Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe - Achter Sachstandsbericht 2013

Vorlage: 2013/0226
Art: Beschlussvorlage
Datum: 19.11.2013
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Nordstadt, Oberreut

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 21.01.2014

    TOP: 5.2

    Rolle: Entscheidung

    Ergebnis: einstimmig beschlossen

Zusätzliche Dateien

  • Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe
    Extrahierter Text

    BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 57. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 21.01.2014 2013/0226 5.2 öffentlich Dez. 3 Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe `97 - Achter Sachstandsbericht 2013 Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 04.12.2013 1 vorberaten Gemeinderat 21.01.2014 5.2 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss In seiner Sitzung am 13.05.1997 hat der Gemeinderat beschlossen, im Zweijahres- rhythmus den jeweiligen Sachstandsbericht des Gesamtkonzeptes Wohnungslosen- hilfe 1997 zu diskutieren. Der Gemeinderat nimmt - nach Vorberatung im Sozialausschuss - den 8. Sachstandsbe- richt zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Der vorliegende 8. Sachstandsbericht „Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe“ bildet die Datenlage 2011/2012 der Karlsruher Wohnungslosenhilfe ab. Da der Termin zur Vor- stellung des Berichts in großem Abstand zum Erhebungszeitraum liegt, wird auf die Bereiche, in denen es in 2013 wesentliche Änderungen gab, zusätzlich aktuell einge- gangen. Anhand der Stichtagszahlen, die jeweils zum 31.12. erhoben werden, wird die kontinu- ierliche Zunahme der untergebrachten Personen deutlich. Während im Dezember 2012 mit 290 Personen bereits eine steigende Tendenz im Vergleich zu den Vormonaten zu verzeichnen war, hielt dieser Trend in den Folgemonaten an. Im August 2013 waren bereits 348 Personen untergebracht. Hier zeigen sich die Auswirkungen des begrenzten Karlsruher Wohnungsmarktes be- sonders deutlich. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat: Der Gemeinderat nimmt - nach Vorberatung im Sozialausschuss - den 8. Sachstandsbe- richt zur Kenntnis. Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 9. Januar 2014

  • Anlage Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe
    Extrahierter Text

    588 613 468 328 267 207 177 183 226 241 311 340 303 294 333 317 296 287 256 235 290 0 100 200 300 400 500 600 700 929394959697989900010203040506070809101112 Jahr Anzahl Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugenddezernat Wohnungslose 1992 – 2012, Stichtag 31.12. STAND AUGUST 2013 348 Personen GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 Achter Sachstandsbericht 2013 2 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 VORWORT Mit dem hier vorgelegten Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe wird die seit Ende der 1990er Jahre kontinuierliche Berichterstattung fortgeführt. Initiiert wurde das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 in der Gemeinderatssitzung vom 13.05.1997. Seither wird dem Gemeinderat im Zweijahresrhythmus ein Sachstandsbericht vorgelegt, der über die aktuellen Bedarfe, Entwicklungen und Trends in Bezug auf die Karlsruher Wohnungslosenhilfe Auskunft gibt. Auf die Bereiche, in denen es über das Jahr 2012 hinaus wesentliche Entwicklungen gab, wird im Bericht gesondert eingegangen, denn mit Beginn des Jahres 2013 hat die Zahl der Wohnungslosen stark zugenommen. Dennoch soll der bisherige Zwei- Jahres-Rhythmus in der Fortschreibung des Berichts weiter beibehalten werden. Karlsruhe hat bereits in den letzten Dekaden viel geleistet, um die Zahl der Wohnungslosen zu senken: So wurde in den 1960er Jahren das Barackenbeseitigungsprogramm und in den 1970er Jahren das Rahmenprogramm zur Rehabilitation sozialer Randgruppen aufgelegt. Der Bestand des Wohngebietes Kleinseeäcker wurde besonders in den 1980er Jahren in Augenschein genommen, und in den 1990er Jahren erfolgte die konzeptionelle Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe über das Gesamtkonzept. 2003 initiierte das Dezernat 3 das „Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe“, um den negativen Trend steigender Wohnungslosenzahlen zu stoppen. Im Jahr 2010, dem Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung hat Karlsruhe das Masterplanziel: „Auflösung der unbetreuten Unterkünfte“ erreicht. Dieser Beitrag zur Bekämpfung der extremsten Ausprägung von Armut war aufgrund eines differenzierten und gut funktionierenden Hilfesystems, verbunden mit einem ausdifferenzierten Netzwerk, möglich. Wohnen ist ein elementares Grundbedürfnis aller Menschen. Eine eigene Wohnung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. In den letzten Jahren hat sich die Lage auf dem Karlsruher Wohnungsmarkt jedoch deutlich verschlechtert. Auch der Stillstand des Sozialen Wohnungsbaus in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass es für einkommensschwache Haushalte enorm schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Betroffen hiervon sind vor allem Alleinerziehende, Familien mit mehr als vier Personen und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Wartelisten bei den Wohnungsbaugesellschaften sind aufgrund des engen Wohnungsmarktes lang, und die Wartezeiten können mehrere Jahre betragen. Die Auswirkungen davon sind seit Beginn des Jahres 2013 auch deutlich in der Fachstelle Wohnungssicherung sowie in allen Bereichen der Karlsruher Wohnungslosenhilfe zu spüren. Die Unterbringungszahlen von Familien, Paaren und Alleinstehenden sind seit 2013 drastisch gestiegen, ebenso die Verweildauer in den Unterkünften. Ein wichtiges Instrument zur Wohnraumbeschaffung ist die Wohnraumakquise, über die im Zeitraum 2005 bis 2012 378 Wohnungen für 983 Personen bereitgestellt wurden. Mittlerweile wurde die 1.000ste Person mit Mietraum versorgt. Die dezentrale Versorgung mit eigenem Wohnraum bedeutet für wohnungslose Menschen gleichzeitig die Erhöhung der Integrations- und Teilhabechancen. Dennoch bleibt die Versorgung wohnungsloser Menschen mit Wohnraum weiterhin eine große Herausforderung. Dass der Wohnungsmarkt gerade im preiswerten Mietsegment sehr angespannt ist führt dazu, dass Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten als Mietsuchende in Konkurrenz mit anderen Gruppen mit geringen Einkünften bei Vermieterinnen und Vermietern oft nur geringe Chancen haben. Dieser Herausforderung will sich die Stadt Karlsruhe stellen, indem sie auch in Zukunft die vorhandenen Unterstützungskonzepte bedarfsgerecht weiterentwickelt. In den Jahren 2011 und 2012 konnten mit Hilfe vieler Kooperationspartner einige Angebote - besonders für junge erwachsene Wohnungslose - ausgebaut und neue Projekte initiiert und somit das System für unter 25-Jährige weiter ausdifferenziert werden. So wurde die Notunterkunft für Männer nach einjähriger Probephase fest installiert. Da auch ein Bedarf für junge Frauen besteht, wurde mit JUNO eine Notunterkunft für Frauen geschaffen. Dass Menschen trotz des angespannten Karlsruher Wohnungsmarktes mit Wohnraum versorgt werden können, ist vor allem aufgrund des guten Zusammenspiels aller Beteiligten möglich. In den Jahren 2011 und 2012 war noch nicht absehbar, dass sich die Lage im Jahr 2013 drastisch ändern wird. So sind vom Anstieg der untergebrachten Personen seit 2013 insbesondere wohnungslose Familien, die ohne Unterstützung kaum mehr eine Wohnung in Karlsruhe selbstständig anmieten können, betroffen. Gerade deshalb ist die gute Zusammenarbeit im Netzwerk der Wohnungslosenhilfe innerhalb Karlsruhes wie auch im Sinne einer Sozialregion mit dem Landkreis weiterhin notwendig. Mein besonderer Dank gilt daher allen Akteuren der Karlsruher Wohnungslosenhilfe sowie allen in dem Arbeitsfeld Tätigen. Mein Dank gilt auch der Unterstützung der Stadträtinnen und Stadträte des Karlsruher Gemeinderates sowie allen Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Vermieterinnen und Vermietern, die mit der Bereitstellung ihrer Wohnungen dazu beitragen, Wohnungsnot zu beseitigen. Martin Lenz Bürgermeister SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 3 INHALTSVERZEICHNIS VORWORT .......................................................................................................................................................................................................... 2 1. FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG........................................................................................................................................................... 5 2. PRÄVENTION .................................................................................................................................................................................................. 7 2.1 Fristlose Kündigungen, Klagen, Mietrückstandsausgleich, Mietsicherung ............................................................................... 7 2.2 Aufsuchende Arbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe .................................................................................................. 8 2.3 Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe im Kontext der Wohnungssicherung ......................................................................... 11 3. BESEITIGUNG VON OBDACHLOSIGKEIT ...................................................................................................................................................... 12 3.1 Zahlen, Strukturen, Ergebnisse ............................................................................................................................................. 12 3.2 Betreute Obdachlosenunterkünfte ....................................................................................................................................... 15 3.2.1 Das Lotsenkonzept ....................................................................................................................................................... 16 3.2.2 Wohnheim Rüppurrer Straße 23.................................................................................................................................... 16 3.2.3 Gartenstraße 9 ............................................................................................................................................................. 17 3.2.4 Frauenpension: SOZPÄDAL ........................................................................................................................................... 17 3.2.5 Übergangswohngruppe Kriegsstraße 88 ........................................................................................................................ 17 3.2.6 Sozialpension Augustiner: AWO .................................................................................................................................... 17 3.2.7 Sporthotel Stutensee .................................................................................................................................................... 18 3.3 Angebote Betreutes Wohnen .............................................................................................................................................. 18 3.3.1 Betreute Wohnformen: SOZPÄDAL ............................................................................................................................... 18 3.3.2 Wohngruppe Adlerstraße und Außenstellen: Heimstiftung ............................................................................................. 18 3.3.3 Betreutes Wohnen: AWO .............................................................................................................................................. 19 3.3.4 Betreutes Wohnen für haftentlassene wohnungslose Männer: Verein für Jugendhilfe e. V. ............................................. 19 3.3.5 Wohngemeinschaft Lessingstraße: bwlv ........................................................................................................................ 19 3.3.6 Haus Bodelschwingh: Verein für ev. Heimfürsorge Karlsruhe e. V. .................................................................................. 20 3.4 Langzeithilfen ..................................................................................................................................................................... 20 3.4.1 Langzeitwohngruppe Thomas-Mann-Straße: Heimstiftung ............................................................................................. 20 3.4.2 Hotel Anker: AWO ........................................................................................................................................................ 20 3.4.3 Wohnetage Scheffel 37: Wohnen für wohnungslose Frauen mit erheblichen multiplen Erschwernissen: SOZPÄDAL ........ 20 4. WOHNRAUMBESCHAFFUNG ........................................................................................................................................................................ 22 4.1 Wohnraumakquise durch Kooperation ................................................................................................................................. 22 4.2 Nutzungsverhältnisse ........................................................................................................................................................... 24 4.3 Scharnierstelle zur Volkswohnung GmbH ............................................................................................................................. 25 5. BERATUNG ................................................................................................................................................................................................... 26 5.1 Beratungsstelle für wohnungslose Männer ........................................................................................................................... 26 5.2 Beratungsstelle für Frauen und Paare in Wohnungsnot: SOZPÄDAL ...................................................................................... 26 5.3 Straßensozialarbeit: Diakonisches Werk ............................................................................................................................... 26 5.4 Anlaufstelle Iglu: Heimstiftung ............................................................................................................................................. 26 6. VERSORGUNG .............................................................................................................................................................................................. 28 6.1 Erfrierungsschutz Kriegsstraße 88 ........................................................................................................................................ 28 6.2 Tagestreff „Tür“: Diakonisches Werk ................................................................................................................................... 28 6.3 TafF – Kombiniertes Angebot: „Tagesaufenthalt“ und „Arbeiten und Qualifizieren“ für Frauen in Wohnungsnot: SOZPÄDAl 28 6.4 Medizinische Versorgung .................................................................................................................................................... 29 7. ZIELGRUPPEN ............................................................................................................................................................................................... 30 7.1 Wohnungslose Familien ....................................................................................................................................................... 30 7.1.1 Mehrfamilientherapie mit wohnungslosen Familien: Ohlebusch GmbH ........................................................................... 30 7.2 Junge erwachsene Wohnungslose ....................................................................................................................................... 31 7.2.1 Noku: Heimstiftung ...................................................................................................................................................... 31 7.2.2 JUNO: Heimstiftung ...................................................................................................................................................... 31 7.2.3 Wohnen 18+: SOZPÄDAL ............................................................................................................................................. 32 7.2.4 Befragung junger Wohnungsloser durch die Fachstelle Wohnungssicherung .................................................................. 32 7.3 Psychisch kranke Wohnungslose .......................................................................................................................................... 35 7.3.1 Betreutes Wohnen: AWO .............................................................................................................................................. 35 7.3.2 Betreutes Wohnen: SOZPÄDAL ..................................................................................................................................... 35 7.3.3 Aufsuchende Betreuung für wohnungslose psychisch kranke Menschen: Diakonisches Werk .......................................... 35 7.3.4 Appartementhaus Rüppurrer Straße 56: Diakonisches Werk ........................................................................................... 35 7.3.5 Ambulant betreutes Wohnen: Badischer Landesverein für Innere Mission ....................................................................... 36 7.3.6 Sozialpsychiatrischer Dienst ........................................................................................................................................... 36 8. ARBEIT, BESCHÄFTIGUNG, AKTIVIERUNG ................................................................................................................................................... 37 8.1 Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) ................................................................................................................. 37 8.2 Arbeits- und Beschäftigungsprojekt „Esperanza“: Heimstiftung ............................................................................................ 37 8.3 Arbeits- und Beschäftigungsprojekt: AWO ........................................................................................................................... 37 8.4 Beschäftigungsprojekt LaBOR für junge Erwachsene in Wohnungsnot: SOZPÄDAL .............................................................. 38 8.5 TafF – Arbeiten und Qualifizieren: SOZPÄDAL ...................................................................................................................... 38 8.6 Wohnungsakquise und Sanierung: SOZPÄDAL ..................................................................................................................... 39 8.7 Streetwork: Diakonisches Werk ........................................................................................................................................... 39 4 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 9. HILFEN FÜR WOHNGEBIETE MIT BESONDEREM UNTERSTÜTZUNGSBEDARF ............................................................................................ 40 9.1 Kleinseeäcker ...................................................................................................................................................................... 40 9.2 Wohnwagenabstellplatz ...................................................................................................................................................... 40 9.3 Nussbaumweg .................................................................................................................................................................... 40 10. AUSBLICK ................................................................................................................................................................................................... 41 11. ANHANG .................................................................................................................................................................................................... 42 IMPRESSUM ..................................................................................................................................................................................................... 47 SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 5 1. FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG In einem mehrjährigen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern initiierten Prozess der Organisationsentwicklung hat sich die Abteilung Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde seit 2007 zur „Fachstelle Wohnungssicherung“ gewandelt. Das Modell „Zentrale Fachstelle“ geht auf ein Konzept des Städtetages zurück und verfolgt den Kerngedanken, Zuständigkeitszersplitte- rung verschiedener städtischer Stellen zu überwinden. Daher kann die erforderliche Hilfe für Haushalte in Wohnungsnot zielgenauer, koordinierter und schneller erfolgen. Die Fachstelle Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde hat darüber hinaus auch die Sachbearbeitung der Sozialleistun- gen nach Sozialgesetzbuch II (SGB II) und Sozialgesetzbuch XII (SGB XII) für wohnungslose Menschen integriert. So ist gewährleistet, dass Leistungssachbearbeitung und Sozialarbeit eng kooperieren. Das folgende Organigramm veranschaulicht den Aufbau der Fachstelle Wohnungssicherung. Organigramm Fachstelle Wohnungssicherung | Abbildung 1 6 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Wohnungslosenhilfe in Karlsruhe (Mai 2013) | Abbildung 2 FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG BETREIBT FINANZIERT UND/ODER KOOPERIERT MIT PRÄVENTION  Mietrückstandsausgleich  fristlose Kündigungen, Klagen  Mietsicherung  aufsuchende Sozialarbeit PRÄVENTION  Prävention durch SoDi BERATUNG  Beratungsstelle Männer  Lotsenkonzept  Schuldnerberatung BERATUNG  Iglu: Heimstiftung  Beratungsstelle für Frauen und Paare: SOZPÄDAL INSTITUTIONELLE HILFEN  Wohnheim Rü 23  Erstaufnahme in Rü 23  Übergangswohngruppe K88/DG INSTITUTIONELLE HILFEN  Frauenpension: SOZPÄDAL WOHNEN  Wohnungsakquise  Belegungsvereinbarungen/Nutzungsverträge BETREUTES WOHNEN  AWO  Bodelschwingh  Heimstiftung  Mehrfamilientherapie: Ohlebusch GmbH  SOZPÄDAL  Verein für Jugendhilfe BESEITIGUNG VON OBDACHLOSIGKEIT  Einweisung in Unterkünfte und Hotels  Verwaltung der Unterkünfte  Erfrierungsschutz K 88 LANGZEITHILFEN  Anker: AWO  Langzeit-WG Thomas-Mann-Straße: Heimstiftung  Wohnetage Scheffelstraße: SOZPÄDAL ARBEIT UND BESCHÄFTIGUNG  SGB II-Arbeitsvermittlung VERSORGUNG  Tagestreff TÜR: Diakonisches Werk  TafF: SOZPÄDAL  Medizinische Versorgung PSYCHISCH KRANKE  Betreutes Wohnen: AWO  Appartementhaus Rü 56: Diakonisches Werk  Aufsuchende Hilfe: Diakonisches Werk  Betreutes Wohnen: SOZPÄDAL  Ambulant betreutes Wohnen: Badischer Landesverein für Innere Mission AKTIVIERUNG  Arbeitsprojekt AWO  Streetwork: Diakonisches Werk  Esperanza: Heimstiftung  LABOR/Wohnungsakquise und Sanierung: SOZPÄDAL  TafF JUNGE ERWACHSENE  Noku: Heimstiftung  Juno: Heimstiftung  Betreutes Wohnen: SOZPÄDAL FAMILIEN  Mehrfamilientherapie  Beratung SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 7 2. PRÄVENTION Das Team der Prävention innerhalb der Fachstelle Wohnungssicherung versucht durch rasche und wirksame Intervention bei Mah- nungen, Kündigungen und Räumungsklagen drohende Wohnungsverluste und die möglichen negativen Auswirkungen wie Hoff- nungslosigkeit, soziale Isolation, Ausgrenzung, fehlende Arbeitsperspektive zu verhindern. 2.1 FRISTLOSE KÜNDIGUNGEN, KLAGEN, MIETRÜCKSTANDSAUSGLEICH, MIETSICHERUNG Im Jahr 2011 waren durch Mahnungen, fristlosen Kündigungen und Räumungsklagen insgesamt 921 und 2012 insgesamt 928 Verfahren bei der Fachstelle Wohnungssicherung zu verzeichnen. Im Jahr 2011 konnten 288 Mietverhältnisse und im Jahr 2012 239 Mietverhältnisse durch die Prävention erhalten werden. Die, im Vergleich zu den Vorjahren, geringere Anzahl der Übernahmen resultiert nicht aus einer restriktiveren Haltung der Fachstelle Wohnungssicherung. Vielmehr wurden 2012 weniger Anträge auf Übernahmen von Mietrückständen gestellt. Die Zahlen des Jahres 2013 entsprechen den Zahlen des Vorjahres. Übernahme Mietrückstände 2008 – 2012 | Abbildung 3 290 294 277 288 239 0 50 100 150 200 250 300 350 2008 2009 2010 2011 2012 Anzahl Überna h men 8 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Laufende Mietsicherungen 2008 – 2012 | Abbildung 4 Die konstant hohe Anzahl der laufenden Mietsicherungen erlaubt es, zuverlässig und zielorientiert den Erhalt der Wohnung zu sichern. Durch die Abtretung der eigenen Einkünfte in Höhe der Monatsmiete an die Fachstelle Wohnungssicherung und die dann folgende Weiterleitung der Einkünfte an die Vermieterin/den Vermieter werden effektiv und nachhaltig neue Mietrückstände verhindert. 2.2 AUFSUCHENDE ARBEIT IN DER PRÄVENTIVEN WOHNUNGSLOSENHILFE Schwerpunkt der aufsuchenden Arbeit ist die Hilfe vor dem Räumungstermin mit dem Ziel der Verhinderung von Wohnungslosig- keit. Dies beinhaltet, die vor dem Wohnungsverlust stehenden Haushalte aufzusuchen, den Hilfebedarf abzuklären und falls not- wendig, Hilfen zum Mietrückstandsausgleich und zur Mietabsicherung zu vermitteln. Die furchtbare Gewalttat bei einer Zwangsräumung im Juli 2012 zwang die Fachstelle Wohnungssicherung zu einer intensiven Be- schäftigung mit dem Hilfsangebot bei Zwangsräumungen. Nach intensivem Austausch mit vielen Stellen, unter anderem mit dem Amtsgerichtspräsidenten und Vertretern der Gerichtsvollzie- her, wurden folgende Rahmenbedingungen für diesen Arbeitsbereich festgelegt: Vorrangiges Ziel ist der Wohnungserhalt. Sofern dies nicht möglich ist, erfolgt der Versuch einer Wohnungsvermittlung. Wenn eine Räumung nicht zu verhindern ist, erfolgt Vorbereitung auf die Situation der Wohnungslosigkeit und Begleitung beim Räumungster- min. Um die Sicherheit beim Räumungstermin zu verbessern, wurde mit dem Amtsgericht vereinbart, dass künftig die Gerichtsvollziehe- rin/der Gerichtsvollzieher allein die Wohnung betritt. Wenn sie/er die Lage abgeklärt hat, kann die Ansprechperson der Stadt, die vor der Wohnung oder vor dem Haus wartet, per Handy dazugeholt werden. Wird eine Mieterin/ein Mieter schon vor dem Räumungstermin, zum Beispiel aufgrund von Drohungen oder früheren Erfahrungen, als gefährlich eingeschätzt, dann wird von der Gerichtsvollzieherin/vom Gerichtsvollzieher die Polizei zum Termin hinzugezogen. Besteht vor der Räumung kein Kontakt zur Mieterin/zum Mieter, so wird die Räumung potenziell als gefährlich eingestuft. Aus personellen Gründen war in den Monaten nach der Zwangsräumung keine Begleitung beim Räumungstermin durch städtisches Personal möglich. Es wurde daher ein Flyer über die Unterbringungsangebote erstellt. Dieser wird von der Gerichtsvollzieherin/vom Gerichtsvollzieher ausgehändigt. Seit 01.07.2013 wurde die sozialpädagogische Begleitung beim Räumungstermin wieder aufgenommen. 174 142 156 162 158 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 2008 2009 2010 2011 2012 SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 9 Die nachfolgende Statistik zeigt die hohe Zahl an verhinderten Räumungsterminen. Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe | Abbildung 5 Zeitraum: 01.01. bis 31.12.2011 Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe | Abbildung 6 Zeitraum: 01.01. bis 31.12.2012 2011 und 2012 ist es der Fachstelle Wohnungssicherung durch ihre Hilfsangebote gelungen, die Hälfte der bereits terminierten Räumungstermine zu verhindern. Dadurch konnte für 306 Menschen der Wohnraum erhalten werden und die obdachlosenrechtliche Unterbringung mit all ihren sozialen Nachteilen verhindert werden. Unterbringung nach Räumungstermin 29 Haushalte (47 Personen) Unterbringung nach Räumungstermin 32 Haushalte (60 Personen) Ohne direkten Kontakt 50 Haushalte (69 Personen) RÄUMUNGSTERMINE 164 Haushalte (286 Personen) RÄUMUNGSTERMINE 180 Haushalte (277 Personen) Ohne direkten Kontakt 62 Haushalte (81 Personen) Abgesetzte Räumungstermine 89 Haushalte (149 Personen) Alleinlebende 58 Alleinerziehende 12 (28) Paare 7 (14) Familien 12 (49) Alleinlebende 19 Alleinerziehende 6 (14) Paare 0 (0) Familien 4 (14) Alleinlebende 48 Alleinerziehende 12 (30) Paare 6 (12) Familien 16 (67) Alleinlebende 13 Alleinerziehende 8 (19) Paare 7 (14) Familien 4 (14) Abgesetzte Räumungstermine 82 Haushalte (157 Personen) 10 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Hauptfaktor für den Verlust der Wohnung nach der Räumung ist, wie in der Vergangenheit auch, der Mietrückstand. Räumungsgründe in Prozent | Abbildung 7 77 8383 84 94 84,5 78,7 80 16 15 13 10 6 15 7 2 4 6 0 2,9 5,5 5 15,8 12,6 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 20052006200720082009201020112012 Prozent MietrückständeMietw idriges VerhaltenEigenbedarf Trotz eines gut vernetzten Hilfesystems führen teure Mieten, fehlende, preiswerte Alternativen auf dem angespannten Wohnungs- markt in Karlsruhe und besondere soziale Schwierigkeiten der Mietschuldnerinnen und -schuldner immer wieder zu Mietrückstän- den. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 11 2.3 DER SOZIALE DIENST DER STADT KARLSRUHE IM KONTEXT DER WOHNUNGSSICHERUNG Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe ist auf Grund seiner wohnumfeld- und sozialraumorientierten Arbeitsweise unter anderem auch Ansprechpartner für alle Menschen, die Wohnprobleme haben. Die Fachstelle Wohnungssicherung unterrichtet den Sozialen Dienst bei allen eingehenden Mitteilungen über drohenden Wohnungsverlust. Nach Eingang dieser Information versucht die zuständige Bezirkssozialarbeiterin/der zuständige Bezirkssozialarbeiter, umgehend Kontakt zu den Betroffenen herzustellen. Gelingt dies, findet eine Beratung sowie Klärung, welche Hilfen zur Vermeidung von Wohnungsverlusten erforderlich und möglich sind, statt. Benötigen die Klientinnen und Klienten zum Wohnungserhalt finanzielle Unterstützung, werden sie an die Fachstelle Wohnungssicherung oder die Anlaufstelle weitervermittelt. Für wohnungslose Familien und Alleinerziehende werden in gemeinsamen Fallbesprechungen und Hilfekonferenzen unter Beteili- gung der Leistungserbringer, der Fachstelle und dem Sozialen Dienst die notwendigen Hilfeleistungen geklärt, bei Bedarf um Ju- gendhilfeleistungen ergänzt und koordiniert. Im Jahr 2012 war der Soziale Dienst in 756 Fällen mit der Beratung zur Wohnungssicherung befasst. Fallzahlen der Beratung zur Wohnungssicherung beim Sozialen Dienst (2002 – 2012) | Abbildung 8 770770 699 705 693 734 751 812 850 639 756 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 20022003200420052006200720082009201020112012 Jahr Beratungen 12 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 3. BESEITIGUNG VON OBDACHLOSIGKEIT Nach dem baden-württembergischen Polizeigesetz ist die Kommune verpflichtet, auftretende Obdachlosigkeit als Störung der Öf- fentlichen Ordnung und Sicherheit zu beseitigen, sofern den Betroffenen nicht zumutbare Selbsthilfe möglich ist. Dabei spielen die jeweiligen Ursachen der Obdachlosigkeit keine Rolle. In Karlsruhe ist schon seit Jahrzehnten diese eigentlich ordnungsrechtliche Funktion an die Sozial- und Jugendbehörde delegiert. Außerhalb der regulären Sprechzeiten der Fachstelle für Wohnungssicherung werden notwendige Sofortmaßnahmen über das Wohnheim Rüppurrer Str. 23 veranlasst. Soweit nicht unmittelbar Wohnungen zur Verfügung stehen, werden obdachlose Haushalte und Einzelpersonen in den städtischen Unterkünften und den angemieteten Hotels eingewiesen. Zum Stichtag 31.12.2012 befanden sich in diesen Einrichtungen 290 Personen, darunter 36 Kinder (235 Personen in 2011, darunter 21 Kinder). Die Stichtagszahlen verdeutlichen, dass die Zahl der von der Fachstelle untergebrachten Personen in 2012 im Vergleich zu den Vorjahren erstmals wieder angestiegen ist. 3.1 ZAHLEN, STRUKTUREN, ERGEBNISSE Über die jeweils am Jahresende untergebrachten Personen gibt die folgende Grafik Auskunft: Wohnungslose 1992 – 2012, Stichtag 31.12. | Abbildung 9 588 613 468 328 267 207 177 183 226 241 311 340 303 294 333 317 296 287 256 235 290 0 100 200 300 400 500 600 700 929394959697989900010203040506070809101112 Jahr Anzahl Durch die verschiedenen von der Fachstelle Wohnungssicherung in den letzten Jahren eingeleiteten Maßnahmen zur Wohnraumver- sorgung und die damit einhergehende Differenzierung des Karlsruher Wohnungslosenhilfe-Systems konnte ein ebenso drastischer Anstieg der Wohnungslosenzahlen wie zu Beginn der 1990er Jahre verhindert werden. 2007 stieg die Gesamtzahl der im Laufe des Jahres untergebrachten Personen mit 876 auf den Höchststand der letzten zehn Jahre (s. Tabelle Verlaufszahlen S. 14). Auch wenn dieser Höchststand glücklicherweise nicht mehr erreicht wurde, so ist doch anhand des folgenden Schaubilds zu erkennen, dass die Verlaufszahlen in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen sind. Dies betrifft sowohl die Zahl der Personen als auch die Zahl der Haushalte. So waren 2011 813 Personen und 2012 819 Personen untergebracht. Die Jahreszahlen der untergebrachten Haushalte betrugen 2011 687 und 2012 693. Im Jahr 2013 sind die Unterbringungszahlen kontinuierlich gestiegen bis auf 348 Personen im August 2013. Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht absehbar. Die hohen Zahlen haben dazu geführt, dass erstmals seit Jahren wieder extern Hotelzimmer ange- mietet werden mussten. Dies ist mit steigenden Kosten verbunden. STAND AUGUST 2013 348 Personen SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 13 Untergebrachte 2003 – 2012 im Jahresverlauf | Abbildung 10 750 471 786 632 763 680 795 651 876 710 740 623 742 624 781 659 813 687 819 693 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2003200420052006200720082009201020112012 PersonenHaushalte Vergleicht man Gesamtjahres- und Stichtagszahlen (s. beide oben stehende Grafiken), so stellt man fest, dass zum Stichtag 31.12.2012 sowohl die Zahl der Untergebrachten deutlich gestiegen ist als auch die Zahl der Personen, die im Laufe der Jahre 2011 und 2012 untergebracht waren, zugenommen hat. Dies deutet darauf hin, dass es im Vergleich zu den Vorjahren weniger Abfluss aus dem Hilfesystem gab, was dem engen Karlsruher Wohnungsmarkt geschuldet ist. Dieser Trend setzt sich in 2013 fort. Wie in den letzten Jahren bilden auch 2012 die Ein-Personen-Haushalte (EP-HH) mit 87 % die größte Gruppe, wobei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken ist (91 % in 2011). Insgesamt stellen Frauen in 2011 knapp über ein Drittel (35 %) und Männer fast zwei Drittel (65 %) der Untergebrachten. Dieses Verhältnis blieb in den letzten Jahren relativ konstant. In 2012 ist ein leichter Rückgang des Frauenanteils zu beobachten: Hier lag er bei 31 %, und der Männeranteil der Untergebrachten betrug 69 %. Der häufigste Haushaltstyp bei einer geschlechtsdifferenzierten Betrachtung sind alleinlebende Männer ohne Kinder. Der Anteil der Familien hat sich von 7 % in 2011 auf 9 % in 2012 erhöht. Während in den Jahren 2009/2010 durchschnittlich 15 Familien versorgt wurden, hat sich die Zahl im Jahr 2012 auf 20 Familien im Durchschnitt erhöht. Auch die Aufenthaltsdauer in den Unterkünften ist gestiegen. Während sie im Jahr 2010 maximal vier Monate betrug, hat sie sich zwischenzeitlich auf mindestens sechs Monate erhöht. Zu den Familien zählen hier Paare und Alleinerziehende mit Kind(ern). In Kapitel 7.1 wird diese Zielgruppe eingehender betrachtet. Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2011 | Abbildung 11 Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2012 | Abbildung 12 Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2011 91% 2% 2% 5% Ein-Personen-HHPaare ohne Kind Familien mit KindAlleinerziehende Haushaltsstruktur der Untergebrachten in 2012 88% 3% 3% 6% Ein-Personen-HHPaare ohne Kind Familien mit KindAlleinerziehende 14 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Eine gesonderte Betrachtung der Alleinerziehenden zeigt einen leichten Anstieg des Anteils von 5 % in 2011 auf 6 % in 2012. Somit ist der Anteil im Vergleich zu den Vorjahren kontinuierlich gestiegen (2009: 2 %; 2010: 4 %). Die Alleinerziehenden setzen sich zahlenmäßig zusammen aus 46 Personen mit insgesamt 62 Kindern in 2012 (37 Personen mit 49 Kindern in 2011). Davon waren im Jahr 2011 11 Frauen unter 25 Jahren mit 12 Kindern alleinerziehend; im Jahr 2012 waren dies 8 Frauen mit 9 Kindern. Ein Viertel der Untergebrachten in 2012 hat ausländische Wurzeln; damit hat sich der Ausländeranteil im Vergleich zu den Jahren 2010 und 2011 von jeweils 20 % um 5 % erhöht. Im Vergleich zum gesamtstädtischen Bevölkerungsdurchschnitt von 15,8 % im Jahr 2012 liegt der Ausländeranteil damit um knapp 10 Prozentpunkte deutlich höher. In 2011 betrug die Differenz zwischen gesamtstädtischem Bevölkerungsdurchschnitt (15 %) und Anteil der Untergebrachten mit ausländischen Wurzeln (20 %) hingegen nur 5 Prozentpunkte. Zukünftig ist zu beobachten, ob es sich hierbei um eine sich verstetigende Entwicklung handelt. Dies sind auch Auswirkungen der EU-Erweiterung. Ausländeranteil der Untergebrachten in 2011 | Abbildung 13 Ausländeranteil der Untergebrachten in 2012 | Abbildung 14 Ausländeranteil der Untergebrachten in 2011 20% 80% Ausländer/-innenDeutsche Ausländeranteil der Untergebrachten in 2012 25% 75% Ausländer/-innenDeutsche Für 2010 wurde erstmals auch der Migrationshintergrund statistisch erfasst; er lag zum damaligen Zeitpunkt bei 28 %. In den letzten zwei Jahren ist der Anteil an untergebrachten Menschen mit Migrationshintergrund gestiegen; er betrug im Jahr 2011 30,9 % und in 2012 sogar 37,6 %, die Tendenz in 2013 ist leicht steigend. Somit ist der Personenkreis der Migrantinnen und Mig- ranten im Hilfesystem überrepräsentiert, denn der gesamtstädtische Bevölkerungsanteil liegt bei 25 %. In Karlsruhe gibt es keine Schwerpunkte bei den Herkunftsländern. Menschen mit Migrationshintergrund sind häufig tendenziell benachteiligt am Woh- nungsmarkt beispielsweise aufgrund von Sprachproblemen. Bei einer Auswertung der Gründe für die Notwendigkeit der obdachlosenrechtlichen Unterbringung ist zu beachten, dass die mög- licherweise langfristig entstandenen Ursachen der Entwicklung zur Wohnungslosigkeit, wie z. B. Arbeitslosigkeit, Armut, Suchter- krankung etc. bei der Fachstelle nicht für alle Betroffenen verlässlich erhoben werden können. Das folgende Schaubild veranschaulicht die Gründe für eine Unterbringung in den Jahren 2011 und 2012. Es beruht auf der Auswertung von 699 Personen in 2011 und 664 Personen in 2012, deren Daten dokumentiert sind. Gründe für eine Unterbringung in den Jahren 2011 und 2012 | Abbildung 15 8% 9% 13% 14% 25% 8% 9% 17% 13% 13% 13% 17% 1% 10% 10% 3% 7% 2% 2% 6% 0%5%10%15%20%25%30% Arbeitsaufnahme in KA Einreise Ausland Rauswurf Elternhaus Haftentlassung aus Therapie Unterschlupf bei Bekannten Kündigung akzeptiert Räumung Beziehungskonflikt ohne festen Wohnsitz bzw. ohne Angabe 2012 2011 SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 15 In den letzten drei Jahren kommen gleich bleibend 13 % der Untergebrachten aus einer Zwangsräumung, die mit den Mitteln der Fachstelle Wohnungssicherung nicht verhindert werden konnte. Dieser relative geringe Anteil zeigt, dass die Prävention zur Verhin- derung von Wohnungsverlust, vor allem bei Mietschulden, nach wie vor sehr gut funktioniert. Letztlich ist dieser Bereich auch der einzige, dessen Entwicklung durch Konzept und Organisation der Fachstelle Wohnungssicherung beeinflussbar ist. Alle anderen Gründe, die eine Unterbringung erforderlich machen, sind nicht durch die Fachstelle steuerbar; sie kann nur auf diese reagieren. Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren gibt es im Bereich der von den Mieter/-innen akzeptierten Kündigungen: Während dieser Anteil im Jahr 2010 9 % betrug, ist er sukzessive in den Jahren 2011 und 2012 leicht angestiegen und hat sich in 2012 mit 13 % wieder an das Niveau der Jahre 2008/2009 angeglichen. Auffällig ist lediglich der Anstieg im Bereich „Unterschlupf bei Be- kannten“ von 7 % im Jahr 2010 auf 17 % in 2012. Wie das folgende Schaubild verdeutlicht, haben der Ausbau und die Differenzierung des Hilfesystems in den letzten Jahren zu einer Verbesserung der Ergebnisse der Wohnungslosenhilfe dahingehend geführt, dass der Anteil der von der Fachstelle untergebrachten Personen, die in gesicherten Wohnraum oder notwendige Therapien vermittelt werden konnten, kontinuierlich gestiegen ist. Abgangsart nach Unterbringung | Abbildung 16 44% 48% 46% 49% 37% 57% 33% 63% 34% 61% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 20082009201020112012 Abgang nach unbekannt sicheres Wohnen und Therapie Anhand der Grafik wird sichtbar, dass die Abgänge aus den Unterkünften und Hotels nach unbekannt über die Jahre insgesamt gesunken sind von 44 % im Jahr 2008 auf 34 % in 2012. Hingegen hat der Anteil an Weitervermittlung in gesicherten Wohnraum (betreut und unbetreut) oder in notwendige Therapien in den letzten Jahren stets zugenommen und betrug in 2012 61 %. Davon wurden in 2011 14 % und 2012 15,8 % in Betreutes Wohnen vermittelt. Der in der Grafik nicht dargestellte restliche Prozentanteil (Sonstiges) setzt sich zusammen aus inhaftierten und verstorbenen Personen. 3.2 BETREUTE OBDACHLOSENUNTERKÜNFTE Seit Gründung der Fachstelle Wohnungssicherung am 01.01.2007 wurden die Hilfen nach § 67 ff SGB XII weiter ausgebaut und vervollständigt, mit dem Ziel, die gesellschaftliche Integration von Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten zu verbessern, vor allem hinsichtlich ihrer Wohnsituation. Schwerpunkt der Hilfen sind ambulante Betreuungen sowohl in Obdachlosenunterkünf- ten als auch im Wohnraum. Mit verschiedenen Trägern wurden Vereinbarungen geschlossen, so dass seither die nachfolgenden Hilfen angeboten werden können:  Betreutes Wohnen  Betreutes Wohnen für psychisch kranke Personen  Betreutes Wohnen für junge Erwachsene  Lotsen aus der Wohnungslosigkeit  Betreuungsangebote in Obdachlosenunterkünften 16 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 3.2.1 DAS LOTSENKONZEPT Ein wichtiger Baustein der Karlsruher Wohnungslosenhilfe, um die Dauer der Obdachlosigkeit zu verkürzen, ist seit 2006 das Lotsen- konzept. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter verschiedener Träger nehmen Kontakt zu den Menschen in den Unterkünften auf und suchen mit ihnen gemeinsam Wege aus der Obdachlosigkeit: eine neue Wohnung oder, falls notwendig, betreute Angebote. Die Finanzierung erfolgt über die Hilfen nach § 67 SGB XII. Aufgrund des 2004 bis 2006 mit großem Erfolg durchgeführten Pilotprojektes stimmte der Sozialausschuss 2006 der festen Imple- mentierung dieses Programms im Umfang von zunächst 42 Plätzen zu. Am 23.07.2008 beschloss der Sozialausschuss eine Auswei- tung um 7 Plätze. Folgende Träger sind seit 2010 mit der Durchführung beauftragt: Caritas: 7 Plätze (entspricht 0,5 Sozialarbeiterstellen) Diakonisches Werk: 14 Plätze (entspricht 1 Sozialarbeiterstelle) SOZPÄDAL: 21 Plätze (entspricht 2 Sozialarbeiterstellen) Die Lotsen sind neben dem Aufsuchen in den Unterkünften in folgenden Hotels tätig:  Hardeckstraße  Gartenstraße  Zum Krug  Alter Bahnhof  Handelshof  Alte Münze  Sporthotel Stutensee Erfreulich sind die hohen Teilnahmequoten der letzten Jahre; sie liegen bei 80 % in 2012 und in den Vorjahren bei über 80 %; im Jahr 2011 sogar bei über 92 %. Dies bedeutet, dass das Programm von den Betroffenen gut angenommen wird. In den Jahren 2011 und 2012 konnten jeweils 82 % der Gelotsten in Wohnraum vermittelt werden (2011: 54 Personen; 2012: 51 Personen). 2012 wurden 11 % entsprechend ihrer Bedarfslage in eine Einrichtung vermittelt (2011: 5 %). In 2012 wurden knapp über 42 % nach Beendigung des Lotsenprogramms weiter betreut (2011: 29,4 %). Die durchschnittliche Lotsentätigkeit dauert bei den erfolgreich Gelotsten - das sind die Klientinnen und Klienten, die in Wohnraum, Einrichtungen oder andere bedarfsgerechte Hilfen vermittelt wurden - 18 bis 20 Wochen. Die Erfolgsquote ist in den letzten Jahren gleichbleibend hoch und liegt zwischen 65 % und 70 %. Eine erfolgreiche Beendigung des Programms bedeutet, dass die Gelotsten in Wohnraum oder Einrichtungen vermittelt wurden und somit ihre Obdachlosigkeit been- det wurde. 3.2.2 WOHNHEIM RÜPPURRER STRAßE 23 Im Jahr 2011 konnten aufgrund personeller Engpässe die Erstaufnahme und das Wohnheim nicht voll belegt werden. Dennoch sind von den 166 Abgängen 11,4 % direkt in privaten Wohnraum vermittelt worden. 2012 war die Erstaufnahme mit 200 Abgängen wieder voll ausgelastet; hier konnten die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter durch ihre intensive Beratungsarbeit 14,5 % in priva- ten Wohnraum bringen. Zählt man die Vermittlung zu den freien Trägern dazu, konnte bei insgesamt 22 % der wohnungslosen Männer in der Erstaufnahme die Obdachlosigkeit binnen drei bis fünf Wochen beendet werden. Dies ist ein sehr gutes Arbeitser- gebnis, obwohl aufgrund der schwieriger werdenden Problemlagen der Klienten ein sozialarbeiterisch wesentlich höherer Arbeits- aufwand anfällt. Der Anteil der Männer mit besonderen sozialen Schwierigkeiten ist 2012 auf 38,5 % (2010: 31,22 %) gestiegen. Die Anzahl der Männer, die keinerlei Unterstützung bei der Wohnungssuche benötigen, halbiert sich auf nur 10 % im Jahr 2012. Auffällig ist bei den psychisch erkrankten Männern die hohe Anzahl der Doppeldiagnose Sucht und psychische Erkrankung. Diese haben alle Hilfe- systeme durchlaufen, ihre Zahl stieg auf 10,5 % (2010: 5,43 %). Der Anteil der unter 25-Jährigen hat 2012 mit 24,5 % einen neuen Höchststand erreicht. Diese Personengruppe stellt die Sozialarbeit des Wohnheimes vor neue Herausforderungen. Im Wohnheim ist die Vermittlung in Wohnraum auf 17,6 % rückläufig. Viele der im Wohnheim Untergebrachten sind nicht in der Lage, ihren Alltag alleine zu bewältigen. Dies spiegelt sich auch in der hohen Vermittlung zu den freien Trägern wider mit 35,3 % in 2012. Was die Altersstruktur betrifft, fallen zwei Tendenzen auf: die hohe Zahl der unter 25-Jährigen mit 22,1 % (2010: 5,3 %) und die Personengruppe ab 60 Jahren mit 17,6%. Bei den über 60-jährigen wohnungslosen Männern gibt es komplexe Schwierigkeiten bei der Versorgung mit angemessenen Hilfen wie der Vermittlung in den freien Wohnungsmarkt, den Gesundheitsbereich und in die Altenhilfe. Die Aufenthaltsdauer im Wohnheim ist unverändert: 54 % verlassen das Haus nach drei Monaten, weitere 20 % nach sechs Mona- ten; lediglich 7 % verweilen länger als zwei Jahre im Haus. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 17 3.2.3 GARTENSTRAßE 9 Die Gartenstr. 9 bietet für mindestens 30 Personen Übernachtungsmöglichkeiten: Auf fünf Stockwerken stehen jeweils zwei Doppel- zimmer und zwei Einzelzimmer sowie ein gemeinsam genutztes Bad und eine gemeinsam genutzte Küche zur Verfügung. Die größeren Räumlichkeiten werden überwiegend zur obdachlosenrechtlichen Unterbringung von Familien genutzt, für die die Gemeinschaftsküche eine deutlich bessere Versorgung als in Hotelzimmern ermöglicht. Im Jahr 2011 wurde die geplante vollständige Renovierung des Hauses abgeschlossen. Zur Koordinierung der Ansprechpartner im Haus finden regelmäßige Treffen zwischen Sozialem Dienst, SOZPÄDAL (Lotsen der Al- leinstehenden und Paare) und der Fachstelle Wohnungssicherung statt. 3.2.4 FRAUENPENSION: SOZPÄDAL Die Frauenpension „Unter den Linden“ war auch in den Jahren 2012 und 2011( ) durchgehend zu 100 % belegt. 23 (33) Frauen mit insgesamt 10 (8) Kindern, darunter 3 (5) schwangere Frauen konnten ein Zimmer in der Frauenpension beziehen. 23 (32) Frauen mit 10 (11) Kindern sind aus der Frauenpension ausgezogen. Mit 19 (27) Frauen, das entspricht 83 %, konnten die im Hilfeplan formulierten Ziele/Perspektiven erreicht und eine individuelle Perspektive erarbeitet werden. 18 (23) Frauen konnten Wohnraum beziehen, 1 (4) Frau(en) wurde(n) in eine geeignete Einrichtung vermittelt. Um die Fortsetzung und Nachhaltigkeit des in der Frauenpension begonnenen Hilfeprozesses sicher zu stellen, war es für 14 (23) Frauen notwendig, Anschlusshilfen beim Bezug einer Wohnung in Anspruch zu nehmen wie beispielsweise Betreutes Wohnen oder Sozialpädagogischen Familienhilfe. Für Frauen mit Kindern bestehen während des Aufenthaltes in der Frauenpension enge Absprachen mit dem Sozialen Dienst, bei Bedarf werden spezifische Angebote vermittelt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Frauenpension ist wieder gesunken und lag bei 7,6 (6,8) Monaten. Sie ist neben Fakto- ren wie begrenzt verfügbarer Wohnraum im Niedrigpreissegment sowie Vorbehalte der Vermieterinnen und Vermieter gegenüber dieser Gruppe auch abhängig von den Ressourcen der jeweils in der Frauenpension lebenden Frauen. Das Konzept Frauenpension ist nach wie vor eine äußerst erfolgreiche Form der Betreuung während der Zeit der obdachlosenrechtli- chen Unterbringung. Trotz häufiger anfänglicher Konflikte mit Freunden und Besuchern oder auch Verstößen gegen die Hausord- nung gelingt es, mit den Frauen eine stabile Beziehung für eine nachhaltige Wohnperspektive aufzubauen. Die Unterbringung in Einzelzimmern und die gute Instandhaltung des Hauses durch den Vermieter schafften hierfür eine positive Grundlage 3.2.5 ÜBERGANGSWOHNGRUPPE KRIEGSSTRAßE 88 Die Übergangswohngruppe im Dachgeschoss der Kriegsstraße 88 verfügt über sieben Plätze für wohnungslose Männer, die längs- tens für sechs Monate hier obdachlosenrechtlich untergebracht werden können. Betreut werden die Bewohner von der städtischen Beratungsstelle im gleichen Gebäude. Insgesamt wurden im Jahr 2012 15 Männer betreut. Von den 11 ausgezogenen Personen fanden 6 Bewohner eine eigene Woh- nung oder konnten in eine adäquate Einrichtung vermittelt werden Dies entspricht einer erfolgreichen Vermittlungsquote von 55 %. 5 Personen haben Karlsruhe nach unbekannt verlassen. Die durchschnittliche Verweildauer betrug vier Monate und ist im Vergleich zum letzten Sachstandsbericht um einen Monat gesun- ken. In zwei begründeten Fällen wurde die maximale Verweildauer von vier Monaten um vier bzw. um sechs Wochen überschritten. Ab Dezember 2011 musste die Platzkapazität vorübergehend von 7 Plätzen auf 3 Plätze reduziert werden. Außerdem konnte ab Mai 2012 ein Zimmer wegen Schimmelbildung nicht belegt werden. 3.2.6 SOZIALPENSION AUGUSTINER: AWO Die Sozialpension Augustiner ist eine von der AWO betriebene obdachlosenrechtliche Unterkunft, in die die Stadt Karlsruhe woh- nungslose Menschen ordnungsrechtlich einweist. Das alleinige Belegungsrecht liegt somit bei der Fachstelle Wohnungssicherung. Von der Aufnahme ausgeschlossen sind pflegebedürftige Menschen, da in der Sozialpension keine Pflegeleistungen erbracht werden können. Ziel ist, die wohnungslosen Menschen innerhalb von sechs Monaten mit geeignetem Wohnraum zu versorgen. Vermittelt werden konnten 68 Menschen im Jahr 2011, darunter 43 in eigenen Wohnraum. Im Jahr 2012 wurden von 71 eingewie- senen Personen 53 vermittelt, davon konnten 33 eigenen Wohnraum beziehen. Besonders auffällig waren 2011/2012 die unter 25-Jährigen, die teilweise direkt aus der Jugendhilfe kamen. Im Jahr 2011 waren 28 von 80 eingewiesenen Personen unter 25 Jahre alt, im Jahr 2012 betraf dies 24 von 71 eingewiesenen Per- sonen. Gerade in den letzten Monaten ist ein enormer Anstieg der Mieten zu beobachten. Neben den altbekannten Hemmnissen und Benachteiligungen auf dem Wohnungsmarkt der meisten Klienten wie Schufa-Eintrag, Überschuldung, Suchterkrankungen und so weiter erschweren die steigenden Mietpreise die Wohnungssuche bei gleichzeitig immer knapper werdendem Wohnraum zuneh- mend. Weiterhin besteht ein hoher Bedarf an Plätzen in betreuten Wohnformen, gerade für psychisch kranke Menschen ganz ohne oder mit Doppeldiagnose, oder beispielsweise für Menschen mit chronischer Alkoholerkrankung im Rentenalter. 18 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 3.2.7 SPORTHOTEL STUTENSEE Im Rahmen der Sozialregion Karlsruhe wurde für die Jahre 2006 bis 2013 ein Vertrag mit der Stadt Stutensee zur Unterbringung Karlsruher Wohnungsloser in einem Hotel in Stutensee geschlossen. Im Sporthotel Stutensee stehen 20 Plätze für Karlsruher Woh- nungslose zu Verfügung. In den Jahren 2011 und 2012 waren im Schnitt nur 15 Plätze belegt. Im Jahr 2013 sind aufgrund der steigenden Zahlen jedoch ständig alle Plätze belegt. Das Hotel wird im Rahmen des Lotsenkonzeptes aufsuchend betreut (s. Kapitel 3.2.1). Aufgrund der erhöhten Fahrtzeit werden für die Träger hier jedoch je betreuter Person 1,5 Fälle abgerechnet. Es gelingt, dass Wohnungslose Wohnraum im Landkreis Karlsruhe finden. Die meisten sehen Karlsruhe als ihren Lebensmittelpunkt und wollen so schnell wie möglich wieder eine Wohnung in Karlsruhe finden. Eine Ausnahme bilden drei Alleinstehende, die sich am liebsten im Hotel langfristig einrichten würden. 3.3 ANGEBOTE BETREUTES WOHNEN Das „Betreute Wohnen“ ist ein wichtiges Instrument sowohl der Prävention als auch der Nachsorge. Im Bereich der Prävention kann das Betreute Wohnen zur Verhinderung einer Wohnungskündigung angeboten werden. Im Bereich der Nachsorge kann für Wohnungslose zur nachhaltigen Sicherung des Wohnraums zeitlich begrenzt eine sozialpädago- gische Betreuung angeboten werden. 3.3.1 BETREUTE WOHNFORMEN: SOZPÄDAL SOZPÄDAL bietet differenzierte Formen des Betreuten/Begleiteten Wohnens an. PROJEKT HILFEART Wohnen intensiv Betreutes Wohnen nach den Richtlinien der §§ 67/68 SGB XII (47 Plätze) Wohnen nachhaltig Wohnen mit dem Fokus auf den Wohnungserhalt, in der Regel für Wohnungslose, die intensivere Formen des Betreuten Wohnens bereits durchlaufen haben und weiterer Begleitung bedürfen (110 Plätze) Begleitetes Wohnen (30 Plätze) Betreutes Wohnen für psychisch Kranke Nach § 53 SGB XII BWB/E (30 Plätze) und nach §§ 67/68 BWB/S (20 Plätze) Wohnen 18 + Projekt für wohnungslose junge Erwachsene (15 Plätze) SOZPÄDAL verfügte Ende 2012 (2011) im Bereich der Wohnungslosenhilfe über 257 (247) Wohneinheiten über Anmietungen auf dem freien Markt und bei der Volkswohnung sowie vereinseigenen Wohnraum. Bei Bedarf wird die Platzzahl in Absprache mit der Fachstelle Wohnungssicherung angepasst. Der Anteil an abgeschlossenen 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen für eine Person konnte inzwischen auf 34,6 % erhöht werden. In 2012 konnten 60 (40) erwachsene Personen und 11 (6) Kinder neu mit Wohnraum und dem entsprechenden Betreuungsangebot versorgt werden, 33 (23) Männer und 27 (17) Frauen. 3.3.2 WOHNGRUPPE ADLERSTRAßE UND AUßENSTELLEN: HEIMSTIFTUNG Die Wohngruppe Adlerstraße der Heimstiftung bietet ambulant betreutes Wohnen für 28 Personen (volljährige Männer, Frauen, Paare und begrenzt für Menschen mit Hund) an sowie - neu - aufgrund des Bedarfs Eingliederungshilfe gemäß § 53 SGB XII, Hilfe für Menschen mit einer wesentlichen seelischen Behinderung und sieben Plätze Begleitetes Wohnen gemäß § 67ff SGB XII. Die sehr intensive pädagogische Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner fand seit September 2011 aufgrund des Sanierungsbedarfs des Hauses in der Adlerstraße in dem neu angemieteten Haus in der Amalienstraße 28 und/oder in angemieteten Wohnungen im Stadtge- biet statt. Mitte des Jahres 2013 erfolgte der Rückzug in das sanierte Stammhaus. Entsprechend dem jeweiligen gesetzlichen Auftrag und den persönlichen Zielen werden zusammen mit den Bewohnerinnen und Bewoh- nern die individuellen Hilfepläne erarbeitet und diese kontinuierlich fortgeschrieben. Von 29 Auszügen im Jahr 2012 konnten 14 in eige- nen Wohnraum vermittelt werden; davon 4 zur Familie oder Freundin. 6 Personen wurden in das Projekt des Begleiteten Wohnens übergeleitet, 5 Personen wurden in eine (Therapie-)Einrichtung vermittelt. Der Anteil der Frauen erhöhte sich auf 24,1 %. Der Anteil der unter 25-Jährigen belief sich in 2012 auf 46,4 %. Wenngleich deren Anteil schwankt, so ist er in den letzten Jahren kontinuierlich hoch geblieben: 60 % in 2006, über 46,7 % in 2009, 29,1 % (nied- rigster Stand) in 2010 sowie 32 % in 2011. Die Einrichtung ist voll belegt, es gibt eine hohe Nachfrage und angesichts der bekannten Situation auf dem Wohnungsmarkt ist das Finden einer Wohnung schwer, weswegen die Warteliste entsprechend lang ist. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 19 3.3.3 BETREUTES WOHNEN: AWO Die AWO Karlsruhe bietet seit 2002 ambulant betreutes Wohnen für wohnungslose und psychisch kranke Menschen an. Die Finan- zierung des Betreuten Wohnens erfolgt entweder über die Eingliederungshilfe (§ 53 SGB XII) oder über Hilfe zur Überwindung be- sonderer sozialer Schwierigkeiten (§ 67 SGB XII). Die Übergänge zwischen diesen Hilfeformen sind fließend. Viele wohnungslose Menschen sind auch psychisch krank. Umgekehrt sind psychisch kranke Menschen besonders gefährdet, wohnungslos zu werden. Einschließlich Zu- und Abgänge wurden 2011 69 Menschen und 2012 71 Menschen ambulant betreut. Bei der Finanzierung über- wiegt die Eingliederungshilfe. Zum 31.12.2012 wurde in 18 Fällen Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten gemäß § 67 SGB XII gewährt, davon fünfmal in Hilfebedarfsgruppe 1 (geringerer Hilfebedarf) und dreizehnmal in Hilfebedarfsgruppe 2 (höherer Betreuungsbedarf). Etwa die Hälfte der Betreuten lebt in Wohnraum, den die AWO besitzt oder angemietet hat. Hierbei handelt es sich meist um Wohngemein- schaften, es gibt aber auch einige Einzelwohnungen. Ein Ziel der Arbeit ist, dass die betreuten Menschen in der Lage sind, selbstständig Wohnraum auf dem Wohnungsmarkt anzumie- ten. Das bedeutet mehr Autonomie und Selbstverantwortung für die Mieterinnen und Mieter. Trotz des immer enger werdenden Wohnungsmarktes kann dieses Ziel doch immer wieder erreicht werden. Nur etwa 10 % der Bewohnerinnen/Bewohner des Ambu- lant Betreuten Wohnens haben eine Anstellung auf dem Ersten Arbeitsmarkt. Deshalb sind die meisten auf andere Beschäftigungs- verhältnisse und andere tagesstrukturierende Maßnahmen angewiesen. 3.3.4 BETREUTES WOHNEN FÜR HAFTENTLASSENE WOHNUNGSLOSE MÄNNER: VEREIN FÜR JUGENDHILFE E. V. In enger Kooperation mit der Fachstelle Wohnungssicherung der Stadt Karlsruhe und einem privaten Investor wurden im vorderen Teil des Hotelkomplexes „Neue Messe“ in 2008 sechs Appartements für haftentlassene wohnungslose Männer errichtet. Ein Appar- tement wird von einem Betreuer bewohnt, der die Aufsicht vor Ort führt und Auffälligkeiten bzw. Störungen an die Mitarbeiterin- nen/Mitarbeiter der Anlaufstelle für Straffällige beim Verein meldet. Zielgruppe sind haftentlassene oder straffällige Männer, vorrangig aus Karlsruhe, die wohnungslos sind und einen Hilfebedarf nach § 67 SGB XII haben. Das Angebot der Betreuungsmaßnahme ist als Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert und umfasst folgende Bereiche:  Soziale Probleme/Beziehungsfähigkeit  Arbeit/Qualifizierung  Einkommen/Haushalten/Schulden  Gesetzeskonformes Verhalten  Gesundheit/Suchtproblematik  Hauswirtschaft/Alltagsstruktur  Wohnungssuche. Die Erfahrung der letzten 2 Jahre ist, dass sich die Einzelunterbringung in den abgeschlossenen Appartements nach wie vor sehr bewährt und die individuell ausgerichtete Betreuungstätigkeit begünstigt. Kaum einer der Bewohner hat sich, wie teilweise befürch- tet „abgekapselt und verbunkert“. Die Appartements mit eigener Single-Küche und Sanitärraum werden von den Bewohnern nach wie vor sehr geschätzt. Im Jahr 2011 sind 12 Klienten in die Übergangswohnungen eingezogen, 7 Bewohner konnten wieder ausziehen. Die durchschnittli- che Aufenthaltsdauer betrug hier 192 Tage. 2012 sind ebenfalls 12 Wohnungslose in die Appartements eingezogen, 8 konnten wieder ausziehen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 200 Tage. Die längere Aufenthaltsdauer einzelner Bewohner ist immer wieder dem bekannt engen Wohnungsmarkt geschuldet. Auch konnte nicht jeder Bewohner anschließend in eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag ziehen. Der eine oder andere ist nach längerer, ergebnisloser Suche zur Freundin, zu Bekannten oder zur Familie gezogen. 3.3.5 WOHNGEMEINSCHAFT LESSINGSTRAßE: BWLV Das Betreute Wohnen des bwlv richtet sich an chronisch-mehrfach beeinträchtigte alkohol- und/oder medikamentenabhängige Menschen, die obdachlosenrechtlich untergebracht oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Für maximal zehn Einzelfälle (allein lebende Männer) besteht eine Kooperationsvereinbarung mit der Fachstelle Wohnungssicherung. Innerhalb der Wohngemeinschaften ist das Konsumieren von leichten Alkoholika erlaubt. Einige spezifische Ziele für diese WG`s sind Anhalten zum kontrollierten bzw. reduzierten Umgang mit Alkohol (kein Kontrollverlust), Vermeidung von Trinkexzessen und Kon- sum harter Alkoholika, Motivierung zu sinnvollen Freizeitaktivitäten auch im Sinne eines Kompensationsversuchs, Motivierung und Unterstützung zum regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe, die regelmäßige Teilnahme an Gruppen- und Einzelgesprächen. In Absprache mit den Betreuerinnen/Betreuern bzw. unter Berücksichtigung der jeweiligen finanziellen Situation der Bewohner übernehmen die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter des bwlv die Verwaltung der Finanzen, d. h. die Zuteilung und Auszahlung von Geld- beträgen. Ziel ist es, die suchtkranken Bewohner durch die Bereitstellung eines überschaubaren Geldbetrages, der zur Deckung des täglichen Bedarfs dient, von einem insgesamt gesundheitsschädigenden Verhalten abzuhalten und damit Trinkexzesse oder Rückfälle zu vermeiden. 20 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Weiterhin erfolgt eine umfangreiche Gesundheitsvorsorge. Bei Bedarf erfolgt die Übernahme des Schriftverkehrs, die Schuldenregu- lierung bzw. die Überleitung in die Privatinsolvenz. Es besteht auch die Möglichkeit der Teilnahme an einer Tagesstruktur (AsT = Arbeit statt Trinken) – mit sechs genehmigten Plätzen. Zudem besteht die Möglichkeit des Betreuten Einzelwohnens, d. h. Menschen, die nach einer erfolgreichen Wohnungssuche eine eigene Wohnung gefunden haben, können weiterhin von den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern des bwlv betreut werden. Im Mittel- punkt der pädagogischen Ziele steht bei allen WG ́s die Anleitung der Hilfe zur Selbsthilfe. 3.3.6 HAUS BODELSCHWINGH: VEREIN FÜR EV. HEIMFÜRSORGE KARLSRUHE E. V. Das Haus Bodelschwingh bietet für wohnungslose Menschen ambulant betreutes Wohnen, um eine niedrigschwellige Schnittstelle zwischen den Hilfesystemen Wohnungslosenhilfe, Suchtkrankenhilfe und Eingliederungshilfe zu schaffen. Bis zu fünf Plätze ambulant betreutes Wohnen werden in Absprache mit der Fachstelle Wohnungssicherung belegt. Die seit Beginn der Zusammenarbeit im August 2009 aufgenommenen zwei Menschen aus dem Wohnheim in der Rüppurrer Straße 23 sind mitt- lerweile auf Eingliederungshilfe umgestellt. 2012 wurden zwei Männer vom Wohnheim Rüppurrer Straße 23 zugewiesen. Ein Mann wurde direkt stationär nach § 53 SGB XII (Eingliederungshilfe) aufgenommen; der zweite Mann im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens nach § 67 SGB XII. 3.4 LANGZEITHILFEN 3.4.1 LANGZEITWOHNGRUPPE THOMAS-MANN-STRAßE: HEIMSTIFTUNG Der Langzeitwohnbereich der Heimstiftung bietet weiterhin vollstationäre Hilfe zur Pflege mit einem Pflegebedarf unterhalb der Pflegestufen (Pflegestufe 0 G) für (ehemals) wohnungslose Männer mit einem langfristigen Hilfebedarf. Es steht ein multiprofessionelles Team aus Sozialarbeit, Altenpflege, Hauswirtschaft und mobiler Nachtdienst für die intensive Be- treuung der Bewohner zur Verfügung. Durch eine Personalaufstockung steht seit zwei Jahren auch eine Kollegin für die Durchfüh- rung der tagesstrukturierenden Maßnahmen zur Verfügung, unterstützt durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Wie sich bereits 2010 angekündigt hat, hielt die hohe Fluktuation im Langzeitwohnbereich an, was im Zusammenhang mit dem Älterwerden der Bewohner zu sehen ist und damit, dass zum Teil bereits massive Erkrankungen bei Aufnahme vorliegen. Es gab 2012 7 (2011: 6) Aufnahmen, vermittelt vor allem über die Fachstelle Wohnungssicherung, zum Teil auch über einen ande- ren Träger. Die 6 (2011: 7) Abgänge erklären sich darüber, dass 4 (4) Bewohner verstarben, 1 (2011:2) ins Pflegeheim und jeweils 1 in eine andere Einrichtung verlegt werden musste/n (geschlossene Einrichtung). Der Altersdurchschnitt liegt aktuell bei 65 Jahren (von 49 – 79), und lag 2011 bei 64 Jahren (48 – 78). Die Auslastung beträgt zwischen 98 und 100 %. 3.4.2 HOTEL ANKER: AWO Das AWO Hotel Anker ist eine niedrigschwellige ambulante Einrichtung der Wohnungslosenhilfe, in der seit der Eröffnung im Sep- tember 2005 29, vorwiegend chronisch mehrfach geschädigte abhängigkeitskranke Menschen, mit dem Ziel der dauerhafte(re)n Beheimatung und fortgesetzten Betreuung, untergebracht sind. Dieser Personenkreis, drei Frauen und 26 Männer, erhielt durch das multidisziplinär zusammengesetzte Team eine Grundversorgung und vielfältige lebenspraktische und pädagogische Hilfen in einem durchgängigen 24-Stunden-Dienstrhythmus. Die Gesamtzahl der Neuaufnahmen im Berichtszeitraum 2011/2012 lag bei 16, Verlegungen in stationäre Pflegeeinrichtungen wa- ren 10 erforderlich, die Anzahl der Sterbefälle (untypischer- und erfreulicherweise) lag bei nur 3, die Altersstruktur bewegte sich zwischen 36 und 80 Jahren, das Durchschnittsalter pendelte um Mitte fünfzig. Zwei Personen konnten in eigenen Wohnraum ver- mittelt werden. Die medizinische Versorgung in der Einrichtung ist in Kapitel 6.4 ausgeführt. 3.4.3 WOHNETAGE SCHEFFEL 37: WOHNEN FÜR WOHNUNGSLOSE FRAUEN MIT ERHEBLICHEN MULTIPLEN ERSCHWERNISSEN: SOZPÄDAL Auf der Wohnetage leben 10 wohnungslose Frauen, bei denen frühere ambulante oder stationäre Hilfen nicht zu einer dauerhaften Wiedereingliederung geführt haben, in 8 Appartements für jeweils 1 Frau und 1 Appartement für 2 Frauen. Etwa zwei Drittel der Bewohnerinnen haben ein psychiatrisches Krankheitsbild, ca. die Hälfte hat zudem eine ausgeprägte Sucht- problematik (Doppeldiagnose). In den Jahren 2011 und 2012 war die Wohnetage nahezu durchgängig voll belegt. 7 Frauen auf der Wohnetage sind seit Beginn dort wohnhaft, eine Frau ist auf der Wohnetage verstorben und nur eine Frau musste aus der Wohnetage verwiesen werden. 8 Frauen konnten im Berichtszeitraum eine Wohnung finden. 7 dieser Frauen waren Bewohnerinnen des Doppelzimmers, welches in der Regel mit Frauen belegt wird, die keiner dauerhaften Unterbringung in der Wohnetage bedürfen. Die Mitarbeiterinnen unterstützen die Bewohnerinnen in sämtlichen Belangen, seien es finanzielle und behördliche Angelegenheiten oder auch persönliche Fragen. Ein wichtiger Aspekt ist die Begleitung der Frauen bei der Organisation des Lebensalltags, in der Haushaltführung und der Körperpflege. Alle Bewohnerinnen haben zwischenzeitlich großes Vertrauen in die Pflegekraft und sind in der Lage, sich vor allem in allen gesundheitlichen, hygienischen und sonstigen körperbezogenen Fragen unterstützen zu lassen. Dadurch ist es gelungen, alle Frauen - auch im Bereich Gesundheit - zu stabilisieren. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 21 Die sozialpädagogische Begleitung der Bewohnerinnen der Wohnetage beinhaltet auch Gemeinschaftsaktivitäten, die außerhalb der Wohnetage stattfinden; diese sollen dazu beitragen, dass die Bewohnerinnen nicht isoliert in der Wohnetage leben, neue Interessen entdecken können, an dem gesellschaftlichen Geschehen teilnehmen und mehr Vertrauen in die eigene Person entwickeln. Das wichtigste Ziel der Wohnetage ist es, den Bewohnerinnen eine menschenwürdige Unterkunft zu bieten und ihnen soweit wie möglich ein selbständiges Leben zu ermöglichen, ihnen mit Respekt zu begegnen und sie in ihren eigenwilligen Verhaltensweisen zu akzeptieren. In der Wohnetage wird den Bewohnerinnen Kontinuität geboten, sie haben die Sicherheit, ein Zuhause zu haben, in dem sie sich wohl fühlen und ihr Leben gestalten können. 22 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 4. WOHNRAUMBESCHAFFUNG 4.1 WOHNRAUMAKQUISE DURCH KOOPERATION Die Wohnraumakquise der Fachstelle Wohnungssicherung hat sich seit ihrem Beginn 2005 kontinuierlich weiterentwickelt und ist zu einem festen Bestandteil im Niedrigpreissegment des Karlsruher Wohnungsmarktes geworden. Die Kooperationsverträge weisen in der Regel zehnjährige Laufzeiten und Mietpreisbindungen auf. Die Fachstelle ist für beinahe 400 Wohnungen Ansprechpartner für Mieterinnen/Mieter, Vermieterinnen/Vermieter, die Jobcenter und die Sozialen Dienste. Hierdurch gelingt es, sozial benachteiligten Menschen eine adäquate Perspektive im Wohnen und dadurch auch im alltäglichen Leben zu geben. Auch in den Jahren 2011 und 2012 konnte sich das Programm Wohnraumakquise durch Kooperation am prekären Karlsruher Woh- nungsmarkt behaupten. 2011 wurden in 50 Wohnungen 124 Personen, darunter 34 Familien mit 56 Kindern, nachhaltig mit ange- messenem Wohnraum versorgt. 2012 wurden in 53 Wohnungen 137 Personen, darunter 37 Familien mit 57 Kindern, mit Wohn- raum versorgt. Insgesamt wurde bis 2012 über die Wohnraumakquise seit ihrem Start im Jahr 2005 Wohnraum in 378 Wohnungen für 983 Perso- nen bereitgestellt. Anfang 2013 konnte der 1.000ste Mieter über die Wohnraumakquise eine Wohnung erhalten. Diese Zahlen konnten nur dank der Kooperation mit den privaten Vermieterinnen/Vermietern und dank der Unterstützung durch den Karlsruher Gemeinderat erreicht werden. Akquisewohnungen Untergebrachte Personen 2005 – 2012 | Abbildung 17 Akquisewohnungen Untergebrachte Personen 2005-2012 84 75 160 164 132 107 124 137 5 27 36 63 17 27 17 15 19 12 27 26 32 26 34 37 46 26 72 45 54 46 56 57 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 20052006200720082009201020112012 PersonenAlleinstehende FamilienKinder STAND AUGUST 2013 80 Personen, davon 12 Alleinstehende 20 Familien 39 Kinder SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 23 Neubelegte Akquisewohnungen 2005 – 2012 | Abbildung 18 Neubelegte Akquisewohnungen 2005 - 2012 24 34 53 61 50 53 50 53 0 10 20 30 40 50 60 70 20052006200720082009201020112012 Wohnungen Die Wohnraumakquise verfügt nun über einen eigenen Wohnungspool, wodurch sie in der Lage ist, sozial benachteiligte Menschen sehr zielorientiert mit angemessenem Wohnraum zu versorgen. Die Wohnraumakquise kann so dazu beitragen, dass trotz des ange- spannten Wohnungsmarktes in Karlsruhe die Anzahl der obdachlosenrechtlich untergebrachten Personen bis 2012 stabil geblieben ist. Dies führt auch zu einer Entlastung des städtischen Haushaltes. Trotz des angespannten Wohnungsmarktes steht von Seiten der Vermieterinnen und Vermieter ein großes Angebot an Wohnungen zur Verfügung. Diese Angebote können nur voll ausgeschöpft werden, wenn entsprechende Haushaltsmittel zur Verfügung stehen. Eine weitere Voraussetzung ist die angemessene personelle Ausstattung für die Verwaltung und Betreuung dieser Mietverhältnissse. Wie sich bereits 2009 und 2010 angedeutet hat, hat der erweiterte Handlungsspielraum auch Auswirkungen auf die Verwendung der für die Wohnraumakquise eingestellten Mittel. Die Ausgaben für die Renovierung bereits länger belegter, abgewohnter Woh- nungen sowie die Ausgaben für den garantierten Mietausfall an die Vermieterin/den Vermieter sind erwartungsgemäß weiter ange- stiegen. Mittelaufteilung Wohnraumakquise 2012 in Euro | Abbildung 19 Mittelaufteilung Wohnraumakquise 2012 in Euro 203.000 35.000 62.000 WohnraumförderungRenovierungMietausfall 24 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 4.2 NUTZUNGSVERHÄLTNISSE Die Unterstützung und Beratung der Menschen, die in Nutzungsverhältnissen über die Wohnraumakquise leben, ist ein wesentlicher Bestandteil des Programms. Das einjährige Nutzungsverhältnis bietet der Vermieterin/dem Vermieter große Sicherheit und den Bewohnerinnen/Bewohnern die Möglichkeit, sich mit Hilfe und Unterstützung in der Wohnung und im Wohnumfeld einzuleben. Nach einem Jahr wird der Nut- zungsvertrag in einen eigenen Mietvertrag umgewandelt, vorausgesetzt es gibt keine größeren Probleme. Somit kann dauerhaftes Wohnen ermöglicht werden. Hierzu bedarf es vieler individueller Hilfen, wie Unterstützung beim Einzug und allem was dafür notwendig ist, z. B. Begleitung zu Ämtern, Möbelbeschaffung, Beratung bei Hausordnung, Müllentsorgung, Energiegebrauch, Umgang mit Nachbarn und Hausbesit- zer etc. In mehr als 60 % der Fälle ist es erforderlich, aufgrund von Problemlagen innerhalb des Familienverbandes intensive zusätzli- che Hilfen, wie zum Beispiel Familienhilfen und Kontakte zu Beratungsstellen einzurichten beziehungsweise zu koordinieren. Hierzu ist eine enge Vernetzung mit dem Sozialen Dienst, Trägern und Institutionen notwendig. Nur durch dieses engmaschige Unterstüt- zungs- und Hilfsangebot ist es möglich, bei über 90 % der Fälle, das Nutzungsverhältnis in ein eigenes Mietverhältnis umzuwandeln. Stand August 2013 leben insgesamt 267 Personen in 105 Nutzungsverhältnissen. Davon sind 65 Wohnungen für Familien mit insge- samt 128 Kindern, 3 für Paare ohne Kinder und 37 Wohnungen für allein lebende Menschen. Doch die Betreuungsarbeit endet nicht mit dem Mietvertrag. Die Fachstelle ist auch während des zehnjährigen Belegungsrechtes die Ansprechpartnerin für alle Fragen der Vermieterin/des Vermieters und auch der Mieterin/des Mieters. Neben Mietzahlungsproblemen und Fragen der Nebenkostenabrechnungen sind dies Fragen zu anstehenden Reparaturen, Schäden im Haus, Hausordnungsproble- men, Ruhestörungen und Nachbarschaftsstreitigkeiten. Dieses Engagement entlastet die Vermieter sehr und ist damit entscheidend für den Erfolg des Programms. Durch die immense Steigerung der Zahl der Nutzungs- und der Mietverhältnisse, die in diesem Rahmen durch die Fachstelle betreut werden, ist auch der zeitliche Aufwand hierfür sehr gestiegen. Die Personalausstattung hat sich seit Beginn des Programms Wohn- raumakquise durch Kooperation nicht wesentlich verändert. Im Jahr 2013 wurde eine bislang über die Arbeitsförderungsbetriebe finanzierte Stelle in eine städtische Planstelle umgewandelt. Durch diese Umwidmung wurden jedoch keine zusätzlichen Personalkapazitäten geschaffen. Um die Arbeit in dem für die Vermiete- rin/den Vermieter notwendigen hohen Standard fortsetzen zu können, ist eine tatsächliche Erhöhung der Personalressourcen not- wendig. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 25 4.3 SCHARNIERSTELLE ZUR VOLKSWOHNUNG GMBH Der Karlsruher Mietwohnungsmarkt wird immer angespannter. Für Menschen, die vor dem Wohnungsverlust stehen oder bereits wohnungslos sind, benötigt die Fachstelle Wohnungssicherung daher verlässliche Partner, die Wohnraum zur Verfügung stellen. Nach wie vor ist die Volkswohnung GmbH die einzige Wohnungsbaugesellschaft, die bei Wohnungsnotfällen hilft. Aufgrund der guten Zusammenarbeit konnten die Vermittlungszahlen gehalten werden und 2012 sogar die höchste Zahl an Personen seit Jahren Wohnraum über die Volkswohnung GmbH erhalten. Mit dem Sozialmanager der Volkswohnung finden regelmäßige Gespräche statt, so dass in vielen Einzelfällen geholfen werden kann. Sehr hilfreich und notwendig ist auch die Unterstützung beim Mehrfamilienprojekt. Hier stellt die Volkswohnung alle zwei Jahre Wohnungen für sechs wohnungslose Familien. Vermittelte Wohnungen durch die Volkswohnung GmbH 2007 – 2012 | Abbildung 20 Volkswohnung GmbH 2007 - 2012 54 44 24 41 54 50 117 103 59 108 137 149 0 20 40 60 80 100 120 140 160 200720082009201020112012 Jahr Anzahl Wohnungen Personen 26 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 5. BERATUNG 5.1 BERATUNGSSTELLE FÜR WOHNUNGSLOSE MÄNNER Die städtische Beratungsstelle für wohnungslose Männer in der Kriegsstraße 88 ist neben ihren primären Aufgaben der Beratung und der Bereitstellung einer Postadresse organisatorisch und inhaltlich auch für den städtischen Erfrierungsschutz mit 56 Plätzen, sowie die Übergangswohngruppe im Dachgeschoss mit sieben Plätzen verantwortlich. Personell ist die Beratungsstelle mit zwei Teilzeit-Fachkräften (75 % und 50 %) und einem Bürgerarbeitsplatz ausgestattet. Für das Jahr 2012 ergaben sich für die Beratungsstelle folgende Zahlen: Über die Poststelle alleine gab es 7719 Kontakte mit Klien- ten. Vom Fachpersonal wurden 2775 Beratungsgespräche durchgeführt, so dass sich insgesamt eine Anzahl von 10 094 Kontakten mit Klienten ergab. Im Vorjahr waren es zum Vergleich 8319 Kontakte. Im Monatsdurchschnitt führte die Beratungsstelle 170 Per- sonen als Postabholer in ihrer Kartei. In 2012 wurden insgesamt 1025 Personen betreut. Das waren 161 Personen mehr als in 2011. Von 352 abgängigen Personen sind 80 % nach unbekannt abgemeldet worden, 20 % fanden eigenen Wohnraum oder wurden obdachlosenrechtlich untergebracht. 5.2 BERATUNGSSTELLE FÜR FRAUEN UND PAARE IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL Die Beratungsstelle bietet dreimal wöchentlich offene Sprechstunden an. Weiterhin werden die Frauen und Paare in den Obdachlo- senunterkünften aufgesucht und bei Bedarf zu Behörden, Ärzten, Wohnungsanbietern etc. begleitet. Für die „verdeckt wohnungslo- sen“ Frauen besteht das Angebot der Postadresse. Im Durchschnitt haben 2012 7,3 (7,4 in 2011) Frauen pro Sprechtag die Beratungsstelle aufgesucht. Insgesamt nutzten 310 (299 in 2011) Personen das Beratungsangebot. Es wurden 78 (81 in 2011) Begleitungen zu Behörden etc. und 60 (76 in 2011) Hausbesuche in Unterkünfte und prekären Wohnraum geleistet. 93 (118 in 2011) Frauen, z. T. mit Partnern und/oder Kindern konnten in Wohnraum bzw. notwendige Einrichtungen und zuständi- ge Stellen vermittelt bzw. deren Wohnungen konnten gesichert werden. Insgesamt lebten 113 (105 in 2011) Kinder im Haushalt der Frauen und Paare. In den Berichtsjahren liegt der Anteil der unter 25-Jährigen zwischen 20 % und 25 %. Neben der engen Zusammenarbeit mit der Fachstelle Wohnungssicherung hat die Frauenberatungsstelle eine wichtige Schnittstellen- funktion zur Vermittlung in die Frauenpension, zum Betreuten Wohnen, zu spezifischen Beratungsangeboten wie z. B. Suchtbera- tung, Migrationsberatung, Beratung bei häuslicher Gewalt und ähnlichen Themen. 5.3 STRAßENSOZIALARBEIT: DIAKONISCHES WERK Streetwork ist ein niedrigschwelliges Kontakt- und Unterstützungsangebot für einzelne Menschen und Gruppen, deren überwiegen- der Lebensort die Straßen und Plätze der Karlsruher Innenstadt sind und insbesondere für jene, die von anderen sozialen Einrichtun- gen und Angeboten nicht oder nur unzureichend erreicht werden. Im Rahmen der aufsuchenden Arbeit wurden in 2012 etwa 300 Personen über Streetwork kontaktiert. Die Streetworker machen ein individuelles Hilfeangebot zur Überwindung akuter Notlagen sowie zur Entwicklung von Lebensper- spektiven. Ziel ist es, den Prozess der sozialen, psychischen und physischen Verelendung zu unterbrechen. Es muss dafür gesorgt werden, die vitalen Grundbedürfnisse zu befriedigen und die Menschen ins bestehende Hilfesystem zu integrieren. In 2012 konnten 208 Personen über individuelle Hilfen erreicht werden. 5.4 ANLAUFSTELLE IGLU: HEIMSTIFTUNG Die Anlaufstelle IGLU wendet sich als niedrigschwelliges Kontakt- und Beratungsangebot an junge Menschen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren. Anlass für Erstkontakte sind in den meisten Fällen Schwierigkeiten mit der aktuellen Wohnsituation (Elternhaus/ Jugendhilfe/Wohnungsverlust/Trennung) und einer damit einhergehenden akuten Krise. Bei den meisten Kontakten wird schnell deutlich, dass die Wohnproblematik nur ein kleiner Teil von meist multiplen Problemlagen darstellt, deren Ursachen häufig sehr komplex sind. 2011 wendeten sich 501 Jugendliche und junge Erwachsene an die Anlaufstelle, im Jahr 2012 waren es 471. Im Rahmen eines Clearingprozesses wurde der aktuelle Unterstützungsbedarf, welcher alle für den jungen Menschen relevanten Problemlagen und Themen beinhaltet, erhoben und ein individuelles Hilfeangebot erarbeitet. Je nach Einzelfall variierte die Dauer des Hilfeprozesses stark. Dabei kommt dem angespannten Wohnungsmarkt in Karlsruhe eine besondere Bedeutung zu: Junge Menschen befinden sich auf- grund ihres Alters und ihrer finanziellen Situation häufig am unteren Ende der Wohnungskette. Für sie ist es besonders schwierig, bezahlbaren und zumut-/annehmbaren Wohnraum (hinsichtlich des Zustandes, der Mitbewohnerschaft, etc.) anzumieten. Dies kann SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 27 aufgrund von Stigmatisierungen in besonderem Maße für junge Empfängerinnen/Empfänger von Leistungen nach dem SGB II zutref- fen. Es ist in Karlsruhe vielfach einfacher, Wohnraum über einen Träger als auf dem freien Wohnungsmarkt zu erhalten. Wohnungslosig- keit benötigt nicht zwangläufig eine (langfristige) sozialpädagogische Intervention. Über die Anzahl der Einzelfälle, in denen eine solche Intervention durch anhaltende Wohnungslosigkeit mit den dadurch verbundenen Schwierigkeiten, Risiken, Unsicherheiten und Problematiken überhaupt erst notwendig wird, können wir nur spekulieren. Sicher ist jedoch, dass ein größeres und erreichba- res Wohnungsangebot die Situation unserer Zielgruppe wesentlich verbessern würde. Wenn (junge) Menschen über rechtlich abge- sicherten Wohnraum verfügen, können sie ihre Ressourcen und Fähigkeiten nutzen, um anderweitig bestehende Themen- und Problembereiche zu bearbeiten. 28 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 6. VERSORGUNG 6.1 ERFRIERUNGSSCHUTZ KRIEGSSTRAßE 88 Der Erfrierungsschutz für wohnungslose Männer der Stadt Karlsruhe im 2. und 3. OG in der Kriegsstraße 88 ist mit zwei festen Mitarbeitern besetzt, die jeweils im Wochenwechsel während der Öffnungszeiten von 19:30 Uhr bis 8:00 Uhr für den laufenden Betrieb sorgen. Unterstützt werden sie zu Beginn der Öffnungszeiten von zwei Assistenten, die ebenfalls im Wochenwechsel im Rahmen eines Minijobs hier tätig sind. Fachlich und organisatorisch ist der Erfrierungsschutz an die Beratungsstelle für wohnungslo- se Männer angegliedert. In der Saison 2011/2012 war der Erfrierungsschutz von Oktober bis April an 182 Tagen geöffnet. Es standen 56 Übernachtungsplät- ze für Männer zur Verfügung. Insgesamt wurden 5358 Übernachtungen von 331 Personen verzeichnet. Bei den Übernachtungen ist ein Anstieg um 356 Übernachtungen im Vergleich zur Vorsaison festzustellen. Durchschnittlich wurde der Erfrierungsschutz von 34 Männern pro Nacht genutzt. Die Aufenthaltsdauer betrug im Durchschnitt 16 Nächte. Der Erfrierungsschutz wird sowohl kurzfristig als auch langfristig genutzt. 142 Personen tätigten kurzfristige Übernachtungen bis zu drei Nächten. 178 Personen blieben bis zu 90 Nächte, und 11 blieben bis zu 150 Nächte. Bei den kurzfristigen Nutzungen ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Bei den Nutzungen bis zu 30 Tagen ist ein Anstieg von 28 auf 51 Per- sonen festzustellen. Der Erfrierungsschutz wurde von 149 deutschen Staatsangehörigen und von 182 Personen anderer Nationalität genutzt, wobei hauptsächlich Personen aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien, der Slowakei, Polen und Bulgarien zu den Nutzern zählten. In der Saison 2012/2013 stieg die Zahl der Nutzer auf 356 Personen. Bei den Übernachtungen wurde ein Höchststand von 6758 erreicht. Die durchschnittliche Auslastung stieg auf 37 Personen pro Nacht. Die Verteilung der Nationalitäten entspricht den Vorjah- ren. 6.2 TAGESTREFF „TÜR“: DIAKONISCHES WERK Der Tagestreff in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Karlsruhe ist eine Tagesstätte für Wohnungslose – unabhängig von Ge- schlecht oder Nationalität. Die „TÜR“ bietet die Möglichkeit zum Aufenthalt und zur Begegnung; darüber hinaus werden Versor- gungs-, Behandlungs-, Beratungs- und Vermittlungsangebote bereitgestellt, die auch nach Wohnungsbezug zur Verfügung stehen, so dass eine nachgehende Begleitung – auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit – geleistet wird (Funktion und Arbeitsweise der „TÜR“ wurden im 5. Sachstandbericht des Gesamtkonzepts Wohnungslosenhilfe 1997 bereits ausführlich dargestellt). Im Jahr 2012 (2011) gab es zu 362 (304) Besucherinnen und Besuchern insgesamt 1.541 (1.203) Beratungskontakte, nicht einge- rechnet die eher unverbindlichen Gespräche im offenen Bereich, die der Kontaktpflege, Vertrauens-, Beziehungs- und Motivations- arbeit dienen. Pro geöffneten Tag suchten durchschnittlich 57 (54) Personen die „TÜR“ auf. Hochgerechnet haben 2012 deutlich über 600 Personen die Einrichtung aufgesucht, hiervon rund 70 % Wohnungslose. Der Frauenanteil liegt bei ca. 5 %. Die in vielen Einrichtungen wahrzunehmende Verjüngungstendenz hat in der „TÜR“ nicht dieses Ausmaß, weiterhin liegt der Altersschwerpunkt bei den 30- bis 50-jährigen Personen. Auffällig ist weiterhin vor allem winters der hohe Anteil wohnungsloser Menschen mit Migrationshintergrund (überwiegend EU- Bürgerinnen/Bürger aus Ost- und Südosteuropa), in der Regel ohne Krankenversicherungsschutz, vom Sozialleistungsbezug meist ausgeschlossen und selten mit realistischen Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Teilweise halten sie sich über lange Zeiträume, mitunter schon Jahre, vor Ort als Wohnungslose auf. Soweit wie möglich werden anfragende Besucherinnen und Besucher unter den Aspekten Aktivierung und Tagesstrukturierung, Stärkung der Selbständigkeit und des Selbstwertgefühls in die Arbeitsabläufe des offenen Bereichs der „TÜR“ eingebunden. In geeigneten Fällen kann sich über dieses freiwillige Engagement hinaus eine Eingliederungsmaßnahme im Rahmen des SGB II erge- ben. Tatsächlich sind viele Betroffene, auch wenn sie dem Grunde nach erwerbsfähig sind, langfristig oder gar dauerhaft den Anfor- derungen auf dem regulären Arbeitsmarkt nicht gewachsen, bekunden aber Interesse an Beschäftigung oder Arbeit. Hier besteht der Bedarf nach Erhalt und Ausbau entsprechender tagesstrukturierender Maßnahmen und Beschäftigungsverhältnisse (in geeigne- ten Einzelfällen auch sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse) auf dem 2. und 3. Arbeitsmarkt. Das medizinische Behandlungsangebot der „TÜR“ konnte in 2012 ausgebaut werden und wird in Kapitel 6.4 ausführlicher darge- stellt. 6.3 TAFF – KOMBINIERTES ANGEBOT: „TAGESAUFENTHALT“ UND „ARBEITEN UND QUALIFIZIEREN“ FÜR FRAUEN IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL 255 in 2012 (250 in 2011) Frauen in Wohnungsnot haben das Angebot „Tagesstruktur und Beratung“ wiederholt genutzt, 128 (129) Frauen davon sind regelmäßige Besucherinnen. Hinzu kommt eine große Anzahl von Frauen, die aufgrund ihrer Lebenslage sich im TafF mit Kleidung oder Nahrungsmitteln versorgen, Wäsche waschen oder duschen. Darunter waren auch von Armut be- troffene osteuropäische Familien ohne geklärten Aufenthaltsstatus und damit ohne Bezug von Transferleistungen. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 29 10,9 % (14,4 %) der Besucherinnen sind laut unserer Erhebung „verdeckt“ wohnungslos und 35,2 % (36,8 %) leben in Obdachlo- senunterkünften. Weitere Besucherinnen haben betreuten Wohnraum bei Trägern der Wohnungslosenhilfe gemietet, einige Frauen leben in äußerst prekären Wohnverhältnissen. 2012 waren - wie auch in den letzten Jahren - besonders viele Frauen mit Kleinkindern regelmäßige Besucherinnen des TafF. Außer- dem fragten viele schwangere Frauen nach Unterstützung an. Frauen, die „auf der Straße“ lebten und für weitergehende Hilfen nicht zugänglich sind, fanden im TafF zumindest eine Basisversorgung. Die Lebenssituation der TafF-Besucherinnen ist durch Armut und häufig auch durch soziale Isolation geprägt. Besonders intensiv war die Beratungstätigkeit der Sozialarbeiterinnen bei Fragen der Existenzsicherung. Die Antragstellung und Kommunikation mit dem Jobcenter und anderen Leistungsträgern nahm einen großen Raum ein. Im Mittelpunkt der Beratungsarbeit steht allerdings auch die Vermittlung zu weiteren Angeboten der Wohnungslosenhilfe und zu spezifischen Beratungsstellen. Neben der Basisversorgung ist die Alltagsstruktur für die Besucherinnen ein wichtiges Element. Regelmäßige Konzerte, Discos und Basare tragen dazu bei, dass der Tagestreff ein Ort der Kommunikation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bietet. Die medizinische Versorgung im TafF wird im Folgekapitel ausgeführt. 6.4 MEDIZINISCHE VERSORGUNG Die gesundheitliche Situation wohnungsloser Menschen ist zum Teil sehr schlecht. Viele Wohnungslose scheuen den Weg zum Arzt, obwohl sie krank sind. Gründe hierfür sind zum einen trotz des Wegfalls der Praxisgebühr finanzielle Hürden wie Zuzahlungsrege- lungen. Zum anderen verhindern negative Erfahrungen, Abweisungen und fehlende Krankheitseinsicht den Arztbesuch. Es ist für Mitarbeiter/-innen der Wohnungslosenhilfe oft schwierig, Arztpraxen zu finden, in denen Wohnungslose behandelt werden können. Auch geschieht es immer wieder, dass Wohnungslose nach der Behandlung sehr früh aus dem Krankenhaus entlassen werden, ohne dass die weitere medizinische Versorgung oder Pflege geklärt wäre. Aus diesen Gründen kooperieren einige Einrichtungen mit Ärzten und begleiten auch Betroffene zum Arzt. Einige Träger helfen auch über Spendenmittel mit bei der Finanzierung der Medikamentenzuzahlung. Darüber hinaus wurden über ein Benefizkonzert im September 2011 Gelder für die medizinische Ausstattung von Behandlungszimmern für Wohnungslose bereitgestellt. Die Spenden- aktion der fünf Karlsruher Rotary-Clubs und des Rotaract-Clubs erbrachte rund 20.000 Euro. Die medizinische Versorgung wurde in den letzten Jahren ausgebaut: das medizinische Angebot im Tagestreff „TÜR“ wurde erwei- tert. Es konnten neue Ärzte gewonnen und die Ausstattung verbessert werden. Im Tagestreff für Frauen (TafF) wurde ein neuer Standort eingerichtet, und auch das Angebot im Anker wurde ausgeweitet. Obdachlosenunterkunft „Anker“ , AWO Die medizinische Versorgung wurde durch einen Allgemeinmediziner, der Sprechstunden in einem eigens dafür geschaffenen Be- handlungszimmer abhielt, sichergestellt. Über den vollzeitig angestellten Krankenpfleger hinaus übernahmen ambulante Pflege- dienste die notwendige Grund- und Behandlungspflege bei verschiedenen Bewohnerinnen und Bewohner. Die psychiatrische Versorgung führte ein niedergelassener Facharzt durch, der die Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Wohn- räumen aufsuchte. Ende des Jahres 2012 gelang es, eine Teilzeitstelle für eine weitere Pflegefachkraft im Umfang von 50 % einzurichten, um eine Erhöhung und Ausweitung der pflegerischen Versorgung an allen sieben Wochentagen anzustreben, da fortschreitende körperliche und geistig-seelische Abbauerscheinungen bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern eine Intensivierung dieses Angebotes erforder- lich machten. Die räumliche Vergrößerung des ärztlichen Behandlungsbereiches durch eine hausinterne Verlegung in einen Nebenraum der Gast- stätte mit entsprechend baulicher und medizinischer Ausstattung wird der nächste Schritt sein, um die medizinische Versorgung der Bewohnerschaft optimieren zu können. Tagestreff „TÜR“, Kriegsstr. 88, Diakonie Das medizinische Behandlungsangebot der „TÜR“ konnte in 2012 ausgebaut werden. Aktuell stehen der „TÜR“ vier niedergelasse- ne Ärzte und ein Krankenpfleger zur Verfügung. Kostenlose Sprechstunden im separaten, renovierten und neu eingerichteten Arzt- zimmer konnten 2012 (2011) an 37 (22) Mittwochnachmittagen realisiert werden. Das der „TÜR“ angegliederte Krankenzimmer, das bei Vorliegen einer medizinischen Indikation einen ganztägigen Aufenthalt ermöglicht, war 2012 (2011) mit 5 (3) Personen über insgesamt 319 (143) Tagen belegt. Zukünftig soll möglichst jeden Mittwochnachmittag eine Arztsprechstunde realisiert werden, um den Zugang für Wohnungslose zu erleichtern. Zudem sollen niedergelassene Fachärzte, auch Zahnärzte, gewonnen werden („Fachärztepool“), die bereit sind, Be- troffene, auch wenn sie nicht krankenversichert sind, in ihren Praxen zu behandeln. Tagestreff für Frauen (TafF), Sozpädal 2011 wurde im TafF ein weiterer Standort der medizinischen Notversorgung eingerichtet. SOZPÄDAL hat die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, und durch Spenden konnte ein Raum komplett neu ausgestattet werden. Eine Ärztin konnte gewonnen werden, die vierzehntägig eine Sprechstunde anbietet. Das Angebot der Notversorgung wird von den Frauen gut angenommen, das Ziel der Anbindung an das medizinische Regelsystem wurde in Einzelfällen erreicht. 30 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 7. ZIELGRUPPEN 7.1 WOHNUNGSLOSE FAMILIEN Bis zum Jahr 2010 konnte die Zahl der obdachlosenrechtlich untergebrachten Familien auf durchschnittlich 15 Familien reduziert werden. Der Aufenthalt in den Unterkünften belief sich auf maximal 4 Monate. Zumeist waren es kleine Familien, oft Alleinerzie- hende mit einem oder zwei Kindern, die recht schnell in Wohnraum vermittelt werden konnten. In den Jahren 2011 und 2012 erhöhte sich die Zahl der untergebrachten Familien auf durchschnittlich 20 Familien. Der Aufenthalt beträgt inzwischen mindestens 6 Monate, zum Teil sogar bis zu einem Jahr. Auch hat sich die Familienstruktur der Untergebrachten geändert. Es sind wieder größere Familien betroffen, bei einem Drittel handelt es sich um Großfamilien mit 4 Kindern. Ursache für die entstandene Wohnungslosigkeit liegt bei den Alleinerziehenden im Schwerpunkt in einer Beziehungsproblematik mit anschließender Trennung. Zudem sind 40 % der Familien aufgrund der Arbeitssuche aus anderen Städten zugezogen. Die Unter- bringung erfolgte, da keine Wohnung zu finden war oder der vorübergehende Aufenthalt bei Bekannten in Karlsruhe nicht länger möglich war. Nach Räumungsterminen mussten im Jahr 2011 zwölf Familien mit 33 Personen untergebracht werden, im Jahr 2012 wurden 10 Familien mit 28 Personen nach der Zwangsräumung obdachlos. Gründe für die Zwangsräumungen liegen zunehmend in Bereichen, in denen eine finanzielle Hilfe zum Wohnungserhalt nicht möglich ist: Eigenbedarfskündigungen und wiederholte Mietrückstände, bei denen die Vermieterin/der Vermieter einer Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht zustimmt oder mietwidriges Verhalten. Hauptursache der steigenden Zahl von wohnungslosen Familien ist der angespannte Wohnungsmarkt. Würde es nicht gelingen, über die Volkswohnung GmbH und über das Programm Wohnraumakquise durch Kooperation regelmäßig wohnungslosen Familien wieder einen Mietvertrag zu geben, so würden die Zahlen der Untergebrachten deutlich höher ansteigen. Auffallend ist jedoch, dass die Mehrzahl der betroffenen Familien einen sehr hohen Unterstützungsbedarf hat, so dass alleine die Wohnraumversorgung keine nachhaltige Beendigung der Obdachlosigkeit ermöglicht. Um dauerhaftes Wohnen zu sichern, werden die Hilfeangebote des Mehrfamilienprojektes Ohlebusch und die sozialpädagogischen Familienhilfen in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialen Dienst benötigt. Vereinzelt erfolgen auch Betreuungen der Familien durch SOZPÄDAL. Im Jahr 2013 ist die Zahl der obdachlosenrechtlich untergebrachten Familien konstant angestiegen, so dass zum Stichtag 31.08.2013 im Schnitt 30 Familien mit 100 Personen, davon 60 Kinder, untergebracht werden mussten. Dieser drastische Anstieg zeigt, wie schwer es die Familien am freien Wohnungsmarkt haben. Da nicht für alle Familien kurzfristig passende Wohnungen gefunden werden können, wurden von der Fachstelle zusätzlich Wohnungen, die preislich nicht als Mietwohnung realisierbar wären, zur obdachlosenrechtlichen Unterbringung angemietet. Zudem wurde SOZPÄDAL neben dem Lotsen von Alleinstehenden auch mit dem Lotsen von drei Familien beauftragt. Sollte die Zahl der untergebrachten Familien konstant hoch bleiben, wird die Fachstelle mit ihren personellen Ressourcen für die Betreuung an ihre Grenzen kommen. Entscheidend für die Zahl der wohnungslosen Familien wird sein, ob zeitnah auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt neue Zugangswege zum bezahlbaren Wohnen für Familien gefunden werden. 7.1.1 MEHRFAMILIENTHERAPIE MIT WOHNUNGSLOSEN FAMILIEN: OHLEBUSCH GMBH Auch in den Jahren 2010 bis 2012 bestand weiterhin Bedarf bezüglich der Unterbringung und Begleitung wohnungsloser Familien. Ziel dieser bewährten Hilfe ist es nach wie vor, zukünftig dauerhaftes Wohnen der Familien zu sichern. In den Jahren 2011 und 2012 wurden 14 Familien mit 21 Kindern mit Wohnraum versorgt und therapeutisch und praktisch beglei- tet. Seit Beginn des Projekts 2005 konnten somit insgesamt 50 Familien mit 95 Kindern versorgt werden. In den Anschlussbefragun- gen geben weiterhin 85 % der Familien an, die Unterstützung als hilfreich und lohnend erlebt zu haben, obwohl es sich um einen Zwangskontext handelt. Die Familien erhalten die Wohnungen und müssen sich im Gegenzug neun Monate unter anderem auf die therapeutische Form der Begleitung einlassen. Die Hilfe arbeitet mit drei Bausteinen: Aufsuchende therapeutische Gespräche, Alltagsbegleitung durch praktische Hilfen z. B. beim Umzug, Behördengängen, etc. sowie der Mehrfamiliengruppe. Hier treffen sich die Familien mindestens 14-tägig um sich gegensei- tig zu beraten, motivieren und unterstützen. Daraus entstehen häufig Freundschaften und kleine Netzwerke auch über die Dauer der Maßnahme hinaus. In das Hilfeplanverfahren und die Koordination der Hilfen ist auch der Soziale Dienst mit eingebunden. Über die Fachstelle Wohnungssicherung und die Volkswohnung hatten alle Familien, die an diesem Angebot teilnahmen die Zusiche- rung, möglichst rasch eine Wohnung beziehen zu können. Durch den sehr engen Wohnungsmarkt in Karlsruhe verzögert sich der Bezug der eigenen Wohnung inzwischen spürbar. Zum ersten Mal konnten in diesem Jahr zwei Familien ihre Wohnung erst nach sechs Monaten beziehen. Schwerpunkt in der Arbeit mit den Familien ist zunehmend das Thema Verarmung und finanzielle Probleme mit allen Auswirkun- gen auf die Familien und ihren Alltag. Weiterhin stellen die alleinerziehenden Mütter mit ihren Kindern den größten Anteil der Teilnehmenden. Bei Familien mit Migrationshintergrund stellt zusätzlich oft die Sprachbarriere eine nur schwer zu überwindende Schwierigkeit dar. Diese Familien haben meist nur wenig Kenntnisse, wie Systeme in unserem Land funktionieren, sei es in Bezug auf Behörden oder SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 31 auch auf Schule und in vielen weiteren Bereichen des täglichen Lebens. Sie haben daher noch einen sehr viel höheren und intensive- ren Informationsbedarf. Bei der Arbeit über die Jahre hat es sich gezeigt, dass das Konzept auch weiterhin bei Veränderung der Bedingungen greift und Familien in unterschiedlichsten Ausprägungen damit in dauerhaftes Wohnen zurückfinden. 7.2 JUNGE ERWACHSENE WOHNUNGSLOSE Die Zahl der jungen Wohnungslosen unter 25 Jahren ist bundesweit gestiegen. In Karlsruhe ist der Anteil der jungen Wohnungslo- sen in den letzten Jahren gleich bleibend hoch bei knapp über 20 % der Untergebrachten und ist erst in 2012 mit 18 % leicht ge- sunken wie auch die Grafik veranschaulicht. In Zahlen ausgedrückt waren in 2011 190 Personen und in 2012 148 Personen unter 25 Jahren von der Fachstelle untergebracht. Trotz gesunkener Zahlen der Personengruppe im Unterbringungsbereich ist ein gleich bleibend hoher Anteil beziehungsweise An- stieg in den Bereichen des Betreuten Wohnens oder in der Erstaufnahme Rüppurrer Straße zu verzeichnen. Daher muss das Hilfesys- tem auch weiterhin auf diese Herausforderung reagieren. Bei einer geschlechterdifferenzierten Betrachtung der Zielgruppe fällt auf, dass der Frauenanteil der unter 25-Jährigen im Vergleich zu den Vorjahren in 2012 wieder deutlich gesunken ist: Während sich dieser in den Jahren 2009 und 2010 auf 48 % erhöht hat, ist er im Jahr 2011 um 4 % und im Jahr 2012 sogar um 16 % auf 33 % gesunken. Damit entspricht in 2012 die Geschlechterproporti- on bei den unter 25-Jährigen (68 % Männer, 31 % Frauen) fast prozentgenau derjenigen der Erwachsenen (69 % Männer; 31 % Frauen). Der Anteil der jungen Erwachsenen, die obdachlos wurden, weil sie das Elternhaus verlassen mussten, ist im Vergleich zu den Vor- jahren leicht gestiegen: im Jahr 2011 betrug der Anteil 7 % und im Jahr 2012 6 % (2010: 4 %). Dies entspricht in etwa den Werten aus dem Jahr 2008 (7,7 % in 2008). Dank der guten Kooperation zwischen Jugend- und Wohnungslosenhilfe existiert seit 2010 in Karlsruhe eine Notunterkunft für junge Männer und seit 2011 Jahr eine Notunterkunft für junge Frauen. Dies sind Angebote der Heimstiftung, die eng an die langjäh- rig bestehende Beratungsstelle „Iglu“ für junge Wohnungslose angebunden sind. 7.2.1 NOKU: HEIMSTIFTUNG Seit 2010 besteht nun die Notschlafstelle NOKU in Trägerschaft der Heimstiftung Karlsruhe. Sie richtet sich an junge wohnungslose Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die ihren letzten Wohnsitz im Stadtbezirk von Karlsruhe hatten und nun akut oder erst seit Kurzem wohnungslos sind. Die Einrichtung befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Anlaufstelle IGLU, in der Adlerstrasse 20 und verfügt über vier Einzelzimmer und ein Notbett. Zentrale Zielsetzung des Projekts ist die Vorbeugung einer Chronifizierung von Wohnungslosigkeit. Seit Mitte 2011 gibt es für junge Frauen mit der Juno ein analoges Angebot (s. Kapitel 7.2.2). In den Jahren 2011 und 2012 wurden insgesamt 66 Personen während ihrer maximal 8-wöchigen Aufenthalte in der NOKU bei der Wohnungssuche unterstützt. Hier bekommen sie eine engmaschige Beratung, die zur Lösung ihrer persönlichen Probleme führen soll. Der erzieherische Aspekt besteht unter anderem im Vermitteln beziehungsweise im Erhalt einer Tagesstruktur und dient dazu, die im Durchschnitt 20-Jährigen auf ihre neue Situation, selbstständig und alleine zu Recht zu kommen, vorzubereiten. Weitere wichtige Aufgaben der NOKU sind die Klärung der finanziellen Situation, der Umgang mit Behörden sowie die Unterstützung bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive und eines realistischen Selbstbildes. In Anbetracht der kurzen Aufenthaltsdauer können viele Probleme der Nutzer nur angerissen und Lösungen auf den Weg gebracht werden. Bei etwa der Hälfte der aufgenommenen Personen konnte eine positive Entwicklung hinsichtlich ihrer Wohnsituation er- reicht werden. Im Anschluss an die NOKU hatten 2011 knapp und 2012 gut die Hälfte der Nutzer (48,6 % bzw. 54,5 %) eine relativ sichere Wohnperspektive. Die Zahl der Anfragen lag mit 134 deutlich über der Aufnahmekapazität der NOKU, so dass mehr als die Hälfte der Anfragenden abgewiesen werden mussten. Durch den häufig noch bestehenden Kontakt zu ehemaligen Nutzern hat sich gezeigt, dass im Einzelfall eine längere Verweildauer in der NOKU oder eine intensivere Nachbetreuung im Anschluss sinnvoll wäre. Somit sollte das Angebot weiterhin bedarfsentsprechend gefördert werden. 7.2.2 JUNO: HEIMSTIFTUNG Nachdem 2010 die Noku als niedrigschwelliges Angebot für wohnungslose männliche junge Erwachsene eröffnet hat, wurde im August 2011 ein entsprechendes Angebot für junge Frauen eröffnet. Junge wohnungslose Frauen nehmen das bestehende Hilfesystem meist noch weniger an als junge Männer und versuchen sich im Bekanntenkreis durchzuschlagen, wodurch nicht selten Abhängigkeitsverhält- nisse eingegangen werden. Auch die besonderen sozialen Schwierigkeiten, mit denen die meisten von ihnen belastet sind, können so nicht behoben werden und eine Chronifizierung der Wohnungslosigkeit wird begünstigt. Dank einer großzügigen privaten Spende konnte die Notübernachtungsstelle für junge Frauen (Juno) am 22. August 2011 ebenfalls in Trägerschaft der Heimstiftung eröffnet werden. Die Vernetzung der Juno mit der Sozial- und Jugendbehörde und anderen Institutionen hat sich seither gut entwickelt. Das Angebot läuft zunächst befristet bis Juli 2014. Die Juno verfügt über vier Plätze in einem Doppel- und zwei Einzelzimmern und steht jungen Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren aus Karlsruhe offen. Die Aufenthaltsdauer ist auf acht Wochen begrenzt, was sich jedoch aufgrund der schwierigen Wohnungssituation in Karlsruhe in vielen Fällen als zu knapp bemessene Frist erwiesen hat. Auch für eine Vermittlung in die Jugendhilfe, ins betreute Wohnen und in Ausbildungswohnheime muss häufig mit längeren Wartezeiten gerechnet werden. 32 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Seit der Eröffnung bis Januar 2013 konnten 36 junge Frauen aufgenommen werden. In gut zwei Drittel der Fälle konnte Wohnraum gefunden werden oder es fand eine Vermittlung zurück ins Elternhaus oder in weiterführende Hilfen statt. In manchen dieser Fälle konnte der Erfolg erst einige Zeit nach dem Auszug aus der Juno verbucht werden. Dass der Kontakt aber über den Aufenthalt in der Einrichtung hinaus gehalten wurde, zeigt, wie wichtig in dieser Altersgruppe eine Anbindung an Hilfen ist, wenn diese von Seiten des Elternhauses nicht erfolgen können. Hier hat sich die bedarfsgerechte, klientinnennahe, sozialarbeiterische Betreuung sehr gut bewährt, und es können in recht kurzer Zeit tragfähige Vertrauensbeziehungen entwickelt werden, die auch im Krisenfall gern in Anspruch ge- nommen werden, so dass eine Weitervermittlung sofort erfolgt. Seit Bestehen der Juno gab es 75 Anfragen, von denen 46 die Aufnahmekriterien erfüllten. Es wird hier deutlich, dass die Platzzahl gut kalkuliert ist, die meisten Frauen konnten aufgenommen werden. Primäres Ziel der Hilfe ist die Vermittlung der jungen Frauen in Wohn- raum, wofür auch die finanzielle Absicherung zu klären ist. Daneben können aber auch alle anderen Schwierigkeiten angegangen wer- den, wie zum Beispiel Schuldenregulierung, Ausbildungs- und Arbeitssuche, sowie die Vermittlung therapeutischer Hilfen. Viel Raum nimmt ebenso der erzieherische Ansatz der Hilfe ein, da die meisten der jungen Frauen aus schwierigen Familienverhältnissen stammen und die Entwicklung und das Einüben von zum Beispiel konstruktiver Tagesstruktur und entsprechenden Problemlösungskompetenzen nicht selbständig leisten können. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass ein spezielles Angebot für junge wohnungslose Frauen nicht nur gut angenommen wird, sondern aufgrund der immer schwieriger werdenden gesellschaftlichen Situation und der prekären sozialen Rahmenbedingungen sogar dringend erforderlich ist. 7.2.3 WOHNEN 18+: SOZPÄDAL Ausgangspunkt für das Konzept „Wohnen 18+“ waren die hohen Zahlen wohnungsloser junger Erwachsener in den Vorjahren. Nach über 3 Jahren Praxis hat sich das Projekt fest etabliert, die anhaltend hohe Nachfrage bestätigt die Notwendigkeit eines solchen spezifischen Angebots für diese Zielgruppe. 31 junge Erwachsene konnten 2012 (29 in 2011) am Programm „Wohnen 18+“ von SOZPÄDAL e. V. teilnehmen. Bei den Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern handelte es sich um 11 (10 in 2011) junge Männer und 20 (19 in 2011) junge Frauen mit einem Durchschnittsalter von 21,3 (21,2 in 2011) Jahren. Für 26 (23 in 2011) junge Erwachsene konnte vom Verein angemieteter Wohnraum an sie weitervermietet werden. 5 (6 in 2011) Teilnehmende wurden im eigenen Wohnraum durch „Woh- nen 18+“ begleitet. Zum Zeitpunkt der Bewerbung der jungen Erwachsenen bei SOZPÄDAL e. V. waren 4 (7 in 2011) Personen untergeschlupft. 22 (16 in 2011) junge Erwachsene waren obdachlosenrechtlich untergebracht, davon 4 (2 in 2011) Frauen in der Frauenpension. 2 (2 in 2011) junge Erwachsene kamen aus dem Wohnungsverlust, 2 (1 in 2011) waren zuvor in anderen betreuten Einrichtungen und 1 (1 in 2011) junger Mann kam aus der Familie. 13 (13 in 2011) junge Erwachsene konnten über das Lotsenprojekt den Zugang zu „Wohnen 18+“ finden. Für 16 (18 in 2011) junge Erwachsene endete 2012 „Wohnen 18+“. Bei 10 (10 in 2011) Teilnehmenden konnte der weitere Betreu- ungsbedarf durch Wohnen intensiv/nachhaltig gedeckt werden. Die bisher erarbeiteten Erfolge im Hilfeprozess konnten so fortge- führt und stabilisiert werden. Der vorwiegende Wunsch der jungen Erwachsenen, die sich bei SOZPÄDAL bewerben, ist eine eigene Wohnung und Unabhängig- keit. Die Realisierung dieser Ziele gelingt jedoch nicht ohne ein ausreichendes Hilfeangebot, das die Besonderheit dieser Lebenspha- se und die jugendspezifische Problematik berücksichtigt. Ohne Unterstützung gelingt es nicht die Wohnung zu sichern, Leistungsan- sprüche geltend zu machen, Ausbildung und Schule durchzustehen, die Überschuldung zu regeln, oder sich überhaupt mit der Frage nach Perspektiven zu beschäftigen. Um der nach wie vor großen Nachfrage der jungen wohnungslosen Erwachsenen nach Wohnraum nachzukommen, sind ein pas- sendes und ein möglichst zeitnah zur Bewerbung zur Verfügung stehendes Angebot an Wohnraum und Betreuung notwendig. 7.2.4 BEFRAGUNG JUNGER WOHNUNGSLOSER DURCH DIE FACHSTELLE WOHNUNGSSICHERUNG Wie bereits im vorigen Sachstandsbericht angekündigt, hat die Fachstelle Wohnungssicherung im Jahr 2012 eine Befragung junger wohnungsloser Menschen durchgeführt. Die Befragung erfolgte von Mitte August bis Mitte Oktober. Die Interviews fanden auf freiwilliger Basis in den Maßnahmen des Jobcenters oder in den Hilfsangeboten statt. Ziel der Erhebung war es zu prüfen, wie das Hilfesystem aus Sicht der jungen Betroffenen wahrgenommen wird und ob es gegebenen- falls verbessert werden kann. Der direkte Kontakt mit den jungen Erwachsenen ermöglichte es zudem, einen genaueren Blick auf die Gruppe zu werfen: woher kommen die jungen Menschen, woher kennen sie das Karlsruher Hilfesystem, was sind ihre Perspektiven? Es handelte sich hierbei vor allem um eine quantitative Befragung, in der unter anderem soziostrukturelle Daten, Problemlagen, die Gesundheitssituation, finanzielle Lage sowie Arbeits- und Wohnsituation abgefragt wurden. Die Erhebung enthielt jedoch auch offene Fragen und ließ so Raum für Anregungen und Kritik in Bezug auf das Karlsruher Hilfesystem oder auch bezüglich der jeweili- gen Zukunftsperspektiven. Der Fragebogen befindet sich als Anhang im Bericht. Insgesamt konnten 59 Interviews durchgeführt werden. Dies ist bei ungefähr 150 Personen, die zum Befragungszeitraum in der Arbeitsvermittlung der unter 25-jährigen Wohnungslosen betreut wurden, eine relativ hohe Quote. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 33 Die Befragten sind vor allem Deutsche (92 %), knapp ein Viertel hat einen Migrationshintergrund, was auch in etwa dem Durch- schnitt der Karlsruher Gesamtbevölkerung entspricht. 47 % der Befragten sind nach eigenen Angaben in Karlsruhe geboren. Den größten Anteil stellen mit 83 % Einzelpersonen; knapp drei Viertel sind männlich (73 %). Allerdings muss man beachten, dass der Anteil der untergebrachten Frauen unter 25 Jahren insgesamt bei 35 % liegt und somit um 10 % höher ist. Dass junge Frauen bei der Befragung unterrepräsentiert sind, ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass beispielsweise Alleinerziehende mit Kin- dern unter drei Jahren nicht von Seiten des Jobcenters in Maßnahmen vermittelt werden und daher auch dort nicht im Rahmen der Befragung anzutreffen waren. Zwei Drittel sind entsprechend der Altersgruppe ledig, aber immerhin lebt über ein Viertel der Befragten in einer festen Beziehung. 17 % der Interviewten haben eigene Kinder, aber nur bei 2 Frauen von ihnen leben die Kinder bei ihnen. 2 % der Befragten sind alleinerziehend, wobei auch hier der Anteil bei den jungen wohnungslosen Erwachsenen insgesamt höher ist. Diese Gruppe wurde in den Maßnahmen nicht gut erreicht, da sie vom Jobcenter nicht in Maßnahmen vermittelt wird. Zum Zeitpunkt der Befragung waren zwei Drittel der Befragten obdachlosenrechtlich untergebracht; etwa ein Viertel lebte in Wohn- raum, vor allem bei Freunden und Bekannten, bei der Verwandtschaft oder zeitweise bei den Eltern. (Davon leben 65 % bei Freun- den und Bekannten, 21 % bei der Verwandtschaft und 14 % zeitweise bei den Eltern). Ein Drittel der Befragten befand sich zum Zeitpunkt der Befragung in ärztlicher Behandlung, ihren Gesundheitszustand bewerten sie selbst im Durchschnitt mit der Note 2,8. Über die Hälfte der Befragten (54 %) war bereits in einer Jugendhilfemaßnahme, drei Viertel von ihnen hatte Erfahrung mit einem Heimaufenthalt. Wenn man sich die Schul- und Ausbildungssituation betrachtet, ist zunächst erfreulich, dass 85 % der Befragten einen Schulab- schluss besitzen, wobei der reine Abschluss keine Auskunft über die Qualität der Abschlüsse, zum Beispiel hinsichtlich des Noten- durchschnitts und damit über weitere Berufsperspektiven gibt. Über die Hälfte hat einen Hauptschulabschluss, ein Fünftel Realschul- abschluss, je 2 % haben das Gymnasium oder die Förderschule absolviert. Die unter „sonstiges“ zusammengefassten 3 % setzen sich zusammen aus Fachhochschul-Abschluss und aus im Ausland erworbenen Abschlüssen. Schulabschlüsse | Abbildung 21 Ausbildung | Abbildung 22 Schulabschlüsse 58% 20% 3% 15% 2% 2% HauptschuleRealschuleGymasium Förderschuleohne Abschlusssonstiges Ausbildung 19% 42% 2% 37% abgeschlossenabgebrochenin Ausbildungohne Ausbildung Anhand der Ausbildungssituation wird schließlich deutlich, dass sich die Lebenssituation der jungen Menschen hier widerspiegelt: 79 % der Befragten besitzen keinen Ausbildungsabschluss. Etwa die Hälfte von ihnen hat die Ausbildung abgebrochen. Dass die Ausbildungssituation ein Indikator für die spätere Erwerbstätigkeit und Einkommenssituation der jungen Betroffenen ist, zeigt sich auch hier deutlich: 88 % sind nicht erwerbstätig; entsprechend hoch ist auch mit 92 % der Anteil an ALG II- Empfängerinnen/Empfängern. Nicht ganz die Hälfte (42 %) befindet sich zum Zeitpunkt der Befragung in einer Maßnahme des Jobcenters. Dennoch wünschen sich viele der Befragten eine Ausbildung (59,6 %) oder einen Arbeitsplatz (43, 8 %) - Doppelnen- nungen waren möglich. Allerdings schätzen die meisten ihre Chancen der Realisierung hierzu vorwiegend als eher schlecht ein, was angesichts ihrer aktuellen Lebenssituation durchaus eine realistische Einschätzung ist. Nur 13,5 % gaben an, weder eine Ausbildung noch eine Arbeit aufnehmen zu wollen. Gründe dafür sind die vorrangige Bewältigung anderer Probleme wie z. B. Alkohol- oder Gesundheitsprobleme, aber vor allem auch die derzeitige Wohnungslosigkeit oder der nicht vorhandene oder schlechte Schulab- schluss. Wo vor Wohnungslosigkeit gelebt? Gefragt wurde auch, wo die Befragten vor der Wohnungslosigkeit gelebt haben. 30 % haben zuvor in eigenem Wohnraum, z. B. in einer Wohngemeinschaft gelebt, 27 % lebten bei den Eltern und 20 % bei Freunden oder Bekannten. Weshalb nach Karlsruhe gekommen? Auf die Frage, weshalb die jungen Erwachsenen nach Karlsruhe gekommen sind, nennen 33 %, dass sie wegen dem Partner/der Partnerin gekommen sind, 19 % begründen dies mit Ausbildungs- oder Arbeitsaufnahme und 19 % mit dem Umzug der Eltern. 34 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Gründe für Wohnungslosigkeit | Abbildung 23 1 2 18 6 10 2 2 4 10 4 02468101214161820 zu Hause abgehauen Streit mit Vermieter Sanktion durch JC zu Hause rausgeflogen fristlose Kdg, Räumung, Mietrückstände Beziehungsende Entlassung aus Haft Entlassung aus Therapie Ende JH-Maßnahme sonstiges Prozent sonstiges Ende JH-Maßnahme Entlassung aus Therapie Entlassung aus Haft Beziehungsende fristlose Kdg, Räumung, Mietrückstände zu Hause rausgeflogen Sanktion durch JC Streit mit Vermieter zu Hause abgehauen Der Hauptteil (31 %) gibt als Grund für die eigene Wohnungslosigkeit den Rauswurf aus dem Elternhaus an, gefolgt von 17 %, die wegen einer Trennung vom Partner/von der Partnerin ihr Obdach verloren haben und 10 %, die selbst von zu Hause abgehauen sind. Insgesamt wird deutlich, dass mit 41 % ein Großteil der Befragten aus Gründen, die im Elternhaus liegen, woh- nungslos geworden ist. Befragt danach, ob die Wohnungslosigkeit hätte verhindert werden können, stimmen dem immerhin 46 % der Befragten zu und geben dafür vorwiegend Gründe an, die ihr eigenes Verhalten oder Regeln des Zusammenlebens betreffen. Exemplarisch sind dabei folgende Antworten: „Wenn ich mich bei der Arbeit mehr angestrengt hätte“ oder „Wenn ich mir rechtzeitig hätte helfen lassen“ oder „durch Kompromisse im Zusammenleben“. Die Antworten verdeutlichen, dass die Betroffenen durchaus selbstreflexiv sind. Problemlagen Schließlich wurde gefragt, welche Probleme die jungen Erwachsenen belasten. Sehr deutlich tritt zutage, dass die jungen Menschen mit multiplen Problemen belastet sind. Die häufigsten Angaben betreffen bei möglichen Mehrfachnennungen die Wohnsituation (76 %), die finanzielle Situation (Geld 56 % oder Schulden 49 %), die familiäre Situation (32 %) sowie rechtliche Probleme wie Strafdelikte (32 %). Perspektiven Zu guter Letzt wurde die perspektivische Frage gestellt, wo sich die jungen Erwachsenen in fünf Jahren sehen. Hier gaben die meisten an, bis dahin in eigenem Wohnraum zu leben (64,4 %), einen festen Job mit geregeltem Einkommen zu haben (63 %), eine Familie zu gründen oder eine feste Beziehung zu haben (35,5 %), bis dahin eine Ausbildung absolviert zu haben (34 %) und unabhängig (5 %) zu sein. Weitere Angaben waren: Schuldenfrei sein, wieder Kontakt zu den eigenen Eltern bekom- men, oder dass das Kind wieder bei ihnen lebt. Dies zeigt, dass die Befragten ganz altersentsprechende Bedürfnisse haben. Fazit Die Auswertung zeigt, dass es den jungen Befragten aufgrund ihrer Lebenssituation deutlich erschwert ist, eine Ausbildung bis zum Abschluss zu absolvieren und sie zusätzlich zu ihrer Wohnungslosigkeit mit Mehrfachproblemen belastet sind, sie schätzen auch ihre Gesundheit eher befriedigend ein. Die Schnittstellen nach Heim und Schule sind kritisch. Die aktuelle Versorgung in Obdachlosenun- terkünften erfüllt die Bedürfnisse der Gruppe nicht. Es gibt einen Bedarf an spezieller Unterstützung bei der Wohnungssuche für unter 25-Jährige. Ein Ziel der Fachstelle ist daher, die Zielgruppe mit Hilfe der Kooperationspartner nachhaltig mit Wohnraum zu versorgen. Dass die jungen Betroffenen selbst befragt wurden, fanden viele Befragte positiv. Als Ergebnis der Befragung wurde im Jahr 2013 ein regelmäßiges Netzwerktreffen zur Optimierung der Schnittstellen gegründet. Teilnehmende sind neben der Fachstelle Wohnungssicherung Vertreterinnen/Vertreter des Sozialen Dienstes, des Jugendamtes, des Sozialamtes sowie Träger. Zudem wurde im Jahr 2013 eine Vereinbarung Betreutes Wohnen für unter 25-Jährige mit Sozpädal und der Heimstiftung getroffen. Darüber hinaus wurde ein Teil der Lotsentätigkeit auf unter 25-Jährige spezialisiert. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 35 7.3 PSYCHISCH KRANKE WOHNUNGSLOSE Wohnungslose Menschen mit einer psychischen Erkrankung können aufgrund der Öffnung für diesen Personenkreis adäquat im Betreuten Wohnen der Eingliederungshilfe nach § 53 SGB XII versorgt werden. Den psychisch kranken Menschen, die ihre Erkran- kung nicht, oder noch nicht akzeptieren können und daher in der Wohnungslosenhilfe ihre Nische suchen, kann mit dem Sonder- programm §§ 67/68 SGB XII auch die Hilfe angeboten werden, die ihrer Lebens- und Problemlage entspricht. Dies ist eine unver- zichtbare Ergänzung zum ambulant betreuten Wohnen in der Eingliederungshilfe. 7.3.1 BETREUTES WOHNEN: AWO Siehe Kapitel 3.3.3 Betreutes Wohnen: AWO 7.3.2 BETREUTES WOHNEN: SOZPÄDAL Die Zielgruppe sind Menschen, bei denen eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht und die von Wohnungslosigkeit akut betroffen sind. Teilweise ist auch eine zusätzliche Suchterkrankung vorhanden. Neben der Wohnraumversorgung sind die Auseinan- dersetzung mit der Krankheit, der Kontakt zu Ärztinnen/Ärzten, Kliniken, Sozialdiensten und Betreuerinnen/Betreuern wichtige Themenfelder. Die Ängste der Menschen, sich ihrer Krankheit zu stellen, sind groß, medikamentöse Behandlungen werden aufgrund von schwieri- gen körperlichen Begleiterscheinungen häufig skeptisch gesehen oder abgelehnt. Termine bei Fachärzten sind häufig erst nach langen Wartezeiten zu erhalten. 9 Männer (13 in 2011) und 12 Frauen (12 in 2011) wurden im Rahmen der Wohnungslosenhilfe betreut. Die Betreuung war trotz schwieriger Rahmenbedingungen äußerst erfolgreich. Auch bei Beendigung des Betreuten Wohnens konnte die jeweils richtige Perspektive gefunden werden. Hilfreich war in Einzelfällen die Beratung in der Hilfeplankonferenz, verbunden mit der trägerübergreifenden gemeinsamen Suche nach Lösungen. 7.3.3 AUFSUCHENDE BETREUUNG FÜR WOHNUNGSLOSE PSYCHISCH KRANKE MENSCHEN: DIAKONISCHES WERK Auch in den Jahren 2011/2012 konnte das seit 01.08.2007 bestehende Projekt erfolgreich fortgesetzt werden. Die Mitarbeitende des Diakonischen Werks konnte in diesem Zeitraum Kontakt zu 16 Personen herstellen, die allein lebend und psychisch krank sind und anhand ihrer vielfältigen Problematik in Unterkünften der Wohnungslosenhilfe untergebracht sind. Für sechs Personen konnten tragfähige Lösungen gefunden werden: Eine Person konnte eine eigene Wohnung beziehen, und eine Weiterbegleitung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst wurde organisiert. Eine Person wurde ans Appartementhaus vermittelt. Drei Personen wurden im Rahmen der Eingliederungshilfe in betreute Wohngemeinschaften des Diakonischen Werks aufgenommen, und eine Person konnte in ein stationäres Wohnheim für psychisch kranke Menschen vermittelt werden. Von Vorteil ist hierbei sicherlich, dass das Diakonische Werk in eigene betreute Wohnangebote vermitteln kann, was viermal der Fall war. Zum Jahreswechsel 2012/2013 werden vier Personen begleitet, bei zwei von ihnen erfolgt der Wechsel in ein Wohnangebot im Januar 2013 (Appartementhaus/Wohngemeinschaft des bwlv). Bei fünf Personen ist es nicht gelungen, in eine passende Wohnform oder ein passendes Wohnangebot zu vermitteln. Eine Person verübte Suizid. Es bestätigte sich, dass bei stark ausgeprägten unbehandelten psychischen Erkrankungen das erste Ziel sein muss, die Menschen zu einer zumindest minimalen ärztlichen Behandlung zu bewegen. Wo dies gelingt, können weitere Ziele erreicht werden, wo dies scheitert, ist es häufig nicht möglich, eine erfolgreiche Vermittlung zu erreichen. Am längsten begleitet wurde ein junger Mann, bei dem schon einige Hilfsangebote gescheitert waren. Hier war eine Verlängerung nötig, um letztendlich in enger Zusammenarbeit mit dem Hilfeplaner der Eingliederungshilfe eine Lösung zu erarbeiten. Dagegen konnten zwei Personen schon innerhalb von drei Monaten vermittelt werden. 7.3.4 APPARTEMENTHAUS RÜPPURRER STRAßE 56: DIAKONISCHES WERK Das Appartementhaus bietet auf zwei Wohnetagen 16 Appartement- Wohnmöglichkeiten für erwachsene, obdachlose, psychisch kranke Menschen (je eine Etage für acht Frauen und acht Männer), die über die Fachstelle Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde der Stadt Karlsruhe vermittelt und finanziert werden. Alle Appartements sind mit Kochnische und Nasszelle ausge- stattet. Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern wird ein Miet – und ein Betreuungsvertrag abgeschlossen. Der Mietvertrag ist an den Betreuungsvertrag gekoppelt, das bedeutet: Ohne Betreuung ist ein Wohnen im Appartementhaus nicht möglich. Von den 16 Bewohnerinnen und Bewohnern wohnten im Dezember 2011 acht länger als 6 Jahre im Appartementhaus. Seit dieser Zeit sind 3 Bewohner und Bewohnerinnen in die Selbständigkeit entlassen worden. Da die meisten Bewohnerinnen/Bewohner schon eine recht lange Zeit hier wohnen hat sich der Fokus der Arbeit verändert. Nachdem der Fokus des Appartementhauses in den ersten Jahren des Bestehens auf den Schlagwörtern „Wieder wohnen lernen“ lag, ist in den letzten zwei Jahren immer mehr das Thema „Entwicklung von Lebensperspektiven“ in den Mittelpunkt gerückt. Nach dem Motto: „Was kann ich mit meiner Beeinträchtigung noch vom Leben erwarten?“ versuchen die Bewohnerinnen/die Bewohner in Einzelgesprächen und in der Gruppe zu überlegen, was 36 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 das Leben noch zu bieten hat. Dies orientiert sich an den individuellen Besonderheiten der verschiedenen Bewohnerinnen/Bewohner und berücksichtigt die großen Ängste, die insbesondere chronisch psychisch Kranke mit oft sehr schwierigen Lebensläufen haben. Trotz der sehr niedrigschwelligen Arbeit erreicht das Appartementhaus dann seine Grenzen, wenn aufgrund der Schwere der Er- krankung und dem physisch und psychischen Abbau keine Betreuung mehr möglich ist, der zu Verfügung gestellte Wohnraum zu stark vernachlässigt wird, Hausregeln missachtet und Nachbarn massiv gestört werden. 7.3.5 AMBULANT BETREUTES WOHNEN: BADISCHER LANDESVEREIN FÜR INNERE MISSION Das ambulant betreute Wohnen für psychisch kranke Menschen des Badischen Landesvereins für Innere Mission (BLV) bietet seit dem 01. Juli 2011 maximal fünf Plätze für wohnungslose Menschen an und schafft damit eine niedrigschwellige Schnittstelle zwischen den Hilfesystemen der Wohnungslosen-, Suchtkranken- und Eingliederungshilfe. Das Angebot richtet sich an wohnungslose Frauen und Männer, bei denen gleichzeitig psychische Auffälligkeiten, psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme bestehen, die aber (noch) nicht bereit oder fähig sind, die entsprechenden weiterführenden fachlichen Hilfen in Anspruch zu nehmen. Das Leistungsangebot umfasst alle Hilfen des betreuten Wohnens nach §§ 67 ff SGB XII. Es umfasst auch die Motivationsarbeit zu fachärztlicher Behandlung, Krisenintervention sowie das Angebot oder die Vermittlung in tagesstrukturierende Hilfe oder Hilfen im Bereich der Beschäftigung. Der BLV stellt den Klientinnen und Klienten bei Bedarf möblierte Zimmer zur Verfügung und schließt mit ihnen Wohn- und Betreuungsverträge ab. In Absprache mit der Fachstelle Wohnungssicherung kann die Betreuung schon im Vorfeld einer möglichen Aufnahme als aufsuchende Hilfe erfolgen, zum Beispiel in einem Hotel oder einer Wohnungsloseneinrichtung. Im Berichtszeitraum wurden zwei Personen aus Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in betreute Wohngemeinschaften für psychisch kranke Menschen der Eingliederungshilfe des BLVs aufgenommen. 7.3.6 SOZIALPSYCHIATRISCHER DIENST Für den Zeitraum von März 2009 bis Mai 2012 wurde zwischen der Stadt Karlsruhe, Sozial- und Jugendbehörde und der Trägerge- meinschaft „Zentrum für seelische Gesundheit“ - vertreten durch den geschäftsführenden Träger Diakonisches Werk Karlsruhe - eine Vereinbarung nach § 75 SGB XII über ein neues Projekt „Aufsuchende Begleitung für aus dem Hilfesystem heraus gefallene psychisch kranke Menschen“ geschlossen. Der Träger wurde beauftragt, im Rahmen der Eingliederungshilfe niedrigschwellig aufsuchende sozialpädagogische Hilfen für Men- schen anzubieten, die aus dem Hilfesystem für psychisch kranke Menschen heraus gefallen sind mit dem Ziel, einen stabilen Kontakt zu diesen Personen aufzubauen, um sie wieder zurück ins Hilfesystem zu führen. Zielgruppe sind Personen, deren Aufenthalt in einer ambulanten oder stationären Einrichtung in Karlsruhe aufgrund einer fristlosen oder nicht abzuwendenden fristgerechten Kündi- gung beendet wurde oder die in akuter krankheitsbedingter Krise die Einrichtung von sich aus verlassen und im Anschluss in Karls- ruhe obdachlosenrechtlich untergebracht werden. Die Hilfe richtet sich nun an Personen, für die die Stadt Karlsruhe bis zum Aus- schluss aus der Einrichtung sowohl Kostenträger nach § 53 als auch nach § 67 SGB XII war. Während der gesamten Projektlaufzeit wurden 21 Personen aufgenommen; die Gesamtzahl aller Kontakte belief sich auf 305, das heißt im Durchschnitt etwa zehn Kontakte pro Monat. Außer bei einer Person, zu der überhaupt kein Kontakt hergestellt werden konnte, wurde bei allen anderen das vorrangige Ziel des Projektes - einen Kontakt aufzubauen - erreicht. In der Betreuungszeit bis zur Übergabe an andere Beteiligte des gemeindepsychiatrischen Netzwerks konnten darüber hinaus in einem Fall nach dem Verlassen eines Heimes das selbständige Wohnen in eigenem Wohnraum abgesichert, zwei Personen wieder in ein Wohnheim, zwei Personen auf die Warteliste eines Heimes und des Betreuten Wohnens, zwei dauerhafte Betreuungen durch den Sozialpsychiatrischen Dienst, vier stationäre Entgiftungen und je eine Person an eine Psychotherapeutin und an einen gesetzli- chen Betreuer vermittelt werden. Die meiste Unterstützung gab es aber in der alltagspraktischen Hilfestellung. So wurde etwa Unter- stützung bei der Wohnungssuche geleistet, wurden Behördenbriefe beantwortet, Schulden geregelt und geholfen, dass drohende Haftstrafen in gemeinnützige Arbeit umgewandelt wurden etc. Aus den gewonnenen Erfahrungen mit diesem Projekt ergibt sich, dass es wichtig war, das Projekt zu initiieren, um abgesicherte Erkenntnisse über den Verbleib der aus dem Hilfesystem heraus gefallenen Menschen zu gewinnen. Einer Weiterführung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst bedurfte es nach Meinung der im Projekt Tätigen nicht. Die Koordinierungsgruppe des Gemeindepsy- chiatrischen Verbundes beschloss somit nach einer Anhörung erwartungsgemäß das Auslaufen des Projektes zum vereinbarten Zeitraum 31.05.2012. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 37 8. ARBEIT, BESCHÄFTIGUNG, AKTIVIERUNG 8.1 LEISTUNGEN NACH DEM SOZIALGESETZBUCH II (SGB II) Neben den laufenden Leistungen zur Bestreitung des Lebensunterhalts stellen die Leistungen bei der Anmietung einer Wohnung einen Schwerpunkt der Tätigkeit des SGB II – Teams der Fachstelle dar. Trotz des schlechten Wohnungsmarktes konnten viele Woh- nungsanmietungen finanziell ermöglicht werden, im Schnitt 30 pro Monat. Bei diesen Anmietungen handelt es sich zum einen um Wohnungsvermittlungen durch die Fachstelle beziehungsweise durch die von ihr beauftragten Träger. Insbesondere Alleinlebende mieten oft Wohnungen an, deren Vermittlung von der Fachstelle zum Beispiel aufgrund des Zustands nicht unterstützt würde. Rechtlich besteht jedoch zumeist keine Möglichkeit, sie abzulehnen. Leider hat dies zur Folge, dass die Anmietung oft nicht zu einer Nachhaltigkeit führt und kurzfristig erneute Wohnungslosigkeit entsteht. Darin, dass die Menschen bereit sind, alles anzumieten, wie problematisch die Umstände auch sind, zeigt sich, wie schwer es ist, „normalen“ Wohnraum anzumieten. Aus diesem Grund werden inzwischen auch deutlich mehr Maklergebühren als früher geneh- migt. Auffallend ist insbesondere beim Leistungsbezug der unter 25-Jährigen, dass viele nicht obdachlosenrechtlich untergebracht sind, sondern ohne festen Wohnsitz bei wechselnden Bekannten übernachten. Mitte 2012 kam es zum Höchststand von 170 Personen zwischen 18 und 24 Jahren, die wohnungslos gemeldet waren. Obdachlosenrechtlich waren hiervon nur knapp 70 untergebracht. Im Bereich der Arbeitsvermittlung war das SGB II – Team sehr erfolgreich. Insbesondere die Projekte Esperanza und LaBOR sind hierbei eine wertvolle Unterstützung. Im Jahr 2012 gelang es zudem, 20,4 % aller Fälle in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Im Jahr 2013 wird diese hohe Quote nicht zu erreichen sein. 8.2 ARBEITS- UND BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT „ESPERANZA“: HEIMSTIFTUNG Die Arbeitsgelegenheit „Esperanza“ für wohnungslose Menschen hat sich zum Ziel gesetzt, durch lebenspraktische Hilfen die Zu- gangsbedingungen der Teilnehmenden auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt zu verbessern. Hierbei steht eine genaue Situations- analyse an erster Stelle, mit der die zu erreichenden Ziele besprochen und geklärt werden. Primär geht es dabei um die Beseitigung der Probleme, welche einer Arbeitsaufnahme im Wege stehen, aber auch - gleichwertig im Ansatz - um das Finden einer Unterkunft/Wohnung, um Arbeit erst möglich zu machen. Das niedrigschwellige Angebot bringt (wieder) eine feste Struktur in den Tagesablauf der Teilnehmenden, greift die noch vorhande- nen Kompetenzen auf, baut diese aus und stabilisiert sie. Die Arbeitsgelegenheit bietet von 8 Uhr bis 16 Uhr einen festgelegten Ablauf: vom Frühstück am Morgen über die Arbeit und das gemeinsame Mittagessen bis hin zu den Seminaren vor allem rund um das Thema Wohnen, wird den Teilnehmenden eine konkrete und persönliche Hilfe angeboten, die durch Einzelgespräche ergänzt wird. Eine Sozialpädagogin und ein Arbeitsanleiter stehen den Teilnehmenden als Gesprächspartnerin/Gesprächspartner und Unterstützerin/Unterstützer zur Verfügung. Bestenfalls haben die Teilnehmenden am Ende eine Wohnung gefunden, sind in der Lage diese zu beziehen, zu renovieren und zu halten. Demnach orientieren sich auch die praktischen Arbeiten wie Renovierungsarbeiten, Flächen berechnen, Einkauf, Kochen, Internetrecherche etc. an den nötigen Fähig- und Fertigkeiten zum Erhalt einer Wohnung. 2012 hatte das Projekt 29 Teilnehmende, von denen 11 in eine eigene Wohnung zogen, 10 in eine betreute Wohneinrichtung ver- mittelt wurden, 4 in der Kriegsstraße 88 lebten, einer in den Landkreis verzog und 5 wegen Fehlzeiten ausscheiden mussten. Ab 2013 erhöht sich die Platzzahl von 15 auf 19, so dass auch eine Nachbetreuung in der schwierigen Phase des Einlebens in einer eigenen Wohnung sichergestellt werden kann. 8.3 ARBEITS- UND BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT: AWO Das AWO Arbeits- und Beschäftigungsprojekt „erfindet“ fachlich und sozial qualifizierende Beschäftigungsangebote für Menschen mit körperlichen, seelischen, geistigen oder sozialen Handicaps. Das Projekt bietet Platz für etwa 180 Teilnehmende im Rahmen folgender Beschäftigungsmöglichkeiten:  Arbeitsgelegenheiten nach § 16 d SGB II,  Tagesstruktur nach § 16 a SGB II,  Aktivierung nach § 11 SGB XII  sowie im Rahmen des über den Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Projekts AWOrks (seit 01.01.2012). 38 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 Das Projekt verfolgt unter anderem folgende Ziele:  Psychosoziale Stabilisierung durch Tagesstrukturierung, Teilhabe am Arbeitsleben, soziale Kontakte und Hinzuverdienstmöglichkeit,  Sicherung beziehungsweise (Wieder-)Herstellung der Beschäftigungsfähigkeit,  Erlernen/Verbessern von Grundarbeitsfertigkeiten und sozialen Kompetenzen,  Verbesserung der Berufsorientierung und Berufsfindung,  Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das Arbeitsprojekt schafft Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Fähigkeiten, Ressourcen und beruflichen Zukunftsplänen der Pro- jektteilnehmenden entsprechen und gleichzeitig ihre Handicaps berücksichtigen. Mit der Schaffung verschiedener Einsatzbereiche auf unterschiedlichem Leistungsniveau wird der großen Nachfrage nach Beschäfti- gung von Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps in Karlsruhe Rechnung getragen. Das Arbeitsprojekt verfügt über folgende projekteigene Arbeitsbereiche: niedrigschwellige Werkstatt (einfache Montage- und Produktionsarbeiten), Bau- und Sanierungstrupp und Nähstube. Darüber hinaus kann auf eine Vielzahl unterschiedlicher Einsatzstellen innerhalb der AWO Karlsruhe und bei koope- rierenden Vereinen und Institutionen zurückgegriffen werden. Im Jahr 2011 haben 14, im Jahr 2012 24 von der Fachstelle Wohnungssicherung betreute Personen an dem Projekt teilgenommen. 8.4 BESCHÄFTIGUNGSPROJEKT LABOR FÜR JUNGE ERWACHSENE IN WOHNUNGSNOT: SOZPÄDAL Das seit 2010 bestehende Projekt LaBOR ist ein niedrigschwellig konzipiertes Arbeits- und Beschäftigungsprojekt für 15 junge, woh- nungslose Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren mit multiplen Vermittlungshemmnissen. Der Weg ins LaBOR führt über die jewei- lige persönliche Ansprechperson der jungen Erwachsenen beim Jobcenter. Ziel des Projekts ist es, eine flexible, individuell ausgerichtete Förderung anzubieten, die eine schrittweise Annäherung an die Anfor- derungen des realen Arbeitslebens unter Berücksichtigung der besonderen individuellen Lebenssituation darstellt. An Basiskompetenzen der Ausbildungs- und Arbeitsfähigkeit wie kontinuierliche Anwesenheit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Durch- haltevermögen, sowie grundlegenden sozialen Kompetenzen wird durch praktische und theoretische Arbeitsinhalte herangeführt, die für die Entwicklung einer beruflichen Perspektive oder die Vermittlung in eine Maßnahme oder Arbeit notwendig sind. Des Wei- teren steht eine Stabilisierung der Lebenslage durch Beendigung der Wohnungslosigkeit, Sicherung des Lebensunterhalts, Schulden- regulierung sowie persönliche Beratung im Vordergrund der sozialpädagogischen Begleitung. 2012 nahmen 35 junge Menschen am Projekt teil. Davon wurden 8 junge Menschen durch „Wohnen 18+“ von SOZPÄDAL beglei- tet. Von den 23 Teilnahmen (davon 14 wohnungslos), die in 2012 beendet wurden, konnte bei 12 Teilnehmenden die Wohnungslo- sigkeit beendet werden. Das Projekt wird durch den europäischen Sozialfonds (ESF) 2013 letztmalig gefördert. Seit 2013 wird LaBOR von Seiten des Jobcen- ters als Qualifizierungsmaßnahme und nicht mehr als Arbeitsgelegenheit eingeordnet, so dass die Aufwandsentschädigung entfallen ist. Wege der Folgefinanzierung für das Projekt werden mit der Sozial- und Jugendbehörde und dem Jobcenter der Stadt Karlsruhe gesucht. Das Projekt ist unverzichtbar um die Gruppe der jungen Wohnungslosen, die inzwischen einen hohen Anteil im Hilfesystem einnimmt, nicht weiter ins Abseits zu drängen. 8.5 TAFF – ARBEITEN UND QUALIFIZIEREN: SOZPÄDAL Am Angebot „Arbeiten und Qualifizieren“ nahmen 2012 48 Frauen teil (50 in 2011), 15 Frauen (15 in 2011) kamen neu in das Projekt. Im Vordergrund steht, den Teilnehmerinnen eine Tagesstruktur zu bieten, das Selbstwertgefühl aufzubauen, Ressourcen zu erkennen und zu fördern. Sowohl die praktische als auch die theoretische Qualifizierung setzt an den „verschütteten“ Kenntnissen der Frauen an und fördert sie individuell. Ein wichtiges Angebot sind die neun begrenzten Plätze, die über das kommunale Programm „Proaktive Arbeitsplatzsuche – Psy- chosoziale Betreuung zur Tagesstrukturierung nach § 16 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 SGB II“ finanziert werden. Es wird vor allem Frauen mit höheren Ressourcen angeboten, und es besteht ein enger Kontakt zu den Ansprechpersonen des Jobcenters. Die Lebenslage der Frauen wird geprägt von Wohnungslosigkeit/prekären Wohnverhältnissen, Langzeitarbeitslosigkeit sowie von Bildungs- und Ausbildungsdefiziten. Die Frauen sind zusätzlich durch Suchtprobleme oder psychische Beeinträchtigun- gen/Erkrankungen und schwierige familiäre Situationen belastet. Eine Arbeitsperspektive könnten sie nur auf einem entsprechend ausgestalteten sozialen Arbeitsmarkt entwickeln. Frauen mit einem entsprechenden Maß an Einschränkungen konnten darin begleitet werden, in das angemessenere Leistungsgesetz (vom SGB II ins SGB XII) übergeleitet zu werden. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 39 8.6 WOHNUNGSAKQUISE UND SANIERUNG: SOZPÄDAL 8 Wohnungen für 15 Personen konnten 2012 von SOZPÄDAL mit Hilfe städtischer Mittel saniert und damit für Wohnungslose auf mindestens 10 Jahre gesichert werden. Die Arbeitsplätze im Sanierungsprojekt waren gefährdet, da sich die Förderbedingungen der Agentur für Arbeit/Jobcenter geändert hatten. Inzwischen konnten in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter wieder bezuschusste Arbeitsverträge mit langzeitarbeitslosen Personen mit Wohnungslosenhintergrund geschlossen und der „Arbeitsstau“ abgebaut werden. Das Wohnraumakquise-Programm war bisher sehr erfolgreich und ist als wichtige Ergänzung des Hilfesystems nicht mehr weg zu denken. Mit einem kommunalen Beschäftigungsmodell könnten in diesem Bereich auch weitere notwendige und sinnvolle Arbeits- möglichkeiten für Menschen aus diesem Personenkreis geschaffen werden. Seit 2009 kann SOZPÄDAL, neben dem neu akquirierten Wohnraum, auch bereits länger angemietete Wohnungen, in einen besse- ren Zustand versetzen. Dies mit Hilfe eines Zuschusses aus freiwilligen Leistungen der Stadt Karlsruhe für einen Anleiter im Sanie- rungsprojekt. In Mehrzimmerwohnungen mit gemeinschaftlicher Nutzung von Küche und Sanitärräumen besteht häufig ein hoher Renovierungsbedarf, dem nun in gemeinsamer Arbeit mit den Mietern abgeholfen werden kann. Es entsteht ein anderes Verhältnis zum Wohnraum, und die Identifikation mit der Wohnung führt zu einem pfleglicheren Wohnen. 8.7 STREETWORK: DIAKONISCHES WERK Auch die durch Streetwork betreuten Menschen verfügen über Ressourcen, die sie zu einer aktiven Teilhabe am Leben in der Ge- meinschaft befähigen. Die Straßensozialarbeit macht deshalb Basisaktivierungsangebote für diese besonders benachteiligte Zielgrup- pe. Zusammen mit diversen Kooperationspartnern werden temporäre Einzelprojekte durchgeführt. Außerdem werden ein Sportan- gebot (Straßenfußball) und weitere Freizeitmaßnahmen sowie dauerhafte, zusätzliche und im öffentlichen Interesse liegende Service- Dienste im Gemeinwesen organisiert. Der Zugang zu diesen Angeboten ist niedrigschwellig. Je nach Leistungsfähigkeit und den sozialen Kompetenzen steht entweder der Beschäftigungsaspekt oder die psychosoziale Betreuung im Vordergrund. In 2012 befanden sich 27 Personen in einem Beschäfti- gungsprojekt. Zahlreiche weitere Klient/innen konnten über die temporären Projekte im Stadtteil sowie diverse Freizeitmaßnahmen erreicht und aktiviert werden. Da diese Menschen durchaus motiviert sind, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben, sollte man dieser besonders benachteiligten Bevöl- kerungsgruppe mit differenzierten und auf Dauer angelegten geschützten Beschäftigungsmöglichkeiten weitere Tagesstruktur- Angebote machen, die nachhaltige gesellschaftliche Teilhabe und soziale Anerkennung ermöglichen. 40 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 9. HILFEN FÜR WOHNGEBIETE MIT BESONDEREM UNTERSTÜTZUNGSBEDARF 9.1 KLEINSEEÄCKER Das Quartiersmanagement der AWO in Kleinseeäcker endete Mitte 2011. Seither besteht für die Bewohnerschaft die Möglichkeit der Nutzung des Mieterbüros der Volkswohnung in Oberreut. Auch die Betreuung vor Ort durch den Sozialen Dienst wird wie vor dem Quartiersmanagement fortgesetzt. Die Volkswohnung hat 2012 bei einer externen Firma eine Bestandsanalyse in Auftrag gegeben. Hieraus resultieren Planungen für das Quartier, mit dem Ziel, das Image des Viertels innerhalb der nächsten 5 Jahre baulich deutlich aufzuwerten und eine gemischte Bewohnerstruktur zu erhalten. Inzwischen hat die Volkswohnung GmbH dem Aufsichtsrat ihr Sanierungskonzept vorgestellt. Notwendig wird zunächst eine voll- ständige Entmietung werden, damit anschließend eine bauliche Aufwertung erfolgen kann. Die Bewohnerschaft wird Ersatzangebo- te innerhalb des Bestandes der Volkswohnung erhalten. 9.2 WOHNWAGENABSTELLPLATZ Ein wesentliches Kernziel bei der Gestaltung des Wohnwagenabstellplatzes war die Schaffung von Kinderbetreuungs- und Bil- dungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang wurde ein Konzeptwettbewerb ausgeschrieben, dessen Zuschlag die Firma Ohle- busch erhielt. Seit Mai 2009 erhalten die schulpflichtigen Kinder von Montag bis Freitag von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr Unterstützung beim Erledi- gen ihrer Hausaufgaben. Die Eltern und die Schule sind in diesen Betreuungsprozess mit eingebunden. Den Kindern soll ermöglicht werden, einen qualifizierten Schulabschluss zu erlangen, als Grundlage für ihre weitere Ausbildung und Berufswahl. Positive Rückmeldungen der Schule, der Kinder und der Eltern bestätigen, dass hier die Weichen in die richtige Richtung gestellt wurden. Das Angebot der Hausaufgabenbetreuung der Kinder auf dem Wohnwagenabstellplatz wird weiterhin gut ange- nommen. Zum 01.05.2011 konnte die wöchentliche Betreuungszeit von 15 auf 25 Stunden erweitert werden, da die Nachfrage sich erhöht hatte. Im vergangenen Schuljahr wurden alle betreuten Kinder in die nächste Klassenstufe versetzt. Mit großer Erwartung wird den ersten Schulabschlüssen entgegengesehen. 9.3 NUSSBAUMWEG Die Siedlung im Nussbaumweg ist eine wichtige Möglichkeit, wohnungslose Familien wieder mit Wohnraum zu versorgen. Die Bele- gung frei werdender Wohnungen erfolgt seit Jahren in enger Absprache von Volkswohnung, Sozialen Dienst und Fachstelle Woh- nungssicherung. Nach Einzug ist der Soziale Dienst Ansprechpartner. Im Jahr 2011 entstanden zunehmend Probleme im Wohngebiet. Ängste in Bezug auf Gewalt und Drogenkonsum nahmen zu. Ein- zelne Mieter führten aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten zu starker Unruhe im Nussbaumweg. Die Verunsicherung der Bewoh- nerschaft zeigte sich in der Absage des traditionellen Sommerfestes. Daraufhin fand eine ausführliche Besprechung mit Vertretern vom Viertel, der Volkswohnung GmbH, dem Sozialen Dienst, der Fachstelle Wohnungssicherung und allen vor Ort tätigen Trägern statt. Die Sitzung brachte folgende Ergebnisse: Die Volkswohnung richtete befristet eine Sprechstunde vor Ort ein, was jedoch mangels Nachfrage wieder eingestellt wurde. Mit einigen Bewohnern und Vertretern von Volkswohnung, Fachstelle, Sozialem Dienst und den Trägern fand eine Streichaktion eines Treppenhauses statt. Die Probleme der auffälligen Mieter wurden in Kooperation von Sozialem Dienst und Volkswohnung geklärt. Die Auswahl der neuen Mieter wurde mit noch größerer Achtsamkeit getroffen. Nach Einzug wurden sie zudem vom Bewohnerrat ins Viertel eingeführt. Inzwischen sind auch die Volkswohnung und die Fachstelle in die regelmäßigen Besprechungen mit den Trä- gern und dem Sozialen Dienst einbezogen. Das gelungene Sommerfest 2012 sowie eine ruhige Bewohnerversammlung Ende 2012 zeigten, dass sich aufgrund der getroffenen Maßnahmen die Situation deutlich beruhigt hat. Im Laufe des Jahres wird mit dem Bewohnerrat geklärt werden, ob Bedarf für wei- tere Bewohnerversammlungen besteht. SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 41 10. AUSBLICK Die größte Herausforderung für die Wohnungslosenhilfe in Karlsruhe wird auch in den nächsten Jahren der angespannte Woh- nungsmarkt sein. Angesichts der Wohnungsknappheit und der Preisentwicklung wird sich dies weiterhin auf die Wohnraumbeschaf- fung auswirken. Verschärft wird die Situation durch die zunehmende Zahl von Geringverdienenden, die nicht in der Lage sind, Mie- ten über den sozialhilferechtlich angemessenen Grenzen aus eigenen Mitteln zu tragen. Das Thema sozialer Wohnungsbau ist in Karlsruhe stark in den Fokus gerückt, was längerfristig positive Auswirkungen haben wird. Doch sofern es nicht gelingt, kurzfristig für breitere Bevölkerungsschichten bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wird es immer schwieriger werden, Menschen, die bereits ihre Wohnung verloren haben, erneut mit Wohnraum zu versorgen. Wenn zu der Wohnungssuche und dem geringen Einkommen noch besondere soziale Schwierigkeiten hinzukommen, dann bleibt es selbst mit Unterstützung eine große Herausforderung, eine passende Wohnung zu finden. Daher bleibt der Bau von neuen Wohnungen eines der ganz zentralen Ziele. In Karlsruhe wird bezahlbarer Wohnraum für Familien mit Kindern, für Studierende, für Auszubilden- de, für Zuwanderinnen und Zuwanderer, auch barrierefreie Wohnungen für behinderte und ältere Menschen und Wohnungen für diejenigen, die bisher in öffentlich rechtlicher Unterbringung leben, gebraucht. Umso wichtiger ist daher auch in Zukunft das Programm „Wohnraumakquise durch Kooperation“, das Menschen, die selbst bei einem entspannten Wohnungsmarkt benachteiligt wären, versorgt. Dass Vermieterinnen und Vermieter ihre Wohnungen für Men- schen in Wohnungsnot zur Verfügung stellen liegt nicht nur an dem unkomplizierten Zuschussmodell. Nur hier erhalten sie das Angebot der intensiven Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner kombiniert mit einem Jahr Probewohnen mit Nutzungsvertrag und anschließend befristete Mietausfallgarantien. Daneben wird es für die Betreuung in den Unterkünften wichtig sein, dass die Fachstelle Wohnungssicherung auch bei durch den Wohnungsmarkt bedingten längeren Aufenthaltszeiten und bei steigenden Unterbringungszahlen nicht von den bisherigen Quali- tätsstandards abweicht. Nur bei ausreichender sozialer Unterstützung wird es möglich sein, Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten zurück in die Mitte der Gesellschaft zu führen. Insbesondere die Entwicklung der wohnungslosen Familien muss beobachtet werden. Hier sind gegebenenfalls neue Hilfsangebote und/oder veränderte Unterbringungsmöglichkeiten notwendig. Insgesamt bleibt weiter wichtig, die Schnittstellen zu den der Wohnungslosenhilfe angrenzenden Hilfesystemen zu optimieren. Gerade bei den aktuellen Problemlagen zeigt sich, dass das differenzierte Hilfesystem der Wohnungslosenhilfe mit seinem breiten Netzwerk ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung von Armut ist. 42 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 11. ANHANG Befragung der Fachstelle Wohnungssicherung von wohnungslosen jungen Erwachsenen unter 25 Jahre Codierung/Fragebogen-Nr. _______________ Datum: ___________ 1. PERSÖNLICHE DATEN 1.1 Geschlecht männlich (1) weiblich (2) 1.2 Alter __________________________ 1.3 Geburtsland Deutschland (1) Ausland _____________________________________________ 1.4 Geburtsort Karlsruhe (1) Sonstiger _____________________________________________ 1.5 Staatsangehörigkeit deutsch (1) russisch (2) türkisch O (3) bulgarisch (4) rumänisch (5) italienisch (6) sonstige ______________________ 1.6 Haben Sie einen Migrationshintergrund? ja (1) nein (2) 1.7 Familienstand ledig (1) verheiratet (2) feste Beziehung (3) geschieden (4) getrennt lebend (5) Sonstiges 1.8 Haben Sie Kinder? ja (1) nein (2) wenn ja: leben die Kinder bei Ihnen? ja (1) nein (2) wenn nein: wo leben Ihre Kinder? ______________________________ 2. FINANZIELLE SITUATION Arbeitseinkommen (1) Geld von Eltern (2) Geld von Lebenspartner (3) Bezug ALG I (4) ergänzend ALG II (5) Krankengeld (6) Bezug ALG II (7) Elterngeld (8) Vermögen (9) Unterhalt (10) Kindergeld (11) Asylleistungen (12) Bezug sonstiger Leistung _______________________ 3. BILDUNG/AUSBILDUNG/BERUF 3.1 Schulabschluss Hauptschule (1) Realschule (2) Gymnasium (3) Förderschule (4 ) ohne (5) aktuell Schulbesuch (6) Sonstiges_______________ welcher___________ 3.2 Berufsausbildung abgeschlossene Ausbildung (1) abgebrochene Ausbildung (2) in Ausbildung (3) keine Ausbildung (4) 3.3 Erwerbstätigkeit Erwerbstätigkeit aktuell? ja (1) nein (2) wenn ja: ausgeübter Beruf: __________________________________________________________________________________ Vollzeit (1) Teilzeit (2) Minijob (3) 3.4 Arbeit und ALG II? ja (1) nein (2) wenn ja: Vollzeit und ALG II (1) Teilzeit und ALG II (2) Minijob und ALG II (3) SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 43 3.5 in Maßnahme von AA/gE? ja (1) nein (2) wenn ja: welche? ___________________________________________ 3.6 Arbeitswunsch? ja (1) nein (2) 3.7 Ausbildungswunsch? ja (1) nein (2) wenn ja: Wie gut wird die Chance eingeschätzt, den Wunsch nach einem Ausbildungsplatz oder einer Arbeitsstelle zum jetzigen Zeit- punkt zu erfüllen? sehr gut (1) gut (2) eher schlecht (3) schlecht (4) wenn nein: warum nicht?_____________________________________ 4. AKTUELLE SITUATION 4.1 Wo leben Sie aktuell? Wohnraum (1) Untergebracht (2) Nicht untergebracht (3) Eigene Wohnung/ Jugendhilfeeinrichtung (2) Straße/Platte (3) Zimmer in WG (1) Obdachlosenunterkunft (5): Eltern (4) welche _______________________________________________________________ Freunde/Bekannte (6) Pension (7) welche _____________________________________________________ Verwandtschaft (8) sonstige Einrichtung ____________________________________________________ Nutzungsverhältnis (9) 4.2 Haushaltsform Ein-Personen-Haushalt (1) Paar ohne Kind (2) MP-HH (5) Alleinerziehend (3) Familie mit Kind(ern) (4) Mehrbett-Zimmer (6) 4.3 In aktueller Unterkunft seit _______________________________________________________________________________ 4.4 Was gefällt an der Unterkunft _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ 4.5 Was gefällt nicht an der Unterkunft _________________________________________________________________________________________________________ 4.6 Sonstige Unterkünfte seit Wohnungslosigkeit ___________________/Ort: ______________ Dauer: __________________ ___________________/Ort: ______________ Dauer: __________________ ___________________/Ort: ______________ Dauer: __________________ 4.7 Wie lange wurde aktuell nach einer passenden Hilfe gesucht (auch von Anlaufstellen wie Streetwork oder Jugendamt, (Sucht)-Beratungsstellen oder Fachkräften) ______Tage ______Wochen ______Monate 44 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 5. ZUGANG UND GRÜNDE FÜR OBDACHLOSIGKEIT 5.1 letzter Wohnort vor Wohnungsverlust/Wohnungslosigkeit _________________________________________________________________________________________________________ 5.2 Wo zuletzt gewohnt/gelebt vor Wohnungslosigkeit? Eltern (1) Jugendhilfeeinrichtung (2) Straße/Platte (3) Pflegeeltern (4) Verwandtschaft (5) Freunde/Bekannte (6) eigene Wohnung/eigenes Zimmer in WG (7) wenn ja: wie finanziert __________________________________________________________________________________ sonstiges ______________________________________________________________________________________________ 5.3 Zuletzt eigenen Mietvertrag gehabt? ja (1) nein (2) 5.4 Schon mal (alleine) in eigenem Wohnraum gelebt? ja (1) nein (2) 5.5 Seit wann in Karlsruhe lebend? In Karlsruhe geboren/aufgewachsen (1) _________________________________________________________________________________________________________ 5.6 Weshalb sind Sie nach Karlsruhe gekommen? _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ 5.7 Was für Angebote für Wohnungslose gab es im Herkunftsort? _________________________________________________________________________________________________________ 5.8 Weshalb wurden die Angebote dort nicht genutzt? _________________________________________________________________________________________________________ 5.9 Seit wann sind Sie aktuell wohnungslos? _________________________________________________________________________________________________________ 5.10 Sind Sie vorher schon wohnungslos gewesen? ja (1) nein (2) wenn ja: wie lange? ______________________________________________ 5.11 Warum sind Sie obdachlos geworden? zu Hause abgehauen (1) fristlose Kündigung akzeptiert (2) zu Hause rausgeflogen (3) Mietrückstände (4) bei Partner/-in rausgeflogen/ Alkohol (6) Beziehungsende (5) Räumung (7) Entlassung aus Haft (8) Trennung (9) Entlassung aus Therapie (10) Entlassung aus Klinik (11) Streit mit Vermieter/in (12) Sanktion durch Jobcenter (13) Ende Jugendhilfemaßnahme (stat. Unterbringung) (14) sonstiges______________________________________ 5.12 Hätte die Wohnungslosigkeit verhindert werden können? ja (1) nein (2) wenn ja: wie hätte sie verhindert werden können? _________________________________________________________________________________________________________ 5.13 Wie sehr sind Sie bemüht, eine eigene Wohnung zu finden? sehr bemüht (1) eher bemüht (2) eher nicht bemüht (3) nicht bemüht (4) SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 45 6. KONTAKT ZU (ANDEREN) HILFESYSTEMEN 6.1 Hatten Sie vor dem Wohnungsverlust Kontakt zur Sozial- und Jugendbehörde? ja (1) nein (2) wenn ja, zu wem: Sozialer Dienst (1) Fachstelle Wohnungssicherung (2) Jobcenter (3) Anlaufstelle (4) wenn nein: Was hat Sie daran gehindert, Kontakt aufzunehmen? __________________________________________________________________________________________________________ 6.2 Kennen Sie die Angebote in Karlsruhe für wohnungslose Menschen? ja (1) nein (2) 6.3 Welche Angebote kennen/nutzen Sie? täglich selten pro Woche pro Monat Nie Anlaufstelle Frauen Anlaufstelle Männer Die Tür | Diakonie TAFF | Sozpädal Sozialer Dienst/Stadt Karlsruhe Sozialpsychiatrischer Dienst Sozpädal Iglu | Heimstiftung Noku | Heimstiftung Juno/Heimstiftung Straßensozialarbeit Sozialarbeit in Unterkunft Drogenberatungsstelle Betreuer Frauenhaus Fachstelle W Vermittlung U 25 Unterbringungsbereich Poststelle K 88 Erfrierungsschutz Rü 23 6.4 Woher haben Sie Information über Angebote in Karlsruhe? über Internet (1) über Freunde/Bekannte (2) Flyer (3) Jobcenter (4) Fachstelle W (5): ____________ sonstiges ____________ über Beratungsstelle (6) __________________________________________________________________________________ 6.5 Haben Sie schon einmal versucht, Hilfe zu bekommen, wurden aber abgewiesen, weil bestimmte Voraussetzungen wie Altersgrenze nicht mehr oder noch nicht erfüllt waren? ja (1) nein (2) 6.6 Sind Sie schon einmal in einer Maßnahme der Jugendhilfe gewesen?/ Haben Sie schon einmal Leistungen der Jugendhilfe bekommen? (etwa Betreutes Wohnen, Heim) ja (1) nein (2) wenn ja welche? _________________________________________________________________________________________________________ 6.7 Wurde die Maßnahme regulär beendet? ja (1) nein (2) wenn nicht regulär beendet: weshalb? _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ 46 | GESAMTKONZEPT WOHNUNGSLOSENHILFE`97 – ACHTER SACHSTANDSBERICHT 2013 6.8 Wie zufrieden sind Sie mit dem Hilfesystem der Wohnungslosenhilfe? 1 2 3 4 5 6 sehr zufrieden überhaupt nicht zufrieden Was gefällt? _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ Was gefällt nicht? _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ 6.9 Welche Art Unterstützung wünschen Sie sich? _________________________________________________________________________________________________________ _________________________________________________________________________________________________________ 7. GESUNDHEIT 7.1 Sind Sie derzeit in ärztlicher Behandlung? ja (1) nein (2) wenn ja: Allgem. Arzt (1) Facharzt für: ___________________________________________________________________________ 7.2 Bewertung der Gesundheit 1 2 3 4 5 6 sehr gut sehr schlecht 8. NETZWERK/FREIZEITORIENTIERUNG 8.1 Kontakt zu Freunden/Verwandten/anderen Personen täglich selten pro Woche pro Monat Nie Kinder Ehemann/Frau Eltern Geschwister Freunde Verwandte 8.2 Welche Probleme belasten Sie? (Mehrantworten möglich) Meine Wohnsituation (1) Liebesbeziehung (2) Schule oder Arbeit (3) Geld (4) Schulden (5) Meine Aggressivität (6) Familiäre Probleme (7) Gesundheitliche Probleme (8) Strafdelikte (9) Freundeskreis/Bekannte (10) Termine mit Behörden wie Jugendamt/Jobcenter (11) Vermehrter Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol, Haschisch oder Ähnlichem (12) nämlich: ________________________________ 9. PERSPEKTIVEN 9.1 Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? _______________________________________________________________________________________________________ _______________________________________________________________________________________________________ SOZIAL- UND JUGENDDEZERNAT | 47 IMPRESSUM Herausgeber Stadt Karlsruhe | Dezernat 3 Bearbeitung/ Sozial- und Jugendbehörde Federführung Regina Heibrock In Zusammenarbeit mit  Hannes Hildenbrand, Sozial- und Jugendbehörde  Axel Kastner, Sozial- und Jugendbehörde  Barbara Mauter, Sozial- und Jugendbehörde  Sonja Rexhäuser, Sozial- und Jugendbehörde  Steffen Schäfer, Sozial- und Jugendbehörde  Uwe Schlindwein, Sozial- und Jugendbehörde  Mauricette Smitran, Sozial- und Jugendbehörde  Heike Winter, Sozial- und Jugendbehörde  Martin Gauly, AWO  Jürgen Lampert, AWO  Karin Mönig, AWO  Tanja Mayer, Haus Bodelschwingh  Sarah Schwiers, Diakonisches Werk  Uwe Enderle, Diakonisches Werk  Manfred Kern, Diakonisches Werk  Songard Grebe, Heimstiftung Karlsruhe  Stefan Kress, Katrin Eißler, Heimstiftung Karlsruhe  Eva Rühle, Heimstiftung Karlsruhe  Alexandra Schowalter-Ribet, Heimstiftung Karlsruhe  Inge Kemm und Team, SOZPÄDAL  Erhard Bay, SPDI  Hans Kowatsch, Verein für Jugendhilfe  Barbara Braun-Vollmer Ohlebusch, Karlsruhe GmbH  Andreas Wendlinger, Bwlv Layout Regina Heibrock, Sozial- und Jugendbehörde Cindy Streeck, Sozial- und Jugendbehörde Grafiken Sozial- und Jugendbehörde Druck November 2013

  • Protokoll TOP 5.2
    Extrahierter Text

    NIEDERSCHRIFT Stadt Karlsruhe Gremium: 57. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: 21. Januar 2014, 15:30 Uhr öffentlich Ort: Bürgersaal des Rathauses Vorsitzende/r: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup 7. Punkt 5.2 der Tagesordnung: Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe - Achter Sachstandsbericht 2013 Vorlage: 2013/0226 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt - nach Vorberatung im Sozialausschuss - den 8. Sachstandsbe- richt zur Kenntnis. Abstimmungsergebnis: Einstimmig zugestimmt Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 5.2 zur Behandlung auf: Danach schlage ich Ihnen eine Pause vor. Bürgermeister Lenz: Inzwischen zum 8. Mal legt unsere Sozial- und Jugendbehörde, die Fachstelle Wohnungssicherung, diesen Bericht auf, d. h. wir befassen uns hier im Gremium schon zum 9. Mal damit. Das zeigt auch die Wertschätzung von Ihrer Seite, von unserer Seite, derjenigen, die am Wohnungsmarkt besonders benachteiligt sind. Denn wie wir alle wissen, ist die Armut dann besonders streng, wenn der Wohnungs- verlust dazu kommt. Ich mache es ganz kurz. Bevor ich aus dem Bericht drei, vier Punkte herausgreife - er ist sehr umfassend - etwas Grundlegendes, was für die letzten zwei Jahrzehnte gilt und auch für dieses laufende Jahrzehnt und die Zukunft. Das Erste: Wir sind uns alle einig - das verfolgen wir auch an anderer Stelle -, dass uns das Wohnen als wohnen in der Wohnung wichtiger ist als Unterkünfte zu schaffen, egal, wie stark der Zustrom, wie im Moment, der Wohnungslosen ist. Es kommt ein zweites Moment dazu, die dezentrale Unterbringung. Da ist schon die Brücke zur De- batte von eben. Die soziale Durchmischung wie auch die Qualität des Wohnens - Sie hatten darauf hingewiesen, Frau Stadträtin Baitinger - gilt auch für die Menschen, die ihre Wohnung verloren haben. - 2 - Das Zweite: Wir arbeiten alle gemeinsam, Sie als Sozialpolitik, wir als Sozialverwaltung und die soziale Arbeit. Genau dieses Dreieck schafft es - das macht das Umfassende unseres Berichtes auch aus -, dass Sie mit vielerlei Instrumenten arbeiten und wir so in der Regel die Wohnungen finden und nicht nur Unterkünfte schaffen. Sie erinnern sich alle an das Masterplanziel. Das haben wir umgesetzt bis 2010. Es bleibt auch weiterhin Leitbild, dass keine Wohnungslose, dass kein Wohnungsloser unbetreut in diese schwie- rige Lebenssituation geht. Ein Drittes: Herr Kollege Obert, ich glaube, diese sehr gute Kooperation mit der VOLKSWOHNUNGl ist vielleicht gar nicht so bekannt. Deswegen streiche ich es heute bewusst heraus. Das ist schon meinen Vorvorgängern im Sozialamt so zuteil geworden. Diese enge Zusammenarbeit von Sozial- und Jugendbehörde und von VOLKSWOH- NUNG - sehr geräuschlos im Hintergrund - ist eines der Fundamente, so dass wir auch jetzt in der Krise - jetzt komme ich gleich zum Bericht - wieder wissen, wir werden diese Krise bewältigen. Allerdings sind die Herausforderungen nicht ganz ohne. Damit komme ich zum Bericht. Auch hier nur drei Anmerkungen: Wir haben es aktuell mit steigenden Wohnungslosenzahlen zu tun. Die Stichtagszahl zum 31.12.2013 kannten wir zuletzt exakt vor 10 Jahren, d. h., wir schauen uns das an, was Sie in der Abbildung sehen - nämlich 1993, 2003, 2013 - immer diese Anstiege. Wo es her kommt, dass es alle 10 Jahre ist, kann ich nicht sagen. Es ist eben so. Aber es gibt doch einen entscheidenden Unterschied. 1993 gab es einen immensen Bau an Wohnungen, eines der wenigen Beispiele auch bundesweit, dass die Sickertheorie funk- tioniert hat. Die Nordstadt kam, Oberreut wurde verdoppelt. Da war es tatsächlich so, dass diese rege Bautätigkeit dazu geführt hat, dass die Wohnungslosen dann wieder Wohnungen finden konnten. 2003 hatten wir eigentlich schon den angespannten Wohnungsmarkt. Deshalb immer die Formulierung, "ein stetig sich anspannender Wohnungsmarkt", bei dem heute - so kommt es meinen Fachleuten, so kommt es den Verbänden, so kommt es der VOLKS- WOHNUNG vor - das Gewinde irgendwo überdreht ist. Deswegen ist auch KaWoF ganz wichtig, auch wenn es kurzfristig nicht greifen kann in diesem schwierigen Sektor. Aber dafür haben wir unsere Wohnraumakquise. Es wird uns auch anspornen - im Sinne, wie Kollegin Mergen eben gesagt hat -, nicht im Wettbewerb, sondern tatsächlich im Sinne von: Eigentum verpflichtet, die Wohnun- gen, die wir noch akquirieren in dieser schwierigen Lage, vor allem Eltern mit Kindern zur Verfügung zu stellen. Im letzten Jahr hatten wir im Durchschnitt 30 Familien mit 48 Kindern. Da gilt der bundesweite Vergleich dann doch. Städte wie Stuttgart, München haben ganz andere Zahlen. Fragen Sie einmal München, wie viele Kinder dort in Über- gangswohnungen im Obdachlosenbereich sind. Aber wir in Karlsruhe haben unseren eigenen Standard. Deswegen erschrecken uns 48 oder 50 Kinder. Wir wollen auf das gewohnte Maß von 2004, 2005, 2006 bis 2008 2009 2010 zurück, nämlich dass ma- ximal 10 - 15 Kinder - das ist unser Ziel - in dieser Übergangszeit nicht in einer eigenen Wohnung mit ihren Eltern wohnen können. Das ist ein hehres Ziel. Ich verspreche Ihnen heute nicht, dass wir das allzu schnell lösen können, denn Sie dürfen nicht vergessen, - 3 - wir sind nicht im Jahr 2003. Wir sind tatsächlich bei einem sehr angespannten Markt 2014. Allerdings freut mich sehr - deswegen stelle ich es jetzt auch an den Schluss meiner Vorbemerkung -, dass der Wohnungsmarkt zu 80 % Privat ist, dass wir das seit über 10 Jahren wirklich vor uns her tragen. Klar, Fundament VOLKSWOHNUNG. Nicht verges- sen: Die Hälfte der Wohnungen besorgen sich unsere Wohnungslosen selbst, nämlich am privaten Markt. Das letzte Drittel ist diese Wohnraumakquise durch Kooperation mit privaten Eigentümerinnen und Eigentümern. Da bin ich sehr zufrieden, dass das auch weiterhin trotz der angespannten Lage funktioniert, sogar besser denn je. Ihre 300.000 € haben nicht gereicht im vergangenen Jahr. Wir haben eine überplanmä- ßige Ausgabe von 50.000 € in Anspruch genommen. Deswegen hoffe ich sehr, dass wir mit dieser privaten Unterstützung auch zukünftig weitermachen können. Wir packen die Krise an. Wir werden die Krise bewältigen. Wir hatten Ihnen im Dezember bei der Vorberatung im Sozialausschuss versprochen, wir legen ein Aktionsprogramm auf. Das haben wir gerade dieser Tage gemeinsam besprochen. Ich bin überrascht - so viel sage ich dann doch -, dass unseren Leuten, den Verbände, allen, die da mittun - Sie können es im Bericht lesen - doch noch etwas einfällt. Klar, das Wohnen, der Wohnungsbau ist das Wichtigste überhaupt. Aber wir brauchen kurzfristige Lösungen. Im März im Sozial- ausschuss werden wir Ihnen dieses Programm vorstellen. Wir werden ein paar Euro da- zu brauchen. Es ist aber gute Kultur, das dann auch hinzubekommen. Denn ich denke, Wohnen hat einen wirtschaftlichen Bereich, hat aber vor allem eine soziale Komponen- te. Deswegen ist diese "Investition" wirtschaftlich und sozial auch zum sozialen Aus- gleich unserer Stadt absolut wichtig. In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen, die diesen Bericht so möglich machen. (Beifall des Hauses) Stadtrat Dr. Müller (CDU): Zunächst einmal herzlichen Dank für diesen 8. Sach- standsbericht. Er hilft uns und informiert uns in breiter Weise. Auch Dank an alle, die ihn erstellt haben, aber vor allem Dank an alle, die sich in diesem Bereich engagieren und dadurch diesen Bericht erst möglich machen. Es ist ein tragfähiges Konzept, das wir haben. Es ist ein Konzept, das Prävention, Besei- tigung von Obdachlosigkeit, Beratung und auch Zielgruppen beinhaltet. Es ist also nicht nur etwas einfach Gestricktes. Wir haben in der letzten Zeit die beiden Bereiche "Noku" und "JUNO", also diese Notunterkünfte für junge Männer und junge Frauen, auf den Weg gebracht. Es hat sich gezeigt, dass dies notwendig ist und auch eine gute Mög- lichkeit gibt, diesen jungen Menschen wieder Perspektiven zu geben. So ist immer wieder in der Wohnungshilfe auch Vieles fortgeschrieben worden. Das ist gut so und wichtig. Auch die psychisch Kranken sind in diesem Bereich nicht vernach- lässigt. Für ganz wichtig halte ich es - das wird auch immer ein größeres Problem für uns -, die Breite für das Profil derer, die wir betreuen müssen - - (Das Mikrofon wird ausgetauscht.) - 4 - - - als auch die Tiefe, die dazu dient, die verschiedenen Bereiche gut zu versorgen. Als einen ganz wesentlichen Punkt sehe ich auch das, was Sie angesprochen haben, Herr Bürgermeister Lenz, diese Wohnraumakquise. Da waren wir uns von Anfang an hier im Haus einig, dass dies ein wichtiger Punkt ist. Ich erinnere mich noch an die Haushaltsberatungen, wo es auch um die Wohnraumakquise plus ging, und an den Vergleich von Ihnen, Herr Dr. Maul. Wir haben noch über 1.000 leer stehende Woh- nungen. Das können wir kurzfristig billiger in Wohnraum für solche Menschen umwan- deln, als wenn wir für 6 Mio. € bauen müssen. Das war auch der Grund, warum wir damals in den Haushaltsberatungen die Wohnraumakquise plus, also für diejenigen, die nicht in dem Transfersystem sind, sondern die ein niedriges Einkommen haben, die aber auch unsere Unterstützung brauchen, beschlossen haben. In dem Zusammenhang habe ich überlegt, ob man nicht einmal prüfen sollte, ob man Wohnraumakquise und Wohnraumakquise plus zusammenfassen kann, um vielleicht hier Synergien oder Schlagkräftigkeit zu erhöhen. Denn eine Stelle ist beim Liegen- schaftsamt und die andere bei der Sozial- und Jugendbehörde. Ich denke, auch mit der Wohnraumakquise - wie sie beschrieben ist mit ihren Erfolgen, es sind jetzt über 1.000 in Wohnungen vermittelt - können wir kurzfristig und sicherlich auch mit zusätzlichem Engagement - das wird auch in den Haushaltsberatungen auf uns zukommen - Wohnraum schaffen für viele Menschen. Auf diesem Weg ist ganz entscheidend, auch weiterzugehen. Generell können wir sicher sagen, für uns alle ist es ein ganz gravierender Punkt, dass wir keine Obdachlosen und keine Menschen haben möchten, die keinen Wohnraum finden. Das Wie hat sich vorher gezeigt. Das ist sicherlich etwas unterschiedlich. Aber ich den- ke, das gesamte Haus steht dazu, dass wir uns mit diesem Bereich weiterhin beschäfti- gen. (Beifall bei der CDU) Stadträtin Dr. Polle-Holl (GRÜNE): Wir habe hier den 8. Sachstandsbericht als zwei- ten Punkt zum Tagesordnungspunkt 5. Der passt hier auch gut hinein. Aber er ist es auch wert, dass man ihn extra aufruft und noch einmal auf diese Thematik extra hin- weist. Das hat auch mein Vorredner schon so gesagt. Wir können lesen, dass an vielen Stellen und sehr vielschichtig viel in Karlsruhe getan wird. Da auch von unserer Seite ein großes Dankeschön und eine große Anerkennung an alle Beteiligten, die vor Ort helfen, beraten und wirken. Das kann man gar nicht groß genug und gut genug einschätzen. Dennoch steigen die Wohnungslosenzahlen. Sie sind nach einem angenehmen Abstieg seit 2006 - 2011 jetzt in einem ziemlich hohen Maße gestiegen. Herr Lenz hat es schon erwähnt. Im 1. Halbjahr 2013 gibt es 58 Wohnungslose mehr. Das sind, wenn man jetzt die Zahlen von Ende 2011 nimmt, fast 50 % mehr. Das ist eine große Zahl. Besorgniser- regend sind vor allen Dingen auch die jungen Wohnungslosen. Ich denke, junge Men- - 5 - schen sollten am Anfang ihres Lebens nicht ständig mit den Begriffen Scheitern, Misser- folg und Abstürzen konfrontiert sein. Das ist ein schlechter Beginn einer Biografie. Da finde ich besonders wichtig, dass man die Begleitung über die Wohnungssuche hinaus macht, was auch geschieht. Auch dort eine große Anerkennung. Das sollte man auf jeden Fall weiterführen. Die Wohnraumakquise ist ein sehr wichtiges Instrument. Das greift auch. Aber da finde ich sehr schade, dass es in der Bevölkerung noch sehr viel Vorbehalte gibt. Das habe ich selbst auch erlebt. Wenn Wohnungen frei sind, dann vermietet man lieber an irgend- welche "braven" Bürger oder gar nicht, weil es nur Ärger geben könnte. Dabei sind die Wohnungen, die über die Sozial- und Jugendbehörde über die Wohnraumakquise ver- geben werden, gesichert, weil auch eine Betreuung da ist. Da kann ich immer nur auf- rufen, das könnte in größerem Maße passieren. Warum ist das alles so? Unsere Gesellschaft verändert sich. In der Stadt ist es anders als auf dem Land. Die soziale Schere geht immer mehr auseinander. In dem Maße, in dem es immer mehr arme Menschen gibt, gibt es eben leider weniger Wohnungen. Eigent- lich müsste es umgekehrt sein. Deswegen gibt es trotz vielfältiger und umfangreicher Hilfeleistungen nicht genug Wohnung für die suchenden Menschen. Es können auch nicht genügend geeignete Wohnungen vermittelt werden. Daher ist es sehr gut, dass wir jetzt die Maßnahme in Punkt 5.1 so beschlossen haben und dass das greift. Ich denke - das haben Sie auch schon gesagt, Herr Bürgermeister Lenz - die Zahl der Wohnungslosen wird sicher in den nächsten Jahren eher noch steigen, weil die Maß- nahmen nicht so schnell greifen werden. Aber es ist einfach wichtig, dass wir die Ent- wicklungen im Auge behalten und entsprechend reagieren und das vor allem auch ge- meinsam tun. (Beifall bei den Grünen) Stadträtin Geiger (SPD): Meine beiden Vorrednerinnen haben schon einige Maßnah- men genannt, - - (Heiterkeit) - Und Redner! (Anhaltende Heiterkeit) - - die richtig sind, aber leider Gottes jetzt wieder nicht in diesem Maße greifen, wie sie denn greifen sollten. Ich möchte nur an zwei Stellschrauben erinnern, die mir ganz wichtig sind. Einmal ist es die Wohnraumakquise, die schon mehrmals genannt wurde. Da gebe ich Frau Dr. Polle- Holl durchaus Recht. Leider Gottes ist in der Öffentlichkeit noch immer nicht bekannt, welche Mechanismen überhaupt zusammenwirken, um Menschen wieder in Wohn- raum zu bringen. Ein wichtiges Moment ist, dass diese neuen Mieter in diesen Woh- nungen von Sozialarbeit begleitet werden, um auch nachbarschaftsfähig gemacht wer- - 6 - den zu können, dass es einen Zuschuss zur Sanierung der Wohnungen gibt und dass der Mietzins verlässlich beim Vermieter eingeht. Das sind alles Dinge, die eigentlich an- sonsten Vermieter eher Abstand nehmen lassen, Wohnungen an ärmere Menschen zu vermieten. Diese Mechanismen sind es, die diese Wohnraumakquise so charmant machen, weil sie auf allen Gebieten wirken. Das örtliche Handwerk hat etwas davon, die Wohnungen verkommen nicht, ihr Wert bleibt erhalten und sie schaffen Wohnraum für nicht so be- güterte Menschen. Mir liegt viel an diesem Wohnungsbericht, für den ich mich auch im Namen meiner Fraktion ganz herzlich bedanke, weil er doch eine gewisse Kontinuität zeigt und auch Stellschrauben beschreibt, die dann schnell nachjustiert werden können. Mir sind die Familien mit Kindern, die wir teilweise wieder in Hotels unterbringen müs- sen, ein wichtiges Anliegen. Es ist auch volkswirtschaftlich eine Katastrophe, wenn man das betrachtet. Die Kosten für die Unterbringung im Hotel sind vielfach teurer. Wir ha- ben schon öfters besprochen, dass die sehr viel höher sind, als wenn wir Wohnraum zur Verfügung stellen und die Familien dort normal leben können. Wie Frau Dr. Polle-Holl schon für die jungen Erwachsenen gesagt hat, die zu wenig Wohnraum finden und deswegen keinen positiven Start ins Leben bekommen, ist es bei den Kindern noch viel gravierender, weil es sich da noch viel mehr verfestigen kann. Deswegen ist es ganz wichtig, dass man dieses Projekt weiterführt. Aber mittlerweile ist diese Wohnraumakquise schon eine kleine Wohnraumverwal- tungsgesellschaft geworden innerhalb der Sozial- und Jugendbehörde. Ich finde sie da auch richtig angesiedelt, weil sie den Kontakt zu den Menschen haben, die dringend einen Wohnraum brauchen. Deswegen ist auch diese Stelle Wohnraumsicherung wirk- lich personell und auch finanziell unterbesetzt. Sie haben es gesagt, Herr Bürgermeister Lenz, dass man zusätzlich noch Geld benötigt hat, weil die 3.000 € nicht ausgereicht haben. Es ist dringend notwendig, wenn man jetzt schnell etwas erreichen will, weil Wohnungen zur Verfügung stehen, Vermieter sind da, die auch das Vertrauen in die Stadt haben, dass ihre Wohnungen dann richtig vermietet werden, dass wir personell finanziell aufrüsten, um mehr Wohnungen auf diesem Gebiet akquirieren zu können. Vielleicht gelingt es durch Umschichtung bestimmter jetzt noch nicht benützter Mittel aus anderen artverwandten Töpfen, dass man das dann vielleicht auf die Reihe be- kommt. Das ist der eine Punkt, den ich ansprechen wollte. Der zweite Punkt sind für mich diese Quartiere, die es immer noch gibt, die aber rück- läufig sind, wo sich soziale Probleme massieren. Ein Thema hat die VOLKSWOHNUNG aufgegriffen, das steht auch im Bericht. In Kleinseeäcker denkt man jetzt mittelfristig daran, dieses Gebiet in der Weise zu sanieren, dass man es zuerst einmal entmietet, um dieses soziale Stigma aufzuheben. In dem anderen Gebiet ist es wirklich so: Es führt kein Weg daran vorbei, dass die VOLKSWOHNUNG kontinuierlich dort draußen in dem Gebiet ist, zusammen mit der Sozialarbeit, um zeitnah die Probleme, die entstehen könnten, aufzugreifen, um dann entgegenzusteuern. Das dritte Thema ist unser Wohnwagenabstellplatz, wo ich doch eine sehr positive Ent- wicklung attestieren möchte. Es gibt diesen Bewohnerbeirat, dem aus allen Fraktionen Stadträtinnen und Stadträte angehören. Die Bewohner dort haben die Aufmerksamkeit - 7 - der Stadtpolitik und tun sich deswegen dann auch wirklich mit der Stadtpolitik zusam- men, um ihr Gebiet zu sanieren und herzurichten. Vor allen Dingen, was mir auch ganz wichtig ist, bietet er den Kindern, die dort draußen leben, eine Perspektive, weil durch die Betreuung durch die Firma Ohlebusch gewährleistet ist, dass die Hausaufgaben be- treut werden. Aber auch die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die draußen sind, bilden eine Klammer zwischen Schule, Eltern und den Kindern. Wenn dort Probleme auftauchen, ist eine neutrale Person vorhanden, die dann nach Lösungen suchen kann. Die Ergebnisse, was die schulischen Leistungen der Kinder dort draußen angeht, sind positiv zu bewerten. Ich bitte ganz herzlich darum, dass man auch im nächsten Ge- meinderat dieses Gremium aufrecht erhält, denn es wird noch einige Jahre brauchen, bis dort wirklich eine Beruhigung stattfindet. Es ist auch die Sozialarbeit und auch ge- wiss eine straffe Hand notwendig, um eine weitere Vermüllung zu verhindern. Aber die Kosten, die man da einsetzt, spart man langfristig. Das ist ganz wichtig. Da bitte ich ganz herzlich darum, dass wir dort am Ball bleiben. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei der Sozial- und Jugendbehörde, bei der Abteilung Wohnungssicherung, und vor allen Dingen für die Erstellung dieses Ge- samtkonzepts Wohnungshilfe bedanken. Ich hoffe, dass auch die künftigen Gemeinde- rätinnen und Gemeinderäte die Sensibilität aufbringen, um dort das Beste für unsere Stadt zu erreichen. (Beifall bei der SPD) Stadtrat Golombeck (FDP): Auch meine Fraktion möchte sich für diesen ausführlichen Sachstandsbericht bedanken, aus dem leider zu erkennen ist, dass ein Anstieg von Wohnungslosen zu verzeichnen ist, und dass es immer schwieriger wird, diese Men- schen unterzubringen. Die Unterbringung der Wohnungslosen in Karlsruhe ist dramatisch, wenn man gehört hat, dass sogar schon Hotelzimmer angemietet werden mussten. Das ist von den Kos- ten langfristig auch gar nicht zu tragen. Wurde z. B. eine Familie untergebracht, stan- den schon wieder die nächsten zwei vor der Tür. Dass wir hier in Karlsruhe bezahlbaren Wohnraum brauchen, haben wir schon gehört. Die Wohnungsknappheit und die Preis- entwicklung, wie ich auch aus dem Bericht entnommen habe, wird sich auch weiterhin negativ auf die Wohnraumbeschaffung auswirken. Wir haben gehört, dass durch die Wohnraumakquise auch eine Hoffnung ausgesprochen werden kann, dass dagegen gesteuert werden kann. Dann möchte ich mich noch Frau Geiger zum Wohnwagenabstellplatz anschließen. Ich bin auch dabei. Das ist eine schwierige Arbeit, die aber kontinuierlich, in kleinen Schrit- ten, auch zu dem richtigen Ergebnis führen wird. Denn so haben diese Leute, die sonst isoliert dort leben, auch den Anschluss zur Verwaltung. Sie lernen auch davon. Auch die schulische Unterstützung ist gut. Da sehe ich persönlich die Hoffnung darin, dass sich die nächste Generation weiterentwickelt, sich mehr öffnen wird. (Beifall bei der FDP) - 8 - Stadträtin Döring (KAL): Es war doch vor mehr als 15 Jahren eine sehr gute Idee von der Karlsruher Liste zu beantragen, dass alle zwei Jahre dieser Bericht kommt. Ich merke immer wieder, wie interessiert er gelesen wird und wie viel man daraus ziehen kann, auch für zukünftige Projekte. Danke von unserer Seite vor allem für die aktuellen Zahlen aus 2013, die wir Ende letz- ten Jahres schon im Sozialausschuss zu hören bekommen haben. Sie zeigen, dass es immer noch genug zu tun gibt. Auffallend für uns war auch der 10-Jahres-Rhythmus, den Bürgermeister Lenz aufgegriffen hat, in dem sich der Anstieg der obdachlos gemel- deten Personen abzeichnet. Woran das jetzt liegt, wissen wir auch nicht. Aber dass es diesen Rhythmus gibt, das ist wohl so. Jetzt ist es mal wieder so weit. Die Stadt ist in der Pflicht und tut es gern, auch mit uns zusammen zu überlegen, wie man jetzt schnell Abhilfe schafft. Aber ich glaube, wir dürfen uns nicht selbst in die Tasche lügen. Wir werden es nie schaffen, die Zahl der obdachlos Gemeldeten auf Null zu bekommen. Ich glaube, das ist eine Illusion. Aber das kann uns eigentlich nur anspornen und vor allem dazu anspornen, dass die Zeit- räume, in denen obdachlos gemeldete Menschen untergebracht werden müssen, im- mer kürzer werden, d. h. dass Wohnraum gefunden wird, in den sie dann umziehen können, auch dank der Wohnraumakquise, die - das ist schon mehrfach erwähnt wor- den - extrem erfolgreich ist. Wahrscheinlich ist auch ein Geheimnis dieses Erfolges, dass so viele Akteure zusammenwirken: Wohnungseigentümer, die Verwaltung und auch die, die ihre künftige Wohnung mit herrichten. Es sind verschiedene Beispiele aus diesem Bericht genannt worden. Ich möchte die be- treuten Wohngruppen aufgreifen, z. B. von SOZPÄDAL oder von der Heimstiftung. Da ist uns wichtig, dass die Bewohnerinnen und Bewohner in diesen Wohngruppen so selbständig wie möglich leben können und so begleitet wie nötig, und vor allem, dass deutlich ist: Hier ist keine Heimsituation, hier wird eigenständig gelebt, mit Unterstüt- zung, da wo sie gebraucht wird. Besonders gefreut hat uns natürlich, dass die von der Karlsruher Liste immer wieder ge- forderte medizinische Versorgung Wohnsitzloser inzwischen gesichert ist, dass Dank Spendenmittel Behandlungsräume eingerichtet werden konnten, bei der "Tür", im TafF und im "Anker". Das Thema Wohnwagenabstellplatz - Kollegin Geiger hat es ange- sprochen - ist ein Kind, für dessen Geburt wir auch nicht so ganz unbeteiligt waren, und wo ich persönlich auch immer wieder gern hingehe. Denn es ist eine Situation, wo klar, dass man voneinander lernen kann. Auch Menschen mit unterschiedlichen Hinter- gründen können sehr wohl voneinander lernen und gut miteinander lernen. (Beifall bei der KAL) Stadträtin Zürn (Die Linke): Leider bin ich die Einzige, die an dem Bericht etwas zu meckern hat. Das tut mir leid. Mein Dank geht trotzdem an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vielen tollen Einrichtungen. Inhaltlich möchte ich nichts sagen. Da ist meiner Ansicht nach an dem letzten Tages- ordnungspunkt zur Wohnraumförderung alles gesagt. Auch die Mitarbeiterinnen und - 9 - Mitarbeiter in den Einrichtungen selbst sagen, sie hätten viel weniger Arbeit. Sie wären zum Teil überflüssig, wenn es Wohnraum gäbe, weil den Leuten sonst oftmals nichts fehlt. Worüber ich gestolpert bin, war die Aussage, dass in den Jahren 2011 und 2012 noch nicht absehbar war, dass sich die Lage im Jahr 2013 dramatisch ändern würde. Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft auch klar ist, dass man weiß, dass das keine kurzfristige Krise ist, sondern dass das eine Entwicklung ist, die seit Jahren ihren Fortgang nimmt. Die Mietpreisbindung - wir beklagen es seit Jahren - ist aufgehoben worden bei vielen Mietobjekten. Es war klar, dass das zu höhe- ren Mieten führt. Es fehlt an Mietraum, gerade für Familien. Wir wissen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Wie Frau Dr. Polle-Holl richtig gesagt hat: Es bleibt eine Dauerkrise mit dem Wohnraum. Das betrifft ganz stark auch die Situation von Wohnungslosen. Das ist seit Jahren eine Entwicklung. Was ich mir persönlich wünschen würde, wären geschlechterspezifische Daten in dem Bericht. Darüber meckere ich regelmäßig bei den Berichten. Irgendwann hat die Stadt einmal beschlossen, dass es geschlechtersensible Daten gibt. Auch in diesem Bericht kann ich sie wieder nur fragmentarisch finden. Wenn ich z. B. beim Thema Räumung, gleich am Anfang, wissen möchte, was man tun muss für wohnungslose Frauen, für wohnungslose Männer - wir wissen, dass da unterschiedliche Maßnahmen wichtig sind -, finde ich wichtige Daten nicht. Ansonsten muss ich mir die mühsam herausklau- ben. Manche Aussagen kann ich nicht nachvollziehen. Da müsste ich mich erst einmal eine halbe Stunde mit der- oder demjenigen zusammensetzen, die die geschlechterspe- zifischen Aussagen hingeschrieben hat. Da würde ich mir für mich als eine, die das pla- nen und beurteilen soll, wünschen, dass geschlechtersensible Daten selbstverständlich in dem Bericht stehen. Der Vorsitzende: Das waren alle Wortmeldungen. Ich hoffe, wir haben niemanden übersehen. Ich darf Sie jetzt um die Abstimmung bitten. Das ist einstimmig gelb. Ich darf mich abschließend bei alle Urmüttern und Urvätern, Müttern und Vätern und vor allem natürlich auch bei der Sozial- und Jugendbehörde ganz herzlich bedanken für die Vorarbeiten, Vorabstimmungen und natürlich für den Bericht und auch ein Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort. Dann schlagen wir Ihnen - wie versprochen - vor, jetzt eine Pause einzulegen. Wir sehen uns in 20 Minuten wieder. (Unterbrechung der Sitzung von 19:22 - 19:46 Uhr) - 10 - Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 17. Februar 2014