Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung (SRKA)

Vorlage: 2015/0137
Art: Beschlussvorlage
Datum: 24.02.2015
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtplanungsamt
Erwähnte Stadtteile: Beiertheim-Bulach, Durlach, Mühlburg, Nordstadt, Oststadt, Südstadt, Südweststadt, Waldstadt, Weiherfeld-Dammerstock, Weststadt

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 24.03.2015

    TOP: 13

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mehrheitlich beschlossen

Zusätzliche Dateien

  • Rahmenplan Klimaanpassung
    Extrahierter Text

    BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 10. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 24.03.2015 2015/0137 13 öffentlich Dez. 6 Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung (SRKA) Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis AUG 12.02.2015 3 vorberaten Planungsausschuss 26.02.2015 4 vorberaten Gemeinderat 24.03.2015 13 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss 1. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung“ in Text- und Planform wird als „sonstige städtebauliche Planung“ nach § 1 Abs. 6, Nr. 11 BauGB beschlossen und bei der verbindli- chen Bauleitplanung im Rahmen der Abwägung berücksichtigt. 2. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung“ dient als Grundlage bei der Auswahl von Gebieten für Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen bzw. für den Stadtumbau. 3. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe“ wird außerdem berücksichtigt: a) bei städtebaulichen Wettbewerben, Rahmenplänen sowie der Verkehrsplanung, b) bei der Gestaltung öffentlicher Freiräume, c) bei der Beurteilung von Vorhaben nach § 34 BauGB, d) bei der Beurteilung von Anträgen auf Befreiungen nach § 31 BauGB, e) beim Erwerb oder der Veräußerung von Grundstücken, f) bei der Ausübung des gemeindlichen Vorkaufsrechts (Wohl der Allgemeinheit, § 24 Abs. 3 BauGB). Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen Kontierungsobjekt: Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Umwelt, Klimaschutz und Stadtgrün Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Hintergrund und bisheriger zeitlicher Ablauf Der bereits heute in den Innenstadtgebieten ausgeprägte Wärmeinseleffekt und die prog- nostizierte Zunahme an sommerlichen Hitzeperioden stellen eine besondere Herausforde- rung für die Stadtplanung dar. Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Experimentellen Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) - Modellvorhaben „Innenentwicklung versus Klima- komfort im Nachbarschaftsverband Karlsruhe“ beauftragte der Planungsausschuss am 26.04.2012 die Verwaltung deshalb mit der Erarbeitung eines „Städtebaulichen Rahmen- plans Klimaanpassung“ für die Stadt Karlsruhe. Am 25.10.2012 wurde der Planungsausschuss erstmals über diesen Projektansatz infor- miert. Zeitgleich konnte für Phase 1 des Projektes ein Forschungsvertrag i. H. v. 56.000,00 Euro mit der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) im Förderprogramm des Landes „KLIMOPASS 2012“ abgeschlossen werden. Mit der Durchführung der Planung wurden die Firma GEO-NET (Hannover), der auch schon beim ExWoSt-Projekt „Innenentwicklung versus Klimakomfort“ des Nachbarschaftsverbands die Forschungsassistenz oblag, sowie Prof. Baumüller (Stuttgart) und das Büro berchtold- krass space&options (Karlsruhe) beauftragt. Die dadurch entstandenen Kosten wurden zu 100 % über Fördermittel gedeckt. Am 02.05.2013 wurde der Planungsausschuss über die Ergebnisse zu Phase 1 informiert und gleichzeitig über die Bewerbung für die nachfolgende Förderperiode in Kenntnis gesetzt. Nach Bewilligung des Vorhabensantrags im August 2013 wurde dann ein weiterer For- schungsvertrag für „KLIMOPASS 2013/14“ abgeschlossen. Bis Oktober 2014 konnten damit zusätzliche Fördermittel i. H. v. 115.000 Euro für die Fortsetzung der Planung (Phase 2) verwendet werden, insbesondere zur Beauftragung der bisher damit befassten Beteiligten. Am 13.10.2013 wurde der Planungsausschuss über den Projektfortschritt informiert. Eine breitere Beteiligung erfolgte im Rahmen eines Workshops am 13.05.2014, bei dem ca. 40 Teilnehmende aus Fachöffentlichkeit und Politik die wesentlichen Inhalte des Rahmen- plans diskutierten und Ideen zur Umsetzung erörterten. Die Ergebnisse des Workshops und der aktuelle Sachstand der Planung sind dokumentiert und dem Planungsausschuss am 11.07.2014 vorgestellt worden. Beim Stadtbauforum am 09.10.2014 wurde die Planung in Form eines Werkstattberichtes auch öffentlich präsentiert. Die Planung wird in der am 14.05.2013 vom Gemeinderat zur Kenntnis genommenen ge- samtstädtischen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel („Stadtklima und Stadtpla- nung“, SP – 4) als wesentlicher Beitrag der Stadtplanung angesehen. Ziel und Zweck der Rahmenplanung Durch den „Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung“ sollen über eine gesamtstädti- sche Betrachtung zum URBAN-HEAT Phänomen konkrete Handlungsbedarfe und -optionen für besonders betroffene Teilräume (sog. Hot-Spots) im Siedlungsgefüge aufgezeigt und dabei sozioökonomische und sonstige Faktoren, die einen Einfluss auf die künftige Ver- wundbarkeit (Vulnerabilität) gegenüber sommerlicher Extremhitze in einzelnen Stadtquartie- ren ausüben, berücksichtigt werden. Ziel ist darüber hinaus die Darstellung eines überge- ordneten, räumlich differenzierten Entlastungssystems für die in den nächsten Dekaden thermisch besonders belasteten Bereiche. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die Erkenntnisse und Maßnahmenvorschläge des Rahmenplans sollen in Bezug auf die Anpassung an den Klimawandel beim Wirkungskomplex "Hitze", gemeinsam mit weiteren, sukzessive vorliegenden Klimaanpassungsstrategien (z.B. Umgang mit Überflutung oder Starkregen), sowohl als fachliche Basis bei der städtebaulichen Planung als auch bei der Abwägung von raumbezogenen Planungsentscheidungen dienen und damit zur planeri- schen Vorsorge an die sich künftig verstärkende Hitzeproblematik in der Stadt beitragen. Der Wirkungskomplex "Starkregen-Hochwasser-Überflutung" ist zunächst nicht Bestandteil der Planung, wenngleich eine Betrachtung in einem eigenen Arbeitsschritt durchaus als ziel- führend erachtet wird. Bei der Umsetzung von Maßnahmen gegen Hitzebelastung können die Belange der Überflutungsvorsorge jedoch z. T. bereits berücksichtigt werden, in dem z.B. eine multifunktionale Ausgestaltung des Entlastungssystems erfolgt (Tieferlegung z.B. von Pocket-Parks oder Entlastungsflächen, Regenrückhaltung durch Gründächer etc.). Rechtliche Einordnung des Rahmenplans Der Gesetzgeber hat mit den letzen Änderungen des Baugesetzbuchs (BauGB, 2011/13) Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel zu “Planungsleitsätzen“ erklärt. Durch den neuen Absatz 5 im § 1a BauGB werden die Klimabelange auch zum Gegenstand der Umweltprüfung (UP). Eine Möglichkeit dieser Anforderung an die Planung gerecht zu wer- den, ist die Aufstellung eines städtebaulichen Rahmenplans. Ein städtebaulicher Rahmenplan ist ein informelles Planungsinstrument. Er unterscheidet sich von der vorbereitenden und der verbindlichen Bauleitplanung insbesondere dadurch, dass kein förmliches Verfahren und keine bestimmten Darstellungen erforderlich sind. Der städtebauliche Rahmenplan hat keine unmittelbare Rechtsverbindlichkeit. Er dient der Ge- meinde allgemein der Bestimmung und Darstellung städtebaulicher Ziele meist für einen Stadtteil, ein Quartier oder aber auch zu einem speziellen Thema. Beim „Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe“ geht es um den Belang Anpassung an den Klima- wandel auf gesamtstädtischer Ebene. In Karlsruhe werden gemessen am Bestand zukünftig wohl nur relativ wenig Bebauungsplä- ne für neue Siedlungsflächen im Außenbereich aufgestellt oder Bebauungsplanänderungen in größerem Maßstab durchgeführt werden, so dass in einer gewachsenen Stadt dieses In- strument nicht großflächig wirksam ist. Klimatische Defizite und damit Steuerungsbedarfe treten insbesondere im Bestand auf. Deshalb gewinnen die Instrumente der Innenentwick- lung, der Stadtsanierung und des Stadtumbaus zukünftig an Bedeutung für die Anpassung an den Klimawandel. Mit der „Innenentwicklungsnovelle 2013“ im BauGB vertritt der Gesetzgeber die Auffassung, dass die Innenentwicklung Vorrang haben sollte vor der städtebaulichen Entwicklung in der freien Landschaft (Außenbereich). Im §1a Absatz 5 BauGB wird jedoch auch gefordert, den Erfordernissen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung Rechnung zu tragen. Dies be- deutet, dass auch das bei Innenentwicklung häufig angewandte „Vereinfachte Verfahren“ (§13 BauGB) die Belange der Klimaanpassung zu berücksichtigen hat, auch wenn keine Umweltprüfung und kein Umweltbericht zu erstellen ist. Auch können beim Vorliegen von Missständen bezüglich der Klimaanpassung in einem Ge- biet städtebauliche Sanierungsmaßnahmen ergriffen werden. Bei der Vorbereitung der Sa- nierung sind nach § 140 BauGB städtebauliche Planungen oder Rahmenplanungen zu be- achten. Gleiches gilt im Grunde auch bei Stadtumbaumaßnahmen, die sich z. T. durch die Konversion bereits überbauter Flächen ergeben, wenn erhebliche städtebauliche Funktions- verluste vorliegen oder auch die allgemeinen Anforderungen an den Klimaschutz und die Klimaanpassung nicht erfüllt werden können. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung für die Stadt Karlsruhe“ wird als „sonstige städtebauliche Planung“ (§1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB) durch einen Beschluss des Gemeinde- rats zu einem wichtigen Abwägungsbelang in der Bauleitplanung. Nach neuerer Rechtspre- chung kann ein Rahmenplan im Zusammenhang mit der Aufstellung eines Bebauungsplans auch als antizipiertes Gutachten angesehen werden, was die Umsetzung in die verbindliche Bauleitplanung vereinfacht und den Aufwand für weitere Gutachten reduzieren kann. Spezielle Beteiligungsformen sind bei der Aufstellung eines Rahmenplans nicht vorge- schrieben. Bei der Entwicklung des „Städtebaulichen Rahmenplans Klimaanpassung Karls- ruhe“ ist eine kontinuierliche Beteiligung der (Fach-)Öffentlichkeit (Behörden/Verwaltung) und der politischen Gremien erfolgt. Umsetzung Damit der Rahmenplan Klimaanpassung umgesetzt werden kann und auch längerfristig bin- dende Wirkungen entfaltet, sind neben den planungs- und baurechtlichen Möglichkeiten auch sonstige begleitende Maßnahmen sinnvoll. Zur Akzeptanz des Rahmenplans sollte z.B. eine Informationsstrategie entwickelt werden, um Kenntnisse in Bezug auf Anpassung an den Klimawandel sowohl innerhalb der Verwal- tung als auch bei externen Akteuren aus den Bereichen Planen und Bauen in der Stadt kon- tinuierlich auszubauen. Anhang Begleitheft mit Planverkleinerung (Entwurf v. 26.11.2014) Beschluss: Antrag an den Gemeinderat 1. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung“ in Text- und Planform wird als „sonstige städtebauliche Planung“ nach § 1 Abs. 6, Nr. 11 BauGB beschlossen und bei der verbindlichen Bauleitplanung im Rahmen der Abwägung berücksichtigt. 2. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung“ dient als Grundlage bei der Aus- wahl von Gebieten für Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen bzw. für den Stadtum- bau. 3. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe“ wird außerdem berück- sichtigt a) bei städtebaulichen Wettbewerben, Rahmenplänen sowie der Verkehrsplanung, b) bei der Gestaltung öffentlicher Freiräume, c) bei der Beurteilung von Vorhaben nach § 34 BauGB, d) bei der Beurteilung von Anträgen auf Befreiungen nach § 31 BauGB, e) beim Erwerb oder der Veräußerung von Grundstücken, f) bei der Ausübung des gemeindlichen Vorkaufsrechts (Wohl der Allgemeinheit, § 24 Abs. 3 BauGB). Hauptamt – Ratsangelegenheiten – 12. März 2015

  • Anlage Klimaanpassung Begleitheft
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN ANPASSUNGSKOMPLEX „HITZE“ KLIMAANPASSUNG 2 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG _ INHALT STADTPLANUNGSAMT | 3 www.karlsruhe.de 1 Karlsruhe im Hitzestress ..................................................................................................................4 1.1 Handlungsbedarf, Aufgabe und Zielsetzungen .........................................................................5 1.2 Rechtliche Einordnung und Umsetzung des Rahmenplans ........................................................6 1.3 Vorgehensweise und Methodik des Rahmenplans ....................................................................7 2 Maßnahmen zur Reduktion des Hitzeinseleffektes ............................................................................8 2.1 Übergeordnete Maßnahmen .................................................................................................12 2.2 Lokale Maßnahmen ..............................................................................................................22 2.3 Gebäudemaßnahmen ...........................................................................................................36 2.4 Ergänzende gesellschaftliche Maßnahmen .............................................................................44 3 Maßnahmenpakete für Hot-Spot-Quartiere und deren Übertragbarkeit ............................................46 3.1 Stadtstrukturtyp 01 - geschlossene Blockrandbebauung .........................................................50 3.2 Stadtstrukturtyp 02 - offene Blockrandbebauung ...................................................................56 3.3 Stadtstrukturtyp 03 - Zeilenbebauung ...................................................................................62 3.4 Stadtstrukturytp 04 - Ortskern ..............................................................................................68 3.5 Stadtstrukturtyp 05 - aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte ..............................................74 3.6 Stadtstrukturytp 08 - Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung ..............................80 3.7 Stadtstrukturtyp 09 - Bereiche mit Großstrukturen .................................................................86 3.8 Stadtstrukturytp 10 - Gewerbe ..............................................................................................92 3.9 Stadtstrukturtyp 11 - Industrie ..............................................................................................98 3.10 Übersicht Flächenverteilung ................................................................................................104 3.11 Maßnahmenanwendung .....................................................................................................104 4 Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung - Das Planwerk ......................................................106 4.1 Der Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung ................................................................108 4.2 Lesehilfe Legende: Die Inhalte des Städtebaulichen Rahmenplans Klimaanpassung ...............112 Abbildungsnachweis ...................................................................................................................116 4 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 1 KARLSRUHE IM HITZESTRESS STADTPLANUNGSAMT | 5 Der bereits heute in den Innenstadtgebieten ausgeprägte Wärmeinseleffekt und die prognostizierte Zunahme an som- merlichen Hitzeperioden stellen eine besondere Herausfor- derung für die Stadtplanung dar. Großstädten wird dabei im Anpassungsprozess des polyzentrisch strukturierten Deutsch- lands fraglos eine Schlüsselfunktion zukommen, da sie nicht nur wichtige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Funktionen wahrnehmen, sondern auch gleichzeitig zu den besonders klimawandelvulnerablen Raumstrukturen gehören. Durch eine vergleichsweise hohe Versiegelungs- und geringe Vegetationsrate heizt sich die Stadt bis zu 10° stärker auf als ihr Umland, was zu einer enormen gesundheitlichen Belastung der Stadtbevölkerung führen kann. Ein nicht klimawandelge- rechter Nachverdichtungsgrundsatz kann diesen sog. Stadt- klimaeffekt noch verstärken. Da Flächennutzungen in Städten in aller Regel auf Jahrzehnte hinaus festgelegt sind und eine flexible Reaktion auf klimatische Ereignisse dadurch erschwert wird, ist die Anpassungskapazität vieler Städte zudem be- grenzt. Aufgrund ihrer exponierten Lage innerhalb des Oberr- heingrabens, der wärmsten Region Deutschlands, sind für Karlsruhe der Effekt der städtischen Hitzeinsel und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken der Bevölkerung von herausragender Bedeutung. Basierend auf den Erkenntnissen aus dem ExWoSt*-Modellvor- haben „Innenentwicklung versus Klimakomfort im Nachbar- schaftsverband Karlsruhe“ beauftragte der Planungsausschuss die Verwaltung deshalb mit der Erarbeitung des „Städtebauli- chen Rahmenplans Klimaanpassung“ für die Stadt Karlsruhe. Durch diesen Plan sollen über eine gesamtstädtische Betrach- tung zum URBAN-HEAT Phänomen konkrete Handlungs- bedarfe und -optionen für besonders betroffene Teilräume (sog. „Hot-Spots“) im Siedlungsgefüge aufgezeigt und dabei Faktoren berücksichtigt werden, die einen Einfluss auf die künftige Verwundbarkeit gegenüber sommerlicher Extremhitze in einzelnen Stadtquartieren ausüben. Ziel ist darüber hinaus die Darstellung eines übergeordneten, räumlich differenzierten Entlastungssystems für die in den nächsten Dekaden thermisch besonders belasteten Bereiche. Die Erkenntnisse und Maßnahmenvorschläge sollen, gemein- sam mit weiteren, sukzessive vorliegenden Klimaanpassungs- strategien (z.B. Umgang mit Überflutung oder Starkregen) sowohl als fachliche Basis bei der städtebaulichen Planung als auch bei der Abwägung raumbezogener Planungsentscheidun- gen dienen und damit zur planerischen Vorsorge an die sich künftig verstärkende Hitzeproblematik in der Stadt beitragen. 1.1 HANDLUNGSBEDARF, AUFGABE UND ZIELSETZUNGEN gen wie der Durlacher Alle oder der A5 und den Gleistrassen auch der Messplatz, der Bahnhofsvorplatz und das Gewerbegebiet im Dreieck Durlacher Allee / A5 (u.a. MANN Mobilia und real). Insbesondere auf den letztgenannten Plätzen halten sich teilweise verstärkt und über längere Zeiträume Menschen auf, weshalb ihnen eine besondere Bedeutung zukommt. Auch bei der 04:00 Uhr Situation bildet sich im Modell ein differenziertes Temperaturfeld aus. Insgesamt ergibt sich eine Temperaturamplitude von 8 K, was in etwa der Varianz am Tage entspricht. Im Gegensatz zur Tagsituation bilden sich allerdings räumlich deutlich homogenere Muster heraus. Dieses liegt darin be- gründet, dass sie entscheidenden Faktoren sind hier nun nicht mehr die unmittelbare Exposition zur Sonnen- einstrahlung, sondern die spezifische Wärmespeicherkapazität der Baukörper sowie die Nähe zu Kaltluft produzierenden bzw. leitenden Frei- und Grünflächen sind (vgl. Kapitel 5.2.2). Als kälteste Teilräume stechen insbesondere der alte Flugplatz im Nordwesten, die landwirtschaftlichen Flä- chen im Südosten sowie die offenen Wasserflächen der Alb und der Standgewässer heraus. Auch die offenen Rasenflächen im Schlossgarten können als Kältepole bezeichnet werden. Als Hitzepol lassen sich eindeutig die stark versiegelten bzw. verdichteten Quartiere südlich der Schlossanlage und innerhalb der ersten Aus- baustufe des Karlsruher Fächers identifizieren. Aber auch außerhalb dieses Kernbereichs existieren Teilflä- chen die aufgrund ihres wärmespeichernden Bauvolumens ein vergleichbares Temperaturniveau aufweisen. Hierzu gehören u.a. der Bereich um das ZKM in der Südweststadt, einzelne Blockrandquartiere im nördli- chen Teil der Südstadt und im westlichen Teil der Oststadt sowie einzelne Gewerbeflächen entlang der Dur- lacher Allee. Die ausgedehnten Waldflächen des Hardtwaldes nehmen thermisch eine Mittelstellung zwi- schen den kühlen Freiflächen und den warmen Siedlungsflächen ein. Das geschlossene Kronendach verhin- dert hier nachts eine stärkere Auskühlung. Abbildung 21: Temperaturfeld im Ausgangszustand um 04:00 Uhr morgens in 2m Höhe während einer hochsommerlichen autochtho- nen Wetterlage Abb. 1: Temperaturfeld in Karlsruhe um 04:00 Uhr morgens in 2m Höhe während einer hochsommerlichen autochthonen Wetterlage (Ausgangslage der Modellierungen der experimentellen Testentwürfe) * BMUB-Forschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ 6 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 1.2 RECHTLICHE EINORDNUNG UND UMSETZUNG DES RAHMENPLANS Der Gesetzgeber hat mit den letzten Änderungen des Baugesetzbuchs (BauGB, 2011/13) Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawan- del zu „Planungsleitsätzen“ erklärt. Durch den neuen Absatz 5 im § 1a BauGB werden die Klimabelange auch zum Gegenstand der Um- weltprüfung (UP). Eine Möglichkeit, dieser Anforderung an die Planung gerecht zu werden, ist die Aufstellung eines städtebaulichen Rahmen- plans als informelles Planungsinstrument. Er unterscheidet sich von der vorbereitenden und der verbindlichen Bauleitplanung insbesondere dadurch, dass kein förmliches Verfahren und keine bestimmten Dar- stellungen erforderlich sind. Der städtebauliche Rahmenplan hat keine unmittelbare Rechtsverbindlichkeit. Er dient der Gemeinde allgemein für die Bestimmung und Darstellung städtebaulicher Ziele, meist für einen Stadtteil, ein Quartier oder aber zu einem speziellen Thema. Beim „Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe“ geht es zunächst um den Belang „Anpassung an den Klimawandel, Komplex Hitze“ auf gesamtstädtischer Ebene. Klimatische Defizite und damit Steuerungsbedarfe treten dabei insbeson- dere im Bestand auf. Deshalb gewinnen die Instrumente der Innenent- wicklung, der Stadtsanierung und des Stadtumbaus zukünftig stark an Bedeutung. Mit der „Innenentwicklungsnovelle 2013“ im BauGB vertritt der Gesetzgeber die Auffassung, dass die Innenentwicklung Vorrang haben sollte vor der städtebaulichen Entwicklung in der freien Landschaft (Außenbereich). Im § 1a Abs. 5 BauGB wird jedoch auch gefordert, den Erfordernissen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung Rechnung zu tragen. Dies bedeutet, dass auch das bei Innenentwicklung häufig an- gewandte „Vereinfachte Verfahren“ (§ 13 BauGB) die Belange der Kli- maanpassung zu berücksichtigen hat, auch wenn keine Umweltprüfung und kein Umweltbericht zu erstellen sind. Auch können beim Vorliegen von Missständen bezüglich der Klimaanpassung in einem Gebiet städte- bauliche Sanierungsmaßnahmen ergriffen werden. Bei der Vorbereitung der Sanierung sind nach § 140 BauGB städtebauliche Planungen oder Rahmenplanungen zu beachten. Gleiches gilt im Grunde auch bei Stadt- umbaumaßnahmen, wenn erhebliche städtebauliche Funktionsverluste vorliegen oder auch die allgemeinen Anforderungen an Klimaschutz und Klimaanpassung nicht erfüllt werden können. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe“ wird als „sonstige städtebauliche Planung“ (§ 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB) durch Gemeinderatsbeschluss zu einem wichtigen Abwägungsbelang in der Bauleitplanung. Nach neuerer Rechtsprechung kann ein Rahmenplan im Zusammenhang mit der Aufstellung eines Bebauungsplans auch als antizipiertes Gutachten angesehen werden, was die Umsetzung in die verbindliche Bauleitplanung vereinfacht und den Aufwand für weitere Gutachten reduzieren kann. Zur Umsetzung und Entfaltung längerfristig bindender Wirkungen des Rahmenplans sind neben den planungs- und baurechtlichen Möglichkei- ten auch sonstige begleitende Maßnahmen sinnvoll. Zu seiner Akzeptanz sollte z.B. auch eine Informationsstrategie entwickelt werden, um Kennt- nisse in Bezug auf Anpassung an den Klimawandel sowohl innerhalb der Verwaltung als auch bei externen Akteuren aus den Bereichen Planen und Bauen in der Stadt kontinuierlich auszubauen. Abb. 2: Stadtstrukturanalyse: von nutzungs- und formalstrukturellen Merkmalen (Auswahl) zur Identifikation von Stadtstrukturtypen KLIMOPASS * · Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe Arbeitsstandsbericht 12. März 2013 Seite 3 1 ÜBERBLICK KARLSRUHE 1.1 BEBAUUNGSSTRUKTUR Der gesamtstädtische Schwarzplan zeigt das prägnante Verteilungsmuster der Karlsruher Siedlungsgeschichte. Deutlich zu sehen sind hierbei heterogene Bereiche, aber auch zahlreiche scharf abgrenzbare Quartiere mit homogenem „Footprint“. Der Schwarzplan bildet den Ausgangspunkt der städtebaulichen Analysen. Schwarzplan Stand 12.3.13 KLIMOPASS * · Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe Arbeitsstandsbericht 12. März 2013 Seite 6 2 STADTSTRUKTURTYPEN 2.1 ANALYSE 2.1.1 Dichteverteilung der Gebäudegrundflächen 0 - 1.000 1.100 - 1.600 1.700 - 2.500 2.600 - 4.300 4.400 - 6.000 6.100 - 6.100 6.200 - 8.800 8.900 - 13.000 14.000 - 18.000 Dichte der Gebäudegrundflächen [m²/ha] Alt-Durlach Hochhauszeilen Waldstadt Gewerbegebiet Siemensallee Die GIS-basierten städtebaulichen Analysen dienen der Qualifikation des Gebäudebestandes und fördern quartiersbezogene Eigenschaften zutage, die mit Schwarzplänen oder gebäudescharfen Nutzungskar- tierungen nicht visualisiert werden können. Die Karte links zeigt die Dichte der Gebäudegrundflächen. Aus diesem „rein zweidimensionalen“ Merkmal lassen sich zwar erste Einschätzungen zu Dichten ablesen, die Karte ist jedoch nur im Zusammenspiel mit weiteren Karten, insb. zur Höhenentwicklung aussagekräftig (s.u.). Stand 12.3.13 KLIMOPASS * · Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe Arbeitsstandsbericht 12. März 2013 Seite 10 Auch die auf den Seiten 12 bis 15 dargestellten Analysen zur Nutzungsstruktur zeigen eindeutig, wo homogene, monostrukturierte Bereiche und wo Schwer- punkte vielfältiger Durchmischung zu finden sind. Die Karte links beschreibt die Lage der überwiegenden Gebäudenutzungen. Hierbei ist interessant, dass ne- ben den vorherrschenden Wohn- und Gewerbegebieten signifikante Bereiche mit „Garagen“ auftauchen. Aus der Überlagerung der einzelnen Karten lassen sich Schlüsse zur strukturellen Beschaffenheit der Quartiere ziehen, die zur Identifizierung der Strukturtypen dienen. 2.1.5 Überwiegende Gebäudenutzung Überwiegende Nutzung nach Gebäudevolumen Gewerbegürtel um Karlsruhe Wohnen Gewerbe Garagen Sonstige Stand 12.3.13 KLIMOPASS * · Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe Arbeitsstandsbericht 12. März 2013 Seite 11 Die Karte zeigt die Vielfalt der im 100m-Suchradius vorkom- menden Nutzungen. Auffällig sind wiederum die Bereiche homogen geringer Nutzungsvielfalt in den Wohngebieten, aber auch die höhere Vielfalt des Durlacher Kerns gegenüber der Karlsruher Innenstadt (Durlach kleinräumiger und mit größeren Wohnanteilen, Karlsruhe-Innenstadt großräumiger verteilt, monostrukturierter, weniger Wohnanteile). 2.1.6 Nutzungsvielfalt 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Bandbreite an Nutzungen reine Wohnnutzung Raffinerie historische Stadt- und Dorfkerne Stand 12.3.13 geschlossene Blockrandbebauung offene Blockrandbebauung Zeilenbebauung Ortskern Bereiche mit Großstrukturen Gewerbe Industrie Sondergebiet Bebauungsstruktur Dichte Gebäudegrundflächen Gebäudenutzung Nutzungsvielfalt aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte kompakte EFH-Typen lockere Bebauung geringer Dichte Hochhausgebiete (überw. Wohnnutzung) STADTPLANUNGSAMT | 7 1.3 VORGEHENSWEISE UND METHODIK DES STÄDTEBAULICHEN RAHMENPLANS Die Erarbeitung des Rahmenplans fand in zwei grundlegenden Phasen statt. Phase 1 diente auf Basis umfangreicher gesamtstädtischer Untersu- chungen der Identifikation von Stadtstrukturtypen (Abb. 2 auf der gegen- überliegenden Seite) sowie der Ermittlung der schlimmstbelasteten Quar- tiere jedes Stadtstrukturtyps („Hot-Spots“) mittels einer multikriteriellen Vulnerabilitätsanalyse, die neben den klimatischen (z.B. bioklimatische Belastungssituation) auch nichtklimatische Kriterien (z.B. demographische Faktoren, Gebäudeinformationen oder Erreichbarkeiten von Entlastungs- räumen) untersuchte (Abb. 3). Im Ergebnis wurden die Gesamtstadt strukturtypspezifisch in ihrer mittelfristigen Belastungssituation sowie die einzelnen Hot-Spots in ihrer Lage dargestellt und beschrieben. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde in Phase 2 der eigentlichen „Städ- tebauliche Rahmenplan Klimaanpassung, Anpassungskomplex Hitze“ erstellt. Hierzu wurden zunächst grundsätzliche Maßnahmen zur Anpas- sung an den Hitzestress auf räumlich übergeordneter, lokaler und ge- sellschaftlicher Ebene recherchiert und zusammengestellt (Kap. 2). Me- thodisch wurde in der Folge eine Erarbeitung auf zwei Maßstabsebenen gewählt, die letztendlich im Rahmenplan zusammengeführt werden. Auf lokaler Quartiersebene wurden diejenigen Maßnahmen ermittelt und den einzelnen Stadtstrukturtypen zugeordnet, die lokale Wirkung entfalten. Jedes Hot-Spot-Quartier der mittelfristig belasteten Stadtstruk- turtypen wurde dabei umfangreich analysiert und konzeptionelle bear- beitet. Neben plangrafischen, textlichen und tabellarischen Darstellungen werden dabei dreidimensionale Abbildungen der Hot-Spots verwendet, Abb. 3: Ermittlung der Hot-Spots mit einer Vulnerabilitätsanalyse klimatischer und nicht-klimatischer Kriterien (Auswahl) Hot-Spots belastete Stadtstrukturtypen SST 10 SST 11 SST 02 SST 09 SST 05 SST 04 SST 08 SST 03 SST 01 die den Ist-Zustand des Quartiers und die Situation mit Anwendung der Maßnahmen prägnant und nachvollziehbar illustrieren (Kap. 3). Um Erkenntnisse auf gesamtstädtischer Ebene zu erlangen, wurden neben der raumkonkreten Darstellung der übergeordneten Faktoren für Karlsruhe auch die möglichen stadtklimatischen Auswirkungen ver- schiedener Extremszenarien betrachtet. Hierfür wurden die Szenarien „Schrumpfung und Entsiegelung“ sowie „Nachverdichtung und Neu- bebauung“ entwickelt und in experimentellen Testentwürfen für einen großräumigen Kernbereich des Karlsruher Stadtgebiets umgesetzt. Diese Entwürfe wurden in taugliche Formate für eine Klimamodellierung über- setzt und anschließend mit einer horizontalen Auflösung von 10m für eine autochthone Wetterlage modelliert. Für eine ausführliche Darstellung des Untersuchungsablaufs und -ergebnisses wird auf den Forschungsbe- richt verwiesen, der auf den Internet-Seiten des LUBW abgerufen werden kann. Auf Seite 116 sind tabellarisch die konkreten Ergebnisse der Mo- dellierung zusammengefasst. Im Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung fließen alle Unter- suchungs- und Konzeptebenen wieder zusammen. Neben den lokalen Ergebnissen werden auch alle großräumigen Teilkonzepte, wie z.B. das Entlastungssystem, und die Resultate der Modellierungen der Testentwür- fe in einem einzigen Planwerk zusammengefasst (Kap. 4). Neben dem Hauptplan finden sich hier die Teilpläne „Stadtstrukturtypen“ und „Entla- stungssystem“. Das vorliegende Begleitheft unterstützt die plangrafischen Darstellungen mit weiteren erläuternden Abbildungen und Texten. Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe37 In der Literatur und der Praxis herrscht zwar weitgehend Einigkeit über die Risikogruppen von Hitzestress, welchen (besonderen) Gebäudenutzungen diese (ggf. unabhängig von ihrem eigentlichen Wohnort) zugeord- neten werden müssen, wird allerdings uneinheitlich gehandhabt. Eine sich speziell an der in jeder Kommune verfügbaren ALK orientierende Veröffentlichung konnte nicht recherchiert werden. Folglich wurde auf der Basis einer projekt- bzw. amtsinternen Abstimmung und unter Berücksichtigung der zu diesem Zeitpunkt unveröffentlichten Ergebnisse des KIBEX-Projektes ein Nutzungsportfolioevaluiert. Im Zuge dieses Abstimmungsprozesses wurde deutlich, dass zwei Nutzungstypen unterschieden werden müssen: Zum einen Gebäude, die sowohl tagsüber als auch in der Nacht frequentiert werden und zum ande- ren solche, die nur tagsüber besucht werden. Insbesondere für Schulen und Kindergärten (aber auch für die übrigen Nutzungen) gilt, dass die Grenze zwischen Außen- und Innenraumklima verschwimmt. Denn die Risikogruppen können zumindest einen Teil ihrer Aufenthaltszeitauch in der unmittelbaren Umgebung der Gebäude verbringen. Wie Abbildung 25zeigt, sind die klimasensiblen Gebäudenutzungen sehr heterogen über das Stadtgebiet Karlsruhes verteilt, so dass sich relevante Quartiere sowohl in der Kernstadt als auch in den Umlandgemeinden identifizieren lassen. Abbildung 25: Räumliche Lage der klimasensiblen Nutzungen in Karlsruhe 5.2.3BEVÖLKERUNGSDICHTE Um die gesamtstädtische Relevanz der bioklimatischen Belastung der einzelnen Stadtquartiere bewerten zu können, mussauch die Demographieder Quartiere berücksichtigt werden. Neben der räumlichen Alters- struktur und ihrer Entwicklung im Zuge des Demographischen Wandels (Kap. 5.2.4) ist hier zunächst der Faktor Bevölkerungsdichte zubeachten. Denn grundsätzlich sollte davon ausgegangen werden, dassder Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe45 Abbildung 33: Eignungsflächen zum Abbau von Hitzestress am Tage, Erreichbarkeit der bioklimatisch belasteten Quartiere des Stadt- strukturtyps „geschlossene Blockrandbebauung“ (Ausschnitt) In dieser Untersuchung werden Grünflächen geringer Größe (< 2 ha) nicht berücksichtigt. Diese Freiflächen können den Bedarf durch ihre geringe Kapazität in den meisten Flächen ohnehin nicht decken. Die Abbil- dungstellt jedoch auch diese Flächen nachrichtlich dar: Hierbei wird deutlich, welche Relevanz diese im Kernbereich dennoch aufweisen bzw. welchem Druck sie dort aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und der zusätzlichen Innenstadtnutzer (Arbeitsplätze, Shopping, Kultur, ...) ausgesetzt sind. (Anmerkung: Das zeitliche Kriterium 5 Minuten Fußweg wurde in dieser Untersuchung nicht weiter ange- wandt, da innerhalb dieses Zeitraums bereits bei einer angenommenen Fußgängergeschwindigkeit von 4,5km/h nur deutlich kürzere Distanzen als 500m zurückgelegt werden.) KLIMOPASS Karlsruhe berchtoldkrass space&options bioklimatische Belastung 2010/ 2050 Baualtersklassen sensible Gebäudenutzungen Anteil der Altersgruppen > 65 und <6 Erreichbarkeit von Entlastungsflächen Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe35 Abbildung 22: Endenergieverbrauch nach Modernisierungszustand und Baualter in Deutschland /Quelle: ARGE 2011) EINSELEUNDKILIAN (1997) haben für die Stadt Karlsruhe einen stadthistorischen Abriss veröffentlicht, auf dessen Basiszumindest für einen Teil der Quartiere Aussagenzu ihrem Baualter und damit auch zu ih- rem zu erwartenden energetischen Standard getroffen werden können (Abbildung 23).Demnach existiert eine Reihe von Quartieren, die der Baualtersklasse der Jahre 1950-1980 zugeordnet werden können und für die ein grundsätzlich geringer Dämmfaktor und damit eine hohe Abhängigkeit des Innen- vom Außenklima zu erwarten ist. Abbildung 23: Karlsruher Stadtquartiere der Baualtersklasse 1950-1980 Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe41 Abbildung 29: Normalisierter Anteil der Altersgruppen Ü65 und U6 an der Bevölkerung auf Stadtviertelebene(Datenbasis 31.12.2011) Dieses gilt umso mehr, wenn mandensich parallel zum Klimawandel entwickelnden Demographischen Wandel mit ins Kalkül zieht. Denn mit diesem Phänomen istin Karlsruhe sowohl mit einem nicht unwesent- lichen Anstiegdes Medianalters von heute 44 Jahre auf 49,4 Jahre im Jahr 2030 (Bertelsmann Stiftung 2009) als auch mit einem signifikanten Anstieg des Anteil der Altersgruppe >65, wobei die Entwicklung bei den hochbetagtenMenschen >85 Jahre am deutlichsten ausfällt (siehe Abbildung 30). Abbildung 30: Veränderung der Altersgruppen in Karlsruhe 2010-2030 nach Prognosevarianten (Quelle: AfSta 2012, 34) Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe33 Die Abbildung verdeutlicht, dass bereits heute in 6 derinsgesamt 12Stadtstrukturtypen Quartiere existieren, die einer bioklimatischhohen Belastung ausgesetzt sind. Insbesondere die innerstädtischen geschlossenen Blockrandbebauungen sowie Gewerbeflächen sind betroffen. Aber auch Typen wie Zeilensiedlungen oder Wohn-Hochhäuser weisen vereinzelt schon in der Ausgangssituation eine hohe Betroffenheitauf. Zur Mitte des Jahrhundertsdehnen sich die bioklimatischbelasteten Gebieteräumlich aus. Es weisen nun auch ver- mehrt Quartiere außerhalb der Kernstadt eine hohe Belastung auf. Dabei existiert kein Quartier, das zwar in der Ausgangssituation eine hohe Belastung aufweist, aber 2050 nicht mehr. Mit dieser Entwicklung geht aucheinher, dass mit dem „Ortskern“, dem „MFH aufgelockert“, dem „Blockrand offen“ und dem „Sonder- gebiet“ vierweitere Stadtstrukturtypen in die Gruppeder von potentiellem Hitzestress betroffenen Gebiete aufgenommen werden müssen. Damit werdenmittelfristigeinzig sämtliche (sowohl lockeren als auch kom- pakt bebauten) Einfamilienhaussiedlungeneiner lediglich gemäßigten bioklimatischen Belastung ausgesetzt sein.Hier wird sicherst zum Ende des Jahrhunderts eine signifikante Belastungssituationeinstellen(vgl. Anhang,S. 64ff). Abbildung 21: bioklimatische Belastung (Verknüpfung Tag-/Nachsituation) in den Karlsruher Stadtquartieren in der Ausgangsituation (2010) und zur Mitte des Jahrhunderts (2050) Für diejenigen Stadtstrukturtypen, für die sich nur ein Quartier ergibt, das eine hohe bioklimatische Belas- tung am Tage und/oder in der Nacht aufweist, ergibt sich die Identifizierung der jeweiligen Hot-Spots quasi von selbst(siehe Kapitel 6). Hierbei handelt es sich allerdings lediglich um die Typen „Ortskern“ und „Son- dergebiet“. Alle anderen Strukturtypen weisen zwischen 2 und 53 betroffene Quartiere auf. Um hieraus je- weils die Hot-Spots herauszufiltern sowie vor allem auch um gezielt Maßnahmen für die Quartiere identifi- 8 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 2 MASSNAHMEN ZUR REDUKTION DES HITZEINSELEFFEKTES STADTPLANUNGSAMT | 9 Zur Reduktion bzw. zur Eindämmung des Hitzeinseleffektes wurden insgesamt 19 verschiedene Maßnahmen identifiziert (Abb. 5). Prinzipiell können diese den drei räumlichen Ebenen der Stadt zugeordnet werden: > Gesamtstadt, Stadtbezirke > Stadtviertel, Stadtquartiere > Gebäude, Grundstück Der Übergang zwischen den räumlichen Ebenen ist fließend, so dass auch eine eindeutige Zuordnung der Maßnahmen zu den Ebenen nicht ohne Kompromisse möglich ist. Im vorlie- genden Fall wurde der Kompromiss geschlossen, dass eine Maßnahme derjenigen Raumebene zugewiesen wird, auf der ihre Umsetzung im Wesentlichen vorangetrieben werden muss. 1 Diejenigen Maßnahmen, die der gesamtstädtischen Ebene zugeordnet wurden, sind demzufolge in den Paketen für die Hot-Spot-Quartiere nicht enthalten. Sie sind aber den- noch elementarer Bestandteil des Rahmenplans. 1 So ist der Erhalt, die Entwicklung und die Schaffung von Kaltluftleitbah- nen und Kaltluftentstehungsgebieten (Kapitel 1.1, M 01) am ehesten eine gesamtstädtische Aufgabe, die über den FNP sichergestellt werden muss. Im konkreten Planungsfall (z. B. Nachverdichtungs- oder Rückbauprojekte) sind aber natürlich auch die Stadtquartiers- und Grundstücksebene tangiert. Die grundsätzliche Auswahl der Maßnahmen sowie Zusam- menstellung der Maßnahmenpakete erfolgte primär nach den Kriterien der Wirksamkeit, der lokalen Umsetzbarkeit sowie der formellen bzw. informellen Implementierbarkeit in die Instrumente der Stadtplanung. Darüber hinaus wurde bei der Auswahl auch darauf geachtet, dass die Maßnah- men möglichst raumkonkret verortet und ihre Wirkungen gleichsam quantifiziert werden können, entweder durch validierte Literaturwerte oder durch eigene Modellierungen. Dem ganzheitlichen, querschnittsorientierten Ansatz des Rahmenplans entsprechend, wurden aber gezielt auch sol- che Maßnahmen in das Portfolio aufgenommen, auf deren Wirkungen zwar abduktiv geschlossen werden kann, die aber bislang noch nicht quantifizierbar sind (z. B. Nachbar- schaftshilfemodelle, vgl. Kapitel 1.4). Abb. 4: Herausforderung Hitzestress 10 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG LOKALE MASSNAHMEN GEBÄUDEMASSNAHMEN ÜBERGEORDNETE MASSNAHMEN ERGÄNZENDE GESELLSCHAFTLICHE MASSNAHMEN M 01 M 02 M 03 M 07 M 08 M 09 M 06M 04 Rückbau (Entdichtung) Reduktion anthropogener Wärmeemissionen Nachbarschafts- hilfemodelle Erhalt und Schaffung von Kaltluftentstehungsgebieten und Kaltluftschneisen EntsiegelungErhalt, Schaffung und Entwicklung großräumiger Grünanlagen (Freiflächen und Waldflächen) grüne Parkierung, Verschattung von Parkflächen Vernetzung und Anbindung von Freiräumen (Stadtparks und größere Grünanlagen) Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden Erhalt und Schaffung von offenen und bewegten Wasserflächen Neueinrichtung von Pocket-Parks Erhöhung der Oberflächen-Albedo (Reflektion) Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum (z.B. Wasserspielplätze) grüne Gleistrassen Innen-/ Hinterhofbegrünung M 10M 15 M 16 M 17 energetische Gebäudesanierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 18 M 11 M 12 M 13 M 14 M 05 M 19 Abb. 5: Maßnahmenmatrix des Rahmenplans STADTPLANUNGSAMT | 11 LOKALE MASSNAHMEN GEBÄUDEMASSNAHMEN ÜBERGEORDNETE MASSNAHMEN ERGÄNZENDE GESELLSCHAFTLICHE MASSNAHMEN M 01 M 02 M 03 M 07 M 08 M 09 M 06M 04 Rückbau (Entdichtung) Reduktion anthropogener Wärmeemissionen Nachbarschafts- hilfemodelle Erhalt und Schaffung von Kaltluftentstehungsgebieten und Kaltluftschneisen EntsiegelungErhalt, Schaffung und Entwicklung großräumiger Grünanlagen (Freiflächen und Waldflächen) grüne Parkierung, Verschattung von Parkflächen Vernetzung und Anbindung von Freiräumen (Stadtparks und größere Grünanlagen) Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden Erhalt und Schaffung von offenen und bewegten Wasserflächen Neueinrichtung von Pocket-Parks Erhöhung der Oberflächen-Albedo (Reflektion) Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum (z.B. Wasserspielplätze) grüne Gleistrassen Innen-/ Hinterhofbegrünung M 10 M 15 M 16 M 17 energetische Gebäudesanierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 18 M 11 M 12 M 13 M 14 M 05 M 19 12 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 2.1 ÜBERGEORDNETE MASSNAHMEN Abb. 6: Auszug aus der gesamtstädtischen Klimaanalyse für den Nachbarschaftsverband Karlsruhe // WAS IST DAMIT GEMEINT? Kaltluftentstehungsgebiete sind größere grüne Freiflächen (z.B. Wälder, Wiesen, Felder, Kleingärten), die in der Regel außerhalb des Siedlungsbereiches liegen. Über Ihnen kühlt die bodennahe Luft nachts sehr viel stärker aus als über (teil-)bebauten Flächen. Um für die Stadtbewohner eine Wohlfahrtswirkung zu entfalten, muss die Kaltluft über Kaltluftleitbahnen in die der Stadt hinein transportiert werden. Kaltluftleitbahnen sind linear ausgerichtete, vegetationsgeprägte und hindernisarme Freiflächen, die die Kaltluftentstehungsgebiete mit den thermisch belasteten Siedlungsbereichen verbinden. Hierbei kann es sich um Niederungsbereiche von Fließgewässern, zusammenhängende Grünzüge oder auch größere Verkehrswege handeln. Wälder ohne größeres Gefälle eignen sich aufgrund ihrer geringeren Durchlässigkeit und Auskühlungsleistung weniger als Kaltluftleitbahnen aber durchaus als Kaltluftentstehungsgebiete // WIRKUNG DER MASSNAHME Die Stärke der Kaltluftzufuhr hängt von der Größe des Einzugsgebiets, der Hangneigung, der Breite der Leitbahn M 01 ERHALT UND SCHAFFUNG VON KALTLUFTENTSTEHUNGSGEBIETEN UND KALTLUFTSCHNEISEN STADTPLANUNGSAMT | 13 Abb. 8: Thermalaufnahme vom Plangebiet im Vergleich mit einer Straße in der Umgebung (Juli 2005) Abb. 7: Chéong Gye Cheon vor (2002) und nach Realisierung des Umbaus (2005) AVERAGE 36.3°C NEARBY STREETAVERAGE 32.7°C CHEONG GYE CHEON sowie von Fließhindernissen (Bahn- oder Straßendamm, natürliche Wälle, Häuser etc.) ab. Grundsätzlich kann über Kaltluftentstehungsgebieten aber pro Stunde eine bis zu 12m mächtige Kaltluftschicht entstehen. Die Temperatur in diesen Luftschichten kann 10°C und mehr unterhalb derjenigen im Stadtkern liegen. Im unmittelbaren Einwirkungsbereich von intakten Leitbahnen kann die Temperatur daher dauerhaft um mehrere Grad Celsius abgesenkt werden. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Im Raum Karlsruhe existieren zwei Kaltluftsysteme. Im Osten der Stadt kommt es zu einem flächenhaften Abfluss der an den Hängen des Pfinz-Alb-Hügellandes entstehenden Kaltluft. Dieses System ist vor allem für die östlichen Stadtrandgemeinden von Belang, reicht jedoch nicht bis in die stärker belasteten Kernstadtbereiche hinein. Für deren Belüftung spielt vor allem die Albniederung eine wichtige Rolle. Sie transportiert die in den südlich und westlich gelegenen Entstehungsgebieten produzierte Kaltluft über kleinere Grünzüge Richtung Innenstadt. Das Beiertheimer Feld und der Zoologische Stadtgarten bilden hierfür wichtige Trittsteine. Auch über den Alten Flugplatz und den Schlosspark wird lokal wirksame Kaltluft in die Stadt geleitet. Der Hardtwald im Norden entfaltet in seiner jetzigen Struktur insbesondere eine Wirkung als Naherholungsraum, relevante Kaltluftmengen fließen aus ihm nicht ab (Abb. 3). // ÜBER DEN TELLERRAND Die Stadt Seoul in Südkorea wird von einem kleinen Fluss Namens Chéong Gye Cheon durchflossen. Dieser Flusslauf wurde früher mit einer vierspurigen Hochstraße überbaut. Im Juli 2002 beschloss man, diese Hochstraße abzureißen, den Flusslauf auf über 5 km freizulegen und als Erholungsfläche zu entwickeln (Abb. 4). Im September 2005 wurde das Projekt abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf ca. 386 Mio. US $. Außer der städtebaulichen Aufwertung dieses Raumes wurde durch diese Maßnahme die Luft- und Wasserqualität erheblich verbessert. Ferner gingen die Geruchs- und Lärmbelästigungen zurück, wie eine Meinungsumfrage nach der Realisierung ergab. Die Windgeschwindigkeit wurde erhöht und die thermische Belastung reduziert, dies zeigt der Vergleich von Thermalaufnahmen vom Juli 2005 (Abb. 5, In-Keum Lee, 2006). 14 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Abb. 9: Rosengarten im Zoologischen Stadtgarten // WAS IST DAMIT GEMEINT? Eine häufig gestellte Frage ist, ob eine große Grün- bzw. Park- fläche klimatisch günstiger ist als mehrere kleine. Die Antwort hängt davon ab, was klimatisch erreichen werden soll, d.h. die Funktion muss im Vordergrund stehen. Größere Parkanlagen dienen in der Regel längeren Aufenthaltsdauern. Die Grünaus- stattung sollte deshalb abwechslungsreich sein. Neben offenen besonnten Flächen müssen auch verschattete Plätze unter Bäumen oder Planen angeboten werden. So hat der Besucher die Möglichkeit, je nach Tageszeit, Jahreszeit und aktuellem Wetter, dem ihm klimatisch angenehmsten Orte aufzusuchen. Waldgebiete wirken als nächtliche Kaltluftproduzenten. Im Waldbestand kühlt sich im Gegensatz zum Freiland ein grö- ßeres Luftvolumen ab, erreicht jedoch deshalb nicht die tiefen Temperaturen der Freiflächen. Da es tagsüber im Wald deutlich kühler ist als auf Freiflächen oder bebauten Gebieten, bietet der Wald insbesondere in heißen Tageszeiten Erholung. // WIRKUNG DER MASSNAHME Soll der Park auch als Kaltluftproduktionsfläche dienen und die Kaltluft die Umgebung positiv beeinflussen, muss der Übergangsbereich zur Bebauung offen gestaltet sein, um M 02 ERHALT, SCHAFFUNG UND ENTWICKLUNG GROSSRÄUMIGER GRÜNANLAGEN (FREIFLÄCHEN UND WALDFLÄCHEN) STADTPLANUNGSAMT | 15 Tabelle 1: Größe, Umgebung, Kühleffekt und thermische Reichweite städtischer Grünflächen (nach Kuttler, 2011, verändert) LAGE (UHI in K) BerlinStadtpark Steglitz Park mit dichtem Baumbestand 1,0 (abends)80 - 140von Stülpnagel 1987 StadtparkWiesen und Bäume 2,0 (morgens)< 300Naumann 1981 SchlossgartenWiesen und Bäume 1,3 (Jahresmittel) 3,8 (Tagesmittel) 200Knapp 1998 FalledparkenGras und Bäume2,1 (22 Uhr)100Eliasson und Uppmann 2000 Kleingärten Priesterweg Garten5,5 (abends)250von Stülpnagel 1987 Mainz Stuttgart Kopenhagen Berlin PARK-NAMEGESTALTUNGKÜHLEFFEKT in K REICHWEITE in m QUELLE der Kaltluft die Möglichkeit zu geben, in bebaute Strukturen einzudringen. Auch sollte der Park dann keinen zu dichten Baumbestand haben, da sich Wiesen schneller und stärker abkühlen. Die Reichweite der Klimafunktion von Parkanlagen in die Umgebung wird meist überschätzt (Kuttler 2011). Untersu- chungen in deutschen Großstädten zeigen den Einwirkungs- bereich in die Umgebung bei wenigen 100 Metern (Tabelle 1). Als Faustformel kann man die Parkbreite als Wirkungsraum annehmen, sofern keine zu dichte Randbebauung vorliegt. Der Park und die Grünflächen haben somit in erster Linie den Effekt einer „Kühlinsel“ innerhalb der städtischen Wärmeinsel so dass die klimatisch günstige Wirkung insbesondere den Besuchern der Grünanlage zugutekommt. Die Baumkronen-Oberfläche des belaubten Waldes bzw. des immergrünen Nadelholzwaldes schirmt den Waldboden zur Atmosphäre ab und reguliert den Wärmeumsatz so, dass der Stammraum tagsüber nicht so stark aufgeheizt wird wie die bodennahe Luftschicht über Freiflächen und sich zur Nachtzeit auch nicht extrem abkühlt. Diese den Tagesgang der Lufttem- peratur ausgleichende Wirkung ermöglicht es, dass stadtnahe Wälder auch am Tage Kaltluft zugunsten des Siedlungsraumes erzeugen. Besonders günstig für die Abkühlung bei Tag sind Waldgebie- te, die an Nord- und Osthängen geringer Sonneneinstrahlung unterliegen. Eine große Bedeutung hat der Wald bei Hitzeta- gen als Erholungsraum für die Stadtbevölkerung speziell am Tage: > Lebensraum für Pflanzen und Tiere > Regenwasserspeicherung > Grundwasser Erneuerung > Kaum Oberflächen Abfluss bei Starkregen > Reduktion des Wärmeinseleffekts > Thermisches Wohlbefinden > Kaltluftproduktion > Filter für Luftschadstoffe > Erholungsraum in der Stadt // BEISPIELE IN KARLSRUHE Karlsruhe kann einige großräumige Grünflächen und Parkanla- gen im Stadtgebiet aufzeigen. Dazu gehören der Zoologische Stadtgarten (Abb. 6), der Schlossgarten, das Beiertheimer Feld mit der Günther-Klotz-Anlage, der Hauptfriedhof sowie der Hardtwald im Norden und der Oberwald im Süden. 16 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Die Vernetzung und Anbindung grüner Infrastruktur ist wich- tig um „kühle Verbindungswege“ zwischen einzelnen Grün- bereichen zu schaffen. Außerdem dient diese Maßnahme auch der Biotopvernetzung und hat deshalb Synergieeffekte. // WIRKUNG DER MASSNAHME Die Vernetzung der Grünbereiche hat ihre Funktion in der Gesamtausstattung der Stadt mit Grünflächen und derer schnellen Erreichbarkeit. Durch die Verbindung der Grünflä- chen können auch Ventilationsbahnen und Frischluftschneisen in der Stadt gesichert werden. Diese Maßnahme kann hervorragend mit anderen Anpas- sungskomplexen, wie z.B. Starkregen oder Überflutung gekop- pelt werden, um multifunktionale Flächen zu schaffen. Die Grünverbindungen können auch hervorragend als Radwe- geverbindungen genutzt werden. Die klimatischen Wirkungen sind abhängig von der Größe der Verbindungen und deren Lage. Wichtig ist es auch für ältere Bewohner, dass sie fuß- läufig Grünflächen rasch auf bequemen Verbindungswegen erreichen können. M 03 VERNETZUNG UND ANBINDUNG VON FREIRÄUMEN (STADTPARKS UND GRÖSSERE GRÜNANLAGEN) Abb. 10: Grün- und Wegeverbindung im Bereich Beiertheimer Feld STADTPLANUNGSAMT | 17 // BEISPIELE IN KARLSRUHE Das Gartenbauamt in Karlsruhe hat mit seinem perspektivisch ausgerichteten Grünsystem schon gute Vorarbeiten für eine klimagerechte Vernetzung von Grünbereichen geleistet. Wie im Rahmen der Vulnerabilitätsanalyse im ersten Teil des Rah- menplanprojektes gezeigt werden konnte, existieren vor allem im kernstädtischen Bereich noch Quartiere, aus denen heraus in vertretbaren Zeiträumen keine adäquaten Erholungsräume erreicht werden können. Abb. 11: Grünsystem der Stadt Karlsruhe 18 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Bei allen Verbrennungsprozessen, die im Stadtgebiet statt- finden, werden nicht nur Schadstoffe sondern auch Wärme an die Stadtatmosphäre abgegeben. Während im Winter die Wärmeabgabe stark von der Heiztätigkeit geprägt ist, liegt im Sommer der Hauptanteil beim Autoverkehr. Bezieht man die durch den Verkehr erzeugte Wärmeabgabe auf die Gesamt- stadt sind die Werte relativ niedrig. // WIRKUNG DER MASSNAHME Bezogen auf einzelne stark befahrene Straßen ist die Wärme- emission z.T. in der Größenordnung der Nettostrahlungsbilanz an einem Sommertag. Die Maßnahme, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren, um die Wärmeemission zu vermindern, birgt zusätzlich den Vorteil, dass die verkehrsbedingten Schad- stoffe zurückgehen und zudem die langwellige Gegenstrah- lung aus der Stadtatmosphäre reduziert wird. Die Abbildung 12 zeigt die Wärmeemissionen ausgehend von den Straßen im Raum London. In einzelnen Straßenzügen erreicht die Wärmeabgabe Werte von einigen hundert W/m² und ist damit mitverantwortlich für die städtische Wärmeinsel und Hitzebelastungen im Sommer. Abb. 12: Verkehrs-Wärmeemissionen (Groß-London) in W/m² (links bezogen auf 1km², rechts auf Straßen) M 04 REDUKTION ANTHROPOGENER WÄRMEEMISSIONEN STADTPLANUNGSAMT | 19 // BEISPIELE IN KARLSRUHE Größere Wärmeemissionen durch den Verkehr sind für Karlsru- he vor allem in den Bereichen der innenstadtnahen Nord-Süd und West-Ost Verbindungen zu erwarten. Auf der Kaiserstraße als der wichtigsten innerstädtischen Querachse ist schon heute der PKW-Verkehr weitgehend eingeschränkt und durch den Stadtbahnverkehr ersetzt worden (Abb. 13). Im Rahmen der Karlsruher Kombilösung wird auch die Stadt- bahn unter die Erde verlegt, so dass hier mittelfristig verkehrs- bedingte Wärmeemissionen keine Rolle mehr spielen werden. Eine ähnliche Entwicklung ist für die derzeit noch stark be- fahrene Kriegsstraße vorgesehen, die zu einem begrünten Boulevard umgebaut und dem Fußgänger- und Radverkehr vorbehalten sein wird (Abb. 14). Abb. 14: Kombilösung in der Kriegsstraße - oberirdische Straßenbahn und Autotunnel Abb. 13: Blick in die Kaiserstraße 20 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Wasserflächen im Stadtgebiet haben eine klimatisch ausglei- chende Wirkung. Sie werden tagsüber nicht so warm, kühlen aber in der Nacht infolge von hohem Wärmespeichervermögen auch nicht so stark ab. Eine kühlende Wirkung kann deshalb vor allem am Tage erreicht werden. Während Hitzeperioden kann ihre Temperatur aber auch nachts unterhalb der Umge- bungstemperatur liegen. // WIRKUNG DER MASSNAHME Neuerer Untersuchungen (Müller, 2013) zeigen, dass über Wasserflächen der Dampfdruck nachts im Vergleich zu ande- ren Stadtstandorten am höchsten ist, aber am Tage im Ver- gleich zu Wald und Freiland geringer wird. Die Ursache liegt nach Geiger (1961) an der Konvektion und Turbulenz sowie der erhöhten Windgeschwindigkeit infolge der geringen Rei- bung, auch ist die Temperatur der Wasserfläche tagsüber im Sommer in der Regel niedriger. Die Evaporation einer Grasfläche (bei hinreichender Boden- feuchte) ist an heißen Sommertagen zur Mittagszeit höher als an einer Wasserfläche, zumal auch die wirksame Oberfläche einer Grasfläche höher ist. Über einer Wasserfläche eines fla- M 05 ERHALT UND SCHAFFUNG VON OFFENEN UND BEWEGTEN WASSERFLÄCHEN Abb. 15: Wasserfläche als Kühlelement am Tage STADTPLANUNGSAMT | 21 chen Sees liegt die Verdunstung im Sommer bei ca. 138 mm. Dies sind ca. 4,4 Liter pro m² und Tag und entspricht in etwa auch der Verdunstungsmenge einer Grasfläche (Tabelle 2). Die abkühlende Funktion einer Wasserfläche beschränkt sich weitgehend auf die Wasserfläche selbst und ist beeinflusst durch die dort herrschende höhere Windgeschwindigkeit (Ventilationseffekt). Wasserflächen sind weit weniger nutzbar als Parks und Grünflächen. Vegetationsflächen erzielen höhere PET-Reduktionswirkungen als Gewässerflächen. Ausreichende Wasserversorgung der Vegetationsflächen ist notwendig, um ein maximales PET-Reduktionspotenzial zu erreichen (Müller, 2013). Diese Maßnahme kann hervorragend mit anderen Anpas- sungskomplexen, wie z.B. Starkregen oder Überflutung gekop- pelt werden, um multifunktionale Flächen zu schaffen. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Größere Wasserflächen sind in Karlsruhe selten. Sie beschrän- ken sich auf die Seen im Zoologischen Stadtgarten und auf die in der Günther-Klotz-Anlage. Bei der neuen Aufsiedlung der Südstadt-Ost in Karlsruhe wurde das Element Wasser aber als Planungselement nachhaltig in den Siedlungsraum integriert. Tabelle 2: Mittlere Monats- und Jahressummen der Gewässerverdunstung in mm und der korrigierten Niederschlagshöhe (Beispielort), DWD Abb. 16: Element Wasser als Planungselement im Siedlungsraum Karlsruhe Südstadt-Ost 22 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Bei Stadtumbaumaßnahmen ist es möglich, Grundstücke oder auch größere Quartiere rückzubauen, das heißt die Dichte des Gebietes zu verringern. Dies ist umso leichter möglich in Städ- ten, die einen Bevölkerungsrückgang aufweisen. In Städten mit stabiler oder wachsender Bevölkerung ist dies schwieriger. Manchmal bringt jedoch schon die Veränderung der Bauhö- hen und Verlagerung intensiver Nutzungen an geeignete Orte eine stadtklimatische Verbesserung. Jedenfalls ist bei diesen Vorgängen, eine intensive Beschäftigung mit den lokalen kli- matischen Gegebenheiten vorzunehmen. // WIRKUNG DER MASSNAHME Mit Rückbaumaßnahmen sind im Einzelfall erhebliche stadtkli- matische Verbesserungen erreichbar. Dies heißt jedoch nicht, dass auch bei einer verträglichen Nachverdichtung keine kli- matischen Verbesserungen möglich wären. Dazu führt z.B. der Bund für Naturschutz (2008) aus: „Mit einer intensiveren Nutzung der innergemeindlichen Bau- flächenpozenziale muss jedoch parallel gleichzeitig auch die naturschutzfachliche und ästhetische Qualität der innerstäd- tischen Wohnstandorte erhalten und verbessert werden, um 2.2 LOKALE MASSNAHMEN M 06 RÜCKBAU / ENTDICHTUNG Abb. 17: innerstädtische Rückbaumaßnahme STADTPLANUNGSAMT | 23 Lebensqualität zu sichern, bestehende Quartiere als Wohn- standort attraktiv zu machen und auch um absehbare Aus- wirkungen des Klimawandels im Siedlungsraum durch Grün- strukturen und Freiräume abzupuffern. Hier gilt es das Leitbild einer ‚doppelten Innenentwicklung‘ umzusetzen, wonach die Verdichtung im Bestand gekoppelt wird mit einer Erhaltung und Verbesserung von Qualität, Angebot und Nutzbarkeit von Grünelementen und Freiflächen. Ohne eine Berücksichtigung der Wohnumfeldqualität wird eine Nachverdichtung nicht erfolgreich sein, weil ein wichtiger Grund für Abwanderung der Bevölkerung aus innerstädtischen Bereichen gerade die mangelnde Umweltqualität darstellt. Richtwerte für die innerstädtische Freiraumversorgung werden bereits seit langem diskutiert. Viele Städte haben sich auf unterschiedlichste Orientierungs- werte für ihre städtebauliche Entwicklung verständigt. Zuletzt hat der Deutsche Rat für Landespflege (DRL 2006) daraus allgemeine Qualitätsziele für Freiraumsystem im Rahmen einer ‚doppelten Innenentwicklung‘ abgeleitet, die durch die ver- schiedenen baurechtlichen, planerischen und naturschutzpoli- tischen Instrumente zusichern wären.“ // BEISPIELE IN KARLSRUHE Anders als einige schrumpfende Städte vor allem in Ost- deutschland erzielt Karlsruhe seit Jahren einen Nettobevölke- rungszuwachs, der sich auch in Zukunft fortsetzen soll (Stadt Karlsruhe 2011). Diese Wachstumstendenz führt tendenziell zu einem steigenden Bedarf an Wohn- und Gewerbefläche. Das Potenzial großflächigen Rückbaus erscheint daher für Karls- ruhe keine Option zu sein. Auf Quartiersebene scheint aber durchaus ein nennenswertes Rückbaupotenzial zu bestehen, z.B. bei Garagenhöfen (Abb. 18). Abb. 18: Garagenhof in der Karlsruher Südweststadt 24 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Die Energieumsätze an den städtischen Oberflächen hängen sehr stark von der Beschaffenheit der Oberflächen ab. Zum einen bestimmen sie die Reflexionseigenschaften zum zweiten aber auch die potentielle Verdunstung bzw. Evapotranspirati- on. In den Städten sind die Oberflächen insbesondere in den In- nenstädten sehr stark versiegelt und erreichen dort fast einen Versiegelungsgrad von 100%. Regenwasser läuft schnell in die Kanalisation ab und steht somit nicht mehr zur Verdunstung zur Verfügung. Eine Maßnahme zum Abbau der Überwär- mung ist es deshalb, den Anteil der versiegelten Flächen zu reduzieren. Möglichkeiten bieten sich bei Stadtsanierungs- und Stadtumbaumaßnahmen besonders an. Die Vorteile der Entsiegelung sind u.a.: > Reduktion vom Regenwasserabfluss > erhöhte Verdunstung vom Boden > geringere Oberflächentemperaturen > Reduktion der thermischen Belastung > Wasserspeicherung im Boden > Grundwasserneubildung Eine Kopplung mit Maßnahmen anderer Anpassungskomplexe (z.B. Starkregen, Überflutung) bietet sich an. M 07 ENTSIEGELUNG Abb. 19: Bahnhofvorplatz in Karlsruhe stark versiegelt STADTPLANUNGSAMT | 25 // WIRKUNG DER MASSNAHME Außer den klimatisch positiven Wirkungen von Grünflächen wie Wärmereduzierung im Sommer, speichern diese das Re- genwasser, reduzieren die Hochwassergefahr bei Starkregen und tragen zur Grundwasserneubildung bei. Zudem bilden sie einen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die Bedeutung des Vegetationsanteils in einer Stadt zeigt sich bei der Betrach- tung des Zusammenhangs zwischen Grünanteil und Oberflä- chentemperatur. Bei einem Rückgang des Vegetationsanteils unter 40% steigt die Oberflächentemperatur signifikant an. Waldgebiete gehören am Tage zu den kühlsten Gebieten im Stadtgebiet. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Karlsruhe ist eine relativ grüne Stadt mit einem Grünanteil von über 50 %, dabei sind die privaten Grünflächen nicht mitgerechnet (Abb. 20). Das Problem ist jedoch, dass sich die Grünflächen nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilen und es einzelne sehr stark versiegelte Flächen gibt, wie z. B. den Messplatz oder den Bahnhofsvorplatz (Abb. 19). Karlsruhe fördert deshalb die Begrünung von Innenhöfen, Dächern und Fassaden, in den Fördergebieten: Innenstadt, Mühlburg, Ost- stadt, Südstadt, Südweststadt und im Ortskern von Durlach. Abb. 20: Flächennutzung in Karlsruhe West Flächennutzung in Karlsruhe West, Nutzungsanalyse mit Scannerluftbild mit Erdas Imagine, Statistik über einen Ausschnitt der Weststadt (Lubuimi) Gewässer 0,1 % asphaltierte Wege und Straßen 9,5 % Gehölz 27,6 %Gebäude 30,3 % Grünflächen 9,7 % sonstige versiegelte Flächen 9,7 % sonstige unversiegelte Freiflächen 5,2 % Datengrundlage: Scannerluftbild Karlsruhe, Auflösung: 2x2m (M ca. 1:5.000), Auswertung mit Erdas Imagine (Lubuimi) Abb. 21: Flächennutzung in Karlsruhe gewässer gehölz grünflächen sonstige unvers asphalt. Wege gebä sonst unvers fläch en gewässer gehölz grünflächen sonstige unvers asphalt. Wege gebä sonst unvers fläch en gewässer gehölz grünflächen sonstige unvers asphalt. Wege gebä sonst unvers fläch en Gewässer 4,1 %Grünflächen 4,8 % sonst. Flächen 4,3 %Landwirtschaft 21,3 % bebaute Flächen 27,0 %Waldflächen 26,1 % Verkehrsflächen 12,4 % gewässer sonstige flächen bebaute flächen verkehrsflächen grünflächen landwirtschaft waldflächen gewässer sonstige flächen bebaute flächen verkehrsflächen grünflächen landwirtschaft waldflächen gewässer sonstige flächen bebaute flächen verkehrsflächen grünflächen landwirtschaft waldflächen 26 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Um den Versiegelungsgrad und damit die Bereiche mit hohen Oberflächentemperaturen zu reduzieren, bietet es sich an, Autoabstellplätze sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum zu begrünen. Für die Gestaltung der Parkierungsflächen gibt es viele Möglichkeiten, wie Pflasterrasen, Rasengitterstei- ne, Schotterrasen etc. Die Ausgestaltung hängt im Einzelfall von der jeweiligen Nutzung und Belegung der Stellplätze ab (Abb. 22). // WIRKUNG DER MASSNAHME Die Ausstattung und die Materialwahl haben einen deutlichen Einfluss auf die Oberflächentemperaturen sowohl am Tage als auch in der Nacht. Die Wirkungen sind mit denen von grünen Gleistrassen vergleichbar. Regenwasser kann gespeichert wer- den, die Verdunstung wird erhöht, Oberflächentemperaturen gehen zurück. Zusätzlich zu grünen Parkplätzen kann man durch Pflanzung großkroniger Bäume eine gute Verschattung der Fahrzeuge und des Untergrunds erreichen. Das Beispiel zeigt einen Park- platz der Universität Stuttgart. Da die Laubbäume im Winter blattlos sind, kann die Sonne den Boden aber auch die Fassa- M 08 GRÜNE PARKIERUNG, VERSCHATTUNG VON PARKFLÄCHEN Abb. 22: „Grünparkierung“ in Kobe (links), Thermalbild dieser Fläche am Tage (rechts) STADTPLANUNGSAMT | 27 den der umliegenden Häuser erreichen und zur Erwärmung beitragen, was im Winter erwünscht ist. Im Sommer gibt es eine perfekte Verschattung. Die Autos werden nicht aufge- heizt und die Hausfassaden sind vor der Sonneneinstrahlung geschützt (Abb. 24). // BEISPIELE IN KARLSRUHE In Karlsruhe existiert eine Vielzahl von begrünten Parkplätzen. Allerdings besteht weiterhin ein erhebliches Begrünungspoten- zial für fast vollständig versiegelte Parkflächen. Abb. 24: Durch Bäume beschatteter Parkplatz der Universität Stuttgart (Winter, Sommer) Abb. 25: Stark versiegelter Parkplatz in der Karlsruher Südweststadt Abb. 23: Beispiele für begrünte Parkplätze in Kobe 28 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Bäume und Baum-Alleen bieten sowohl für den Autoverkehr als auch für den Fußgänger Schatten. Die Reduktion der Son- neneinstrahlung ist an heißen Tagen die wichtigste Maßnah- me. Bei Straßen mit hohem Autoverkehr kann es durch die re- duzierte Windgeschwindigkeit zur Erhöhung der Luftbelastung mit Schadstoffen kommen. Hier empfiehlt es sich an diesen Straßen evtl. nur auf einer Straßenseite Bäume zu pflanzen. // WIRKUNG DER MASSNAHME Die Abbildung 23 zeigt die Thermalaufnahme von zwei gleich orientierten Straßen in Sendai mit unterschiedlich dichter Baumbepflanzung. Die Kühlwirkung durch die niedrigeren Oberflächentemperaturen bei der Straße mit dichter Bepflan- zung (unteres Bild) ist gut erkennbar. // BEISPIELE IN KARLSRUHE In Karlsruhe finden sich bereits viele verschattete Straßenzüge und Plätze. Vereinzelt besteht aber auch noch Verbesserungspotenzial (z.B. Messplatz und Bahnhofsvorplatz). M 09 VERSCHATTUNG VON STRASSEN, PLÄTZEN UND GEBÄUDEN Abb. 26: Thermalbilder von Alleestraßen in Sendai mit unterschiedlich dichter Bepflanzung STADTPLANUNGSAMT | 29 // WAS IST DAMIT GEMEINT? Aufgrund der eingeschränkten Mobilität insbesondere der Ri- sikogruppen (Hochbetagte, Mütter mit Kleinkindern, ...) sollte eine Stadt möglichst viele, kleinere Kühlinseln in den bebauten Strukturen aufweisen. Pocket-Parks (deutsch sinngemäß: We- stentaschen-Park) besitzen daher als kühle Rückzugsgebiete eine besondere Bedeutung. „Der Wert städtischen Raumes wird zunehmend erkannt. Möglich sind hierbei sowohl die Anlage einfacher Beete als auch künstlerisch und landschaftsarchitektonisch ambitionierte Lösungen. [ ... ] Der erhöhte Reiz des Wohnumfeldes kommt nicht nur den direkten Anwohnern zugute; auch wird durch gestaltete und gepflegte Stadträume städtischer Verwahrlo- sung, Vandalismus und Abnutzung/Verwohnen vorgebeugt“. (Wikipedia, 2014) Diese Maßnahme kann hervorragend mit anderen Anpas- sungskomplexen, wie z.B. Starkregen oder Überflutung gekop- pelt werden, um multifunktionale Flächen zu schaffen. // WIRKUNG DER MASSNAHME Die klimatische Wirkung von Pocket-Parks auf das gesamt- städtische Klima darf man nicht überschätzen. Solche Einrich- tungen dienen in erster Linie der klimatischen Verbesserung vor Ort, indem durch Grün Verdunstungskühle erzeugt wird und die Oberflächentemperaturen reduziert werden, was die gefühlte Temperatur senkt. Optimal sind solche Pocket-Parks, wenn auch schattenspende Bäume vorhanden sind. // BEISPIELE IN KARLSRUHE In Karlsruhe existiert bereits eine Reihe von hochwertigen Pocket-Parks. Wie die Vulnerabilitätsanalyse im ersten Teil des Rahmenplanprojektes gezeigt hat, besteht aber insbesondere in den kernstädtischen Quartieren bei Bedarf und auch Poten- zial an kleineren Parkanlagen (vgl. Stadt Karlsruhe 2012). M 10 NEUEINRICHTUNG VON POCKET-PARKS Abb. 27: „Ambitionierter“ Pocket-Park, Kopplung mit Wasser, Beispiel „Water squares“, Rotterdam, rechts unterschiedliche Flutungen durch Regen von „regulär“ bis „einmal in 10 Jahren“ 30 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Die Begrünung von Hinterhöfen ist eine Maßnahme, die dar- auf abzielt, im Bestand eine Verbesserung der Grünausstat- tung und damit der klimatischen Situation zu erreichen. // WIRKUNG DER MASSNAHME Die klimaverbessernde Wirkung von begrünten Hinterhöfen ist abhängig von der jeweiligen örtlichen Situation und den eingesetzten Mittel zu Begrünung und Verschattung. Die Wir- kung bezieht sich fast ausschließlich auf den Hof selbst und entfaltet keine Fernwirkung. Sie verbessert aber wesentlich die Aufenthaltsqualität im Hofraum und trägt unter anderem auch zur Verbesserung von Sozialkontakten bei. // BEISPIELE IN KARLSRUHE „Als Ergänzung zu den eher großflächigen Strukturen erfüllen kleine, isolierte Innenhöfe, Dach- und Fassadenbegrünungen gerade in dicht bebauten Stadtteilen wichtige Funktionen als ‚Klimaoasen‘ und unmittelbarer Erholungsraum. Verbesserun- gen lassen sich hier fast ausschließlich über privates Enga- M 11 INNEN-/ HINTERHOFBEGRÜNUNG Abb. 28: Gelungene Gestaltung und Begrünung eines Hinterhofes in Karlsruhe STADTPLANUNGSAMT | 31 gement erzielen. Durch das Programm ‚Grüne Höfe, Dächer und Fassaden für Karlsruhe“ unterstützt das Gartenbauamt seit über 30 Jahren Gebäudeeigentümer bei der Begrünung von Innen- und Hinterhöfen, Dächern und Fassaden. Das Programm umfasst den Hinterhofwettbewerb und ein eige- nes Förderprogramm. Der Hinterhofwettbewerb wird bereits seit 1977 jährlich, seit 2002 im zweijährlichen Turnus aus- geschrieben. Ziel ist es, gelungene Beispiele begrünter Höfe und Dächer bekannt zu machen und mit Geldpreisen und Anerkennungen auszuzeichnen. Bisher konnten fast 750 Preise und etwa 3.000 Anerkennungen vergeben werden.‘ (Stadt Karlsruhe 2013). Im Hinterhofwettbewerb sind die wesentlichen Kriterien für die Bewertung: > Die Gestaltung des Wohnumfeldes: Dazu gehören die Wahrung und Betonung der besonderen Situationen, Flä- chen- und Raumgliederung, Gestaltung und Zuordnung von Nebeneinrichtungen (z.B. Mülltonnen, Fahrradständern, Wä- schetrockenplätze, Treppen), besondere Ausstattung (z.B. Was- serbecken) > Aufenthaltsangebote für die Bewohnerinnen und Bewoh- ner, z.B. Sitzplätze, Bewegungsräume, Spielangebote für Kin- der, eine kinderfreundliche Gesamtgestaltung, Einrichtung für Beschattung, Regenschutz (z.B. Pergolen, Lauben usw. > Die Begrünung des Hofes: Erhaltung von vorhandenen Bäumen und Sträuchern, Pflanzen von Bäumen und Sträu- chern, Staudenpflanzungen, Dachbegrünungen, Begrünungen von Fassaden und Mauern. Versickerungsfähige Ausführung befestigter Flächen (z.B. Fugenpflaster), der Anteil unbefestig- ter Flächen/- Vegetationsflächen. Da die Höfe sich insbesondere durch ihre Größe, räumliche Umgebung und den Nutzungsansprüchen unterscheiden, wer- den sie den entsprechenden Gruppen zugeordnet und inner- halb der Gruppen bewertet.“ (http://www.karlsruhe.de/b3/ freizeit/gruenflaechen/wettbewerbe/hinterhofwettbewerb) Abb. 29: Gelungene Gestaltung und Begrünung eines Hinterhofes in Karlsruhe 32 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Die Energieumsätze am Erdboden bzw. an den Wänden wer- den u.a. sehr stark von den Reflexionseigenschaften (Albedo) des Untergrunds bestimmt. Die Erde erhält die von der Sonne eingestrahlte Energie etwa zu gleichen Teilen im sichtbaren Strahlungsbereich, wie auch im nahen Infrarotbereich. Für die Energieaufnahme an den Oberflächen ist also die Albe- do beider Spektralbereiche, die sehr unterschiedlich sein kann, von Bedeutung. Insbesondere weiße und helle Oberflächen reflektieren die Sonnenstrahlung stark. Der reflektierte Anteil trägt damit nicht mehr zur Erwärmung der Oberfläche bei. In südlichen Regionen sind deshalb die Häuser oft weiß gestri- chen wie z.B. auf Santorin (Abb. 30). // WIRKUNG DER MASSNAHME Reflexionseigenschaften, aber auch das Emissionsvermögen (bestimmt die langwellige Ausstrahlung), sind im hohen Maße vom Material abhängig (Tabelle 3). Geringe Reflexionen und damit hohe Absorption finden sich bei Asphalt, üblichen Dach- materialien, aber auch bei nicht begrünten Ackerflächen. Für den Energieumsatz müssen natürlich auch die Wärmekapazität und das Wärmeleitvermögen betrachtet werden. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Die Berücksichtigung der Reflexionseigenschaften von Ober- flächen ist in Karlsruhe noch weitgehend Neuland. In anderen Ländern, wie z. B. in den USA, wird dieser Gesichtspunkt stär- ker betrachtet. So müssen auf den Bermudas sogar die Dächer weiß sein. Im englischen Sprachraum spricht man in diesem Zusammenhang von „Cool Roofs“ (epa 2011). Abb. 30: Weiß gestrichene Häuser auf Santorin Tabelle 3: Strahlungseigenschaften (Albedo/Emissionsgrad) von üblichen Baumaterialien, Stadtflächen und natürlichen Oberflächen (Helbig, 1987) Asphalt Mittelwert 0,05-0,20 0,18 0,95 Beton Beton, weiß Ziegel Naturstein Holz Kalkmörtel Mittelwert 0,10-0,35 0,71 0,20-0,40 0,20-0,35 - 0,27 0,30 0,71-0,90 0,90-0,92 0,85-0,95 0,90 0,91 Teer und Split Dachziegel Schiefer Wellblech 0,08-0,18 0,10-0,35 0,10 0,10-0,16 0,92 0,90 0,90 0,13-0,28 Anstriche weiß rot, braun, grün schwarz 0,50-0,90 0,2-0,35 0,02-0,15 0,85-0,95 0,85-0,95 0,90-0,98 Stadtgebiet Wertebereich Mittelwert 0,10-0,30 0,15 0,85-0,95 heller Sandboden Wiese Laubwald Ackerboden dunkel Wasserflächen Neuschneedecke 0,25-0,45 0,15-0,25 0,15-0,20 0,07-0,10 0,03-0,10 0,75-0,90 0,91 0,90 0,90-0,98 0,97 0,99 OBERFÄCHEREFLEXIONSGRAD (λ = 0,4-0,75 μm) EMISSIONSGRAD (λ = 4-100 μm) M 12 ERHÖHUNG DER OBERFLÄCHEN-ALBEDO (REFLEXION) STADTPLANUNGSAMT | 33 // WAS IST DAMIT GEMEINT? Wasser wird belebt - oder besser - erlebbar, sei es durch Springbrunnen, Wasserspiele, Wasserspielplätze oder Wasser- vernebler. Bei diesen Einrichtungen wird die Wasseroberfläche stark vergrößert und somit die Verdunstungsrate. Lokal lassen sich dadurch merkliche Abkühlungsraten erreichen. Spezielle Untersuchungen darüber sind jedoch kaum vorhanden. // WIRKUNG DER MASSNAHME Bei Springbrunnen, Wasserspielen und Wasservernebler kommt es infolge der Wasserverdunstung zu einer Abkühlung der Luft. Bei diesen Einrichtungen wird die Wasseroberfläche stark vergrößert und somit die Verdunstungsrate. Lokal lassen sich dadurch merkliche Abkühlungsraten erreichen. Spezielle Untersuchungen darüber sind jedoch kaum vorhanden. Eine weitere abkühlende Wirkung kommt dann zustande, wenn man mit dem Wasser in Berührung kommt. Dabei ist es weniger der anhaltende Kontakt mit dem Wasser (Baden aus- genommen), sondern die Benetzung der Hautoberfläche mit einem Wasserfilm, der sehr schnell verdunstet und die Haut merklich abkühlt (Gänsehaut!). Insbesondere bei sehr hohen Temperaturen ist dieser Effekt sehr erfrischend. Eine Kopplung mit Maßnahmen der Anpassungskomplexe Starkregen/Überflutung sollte geprüft werden (siehe auch Pocket-Park, S. 29). // BEISPIELE IN KARLSRUHE Für Kinder sind Wasserspielplätze im Sommer ein großes Vergnügen und eine willkommene Erfrischung. Aber auch für Erwachsene ist ein kühles Fußbad bei Hitze angenehm. In Karlsruhe gibt es bereits vereinzelt entsprechende Abkühlungs- möglichkeiten (Abb. 31). Eine nachhaltige Implementierung auf Quartiersebene ist jedoch noch nicht erkennbar. Abb. 31: Wasserspielplatz in Karlsruhe bei der Ständehausstraße M 13 NEUEINRICHTUNG VON ERLEBBAREM WASSER IM ÖFFENTLICHENRAUM (Z.B. WASSERSPIELPLÄTZE) 34 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Neue Stadtbahntrassen werden heute in vielen Städten be- grünt. Dabei gibt es nicht nur klimatische Gesichtspunkte. Bei vorhandenen alten Trassen lassen sich nachträglich ebenfalls die „Gleise“ begrünen, wobei die Vorbereitung des Unter- grunds mit Rasenmatten wichtig ist. Allein von der Optik her sind grüne Gleistrassen ein Gewinn für das Stadtbild (Abb. 32). Der Unterbau grüner Gleise besteht in der Regel aus einem Betonbett. Der Gleisbau wird dadurch etwas aufwendiger als bei einem Schotterbett. Die Unterhaltungskosten sind jedoch auf die Zukunft gesehen günstiger, auch wenn Mäharbeiten anfallen. // WIRKUNG DER MASSNAHME Grüne Gleistrassen sind in der Wirkung ähnlich wie Dachbe- grünungen einzustufen. Der Unterschied besteht, dass das Grün nicht in Dachniveau, sondern am Boden ist und somit direkter im Aufenthaltsraum der Menschen. Folgende Punkte sprechen für grüne Gleistrassen: M 14 GRÜNE GLEISTRASSEN Abb. 32: Begrünte Gleistrasse in Karlsruhe Nordstadt STADTPLANUNGSAMT | 35 > Ästhetik > Regenwasser Speicherung > Verbesserung des Stadtklimas > Staubbindung > Lärmreduktion Grüne Gleistrassen dienen letztendlich auch dazu, die Ver- siegelung der Stadt zu reduzieren. Messungen des Abfluss- beiwertes von grünen Gleistrassen sind nicht bekannt, doch dürften die Werte bei 0,3-0,4 liegen. Unter dem Einfluss des Klimawandels kann es in Extremsitua- tionen vorkommen, dass das Gras nicht ausreichend durch den Niederschlag bewässert wird. In diesem Fall sinkt die Wirk- samkeit der vielfältigen Ökosystemleistungen von Grüngleisen ähnlich wie bei trockenen Rasenflächen innerhalb weniger Tage rapide ab. Ein Beispiel zeigt Abbildung 34. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Beispiele von grünen Gleistrassen gibt es in Karlsruhe bereits viele (Abb. 33). Es gilt, die bestehenden Grüngleise zu bewah- ren und weitere Gleistrassen in das Konzept einzubinden. Abb. 34: Begrünte Gleistrasse an der Brauerstraße in Karlsruhe Abb. 33: Teilplan Grüne Gleistrassen Grüngleise (Bestand) Grüngleise (Neu) 36 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Die energetische Sanierung oder auch thermische Sanierung, bezeichnet in der Regel die Modernisierung eines Gebäudes zur Minimierung des Energieverbrauchs für Heizung, Warm- wasser und Lüftung. Die Maßnahme dient also in erster Linie der Reduktion des Energieverbrauchs im Gebäude und damit aber auch der Reduktion von Treibhausgasen. Durch die üblicherweise stattfindende Wärmedämmung an den Gebäuden wird indirekt auch das Außenklima beeinflusst. Die energetische Sanierung wird durch die KfW durch Darle- hen gefördert (www.bmvi.de). Folgende Sanierungsmaßnah- men sind sinnvoll: > Außenwanddämmung > Dachdämmung > Dämmung der Keller-Außenwände > Fenstersanierung > Heizungssanierung (z.B. Niedertemperaturkessel, Brennwertkessel, Mikro-KWK, Wärmepumpe, Strahlungsheizung) > Kellerdeckendämmung > Solarthermie zur Warmwasser- und/oder Heizungsunterstützung > Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung 2.3 GEBÄUDEMASSNAHMEN Abb. 35: Aktuelle und aufgehobene Sanierungsgebiete in Karlsruhe aktuelle Sanierungsgebiete aufgehobene Sanierungsgebiete aktuelle Sanierungsgebiete aufgehobene Sanierungsgebiete M 15 ENERGETISCHE GEBÄUDESANIERUNG STADTPLANUNGSAMT | 37 // WIRKUNG DER MASSNAHME Durch die Sanierungsmaßnahmen wird erreicht, dass üblicher- weise weniger Wärme an die Umgebung abgegeben wird. Der Haupteffekt tritt im Winter auf (Heizung). Ein erwünschter Ne- beneffekt ist jedoch auch die Reduktion der Wärmebelastung im Haus im Sommer. Durch die verbesserte Wärmedämmung dringt die Wärme bei hohen Außentemperaturen nicht so gut über die Wände und das Dach ins Gebäude ein. Ferner ist die Wärmelast im Gebäude selbst reduziert. Diese Maßnahmen sollten jedoch gekoppelt sein mit einem hinreichenden Sonnenschutz im Sommer (M 18), da ansonsten durch die Fenster zu viel Sonnenenergie ins Haus gelangt. // BEISPIELE IN KARLSRUHE In den letzten Jahren wurden in verschiedenen Stadtteilen Sanierungsgebiete ausgewiesen, in denen u.a. auch die en- ergetische Gebäudesanierung in Mittelpunkt der Förderung stand. Angesichts der Klimaschutzziele der Stadt wird diese Förderung mittel- bis langfristig fortgesetzt. Abb. 36: Energieeffizientes Wohnen Speziell für Unternehmen wird hier auch auf das aktuell er- schienene Handbuch „Unternehmensstandorte zukunftsfähig entwickeln“ der Karlsruher Wirtschaftsförderung verwiesen, das Möglichkeiten und Ansätze eines nachhaltigen und res- sourcenoptimierten Gewerbeflächenmanagements aufzeigt und auch für Immobilien gestalterische und technische Mög- lichkeiten der Ressourceneffizienz umfasst. 38 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Ein Problem in Städten ist die große Versiegelung der Oberflä- chen. Eine Möglichkeit, mehr Grün in die Stadt zu bringen, ist die Begrünung von Flachdächern. Nach § 9(1) 25 BauGB ist es bei Neuplanungen rechtlich möglich, eine Dachbegrünung vorzuschreiben. Die Dachbegrünung reduziert stadtklimatische Defizite in Bezug auf Feuchtigkeitshaushalt und thermischer Belastung. Hinzu kommen bauphysikalische Vorteile für das Dach und den Energieverbrauch. Im Bestand kann durch städ- tische Förderprogramme die nachträgliche Begrünung von Flachdächern unterstützt werden. Dachbegrünungen können je nach Gebäudestatik und Ziel als intensive oder extensive Variante ausgeführt werden. Extensive Dachbegrünungen haben einen geringmächtigen Bodenauf- bau von wenigen cm und bestehen vor allem aus Sukkulenten und niederen Gräsern. Es wird zumeist lediglich eine Initial- pflanzung vorgenommen, Pflegemaßnahmen sind nicht oder in nur geringem Umfang notwendig. Intensive Dachbegrünungen sind meist artenreicher und be- sitzen einen dementsprechend mächtigeren Bodenunterbau. Über die Verdunstungsleistung kühlen sie die dachnahen Luft- massen daher auch stärker. Die Dachbegrünung kommt neben dem Stadtklima zusätzlich auch der Siedlungswasserwirtschaft sowie der Biodiversität zugute. M 16 DACHBEGRÜNUNG Abb. 37: Beispiel von Dachbegrünungen in Karlsruhe STADTPLANUNGSAMT | 39 Abb. 38: Tagesgang von Luft- und Oberflächentemperaturen unterschiedlicher Flachdäche // WIRKUNG DER MASSNAHME Die Begrünung von Flachdächern in der Stadt wirkt positiv auf das Stadtklima. Die Oberflächentemperaturen werden am Tage stark gesenkt (Abb. 38). Regenwasser wird zurückgehalten. Schon eine Substratdecke von 6-10 cm reduziert bei extensiver Begrünung den jährlichen Regenwasserabfluss um ca. 50% (Tabelle 4). Dieses Wasser steht für die Abkühlung durch die Verdunstung zur Verfügung, außerdem wird die Kanalisation entlastet und ein Lebensraum für kleine Tiere und Pflanzen geschaffen. Auch Fotovoltaikanlagen können auf Gründächern weiterhin installiert werden. Die Dachbegrünung wirkt sich hier durch ihre Kühlfunktion sogar positiv auf die Leistung der PV-Anlagen aus. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Ein Förderprogramm der Stadt Karlsruhe unterstützt Hausbe- sitzer bei der Begrünung von Höfen, Dächern und Fassaden. Gefördert wird in den Gebieten der Innenstadt, Mühlburg, Oststadt, Südstadt, Südweststadt und im Ortskern von Dur- lach. Das Gartenbauamt Karlsruhe hat dazu einen Flyer her- ausgeben. Siehe auch Praxishandbuch, S. 37. BEGRÜNUNGSART Extensivbegrünung 2-4 > 4-6 > 6-10 > 10-15 > 15-20 15-20 > 25-50 > 50 40 45 50 55 60 60 70 > 90 0.60 0.55 0.50 0.45 0.40 0.40 0.30 > 0.10 Intensivbegrünung AUFBAUDICKE IN CM WASSERRÜCKHALTUNG im Jahresmittel in % JAHRESABFLUSSBEIWERT Tabelle 4: Regenrückhaltung bei Gründächern (Quelle: Roth-Kleyer St.,2010) 40 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Begrünte Hausfassaden haben eine ähnliche Wirkung wie die Gründächer. Sie verbessern die klimatischen Bedingungen am Gebäude, die klimatische Fernwirkung ist allerdings gering (MUNLV, 2010). Außerdem wirken sie positiv auf die Luftqua- lität (insbesondere Feinstaub) sowie auf die Energiebilanz des Gebäudes (Abbildung 82). // WIRKUNG DER MASSNAHME Die Oberflächentemperatur des Gebäudes wird durch die Fassadenbegrünung (Efeu, Südwestwand) deut- lich reduziert. Ebenfalls verändern sich an der Fassade die Strahlungsbilanz, die Feuchte (Dampfdruck) und die Windgeschwindigkeit(Abbildung 36). Die Begrünung von Fassaden erfolgt nicht ausschließlich kli- matischen und bauphysikalischen Gründen, sondern auch ästhetischen. Eine mit wildem Wein bewachsene Fassade z.B. verändert ihr Gesicht im Laufe des Jahres und spiegelt damit die Jahreszeiten wider. Die Gemeinden können Fassadenbegrünungen in den Bebauungs-plänen nach § 9 Absatz 1 Nummer 25 Baugesetz- Abbildung 39: Beispiele begrünter Fassaden M 17 FASSADENBEGRÜNUNG STADTPLANUNGSAMT | 41 Abbildung 40: Beispiele begrünter Fassaden in Karlsruhe buch (BauGB) ebenso rechtsverbindlich festsetzen wie Dach- begrünungen. Die Maßnahme der Fassadenbegrünung sollte insbesondere bei der Stadtsanierung eine wichtige Rolle spie- len, da in den dicht bebauten Stadtteilen oft keine anderen Flächen zur Begrünung vorhanden sind. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Wie schon in der Maßnahme 16 erwähnt, gibt es in Karlsruhe ein Förderprogramm zur Begrünung von Höfen, Dächern und Fassaden. Auch dadurch finden sich in Karlsruhe diverse gute Beispiele für begrünte Fassaden (Abbildung 34 und 35). Abbildung 41: Schema-Darstellung erfasster Mikroklima-Parameter an begrünten bzw. unbegrünten Fassaden sowie qualitative Profilverläufe der dabei wesentlichen Messgrößen für Sommer und Winter 42 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Lange Zeit galt in Deutschland die Devise, die Sonnenenergie optimal zur passiven Erwärmung der Häuser zu nutzen. Die Prämisse waren deshalb große Fenster nach Süden orientiert. Mit zunehmender Erwärmung durch den Klimawandel und starken Hitzewellen wurde erkannt, dass auch der sommerli- che Wärmeschutz an Gebäuden immer wichtiger wird, um die Überwärmung der Innenräume insbesondere auch der Schlaf- räume im Sommer zu vermeiden. // WIRKUNG DER MASSNAHME Die mögliche Überwärmung von Gebäuden hängt nach DIN 4108 von verschiedenen Faktoren ab wie die Abmessungen des Raumes, die Ausrichtung und Größe der Fenster, die Art der Verglasung, den Sonnenschutz, dem Lüftungsverhalten, interne Wärmequellen (z. B. Personenwärme, Abwärme von Computern oder Beleuchtung) sowie die Wärmespeicherka- pazität der verwendeten Baustoffe (Innen- und Außenwände, Geschossdecken, Dämmstoff im Dach). Maßnahmen des som- merlichen Wärmeschutzes an Gebäuden beziehen sich maß- geblich auf die Fensterflächen: Abbildung 42: Verschattungselemente an Wohnhäusern in KarlsruheAbbildung 43: Verschattungselemente an Wohnhäusern in Karlsruhe M 18 SOMMERLICHER WÄRMESCHUTZ AN GEBÄUDEN STADTPLANUNGSAMT | 43 Abbildung 44: Bäume als „grüne Fassade“ zur Verschattung und als Gestaltungselement Abbildung 45: Pflanzungen auf der „richtigen“ Seite (östl. Südstadt) > Verschattung der Fensterflächen eines Gebäudes durch bauliche Maßnahmen (z.B. Überstände) > Sonnenschutzelemente: Außen liegende Verschattungen sind deutlich effizienter als innenliegende. > Sonnenschutzglas zur Senkung des Wärmeeintrags > Bauteilkonstruktionen, welche den Energieeintrag in Gebäude vermindern und solare Gewinne durch hohe Speichermassen puffern. > erhöhte Luftwechselraten in den kühlen Stunden des Tages, um die in das Gebäude eingebrachte Energie abzuführen. Maßnahmen in der Umgebung der Gebäude, wie die Ver- schattung durch Bäume sind ebenfalls sehr sinnvoll, da die Bäume zudem positiv auf das Außenklima wirken. Bei der Ver- wendung von Laubbäumen beschränkt sich die Verschattung weitgehend auf das Sommerhalbjahr. Ein solarer Zugewinn im Winter ist damit gewährleistet. // BEISPIELE IN KARLSRUHE In Karlsruhe finden sich bereits viele gute Beispiele für den sommerlichen Wärmeschutz von Gebäuden. Sowohl im Be- stand als auch bei Neubauten besteht aber noch deutliches Optimierungspotenzial. 44 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG // WAS IST DAMIT GEMEINT? Unter Nachbarschaftshilfemodelle werden im Zusammenhang mit dem Rahmenplan Klimaanpassung sämtliche Maßnahmen subsummiert, in denen zwischenmenschliche Beziehungen genutzt werden, um die Vulnerabilität der Quartiersbewohner gegenüber Hitzestress zu reduzieren. Aus städtebaulicher Sicht kann hierbei allen Projekten im Zusammenhang mit dem Programm der deutschen Städte- bauförderung „Soziale Stadt“ bzw. dem öffentlich finanzierten Stadtteil- und Quartiersmanagement ein großes Potenzial zu- geschrieben werden. Die Projekte werden in aller Regel unter intensiver Einbeziehung der Quartiersbewohner und damit der vulnerablen Gruppen durchgeführt. Über diese Projekte kön- nen beispielsweise Maßnahmen wie die vom Deutschen Städ- tetag geforderten „Trinkpatenschaften“ (Deutscher Städtetag 2012) initiiert oder auch „Hitzestuben“ (in Anlehnung an die für Kälteeinbrüche u.a.in Berlin und New York regelmäßig ein- gerichteten „Kältestuben“, vgl. Die WELT 2011 und Berliner Morgenpost 2010) für Obdachlose eingerichtet werden. Gemeinnützig organisierte Sozialverbände und privatwirt- schaftliche Pflegedienste bieten persönliche und telefonische Betreuung von Senioren an, bei denen sich u.a. regelmäßig nach dem Wohlbefinden der Personen informiert wird. Auch M 19 NACHBARSCHAFTSHILFEMODELLE Abbildung 46: NeuLand – ein mobiler Gemeinschaftsgarten auf einer ehemaligen Industriebrache 2.4 ERGÄNZENDE GESELLSCHAFTLICHE MASSNAHMEN STADTPLANUNGSAMT | 45 die Deutsche Post ermittelt im Pilotprojekt „Postpersönlich“ das wirtschaftliche und soziale Potenzial als ein entsprechen- der Dienstleister (Deutsche Post 2014). Über diesen Weg las- sen sich u.a. ältere Menschen zur Aufnahme von Flüssigkeit während Hitzeperioden animieren. Neben diesen eher top-down initiierten Formen zur Förderung des sozialen Zusammenhalts existieren auch primär bottom-up veranlasste Ansätze. Hierzu zählt u.a. das Urban Gardening, die gärtnerische Nutzbarmachung städtischer Brachflächen. Das gemeinschaftliche Gärtnern kann zum einen direkt dem Stadtklima zugutekommen, z. B. wenn Industrie- oder Ge- werbebrachen entsiegelt und umgenutzt werden oder sogar als lokal bedeutsame Kaltluftproduktionsflächen fungieren (Abbildung 41). Zum anderen bieten die gemeinschaftlichen gärtnerischen Projekte auch Möglichkeiten, mit vulnerablen Quartiersbewohner in Kontakt zu kommen und so ggf. Nach- barschaftshilfemodelle zu initiieren. Persönliche soziale Kontakte werden heute zunehmend durch Begegnungen in digitalen Medien ergänzt. Über soziale Netz- werke, Apps, Spiele etc. kann den Stadtbewohnern das Hitze- problem zum einen anschaulich nahe gebracht werden, zum anderen besitzen diese Instrumente aber auch das Potential, z.B. Nachbarn in Hot-Spots mit einander zu verknüpfen. // WIRKUNG DER MASSNAHME Die quantitative Wirkung der (hier nicht abschließend) auf- gezählten Maßnahmen war bisher noch kein Gegendstand wissenschaftlicher Forschung, was u.a. auch an methodischen Herausforderungen bei der empirischen Untersuchung liegen mag. So konnte keine Studie recherchiert werden, die sich beispielsweise mit der Vermeidung von hitzebezogenen Morbi- ditäten oder Mortalitäten durch soziale Prävention beschäftigt hat. Es kann aber begründet davon ausgegangen werden, dass die skizzierten Maßnahmen eine nicht zu unterschät- zende Wirkung haben und nicht minder wichtig sind, als bei- spielsweise bauliche oder planerische Optionen. // BEISPIELE IN KARLSRUHE Seit Sommer 2012 läuft in Karlsruhe das Modellprojekt „Gut versorgt daheim - Selbstbestimmt Wohnen ohne Betreuungs- pauschale im Rintheimer Feld“. Das innovative Quartiers- management setzt als Kooperation zwischen der AWO und der VOLKSWOHNUNG GmbH auf ein ganzheitliches soziales Quartierskonzept, das sich insbesondere auf ältere und da- mit besonders hitzevulnerable Menschen fokussiert. Über die Bildung und Stärkung sozialer Netzwerke können vulnerable Einzelpersonen identifiziert und von der Quartiersgemeinschaft gezielt unterstützt werden, sowohl in Alltagsdingen auch als bei der Bewältigung von Hitzewellen (Simon 2012). Als Reaktion auf die Hitzewelle 2003 hat die LUBW ein eige- nes Hitzewarnsystem für Pflegeeinrichtungen eingerichtet, an das rd. 1 400 Pflegeeinrichtungen in ganz Baden-Württem- berg angeschlossen sind. In der Landeshauptstadt wurde mit HITWIS ein Projekt zur Optimierung der Hitzewarnung in Stuttgart initiiert, dessen Ergebnisse aller Voraussicht nach auf Karlsruhe übertragbar sind (Reuter 2013). Das Süddeutsche Klimabüro hat schließlich mit der App „Dein Standort zum Klima – Orte in Karlsruhe“, ein modernes In- strument entwickelt, um die Karlsruher Bevölkerung für die Themen lokaler Klimaschutz und lokale Klimaanpassung zu sensibilisieren. Die App führt den Benutzer zu 11 klimatisch relevanten Orten. Als Gruppenerlebnis stärkt es die lokale Identität sowie das Verständnis für die Relevanz von Mitigation und Adaption und kann dadurch auch die „Klimaempathie“ gegenüber hitzevulnerablen Mitbürger erhöhen (KIT 2013). Eine Ergänzung durch Ergebnisse des Rahmenplans könnte die Qualität der App noch einmal steigern. 46 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3 MASSNAHMENPAKETE FÜR HOT-SPOT- QUARTIERE UND DEREN ÜBERTRAGBARKEIT STADTPLANUNGSAMT | 47 In Kapitel 1 wurden 19 Einzelmaßnahmen zur Reduzierung des urbanen Hitzestresses mit ihren Wirkungen, Synergien und Konflikten grundlegend beschrieben. In den folgenden Teil- kapiteln werden aus diesen Einzelmaßnahmen für das jeweils vulnerabelste Quartier („Hot-Spot“) der relevanten Karlsruher Stadtstrukturtypen individuelle, raumkonkrete Maßnahmenpa- kete abgeleitet. Eine entsprechende Übersicht zeigt Tabelle 5. Die Zusammenstellung verdeutlicht, dass teilweise erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Maßnahmenpaketen bestehen. Kein Hot-Spot weist ein zu einem anderen absolut identisches Portfolio auf. Allerdings treten einige Maßnahmen (z. B. M07 Entsiegelung oder M16 Dachbegrünung) sehr viel öfter als Bestandteil eines Pakets auf als andere (z. B. M06 Rückbau), was als Indikator für deren Potenzial in Karlsruhe gewertet werden kann. Die Pakete beziehen sich zunächst ausdrücklich ganz konkret auf die spezifische Situation in den jeweiligen Hot-Spot-Quar- tieren und stellen damit individuelle Kombinationen dar. Dar- über hinaus sollen sie als repräsentative Instanzen aber auch die Funktion einer Leitlinie für den gesamten entsprechenden Stadtstrukturtyp erfüllen. Abb. 47: Hot-Spots und bis 2050 klimatisch belastete Quartiere aller Stadtstrukturtypen Das bedeutet, dass die identifizierten Maßnahmenpakete auf einen überwiegenden Teil der Quartiere desselben Stadtstruk- turtyps mit möglichst geringem Anpassungsbedarf übertragbar sein sollten. Aufgrund der hohen Anzahl der Quartiere (knapp 560) und eines gelegentlich auftretenden hohen Individualitätsgrads in- nerhalb ein und desselben Stadtstrukturtyps konnte diese Hy- pothese im Projekt allerdings nicht im Detail geprüft werden. Es kann aber begründet davon ausgegangen werden, dass trotz des generell hohen Übereinstimmungsgrades einzelne Quartiere einer individuellen Anpassung des Maßnahmenpa- kets bedürfen, da deren Rahmenbedingungen sich mehr oder weniger stark von denen des „Leitquartiers“ unterscheiden. 48 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG SST 01 geschlossener Blockrand offener Blockrand Zeilenbebauung Ortskern MFH Wohnhochhäuser Großstrukturen Gewerbe Industrie 02 03 04 05 08 09 10 11 BEZEICHNUNGM 04M 06M 07M 08M 09M 10M 11M 12M 13M 14M 15M 16M 17M 18M 19 STADTPLANUNGSAMT | 49 Die grundsätzliche Übertragbarkeit der einzelnen Maßnah- menpakete und damit ihre gesamtstädtische Relevanz hängen also als ganz entscheidend von der inneren Vielgestaltigkeit des betrachteten Stadtstrukturtyps ab. Um den kommunalen Entscheidungsträgern die Einschätzung der Übertragbarkeit zu erleichtern, schließt jedes Unterkapitel mit einer Übersicht zur „Spannweite der Diversität“ des jewei- ligen Stadtstrukturtyps. Tabelle 6 fasst die daraus ableitbaren Erkenntnisse zur Übertragbarkeit der Maßnahmenpakete zu- sammen. Zusammenfassend wird die Empfehlung ausgesprochen, bei allen zukünftigen Planungs- bzw. Sanierungsentscheidungen die betreffenden Quartiere unter Berücksichtigung der Maß- nahmenpakete des zugehörigen „Leitquartiers“ und ihrer tendenziellen Übertragbarkeit individuell zu behandeln. Eine Priorisierung, welche Maßnahmen innerhalb eines Quar- tiers ggf. vorrangig umgesetzt werden sollten, war nicht Gegenstand und Ziel des Projektes. Nichtsdestotrotz wird sich diese Frage vermutlich im konkreten Entscheidungs- bzw. Planungsfall zukünftig stellen. Anhand folgender Kriterien und mithilfe von multikriteriellen Bewertungsverfahren (z. B. Hasse-Diagramm-Technik, Nutz- wertverfahren, Kosten-Nutzen-Analyse) können die entspre- SST 01 geschlossener Blockrand gut gut gut gut gut weniger gut mittelmäßig mittelmäßig mittelmäßig offener Blockrand Zeilenbebauung Ortskern MFH Wohnhochhäuser Großstrukturen Gewerbe Industrie 02 03 04 05 08 09 10 11 BEZEICHNUNGÜBERTRAGBARKEIT MASSNAHMENPAKETE Tabelle 5 (links): Kreuztabelle – Maßnahmenpakete je Hot-Spot / Stadtstrukturtyp [ Hinweis: Die Maßnahmen M01, M02, M03 und M05 stellen übergeordnete Maßnahmen dar, die gesamtstädtisch betrachtet werden müssen und daher hier nicht aufgeführt sind ] Tabelle 6 (rechts): Einschätzung der Übertragbarkeit der Maßnahmenpakete für die Hot-Spots auf alle Quartiere des jeweiligen Stadtstrukturtyps [ Spannweite: schlecht – mittelmäßig – gut ] chenden Entscheidungsprozesse unterstützt werden: > Flächenpotenzial, > Wirksamkeit, > Kosten, > Akzeptanz, > technische Umsetzbarkeit, > Synergien und Konflikte Außerdem sei an dieser Stelle noch der grundsätzliche Hinweis vermerkt, dass alle hier beschriebenen Maßnahmenpakete sich auf eine Entlastung von Hitzestress bei gleichbleibender Nut- zung bzw. Gebietsstruktur beziehen. Im Regelfall können bei entsprechenden Änderungen in ei- ner Gesamtbilanz durchaus deutlich bessere Effekte erzielt werden, wenn im Sinne einer „doppelten Innenentwicklung“ bisher versiegelte Flächen klimaoptimiert nachverdichtet und die verbleibenden Freiflächen klimaoptimiert gestaltet werden. Insbesondere gilt dies für die Stadtstrukturtypen „Großstruk- turen“, Gewerbe“ und „Industrie“, bei denen dieser Hinweis nochmals gesondert aufgeführt wird. 50 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.1 STADTSTRUKTURTYP # 01 GESCHLOSSENE BLOCKRANDBEBAUUNG 26 % 1 % 2 % 6 % 16 % 0 % 0 % 6 % 1 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche Flächen des Hot-Spots von 114.600,50 m² unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT // HOT-SPOT-QUARTIER Die geschlossene Blockrandbebauung ist die typische inner- städtische Bauform in Karlsruhe und geht zumeist auf die Gründerzeit (1840-1920) zurück. Alle Seiten eines Blocks sind typischerweise durch Gebäude geschlossen, wodurch sich in ihrer Mitte ein Innenhof bildet. Die Innenhöfe standen ur- sprünglich häufig allen Quartiersbewohnern für eine extensive Nutzung zur Verfügung. Im Zuge der Behebung von Kriegs- schäden ab den 1950er Jahren sowie der modernen Stadtent- wicklung ist es mittlerweile z.T. zu einer baulichen Nachver- dichtung bzw. einer freiraumplanerischen Aufwertung (z.B. durch Spielplätze) der Höfe gekommen. Die Quartiere haben also seit ihrer Entstehung einige Ergänzungen und Transforma- tionen durchlaufen, konnten ihren ursprünglichen Charakter aber weitgehend erhalten. In Karlsruhe wohnen rund 80.000 BürgerInnen in einer ge- schlossenen Blockrandbebauung. 32 der 47 Quartiere weisen bereits heute eine hohe bioklimatische Belastung auf, bis zur Mitte des Jahrhunderts steigt die Zahl auf 45. Die Werte ver- deutlichen die hohe Bedeutung des Strukturtypen innerhalb der Stadtstruktur. Abb. 48: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „geschlossener Blockrand“ STADTPLANUNGSAMT | 51 M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 14 grüne Gleistrassen M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Dächer M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Fassaden M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 04 Reduktion anthropogener Wärmeemissionen Die Anpassungsmaßnahmen im Hot-Spot dieses Stadtstruk- turtyps konzentrieren sich zum einen auf Eingriffe an den Gebäuden selbst, wie z.B. energetische Gebäudesanierung, Fassaden- und Dachbegrünung oder sommerlicher Wärme- schutz. Bei den gebäudespezifischen Maßnahmen ist jedoch häufig zu prüfen, inwieweit der Denkmalschutz berücksichtigt werden muss. Zum anderen spielen vor allem die Innenhöfe der Blockrand- quartiere eine wichtige Rolle: Durch Entsiegelung, Verschat- tung und die Einrichtung von Pocket-Parks und erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum entstehen kleinere, insbesondere fußläufig sehr gut eingebundene Entlastungsflächen, die den Bewohnern neben den bioklimatischen Vorteilen auch Räume mit hoher Aufenthaltsqualität zur Verfügung stellen. Die Pocket-Parks als Treffpunkte erzeugen außerdem po- tenzielle Möglichkeiten zu sozialer Interaktion und damit verbunden auch die Kopplung ergänzender gesellschaftlicher Maßnahmen. Grüne Parkierungen und grüne Gleistrassen entlang der Block- ränder leisten einen zusätzlichen Beitrag zur Reduktion der Oberflächentemperatur im Straßenraum. QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET Baumbestand heute Neupflanzung Innenhofbegrünung/ Pocket-Parks Neupflanzung Abb. 49: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 01 „geschlossener Blockrand“ 52 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Karlstraße versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung HEUTE Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten finden sich im Hot-Spot-Quartier des SST 01 - geschlossene Blockrandbebau- ung: > ENTSIEGELUNG UND BEGRÜNUNG In vielen Innenhöfen schlummert noch erhebliches Potenzial zur Entsiegelung und konsequent klimaoptimierten Gestal- tung. Hier liegt die besondere Herausforderung in der Aktivie- rung der Eigentümer. > POCKET-PARK Die zur Villa Reiss gehörende und als Parkplatz genutzte Flä- che an der Redtenbacherstraße könnte in Hitzeperioden die Funktion eines Pocket-Parks übernehmen. Durch den schatten- spendenden Baumbestand und die Lage mitten im Quartier ist die Fläche hierzu geradezu prädestiniert Allerdings müsste ein Modell gefunden werden, wie die an sich halbprivate Nutzung einen halböffentlichen, zugänglichen Charakter bekommen könnte. > ERLEBBARES WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM Eine geeignete Fläche für die Installation erlebbaren Wassers könnte der Spielplatz am Archivplatz darstellen. Hier könnte die Maßnahme mit besonderen Spielmöglichkeiten für be- stimmte Altersgruppen kombiniert werden. Abb. 50: Hot-Spot-Quartier SST 01 „geschlossener Blockrand“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 53 Karlstraße M 14 grüne Gleistrassen M 07 Entsiegelung M 16 Dachbegrünung M 08 grüne Parkierung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo Dächer / Fassaden M 17 Fassadenbegrünung M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 04 Reduktion anthropogener Wärmeemissionen 2050 Abb. 51: Hot-Spot-Quartier SST 01 „geschlossener Blockrand“ – Situation mit Maßnahmen 54 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Im Prinzip eignen sich alle in diesem Paket enthaltenen Maß- nahmen gut für eine Übertragung auf die anderen betroffe- nen Quartiere desselben Stadtstrukturtyps. Sehr von den individuellen Gegebenheiten (Ausgestaltung, Denkmalschutz, ...) abhängig und daher bedingt übertragbar sind die Maßnahmen „Erhöhung der Oberflächen-Albedo“, „Dachbegrünung“ und „Fassadenbegrünung“. Ebenso ist die „Neueinrichtung von Pocket-Parks“ zu prüfen, da die Möglich- keiten einer Umsetzung in den Quartieren teils stark voneinan- der abweichen. Als zusätzliche Maßnahme zum quartierspezifischen Maßnah- menpaket kann in einigen stark nachverdichteten Blockinnen- bereichen M 06 „Rückbau“ erwogen werden. Abb. 52 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 01 ist exemplarisch anhand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 53). Deren Vielfalt zeigt Abb. 54 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 01 Abb. 52: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 01 „geschlossene Blockrandbebauung“ STEPHANIENSTRASSE > moderate Bebauungsstruktur im Blockinnenbereich > schmale Straßenquerschnitte > schützenswerter Grünraum in den Innenhöfen WERDERPLATZ > dichtere Bebauungsstruktur > schmale Straßenquerschnitte > kein Grün im Straßenraum > Innenhöfe stark bebaut und versiegelt > überwiegende Wohnnutzung KAISERSTRASSE > schmale Straßenquerschnitte > stark versiegelte Oberflächen > kein Grün im Straßenraum > Innenhöfe teilweise begrünt > überwiegende Geschäfts- und Büronutzung Abb. 53: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 55 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 01 „GESCHLOSSENE BLOCKRANDBEBAUUNG“ Abb. 54: exemplarische Vielfalt der Quartiere 56 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.2 STADTSTRUKTURTYP # 02 // HOT-SPOT-QUARTIER Die offene Blockrandbebauung ist die typische Bebauungsform an den Rändern der Karlsruher Innenstadt (Entstehungszeit: ca. 1890 bis 1940). Zwar sind auch hier die Hauptgebäude an den Blockrändern positioniert, im Gegensatz zum geschlos- senen Blockrand stehen die zumeist 3- bis 4-geschossigen Gebäude jedoch einzeln oder in kleineren Gruppen und bieten daher mehr Durchlässigkeit. Die Blockinnenhöfe wurden zu- dem eher selten durch größere Baukörper ergänzt. Etwa 23.000 Einwohner wohnen in Karlsruhe in einem Quar- tier des Stadtstrukturtyps „offener Blockrand“. Aufgrund der Lage am Rande der Kernstadt, meist mit direktem Bezug zu Freiräumen sowie der offenen Bauweise weist gegenwärtig keines der insgesamt 26 Quartiere eine flächendeckend hohe bioklimatische Belastung auf. Mitte des Jahrhunderts müssen allerdings mindestens zwei der Quartiere als belastet einge- stuft werden, so dass Anpassungsmaßnahmen auch diesem Strukturtyp Entlastung verschaffen können. OFFENE BLOCKRANDBEBAUUNG 23 % 0 % 10 % 15 % 37 % 0 % 0 % 6 % 1 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche Flächen des Hot-Spots von 31.207,60 m² unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Abb. 55: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „offener Blockrand“ STADTPLANUNGSAMT | 57 QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET Grundsätzlich ist eine energetische Optimierung der Gebäude und, soweit möglich, Dach- bzw. Fassadenbegrünung zu emp- fehlen. Desweiteren ist zu überprüfen, inwieweit der offene Blockrand von kleinteiliger Bebauung in den rückwärtigen Bereichen befreit und damit entdichtet werden kann. Bei dieser Instanz des Stadtstrukturtyps befinden sich außer- dem große z.T. stark versiegelte Parkierungsflächen, die durch Entsiegelung und vor allem durch Verschattung klimatisch zu optimieren sind. Die unversiegelten Flächen liegen teilweise brach und sollten durch Neupflanzung von Bäumen verschattet werden. Pocket- Parks innerhalb des offenen Blockrands bilden zudem Aufent- haltsräume für die umliegenden Nutzer und Bewohner. Sie können mit Elementen des erlebbaren Wassers im öffentlichen Raum optimiert werden Außerdem sind sie ebenso Verknüp- fungspunkte zu den naheliegenden Entlastungsflächen und können in einem übergeordneten Entlastungssystem integriert werden. M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 16 Dachbegrünung M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 06 Rückbau (Entdichtung) Baumbestand heute Neupflanzung Pocket-Parks Neupflanzung Abb. 56: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 02 „offener Blockrand“ 58 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Steinhäuserstraße HEUTE Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 02 - offene Block- randbebauung: > VERSCHATTUNG VON STRASSEN, PLÄTZEN UND GEBÄUDEN Die Parkplätze an der Lorenzstraße nehmen eine erhebliche Fläche im Quartier ein. Neben der Schaffung grüner Parkplätze ist diese Fläche auch großflächig zu verschatten, falls die jetzi- ge Funktion erhalten bleibt. > POCKET-PARKS UND WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM Es bietet sich an auf der Brache neben der Kita einen Pocket- Park einzurichten und durch erlebbares Wasser im öffentlichen Raum zu ergänzen. Ebenso für einen Pocket-Park geeignet ist die Fläche nördlich der Römhildstraße. Der vorhandene Baum- bestand kann erweitert und klimaoptimiert gestaltet werden. versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung Abb. 57: Hot-Spot-Quartier SST 02 „offener Blockrand“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 59 M 06 Rückbau (Entdichtung) M 08 grüne Parkierung M 16 Dachbegrünung M 07 Entsiegelung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle Steinhäuserstraße 2050 Abb. 58: Hot-Spot-Quartier SST 02 „offener Blockrand“ – Situation mit Maßnahmen 60 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Das für den Stadtstrukturtyp 02 „offener Blockrand“ identi- fizierte, exemplarisch umgesetzte und typspezifisch zusam- mengestellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermittelten „schlimmstbetroffenen“ Hot-Spot-Quartiers zwi- schen Lorenzstraße und Steinhäuserstraße erarbeitet. Im Prinzip können alle in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men gut auf die anderen betroffenen Quartiere desselben Stadtstrukturtyps übertragen werden. Bedingt übertragbar sind die Maßnahmen „Dachbegrünung“, „Rückbau“, „Pocket-Parks“ und „Verschattung“ da der Bedarf und die Möglichkeit der Umsetzung in den Quartieren teils voneinander abweichen. Abb. 59 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 02 ist exemplarisch anhand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 60). Deren Vielfalt zeigt Abb. 61 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 02 Abb. 59: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 02 „offene Blockrandbebauung“ WEIHERFELD-DAMMERSTOCK > dichtere und kleinteiligere Bebauung > homogene Bebauungsstruktur > sehr viel Grünraum > überwiegende Wohnnutzung (MFH) KUNSTAKADEMIE > dichtere und kleinteiligere Bebauung >> kleinere Innenhöfe >> schmalere Straßenquerschnitte > punktuell große Baukörper vorhanden >> größere Abstandsflächen MOLTKESTRASSE > teilweise kleinteiligere Bebauung >> kleinere Innenhöfe > große Baukörper vorhanden >> versiegelte Abstandsflächen Abb. 60: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 61 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 02 „OFFENE BLOCKRANBEBAUUNG“ Abb. 61: exemplarische Vielfalt der Quartiere 62 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.3 STADTSTRUKTURTYP # 03 // HOT-SPOT-QUARTIER Die Zeilenbebauung ist in vielen deutschen Großstädten die typische Bauform der Nachkriegsjahrzehnte 1950-1970. In Karlsruhe ist der Bautyp außer in der Kernstadt im gesam- ten Stadtgebiet zu finden. Bei der Bebauung handelt es sich um zeilenförmige Gebäudetypen, bei denen meist mehrere Einzelgebäude in Geschosswohnungsbauweise verkettet sind. Zumeist sind mehrere Zeilen parallel zueinander und giebelständig zur Straße positioniert, manchmal wurde auch eine hofbildende Anordnung gewählt. Die zwischen 5 und 6 geschossigen Zeilen wurde in der Regel als größere Einheiten geplant und realisiert (bisweilen sind sie auch aus Kasernen- nachnutzungen hervorgegangen), so dass sich teilweise größe- re Zeilensiedlungen herausbilden (z.B. in der Amerikanersied- lung/Nordstadt). In den Quartieren herrscht die Wohnnutzung vor, meist fin- den sich ergänzende Sozial- und Bildungseinrichtungen sowie Versorgungseinheiten. Die Quartiere sind regelmäßig durch private Grünflächen zwischen den Gebäuden sowie z.T. auch durch Garagenhöfe charakterisiert. Zusätzlich wurden häufig begleitende Grünzüge eingerichtet und/oder öffentliche Grün- flächen als Spielplätze in die Siedlungen integriert. Die Zeilenbebauung stellt in Karlsruhe nach der Blockrandbe- bauung denjenigen Strukturtyp mit den meisten Bewohnern dar. Aktuell leben >50.000 Karlsruher BürgerInnen in einer Zeilensiedlung. Gegenwärtig wurden erst zwei der insgesamt 86 Quartiere als bioklimatisch belastet bewertet, zur Mitte des Jahrhunderts werden aber zumindest 11 eine Belastung auf- weisen und damit mehrere tausend Menschen regelmäßig von einem intensiven Hitzestress bedroht sein. ZEILENBEBAUUNG 10 % 0 % 0 % 12 % 36 % 0 % 0 % 31 % 0 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche Flächen des Hot-Spots von 30.549,96 m² unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Abb. 62: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „Zeilenbebauung“ STADTPLANUNGSAMT | 63 Die betroffene Instanz der Zeilenbebauung birgt in sich das große Potenzial der Abstandsgrünflächen, die durch das An- bringen von Pocket-Parks und Wasser im öffentlichen Raum aktiviert werden können und insbesondere den hochbetagten Bewohnern zugutekommen. Des Weiteren bedarf es einer energetischen Anpassung der Gebäude durch energetische Gebäudesanierung, des Anbrin- gens von sommerlichem Wärmeschutz sowie der Dach- und Fassadenbegrünung. Vollversiegelte Flächen sind ebenso zu entsiegeln. QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 15 energetische Gebäudesanierung M 16 Dachbegrünung M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 06 Rückbau (Entdichtung) Baumbestand heute Neupflanzung Pocket-Parks Neupflanzung Abb. 63: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 03 „Zeilenbebauung“ 64 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Welfenstraße HEUTE Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 03 - Zeilenbebauung: > RÜCKBAU (ENTDICHTUNG) Es empfiehlt sich, den westlich gelegenen Garagenhof durch eine klimatisch optimierte Lösung zu ersetzen. An der Stelle bieten sich eine Entsiegelung der Fläche und die Umgestaltung in eine Tiefgarage an, falls der Erhalt der Parkplätze unabding- bar ist. > DACHBEGRÜNUNG / FASSADENBEGRÜNUNG Die niedrigen Zeilenbauten eignen sich bestens für die Dach- und Fassadenbegrünung, da sie nicht sehr sonnenexponiert sind und die Gebäude durch die Maßnahmen förmlich „einge- packt“ und vor Hitzestress geschützt sind. versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung Abb. 64: Hot-Spot-Quartier SST 03 „Zeilenbebauung“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 65 M 08 grüne Parkierung M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 06 Rückbau (Entdichtung) M 07 Entsiegelung M 16 Dachbegrünung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 17 Fassadenbegrünung M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 15 energetische Gebäudesanierung Welfenstraße 2050 versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung Abb. 65: Hot-Spot-Quartier SST 03 „Zeilenbebauung“ – Situation mit Maßnahmen 66 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Das für den Stadtstrukturtyp 03 „Zeilenbebauung“ identifizier- te, exemplarisch umgesetzte und typspezifisch zusammenge- stellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermit- telten „schlimmstbetroffenen“ Hot-Spot-Quartiers zwischen Ebertstraße und Welfenstraße erarbeitet. Im Prinzip können alle in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men sehr gut auf die anderen (betroffenen) Instanzen des- selben Stadtstrukturtyps übertragen werden, da sich Bebau- ungstyp und Bebauungsalter kaum unterscheiden. Bedingt übertragbar ist die Maßnahme „Rückbau“, da die Möglichkeiten zur Umsetzung in den Quartieren teils vonein- ander abweichen. Abb. 66 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 03 ist exemplarisch anhand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 67). Deren Vielfalt zeigt Abb. 68 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 03 Abb. 66: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 03 „Zeilenbebauung“ TENNESSEEALLEE > größere Bebauungsstrukturen > mehr Freiflächen > weniger Versiegelung KARL-WILHELM-PLATZ > kleinteiligere Bebauungsstrukturen > Zeile als Innenhofbebauung eines offenen Blockrands > Zeilen bilden miteinander Hofsituationen >> Nutzung des Grünraums > großer Baumbestand Abb. 67: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 67 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 03 „ZEILENBEBAUUNG“ Abb. 68: exemplarische Vielfalt der Quartiere 68 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.4 STADTSTRUKTURTYP # 04 // HOT-SPOT-QUARTIER Unter dem Stadtstrukturtyp „Ortskern“ subsumieren sich alle Dorf- oder Stadtkerne der ehemals eigenständigen Karlsruher Umlandgemeinden. Insgesamt wurden 19 Quartiere mit rd. 20.000 Einwohnern dem Stadtstrukturtyp „Ortskern“ zu- geordnet. Je nach Entstehungszeit sind die Ortskerne durch überlieferte, oft dichte Gebäudestellung mit meist kleineren, 2- bis 3-geschossige Gebäuden charakterisiert. An zentralen Positionen befinden sich häufig Sonderbauten wie Kirchen. Die z.T. Jahrhunderte alten Stadtkerne weisen vielschichtige Transformationen aus allen Zeiten auf, so dass historische Altbauten im Mosaik mit Neu- und Anbauten das Bild der Quartiere prägen können. Die Nutzung ist vorwiegend ge- mischt (Handel, Büros, Dienstleistungen, Handwerk, Gewerbe, Gastronomie,...), weist dabei aber einen erheblichen Wohnan- teil auf. Der öffentlichen Raum (Stadt- und Dorfplätze, Straßenräume, Grünbereiche) und seine Vernetzung sind wie die gesamte Kernstruktur zumeist sehr spezifisch ausgeprägt. Teils finden sich kleinere öffentliche Grünflächen im Quartier, lagebedingt ergibt sich jedoch meist keine unmittelbare Anbindung an grö- ßere öffentliche Grünflächen. Private Grünanlagen sind meist nur in kleinerem Umfang in Form von rückwärtigen Hausgär- ten vorhanden. ORTSKERN 19 % 3 % 0 % 2 % 13 % 0 % 0 % 0 % 0 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche Flächen des Hot-Spots von 93.233,70 m² unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Abb. 69: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „Ortskern“ STADTPLANUNGSAMT | 69 M 17 Fassadenbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Dächer M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Fassaden M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung Baumbestand heute Neupflanzung Pocket-Parks Neupflanzung QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET Im Maßnahmenpaket ist in erster Linie ein eventueller Rückbau der stark nachverdichteten Innen- und Hinterhöfe zu überprü- fen, da sich in dieser Instanz des Stadtstrukturtyps „Ortskern“ relativ wenig Raum für bioklimatisch relevante Eingriffe anbie- tet. Innen- und Hinterhofbegrünungen sowie Pocket-Parks bilden zentrale, im Fußwegenetz liegende Treffpunkte. Entsiegelung und grüne Parkierung minimieren die Oberflächentemperatur. Das gebäudespezifische Maßnahmenpaket, bestehend aus der energetischen Sanierung, der Dach- und Fassadenbegrünung sowie einer Erhöhung der Oberflächen-Albedo auf Dächern und Fassaden, ist mit dem Denkmalschutz abzustimmen. Abb. 70: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 04 „Ortskern“ 70 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Kelterstraße HEUTE versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 04 - Ortskern: > RÜCKBAU (ENTDICHTUNG) / ENTSIEGELUNG Die durch Schuppen, Garagen und Lagerräume stark verdich- teten Innenstrukturen sind auf Rückbau zu überprüfen, um durch zusätzliche Entsiegelung und Neupflanzung von Bäu- men kleine „Kühlinseln“ in den dichten Bebauungsclustern zu schaffen und Raum zur Erholung vor dem Hitzestress zu schaffen. > FASSADENBEGRÜNUNG Fassadenbegrünungen stärken neben dem bioklimatischen Effekt auch das charakteristische Erscheinungsbild dieses Stadtstrukturtypen. > WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM Geeignet in Form von Trinkbrunnen in Kombination mit der „Dorflinde“ entlang der Amthausstraße kann auch dieser Eingriff das Durlacher Erscheinungsbild stärken. Abb. 71: Hot-Spot-Quartier SST 04 „Ortskern“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 71 Kelterstraße M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo Dächer / Fassaden M 08 grüne Parkierung M 17 Fassadenbegrünung M 07 Entsiegelung M 15 energetische Gebäudesanierung M 16 Dachbegrünung M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung 2050 Abb. 72: Hot-Spot-Quartier SST 04 „Ortskern“ – Situation mit Maßnahmen 72 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Das für den Stadtstrukturtyp 04 „Ortskern“ identifizierte, exemplarisch umgesetzte und typspezifisch zusammengestellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermittelten „schlimmstbetroffenen“ Hot-Spot-Quartiers südlich der Pfinz- talstraße in Durlach erarbeitet. Eine Anwendung der in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men kann bedingt auf die anderen betroffenen und weniger dicht bebauten Quartiere desselben Stadtstrukturtyps übertra- gen werden. Bedingt übertragbar stellen sich wegen des Denkmalschutzes die Maßnahmen „Entsiegelung“ und „Pocket-Parks“ dar, da die Möglichkeiten zur Umsetzung in den Quartieren teils von- einander abweichen. Als zusätzliche Maßnahme zum quartiersspezifischen Maßnah- menpaket kann in einigen stark nachverdichteten Bereichen nach Abstimmung mit dem Denkmalschutz M 06 „Rückbau“ erwogen werden. Abb. 73 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 04 ist exemplarisch anhand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 74). Deren Vielfalt zeigt Abb. 75 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 04 Abb. 73: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 04 „Ortskern“ NEUREUTER HAUPTSTRASSE > offene Bauweise von Einfamilienhäusern > großzügigere private Gärten und Freiflächen > breite Straßenquerschnitte PFARRSTRASSE > dichte, nicht geschlossene Bauweise entlang der Hauptverkehrsstraße > breiter Straßenquerschnitt > großzügigere private Freiflächen Abb. 74: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 73 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 04 „ORTSKERN“ Abb. 75: exemplarische Vielfalt der Quartiere 74 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.5 STADTSTRUKTURTYP # 05 // HOT-SPOT-QUARTIER Bei Mehrfamilienhäusern in aufgelockerter Bauweise handelt es sich in Karlsruhe vorwiegend um kleinräumige Ergänzungs- quartiere zu anderen Stadtstrukturtypen, die vermehrt seit den 1980er Jahren u.a. im Rahmen von Nachverdichtungsmaßnah- men entstanden sind. Dementsprechend sind die 45 Quartiere über das gesamte Stadtgebiet verteilt und beheimaten gegen- wärtig nur 3,5% der Karlsruher Gesamtbevölkerung. Als bevorzugter Nachverdichtungstyp werden Mehrfamili- enhäuser in aufgelockerter Bauweise aber im Rahmen der zukünftigen Stadtentwicklung vermutlich an Bedeutung ge- winnen. Die 3 bis 5 geschossigen Gebäude sind meist als Reihung mehrerer Einheiten ausgeführt und weisen in der Regel unter- schiedliche Gebäudestellungen auf, was sie beispielsweise von der Zeilenbauweise unterscheidet. Der angrenzende Freiraum ist häufig direkt als öffentlicher Straßenraum ausgeprägt, private Grünflächen finden sich in Form von meist gemein- schaftlich genutzten Haus- oder Mietergärten. Öffentliche Grünflächen sind nicht selten erst in „übernächster“ Lage zu erreichen. AUFGELOCKERTE BEBAUUNG MITTLERER DICHTE (MFH) 22 % 0 % 0 % 7 % 51 % 0 % 0 % 4 % 0 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche Flächen des Hot-Spots von 16.995,52 m² unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Abb. 76: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte“ STADTPLANUNGSAMT | 75 Das Maßnahmenpaket für den Hotspot des Stadtstrukturtyps „aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte“ konzentriert sich auf die energetische Gebäudesanierung, Dach- und Fassaden- begrünung sowie einer Erhöhung der Oberflächen-Albedo an allen Gebäuden. Bei vollversiegelten Flächen ist zu überprüfen, inwieweit eine Entsiegelung wegen darunterliegenden Tiefgaragen möglich ist. Abstandsflächen an den Gebäuden können mit Pocket- Parks ausgestattet werden, die an weitere Entlastungsflächen anschließen. M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Fassaden M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung Baumbestand heute Neupflanzung Pocket-Parks Neupflanzung QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET Abb. 77: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 05 „aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte“ 76 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Schinnrainstraße HEUTE versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 05 - aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte: > WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM > ENTSIEGELUNG / NEUPFLANZUNG VON BÄUMEN Dem relativ großen Anteil an Abstandsflächen steht ein ent- sprechend großer Anteil an versiegelten Flächen gegenüber. Eine technische Machbarkeit der Entsiegelung und der In- stallation von erlebbaren Wasserflächen über der Tiefgarage ist zu überprüfen. Von den Entlastungen dieser Maßnahmen könnten auch die Bewohner der umliegenden betroffenen Quartiere profitieren. > POCKET-PARKS Die Abstandsflächen bergen das Potenzial qualitativer Auf- enthaltsräume. Sie sind vor allem durch Neupflanzung von Bäumen zu verschatten. Die Einrichtung von Pocket-Parks bietet neben der bioklimatischen Entlastungsfunktion auch die Möglichkeiten eines sozialen Treffpunkts, der zur Aktivierung und Nutzung des Abstandsgrüns führen kann. Abb. 78: Hot-Spot-Quartier SST 05 „aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 77 Schinnrainstraße M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo M 19 Nachbarschaftshilfemodelle 2050 Abb. 79: Hot-Spot-Quartier SST 05 „aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte“ – Situation mit Maßnahmen 78 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Das für den Stadtstrukturtyp 05 „aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte“ identifizierte, exemplarisch umgesetzte und typspezifisch zusammengestellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermittelten „schlimmstbetroffenen“ Hot-Spot-Quartiers zwischen Schinnrainstraße und Pfaffstraße erarbeitet. Im Prinzip können alle in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men gut auf die anderen betroffenen Quartiere desselben Stadtstrukturtyps übertragen werden. Bedingt übertragbar sind die Maßnahmen „Entsiegelung“, „Erhöhung der Oberflächen-Albedo“ und „Neueinrichtung von Pocket-Parks“, da die Möglichkeit der Umsetzung in den Quartieren teils voneinander abweicht. Abb. 80 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 05 ist exemplarisch anhand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 81). Deren Vielfalt zeigt Abb. 82 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 05 Abb. 80: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 05 „aufgelockerte Bebauung mittlerer Dichte (MFH)“ PFINZSTRASSE > dichtere Bebauung mit unterschiedlichen Typologien > relativ wenig versiegelt BLANKENLOCHER WEG > Ähnlichkeiten zum offenen Blockrand > hoher Entsiegelungsgrad > dichtere Bebauung > breite Straßenquerschnitte RHEINSTRASSE > viel Straßenraum > viele Parkplätze >> hoher Versiegelungsgrad Abb. 81: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 79 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 05 „AUFGELOCKERTE BEBAUUNG MITTLERER DICHTE (MFH)“ Abb. 82: exemplarische Vielfalt der Quartiere 80 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.6 STADTSTRUKTURTYP # 08 // HOT-SPOT-QUARTIER Hochhäuser, also Gebäude mit Aufenthaltsräumen die mehr als 22m über der Geländeoberfläche liegen, sind in Karlsruhe eher seltene, vor allem singulär angeordnete, teils aber auch gruppierte Punkt- oder Scheibenhochhäuser. Trotz ihrer relativ geringen Anzahl wohnen in Karlsruhe rd. 8.000 Personen in einem Hochhaus, was freilich dem Ansatz des Gebäudetyps geschuldet ist, möglichst viel nutzbaren Raum pro Baufläche zur Verfügung zu stellen. Die Karlsruher Hochhausbauten sind hauptsächlich in den 1960er bis 1980er Jahren entstanden, einzelne wurden auch bereits in den 1950er errichtet. Sie dienen vorwiegend dem Wohnen, die Erdgeschosse sind aber bisweilen mischgenutzt (z.B. Praxen oder Büros). Ergänzt werden die Gebäude regelmäßig durch direkt zuge- ordnete Parkmöglichkeiten, die oberirdisch durch Garagenan- lagen oder offene, versiegelte Parkplätze bzw. unterirdisch als Tiefgarage ausgeführt sind. Bedingt durch die Bautypologie sind die Gebäude oftmals in weitläufigere, gestaltete private (Gemeinschafts-) Grünfläche eingebettet. Der Übergang zum öffentlichen Raum erfolgt dabei fließend. HOCHHAUSGEBIETE MIT ÜBERWIEGENDER WOHNNUTZUNG 51 % 0 % 4 % 2 % 13 % 0 % 0 % 0 % 0 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche Flächen des Hot-Spots von 16.995,52 m² unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Abb. 83: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung“ STADTPLANUNGSAMT | 81 Bei Hochhausgebieten sind für die sonnenexponierten Ge- bäude Dach- und Fassadenbegrünungen, eine Erhöhung der Oberflächen-Albedo, sommerlicher Wärmeschutz sowie die energetische Gebäudesanierung zu empfehlen. Dem hohen Versiegelungsgrad ist durch Entsiegelung und grü- ne Parkierung entgegenzuwirken. Verschattung durch Bäume ermöglicht zudem eine Reduktion von Sonneneinstrahlung und der damit verbundenen Oberflächentemperatur. Das Einbringen von Pocket-Parks bietet einen Erholungsraum und Treffpunkt für die Bewohner dieses dicht besiedelten Stadtstrukturtyps. M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Fassaden M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung Baumbestand heute Neupflanzung Pocket-Parks Neupflanzung QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET Abb. 84: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 08 „Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung“ 82 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Rintheimer Straße HEUTE versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 08 - Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung: > DACHBEGRÜNUNG An den teilweise sehr breiten Dachflächen der Sockelbebau- ung kann eine intensive Dachbegrünung durchgeführt wer- den, die neben dem bioklimatischen Gewinn ebenso Aufent- haltsflächen mit hoher Qualität für die Bewohner bieten kann. > FASSADENBEGRÜNUNG Fassadenbegrünung an Hochhäusern kann durch neue Tech- niken, etwa entsprechende Module, innovativer gestaltet werden und dem nicht breit vertretenen Typus „Hochhaus“ in Karlsruhe eine neue Bedeutung als Landmark zukommen lassen. > POCKET-PARKS In diesem Quartier könnten die Niveauversprünge in bisher nicht genutzten Bereichen in Kombination mit erlebbarem Wasser gleichzeitig interessante Räume ermöglichen. Abb. 85: Hot-Spot-Quartier SST 08 „Hochhausgebiete mit überw. Wohnnutzung“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 83 M 16 Dachbegrünung M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo M 15 energetische Gebäudesanierung M 08 grüne Parkierung M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 07 Entsiegelung Rintheimer Straße 2050 Abb. 86: Hot-Spot-Quartier SST 08 „Hochhausgebiete mit überw. Wohnnutzung“ – Situation mit Maßnahmen 84 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Das für den Stadtstrukturtyp 08 „Hochhausgebiete mit über- wiegender Wohnnutzung“ identifizierte, exemplarisch umge- setzte und typspezifisch zusammengestellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermittelten „schlimmstbetroffe- nen“ Hot-Spot-Quartiers zwischen der Haid-und-Neu-Straße und der Rintheimer Straße erarbeitet. Im Prinzip können alle in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men gut auf die anderen betroffenen Quartiere desselben Stadtstrukturtyps übertragen werden. Bedingt übertragbar ist die Maßnahme „Entsiegelung“ und „Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden“, da die Bedarfe in einigen Quartieren teils voneinander abweichen. Abb. 87 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 08 ist exemplarisch anhand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 88). Deren Vielfalt zeigt Abb. 89 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 08 Abb. 87: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 08 „Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung“ WALDSTADT > sehr breite Straßenquerschnitte > überwiegendes Parken im öffentlichen Raum > viel Grünraum >> wenig Versiegelung HAGSFELDER ALLEE > großer Baumbestand >> hoher Verschattungsgrad > wenig versiegelte Fläche > teilweise Dachbegrünung vorhanden Abb. 88: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 85 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 08 „HOCHHAUSBEBAUUNG MIT ÜBERWIEGENDER WOHNNUTZUNG“ Abb. 89: exemplarische Vielfalt der Quartiere 86 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.7 STADTSTRUKTURTYP # 09 BEREICHE MIT GROSSSTRUKTUREN // HOT-SPOT Bei dem Stadtstrukturtyp „Bereiche mit Großstrukturen“ han- delt es sich um je nach Nutzung sehr differenzierte und spe- zialisierte Gebäudekomplexe größerer Kubatur, wie Kranken- häuser, Forschungseinrichtungen, Hochschulcampus, Schulen, Großverwaltungen. Meist umfasst eine Nutzung ein Quartier, in Einzelfällen hat sich aber auch ein Cluster unterschiedlicher Nutzungen gebildet (z.B. ZKM, Agentur für Arbeit, Gene- ralbundesanwaltschaft, Filmpalast), zu denen sehr vereinzelt auch das Wohnen gehört. 41 entsprechende Quartiere wurden für das Karlsruher Stadtgebiet identifiziert. Eine weitergehende interne Typisierung des Strukturtyps ist aufgrund der Individualität der einzelnen Quartiere nicht sinn- voll möglich. Sie weisen verschiedene Gebäudehöhen und -tiefen, haben unterschiedliche Geschossigkeiten und die Ge- bäudeanordnung entspricht den funktionalen Anforderungen der Bauten (z.B. interner Campus, Krankenhausgarten, usw.). Entstanden sind die Großstrukturen in allen Bauphasen seit 1840 und haben z.T. umfangreiche Transformationen erfahren. Die externe Erschließung erfolgt meist über eine punktuelle Anbindung mit spezifischen internen Erschließungsmustern je nach Nutzung. Häufig sind auch große Stellplatzflächen oder eigene Tiefgaragen/Parkhäuser vorhanden. Nicht selten existie- ren aber auch angrenzende oder integrierte öffentliche Räu- me (Grün- oder Parkanlagen, Wald, städtische Plätze). Meist verfügen die Gebiete daneben über hochwertig gestaltete „private“ Grünräume für die spezifischen Nutzer, die teils auch öffentlich zugänglich sind. 28 % 0 % 7 % 1 % 5 % 0 % 0 % 33 % 0 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche Flächen des Hot-Spots von 60.641,15 m² unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Abb. 90: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „Bereiche mit Großstrukturen“ STADTPLANUNGSAMT | 87 Baumbestand heute Neupflanzung QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 16 Dachbegrünung M 14 grüne Gleistrassen M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Dächer M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Fassaden M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung Das quartierspezifische Maßnahmenpaket des Strukturtyps „Bereiche mit Großstrukturen“ setzt sich gebäudebezogen aus sommerlichem Wärmeschutz und der Dachbegrünung zusam- men. Den größten Eingriff bilden jedoch die Entsiegelung und grüne Parkierung sowie die Verschattung jener stark versiegelten und sonnenexponierten Flächen. Grundsätzlicher Hinweis: Das hier beschriebene Maßnahmen- paket bezieht sich auf eine Entlastung von Hitzestress bei gleichbleibender Nutzung bzw. Gebietsstruktur. Im Regelfall können bei entsprechenden Änderungen in einer Gesamtbi- lanz durchaus deutlich bessere Effekte erzielt werden, wenn im Sinne einer „doppelten Innenentwicklung“ bisher versiegel- te Flächen klimaoptimiert nachverdichtet und die verbleiben- den Freiflächen klimaoptimiert gestaltet werden. Abb. 91: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 09 „Bereiche mit Großstrukturen“ 88 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Rüppurrer Straße versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung HEUTE Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 09 - Bereiche mit Großstrukturen: > VERSCHATTUNG VON STRASSEN, PLÄTZEN UND GEBÄUDEN Innerhalb der Großstrukturen befinden sich hohe Anteile an versiegelten Flächen, die meist als Parkplätze genutzt werden. Diese bedürfen einer umfassenden Verschattung und Entsiege- lung, um die Oberflächentemperatur zu reduzieren. > DACHBEGRÜNUNG Die Maßnahme wurde teilweise in dem Quartier bereits durch- geführt, sollte aber konsequent ausgeweitet werden. Beson- ders intensive Dachbegrünungen sind auf ihre Machbarkeit zu überprüfen. > FASSADENBEGRÜNUNG Das Anbringen von Fassadenbegrünung in Form von Modulen könnte neben dem bioklimatischen Profit ebenso ein Interes- santes Gesamtbild der unterschiedlich genutzten Großstruktur- cluster ergeben. Abb. 92: Hot-Spot-Quartier SST 09 „Bereiche mit Großstrukturen“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 89 M 14 grüne Gleistrassen M 07 Entsiegelung M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 08 grüne Parkierung M 16 Dachbegrünung M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo M 17 Fassadenbegrünung Rüppurrer Straße 2050 Abb. 93: Hot-Spot-Quartier SST 09 „Bereiche mit Großstrukturen“ – Situation mit Maßnahmen 90 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Das für den Stadtstrukturtyp 09 „Bereiche mit Großstruktu- ren“ identifizierte, exemplarisch umgesetzte und typspezifisch zusammengestellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermittelten „schlimmstbetroffenen“ Hot-Spot-Quar- tiers am Mendelssohnplatz zwischen Ludwig-Erhard-Allee und der Rüppurrer Straße erarbeitet. Eine Anwendung der in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men kann weniger gut auf die anderen betroffenen Quartiere desselben Stadtstrukturtyps übertragen werden, da es sich teils um sehr unterschiedliche Quartiere handelt. Da es sich bei diesem Stadtstrukturtyp um einen nutzungs- bezogen sehr individuellen Typ handelt, können zusätzliche Maßnahmen wie „die Neueinrichtung von Pocket-Parks“, „energetische Gebäudesanierung“ und „erlebbares Wasser im öffentlichen Raum“ erwogen werden. Abb. 94 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 09 ist exemplarisch anhand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 95). Deren Vielfalt zeigt Abb. 96 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 09 Abb. 94: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 09 „Bereiche mit Großstrukturen“ FESTPLATZ/ KONGRESSZENTRUM > großer öffentlicher Platz als Zulieferungszone und Durchgangsraum mit hohem Versiegelungsgrad STEINHÄUSERSTRASSE > relativ hoher Entsiegelungsgrad >> kein großflächig gestalteter Freiraum > kleinteiligere, lose Baustruktur Abb. 95: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 91 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 09 „BEREICHE MIT GROSSSTRUKTUREN“ Abb. 96: exemplarische Vielfalt der Quartiere 92 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.8 STADTSTRUKTURTYP # 10 GEWERBE // HOT-SPOT Der Strukturtyp „Gewerbe“ besteht vorwiegend aus Gewer- bebauten verschiedener Arten, Größen und Formen. So finden sich vor allem Hallen, Fabrikationsgebäude, Lager und Ver- kaufsräume für Produktion, Handel, Logistik und Handwerk. Vereinzelt sind aber auch Wohn- oder Verwaltungsgebäude, bisweilen auch ganz andere Typologien (Kirchen, Kioske, Ga- stronomie) eingestreut. Gewerbegebiete haben sich in Karlsruhe grundsätzlich in allen Phasen seit etwa 1860 entwickelt, schwerpunktmäßig fand die Entwicklung aber im Laufe des 20. Jahrhunderts statt. Die Ge- werbebauten weisen je nach intendierter Nutzung zwischen 1 und 6 Geschossen auf. Die Anordnung der Gebäude ist meist individuell und wird durch die Nutzungsform bzw. auch durch äußere Rahmenbedingungen (Trassen etc.) bestimmt. Neben Straßenräumen mit Stellplätzen für PKW/LKW sind öffentliche Räume nur in sehr geringem Umfang vorhanden. Öffentliche Plätzen und Grünflächen fehlen fast völlig, und kommen nur in Form von Brach- oder Restflächen vor. Private Flächen sind meist funktional ausgestaltet und bestehen so- mit zu einem erheblichen Anteil aus ausgedehnten Verkehrs-, Stellplatz- oder Lagerflächen. Private Grünflächen sind sehr selten und treten nur in Zusammenhang mit Wohnnutzung auf. 69 Gewerbequartiere wurden innerhalb der Karlsruher Stadt- grenze identifiziert. Aufgrund ihres großen Flächenbedarfs haben sie aber einen fast 20%igen Anteil an der Raumnut- zung. In den Quartieren wohnen immerhin noch rd. 3.000 BürgerInnen. 48 % 0 % 6 % 1 % 2 % 0 % 0 % 2 % 0 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Flächen des Hot-Spots von 245.380,70 m² Abb. 97: Räumliche Lage und Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „Gewerbe“ STADTPLANUNGSAMT | 93 M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Dächer M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Fassaden M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 04 Reduktion anthropogener Wärmeemissionen Im betroffenen Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps „Ge- werbe“ können großflächige Gebäudekubaturen vor allem mit sommerlichem Wärmeschutz versehen und nach Möglichkeit durch energetische Gebäudesanierung angepasst werden. Ver- siegelte Flächen und Parkierungen, die erheblichen Raum ein- nehmen, können entsiegelt und verschattet werden, um eine Reduktion der Oberflächentemperatur zu erreichen. Pocket- Parks, die an die umliegenden Entlastungsflächen anbinden, bilden Entlastungsräume für die arbeitenden Menschen. Für weitergehende Informationen stellt auch das Handbuch „Unternehmensstandorte zukunftsfähig entwickeln“ der Wirt- schaftsförderung eine gute Grundlage dar (vgl. S. 37). Grundsätzlicher Hinweis: Das hier beschriebene Maßnahmen- paket bezieht sich auf eine Entlastung von Hitzestress bei gleichbleibender Nutzung bzw. Gebietsstruktur. Im Regelfall können bei entsprechenden Änderungen in einer Gesamtbi- lanz durchaus deutlich bessere Effekte erzielt werden, wenn im Sinne einer „doppelten Innenentwicklung“ bisher versiegel- te Flächen klimaoptimiert nachverdichtet und die verbleiben- den Freiflächen klimaoptimiert gestaltet werden. QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET Baumbestand heute Neupflanzung Pocket-Parks Neupflanzung Abb. 98: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 10 „Gewerbe“ 94 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Gablonzer Straße HEUTE versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 10 - Gewerbe: > GRÜNE PARKIERUNG Versiegelte Flächen machen bei diesem Stadtstrukturtyp einen erheblichen Anteil aus. Da viele dieser Flächen Lasten tragen müssen (Außenhallen, Rangierhöfe etc.), sind grüne Parkierun- gen, die ebenfalls zu verschatten sind, umso wichtiger. > ERHÖHUNG DER OBERFLÄCHEN-ALBEDO Ein effektiver und zügig umsetz barer Eingriff bei diesen Kubaturen ist die Erhöhung der Oberflächen-Albedo. > VERSCHATTUNG VON STRASSEN, PLÄTZEN UND GEBÄUDEN / POCKET-PARKS Bei dieser sehr großen Gewerbefläche gibt es bestimmte Funktionsräume, die sich ohne weiteres nicht in einem großen Umfang klimagerecht optimieren lassen. Ein großes Potenzial bilden jedoch die Straßenräume, Abstandsflächen und Bra- chen, die verschattet und durch zu Pocket-Parks umgestaltet werden können, um den arbeitenden Menschen ausreichen- den Entlastungsraum zu bieten Abb. 99: Hot-Spot-Quartier SST 10 „Gewerbe“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 95 2050 M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 04 Reduktion anthropogener Wärmeemissionen M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo Dächer / Fassaden M 16 Dachbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle Gablonzer Straße Abb. 100: Hot-Spot-Quartier SST 10 „Gewerbe“ – Situation mit Maßnahmen 96 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Das für den Stadtstrukturtyp 10 „Gewerbe“ identifizierte, exemplarisch umgesetzte und typspezifisch zusammengestellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermittelten „schlimmstbetroffenen“ Hot-Spot-Quartiers zwischen Neureu- ter Straße, Siemensallee und Rheinstraße erarbeitet. Eine Anwendung der in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men kann bedingt auf die anderen betroffenen Quartiere desselben Stadtstrukturtyps übertragen werden. Bedingt übertragbar sind die Maßnahmen „Dachbegrünung“, „Erhö- hung der Oberflächen-Albedo“ und die „Neueinrichtung von Pocket-Parks“, da die Möglichkeiten zur Umsetzung in den Quartieren teils voneinander abweichen. Als zusätzliche Maßnahme zum quartierspezifischen Maßnah- menpaket kann in einigen Quartieren mit sehr kleinteiliger Bebauungsstruktur M 06 „Rückbau“ erwogen werden. Abb. 101 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 10 ist exemplarisch an- hand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 102). Deren Vielfalt zeigt Abb. 103 auf der rechten Seite. ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 10 Abb. 101: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 10 „Gewerbe“ PFIZERSTRASSE > lockere Bebauungsstruktur > viel Grünraum, wenig Versiegelung > größere Straßenquerschnitte DAXLANDER STRASSE > größere Bebauungsstruktur (große Hallenstrukturen) > teilweise mehrstöckige Bebauung im südöstlichen Teil > nahezu komplett versiegelt Abb. 102: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 97 AUSWAHL AN QUARTIEREN DES STADTSTRUKTURTYPS 10 „GEWERBE“ Abb. 103: exemplarische Vielfalt der Quartiere 98 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 3.9 STADTSTRUKTURTYP # 11 INDUSTRIE// HOT-SPOT Der Typenkatalog enthält für Karlsruhe 13 als Stadtstruk- turtyp „Industrie“ identifizierte Quartiere unterschiedlicher Größe. Die Industriegebiete zeichnen sich durch vorwiegend großkubaturige Gebäude und Gebäudekomplexe mit interner Eigenlogik je nach Branche und Produktionsabläufen aus. Die Gebiete bestehen aus große Hallen und Fabrikanlagen sowie einigen Verwaltungsgebäuden. Stadtstrukturelle Muster sind sehr spezifisch und ergeben sich nach der entsprechenden Produktionsform. Die industrielle Nutzung wird nur sehr selten und in geringem räumlichem Umfang durch andere Nutzun- gen ergänzt (z.B. Eigentümerwohnen). Isolierte Industriegebiete und -cluster sind in Karlsruhe in allen Phasen seit etwa 1860 entstanden. Die Schwerpunkte liegen aber im 20 Jahrhundert, wobei die Gebiete eine recht hohe Dynamik und entsprechend viele Arbeitsplätze entwickelt ha- ben. Die Quartiere weisen eher „autarke“ Erschließungsmuster nach interner Eigenlogik mit punktuellen Zugängen von außen auf. Teils entsteht ein erheblicher Anlieferverkehr. Außer den Straßenräumen mit spezifischer Ausstattung (Stell- plätze PKW/LKW) existieren in der Regel kaum weitere öffent- liche oder private Freiflächen. Hochwertige Grünflächen als Rückzugsgebiete für die Belegschaft sind folglich meist nur in sehr geringem Umfang vorhanden. 34 % 0 % 8 % 0 % 33 % 0 % 0 % 4 % 0 % // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT Flächen des Hot-Spots von 2.3038,22 m² Abb. 104: Abgrenzung des Hot-Spot-Quartiers „Industrie“ STADTPLANUNGSAMT | 99 Das Maßnahmen-Paket für das betroffene Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps „Industrie“ beinhaltet zum einen som- merlichen Wärmeschutz, energetische Gebäudesanierung sowie Dach- und Fassadenbegrünung für die Gebäudeflächen. Eine Entsiegelung und Verschattung der versiegelten Flächen führt zum anderen zur Reduktion der Oberflächentemperatur. Pocket-Parks bieten Entlastungsräume mit Aufenthaltsqualität für die im Quartier Arbeitenden. Für weitergehende Informationen stellt auch das Handbuch „Unternehmensstandorte zukunftsfähig entwickeln“ der Wirt- schaftsförderung eine gute Grundlage dar (vgl. S. 37). Grundsätzlicher Hinweis: Das hier beschriebene Maßnahmen- paket bezieht sich auf eine Entlastung von Hitzestress bei gleichbleibender Nutzung bzw. Gebietsstruktur. Im Regelfall können bei entsprechenden Änderungen in einer Gesamtbi- lanz durchaus deutlich bessere Effekte erzielt werden, wenn im Sinne einer „doppelten Innenentwicklung“ bisher versiegel- te Flächen klimaoptimiert nachverdichtet und die verbleiben- den Freiflächen klimaoptimiert gestaltet werden. M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 17 Fassadenbegrünung M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Dächer M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo / Fassaden M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 04 Reduktion anthropogener Wärmeemissionen Baumbestand heute Neupflanzung Pocket-Parks Neupflanzung QUARTIERSPEZIFISCHES MASSNAHMENPAKET Abb. 105: instanzspezifische Maßnahmenanwendung Stadtstrukturtyp 11 „Industrie“ 100 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG HEUTE Hardeckstraße versiegelte Flächen Grünflächen Bestand Bäume Bestand Bäume neu/ entsiegelte Flächen Pocket Parks grüne Parkierung Dachbegrünung Fassadenbegrünung Folgende Auffälligkeiten und Besonderheiten ergeben sich im Hot-Spot-Quartier des Stadtstrukturtyps 11 - Industrie: > DACH- UND FASSADENBEGRÜNUNG großen Kubaturen bieten für diese gebäudespezifischen Maßnahmen viel Fläche. Bei der Dachbegrünung ist die Mach- barkeit einer intensiven Begrünungsart zu überprüfen. Für Fassadenbegrünung können Begrünungsmodule in Betracht gezogen werden. > ERHÖHUNG DER OBERFLÄCHEN-ALBEDO Ein effektiver und zügig umsetzbarer Eingriff bei diesen Kuba- turen die Erhöhung der Oberflächen-Albedo als Alternative, falls eine Fassadenbegrünung nicht umsetzbar ist. > VERSCHATTUNG VON STRASSEN, PLÄTZEN UND GEBÄUDEN Die großen, teilweise stark versiegelten Flächen können in Ab- stimmung mit den Betriebsabläufen entsiegelt und verschattet werden, um die Oberflächentemperatur zu senken. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass eine klimaoptimierte Nachverdichtung (auch in die Höhe) bei gleichzeitiger klima- optimierter Gestaltung der verbleibenden Freiräume (Stichwort „doppelte Innenentwicklung“) in der Gesamtbilanz sogar bessere stadtklimatische Effekte hervorbringen kann. Abb. 106: Hot-Spot-Quartier SST 11 „Industrie“ – heutige Situation STADTPLANUNGSAMT | 101 2050 Hardeckstraße M 08 grüne Parkierung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher Wärmeschutz M 07 Entsiegelung M 16 Dachbegrünung M 04 Reduktion anthropogener Wärmeemissionen M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 12 Erhöhung der Oberflächen-Albedo Dächer / Fassaden M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 17 Fassadenbegrünung Abb. 107: Hot-Spot-Quartier SST 11 „Industrie“ – Situation mit Maßnahmen 102 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG GEWERBEGEBIET BREIT > höherer Entsiegelungsgrad > sehr große versiegelte Parkflächen MITSCHERLICHSTRASSE > kleinteiligere Bebauungsstruktur > hoher Versiegelungsgrad ÜBERTRAGBARKEIT DER MASSNAHMEN UND SPANNWEITE DER DIVERSITÄT IN DEN QUARTIEREN DES SST 11 Abb. 108: Verortung der Quartiere des Stadtstrukturtyps 11 „Industrie“ Das für den Stadtstrukturtyp 11 „Industrie“ identifizierte, exemplarisch umgesetzte und typspezifisch zusammengestellte Maßnahmen-Paket wurde anhand des in Phase 1 ermittelten „schlimmstbetroffenen“ Hot-Spot-Quartiers zwischen der Mühlburger Straße und Andreas-Hofer-Straße erarbeitet. Eine Anwendung der in diesem Paket enthaltenen Maßnah- men kann bedingt auf die anderen betroffenen Quartiere desselben Stadtstrukturtyps übertragen werden. Bedingt übertragbar sind die Maßnahmen „Dachbegrünung“, „Fassa- denbegrünung“, „Erhöhung der Oberflächen-Albedo“ und die „Neueinrichtung von Pocket-Parks“, da die Möglichkeiten zur Umsetzung in den Quartieren teils voneinander abweichen. Als zusätzliche Maßnahme zum quartiersspezifischen Maß- nahmenpaket kann in einigen Quartieren mit sehr kleinteiliger Bebauungsstruktur M 06 „Rückbau“ erwogen werden. Abb. 108 oben zeigt die Lage der betroffenen Quartiere des Stadtstrukturtyps und des Hot-Spots. Die Spannweite der Diversität des SST 11 ist exemplarisch an- hand von mehreren Quartieren abgebildet (Abb. 109). Deren Vielfalt zeigt Abb. 110 auf der rechten Seite.Abb. 109: exemplarische Spannweite der Diversität der Quartiere STADTPLANUNGSAMT | 103 QUARTIERE DES STADTSTRUKTURTYPS 11 „INDUSTRIE“ Abb. 110: exemplarische Vielfalt der Quartiere 104 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 26 23 10 37 54 14 15 1512 31 31 12 42 36 1019 13 3 2 2 28 3 3 3 45 6 6 7 1 11 2 6 6 7 6 6 11 16 32 2 1716 BEZOGEN AUF DIE GESAMTFLÄCHE DES JEWEILIGEN HOT-SPOTS // VERGLEICH HEUTE - 2050 in % 3.10 FLÄCHENVERTEILUNG GESCHLOSSENER BLOCKRAND SST # 01 OFFENER BLOCKRAND SST # 02 ZEILEN SST # 03 AUFGELOCKERTE BEBAUUNG MITTLERER DICHTE SST # 04 // ÖFFENTLICH versiegelte Fläche versiegelte Fläche unversiegelte Fläche unversiegelte Fläche grüne Parkierung (gesamte Parkplatzfläche) grüne Parkierung (reine Stellflächen) Dachbegrünung versiegelte Fläche (reine Stellflächen) versiegelte Fläche (reine Stellflächen) // PRIVAT BEZOGEN AUF DIE GESAMTFLÄCHE DES JEWEILIGEN HOT-SPOTS 3.11 MASSNAHMENANWENDUNG 17% 8% 6% 17% 29% 16% 10% 6% 12% 16% 22% 7% 10% // ENTSIEGELUNG // GRÜNE PARKIERUNG // DACHBEGRÜNUNG // VERSCHATTUNG STADTPLANUNGSAMT | 105 22 51 72 7 4 4 42 24 2 1 211 1016162130 33 15 4124 33 33 18 112219 233119 49 9 4768 1352 514834 33 28 ORTSKERN SST # 05 HOCHHAUSGEBIETE MIT ÜBERWIEGENDER WOHNNUTZUNG SST # 08 GROSS- STRUKTUREN SST # 09 GEWERBE SST # 10 INDUSTRIE SST # 11 // ÖFFENTLICH // PRIVAT 14% 2% 3% 28% 17% 16% 15% 19% 11% 9% 14% 17% 23% 21% 16% 16% 19% 30% 15% 106 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 4 STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG - DAS PLANWERK STADTPLANUNGSAMT | 107 Das Planwerk des Städtebaulichen Rahmenplans Klimaanpas- sung, Anpassungskomplex Hitze dient der Verräumlichung der erarbeiteten konzeptionellen Inhalte und deren anschaulicher Visualisierung in einem Maßstab, der einerseits das relevante Stadtgebiet überschaubar zeigt, andererseits aber hinreichend detailliert ist, um die vielfältigen Inhaltsebenen trotz ihrer Komplexität aufnehmen zu können. Das Planwerk ist sowohl dafür geeignet, es „an die Wand zu hängen“, um es stets als eine relevante konzeptionelle Ebene hinter allen anstehenden Entscheidungen der städtebaulichen Entwicklung Karlsruhes auf den verschiedenen planerischen Ebenen vor Augen zu haben, als auch die konkrete Arbeit vor Ort zu begleiten, als eine Art „praktischer Faltplan“. Der Plan wendet sich an Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit und bringt hitzebezogene Aspekte der Klimaanpassung in alle Entscheidungen der Stadtplanung ein. Er zeigt die stadtklima- tischen Defizite Karlsruhes in Bezug auf die Urban Heat Pro- blematik „als Lösung“ auf und gibt Hinweise bzw. politische Unterstützung, beispielsweise auch für den Umbau des öffent- lichen Raums. Seine Herleitung ist dabei wesentlich. Auf diese Aspekte ist letztlich auch die Plangrafik ausgerichtet. Der Plan nimmt inhaltlich die verschiedenen konzeptionellen Ebenen auf, von den Stadtstrukturtypen bis zu wesentlichen stadtklimatischen Funktionen, und stellt gleichzeitig die Ver- knüpfung zu den im Textteil ausführlich dargestellten Maß- nahmenpaketen her. Wesentliche bzw. grundlegende Inhalte sind vorrangig sichtbar, wichtige detaillierte Komponenten kommen bei näherem Hinsehen zum Vorschein. Außerdem enthält der Plan neben den kartographischen Darstellungen im Stadtgebiet auch weitere Abbildungen, die die Verknüpfung zwischen den Maßstäben herstellen. Die drei inhaltlichen Abschnitte der Legenden- und Plan- struktur ergeben zusammen ein schlüssiges Gesamtbild, das gemeinsam mit den durch Piktogramme dargestellten Maß- nahmen und den dreidimensional veranschaulichten Maß- nahmenpaketen der einzelnen Stadtstrukturtypen auf dem Rahmenplan angeordnet wird. Hierdurch lässt sich auch hin- sichtlich der Lesbarkeit eine gute Verknüpfung zwischen den Maßstäben erzielen. Eine umfassende Abdeckung der Klimaanpassung bedarf je- doch zusätzlich der sukzessiven Zusammenschaltung des Plans mit weiteren Komplexen (z.B. Starkregen, Überflutung). GRUNDKARTE STADTSTRUKTUR ENTLASTUNGSSYSTEM RELEVANTE KLIMAFUNKTIONEN Abb. 111: Inhaltliche Gliederungsebenen des Rahmenplans 108 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 4.1 DER STÄDTEBAULICHE RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Der Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung als „Haupt- plan“ enthält sämtliche zum Verständnis relevanten Inhalte und besteht neben der Hauptkarte aus dem Bereich Legende (siehe 4.2) sowie den je nach Verwendungszweck zu- oder wegklappbaren Bereichen Hotspotspezifische Maßnahmen- pakete und Maßnahmen. Auf diese Weise können die Inhalte der Stadtstrukturtypen über die Maßnahmenpakete bis zu den Maßnahmen auch auf dem Plan systematisch nachvollzogen werden. Da aus Gründen der Lesbarkeit und Praktikabilität nur der Kernbereich der Gemarkung dargestellt werden kann, werden auch eine Übersicht sowie die außerhalb des Hauptplans lie- genden betroffenen Quartiere ausschnitthaft abgebildet. Eine verkleinerte Fassung des Städtebaulichen Rahmenplans Klimaanpassung liegt diesem Begleitheft bei. Der Hauptplan wird aufgrund seiner inhaltlich-grafischen Kom- plexität zusätzlich in zwei Teilpläne separiert, die die jeweilige Struktur prägnanter darstellen können. Zum Verständnis der Wirkungsmechanismen ist jedoch grundsätzlich das Überein- anderlegen beider Pläne erforderlich. Der Teilplan „Stadtstrukturtypen“ gibt einen Überblick über die belasteten und nicht belasteten Stadtstrukturtypen, das Vorkommen sensibler Nutzung innerhalb der belasteten Ge- biete, die Einwirkungsbereiche von Kaltluft sowie die Auswei- sungsempfehlung von klimaökologischen Sanierungsgebieten. An den Plan angedockt sind die axonometrischen Darstellun- gen der Hot-Spot-Quartiere mit den entsprechend gekoppel- ten Maßnahmenpaketen, das auf die jeweiligen Stadtstruktur- typen übertragen werden kann, sowie die Maßnahmen selbst. Der Teilplan „Entlastungssystem“ stellt bioklimatische Ent- lastungsflächen, das entsprechende Zuwegungssystem mit seinen Wegenetzen und klimaoptimierten Pausenräumen in geeigneten Abständen sowie ergänzenden Komponenten dar, die das feinmaschige Netz komplettieren. Zudem enthält die- ser Teilplan Empfehlungen zum städtebaulichen Umgang mit relevanten Flächen und Freiräumen hervor. Übersicht/ AusschnitteHauptkarte STADTPLANUNGSAMT | 109 Abb. 112: Aufbau Rahmenplan 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 03 03 03 03 03 03 03 03 03 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 02 02 01 01 01 01 03 03 03 03 03 09 09 03 03 04 05 05 09 03 08 08 08 08 08 08 08 08 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 09 09 09 09 09 09 09 09 09 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 11 11 11 11 11 11 11 11 Hardecksiedlung klimaoptimierte Gestaltung durch Entsiegelung und Verschattung Bahnhofsvorplatz Hauptbahnhof Süd Festplatz Ost Schlossgarten Hildapromenade Durlacher Tor Ostanke Schlossgarten Hardtwald Festplatz West Oberwald KGA Petergraben Bulach Alter Flugplatz Gewerbegebiet Bannwaldallee Beiertheimer Feld Messplatz Bahndamm KGA Stuttgarter Straße Gleisbauhof Gewerbehof Rangierbahnhof klimaoptimierte Bebauung möglich Nördliche Oststadt KGA Hagsfelder Allee Städtisches Klinikum Karlsruhe Gewerbegebiet Breit KIT - Campus Süd Gewerbegebiet Kußmaulstraße Bei Er satz oder Sanierung auf Ausschluss von Bebauung Ausschluss von Bebauung; Soll als Teil der z en tr alen Kalt - freig ehalt en w er den Her stellung lokal relevan ter Leitbahnen ausr eichender Größe bis zur Kriegsstr aße Südtangente Status Quo kann erhalten bleiben; Über deckelung ohne relevan te klimaökologische Auswirkungen teilw eise Erhalt des Baumbestandes und Kleingart encharater s Potenzial Rückbau oder moderate Bebauung ohne relevan te klimaökologische Auswirkungen für die Umgebung Maßnahmen im Gebiet jedoch lokal sehr wirksam durchgrün te, moderate Nachver dichtung mit No rdost-Südwes t-Ausrich tung der Gebäude in die Höhe möglich Gebäudestellung mit Südost-Nor dw es t-Ausrich tung Status Quo erhalten; Modellierungsergebnisse: Das Anbringen einer Schneise hat keine großräumige Wirkung Grünverbindung nach Durlach als lokale Leitbahn herstellen Ausschluss von Bebauung > Bes tand einer lokalen Leitbahn Gebäudestellung Südost-Nor dw es t Durchlass ohne klimaökologische Auswirkungen und Gestaltung möglich Verlegung des Messplatzes durchgrün te, moderate Bebauung im östlichen Teil mit W es t-Os t-Ausrich tung der Gebäude möglich; Fr eilassung eines ausreichen gr oßen Korridors z ur angr en zenden W ohnbebauung Nutz ungsänderung Gewerbe > Wohnen Nachver dichtung möglich Status Quo erhalten; Modellierungsergebnisse: Das Anbringen einer Schneise hat keine großräumige Wirkung Status Quo erhalten; Modellierungsergebnisse: Das Anbringen einer Schneise hat keine großräumige Wirkung klimaoptimierte Gestaltung Nebeniusstraße Schützenstraße Rahe l-Straus-Straße Kriegsstraße Amalienstraße Südendstraße Ebertstraße Sophienstraße Durlacher Allee Gerwigstraße Haid-und-Neu-Straße Wolfartsweierer Straße Marienstraße Ludwig-Erhard-Allee Karlstraße Karlstraße Herrenstraße Brauerstraße Steinhäuserstraße Rheinhold-Frank-Straße Kaiserstraße Kaiserallee Schillerstraße Moltkestraße Gutenbergplatz Weinbrennerstraße Hardtstraße Rheinstraße Yorckstraße Ko lpingplatz Kaiserplatz Marktplatz Werderplatz Rüppurrer Straße Tivoliplatz Hirschstraße Siedlungsraum Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe Teilplan Stadtstruktur M 1:7500 POTENZIAL STADTSTRUKTUR Potenzialfläche klimaoptimierte Bebauung Potenzialfläche klimaoptimierte Nachverdichtung Ausschluss von Bebauung auf Freiflächen Potenzialfläche klimaoptimierte Gestaltung von Freiflächen STADTSTRUKTURTYPEN 01 02 03 04 05 08 09 10 11 BIS 2050 BELASTET BIS 2050 NICHT BELASTET 01_geschlossene Blockrandbebauung 02_offene Blockrandbebauung 03_Zeilenbebauung 04_Ortskern 05_Wohnbebauung mittlerer Dichte 08_Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung 09_Bereiche mit Großstrukturen 10_Gewerbe 11_Industrie Baustruktur sensible Nutzung Belastung nur tagsüber Belastung nur nachtsüber bereits heute belastete Quartiere mit Handlungspriorität - Ausweisung von klimaökologischen Sanierungsgebieten gemäß §136 BauGB möglich Hinweis: Zum Zeitpunkt der Modellierung, auf der die Belastungsbewertung basiert, herrschten hier noch andere Nutzungsstrukturen vor (2010) Siedlungsraum RELEVANTE KLIMAFUNKTIONEN Einwirkungsbereich von Kaltluft lokal wirksame Kaltluftleitbahn übergeordnete Kaltluftleitbahn Anschluss an großflächige Kaltluftproduktionsräume Kaltluftlieferung von Freiflächen sonstige Freiflächen Hinweis: Die Klimafunktionen innerhalb des Testgebietes der städtebaulichen Szenarien wurden aus Modellierungen im 10*10m Raster abgeleitet. Außerhalb des Testgebietes wurden die Informationen nachrichtlich aus der Klimafunktionskarte 2010 übernommen. Detaillierte Ableitungen und Ergebnisse sind im Begleitheft zum Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung der Stadt Karlsruhe ersichtlich. ENTLASTUNGSSYSTEM ENTLASTUNGSFLÄCHEN bioklimatische Entlastungsflächen bioklimatische Entlastungsflächen mit eingeschränkter Nutzbarkeit bioklimatische Entlastungsflächen_Wald ERGÄNZENDE KOMPONENTEN UND POTENZIALE angebundene Spielplätze und Schulhöfe Neueinrichtung von Pocket-Parks Erhalt von Baumbestand in Blockinnenbereichen Potenzial Rückbau, Entsiegelung und Begrünung in Blockinnenbereichen Suchraum für Neueinrichtung von Pocket-Parks in den Stadtstrukturtypen Gewerbe und Industrie Verknüpfung von Freiräumen WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM Gewässer [Bestand] Wasserspielplätze und Brunnen [Bestand] Suchraum für Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe Teilplan Entlastungssystem M 1:7500 ZUWEGUNGSSYSTEM Zuwegungssystem_1. Priorität Zuwegungssystem_2. Priorität Baumbestand [Zuwegungssystem 1. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 1. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW Baumbestand [Zuwegungssystem 2. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 2. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW ergänzende Neupflanzung von Bäumen zur durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Trittsteine als kleinräumige Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Spielplätze und Schulhöfe als ergänzende Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m zu entwickelnde Trittsteine und Erholungsräume Abb. 113: Teilplan Stadtstruktur Abb. 114: Teilplan Entlastungsgssystem LegendeMaßnahmen Hot-Spots/ spezifische Maßnahmenpakete 110 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Abb. 115: Ausschnitt Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung STADTPLANUNGSAMT | 111 112 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG 4.2 LESEHILFE LEGENDE: DIE INHALTE DES STÄDTEBAULICHEN RAHMENPLANS KLIMAANPASSUNG Abb. 116: Teilplan Stadtstruktur, Ausschnitt M 1:7500 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 03 03 03 03 03 03 03 03 03 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 01 02 02 01 01 01 01 03 03 03 03 03 09 09 03 03 04 05 05 09 03 08 08 08 08 08 08 08 08 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 09 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 09 09 09 09 09 09 09 09 09 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 11 11 11 11 11 11 11 11 Hardecksiedlung klimaoptimierte Gestaltung durch Entsiegelung und Verschattung Bahnhofsvorplatz Hauptbahnhof Süd Festplatz Ost Schlossgarten Hildapromenade Durlacher Tor Ostanke Schlossgarten Hardtwald Festplatz West Oberwald KGA Petergraben Bulach Alter Flugplatz Gewerbegebiet Bannwaldallee Beiertheimer Feld Messplatz Bahndamm KGA Stuttgarter Straße Gleisbauhof Gewerbehof Rangierbahnhof klimaoptimierte Bebauung möglich Nördliche Oststadt KGA Hagsfelder Allee Städtisches Klinikum Karlsruhe Gewerbegebiet Breit KIT - Campus Süd Gewerbegebiet Kußmaulstraße Bei Er satz oder Sanierung auf Ausschluss von Bebauung Ausschluss von Bebauung; Soll als Teil der z en tr alen Kalt - freig ehalt en w er den Her stellung lokal rel evan ter Leitbahnen ausr eichender Größe bis zur Kriegsstr aße Südtangente Status Quo kann erhalten bleiben; Über deckelung ohne relevan te klimaökologische Auswirkungen teilw eise Erhalt des Baumbestandes und Kleingart encharater s Potenzial Rückbau oder moderate Bebauung ohne relevan te klimaökologische Auswirkungen für die Umgebung Maßnahmen im Gebiet jedoch lokal sehr wirksam durchgrün te, moderate Nachver dichtung mit No rdost-Südwes t-Ausrich tung der Gebäude in die Höhe möglich Gebäudestellung mit Südost-Nor dw es t-Ausrich tung Status Quo erhalten; Modellierungsergebnisse: Das Anbringen einer Schneise hat keine großräumige Wirkung Grünverbindung nach Durlach als lokale Leitbahn herstellen Ausschluss von Bebauung > Bes tand einer lokalen Leitbahn Gebäudestellung Südost-Nor dw es t Durchlass ohne klimaökologische Auswirkungen und Gestaltung möglich Verlegung des Messplatzes durchgrün te, moderate Bebauung im östlichen Teil mit W es t-Os t-Ausrichtung der Gebäude möglich; Fr eilassung eines ausreichen gr oßen Korridors zur angr enz enden Wohnbebauung Nutz ungsänderung Gewerbe > Wohnen Nachver dichtung möglich Status Quo erhalten; Modellierungsergebnisse: Das Anbringen einer Schneise hat keine großräumige Wirkung Status Quo erhalten; Modellierungsergebnisse: Das Anbringen einer Schneise hat keine großräumige Wirkung klimaoptimierte Gestaltung Nebeniusstraße Schützenstraße Rahel-Straus-Straße Kriegsstraße Amalienstraße Südendstraße Ebertstraße Sophienstraße Durlacher Allee Gerwigstraße Haid-und-Neu-Straße Wolfartsweierer Straße Marienstraße Ludwig-Erhard-Allee Karlstraße Karlstraße Herrenstraße Brauerstraße Steinhäuserstraße Rheinhold-Frank-Straße Kaiserstraße Kaiserallee Schillerstraße Moltkestraße Gutenbergplatz Weinbrennerstraße Hardtstraße Rheinstraße Yorckstraße Kolpingplatz Kaiserplatz Marktplatz Werderplatz Rüppurrer Straße Tivoliplatz Hirschstraße Siedlungsraum Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe Teilplan Stadtstruktur M 1:7500 POTENZIAL STADTSTRUKTUR Potenzialfläche klimaoptimierte Bebauung Potenzialfläche klimaoptimierte Nachverdichtung Ausschluss von Bebauung auf Freiflächen Potenzialfläche klimaoptimierte Gestaltung von Freiflächen STADTSTRUKTURTYPEN 01 02 03 04 05 08 09 10 11 BIS 2050 BELASTET BIS 2050 NICHT BELASTET 01_geschlossene Blockrandbebauung 02_offene Blockrandbebauung 03_Zeilenbebauung 04_Ortskern 05_Wohnbebauung mittlerer Dichte 08_Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung 09_Bereiche mit Großstrukturen 10_Gewerbe 11_Industrie Baustruktur sensible Nutzung Belastung nur tagsüber Belastung nur nachtsüber bereits heute belastete Quartiere mit Handlungspriorität - Ausweisung von klimaökologischen Sanierungsgebieten gemäß §136 BauGB möglich Hinweis: Zum Zeitpunkt der Modellierung, auf der die Belastungsbewertung basiert, herrschten hier noch andere Nutzungsstrukturen vor (2010) Das Planwerk zum Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpas- sung, Anpassungskomplex Hitze verfügt über einen systemati- schen Aufbau, der sich in der Legendenstruktur widerspiegelt. Diese besteht mit „Stadtstruktur“, „Entlastungssystem“ und „Relevante Klimafunktionen“ aus drei grundsätzlichen Ab- schnitten, die inhaltlich wie auch grafisch aufeinander aufbau- en und für eine gute Lesbarkeit und Verknüpfung der Ebe- nen sorgen. Jeder Abschnitt verfügt dabei über eine eigene Farbskala. Anhand dieser thematischen Abschnitte lassen sich Aufbau und Funktionsweise des Planes gut erläutern. // STADTSTRUKTUR Als Basis-Layer werden die Stadtstrukturtypen in einer farblich zwischen Wohnnutzung, Ortskern und Großstrukturen zusam- menhängenden Skala differenziert dargestellt. Zur besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit sind die Quartiere mit der Baustruktur überlagert, wobei sensible Nutzungen dunkler hervorgehoben werden. Die bis zum Jahre 2050 belasteten Instanzen jedes Stadtstrukturtyps werden dabei vollfarbig, die unbelasteten nur durch die Außenlinie visualisiert. Die Stadtstrukturtypen sind plansystematisch stets verknüpft mit dem spezifischen Maßnahmenpaket, das am Rand des Gesamtplans dargestellt wird. Bestimmte Maßnahmen, bei de- nen eine individuelle Einschätzung für die einzelnen Quartiere vorgenommen wird (z.B. „Erhalt von Baumbestand“ oder „Po- tenzial Rückbau, Entsiegelung und Begrünung in Blockinnen- bereichen“), werden mit spezifischen Signaturen dargestellt, aufgrund ihrer Entlastungswirkung werden sie jedoch dem zweiten Legendenabschnitt zugeordnet und dort beschrieben. Zwei Symbole zeigen zusätzlich, ob das Quartier nur tagsüber oder nur nachts belastet ist. Die rot-punktierte Schraffur stellt die bereits heute belasteten Quartiere mit Handlungspriorität dar, in denen klimaökologische Sanierungsgebieten gemäß §136 BauGB ausgewiesen werden können. Aus den Modellierungsergebnissen der experimentellen Test- entwürfe geht der Teilaspekt Potenzial Stadtstruktur hervor. Mit diesem werden bioklimatisch relevante Flächen und Frei- räume bewertet und ein entsprechender Umgang mit ihnen empfohlen. Die Empfehlungen enthalten zum einen Möglichkeiten einer moderaten klimaoptimierten Bebauung sowie einer Nachver- dichtung mit klimaoptimierter Gebäudestellung, ausreichender Durchgrünung, Beachtung und Schutz eventuell vorkommen- der Kaltluftleitbahnen und dem teilweisen Erhalt des jeweili- gen bestehenden Siedlungscharakters. STADTPLANUNGSAMT | 113 Abb. 117: Legende Stadtstruktur Zum anderen werden Flächen mit dem Potenzial für eine kli- maoptimierte Gestaltung ausgewiesen. Diese Handlungsemp- fehlung beinhaltet beispielsweise auch die Entsiegelung und anschließenden Verschattung bisher versiegelter Flächen. Stel- lenweise können bestehende lokale Leitbahnen durch Teilent- dichtung erweitert werden. Ein Ausschluss von Bebauung wird dort empfohlen, wo wichtige klimatische Freiflächenfunktio- nen für den Stadtraum geschützt und bewahrt werden sollen. // ENTLASTUNGSSYSTEM Das Entlastungssystem besteht aus einem auf die belasteten Stadtstrukturtypen ausgerichteten Netzwerk aus funktionalen Flächen, Wegeräumen unterschiedlicher Priorität und weiteren punktuellen und flächigen Maßnahmen, die das Netzwerk sinnvoll ergänzen sowie den Punkt Wasser im öffentlichen Raum. Ziel des Entlastungssystems ist es, den Einwohnern der hoch- belasteten Gebiete einen möglichst schnellen und einfachen Weg und Zugang zu den bioklimatischen Entlastungsflächen einzurichten, der bereits „unterwegs“ bestmögliche Schutz- und Entlastungsfunktionen (durchgängige Verschattung durch Bäume oder ggf. künstliche Einbauten, regelmäßige Pausenflä- chen, Rückzugsräume, Wasserelemente usw.) enthält. Die Grundlage des Abschnitts Entlastungssystem bilden die in der ersten Phase des Projekts identifizierten und nochmals überarbeiteten bioklimatischen Entlastungsflächen, wobei zusätzlich diejenigen Flächen aufgenommen wurden, die eine grundsätzliche bioklimatische Entlastungsfunktion besitzen, deren Zugang oder Nutzung jedoch (z. B. zeitlich, Personen- kreis) eingeschränkt ist, wie z.B. Friedhöfe oder Kleingarten- anlagen. Mit der bioklimatischen Entlastungsfläche Wald ist schließlich eine wesentliche Größe der Karlsruher Gebiets- struktur enthalten. Das Zuwegungssystem als zweiter Layer des Abschnitts um- fasst Wegeräume erster und zweiter Priorität, der Plan zeigt hierbei grundsätzlich Planungsempfehlungen. Priorität 1 bildet das Hauptnetz mit den wichtigsten Zuwegungsachsen in Nord- Süd- und Ost-West-Richtung. Hauptkriterien sind > eine möglichst gleichmäßige Abdeckung der belasteten Quartiere, > die kürzeste bzw. schnellste Erreichbarkeit von Entlastungsräumen, > eine gute Eignung für Fuß- und Radverkehr sowie > eine gleichzeitige Eignung der vorgefundenen Rahmenbedingungen für eine Umsetzung Für die Umsetzungseignung kommen folgende Merkmale in Betracht: 01 02 03 04 05 08 09 10 11 STADTSTRUKTURTYPEN BIS 2050 BELASTET BIS 2050 NICHT BELASTET 01_geschlossene Blockrandbebauung 02_offene Blockrandbebauung 03_Zeilenbebauung 04_Ortskern 05_Wohnbebauung mittlerer Dichte 08_Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung 09_Bereiche mit Großstrukturen 10_Gewerbe 11_Industrie Baustruktur sensible Nutzung Belastung nur tagsüber Belastung nur nachtsüber bereits heute belastete Quartiere mit Handlungs- priorität - Ausweisung von klimaökologischen Sanierungsgebieten gemäß §136 BauGB möglich POTENZIAL STADTSTRUKTUR Potenzialfläche klimaoptimierte Bebauung Potenzialfläche klimaoptimierte Nachverdichtung Ausschluss von Bebauung auf Freiflächen Potenzialfläche klimaoptimierte Gestaltung von Freiflächen 114 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG Abb. 118: Teilplan Entlastungssystem, Ausschnitt M 1:7500 > ein grundsätzlich geeigneter Straßenquerschnitt, > schon heute möglichst umfangreicher Baumbestand > ausreichende Möglichkeiten der Integration oder Anbindung von Pausenräumen. Durch Ergänzung von Bäumen in unterversorgten Abschnitten erhalten die Zuwegungen eine möglichst durchgängige Ver- schattung, wobei die Straßen mit Nord-Süd- und Nordost-Süd- west-Ausrichtung aufgrund des fehlenden (nach)mittäglichen Gebäudeschattens Handlungspriorität aufweisen. Überschreitet die Länge eines Wegeabschnitts bis zur Entlastungsfläche die Entfernung von 250 bis 300 Metern (entspricht etwa 5 Minu- ten Fußweg in langsamer Geschwindigkeit), kann ein kleiner klimaoptimierter Erholungsraum eingerichtet werden. Die ergänzenden Strecken der Priorität 2 vervollständigen die Netzabdeckung im belasteten Siedlungsbereich. Diese Strecken besitzen zwar als Zuwegung zu Entlastungsräumen ebenfalls erhebliche Bedeutung, meist weisen sie jedoch durch ihre Beschaffenheit (stärkere MIV-Frequenz, geringer Querschnitt, besondere Nutzungszuweisung oder bauliche Hindernisse) Einschränkungen für umfassende Maßnahmen auf. Die expli- zite Ausweisung als Priorität 2 beinhaltet jedoch den Auftrag, die vorhandenen Möglichkeiten ortsspezifisch zu prüfen, diese prioritär vor Eingriffen in nicht ausgewiesenen Abschnitten umzusetzen und insbesondere bei allen zukünftigen Verände- rungen die Funktion im Entlastungssystem mitzudenken. Den dritten Layer des Abschnitts Entlastungssystems bilden die ergänzenden Komponenten und Potenziale, die bei nicht aus- reichender Abdeckung von Entlastungsräumen oder bei Quar- tieren mit einer sehr hohen bioklimatischen Belastung greifen. Diese setzen sich zusammen aus Schulhöfen und Spielplätzen, die zeitlich begrenzte ergänzende Erholungsräume bieten und (teils „in zweiter Reihe“) an das Zuwegungssystem angebun- den werden können. Pocket-Parks bilden durch eine klimage- rechte Gestaltung zudem lokale Kühlinseln, die sich vor allem an Quartiersbewohner richten. Die Pocket-Parks sind zwar losgelöst vom Zuwegungssystem, aber gut erreichbar über bestehende Fußwegenetze. Als qualitativ und quantitativ besonders hervorstechende bioklimatisch belastete Strukturen zeigen sich die Quartiere des Stadtstrukturtyps „geschlossene Blockrandbebauung“, „Gewerbe“ und „Industrie“. Bei dicht bebauten geschlosse- nen Blockrändern haben vor allem Baumbestände in Blockin- nenbereichen für die Bewohner sehr hohen bioklimatischen Mehrwert. Diese sind daher in den ausgewiesenen Bereichen zu schützen und zu erhalten. Blockinnenbereiche, die hinge- gen einen hohen Nachverdichtungs- und Versiegelungsgrad aufweisen, sind durch entsprechende Maßnahmen nach Mög- lichkeit zu entdichten, zu entsiegeln und zu begrünen. Bei den weitläufigen Gewerbe- und Industrieflächen steckt großes Potenzial vor allem in der sehr individuell realisierbaren Siedlungsraum RELEVANTE KLIMAFUNKTIONEN Einwirkungsbereich von Kaltluft lokal wirksame Kaltluftleitbahn übergeordnete Kaltluftleitbahn Anschluss an großflächige Kaltluftproduktionsräume Kaltluftlieferung von Freiflächen sonstige Freiflächen Hinweis: Die Klimafunktionen innerhalb des Testgebietes der städtebaulichen Szenarien wurden aus Modellierungen im 10*10m Raster abgeleitet. Außerhalb des Testgebietes wurden die Informationen nachrichtlich aus der Klimafunktionskarte 2010 übernommen. Detaillierte Ableitungen und Ergebnisse sind im Begleitheft zum Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung der Stadt Karlsruhe ersichtlich. ENTLASTUNGSSYSTEM ENTLASTUNGSFLÄCHEN bioklimatische Entlastungsflächen bioklimatische Entlastungsflächen mit eingeschränkter Nutzbarkeit bioklimatische Entlastungsflächen_Wald ERGÄNZENDE KOMPONENTEN UND POTENZIALE angebundene Spielplätze und Schulhöfe Neueinrichtung von Pocket-Parks Erhalt von Baumbestand in Blockinnenbereichen Potenzial Rückbau, Entsiegelung und Begrünung in Blockinnenbereichen Suchraum für Neueinrichtung von Pocket-Parks in den Stadtstrukturtypen Gewerbe und Industrie Verknüpfung von Freiräumen WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM Gewässer [Bestand] Wasserspielplätze und Brunnen [Bestand] Suchraum für Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung Stadt Karlsruhe Teilplan Entlastungssystem M 1:7500 ZUWEGUNGSSYSTEM Zuwegungssystem_1. Priorität Zuwegungssystem_2. Priorität Baumbestand [Zuwegungssystem 1. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 1. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW Baumbestand [Zuwegungssystem 2. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 2. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW ergänzende Neupflanzung von Bäumen zur durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Trittsteine als kleinräumige Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Spielplätze und Schulhöfe als ergänzende Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m zu entwickelnde Trittsteine und Erholungsräume STADTPLANUNGSAMT | 115 Entsiegelung und Verschattung bisher stark versiegelter Flä- chen. Für Personen, die sich tagsüber arbeitsbedingt in diesen Bereichen aufhalten, bieten auch dort Pocket-Parks entspre- chende Erholungsräume. Da jedoch diesbezüglich bisher kaum Abdeckung besteht, werden in geeigneten Bereichen Suchräu- me für die Neueinrichtung von Pocket-Parks markiert. Die ergänzenden Komponenten und Potenziale werden mit der Ausweisung von zu verknüpfenden Freiräumen abge- schlossen. Diese liefern Hinweise auf Orte, bei denen in zu- künftigen Planungen nach Möglichkeit Fragmente von Entla- stungsräumen miteinander verknüpft werden können. Im letzten Unterabschnitt Wasser im öffentlichen Raum wer- den alle wasserbezogenen Aspekte dargestellt, die positive Auswirkungen auf das Stadtklima entfalten. Aufgeführt sind bestehende wirksame Wasserflächen, Wasserspielplätze und Brunnen sowie Suchräume für die Neuinstallation von erlebba- rem Wasser im öffentlichen Raum. Die bestehenden Wasser- spielplätze und Brunnen im Stadtraum werden erhalten. Die Suchräume für erlebbares Wasser markieren vornehmlich bio- klimatisch stark belastete Bereiche, die nicht ausreichend mit Entlastungsräumen abgedeckt sind und eine schlechte Anbin- dung an Entlastungsflächen haben. Hier sollen neue Elemente entwickelt und umgesetzt werden. Denkbar sind hier stets multifunktionale Flächennutzungen und -gestaltungen, die mehrere Themen (Hitze, Starkregen, ...) kombinieren können. // RELEVANTE KLIMAFUNKTIONEN Die relevanten Klimafunktionen sind übergeordnete Parameter für die Entwicklung, Orientierung und Vernetzung des Entla- stungssystems und wichtiges Kriterium für alle Entscheidungen der zukünftigen Stadtentwicklung. Im Legendenabschnitt „Re- levante Klimafunktionen“ werden Windfelder, Einwirkungsbe- reiche Kaltluft, verschiedene Leitbahnen und Austauschbezie- hungen sowie die NO2-Belastung abgebildet. Abb. 119: Legende Entlastungssystem ENTLASTUNGSSYSTEM ENTLASTUNGSFLÄCHEN bioklimatische Entlastungsflächen bioklimatische Entlastungsflächen mit einge- schränkter Nutzbarkeit bioklimatische Entlastungsflächen_Wald ERGÄNZENDE KOMPONENTEN UND POTENZIALE WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM angebundene Spielplätze und Schulhöfe Neueinrichtung von Pocket-Parks Erhalt von Baumbestand in Blockinnenbereichen Potenzial Rückbau, Entsiegelung und Begrünung in Blockinnenbereichen Suchraum für Neueinrichtung von Pocket-Parks in den Stadtstrukturtypen Gewerbe und Industrie Gewässer [Bestand] Wasserspielplätze und Brunnen [Bestand] Verknüpfung von Freiräumen Suchraum für Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum Abb. 120: Legende relevante Klimafunktionen RELEVANTE KLIMAFUNKTIONEN Einwirkungsbereich von Kaltluft lokal wirksame Kaltluftleitbahn übergeordnete Kaltluftleitbahn Anschluss an großflächige Kaltluftproduktionsräume Kaltluftlieferung von Freiflächen sonstige Freiflächen ZUWEGUNGSSYSTEM Zuwegungssystem_1. Priorität Zuwegungssystem_2. Priorität Baumbestand [Zuwegungssystem 1. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 1. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW Baumbestand [Zuwegungssystem 2. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 2. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW ergänzende Neupflanzung von Bäumen zur durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Trittsteine als kleinräumige Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Spielplätze und Schulhöfe als ergänzende Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m zu entwickelnde Trittsteine und Erholungsräume 116 | STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN KLIMAANPASSUNG ABBILDUNGSNACHWEIS Sofern im Folgenden nicht anders vermerkt, liegen die Urheberrechte aller Abbildungen bei berchtoldkrass space&options. > Seite 5, Abb. 1: Temperaturfeld in Karlsruhe um 04:00 Uhr morgens in 2m Höhe während einer hochsommerlichen autochthonen Wetterlage, Quelle: GEO-NET > Seite 6, Abb. 2: Abb. 2: Stadtstrukturanalyse: von nutzungs- und formalstrukturellen Merkmalen (Auswahl) zur Identifikation von Stadtstrukturtypen, Quelle: GEO-NET > Seite 7, Abb. 3: Ermittlung der Hot-Spots mit einer Vulnerabilitätsanalyse klimatischer und nicht-klimatischer Kriterien (Auswahl), Quelle: GEO-NET > Seite 12, Abb. 6: Auszug aus der gesamtstädtischen Klimaanalyse für den Nachbarschaftsverband Karlsruhe, Quelle: GEO-NET > Seite 13, Abb. 7: Chéong Gye Cheon vor (2002) und nach Realisierung des Umbaus (2005), Quelle: In-Keum Lee, 2006 Abb. 8: Thermalaufnahme vom Plangebiet im Vergleich mit einer Straße in der Umgebung (Juli 2005), Quelle: In-Keum Lee, 2006 > Seite 14, Abb. 9: Rosengarten im Zoologischen Stadtgarten, Quelle: Holyday-Check.de > Seite 16, Abb. 10: Grün- und Wegeverbindung im Bereich Beiertheimer Feld, Foto: Baumüller > Seite 17: Abb. 11: Grünsystem der Stadt Karlsruhe, Quelle: GBA > Seite 18, Abb. 12: Verkehrs-Wärmeemissionen (Groß-London) in W/m², Quelle: MEGAPOLI, 2010 > Seite 19, Abb. 13: Blick in die Kaiserstraße, Foto: Hauser Abb. 14: Kombilösung in der Kriegsstraße - oberirdische Straßenbahn und Autotunnel, Graphiken: Kasig > Seite 20, Abb. 15: Wasserfläche als Kühlelement am Tage, Foto: Baumüller > Seite 21, Abb. 16: Element Wasser als Planungselement im Siedlungsraum Karlsruhe Südstadt-Ost, Foto: Baumüller > Seite 22, Abb. 17: innerstädtische Rückbaumaßnahme, Foto: Baumüller > Seite 23, Abb. 18: Garagenhof in der Karlsruher Südweststadt, Foto: Büter > Seite 24, Abb. 19: Bahnhofvorplatz in Karlsruhe stark versiegelt, Foto: Baumüller > Seite 25, Abb. 20: Flächennutzung in Karlsruhe West, Quelle: Jérôme Lubuimi Abb. 21: Flächennutzung in Karlsruhe, Quelle: Statistisches Jahrbuch 2011 > Seite 26, Abb. 22: „Grünparkierung“ in Kobe (links), Thermalbild dieser Fläche am Tage (rechts); Quelle: Moriyama Laboratory Department of Architecture and Civil Engineering, Kobe University, 2006 > Seite 27, Abb. 23: Beispiele für begrünte Parkplätze in Kobe, Fotos: Baumüller Abb. 24: Durch Bäume beschatteter Parkplatz der Universität Stuttgart (Winter, Sommer), Fotos: Baumüller Abb. 25: Stark versiegelter Parkplatz in der Karlsruher Südweststadt, Fotos: Büter > Seite 28, Abb. 26: Thermalbilder von Alleestraßen in Sendai mit unterschiedlich dichter Bepflanzung, Quelle: Kikuchi A. et al., 2006 > Seite 29, Abb. 27: „Ambitionierter“ Pocket-Park, Kopplung mit Wasser, Beispiel „Water squares“, Rotterdam, rechts unterschiedliche Flutungen durch Regen von „regulär“ bis „einmal in 10 Jahren“, Quelle: urbanisten.nl > Seite 30, Abb. 28: Gelungene Gestaltung und Begrünung eines Hinterhofes in Karlsruhe, Quelle: karlsruhe.de > Seite 31, Abb. 29: Gelungene Gestaltung und Begrünung eines Hinterhofes in Karlsruhe, Quelle: karlsruhe.de > Seite 32, Abb. 30: Weiß gestrichene Häuser auf Santorin, Quelle: schmudermaier.de > Seite 34, Abb. 32: Begrünte Gleistrasse in Karlsruhe Nordstadt, Foto: Baumüller > Seite 35, Abb. 34: Begrünte Gleistrasse an der Brauerstraße in Karlsruhe, Foto: Baumüller > Seite 37, Abb. 36: Energieeffizientes Wohnen, Quelle StZ vom 21.06.2014 > Seite 38, Abb. 37: Beispiel von Dachbegrünungen in Karlsruhe, Quelle: GBA > Seite 39, Abb. 38: Tagesgang von Luft- und Oberflächentemperaturen unterschiedlicher Flachdächer, Quelle: MIVBW > Seite 40, Abb.39: Beispiele begrünter Fassaden in Berlin, Foto: Baumüller > Seite 41, Abb.40: Beispiele begrünter Fassaden in Karlsruhe, Foto: Baumüller Abb. 41: Schema-Darstellung erfasster Mikroklima-Parameter an begrünten bzw. unbegrünten Fassaden sowie qualitative Profilverläufe der dabei wesentlichen Messgrößen für Sommer und Winter; Quelle: Rath, 1986 > Seite 42, Abb. 42: Verschattungselemente an Wohnhäusern in Karlsruhe, Foto: Baumüller Abb. 43: Verschattungselemente an Wohnhäusern in Karlsruhe, Foto: Baumüller > Seite 43, Abb. 44: Bäume als „grüne Fassade“ zur Verschattung und als Gestaltungselement, Foto: Baumüller Abb. 45: Pflanzungen auf der „richtigen“ Seite (östl. Südstadt), Foto: Baumüller > Seite 44, Abb. 46: NeuLand – ein mobiler Gemeinschaftsgarten auf einer ehemaligen Industriebrache, Quelle: neuland-koeln.de Vor einer Veröffentlichung von Bildmaterial sind die Rechte beim Urheber einzuholen. Die kartographischen Darstellungen wurden teilweise unter Verwendung folgender Grundlagendaten erstellt: Orthophotos: Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (www.lgl-bw.de)/ Stadt Karlsruhe Gebäudedatensatz ALK: Stadt Karlsruhe Straßen, Eisenbahnen, Gewässer: OpenStreetMap STADTPLANUNGSAMT | 117 © Stadt Karlsruhe | Konzept & Layout: berchtoldkrass, Karlsruhe | Titelgrafik: „Karlsruhe im Hitzestress“ © berchtoldkrass | Gedruckt in der Rathausdruckerei auf 100 Prozent Recyclingpapier. Bearbeitung berchtoldkrass space&options Raumplaner, Stadtplaner. Partnerschaft Dipl.-Ing. Martin Berchtold Dipl.-Ing. Philipp Krass Dipl.-Ing. Poliksen Qorri Dragaj M.A. Maren van der Meer B.Sc. Tobias Rahn cand.arch. Lisa Brandstetter Schützenstraße 8a D-76137 Karlsruhe mail@berchtoldkrass.de www.berchtoldkrass.de Geo-Net Umweltconsulting GmbH Dipl.-Geograph Peter Trute Dipl.-Geograph Dr. Björn Büter Große Pfahlstraße 5a D-30161 Hannover info@geo-net.de www.geo-net.de Prof. Dr. Jürgen Baumüller, Stuttgart Prof. Dr. Günter Groß, Hannover im Auftrag Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Projektgruppe: Heike Dederer, Abteilungsleitung Martin Kratz, Projektleitung Hans-Volker Müller, Gartenbauamt Norbert Hacker, Umwelt- und Arbeitsschutz im Forschungsprogramm „Klimawandel und modellhafte Anpassung in Baden-Württemberg (KLIMOPASS)“ gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM)

  • Anlage Klimaanpassung Planwerk
    Extrahierter Text

    10 11 A 11 C 0303 09 10 030303 05 10 10 B 05 D 09 E bis 2050 belastet bis 2050 nicht belastet A B C D F G E F G Hardeckstraße G ab l onzer Straße Rintheimer Stra ße R üppurrer Straße M 16 Dachbegrünung M 12 Erhöhung der 1DGTƃÀEJGP#NDGFQ M 15 energetische Gebäudesanierung M 08 grüne Parkierung M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 13 Neueinrichtung von GTNGDDCTGO9CUUGT im öffentlichen Raum M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 07 Entsiegelung M 14 grüne Gleistrassen M 07 Entsiegelung M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 08 grüne Parkierung M 16 Dachbegrünung M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 12 Erhöhung der 1DGTƃÀEJGP#NDGFQ M 17 Fassadenbegrünung M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 04 Reduktion anthropogener 9ÀTOGGOKUUKQPGP M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 12 Erhöhung der 1DGTƃÀEJGP#NDGFQ Dächer / Fassaden M 16 Dachbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 08 grüne Parkierung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 07 Entsiegelung M 16 Dachbegrünung M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 12 Erhöhung der 1DGTƃÀEJGP#NDGFQ Dächer / Fassaden M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 17 Fassadenbegrünung M 04 Reduktion anthropogener 9ÀTOGGOKUUKQPGP Kar l str aße Steinhäuse rstraße Kelterstraße M 14 grüne Gleistrassen M 07 Entsiegelung M 16 Dachbegrünung M 08 grüne Parkierung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 12 Erhöhung der 1DGTƃÀEJGP#NDGFQ Dächer / Fassaden M 17 Fassadenbegrünung M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 04 Reduktion anthropogener 9ÀTOGGOKUUKQPGP M 06 Rückbau 'PVFKEJVWPI M 08 grüne Parkierung M 16 Dachbegrünung M 07 Entsiegelung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 13 Neueinrichtung von GTNGDDCTGO9CUUGT im öffentlichen Raum M 13 Neueinrichtung von GTNGDDCTGO9CUUGT im öffentlichen Raum M 17 Fassadenbegrünung M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 08 grüne Parkierung M 13 Neueinrichtung von GTNGDDCTGO9CUUGT im öffentlichen Raum M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 06 Rückbau 'PVFKEJVWPI M 07 Entsiegelung M 16 Dachbegrünung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 17 Fassadenbegrünung M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 15 energetische Gebäudesanierung M 19 Nachbarschaftshilfemodelle M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 13 Neueinrichtung von GTNGDDCTGO9CUUGT im öffentlichen Raum M 12 Erhöhung der 1DGTƃÀEJGP#NDGFQ Dächer / Fassaden M 08 grüne Parkierung M 17 Fassadenbegrünung M 07 Entsiegelung M 15 energetische Gebäudesanierung M 16 Dachbegrünung M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 13 Neueinrichtung von GTNGDDCTGO9CUUGT im öffentlichen Raum M 16 Dachbegrünung M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher 9ÀTOGUEJWV\ M 08 grüne Parkierung M 07 Entsiegelung M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 12 Erhöhung der 1DGTƃÀEJGP#NDGFQ M 19 Nachbarschaftshilfemodelle D Hinweis: Die Klimafunktionen innerhalb des Testgebietes der städtebaulichen Szenarien wurden aus Modellie- rungen im 10*10m Raster abgeleitet. Außerhalb des Testgebietes wurden die Informationen nachrichtlich aus der Klimafunktionskarte 2010 übernommen. Detaillierte Ableitungen und Ergebnisse sind im Begleitheft zum Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpassung der Stadt Karlsruhe ersichtlich. RELEVANTE KLIMAFUNKTIONEN Einwirkungsbereich von Kaltluft lokal wirksame Kaltluftleitbahn übergeordnete Kaltluftleitbahn Anschluss an großfl ächige Kaltluftproduktionsräume Kaltluftlieferung von Freifl ächen sonstige Freifl ächen ENTLASTUNGSSYSTEM ENTLASTUNGSFLÄCHEN bioklimatische Entlastungsfl ächen bioklimatische Entlastungsfl ächen mit eingeschränkter Nutzbarkeit bioklimatische Entlastungsfl ächen_Wald ERGÄNZENDE KOMPONENTEN UND POTENZIALE angebundene Spielplätze und Schulhöfe Neueinrichtung von Pocket-Parks Erhalt von Baumbestand in Blockinnenbereichen Potenzial Rückbau, Entsiegelung und Begrünung in Blockinnenbereichen Suchraum für Neueinrichtung von Pocket-Parks in den Stadtstrukturtypen Gewerbe und Industrie Verknüpfung von Freiräumen WASSER IM ÖFFENTLICHEN RAUM Gewässer [Bestand] Wasserspielplätze und Brunnen [Bestand] Suchraum für Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum M 1:10.000 ZUWEGUNGSSYSTEM Zuwegungssystem_1. Priorität Zuwegungssystem_2. Priorität Baumbestand [Zuwegungssystem 1. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 1. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW Baumbestand [Zuwegungssystem 2. Priorität] durchgängige Verschattung durch Baumergänzung [Zuwegungssystem 2. Priorität] / Handlungspriorität in Straßen mit Ausrichtung Nord-Süd / NO-SW ergänzende Neupfl anzung von Bäumen zur durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Trittsteine als kleinräumige Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m durchgängigen Verschattung von Verbindungsstrecken und innerhalb von Quartieren Spielplätze und Schulhöfe als ergänzende Erholungsräume > bei Strecken über 250-300 m zu entwickelnde Trittsteine und Erholungsräume STADTSTRUKTURTYPEN POTENZIAL STADTSTRUKTUR Potenzialfl äche klimaoptimierte Bebauung Potenzialfl äche klimaoptimierte Nachverdichtung Ausschluss von Bebauung auf Freifl ächen Potenzialfl äche klimaoptimierte Gestaltung von Freifl ächen 01 02 03 04 05 08 09 10 11 BIS 2050 BELASTET BIS 2050 NICHT BELASTET 01_geschlossene Blockrandbebauung 02_offene Blockrandbebauung 03_Zeilenbebauung 04_Ortskern 05_Wohnbebauung mittlerer Dichte 08_Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung 09_Bereiche mit Großstrukturen 10_Gewerbe 11_Industrie Baustruktur sensible Nutzung Belastung nur tagsüber Belastung nur nachtsüber bereits heute belastete Quartiere mit Handlungspriorität - Ausweisung von klimaökologischen Sanierungsgebieten gemäß §136 BauGB möglich Hinweis: Zum Zeitpunkt der Modellierung, auf der die Belastungsbewertung basiert, herrschten hier noch andere Nutzungsstrukturen vor (2010) GEKOPPELTE MASSNAHMEN 01 geschlossene Blockrandbebauung 02 offene Blockrandbebauung 03 Zeilenbebauung 04 Ortskern 05 Wohnbebauung mittlerer Dichte 08 Hochhausgebiete mit überwiegender Wohnnutzung 09 Bereiche mit Großstrukturen 10 Gewerbe 11 Industrie StadtstrukturtypenAufbauMaßnahmen EBÄUDEMASSNAHMEN M 15 energetische Gebäudesanierung M 18 sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden M 16 Dachbegrünung M 17 Fassadenbegrünung ERGÄNZENDE GESELLSCHAFTLICHE MASSNAHMEN M 19 Nachbarschaftshilfemodelle Stadt Karlsruhe, Stadtplanungsamt Leitung: Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner Bereich Generalplanung und Stadtsanierung Leitung: Heike Dederer Projektleitung: MarƟ n Kratz Gefördert mit MiƩ eln des Ministeriums für Umwelt, Klima und EnergiewirtschaŌ Baden-WürƩ emberg (UM) im Rahmen des Programms „Klimawandel und modellhaŌ e Anpassung in Baden-WürƩ emberg“ (KLIMOPASS) Prof. Dr. Jürgen Baumüller, StuƩ gart Prof. Dr. Günter Groß, Hannover mail@berchtoldkrass.de www.berchtoldkrass.de info@geo-net.de www.geo-net.de Bearbeitung LOKALE MASSNAHMEN M 06 Rückbau (Entdichtung) M 07 Entsiegelung M 09 Verschattung von Straßen, Plätzen und Gebäuden M 10 Neueinrichtung von Pocket-Parks M 11 Innen-/ Hinterhofbegrünung M 13 Neueinrichtung von erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum (z.B. Wasserspielplätze) M 14 grüne Gleistrassen ÜBERGEORDNETE MASSNAHMEN M 01 Erhalt und Schaffung von Kaltluftentstehungsgebieten und Kaltluftschneisen M 02 Erhalt, Schaffung und Entwick- lung großräumiger Grünanlagen M 04 Reduktion anthroptogener Wärmeemissionen M 05 Erhalt und Schaffung von offenen und M 03 Vernetzung und Anbindung von Freiräumen (Stadtparks und größere Grünanlagen) Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt STÄDTEBAULICHER RAHMENPLAN ANPASSUNGSKOMPLEX HITZE KLIMAANPASSUNG

  • Protokoll TOP 13
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 10. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 24. März 2015, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 15. Punkt 13 der Tagesordnung: Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung (SRKA) Vorlage: 2015/0137 dazu: Ergänzungsantrag der Stadträte Marc Bernhard und Dr. Paul Schmidt (AfD) vom 23. März 2015 Vorlage: 2015/0184 Beschluss: 1. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung“ in Text- und Planform wird als „sonstige städtebauliche Planung“ nach § 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB beschlossen und bei der verbindlichen Bauleitplanung im Rahmen der Abwägung berücksichtigt. 2. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung“ dient als Grundlage bei der Auswahl von Gebieten für Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen bzw. für den Stadtumbau. 3. Der „Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung Karlsruhe“ wird außerdem be- rücksichtigt a) bei städtebaulichen Wettbewerben, Rahmenplänen sowie der Verkehrsplanung, b) bei der Gestaltung öffentlicher Freiräume, c) bei der Beurteilung von Vorhaben nach § 34 BauGB, d) bei der Beurteilung von Anträgen auf Befreiung nach § 31 BauGB, e) beim Erwerb oder der Veräußerung von Grundstücken, f) bei der Ausübung des gemeindlichen Vorkaufsrechts (Wohl der Allgemeinheit, § 24 Abs. 3 BauGB) Abstimmungsergebnis: 1 Enthaltung, 1 Nein-Stimme, ansonsten Zustimmung Ergänzungsantrag: zurückgezogen Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 13 zur Behandlung auf, verweist auf die Vorberatung im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit und im Planungsausschuss so- wie den Ergänzungsantrag und die vorliegende Stellungnahme der Verwaltung. - 2 - Stadtrat Maier (CDU): Die Frage, ob der Klimawandle rein menschgemacht ist, wage ich zu bezweifeln. Fakt ist aber, dass es offensichtlich wärmer wird und dass uns daraus einige Herausforderungen erwachsen, was das Leben im urbanen Raum betrifft. Des- halb ist es auch gut, dass wir nun schwarz auf weiß einen umfassenden Punkteplan haben, wie wir versuchen können, dem ganzen zu begegnen. Vieles findet ohnehin bei den regulären Planungen bereits Anwendung. Wir danken allen Beteiligten für die Erstellung dieses Kompendiums. Aber es darf nicht zum Dogma werden. Wir werden auch in Zukunft immer wieder punktuell entscheiden und abwägen müssen. Gerade vor dem Spannungsfeld Klima versus Nachverdichtung wird es zukünftig spannend auch hier im Hause werden. Ich beneide die grünen Kolle- ginnen und Kollegen bei dieser Frage nicht unbedingt und bin dann schon gespannt, in welche Richtung Sie gehen wollen. Beim nächsten Tagesordnungspunkt kommt mein Kollege Pfannkuch auch noch einmal auf diesen Punkt zu sprechen. Zustimmung zur Beschlussvorlage und für die Antwort der Verwaltung auf den Ergän- zungsantrag seitens der CDU-Fraktion. (Beifall bei der CDU) Stadtrat Dr. Fechler (SPD): Wie in den entsprechenden Ausschüssen schon dargelegt wurde, trägt unsere Fraktion die Rahmenplanung Klimaanpassung in vollem Umfang mit. Sie führt letztendlich den Gedanken der grünen Stadt konsequent weiter. Sie hat empfehlenden Charakter. Die Ausgestaltung und Gewichtung obliegt uns als Gemein- derat. Dem Ergänzungsantrag der AfD hinsichtlich einer Priorisierung, die nach deren Lesart Zielkonflikte auflöst, können wir nicht mitgehen. Vielmehr nimmt eine Priorisierung in diesem Fall dem Gemeinderat Handlungsoptionen. Wie der Kollege Maier ausgeführt hat, muss man das von Fall zu Fall entscheiden. Wir werden entsprechend den Antrag mittragen. Was wir ein bisschen vermissen, ist die Bewertung von Einzelmaßnahmen und den Ef- fekt, den diese Maßnahmen haben. (Beifall bei der SPD) Stadträtin Lisbach (GRÜNE): Für uns ist, das was wir heute auf dem Tisch haben, ein ganz wichtiges Werk. In der Tat müssen wir uns an den Klimawandel anpassen. Wir glauben schon, dass er zum überwiegenden Teil menschengemacht ist. Aber das spielt für die Diskussion keine Rolle, denn wir müssen in irgendeiner Form damit umgehen. Wir glauben, dass hier ein Werk entstanden ist, das sehr qualifiziert ist und das auch Pilotcharakter hat. Da sind wir durchaus auch stolz darauf. Wir denken, dass uns da einige Städte noch auf dem Weg nachgehen werden. Schön ist auch, dass es zu 100 % vom Land gefördert worden ist. Auch das ist sehr positiv. - 3 - Für uns ist es zukünftig – und wir hoffen, dass es andere dann auch so sehen – auch eine ganz wichtige Grundlage für die weitere städtebauliche Entwicklung. Das Gute daran ist auch, dass einmal dieser flächenhafte Ansatz gewählt wurde, d. h., immer wenn wir irgendwo in einem Quartier etwas tun, dann können wir auch schauen, was gibt denn dieser Rahmenplan vor, in welche Richtung können die Hinweise gehen. Auf der anderen Seite, weil man da auch nicht zu sehr ins Detail gehen kann, wurden reprä- sentative Quartiere ausgesucht und hier beispielhaft Maßnahmenvorschläge gemacht. Wir finden, dass das auch von der Methodik sehr gut gelungen ist. Es sind unzählige interessante Maßnahmenvorschläge drin. Wir werden uns auch immer wieder daran orientieren und sicher auch Vorschläge zur Umsetzung einbringen. Sehr interessant sind für uns die Ergebnisse, gerade auch zum Thema Innenentwick- lung. Denn der Plan macht deutlich, dass Innenentwicklung nicht unbedingt für das Stadtklima schlecht sein muss, sondern dass es sehr darauf ankommt, wie man es macht und wo man es macht und mit welchen Maßnahmen man das begleitet. Man kann auch Innenentwicklung machen und gleichzeitig entsiegeln, gleichzeitig zusätzlich begrünen. Aber da muss man natürlich phantasievoll, planvoll vorgehen. Dieser Plan zeigt auch, wie das gehen kann. Er zeigt auch auf, wie gebaut werden muss, dass eine Blockrandbebauung für das Klima eher problematisch ist, lieber in die Höhe und punkt- förmig bauen. Solche Dinge werden hier sehr schön ausgearbeitet. Das sind auch Fra- gen, mit denen wir uns in nächster Zeit intensiv werden beschäftigen müssen und die wir eigentlich bei jedem Plan, den wir jetzt auflegen, mitberücksichtigen und mitdenken müssen. Das ist uns ganz wichtig, dass das auch geschieht und dieser Rahmenplan nicht in die Schublade wandert. Auch eine gute Durchlüftung der Quartiere muss gewährleistet sein. Dieser Plan ist jetzt vor allem für den Innenbereich gedacht. Aber man darf auch immer nicht vergessen, dass man auch übergeordnet betrachten muss. Wo sind Frischluftschneisen, wo sind Kaltluftentstehungsgebiete. Es reicht nicht, immer nur dieses eine Quartier anzuschau- en, sondern die übergeordneten Überlegungen und Maßnahmen sind wichtig mitein- zubeziehen. Dann enthält der Plan auch schon einiges an Andeutungen. Aber es ist uns auch noch einmal wichtig, dass man diese Maßnahmen nicht außer Acht lässt, die dann eigentlich schon in den Flächennutzungsplan gehen. Insgesamt sind wir mit diesem Werk wirklich sehr zufrieden, finden es auch toll, dass die Stadtplanung das so fortschrittlich angegangen ist. Ich kann jetzt für uns sagen, wir werden das immer als wichtiges Abwägungskriterium auch in alle Planungsüberlegun- gen mit einbeziehen. Dass das nicht immer konfliktfrei geht, ist völlig klar. Aber das ist gerade auch der Charakter eine Abwägung, dass man dann schauen muss, was geht und unter welchen Bedingungen, wie findet man insgesamt die beste Lösung. Da sind wir ganz zuversichtlich. (Beifall bei den Grünen) Stadtrat Wohlfeil (KULT): Ich möchte gleich auf etwas eingehen, was Frau Kollegin Lisbach gesagt hat, dass uns andere auf diesem Weg folgen werden. Das ist nämlich zum Teil schon der Fall. Erst diesen Monat hat das Bundesforschungs- und Bildungsmi- nisterium unter Johanna Wanka eine Förderungsmaßnahme „Stadtklima im Wandel“ - 4 - und ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Nachhaltige Transformation urbaner Räume“ veröffentlicht, was im Prinzip genau auf diese Thematik eingeht und wo wir uns als Stadt sicher auch beteiligen können und wo man auch ganz deutlich sieht, dass Karlsruhe hier eine Vorreiterrolle hat. Das, was wir hier in Karlsruhe schon machen mit dieser Klimaanpassung, verbreitet sich mehr und mehr in Deutschland. Ich halte es für gut, dass wir schon so weit sind und denke, dass wir, wenn wir uns an solchen Pro- grammen beteiligen wollen, gute Chancen haben. Zum Änderungsantrag der AfD: Es ist natürlich so, dass es immer viele Aspekte zu be- werten und einzuschätzen gibt und man nicht von vornherein eine klare Rangordnung machen kann. Man muss immer darauf achten, welche Gewichtung die einzelnen The- matiken haben an der entsprechenden Stelle in der Stadt. Das muss man bei jedem ein- zelnen Projekt schauen. Das kann man nicht im Vornhinein so festlegen. Ansonsten denken wir, dass wir mit dem „Städtebaulichen Rahmenplan Klimaanpa- sung“ gut auf die Auswirkungen von Hitze auf Gesundheit und Wohlbefinden hier in der Stadt reagieren und die umfangreichen Maßnahmen auf den unterschiedlichen Ebenen auch wirklich geeignet sind, in Karlsruhe den Hitzeinseleffekt einzudämmen. Außerdem verschönert und begrünt es noch unsere Stadt und trägt auch damit zur Karlsruher Lebensqualität bei. Wir von KULT sind von diesem Rahmenplan überzeugt und werden auch entsprechend dem zustimmen. (Beifall bei der KULT) Stadtrat Høyem (FDP): Lieber Kollege Sven Maier, wir könnten es nicht besser ausdrü- cken. Deshalb brauche ich nicht mehr zu sagen. Wir stimmen zu. (Beifall bei der FDP) Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Wir wollten mit unserem Änderungsantrag darauf hin- weisen, dass wir jetzt mit diesem zusätzlichen Klimakonzept so viele Konzepte haben, dass es wirklich schwierig wird, im konkreten Fall abzuwägen, welches Konzept jetzt vor welchem anderen Vorrang haben soll. Wir können die Argumentation in der Stel- lungnahme der Verwaltung nachvollziehen, dass eine allgemeingültige Hierarchie nicht festgelegt werden kann, weil sie natürlich von jedem Einzelfall abhängt. Das können wir nachvollziehen. Wir würden es jetzt ganz gerne umändern in eine Anfrage bzw. eine Bitte, dass einmal alles an Konzepten und Gesichtspunkten, die von Seiten der Stadt bei Planungen zu berücksichtigen sind, zusammengestellt werden. Einfach, dass man in den Beratungen keines vergisst und auch nicht in den Vorbereitungen für diese Beratungen. Ansonsten würden wir auf der Basis der Antwort der Verwaltung unseren Ergänzungsantrag zu- rückziehen. Der Vorsitzende: Wenn Sie uns nicht zeitlich zu enge Fesseln legen, dann können wir gerne versuchen, so eine Übersicht zu erstellen. Ich glaube, das wäre an bestimmten Punkten insgesamt einmal hilfreich. - 5 - Frau Prof. Karmann-Woessner: Ihre Anregung ist schon ein Thema, das wir immer wieder diskutiert haben. Inwieweit gehen die Konzept nebeneinander, inwieweit über- schneiden sie sich. Da gibt es durchaus Überschneidungen und auch genau diese Frage- stellungen. Grundsätzlich ist es aber insbesondere im räumlichen Leitbild so, dass wir versuchen Grüne Stadt, Klimaanpassungsplan und die ganzen anderen Belange, dazu gehört auch der Verkehrsentwicklungsplan und andere Fachpläne zusammenzuführen. Das „Räumliche Leitbild“ hat als ein wesentliches Ziel, genau diese Pläne zu reflektieren und in ihrer Zielsetzung darzustellen und durchaus auch Konflikte aufzuzeigen. Ansonsten ist es so, dass der Klimaanpassungsplan jetzt ein Rahmenplan ist, der in die Abwägung als besonderer Belang insbesondere eingestellt werden muss. Es ist ein Pla- nungsleitsatz zu den Grundsätzen der Bauleitplanung. Damit geht er nicht in Verges- senheit. Der Vorsitzende: Ich habe das so verstanden, Herr Dr. Schmidt, dass wir einmal eine Übersicht bekommen, was bei entsprechenden Planungen automatisch zu berücksichti- gen ist, weil wir es über entsprechende Beschlüsse irgendwann einmal zum Thema ge- macht haben. So etwas sollten wir zusammenstellen. Auch für diejenigen, die hier noch nicht so lange dabei sind, ist das einmal ganz interessant und wichtig. So würde ich gerne jetzt Ihre Anregung aufnehmen. Stadtrat Dr. Schmidt (AfD): Wichtig wäre für mich, dass das Ganze komplett ist, dass man nichts vergisst, gerade für diejenigen, die noch nicht so lange dabei sind. Dann gibt es neue Konzepte, wo wieder Gedanken aufgegriffen werden, die es vielleicht vor- her in anderen Konzepten gab. Also dass alle Aspekte einmal aufgelistet werden, damit man sicher ist, dass man nichts vergisst. Der Vorsitzende: Wir versuchen immer alle, mit unserer Vergesslichkeit klarzukom- men. Insofern gilt das auch für diesen Prozess. Jetzt können wir mit dem Kartenzeichen die Sache abschließen. Sie haben jetzt eine rote Karte, Herr Dr. Schmidt? Dann habe ich Ihren Wortbeitrag falsch verstanden. Ich habe eine Enthaltung, eine Gegenstimme, der Rest ist mehrheitliche Zustimmung. (Zurufe: Pause!) Sie wünschen eine Pause. Dann treffen wir uns hier um 19:15 Uhr wieder. (Unterbrechung der Sitzung von 18:42 – 19:12 Uhr) Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 27. April 2015