Mehr Bio-Essen in Karlsruhe
| Vorlage: | 2014/0011 |
|---|---|
| Art: | Antrag |
| Datum: | 17.07.2014 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Offen |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 23.09.2014
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mit Stellungnahme einverstanden
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom: 20.05.2014 eingegangen: 20.05.2014 Gremium: 2. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 23.09.2014 2014/0011 16 öffentlich Dezernat 5 Mehr Bio-Essen in Karlsruhe - Kurzfassung - Die Verwaltung befürwortet diese Initiative, wird dem Antrag entsprechen und dem Gemein- derat ein entsprechendes Konzept vorlegen. Finanzielle Auswirkungen des Antrages nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Kontierungsobjekt: (bitte auswählen) Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit VBK, SWK, Klinikum Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Die Verwaltung legt dem Gemeinderat ein ämterübergreifendes Konzept aller mit der Zubereitung von Essen befassten Stellen der Stadt Karlsruhe vor. Im Konzept wird dargestellt, wie der Anteil an biologischen, regionalen und saisonalen Lebensmitteln in den zubereiteten Essen schrittweise erhöht werden kann. Die Verwaltung befürwortet diese Initiative, mit der zahlreichen Aspekten der Nachhal- tigkeit entsprochen werden kann und die auch der Vorbildfunktion der Stadt Rechnung trägt. Die Verwaltung will daher dem Antrag entsprechen und das geforderte Konzept erar- beiten, mit dem der Anteil von Lebensmitteln gemäß den Anforderungen im Antrag erhöht werden könnte, und dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen. Dabei wird auch überschlägig der damit verbundene Kostenaufwand ermittelt. Die städtischen Einrichtungen, die Essen ausgeben, sind zahlreich und sehr unterschied- lich hinsichtlich Struktur und Organisation. Einige Stellen bereiten ihr Essen selbst zu, andere beauftragen hierfür Caterer. Auch die Auftragsvergabe ist unterschiedlich gere- gelt und reicht von einer zentralen Vergabe (z. B. Schul- und Sportamt) bis zu Einzelbe- auftragung durch die Einrichtung selbst. Stellen, die mit der Zubereitung oder Ausgabe von Essen befasst sind: Schulen Kindertageseinrichtungen Horte Jugendhäuser Seniorenheime Städt. Klinikum Kantinen (auch bei städt. Gesellschaften) Kioske und ähnliche an Schulen, in Schwimmbädern, im Zoo und an anderen Stellen städtische Liegenschaften wie Hofgut Maxau Veranstaltungen in städtischer Trägerschaft wie beispielsweise der Weihnachts- markt. Zuständigkeiten: Die Organisation der Mahlzeiten ist dezentral, jede Stelle kümmert sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit selbst um die Versorgung ihrer Klientel mit Mahlzeiten. 2. Das Konzept wird in einer Projektstruktur erarbeitet mit dem Ziel, den An- teil der bei der Essenszubereitung verwendeten, biologisch produzierten Lebensmittel in einem ersten Schritt auf mindestens 25 Prozent zu erhöhen. Auf Grund der dezentralen Organisationsstruktur soll das Konzept im Rahmen einer Projektstruktur erarbeitet werden. Angestrebt ist auch die Einbeziehung der städti- Ergänzende Erläuterungen Seite 3 schen Gesellschaften mit dem Ziel, dass diese das Konzept dann in ihrem Geschäftsbe- reich übernehmen. 3. Im Rahmen des Konzepts wird dargestellt, ob und in welchem Umfang die bisher dafür zur Verfügung gestellten Budgets ausreichend sind bzw. wel- ches Budget zukünftig für welchen Bereich notwendig ist. Der finanzielle Aspekt ist ein zentraler Teil des Konzeptes und wird sicherlich mit ent- scheidend sein, wie schnell und in welchem Umfang die gesteckten Ziele erreicht wer- den können. Dabei wird auch zu prüfen sein, ob durch organisatorische Regelungen Einsparungen erreicht werden können, ohne die Qualitätsziele zu gefährden. So wäre z. B. zu prüfen, ob Vergaben zentral abgewickelt werden könnten. Für eine Kalkulation eventueller Mehrkosten können Erfahrungen in anderen Städten (Stuttgart, München) oder Expertisen wie "Tollwood", "Fit-Kid" herangezogen werden. Beim Projekt "Bio für Kinder" in München wurde beispielsweise ermittelt, dass eine Umstellung auf Bio-Kost wesentlich günstiger ist als erwartet. Ein Bio-Mittagessen kos- tet im Durchschnitt nur 30 Cent und damit 16,48 Prozent mehr als ein vergleichbares konventionelles Essen. Quelle: http://www.tollwood.de/mensch-umwelt/bio-fuer-kinder/das-projekt/ergebnisse-und- erfolge/ Während der Sachkostenaufwand für Bio-Kost sich in Grenzen hielt, ist nach Münchner Erfahrungen der Beratungs- und Betreuungsaufwand nicht unerheblich. Entscheidend ist nach dortiger Erkenntnis die professionelle und individuelle Beratung bei der Umstel- lung. Eine Umfrage bei den Eltern ließ dabei eine hohe Akzeptanz erkennen. So wären 69 % der Eltern bereit, Mehrkosten zwischen drei und vier Euro pro Woche und Kind zu ak- zeptieren. Lediglich 13 % sind nicht bereit, für Bio-Essen mehr zu bezahlen. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Die Stadt München beziffert aktuell ihren personellen Mehraufwand für Beratung, Schulung und Controlling in den beiden Einführungsphasen an 100 Kitas von 1,5 Jah- ren mit drei Vollzeitstellen und nach Abschluss der Pilot- und Einführungsphase dauer- haft mit einer Vollzeitstelle. Hinzu kommen noch zahlreiche Fachkräfte (Mentorennetz- werk), die auf ehrenamtlicher Basis mit geringer Aufwandsentschädigung vor Ort bera- tend tätig sind. Des Weiteren wurden in München 30 Unternehmen als Sponsoren gefunden, die 450.000 € zur Verfügung stellten. Damit wurde der Mehraufwand für Biokost an 32 Piloteinrichtungen für 2 Jahre aufgefangen. Dabei arbeitet die Stadt München gemeinsam mit dem Kompetenzpartner "Tollwood" zur Erstellung des Konzepts, zur Durchführung der Modellphase, Beratung, Schulung und flankierender Öffentlichkeitsarbeit. Die Tollwood GmbH ist eine privatwirtschaftli- che Gesellschaft für kulturelle Veranstaltungen und Umweltaktivitäten, die auf jede Subvention verzichtet und somit auf Wirtschaftlichkeit angewiesen ist. Das Projekt "Bio für Kinder" in München wurde ganzheitlich konzipiert und reflektiert mit dem Label "Biostadt München". Neben "Bio für Kinder" finden auch Maßnahmen zur Förderung von "Bio in der Gastronomie" und "Bio in der Verwaltung" statt. Ziel ist die Ausweitung des Bio-Anteils von Lebensmitteln auf allen Ebenen. Für städtische Ver- anstaltungen soll ein Bio-Anteil von 50 % angestrebt werden. Für ein vergleichbares Vorgehen in Karlsruhe könnten Beratungsstellen wie z. B. die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zumindest für einen Teil der Außer-Haus-Verpflegung in Anspruch genommen werden. Flankierende Unterstützungsmöglichkeiten sind in Baden-Württemberg für den Zeit- raum ab Mitte 2015 zu erwarten, da dann die Landesregierung mit Bio-Lebensmitteln bei der Außer-Haus-Verpflegung einen Schwerpunkt setzen will.
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Extrahierter Text
STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANTRAG Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Dr. Dorothea Polle-Holl (GRÜNE) Stadtrat Dr. Christofer Leschinger (GRÜNE) Stadtrat Alexander Geiger (GRÜNE) Stadtrat Johannes Honné (GRÜNE) GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 20.05.2014 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 2. Plenarsitzung Gemeinderat 23.09.2014 2014/0011 16 öffentlich Mehr Bio-Essen in Karlsruhe Antrag 1. Die Verwaltung legt dem Gemeinderat ein ämterübergreifendes Konzept aller mit der Zubereitung von Essen befassten Stellen der Stadt Karlsruhe vor. Im Konzept wird dargestellt, wie der Anteil an biologischen, regionalen und saisonalen Lebensmitteln in den zubereiteten Essen schrittweise erhöht werden kann. 2. Das Konzept wird in einer Projektstruktur erarbeitet mit dem Ziel, den Anteil der bei der Essenszubereitung verwendeten, biologisch produzierten Lebensmittel in einem ersten Schritt auf mindestens 25 Prozent zu erhöhen. 3. Im Rahmen des Konzepts wird dargestellt, ob und in welchem Umfang die bisher dafür zur Verfügung gestellten Budgets ausreichend sind bzw. welches Budget zukünftig für welchen Bereich notwendig ist. Die Vorteile biologischer, regionaler und saisonaler Lebensmittel sind bekannt und müssen an dieser Stelle nicht erneut aufgelistet werden. Es ist daher sinnvoll, im Rahmen des rechtlich Möglichen und wirtschaftlich Vertretbaren bei der Gemeinschaftsverpflegung eine Veränderung hin zu einem höheren Anteil an biologisch produzierten Lebensmitteln in den zubereiteten Essen zu bewirken. Aus unserer Sicht könnte dieses zum Beispiel durch die Bildung eines Einkaufsverbunds all dieser Akteure (bessere Einkaufspreise) und zum anderen durch die Erarbeitung eines gemeinsamen Konzepts, das die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aufgreift, erreicht werden. Auch die Inhalte diesbezüglicher Ausschreibungen könnten dabei in den Fokus genommen werden. Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ An der Erarbeitung eines solchen Konzepts könnten sich z. B. die allgemeine Verwaltung, das Hauptamt, das Schul- und Sportamt und die Sozial- und Jugendbehörde beteiligen. Die Verwaltung sollte in der Beantwortung des Antrags auch die Erfahrungen von Kommunen wie München oder Freiburg einbeziehen, die schon seit längerem einen hohen Prozentanteil von biologischer Kost (über 50 Prozent) anbieten. Das Projekt „Bio für Kinder“ in München hat kürzlich nach sechs Jahren eine Bilanz vorgestellt, die zeigt, wie Bio-Produkte in der bayrischen Landeshauptstadt bei bislang 32 Vorschuleinrichtungen und Schulen erfolgreich eingeführt werden konnten. Das Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München und der durchführende Projektpartner „tollwood“ kommen zu dem Fazit: „100 Prozent Bio-Verpflegung in Kindergarten und Schule ist machbar und finanzierbar.“ Es liegen dazu umfangreiche und sehr gut dokumentierte Daten vor. Mehrpreise beim Einkauf wurden bzw. werden für einen bestimmten Zeitraum von Sponsoren übernommen. unterzeichnet von: Bettina Lisbach Dr. Dorothea Polle-Holl Dr. Christofer Leschinger Alexander Geiger Johannes Honné Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 11.09.2014
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 2. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 23. September 2014, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 28. Punkt 16 der Tagesordnung: Mehr Bio-Essen in Karlsruhe Antrag der Stadträtinnen Bettina Lisbach und Dr. Dorothea Polle-Holl, der Stadträte Dr. Christofer Leschinger, Alexander Geiger und Johannes Honné (GRÜNE) sowie der GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 20. Mai 2014 Vorlage 2014/0011 Beschluss: Einverstanden mit der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf und verweist auf die vorliegende Stellungnahme der Verwaltung. Stadtrat Geiger (GRÜNE): Über fast nichts lässt sich so ausdauernd diskutieren, wie über gutes Essen und wie Essen sein muss, damit es gut ist. Auch der Gemeinderat hat sich z. B. auf grüne Initiative schon mit dem Thema Qualität von Essen beschäftigt. Ich nenne hier exemplarisch den Mai 2001. Sie sehen also, wenn es sein muss, bleiben wir auch länger am Ball. Essen erfüllt nicht nur die Funktion von Nahrung, sondern im Idealfall auch die von Genuss. Mit Essen ist aber immer auch eine Qualitätsdebatte verbunden. Diese Debatte beinhaltet die Frage, wie sich die Produktion von Nahrungsmitteln auswirkt: ökologisch, sozial, ethisch und auch unter dem Ge- sichtspunkt der Gesamtwirtschaftlichkeit. Es geht also um die Vorbildfunktion der Kommune im Sinne eines nachhaltigen Beschaffungswesens. Die Herausforderung ist groß. Denn im Unterschied zum privaten Haushalt müssen wir besondere rechtliche Rahmenbedingungen einhalten und gleichzeitig erklären, warum wir zu einer Entscheidung kommen. Denn nur so können wir Akzeptanz oder besser noch: Befürwortung bei denen erreichen, die städtisches Essen zu sich nehmen und denen es dann auch hoffentlich schmeckt. - 2 - Mit vorliegender Initiative wollten wir ein ämterübergreifendes Konzept. Das haben Sie uns zugesagt. Das hat uns sehr gefreut, denn wir sind davon überzeugt, dass der Anteil des Essens aus biologischer Landwirtschaft, aus regionaler Erzeugung und jeweils den saisonalen Angeboten entsprechend erhöht werden kann. Wir wollen nur einen Rah- men definieren, um hier gleich einmal etwas Vorsorge zu betreiben. Es geht uns nicht darum zu definieren, was auf den einzelnen Teller kommt. Das könnte der Gemeinderat nicht, und das wollen wir Grünen auch nicht. Andere Kommunen haben mit einem Konzept, wie es die Verwaltung jetzt vorsieht, schon positive Erfahrungen gemacht. Explizit München wird in der Stellungnahme aufgeführt. Wir danken dafür, dass das belegt wurde und auch dass die städtischen Gesellschaften mit einbezogen werden sol- len. Denn bei Akteuren, wie z. B. dem Klinikum oder auch den Seniorenheimen, wer- den sehr viele Essen ausgegeben. Die, die das Essen bekommen, haben auch nur einge- schränkte Auswahlmöglichkeit, sind also an die Essensausgabe weitestgehend gebun- den. Es lohnt sich aber auch, den finanziellen Aspekt zu betrachten. Durchschnittlich 0,30 € mehr pro Mahlzeit, so viel hat es in München ausgemacht. Sicher ist auch das Geld. Aber man erhält aus unserer Sicht viel mehr zurück, als man investiert: - weniger Pflanzenschutzmitteleinsatz, - keine gentechnische Veränderung bei Kulturpflanzen, wenn man biologisch er- zeugte Lebensmittel beschafft, - kürzere Transportwege und damit der Schutz für das Klima, wenn man regionale und saisonale Erzeugnisse einkauft, - und auch die Chance, die regionale Landwirtschaft und regionale Kulturland- schaft etwas zu unterstützen, z. B. wenn man Streuobstapfelsaft anbietet. Ich halte fest: Wer zu diesen finanziellen Investitionen bereit ist, kann sehr viel gewin- nen. Wir brauchen professionelle und individuelle Beratung. Das alles wird sich aber bei der Vorstellung des Konzeptes konkretisieren. Insgesamt danken wir für die positive Antwort der Verwaltung und sind auf die weite- ren Beratungen gespannt. An der Stelle möchte ich aber noch ganz herzlich meine ehemalige Gemeinderatskolle- gin, Frau Polle-Holl, grüßen, die sehr stark in die Bearbeitung des Antrags eingebunden war und die auch heute der Debatte zuhört. Ich möchte zum Abschluss die Gelegenheit nutzen, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit der Zubereitung und Ausgabe von Essen in Karlsruhe betraut sind, zu danken. Denn das Ergebnis ihrer Arbeit sorgt dafür, dass sehr viele Menschen die zweite Hälfte des Tages engagiert angehen können. Ich bin auch davon überzeugt, dass es den allermeisten schmeckt. (Beifall bei den Grünen) Stadträtin Meier-Augenstein (CDU): Herr Kollege Geiger hat den Antrag schon sehr ausführlich begründet. Wir konnten auch in den letzten Tagen in der Presse dazu schon einiges lesen. - 3 - Grundsätzlich denken wir als CDU-Fraktion, dass es gut und richtig ist, dass wir über das Thema sprechen. Insofern signalisiere ich von unserer Seite auch Unterstützung. Die Verwaltung hat zugesagt, dass sie an einem Konzept arbeitet. Wenn es nach uns ginge, würden wir aber den Blick jetzt nicht nur rein auf das biologische Essen legen, sondern wirklich noch ein bisschen mehr die Regionalität in den Vordergrund rücken. Sie haben zwar gesagt, Ihnen geht es auch um regionale und saisonale Produkte. Ich denke, wir sollten das Gesamtpaket nehmen. Sie haben jetzt allerdings, werte Kollegen von den Grünen, unter Punkt 2 im Antrag den Anteil von mindestens 25 % nur auf das rein biologische Essen gelegt. Uns wäre es recht, wenn wir das wirklich im Gesamtpaket mit regional und saisonal machen könn- ten. Da möchte ich auf den Punkt eingehen, den Sie vorher genannt haben: Die Quali- tätsdebatte, um die es uns im Vordergrund geht. Wir meinen, dass biologisches Essen gerade unter dem Aspekt der nachhaltigen Beschaffung, wenn es um die halbe Welt gereist ist, nur damit es biologisch ist, nicht zu bevorzugen ist, wenn wir zum gleichen Zeitpunkt regionale Produkte haben. Das ist uns ganz wichtig. Ich denke, wir werden dann auch ein Konzept vorgelegt bekommen. Für meine Fraktion ist es wichtig, dass wir den Preis doch ein bisschen im Blick behalten, auch wenn jetzt hier von 0,30 € gesprochen wird. Wir wissen aber aus der eigenen Er- fahrung, dass für manche das trotzdem ein entscheidender Preiszuschlag ist. Dann habe ich mir noch überlegt, für die Jugendlichen in den Schulmensas ist es viel- leicht auch uncool, wenn es um biologisches Essen in der Mensa geht. Sie vergleichen dann mit der Dönerbude um die Ecke, wenn es um den Preis geht. Wir sprechen darüber, dann schauen wir es uns insgesamt an. Insofern freue ich mich auf die weitere Diskussion. (Beifall bei der CDU) Stadtrat Hermanns (SPD): Dem Antrag kann die SPD-Fraktion zustimmen. Wir hätten für das Konzept noch weitere Ergänzungen. Meine Vorrednerin ist schon darauf einge- gangen. Aus unserer Sicht ist der Antrag noch etwas zu unehrgeizig. Wir würden gerne bis zu 50 % schon in der ersten Anlaufphase sehen. Da, insbesondere, wenn man sich die Zahlen anschaut, Bioprodukte mittlerweile eine sehr breite Akzeptanz gefunden ha- ben und auch deutlich die Preise für die Bioprodukte gesenkt werden konnten. Insofern sollten wir uns von dem Münchner Modell etwas lösen und auch die tagesaktuellen Zahlen zugrunde legen. Was uns auch ein wichtiges Anliegen ist: Man muss den sozialen Ausgleich hier be- trachten, dass die Geldbörse der einkommensschwachen Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe nicht dazu führt, dass sie nicht daran teilnehmen können. Insofern wäre unse- re Anregung auch gleichzeitig, dass es bei der Konzeptionierung und Umsetzung mög- lichst flächendeckend in Karlsruhe gemacht wird und nicht einzelne Viertel ausgewählt werden. - 4 - Darüber hinaus noch eine Anmerkung zum Sponsoringkonzept. Ich vermute, das wird die Verwaltung auch beachten. Sponsoringkonzepte wären hier natürlich sehr hilfreich. Ich spitze es jetzt etwas zu. Wenn Monsanto Seeds dies sponsern würde, wäre das si- cherlich nicht in unserem Sinne. Jetzt konkret: US-amerikanische Foodkonzerne würden uns auch sicherlich nicht helfen im Sinne der Intention, dass wir den Bürgern möglichst gutes Essen weit umfänglich anbieten wollen. Bezüglich der drei Stellen, die im Konzept der Verwaltung angesprochen wurden, möchte ich noch anregen, dass wir durchaus auch schon im Sinne unserer Verantwor- tung, einen nachhaltigen Haushalt aufstellen zu können, bedenken sollten, dass wir ungefähr 1/4 kleiner sind in der Einwohnerzahl als München. Darüber hinaus - ich habe es vorhin schon angedeutet - liegt mittlerweile in der Bevölkerung eine viele größere Akzeptanz für Bioprodukte zugrunde, als damals, als in München dieses Konzept vor sechs Jahren eingeführt wurde. (Beifall bei der SPD) Stadtrat Wohlfeil (KULT): Unsere Fraktion, die KULT-Fraktion, kann dem Antrag ebenfalls zustimmen. Wir halten die 25 % für ein Ziel, das finanziell auf jeden Fall trag- bar ist. Der finanzielle Aspekt darf natürlich beim Konzept weiterhin nicht vernachlässigt werden. Die Erhöhung auf 50 % müssten wir noch in der Fraktion besprechen, gerade auch, weil es um regionale und saisonale Produkte geht und man vielleicht, wenn man den Bioanteil erhöhen würde, dann nicht unbedingt etwas regional Biologisches findet. Man sollte eher das Gesamtpaket betrachten. Insbesondere freut uns bei dem finanziellen Aspekt auch, dass es durch die zentrale Versorgung vielleicht auch Einsparungsmöglichkeiten gibt und natürlich, dass wir ab 2015 vielleicht auch Unterstützung vom Land bekommen. (Beifall bei der KULT) Stadtrat Høyem (FDP): Seit 30 Jahren bin ich beruflich für große Kantinen zuständig. In Dänemark, in Oxford, in München und die letzten 14 Jahre in Karlsruhe, wo wir un- gefähr 500 warme Mahlzeiten pro Tag servieren. Ich kann versichern, dass überall im Kantinenausschuss sehr heftig und leidenschaftlich debattiert wird. Ich habe jede Ernäh- rungsmode miterlebt. Jedes 5. Jahr kommt eine neue Mode und wird mit missionari- scher Leidenschaft verbreitet. Einmal war Milch absolut notwendig, dann war sie plötz- lich schädlich. Fleisch war absolut notwendig für aufwachsende Jungen. Aber dann war es plötzlich doch nicht gut. Man soll viel mehr Fisch essen. Dann waren Früchte und Gemüse nahezu heilige Notwendigkeiten und Reis, viel Reis. Aber Reis ist auch sehr un- terschiedlich. Dann soll alles Bio sein, aber über die verschiedenen Bioqualitäten kann man sich auch lange unterhalten. Denken Sie zurück an Ihr Essen als Kind und wie es sich verändert hat. Jedes Mal mit überzeugenden Gründen und Argumentationen. Im Kantinenausschuss sind alle guten Kräfte zusammen: Eltern, Schüler, Lehrer, Caterer. Die haben genauso viele Informationen für die Diskussionen wie unsere Grüne-Fraktion - 5 - oder die Karlsruher Verwaltung. Sie haben noch einen Vorteil, nämlich dass sie dezent- ral und lokal diskutieren und entscheiden. Gerade in einer Institution wie meiner, wo wir Essen für Dreijährige und für 20jährige bereiten, braucht es dezentrales und lokales Wissen. Es tut mir leid, aber dieser gutmenschliche Antrag ist ganz einfach ein Schreibtischpro- dukt. Ich gebe nur drei Beispiele: - In der Stellungnahme auf S. 3 steht: "Ein Bio-Mittagessen kostet im Durchschnitt nur 30 Cent und damit 16,48 % mehr als ein vergleichbares Essen." Wie kann man für 16,48 % das Wort "nur" benutzen? Falls ich so in meiner Schule argu- mentieren würde, würde ich sofort von Eltern und Schülern als arrogant und weltfremd ausgebuht werden. Für viele Menschen ist Essen schon teuer. 16,48 % sind keine Bagatelle. - Auf S. 2 steht: "Die Organisation der Mahlzeiten ist dezentral, jede Stelle küm- mert sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit selbst um die Versorgung ihrer Klientel mit Mahlzeiten." - Ja, genau. Die kümmern sich ehrlich und engagiert. Die brau- chen bestimmt keine zentralistischen besserwissenden Essensmissionare. Das würde mit Recht als Beleidigung empfunden werden. Deshalb muss man auch mit Beratungs- und Betreuungsämtern zahlreiche Fachkräfte, sogar Mentoren- netzwerke regeln, mit der Devise: Wenn die dezentralen und lokalen Leute Bio- essen nicht als Wunder verstehen, dann müssen sie beraten werden, bis sie es verstehen. Aber Essenszwang ist gefährlich. Lassen Sie uns daran erinnern, was der Präsi- dent Georg W. Bush 1990 sagte. Er hat gesagt: "Ich mag keinen Brokkoli. Ich mochte ihn nicht, seit ich klein war und meine Mutter mich zwang, ihn zu essen. Ich bin Präsident der Vereinigten Staaten. Ich werde keinen weiteren Brokkoli es- sen." Aber um sich gegen Essenszwang zu wehren, muss man nicht notwendigerweise Präsident sein. - Auf S. 4 das dritte Beispiel: "Flankierende Unterstützungsmöglichkeiten sind in Baden-Württemberg für den Zeitraum ab Mitte 2015 zu erwarten, da dann die Landesregierung mit Bio-Lebensmitteln bei der Außer-Haus-Verpflegung einen Schwerpunkt setzen will." Liebe Karlsruher, das Essen wird teurer, das Essen wird zentralisiert verordnet. Eure lo- kalen Erfahrungen brauchen wir nicht mehr. Ob das Essen besser schmeckt, ist schwie- rig zu sagen. Aber alle sollen sich freuen, weil es politisch korrekt wird. Wie Sie hören, lehnen wir diesen Antrag ab. (Beifall bei der FDP) - 6 - Stadtrat Fostiropoulos (Die Linke): Lieber Kollege Høyem, ich hätte mir erhofft, dass Ihr Redebeitrag in eine andere Richtung geht. Nicht sagen, weil Bio etwas teurer ist, wollen wir es nicht. Sondern wir wollen hohe Qualität beim Essen, vor allem in öffentli- chen Einrichtungen und vor allem in unseren Schulen, in unseren Kitas, in den Kran- kenhäusern. Wenn es mehr kostet, müssen wir uns etwas einfallen lassen, wie wir es bezahlbar machen. Wir haben schon einen Antrag - ich dachte auch, einen gemeinsamen hier im Gemein- derat -, dass wir z. B. ein warmes Mittagessen kostenfrei zur Verfügung stellen, bitte aber gesund, schmackhaft und bio und nicht irgendetwas, nicht immer nur Pommes, Schnitzel und Nudeln. Das macht die Kinder nur dick. Da hätte ich mir eher erhofft, Sie hätten an die gemeinsamen Anträge und Zustimmungen erinnert und gesagt, ja, wir wollen gesunde Nahrungsmittel. Dieser Gemeinderat soll dieses Essen subventionieren, denn andere Projekte werden ständig subventioniert. Ich möchte ein kostenfreies Essen in unseren Schulen und Ganztageseinrichtungen, aber gesund und bio. Stadtrat Kalmbach (GfK): Es ist toll, wenn man über gutes Essen spricht. Ich esse sehr gerne. Deswegen stehe ich zu diesem Antrag. Aber ich glaube, wenn man über gutes, qualitätsvolles Essen spricht, muss man über mehr sprechen, als die Erzeugung von Bio- nahrung. In allen Kulturen in der ganzen Weltgeschichte war Essen auch immer Ge- meinschaft. Es war Beziehung von Menschen. Was nützt das tollste Essen in einer ollen Kantine, in der einfach keine Atmosphäre ist, wo kein Ambiente ist, in dem man gerne isst. Wenn man Konzepte erstellt, sollte man nicht nur ein Essenskonzept, sondern auch ein Umfeldkonzept dazu erstellen. Wie sollte eine Kantine aussehen, damit Menschen sich gerne dort aufhalten, dann auch gerne dort essen? Das wäre mein Zusatz zu diesem Antrag. Aber ansonsten bin ich dafür. Stadtrat Høyem (FDP): Nur eine Bemerkung, weil Kollege Fostiropoulos mich direkt angesprochen hat. Meine ganze Rede war, Herr Fostiropoulos, dass der Gemeinderat nicht entscheiden soll, was in den Schulen passiert. Das sollen Sie, Herr Fostiropoulos bestimmen. Das können wir dann zusammen tun. Der Vorsitzende: Ich habe überwiegend Zustimmung zur Antwort der Verwaltung wahrgenommen, dass wir ein Konzept erstellen. Es gab den Vorschlag, dass 25 % nicht das Ende der Tage sind. Es gab den Vorschlag, dass man das Thema regionale Produkte und natürlich auch gesunde Produkte - denn es gibt natürlich auch Biopommes und Bioschnitzel - mit in die Diskussion einbezieht. Wenn ich das so zusammenfassen kann, dann haben wir den Tagesordnungspunkt hier mit Erfolg diskutiert. - 7 - Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 3. November 2014