Badisches Staatstheater - Sanierung und Erweiterung
| Vorlage: | 2013/0310 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 18.12.2013 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Kulturamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Südstadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 21.01.2014
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich beschlossen
Zusätzliche Dateien
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 57. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 21.01.2014 2013/0310 4 öffentlich Dez. 2 Badisches Staatstheater - Sanierung und Erweiterung Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Hauptausschuss 14.01.2014 2 vorberaten Gemeinderat 21.01.2014 4 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Hauptausschuss der geplanten Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters im dargelegten Rahmen grundsätzlich zu. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Kostenrahmen 125 Mio. € 62,5 Mio. € Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung Kontierungsobjekt: Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Kultur Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Das Badische Staatstheater wurde 1975 nach neunjähriger Planungs- und Bauzeit eröffnet. Nach rund 40 Jahren besteht ein umfassender Sanierungs- und Modernisierungsbedarf. Neben der Sanierung der Gebäudehülle und aller technischen Anlagen (Haustechnik, Büh- nentechnik und -beleuchtung, Medientechnik), der Verbesserung der Raumakustik und des Brandschutzes müssen vor allem erhebliche Flächen- und Strukturdefizite behoben werden, die von Beginn an vorhanden waren. Bedingt durch einen sehr restriktiven Kostenrahmen, wurde das geplante Schauspielhaus damals nicht ausgeführt und stattdessen die Schau- spielbühne in dem als Probebühne des Großen Hauses vorgesehenen Raumvolumen un- tergebracht. Durch beengte oder nicht adäquat vorhandene Flächen in allen Bereichen werden die Arbeitsbedingungen und Betriebsabläufe erheblich belastet. Einzelne Teilberei- che sind - verbunden mit großem logistischen Aufwand für den Betrieb - inzwischen extern untergebracht, so zum Beispiel die Probebühnen Oper in der Nancyhalle oder das Junge Staatstheater in der ehemaligen Spielstätte der "Insel". Aus der Analyse der räumlichen, funktionalen, baulichen und technischen Defizite heraus wurde gemeinsam mit dem Theater ein umfangreiches Bauprogramm entwickelt mit dem Ziel, alle Spielstätten mit den dazugehörenden Produktionsflächen wieder am Hauptstandort in der Baumeisterstraße zu konzentrieren. Unter Einbeziehung der bestehenden Substanz sollen die Funktionsbereiche neu geordnet und durch Neubauten bzw. Anbauten ergänzt werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei im Neubau eines Schauspielhauses, ein anderer in der Erweiterung der Werkstätten. Die geplanten Erweiterungen erfordern die Klärung der stadträumlichen und freiräumlichen Beziehungen. Das Staatstheater liegt an der Nahtstelle zwischen Kernstadt und Südstadt. Durch den Bau der Kombilösung und der daraus hervorgehenden Umstrukturierung von Kriegsstraße und Ettlinger Straße erfährt das gesamte Umfeld um das Staatstheater eine neue Bedeutung. Alle angrenzenden Freiräume positionieren sich im Stadtgefüge neu. Bei den weiteren Planungen muss deshalb nicht nur die Frage der städtebaulichen Einordnung beantwortet werden, sondern auch die Öffnung des Theaters zur Innenstadt, die Wegebe- ziehungen zwischen den Stadtteilen und die Freiraumgestaltung in größerem Kontext be- rücksichtigt werden. Für das gesamte Bauvolumen wurde auf der Basis eines Testentwurfs ein Kostenrahmen von zunächst 120 Mio. € ermittelt. Darin ist die Sanierung des Bestands mit rd. 60 Mio. € enthalten, der Neubau des Schauspielhauses mit rd. 40 Mio. €. Bei der weiteren Bearbei- tung zeigte sich, dass die Einhaltung des Anteils für das Schauspielhaus nur erreichbar sein Ergänzende Erläuterungen Seite 3 würde durch zusätzliche Reduzierungen des Bauprogramms, verbunden mit Einschränkun- gen für den Betrieb und ggf. erneuten Anmietungen. Deshalb wurde der Kostenrahmen auf Gesamtbaukosten von 125 Mio. € erhöht (Anteil Schauspielhaus jetzt 45 Mio. €). Die Kosten sind von Land und Stadt jeweils hälftig zu übernehmen. Aufgrund der langen Planungs- und Bauzeit wurde vereinbart, dass die Kosten ab dem Vor- liegen des Wettbewerbsentwurfs der Baupreisentwicklung (Index) anzupassen sind. Es ist beabsichtigt, das Gesamtvolumen in mehreren Abschnitten, so genannten Modulen, umzusetzen. Mit diesem Vorgehen soll den begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten von Land und Stadt und der Forderung nach einem weitgehend unterbrechungsfreien Betrieb ohne größere Provisorien und Ausweichmöglichkeiten während der Bauzeit Rechnung ge- tragen werden. Als erstes Modul ist die Erweiterung um ein Schauspielhaus geplant. Damit können gleich zu Beginn wesentliche Defizite für den Spielbetrieb behoben und gleichzeitig eine räumlich- strukturelle Entspannung für das weitere Vorgehen und den Betrieb, also für die Mitarbeite- rinnen und Mitarbeiter, geschaffen werden. Der bisherige Planungsansatz geht von folgenden Modulen aus: Modul 1: Schauspiel Schauspielhaus (einschl. 2 Probebühnen) Junges Staatstheater (einschl. 2 Probebühnen) Studiobühne (einschl. 1 Probebühne) Werkstattbühne Büroflächen Direktion Schauspiel Modul 2: Funktionsbereiche musikalischer Apparat und Werkstätten Orchesterdirektion, Orchesterprobe, Übungsräume Probebühnen Oper und Ballett Schreinerei, Schlosserei, Montagehalle, Waffenmeisterei, Plastiker-Werkstatt, Deko- und Requisitenwerkstatt, Malersaal Modul 3: Sanierung Bestand erfolgt teilweise schon begleitend zu Modul 1 und 2 Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Im Rahmen der Aufgabenteilung liegen Planung und Umsetzung der Baumaßnahmen für das Staatstheater beim Land. Vermögen und Bau, Amt Karlsruhe bereitet derzeit die Auslobung eines Planungswettbe- werbs mit städtebaulicher und landschaftsplanerischer Komponente vor. Die Auslobung wurde im Planungsausschuss am 17.10.2013 vorgestellt. Nach endgültiger Verabschiedung der Auslobung durch den Verwaltungsrat soll voraussicht- lich ab Mitte Februar 2014 das europaweite VOF-Verfahren, in das der Wettbewerb einge- bettet ist, gestartet werden. Die Wettbewerbsentscheidung wird für Herbst 2014 erwartet. Unter Voraussetzung der entsprechenden Mittelbereitstellung kann von einer Realisierung des ersten Moduls ab Ende 2017 ausgegangen werden. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Hauptausschuss der geplanten Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters im dargelegten Rahmen grundsätzlich zu. Hauptamt - Ratsangelegenheiten . 14. Januar 2014
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4-8 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Orchesterräume Der Orchesterprobenraum ist in Fläche und Volumen zu gering ausgelegt. Daneben ist er hinsichtlich der Akustik und der Klimatisierung unzulänglich und die Ausstattung ist verbraucht . Die Nebenräume des musikalischen Apparats sind akustisch schlecht voneinander getrennt bzw. unterdimensioniert oder fehlen gänzlich. Chor (Obergeschoss) Der Badische Staatsopernchor verfügt über eine geringe und baulich verbrauchte Raumausstattung. Die Garderoben sind nach der Arbeitsstättenverordnung überbelegt. Es fehlen Sanitäreinrichtungen und Bereitschaftsräume. Foyer Die Foyerbereiche sind für heutige Nutzung überdimensioniert. I n Hinsicht Barrierefreiheit, Bauakustik und Energieverbrauch entsprechen sie nicht dem heutigen Stand der Technik und den derzeitigen Anforderungen. Die Nutzung des Foyers als Veranstaltungsraum erfordert brandschutztechnische Maßnahmen. Großwerkstätten Die Kernwerkstätten sind in ihren Räumlichkeiten sehr beengt. Eine Abtren nung von Maschinen- und Werkräumen besteht nicht. Ein zweiter kleiner Malsaal sowie eine Dekoration swerkstatt sind nicht vorhanden. Es fehlen Umkleide- und Sanitärräume für die weiblichen Mitarbeiterinnen. Kostümwerkstatt Die Kostümwerkstatt ist zu eng bemessen und das Raumklima zu verbessern . Es fehlt an Arbeitsfläche und Stauraum, Anprobe- und Umkleideflächen, ein Pausenraum fehl t ganz. Probebühnen Die vorhandenen szenischen Probebühnen sind in Anzahl, Grundrissfläche, Raumhöhe und Anordnung im Haus unzureichend. 5-9 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Bei umfangreichen Sanierungen, Umbauten und Erweiterungen sind die einzelnen Aspekt e entsprechend der heute geltenden Normen und Vorschriften in einem dann neu zu formulierenden Brandschutzkonzept aufzunehmen. Ohne diese Eingriffe kann entsp rechend der bauzeitlichen Genehmigung grundsätzlich vom Bestandsschutz ausgegangen werden. Brandschutz 5 Aufgrund der durchgeführten Bestandsaufnahname und der vorliegenden Unterlagen kann von einem baurechtlich genehmigten Gebäudebestand ausgegangen werden, d essen Sicherheits- konzept auf der Grundlage des zum Errichtungszeitpunkt geltenden Baurechts beruht . Im baurechtlichen Sinne besteht grundsätzlich kein Anpassungsverlangen an heutige gesetzliche Regelungen, wenn keine Gefährdungen festgestellt werden. Akute Gefährdungen sind entsprech- end der durchgeführten Brandschauen im Bestand nicht gegeben. Die Bauordnungsbehörde und die Branddirektion haben die erkannten Defizite nach dortiger Auskunft in ihre Gefäh rdungs- bewertung im Bestand einbezogen. Verbesserungen im Bereich des baulichen und anlagentechnischen Brandschutzes haben eine deutliche Erhöhung des Sicherheitsniveaus im Gebäude gegenüber dem Errichtungszeitpunkt gebracht. Diese Maßnahmen wurden dabei jeweils unter Beachtung der zum Ausführungszeit punkt aktuellen Normen und Richtlinien (u. a. MLAR 2000) ausgeführt. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das bauliche und anlagentechnische Gesamtbrandschutzkonzept des Gebäudes nicht dem heute geltenden Sicherheitsstandar d (manifestiert durch die VStättVO und die LBO mit Stand 2004 bzw. 2010) entspr icht. Im Rahmen einer Generalsanierung, des tiefgreifenden Umbaus oder baurechtlich relevanten Umnutzungen des Gebäudes bzw. der Errichtung von Erweiterungsbauten erlischt der Bestandsschutz. Infolge der durchgeführten Brandschauen wurden die durch die Branddirektion f estgestellten baulichen Defizite jeweils zeitnah im Rahmen des Bauunterhalts bereinigt. Die Berei nigung organisatorischer Defizite fällt in die Zuständigkeit des Theaterbetreibers, der aufgrund der beengten räumlichen Verhältnisse seinen Verpflichtungen zur Freihaltung der Rettungsw ege jedoch nur bedingt nachkommen kann. 6-10 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Gebäudetechnische Anlagen - Heizung / Lüftung / Sanitär 6 Für nachfolgende Anlagenkomponenten sollte im Rahmen einer baulichen Sanierungsmaßnahme zumindest mittel- bis langfristig ein Austausch bzw. eine Erneuer ung erfolgen: Abwasseranlagen ( Abwasserleitungen, fettführendes Leitungssystem, Fettabscheideranlage, Schmutzwasserhebeanlagen, Abscheideranlage im Malsaal, die Abschottung der Rohrleitungen bei der Querung von feuerbeständigen Wänden und Decken gemäß den Regelungen der MLAR.) Wasseranlagen (Rohrsystems des bestehenden Trinkwassernetzes, Warmwasserbereitung, Enthärtungsanlage, altersbedingt verschlissene Sanitärobjekte) Brandschutzeinrichtungen (Rohrnetz der Feuerlöschanlage, Sprühflut- und Sprinkleranlagen) Wärmeversorgungsanlagen (sekundäre Heizungsverteilungsnetz, Raumheizflächen, Luftkanalsysteme bei Einbeziehung in neues Entrauchungskonzept) 7-11 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Gebäudetechnische Anlagen – Elektrotechnik 7 Für nachfolgende Anlagenkomponenten sollte im Falle einer baulichen Sanierungsmaßnahm e zumindest mittel- bis langfristig ein Austausch bzw. eine sukzessive Erneuerung erfolgen: Hoch- und Mittelspannungsanlagen (langfristiger Austausch) Eigenstromversorgungsanlagen (Batteriezentrale prioritär, Netzersatzversorgung bzw. über Leitungswege Niederspannungsschaltanlagen (bei Erlöschen des Bestandsschutzes, Niederspannungshauptverteilung) Niederspannungsinstallationsanlagen (prioritär Hauptpotentialausgleich, Standorte der Elektro-Unterverteilungen) Beleuchtungsanlagen (Sicherheitsbeleuchtung, Batterie, Unterverteilung, Verkabelung, Arbeits- und Probenbeleuchtung, Arbeitsplatzbeleuchtung) Blitzschutz- und Erdungsanlagen (Erneuerungsbedarf nicht abschließend geklärt) Elektroakustische Anlagen (Verkabelung der Inspizientenanlage) Gefahrenmelde- und Alarmanlage (entspricht nicht den heutigen Auflagen) 8-12 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Bühnentechnik 8 Bühnenmaschinerie Großes Haus (Oper) Die Bühnenmaschinerie wurde 1975 in Betrieb genommen und von 1991-1995 ein Großt eil der Obermaschinerie erneuert. Die Steuerung wurde 2008 teilsaniert, die Unterm aschinerie erfuhr 2005 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. Die Bühnennebenflächen (Seiten- und Hinterbühne) können nicht durch Tore v on der Bühne getrennt werden. Die Änderungsvorschläge sind im Kapitel 3.6 des Gutachtens dargestellt. Änderungsvorschlag „Minimalkatalog“ Das Konzept betrachtet die notwendigen Änderungen, die für eine Modernisierung und Erweiterung der Bühnenmaschinerie des Großen Hauses unter Beibehaltung des bisherigen Raumkonzeptes neben der Beseitigung der Sicherheitsmängel notwendig sind. Änderungsvorschlag „ Funktional katalog“ Das Konzept betrachtet die notwendigen Änderungen, die beim Umbau zu einem vollwertigen Musiktheater mit Modernisierung und Erweiterung der Bühnenmaschinerie des Großen Hauses, sowie der Beseitigung der Sicherheitsmängel, notwendig sind. 8-13 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Änderungsvorschlag „ Funktional katalog“ Das Konzept betrachtet die notwendigen Änderungen, die bei Neu- bzw. Umbau zu einem vollwertigen Schauspielhaus neben der Beseitigung er Sicherheitsmängel notwendig si nd. Bühnenmaschinerie Kleines Haus (Schauspiel) Die Bühnenmaschinerie wurde 1975 in Betrieb genommen und im Jahr 1985 dringend benöt igte Zugpositionen nachgerüstet. Altersbedingt wird die Bühnenmaschinerie aus Sicherheitsgründen regelmäßig durch einen Sachverständigen geprüft und gemäß dessen Forderungen laufend Sicherheitseinrichtun gen nachgerüstet. Der vorhandene Zustand bleibt trotzdem funktional und sicherheitstechnisch problematisch. Das jetzige Kleine Haus verfügt als Szenenfläche nicht über einen klassische n Bühnenturm mit vollwertiger Verwandlungsmaschinerie. Entgegen dem Ursprungskonzept handelt e es sich um eine nachträgliche Notlösung. Die bühnentechnische Anlage eignet sich nur für den Einrichtbetrieb, die Nutzung z u szenischen Zwecken ist nicht erlaubt. Die Änderungsvorschläge sind im Kapitel 3.6 des Gutachtens dargestellt. Änderungsvorschlag „Minimalkatalog“ Das Konzept betrachtet die notwendigen Änderungen, die für eine vollständige Modernisierung und Erweiterung der Bühnenmaschinerie unter Beibehaltung des bisherigen Raumkonzeptes neben der Beseitigung der Sicherheitsmängel notwendig sind. 8-14 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Bühnenbeleuchtung Großes Haus Generell ist eine Anlage vorzufinden, die durch den vorbildlichen Bauunterhalt einen ordent lichen Eindruck hinterlässt, altersbedingt aber langfristig den Anforderungen nicht gerecht werden kann. Bühnenbeleuchtung Kleines Haus Audio- & Videotechnik sowie Kommunikationstechnik Langfristig sind einige Anlagenteile (Steuerteil, Dimmer, Verteilung, Netzwerktechnik) auszutauschen. Im Kleinen Haus besteht die Notwendigkeit das System komplett neu zu organisieren . Da sich der Dimmerraum direkt neben dem Bühnenhaus auf der Höhe der Arbeitsstege be findet, hält sich der Installationsaufwand für eine komplette Neuinstallation in Grenzen. Bei einer Sanierung sind die Anlagen der Audio- & Videotechnik entsprechend dem aktuellen Stand der Technik zu erneuern und erweitern. Die Inspizientenanlagen beider Häuser sind dann vollständig zu ersetzen. (siehe auch: Kapitel 7 „Elektroakustische Anlagen“) 9-15 GERLING + ARENDT PLANUNGSGESELLSCHAFT mbH Raumakustik 9 Langfristig ist entsprechend den heutigen Erwartungen an die Besucherfreundlichkei t und den Ansprüchen an den künstlerischen Betrieb eine angemessene akustische Qualität des Klei nen und Großen Hauses zu erzeugen. Bei einem umfassenden Sanierungseingriff wird empfohlen: Großes Haus, Kleines Haus - akustische Optimierung des Saals - Reduzierung des Störpegels der Lüftungsanlage - Optimierung des vorhandenen Orchesterzimmers - Vergrößerung des Orchestergrabens in Richtung Zuschauerraum Orchesterprobenraum, Chorprobenraum - Anpassung der Nachhallzeit - Volumenerhöhung zur Reduzierung der Gehörbelastung Foyers - Verringerung der Nachhallzeit zur Herstellung der notwendigen Sprachverständlichkeit für die Alarmierungsanlage Probenräume, Einzelproben / Repetition - Verbesserung der Schalldämmung - Anpassung der Nachhallzeiten
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1 Zielvorstellung des Theaters: „Staatstheater in der Zukunft“. Vor der Perspektive einer grundlegenden Sanierung mit Erweiterungsbauten gilt es, die Theaterentwicklung der nächsten Jahrzehnte zu antizipieren. Dabei ist das Theater in seiner gesellschaftlichen Rolle zu reflektieren. Wie bleibt Theater Teil unserer Alltagskultur? Welche Aufgaben, welche Entwicklungen kommen auf das Theater in den nächsten Jahren zu? Die Entwicklung geht weg von ausschließlich abends geöffneten Gebäuden für Hochkultur hin zu ganztägig offenen Kulturzentren. Kulturell genutzte Flächen in Stadtzentren sind kostbarer Raum. In einem zunehmend von starken visuellen Eindrücken geprägten urbanen Umfeld muss ein Theater klar kenntlich als Institution/Marke identifizierbar sein und aktiv über sein Inneres informieren. Das Gebäude sollte auf möglichst große Entfernung sagen, „Hier ist ein Theater - und das bieten wir heute, morgen und übermorgen an“. Dabei sollte es so attraktiv sein, dass jeder angezogen wird: Theater als gestalteter Stadtraum und als überregionale auch architektonische Attraktion. Wer da ist, erfährt aus der Nähe mehr Details und wird letztlich hineingezogen – ganztägig. Die Foyers sollen von morgens bis in die Nacht geöffnet sein und genutzt werden. Dafür braucht es Binnenräume, die vielfältige Verwendungen und Angebote ermöglichen und auf diese Weise umfassender, als „nur“ zum Theater einladen. Wechselnde Ausstellungen, ein Café und ein Restaurant sowie Sitzmöglichkeiten, die keinen Konsum voraussetzen, und WLAN laden ein, das Foyer als Aufenthalts- und Arbeitsort anzunehmen. In einer Zeit, in der Theater nicht mehr zur selbstverständlichen Freizeit- beschäftigung einer Gesellschaft gehört, sondern in der verschiedenste gesell- schaftliche Gruppen immer wieder neu für das Theater begeistert werden müssen, hat Theater die Aufgabe nicht nur physisch barrierefrei sein. Wichtig ist auch die Transparenz der Theaterarbeit im Entstehungsprozess. Der Beteiligung der Bürger am Theaterprozess, dem Selbst-Kreativ-Werden kommt eine immer größere Bedeutung zu. Wo immer möglich sollte die Arbeit des Theaters sichtbar sein. Aus dem Straßenraum und eventuell den Foyers einsehbare Werkstätten, Proberäume, Übezimmer und Büros machen den Prozess Theater als Kunst im ständigen Fluss sichtbar und wecken die Lust den entstehenden Prototyp – die Premiere – als Ergebnis zu erleben. Das Ziel der Erweiterung und Sanierung des Bätzner-Baues ist ein umfassend „offenes Theater“, welches sich den gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen initiativ, ideenreich und flexibel stellt und umfassende Visionen für zukünftige Nutzungen entwickelt.
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1 Badisches Staatstheater Sparten und Eckdaten Das Badische Staatstheater ist ein Mehrspartenhaus mit den Sparten Oper, Schauspiel, Ballett, Kinder- und Jugendtheater, Volkstheater sowie Konzert. Im Bereich Oper finden 130 - 140 Aufführungen je Spielzeit statt davon 115 – 125 im Großen und 13 - 16 im Kleinen Haus. Im Ballett finden 55 – 60 Aufführungen je Spielzeit statt davon 45 - 50 im Großen und 8 - 10 im Kleinen Haus. Im Schauspiel finden 340 - 350 Aufführungen je Spielzeit statt davon 15 - 20 im Großen Haus, 150 - 180 im Kleinen Haus und 140 - 150 im Studio. Im Jungen Staatstheater finden derzeit 140-155 Aufführungen je Spielzeit statt, davon 20-25 im Kleinen Haus und 120-130 in der Insel. Das Junge Staatstheater ist neben den Aufführungen wesentlich auch durch Workshops und theaterpädagogische Arbeit bestimmt. Da das Junge Staatstheater im Aufbau befindlich ist, steigen die Aufführungszahlen kontinuierlich. Ziel ist ein Betrieb mit ca. 220-240 Aufführungen in der eigenen Spielstätte und ca. 25 Aufführungen im Kleinen Haus. Im Bereich Konzert finden 50-55 Konzerte je Spielzeit statt, davon 36-40 im Großen Haus, 10-13 Konzerte im Kleinen Haus und 2-3 in der Insel. Insgesamt finden derzeit (mit Gastspielen) 740-760 Veranstaltungen je Spielzeit statt, davon 220-235 im Großen Haus, 230-245 Veranstaltungen im Kleinen Haus, 140-150 Veranstaltungen im Studio, 120-130 Veranstaltungen in der Insel statt. Dazu kommt der umfangreiche Abstecherbetrieb des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, bei dem Aufführungen aller Sparten national und international als Gastspiele außerhalb Karlsruhes stattfinden. Sämtliche Produktionen werden in hauseigenen Werkstätten hergestellt. Der Spielplan sieht auf allen Bühnen täglich wechselnde Produktionen vor. Da die Bühnen auch als Probebühnen genutzt werden, müssen Dekorationen täglich auf- und abgebaut werden. Hierzu sind mehrere Transportfahrten zum Zentrallager erforderlich, das im Jahre 2003 am Rande des Stadtgebietes errichtet wurde. Im Betriebsablauf, insbesondere im Bühnenbereich, drohen jederzeit durch Überalterung der Substanz und durch überalterte Anlagenteile der Haus- und Bühnentechnik gravierende Störungen. Die Werkstätten entsprechen in Teilen nicht mehr den arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen und sind nur durch Kompromisse weiterzuführen. Die funktionalen Anforderungen stehen kritisch im Konflikt zum Brandschutz. Das Risiko des Versagens wächst. Eine Reparatur im Einzelnen verbietet sich, da grundsätzliche Erneuerungen und Anpassungen notwendig sind. Umfangreichere Arbeiten lassen sich nur im Zusammenhang mit längerer Nutzungsunterbrechung realisieren und ziehen jeweils eine Reihe von Folge- und Parallelmaßnahmen nach sich. Die Restlebensdauer der einzelnen Gebäude- und Anlagenteile verbietet aus wirtschaftlichen Gründen aufwändige Reparaturen innerhalb eines teilweisen maroden oder veralteten Systems. Im technischen Anlagenbereich wird die Beschaffung von Anlagenteilen zunehmend problematischer. Bei Fortdauer des jetzigen Gebäude- und Betriebszustandes ergibt sich ein wachsender Finanzbedarf für den Erhalt der Funktionstüchtigkeit. Gleichzeitig steigen die mittelfristig unrentierlichen Investitionen und die Gefahr eines Betriebsausfalls. Eckdaten des Theaterbetriebs: Mehrspartentheater mit eigenen Ensembles für Oper und Konzert, Ballett, Schauspiel und Jungem Staatstheater Konzertbetrieb der Badischen Staatskapelle Großes Haus 1002 Sitzplätze Kleines Haus 330-385 Sitzplätze (Einraumtheater) Studiobühne 145 Sitzplätze Junges Staatstheater (Inseltheater, externe Spielstätte) 126 Sitzplätze insgesamt ca. 750 Vorstellungen pro Spielzeit ca. 600 Personen fest angestellt, zzgl. Aushilfen, Teilzeitkräfte, Praktikanten, Hospitanten Jahresetat ca. 47 Millionen Euro jährlich [705 Millionen in 15 Jahren] Flächendefizite und qualitative Verbesserungen Neben den vorhandenen bautechnischen Defiziten lassen vor allem die funktionellen Defizite keinen rationell zu organisierenden Theaterbetrieb zu. Kleines Haus, Junges Staatstheater, Studio- und Werkstattbühne Das bestehende Kleine Haus verfügt als Szenenfläche über keinen klassischen Bühnenturm mit vollwertiger Verwandlungsmaschinerie. Die bühnentechnische Anlage eignet sich nur für den Einrichtbetrieb, die Nutzung zu szenischen Zwecken ist nur eingeschränkt möglich. Das Junge Staatstheater ist in einer externen Spielstätte untergebracht. Die Räumlichkeiten sind beengt. Die Studiobühne ist in einer ehemaligen Probebühne untergebracht. Eine Werkstattbühne existiert gar nicht. Dekorationswerkstätten Die Dekorationswerkstätten, insbesondere Schreinerei, Schlosserei und Montagehalle aber auch Plastiker-Werkstatt, Deko- und Requisitenwerkstatt sowie Malersaal sind in ihren Räumlichkeiten ebenfalls sehr beengt. Eine Abtrennung von Maschinen- und Werkräumen besteht nicht. Es fehlt an Umkleide- und Sanitärräumen. Kostümwerkstätten Die Kostümwerkstätten mit Herren-, Damenschneiderei, Schuh- und Hutmacherei ist zu eng bemessen. Es fehlt an Arbeitsfläche und Stauraum, Anprobe- und Umkleideflächen, ein Pausenraum fehlt ganz. Orchesterprobenraum Der Orchesterprobenraum ist in Fläche und Volumen zu gering ausgelegt. Damit ist er hinsichtlich der Akustik und der Klimatisierung unzulänglich. Die Nebenräume des musikalischen Apparats sind akustisch schlecht voneinander getrennt bzw. unterdimensioniert oder fehlen gänzlich. Orchestergraben Der Orchestergraben des Großen Hauses ist für die aktuelle Orchestergröße von 100 Musikern zu klein. Einschränkungen bei Wahl der musikalischen Möglichkeiten sind die Folge. Chorprobenraum Der Chorprobenraum ist in Fläche und Volumen ebenfalls zu gering ausgelegt. Hinsichtlich der Akustik und der Klimatisierung ist er ebenso unzulänglich wie der Orchesterprobenraum. Dem Badischen Staatsopernchor mit Extra- und Kinderchor fehlen Überäume. Die Garderoben sind nach Arbeitsstättenverordnung überbelegt. Es fehlen Sanitäreinrichtungen Büroräume Erforderliche Büroräume von Teilen der künstlerischen Leitung (Schauspiel und Junges Staatstheater) wurden aus Platzmangel bereits an zwei unterschiedliche Orte ausgelagert. Nur einer der beiden Orte ist fußläufig erreichbar. Dennoch sind die am Ort vorhandenen Büroflächen für Leitung und Verwaltung nicht ausreichend und ohne bauliche Eingriffe nicht expansionsfähig. Probebühnen Aktuell sind nur noch drei Probebühnen (davon 2x Ballett) im Haus vorhanden. Diese sind in Grundrissfläche, Raumhöhe und Zugänglichkeit unzureichend. Alle Sparten benötigen Probebühnen (in der Regel 2 Stück), die es ermöglichen die Hauptspielfläche der jeweiligen Bühnen abzubilden. Deshalb sind alle weiteren Probebühnen (es werden insgesamt 9 Probebühnen benötigt) an verschiedenen Orten extern untergebracht. Durch Umstrukturierungen im Bestand und Bereitstellung von zusätzlichen Nutzflächen sollen dem Theater Betriebsstätten zur Verfügung gestellt werden, die technisch, betrieblich und energetisch optimiert sind. In diesem Zusammenhang werden auch zusätzlich qualitative Verbesserungen der Ausstattungen und Standards neben der zeitgemäßen Ertüchtigung zu sanierender Teile gefordert.
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NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 57. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 21. Januar 2014, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 5. Punk 4 der Tagesordnung: Badisches Staatstheater - Sanierung und Erweite- rung Vorlage: 2013/0310 dazu: Folgekostenberechnung Umbau Staatstheater/Gewinnung von privatem Kapital Ergänzungsantrag der Stadträte Lüppo Cramer und Dr. Eberhard Fischer, der Stadträtin Margot Döring (KAL) sowie der KAL-Gemeinderatsfraktion vom 17. Januar 2014 Vorlage: 2013/0347 Beschluss: Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Hauptausschuss der geplanten Sanie- rung und Erweiterung des Staatstheaters im dargelegten Rahmen grundsätzlich zu. Abstimmungsergebnis: Mehrheitlich beschlossen. Der Ergänzungsantrag wird mehrheitlich abgelehnt. Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 4 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Hauptausschuss: Das ist ein ganz wichtiger Schritt, den wir heute hier zur Abstimmung stellen. Das Badi- sche Staatstheater hat 40 Jahre auf dem Buckel, und die Technik und verschiedene an- dere Bereiche sind jetzt dringend sanierungs- und überarbeitungsbedürftig. Wir haben nicht nur im Brandschutz einiges zu verbessern, nicht nur die Technik ist in die Jahre gekommen, sondern - und da möchte ich mich ausdrücklich beim Land bedanken - man ist jetzt bereit, auch gewisse Geburtsfehler zu bereinigen. Wie Sie ja wissen, ist beispielsweise die Bühne des Schauspiels die eigentlich ursprünglich geplante Probe- bühne des Opernhauses. Das wirkt sich natürlich auf die ganze Logistik vor Ort, auf die Möglichkeiten des Probebetriebs, auch auf die Möglichkeiten überhaupt einer ange- messenen Schauspieldurchführung aus. Ich bin dem Land außerordentlich dankbar, - 2 - dass man aus verschiedenen Gründen über den Sanierungsbedarf hinaus jetzt auch be- reit ist, diese Defizite mit uns gemeinsam anzugehen und in doch sehr aufwendigen Vorplanungen und Diskussionen jetzt auch so weit zu sein, dass wir demnächst mit dem Architektenwettbewerb für die Sanierung/den Neubau des Staatstheaters beginnen können. Es wurde ein umfangreiches Bauprogramm entwickelt - mit dem Ziel, neben der Gene- ralsanierung alle Spielstätten und die dazugehörigen Produktionsflächen wieder an ei- nem Standort zu konzentrieren. Das ist ein weiteres wichtiges Ziel, das wir uns vorge- nommen haben, damit auch die Verteilung auf verschiedene Standorte im Stadtgebiet auf das notwendige Mindestmaß reduziert wird. Dazu werden wir dann noch einiges erfahren. Ganz wichtig ist uns auch, dass es nicht nur um ein abgeschlossenes Staatstheater in sich geht, sondern es geht auch um einen städtebaulich extrem wichtigen Standort, hier an einem ganz wichtigen Platz in unserer Stadt. Es ist eine Nahtstelle zwischen Südstadt und Kernstadt. Es ist dann auch eine zukünftige zentrale Stelle an der Kriegsstraße für unsere Kombilösung. Es ist natürlich, wenn man die Kriegsstraße dann in ihrer zukünf- tigen Gestaltung betrachtet, noch mal eine Aufwertung dieses neuen Mittel- und Treff- punktes der Stadt. Auch das ist natürlich alles beim Architektenwettbewerb intensiv zu berücksichtigen. Da merken Sie schon, welche Anforderungen hier auf diesen Wettbe- werb zukommen. Es geht um Funktionalität, es geht um Attraktivität, es geht aber auch um das Stadtbild und die zentrale Einbettung in unsere Stadt und damit um einige deutlich über das Theater hinausgehende Anforderungen. Für das gesamte Bauvolumen wurde ein Kostenrahmen von zunächst 120 Millionen Euro ermittelt. Bei der weiteren Bearbeitung zeigte sich dann, dass die Einhaltung dieses Kostenrahmens wahrscheinlich nur möglich sein würde unter Hinnahme funktionaler Einschränkungen beim Schauspielhaus. Ich bin sehr dankbar, dass auch das Land bereit war, zunächst mal für die Planung auf 125 Millionen Euro zu erhöhen, zunächst mal deswegen, weil wir mit dem Land auf einen Baukostenindex einigen konnten, d. h., in dem Moment, wo der Architektenwettbewerb abgeschlossen ist und man sozusagen weiß, welche funktionalen Bestandteile man für welchen Preis bekommt, wird auch ein Baukostenindex loslaufen, weil wir uns auch darüber im Klaren sind, dass eine Bauzeit, die sich möglicherweise über einige Jahre hinstreckt, natürlich auch Auswirklungen auf eine Verteuerung der einzelnen Bauanteile hat - eine Verteuerung, die sich eben aus der Inflation und auch aus Baukostenanstiegen ergibt, die jetzt nicht unbedingt mit neuen Anforderungen zu tun hat. Wir werden es im Laufe der Zeit ganz kritisch auch begleiten und sind auch mit dem Land einer Meinung, dass der ursprünglich gedachte Kosten- rahmen plus dieser Fortführung durch den Baukostenindex dann aber auch streng ein- zuhalten ist, so dass hier auch Planungssicherheit besteht. Mit der heutigen Beratung und dem Beschluss im Gemeinderat soll das Projekt grund- sätzlich mit dem genannten Volumen von 125 Mio. €, getragen je zur Hälfte von Stadt und Land, auf den Weg gebracht werden. Detaillierte Bau- und Finanzierungsbeschlüsse könnten selbstverständlich erst nach Vorliegen konkreter Planungen und Kostenberech- nungen zu den einzelnen Modulen getroffen werden. Das kommt dann alles noch mal zu einer ausgiebigen Beratung. - 3 - Zum Thema der Einpassung in das Stadtbild wollen wir dann natürlich auch Bürgerin- nen und Bürger und die interessierte Öffentlichkeit beteiligen, denn hier geht es - wie gesagt - um deutlich mehr als um den Neubau des Schauspiels und die Sanierung eines Theaters. Ich darf jetzt Herrn Bürgermeister Jäger das Wort erteilen, der noch ein wenig zu den Modulen, zum Zeitplan und auch zu der Neuausrichtung des Staatstheaters etwas aus- führen möchte. Ich möchte mich aber schon mal ganz herzlich bedanken - ich sehe auch den Generalintendanten, Herrn Spuhler, und auch Herrn Fulir hier bei uns im Saal - für die gemeinsame Anstrengung in den zurückliegenden Monaten, auch ausdrücklich beim Verwaltungsrat des Theaters. Aus den Reihen der Verwaltung sage ich ganz herz- lichen Dank an das Dezernat 2 und das Dezernat 6, insbesondere namentlich an Frau Dr. Asche und Frau Schlenker. Wir waren dann am Ende ein gutes Dreier-Team, das dann mitunter auch in Stuttgart die Interessen der Stadt Karlsruhe erfolgreich hochhal- ten konnte. Bürgermeister Jäger: Zum Grundsätzlichen: Die Entwicklung für das Theater geht heute weg von ausschließlich abends geöffneten Gebäuden für Hochkultur hin zu ganz- tägig geöffneten Kulturzentren. Mit der Nutzung des Foyers tagsüber durch die Stätten der Hochschulen ist insoweit bereits ein erster Schritt in diese Richtung getan. Wo im- mer möglich, sollte die ‚Arbeit des Theaters sichtbar sein und zur Teilhabe animieren. Vor diesem Hintergrund basieren die ganzen Projektüberlegungen. Die Umsetzung des Projektes Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters soll in mehreren Abschnitten erfolgen, wobei als erstes Modul der Neubau des Schau- spielhauses gesetzt ist. Damit tritt zum einen sofort eine Entlastung der beengten Ar- beits- und Produktionsverhältnisse ein, zum anderen kann auf größere Provisorien bei späteren Umbauphasen verzichtet und gleichzeitig der Spielbetrieb weiter durchgeführt werden. Als zweites Modul sind dann die Erweiterung der Werkstätten und die Ergänzung der Funktionsbereiche des musikalischen Apparates geplant. Damit verbunden sind auch ein Umbau und eine Neustrukturierung im Bestand. Eine Realisierung dieses Moduls vor dem Neubau des Schauspielhauses könnte durch die notwendigen großen Eingriffe in das Bestandsgebäude ohne eine längere Schließung des Spielbetriebes nicht umgesetzt werden. Als drittes Modul schließlich erfolgt die Generalsanierung des Bestandes mit den Arbei- ten, die nicht schon im Rahmen der vorangegangenen Bauabschnitte begleitend reali- siert wurden. Wenn dann mit dem abgeschlossenen Wettbewerb die Entscheidung für ein Planungs- konzept vorliegt, können erst dann belastbare Folgekostenabschätzungen für den Be- trieb getroffen werden. Auch die Akquise von Drittmitteln wird erleichtert, wenn die zukünftige Architekturidee für das Staatstheater ausformuliert ist. Insoweit bereitet der- zeit Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Karlsruhe, das europaweite VOF- Verfahren mit Architektenwettbewerb vor. Nach der Entscheidung dieses Wettbewerbs, - 4 - voraussichtlich im Spätherbst d. J., kann frühestens Ende 2017 vom Baubeginn des Schauspielhauses - Einstieg in das erste Modul - ausgegangen werden. Der Vorsitzende: Zwei Ergänzungen noch. Wir verpflichten uns natürlich mit diesem Grundsatzbeschluss auch zur finanziellen Be- teiligung der Stadt Karlsruhe mit der Hälfte der vorgesehenen Baukosten. Es stellt sich jetzt die Frage, ist das etwas, wo wir Ihnen empfehlen können, sich auf diese zusätzli- che finanzielle Belastung einzulassen. Wir können das mit gutem Gewissen. Wir haben es im Moment mit 62,5 Millionen zu tun, die aber über einen längeren Zeitraum dann ratenweise zu erbringen sind. Wenn Sie sich das etwa auf 10 Jahre vorstellen, dann merken Sie, dass Sie in eine Größenordnung kommen, die in unserem Haushalt jeder- zeit darstellbar ist. Ich möchte ausdrücklich noch einmal auf die Beteiligung des Landes verweisen und letztlich auch darauf, dass der Anlass nicht nur eine La-pour-la- Veranstaltung ist, sondern hier es um die konkrete Realisierung von Brandschutzmaß- nahmen. Es geht um die Realisierung von Arbeitsbedingungen, die auch für die Mitar- beiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere der Werkstatt, aber auch durchaus der En- sembles oder der Orchester eigentlich schon heute gar nicht mehr erträglich sind. Von daher würde ein Großteil dieser Kosten so oder so auf uns zukommen, egal wie man sich dann zu eventuellen Erweiterungen des Angebotes verhält. Zweite Feststellung. Ich rufe natürlich gleichermaßen mit der Beschlussvorlage der Ver- waltung auch den Ergänzungsantrag der Karlsruher Liste auf und stelle ihn hier zur Dis- kussion und zur Abstimmung. Damit können wir in die Diskussion einsteigen. - Herr Stadtrat Dr. Käuflein. Stadtrat Dr. Käuflein (CDU): „Staatstheater im Umbruch“, so haben es die Badischen Neuesten Nachrichten am vergangenen Freitag auf der Seite 1 betitelt, und so ist in der Tat. Nicht nur die Stadt Karlsruhe durch die vielen Baustellen im Umbruch, sondern beim Badischen Staatstheater steht das bevor. Es muss saniert werden, und es soll an- gebaut werden. Es geht heute, das ist schon gesagt worden, um einen Grundsatzbeschluss. Ich sage es vorweg, meine Fraktion wird diesem Grundsatzbeschluss zustimmen. Staatstheater und ZKM sind die beiden ganz großen Aushängeschilder für die Kultur in unserer Stadt. Kultur braucht immer eine Spitze und eine Basis. Wir als Fraktion unter- stützen beides, und beides sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Der Sanierungs- bedarf des nunmehr knapp 40 Jahre alten Staatstheaters ist unbestritten. In den beiden Einführungen in die Thematik wurde schon ausführlich darauf hingewiesen. Ebenfalls ist unbestritten, dass beim Bau des Staatstheaters - so muss man es rückblickend bewerten - an der falschen Stelle gespart wurde. Ich nenne nur ein herausragendes Beispiel. Das Schauspielhaus wurde damals nicht gebaut, eine Probebühne wurde zur Schauspiel- bühne gemacht. Auf die anderen Mängel wurde in den Einführungen auch schon ein- gegangen. Die funktionalen Mängel der Proberäume, der Werkstätten, der Brand- schutz, der nicht mehr gewährleistet ist - darauf wurde auch schon hingewiesen, aber ich will es noch mal für meine Fraktion fokussieren -, haben eklatante Auswirkungen auf die Mitarbeiterschaft des Badischen Staatstheaters. Manche Funktionen sind derzeit - 5 - ausgelagert, Sanierung und Anbau können dann dazu führen, dass diese Funktionen, ich nenne nur Nancyhalle und Insel-Theater als Stichworte, wieder am Ort in der Bau- meisterstraße zusammengeführt werden. Die finanzielle Dimension ist vorgestellt worden. Es geht Stand heute um 125 Millionen Euro, entsprechend des Staatsvertrags hälftig von Stadt und Land zu tragen. Bei einer prognostizierten Bauzeit von 10 Jahren sind das für die Stadt 6,25 Millionen Euro pro Jahr. Das ist aus unserer Sicht machbar. Wir begrüßen ganz ausdrücklich, dass das Vorhaben in so genannten Modulen erfolgen soll, die mit so genannten Sollbruchstellen ausgestattet sind. Das bedeutet, wenn die Kosten unvorhergesehen steigen oder wenn sich die finanzielle Situation der Stadt un- vorhergesehen verschlechtert, können wir das Projekt zeitlich strecken oder können - das wollen wir nicht, aber müssen wir möglicherweise - aus dem Projekt wieder aus- steigen. Drei große Module sollen ja nacheinander verwirklicht werden. Wir erwarten als Stadt vom Land - das Land wird ja die Federführung beim Bau haben -, dass ein ganz striktes Controlling stattfindet, auch im Blick auf die Kosten. Wir begrü- ßen - ein weiterer Punkt -, dass die Kosten für den Bau, Stand heute 125 Mio. €, an einen allgemeinen Baukostenindex gekoppelt werden. Das sollten wir bei allen Projek- ten dieser Art künftig machen. So etwas schafft Kostentransparenz. Zum schon mit aufgerufenen, wenn auch noch nicht vorgestellten Ergänzungsantrag der KAL einige wenige Bemerkungen. Wir sehen die Idee, die auch in der Haushaltsrede zur Sprache kam, dass der städtische Zuschuss für das Theater an bestimmte inhaltliche Bedingungen gekoppelt werden soll, kritisch. Eine solche inhaltliche Einflussnahme auf das Staatstheater wünschen wir nicht, selbst wenn die KAL jetzt an der Stelle sagt, diese Bedingungen sind eigentlich erfüllt, also Entwicklung des Theaters im Sinne einer Bil- dungseinrichtung - ich nenne die Stichworte nur, sie werden sicher nachher von den Kollegen der KAL begründet - und eine Öffnung des Theaters für alle. Inhaltlich begrüßen wir es, dass es so ist. Wir möchten nicht inhaltliche Bedingungen aufstellen und sagen, Staatstheater, du bekommst nur Geld, wenn du das und das machst. Das wäre auch schon wegen der Kunstfreiheit kritisch. Richtig ist der Hinweis auf das Erfordernis, privates Kapital zu akquirieren. Da muss man rückblickend im Blick auf das Staatstheater sagen, da sind Gelegenheiten verpasst worden. Aus dem Verwal- tungsrat wissen wir, dass die neue Leitung des Theaters dort auf einem sehr guten Weg ist. Die Mittel, die in Karlsruhe da akquiriert werden können, sind endlich. Wir alle wis- sen, dass sehr viel Geld nach Baden-Baden in das Festspielhaus geflossen ist. Richtig ist auch der Hinweis darauf, dass die Theaterbesucher einen finanziellen Beitrag leisten müssen. Im Verwaltungsrat haben wir eine moderate Anhebung der Kartenprei- se beschlossen. Wir haben auch die teuren Karten im Zuschauerraum ausgeweitet. Es gibt ja nicht wirklich schlechte Karten im Staatstheater. Wir haben das so in Anfüh- rungszeichen als „Robin-Hood-Prinzip“ gekennzeichnet, wie wir das gemacht haben. Wir haben die teuren Karten angehoben, dass mehr Geld in die Kasse kommt, haben die preiswerten Karten aber belassen in ihrer Preisgestaltung, weil wir der Überzeugung - 6 - sind, dass Kultur nicht am Geldbeutel scheitern darf. In diese Richtung, also moderate Preiserhöhungen, müssen wir uns weiter bewegen. Zutreffend ist schließlich auch der Hinweis auf die Folgekosten. Wir erwarten von einer Sanierung des Gebäudes, dass die Folgekosten, die Betriebskosten für das Gebäude durch eine Optimierung der Funktionen für das Staatstheater sinken werden. Eine wirk- liche Auskunft darüber kann man aber erst geben, wenn die Entwürfe, die der Wett- bewerb bringen wird, auf dem Tisch liegen. Wir erwarten, dass die Einsparung der Be- triebskosten als Kriterium in die Wettbewerbsausschreibung mit einfließt. Klar ist auch, dass wir die Öffnung des Theaters, also des Gebäudes, auch die inhaltliche Ausrichtung - Stichwort: Theater für alle - mittragen, aber dass das nicht dazu führen darf, dass die Kosten für den Betrieb des Theaters steigen. Darüber werden wir zu ge- gebener Zeit noch im Verwaltungsrat zu reden haben. Es berührt die Bauangelegenhei- ten nur mittelbar, deswegen will ich an dieser Stelle nicht mehr dazu sagen. Ich schließe mit dem Hinweis, dass wir heute erneut ein Großprojekt auf den Weg brin- gen. Wir haben zwar eine Liste der großen Projekte für die nächsten Jahre, haben die aber noch nicht im Gemeinderat, auch nicht in der Strukturkommission, erörtert. Da hoffe ich auf die Klausur- oder Sondersitzung der Strukturkommission, die bevorsteht. Trotz dieses Vorbehalts, dass wir noch nicht wirklich über das Gesamtpaket, was wir an Großvorhaben in den nächsten Jahren hier zu entscheiden haben, gesprochen haben, stimmen wir gerne zu. (Beifall bei der CDU) Stadträtin Dr. Leidig (GRÜNE): Auf eine öffentliche Debatte über das Thema Sanie- rung und Umbau des Badischen Staatstheaters haben wir doch eine ziemliche Weile warten müssen, nachdem es eine Pressemitteilung aus dem Ministerium für Wissen- schaft und Kunst und dem damaligen Oberbürgermeister gab - Herr Mentrup sitzt jetzt auch schon mittlerweile fast ein Jahr hier, aber es war noch der damalige Oberbürger- meister -, dass man das jetzt im Verwaltungsrat beschlossen hat. Dann hätte ja mal etwas kommen können. Aber es hat eben auf sich warten lassen. Wichtig ist, es hier öffentlich zu diskutieren, weil unsere Bürgerinnen und Bürger ein Recht darauf haben, informiert zu sein. Sie haben ein Recht darauf, grundlegende Fakten des Bauvorhabens zu erhalten und sie haben auch ein Recht darauf, unsere Standpunkte kennenzulernen. Gleichzeitig ist es uns aber auch wichtig, dass alle politischen Gruppierungen, auch die kleineren, die keinen Sitz im Verwaltungsrat haben, informiert werden. Daher ein Dan- keschön an die Verwaltung, dass die zunächst zweieinhalbseitige Vorlage dann doch etwas mit Informationen aufgefüllt wurde. Herr Oberbürgermeister Fenrich hat uns da- mals zugesagt, vor fast eineinhalb Jahren, dass eine öffentliche Beratung im März statt- finden wird. Er hat das Jahr nicht genannt, insofern werde ich das nächste Mal dann nach dem Jahr fragen. März haben wir jetzt fast wieder. Zur Beschlussvorlage. Gar keine Frage, eine Sanierung ist notwendig. Etliche Dinge sind noch nicht kaputt, aber es ist absehbar, dass sich manches einfach irgendwann nicht mehr reparieren lassen wird. Es gibt teilweise Anlagen, für die es jetzt schon keine Er- satzteile mehr gibt. Es gibt einige technische Defizite, die sagen, es ist einfach nicht - 7 - mehr auf dem Stand. Das ist die eine Seite. Die andere Seite, es gibt Defizite in den Be- triebsabläufen. Die Abläufe zwischen den verschiedenen Werkstätten, der Bühnenauf- bau im Kleinen Haus, das ist alles mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden. Vor allen Dingen sind im Badischen Staatstheater in einigen Bereichen Arbeitsbedingungen anzutreffen, die nicht als gesund gelten können. Wir haben mehrfach hinter die Kulis- sen geblickt. Ich habe viermal so eine Begehung gemacht und Werkstätten betrachtet, Umkleiden, Flure, Musikproberäume. Wir mussten feststellen, es arbeiten 600 Men- schen im Badischen Staatstheater und etliche tun das unter Bedingungen, die einfach nicht zu ihrer Gesundheit beitragen. Wir sehen uns als Stadt schon auch als Arbeitgebe- rin. Wir sind das zwar nicht direkt, aber natürlich tragen wir eine Verantwortung für die Menschen, die am Staatstheater arbeiten. Wir möchten, dass sie unter sicheren und unter gesunden Bedingungen arbeiten. Eine Sanierung reicht deswegen leider nicht aus, sondern eine Platzerweiterung ist notwendig. Der Platz ist u. a. auch deswegen jetzt noch knapper geworden, weil sich das Badische Staatstheater in den letzten Jahren noch erweitert hat, nämlich um das Kinder- und Ju- gendtheater, und das mit sehr großem Erfolg, eine gute Auswahl an Stücken, ein gutes Ensemble, es kommt an. Es ist uns wichtig, Kinder und Jugendliche an das Theater her- anzuführen, an Opern und Konzerte. Der Übergang vom Kinder- und Jugendtheater in das Theater für Erwachsene sollte natürlich auch fließend sein. Diese Fließende ist der- zeit nicht gegeben, Kinder- und Jugendtheater müssen wir in der „Insel“ ansiedeln, weil im jetzigen Gebäude einfach kein Platz mehr ist. Daraus ergibt sich letzten Endes eben auch, dass kein Übergang vorhanden ist. Es ist notwendig, das Kinder- und Jugendthea- ter in das neu entstehende Bestandsgebäude zu integrieren. Auch das macht eine Er- weiterung notwendig. Letzten Endes ist es auch so, dass jetzt die Nancyhalle nur eine momentane Lösung ist. Das ist momentan eine ganz gute Lösung, so dass eben Proberäume gefunden wurden für weite Bereiche des Theaters. Auf Dauer kann das letzten Endes aber nicht sein. Auch das spricht dafür, dass erweitert werden muss und das die beste und zukunftsfä- higste Lösung ist. So werden wir zu den geschätzten Kosten für die Sanierung des Be- standsgebäudes von 60 Millionen eben noch 65 Millionen für eine Erweiterung in Kauf nehmen. Das müssen wir aber nicht alleine zahlen. Wir freuen uns darüber, dass die grün-rote Landesregierung, unter Federführung von Ministerin Theresia Bauer, die Kul- tur in Karlsruhe mit einer so großen Summe unterstützen wird. (Zuruf) Hier gibt das Land nicht nur einen Zuschuss. Das Badische Staatstheater erhält über die Co-Finanzierung tatsächlich auch die Hälfte der erforderlichen Gesamtsumme von 125 Millionen, so dass für die Stadt letzten Endes noch eine Summe von 62,5 Millionen übrig bleibt. Nach wie vor fehlt Geld, aber, wie der Oberbürgermeister bereits sagte, über die gesamte Bauzeit verteilt erscheint es uns bewältigbar. Der modulare Umbau ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir freuen uns, dass es in der Vor- lage tatsächlich auch so formuliert ist, dass es gemacht wird. Denn sie erlaubt einerseits den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten und andererseits erlaubt sie uns im Gemeinderat, dass wir auch nicht über unsere Verhältnisse wirtschaften, sondern dass es schrittweise - 8 - gilt, Summen in den Haushalt einzustellen und damit eben umzugehen. Auch der Bau- kostenindex wird letzten Endes dazu beitragen, dass wir realistisch planen, dass wir es schaffen werden - davon bin ich überzeugt -, im Kostenrahmen zu bleiben. Wie auch schon erwähnt, nimmt das Badische Staatstheater städtebaulich eine bedeu- tende Rolle ein. Es steht an exponierter Stelle. Wir Grünen haben im Verwaltungsrat immer wieder darauf gedrängt, dass hier bei der Planung auch die städtebauliche Ein- ordnung, die Einordnung in das Gesamtgefüge, in den Übergang zwischen Stadt und Südstadt, tatsächlich auch Berücksichtigung findet bei der Planung. Das ist uns zuge- sagt worden. Wir werden diesem Aspekt bei der Beurteilung der Planungsentwürfe ei- nen gebührenden Stellenwert einräumen. Zum Antrag der Karlsruher Liste. Auch den Grünen ist es ein wichtiges Anliegen, dass die laufenden Zuschüsse zum Staatstheater nicht weiter steigen. Das weiß spätestens jeder seit den letzten Haushaltsberatungen, wo wir auch versucht haben, durch einen Kürzungsantrag zumindest mal die Idee eines „Es muss nicht alles immer teurer werden und noch mehr kosten“ zu verankern. Ganz klar, die Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters hat zum Ziel, dass betriebliche Abläufe verbessert werden. Wir haben im Verwaltungsrat immer wieder betont, dass das für uns auch bedeuten muss, dass es eine Effektivitätssteigerung gibt und letzten Endes auch zur Kostenreduktion führt. So bedeutet es eben auch, dass wir dem Wortlaut des Antrags dennoch leider nicht zustimmen können. Wir wollen zwar von der Intention her das Gleiche wie die KAL, nämlich dass die Betriebskosten unter Kontrolle sind oder verbessert werden, vor allen Dingen auch Abläufe verbessert werden, aber zu sagen, deswegen muss es jetzt verzögert werden, müssen erst neue Berechnungen hinzugefügt werden, dem können wir leider so nicht zustimmen. Das würde den Beginn des Planungswettbewerbs verzö- gern, und das möchten wir nicht. Die Antwort der Verwaltung geht ja auch in diese Richtung. Sie sagt, es wird für Energiestandards gesorgt, dafür sorgt schon die Aus- schreibung, und es werden auch Betriebsabläufe vereinfacht werden. Schließlich ist klar, die Folgekosten können erst dann tatsächlich auch abgeschätzt werden, wenn klar ist, was für ein Entwurf es ist, denn davon ist teilweise auch abhängig, welche Betriebskos- ten letzten Endes entstehen. Punkt 2 des Antrages der KAL setzen wir - ehrlich gesagt - als selbstverständlich voraus. Herr Spuhler, ich gehe davon aus, dass Sie sich mit aller Verve, die Sie haben - und Sie haben viel davon - dafür einsetzen werden, dass wir Sponsoren finden, aber auch Sie, Herr Oberbürgermeister, und unsere Ministerin und alle, die dafür einen Beitrag leisten können. Wir wissen um die Probleme in Karlsruhe. Da fließt mehr Geld nach Baden- Baden - das haben wir auch schon gehört - als in die Häuser vor Ort. Wir hoffen, dass sich das ändert, dass die Bevölkerung, die langfristigen Kunden, die Besucherinnen des Badischen Staatstheaters, die mit ihrem Herzen an dieser Institution hängen, erkennen, was wir hier tun und ihren Beitrag leisten. Da bin ich großer Hoffnung. Zusammenfassend: Ausschlaggebend für uns, dem Bauvorhaben und der Erweiterung zuzustimmen, ist einerseits die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in den Werkstätten, im musikalischem Bereich und in anderen Bereichen zu verbessern, die Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen zu beseitigen und andererseits die Verbesserung im künstle- rischen Bereich und in Betriebsabläufen zu erzielen. Wir gehen davon aus, dass Sanie- - 9 - rung und Erweiterung langfristig dazu beitragen wird, die Zuschüsse stabil zu halten oder sogar zu reduzieren. Es kostet 125 Millionen. Die Stadt wird davon nur 62,5 Milli- onen zahlen. Die andere Hälfte kommt vom Land. Durch den modularen Aufbau und die sich daraus ergebende schrittweise Umsetzung sehen wir eine Anpassung an den städtischen Haushalt gegeben. Es kann losgehen. (Beifall bei den Grünen) Stadträtin Ernemann (SPD): Es zeichnet sich ab, dass das ein großer Tag für Karlsru- hes Kultur und für das Badische Staatstheater wird. Alle meine Vorredner haben mitt- lerweile schon festgestellt, dass das 1975 eröffnete und fast 40 Jahre alte Haus einer grundlegenden Sanierung und Erweiterung bedarf. Flächendefizite sind von Baubeginn an vorhanden. Damalige Planungsfehler oder auch architektonische Fehler, z. B. das überdimensionierte Foyer, wo man viel Platz verschenkt hat, machten sich im Laufe der Jahre sehr deutlich bemerkbar. Das Staatstheater war gezwungen, im Laufe der Jahre mehrere Außenstellen anzumie- ten. So wird die Nancyhalle als Probebühne benutzt - das haben alle meine Vorredner schon mehrfach ausgeführt -, und das junge Staatstheater befindet sich in den Räumen der „Insel“ in der Karlstraße. Unser Ziel und Ziel der Baumaßnahmen soll und muss es sein, möglichst alles unter einem Dach, alle Spielstätten wieder am Hauptstandort zu vereinen. Das Kulissenlager in Durlach dürfte dort wohl weiterhin bleiben, denn dafür wäre der kostbar neu gewonnene Raum im Hauptgebäude nicht geeignet. Ich denke aber, damit lässt es sich leben. Aber nicht nur die akute Raumnot zwingt zu der jetzigen großen Baumaßnahme, auch die unzulänglich vorhandene Barrierefreiheit, der enorme Energieverbrauch sowie die umfassenden neuen Brandschutzbestimmungen. Die Baumaßnahme, die in drei Modulen erfolgen soll, wird in der jetzigen Planung von meiner Fraktion begrüßt und unterstützt. Stadt, Land und auch das Theater können über das gemeinsam beschlossene Raumprogramm zufrieden sein. Nach der Umset- zung de ersten Moduls sollte man aber dringend darauf achten, dass die Umsetzung des zweiten Moduls - damit meine ich insbesondere den Umbau der Werkstätten sowie die Proberäume für Orchester und Chor - zeitnah und zügig umgesetzt werden. Meine Vorrednerin hat es ja schon gesagt: Wer einmal hinter die Kulissen des Staatstheaters geschaut hat und sieht, unter welchen Bedingungen dort geprobt wird, der sieht auch die dringende Notwendigkeit, dieses Modul und diesen Umbau möglichst zeitnah zu vollziehen. Modul 3, die Sanierung des Bestandes, soll und muss auch schon begleitend zu den Modulen 1 und 2 begonnen werden. Da müssen wir im Verwaltungsrat Staats- theater auch ein wachsames Auge darauf haben. 125 Millionen Kostenrahmen, 60 Millionen für die Bestandssanierung, 45 Millionen für den Neubau bei einer voraussichtlichen Bauzeit von ca. 10 Jahren, die nicht vorherzuse- hende Kostenentwicklung ist anzupassen - das ist alles schon gesagt. Ich schließe mich den Ausführungen meiner Vorredner dahingehend an. Wichtig ist meiner Fraktion der städtebauliche Aspekt. Diese Nahtstelle zwischen Kern- und Südstadt ist eine Chance für die Stadt Karlsruhe auch im Rahmen der Umbaumaß- nahmen zur Kombilösung. Es bedarf einer feinfühligen, sensiblen und geschickten städ- - 10 - tebaulichen Einordnung. Hier ist viel architektonischer und städteplanerischer Spürsinn gefragt. Mit den Fragen der Gestaltung muss auch die Bevölkerung mit einbezogen werden. Auch wir, die politischen Gremien, sollten uns recht früh damit befassen. Wir wollen und müssen rechtzeitig miteinbezogen werden. Was uns auch sehr wichtig ist, ist die Öffentlichkeitsarbeit. Es ist klar, dass bei einem Projekt in der Größenordnung von 125 Millionen, wobei allerdings die Hälfte das Land trägt, aber dennoch über 60 Millionen bei der Stadt Karlsruhe hängen bleiben, über 10 Jahre verteilt, zu Diskussionen in der Öffentlichkeit führt. Nicht jeder hat Verständnis für diese Baumaßnahme. Es ist eine hohe Summe. Meine Fraktion wünscht sich, dass die Bevölkerung über diese große stadtbildprägende Baumaßnahme im laufenden Verfah- ren informiert wird. Informationsveranstaltungen, Flyer zum Bausachstand oder auch Führungen durch das zu sanierende Haus stellen wir uns vor. Hier ist die Verwaltung des Staatstheaters schon in vorbildlicher Weise tätig. Jetzt schon finden monatlich 2½-stündige so genannte Sanierungsführungen statt, die auch, wie ich gehört habe, gut in der Bevölkerung angenommen werden. Man kann sich informieren über die an- stehenden Baumaßnahmen und anschließend noch mit Herrn Fulir, der heute auch da ist, noch diskutieren und es sich erklären lassen. Das finde ich sehr gut. Beispielhaft ist für mich auch die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln. Köln hat im Moment ein ähnli- ches Bauprojekt, ein fast vergleichbares Projekt, der Umbau des Opern- und des Schau- spielhauses - allerdings in einem größeren finanziellen Rahmen. Dort gibt es eine eigene Homepage: www.sanierung.buehnenkoeln.de. Da kann sich jeder mal informieren. Es gibt eine Webcam und einen Infopavillon. Es wird dort eine ausgezeichnete Öffentlich- keitsarbeit geleistet. Das sollte Vorbild sein für die Stadt Karlsruhe und auch für die Ver- antwortlichen im Badischen Staatstheater. Zum KAL-Ergänzungsantrag wollte ich noch bemerken: Auch wir wollen eine Folgekos- tenberechnung, natürlich jetzt noch nicht möglich. In der Antwort der Verwaltung steht, dass es ja frühestens nach dem Ergebnis des Wettbewerbs möglich sein könnte. Wir können uns auch vorstellen, dass es vielleicht auch erst nach Beendigung des ersten Bauabschnittes möglich ist. Auf jeden Fall sind auch wir an einer ausführlichen Folge- kostenberechnung interessiert. Eine Akquise von privatem Kapital: Da ist der Herr Spuhler ja Weltmeister. Was er an Drittmitteln und an privatem Kapital in vorbildlicher Weise in Heidelberg akquiriert hat, das sollte ihn auch motivieren, es in Karlsruhe zu versuchen, wobei ich einräume - Frau Dr. Leidig hat es auch gesagt -, dass da auch der Spielraum natürlich irgendwo endlich ist. Ich bin mir sicher, dass die Heidelberger Erfahrungen Herrn Spuhler auch hier hilf- reich sein dürften. Alles in allem: Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Meine Vorredner haben alles schon sehr umfangreich ausgeführt. Wir unterstützen die große Baumaßnahme Sanierung und Er- weiterung Staatstheater. Wir stehen voll dahinter. (Beifall bei der SPD) Stadtrat Dr. Fischer (KAL): Ich wäre so gerne mit Ihnen auf dieser Insel der Seligen, die heute hier in diesem Saal dargestellt wird. Ich habe manchmal schon mit den Ohren - 11 - geschlackert, als ich gehört habe, wie gut es uns gut und wie unproblematisch alles in Karlsruhe möglich ist. Da muss ich jetzt doch mal einen Blick auf die Realität werfen. Geht doch bitte mal, alle meine Kolleginnen und Kollegen, vors Rathaus. Da draußen findet die größte Investition der Stadt Karlsruhe nach dem zweiten Weltkrieg statt. Grö- ßenordnung, nur was uns betrifft, 250 - 300 Millionen Euro. In der letzten Sitzung ha- ben wir einen Grundsatzbeschluss gefasst über environ 120 Millionen Euro, Uns liegt eine Wunschliste vor, die sich auf insgesamt - da wird sicher noch viel gestrichen wer- den - 2 Milliarden addiert. In anderen Städten redet man über Theaterschließungen, über was weiß ich nicht was alles, (Stadtrat Dr. Maul/SPD: Das wollen sie doch nicht anregen!) und wir sind hier auf einer Insel der Seligen. Ich muss ganz offen sagen, das fände ich wunderbar, wenn dem so wäre, Herr Maul, aber es ist halt nicht so. (Unruhe, Zurufe) So einfach können wir es uns nicht machen. Wir müssen auch im Interesse der Bürge- rinnen und Bürger uns Gedanken über die Zeiten machen, wo wir das alles refinanzie- ren, was wir so beschließen. Ich will auch erinnern, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir in den letzten Haus- haltsberatungen über Kulturinvestitionen gesprochen haben, da ging es mal um 1,9 Millionen Euro oder so etwas in der Größenordnung, auf dem Alten Schlachthof oder Ähnlichem. Wie sehr haben wir uns da zum Teil zerrieben. Wie oft wurde gefordert, die jeweilige Einrichtung muss nachweisen, wie sie das refinanziert, wie sie mehr Einnah- men erzielt. Und das wollen wir - ich erinnere an unseren Folgeantrag, den ich nachher noch erläutern werde - hier nicht machen. Das finde ich eigentlich auch unfair gegen- über allen anderen Kultureinrichtungen, von denen wir erwarten, dass sie sich auf so etwas vorbereiten, ganz abgesehen davon, dass diese Summen, um die es heute geht, 125 Millionen plus X, denn auch ohne Baukostenindex wird es wahrscheinlich nicht bei diesen 125 Millionen bleiben. Bei dieser Aussage freue ich mich aufs Protokoll, wie es dann nachher ausgeht. Diese Summe, die wir allein von der Stadt dann dazugeben, ist ein Vielfaches von dem, was wir in den letzten 15 Jahren in alle anderen Kultureinrich- tungen reingesteckt haben. Deswegen fällt es mir schwer, so begeistert ich ins Theater gehe, einfach so zu sagen, wir machen das einfach. Auch in so einem Moment darf nicht das Herz mit mir durchgehen, sondern ich muss ganz klar meiner Aufgabe als Stadtrat nachkommen. Im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler muss ich halt auch an die schlechten Zeiten denken und nicht nur an die letzten drei bis fünf Jah- re, die halt sehr gut für Karlsruhe ausgingen. Wir müssen als Stadtrat das gleiche Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns anlegen, wie es ein Geschäftsführer eines Unternehmens machen muss. Deswegen ist nicht alles, was wünschenswert ist, was uns begeistert, notwendig und unvermeidbar. Was unvermeid- bar ist beim Theater, darauf werde ich nachher noch einmal zurückkommen. Deswegen steht für die Karlsruher Liste das Thema Wirtschaftlichkeit grundsätzlich bei allen sol- chen Entscheidungen im Zentrum. - 12 - Worum geht es heute? Es geht um drei Großteile dieses Themas Umbau Badisches Staatstheater. Das eine ist die unbestreitbar notwendige Sanierung des Staatstheaters. Da gibt es keinen Zweifel daran. Wir müssen das machen. Da muss man sich auch keine großen Gedanken machen, wie viel das denn kostet, weil es eben passieren muss. Das Zweite ist die Erweiterung der Werkstätten. Auch die würde ich nicht nur als wün- schenswert, sondern auch als notwendig betrachten, weil die Arbeitsbedingungen, die dort herrschen, nicht mit den Arbeitsschutzgesetzen übereinstimmen. Es geht im Grun- de genommen nur um den Punkt: Ist es nicht nur wünschenswert und absolut wunder- bar, ein schönes neues Schauspielhaus zu haben, sondern ist es auch notwendig? Unser Antrag ist eigentlich dazu gedacht, dafür eine Brücke zu bauen, denn es kann ja sein, dass bei einer geschickten funktionalen Planung nachher ein zweites Schauspielhaus hilft, Kosten zu sparen im Zusammenhang mit den Probebühnen etc., die da alle ge- plant sind. Stichwort: funktionale Schwächen. Deswegen sind wir heute nicht so beliebig bereit, ja zu sagen: Wer sich mal hat führen lassen durch das Staatstheater, der entdeckt dort in den Katakomben nicht nur Situationen, wo man sagt, das lässt sich durch eine bessere Planung einfach mal besser gestalten. Ich bin z. B. im Zweifel beim Orchestergraben des Großen Hauses. Der ist so was von verwinkelt, da ist es so schwierig, ein großes Instru- ment reinzubringen, ich weiß auch gar nicht, ob das möglich ist, das funktionaler zu machen. Da sind Betonteile, die weggerissen werden müssen, zum Teil auch tragende Sachen. Wir sind da wirklich gespannt. Das will ich erst einmal sehen, bevor ich dann sage: Jawohl, ich gebe mein beliebiges Go. Der zweite Punkt. Das ganze Gebäude kann auch nicht beliebig billig werden - an einer solchen Stelle im Stadtbild. Herr Oberbürgermeister, Sie haben das Wort Stadtbild vor- hin in den Mund genommen. Das wirkt an einer Kreuzung, die zukünftig hoffentlich einmal ein Platz sein wird durch die Kombilösung, in einer Art und Weise, dass man sich mit dem Gedanken beschäftigen muss. Was uns da z. B. fehlt, ist, dass in der ganzen Vorlage das Wort Via-Triumphalis-Wettbewerb mit keinem Wort vorkommt. Wir von der Karlsruher Liste hätten damit kein Problem, das habe ich mit meinem Fraktionsvor- sitzenden intensiv besprochen, wenn man am Ende der ganzen Debatte dazu kommt, der Via-Triumphalis-Wettbewerb ist nicht mehr zu halten. Aber die Frage muss beant- wortet werden auch durch diesen Neubau, wie gehen wir mit dieser „Noch Kreuzung, zukünftig hoffentlich Platz“ irgendwann einmal um. Auch das ist eine Aufgabe, die da mitgehen muss. Zur Folgekostenberechnung, unserem Antrag. Ich muss sagen, früher kamen solche Anträge weniger von der Karlsruher Liste, sondern typischerweise von der CDU. Ich er- innere an Herrn Heilgeist. Ich kann mich auch an Zeiten erinnern, als wir mit jeder Inves- tition eine Folgekostenberechnung automatisch vorgelegt bekommen haben. Ich will auch nur einmal klarmachen, worum es uns da geht. Durch die größeren Flächen, die wir im Staatstheater haben werden, werden erst mal manche Betriebskosten steigen, also Putzen und Energie, wobei Energie möglicherweise durch die bessere Dämmung wieder aufgefangen werden kann. Deswegen ist diese Funktionalität so wichtig. Derzeit muss - das wurde schon von anderen Rednerinnen dargestellt - beim Aufbau eines Bühnenbildes über mehrere Stockwerke agiert werden. Es müssen laufend Teile von anderen Standorten hergebracht werden. Unsere Vorstellung ist, das muss so funktional - 13 - sein, dass dieses auf einer Ebene stattfinden kann. Ich bin extra in Heidelberg durch den Neubau durchgeführt worden. Ich kann sagen, dort ist es auf der begrenzten Fläche, die zur Verfügung steht - das ist viel kleiner als bei uns - einigermaßen gelungen. Das muss dann aber auch als Voraussetzung in das Papier rein, dass es so sein muss. In der Antwort der Verwaltung steht, Herr Oberbürgermeister, wir können diese Folgekosten- berechnung erst anhand der fertigen Entwürfe machen. Das hätte man anhand des Tes- tentwurfs einfach mal durchdeklinieren und dann als Vorgabe machen können, so muss es sein, damit es auch wirklich festgeschrieben steht, denn nur was du Schwarz auf Weiß besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen. Der zweite Punkt in unserem Antrag ist das Thema mit Spendern und Sponsoren. Ich bin sehr dankbar, dass meine Fraktion das als selbstverständlich voraussetzen kann. Ich würde auch als selbstverständlich voraussetzen, dass sich der Intendant Peter Spuhler um dieses Thema kümmern wird. Trotzdem gilt auch hier für mich, das sind ja nicht nur zwei Personen, die daran arbeiten, daran müssen wir alle arbeiten. Das ist nicht nur das Einwerben von Großspendern. Für uns geht es darum, so etwas zu machen wie „Er- werbe deinen Sitz am Staatstheater“, „Besitze du einen Teil des neuen Schauspielhau- ses“. Ich lege freiwillig, wenn das angeboten wird, auf die Eintrittskarte noch etwas dazu - das ist jetzt nichts Neues, das gibt in anderen Einrichtungen auch -, um zu zei- gen, mir ist das etwas wert. Warum ist das auch so wichtig? Weil eben nun mal ins Staatstheater doch überwiegend Menschen gehen, die etwas mehr Geld im Geldbeutel haben als der Durchschnittsbürger. (Unruhe, Zurufe) - Das ist so, definitiv. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Diese Menschen sind auch bereit, aber wir müssen sie auch auffordern, dann Geld mit dazuzugeben. Wenn bei 20 000 Karlsruhern jeder 50 Euro hinlegt, dann haben wir eine Million. Das wäre eine richtige Summe. Ein Letztes noch, was uns gestört hat: Bei diesem ganzen Prozess gibt es Wissende und Halbwissende. Ich habe unter zwei Oberbürgermeistern durchfechten müssen, dass ich die gleichen Unterlagen kriege wie die Mitglieder im Verwaltungsrat. Das finde ich nicht okay. Jeder Stadtrat hat einen Anspruch, diese Informationen zu bekommen, die er dann auch nachvollziehen kann. Das, was uns jetzt nachgeliefert wurde, ist nicht ge- nug, um wirklich die ganze Komplexität des Verfahrens zu verstehen. Noch ein persönliches Wort: Wir von der KAL werden uns heute enthalten, weil uns diese Folgekostenberechnung nicht vorliegt. Ich persönlich bin total begeistert von der Geschichte. Ich freue mich auf das, aber ich kann als Stadtrat nicht einfach nur meinem Herzen folgen, sondern ich muss eindeutig auch die Interessen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen. (Unruhe, Beifall bei Stadtrat Cramer/KAL) - 14 - Stadträtin Fromm (FDP): Eines ist doch wohl klar. Die FDP-Fraktion ist wie alle Frakti- onen im Haus gehalten, mit dem Geld der Bürger und Bürgerinnen sparsam umzuge- hen. Diese Sparsamkeit hat uns z. B. das Regierungspräsidium immer wieder in unseren Haushalten bestätigt. Wir vergeuden kein Geld für unnütze Sachen. Manches ist viel- leicht etwas anspruchsvoller ausgefallen, als man es hätte machen können. Man muss aber dazu sagen, dafür war ein politischer Wille des Hauses da. Dieser politische Wille setzt sich natürlich auch zusammen durch die vielen Gespräche mit der Bürgerschaft. Insofern möchte ich hier keinen Dissens aufbauen zwischen Bürgerschaft und Gemein- derat. Wir sind gewählte Vertreter der Bürgerschaft. Das sollten wir auch immer wieder so deutlich machen und auch dieses Selbstbewusstsein haben und den Mut. Diesen Mut hatte der Verwaltungsrat im Staatstheater manchmal mehr als das Land. Frau Kol- legin Dr. Leidig, es war tatsächlich so, durch den Regierungswechsel von Schwarz-Gelb zu Grün-Rot blieb so manches Detail stecken. Der Verwaltungsrat musste immer wieder eindringlich darauf dringen, dass nun endlich mal das Programm und das Organisati- onsgutachten gemacht werden und alles, was dazu erforderlich ist, dass auf die verän- derten Ansprüche der Gesellschaft und vor allen Dingen die gewandelten Ansprüche an einen Kulturbetrieb eingegangen werden konnte. Insofern ist heute der Tag, wo ich nun endlich hoffe, dass es jetzt bald vorangeht. Der Herr Bachmann von Vermögen und Bau wartet ja schon ewig darauf, dass er den Architektenwettbewerb in Gang setzen kann. Die FDP-Fraktion stimmt der Vorlage „Sanierung und Erweiterung“ zu. Wir stimmen zu, weil der Bedarf begründet ist. Schauen Sie sich die letzten zwei Spielzeiten an, und zwar können Sie in der Fachpresse nachlesen, welches hohe künstlerische Programm das Staatstheater mittlerweile im deutschsprachigen Raum hat. Das ist eine Leistung, auf die wir in der Stadt Karlsruhe und auch das Land in Stuttgart stolz sein können. Das Theater hat eine Auslastung von 80 bis 90 %, oft sogar über 100 %. Da fragt man sich, wie kommt das. Da sind auch die Stehplätze, die nachgefragt werden. Wenn wir das sehen, dann müssen wir doch nun wirklich Geld in die Hand nehmen. Das Land ist be- reit dazu, und der Gemeinderat ist eigentlich unisono bereit dazu. Was ich sehr bedauerlich finde ist, Kollege Fischer, dass die KAL diesen Antrag gestellt hat, nämlich jetzt schon eine Betriebskostenrechnung zu haben. Alle wissen, dass Ver- mögen und Bau dem Verwaltungsrat und der Stadt Karlsruhe dargelegt hat, dass ein verbindliches Raumprogramm, was u. a. zurückgeht auf ein Organisationsgutachten, in einem Testentwurf verwirklicht werden kann. Darüber hinaus ist dann die Summe von 120 Millionen zustande gekommen. Gleichzeitig hat der Verwaltungsrat, weil wir mit anderen Großbauprojekten Schwierigkeiten hatten, gesagt, wir nehmen auch einen Baukostenindex vor. So wird es geschehen, und das ist richtig. Wenn wir nun vor der Frage stehen, dem Antrag der KAL zuzustimmen, dann können wir das überhaupt nicht. Das verbindliche Raumprogramm kann überhaupt gar keine belastbaren Zahlen liefern. Zahlen können erst vorliegen, wenn die Ergebnisse des Ar- chitektenwettbewerbes vorliegen. Jeder, der von uns schon mal in einer Jury saß, weiß es: Erst, wenn alles noch einmal gegengerechnet ist und vielleicht auch Änderungen vorgenommen wurden, kann man erst sagen kann, wie die Folgekosten aussehen kön- nen. Jetzt wissen wir aber schon eines: Wir haben in unserer Spielstätte drei so genann- te Satelliten, das ist der Ergotti-Bau, die Nancyhalle und die „Insel“. Allein das zusam- - 15 - menzufügen, wird auch schon mal die organisatorischen und die funktionalen Voraus- setzungen dazu schaffen, dass hier Einsparungen ermöglicht werden können. Natürlich weiß ich auch, dass dadurch, dass das alles viel größer wird, vielleicht auch die einen oder anderen Mehrkosten entstehen werden. Aber das kann man gegenrechnen. Die Gegenrechnung wissen wir erst dann, wenn wir alles vorliegen haben. Meine Damen und Herren, der Baubeginn, wenn es jetzt endlich weitergeht, soll 2017 sein. 2017 mit einem Zeithorizont von 10 Jahren. Wenn Sie sich dann die Summe vor Augen halten, in 10 Jahren 60 oder 62 Millionen, dann hört sich das immer noch sehr viel an, aber die Stadt kann das schultern. Das hat sie bei anderen Projekten auch bewiesen. Nun komme ich zu dem, was im Antrag der KAL steht. Ich habe schon gesagt, heute kann so etwas nicht vorliegen, weil wir nur ein verbindliches Raumprogramm haben. Der Punkt 2 des KAL-Antrages, die Suche nach Sponsoren: Meine Damen und Herren, denken Sie mal daran, Sponsoren sollen immer das Sahnehäubchen liefern und nicht die Grundvoraussetzung. Die Grundvoraussetzung steht im Staatsvertrag drin: Land und Stadt gewähren einen Kulturauftrag im Sinne des Landes. Wenn Sie sich mit den Mit- gliedern der Freunde des Staatstheaters einmal zusammensetzen, dann werden Sie er- fahren, was diese Freunde des Staatstheaters schon alles für das Theater geleistet ha- ben. Es fängt an z. B. auch beim Kauf von Musikinstrumenten oder besondere Künstler, die nach Karlsruhe geholt werden. Diese Freunde des Badischen Staatstheaters leisten sehr viel. Meine Fraktion bedankt sich für diese zusätzlichen Gelder, die reinkommen. Wenn jetzt ein Sponsorenkonzept gefordert wird, auch das ist dem Verwaltungsrat vor einem Jahr diesem empfohlen worden, dass er das mit unterstützt. Der Verwaltungsrat hat es unterstützt. Jetzt warten wir die Verwaltungsratssitzung des Staatstheaters ab, sie ist im nächsten oder übernächsten Monat, dass dann auch vorgelegt wird, wie die- ses Sponsorenkonzept umgesetzt wird. Nun zu den Eintrittspreisen. Natürlich haben wir uns schon oft Gedanken darüber ge- macht, ob die Eintrittspreise realistisch sind und ob man z. B. im Verhältnis zu Kinobe- suchen nicht zu niedrig findet. Die Preise aber moderat anzuheben, wird erfolgen. Dann gibt es noch Einnahmeverbesserungen z. B. durch das von Herrn Spuhler angeregte System der Stuhlpatenschaften. Diese Stuhlpatenschaften werden natürlich noch viel mehr wirken können, wenn wir dann, Herr Oberbürgermeister, das neue Staatstheater haben. Jetzt komme ich zu den Sponsorengeldern bzw. sonstigen Spenden. Erst dann, wenn die Karlsruher Bürgerschaft weiß, wie das alles im Theater aussehen wird, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es Bürger und Bürgerinnen gibt, die dem Theater z. B. eine Lounge, die Ausstattung einer Lounge oder Ähnliches zusätzlich spenden, weil sie sich mit diesem Staatstheater verbunden fühlen. Ich bedauere es sehr, dass hier die KAL noch mal auf die kulturelle Bildung eingeht. (Vorsitzender zeigt das Ende der Redezeit an.) - Ja, ich bin gleich fertig. Darf ich aber noch sagen: Wenn man dem Staatstheater auch noch kulturelle Bildung - ein Theater für alle ist schön, aber es geht manchmal nicht -, dann muss man auch sagen, dass die kulturelle Bildung nicht vom Ministerium für Kunst und Wissenschaft bezahlt werden muss, sondern das gehört dann in das Ministe- rium für Kultus und Sport, also nicht den jetzigen künstlerischen Betrag schon mal - 16 - schmälern, sondern dann zusätzliche Einnahmen aus dem anderen Ministerium. Vielen Dank, Herr Oberbürgermeister, dass ich das noch sagen durfte. (Beifall bei der FDP) Stadtrat Fostiropoulos (Die Linke): Die Linke im Gemeinderat unterstützt auch die Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters. (Beifall auf der rechten Seite des Hauses und Ooh-Rufe) Wer hätte das gedacht. - Zum Kollegen Fischer möchte ich schon noch etwas sagen. Ich hätte mir einen Antrag auf Folgekostenberechnung, Kollege Fischer, bei dem Beschluss zur U-Bahn für Karlsruhe von Ihnen gewünscht. Ich hätte mir, Kollege Fischer, bei der Debatte um ein Fußballstadion für den Profisport vor zwei Monaten hier im Gemeinde- rat gewünscht. Komischerweise zu diesen Projekten kommen solche Forderungen nicht. Bei der Kultur werden immer wieder Gründe gesucht, um zu blockieren. Im Übrigen finde ich es immer unmöglich, wenn große Häuser gegen kleine Häuser ausgespielt werden und umgekehrt. Nein, das ist nicht richtig. Richtig ist zu sagen, wo geben wir denn in Kübeln das Geld aus für andere Leuchttürme. 15 Jahre lang machen wir das schon. Warum hören wir nicht endlich mal auf, merkwürdige Leuchttürme hier aufzu- stellen für kommerzielle Bereiche und fördern die Kultur. Ich mache Ihnen mal einen Vorschlag. Wir subventionieren den Baden-Airport jährlich mit 1,3 Millionen Euro. Diese Subvention läuft jetzt 2015 aus. Wir erneuern sie nicht. Dieses Geld steht zur Verfü- gung. Wenn es Folgekosten gibt, dann haben wir dieses Geld und können die Kultur fördern. Ich gehe gerne ins Staatstheater. (Zuruf Stadtrat Ehlgötz/CDU; Beifall bei Stadtrat Borner/GRÜNE) Stadtrat Kalmbach (GfK): Zwei Vorbemerkungen: Erstens. Peter Spuhler, der Intendant, macht eine hervorragende Arbeit. Ich bin sehr positiv angetan. Zweitens. Was die Transparenz zu dem gesamten Thema angeht, das ist wirklich sehr schwierig. In diesem Hause wird zum ersten Mal in dieser Breite dieses Thema disku- tiert, während vor einem Jahr schon in der Zeitung stand, der Neubau steht praktisch vor der Tür. Es wurde auch von den Grünen angemahnt. Es ist aber nichts passiert. Ich möchte ein zweites Beispiel hier anführen. Wir hatten die Einführung des jungen Staatstheaters. Kurz darauf hatte es geheißen, der Platz reicht uns nicht, wir müssen die Nancyhalle anmieten. Wir sind sozusagen vor Fakten gestellt worden und mussten rea- gieren. Meine Damen und Herren, so stelle ich mir das nicht vor. Aus meiner Sicht muss der Gemeinderat deutlich früher eingebunden werden. Damit Sie es gleich wissen, wie wir abstimmen werden, Gemeinsam für Karlsruhe wird zustimmen, aber mit vielen Bauchschmerzen und unter Vorbehalt. Es ist heute ein Grundsatzentscheid. Grundsatz heißt, wenn der Grundsatz nicht eingehalten wird, tre- ten wir auch wieder zurück. - 17 - Wir müssen uns vorstellen, dass wir pro Jahr ungefähr 21 Millionen Zuschuss zum Staatstheater leisten. Das waren, als ich vor fünf Jahren hier in den Gemeinderat kam, noch Neunzehn Komma irgendwas. Es war eine deutliche Erhöhung. Wir haben mit bemerkenswerter Ruhe diese Steigerung geschluckt. Da kam wenig Widerspruch. Ich habe darüber gestaunt, wie das geht, über solch hohe Beträge im Vergleich oft zu an- deren Diskussionen, wo es um kleinere Beträge geht, wo weit weniger diskutiert wird. Wie sieht es aus mit den Folgekosten, wie werden die sich entwickeln? Das ist für mich die Gretchenfrage. Daran ist auch meine Bedingung geknüpft. Wenn sich die Folgekos- ten weiter erhöhen, dann werde ich auf jeden Fall nein sagen. Meine Erwartung ist die, dass diese Folgekosten, die jährlichen Zuschusskosten, sich nicht weiter erhöhen. Ich habe deswegen Sorgen. Wir haben einen Baukörper, der erhöht sich von 21.000 Ku- bikmeter um 10.000 Kubikmeter, also 50 % mehr Raumangebot. Wie soll das gehen, energetisch und vom Personalbedarf hier so zu arbeiten, dass die jährlichen Kosten kon- stant bleiben? Ich habe da meine Bedenken und Sorgen. Der Kollege Käuflein sagte vorhin etwas vom Robin-Hood-Prinzip. Das war am Anfang die Aussage von Peter Spuhler, als er gekommen ist. Robin Hood: Von den Reichen ho- len wir es, den Armen lassen wir sozusagen den günstigen Eintritt wie bislang. Meine Damen und Herren, Robin Hood war nicht moderat. Hier habe ich moderate Erhöhung gehört. Robin Hood bedeutet richtig zulangen. (Heiterkeit) Warum haben Sie Angst davor, zuzulangen? Wenn die Qualität so gut ist, wie Sie alle immer sagen - das ist zweifellos der Fall -, dann kam auch zulangen im Preis. Fürchten Sie sich nicht. Sponsoring: Ich habe jetzt ein paar Mal das Argument gehört, ja, die Gelder fließen nach Baden-Baden ab. Wir können auch noch ein bisschen miteinander weinen oder wir können tatsächlich etwas auf die Beine stellen. Wenn wir so eine Qualität haben, dann werden wir auch Sponsoren finden. Das ist eine Frage von Selbstbewusstsein, das ist eine Frage von Auftritt und Konzept. In Karlsruhe gibt es genügend Leute, die Geld haben, die auch gerne geben. Denen müssen wir ein gutes Angebot machen. Deswe- gen geht es schon darum, aus diesem Graue-Mäuschen-Bereich herauszutreten und zu sagen, wir haben etwas. Deswegen glaube ich, dass deutlich mehr drin wäre. Also weg vom Jammern: Ärmel hochkrempeln, es geht los. Gemeinsam für Karlsruhe stimmt zu. Aber wenn hier dieser Zuschuss nicht deutlich durch Sponsoring, durch Preiserhöhung usw. in Grenzen gehalten wird und unter dem Bereich wie bislang der Zuschuss ist, dann werden wir wieder zurücktreten und deutlich sagen, wir schaffen dagegen. Stadtrat Wenzel (FW): Ich möchte eine andere Überschrift als Herr Dr. Käuflein aus Karlsruhes großer Tageszeitung zitieren: „Staatstheater, der nächste Brocken im Rat“. Ja, ein großer Brocken, sowohl was die Kosten, die Baumaßnahmen, die Veränderung des Stadtbildes und auch die Hypothek der Kombilösung betrifft. Wir Freien Wähler - 18 - sind für diese Hypothek nicht verantwortlich, Herr Dr. Fischer. Wir sehen aber auch die Chance dieses Projektes im Herzen dieser Stadt. Ich hätte mir gewünscht, dass wir diese Entscheidung nicht heute, sondern erst getroffen hätten nach einer umfassenden Bür- gerbeteiligung und der Vorstellung aller Sanierungsmaßnahmen, Bauabschnitte, Bau- steine, Sanierungsmöglichkeiten, Entwicklungsphasen und dann aller uns bekannten Kosten und Folgekosten. Dies ist leider nicht der Fall. Wir Freien Wähler sind der Auffas- sung, dass die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt noch viel intensiver in dieses für die Kultur, aber vor allem für unsere Stadt städtebaulich und stadtbildprägendes Projekt eingebunden werden müssen. Hier ist noch viel Luft nach oben. Als Beispiel nenne ich die Bürgerbeteiligung, als es darum ging, einen Standort für das KSC-Stadion zu finden. Es war eine Willensbildung, es war eine intensive Recherche. Die fehlt mir heute bei die- ser Entscheidung. Wir Freien Wähler sehen bei der neuen Entwicklung des Staatstheaters nicht nur den Sanierungsbedarf, die Erweiterung oder die gesundheitlichen Probleme, die die jetzigen Räumlichkeiten aufwerfen. Wir sehen vor allem bei der Öffnung dieses Projektes zur Stadt hin einen großen städtebaulichen Aspekt. Wir sehen auch die Chance, dass der heutige Westwall-Optik-Charakter endlich verschwindet. (Stadtrat Ehlgötz/CDU: Ach Gott, ach Gott! - Unruhe, Zurufe) Wir Freien Wähler tragen daher die Beschlussvorlage mit. Wir übernehmen Verantwor- tung, (Anhaltende Unruhe) fordern aber eine Intensivierung der Bürgerbeteiligung und eine Punktlandung, was den Kostenrahmen von 25 Millionen Euro betrifft. Wir hoffen, dass wir bei diesen Kosten auch bei der Ziellinie ankommen werden. (Stadtrat Ehlgötz/CDU: Jawohl, Westwall!) Der Vorsitzende: Damit wäre die Diskussion abgeschlossen. Ich möchte zwei, drei As- pekte noch kurz erläutern. Es ist der Begriff zweites Schauspielhaus gefallen, das wir hier bauen würden. Das ist nicht der Fall, sondern wir haben im Moment ein Schauspielhaus, das sozusagen von der ursprünglichen Planung des Opernhauses abgezwackt ist. Jetzt kriegen wir an der Stelle nur eines und eben ein so gesehen neues Schauspielhaus, können damit aber auch die Probebühnen für Oper und anderes ermöglichen und damit durchaus auch Folgekosten an anderer Stelle einsparen, die sich aus den derzeitigen Betriebskosten für Logistik und für die Anmietung zusätzlicher Gebäude ergeben. Da es zusätzliche Flä- chen sind, müssen wir am Ende uns genau darlegen lassen, wie die Folgekosten sind, was Plus und was Minus ist, wie sich das ausgleicht. Da wagen wir im Moment noch keine Prognose. Das hat auch viel mit der neuen Logistik und der neuen Funktionalität in einem solchen Gebäude zu tun, die dort möglich ist. Das wird selbstverständlich, das kann ich hier auch zusagen, auch bei der Auswahl des Siegerentwurfes beim Architek- tenwettbewerb eine Rolle spielen. Wie ist das von der Logistik, wie ist das von der Funk- - 19 - tionalität und wie ist das letztlich damit auch von den Betriebskosten? Ich sage Ihnen zu, dass wir natürlich auch diese Aspekte dann weitergehend hier diskutieren, denn unsere Erwartung ist auch, dass wir an anderer Stelle Kosten für Flächenanmietungen einsparen. Wie sich das am Ende in der Bilanz auswirkt, werden wir sehen, wobei ich auch nicht verhehle, dass das Theater jederzeit gerne bereit wäre, die anderswo frei- werdenden Flächen durch neue Angebote aufzufüllen. Das ist dann ein Stück weit selbstverständlich auch die Aufgabe von uns, hier miteinander ins Gespräch zu kom- men. (Stadtrat Ehlgötz/CDU: Sanieren wir doch die Nancyhalle!) Mir ist auch ganz wichtig darauf hinzuweisen, dass wir Ihnen guten Gewissens diese finanzielle Belastung zumuten können, weil es sich auf mehrere Jahre verteilt, weil wir hier auch, das werden wir nächste Woche noch ausführlich diskutieren, eine ganze Rei- he von Stellschräubchen haben, und bei 6 bis 7 Millionen Euro pro Jahr mehr kann kei- ner von einer finanziellen Zusatzbelastung, unvorhersehbaren und vor allem unkontroll- lierbaren Ausmaßes ausgehen. Es geht hier nicht darum, ein Staatstheater an einer neuen Stelle überhaupt zum ersten Mal zu errichten, sondern wir haben ja eine klare Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für die Zuschaue- rinnen und Zuschauer. Das Thema Brandschutz ist gefallen, das Thema Arbeitsplätze ist gefallen, und das sind die Themen, die uns dringend abverlangen, hier eine Änderung herzustellen. Auch die aufgeworfenen Zahlen - 65 Millionen sind für das eine und 60 Millionen sind für das andere - sind noch etwas zu relativieren. Wir machen zwar einen Werkstattanbau, aber wir nehmen dafür an anderer Stelle auch Flächen weg. Wenn man wirklich einmal genau ausrechnet, was das „At on“ ist, auf das, was wir sowieso machen müssten, dann stellt es sich aus meiner Sicht noch einmal deutlich niedriger dar, als jetzt mit 60 Millionen Zusatzkosten reinzugehen. Wenn wir dann noch zwischen Land und Stadt aufteilen, dann merken Sie, wir kommen da in Dimensionen, die durch- aus überschaubar sind. Das zu den Punkten. Jetzt darf ich um die Abstimmung und um ihr Kartenzeichen bitten. Der KAL-Antrag kommt zuerst. Der KAL-Antrag steht zur Abstimmung. Sie zücken alle die Karten. - 3 Ja- Stimmen, 8 Enthaltungen, der Rest Nein-Stimmen. Wir sagen Ihnen natürlich trotzdem zu, dass wir uns für das Sponsoring einsetzen. An dieser Stelle vielleicht noch mal die Bemerkung, ich möchte mich da Herrn Kalmbach ausdrücklich anschließen, wir sollten nicht auf das Geld gucken, das aus Karlsruhe heu- te schon woandershin geht, sondern wir müssen hier eine neue Kultur der Unterstüt- zung der Bürgerschaft für ihre Kultureinrichtungen starten und schaffen. Das ist etwas, da hat Karlsruhe noch ein bisschen nachzuholen. Das muss unser Anspruch sein. Die Institutionen haben wir, und ich bin sicher, das Geld gibt es dafür auch in dieser Stadt. Jetzt kommen wir zur eigentlichen Beschlussvorlage. Da bitte ich um das Kartenzeichen. - Wir sehen 3 Enthaltungen, sonst nur Ja-Stimmen. Ich möchte mich für dieses eindeu- tige Votum hier ausdrücklich bedanken. Ich werte das auch als Honorierung der bishe- rigen Leistungen des Staatstheaters im Rahmen unserer Kultur. Ich werte das auch als großen Vertrauensvorschuss für die zukünftige Arbeit und für ein breites Bündnis der Unterstützung aus dem Gemeinderat heraus für das Staatstheater. Ich möchte Sie auch - 20 - bitten, Herr Spuhler, dieses auch als Zeichen der Anerkennung an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatstheaters weiterzutragen. Ich glaube, es ist auch gegenüber dem Land ein sehr starkes Signal. Dafür bedanke ich mich ausdrücklich bei Ihnen hier im Gemeinderat. (Beifall) Selbstverständlich, das sage ich Ihnen zu, werden wir über das Ergebnis des Architek- tenwettbewerbs informieren, wir werden Bürger beteiligen, wir werden auch, falls es größere Abweichungen gibt, das selbstverständlich hier noch einmal zur Diskussion und zur Abstimmung stellen. Ich möchte auch noch mal darauf hinweisen, dass wir sowohl im Kulturausschuss als auch im Planungsausschuss im letzten Jahr durchaus die bis dato geltenden Planungen vorgestellt haben, zuletzt im Oktober im Planungsausschuss. Da kannten Sie auch den damaligen Textentwurf für den Architektenwettbewerb, der auch im aktuellen Entwurf nur in ganz geringen Punkten abweicht und in seinen grundsätzli- chen Linien noch genauso ist. Ich möchte darauf verweisen, dass eine Öffentlichkeitsbe- teiligung bei einem solch komplexen Projekt, das auch mit Land und Stadt zwei Ver- antwortliche hat, vielleicht nicht ganz so einfach zu realisieren ist, aber auch den Vor- wurf hier deutlich zurückweisen, dass wir nicht doch versucht hätten, hier immer aus- reichend die Informationen weiterzuleiten. Zur Beurkundung: Der Schriftführer: Hauptamt - Ratsangelegenheiten 31. März 2014