Einrichtung einer Beratungsstelle zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen und Aufbau eines Netzwerkes zur Nachqualifizierung

Vorlage: 2014/0012
Art: Antrag
Datum: 17.07.2014
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Offen
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 23.09.2014

    TOP: 19

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: mit Stellungnahme einverstanden

Zusätzliche Dateien

  • GRÜNE-Einrichtung Beratungsstelle
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANTRAG Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Dr. Ute Leidig (GRÜNE) Stadtrat Dr. Christofer Leschinger (GRÜNE) GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 16.07.2014 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 2. Plenarsitzung Gemeinderat 23.09.2014 2014/0012 19 öffentlich Einrichtung einer Beratungsstelle zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen und Aufbau eine Netzwerkes zur Nachqualifizierung 1. Die Stadt Karlsruhe initiiert – evtl. in Kooperation mit Trägern der freien Wohlfahrtspflege – eine Beratungsstelle zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. 2. Im Rahmen der Einrichtung dieser Beratungsstelle erfolgt auch der Aufbau eines Netzwerkes, um Migrantinnen und Migranten, die eine Teilanerkennung für einen Berufsabschluss besitzen, eine berufliche Nachqualifizierung zu ermöglichen. 3. Es wird geprüft, inwiefern diese Beratungsstelle organisatorisch und räumlich an das "Welcome Center" der Technologieregion Karlsruhe angegliedert werden kann, um Synergien zu nutzen. In Deutschland leben viele Migrantinnen und Migranten, die in ihrem Herkunftsland einen Berufsabschluss oder ein Studium absolviert haben, hier in Deutschland jedoch weit unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten – sprichwörtlich als Taxifahrer oder Putzfrau mit Diplom –, während andererseits in vielen Bereichen Fachkräfte gesucht werden. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse wird in Deutschland über unterschiedlichste Institutionen geregelt (Kammern, Berufsverbände etc.) (siehe auch http://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/zustaendige_stellen.php). Für Bürgerinnen und Bürger mit ausländischen Wurzeln ist es oft schwer zu erkennen, welche Entsprechung ihre im Ausland erworbene Ausbildung in Deutschland hat bzw. welche Unterlagen sie für eine Anerkennung vorlegen bzw. übersetzen lassen müssen. Es ist daher wichtig, eine Beratungsstelle aufsuchen zu können, die vorliegende Zeugnisse, bestehende Deutschkenntnisse und die individuellen beruflichen Perspektiven beurteilen und fachlich qualifizierte Empfehlungen für die weitere Vorgehensweise aussprechen kann. Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Nach der Verabschiedung des Landesanerkennungsgesetzes im Frühjahr 2012 wurde für jeden Regierungsbezirk eine einzige Stelle für die Anerkennung von Studienabschlüssen eingerichtet. Die für den Regierungsbezirk Karlsruhe liegt in Mannheim. Die bisherigen Erfahrungen zeigen allerdings, dass diese Einrichtung alleine nicht ausreicht, um alle Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund in der gesamten Region umfassend über mögliche Wege der Anerkennung aufzuklären. Insbesondere sind den Beratern und Beraterinnen in Mannheim die Situation in Karlsruhe und bestehende lokale Nachqualifizierungsmöglichkeiten nicht umfassend bekannt. In vielen Fällen werden im Ausland erworbene Qualifikationen nur teilweise anerkannt. Für diese Personen ist eine sinnvolle und zeitnahe berufliche Nachqualifizierung wichtig. Die neue Beratungsstelle sollte daher über die Beratungstätigkeit hinaus ein Netzwerk der in Karlsruhe bereits in der beruflichen Fort- und Weiterbildung tätigen Träger koordinieren. So soll zusammengetragen werden, welche Angebote sprachlicher und fachlicher Art bereits bestehen und welche noch geschaffen werden müssen, um alle Bewerberinnen und Bewerber möglichst schnell sinnvoll vermitteln zu können und ihnen Berufschancen auf dem höchstmöglichen Qualifikationsniveau zu bieten. Um Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergien zu nutzen, sollte erwogen werden, diese Beratungsstelle organisatorisch und räumlich an das sich im Aufbau befindliche "Welcome Center" der Technologieregion Karlsruhe anzugliedern. unterzeichnet von: Bettina Lisbach Dr. Ute Leidig Dr. Christofer Leschinger Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 1.09.2014

  • Stellungnahme TOP 19
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    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom: 16.07.2014 eingegangen: 16.07.2014 Gremium: 2. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 23.09.2014 2014/0012 19 öffentlich Dez. 3 Einrichtung einer Beratungsstelle zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen und Aufbau eines Netzwerkes zur Nachqualifizierung - Kurzfassung - 1. Die Erstberatung zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse wird in Karlsruhe durch die Migrationsberatungsstellen wahrgenommen. Darüber hinaus ist in Mannheim eine Erstbera- tungsstelle für den Regierungsbezirk eingerichtet. In welchem Umfang der Erstbedarf an Aner- kennungsberatung in Karlsruhe damit abgedeckt werden kann, lässt sich ohne umfangreiche Einzelfallerhebung derzeit nicht sagen. 2. Das Büro für Integration stellt aktuell beim Integrationsministerium Baden-Württemberg ei- nen Antrag zur Kofinanzierung einer Stelle für den Aufbau und die Koordination eines Karlsru- her Netzwerkes für die berufliche Nachqualifizierung von Migrantinnen und Migranten. 3. Im Rahmen der Konzeption des Welcome Centers der TechnologieRegion Karlsruhe prüft die Koordinierungsstelle für europäische und regionale Beziehungen (EURegKa) derzeit, inwiefern das Thema "Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse" in das Informations- und Beratungsspektrum aufgenommen werden soll. Finanzielle Auswirkungen des Antrages nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) 41.760 € (Ziffer 2) 25.056 € (evtl. Zuschuss Integrations- ministerium ) 16.704 € (soweit Antrag erfolgreich) voraussichtlich in Höhe der Gesamtkosten Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Kontierungsobjekt: PSP-Element: 1.500.31.60.01.01 Kontenart: 43000000 Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Sozialer Zusammenhalt und Bildung Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Die Beratung zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse wird in Karlsruhe durch die Mig- rationsberatungsstellen, in erster Linie durch die Migrationsberatung für Erwachsene der Arbei- terwohlfahrt, wahrgenommen. Bei den Migrationsberatungen handelt es sich um ein Gesamt- beratungsangebot u. a. zu den Themenfeldern Sprache, Aufenthaltsrecht, berufliche Orientie- rung. Dabei hat der Themenkomplex „Berufliche Orientierung“ in den letzten Jahren an Bedeu- tung gewonnen. Bei insgesamt 280 Beratungsfällen im ersten Halbjahr 2014 war 91-mal beruf- liche Qualifikation Thema, 37-mal die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen. In allen vier Regierungsbezirken bestehen darüber hinaus Erstanlauf- und Kompetenzzentren, welche die Arbeit der Migrationsberatungsdienste vor Ort unterstützen und Schulungen anbie- ten. Für den Regierungsbezirk Karlsruhe ist über das bundesweit operierende IQ-Netzwerk (IQ = Integration durch Qualifizierung) eine Erstanlaufstelle in Mannheim eingerichtet, bei der eine Anerkennungsberatung und Verweis an die zuständigen Anerkennungsstellen erfolgt. Daneben ist über das IQ-Netzwerk ein mehrsprachiges Beratungsportal eingerichtet, das interessierten Migrantinnen und Migranten bezogen auf die im Heimatland erworbene Qualifikation den Weg zur zuständigen Anerkennungsstelle weist. In welchem Umfang der Erstbedarf an Anerkennungsberatung in Karlsruhe damit abgedeckt werden kann, lässt sich ohne intensive Einzelfallerhebung nicht konkret beantworten. Das dem IQ-Netzwerk angehörende Beratungsangebot für den Regierungsbezirk Karlsruhe in Mannheim geht im ersten Halbjahr 2014 von 30 bis 40 Fällen aus Karlsruhe aus. Gleichzeitig schätzt man dort die Situation so ein, dass man bei einer lokalen Anlaufstelle in Karlsruhe mit deutlich höhe- ren Zahlen rechnen könnte. Dem für eine weitgehend aussagekräftige Bedarfszahl entstehenden Erhebungsaufwand muss man allerdings gegenüberstellen, dass je nach erworbener Qualifikation der Zeitraum für eine Nachqualifikation begrenzt ist. Das heißt, je länger die Qualifikation zurückliegt und nicht beruf- lich eingesetzt wurde, desto höher wird der individuelle Nachqualifizierungsaufwand werden und desto größer dürfte auch die Gefahr sein, dass trotz Anerkennung und Nachqualifizierung ein entsprechender Berufseinstieg nicht gelingt. Die Verwaltung empfiehlt vor dieser Sachlage, eine Bedarfserhebung unter Einbeziehung aller in diesem Feld tätigen Akteure durchzuführen. 2. Das Büro für Integration stellt derzeit zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe für 2015 beim Integrationsministerium Baden-Württemberg einen Antrag zur Kofinanzierung einer Stelle für den Aufbau und die Koordination eines Karlsruher Netzwerkes für die berufliche Nachquali- fizierung von Migrantinnen und Migranten, die lediglich eine Teilanerkennung ihres beruflichen Abschlusses nachweisen können. Ziel ist es, dass die Netzwerkpartner insbesondere in Mangel- berufen Nachqualifizierungsangebote vor Ort anbieten. Die Beratungsstelle, der auch im Hin- blick auf die Zielsetzungen des Landes Baden-Württemberg eine höhere Priorität zukommt als einer weiteren Erstanlaufstelle, soll neben der Netzwerkarbeit die individuelle Begleitung der betroffenen Migrantinnen und Migranten zu den entsprechenden Nachqualifizierungsangebo- ten leisten. Dieses Angebot, für das aktuell keine Ressourcen vorhanden sind, soll bei der Migra- tionsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt angesiedelt werden, um die Beratungskette zu schließen. Die Finanzierung würde aus dem Etat des Büros für Integration erfolgen. 3. Im Rahmen der Konzeption des Welcome Centers der TechnologieRegion Karlsruhe eruiert die Koordinierungsstelle für europäische und regionale Beziehungen (EURegKa) derzeit, inwiefern das Thema "Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse" in das Informations- Ergänzende Erläuterungen Seite 3 und Beratungsspektrum des künftigen Welcome Centers aufgenommen werden soll. Hierzu steht die EURegKa in fachlichem Austausch mit dem Netzwerk der baden-württembergischen Welcome Center. Das Netzwerk geht davon aus, dass das Thema "Anerkennung" für die Ziel- gruppen der Welcome Center (insbesondere: internationale Fachkräfte und deren Partner, in- ternationale Studierende und Auszubildende in den ersten Monaten nach der Ankunft in Ba- den-Württemberg) von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Eine Aufnahme in das Informations- und Beratungsspektrum wird daher grundsätzlich als sehr sinnvoll erachtet. Die EURegKa erach- tet in diesem Zusammenhang auch den Aufbau eines regionalen Netzwerks für die berufliche Fort- und Weiterbildung - als komplettierende Maßnahme - für wichtig. Der konkrete Informations- und Beratungsbedarf dieser Zielgruppen zum Thema "Anerken- nung" wird derzeit - u. a. mit Bezug auf einzelne Berufsbranchen und -bilder - geprüft. Zu prü- fen ist darüber hinaus auch, wie weitgehend eine solche Beratung im Welcome Center der TRK gehen kann bzw. gehen sollte. Dies ist vor dem Hintergrund der bereits bestehenden (und ge- planten) Beratungsangebote in der TRK sowie der organisatorischen Struktur, der personellen und der räumlichen Ausstattung des künftigen Welcome Centers zu klären.

  • Protokoll TOP 19
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    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 2. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 23. September 2014, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 31 Punkt 19 der Tagesordnung: Einrichtung einer Beratungsstelle zur Anerken- nung von ausländischen Berufsabschlüssen und Aufbau eines Netzwerkes zur Nachqualifizierung Antrag der Stadträtinnen Bettina Lisbach und Dr. Ute Leidig, des Stadtrats Dr. Christofer Leschinger (GRÜNE) sowie der GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 16. Juli 2014 Vorlage 2014/0012 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung und Berichterstattung im Aus- schuss für Wirtschaftsförderung und im Migrationsbeirat Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 19 zur Behandlung auf und verweist auf die vorliegende Stellungnahme der Verwaltung. Stadträtin Dr. Leidig (GRÜNE): Ich beginne mit einem Zitat aus Spiegel online vom April 2013: "Die Zahnärztin fährt Taxi, der Physiker arbeitet als Türsteher. Weil ihre Ab- schlüsse in Deutland lange Zeit nicht anerkannt wurden, arbeiten viele Migranten mit guter Ausbildung oder Studienabschluss in Billigjobs." Leider ist das teilweise immer noch so. Das ist eine Verschwendung von Kompetenzen und Ressourcen, bei der alle verlieren. Die Menschen, die Gesellschaft und auch unsere Wirtschaft. Menschen, die seit Jahren unter dem Niveau ihrer ausländischen Ausbildung in Deutschland arbeiten müssen, sollten die Chance haben, in ihren ursprünglichen Be- rufen zu arbeiten oder sich so weiterzubilden, nachzuqualifizieren, dass sie eine ähnli- che Stelle in Deutschland erhalten können. Als 2012 die Bundesregierung ein neues Anerkennungsgesetz geschaffen hat, ging die Staatsministerin damals davon aus, dass das neue Anerkennungsgesetz rund 300.000 Menschen direkt zugute käme. Rein statistisch gesehen, wenn man das jetzt herunter- - 2 - rechnet auf die Einwohnerzahl von Karlsruhe, wären das 1.000 Personen allein für Karlsruhe. Gleichzeitig zeigen Studien aber auch, dass im Durchschnitt vier Jahre vergehen, bis Zugewanderte nach der Einreise einen Antrag stellen, um ihre Qualifikation aus dem Heimatland anerkennen zu lassen. Vier Jahre - es ist klar, dass da die Chancen enorm sinken, dass tatsächlich auch die Qualifikation noch vorhanden ist, d. h., wertvolles Know-how geht verloren. Letzten Endes bedeutet das, wir müssen schneller und wir müssen effektiver werden. Dazu sehen wir in der Einrichtung einer lokalen Anlaufstelle in Karlsruhe, die zur Aner- kennung von ausländischen Berufsabschlüssen und zur Nachqualifizierung berät, einen wichtigen Schritt. Eine solche Beratungsstelle in Karlsruhe könnte viele Migranten dabei unterstützen, sich zu qualifizieren, entsprechende Arbeit zu finden. Letzten Endes könn- ten wir dabei für den Arbeitsmarkt in Karlsruhe die dringend gesuchten Fachkräfte ge- winnen. Das Problem ist, dass der Regierungsbezirk Karlsruhe nur über eine einzige vom Land eingerichtete Erstberatungsstelle besitzt. Diese ist in Mannheim. Es ist nun einmal eine Hürde für viele Menschen, nach Mannheim zu gelangen und dort Beratung zu suchen. Dementsprechend wird auch in der Antwort der Verwaltung davon ausgegangen, dass die doch recht niedrige Anzahl von Beratungsfällen aus Karlsruhe, die tatsächlich nach Mannheim gelangen - das waren jetzt z. B. im Halbjahr 2014 nur 30 - 40 Personen -, deutlich höher ausfallen würde, wenn wir eine Beratungsstelle vor Ort hätten. Von den 1.000 Personen, die ich Ihnen vorhin vorgerechnet habe, sind wir mit der Zahl 30 - 40 in einem halben Jahr tatsächlich sehr weit entfernt. Aber nicht nur die Hürde für die Menschen, die Beratung suchen, ist höher, wenn die Beratungsstelle nicht vor Ort ist. Auch für die Beratenden ist es natürlich viel schwieri- ger, sich an einem Ort auszukennen, zu wissen, wo Nachqualifizierung tatsächlich ge- leistet werden kann, wenn das in einer anderen Stadt ist. Die lokalen Akteure zu be- nennen, das bedeutet letzten Endes, zielgerichtet beraten zu können. Denn die Prüfun- gen, was anerkannt wird und wo nachzuqualifizieren ist, ist nur ein Schritt, die Diagno- sestellung sozusagen. Daraus ergeben sich dann die weiteren Schritte. Hier ist es wich- tig, dass ein Netzwerk gebildet wird, das die Basis für Beratung bildet: Wer kann sich wo, in welchem Bereich am Besten nach- bzw. weiterqualifizieren? Um Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergien zu erstellen, sollte die Beratungsstel- le an vorhandene Strukturen angebunden sein. Wir sehen hier beide Möglichkeiten, sowohl die Kooperation mit Trägern der freien Wohlfahrtspflege, als auch die Angliede- rung an das zu schaffende Welcome-Center der TechnologieRegion. Beides könnte ziel- führend sein. Wir freuen uns über die positive Antwort der Verwaltung, sowohl was die Prüfung der Höhe des Erstbedarfs an Anerkennungsberatung in Karlsruhe angeht, wie auch die Prü- fung der Annahme des Themenbereichs durch das Welcome-Center der Technologie- Region. Besonders begrüßen wir, dass die Stadt einen Antrag auf Ko-Finanzierung einer - 3 - Stelle für den Aufbau und die Koordination eines Karlsruher Netzwerkes für die berufli- che Nachqualifikation von Migranten stellen wird. Um zwei Dinge möchten wir noch bitten. In Anbetracht des Doppelhaushalts, der an- steht, und der Anmerkung, dass die Finanzierung dieser Koordinationsstelle aus dem Etat des Büros für Integration erfolgen wird, bitten wir um rechtzeitige Information, wie die Finanzierung im neuen Haushalt dann vonstatten gehen soll, d. h., wie die zusätzli- chen Mittel in den Haushalt gelangen, ob das die Verwaltung selbst macht, oder ob wir einen entsprechenden Antrag stellen müssen. Die zweite Bitte: Die angekündigten Prüfungen sind etwas vage benannt. Hier erwarten wir doch etwas konkretere Vorschläge, vor allem hinsichtlich des Zeithorizonts, und bit- ten darum, uns - wenn möglich noch Ende des Jahres - sowohl im Migrationsbeirat wie auch in der Wirtschaftsförderung vorzustellen, zu welchen Zahlen Sie kommen und wie Sie weiter vorgehen wollen. Insgesamt sehen wir die Stadt hier auf einem guten Weg und bedanken uns dafür, dass Sie sich dieses Themas annehmen. (Beifall bei den Grünen) Stadträtin Dr. Dogan (CDU): Die CDU-Fraktion sieht durchaus, dass es in der Vergan- genheit bei der Dauer der Verfahren bezüglich der Anerkennung im Ausland erworbe- ner Berufsabschlüsse zu langen Bearbeitungszeiten gekommen ist. Mit der Folge, dass die betreffenden Antragsteller sich häufig in unterqualifizierten Tätigkeiten verdienen mussten und aus ihrer eigenen Berufspraxis lange Zeit fern geblieben sind. Da ist dann wieder Nachholbedarf gegeben. Wir sehen aber auch aus der Stellungnahme der Verwaltung, dass eine positive Verän- derung der Situation seitens der Verwaltung angestrebt wird. Die Erstberatungsstelle, die in Mannheim inzwischen eingerichtet wurde, ist für den gesamten Regierungsbezirk zuständig und wird wahrgenommen. Die bislang aus Karlsruhe bekannten Zahlen sind recht niedrig, was zu berücksichtigen ist. Daher ist es durchaus sinnvoll und angebracht, hier erst einmal eine Erhebung dahingehend vorzunehmen, ob und in welcher Höhe tatsächlich ein Bedarf für die Schaffung einer weiteren Stelle in Karlsruhe gegeben ist. Denn es gibt auch andere Einrichtungen, sprich: Die Agentur für Arbeit oder berufs- ständische Kammer und Innungen, sei es IHK oder auch sonstige Kammern, die hier Beratungen durchführen. Zudem hat das Büro für Integration aktuell einen Antrag auf Ko-Finanzierung seitens des zuständigen Ministeriums des Landes gestellt. Auch da soll- te das Ergebnis erst einmal zugewartet werden, denn die Schaffung dieser Stelle würde den städtischen Haushalt doch nicht unerheblich belasten. Auch dies ist zu bedenken. Aufgrund des weiteren Klärungsbedarfs, den wir in der Angelegenheit sehen, ist der Antrag in den zuständigen Ausschuss zu verweisen. (Beifall bei der CDU) - 4 - Stadtrat Marvi (SPD): Aus Sicht der SPD-Fraktion ist die von der GRÜNE- Gemeinderatsfraktion angestoßene Debatte um die Anerkennung von ausländischen internationalen Berufs- und Bildungsabschlüssen und der oft damit einhergehenden Förderung der beruflichen Nachqualifizierung von Migrantinnen und Migranten, die in ausbildungsadäquate Berufe streben, sicherlich auch mit vielen persönlichen Hoffnun- gen verbunden, eine sehr wichtige Debatte. Es ist natürlich auch für uns in der Techno- logieRegion Karlsruhe von großer Bedeutung, weil wir auf eine Vielzahl von verschiede- nen Fachkräfteprofilen angewiesen sind. Ausgangspunkt für diesen Antrag ist die Einführung eines Landesanerkennungsgesetzes im Jahr 2012 durch die Landesregierung aus SPD und Grünen, die damit ausdrücklich das Selbstbewusstsein gut qualifizierter Migranten gestärkt hat und damit auch ihre progressive Linie in der Integrationspolitik nachdrücklich unterstrichen hat. Die Intensi- vierung und der Ausbau des Beratungsstellennetzwerkes in Form von Erstberatungsstel- len in allen vier Regierungsbezirken ist ein weiterer Meilenstein im Zuge dieser Reform und steht auch für die Dezentralität des Ansatzes. Vor diesem Hintergrund unterstützt meine Fraktion die Absicht und den Vorschlag der Verwaltung, vor der Forderung nach einer weiteren Erstberatungsstelle in Karlsruhe, zunächst einmal die Bestandsaufnahme und die Evaluierung des tatsächlichen Bedarfs in diesem Bereich festzustellen. Relativie- rend muss man sicherlich dazu sagen, dass wir nicht in jeder Stadt im Regierungsbezirk Karlsruhe eine Erstberatungsstelle einrichten können. Das würde sicherlich den Landes- haushalt etwas überstrapazieren. Die Wege zwischen Karlsruhe und Mannheim sind nun nicht so richtig weit. Ebenso begrüßen wir den gemeinsamen Antrag des Büros für Integration der Stadt Karlsruhe und der Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe, die Finanzierung für eine netzwerkko- ordinierende Stelle sicherzustellen im Bereich der beruflichen Nachqualifizierung. Wir begrüßen auch, dass diese Ansiedlung bei der Migrationsberatungsstelle der AWO Karlsruhe geplant ist, weil sich hieraus auch weitere Synergien ergeben, um ein passge- naues Nachqualifizierungsangebot vor Ort bei uns herzustellen. Charmant und intelligent ist sicherlich aus unserer Sicht die Idee, beim Welcome-Center der TechnologieRegion die Konzeption der Anerkennung von Berufs- und Bildungsab- schlüssen einzubetten. Wir sind auf die Ergebnisse dieser Prüfung sehr gespannt, wür- den uns auch freuen - wie es hier schon angeklungen ist in der Debatte -, wenn von der Verwaltung dann entsprechend eine Zeitleiste genannt wird, in der das alles vonstatten geht. Insgesamt sind wir also mit der Beantwortung des Antrags durch die Verwaltung sehr einverstanden. (Beifall bei der SPD) Stadtrat Braun (KULT): Die vorhandenen Beratungsseiten im Internet sind oft recht kompliziert und unübersichtlich. Besondere Schwierigkeiten bestehen wohl für Men- schen, deren Muttersprache nicht im Deutschen liegt. Von Karlsruhe nach Mannheim zu gelangen, um kompetent beraten zu werden, ist auch nicht immer zumutbar. Häufig ist es ohne zentrale Beratungsanlaufstelle schwierig, die richtige Stelle überhaupt zu - 5 - finden. Da eine solche Stelle pro Regierungsbezirk meiner Meinung nach nicht ausrei- chend ist, muss es auch in Karlsruhe eine Beratungsstelle geben, welche zumindest eine erste Orientierung für das Anerkennungsverfahren gibt und auf Anerkennungsstellen verweist. Auch um sich fachlich kompetent beraten zu lassen, sowie Zeugnisse und Deutschkenntnisse usw. optimal bewerten zu lassen, und um einen dauerhaften An- sprechpartner für weitere Vorgehen zu haben, sind solche Beratungsstellen enorm wichtig. Heute bereits haben wir in vielen Berufen verheerenden Fachkräftemangel. Einen Blick auf die demografische Entwicklung zeigt, dass diese Mängel mittel- bis langfristig durch einheimische Kräfte nicht zu beheben sind, z. B. fehlen der deutschen Wirtschaft hun- dertausende von Fachkräften. Baden-Württemberg ist davon wohl am meisten betrof- fen. Gerade Karlsruhe - wie wir schon gehört haben - weist beispielsweise eine hohe Dichte mit Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf. Die Städte wachsen. Somit werden neue Stellen offen, die daher nicht adäquat besetzt werden können. Um diese Fachkräftemängel zu beseitigen, ist es unbedingt vonnöten, Fach- kräfte aus dem Ausland, vor allem auch aus Nicht-EU-Staaten, zu gewinnen. Dafür müssen wir allerdings nicht nur deren Abschlüsse mit vergleichbaren deutschen Ab- schlüssen anerkennen, sondern ihnen auch weitgehend in beratender Funktion zur Sei- te stehen. Der Einwand der Verwaltung, dass der genaue Bedarf an Anerkennungsberatung ge- prüft werden muss, ist in Ordnung, sollte aber binnen kürzester Zeit geschehen. Ein Zu- schuss des Integrationsministeriums wäre natürlich erstrebenswert. Daher wird die KULT-Fraktion dem Antrag der Grünen in allen Punkten zustimmen. (Beifall bei der KULT) Stadtrat Jooß (FDP): Wie schon gesagt: Fachkräftemangel ist in aller Munde, zumin- dest hier in Deutschland. Es ist geplant, eine Beratungsstelle einzurichten. Beraten tun die Kammern und nicht die Beratungsstelle. Die Beratungsstelle, die hier gefordert ist, kann höchstens die Koordinierung machen, dass die Leute entsprechend unterkommen bei den Kammern. Zumal die Kammern auch die Prüfungen oder die Qualifizierungen und eine Kenntnisprüfung abnehmen. Das könnte die Beratungsstellen nicht machen, zumal die Qualifikationen überhaupt nicht vergleichbar sind. Wenn ich an mein Hand- werk denke, muss sehr nachqualifiziert werden. Da kann niemand vom Ausland kom- men, gerade hier hineinschnuppern und das entsprechend übernehmen. Das ist völlig unmöglich. Deswegen Kenntnisprüfungen und nur eine Koordinationsstelle. Das ist dringend not- wendig in Anbetracht des Fachkräftemangels. Bei 16.700 €, die hier an Kosten ange- setzt sind, ist das im Grunde Nasenwasser für das, was wir für die Wirtschaft und unse- re späteren Steuern erreichen. (Beifall bei der FDP) Der Vorsitzende: Es ist die Verweisung beantragt worden. Ich würde Ihnen vorschla- gen, dass wir keine klassische Verweisung machen, sondern dass ich Ihnen zusage, - 6 - Ihnen in den beiden Ausschüssen Wirtschaftsförderung und Migrationsbeirat - das wa- ren die beiden - am Ende des Jahres zu berichten, was hat die Erhebung der Daten ge- bracht, wie sieht es mit dem Antrag aus, was hat sich jetzt aus der Weiterentwicklung des Welcome-Centers ergeben. Das sind die drei Punkte. Aber dann zu einem Zeit- punkt, wo wir etwas berichten können, und nicht jetzt einfach verweisen und dann dasselbe noch einmal diskutieren. Wenn Sie damit einverstanden wären, dann würden wir den Tagesordnungspunkt so beschließen. Ich möchte aber noch darauf hinweisen, dass neben der Nachqualifizie- rung oft auch die formale Anerkennung der Abschlüsse ein riesiges Zeitproblem ist. Be- ratung und das richtige Hinswitchen zur richtigen Stelle ist das Eine, aber dann kann es sich zum Teil ewig hinziehen. Ich habe auch noch in Zeiten des Kultusministeriums den einen oder anderen Einzelfall erlebt, wo man doch ein bisschen verzweifelt an der Komplexität dieses Prozesses. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 3 November 2014