verdoppelung zum Vorjahr dar. Auch die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen nahm 2014 mit 46 Personen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Doppelte zu. Einige dieser Menschen kamen direkt aus stationären Unterbringungen wie psychiatrischen Kliniken oder anderen Einrichtungen, wo man sie nicht länger halten konnte. Ebenso nahm die Anzahl der Personen mit Suchtmittelmissbrauch und Mehrfachdiagnosen erheblich zu. Insgesamt wurden von den 89 eingewiesenen Personen 72 vermittelt. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 81 Prozent. Davon konnten 53 Menschen in eigenen Wohnraum und 19 Personen ins Betreute Wohnen vermittelt werden. Der Personenkreis der zugewiesenen Menschen ist auf dem freien Wohnungsmarkt zunehmend unvermittelbar. Neben dem Problem des grundsätzlich fehlenden Wohnraums sind die Klientinnen und Klienten oftmals nicht in der Lage, alleine und eigenverantwortlich zu wohnen. Auf Grund fehlender sozialer Kompetenzen, schweren Suchtmittelmissbrauchs und/oder psychischer Erkrankungen ist es den Klientinnen und Klienten kaum möglich, nach Wohnraum zu suchen, ganz zu schweigen von einem nachhaltigen Erhalt eines eventuellen Wohnraums. Auch die angestiegene Vermittlungsanzahl in Ambulant Betreutes Wohnen weist darauf hin. Die Zusammenarbeit zwischen der Fachstelle Wohnungslosenhilfe der Stadt Karlsruhe und den Mitarbeitenden der Sozialpension gestaltet sich weiterhin kollegial und unkompliziert. Ungeachtet der mannigfaltigen Hindernisse wie knappem Wohnraum, zumeist fehlender Mitarbeit und diverser Erkrankungen der Klientinnen und Klienten konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialpension Augustiner das gute Vermittlungsergebnis der vorangegangenen Jahre auch in diesem Jahr wieder halten und sogar verbessern. 3.3.7. SPORTHOTEL STUTENSEE Im Rahmen der Sozialregion Karlsruhe wurde für die Jahre 2006 bis 2013 ein Vertrag mit der Stadt Stutensee zur Unterbringung Karlsruher Wohnungsloser in einem Hotel in Stutensee geschlossen. Im Sporthotel Stutensee stehen 20 Plätze für Karlsruher Wohnungslose zu Verfügung. Nach Vertragsende wurde das Hotel grundlegend saniert. Aufgrund des notwendigen Bedarfes an Hotelbetten zur Unterbringung Wohnungsloser wurde mit dem Hotelier erneut ein Vertrag über fünf Jahre geschlossen, so dass ab Mitte 2014 wieder 20 Personen dort einziehen konnten. Seither ist das Haus fast durchgängig vollständig belegt. 3.4. ANGEBOTE BETREUTES WOHNEN Das „Betreute Wohnen“ ist ein wichtiges Instrument sowohl der Prävention als auch der Nachsorge. Im Bereich der Prävention kann das Betreute Wohnen zur Verhinderung einer Wohnungskündigung angeboten werden. Im Bereich der Nachsorge kann für Wohnungslose zur nachhaltigen Sicherung des Wohnraums zeitlich begrenzt eine sozialpädagogische Betreuung angeboten werden. 3.4.1. BETREUTE WOHNFORMEN: SOZPÄDAL SOZPÄDAL bietet differenzierte Formen des Betreuten/Begleiteten Wohnens an. PROJEKT HILFEART Wohnen intensiv Betreutes Wohnen nach den Richtlinien der §§ 67/68 SGB XII (47 bis 62 Plätze) Wohnen nachhaltig Wohnen mit dem Fokus auf den Wohnungserhalt, in der Regel für Wohnungslose, die intensivere Formen des Betreuten Wohnens bereits durchlaufen haben und weiterer Begleitung bedürfen (110 Plätze) Begleitetes Wohnen (35 Plätze) Betreutes Wohnen für psychisch Kranke Nach § 53 SGB XII BWB/E (50 Plätze) und nach §§ 67/68 BWB/S (20 Plätze) Wohnen 18 + Projekt für wohnungslose junge Erwachsene (15 bis 24 Plätze) SOZPÄDAL verfügte Ende 2014 (2013) im Bereich der Wohnungslosenhilfe über 290 (278) Wohneinheiten über Anmietungen auf dem freien Markt und bei der Volkswohnung sowie vereinseigenen Wohnraum. Der Anteil an abgeschlossenen Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen für eine Person konnte inzwischen auf 37,2 Prozent (36 Prozent) erhöht werden. Die Betreuten können auch bei einem anderen Wohnungsgeber ein Mietverhältnis haben oder sie können nach Erreichen des Teilziels „eigenständig angemietete Wohnung“ für einen angemessenen Zeitraum dort weiter betreut werden. In 2014 (2013) konnten 50 (43) erwachsene Personen und acht (zehn) Kinder neu mit Wohnraum und dem entsprechenden Betreuungsangebot versorgt werden, 22 (25) Männer und 28 (18) Frauen. 22 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Das Durchschnittsalter der eingewiesenen Personen ist im Berichtsjahr im Vergleich zu den Vorjahren weiterhin gesunken. Weiterhin auffällig war die hohe Anzahl junger Erwachsener unter 25 Jahren. Von den 89 eingewiesenen Personen waren 31 unter 25 Jahre alt. Im Jahre 2013 waren von 65 eingewiesenen Personen 16 unter 25 Jahre alt. Bei vierzehn Personen bestand 2014 eine gesetzliche Betreuung im Sinne des Betreuungsgesetzes. Dies stellt eine Verdoppelung zum Vorjahr dar. Auch die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen nahm 2014 mit 46 Personen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Doppelte zu. Einige dieser Menschen kamen direkt aus stationären Unterbringungen wie psychiatrischen Kliniken oder anderen Einrichtungen, wo man sie nicht länger halten konnte. Ebenso nahm die Anzahl der Personen mit Suchtmittelmissbrauch und Mehrfachdiagnosen erheblich zu. Insgesamt wurden von den 89 eingewiesenen Personen 72 vermittelt. Dies entspricht einem prozentualen Anteil von 81 Prozent. Davon konnten 53 Menschen in eigenen Wohnraum und 19 Personen ins Betreute Wohnen vermittelt werden. Der Personenkreis der zugewiesenen Menschen ist auf dem freien Wohnungsmarkt zunehmend unvermittelbar. Neben dem Problem des grundsätzlich fehlenden Wohnraums sind die Klientinnen und Klienten oftmals nicht in der Lage, alleine und eigenverantwortlich zu wohnen. Auf Grund fehlender sozialer Kompetenzen, schweren Suchtmittelmissbrauchs und/oder psychischer Erkrankungen ist es den Klientinnen und Klienten kaum möglich, nach Wohnraum zu suchen, ganz zu schweigen von einem nachhaltigen Erhalt eines eventuellen Wohnraums. Auch die angestiegene Vermittlungsanzahl in Ambulant Betreutes Wohnen weist darauf hin. Die Zusammenarbeit zwischen der Fachstelle Wohnungslosenhilfe der Stadt Karlsruhe und den Mitarbeitenden der Sozialpension gestaltet sich weiterhin kollegial und unkompliziert. Ungeachtet der mannigfaltigen Hindernisse wie knappem Wohnraum, zumeist fehlender Mitarbeit und diverser Erkrankungen der Klientinnen und Klienten konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialpension Augustiner das gute Vermittlungsergebnis der vorangegangenen Jahre auch in diesem Jahr wieder halten und sogar verbessern. 3.3.7. SPORTHOTEL STUTENSEE Im Rahmen der Sozialregion Karlsruhe wurde für die Jahre 2006 bis 2013 ein Vertrag mit der Stadt Stutensee zur Unterbringung Karlsruher Wohnungsloser in einem Hotel in Stutensee geschlossen. Im Sporthotel Stutensee stehen 20 Plätze für Karlsruher Wohnungslose zu Verfügung. Nach Vertragsende wurde das Hotel grundlegend saniert. Aufgrund des notwendigen Bedarfes an Hotelbetten zur Unterbringung Wohnungsloser wurde mit dem Hotelier erneut ein Vertrag über fünf Jahre geschlossen, so dass ab Mitte 2014 wieder 20 Personen dort einziehen konnten. Seither ist das Haus fast durchgängig vollständig belegt. 3.4. ANGEBOTE BETREUTES WOHNEN Das „Betreute Wohnen“ ist ein wichtiges Instrument sowohl der Prävention als auch der Nachsorge. Im Bereich der Prävention kann das Betreute Wohnen zur Verhinderung einer Wohnungskündigung angeboten werden. Im Bereich der Nachsorge kann für Wohnungslose zur nachhaltigen Sicherung des Wohnraums zeitlich begrenzt eine sozialpädagogische Betreuung angeboten werden. 3.4.1. BETREUTE WOHNFORMEN: SOZPÄDAL SOZPÄDAL bietet differenzierte Formen des Betreuten/Begleiteten Wohnens an. PROJEKT HILFEART Wohnen intensiv Betreutes Wohnen nach den Richtlinien der §§ 67/68 SGB XII (47 bis 62 Plätze) Wohnen nachhaltig Wohnen mit dem Fokus auf den Wohnungserhalt, in der Regel für Wohnungslose, die intensivere Formen des Betreuten Wohnens bereits durchlaufen haben und weiterer Begleitung bedürfen (110 Plätze) Begleitetes Wohnen (35 Plätze) Betreutes Wohnen für psychisch Kranke Nach § 53 SGB XII BWB/E (50 Plätze) und nach §§ 67/68 BWB/S (20 Plätze) Wohnen 18 + Projekt für wohnungslose junge Erwachsene (15 bis 24 Plätze) SOZPÄDAL verfügte Ende 2014 (2013) im Bereich der Wohnungslosenhilfe über 290 (278) Wohneinheiten über Anmietungen auf dem freien Markt und bei der Volkswohnung sowie vereinseigenen Wohnraum. Der Anteil an abgeschlossenen Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen für eine Person konnte inzwischen auf 37,2 Prozent (36 Prozent) erhöht werden. Die Betreuten können auch bei einem anderen Wohnungsgeber ein Mietverhältnis haben oder sie können nach Erreichen des Teilziels „eigenständig angemietete Wohnung“ für einen angemessenen Zeitraum dort weiter betreut werden. In 2014 (2013) konnten 50 (43) erwachsene Personen und acht (zehn) Kinder neu mit Wohnraum und dem entsprechenden Betreuungsangebot versorgt werden, 22 (25) Männer und 28 (18) Frauen. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 23 3.4.2. WOHNGRUPPE ADLERSTRAßE UND AUßENSTELLEN: HEIMSTIFTUNG Die Wohngruppe Adlerstraße der Heimstiftung bietet Ambulant Betreutes Wohnen für 30 Personen (Männer, Frauen, Paare – im Einzelfall mit Kind – und begrenzt für Menschen mit Hund) an und sieben Plätze Begleitetes Wohnen gemäß § 67 ff SGB XII. Schwerpunkt der Betreuung liegt hier auf der Wohnungssuche, Ziel ist das Finden einer eigenen Wohnung. Den gestiegenen Platzzahlen entsprechend hat die Heimstiftung Karlsruhe Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt angemietet. Es stehen aktuell an verschiedenen Standorten Mehrzimmerwohnungen für insgesamt 22 Personen und vier Wohnungen für Einzelwohnen zur Verfügung. Zwei Wohnungen mit insgesamt sechs Plätzen wurden seitens der Vermieterinnen/Vermieter gekündigt, nachdem sich Besucherinnen entsprechend verhalten haben. Nachdem die Adlerstraße 33 durch die Volkswohnung renoviert worden war, konnten dort wieder 14 wohnungslose Menschen ein Zuhause (auf Zeit) finden. Auffallend ist der konstant hohe Anteil der unter 25-Jährigen, welcher 50 Prozent der Plätze im Betreuten Wohnen gemäß § 67 ff SGB XII ausmacht – zusätzlich zum Intensiv Betreuten Wohnen für diese Altersgruppe. Während im Betreuten Wohnen 2013 54 Personen betreut wurden, waren es 62 Personen in 2014. In eigenen Wohnraum konnten in beiden Jahren zwei Drittel der Betreuten vermittelt werden, sieben (2013) beziehungsweise sechs (2014) mussten aus disziplinarischen Gründen entlassen, zwei (2013) beziehungsweise drei (2014) konnten in Langzeittherapie vermittelt werden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 10,3 (2013) beziehungsweise 13,3 (2014) Monate, der Altersdurchschnitt lag bei 31,5 beziehungsweise 32,2 Jahren. Die Auslastung liegt bei 98,7 Prozent, der Frauenanteil bei circa 21 Prozent. 3.4.3. BETREUTES WOHNEN: AWO Die AWO Karlsruhe bietet seit 2002 Ambulant Betreutes Wohnen für wohnungslose und psychisch kranke Menschen an. Die Finanzierung erfolgt entweder über die Eingliederungshilfe (§ 53 SGB XII) oder über Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (§ 67 SGB XII). Die Übergänge zwischen den Hilfeformen sind fließend. Viele wohnungslose Menschen haben eine psychische Erkrankung; zugleich ist das Risiko des Wohnungsverlustes bei psychisch kranken Personen erhöht. Das Ambulant Betreute Wohnen der AWO Karlsruhe wird größtenteils über die Eingliederungshilfe (§ 53 SGB XII) finanziert. Zum Stichtag 31. Dezember 2013 wurden 19 Klientinnen und Klienten auf Grundlage des § 67 SGB XII betreut. Zum Sichttag 31. Dezember 2014 wurde die Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten gemäß § 67 SGB XII von 20 Personen in Anspruch genommen. Etwa die Hälfte der Klientinnen und Klienten werden in Wohnraum betreut, welchen die AWO Karlsruhe angemietet hat. Ziel der Hilfe ist es unter anderem, Menschen in eigenen Wohnraum zu vermitteln. Dies wird aufgrund der weiteren Zuspitzung auf dem Karlsruher Wohnungsmarkt zunehmend schwieriger. Dies führt zu der paradoxen Situation, dass Klientinnen und Klienten deutlich länger „AWO-Mieterinnen und Mieter“ bleiben, bei zugleich steigenden Anfragen in Bezug auf Wohnraum in Verbindung mit betreutem Wohnen. Über die Hälfte der Klientinnen und Klienten hat einen problematischen Umgang mit Suchtmitteln, ein Großteil dieser Personen hat bereits ein massives Abhängigkeitsproblem. In den Jahren 2013 und 2014 nahmen die Anfragen von jungen Menschen unter 21 Jahren deutlich zu. Auffällig war hierbei, dass insbesondere viele wohnungslose junge Frauen vorstellig wurden. Auch die Anfragen von Klientinnen und Klienten, die aufgrund des Erreichens des 18. Lebensjahres aus der Jugendhilfe ausscheiden sollen, treten vermehrt auf. Hierbei handelt es sich häufig um junge Männer, die diagnostizierte Reifungs- und Entwicklungsdefizite haben. 3.4.4. BETREUTES WOHNEN FÜR HAFTENTLASSENE WOHNUNGSLOSE MÄNNER: VEREIN FÜR JUGENDHILFE E. V. In enger Kooperation mit der Fachstelle Wohnungssicherung der Stadt Karlsruhe und einem privaten Investor wurden im vorderen Teil des Hotelkomplexes „Neue Messe“ in 2008 sechs Appartements für haftentlassene wohnungslose Männer errichtet. Ein Appartement wird von einem Betreuer bewohnt, der die Aufsicht vor Ort führt und Auffälligkeiten beziehungsweise Störungen an die Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter der Anlaufstelle für Straffällige beim Verein meldet. Zielgruppe sind haftentlassene oder straffällige Männer, vorrangig aus Karlsruhe, die wohnungslos sind und einen Hilfebedarf nach § 67 SGB XII haben. Das Angebot der Betreuungsmaßnahme ist als Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert und umfasst folgende Bereiche:  Soziale Probleme/Beziehungsfähigkeit  Arbeit/Qualifizierung  Einkommen/Haushalten/Schulden  Gesetzeskonformes Verhalten  Gesundheit/Suchtproblematik  Hauswirtschaft/Alltagsstruktur  Wohnungssuche. Die Erfahrung der letzten zwei Jahre ist, dass sich die Einzelunterbringung in den abgeschlossenen Appartements nach wie vor sehr bewährt und die individuell ausgerichtete Betreuungstätigkeit begünstigt. Kaum einer der Bewohner 24 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 hat sich, wie teilweise befürchtet „abgekapselt und verbunkert“. Die Appartements mit eigener Single-Küche und Sanitärraum werden von den Bewohnern nach wie vor sehr geschätzt. Im Jahr 2013 sind 13 Klienten in die Übergangswohnungen eingezogen, acht Bewohner konnten wieder ausziehen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug hier 159 Tage. 2014 sind elf Wohnungslose in die Appartements eingezogen, sieben konnten wieder ausziehen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 204 Tage. Die längere Aufenthaltsdauer einzelner Bewohner ist nach wie vor dem bekannt engen Wohnungsmarkt geschuldet. Auch konnte nicht jeder Bewohner anschließend in eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag ziehen. Der eine oder andere ist nach längerer, ergebnisloser Suche zur Freundin, zu Bekannten oder zur Familie gezogen. 3.4.5. WOHNGEMEINSCHAFT LESSINGSTRAßE: BWLV Das Betreute Wohnen des bwlv richtet sich an chronisch- mehrfach beeinträchtigte alkohol- und/oder medikamentenabhängige Menschen, die obdachlosenrechtlich untergebracht oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Für maximal zehn Einzelfälle (allein lebende Männer) besteht eine Kooperationsvereinbarung mit der Fachstelle Wohnungssicherung. Innerhalb der Wohngemeinschaften ist das Konsumieren von leichten Alkoholika erlaubt. Einige spezifische Ziele für diese Wohngemeinschaften sind Anhalten zum kontrollierten beziehungsweise reduzierten Umgang mit Alkohol (kein Kontrollverlust), Vermeidung von Trinkexzessen und Konsum harter Alkoholika, Motivierung zu sinnvollen Freizeitaktivitäten auch im Sinne eines Kompensationsversuchs, Motivierung und Unterstützung zum regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe, die regelmäßige Teilnahme an Gruppen- und Einzelgesprächen. In Absprache mit den Betreuerinnen/Betreuern beziehungsweise unter Berücksichtigung der jeweiligen finanziellen Situation der Bewohner übernehmen die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter des bwlv die Verwaltung der Finanzen, das heißt die Zuteilung und Auszahlung von Geldbeträgen. Ziel ist es, die suchtkranken Bewohner durch die Bereitstellung eines überschaubaren Geldbetrages, der zur Deckung des täglichen Bedarfs dient, von einem insgesamt gesundheitsschädigenden Verhalten abzuhalten und damit Trinkexzesse oder Rückfälle zu vermeiden. Weiterhin erfolgt eine umfangreiche Gesundheitsvorsorge. Bei Bedarf erfolgt die Übernahme des Schriftverkehrs, die Schuldenregulierung beziehungsweise die Überleitung in die Privatinsolvenz. Es besteht auch die Möglichkeit der Teilnahme an einer Tagesstruktur (AsT = Arbeit statt Trinken) mit sechs genehmigten Plätzen. Zudem besteht die Möglichkeit des Betreuten Einzelwohnens, das heißt Menschen, die nach einer erfolgreichen Wohnungssuche eine eigene Wohnung gefunden haben, können weiterhin von den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern des bwlv betreut werden. Im Mittelpunkt der pädagogischen Ziele steht bei allen Wohngemeinschaften die Anleitung der Hilfe zur Selbsthilfe. 3.4.6. HAUS BODELSCHWINGH: VEREIN FÜR EV. HEIMFÜRSORGE KARLSRUHE E. V. (KEINE RÜCKMELDUNG!) Das Haus Bodelschwingh bietet für wohnungslose Menschen Ambulant Betreutes Wohnen, um eine niedrigschwellige Schnittstelle zwischen den Hilfesystemen Wohnungslosenhilfe, Suchtkrankenhilfe und Eingliederungshilfe zu schaffen. Bis zu fünf Plätze Ambulant Betreutes Wohnen werden in Absprache mit der Fachstelle Wohnungssicherung belegt. In 2013 wurden drei Personen aus dem Wohnheim in der Rüppurrer Straße 23 vermittelt. Diese erhalten inzwischen Eingliederungshilfe. 24 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 hat sich, wie teilweise befürchtet „abgekapselt und verbunkert“. Die Appartements mit eigener Single-Küche und Sanitärraum werden von den Bewohnern nach wie vor sehr geschätzt. Im Jahr 2013 sind 13 Klienten in die Übergangswohnungen eingezogen, acht Bewohner konnten wieder ausziehen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug hier 159 Tage. 2014 sind elf Wohnungslose in die Appartements eingezogen, sieben konnten wieder ausziehen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 204 Tage. Die längere Aufenthaltsdauer einzelner Bewohner ist nach wie vor dem bekannt engen Wohnungsmarkt geschuldet. Auch konnte nicht jeder Bewohner anschließend in eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag ziehen. Der eine oder andere ist nach längerer, ergebnisloser Suche zur Freundin, zu Bekannten oder zur Familie gezogen. 3.4.5. WOHNGEMEINSCHAFT LESSINGSTRAßE: BWLV Das Betreute Wohnen des bwlv richtet sich an chronisch- mehrfach beeinträchtigte alkohol- und/oder medikamentenabhängige Menschen, die obdachlosenrechtlich untergebracht oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Für maximal zehn Einzelfälle (allein lebende Männer) besteht eine Kooperationsvereinbarung mit der Fachstelle Wohnungssicherung. Innerhalb der Wohngemeinschaften ist das Konsumieren von leichten Alkoholika erlaubt. Einige spezifische Ziele für diese Wohngemeinschaften sind Anhalten zum kontrollierten beziehungsweise reduzierten Umgang mit Alkohol (kein Kontrollverlust), Vermeidung von Trinkexzessen und Konsum harter Alkoholika, Motivierung zu sinnvollen Freizeitaktivitäten auch im Sinne eines Kompensationsversuchs, Motivierung und Unterstützung zum regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe, die regelmäßige Teilnahme an Gruppen- und Einzelgesprächen. In Absprache mit den Betreuerinnen/Betreuern beziehungsweise unter Berücksichtigung der jeweiligen finanziellen Situation der Bewohner übernehmen die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter des bwlv die Verwaltung der Finanzen, das heißt die Zuteilung und Auszahlung von Geldbeträgen. Ziel ist es, die suchtkranken Bewohner durch die Bereitstellung eines überschaubaren Geldbetrages, der zur Deckung des täglichen Bedarfs dient, von einem insgesamt gesundheitsschädigenden Verhalten abzuhalten und damit Trinkexzesse oder Rückfälle zu vermeiden. Weiterhin erfolgt eine umfangreiche Gesundheitsvorsorge. Bei Bedarf erfolgt die Übernahme des Schriftverkehrs, die Schuldenregulierung beziehungsweise die Überleitung in die Privatinsolvenz. Es besteht auch die Möglichkeit der Teilnahme an einer Tagesstruktur (AsT = Arbeit statt Trinken) mit sechs genehmigten Plätzen. Zudem besteht die Möglichkeit des Betreuten Einzelwohnens, das heißt Menschen, die nach einer erfolgreichen Wohnungssuche eine eigene Wohnung gefunden haben, können weiterhin von den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern des bwlv betreut werden. Im Mittelpunkt der pädagogischen Ziele steht bei allen Wohngemeinschaften die Anleitung der Hilfe zur Selbsthilfe. 3.4.6. HAUS BODELSCHWINGH: VEREIN FÜR EV. HEIMFÜRSORGE KARLSRUHE E. V. (KEINE RÜCKMELDUNG!) Das Haus Bodelschwingh bietet für wohnungslose Menschen Ambulant Betreutes Wohnen, um eine niedrigschwellige Schnittstelle zwischen den Hilfesystemen Wohnungslosenhilfe, Suchtkrankenhilfe und Eingliederungshilfe zu schaffen. Bis zu fünf Plätze Ambulant Betreutes Wohnen werden in Absprache mit der Fachstelle Wohnungssicherung belegt. In 2013 wurden drei Personen aus dem Wohnheim in der Rüppurrer Straße 23 vermittelt. Diese erhalten inzwischen Eingliederungshilfe. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 25 3.5. LANGZEITHILFEN 3.5.1. LANGZEITWOHNGRUPPE THOMAS-MANN-STRAßE: HEIMSTIFTUN Der Langzeitwohnbereich der Heimstiftung bietet weiterhin vollstationäre Hilfe zur Pflege mit einem Pflegebedarf unterhalb der Pflegestufen (Pflegestufe 0 G) für (ehemals) wohnungslose Männer mit einem langfristigen Hilfebedarf. Auf drei Stockwerken leben jeweils zehn Männer in Einzelzimmern. Eine Küche, ein Gemeinschaftsraum sowie entsprechende sanitäre Anlagen stehen zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Etwa ein Drittel der Bewohner hat eine Suchtproblematik, sieben eine psychische Erkrankung und acht Bewohner zeigen Auffälligkeiten in beiden Bereichen („Doppeldiagnosen“). Der Altersdurchschnitt liegt bei 65 Jahren (51 bis 81 Jahre). Während im Jahr 2013 vier Aufnahmen drei Entlassungen entgegenstanden und eine 100-prozentige Auslastung zu verzeichnen war, waren es in 2014 drei Aufnahmen und sechs Entlassungen. Die Auslastung war mit 96,5 Prozent die niedrigste seit fünf Jahren. Die Veränderung hinsichtlich der Auslastung trotz hoher Wohnungslosigkeit muss weiter beobachtet werden. Aktuell ist die Einrichtung wieder voll ausgelastet. Die Gründe für die Auszüge in 2014 waren unterschiedlich: ein Bewohner verstarb, einer wurde inhaftiert, ein weiterer musste in ein Pflegeheim verlegt werden. Ein Bewohner stabilisierte sich soweit, dass er zur Freundin ziehen konnte, und ein weiterer wurde in das Betreute Wohnen verlegt. 3.5.2. HOTEL ANKER: AWO Das AWO Hotel Anker ist eine niedrigschwellige ambulante Einrichtung der Wohnungslosenhilfe. Seit der Eröffnung im September 2005 bis zum Ende des Jahres 2014 wurden insgesamt 123 vorwiegend chronisch mehrfach geschädigte abhängigkeitskranke Personen mit dem Ziel der dauerhaften Beheimatung und der fortgesetzten Betreuung untergebracht. Die Gesamtzahl der Neuaufnahmen im Berichtszeitraum 2013 und 2014 lag bei 19, Verlegungen in vollstationäre Pflegeeinrichtungen waren fünf erforderlich, die Anzahl der Sterbefälle lag bei acht, die Altersstruktur bewegte sich zwischen 33 und 77 Jahren, das Durchschnittsalter pendelte um Mitte fünfzig. Drei Personen konnten in eigenen Wohnraum vermittelt werden. Die medizinische Versorgung in der Einrichtung ist in Kapitel 6.4 ausgeführt. 3.5.3. WOHNETAGE SCHEFFEL 37: WOHNEN FÜR WOHNUNGSLOSE FRAUEN MIT ERHEBLICHEN MULTIPLEN ERSCHWERNISSEN: SOZPÄDAL Auf der Wohnetage leben zehn wohnungslose Frauen, bei denen frühere ambulante oder stationäre Hilfen nicht zu einer Stabilisierung ihrer Lebenslage geführt haben, in acht Appartements für jeweils eine Frau und einem Appartement für zwei Frauen. Bei den Bewohnerinnen dominieren psychiatrische Krankheitsbilder sowie ausgeprägte Suchtproblematiken (Doppeldiagnosen). In den Jahren 2013 und 2014 war die Wohnetage nahezu durchgängig voll belegt. Zwei Frauen sind seit Beginn dort wohnhaft, eine Frau ist verstorben, und eine Frau musste aus der Wohnetage verwiesen werden. Zehn Frauen konnten im Berichtszeitraum eine Wohnung finden beziehungsweise in eine geeignete Einrichtung vermittelt werden. Fünf dieser Frauen waren Bewohnerinnen des Doppelzimmers, welches in der Regel mit Frauen belegt wird, die keiner dauerhaften Unterbringung in der Wohnetage bedürfen. Die Mitarbeiterinnen unterstützen die Bewohnerinnen unter anderem in finanziellen und behördlichen Angelegenheiten. Ein wichtiger Aspekt ist die Begleitung der Frauen bei der Organisation des Lebensalltags, in der Haushaltführung und der Körperpflege. Die Bewohnerinnen haben großes Vertrauen in die Pflegekraft und sind in der Lage, sich vor allem in allen gesundheitlichen und hygienischen Fragen unterstützen zu lassen. Ziel ist es, die gesundheitliche Situation der Frauen zu verbessern, beziehungsweise eine Verschlechterung zu verhindern. Die sozialpädagogische Begleitung der Bewohnerinnen der Wohnetage beinhaltet auch Gemeinschaftsaktivitäten, die außerhalb der Wohnetage stattfinden. Diese sollen dazu beitragen, dass die Bewohnerinnen nicht isoliert in der Wohnetage leben, neue Interessen entdecken können, an dem gesellschaftlichen Geschehen teilnehmen und mehr Vertrauen in die eigene Person entwickeln. Das wichtigste Ziel der Wohnetage ist es, den Bewohnerinnen eine menschenwürdige Unterkunft zu bieten und ihnen soweit wie möglich ein selbständiges Leben zu ermöglichen und sie in ihren eigenwilligen Verhaltensweisen zu akzeptieren. 26 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 4. WOHNRAUMBESCHAFFUNG 4.1. WOHNRAUMAKQUISE DURCH KOOPERATION Seit dem Jahr 2005 betreibt die Stadt Karlsruhe das Programm „Wohnraumakquise durch Kooperation“. Ziel dieses Programms ist es, privaten Wohnraum für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen zu erschließen. Die Stadt erwirbt hierfür bei privaten Vermieterinnen und Vermietern ein Belegrecht für zehn Jahre. Die Mieten entsprechen den Angemessenheitsgrenzen bei Sozialleistungsbezug. Die Vermieterin/der Vermieter erhält, abhängig vom Zustand der Wohnung sowie der Größe, einen Zuschuss. Zudem gewährt die Stadt für fünf Jahre eine Mietausfallgarantie. Der Gemeinderat stellt für die Akquise und die Mietausfallkosten sowie für anfallende Renovierungskosten jährlich Mittel zur Verfügung. Für die gesamte Vertragslaufzeit stehen den Vertragspartnerinnen und Vertragspartnern bei allen im Mietverhältnis auftretenden Problemen feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden über die Sozialarbeit der Fachstelle Wohnungssicherung ausgesucht und von dort bei Bedarf auch betreut. Im ersten Jahr bleibt die Stadt für das Mietverhältnis Vertragspartnerin. Ab dem zweiten Jahr erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner einen direkten Mietvertrag mit der Eigentümerin/dem Eigentümer. Mithilfe dieses Programms konnten seit Beginn im Jahr 2005 bis zum Jahr 2014 über 1.260 Menschen mit Wohnraum versorgt werden, davon 252 Alleinstehende und 482 Familien mit 527 Kindern. 491 Wohnungen wurden seither zur Verfügung gestellt. Durch den Erwerb der Belegrechte und die Neubelegung bei Aus- und Umzügen ist ein eigener Mikrowohnungsmarkt entstanden. Renovierungskosten bei Umzügen und Mieten bei vorübergehendem Leerstand werden aus Akquisemitteln getragen. Durch den Anstieg der zu verwaltenden Wohnungen hat sich auch der Anteil der Mittel, die hierfür benötigt werden in den letzten Jahren erhöht. Im Jahr 2005 waren es noch 250.000 Euro, im Jahr 2014 konnten 405.000 Euro verwendet werden. Die Wohnraumakquise ist ein wichtiger Faktor geworden, um Menschen, die als Wohnungslose am Wohnungsmarkt benachteiligt sind, wieder eine Rückkehr in ein normales Leben zu ermöglichen. Die dezentrale Versorgung mit eigenem Wohnraum bedeutet für wohnungslose Menschen gleichzeitig die Erhöhung der Integrations- und Teilhabechancen. Daher werden Wohnungen in allen Stadtgebieten akquiriert. Um Segregation vorzubeugen, wird stets nur für eine begrenzte Anzahl an Wohnungen ein Belegrecht in einem bestimmten Gebiet erworben. Keine Bewohnerin und kein Bewohner wird zwangsweise in eine Wohnung eingewiesen. Alle erhalten die Möglichkeit, die Wohnung vorab zu besichtigen und ziehen nur dann ein, wenn sie der Anmietung zustimmen. Die Wohnungen werden immer im renovierten Zustand übergeben. Dass bislang nur wenige Menschen ihre Wohnung wegen Problemen im Wohnen aufgeben mussten, zeigt den Erfolg dieses Ansatzes. Ohne das Programm Wohnraumakquise wären die Wohnungslosenzahlen in Karlsruhe deutlich höher. Wenn nur die Hälfte der Personen, die über das Programm mit Wohnraum versorgt wurden, eigenständig keine Wohnung gefunden hätte, so müssten zu den aktuellen Unterbringungszahlen noch weitere 600 Personen hinzugerechnet werden. Dies wäre mit einem immensen Anstieg der Hotelkosten verbunden. Da Miete in jedem Fall deutlich preiswerter als eine Obdachlosenunterbringung ist, amortisieren sich die Akquisezuschüsse nach wenigen Monaten. 26 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 4. WOHNRAUMBESCHAFFUNG 4.1. WOHNRAUMAKQUISE DURCH KOOPERATION Seit dem Jahr 2005 betreibt die Stadt Karlsruhe das Programm „Wohnraumakquise durch Kooperation“. Ziel dieses Programms ist es, privaten Wohnraum für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen zu erschließen. Die Stadt erwirbt hierfür bei privaten Vermieterinnen und Vermietern ein Belegrecht für zehn Jahre. Die Mieten entsprechen den Angemessenheitsgrenzen bei Sozialleistungsbezug. Die Vermieterin/der Vermieter erhält, abhängig vom Zustand der Wohnung sowie der Größe, einen Zuschuss. Zudem gewährt die Stadt für fünf Jahre eine Mietausfallgarantie. Der Gemeinderat stellt für die Akquise und die Mietausfallkosten sowie für anfallende Renovierungskosten jährlich Mittel zur Verfügung. Für die gesamte Vertragslaufzeit stehen den Vertragspartnerinnen und Vertragspartnern bei allen im Mietverhältnis auftretenden Problemen feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden über die Sozialarbeit der Fachstelle Wohnungssicherung ausgesucht und von dort bei Bedarf auch betreut. Im ersten Jahr bleibt die Stadt für das Mietverhältnis Vertragspartnerin. Ab dem zweiten Jahr erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner einen direkten Mietvertrag mit der Eigentümerin/dem Eigentümer. Mithilfe dieses Programms konnten seit Beginn im Jahr 2005 bis zum Jahr 2014 über 1.260 Menschen mit Wohnraum versorgt werden, davon 252 Alleinstehende und 482 Familien mit 527 Kindern. 491 Wohnungen wurden seither zur Verfügung gestellt. Durch den Erwerb der Belegrechte und die Neubelegung bei Aus- und Umzügen ist ein eigener Mikrowohnungsmarkt entstanden. Renovierungskosten bei Umzügen und Mieten bei vorübergehendem Leerstand werden aus Akquisemitteln getragen. Durch den Anstieg der zu verwaltenden Wohnungen hat sich auch der Anteil der Mittel, die hierfür benötigt werden in den letzten Jahren erhöht. Im Jahr 2005 waren es noch 250.000 Euro, im Jahr 2014 konnten 405.000 Euro verwendet werden. Die Wohnraumakquise ist ein wichtiger Faktor geworden, um Menschen, die als Wohnungslose am Wohnungsmarkt benachteiligt sind, wieder eine Rückkehr in ein normales Leben zu ermöglichen. Die dezentrale Versorgung mit eigenem Wohnraum bedeutet für wohnungslose Menschen gleichzeitig die Erhöhung der Integrations- und Teilhabechancen. Daher werden Wohnungen in allen Stadtgebieten akquiriert. Um Segregation vorzubeugen, wird stets nur für eine begrenzte Anzahl an Wohnungen ein Belegrecht in einem bestimmten Gebiet erworben. Keine Bewohnerin und kein Bewohner wird zwangsweise in eine Wohnung eingewiesen. Alle erhalten die Möglichkeit, die Wohnung vorab zu besichtigen und ziehen nur dann ein, wenn sie der Anmietung zustimmen. Die Wohnungen werden immer im renovierten Zustand übergeben. Dass bislang nur wenige Menschen ihre Wohnung wegen Problemen im Wohnen aufgeben mussten, zeigt den Erfolg dieses Ansatzes. Ohne das Programm Wohnraumakquise wären die Wohnungslosenzahlen in Karlsruhe deutlich höher. Wenn nur die Hälfte der Personen, die über das Programm mit Wohnraum versorgt wurden, eigenständig keine Wohnung gefunden hätte, so müssten zu den aktuellen Unterbringungszahlen noch weitere 600 Personen hinzugerechnet werden. Dies wäre mit einem immensen Anstieg der Hotelkosten verbunden. Da Miete in jedem Fall deutlich preiswerter als eine Obdachlosenunterbringung ist, amortisieren sich die Akquisezuschüsse nach wenigen Monaten. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 27 Akquisewohnungen Untergebrachte Personen 2005 bis 2014 | Abbildung 17 84 75 160 164 132 107 124 137 120 159 5 27 36 63 17 27 17 15 24 21 19 12 27 26 32 26 34 37 30 41 46 26 72 45 54 46 56 57 50 75 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2005200620072008200920102011201220132014 Jahr Anzahl PersonenAlleinstehende FamilienKinder Akquisewohnungen 2005 bis 2014 | Abbildung 18 24 58 111 172 222 275 325 378 430 491 0 100 200 300 400 500 600 2005200620072008200920102011201220132014 Jahr Anzahl Wohnungen 28 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 4.2. NUTZUNGSVERHÄLTNISSE Die Unterstützung und Beratung der Menschen, die in Nutzungsverhältnissen über die Wohnraumakquise wohnen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Programms. Das einjährige Nutzungsverhältnis bietet der Vermieterin/dem Vermieter große Sicherheit und den Bewohnerinnen/Bewohnern die Möglichkeit, sich mit Hilfe und Unterstützung in der Wohnung und im Wohnumfeld einzuleben. Nach einem Jahr wird der Nutzungsvertrag in einen eigenen Mietvertrag umgewandelt, vorausgesetzt es gibt keine größeren Probleme. Somit kann dauerhaftes Wohnen ermöglicht werden. Hierzu bedarf es vieler individueller Hilfen, wie Unterstützung beim Einzug und allem was dafür notwendig ist, zum Beispiel Begleitung zu Ämtern, Möbelbeschaffung, Beratung bei Hausordnung, Müllentsorgung, Energiegebrauch, Umgang mit Nachbarn und Hausbesitzern. In mehr als 60 Prozent der Fälle ist es erforderlich, aufgrund von Problemlagen innerhalb des Familienverbandes intensive zusätzliche Hilfen, wie zum Beispiel Familienhilfen und Kontakte zu Beratungsstellen einzurichten beziehungsweise zu koordinieren. Hierzu ist eine enge Vernetzung mit dem Sozialen Dienst, Trägern und Institutionen notwendig. Durch dieses engmaschige Unterstützungs- und Hilfsangebot ist es bei über 90 Prozent der Fälle möglich, das Nutzungsverhältnis in ein eigenes Mietverhältnis umzuwandeln. Stand 31. Dezember 2014 lebten 351 Personen in 137 Wohnungen mit Nutzungsvertrag, darunter 80 Wohnungen für Familien mit insgesamt 171 Kindern, sieben für Paare ohne Kinder und 50 Wohnungen für allein lebende Menschen. Die Betreuungsarbeit endet nicht mit dem eigenen Mietvertrag. Die Fachstelle ist auch während des zehnjährigen Belegungsrechtes die Ansprechpartnerin für alle Fragen der Vermieterin/des Vermieters und auch der Mieterin/des Mieters. Neben Mietzahlungsproblemen und Fragen der Nebenkostenabrechnungen sind dies Fragen zu anstehenden Reparaturen, Schäden im Haus, Hausordnungsproblemen, Ruhestörungen und Nachbarschaftsstreitigkeiten. Dieses Engagement entlastet die Vermieterinnen und Vermieter sehr und ist damit entscheidend für den Erfolg des Programms. Erfreulicherweise ist es durch die Unterstützung des Gemeinderates gelungen, mehr Personal einzustellen. So sind nun für die Wohnraumakquise durch Kooperation 2,5 Stellen in der Sozialarbeit und 1,5 Stellen in der Verwaltung vorhanden. 28 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 4.2. NUTZUNGSVERHÄLTNISSE Die Unterstützung und Beratung der Menschen, die in Nutzungsverhältnissen über die Wohnraumakquise wohnen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Programms. Das einjährige Nutzungsverhältnis bietet der Vermieterin/dem Vermieter große Sicherheit und den Bewohnerinnen/Bewohnern die Möglichkeit, sich mit Hilfe und Unterstützung in der Wohnung und im Wohnumfeld einzuleben. Nach einem Jahr wird der Nutzungsvertrag in einen eigenen Mietvertrag umgewandelt, vorausgesetzt es gibt keine größeren Probleme. Somit kann dauerhaftes Wohnen ermöglicht werden. Hierzu bedarf es vieler individueller Hilfen, wie Unterstützung beim Einzug und allem was dafür notwendig ist, zum Beispiel Begleitung zu Ämtern, Möbelbeschaffung, Beratung bei Hausordnung, Müllentsorgung, Energiegebrauch, Umgang mit Nachbarn und Hausbesitzern. In mehr als 60 Prozent der Fälle ist es erforderlich, aufgrund von Problemlagen innerhalb des Familienverbandes intensive zusätzliche Hilfen, wie zum Beispiel Familienhilfen und Kontakte zu Beratungsstellen einzurichten beziehungsweise zu koordinieren. Hierzu ist eine enge Vernetzung mit dem Sozialen Dienst, Trägern und Institutionen notwendig. Durch dieses engmaschige Unterstützungs- und Hilfsangebot ist es bei über 90 Prozent der Fälle möglich, das Nutzungsverhältnis in ein eigenes Mietverhältnis umzuwandeln. Stand 31. Dezember 2014 lebten 351 Personen in 137 Wohnungen mit Nutzungsvertrag, darunter 80 Wohnungen für Familien mit insgesamt 171 Kindern, sieben für Paare ohne Kinder und 50 Wohnungen für allein lebende Menschen. Die Betreuungsarbeit endet nicht mit dem eigenen Mietvertrag. Die Fachstelle ist auch während des zehnjährigen Belegungsrechtes die Ansprechpartnerin für alle Fragen der Vermieterin/des Vermieters und auch der Mieterin/des Mieters. Neben Mietzahlungsproblemen und Fragen der Nebenkostenabrechnungen sind dies Fragen zu anstehenden Reparaturen, Schäden im Haus, Hausordnungsproblemen, Ruhestörungen und Nachbarschaftsstreitigkeiten. Dieses Engagement entlastet die Vermieterinnen und Vermieter sehr und ist damit entscheidend für den Erfolg des Programms. Erfreulicherweise ist es durch die Unterstützung des Gemeinderates gelungen, mehr Personal einzustellen. So sind nun für die Wohnraumakquise durch Kooperation 2,5 Stellen in der Sozialarbeit und 1,5 Stellen in der Verwaltung vorhanden. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 29 4.3. SCHARNIERSTELLE ZUR VOLKSWOHNUNG GMBH Für Menschen, die vor dem Wohnungsverlust stehen oder bereits wohnungslos sind, benötigt die Fachstelle Wohnungssicherung verlässliche Partner, die Wohnraum zur Verfügung stellen. Den dringendsten Bedarf an Wohnraum haben vor allem allein Erziehende, Familien und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Wartelisten bei den Wohnungsbaugesellschaften sind lang, und die Wartezeiten können mehrere Jahre betragen. Die Auswirkungen davon sind auch deutlich in der Fachstelle Wohnungssicherung zu spüren. Die Unterbringungszahlen von Familien, Paaren und Alleinstehenden steigen, ebenso die Verweildauer in den Unterkünften. Die einzige Wohnungsbaugesellschaft, die die Fachstelle Wohnungssicherung aktiv mit Mietwohnungsangeboten unterstützt, ist die Volkswohnung GmbH. Regelmäßig finden Gespräche statt, so dass in vielen Einzelfällen geholfen werden kann. Im August 2014 startete das gemeinsam konzipierte Projekt „Wohnung sucht Mieter“. Von der Volkswohnung GmbH werden dabei monatlich vier bis sechs Wohnungsangebote an die Fachstelle gegeben, die dann von dort direkt belegt werden. Die Mieterinnen und Mieter erhalten einen eigenen Mietvertrag. Dies ist ein sehr großer Vertrauensbeweis in der Zusammenarbeit von Volkswohnung und Fachstelle Wohnungssicherung. Hierüber wurden von August 2014 bis Dezember 2014 22 Wohnungen für 55 Personen, davon 22 Kinder angeboten. Insgesamt konnten über die Volkswohnung GmbH im Jahr 2014 164 Personen mit Wohnraum versorgt werden. Ohne diese beiden Möglichkeiten der Wohnraumvermittlung wären die Unterbringungszahlen noch wesentlich höher. Dies ist auch in der folgenden Gesamtstatistik positiv zu erkennen. Vermittelte Wohnungen durch die Volkswohnung GmbH 2009 bis 2014 | Abbildung 19 24 41 54 50 58 61 59 108 137 0 20 40 60 80 100 120 140 200920102011201220132014 Jahr Anzahl 149149 164 160 180 WohnungenPersonen 30 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 5. BERATUNG 5.1. BERATUNGSSTELLE FÜR WOHNUNGSLOSE MÄNNER Die städtische Beratungsstelle für wohnungslose Männer in der Kriegsstraße 88 ist neben ihren primären Aufgaben der Beratung und der Bereitstellung einer Postadresse organisatorisch und inhaltlich auch für den städtischen Erfrierungsschutz mit 56 Plätzen, sowie die Übergangswohngruppe im Dachgeschoss mit sechs Plätzen verantwortlich. Personell ist die Beratungsstelle mit zwei Teilzeit-Fachkräften (75 Prozent und 50 Prozent) und einer Assistentenstelle ausgestattet. Für das Jahr 2014 ergaben sich für die Beratungsstelle folgende Zahlen: Über die Poststelle gab es 9.550 Kontakte mit Klienten. Vom Fachpersonal wurden 2.521 Beratungsgespräche durchgeführt. Insgesamt ergibt dies für das Jahr 2014 12.071 Kontakte mit Klienten. Im Monatsdurchschnitt wurden 201 Personen als Postabholer in der Kartei geführt. Es wurden insgesamt 1.187 Personen betreut. Von 370 abgängigen Personen sind 82 Prozent nach unbekannt abgemeldet worden, 18 Prozent fanden eigenen Wohnraum oder wurden obdachlosenrechtlich untergebracht. 5.2. BERATUNGSSTELLE FÜR FRAUEN UND PAARE IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL Die Beratungsstelle bietet dreimal wöchentlich offene Sprechstunden an. Weiterhin werden die Frauen und Paare in den Obdachlosenunterkünften aufgesucht und bei Bedarf zu Behörden, Ärzten, Wohnungsanbietern etc. begleitet. Für die „verdeckt wohnungslosen“ Frauen besteht das Angebot der Postadresse. Im Durchschnitt haben 2014 8,1 (2013 7,7) Frauen pro Sprechtag die Beratungsstelle aufgesucht. Insgesamt nutzten 325 (332 in 2013) Personen das Beratungsangebot. Es wurden 64 (61) Begleitungen zu Behörden etc. und 61 (83) Hausbesuche in Unterkünfte und prekären Wohnraum geleistet. 89 (100 in 2013) Frauen, zum Teil mit Partnern und/oder Kindern wurden in Wohnraum beziehungsweise notwendige Einrichtungen und zuständige Stellen vermittelt, beziehungsweise deren Wohnungen konnten gesichert werden. Insgesamt lebten 114 (144 in 2013) Kinder in Haushalten, die über die Beratungsstelle betreut wurden. In den Berichtsjahren liegt der Anteil der unter 25-Jährigen zwischen 15 Prozent und 19 Prozent. Neben der engen Zusammenarbeit mit der Fachstelle Wohnungssicherung hat die Frauenberatungsstelle eine wichtige Schnittstellenfunktion zur Vermittlung in die Frauenpension, zum (Ambulant) Betreuten Wohnen, zu spezifischen Beratungsangeboten wie zum Beispiel Suchtberatung, Migrationsberatung, Beratung bei häuslicher Gewalt und ähnlichen Themen. 5.3. STRAßENSOZIALARBEIT: DIAKONISCHES WERK Streetwork ist ein niedrigschwelliges Kontakt- und Unterstützungsangebot für einzelne Menschen und Gruppen, deren überwiegender Lebensort die Straßen und Plätze der Karlsruher Innenstadt sind und insbesondere für jene, die von anderen sozialen Einrichtungen und Angeboten nicht oder nur unzureichend erreicht werden. Im Rahmen der aufsuchenden Arbeit wurden in 2013 etwa 350 Personen über Streetwork kontaktiert. Zahlen für 2014 liegen der Stadtverwaltung nicht vor. Die Streetworker machen ein individuelles Hilfeangebot zur Überwindung akuter Notlagen sowie zur Entwicklung von Lebensperspektiven. Ziel ist es, den Prozess der sozialen, psychischen und physischen Verelendung zu unterbrechen. Es muss dafür gesorgt werden, die vitalen Grundbedürfnisse zu befriedigen und die Menschen in das bestehende Hilfesystem zu integrieren. In 2013 konnten circa 230 Personen über individuelle Hilfen erreicht werden. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Unterstützung durch die Streetworker im Themenbereich Wohnen/Wohnungslosigkeit/Unterbringung sehr stark. Aufgrund der prekären Situation am Karlsruher Wohnungsmarkt konnten allerdings zuletzt nur noch selten konkrete Hilfen geleistet oder Angebote gemacht werden, die über die bloße Vermittlung in das Hilfesystem (obdachlosenrechtliche Unterbringung) hinausgingen. 5.4. ANLAUFSTELLE IGLU: HEIMSTIFTUNG KARLSRUHE Die Anlaufstelle Iglu wendet sich als niedrigschwelliges Beratungs- und Hilfeangebot an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren, die Probleme mit ihrer Wohnsituation haben oder von Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen sind. Im aktuellen Berichtszeitraum wurde das Iglu täglich von circa 20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgesucht. Die jungen Menschen, die die Anlaufstelle nutzen, sind in überwiegender Mehrheit im Alter zwischen 18 und 21 30 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 5. BERATUNG 5.1. BERATUNGSSTELLE FÜR WOHNUNGSLOSE MÄNNER Die städtische Beratungsstelle für wohnungslose Männer in der Kriegsstraße 88 ist neben ihren primären Aufgaben der Beratung und der Bereitstellung einer Postadresse organisatorisch und inhaltlich auch für den städtischen Erfrierungsschutz mit 56 Plätzen, sowie die Übergangswohngruppe im Dachgeschoss mit sechs Plätzen verantwortlich. Personell ist die Beratungsstelle mit zwei Teilzeit-Fachkräften (75 Prozent und 50 Prozent) und einer Assistentenstelle ausgestattet. Für das Jahr 2014 ergaben sich für die Beratungsstelle folgende Zahlen: Über die Poststelle gab es 9.550 Kontakte mit Klienten. Vom Fachpersonal wurden 2.521 Beratungsgespräche durchgeführt. Insgesamt ergibt dies für das Jahr 2014 12.071 Kontakte mit Klienten. Im Monatsdurchschnitt wurden 201 Personen als Postabholer in der Kartei geführt. Es wurden insgesamt 1.187 Personen betreut. Von 370 abgängigen Personen sind 82 Prozent nach unbekannt abgemeldet worden, 18 Prozent fanden eigenen Wohnraum oder wurden obdachlosenrechtlich untergebracht. 5.2. BERATUNGSSTELLE FÜR FRAUEN UND PAARE IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL Die Beratungsstelle bietet dreimal wöchentlich offene Sprechstunden an. Weiterhin werden die Frauen und Paare in den Obdachlosenunterkünften aufgesucht und bei Bedarf zu Behörden, Ärzten, Wohnungsanbietern etc. begleitet. Für die „verdeckt wohnungslosen“ Frauen besteht das Angebot der Postadresse. Im Durchschnitt haben 2014 8,1 (2013 7,7) Frauen pro Sprechtag die Beratungsstelle aufgesucht. Insgesamt nutzten 325 (332 in 2013) Personen das Beratungsangebot. Es wurden 64 (61) Begleitungen zu Behörden etc. und 61 (83) Hausbesuche in Unterkünfte und prekären Wohnraum geleistet. 89 (100 in 2013) Frauen, zum Teil mit Partnern und/oder Kindern wurden in Wohnraum beziehungsweise notwendige Einrichtungen und zuständige Stellen vermittelt, beziehungsweise deren Wohnungen konnten gesichert werden. Insgesamt lebten 114 (144 in 2013) Kinder in Haushalten, die über die Beratungsstelle betreut wurden. In den Berichtsjahren liegt der Anteil der unter 25-Jährigen zwischen 15 Prozent und 19 Prozent. Neben der engen Zusammenarbeit mit der Fachstelle Wohnungssicherung hat die Frauenberatungsstelle eine wichtige Schnittstellenfunktion zur Vermittlung in die Frauenpension, zum (Ambulant) Betreuten Wohnen, zu spezifischen Beratungsangeboten wie zum Beispiel Suchtberatung, Migrationsberatung, Beratung bei häuslicher Gewalt und ähnlichen Themen. 5.3. STRAßENSOZIALARBEIT: DIAKONISCHES WERK Streetwork ist ein niedrigschwelliges Kontakt- und Unterstützungsangebot für einzelne Menschen und Gruppen, deren überwiegender Lebensort die Straßen und Plätze der Karlsruher Innenstadt sind und insbesondere für jene, die von anderen sozialen Einrichtungen und Angeboten nicht oder nur unzureichend erreicht werden. Im Rahmen der aufsuchenden Arbeit wurden in 2013 etwa 350 Personen über Streetwork kontaktiert. Zahlen für 2014 liegen der Stadtverwaltung nicht vor. Die Streetworker machen ein individuelles Hilfeangebot zur Überwindung akuter Notlagen sowie zur Entwicklung von Lebensperspektiven. Ziel ist es, den Prozess der sozialen, psychischen und physischen Verelendung zu unterbrechen. Es muss dafür gesorgt werden, die vitalen Grundbedürfnisse zu befriedigen und die Menschen in das bestehende Hilfesystem zu integrieren. In 2013 konnten circa 230 Personen über individuelle Hilfen erreicht werden. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Unterstützung durch die Streetworker im Themenbereich Wohnen/Wohnungslosigkeit/Unterbringung sehr stark. Aufgrund der prekären Situation am Karlsruher Wohnungsmarkt konnten allerdings zuletzt nur noch selten konkrete Hilfen geleistet oder Angebote gemacht werden, die über die bloße Vermittlung in das Hilfesystem (obdachlosenrechtliche Unterbringung) hinausgingen. 5.4. ANLAUFSTELLE IGLU: HEIMSTIFTUNG KARLSRUHE Die Anlaufstelle Iglu wendet sich als niedrigschwelliges Beratungs- und Hilfeangebot an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren, die Probleme mit ihrer Wohnsituation haben oder von Obdachlosigkeit bedroht oder betroffen sind. Im aktuellen Berichtszeitraum wurde das Iglu täglich von circa 20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgesucht. Die jungen Menschen, die die Anlaufstelle nutzen, sind in überwiegender Mehrheit im Alter zwischen 18 und 21 SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 31 Jahren. Sie suchen Rat und Hilfe in zahlreichen verschiedenen Problemlagen. Anlass für Erstkontakte sind zwar meist Schwierigkeiten mit der aktuell bestehenden Wohnsituation, jedoch wird bei nahezu allen Beratungskontakten schnell deutlich, dass dies nur einen Bereich von meist multiplen Problemlagen darstellt, deren Ursachen häufig sehr komplex sind. Die Wohnproblematik ist also Ausgangspunkt, keineswegs der einzige Schwerpunkt der Beratungsarbeit. Im Jahr 2014 wurde das Iglu von 386 Personen in Anspruch genommen. Hiervon waren circa ein Drittel weiblich und zwei Drittel männlich. Die Anzahl der eingerichteten Postfächer stagniert seit einigen Jahren, bewegte sich jedoch mit stets über 100 auf konstant hohem Niveau. Einen Rückgang hatte das Iglu bei der Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer des offenen und Versorgungsangebotes (Cafébetrieb, Kochen, Duschen, Freizeit ...) zu verzeichnen. Dieses wurde 2014 täglich durchschnittlich von elf Besucherinnen und Besuchern frequentiert. Der Beratungsbedarf hingegen blieb nach wie vor sehr hoch. Hierbei zeichneten sich, neben dem Thema Wohnungsnot und deren Ursachen, häufig die Problembereiche Schulden, Delinquenz und Fragen der Grundsicherung (SGB II), sowie Verbesserung der beruflichen Perspektiven als Beratungsschwerpunkte ab. 5.5. BAHNHOFSMISSION Die Bahnhofsmission ist Anlaufstelle für Menschen in Notlagen, auch für Menschen ohne Wohnung. Das sind sowohl Personen aus Karlsruhe, aus dem Umland, als auch umherreisende Obdachlose, die in Karlsruhe stranden, da hier ein Knotenpunkt für Züge aus allen Richtungen ist. Rund 100 Personen haben im Jahr 2014 nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt. Hinzu kommen Personen, die ebenso nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragen, da sie – unter anderem weil das Gepäck gestohlen wurde oder verloren gegangen ist – kein Geld haben. Bei mittellosen Personen, deren Herkunftskommune außerhalb von Karlsruhe liegt, kann Obdachlosigkeit oft durch eine Rückreise beseitigt werden. Die Bahnhofsmission regelt die Rückfahrten im Auftrag der Stadt Karlsruhe. Sie besorgt nach Rücksprache mit der Fachstelle Wohnungssicherung die Tickets beim Busunternehmen oder bei der Bahn, versorgt die Rückreisenden und begleitet sie zu Bus oder Bahn. Bei Bedarf, wenn die Reise länger als vier Stunden dauert, gibt die Bahnhofsmission Reiseproviant mit auf den Weg. Im Jahr 2014 wurden in Kooperation mit der Fachstelle Wohnungssicherung insgesamt 344 Fahrkarten ausgegeben, darunter 198 Fahrkarten nach Rumänien. Dies entspricht einem Anteil von 58 Prozent der ausgegebenen Fahrkarten. 69 Fahrkarten wurden innerhalb von Deutschland gewährt, was einem Anteil von 20 Prozent entspricht. Mit großem Abstand folgte die Gewährung der Fahrtkosten nach Mazedonien (zwölf Fahrkarten), nach Bulgarien (elf Fahrkarten) und nach Spanien (elf Fahrkarten). 32 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 6. VERSORGUNG 6.1. ERFRIERUNGSSCHUTZ KRIEGSSTRAßE 88 Der Erfrierungsschutz für wohnungslose Männer der Stadt Karlsruhe im zweiten und dritten Obergeschoss in der Kriegsstraße 88 ist mit zwei festen Mitarbeitern besetzt, die jeweils im Wochenwechsel während der Öffnungszeiten von 19:30 Uhr bis 8 Uhr für den laufenden Betrieb sorgen. Unterstützt werden sie zu Beginn der Öffnungszeiten von zwei Assistenten, die ebenfalls im Wochenwechsel im Rahmen eines Minijobs hier tätig sind. Fachlich und organisatorisch ist der Erfrierungsschutz an die Beratungsstelle für wohnungslose Männer angegliedert. In der Saison 2013/2014 war der Erfrierungsschutz von Oktober bis April an 182 Tagen geöffnet. Es standen 56 Übernachtungsplätze für Männer zur Verfügung. Insgesamt wurden 5891 Übernachtungen von 370 Personen verzeichnet. Durchschnittlich wurde der Erfrierungsschutz von 32 Männern pro Nacht genutzt. Die Aufenthaltsdauer betrug im Durchschnitt 16 Nächte. Der Erfrierungsschutz wird sowohl kurzfristig als auch langfristig genutzt. 141 Personen tätigten kurzfristige Übernachtungen bis zu drei Nächten. 121 Personen blieben bis zu 14 Nächte. 98 Personen blieben bis zu 90 Nächte und 10 Personen blieben die ganze Saison. Der Erfrierungsschutz wurde von 129 deutschen Staatsangehörigen und von 241 Personen anderer Nationalität genutzt. Der Anteil der rumänischen Nutzer lag bei 26 Prozent. Somit stellen die Rumänen die größte Nutzergruppe unter den Ausländern. 6.2. TAGESTREFF „TÜR“: DIAKONISCHES WERK Der Tagestreff in Trägerschaft des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Karlsruhe ist eine Tagesstätte für Wohnungslose – unabhängig von Geschlecht oder Nationalität –, die auch von ehemaligen Wohnungslosen und Menschen in prekären Wohnverhältnissen genutzt wird. Die „TÜR“ bietet als Bindeglied zwischen Straße und weiterführenden Hilfen die Möglichkeit zum Aufenthalt und zur Begegnung und darüber hinaus Versorgungs-, Behandlungs-, Beratungs- und Vermittlungsangebote. Im Jahr 2014 (2013) gab es zu 388 (376) Besucherinnen und Besuchern, insgesamt exakt 1.600 (1.530) Beratungskontakte, nicht eingerechnet die eher unverbindlichen Gespräche im offenen Bereich, die der Kontaktpflege, Vertrauens-, Beziehungs- und Motivationsarbeit, Informationsvermittlung und Orientierungshilfe dienen. Pro geöffneten Tag suchten durchschnittlich 57 (56) Personen die „TÜR“ auf. Hochgerechnet haben 2014 rund 800 Personen die Einrichtung aufgesucht. Der Frauenanteil lag bei circa fünf Prozent, wobei Frauen oft in einer Paargemeinschaft auftraten (mit „TafF“ gibt es ein vergleichbares frauenspezifisches Angebot). Der Altersschwerpunkt lag bei den 30- bis 50-Jährigen; die in vielen Einrichtungen wahrzunehmende Verjüngungstendenz hat in der „TÜR“ nicht dieses Ausmaß, da es für junge Erwachsene in unmittelbarer Nähe die Anlaufstelle „Iglu“ gibt. Auch in 2014 gab es in der „TÜR“ weiterhin einen hohen Anteil wohnungsloser Migrantinnen und Migranten, überwiegend aus EU-Staaten Ost- und Südosteuropas. Teils halten sie sich bereits über Monate, teils auch schon über Jahre vor Ort in Karlsruhe auf. Überwiegend sind sie ohne geregelte Einkünfte und vom Sozialleistungsbezug ausgeschlossen, dann auch ohne Krankenversicherungsschutz, leben zum Beispiel von Betteln oder Gelegenheitsarbeiten. Immer wieder finden sich in diesem Personenkreis aber auch hoch motivierte Betroffene, die alles dafür tun wollen, um sich in Karlsruhe über Erwerbsarbeit eine Existenz aufzubauen. 27 Prozent der Beratungssuchenden waren EU-Bürgerinnen und Bürger, hierbei waren rumänische Staatsangehörige die größte Bevölkerungsgruppe. Neben den besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel das Freizügigkeitsrecht und Leistungseinschränkungen im Sozialrecht, stellt in der Praxis immer wieder die Sprachbarriere ein großes Problem dar, das ein Clearing, eine Beratung und weitergehende Begleitung erheblich erschwert. In 2014 konnte bedarfsbezogen in der „TÜR“ eine rumänischsprachige Beratung eingerichtet und regelmäßig an Dienstagvormittagen angeboten werden. Das medizinische Behandlungsangebot der „TÜR“ konnte in 2013 und 2014 intensiviert werden und ist in Kapitel 6.4 ausführlicher dargestellt. 32 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 6. VERSORGUNG 6.1. ERFRIERUNGSSCHUTZ KRIEGSSTRAßE 88 Der Erfrierungsschutz für wohnungslose Männer der Stadt Karlsruhe im zweiten und dritten Obergeschoss in der Kriegsstraße 88 ist mit zwei festen Mitarbeitern besetzt, die jeweils im Wochenwechsel während der Öffnungszeiten von 19:30 Uhr bis 8 Uhr für den laufenden Betrieb sorgen. Unterstützt werden sie zu Beginn der Öffnungszeiten von zwei Assistenten, die ebenfalls im Wochenwechsel im Rahmen eines Minijobs hier tätig sind. Fachlich und organisatorisch ist der Erfrierungsschutz an die Beratungsstelle für wohnungslose Männer angegliedert. In der Saison 2013/2014 war der Erfrierungsschutz von Oktober bis April an 182 Tagen geöffnet. Es standen 56 Übernachtungsplätze für Männer zur Verfügung. Insgesamt wurden 5891 Übernachtungen von 370 Personen verzeichnet. Durchschnittlich wurde der Erfrierungsschutz von 32 Männern pro Nacht genutzt. Die Aufenthaltsdauer betrug im Durchschnitt 16 Nächte. Der Erfrierungsschutz wird sowohl kurzfristig als auch langfristig genutzt. 141 Personen tätigten kurzfristige Übernachtungen bis zu drei Nächten. 121 Personen blieben bis zu 14 Nächte. 98 Personen blieben bis zu 90 Nächte und 10 Personen blieben die ganze Saison. Der Erfrierungsschutz wurde von 129 deutschen Staatsangehörigen und von 241 Personen anderer Nationalität genutzt. Der Anteil der rumänischen Nutzer lag bei 26 Prozent. Somit stellen die Rumänen die größte Nutzergruppe unter den Ausländern. 6.2. TAGESTREFF „TÜR“: DIAKONISCHES WERK Der Tagestreff in Trägerschaft des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Karlsruhe ist eine Tagesstätte für Wohnungslose – unabhängig von Geschlecht oder Nationalität –, die auch von ehemaligen Wohnungslosen und Menschen in prekären Wohnverhältnissen genutzt wird. Die „TÜR“ bietet als Bindeglied zwischen Straße und weiterführenden Hilfen die Möglichkeit zum Aufenthalt und zur Begegnung und darüber hinaus Versorgungs-, Behandlungs-, Beratungs- und Vermittlungsangebote. Im Jahr 2014 (2013) gab es zu 388 (376) Besucherinnen und Besuchern, insgesamt exakt 1.600 (1.530) Beratungskontakte, nicht eingerechnet die eher unverbindlichen Gespräche im offenen Bereich, die der Kontaktpflege, Vertrauens-, Beziehungs- und Motivationsarbeit, Informationsvermittlung und Orientierungshilfe dienen. Pro geöffneten Tag suchten durchschnittlich 57 (56) Personen die „TÜR“ auf. Hochgerechnet haben 2014 rund 800 Personen die Einrichtung aufgesucht. Der Frauenanteil lag bei circa fünf Prozent, wobei Frauen oft in einer Paargemeinschaft auftraten (mit „TafF“ gibt es ein vergleichbares frauenspezifisches Angebot). Der Altersschwerpunkt lag bei den 30- bis 50-Jährigen; die in vielen Einrichtungen wahrzunehmende Verjüngungstendenz hat in der „TÜR“ nicht dieses Ausmaß, da es für junge Erwachsene in unmittelbarer Nähe die Anlaufstelle „Iglu“ gibt. Auch in 2014 gab es in der „TÜR“ weiterhin einen hohen Anteil wohnungsloser Migrantinnen und Migranten, überwiegend aus EU-Staaten Ost- und Südosteuropas. Teils halten sie sich bereits über Monate, teils auch schon über Jahre vor Ort in Karlsruhe auf. Überwiegend sind sie ohne geregelte Einkünfte und vom Sozialleistungsbezug ausgeschlossen, dann auch ohne Krankenversicherungsschutz, leben zum Beispiel von Betteln oder Gelegenheitsarbeiten. Immer wieder finden sich in diesem Personenkreis aber auch hoch motivierte Betroffene, die alles dafür tun wollen, um sich in Karlsruhe über Erwerbsarbeit eine Existenz aufzubauen. 27 Prozent der Beratungssuchenden waren EU-Bürgerinnen und Bürger, hierbei waren rumänische Staatsangehörige die größte Bevölkerungsgruppe. Neben den besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel das Freizügigkeitsrecht und Leistungseinschränkungen im Sozialrecht, stellt in der Praxis immer wieder die Sprachbarriere ein großes Problem dar, das ein Clearing, eine Beratung und weitergehende Begleitung erheblich erschwert. In 2014 konnte bedarfsbezogen in der „TÜR“ eine rumänischsprachige Beratung eingerichtet und regelmäßig an Dienstagvormittagen angeboten werden. Das medizinische Behandlungsangebot der „TÜR“ konnte in 2013 und 2014 intensiviert werden und ist in Kapitel 6.4 ausführlicher dargestellt. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 33 6.3. TAFF – KOMBINIERTES ANGEBOT: „TAGESAUFENTHALT“ UND „ARBEITEN UND QUALIFIZIEREN“ FÜR FRAUEN IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL 290 in 2014 (215 in 2013) Frauen in Wohnungsnot haben das Angebot „Tagesstruktur und Beratung“ wiederholt genutzt, 138 (128) Frauen davon sind regelmäßige Besucherinnen. Hinzu kommt eine große Anzahl von Frauen, die sich aufgrund ihrer Lebenslage im TafF mit Kleidung oder Nahrungsmitteln versorgen, Wäsche waschen oder duschen. Darunter waren auch von Armut betroffene osteuropäische Familien ohne geklärten Aufenthaltsstatus und damit ohne Bezug von Transferleistungen. 14,5 Prozent (14 Prozent) der Besucherinnen sind laut interner Erhebung „verdeckt“ wohnungslos und 21 Prozent (24 Prozent) leben in Obdachlosenunterkünften. Weitere Besucherinnen haben betreuten Wohnraum bei Trägern der Wohnungslosenhilfe gemietet, einige Frauen leben in prekären Wohnverhältnissen/Unterkünften (Unterschlupf, Platte, Gartenhäuschen). 2013 und 2014 waren – wie auch in den letzten Jahren – besonders viele Frauen mit Kleinkindern regelmäßige Besucherinnen des TafF. Außerdem fragten viele schwangere Frauen nach Unterstützung an. Frauen, die „auf der Straße“ lebten und für weitergehende Hilfen nicht zugänglich waren, fanden im TafF zumindest eine Basisversorgung. Die Lebenssituation der TafF-Besucherinnen ist durch Armut und häufig auch durch soziale Isolation geprägt. Besonders intensiv war die Beratungstätigkeit der Sozialarbeiterinnen bei Fragen der Existenzsicherung. Die Antragstellung und Kommunikation mit dem Jobcenter und anderen Leistungsträgern nahm einen großen Raum ein. Im Mittelpunkt der Beratungsarbeit steht allerdings auch die Vermittlung zu weiteren Angeboten der Wohnungslosenhilfe und zu spezifischen Beratungsstellen. Neben der Basisversorgung ist die Alltagsstruktur für die Besucherinnen ein wichtiges Element. Regelmäßige Konzerte, Discos und Basare tragen dazu bei, dass der Tagestreff ein Ort der Kommunikation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bietet. Die medizinische Versorgung im TafF ist im Folgekapitel ausgeführt. 6.4. MEDIZINISCHE VERSORGUNG Die gesundheitliche Situation wohnungsloser Menschen ist zum Teil sehr schlecht. Viele Wohnungslose scheuen den Weg zum Arzt, obwohl sie krank sind. Gründe hierfür sind zum einen trotz des Wegfalls der Praxisgebühr finanzielle Hürden wie Zuzahlungsregelungen. Zum anderen verhindern negative Erfahrungen, Abweisungen und fehlende Krankheitseinsicht den Arztbesuch. Es ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe oft schwierig, Arztpraxen zu finden, in denen Wohnungslose behandelt werden können. Auch geschieht es immer wieder, dass Wohnungslose nach der Behandlung sehr früh aus dem Krankenhaus entlassen werden, ohne dass die weitere medizinische Versorgung oder Pflege geklärt wäre. Aus diesen Gründen kooperieren einige Einrichtungen mit Ärztinnen und Ärzten und begleiten auch Betroffene zum Arzt. Einige Träger helfen auch über Spendenmittel mit bei der Finanzierung der Medikamentenzuzahlung. Darüber hinaus wurden über ein Benefizkonzert im September 2011 Gelder für die medizinische Ausstattung von Behandlungszimmern für Wohnungslose bereitgestellt. Die Spendenaktion der fünf Karlsruher Rotary-Clubs und des Rotaract-Clubs erbrachte rund 20.000 Euro. Die medizinische Versorgung wurde in den letzten Jahren ausgebaut: das medizinische Angebot im Tagestreff „TÜR“ wurde erweitert. Es konnten neue Ärztinnen und Ärzte gewonnen und die Ausstattung verbessert werden. Im Tagestreff für Frauen (TafF) wurde ein neuer Standort eingerichtet, und auch das Angebot im Anker wurde ausgeweitet. 6.4.1. OBDACHLOSENUNTERKUNFT „ANKER“, AWO Die medizinische Versorgung wird durch zwei Allgemeinmedizinerinnen durchgeführt. Über den vollzeitig angestellten Krankenpfleger hinaus übernimmt ein ambulanter Pflegedienst die notwendige Grund- und Behandlungspflege bei einem bettlägerigen Bewohner. Die psychiatrische Versorgung führt ein niedergelassener Facharzt durch, der die Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Wohnräumen aufsucht. Der Stellenanteil des Pflegefachpersonals konnte auf einem Wert von 1,7 gehalten werden, verteilt auf zwei Kolleginnen. Angestrebt wird weiter eine Versorgung an allen sieben Wochentagen. 34 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 6.4.2. TAGESTREFF „TÜR“, KRIEGSSTRAßE 88, DIAKONIE Das medizinische Behandlungsangebot der „TÜR“, das sich als Ergänzung und nicht als Alternative zur Regelversorgung versteht, konnte in 2013 und 2014 intensiviert werden. Nunmehr vier niedergelassene Ärzte und eine Ärztin boten an 43 (in 2013 an 40) Mittwochnachmittagen eine Arztsprechstunde im separaten Behandlungsraum an. Für dieses Angebot gibt es weiterhin keine Zugangsvoraussetzung, so dass auch bei fehlendem oder ungeklärtem Krankenversicherungsschutz eine Diagnose und Behandlung möglich ist. Das der „TÜR“ angegliederte Krankenzimmer, das bei Vorliegen einer medizinischen Indikation einen ganztägigen Aufenthalt ermöglicht, war in 2014 mit vier Personen, hiervon drei EU-Bürger, über einen Zeitraum von 346 Tagen belegt. 6.4.3. TAGESTREFF FÜR FRAUEN (TAFF), SOZPÄDAL 2011 wurde im TafF ein weiterer Standort der medizinischen Notversorgung eingerichtet. SOZPÄDAL hat die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, und durch Spenden konnte ein Raum komplett neu ausgestattet werden. Eine Ärztin konnte gewonnen werden, die vierzehntägig eine Sprechstunde anbietet. Das Angebot der Notversorgung wird von den Frauen gut angenommen, das Ziel der Anbindung an das medizinische Regelsystem wurde in Einzelfällen erreicht. Da die zeitlichen Ressourcen für praktizierende Ärztinnen und Ärzte eng bemessen sind, soll versucht werden, noch weitere Ärztinnen und Ärzte anzusprechen, um die regelmäßigen, gegebenenfalls erweiterten Sprechzeiten im TafF gewährleisten zu können. 34 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 6.4.2. TAGESTREFF „TÜR“, KRIEGSSTRAßE 88, DIAKONIE Das medizinische Behandlungsangebot der „TÜR“, das sich als Ergänzung und nicht als Alternative zur Regelversorgung versteht, konnte in 2013 und 2014 intensiviert werden. Nunmehr vier niedergelassene Ärzte und eine Ärztin boten an 43 (in 2013 an 40) Mittwochnachmittagen eine Arztsprechstunde im separaten Behandlungsraum an. Für dieses Angebot gibt es weiterhin keine Zugangsvoraussetzung, so dass auch bei fehlendem oder ungeklärtem Krankenversicherungsschutz eine Diagnose und Behandlung möglich ist. Das der „TÜR“ angegliederte Krankenzimmer, das bei Vorliegen einer medizinischen Indikation einen ganztägigen Aufenthalt ermöglicht, war in 2014 mit vier Personen, hiervon drei EU-Bürger, über einen Zeitraum von 346 Tagen belegt. 6.4.3. TAGESTREFF FÜR FRAUEN (TAFF), SOZPÄDAL 2011 wurde im TafF ein weiterer Standort der medizinischen Notversorgung eingerichtet. SOZPÄDAL hat die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, und durch Spenden konnte ein Raum komplett neu ausgestattet werden. Eine Ärztin konnte gewonnen werden, die vierzehntägig eine Sprechstunde anbietet. Das Angebot der Notversorgung wird von den Frauen gut angenommen, das Ziel der Anbindung an das medizinische Regelsystem wurde in Einzelfällen erreicht. Da die zeitlichen Ressourcen für praktizierende Ärztinnen und Ärzte eng bemessen sind, soll versucht werden, noch weitere Ärztinnen und Ärzte anzusprechen, um die regelmäßigen, gegebenenfalls erweiterten Sprechzeiten im TafF gewährleisten zu können. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 35 7. ZIELGRUPPEN 7.1. WOHNUNGSLOSE FAMILIEN Wie schon im achten Sachstandsbericht des Gesamtkonzeptes Wohnungslosenhilfe berichtet wurde, steigt die Zahl der untergebrachten Familien kontinuierlich an. In den letzten beiden Jahren erhöhte sich die Zahl der untergebrachten Familien von durchschnittlich 20 Familien auf 54 Familien mit insgesamt 169 Personen, davon 89 Kinder. Hiervon hatten 13 Familien die deutsche Staatsangehörigkeit, 23 Familien kamen aus Rumänien, sechs Familien aus anderen europäischen Ländern und zwölf Familien aus Ländern außerhalb Europas. Bei den Familien aus Südosteuropa besteht das Einkommen in der Regel aus einer geringfügigen Arbeitstätigkeit und ergänzenden Leistungen nach dem SGB II. Eine Unterbringung kann in diesen Fällen nicht abgelehnt werden. Aufgrund der oft nur befristeten Arbeitsverträge ist es jedoch kaum möglich, die Betroffenen kurzfristig in Wohnraum zu vermitteln, da nicht geklärt werden kann, ob längerfristig Leistungsansprüche nach dem SGB II bestehen und so eine Mietzahlung abgesichert werden kann. Es ist daher mit deutlich verlängerten Aufenthalten in den Unterkünften zu rechnen. Bei Einreise nach Deutschland kommen sie meist zuerst bei Verwandten oder Bekannten in viel zu engen Wohnverhältnissen unter. Da der Wohnungsmarkt in Karlsruhe sehr schlecht ist, finden sie keine Wohnung und werden dann von der Fachstelle Wohnungssicherung untergebracht. Beim Erstgespräch wird in jedem einzelnen Fall geprüft, ob eine Unterbringung notwendig ist. Es werden nur Familien untergebracht, die tatsächlich obdachlos sind, deren Aufenthaltsstatus und Einkommenssituation geklärt ist und denen keine andere Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Von den 54 untergebrachten Familien sind 28 Familien allein erziehend mit einem oder zwei Kindern. Die restlichen 26 Familien haben zwei bis vier Kinder. Aufgrund des engen Wohnungsmarktes kann die Verweildauer in den Unterkünften zwischen sechs und zwölf Monaten betragen. Schwerpunkt in der Beratung und Unterstützung für die Familien ist die Hilfe bei der Wohnungssuche und bei finanziellen Problemen. Zusätzlich erfolgen Angebote für individuelle längerfristige Hilfen, wie die Mehrfamilientherapie über Ohlebusch GmbH (siehe Folgekapitel) oder Einzelvereinbarungen für Familien mit SOZPÄDAL. Ebenso besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Sozialen Dienst. Durch die starke Zunahme von Familien mit Migrationshintergrund ist die Beratung und Unterstützung, bedingt durch mangelnde Sprachkenntnisse, erschwert. Nach wie vor können monatlich über die Wohnraumakquise durch Kooperation und die Volkswohnung GmbH zehn bis zwölf Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Ohne diese Angebote hätten die Familien kaum eine Chance, auf dem freien Wohnungsmarkt eine bezahlbare Wohnung zu finden. Würde es nicht gelingen, über die Volkswohnung GmbH und über das Programm Wohnraumakquise durch Kooperation regelmäßig wohnungslosen Familien wieder einen Mietvertrag zu geben, wäre die Zahl der Untergebrachten deutlich höher. Trotz erfolgreicher Wohnungsvermittlung, war es bisher nicht möglich, die Zahlen der untergebrachten Familien zu verringern. Seit Monaten ist festzustellen, dass für jede ausgezogene Familie ein oder zwei wohnungslose Familien nachkommen. Im Rahmen des Aktionsprogramms 2014 (siehe 3.2) konnte das Angebot für Familien ausgebaut werden: Zusätzlich wurden 65 neue Plätze geschaffen, zum Teil durch Anmietungen in Hotels, zum Teil über die Anmietung von vier Wohnungen. Zudem wurde SOZPÄDAL neben dem Lotsen von Alleinstehenden auch mit dem Lotsen von drei Familien beauftragt. 7.1.1. MEHRFAMILIENTHERAPIE MIT WOHNUNGSLOSEN FAMILIEN: OHLEBUSCH GMBH Auch in den Jahren 2013 und 2014 bestand weiterhin Bedarf bezüglich der Unterbringung und Begleitung wohnungsloser Familien. Ziel dieser bewährten Hilfe ist es nach wie vor, zukünftig dauerhaftes Wohnen der Familien zu sichern. In den Jahren 2013 und 2014 wurden 16 Familien mit 26 Kindern mit Wohnraum versorgt sowie therapeutisch und praktisch begleitet. Seit Beginn des Angebots im Herbst 2005 bis Ende 2014 waren dies somit 68 Familien mit 125 Kindern. In den Anschlussbefragungen gab der Großteil der Familien an, die Unterstützung als hilfreich und lohnend erlebt zu haben, obwohl es sich um einen Zwangskontext handelte. Die Familien erhalten die Wohnungen und müssen sich im Gegenzug neun Monate unter anderem auf die therapeutische Form der Begleitung einlassen. Die Hilfe arbeitet mit drei Bausteinen: Aufsuchende therapeutische Gespräche, Alltagsbegleitung durch praktische Hilfen zum Beispiel beim Umzug, Behördengängen sowie der Mehrfamiliengruppe. Hier treffen sich die Familien mindestens 14-tägig um sich gegenseitig zu beraten, motivieren und unterstützen. Daraus entstehen häufig Freundschaften und kleine Netzwerke auch über die Dauer der Maßnahme hinaus. In das Hilfeplanverfahren und die Koordination der Hilfen ist auch der Soziale Dienst mit eingebunden. 36 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Über die Fachstelle Wohnungssicherung und die Volkswohnung hatten alle Familien, die an diesem Angebot teilnahmen, die Zusicherung, möglichst rasch eine Wohnung beziehen zu können. Schwerpunkt in der Arbeit mit den Familien ist zunehmend das Thema Verarmung und finanzielle Probleme mit allen Auswirkungen auf die Familien und ihren Alltag. Weiterhin stellen die allein erziehenden Mütter mit ihren Kindern den größten Anteil der Teilnehmenden. Gerade sie finden sich meist durch Trennung und dadurch bedingten Wohnungsverlust in einer völlig neuen Situation wieder. Allein Erziehende sind im Gegensatz zu Familien mit zwei Elternteilen plötzlich oft völlig auf sich allein gestellt. Hier ist zunächst mehr Stärkung und Stabilisierung des verbliebenen Elternteils notwendig. Bei Familien mit Migrationshintergrund stellt zusätzlich häufig die Sprachbarriere eine nur schwer zu überwindende Schwierigkeit dar. Diese Familien haben meist nur wenig Kenntnisse, wie Systeme in Deutschland funktionieren, sei es in Bezug auf Behörden oder auch auf Schule und in vielen weiteren Bereichen des täglichen Lebens. Sie haben daher noch einen sehr viel höheren und intensiveren Informationsbedarf. Über nunmehr neun Jahre hinweg hat es sich gezeigt, dass das Konzept auch bei veränderten Bedingungen greift und Familien in unterschiedlichsten Ausprägungen damit in dauerhaftes Wohnen zurück finden können. 7.2. JUNGE ERWACHSENE WOHNUNGSLOSE Die Zahl der jungen Wohnungslosen unter 25 Jahren ist bundesweit gestiegen. In Karlsruhe lag der Anteil der jungen Wohnungslosen in den letzten beiden Jahren bei 18 Prozent der Untergebrachten und ist in 2014 mit 17,3 Prozent leicht gesunken. Trotz der prozentualen Abnahme hat sich die absolute Zahl der unter 25-Jährigen von 143 Personen im Jahr 2013 auf 155 Personen in 2014 aufgrund der höheren Zugangszahlen erhöht. Bei einer geschlechterdifferenzierten Betrachtung der Zielgruppe fällt auf, dass der Frauenanteil der unter 25-Jährigen im Vergleich zu 2013 im Jahr 2014 gestiegen ist. Im Jahr 2013 entsprach die Geschlechterproportion bei unter 25-Jährigen (33 Prozent Frauen, 67 Prozent Männer) fast prozentgenau derjenigen der Erwachsenen. Im Jahr 2014 lag der Anteil der weiblichen unter 25-Jährigen mit rund 39 Prozent nicht nur über dem Anteil der Altersklasse im Vorjahr, sondern auch um fünf Prozentpunkte über dem Anteil der erwachsenen wohnungslosen Frauen (34 Prozent). Als Ergebnis einer Befragung junger wohnungsloser Menschen durch die Fachstelle Wohnungssicherung wurde im Jahr 2013 ein seither regelmäßig statt findendes Netzwerktreffen ins Leben gerufen. Teilnehmende sind Vertreterinnen und Vertreter der Fachstelle Wohnungssicherung, des Sozialen Dienstes, des Jugendamtes, des Sozialamtes sowie Träger. Durch die Treffen sollen die Kontakte untereinander verbessert werden sowie auch einzelfallbezogene Problemlösungen aufgrund der schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Personengruppe gefunden werden, und schließlich dienen sie der Schnittstellenoptimierung. Im Betreuten Wohnen wurde aufgrund von Wohnungsangeboten der Träger und der gestiegenen Unterbringungszahlen die Platzzahl bei SOZPÄDAL für unter 25-Jährige um fünf Plätze auf 20 erhöht. Das Angebot der Heimstiftung Karlsruhe wurde um drei Plätze auf acht ausgeweitet. Vorrangiges Belegrecht haben junge Männer, die aus der Rüppurrer Straße 23 zugewiesen werden. Darüber hinaus wurde ein Teil der Lotsentätigkeit des Diakonischen Werkes auf unter 25-Jährige spezialisiert. Seit 2010 existiert in Karlsruhe eine Notunterkunft für junge Männer und seit 2011 Jahr eine Notunterkunft für junge Frauen. Dies sind Angebote der Heimstiftung Karlsruhe, die eng an die langjährig bestehende Beratungsstelle „Iglu“ für junge Wohnungslose angebunden sind. 7.2.1. NOKU: HEIMSTIFTUNG KARLSRUHE Seit 2010 besteht die Notschlafstelle NOKU in Trägerschaft der Heimstiftung Karlsruhe. Sie richtet sich an junge wohnungslose Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die ihren letzten Wohnsitz im Stadtbezirk von Karlsruhe hatten und nun akut oder erst seit kurzem wohnungslos sind. Die Einrichtung befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Anlaufstelle IGLU in der Adlerstraße 20 und verfügt über vier Einzelzimmer und ein Notbett. Zentrale Zielsetzung des Projekts ist die Vermeidung einer Chronifizierung von Wohnungslosigkeit. In den Jahren 2013 und 2014 wurden insgesamt 56 Personen in der NOKU aufgenommen und bei der Wohnungssuche unterstützt. Dort bekommen sie eine engmaschige Beratung, die zur Lösung ihrer persönlichen Probleme beitragen soll. Der pädagogische Aspekt besteht unter anderem im Vermitteln beziehungsweise im Erhalt einer Tagesstruktur und dient dazu, die im Durchschnitt 20-Jährigen auf ihre neue Situation, selbstständig und alleine zurecht zu kommen, vorzubereiten. Weitere wichtige Aufgaben der NOKU sind die Klärung der finanziellen Situation, der Umgang mit Behörden, sowie die Unterstützung bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive und eines realistischen Selbstbildes. Die Anzahl der Anfragen (98), ebenso wie die der Aufnahmen, waren in den vergangenen beiden Jahren leicht rückläufig. Möglicherweise liegen die Gründe zum einen darin, dass die NOKU seit Herbst 2013 nur noch Personen aufnehmen kann, die seit mindestens einem Jahr in Karlsruhe gemeldet sind. Zum anderen hat sich 2014 im Einzelfall die Verweildauer von Klienten etwas erhöht, wenn es eine weiterführende Wohnperspektive gab, die jedoch nicht innerhalb der achtwöchigen Frist umgesetzt werden konnte. 36 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Über die Fachstelle Wohnungssicherung und die Volkswohnung hatten alle Familien, die an diesem Angebot teilnahmen, die Zusicherung, möglichst rasch eine Wohnung beziehen zu können. Schwerpunkt in der Arbeit mit den Familien ist zunehmend das Thema Verarmung und finanzielle Probleme mit allen Auswirkungen auf die Familien und ihren Alltag. Weiterhin stellen die allein erziehenden Mütter mit ihren Kindern den größten Anteil der Teilnehmenden. Gerade sie finden sich meist durch Trennung und dadurch bedingten Wohnungsverlust in einer völlig neuen Situation wieder. Allein Erziehende sind im Gegensatz zu Familien mit zwei Elternteilen plötzlich oft völlig auf sich allein gestellt. Hier ist zunächst mehr Stärkung und Stabilisierung des verbliebenen Elternteils notwendig. Bei Familien mit Migrationshintergrund stellt zusätzlich häufig die Sprachbarriere eine nur schwer zu überwindende Schwierigkeit dar. Diese Familien haben meist nur wenig Kenntnisse, wie Systeme in Deutschland funktionieren, sei es in Bezug auf Behörden oder auch auf Schule und in vielen weiteren Bereichen des täglichen Lebens. Sie haben daher noch einen sehr viel höheren und intensiveren Informationsbedarf. Über nunmehr neun Jahre hinweg hat es sich gezeigt, dass das Konzept auch bei veränderten Bedingungen greift und Familien in unterschiedlichsten Ausprägungen damit in dauerhaftes Wohnen zurück finden können. 7.2. JUNGE ERWACHSENE WOHNUNGSLOSE Die Zahl der jungen Wohnungslosen unter 25 Jahren ist bundesweit gestiegen. In Karlsruhe lag der Anteil der jungen Wohnungslosen in den letzten beiden Jahren bei 18 Prozent der Untergebrachten und ist in 2014 mit 17,3 Prozent leicht gesunken. Trotz der prozentualen Abnahme hat sich die absolute Zahl der unter 25-Jährigen von 143 Personen im Jahr 2013 auf 155 Personen in 2014 aufgrund der höheren Zugangszahlen erhöht. Bei einer geschlechterdifferenzierten Betrachtung der Zielgruppe fällt auf, dass der Frauenanteil der unter 25-Jährigen im Vergleich zu 2013 im Jahr 2014 gestiegen ist. Im Jahr 2013 entsprach die Geschlechterproportion bei unter 25-Jährigen (33 Prozent Frauen, 67 Prozent Männer) fast prozentgenau derjenigen der Erwachsenen. Im Jahr 2014 lag der Anteil der weiblichen unter 25-Jährigen mit rund 39 Prozent nicht nur über dem Anteil der Altersklasse im Vorjahr, sondern auch um fünf Prozentpunkte über dem Anteil der erwachsenen wohnungslosen Frauen (34 Prozent). Als Ergebnis einer Befragung junger wohnungsloser Menschen durch die Fachstelle Wohnungssicherung wurde im Jahr 2013 ein seither regelmäßig statt findendes Netzwerktreffen ins Leben gerufen. Teilnehmende sind Vertreterinnen und Vertreter der Fachstelle Wohnungssicherung, des Sozialen Dienstes, des Jugendamtes, des Sozialamtes sowie Träger. Durch die Treffen sollen die Kontakte untereinander verbessert werden sowie auch einzelfallbezogene Problemlösungen aufgrund der schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Personengruppe gefunden werden, und schließlich dienen sie der Schnittstellenoptimierung. Im Betreuten Wohnen wurde aufgrund von Wohnungsangeboten der Träger und der gestiegenen Unterbringungszahlen die Platzzahl bei SOZPÄDAL für unter 25-Jährige um fünf Plätze auf 20 erhöht. Das Angebot der Heimstiftung Karlsruhe wurde um drei Plätze auf acht ausgeweitet. Vorrangiges Belegrecht haben junge Männer, die aus der Rüppurrer Straße 23 zugewiesen werden. Darüber hinaus wurde ein Teil der Lotsentätigkeit des Diakonischen Werkes auf unter 25-Jährige spezialisiert. Seit 2010 existiert in Karlsruhe eine Notunterkunft für junge Männer und seit 2011 Jahr eine Notunterkunft für junge Frauen. Dies sind Angebote der Heimstiftung Karlsruhe, die eng an die langjährig bestehende Beratungsstelle „Iglu“ für junge Wohnungslose angebunden sind. 7.2.1. NOKU: HEIMSTIFTUNG KARLSRUHE Seit 2010 besteht die Notschlafstelle NOKU in Trägerschaft der Heimstiftung Karlsruhe. Sie richtet sich an junge wohnungslose Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die ihren letzten Wohnsitz im Stadtbezirk von Karlsruhe hatten und nun akut oder erst seit kurzem wohnungslos sind. Die Einrichtung befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Anlaufstelle IGLU in der Adlerstraße 20 und verfügt über vier Einzelzimmer und ein Notbett. Zentrale Zielsetzung des Projekts ist die Vermeidung einer Chronifizierung von Wohnungslosigkeit. In den Jahren 2013 und 2014 wurden insgesamt 56 Personen in der NOKU aufgenommen und bei der Wohnungssuche unterstützt. Dort bekommen sie eine engmaschige Beratung, die zur Lösung ihrer persönlichen Probleme beitragen soll. Der pädagogische Aspekt besteht unter anderem im Vermitteln beziehungsweise im Erhalt einer Tagesstruktur und dient dazu, die im Durchschnitt 20-Jährigen auf ihre neue Situation, selbstständig und alleine zurecht zu kommen, vorzubereiten. Weitere wichtige Aufgaben der NOKU sind die Klärung der finanziellen Situation, der Umgang mit Behörden, sowie die Unterstützung bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive und eines realistischen Selbstbildes. Die Anzahl der Anfragen (98), ebenso wie die der Aufnahmen, waren in den vergangenen beiden Jahren leicht rückläufig. Möglicherweise liegen die Gründe zum einen darin, dass die NOKU seit Herbst 2013 nur noch Personen aufnehmen kann, die seit mindestens einem Jahr in Karlsruhe gemeldet sind. Zum anderen hat sich 2014 im Einzelfall die Verweildauer von Klienten etwas erhöht, wenn es eine weiterführende Wohnperspektive gab, die jedoch nicht innerhalb der achtwöchigen Frist umgesetzt werden konnte. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 37 Auffällig ist die steigende Zahl der Klienten, die wegen Wohnungsverlusten, oftmals in Kombination mit dem Abbruch von Jugendhilfeangeboten, in der NOKU aufgenommen wurden. Im Anschluss an die NOKU hatten 2013 etwas mehr als die Hälfte und 2014 sogar gut zwei Drittel eine recht sichere Wohnperspektive. Die Zahl der Anfragen lag nach wie vor deutlich über der Aufnahmekapazität der NOKU. 7.2.2. JUNO: HEIMSTIFTUNG KARLSRUHE Die Einrichtung Juno besteht nun seit 2011 in Trägerschaft der Heimstiftung Karlsruhe und wurde im letzten Jahr aus einer Spendenfinanzierung heraus vollständig in den Haushalt der Stadt übernommen. Junge wohnungslose Frauen nehmen das bestehende Hilfesystem oftmals noch weniger an als junge Männer und versuchen sich im Bekanntenkreis „durchzuschlagen“, wodurch nicht selten Abhängigkeitsverhältnisse eingegangen werden. Auch die besonderen sozialen Schwierigkeiten, mit denen die meisten von ihnen belastet sind, können so nicht behoben werden, und eine Chronifizierung der Wohnungslosigkeit wird begünstigt. Die Juno befindet sich in der Nähe von Iglu und NOKU und verfügt über vier Plätze in einem Doppelzimmer und zwei Einzelzimmern. Das Angebot gestaltet sich analog zur NOKU und steht jungen Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren aus Karlsruhe offen. Die Aufenthaltsdauer ist auf acht Wochen begrenzt, was sich jedoch aufgrund der schwierigen Wohnungssituation in Karlsruhe in einigen Fällen als zu knapp bemessene Frist erwiesen hat. Auch für eine Vermittlung in Jugendhilfe oder ins Betreute Wohnen muss häufig mit längeren Wartezeiten gerechnet werden. In den Jahren 2013 und 2014 gab es circa 74 Anfragen. 37 junge Frauen wurden aufgenommen. In fast zwei Dritteln der Fälle konnte Wohnraum gefunden werden oder es fand eine Vermittlung zurück ins Elternhaus oder ins Betreute Wohnen statt. Aufgrund veränderter Aufnahmekriterien gab es 2014 etwas weniger Aufnahmen im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass ein spezielles Angebot für junge, wohnungslose Frauen aufgrund der immer schwieriger werdenden Wohnraum-Situation und der prekären sozialen Rahmenbedingungen bedarfsentsprechend angenommen wird und somit weiterhin dringend erforderlich ist. 7.2.3. BETREUTES WOHNEN: HEIMSTIFTUNG KARLSRUHE Im Mai 2013 wurde das intensivere „Betreute Wohnen für junge erwachsene Wohnungslose“, als Ergänzung zur bestehenden Hilfe nach § 67 SGB XII, ins Leben gerufen. Ursache hierfür waren die konstant hohen Anzahl von unter 25-Jährigen, die in der Wohngruppe Adlerstraße und in den Außenstellen vorsprachen beziehungsweise bereits in Betreuung waren, die hohe Anzahl von unter 25-Jährigen im Wohnheim Rüppurrer Straße und die Tatsache, dass diese Zielgruppe eine intensivere beziehungsweise andere Form der Hilfe benötigt. Zunächst wurden fünf Plätze vereinbart, seit August 2014 wurde das Projekt auf acht Plätze erhöht. Der Zugang zum „Betreuten Wohnen für junge erwachsene Wohnungslose“ erfolgt ausschließlich über das Wohnheim Rüppurrer Straße. Im Jahr 2013 wurden insgesamt fünf junge Erwachsene betreut, einer musste aus disziplinarischen Gründen entlassen werden. Im Jahr 2014 wurden insgesamt zwölf junge erwachsene Wohnungslose betreut. Drei konnten erfolgreich in eigenen Wohnraum vermittelt werden, ein junger Wohnungsloser konnte in die reguläre Hilfe gemäß § 67 SGB XII überführt werden, einer begann eine Therapie, und ein junger Erwachsener wurde inhaftiert. Zwei junge Wohnungslose absolvieren mittlerweile ein Freiwilliges Soziales Jahr, einer konnte ein unbefristetes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis eingehen und einer konnte in ein befristetes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermittelt werden. Insgesamt zeigt sich deutlich, dass die Zielgruppe der jungen erwachsenen Wohnungslosen mit Hilfe einer intensiveren Betreuungsform gut erreicht werden kann und auch lebensnahe Perspektiven entwickelt. 7.2.4. WOHNEN 18+: SOZPÄDAL Wohnen 18+ mit seinem Angebot an Wohnraum und Begleitung richtet sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren in Wohnungsnot. Das Projekt versucht den Spagat zwischen dem großen Wunsch nach Selbständigkeit und dem Bedarf an Unterstützung zur Klärung der sozialen Schwierigkeiten der jungen Menschen. Für einen gelingenden Hilfeprozess ist es notwendig, die Besonderheiten dieser spezifischen Lebensphase in den Blick zu nehmen und diese sowohl bei der Auswahl von geeignetem Wohnraum, als auch im sozialpädagogischen Alltag zu berücksichtigen. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde 2014 eine Erhöhung der Platzzahlen vorgenommen. Durch den angespannten Wohnungsmarkt hat es die Gruppe der benachteiligten jungen Erwachsenen besonders schwer, an bezahlbaren Wohnraum zu kommen. Im Jahr 2014 nahmen 31 (28 in 2013) junge Menschen an Wohnen 18+ teil. Bei den Teilnehmenden handelte es sich um 13 (13 in 2013) junge Frauen und 18 (15 in 2013) junge Männer mit einem Altersdurchschnitt von 21,4 (20,7 in 2013) Jahren. 28 (23 in 213) junge Menschen wohnten in 38 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Wohnraum, der von SOZPÄDAL angemietet und mit einem Mietvertrag an die Teilnehmenden weitervermietet wurde. Drei (eine in 2013) junge Erwachsene wurden in eigenem Wohnraum durch Wohnen 18+ begleitet. Zum Zeitpunkt der Bewerbung waren neun (elf in 2013) Personen obdachlosenrechtlich untergebracht, davon vier (drei in 2013) Frauen in der Frauenpension. 14 (acht in 2013) junge Erwachsene befanden sich im Unterschlupf, drei (zwei in 2013) Teilnehmende kamen aus dem Elternhaus zu SOZPÄDAL, vier (vier in 2013) Personen waren zuvor in anderen Einrichtungen, und eine junge Frau wohnte zuvor in eigenem Wohnraum. Drei (einer in 2013) junge Erwachsene konnten über das Lotsenprojekt den Zugang zu Wohnen 18+ finden. Für neun (13 in 2013) junge Erwachsene endete 2014 die Teilnahme an Wohnen 18+. Bei sieben (acht in 2013) jungen Erwachsenen konnte der noch bestehende Unterstützungsbedarf durch „Wohnen intensiv“ (siehe Seite 22) abgedeckt werden. 7.3. PSYCHISCH KRANKE WOHNUNGSLOSE Wohnungslose Menschen mit einer psychischen Erkrankung können aufgrund der Öffnung für diesen Personenkreis adäquat im Betreuten Wohnen der Eingliederungshilfe nach § 53 SGB XII versorgt werden. Den psychisch kranken Menschen, die ihre Erkrankung nicht, oder noch nicht akzeptieren können und daher in der Wohnungslosenhilfe ihre Nische suchen, kann mit dem Sonderprogramm §§ 67/68 SGB XII auch die Hilfe angeboten werden, die ihrer Lebens- und Problemlage entspricht. Dies ist eine unverzichtbare Ergänzung zum Ambulant Betreuten Wohnen in der Eingliederungshilfe. 7.3.1. BETREUTES WOHNEN: AWO Siehe Kapitel 3.4.3 Betreutes Wohnen: AWO 7.3.2. BETREUTES WOHNEN: SOZPÄDAL Die Zielgruppe sind Menschen, bei denen eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht und die von Wohnungslosigkeit akut betroffen sind. Teilweise ist auch eine zusätzliche Suchterkrankung vorhanden. Neben der Wohnraumversorgung sind die Auseinandersetzung mit der Krankheit, der Kontakt zu Ärztinnen/Ärzten, Kliniken, Sozialdiensten und Betreuerinnen/Betreuern wichtige Themenfelder. Die Ängste der Menschen, sich ihrer Krankheit zu stellen, sind groß, medikamentöse Behandlungen werden aufgrund von schwierigen körperlichen Begleiterscheinungen häufig skeptisch gesehen oder abgelehnt. Termine bei Fachärztinnen und -ärzten sind häufig erst nach langen Wartezeiten zu erhalten. 12 Männer (neun in 2013) und 13 Frauen (13 in 2013) wurden im Rahmen der Wohnungslosenhilfe betreut. Die Betreuung war trotz schwieriger Rahmenbedingungen äußerst erfolgreich. Auch bei Beendigung des Betreuten Wohnens konnte die jeweils richtige Perspektive gefunden werden. Hilfreich war in Einzelfällen die Beratung in der Hilfeplankonferenz, verbunden mit der trägerübergreifenden gemeinsamen Suche nach Lösungen. 7.3.3. AUFSUCHENDE BETREUUNG FÜR WOHNUNGSLOSE PSYCHISCH KRANKE MENSCHEN: DIAKONISCHES WERK Auch in den Jahren 2013/14 konnte das seit 1. August 2007 bestehende Projekt erfolgreich fortgesetzt werden. Die Mitarbeitenden des Diakonischen Werks konnten in diesem Zeitraum Kontakt zu 22 Personen herstellen, die allein leben und psychisch krank sind und anhand ihrer vielfältigen Problematik in Unterkünften der Wohnungslosenhilfe untergebracht sind. Für elf Personen konnten tragfähige Lösungen gefunden werden: Fünf Personen wurden an das Appartementhaus des Diakonischen Werks Karlsruhe vermittelt. Ein Mann wurde im Rahmen der Eingliederungshilfe in betreute Wohngemeinschaften des Diakonischen Werks, ein anderer in betreute Wohngemeinschaften des bwlv aufgenommen. Eine weitere Person fand einen Wohnraum in einer Außenwohngruppe der Heimstiftung Karlsruhe. Eine Person konnte in ein stationäres Wohnheim für psychisch kranke Menschen vermittelt werden. Ein Mann steht bei einer Einrichtung in Offenburg auf der Warteliste und wird über Eingliederungshilfe bis zum Einzug vom Diakonischen Werk Karlsruhe weiter betreut. Von Vorteil ist hierbei sicherlich, dass das Diakonische Werk sechsmal in eigene betreute Wohnangebote vermitteln konnte. Bei elf Personen fand aus folgenden Gründen keine Vermittlung in eine andere Wohneinrichtung statt: Aufgrund von Umzug in eine Privatwohnung in ein anderes benachbartes Land, Verlassen von Karlsruhe ohne Angabe von Gründen und unbekanntem Ziel, Beendigung von Seiten der Teilnehmenden, längerer Unterbringung in der Forensik einer Psychiatrischen Klinik, oder aus anderen Gründen. Zum Jahreswechsel 2013/14 wurden zwei Personen begleitet. Eine davon stand bei der Heimstiftung Karlsruhe auf der 38 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Wohnraum, der von SOZPÄDAL angemietet und mit einem Mietvertrag an die Teilnehmenden weitervermietet wurde. Drei (eine in 2013) junge Erwachsene wurden in eigenem Wohnraum durch Wohnen 18+ begleitet. Zum Zeitpunkt der Bewerbung waren neun (elf in 2013) Personen obdachlosenrechtlich untergebracht, davon vier (drei in 2013) Frauen in der Frauenpension. 14 (acht in 2013) junge Erwachsene befanden sich im Unterschlupf, drei (zwei in 2013) Teilnehmende kamen aus dem Elternhaus zu SOZPÄDAL, vier (vier in 2013) Personen waren zuvor in anderen Einrichtungen, und eine junge Frau wohnte zuvor in eigenem Wohnraum. Drei (einer in 2013) junge Erwachsene konnten über das Lotsenprojekt den Zugang zu Wohnen 18+ finden. Für neun (13 in 2013) junge Erwachsene endete 2014 die Teilnahme an Wohnen 18+. Bei sieben (acht in 2013) jungen Erwachsenen konnte der noch bestehende Unterstützungsbedarf durch „Wohnen intensiv“ (siehe Seite 22) abgedeckt werden. 7.3. PSYCHISCH KRANKE WOHNUNGSLOSE Wohnungslose Menschen mit einer psychischen Erkrankung können aufgrund der Öffnung für diesen Personenkreis adäquat im Betreuten Wohnen der Eingliederungshilfe nach § 53 SGB XII versorgt werden. Den psychisch kranken Menschen, die ihre Erkrankung nicht, oder noch nicht akzeptieren können und daher in der Wohnungslosenhilfe ihre Nische suchen, kann mit dem Sonderprogramm §§ 67/68 SGB XII auch die Hilfe angeboten werden, die ihrer Lebens- und Problemlage entspricht. Dies ist eine unverzichtbare Ergänzung zum Ambulant Betreuten Wohnen in der Eingliederungshilfe. 7.3.1. BETREUTES WOHNEN: AWO Siehe Kapitel 3.4.3 Betreutes Wohnen: AWO 7.3.2. BETREUTES WOHNEN: SOZPÄDAL Die Zielgruppe sind Menschen, bei denen eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht und die von Wohnungslosigkeit akut betroffen sind. Teilweise ist auch eine zusätzliche Suchterkrankung vorhanden. Neben der Wohnraumversorgung sind die Auseinandersetzung mit der Krankheit, der Kontakt zu Ärztinnen/Ärzten, Kliniken, Sozialdiensten und Betreuerinnen/Betreuern wichtige Themenfelder. Die Ängste der Menschen, sich ihrer Krankheit zu stellen, sind groß, medikamentöse Behandlungen werden aufgrund von schwierigen körperlichen Begleiterscheinungen häufig skeptisch gesehen oder abgelehnt. Termine bei Fachärztinnen und -ärzten sind häufig erst nach langen Wartezeiten zu erhalten. 12 Männer (neun in 2013) und 13 Frauen (13 in 2013) wurden im Rahmen der Wohnungslosenhilfe betreut. Die Betreuung war trotz schwieriger Rahmenbedingungen äußerst erfolgreich. Auch bei Beendigung des Betreuten Wohnens konnte die jeweils richtige Perspektive gefunden werden. Hilfreich war in Einzelfällen die Beratung in der Hilfeplankonferenz, verbunden mit der trägerübergreifenden gemeinsamen Suche nach Lösungen. 7.3.3. AUFSUCHENDE BETREUUNG FÜR WOHNUNGSLOSE PSYCHISCH KRANKE MENSCHEN: DIAKONISCHES WERK Auch in den Jahren 2013/14 konnte das seit 1. August 2007 bestehende Projekt erfolgreich fortgesetzt werden. Die Mitarbeitenden des Diakonischen Werks konnten in diesem Zeitraum Kontakt zu 22 Personen herstellen, die allein leben und psychisch krank sind und anhand ihrer vielfältigen Problematik in Unterkünften der Wohnungslosenhilfe untergebracht sind. Für elf Personen konnten tragfähige Lösungen gefunden werden: Fünf Personen wurden an das Appartementhaus des Diakonischen Werks Karlsruhe vermittelt. Ein Mann wurde im Rahmen der Eingliederungshilfe in betreute Wohngemeinschaften des Diakonischen Werks, ein anderer in betreute Wohngemeinschaften des bwlv aufgenommen. Eine weitere Person fand einen Wohnraum in einer Außenwohngruppe der Heimstiftung Karlsruhe. Eine Person konnte in ein stationäres Wohnheim für psychisch kranke Menschen vermittelt werden. Ein Mann steht bei einer Einrichtung in Offenburg auf der Warteliste und wird über Eingliederungshilfe bis zum Einzug vom Diakonischen Werk Karlsruhe weiter betreut. Von Vorteil ist hierbei sicherlich, dass das Diakonische Werk sechsmal in eigene betreute Wohnangebote vermitteln konnte. Bei elf Personen fand aus folgenden Gründen keine Vermittlung in eine andere Wohneinrichtung statt: Aufgrund von Umzug in eine Privatwohnung in ein anderes benachbartes Land, Verlassen von Karlsruhe ohne Angabe von Gründen und unbekanntem Ziel, Beendigung von Seiten der Teilnehmenden, längerer Unterbringung in der Forensik einer Psychiatrischen Klinik, oder aus anderen Gründen. Zum Jahreswechsel 2013/14 wurden zwei Personen begleitet. Eine davon stand bei der Heimstiftung Karlsruhe auf der SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 39 Warteliste für betreute Wohngemeinschaften. Die andere Person nutzte die Gespräche für die Entwicklung einer Zukunftsperspektive. Es bestätigte sich, dass bei stark ausgeprägten unbehandelten psychischen Erkrankungen das erste Ziel sein muss, die Menschen zu einer zumindest minimalen ärztlichen Behandlung zu bewegen. Wo dies gelingt, können weitere Ziele erreicht werden, wo dies scheitert, ist es häufig nicht möglich, eine erfolgreiche Vermittlung zu erreichen. 7.3.4. APPARTEMENTHAUS RÜPPURRER STRAßE 56: DIAKONISCHES WERK Das Appartementhaus bietet auf zwei Wohnetagen 16 Appartement-Wohnmöglichkeiten für erwachsene, obdachlose, psychisch kranke Menschen (je eine Etage für acht Frauen und acht Männer), die über die Fachstelle Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde der Stadt Karlsruhe vermittelt und finanziert werden. Alle Appartements sind mit Kochnische und Nasszelle ausgestattet. Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern wird ein Miet- und ein Betreuungsvertrag abgeschlossen. Der Mietvertrag ist an den Betreuungsvertrag gekoppelt, das bedeutet: Ohne Betreuung ist ein Wohnen im Appartementhaus nicht möglich. Von den 16 Bewohnerinnen und Bewohnern wohnten im Dezember 2014 drei länger als sechs Jahre im Appartementhaus. Seit dieser Zeit wurden vier Bewohnerinnen und Bewohner gekündigt, ein Bewohner musste eine Gefängnisstrafe antreten und eine Bewohnerin wurde in eine andere Wohnform entlassen. Die Kündigung der Bewohnerinnen und Bewohner erfolgte aufgrund grober Regelverstöße, Gewalt und Beschwerden der Nachbarn. Viele der Bewohnerinnen und Bewohner sind stark chronifiziert, und die Alltagskompetenzen lassen immer stärker nach. Dies trifft vor allem auf Bewohnerinnen und Bewohner zu, die schon eine recht lange Zeit dort wohnen und auch schon in einem fortgeschrittenen Alter sind. Der Fokus des Appartementhauses hat sich deshalb dahingehend verändert, den Verbleib im Appartementhaus weiterhin zu sichern. Bei zwei Bewohnerinnen und Bewohnern wurde deshalb eine externe Haushaltshilfe installiert. Nach dem Motto: „Was kann ich mit meiner Beeinträchtigung noch vom Leben erwarten?“ versuchen die Bewohnerinnen und Bewohner in Einzelgesprächen und in der Gruppe zu überlegen, was das Leben noch zu bieten hat. Dies orientiert sich an den individuellen Besonderheiten der verschiedenen Bewohnerinnen und Bewohner und berücksichtigt die großen Ängste, die insbesondere chronisch psychisch Kranke mit oft sehr schwierigen Lebensläufen haben. Trotz der sehr niedrigschwelligen Arbeit erreicht das Appartementhaus dann seine Grenzen, wenn aufgrund der Schwere der Erkrankung und dem physischen und psychischen Abbau keine Betreuung mehr möglich ist, der zu Verfügung gestellte Wohnraum zu stark vernachlässigt wird, Hausregeln missachtet und Nachbarn massiv gestört werden. 7.3.5. AMBULANT BETREUTES WOHNEN: BADISCHER LANDESVEREIN FÜR INNERE MISSION Das Ambulant Betreute Wohnen für Menschen mit psychischer Erkrankung des Badischen Landesvereins für Innere Mission (BLV) bietet für maximal fünf wohnungslose Menschen Ambulant Betreutes Wohnen an und schafft damit eine niedrigschwellige Schnittstelle zwischen den Hilfesystemen der Wohnungslosen-, Suchtkranken- und Eingliederungshilfe. Das Angebot richtet sich an wohnungslose Frauen und Männer, bei denen gleichzeitig psychische Auffälligkeiten, psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme bestehen, die aber (noch) nicht bereit oder fähig sind, die entsprechenden weiterführenden fachlichen Hilfen in Anspruch zu nehmen. Das Leistungsangebot umfasst alle Hilfen des betreuten Wohnens nach §§ 67 ff SGB XII. Es umfasst auch die Motivationsarbeit zu fachärztlicher Behandlung, Krisenintervention sowie Angebot oder Vermittlung in tagesstrukturierende Hilfe oder Hilfen im Bereich der Beschäftigung. Der BLV stellt den Klientinnen und Klienten bei Bedarf möblierte Zimmer zur Verfügung und schließt mit ihnen Wohn- und Betreuungsverträge ab. In Absprache mit der Fachstelle Wohnungssicherung kann die Betreuung schon im Vorfeld einer möglichen Aufnahme als aufsuchende Hilfe erfolgen, zum Beispiel in einem Hotel oder einer Wohnungsloseneinrichtung. Im Berichtszeitraum wurden zwei Personen betreut. Eine Person konnte nach der Vermittlung und Sicherung des Wohnraums in die Eingliederungshilfe wechseln und dort weiter betreut werden. Der andere Klient benötigte viel Zeit für den Aufbau einer tragfähigen und vertrauensvollen Beziehung, sodass erst nach und nach erste Ziele erreicht werden konnten. Die Betreuung wurde daher auch nach dem Berichtszeitraum fortgesetzt. Eine große Schwierigkeit in der Betreuung ist die Vermittlung in bezahlbaren und bewohnbaren Wohnraum. Oft sind die in Karlsruhe angebotenen Wohnungen überteuert und für Menschen mit Grundsicherungs- oder ALG II-Bezug nicht bezahlbar. Auch befinden sich einzelne Wohnungen in baulich schlechtem Zustand oder sind gesundheitsgefährdend, zum Beispiel aufgrund von Schimmelbildung. Daher hat der BLV auch im Jahr 2014 Wohnraum aus dem eigenen Bestand an Personen weiter vermietet, die auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben, bezahlbaren Wohnraum anzumieten. 40 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 7.4. MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND Wie bereits in Kapitel 3.1 beschrieben wurde, nimmt der Anteil der wohnungslosen Personen mit Migrationshintergrund seit Jahren kontinuierlich zu. Neben Sprachbarrieren, die eine Suche auf dem engen Wohnungsmarkt deutlich beeinträchtigen, können ausländerrechtliche oder konsularische Probleme den Integrationsprozess und die Wohnungssuche erschweren, zum Beispiel aufgrund von ungeklärtem Aufenthaltsstatus. Um wohnungslose Menschen mit Migrationsgeschichte, bei denen besondere soziale Schwierigkeiten vorliegen, gezielt und bedarfsgerecht bei der Wohnungssuche zu unterstützen, hat die Fachstelle Wohnungssicherung seit 1. Februar 2013 das Institut für transkulturelle Lösungen (ITL) mit aufsuchender sozialpädagogischer Betreuung beauftragt. Das Angebot ist analog des Programms „Lotsen aus der Wohnungslosigkeit“ gestaltet. In der Pilotphase wurde die Hilfe fünf Personen, die von der Stadt obdachlosenrechtlich untergebracht waren, angeboten. Im Idealfall soll Wohnraum vermittelt werden und die ersten Schritte zum dauerhaften Erhalt eingeleitet werden. Darüber hinaus sollen die Klienten bedarfsgerecht an bestehende Angebote außerhalb der Wohnungslosenhilfe weiter vermittelt werden. Im Jahr 2014 wurden über das Projekt zwölf Personen betreut. Für zwei Personen wurde das Projekt vorzeitig beendet, da keine Kontaktaufnahme (mehr) möglich war. Von den verbliebenen fünf Teilnehmenden, für die das Projekt im Jahr 2014 abgeschlossen wurde, konnten vier in geeignete Hilfen wie zum Beispiel in das Betreute Wohnen oder ins Pflegeheim vermittelt werden. Ein Teilnehmer musste eine Haftstrafe antreten. Fünf Teilnehmende wurden über das Jahr 2014 hinaus weiter betreut. 40 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 7.4. MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND Wie bereits in Kapitel 3.1 beschrieben wurde, nimmt der Anteil der wohnungslosen Personen mit Migrationshintergrund seit Jahren kontinuierlich zu. Neben Sprachbarrieren, die eine Suche auf dem engen Wohnungsmarkt deutlich beeinträchtigen, können ausländerrechtliche oder konsularische Probleme den Integrationsprozess und die Wohnungssuche erschweren, zum Beispiel aufgrund von ungeklärtem Aufenthaltsstatus. Um wohnungslose Menschen mit Migrationsgeschichte, bei denen besondere soziale Schwierigkeiten vorliegen, gezielt und bedarfsgerecht bei der Wohnungssuche zu unterstützen, hat die Fachstelle Wohnungssicherung seit 1. Februar 2013 das Institut für transkulturelle Lösungen (ITL) mit aufsuchender sozialpädagogischer Betreuung beauftragt. Das Angebot ist analog des Programms „Lotsen aus der Wohnungslosigkeit“ gestaltet. In der Pilotphase wurde die Hilfe fünf Personen, die von der Stadt obdachlosenrechtlich untergebracht waren, angeboten. Im Idealfall soll Wohnraum vermittelt werden und die ersten Schritte zum dauerhaften Erhalt eingeleitet werden. Darüber hinaus sollen die Klienten bedarfsgerecht an bestehende Angebote außerhalb der Wohnungslosenhilfe weiter vermittelt werden. Im Jahr 2014 wurden über das Projekt zwölf Personen betreut. Für zwei Personen wurde das Projekt vorzeitig beendet, da keine Kontaktaufnahme (mehr) möglich war. Von den verbliebenen fünf Teilnehmenden, für die das Projekt im Jahr 2014 abgeschlossen wurde, konnten vier in geeignete Hilfen wie zum Beispiel in das Betreute Wohnen oder ins Pflegeheim vermittelt werden. Ein Teilnehmer musste eine Haftstrafe antreten. Fünf Teilnehmende wurden über das Jahr 2014 hinaus weiter betreut. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 41 8. ARBEIT, BESCHÄFTIGUNG, AKTIVIERUNG 8.1. LEISTUNGEN NACH DEM SOZIALGESETZBUCH II (SGB II) Neben den laufenden Leistungen zur Bestreitung des Lebensunterhalts stellen die Leistungen bei der Anmietung einer Wohnung einen Schwerpunkt der Tätigkeit des SGB II- Teams (Team 310) für wohnungslose Menschen dar. Trotz des schlechten Wohnungsmarktes konnten Wohnungsanmietungen finanziell ermöglicht werden, im Schnitt 22 pro Monat. Bei diesen Anmietungen handelt es sich zum einen um Wohnungsvermittlungen durch die Fachstelle beziehungsweise durch die von ihr beauftragten Träger. Zum anderen handelt es sich um Wohnungen, die selbständig von den Leistungsbeziehenden akquiriert werden. Insbesondere Alleinlebende mieten oft Wohnungen an, deren Vermittlung von der Fachstelle zum Beispiel aufgrund des Zustands nicht unterstützt würde. Rechtlich besteht jedoch zumeist keine Möglichkeit, sie abzulehnen. Leider hat dies zur Folge, dass die Anmietung oft nicht zu einer Nachhaltigkeit führt und kurzfristig erneute Wohnungslosigkeit entsteht. Viele wohnungslose Menschen sind bereit, auch Wohnungen in schlechtem Zustand anzumieten, da sie sonst keine Chancen auf dem Wohnungsmarkt sehen. Um den Zugang zu Wohnungen mit normalen Standards zu öffnen, werden Maklergebühren großzügig genehmigt. Insgesamt gibt es im Team 310 die höchste Fluktuation an Kundschaft im Vergleich zu allen anderen Jobcenter-Teams sowie die höchste Anzahl an Personen, die einen Neuantrag für Leistungen nach dem SGB II stellen. Auffallend ist insbesondere beim Leistungsbezug der unter 25-Jährigen, dass viele nicht obdachlosenrechtlich untergebracht sind, sondern ohne festen Wohnsitz bei wechselnden Bekannten übernachten. Durchschnittlich werden vom SGB II-Team 310 140 bis 150 unter 25-Jährige betreut, mehr als von jedem anderen SGB II-Team. Trotz der prekären Lebenslagen der jungen Menschen, ist das SGB II-Team im Bereich der Arbeitsvermittlung erfolgreich. Insbesondere die Projekte Esperanza und LaBOR sind hierbei eine wertvolle Unterstützung. Durch frei gewordene Eingliederungsmittel des Jobcenters gelang es Ende 2014, eine neue Maßnahme speziell für wohnungslose Menschen in Kooperation mit SOZPÄDAL zu starten (siehe Kapitel 8.5). Im Jahr 2013 gelang es, 13,4 Prozent aller Fälle in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, im Jahr 2014 waren es 16,5 Prozent. 8.2. ARBEITS- UND BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT „ESPERANZA“: HEIMSTIFTUNG Das Arbeits- und Beschäftigungsprojekt Esperanza mit seinem lebenspraktischen Ansatz war 2014 fast durchgängig voll belegt. Es besteht nach wie vor eine Warteliste. Das niedrigschwellige Angebot mit unterschiedlichen, einfachen Tätigkeiten bietet einen guten Einstieg in Beschäftigung, da viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine oder eine abgebrochene Schul- beziehungsweise Berufsausbildung haben und oft jahrelang nicht mehr in einem festen Rhythmus beschäftigt waren. 19 Plätze stehen bereit, der jährliche Durchlauf beträgt circa 44 Teilnehmende. Aktuell sind von den 19 Teilnehmenden fünf auf Wohnungssuche, die anderen hatten entweder bei Eintritt bereits eine Wohnmöglichkeit gefunden oder wurden über die sozialarbeiterische Begleitung an betreute Wohneinrichtungen und/oder eigene Wohnungen vermittelt. Auch die Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung war im Jahr 2014 erfolgreicher als zuvor. Dies lag unter anderem an der Vermittlung in das Projekt Zweite Chance des Jobcenters. Aber auch über die kommunale Beschäftigungsförderung des Gesamtkonzepts Arbeit konnten weitere sechs Teilnehmende beschäftigt werden. Wie im Vorjahr konnten vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vermittelt werden. Ein Teilnehmer besucht nebenbei noch eine Schule, zwei sind aktiv auf Ausbildungsplatzsuche. Der Anteil an jungen Teilnehmenden und derer, die älter sind und mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen direkt von der Straße kommen, ist in 2014 weiter gestiegen, so dass eine Vermittlung in Arbeit zunehmend schwerer wird. Die Unterstützung bei Grundproblemen, wie einen Schlafplatz finden, Duschen, frische Kleidung besorgen, Wäsche waschen, medizinische Versorgung etc. ist sehr aufwändig und im Rahmen eines Beschäftigungsprojektes kaum zu leisten. Hier wird auf das Karlsruher Hilfesystem verwiesen. Das Frühstücks- und Mittagessenangebot wird von allen gerne genutzt, wie auch die Möglichkeiten, Unterstützung bei der Wohnungssuche, der Einrichtung und dem Umzug zu erhalten. 42 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 8.3. ARBEITS- UND BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT: AWO Das AWO Arbeitsprojekt bietet Beschäftigungs- und Tagesstrukturangebote mit Hinzuverdienstmöglichkeit für Menschen mit körperlichen, psychischen und geistigen Handicaps aber auch mit sozialen Benachteiligungen wie zum Beispiel Wohnungslosigkeit. Das Projekt kann etwa 240 Teilnehmende im Rahmen folgender Angebote beschäftigen:  Arbeitsgelegenheiten nach § 16 d SGB II,  tagesstrukturierende Maßnahmen nach § 16a SGB II im Rahmen der kommunalen Beschäftigungsangebote „KommBe“,  Beschäftigungsangebote nach § 11 SGB XII,  Tagesstrukturangebote im Rahmen der Eingliederungshil- fe nach dem SGB XII  über den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördertes Projekt „AWOrks“. Das Projekt hat folgende Ziele:  Psychosoziale Stabilisierung durch Tagesstrukturierung, Teilhabe am Arbeitsleben, soziale Kontakte und Hinzuverdienstmöglichkeit,  Sicherung beziehungsweise (Wieder-)Herstellung der Arbeitsfähigkeit,  Erlernen/Verbessern von Grundarbeitsfertigkeiten und sozialen Kompetenzen,  Unterstützung bei der Berufsorientierung und Berufsfin- dung. Das Arbeitsprojekt schafft Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Fähigkeiten, Ressourcen und beruflichen Zukunftsplänen der Projektteilnehmenden entsprechen und gleichzeitig ihre Einschränkungen berücksichtigen. Durch die verschiedenen Einsatzbereiche auf unterschiedlichem Leistungsniveau wird der großen Nachfrage nach Beschäftigung von Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps in Karlsruhe Rechnung getragen. Das Arbeitsprojekt verfügt über folgende projekteigene Arbeitsbereiche: Helferservice (handwerklicher Bereich), Fahrdienst, Werkstatt (einfache Montage-, Holz- und Kreativarbeiten) und Nähstube. Darüber hinaus kann auf eine Vielzahl unterschiedlicher Einsatzstellen innerhalb der AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH und bei kooperierenden Vereinen zurückgegriffen werden. 8.4. BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT LABOR FÜR JUNGE ERWACHSENE IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL Das seit 2010 bestehende Projekt LaBOR ist ein niedrigschwellig konzipiertes Arbeits- und Beschäftigungsprojekt für 15 junge, wohnungslose Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren mit multiplen Vermittlungshemmnissen für den Arbeitsmarkt. Ziel des Projekts ist es, eine flexible, individuell ausgerichtete Förderung anzubieten, die eine schrittweise Annäherung an die Anforderungen des realen Arbeitslebens unter Berücksichtigung der besonderen individuellen Lebenssituation darstellt. In enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Stadt Karlsruhe erhalten 15 junge Menschen eine individuell ausgerichtete Förderung. Unter Berücksichtigung der prekären Lebenssituation der jungen Menschen werden im Projekt Basiskompetenzen für ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis, sowie grundlegende soziale Kompetenzen geübt. In der Projektwerkstatt erproben die Teilnehmenden in verschiedenen Arbeitsbereichen eigene Stärken und Vorlieben. Neben der Arbeitsförderung erhalten die jungen Menschen im LaBOR sozialpädagogische Unterstützung zur Klärung ihrer Lebenslage. Im Jahr 2014 haben 37 (33 in 2013) junge Menschen am Projekt teilgenommen. Die Niedrigschwelligkeit des Projekts macht es möglich, mit einer Zielgruppe in Kontakt zu kommen, die aufgrund ihrer prekären Lebenssituation in bestehenden Hilfeangeboten nicht ankommt und in der Folge geringe Chancen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt hat. So berichten beispielsweise 51 Prozent der Teilnehmenden bei Beginn im Projekt von einer abgebrochenen Ausbildung. Durch sozialpädagogische Begleitung der jungen Menschen gelingt es, soziale Probleme zu verringern und Lernfortschritte bezüglich der Anforderungen des Arbeitsmarktes anzustoßen. Für 25 (21 in 2013) Teilnehmende endete 2014 die Teilnahme. Von zehn jungen Menschen, die bei Zuweisung wohnungslos waren, konnte bei fünf (fünf in 2013) jungen Erwachsenen die Wohnungslosigkeit beendet werden. Neun (sieben in 2013) junge Menschen wurden durch Wohnen 18+ von SOZPÄDAL begleitet. 42 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 8.3. ARBEITS- UND BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT: AWO Das AWO Arbeitsprojekt bietet Beschäftigungs- und Tagesstrukturangebote mit Hinzuverdienstmöglichkeit für Menschen mit körperlichen, psychischen und geistigen Handicaps aber auch mit sozialen Benachteiligungen wie zum Beispiel Wohnungslosigkeit. Das Projekt kann etwa 240 Teilnehmende im Rahmen folgender Angebote beschäftigen:  Arbeitsgelegenheiten nach § 16 d SGB II,  tagesstrukturierende Maßnahmen nach § 16a SGB II im Rahmen der kommunalen Beschäftigungsangebote „KommBe“,  Beschäftigungsangebote nach § 11 SGB XII,  Tagesstrukturangebote im Rahmen der Eingliederungshil- fe nach dem SGB XII  über den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördertes Projekt „AWOrks“. Das Projekt hat folgende Ziele:  Psychosoziale Stabilisierung durch Tagesstrukturierung, Teilhabe am Arbeitsleben, soziale Kontakte und Hinzuverdienstmöglichkeit,  Sicherung beziehungsweise (Wieder-)Herstellung der Arbeitsfähigkeit,  Erlernen/Verbessern von Grundarbeitsfertigkeiten und sozialen Kompetenzen,  Unterstützung bei der Berufsorientierung und Berufsfin- dung. Das Arbeitsprojekt schafft Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Fähigkeiten, Ressourcen und beruflichen Zukunftsplänen der Projektteilnehmenden entsprechen und gleichzeitig ihre Einschränkungen berücksichtigen. Durch die verschiedenen Einsatzbereiche auf unterschiedlichem Leistungsniveau wird der großen Nachfrage nach Beschäftigung von Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps in Karlsruhe Rechnung getragen. Das Arbeitsprojekt verfügt über folgende projekteigene Arbeitsbereiche: Helferservice (handwerklicher Bereich), Fahrdienst, Werkstatt (einfache Montage-, Holz- und Kreativarbeiten) und Nähstube. Darüber hinaus kann auf eine Vielzahl unterschiedlicher Einsatzstellen innerhalb der AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH und bei kooperierenden Vereinen zurückgegriffen werden. 8.4. BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT LABOR FÜR JUNGE ERWACHSENE IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL Das seit 2010 bestehende Projekt LaBOR ist ein niedrigschwellig konzipiertes Arbeits- und Beschäftigungsprojekt für 15 junge, wohnungslose Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren mit multiplen Vermittlungshemmnissen für den Arbeitsmarkt. Ziel des Projekts ist es, eine flexible, individuell ausgerichtete Förderung anzubieten, die eine schrittweise Annäherung an die Anforderungen des realen Arbeitslebens unter Berücksichtigung der besonderen individuellen Lebenssituation darstellt. In enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Stadt Karlsruhe erhalten 15 junge Menschen eine individuell ausgerichtete Förderung. Unter Berücksichtigung der prekären Lebenssituation der jungen Menschen werden im Projekt Basiskompetenzen für ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis, sowie grundlegende soziale Kompetenzen geübt. In der Projektwerkstatt erproben die Teilnehmenden in verschiedenen Arbeitsbereichen eigene Stärken und Vorlieben. Neben der Arbeitsförderung erhalten die jungen Menschen im LaBOR sozialpädagogische Unterstützung zur Klärung ihrer Lebenslage. Im Jahr 2014 haben 37 (33 in 2013) junge Menschen am Projekt teilgenommen. Die Niedrigschwelligkeit des Projekts macht es möglich, mit einer Zielgruppe in Kontakt zu kommen, die aufgrund ihrer prekären Lebenssituation in bestehenden Hilfeangeboten nicht ankommt und in der Folge geringe Chancen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt hat. So berichten beispielsweise 51 Prozent der Teilnehmenden bei Beginn im Projekt von einer abgebrochenen Ausbildung. Durch sozialpädagogische Begleitung der jungen Menschen gelingt es, soziale Probleme zu verringern und Lernfortschritte bezüglich der Anforderungen des Arbeitsmarktes anzustoßen. Für 25 (21 in 2013) Teilnehmende endete 2014 die Teilnahme. Von zehn jungen Menschen, die bei Zuweisung wohnungslos waren, konnte bei fünf (fünf in 2013) jungen Erwachsenen die Wohnungslosigkeit beendet werden. Neun (sieben in 2013) junge Menschen wurden durch Wohnen 18+ von SOZPÄDAL begleitet. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 43 8.5. PLAN B: SOZPÄDAL In Kooperation mit dem Jobcenter Stadt Karlsruhe startete SOZPÄDAL im November 2014 das Projekt Plan B. Plan B richtet sich an Menschen, die wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind und beim Jobcenter Stadt Karlsruhe einen Antrag auf Arbeitslosengeld II stellen. In den neuen Räumlichkeiten am Werderplatz erhalten Menschen jeden Alters Unterstützung bei der Beantragung von Arbeitslosengeld II und sonstigen Sozialleistungen, Hilfestellungen bei der Sicherung ihres Lebensunterhalts (zum Beispiel bei Behördenkontakten und Schriftverkehr) und Unterstützung bei der Klärung der aktuellen Lebenssituation, insbesondere der Arbeits- und Wohnperspektive. In enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen des Jobcenters der Fachstelle Wohnungssicherung wird im ersten Schritt eine zeitnahe Beantragung von Arbeitslosengeld II sichergestellt. Plan B verhilft Menschen in unsicheren Lebenssituationen mit sozialpädagogischer Unterstützung und der Entwicklung eines individuellen „Plan B“ zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe. 8.6. TAFF – ARBEITEN UND QUALIFIZIEREN: SOZPÄDAL Am Angebot „Arbeiten und Qualifizieren“ nahmen 2014 55 Frauen teil (56 in 2013), 17 Frauen (18) kamen neu in das Projekt. Im Vordergrund steht, den Teilnehmerinnen eine Tagesstruktur zu bieten, das Selbstwertgefühl aufzubauen, Ressourcen zu erkennen und zu fördern. Sowohl die praktische als auch die theoretische Qualifizierung setzt an den „verschütteten“ Kenntnissen der Frauen an und fördert sie individuell. Ein wichtiges Angebot sind die auf neun begrenzten Plätze, die über das kommunale Programm „Proaktive Arbeitsplatzsuche – Psychosoziale Betreuung zur Tagesstrukturierung nach § 16 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 SGB II“ finanziert werden. Es wird vor allem Frauen mit höheren Ressourcen angeboten, und es besteht ein enger Kontakt zu den Ansprechpersonen des Jobcenters. Die Lebenslage der Frauen wird geprägt von Wohnungslosigkeit/prekären Wohnverhältnissen, Langzeitarbeitslosigkeit sowie von Bildungs- und Ausbildungsdefiziten. Die Frauen sind zusätzlich durch Suchtprobleme oder psychische Beeinträchtigungen/ Erkrankungen und schwierige familiäre Situationen belastet. Eine Arbeitsperspektive könnten sie nur auf einem entsprechend ausgestalteten sozialen Arbeitsmarkt entwickeln. Frauen mit einem entsprechenden Maß an Einschränkungen konnten darin begleitet werden, in das angemessenere Leistungsgesetz (vom SGB II ins SGB XII) übergeleitet zu werden. 8.7. WOHNUNGSAKQUISE UND SANIERUNG: SOZPÄDAL Acht Wohnungen für 16 Personen konnten 2013 und 2014 mit Hilfe städtischer Mittel saniert und damit für Wohnungslose auf mindestens zehn Jahre gesichert werden. Das Wohnungsakquise-Programm war bisher sehr erfolgreich und ist als wichtige Ergänzung des Hilfesystems nicht mehr weg zu denken. Seit 2009 kann SOZPÄDAL, neben dem neu akquirierten Wohnraum, auch bereits länger angemietete Wohnungen in einen besseren Zustand versetzen. Dies erfolgt mit Hilfe eines Zuschusses aus freiwilligen Leistungen der Stadt Karlsruhe für einen Anleiter im Sanierungsprojekt. In Mehrzimmerwohnungen mit gemeinschaftlicher Nutzung von Küche und Sanitärräumen besteht häufig ein hoher Renovierungsbedarf, dem in gemeinsamer Arbeit mit den Mieterinnen und Mietern abgeholfen werden kann. Es entsteht ein anderes Verhältnis zum Wohnraum, und die Identifikation mit der Wohnung führt zu einem pfleglicheren Wohnen. Mit der Schaffung des Kommunalen Beschäftigungsprogrammes konnten zwei Langzeitarbeitslose im Arbeitsprojekt „Mobile Mieterhilfe“ beschäftigt werden. Bei der „Mobilen Mieterhilfe“ handelt es sich um eine Hausmeisterdienstleistung für Mieterinnen und Mieter von SOZPÄDAL, die aufgrund ihrer prekären sozialen, finanziellen und gesundheitlichen Situation einfache Arbeiten in der Wohnung und im Haushalt nicht mehr übernehmen können und auf Unterstützung angewiesen sind. 8.8. STREETWORK: DIAKONISCHES WERK Auch die durch Streetwork betreuten Menschen verfügen über Ressourcen, die sie zu einer aktiven Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft befähigen. Die Straßensozialarbeit macht deshalb Basisaktivierungsangebote für diese besonders benachteiligte Zielgruppe. Zusammen mit diversen Kooperationspartnern werden temporäre Einzelprojekte durchgeführt. Außerdem werden ein Sportangebot (Straßenfußball) und weitere Freizeitmaßnahmen sowie dauerhafte, zusätzliche und im öffentlichen Interesse liegende Service-Dienste im Gemeinwesen organisiert. Der Zugang zu diesen Angeboten ist niedrigschwellig. Je nach Leistungsfähigkeit und den sozialen Kompetenzen steht entweder der Beschäftigungsaspekt oder die psychosoziale 44 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Betreuung im Vordergrund. Wegen der Kürzungen im Bereich der Arbeitsgelegenheiten konnten in 2013 nur noch 16 Personen (2012: 27 Personen) in den verschiedenen Maßnahmen beschäftigt werden. 2014 wurden diese Beschäftigungsangebote der Straßensozialarbeit in das neue Projekt „AQua“ (Arbeit+Qualifizierung) überführt. Nach Auslaufen der Förderung durch den Europäischen Sozialfonds werden diese Beschäftigungsmaßnahmen ab 2015 wieder von den Streetworkern betreut. Neben den Teilnehmenden in den Beschäftigungsmaßnahmen konnten zahlreiche weitere Klientinnen und Klienten über die temporären Projekte im Stadtteil sowie diverse Freizeitmaßnahmen erreicht und aktiviert werden. Höhepunkt war die „Deutsche Meisterschaft der Wohnungslosen im Straßenfußball 2014“, die vom Diakonischen Werk und der Heimstiftung in Karlsruhe organisiert wurde. Neben 20 aktiven Sportlern waren auch circa 50 weitere Personen aus dem Klientenkreis der Streetworker als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer an der Durchführung der Veranstaltung beteiligt. Die Zielgruppen der Straßensozialarbeit und andere benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind durchaus motiviert, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben. In Karlsruhe wurde dieser Bedarf erkannt, und es wurden im Rahmen des Gesamtkonzepts Arbeit zusätzliche Arbeitsgelegenheiten geschaffen (Kommunale Beschäftigung). 9. HILFEN FÜR WOHNGEBIETE MIT BESONDEREM UNTERSTÜTZUNGSBEDARF 9.1. KLEINSEEÄCKER Der Aufsichtsrat der Volkswohnung GmbH hat beschlossen, das Wohngebiet Kleinseeäcker baulich aufzuwerten. Hierfür werden die Gebäude derzeit entmietet. Alle Bewohnerinnen und Bewohner erhalten Ersatzwohnraum innerhalb des Bestandes der Volkswohnung GmbH. Es soll einen Teilabriss, die Sanierung des verbleibenden Bestandes sowie einen Neubau von Wohnungen bis an die bisherige Bebauungsgrenze heran geben. Damit wird die räumliche Distanz zum Stadtteil beendet und Kleinseeäcker zu einem normalen Straßenzug in Oberreut werden. 9.2. NUSSBAUMWEG Das Wohngebiet Nussbaumweg hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Es gibt dort inzwischen einen Mieterbeirat, der konstruktiv mit der Volkswohnung GmbH zusammenarbeitet. Ein besonderer Unterstützungsbedarf für dieses Quartier liegt nicht mehr vor. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen besteht für beide Wohngebiete – Kleinseeäcker und Nussbaumweg – in Zukunft kein Bedarf mehr, im Rahmen des Sachstandberichtes des Gesamtkonzeptes Wohnungslosenhilfe zu berichten. 9.3. WOHNWAGENABSTELLPLATZ Auf dem Wohnwagenabstellplatz (Gewann Lachäcker) leben aktuell 65 Personen, darunter 22 Kinder. Im Sommer 2014 gab es dort zwei relevante Vorfälle: Am 9. April 2014 brannten auf dem Platz ein Container und ein Holzstapel. Bei dem Einsatz der Feuerwehr und den anschließenden Ermittlungen der Polizei wurden mehrere Verstöße gegen das Umweltrecht festgestellt. Die Polizei verlangt ein Eingreifen der Behörden, um solche Auswüchse künftig zu verhindern. Am 21. Juli 2014 entstand durch fahrlässiges Handeln einiger Bewohner ein Leck in einer Gasleitung. Es entströmten größere Mengen Heizgas aus dem Gastank. Der Schaden wurde rechtzeitig entdeckt und durch Fachfirmen repariert. Allerdings hat die Umweltbehörde festgestellt, dass die derzeitige Gasversorgung verändert werden muss. Die Fachämter und die Stadtwerke erarbeiten eine Konzeption für die künftige Energieversorgung auf dem Platz. Im Bewohnerrat wurde in der Sitzung im März 2015 über die Sachverhalte näher informiert und erste Maßnahmen beraten. 44 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 Betreuung im Vordergrund. Wegen der Kürzungen im Bereich der Arbeitsgelegenheiten konnten in 2013 nur noch 16 Personen (2012: 27 Personen) in den verschiedenen Maßnahmen beschäftigt werden. 2014 wurden diese Beschäftigungsangebote der Straßensozialarbeit in das neue Projekt „AQua“ (Arbeit+Qualifizierung) überführt. Nach Auslaufen der Förderung durch den Europäischen Sozialfonds werden diese Beschäftigungsmaßnahmen ab 2015 wieder von den Streetworkern betreut. Neben den Teilnehmenden in den Beschäftigungsmaßnahmen konnten zahlreiche weitere Klientinnen und Klienten über die temporären Projekte im Stadtteil sowie diverse Freizeitmaßnahmen erreicht und aktiviert werden. Höhepunkt war die „Deutsche Meisterschaft der Wohnungslosen im Straßenfußball 2014“, die vom Diakonischen Werk und der Heimstiftung in Karlsruhe organisiert wurde. Neben 20 aktiven Sportlern waren auch circa 50 weitere Personen aus dem Klientenkreis der Streetworker als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer an der Durchführung der Veranstaltung beteiligt. Die Zielgruppen der Straßensozialarbeit und andere benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind durchaus motiviert, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben. In Karlsruhe wurde dieser Bedarf erkannt, und es wurden im Rahmen des Gesamtkonzepts Arbeit zusätzliche Arbeitsgelegenheiten geschaffen (Kommunale Beschäftigung). 9. HILFEN FÜR WOHNGEBIETE MIT BESONDEREM UNTERSTÜTZUNGSBEDARF 9.1. KLEINSEEÄCKER Der Aufsichtsrat der Volkswohnung GmbH hat beschlossen, das Wohngebiet Kleinseeäcker baulich aufzuwerten. Hierfür werden die Gebäude derzeit entmietet. Alle Bewohnerinnen und Bewohner erhalten Ersatzwohnraum innerhalb des Bestandes der Volkswohnung GmbH. Es soll einen Teilabriss, die Sanierung des verbleibenden Bestandes sowie einen Neubau von Wohnungen bis an die bisherige Bebauungsgrenze heran geben. Damit wird die räumliche Distanz zum Stadtteil beendet und Kleinseeäcker zu einem normalen Straßenzug in Oberreut werden. 9.2. NUSSBAUMWEG Das Wohngebiet Nussbaumweg hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Es gibt dort inzwischen einen Mieterbeirat, der konstruktiv mit der Volkswohnung GmbH zusammenarbeitet. Ein besonderer Unterstützungsbedarf für dieses Quartier liegt nicht mehr vor. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen besteht für beide Wohngebiete – Kleinseeäcker und Nussbaumweg – in Zukunft kein Bedarf mehr, im Rahmen des Sachstandberichtes des Gesamtkonzeptes Wohnungslosenhilfe zu berichten. 9.3. WOHNWAGENABSTELLPLATZ Auf dem Wohnwagenabstellplatz (Gewann Lachäcker) leben aktuell 65 Personen, darunter 22 Kinder. Im Sommer 2014 gab es dort zwei relevante Vorfälle: Am 9. April 2014 brannten auf dem Platz ein Container und ein Holzstapel. Bei dem Einsatz der Feuerwehr und den anschließenden Ermittlungen der Polizei wurden mehrere Verstöße gegen das Umweltrecht festgestellt. Die Polizei verlangt ein Eingreifen der Behörden, um solche Auswüchse künftig zu verhindern. Am 21. Juli 2014 entstand durch fahrlässiges Handeln einiger Bewohner ein Leck in einer Gasleitung. Es entströmten größere Mengen Heizgas aus dem Gastank. Der Schaden wurde rechtzeitig entdeckt und durch Fachfirmen repariert. Allerdings hat die Umweltbehörde festgestellt, dass die derzeitige Gasversorgung verändert werden muss. Die Fachämter und die Stadtwerke erarbeiten eine Konzeption für die künftige Energieversorgung auf dem Platz. Im Bewohnerrat wurde in der Sitzung im März 2015 über die Sachverhalte näher informiert und erste Maßnahmen beraten. SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 45 10. AUSBLICK Mit einer Entspannung des Wohnungsmarktes ist nicht vor 2030 zu rechnen. Dies bedeutet, dass auch in den kommenden Jahren der enge Mietwohnungsmarkt im Niedrigpreissegment eine der größten Herausforderungen für die Wohnungslosenhilfe bleiben wird. Hinzu kommt, dass Karlsruhe – unter anderem aufgrund des guten Arbeitsmarktes und der Attraktivität für Studierende – eine Stadt mit Zuzug ist, weshalb in den kommenden Jahren mit einer weiteren deutlichen Anspannung des Karlsruher Wohnungsmarktes zu rechnen ist. Dies wird sich wiederum in einer weiteren Verknappung und Verteuerung des Wohnungsangebotes niederschlagen. Auch der Zuzug von Menschen aus Europa wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Insgesamt ist die Anzahl der wohnungslosen Menschen von September 2013 mit 348 Personen auf September 2014 mit 400 Personen um 15 Prozent gestiegen. Mittlerweile sind monatlich mehr als 450 Personen obdachlosenrechtlich untergebracht. Bei der Prognose für 2015 wird von einer analogen Steigerung ausgegangen. Wenn jedoch der Zugang von Familien, insbesondere aus Südosteuropa, anhält und diese länger in den Unterkünften verweilen, ist mit einer deutlicheren Steigerung zu rechnen. In Bezug auf die hohen Zuzugszahlen aus Südosteuropa wird zu beobachten sein, ob das Karlsruher Hilfesystem entsprechend ausgerichtet ist oder ob es zusätzlicher Maßnahmen und Angebote bedarf. Das Diakonische Werk plant für 2015 in Kooperation mit Caritas und dem Büro für Integration eine Antragstellung beim „Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten von Armut betroffenen Personen“ (EHAP) zur Einrichtung einer Beratungsstelle zur Verbesserung der sozialen Integration von EU-Bürgerinnen und Bürgern. In 2015 jährt sich das 2005 gestartete, bis dato einmalige Pilotprojekt der Mehrfamilientherapie zum zehnten Mal. Auch das Lotsenprogramm feiert in 2016 sein zehnjähriges Jubiläum seit der festen Implementierung im Jahr 2006. Bislang bietet die Stadt Karlsruhe keinen Erfrierungsschutz für Frauen an. In den vergangenen Jahren wurde dieses fehlende Angebot regelmäßig von der Fachstelle mit den Trägern im Arbeitskreis Wohnungslosenhilfe besprochen. Es wurde kein Bedarf gesehen, da alle Frauen, die eine Unterbringung benötigten, kurzfristig in die regulären Unterbringungsangebote aufgenommen werden konnten. Seit Dezember 2014 wurde erstmals ein erhöhter Bedarf festgestellt. Daher mussten im Winter 2014/2015 kurzfristig Unterbringungsmöglichkeiten bereit gestellt werden. Aufgrund der Zuwanderungszahlen ist davon auszugehen, dass sich dieser weiter erhöhen wird für Frauen, die ohne An- spruch auf Unterbringung in Karlsruhe im Freien nächtigen und im Winter Erfrierungsschutz benötigen. Für den nächsten Winter wird eine entsprechende Möglichkeit eingerichtet. Eine Hoffnung für die nächsten Jahren liegt in der Entlastung durch den Sozialen Wohnungsbau und durch geplante Neubauaktivitäten der Volkswohnung GmbH, denn in Karlsruhe wird dringend bezahlbarer Wohnraum für Familien mit Kindern, für Studierende, für Auszubildende, für Zuwanderinnen und Zuwanderer, auch barrierefreie Wohnungen für behinderte und ältere Menschen und Wohnungen für diejenigen, die bisher in öffentlich rechtlicher Unterbringung leben, benötigt. Auch in Zukunft bleibt das Programm „Wohnraumakquise durch Kooperation“ ein äußerst wichtiges Instrument, Menschen, die selbst bei einem entspannten Wohnungsmarkt benachteiligt wären, mit Wohnraum zu versorgen. Nachdem im Jahr 2014 die 1000. Person mit Mietraum versorgt wurde, steht im Jahr 2015 die Vermittlung der 500. Wohnung an! Neben dem Programm „Wohnraumakquise durch Kooperation“ ist die Volkswohnung GmbH ein wichtiger Kooperationspartner, um Menschen trotz engem Wohnungsmarkt Wohnungen bereit zu stellen. Sehr wertvoll ist auch die gute Kooperation mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe, die Menschen mit Wohnraum versorgen. Ohne diese Angebote wären die Unterbringungszahlen wesentlich höher. Trotz steigender Zahlen wird es weiterhin ein Ziel der Fachstelle Wohnungssicherung sein, die bestehenden Qualitätsstandards zu halten. Nur bei ausreichender sozialer Unterstützung wird es möglich sein, Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zurück in die Mitte der Gesellschaft zu führen. Bausteine hierfür sind der Ausbau der Sozialpension Augustiner in 2015 sowie weitere Anmietungen von Hotels. Gerade bei den aktuellen Problemlagen zeigt sich, dass das differenzierte Hilfesystem der Wohnungslosenhilfe mit seinem breiten Netzwerk ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung von Armut ist. 46 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 11. ANHANG 11.1. FLYER BAGW-TAGUNG 46 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – NEUNTER SACHSTANDSBERICHT 2015 11. ANHANG 11.1. FLYER BAGW-TAGUNG SOZIAL- UND JUGENDBEHÖRDE | 47 11.2. FLYER ARMUTSTAGUNG IMPRESSUM Herausgeben von Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde | Wohnungslosenhilfe Bearbeitung, Federführung Regina Heibrock | Sozial- und Jugendbehörde In Zusammenarbeit mit „„ Axel Kastner | Sozial- und Jugendbehörde „„ Barbara Mauter | Sozial- und Jugendbehörde „„ Frank Pauschert | Sozial- und Jugendbehörde „„ Sonja Rexhäuser | Sozial- und Jugendbehörde „„ Steffen Schäfer | Sozial- und Jugendbehörde „„ Uwe Schlindwein | Sozial- und Jugendbehörde „„ Mauricette Smitran | Sozial- und Jugendbehörde „„ Heike Winter | Sozial- und Jugendbehörde „„ Fabienne Wangler | AWO „„ Jürgen Lampert | AWO „„ Karin Mönig | AWO „„ Stefan Lauinger | Badischer Landesverein Innere Mission „„ Tanja Mayer | Haus Bodelschwingh „„ Silke Morlok | Diakonisches Werk „„ Uwe Enderle | Diakonisches Werk „„ Manfred Kern | Diakonisches Werk „„ Songard Grebe | Heimstiftung Karlsruhe „„ Stefan Kress, Lothar Ebert | Heimstiftung Karlsruhe „„ Eva Rühle | Heimstiftung Karlsruhe „„ Alexandra Schowalter-Ribet | Heimstiftung Karlsruhe „„ Rebekka Dorka | Heimstiftung Karlsruhe „„ Jörg Mauter, Lissi Hohnerlein und Team | SOZPÄDAL „„ Hans Kowatsch | Verein für Jugendhilfe „„ Barbara Braun-Vollmer Ohlebusch | Karlsruhe GmbH „„ Andreas Wendlinger | Bwlv „„ Susanne Daferner | Bahnhofsmission Layout Regina Heibrock | Sozial- und Jugendbehörde Felix Vorreiter | Sozial- und Jugendbehörde Grafiken Sozial- und Jugendbehörde Druck April 2015 Gedruckt in der Rathausdruckerei auf 100 Prozent Recyclingpapier.

  • Protokoll TOP 10
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 12. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 19. Mai 2015, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 12. Punkt 10 der Tagesordnung: Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 – Neunter Sachstandsbericht Vorlage: 2015/0237 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt – nach Vorberatung im Sozialausschuss – den neunten Sach- standsbericht zur Kenntnis. Abstimmungsergebnis: Kenntnisnahme Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 10 zur Behandlung auf und verweist auf erfolgte Vorberatung im Sozialausschuss. Bürgermeister Lenz: Ich komme gerade aus der Sitzung der Bundesarbeitsgemein- schaft Wohnungslosenhilfe. Warum betone ich das so? Weil wir heute zum ersten Mal den Sitz des Deutschen Städtetages in diesem Gremium als Vertretung wahrnehmen durften. Da freuen Sie sich bestimmt so sehr, wie wir selbst. Denn in Karlsruhe wird die- ses Thema - Sie sehen es nicht nur an der Statistik, sondern vor allem an der Unter- schrift Neunter Sachstandsbericht - seit über zwei Jahrzehnten bei der sozialpolitischen Agenda dank Ihnen ganz oben gehalten. Deshalb haben wir inzwischen eine Reputati- on, die über unsere Grenzen ganz weit hinausgeht. Dennoch stellen wir – im Sinne von Controlling bieten wir immer diese Grafik vorne an - zum dritten Mal in den letzten 25 Jahren einen Anstieg fest, den wir so nicht hinnehmen wollen, aber hinnehmen müs- sen. Bereits 2003 – vor über 10 Jahren – haben wir im Sachstandsbericht den gleichen Satz geprägt: Der sich anspannende Wohnungsmarkt nimmt weiter zu. Wir werden schauen müssen, wie wir diese sogenannte 300er-Grenze halten können. Vor zwei Jahren haben wir im Sozialausschuss schon berichtet, wir werden sie nicht mehr halten können, ent- sprechendes Maßnahmenprogramm aufgelegt, aber nicht mehr mit dem Ziel, tatsäch- lich den Anstieg verhindern zu können. Wir haben es zwar gehofft. - 2 - Sie haben es mit Beschlüssen unterjährig in den letzten zwei Jahren immer wieder be- gleitet, Ressourcen zur Verfügung gestellt. Deshalb unser Dank. Die Qualität wollten wir nicht sinken lassen. Wir haben sie nicht sinken lassen. Dafür auch von allen Dank. Herr Stadtrat Kalmbach, ich nehme jetzt einmal Ihr Wort von eben als Brücke. Wir sind ein gutes Team. Schauen Sie einmal, wer auf dem Bericht alles mit hinten drauf steht. Das sind nicht nur städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das sind vor allem auch die Verbände, es ist die VOLKSWOHNUNG und alle, die an dieser Gemeinschaftsaufga- be mittun. Deswegen ist auch dieser Zwischenstand trotz der betrüblichen Nachricht, dass wir die 500er-Grenze inzwischen überschritten haben, dennoch gute Qualität. Es werden die Zahlen auch irgendwann sinken. Aber wir können im Moment nicht, wie in den zwei größeren Wällen 2003 und 1995 Ihnen eine Aussicht an dieser Stelle präsentieren. Inso- fern geht es darum, weiterhin die Qualität zu halten, nicht vom Prinzip der Dezentralität abzurücken, keine Massenunterkünfte, schon gar keine unbetreuten. Aber das ist hier im Haus seit Jahrzehnten auch Konsens. Insofern brauchen wir jetzt den Atem, den wir schon beim Tagesordnungspunkt zuvor gebraucht haben. Denn die Wahrheit liegt jetzt nicht nur am Sonntag auf dem Platz, sondern auch hier. Nämlich dahingehend: Gegen Wohnungslosigkeit hilft eine Woh- nung. Damit schließe ich auch mit dem Dank – sicherlich auch in Ihrem Namen – von uns allen hier, dass die privaten Eigentümerinnen und Eigentümer uns doch in sehr vor- bildlicher Weise immer wieder Wohnraum zur Verfügung stellen. Sie haben sicherlich darauf gewartet, deshalb ganz am Schluss: Wohnraumakquise durch Kooperation. Das habe ich jetzt gerade aus Berlin wieder mitgebracht. Das ist jetzt auch wieder in entsprechenden Flyern auf Bundesebene als Vorbild genannt. Es hilft nicht gegen den Anstieg, hilft aber auf jeden Fall, diese besondere strenge Not der Armut zu lindern. Denn Sie wissen, es gibt nichts schlimmeres, wenn zur materiellen Armut auch noch den Verlust der Wohnung kommt. Denn gefühlt – auch wenn es nicht im Grundgesetz steht – ist Wohnen ein Grundrecht. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Uns liegt der neunte Sachstandsbericht vor. Wenn man ihn liest, hat man zwei Gefühle. Das eine ist ein etwas schlechtes Gefühl. Das sind die An- stiege, wie Herr Bürgermeister Lenz schon gesagt hat, auf über 500. Mit denen ist nie- mand zufrieden. Aber es gibt auch positive Aspekte. Die kommen dann einige Seiten später. Wenn man einmal das ganze Netzwerk und die ganzen Hilfssysteme anschaut, was in dieser Stadt alles machbar ist. Das ist sicherlich auch der Schlüssel dessen, dass wir sagen können, die Anzahl, die nach oben schnellt, wird jetzt nicht so schnell von uns zu verhindern sein, aber aufgrund dieses Netzwerkes, das von der Fachstelle Wohnungssicherung mit allen Kooperationspartnern durchgeführt wird, ist eine Möglichkeit da, mit diesem An- stieg zumindest einigermaßen fertig zu werden. Das Wichtige an der Sache ist, dass wir die Qualität auch aufrechterhalten wollen. Wir sind stolz und froh, dass wir die unbetreuten Unterkünfte in Karlsruhe nicht mehr ha- - 3 - ben. Wenn man sieht, was wir alles geschaffen haben: Wir haben jetzt neue Hotels an- gemietet, haben es in einer letzten Sitzung noch einmal beschlossen. Die ärztliche Ver- sorgung, auch das ist ein Punkt, den man einmal ansprechen sollte, hat sich auch ge- bessert. Sicherlich nicht so, dass man sagen kann, jetzt ist alles super. Aber es ist ein Weg nach oben, auch in diesem Bereich. Das Lotsensystem hilft uns sehr. Was für mich natürlich immer noch ein Phänomen ist, ich glaube, das ist etwas ganz Tolles in dieser Stadt, ist die Wohnraumakquise. Wir haben hier eine Stadt mit Zuzug. Wir haben eine Stadt mit Studenten. Wir haben ein Problem, was wir in der letzten Zeit in anderen Bereichen gesehen haben, mit dem preisgünstigen Wohnraum, worauf der große Run ist. Dennoch gelingt es immer wieder durch die Wohnraumakquise, neue Wohnungen zu bekommen, wie es in der Broschüre auch steht. Letztes Jahr sind es über 1.000 Personen gewesen, die untergebracht wur- den. Dieses Jahr will man die 500er-Wohnung erreichen. Das ist natürlich schon eine große Masse. Es spricht auch dafür – das sollte man sicherlich auch sagen und mit gro- ßem Dank weitergeben -, dass die Kompetenz und das Ansehen der Fachstelle so hoch sind, dass auch die Privatpersonen Vertrauen darin haben. Ich glaube, das ist ein ganz wesentlicher Punkt, dass das Vertrauen zu dieser Fachstelle vorhanden ist, dass auch die Privatpersonen sagen, hier kann ich seriös mit denen zusammenarbeiten. Unser ganz herzlicher Dank seitens der CDU-Fraktion geht an die Fachstelle Wohnungs- sicherung, an Frau Rexhäuser und ihr gesamtes Team. Es geht an die vielen Vereinigun- gen, Wohlfahrtsverbände, aber vor allem auch an die Privatpersonen, die hier mithelfen, dieses Problem in Karlsruhe machbar zu handlen. Stadträtin Fischer (SPD): Es wurde schon gesagt, aber ich wiederhole es gerne. Es ist ein Erfolgskonzept, was wir hier mit dem Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe haben. Herr Bürgermeister Lenz hat zu Recht gesagt, es gibt inzwischen schon sehr viele Nach- ahmer in anderen Städten, die sich bei uns die Nachhilfe geholt haben und uns nach- machen. Trotzdem belegen die Berichte, dass die Wohnungslosenhilfe ständig neue Herausforde- rungen meistern muss. Es wurde gesagt, wir haben trotz aller Maßnahmen im Augen- blick mit einer dramatisch wachsenden Zahl von Wohnungslosen zu kämpfen. Ich will trotzdem auf die Erfolgsbausteine der Vergangenheit noch einmal kurz zurückgreifen, die uns Mut machen, auch diese Herausforderung zukünftig zu meistern. Herr Bürgermeister Lenz, Sie haben es angesprochen. Wir haben uns im Masterplan 2010 das Ziel einer Auflösung aller unbetreuten Unterkünfte gesetzt. Das haben wir erreicht. Wir haben mit dem Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe das Lotsenkonzept entwickelt. Auch das ist ein Erfolgsbaustein. Und nicht zuletzt – der Kollege Dr. Müller hat es erwähnt -, in knapp 10 Jahren haben wir mit dem Programm Wohnraumakquise 491 Wohnungen für 12.060 Menschen bereitgestellt. Das ist eine Erfolgszahl. Es sind dies Menschen, die einen geschützten Wohnraum erhalten haben und damit dauerhaft wieder in die Stadtgesellschaft integriert sind. Ich erinnere gerne an den Satz von Bürgermeister Denecken damals, der gesagt hat, kein Karlsruher Kind soll auf einer Bettkante in einem Hotel seine Hausaufgaben ma- - 4 - chen müssen. Ich glaube, dieses Ziel haben wir mit diesem Projekt Wohnraumakquise wirklich erreicht. Da können wir auch ein bisschen stolz sein und auch den Mut haben, die Herausforderungen, mit denen wir jetzt konfrontiert sind, in Angriff zu nehmen. Wir müssen auch feststellen – auch das ist ein Erfolg -, die Wohnraumakquise ist inzwi- schen fast schon etwas wie ein Selbstläufer geworden. Die Vermieter müssen nicht mehr von der Fachstelle angesprochen werden, sondern sie kommen von sich aus durch Mund-zu-Mund-Propaganda auf die Fachstelle zu und bieten Wohnraum an. Das soll- ten wir nutzen, um noch mehr Platz zu schaffen. Potential ist da. Diese Möglichkeit soll- ten wir nutzen, nicht nur aus sozialen Gesichtspunkten, sondern dieses Geld, was wir an dieser Stelle sparen durch die Anmietung von Hotelunterkünften, das spart uns auch an anderer Stelle sehr viel Geld. Bei den Herausforderungen, die der Wohnungslosenhilfe in der Zukunft gestellt sind, sehe ich, dass wir die Region noch mehr als bisher als Sozialregion verstehen und auch den Landkreis mit einbeziehen müssen. Ein Anfang ist gemacht. Auch hier sollten wir noch mehr machen. Es hat sich auch herausgestellt, wir brauchen immer mehr günstige Kurzzeitunterkünfte, insbesondere für Mitbürger, die aus EU-Ländern anreisen. Da soll- ten wir auch billige und günstige Übernachtungsmöglichkeiten und auch Informationen anbieten und hier z. B. die Bahnhofsmission oder Einrichtungen wie Kolpinghäuser, die es früher gab, mehr unterstützen, um sozialen Verwerfungen auch in diesem Bereich sehr frühzeitig zu begegnen. Einen weiteren Punkt im Bericht haben Sie mit der Überschrift „Arbeit, Beschäftigung, Aktivierung“ überschrieben. Auch in diesem Bereich sollen wir noch mehr tun, Men- schen wieder Tagesstrukturen zu geben, Selbstwertgefühl aufzubauen und einfache Qualifizierungen zu ermöglichen, um auch über diesen Weg den Menschen wieder ne- ben dem Wohnraum Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu geben. Das sind jetzt nur einig Punkte. Dem ganz großen Lob an die Fachstelle und allen Ak- teure will ich mich anschließen. Ich mache jedes Jahr immer gern eine Besichtigung der Akquise-Wohnungen. Das würde ich jedem Stadtrat auch anraten. Das ist wirklich eine sehr tolle Sache. Ich möchte alle Akteure der Wohnraumakquise unterstützen. Unsere Unterstützung haben Sie. Stadtrat Geiger (GRÜNE): Herr Bürgermeister Lenz, ich gebe Ihnen Recht. Wohnen ist leider kein niedergeschriebenes Grundrecht. Aber wir alle wissen, dass es ein ausge- prägtes Grund- und Sicherheitsbedürfnis ist. Das wissen wir nicht nur von der Maslowschen Bedürfnispyramide, sondern ganz tief im Herzen drin. Das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe, jetzt der neunte Sachstandsbericht, wurde schon in der Breite durch die Kollegin und Kollegen vorgestellt, weshalb ich jetzt auf die Einzelmaßnahmen gar nicht mehr so intensiv eingehen will. Auch wir bedanken uns ausdrücklich beim Team der Wohnungslosenhilfe, bei der Wohnraumsicherung, bei al- len Akteuren, die dort mitwirken. Die, die zusammenarbeiten, sind hinten auf der Bro- schüre aufgelistet. Wir möchten aber natürlich auch unsere Unterstützung dazu erklä- ren, dass wir weitermachen müssen auf dem Weg, denn jeder Wohnungslose, jede Wohnungslose, jede Familie – leider hat sich da eine gewisse Verschiebung hin zu Fami- - 5 - lien, die wohnungslos sind, ergeben – die wohnungslos ist, ist eine zu viel. Wir stehen an Ihrer Seite, um Wohnraum zu schaffen und Wohnraum zu vermitteln, auch gerade für diese Personen. Wichtig ist mir vor allem noch anzumerken, weil in der Broschüre eine Aussage dazu ist, dass wir einen überproportionalen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Wohnungslosenhilfe haben, dass selbstverständlich der Großteil der Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund hier erwerbstätig und voll integriert ist. Auch die, die auf die Wohnungslosensicherung angewiesen sind, haben häufig eine Erwerbs- tätigkeit, die aber nicht reicht, um Wohnraum in Karlsruhe bezahlen zu können, was noch einmal ganz klar verdeutlicht, welches Defizit wir in der Schaffung von preisgüns- tigem Mietwohnraum haben. Noch erwähnenswert – weil es noch keiner gemacht hat – ist das neue Angebot, das wir schaffen werden im Bereich Erfrierungsschutz für Frauen. Das hat uns sehr gefreut. Mit auf den Weg geben wollen wir noch - bei allem Erfolg der Wohnraumakquise - zu evaluieren, inwiefern es bei Wohnraumakquise durch Kooperation und Wohnraumak- quise plus – das woanders angedockt ist – Synergien gibt, die man besser nutzen könn- te. Im Sozialausschuss wurde es bereits angesprochen für den Bereich Wohnraumakqui- se durch Kooperation. Inwiefern können wir andere Förderprogramme, die die Stadt jetzt schon haushalterisch hinterlegt hat, wie z. B. energetische Sanierung im Privatbau- bereich oder das Schallschutzfensterprogramm, das jetzt gerade fortgeschrieben wird, stärker nutzen, um noch mehr Wohnungseigentümer dazu zu bewegen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen für die, die es am nötigsten haben, nämlich die, die wir an- sonsten obdachlosenrechtlich unterbringen müssen. Ansonsten vielen Dank an alle Mitwirkenden. Gerne weiter so. Auf unsere Unterstüt- zung können Sie zählen. Stadtrat Braun (KULT): Werfen wir einen Blick auf die Chronik der Personen, die in den letzten Jahren obdachlosenrechtlich untergebracht werden mussten. 2011 waren es noch 235 Personen. Mittlerweile sind es über 450 Personen. Um diesem Anstieg ge- recht werden zu können, vermag es unendlichem Einsatz, Engagement und Kompe- tenz. Alle, die am Konzept der Wohnungslosenhilfe in den letzten Jahren tätig waren, leisteten schon diese gute und zuverlässige Arbeit und sorgten für so viele Menschen für Wohnungssicherheit und die damit verbundene soziale Integration. Auf diesem Erfolg dürfen wir uns nur nicht ausruhen. Mit einem zukunftsgerichteten Blick wird deutlich, dass die Situation auf dem Karlsruher Wohnungsmarkt weiterhin angespannt bleibt. Wir müssen uns hier also in der Zukunft noch größeren Herausforde- rungen stellen als bereits in den letzten Jahren. Eine der zentralen Aufgaben werden die von Armut und Obdachlosigkeit betroffenen Familien sein und deren soziale Eingliede- rung. Gerade die zuletzt beschlossenen Hotelanmietungen sollen nun zur Qualitätssicherung beitragen. Die KULT-Fraktion bedankt sich bei allen Beteiligten, insbesondere der Fach- stelle Wohnungssicherung und allen Trägern für ihre erfolgreiche Arbeit und hofft wei- terhin auf gute und konstruktive Zusammenarbeit. - 6 - Stadtrat Jooß (FDP): Es wurde alles gesagt. Ich möchte nur noch einmal auf die Wohnraumakquise zurückgreifen. Ich war beim Jubiläum hier im Großen Sitzungssaal dabei. Es war eine tolle Sache. Generell begegnet die Stadt hervorragend diesem Prob- lem. Trotz steigender Zuwanderung und trotz steigenden Bedarfs werden super Lösun- gen gefunden. Bei der Wohnraumakquise profitieren sowohl die Stadt, indem sie Leute unterbringen kann, als auch die Vermieter, die ihre Häuser, ihre Wohnungen gerichtet bekommen und sich dadurch an die Stadt binden. Aber ich denke, das machen sie gern. Denn die Stadt sorgt für regelmäßigen Bezug von Wohngeld usw. Das ist eine ganz tolle Sache. Nur vermisse ich auf der Rückseite des Berichts den Haus- und Grundbesitzerverein. Wir haben hier im Gemeinderat einen Stadtrat, der dort im Vorstand ist. Ich habe schon mehrmals appelliert, dass er doch das favorisieren möchte im Haus und Grund, dass in diesem Heft, in der Kommunikation endlich einmal über das tolle Programm geredet wird, dass es publiziert wird. Ich appelliere an meinen Stadtratskollegen, hier aktiv zu werden. Ich vermisse die nämlich auf der letzten Seite. Stadtrat Kalmbach (GfK): Respekt für diese qualitativ hochwertige Arbeit, die hier geleistet wird. Aber ich will trotzdem etwas anmerken. Es geht auf der einen Seite um die Versorgung. Auf der anderen Seite geht es um die Aktivierung der Menschen. Wir sind nicht zufrie- den, dass die Leute ein Haus haben, dass sie eine Wohnung haben. Wir sind nicht zu- frieden, dass sie nur Essen haben und dann einfach in den Tag hinein leben. Die große Herausforderung für unsere ganze Gesellschaft ist, die Menschen zu aktivieren, ihr Le- ben wieder in Selbständigkeit zu führen. Das ist unser Ziel. Das gilt besonders für junge Menschen, besonders auch für die, die relativ früh, nach der Schule abbrechen. Davon haben wir eine ganze Menge. Ich habe die Zahl von 150 jungen Menschen unter 25 Jahren gelesen, die Sozialleistungen bekommen, aber bei Freunden leben, die gar nicht obdachlosenrechtlich untergebracht sind. Es gibt viele Menschen in dieser Stadt, die tatsächlich irgendwie untergebracht sind, aber keine Perspektive haben. So ist mir der Punkt besonders wichtig, dass wir sagen, wir müssen alles tun, damit die Leute Perspektiven in die Zukunft bekommen, von Bildung, von Arbeitsgelegenheiten, von allen Möglichkeiten, was sie irgendwie aktiviert. Ich meine, genau an dieser Schnitt- stelle zwischen Schule und dem Erwachsenenleben ist es eine Riesenchance, Menschen noch einmal abzuholen und in diesen Weg der Selbständigkeit hinein zu fördern. An dieser Stelle wollte ich jetzt zuerst vom Leder ziehen und sagen, wir machen viel zu wenig. Dann habe ich den Bericht noch einmal genau gelesen und habe gestaunt, wie viele Dinge schon gemacht werden. Es ist eine ganze Menge. Daher an dieser Stelle noch einmal vielen Dank. Aber ich möchte das trotzdem noch betonen. Unsere Aufga- be ist nicht nur zu akquirieren, ist nicht nur zu versorgen. Das machen wir hervorra- gend. Die viel wichtigere Aufgabe ist es, diese Menschen hinein zu begleiten ins Leben, das sie selbstständig führen können, wo sie Perspektiven in die Zukunft haben und den Staat nicht mehr brauchen. - 7 - Der Vorsitzende: Vielen Dank, auch für das allgemeine Lob für diese jahrzehntelange sehr erfolgreiche Arbeit. Ich glaube, ein ganz wichtiger Aspekt ist genannt worden. Auch die gute Resonanz in der Nachbarschaft, in der Bevölkerung und auch bei privaten Wohnungsbesitzern hat viel mit dem Vertrauen zu tun, das in unsere Fachlichkeit und auch die Fachlichkeit der beteiligten Träger seit Jahren geflossen ist. Dieses Vertrauen ist das größte Pfund, das wir haben und sichert ein Stück weit auch den sozialen Frieden. Von daher noch einmal ganz herzlichen Dank an das Dezernat, aber auch alle anderen beteiligten Institutionen und Verbände. Sie haben es zur Kenntnis genommen, dann müssen wir es nicht mehr abstimmen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 9. Juni 2015