Frauen nach vorn...

Vorlage: 2014/0380
Art: Antrag
Datum: 30.01.2014
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Stadtkämmerei
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 18.03.2014

    TOP: 20

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mit Stellungnahme einverstanden

Zusätzliche Dateien

  • GRÜNE-Frauen nach vorn
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANTRAG Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Dr. Ute Leidig (GRÜNE) Stadträtin Tanja Kluth (GRÜNE) Stadtrat Alexander Geiger (GRÜNE) Stadtrat Dr. Christofer Leschinger (GRÜNE) GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 28. Januar 2014 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 59. Plenarsitzung Gemeinderat 18.03.2014 2014/0380 20 öffentlich Frauen nach vorn ... Die Stadt Karlsruhe setzt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dafür ein, dass der Frauenanteil in der Führungsebene der städtischen Tochterge- sellschaften deutlich zunimmt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden folgende Maß- nahmen umgesetzt: 1. Mit den Gesellschaften Städtisches Klinikum Karlsruhe gGmbH, Stadtwerke Karls- ruhe GmbH und Volkswohnung GmbH wird jeweils ein unternehmens-spezifisches Konzept erarbeitet, wie sich die Zahl an Frauen in der Leitungsebene dieser Un- ternehmen in Zukunft deutlich erhöhen lässt. 2. Die Stadtverwaltung entwickelt mit den Unternehmen, an denen die Stadt Mehr- heitseignerin ist, ein unternehmensübergreifendes Förderprogramm für weiblichen Führungskräftenachwuchs. Mittels Trainee- und Mentoring-Programmen sollen junge Frauen, aber auch Frauen nach einer Familienpause, gezielt für eine Karrie- re innerhalb der städtischen Tochterunternehmen gewonnen und auf Führungspo- sitionen vorbereitet werden. 3. Im jährlich erscheinenden städtischen Beteiligungsbericht wird über den Fortschritt der Frauenförderung in den einzelnen städtischen Tochtergesellschaften berichtet. Im Oktober 2013 hat die GRÜNE Fraktion sich in einer Anfrage über den Anteil an Frauen in Spitzenpositionen sowie über die Frauenförderung in den städtischen Be- Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ teiligungsgesellschaften informiert (Vorlage 2013/0120). In der Antwort der Verwal- tung bestätigt sich, dass Frauen in der Führungsebene in nahezu allen städtischen Tochtergesellschaften nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Firmen, die sowohl Frauen als auch Männer im oberen Ma- nagement beschäftigen, sowohl von Seiten des Unternehmensklimas, aber auch wirtschaftlich von der gemischten Führungsebene profitieren können. Darüber hinaus geht für ein Unternehmen wichtiges „Know-how“ verloren, wenn Frauen nach einer Familienpause nicht die Rückkehr in eine verantwortliche Position erleichtert wird. Die Stadt Karlsruhe sollte sich daher mit allen Kräften noch mehr dafür einsetzen, dass Frauen in städtischen Tochterunternehmen die „gläserne Decke“ durchbrechen können. Besonders auffallend ist bei der Antwort auf unsere Anfrage die Situation beim Städ- tischen Klinikum Karlsruhe, einem Unternehmen mit einem besonders hohen Anteil an Mitarbeiterinnen. Obwohl das Städtische Klinikum das einzige städtische Unter- nehmen ist, in dem ein umfangreicher Frauenförderplan existiert, sind hier Frauen in der Leitungsebene deutlich unterrepräsentiert. Nicht besser zeigt sich die Situation bei den Stadtwerken Karlsruhe oder der Volkswohnung. In diesen beiden großen städtischen Tochterunternehmen findet sich weder eine Frau in der Geschäftsfüh- rung noch in der zweiten Führungsebene. Wir sehen daher Handlungsbedarf. Neben unternehmensspezifischen Einzelmaß- nahmen bedarf es auch eines unternehmensübergreifenden Förderprogramms für weiblichen Führungskräftenachwuchs, um Frauen den Aufstieg auf der Karriereleiter zu erleichtern. Zum einen ist es notwendig, Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in Führungspositionen zu ermöglichen, z. B. durch flexible Arbeitszeit- modelle und optimale Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Darüber hinaus müssen systematisch die Aufstiegskompetenzen von Frauen gefördert werden, beispielswei- se durch gezielte Trainee-Programme, durch die individuelle Förderung durch die Vorgesetzte oder den Vorgesetzten oder durch die Unterstützung einer persönlichen Mentorin oder eines Mentors. Aktuelle Studien 1 belegen, dass die Zuweisung von anspruchsvollen Arbeitsaufgaben, die Möglichkeit, eigene Erfolge zu präsentieren 1 z. B. das Forschungsprojekt „Aufstiegskompetenz von Frauen – Entwicklungspotenziale und Hin- dernisse“ der Universitäten Hamburg und Leipzig; siehe: http://www1.uni-hamburg.de/aufstieg/ Seite 3 __________________________________________________________________________________________ sowie eine „aufstiegsförderliche Führung“ wesentliche Voraussetzungen für die be- rufliche Weiterentwicklung von Frauen sind. Im städtischen Beteiligungsbericht sollte jährlich über die Maßnahmen der Frauen- förderung in den städtischen Gesellschaften und mögliche Erfolge berichtet werden. unterzeichnet von: Bettina Lisbach Dr. Ute Leidig Tanja Kluth Alexander Geiger Dr. Christofer Leschinger Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 6. März 2014

  • Stellungnahme TOP 20
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    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom: 28.01.2014 eingegangen: 28.01.2014 Gremium: 59. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 18.03.2014 2014/0380 20 öffentlich Dezernat 4 Frauen nach vorn ... - Kurzfassung - Die Stadtverwaltung wird bei den im Antrag angesprochenen Gesellschaften unter Beteili- gung der Gleichstellungsbeauftragten ein Rahmenkonzept zur Förderung von Frauen in Führungspositionen anregen. Dies erfolgt unter Beachtung des von der Stadt verfolgten Ziels der Chancengleichheit von Frauen und Männern. Die Gesellschaften entwickeln an- schließend für ihre Geschäftsbereiche auf der Grundlage des Rahmenkonzepts gesell- schaftsspezifische Umsetzungskonzepte, die über die jeweiligen Aufsichtsräte diskutiert und fortentwickelt werden. Es wird vorgeschlagen, den Kreis der zu beteiligenden Gesellschaften über den Antrag hinausgehend um die Verkehrsbetriebe zu erweitern. Das entwickelte Rahmenkonzept wird im Hauptausschuss vorgestellt. Finanzielle Auswirkungen des Antrages nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) noch zu ermitteln Kontierungsobjekt: Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Stadtwerke, Klinikum, VOWO Ergänzende Erläuterungen Seite 2 In den vergangenen Jahren hat die Stadtverwaltung Karlsruhe zusammen mit den Stadtwerken GmbH, dem Klinikum gGmbH und den Verkehrsbetrieben Traineepro- gramme durchgeführt unter fachlicher Begleitung der Führungsakademie, mit dem ge- meinsamen Ziel, Führungsnachwuchs zu gewinnen. Der Frauenanteil an diesen Trainee- programmen lag weit über 50 %. Die Förderprogramme der Stadtverwaltung wie - Traineeprogramme - Fit für Führung und Fachkarriere - Lust auf Perspektiven - Führungslehrgang an der Führungsakademie - Crossmentoring stehen auch den Beschäftigten der städtischen Konzerntöchter zur Verfügung. Die genannten Förderprogramme werden überproportional von Frauen besucht und zeigen vor allem in der Stadtverwaltung ihre Wirkung. In den letzten vier Jahren hat sich bei den Beschäftigten im höheren Dienst der Frauenanteil um 10 % erhöht. Dort liegt der Frauenanteil mit 56 % inzwischen um 12 Prozentpunkte über dem Männeranteil. In der Spitzenbezahlungsgruppe der Beschäftigten (E 15) haben wir in der Stadtverwal- tung einen Frauenanteil von 47 %, in der Bezahlungsgruppe E 14 von 49 %. Bei den Beamtinnen und Beamten ist ebenfalls eine deutliche Zunahme des Frauenanteils im höheren Dienst zu verzeichnen. Von 2005 bis 2013 ist der Anteil der Beamtinnen dort von 9 % auf 26 % gestiegen. Die Zunahme des Frauenanteils im höheren Dienst korreliert auch mit der Zunahme der Frauen in Führungspositionen. Bei den Amtsleitungen und Ortsvorsteherin- nen/Ortsvorstehern haben wir inzwischen einen Frauenanteil von 31 %. Der Anteil der Frauen lag bei diesen Führungsstellen im Jahr 2004 noch bei 9 %. Die Gesellschaften haben unterschiedliche Beschäftigungs- und Unternehmensstruktu- ren und jede Gesellschaft hat ihre eigene Personalhoheit und Personalentwicklungskul- tur. Diese unterschiedlichen Ausgangslagen gilt es zu beachten. Es wird deshalb vorge- Ergänzende Erläuterungen Seite 3 schlagen, mit den im Antrag angesprochenen Gesellschaften unter Beteiligung der Gleichstellungsbeauftragten ein Rahmenkonzept zur Förderung von Frauen in Füh- rungspositionen anzuregen. Dies erfolgt unter Beachtung des von der Stadt Karlsruhe verfolgten Ziels der Chancengleichheit von Frauen und Männern. Die Gesellschaften entwickeln anschließend für ihre Geschäftsbereiche auf der Grundlage des Rahmenkon- zepts gesellschaftsspezifische Umsetzungskonzepte, die über die jeweiligen Aufsichtsrä- te diskutiert und fortentwickelt werden. Es wird vorgeschlagen, den Kreis der zu beteiligenden Gesellschaften über den Antrag hinausgehend um die Verkehrsbetriebe zu erweitern. Das entwickelte Rahmenkonzept wird im Hauptausschuss vorgestellt und soll auch einen konkreten Vorschlag enthalten, in welchen Formen jeweils der „Fortschritt der Frauenförderung“ (Kennziffern) in den städtischen Beteiligungsbericht einfließen sollte.

  • Protokoll TOP 20
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    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 59. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 18. März 2014, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 21. Punkt 20 der Tagesordnung: Frauen nach vorn ... Antrag der Stadträtinnen Bettina Lisbach, Dr. Ute Leidig, Tanja Kluth, der Stadt- räte Alexander Geiger und Dr. Christofer Leschinger (GRÜNE) sowie der GRÜNE- Gemeinderatsfraktion vom 28. Januar 2014 Vorlage: 2014/0380 Beschluss: Einverstanden mit der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 20 zur Behandlung auf und verweist auf die vorliegende Stellungnahme der Verwaltung. Stadträtin Dr. Leidig (GRÜNE): Nicht jede und nicht jeder muss Karriere machen, aber alle sollten die gleichen Chancen dazu haben. Dass dem nicht so ist, nach wie vor nicht, erklärt sich allein auch daraus, dass Mädchen in der Schule mindestens genauso gut sind wie Jungs und ebenso im Studium. Dann ist aber mit der Karriere irgendwann Schluss. Man spricht auch von einer gläsernen Decke, durch die Frauen häufig nicht durchkommen. Die Stadtverwaltung zeigt, dass es auch anders geht und dass umge- setzte Frauenförderung tatsächlich über de Jahre hinweg in Zahlen ablesbar ist. Es hat sich hier bei uns in der Stadt schon vieles getan. Das heißt nicht, dass wir nachlassen sollten in dieser Hinsicht. Vor allen Dingen hinsichtlich der hohen Leitungspositionen ist da auch noch Luft. Es zeigt eben auch, wo ein Wille ist und ein Weg, da ist auch tat- sächlich die Zielmarke zu erreichen. Bei den Gesellschaften ergibt sich leider ein anderes Bild, wie die Antwort auf eine An- frage der grünen Fraktion auch aufzeigt. In den städtischen Tochtergesellschaften sind Frauen in den Führungsebenen nach wie vor unterrepräsentiert, besonders stark im Städtischen Klinikum, bei den Stadtwerken und bei der VOLKSWOHNUNG. Dort sind Frauen in der Führungsebene selten anzutreffen. Im Klinikum sind von 22 Chefarztposi- tionen gerade mal 2 mit Frauen besetzt. Hier ergibt sich ein Handlungsbedarf, um Frau- - 2 - en in städtischen Unternehmen den Aufstieg auf der Karriereleiter zu erleichtern. Das ist nicht nur im Hinblick auf Chancengleichheit anzustreben, sondern auch im Hinblick da- rauf, dass Unternehmen in der Regel auch wirtschaftlich davon profitieren, wenn Füh- rungsebenen mit Frauen und Männern besetzt sind. In der Regel sind diese Unterneh- men klimatisch besser aufgestellt und auch wirtschaftlich erfolgreicher, d. h., starke Frauen braucht es überall. Unabdingbare Voraussetzung dafür, dass Frauen in Führungspositionen arbeiten kön- nen und dort verstärkt anzutreffen sind, ist natürlich die Kinderbetreuung, überhaupt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es geht teilweise auch um Pflegeaufgaben. Hier haben wir große Fortschritte gemacht, aber dennoch geht es in bestimmten Berei- chen nicht weiter. Hier zeigt sich, damit jemand Karriere macht, ist es auch notwendig, dass Unterstützung z. B. von Vorgesetzten kommt, Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen, diese Verantwortung für Bereiche nach außen zu repräsentieren, indem z. B. Präsentationen gehalten werden, das sind wichtige Meilensteine in der Karrierepla- nung. Es werden so nicht nur Erfahrungen gesammelt, sondern auch das eigene „Ich- will-Karriere-Erleben“ und „Ich-kann-Karriere-Erleben“ wird gestärkt, weitere wichtige Faktoren in der Karriereentwicklung. Daher sind Ansätze wie Trainee- oder Mentoring- Programme und spezielle Führungsqualifikationsprogramme wichtig. Auf der einen Seite gilt, jeder Mensch ist anders, und jeder Arbeitsplatz, auf der ande- ren Seite gilt aber auch, dass es viele überschneidende Punkte gibt. So sehen wir zwei Ansatzpunkte, nämlich einmal ein unternehmensübergreifendes Förderprogramm zu entwickeln, aber dass dann tatsächlich auch unternehmensspezifisch zu adaptieren und evtl. mit Einzelmaßnahmen zu ergänzen. Die Verwaltung ist bereit, sich auf diesen An- satz einzulassen, d. h. ein Rahmenkonzept zu erarbeiten, dass dann als Grundlage für gesellschaftsspezifische Umsetzungskonzepte dienen kann. Wir freuen uns über diese Antwort, zumal sie sogar noch über unser Anliegen hinausgeht und sagt, wir nehmen bei den Gesellschaften auch noch die Verkehrsbetriebe mit rein und möchten diese auch noch weiterentwickeln im Hinblick auf Frauenförderung. Wir sind sehr gespannt auf die Ansätze, die uns dann tatsächlich vorgestellt werden, und freuen uns darauf, die Fortschritte der Frauenförderung im städtischen Beteiligungsbericht auch tatsächlich konstant mitverfolgen zu können. (Beifall bei den Grünen) Stadträtin Wiedemann (CDU): In den letzten vier Jahren hat sich bei den Beschäftig- ten im höheren Dienst der Frauenanteil um 10 % erhöht. Der Frauenanteil mit 56 %, in der Spitzenbezahlungsgruppe ist mit 47 % bzw. 49 % deutlich gestiegen. Von 2005 bis 2013 ist der Anteil der Beamtinnen von 9 auf 26 % gestiegen, bei den Amtsleitungen und Ortsvorsteherinnen von 9 auf 31 %. Im ersten Moment habe ich gedacht, die Frau- en gehen nach vorn, und habe den Antrag der Grünen etwas missverstanden. Ich sehe das Glas halb voll. Ich habe so den Eindruck, Sie sehen das Glas ein bisschen halb leer. Es tut sich was in Karlsruhe. Dass die Tochtergesellschaften, die Beteiligungen der Stadt Karlsruhe, ein bisschen hinterherhinken, liegt vielleicht daran, dass die Verwaltung erst vorausgeht und die anderen ziehen nach. - 3 - Wir sind sehr zufrieden mit der Auskunft der Verwaltung, dass hier unter Beachtung der Chancengleichheit von Frauen und Männern das Rahmenkonzept mit den unterschied- lichen Gesellschaften und den jeweiligen Aufsichtsräten unter Beteiligung der Gleich- stellungsbeauftragten angegangen und entwickelt wird und das ganze Rahmenkonzept im Hauptausschuss vorgestellt wird. Wir freuen uns darauf. In Karlsruhe gehen die Frauen nach vorn. (Beifall bei der CDU) Stadträtin Baitinger (SPD): Auch die SPD-Fraktion begrüßt den Antrag wie auch die Antwort der Verwaltung, die das Anliegen wohlwollend aufgreift und die Umsetzung in einem Rahmenkonzept zusagt. Es ist schon erstaunlich, dass es relativ gut gelungen ist im Rahmen der Kernverwaltung hier in messbarer Zeit Fortschritte zu erzielen, aber gerade beim Klinikum die Fortschrit- te einfach nicht sichtbar sind. Als das Städtische Klinikum noch eine stadteigene Gesell- schaft war, keine GmbH, war der Personalausschuss zuständig für die Besetzung. Da- mals gab es auch schon zwei Chefärztinnen. Dieses ist jetzt viele Jahre her, ich glaube seit 1994 ist es eine GmbH, und eigentlich ist keinerlei Entwicklung zu sehen, und dies, obwohl im Medizinstudium mindestens die Hälfte der Studentinnen Frauen sind und obwohl auch in den weiteren Verläufen bei den Assistenzärztinnen genügend Frauen da sind. Da muss man sich schon einmal die Frage stellen, wo ist hier die gläserne De- cke, von der gesprochen wurde, und welche strukturellen Bedingungen sind es, die ge- rade in dem Bereich nicht zulassen, dass hier messbare Entwicklungen stattfinden. Ich weiß es nicht, aber ist nicht auch das Verbot der Hausberufung mit ein Grund, dass wir hier immer wieder Probleme haben, überhaupt Bewerberinnen zu finden. Schon die jüngeren Männer tun sich oft schwer umzuziehen, aber ich kann mir vorstellen, dass es für Bewerberinnen noch mal eine größere Hürde darstellt, so ein Umzug, so eine Fremdposition. Deshalb sollte man noch einmal hinterfragen, welche strukturellen Be- dingungen sind es eigentlich bei der Personalgewinnung in der Leitungsebene, die dazu führen, dass schon die Zahl der Bewerbungen relativ gering ist. Das wäre uns schon ein Anliegen. Wie sind wir selbst auch aufgestellt, wie ist bei unseren Gremien, die ent- scheiden? Manche Aufsichtsräte sind mitbestimmt. Sollten wir da auch nicht dieses Thema im Aufsichtsrat in Gänze diskutieren und nicht nur in den zuständigen städti- schen Gremien? Die Anregungen sind alle sehr gut. Ich bin auf das Konzept gespannt. Wir müssen an einigen Stellen tiefer graben, um die Ursachen aufzudecken und dann auch die entsprechenden Maßnahmen zu finden. Dass es in Bereichen, in den hauptsächlich Diplomingenieure aus den Bereichen Elektro- technik und Maschinenbau zu Gange sind, schwierig wird, Frauen in Leitungsebenen zu finden, liegt daran, dass die Studienwahl der Mädchen immer noch in diesem Hinblick zu wünschen übrig lässt. Umgekehrt könnte man sagen, die unglaublich große Anzahl von Erzieherinnen liegt natürlich auch an der mangelnden Berufswahl der jungen Män- ner in Richtung auf Pflege und Sozialberufe. Daran zu arbeiten wird langfristig erst das Problem lösen können. Erst wenn sich beide Geschlechter in allen Berufsfeldern auf gleiche Weise wiederfinden, ist auch das Problem auf der Führungsebene umfassend und gut zu lösen. - 4 - (Beifall bei der SPD) Stadträtin Fromm (FDP): Fast 25 Jahre Gemeinderat habe ich hinter mir, und 25 Jahre kommt immer wieder dieses Thema. Dabei ist z. B. auch beachtlich, dass in den 25 Jah- ren der Wandel der Redebeiträge in diesem Gemeinderat sich immer wieder fortentwi- ckelt hat und wir tatsächlich auch davon ausgehen können, dass das ganze Haus da auch mitarbeitet hat, auch wenn es vielleicht manchmal unterschiedliche Nuancen gab. Die Stadt Karlsruhe war Vorreiter auch darin. Es gab zwei große Begriffe, die mir einfal- len, das war die Errichtung eines autonomen Frauenhauses. Das Zweite ist die Einstel- lung einer Frauenbeauftragten, nicht wie in vielen Städten im Sozialdezernat angesie- delt, sondern wir haben gesagt, entweder dem OB unterstellt oder mindestens da, wo es hingehört, ins Rechtsreferat, weil diese Themen juristische Themen sind. Die sozialen Auswirkungen, die gilt es zu beseitigen. Ich meine, in dem ganzen großen Umfeld hat die Stadt Karlsruhe natürlich auch mit ihrem Frauenförderplan und mit ihren Ausschrei- bungen schon die Wege gewiesen. Trotzdem ist in 10 Jahren immerhin der Anteil in Führungspositionen in der Kernverwaltung von 9 auf 31 % angestiegen. Das ist gewal- tig, wenn man sieht, wie viele kleine Schritte notwendig waren, bis sich das alles durch- setzt. Ich will sagen, drei Grundbegriffe sind wir dieses Thema „Frauen nach vorn“ wichtig. Punkt 1 ist die Ausbildung. Man muss Männern wie Frauen die Ausbildungschancen für die Zukunft so weit benennen, dass sie auch wissen, sie haben mit ihrer Ausbildung und mit ihrer Tätigkeit - da komme ich zum zweiten Punkt - die Chance zum beruflichen Aufstieg. Warum sind Erzieherinnen Erzieherinnen, und es gibt dort keine Männer? Weil es in vielen Gesellschaftsschichten noch so drin ist, der Mann ist der Ernährer. Mit dem Erzieherinnengehalt ist aber oft eine Familienversorgung überhaupt nicht möglich. Da müssen oft zwei herhalten. Also kann man sagen, wenn sich da das gesellschaftliche und berufliche Bild ändert, wenn Frauen auch beweisen, dass sie in so genannten tech- nischen und sonstigen typischen Männerberufen, die überhaupt nicht typisch sind, die wir nur typisch gemacht haben - irgendwann vor 20, 40 und 100 Jahren -, und wenn das dann klar ist, dass es selbstverständlich ist, dass Männer in die Kitas gehen und Männer in den Pflegeheimen sind, dann ist es auch ganz klar, dass immer mehr Frauen akzeptiert sind in höheren Führungspositionen im technischen und im kaufmännischen Bereich. Da bin ich beim dritten Punkt. Ausbildung eins, beruflicher Aufstieg aufzeigen zwei, dritter Punkt Karriereentwicklung. Karriereentwicklung gehört zu einer Perspektive, die ich schon als kleiner Lehrpieps mitbekommen muss, damit ich weiß, wohin kann ich. Wir beklagen immer, dass es die gläserne Decke ist. Wir wollen alle, auch Personaler wollen, dass da mehr Frauen kommen, weil die Kompetenz da ist. Es geht ja nicht da- rum, dass wir sagen, es sind die Besseren, nein sie sind heute gleich gut oder gleich schlecht ausgebildet. Es sind also nicht die fachlichen Hindernisse der gläsernen Decke, sondern es sind die Strukturen. Da haben wir als Stadtverwaltung natürlich innerhalb der Kernverwaltung die große Chance - und das machen wir auch -, durch familien- freundlichere Gestaltung des Arbeitsplatzes und, und, und, z. B. auch durch Teilzeitan- gebote in Führungspositionen, und zwar nicht nur für Frauen, sondern für Männer. Wenn das alles selbstverständlich ist, dann können wir diese gläserne Decke durchsto- ßen. Dazu ein Absatz: Ich freue mich, dass ich nun wirklich schon fast zum Ende meiner - 5 - Stadtratstätigkeit so eine positive Antwort mitnehmen kann, dass nämlich auch die VBK und alle Beteiligungsgesellschaften da mitmachen. (Beifall bei der FDP) Stadtrat Cramer (KAL): Die Antwort der Verwaltung auf den Antrag der Grünen zeigt eben, dass in der Kernverwaltung gewaltige Fortschritte gemacht sind. Wir finden es gut, dass jetzt auch das Augenmerk der grünen Fraktion auf die Gesellschaften gelegt wurde. Wir sehen anhand der Antwort, dass es da noch wirklich im Argen liegt. Ich glaube aber, wir müssen den Begriff Strukturen vielleicht noch einmal hinterfragen oder noch mal ausweiten. Was mir seit vielen Jahren auffällt im Planungsausschuss, wenn da Projekte vorgestellt werden, das ist ja dann - so sage ich mal - die mittlere Ebene, sind da viele Frauen, die das machen. Das war eine Entwicklung, die bei der Bürgermeisterin Heinke Salisch angefangen hat und die Herr Eidenmüller und Herr O- bert richtigerweise so fortsetzten. Ich gebe zu, am Anfang war ich irritiert, weil das un- gewöhnlich war, weil sonst immer nur Männer vorgetragen haben, aber mittlerweile hat man sich da absolut daran gewöhnt. Da gibt es keinen Unterschied von der Fach- kompetenz her, ob das ein Mann oder eine Frau ist, wie dort vorgetragen wird. (Unruhe, Zurufe) - Ja, es ist so. Ich glaube, der Begriff „gläserne Decke“ hat sehr viel damit zu tun, dass nämlich diese kompetenten Frauen in der mittleren Ebene sich sehr wohl überlegen, wenn es darum geht, wirklich die Schritte nach ganz oben an die Spitze zu machen, und sich fragen, ob sie sich das antun. Viele Frauen aus meinem Bekanntenkreis sagen zu mir, ich hätte die Möglichkeit, aber soll ich so werden jetzt wie die Männer da oben. Ich habe gar keine andere Möglichkeit von den Strukturen her, das alles so anzunehmen. Das tue ich mir als Frau nicht an. Das ist eine Sache, die ich oft höre und bei der ich mich frage, wenn man davon spricht, Strukturen müssten geändert werden, die Anreize, die Gegebenhei- ten in diesen Chefetagen, in diesen Chefjobs, ist das eine originäre Aufgabe der Stadt- verwaltung oder inwieweit wir als Kommunalpolitiker da wirklich Möglichkeiten haben. Ich möchte das einfach einmal mit zu bedenken geben, auch wenn jetzt hier ein biss- chen gelacht und geschmunzelt und vielleicht der Kopf geschüttelt wird. Gehen Sie da mal rein und fragen Sie auch vielleicht einmal in Ihrem Bekanntenkreis nach, woran es liegt, dass Frauen gar nicht den Schritt machen wollen, weil sie sagen, nein, ich will mir das nicht antun. Das ist eine Anregung von mir, dass man das auch mit bedenkt und in diese ganzen Überlegungen mit einbezieht, wie wir letztendlich dann auch in den Ge- sellschaften mehr Frauen in Führungspositionen bekommen können. Der Vorsitzende: Das war der letzte Redebeitrag aus der Diskussion. Fürs Protokoll möchte ich feststellen, dass Herr Stadtrat Ehlgötz uns mittlerweile verlas- sen hat und Herr Stadtrat Borner und Herr Stadtrat Dr. Leschinger sich an dieser Stelle, bei diesem Tagesordnungspunkt, für befangen erklärt haben. - 6 - Zur Abarbeitung habe ich es jetzt so verstanden, dass Sie mir mit der Antwort einver- standen sind. Ich möchte Sie aber ausdrücklich auffordern, auch als Aufsichtsräte dann dafür zu sorgen, dass das dort thematisiert wird, denn wir können dieses nicht aus der Kernverwaltung heraus in den einzelnen Gesellschaften durchsetzen, sondern das muss dann vom Aufsichtsrat begleitet und auch initiiert werden. Zur Beurkundung: Der Schriftführer: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 30. April 2014