Sanierungsgebiet "Die Soziale Stadt Rintheimer Feld"
| Vorlage: | 2013/0104 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 25.09.2013 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Stadtplanungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Oststadt, Rintheim |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 22.10.2013
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig beschlossen
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 54. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 22.10.2013 2013/0104 3 öffentlich Dez. 2 Sanierungsgebiet "Die Soziale Stadt Rintheimer Feld" Dokumentation der Bürgerbeteiligung 2009 - 2012 Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Sanierungsbeirat Rintheim 26.09.2013 1 vorberaten Gemeinderat 22.10.2013 3 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der vierjährige Bürgerbeteiligungsprozess der Stadt zur Sozialen Stadt Rintheimer Feld wurde zum Ende des Jahres 2012 abgeschlossen. Die vorliegende Dokumentation gibt einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten des Beteiligungsprozesses seit 2009. Der Gemeinderat nimmt den Bericht zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Kontierungsobjekt: Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit: Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Der vorliegende Bericht dokumentiert den vierjährigen Bürgerbeteiligungsprozess seit April 2009. Dieser breit angelegte, themenoffene Prozess ist nunmehr abgeschlossen. Projekt- bzw. maßnahmenbezogen wird die Öffentlichkeit weiterhin beteiligt. Die Bürgerbeteiligung in Rintheim wurde bereits vor dem Antrag auf Städtebauförderung einge- leitet. In verschiedenen Projektgruppen und Arbeitskreissitzungen zu den Themenfeldern „Kin- der und Jugendliche“, „Miteinander in Rintheim“ und „Städtebau, Freiraum, Handel“ haben sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zu unterschiedlichen Themen eingebracht. Der Bürger- beteiligungsprozess hat viele positive Ergebnisse hervorgebracht: Für den sozialen Bereich wur- de unter Beteiligung der Jugendlichen ein Jugendtreff aufgebaut und ein Bürgertreff eröffnet, den der Bürgerverein in den Räumen der Diakonie betreibt. Darüber hinaus wurde ein stadtteil- übergreifendes Stadtteilfest etabliert und vom Bürgerverein eine Stadtteilinternetseite in Betrieb genommen und fortlaufend gepflegt. Die Projekte des Förderprogramms STÄRKEN vor Ort halfen z.B. bei der Sprachförderung und Aktivierung von Migrantinnen. Gezielt konnten niederschwellige Angebote gemacht werden, um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Das soziale Leben wurde darüber hinaus maßgeb- lich bereichert durch die Angebote der Diakonie, wie PEKiP-Gruppe, Startpunkt Elterncafé, Hausaufgabenbetreuung, gewaltfreie Kommunikation, sowie durch den Jugendtreff und die Angebote der VOLKSWOHNUNG GmbH (Mieterbeirat, Mieter-Service-Büro, Gemeinschaftsraum mit zahlreichen Angeboten, Seniorenstützpunkt, Seniorennachmittag u. v. m.). Die VOLKSWOHNUNG GmbH hat sich als größter Wohnungseigentümer im Rintheimer Feld im Rahmen des Beteiligungsprozesses als wichtiger und zuverlässiger Akteur erwiesen und durch die Umsetzung zahlreicher sozialer und städtebaulicher Maßnahmen entscheidend zu Verbesse- rungen im Stadtteil beigetragen. Insbesondere das Image Rintheims konnte aufgewertet wer- den, wozu auch die umfassenden Sanierungsmaßnahmen der VOLKSWOHNUNG GmbH maß- geblich beitragen. Auch die Identifikation mit dem Stadtteil konnte u. a. durch das Zusammen- wirken im Bereich verschiedener sozialer Aktivitäten gestärkt werden. Der Bürgerverein hat sich bei der Umsetzung von Projekten und der Verstetigung aufgebauter Strukturen als kompetenter und kooperativer Partner gezeigt. Der Akteurskreis des bereits vor Beginn des Beteiligungsprozesses vom Bürgerverein etablierten „Runden Tisches“ konnte durch die Netzwerkarbeit und die Arbeitskreissitzungen im Rahmen des Prozesses gestärkt und im Sinne der Nachhaltigkeit und Verstetigung an den Bürgerverein zurückgeführt werden. Damit wird die Arbeit des Arbeitskreises Miteinander in Rintheim fortgesetzt. Unter dem Titel „Runder Tisch“ lädt der Bürgerverein Rintheim künftig ein- bis zweimal jährlich zu gemeinsamen Treffen im neuen Bürgertreff Rintheim ein. Ein erster Runder Tisch hat am 26. Juni 2013 stattgefunden. Auch konnte mit der Eröffnung des Bürgertreffs Rintheim am 30. Juli 2013 ein lang gehegter Wunsch der Bürgerschaft erfüllt werden. Der Bürgertreff Rintheim steht mit seinem umfassen- den Angebot allen Altersgruppen offen und wird in hohem Maße dazu beitragen können, die Rintheimerinnen und Rintheimer der verschiedenen Quartiere einander näher zu bringen und zusammenzuführen. Bis zum Ende des Sanierungszeitraums 2017 werden die Bürgerinnen und Bürger in jährlich stattfindenden Stadtteilkonferenzen über die aktuellen Entwicklungen im Stadtteil informiert. Auch die Schulentwicklung – eines der Schwerpunktthemen des Beteiligungsprozesses zur Sozi- alen Stadt – wird künftig im Rahmen des Projektes „Städtenetzwerk“ durch den vhw in Form eines konzeptionell neuartigen, konsultativen, milieuorientierten und deliberativen Bürgerdia- logs fortgesetzt. Ziel dabei wird es vor allem sein, die Planungen zum Ganztagsschulausbau als gemeinsames Vorhaben im Stadtteil zu gestalten. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die Ergebnisse aus dem Arbeitskreis „Städtebau, Freiraum, Handel“ werden mit Abschluss des Beteiligungsprozesses seitens der Verwaltung sukzessive umgesetzt. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat nimmt den Bericht zur Kenntnis. Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 11. Oktober 2013
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Stadt Karlsruhe ́Amt für Stadtentwicklung Dokumentation der Bürgerbeteiligung 2009 - 2012 stadtteilentwicklung Die Soziale StaDt RintheimeR FelD 2 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 impressum Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Zähringerstraße 61 76133 Karlsruhe Tel.: 0721 133-1230 Fax: 0721 133-1239 E-Mail: statistik@karlsruhe.de Internet: www.karlsruhe.de/statistik Leiterin: Dr. Edith Wiegelmann-Uhlig Bereich: Stadtentwicklung Otto Mansdörfer Bearbeitung: Nadia Kasper-Snouci Tel.: 0721 133-1223 Auftragnehmer/Auftragnehmerin: Netzwerk für Planung und Kommunikation Thomas Sippel, Ostendstr. 106, 70188 Stuttgart E-Mail: info@sippel-netzwerk.de GRiPS – Büro für Projektsteuerung und Kommunikation Ute Kinn Lic.rer.reg., Friedrichstraße 4, 76275 Ettlingen E-Mail: ute.kinn@grips-ettlingen.de Netzwerk transurban Michael Kunert, Ostendstr. 106, 70188 Stuttgart E-Mail: m.kunert@transurban.de unter Mitwirkung von: Gartenbauamt Kinderbüro Schul- und Sportamt Sozial- und Jugendbehörde Stadtjugendausschuss e.V. Stadtplanungsamt Tiefbauamt VOLKSWOHNUNG GmbH Wirtschaftsförderung Bildnachweis: Ute Kinn, Thomas Sippel, Michael Kunert, Nadia Kasper-Snouci, Bürgerverein Rintheim, Projektträger STÄRKEN vor Ort, Stadtjugendausschuss, Kinderbüro Planentwürfe und Skizzen: Thomas Sippel, Michael Kunert Druck: Stadt Karlsruhe, Hauptamt auf 100% Recyclingpapier Auflage: 250 Stück Karlsruhe, September 2013 amt FüR StaDtentwicklung | 3 www.karlsruhe.de inhaltsverzeichnis vorwort 4 1. einleitung 5 2. vorgelagerter Beteiligungsprozess 7 3. integriertes entwicklungskonzept 15 4. Beteiligungsprozess im rahmen der sozialen stadt rintheimer Feld 17 4.1 struktur des Beteiligungsprozesses nach antragstellung 17 4.2 das sanierungsBüro 18 4.3 stadtteilkonFerenzen 19 4.4 Ö FF entlichkeitsarBeit 22 4.5 projekte stÄrken vor ort 25 4.6 projektgruppe und arBeitskreis: kinder und jugendliche / miteinander in rintheim 26 4.6.1 Kinderbeteiligung 27 4.6.2 Jugendtreff Rintheim 30 4.6.3 Schulentwicklung Rintheim 30 4.6.4 Bürgertreff – gemeinbedarfsorientiertes Raumangebot 32 4.6.5 Stadtteilaktivitäten und Feste 34 4.6.6 Aktivierung aller Bevölkerungsgruppen 37 4.6.7 Netzwerkarbeit 38 4.6.8 Weitere Themenansätze 39 4.7 arBeitskreis: stÄdteBau, Freiraum, handel 40 4.7.1 Nord-Süd-Verbindung und Wegeführung im Rintheimer Feld 41 4.7.2 Studentisches Projekt „Neue Mitte Karlsruhe-Rintheim“ 42 4.7.3 Gestaltungselemente (CI für Rintheim) 43 4.7.4 Vorfeld Ladenzeile Hirtenweg 43 4.7.5 Wendeschleife 44 4.7.6 Querungssituation und Umbau der Mannheimer Straße 44 4.7.7 Brückenkopf Ostring 45 4.7.8 Neuordnung westliche Forststraße 46 4.8 umsetzung von mass nahmen durch die volkswohnung gmBh 46 5. Bilanz 49 4 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Rintheim unterliegt seit einigen Jahren einem Wandel. Dazu trägt maßgeblich der 2009 initiierte Bürgerbeteiligungsprozess und die 2010 erfolgte Aufnahme des Rintheimer Feldes in das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt“ bei. Mit Hilfe eines Stadtteilmanagements wurden die Bürgerinnen und Bürger, Einrichtungen und Initiativen vor Ort über einen Zeitraum von knapp vier Jahren in alle Überlegungen für ihren Stadtteil einbezogen. In mehreren Projektgruppen und Arbeitskreissitzungen haben sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zu unterschiedlichen Themen eingebracht. Zu dem Wandel im Stadtteil trägt aber auch das Quartierskonzept der VOLKSWOHNUNG GmbH bei, das sowohl im sozialen als auch im städtebaulichen Bereich viele Verbesserungen für den Stadtteil bewirkt hat. Vor allem sind es aber die Bürgerinnen und Bürger, die diesen Wandel durch ihre Offenheit, ihre Einsatzbereitschaft sowie ihr Zusammenwirken unmittelbar mitgestalten. Zahlreiche Stadtteilbewohnerinnen und -bewohner setzen sich ehrenamtlich und eigenverantwortlich im Rahmen unterschiedlicher Projekte für ihren Stadtteil ein. Damit wurde ein zentrales Ziel des Beteiligungsprozesses erreicht: Angestoßene Strukturen und Projekte werden in Eigenregie der Bürgerinnen und Bürger und des Bürgervereins fortgeführt. Der gerade neu eröffnete Bürgertreff Rintheim bietet hierfür Raum und wird in hohem Maße dazu beitragen können, die Rintheimerinnen und Rintheimer der verschiedenen Quartiere einander näher zu bringen und zusammenzuführen. Ich danke allen Beteiligten für die engagierte Arbeit und wünsche dem Stadtteil viel Erfolg auf dem Weg des weiteren Zusammenwirkens und Zusammenwachsens. Wolfram Jäger Bürgermeister amt FüR StaDtentwicklung | 5 www.karlsruhe.de 1. einleitung Bereits vor Beantragung der Fördermittel für das Bund- Länder-Programm „Soziale Stadt“ und der Aufnahme in ein Sanierungsprogramm wurde die Rintheimer Bürgerschaft in einen Stadtteilent wicklungs prozess eingebunden. Hierfür wurden auf Grundlage einer vom Stadtplanungsamt erarbeiteten Grobanalyse und einer vom Amt für Stadtentwicklung durchgeführten und analysierten Bewohnerinnen- und Bewohnerumfrage zunächst die Mängel und Missstände erhoben und mit der Bewohnerschaft diskutiert. Im weiteren Verlauf wurden Handlungsziele für den Stadtteilentwicklungsprozess bestimmt und erste Maßnahmenvorschläge entwickelt. Die Ergebnisse aus dieser ersten Beteiligungsphase sind in die Vorbereitenden Untersuchungen eingeflossen, die die Grundlage für die Beantragung der Städtebaufördermittel der beiden Gebiete (Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ Rintheimer Feld und Landessanierungsprogramm Alt-Rintheim) bilden. Nur für das Rintheimer Feld konnte mit einigen Verzögerungen im August 2010 die Aufnahme in das Bund- Länder-Programm „Soziale Stadt“ erreicht werden. Das bewilligte Fördervolumen von 1,77 Mio. Euro entspricht einem förderfähigen Aufwand von insgesamt rund 3,0 Mio. Euro. Das Sanierungsgebiet Rintheimer Feld hat eine Größe von 23 ha und eine Wohnbevölkerung von 2.257 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand: 31.12.2012). Für Alt-Rintheim wurden keine Städtebaufördermittel bewilligt. Das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und zeichnet sich u.a. durch eine breite Bürgerbeteiligung und ein Integriertes Entwicklungskonzept aus, das im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes sämtliche stadtteilbezogene Vorhaben berücksichtigt und einen übergeordneten Orientierungsrahmen für den Stadtteilentwicklungsprozess bildet. Die frühzeitige Beteiligung der Bürgerschaft war mit der Zielsetzung verbunden, mit dem Förderantrag einen bereits weitgehend abgestimmten Maßnahmenplan einzureichen, der eine zeitnahe Maßnahmenumsetzung versprechen sollte. Deshalb wurde das Stadtteilmanagement zunächst lediglich für einen Zeitraum von zwei Jahren – von April 2009 bis März 2011 – angesetzt. Aufgrund von Verzögerungen in der Programmaufnahme und der Eigendynamik des Prozesses wurde der Beteiligungsprozess mit begleitendem Stadtteilmanagement bis Dezember 2012 verlängert. Das Stadtteilmanagement, bestehend aus der Arbeits- gemeinschaft der Büros GRIPS, transurban und dem Netzwerk für Planung und Kommunikation verfolgte innerhalb des Prozesses folgende Ziele: Den Stadtteil Rintheim trotz Teilgebietsförderung als ein Ganzes zu sehen und auf die besonderen spezifischen Ausgangssituationen im Rintheimer Feld und in Alt- Rintheim differenziert einzugehen und gleichzeitig übergreifende Lösungsansätze zu entwickeln. Soziale Strukturen und Netzwerke im Rintheimer Feld, aber auch im Kontext zu Alt-Rintheim, aufzubauen, zu erweitern, bestehende Strukturen zu vernetzen und zu verstetigen. Gemeinsam mit der Bürgerschaft die städtebauliche Entwicklung innerhalb des Programmgebiets und im Hinblick auf die Vernetzung aktiv zu begleiten. 6 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Insgesamt lagen die Schwerpunkte der Arbeit des Stadtteilmanagements in der Gesamtkonzeption und Gesamtmoderation des Beteiligungsprozesses, der Unterstützung von Einzelprojekten und Interessengruppen, der Öffentlichkeitsarbeit, der Teilnahme an stadtteilrelevanten Veranstaltungen sowie weiterer flankierender Aufgabenstellungen. Begleitet wurde der gesamte Beteiligungsprozess von einer dezernats- und ämterübergreifenden Lenkungsgruppe, in welche auch der Bürgerverein Rintheim und die VOLKSWOHNUNG GmbH einbezogen waren. Der vorliegende Bericht dokumentiert den knapp vierjährigen Beteiligungsprozess und umfasst den Zeitraum April 2009 bis Dezember 2012. Die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen dauert hingegen noch bis einschließlich 2017 an. amt FüR StaDtentwicklung | 7 www.karlsruhe.de Der vorgelagerte Beteiligungsprozess bezog sich auf das Gebiet Rintheimer Feld und südliches Alt-Rintheim und fand im Wesentlichen in den Monaten April und Mai 2009 statt. Das in Rintheim praktizierte Vorgehen einer Beteiligung der Bürgerschaft bereits vor Beantragung der Fördermittel und der Aufnahme in ein Sanierungsprogramm ist bislang einzigartig in Karlsruhe und weist damit gewissermaßen Pilotcharakter auf. Die Stadt Karlsruhe versprach sich durch diese Vorgehensweise mehrere Vorteile: Einen mit den geplanten Maßnahmen der VOLKSWOHNUNG GmbH eng abgestimmten und gut durchdachten städtischen Maßnahmenplan, Eine erleichterte Fördermittelbewilligung durch das Einreichen eines in der Bürgerschaft weitgehend abgestimmten Maßnahmenplanes, Zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen, Eine hohe Akzeptanz der vorgesehenen Maßnahmen, Einen zielgerichteten Stadtteilentwicklungsprozess. Auftakt dieses vorgelagerten Beteiligungsprozesses bildete die erste Stadtteilkonferenz am 2. April 2009 im Gemeindesaal der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin. Bürgermeister Wolfram Jäger, Vertreter der federführenden Ämter der Stadtverwaltung, der Bürgerverein sowie die Moderatoren des Stadtteilteams konnten insgesamt rund 120 Bürgerinnen und Bürger begrüßen, über die Ziele des Sanierungsprozesses sowie die ersten Ergebnisse aus der Grobanalyse und der Bürgerbefragung informieren und einen Ausblick auf die im Jahr 2009 und 2010 geplanten Maßnahmen der Bürgerbeteiligung geben. 2. vorgelagerter Beteiligungsprozess 8 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 amt FüR StaDtentwicklung | 9 www.karlsruhe.de Unmittelbar nach der Auftaktveranstaltung fand am 3. April 2009 ein vom Stadtteilteam geführter Stadtteilspaziergang mit Bürgermeister Wolfram Jäger statt. Ziel des Stadtteilspaziergangs war es, einen ersten gemeinsamen Eindruck von der Situation vor Ort zu erhalten und erste Reaktionen und Meinungen aus der Bürgerschaft auf unterschiedliche räumliche, städtebauliche, freiraumplanerische und soziale Situationen innerhalb des Stadtteils zu gewinnen. An dem Stadtteilspaziergang nahmen rund 50 Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Institutionen sowie aus der Politik teil. Der Stadtteilspaziergang führte durch das Rintheimer Feld und Alt-Rintheim zu 16 „Stationen“, an denen jeweils ein Themenfeld andiskutiert wurde. Zum Ende der Veranstaltung hatten die Teilnehmenden an der Dreschhalle Gelegenheit, auf zwei Luftbildern die Orte im Stadtteil zu „bepunkten“, welche aus ihrer Sicht die stärksten Defizite (rote Punkte) bzw. Potenziale (grüne Punkte) für eine Aufwertung aufweisen. Diese Bewertung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ergab ein anschauliches Bild von den empfundenen räumlichen Schwerpunkten der Mängel und Konflikte, aber auch der Potenziale und Chancen im Stadtteil. 10 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 In drei darauf folgenden Zukunftswerkstätten zu den Themenfeldern „Soziales und kulturelles Miteinander“ am 24./25. April 2009 „Öffentlicher Raum und Freiraum“ am 08./09. Mai 2009 „Städtebau, Handel und Verkehr“ am 15./16. Mai 2009 wurde intensiv über die Ausgangssituation, die Perspektiven der Stadtteilentwicklung, Handlungsziele und konkrete Maßnahmenvorschläge diskutiert. Die Zukunftswerkstätten gliederten sich in drei Phasen: die Kritikphase (jeweils Freitagnachmittag) In dieser Phase wurden Mängel und Probleme, aber auch Stärken im Stadtteil in der Diskussion herausgearbeitet und festgehalten. die Phantasie- und Utopiephase (jeweils Samstagvormittag) In dieser Phasen wurden mit unterschiedlichen kreativen Arbeitsweisen („Geschichte der Zukunft“, Knetmodelle etc.) Ideen und Visionen für die künftige Entwicklung Rintheims entwickelt, die auch noch unrealistisch sein durften. die Verwirklichungs- und Praxisphase (jeweils Samstagnachmittag). Die wesentlichen Ergebnisse sind nachfolgend in aller Kürze dargestellt. Einen ausführlicheren Einblick in die Ergebnisse geben die Vorbereitenden Untersuchungen sowie das Integrierte Entwicklungskonzept. amt FüR StaDtentwicklung | 11 www.karlsruhe.de stadtteilimage und identitÄt In allen Zukunftswerkstätten wurde das überwiegend als negativ empfundene Image des Stadtteils bemängelt. Dieses äußere sich in einer gefühlten Benachteiligung Rintheims in der Lokalpolitik („vergessener Stadtteil“) und in einer gewissen Stigmatisierung, verursacht auch durch fehlende ausstrahlende Anziehungspunkte im Stadtteil. Kommunikations- und Informationsangebote wurden vermisst und als Defizit im Hinblick auf eine stärkere Identifizierung dargestellt. Künftig sollten die Qualitäten des Stadtteils als grüner, ruhiger und stadtnaher Standort, sowohl nach außen (Image) als auch nach innen (Identifikation) gestärkt werden. themenBereich soziales und kulturelles miteinander Als problematisch empfunden wurden Generationenkonflikte, die sich insbesondere im Miteinander mit den Jugendlichen äußern. Auch die mangelnde Integration von Migrantinnen und Migranten sowie von neu zugezogenen Einwohnerinnen und Einwohnern (z.B. im Zuge der Nachverdichtung in Alt- Rintheim) wurde beklagt. Als wesentliches Ziel wurde das Schaffen einer Stadtteilkultur im Sinne eines besseren Miteinanders befürwortet, verbunden mit einer positiv besetzten Identität des Stadtteils. Außerdem wurden die Stärkung und Ausweitung kultureller Angebote in allen Teilgebieten Rintheims angeregt. Als mögliches Motto entstand in der Sitzung der Begriff „MIR“, der für „Miteinander in Rintheim“ steht, gleichzeitig im badischen Sprachgebrauch „Wir“ und im Russischen (Мир) „Frieden“ oder „Welt“ bedeutet. In diesem Zusammenhang wurde aus der Bürgerschaft ein Ort der Begegnung und der Identifikation angeregt – ein Bürgertreff mit neutralen, nicht institutionell gebundenen Raumangeboten für Vereine. Darüber hinaus sollten die Räume als Begegnungsstätte fungieren und attraktive, gut im Stadtteil vernetzte öffentliche und soziokulturelle Angebote bereitstellen. Auch die Verbesserung der stadtteilinternen Kommunikation durch Informations- und Interaktionsangebote sowie durch gezielte Stadtteilmarketingaktionen wurde als Ziel artikuliert. 12 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 stÄdteBaulich-Freiraumplanerische entwicklung In der Betrachtung der räumlichen und städtebaulichen Situation wurden von den Teilnehmenden wesentliche Mängel verschiedener öffentlicher Plätze benannt – allen voran des Staudenplatzes. Neben einigen räumlich- punktuellen Situationen wurden die Freiraumqualitäten in beiden Teilquartieren generell jeweils aus unterschiedlichen Gründen als defizitär beurteilt. Im Rintheimer Feld wurden die Orientierung, der bauliche Zustand von Treppen, Rampen und Pflanzbeeten und damit insgesamt die Aufenthaltsqualität von Spielplätzen und Wegen teilweise negativ beurteilt. In Alt-Rintheim wurden die engen und meist zugeparkten Straßenräume ohne Platz- und Aufenthaltszonen, mit geringen Gehwegbreiten und mit wenig Grün kritisiert. Konkret vorgeschlagen wurde eine zusammenhängende Freiraumzone im Rintheimer Feld, die in Nord-Süd-Richtung verlaufend den Stadtteilzugang an der Haid-und-Neu-Straße mit der Forststraße verbindet und dabei die wichtigen Orte, den Staudenplatz, der künftig nicht mehr als Nahversorgungsstandort sondern als Freiraum gesehen wurde, und das Vorfeld des Heinz-Schuchmann-Hauses, das zu einem Generationenplatz entwickelt werden könnte, einbezieht. An dieser „Nord-Süd-Achse“ sollten Wegeverbindungen angedockt und qualifizierte Freiraumangebote angeboten werden. Der Standort der Brachfläche an der Forststraße als Schnittstelle zur „Nord-Süd-Achse“ und der die beiden Teilquartiere verbindenden Forststraße wurde als zentraler Punkt gesehen, der sich für eine öffentliche Nutzung wie einem Bürgertreff eigne, der aber auch einen Ersatzstandort für das Nahversorgungsangebot bei Neuordnung des Staudenplatzes darstellen könnte. Eine ganz wesentliche Bedeutung im Stadtteil wurde auch der Mannheimer Straße beigemessen, die sich durch geeignete Maßnahmen (Übergänge, Querschnitt, Begrünung) und entsprechende Gestaltung von einer „Trennlinie“ zu einer verbindenden „Nahtstelle“ entwickeln sollte. Die beiden Karten „Mängel und Missstände“ sowie „Struktur- und Gestaltplan“ sind ein Ergebnis aus dem vorgelagerten Beteiligungsprozess. Der Plan „Mängel und Missstände“ zeigt die aus Sicht der Bürgerschaft bestehenden städtebaulichen und freiraumplanerischen Defizite. Der „Struktur- und Gestaltungsplan“ macht die in der Bürgerschaft diskutierten Maßnahmen deutlich. amt FüR StaDtentwicklung | 13 www.karlsruhe.de AUS SIchT DER BüRGERSchAFT BESTEhENDE STäDTEBAULIchE UND FREIRAUMPLANERISchE DEFIzITE 14 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 IN DER BüRGERSchAFT VoRGESchLAGENE MASSNAhMEN amt FüR StaDtentwicklung | 15 www.karlsruhe.de Nach Aufnahme lediglich des Rintheimer Feldes in das Soziale-Stadt-Programm war dem Fördermittelgeber ein Integriertes Entwicklungskonzept für das Sanierungsgebiet vorzulegen. Das Integrierte Entwicklungskonzept bildet auf Basis der Ergebnisse des vorgelagerten Beteiligungs- prozesses und der erarbeiteten Grundlagen der VU eine Handlungsanleitung für die Weiterentwicklung des Stadtteils, die systematisch Handlungsfelder, Ansätze und Maßnahmenvorschläge auflistet. Dabei berücksichtigt das Integrierte Entwicklungskonzept sämtliche stadtteilbezogene Aktivitäten wie beispielsweise das Zehn-Punkte-Programm der VOLKSWOHNUNG GmbH und den Lokalen Aktionsplan STÄRKEN vor Ort. Die VoLKSWohNUNG Gmbh als größter Wohnungs- eigentümer und Maßnahmenträger im Rintheimer Feld ist für ihre Mieter wie für das Wohnumfeld sowohl sozialräumlich wie baulich und planerisch auf vielen Ebenen aktiv. Im Sinne einer „Nachhaltigen Quartiersentwicklung Rintheimer Feld“ hat die VOLKSWOHNUNG GmbH ein „Zehn-Punkte- Programm“ aufgestellt: 1. Energetische Sanierung, Verbesserung des baulichen Erscheinungsbildes 2. Zielgruppenorientierte Aufwertung der Grünflächen 3. Attraktives Quartierszentrum 4. Durchmischung der Mieterschaft 5. Wohnen im Alter 6. Verbesserung des Miteinanders 7. Junge Familien halten 8. Angebote für Jugendliche 9. Verbesserung des Kundenservices der VOLKSWOHNUNG GmbH 10. Optimierung des ruhenden Verkehrs. Da es zwischen den Vorhaben der VOLKSWOHNUNG GmbH und dem städtisch initiierten Stadtteilentwicklungsprozess viele Überschneidungen gab, war eine enge Kooperation und Abstimmung zwischen VOLKSWOHNUNG GmbH und Stadt unverzichtbar. Die Koordination gelang jedoch nicht immer optimal – so überraschte die VOLKSWOHNUNG GmbH mehrfach mit unerwarteten, aber letztlich positiv zu wertenden Maßnahmen. Der lokale Aktionsplan ist eine notwendige Grundlage, damit Projekte im Gebiet in den Genuss der Förderung über das Programm STÄRKEN vor Ort kommen, und dient in hohem Maße der Programmsteuerung. Er beschreibt die vorhandene Problem- und Bedarfslage und formuliert Entwicklungsziele sowie Indikatoren. Damit erleichtert er die Auswahl geeigneter Mikroprojekte. Erstellt wurde der lokale Aktionsplan von einer ämter- und organisationsübergreifenden Arbeitsgruppe. Der Rintheimer lokale Aktionsplan beinhaltet nachfolgende Ziele: 1. Unterstützung der schulischen, sozialen und beruflichen Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch: Stärkung der Sozialkompetenz und der Schlüsselqualifikationen Förderung beim Übergang von der Schule in den Beruf. 2. Unterstützung der sozialen und beruflichen Integration von Frauen mit Problemen beim Einstieg und Wieder- einstieg in das Erwerbsleben durch: Unterstützung bei Bewerbungen, Stellenrecherche, Berufsfindung. 3. Verbesserung der sozialen Infrastruktur für Jugendliche, junge Erwachsene und Frauen durch lokale Aktivierung und Kooperation Heranführen an bestehende Infrastruktur, Beratung über soziale Angebote. 3. integriertes entwicklungskonzept 16 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Das Integrierte Entwicklungskonzept führt alle relevanten Vorhaben zusammen. Den nachfolgend definierten sechs Handlungsfeldern wurden jeweils konkrete Maßnahmenvorschläge zugeordnet. Die sechs Handlungsfelder sind: Handlungsfeld 1: Soziales und kulturelles Miteinander Handlungsfeld 2: Kinder und Jugendliche Handlungsfeld 3: Wohnen und Wohnumfeld Handlungsfeld 4: Öffentlicher Raum und Verkehr Handlungsfeld 5: Nahversorgung und lokale Ökonomie Handlungsfeld 6: Image und Öffentlichkeitsarbeit Handlungsfeldübergreifendes Ziel: Verknüpfung Alt- Rintheim und Rintheimer Feld. Das Integrierte Entwicklungskonzept Rintheimer Feld wurde durch das Amt für Stadtentwicklung im Jahr 2010 erstellt und für die Dauer des Sanierungsprozesses fortgeschrieben. Es stellt einen Orientierungsrahmen dar und dient daneben der Evaluation des Stadtteilentwicklungsprozesses. 4. Beteiligungsprozess im rahmen der sozialen stadt rintheimer Feld amt FüR StaDtentwicklung | 17 www.karlsruhe.de 4.1 struktur des Beteiligungsprozesses nach antragstellung Mit Einreichen des Antrags auf Städtebauförderungsmittel im Herbst 2009 wurde die nächste Phase der Bürgerbeteiligung eingeleitet. Diese knüpfte an den vorgelagerten Beteiligungsprozess an und führte auch in der Übergangsphase bis zur Programmaufnahme den begonnenen Dialog mit der Bürgerschaft fort. Da sich bereits zu diesem Zeitpunkt eine Überzeichnung der Sanierungsprogramme andeutete, war die Phase gekennzeichnet durch eine Ungewissheit hinsichtlich des weiteren Fortgangs der Entwicklungen. Vor allem im Bezug auf den städtebaulich-planerischen Bereich waren kaum konkrete Diskussionen möglich. Im sozialen Bereich konnten hingegen einige Projektideen konkretisiert und dank der STÄRKEN vor Ort-Förderung auch teilweise umgesetzt werden. Der Beteiligungsprozess nach Antragstellung gliederte sich formal in zwei Phasen: übergangsphase bis Programmaufnahme (Oktober 2009 bis August 2010) Ziel dieser Phase war die dialogische Konkretisierung von Projekten, um bereits direkt nach Programmaufnahme in die Realisierung von Maßnahmen einsteigen zu können. In diesem Sinne wurden thematische Projektgruppen gebildet, um die Themen aus den Zukunftswerkstätten aufzugreifen und weiter zu konkretisieren. Projektgruppe Kinder und Jugendliche Projektgruppe MIR – Miteinander in Rintheim Projektgruppe Nord-Süd-Achse / Freiraum Rintheimer Feld Beteiligungsphase nach Programmaufnahme (August 2010 bis Dezember 2012) Ziel dieser Phase war die Umsetzung der städtebaulichen und sozialräumlichen Projekte und der Aufbau selbsttragender Strukturen im Stadtteil. Die bis zur Programmaufnahme als Projektgruppen formierten thematischen Arbeitgruppen, wurden nach Programmaufnahme als Zeichen des eigentlichen Beginns des Sanierungsprozesses als gleichnamige Arbeitskreise (AK) mit Sprecher bzw. Sprecherin etabliert. Da jedoch lediglich für das Rintheimer Feld die Aufnahme in ein Sanierungsprogramm erreicht wurde, nahm die Beteiligung aus Alt-Rintheim nach der Übergangsphase stark ab. Da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der beiden sozialen Arbeitskreise (Miteinander in Rintheim und Kinder und Jugendliche) weitgehend identisch waren und sich auch die Themenfelder teilweise überschnitten, wurden sie im Frühjahr 2011 zu einem Arbeitskreis I „Miteinander in Rintheim“ zusammengelegt. Die Projektgruppe Nord-Süd-Achse / Freiraum formierte sich nach Programmaufnahme als Arbeitskreis II „Städtebau, Freiraum und handel“. Der Beteiligungsprozess nach Antragstellung folgte dem abgebildeten Strukturschema: 18 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Der Dialog mit der Bürgerschaft wurde im Rahmen der Arbeitskreise fortgeführt. Es wurden Sprecher und Sprecherin gewählt, die eine zuverlässige Mittlerfunktion zwischen der verwaltungsinternen Lenkungsgruppe einnahmen. Letztere ist das begleitende und steuernde Gremium des Prozesses, in dem Maßnahmen abgestimmt und beraten werden. Neben den für den Prozess relevanten Fachdienststellen, gehörten diesem Gremium die VOLKSWOHNUNG GmbH und der Bürgerverein an sowie bei Bedarf die Arbeitskreissprecher. Mit Programmaufnahme und offiziellem Beginn des Sanierungsprozesses wurde auch der gemeinderätliche Sanierungsbeirat Soziale-Stadt Rintheimer Feld gegründet, der den Gemeinderat in allen wichtigen Angelegenheiten hinsichtlich des Sanierungsgebietes berät und unterstützt. Er setzt sich zusammen aus Mitgliedern der Fraktionen, dem Bürgerverein, der Architektenkammer, dem Ausländerbeirat, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer. Der Sanierungsbeirat tagte an folgenden Terminen: 1. Sanierungsbeiratssitzung am 12. April 2011 Themen: Zwischenbericht der Bürgerbeteiligung, Umgestaltung Vorfeld Geschäftszeile Hirtenweg, Integriertes Entwicklungskonzept Rintheimer Feld, Mehrfachbeauftragung der VOLKSWOHNUNG GmbH Baufeld Forst-/Mannheimer Straße 2. Sanierungsbeiratssitzung am 20. Juni 2012 Themen: Bürgerbeteiligung, Umgestaltung Vorfeld Geschäftszeile Hirtenweg, Umgestaltung der Mannheimer Straße, Gestaltung der Wendeschleife, Freiflächenkonzept der VOLKSWOHNUNG GmbH, Gestaltung einer durchgängigen (Grün-)Verbindung mit funktionalen Schwerpunkten („Nord-Süd-Achse“), Private Modernisierungsmaßnahmen 3. Sanierungsbeiratssitzung am 26. September 2013 Die Themen standen zum Zeitpunkt der Bearbeitung des Berichts noch nicht fest. 4.2 das sanierungsBüro Das Sanierungsbüro war von Oktober 2009 bis März 2012 in der Erdgeschosszone der Mannheimer Straße 25 in einem der Hochhäuser des Rintheimer Feldes – und damit an der Schnittstelle zwischen den beiden Quartieren Alt-Rintheim und dem Rintheimer Feld – untergebracht. Die zuvor leer stehenden Räume wurden von der VOLKSWOHNUNG GmbH modernisiert und um einen barrierefreien Zugang sowie eine barrierefreie Toilette ergänzt. Ein markantes (und nachts beleuchtetes) Schild sowie das Logo des Stadtteilprozesses auf der Glasbausteinwand wiesen auf das Sanierungsbüro hin. Es war damit gut wahrnehmbar und durch die Lage an der Mannheimer Straße bequem zu erreichen. Das Sanierungsbüro diente bis August 2011 im Rahmen der wöchentlichen Sprechstunden des Stadtteilmanagements als Anlaufstelle bei Fragen zur Stadtteilentwicklung und speziell zum Sanierungsverfahren und bot die Möglichkeit über die Veranstaltungen der Bürgerbeteiligung hinaus Anregungen einzubringen. Seit August 2011 wurde auf die regelmäßige Präsenzzeit des Stadtteilteams verzichtet. Stattdessen wurden vor Ort Termine individuell und nach Bedarf vereinbart. Das Sanierungsbüro diente darüber hinaus für Veranstaltungen im Rahmen des Beteiligungsprozesses. Vor allem aber wurde es für soziale Angebote verschiedener Träger genutzt, so z.B. des Bürgervereins Rintheim e.V., des Sozialverbandes VdK, der internationalen islamischen Frauengemeinschaft und der katholischen Kirche. Am 6. Oktober 2009 fand im Beisein von Bürgermeister Wolfram Jäger sowie Vertretern der VOLKSWOHNUNG GmbH und lokaler Institutionen die feierliche Eröffnung mit ca. 60 Bürgerinnen und Bürgern aus dem Stadtteil statt. Das Sanierungsbüro wurde von der Stadt Karlsruhe zunächst für die Dauer von zwei Jahren bis Oktober 2011 angemietet. Im Hinblick auf den in der Bürgerschaft formulierten Wunsch eines Bürgertreffs für Rintheim, hatte das Sanierungsbüro als erste gemeinsame Anlaufstelle für alle Rintheimerinnen und Rintheimer hohe Bedeutung und entwickelte sich zu einem gut angenommenen Raumangebot mit zahlreichen Aktivitäten. amt FüR StaDtentwicklung | 19 www.karlsruhe.de Vor diesem Hintergrund und eventuell als Vorstufe eines künftigen Bürgertreffs unterstützte die Stadt Karlsruhe das Fortbestehen des Sanierungsbüros über den Oktober 2011 hinaus. Aufgrund bevorstehender Sanierungsarbeiten im Gebäude war dies jedoch nur bis 31. März 2012 möglich, so dass die vorhandenen Angebote in Ersatzräumlichkeiten wie den Startpunkt Familienzentrum in der Forststraße 5 sowie den Gemeinschaftsraum der VOLKSWOHNUNG GmbH in der Heilbronner Str. 24 ausweichen mussten. Das Startpunkt Familienzentrum war rasch mit Leben gefüllt und entwickelte sich zunehmend zu einer neuen Anlaufstelle im Quartier. 4.3 stadtteilkonFerenzen Ein wichtiger Bestandteil in der Bürgerbeteiligung zum Stadtteilentwicklungsprozess sind die Stadtteilkonferenzen. In diesen zentralen Veranstaltungen wurde die breite Öffentlichkeit über die Ziele des Verfahrens, über Fortschritte sowie den aktuellen Stand der Projekte informiert und es wurde für die Teilhabe an der Sozialen Stadt geworben. Nach der ersten Stadtteilkonferenz, der Auftaktveranstaltung im April 2009, fand im November 2009, nach Beantragung der Sanierungsmittel, die zweite Stadtteilkonferenz statt. Veranstaltungsort war der Heinz-Schuchmann- Saal. Mit der zweiten Stadtteilkonferenz wurde offiziell die zweite Phase der Bürgerbeteiligung eingeläutet. Bürgermeister Michael Obert konnte ca. 100 Bürgerinnen und Bürger zu dieser Veranstaltung begrüßen. Das Stadtteilteam berichtete über die Ergebnisse der ersten Phase der Bürgerbeteiligung (Zukunftswerkstätten) und die Inhalte der Vorbereitenden Untersuchungen. Darüber hinaus stellte es die sich formierenden Projektgruppen mit ihren Themenschwerpunkten vor. Der Bürgerverein verdeutlichte seine Rolle im Prozess, während die Sozial- und Jugendbehörde über die Fördermöglichkeiten im Rahmen des Programms STÄRKEN vor Ort berichtete. 20 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Die dritte Stadtteilkonferenz fand im Juli 2010 ebenfalls im Heinz-Schuchmann-Saal – dem Quartiersmittelpunkt des neuen Sanierungsgebietes – statt. Bürgermeister Wolfram Jäger konnte rund 100 Besucherinnen und Besucher be- grüßen. Die Stadtverwaltung schilderte den Verfahrensstand vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Aufnahme des Rintheimer Feldes in das Programm „Soziale-Stadt“ sowie die vorgesehenen planerischen Maßnahmen. Das Stadtteilteam berichtete aus den drei Projektgruppen. Der Bürgerverein un- terstrich den Erfolg des Stadtteiljubiläums und gab Aus kunft über den Wechsel im Vorstand. Einige Träger stellten die für 2010 bewilligten Projekte im Programm STÄRKEN vor Ort vor oder berichteten bereits über erste Ergebnisse. Die Hochschule für Technik aus Stuttgart präsentierte die Ergebnisse des Studienprojekts zur neuen Rintheimer Mitte (vgl. Kapitel 4.7.2). Die vierte Stadtteilkonferenz im November 2011 wurde durch Bürgermeister Wolfram Jäger eröffnet. Neben der Vorstellung verschiedener städtebaulicher Maßnahmen informierte die VOLKSWOHNUNG GmbH auch über das Ergebnis der Mehrfachbeauftragung für das Baufeld Forst-/ Mannheimer Straße. Weitere Themen waren die Ergebnisse der Imagestudie für die Heinrich-Köhler-Schule, der Stadtteil- Logo-Wettbewerb sowie die Ergebnisse der Kinderbeteiligung und der STÄRKEN vor Ort Projekte. Im März 2013 fand der extern moderierte Teil des Sanierungsprozesses seinen Abschluss mit der fünften Stadtteilkonferenz. Auch zu dieser Veranstaltung konnte Bürgermeister Wolfram Jäger erneut über 100 Besucherinnen und Besucher begrüßen. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Beteiligung: Es wurden zum einen die in der Bürgerschaft erarbeiteten Ergebnisse des Beteiligungsprozesses vorgestellt und zum anderen wurde ein Einblick in zahlreiche soziale Projekte und Initiativen des Stadtteils gegeben, in die sich Bürgerinnen und Bürger teilweise schon seit geraumer Zeit kontinuierlich und ehrenamtlich einbrachten. Hierzu erläuterte auch das Aktivbüro die verschiedenen Unterstützungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten im Rahmen der Förderung des Ehrenamts. Darüber hinaus berichtete das Büro Ukas über das geplante Freiraumkonzept der VOLKSWOHNUNG GmbH. Abschließend wurde der gesamte Prozess noch einmal reflektiert, der Bürgerverein bekräftigte seine Rolle für die Verstetigung. Das Stadtteilteam, Ute Kinn, Michael Kunert und Thomas Sippel wurden von der Bürgerschaft verabschiedet. amt FüR StaDtentwicklung | 21 www.karlsruhe.de 4.4 ÖFF entlichkeitsarBeit Ziel im Bereich Image und Öffentlichkeitsarbeit war es, ein positives Stadtteilimage aufzubauen und eine stärkere Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Stadtteil zu erreichen. Dafür sollten die Qualitäten des Stadtteils und Aktivitäten lokaler Träger und Vereine herausgearbeitet, gebündelt und kommuniziert werden. Die Entwicklung eines übergeordneten identitätsstiftenden Gestaltungskonzepts für das Wohnumfeld sollte darüber hinaus zu einer positiven Außenwirkung beitragen. Logo und corporate Design Das Stadtteilmanagement hatte zunächst ein eigenes Erscheinungsbild („Corporate Design“) für die Öffentlichkeitsarbeit entwickelt. Dieses einheitliche Erscheinungsbild sollte nicht nur im Rahmen des Stadtteilentwicklungsprozesses Anwendung finden, sondern sich möglichst dauerhaft im Stadtteil etablieren. Das Corporate Design baut auf den Farben Rintheims auf und verwendet als Logo das abstrahierte „Rintheimer Dreifachkreuz“. Die Farben rot, gelb und schwarz auf weißem Hintergrund wirken schlicht aber dennoch markant. Sie sind ortsbezogen und wieder erkennbar. Das für den Soziale-Stadt-Prozess in Rintheim entwickelte Corporate Design wurde konsequent für die Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt, so z.B. bei Plakaten und Flyern, in Aushängen am Sanierungsbüro und im Schaukasten am Staudenplatz. Auch wurden Kugelschreiber, Tragetaschen und Ballons mit dem entworfenen Logo bedruckt und auf Stadtteilveranstaltungen ausgelegt. Die Maßnahmen konnten leider nicht in der gewünschten Breite zur Identifikation der Einwohnerschaft mit dem Logo beitragen. Das Logo wurde in der Einwohnerschaft eher als von außen aufgesetzt wahrgenommen und nur mit der Sozialen Stadt bzw. dem Beteiligungsprozess in Verbindung gebracht. FOTO5: INCENTIVES Stadtteil-Logo Da sich das entwickelte Logo offensichtlich nicht als Stadtteil-Logo eignete, wurde im Herbst 2011 ein Logo- und Ideen-Wettbewerb ausgerufen. Alle Rintheimerinnen und Rintheimer wurden per Posteinwurf und Presse aufgefordert, unter Einhaltung einiger Vorgaben ein Logo für ihren Stadtteil zu entwickeln oder Ideen einzureichen. Das aus dem Stadtteil entwickelte Logo sollte künftig von allen Rintheimer Akteuren im Sinne der Gemeinsamkeit und Wiedererkennung genutzt werden. Begleitend zu dem Wettbewerb wurde eine Arbeitsgruppe Stadtteil-Logo 22 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 gegründet, die die Ideen aus dem Wettbewerb aufgreifen und weiterentwickeln wollte. Mitwirkende waren verschiedene Vereinsvertreter, der Jugendtreff Rintheim, der Bürgerverein und das Stadtteilmanagement. Im Frühjahr 2012 fand darüber hinaus ein Kreativ-Workshop mit Jugendlichen statt. Ein Grafiker der Stadt entwickelte auf der Basis der etwa 10 eingereichten und erarbeiteten Entwürfe Vorschläge, die von einer Jury bewertet werden sollten. Leider fanden sich zu den Arbeitskreissitzungen immer weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, so dass im Einvernehmen mit der Bürgerschaft das Thema mangels Interesse zurückgestellt und nicht weiter verfolgt wurde. Auch wenn das Projekt nicht zum gewünschten Ergebnis führte, hat es dank des kreativen Austauschs zum Miteinander der verschiedenen Generationen und zum Stadtteilbewusstsein beigetragen. amt FüR StaDtentwicklung | 23 www.karlsruhe.de Zu Beginn des Beteiligungsprozesses wurde ein Internetportal (www.hier-ist-rintheim.de) zum Stadtteilentwicklungsprozess aufgesetzt, das nach Auslaufen des Beteiligungsverfahrens im Sinne der Verstetigung und Kontinuität durch den Bürgerverein weiter geführt werden sollte. Eines der Ziele, das sich schon früh aus der Bürgerbeteiligung herauskristallisierte, war die Bündelung des Zusammenwirkens der vielfältigen Angebote “unter einem Dach”. Entsprechend sollten die Akteure an der Website mitwirken, Inhalte und Informationen einbringen und z.B. einen gemeinsamen Veranstaltungskalender pflegen. Neben aktuellen Informationen zu Veranstaltungen sollte in Ergänzung zum Bürgerblatt über Aktivitäten aus dem Stadtteil berichtet werden. Es war beabsichtigt, das Internetportal als einfach zu bedienendes Werkzeug im Stadtteil zu verankern und Bürger als „Autoren“ oder „Redakteure“ zur Mitwirkung zu motivieren. Um dies herbeizuführen, wurde frühzeitig eine Projektgruppe gebildet. Bereits zu Beginn kristallisierte sich heraus, dass die Akteure die bestehende Website nicht weiterführen, sondern einen eigenen Auftritt entwickeln wollten. Daraufhin wurde in mehreren Sitzungen ein Konzept für die Inhalte, die Seitenstruktur und die technische Plattform erstellt. Seit Januar ist die neue Stadtteilwebsite "www. rintheim-bv.de" unter Regie des Bürgervereins im Internet verfügbar. Die Seite bietet Informationen über den Stadtteil, über Angebote, Einrichtungen und Akteure, über aktuelle Ereignisse und Meldungen rund um Rintheim und bildet damit eine Ergänzung zum Online-Angebot der Bürgerhefte (buergerhefte.de). Der Bürgerverein stellt parallel zur Druckversion der Bürgerhefte Beiträge aus ganz Rintheim online. Mittelfristig soll dies auch durch Vertreter anderer Rintheimer Institutionen, Einrichtungen und Vereine erfolgen. Das neue Angebot soll nun erprobt und weiter ausgebaut werden, Ziel ist es, am Ende möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen, die Beiträge liefern, aktuelle Termine in den Stadtteilkalender eintragen und über sich und ihr Wirken für und in Rintheim informieren. Die Stadtteilseite soll als Mitmach-Projekt so zu einem Schaufenster Rintheims für alle Interessierten und zur praktischen und direkten Austauschplattform aller Rintheimerinnen und Rintheimer werden. 24 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 4.5 projekte stÄrken vor ort Das Programm STÄRKEN vor Ort war ein auf drei Jahre bis einschließlich 2011 angelegtes Förderprogramm des Bundes mi nis te riums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und wurde vom Ministerium selbst und dem Europäischen Sozialfond kofinanziert. Es wurde als „Komplementärprogramm“ vorrangig in Gebieten der Sozialen Stadt eingesetzt, da die Mittel aus dem Sanierungsprogramm selbst für investive, jedoch nicht für sozialräumliche Projektumsetzungen vorgesehen sind. Anträge konnten von Personen und Institutionen gestellt werden. Die sogenannten Mikroprojekte wurden mit bis zu 10.000 Euro bezuschusst. Eine Kofinanzierung aus dem Projekt war nicht erforderlich. Der Förderzeitraum betrug maximal ein Jahr und musste bis zum Ende des jeweiligen Kalenderjahres beendet sein. Die Mikro pro jekte mussten in Zusam men hang mit der Gleich stel lung der Geschlech ter, den Programm vor ga ben von STÄRKEN vor Ort und dem Lokalen Aktions plan (vgl. Kapitel 3) stehen. Eines von mehreren Fördergebieten im Programm STÄRKEN vor Ort in Karlsruhe war die Oststadt mit der Erweiterung Rintheimer Feld. So konnten bereits ab Herbst 2009 im Vorgriff auf die Aufnahme in ein Sanierungsprogramm Mittel bereitgestellt und damit frühzeitig eine Reihe von Projekten auf den Weg gebracht werden. Der Begleitausschuss, zu dem neben städtischen Mitarbeitern auch Vertreter der Schulen, des Bürgervereins und des Jugendtreffs zählten, entschied über die Bewilligung der Anträge. Insgesamt wurden 22 Projekte in den drei Programmjahren für das Gebiet Rintheimer Feld/Oststadt bewilligt. Die Projekte sind im Folgenden aufgeführt. Eine detaillierte Beschreibung dazu und Bildmaterial findet sich im Abschlussbericht STÄRKEN vor Ort 2009-2011. MIKRoPRoJEKTE 2009 Jugend gestaltet sich einen Raum Netzwerk Frauen in Bewegung MIKRoPRoJEKTE 2010 Sprachförderung von Migrantinnen und Migranten Aktivierung von Migrantinnen – m³ Youtube-Video-Werkstatt Jugend entdeckt Geschichte Vorbereitung für den Hauptschulabschluss an der Tullaschule Musik bewegt! Theaterprojekt – Du kommst hier nicht rein! Qualifizierung für Frauen mit Migrationshintergrund Lebensweltorientierter Deutschkurs für muslimische Frauen Ausbildungsorientierte Hilfe für Migrantenschüler/-innen MIKRoPRoJEKTE 2011 Berufliche Rückenstärkung Bewerbungstraining mit jungen muslimischen Frauen Mit Sprachen punkten Künste helfen Leben Filmwerkstatt Ost Erfolgreich zum Hauptschulabschluss Frauenwerkstatt Berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch und mit neuen Medien Junge Menschen und Berufspraxis (JUMEPRAX) „Synergiewerkstatt-Oststadt“ – Informationen und Anlaufstelle für die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen und Arbeitssuche. amt FüR StaDtentwicklung | 25 www.karlsruhe.de 4.6 projektgruppe und arBeitskreis: kinder und jugendliche / miteinander in rintheim Die Arbeitskreise Kinder und Jugendliche sowie MIR – Miteinander in Rintheim – sind eine Fortführung der gleichnamigen Projektgruppen, die sich bereits mit der Antragstellung auf Städtebaufördermittel im Herbst 2009 formierten. In der Zukunftswerkstadt "Soziales und kulturelles Miteinander" wurde der Begriff „MIR“ geprägt, der im badischen Sprachgebrauch „Wir“ und im Russischen (Мир) „Frieden“ oder „Welt“ bedeutet und gleichzeitig für den Titel des Arbeitskreises „Miteinander in Rintheim“ steht. Die Projektgruppen griffen Themen und Ideen auf, die in der Zukunftswerkstatt „Soziales und kulturelles Miteinander“ im April 2009 entstanden sind. Im Arbeitskreis Kinder und Jugendliche, der bis Frühjahr 2011 etwa alle drei Monate tagte, ging es vor allem darum, die Angebote für Kinder und Jugendliche im Stadtteil zu erweitern und die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien zu verbessern. Ein weiterer Fokus lag auf der Zusammenarbeit zwischen den Schulen, beispielsweise in Form von gemeinsamen Projekten. Vor dem Hintergrund der Überlegungen zu einer Ganztagsgrundschule im Rintheimer Feld wurden Fragen der Schul- und Hortsituation diskutiert. Alle relevanten Akteure aus dem Stadtteil sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger erarbeiteten Ideen, Lösungsansätze und Strategien zum Thema Kinder und Jugendliche. Die Sitzungen dienten darüber hinaus dazu, die Akteure untereinander zu vernetzen. Die Projektgruppe und der Arbeitskreis Kinder und Jugendliche befasste sich bis zur Zusammenlegung mit dem Arbeitskreis MIR im Wesentlichen mit den Themen Jugendräume und Schulentwicklung. Vertieft wurde darüber hinaus eine Vielzahl kleinerer Projekte. Im Arbeitskreis MIR – Miteinander in Rintheim – ging es vor allem darum, im Sinne einer zu entwickelnden Stadtteilkultur die Barrieren zwischen den Teilquartieren zu überwinden, das generationsübergreifende und interkulturelle Zusammenleben zu verbessern und Nachbarschaftsbeziehungen aufzubauen. Die Integration von Migrantinnen und Migranten sowie Zugezogenen sollte verbessert und die Anonymität im Quartier abgebaut werden. Darüber hinaus zielte der Arbeitskreis darauf ab, Angebote zur Unterstützung sozial Benachteiligter zu etablieren und unterstützende Hilfen für Seniorinnen und Senioren zu konzipieren. Diskutiert und konkretisiert wurden auch Ideen zu Mietergärten und Lehrgärten, zu Sprachkursen und anderen Bildungsangeboten sowie zu aktuellen Geschehnissen im Stadtteil wie der 900-Jahr-Feier, der Nahversorgung am Staudenplatz oder der geplanten Schließung bzw. Zusammenlegung des Polizeireviers in der Oststadt. Ein zentrales Thema bildete die Idee eines gemeinnützigen Raumangebotes, das Vereinen, kommerziellen Nutzern und Privatpersonen gleichermaßen zur Verfügung stehen sollte. Im Frühjahr 2011 wurden die beiden Arbeitskreise „Kinder und Jugendliche“ sowie „MIR“ zusammengelegt, da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitgehend identisch waren und auch die Themenfelder Überschneidungen aufwiesen. Zu den Zielen des Arbeitskreises zählte seitdem neben der Aktivierung der Bewohnerschaft des Rintheimer Feldes vor allem der Versuch, das Vertrauen Alt-Rintheims in die gemeinsame Arbeit für den Stadtteil zurückzugewinnen. Außerdem wurde an den Leitprojekten „Schulentwicklung“, „Stadtteilfest“, „Bürgertreff“ und Gestaltung einer gemeinsamen Internetseite bzw. eines Logos für ganz Rintheim weitergearbeitet. 26 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 4.6.1 Kinderbeteiligung Um die Kinder selbst aktiv in Planungsprozesse der Stadtteilentwicklung einzubeziehen und ihre Spiel-, Aktions- und Konflikträume sowie ihre Wünsche zu erfahren, führte das Kinderbüro von Mai bis Juli 2011 in Rintheim eine umfassende Beteiligung von Kindern im Alter von etwa acht bis zwölf Jahre durch. Zentrales Element der Kinderbeteiligung waren Streifzüge. Bei Streifzügen geben die Kinder Einblicke in ihre Lebenswelt und zeigen ihre Spiel- und Gefahrenräume. Somit wurden Orte und Räume im Stadtteil erfasst, die den Kindern wichtig sind. Darüber hinaus wurden Wünsche und Kritikpunkte der Kinder aufgenommen. Eine begleitende Arbeitsgruppe unterstützte den Prozess und setzte sich für die Berücksichtigung der Ergebnisse im Rahmen weiterer Planungen ein. Insgesamt wurden sieben zweistündige Streifzüge mit insgesamt etwa 80 Kindern durchgeführt. Dabei waren sowohl Kinder aus dem Rintheimer Feld als auch aus Alt- Rintheim beteiligt. Die beiden Grundschulen erwiesen sich als wichtige Anlaufstellen zur Aktivierung der Kinder. Die Route wurde jeweils von den Kindern selbst bestimmt und endete nicht an den Stadtteil- und Stadtviertelgrenzen. So stellt beispielsweise auch die Jakob-Malsch-Anlage in der Oststadt einen, wenn auch eher selten genutzten, Anlaufpunkt für die Kinder aus Rintheim dar. amt FüR StaDtentwicklung | 27 www.karlsruhe.de Neben den Streifzügen wurde das Sanierungsbüro an zwei Nachmittagen zu einer Anlaufstelle für Kinder (Präsenzzeit). Darüber hinaus gab es eine Kindersprechstunde mit Bürgermeister Martin Lenz. Die Ergebnisse wurden veröffentlicht. Die Auswertung der Maßnahmen erfolgte als Karte und Matrix. Die wichtigsten Erkenntnisse sind im Folgenden zusammengefasst: Als Spiel- und Aktionsräume fungieren mehrere Bereiche im Rintheimer Feld. Neben dem Staudenplatz, dem Bolzplatz am Ostring und größeren Spielplätzen wie dem an der Mannheimer Straße und am Pfarrer-Junker-Weg werden auch kleine und – aus Erwachsenensicht – wenig attraktive Spielbereiche, einzelne Spielgeräte oder sogar leere Spielflächen von den Kindern angenommen (vgl. KARTE). Die kleinen verstreuten Spielbereiche sollen daher unbedingt erhalten bleiben und um einen großen, neuen und attraktiven Spielplatz ergänzt werden. In der Bewertung der Spielbereiche wurden häufig Adjektive wie „grau“, „langweilig“, „dreckig“ genannt. Bemängelt wurde auch das wenig altersgerechte Angebot: Viele Spielgeräte sind für Kinder im Vorschulalter ausgerichtet, die wenigen altersgerechten Spielmöglichkeiten werden durch Jugendliche besetzt. Nahezu alle besuchten Spiel- und Aktionsräume im Rintheimer Feld weisen kleine, durchaus schnell behebbare Mängel auf – genannt wurden u.a. fehlende Netze und Mülleimer, schlechte Beläge und verschiedene defekte Spielgeräte. In Alt-Rintheim dienen neben dem Schulhof der Grundschule und den Kinderspielplätzen Jagdstraße, Sulzfelder Straße, Weinweg und Heinrich-Wittmann-Straße auch öffentliche Grünzüge als Spiel- und Aktionsräume. Auch dort wurden die Spielbereiche teilweise als langweilig und dreckig beschrieben und zahlreiche kleine schnell behebbare Defizite genannt – bemängelt wurden teilweise defekte Spielgeräte, fehlende Tornetze und unterschiedliche Torgrößen. Außerdem wurde kritisiert, dass die große Wiese an der Sulzfelder Straße aufgrund vieler Löcher und des teilweise sehr hohen Grasbewuchses nicht bespielbar sei. Auch die Jakob-Malsch-Anlage wird von den Kindern aus Rintheim gerne genutzt, wenn auch eher selten aufgrund der trennenden Wirkung des Ostrings und der als Angstraum und Barriere empfundenen Fußgängerbrücke. Bemängelt werden in der Anlage lediglich die vielen freilaufenden Hunde und herumliegenden Glasscherben, die unebene Fläche und die fehlenden Netze am Bolzplatz. 28 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Zusammengefasst ergeben sich schwerpunktmäßig folgende Kritikbereiche: Ausstattung der Spielbereiche nicht altersgerecht Angst vor Jugendlichen und dubiosen Personen Mangelnde Instandhaltung der Spielgeräte Mangelnde Pflege der Spielbereiche (herumliegender Müll und fehlende Mülleimer, fehlender Hundetütenkot- Spender, fehlende und defekte Hinweisschilder, fehlender Schatten aufgrund zu kurz geschnittener Bäume, fehlende Rasenpflege, defekte Bodenbeläge und Zäune etc.) Als Stärken hervorzuheben und weiter zu erhalten sind verschiedene Kletterbäume, Wiesen und Sträucher sowie einzelne interessante Spielgeräte. Als Ideen formuliert wurde beispielsweise der Wunsch, die Spielplätze generell aufregender zu gestalten und Spielgeräte zu haben, „bei denen man nachdenken muss“. Als konkretes Anliegen nannten die Kinder einen Wasserspielplatz und Naturspielplatz mit Kletterbäumen aber auch eine Vielzahl von Einzelspielgeräten wie ein großes Klettergerüst, eine hohe Schaukel, Nestschaukel, eine Wippe, eine große Rutsche, ein Trampolin, ein Drehspielgerät und einen Tisch-Kicker fürs Freie sowie Basketballkörbe und einen Skaterplatz. Außerdem wurde angeregt, die Lage des Kleinkindspielplatzes „am Weinweg“ mit dem an der „Heinrich-Wittmann-Straße“ zu tauschen, da der Einblick bei letzteren schlecht sei und sich die Kinder dort häufig aufgrund verdächtiger Personen unsicher fühlten. Da Kleinkinder ohnehin von den Eltern begleitet würden, wäre die schlecht einsehbare Lage an der Heinrich- Wittmann-Straße für diese Altersgruppe unproblematisch. Im Bereich Verkehr zeigten sich Gefahrenzonen vor allem am Koyweg und an der Mannheimer Straße. Das Problem sind dort vor allem schnell fahrende Fahrzeuge, unübersichtliche Situationen und fehlende sichere Querungsmöglichkeiten. Die Rintheimer Hauptstraße wird eher selten als Wegestrecke von den Kindern genutzt, bemängelt wurden dort der schlechte Straßenzustand und die damit einhergehende Erschwerung des Radfahrens. Auch die starke Verschmutzung durch Hundekot wurde von den Kindern beanstandet. Kritikpunkte ergaben sich auch bezüglich der Ampelschaltungen am Ostring. Als Angsträume wurden folgende Bereiche im Quartier benannt: Brücke Ostring Staudenplatz am Abend Fahrstühle in Hochhäusern Forststr. 69 Ernststraße Schlecht einsehbarer Spielplatz an der Heinrich-Wittmann- Straße Jakob-Malsch-Anlage. Die Kinder in Rintheim wünschen sich neben den beschriebenen Anregungen mehr Rücksichtnahme (Autofahrer und Jugendliche), mehr verkehrsberuhigte Bereiche sowie mehr Sauberkeit und bessere Pflege (Scherben, Dreck, Hundekot, Graffiti). Auch der Wunsch nach einem Schreibwarenladen und einem Kino sollen hier nicht unerwähnt bleiben. Die Ergebnisse aus der Kinderbeteiligung waren größtenteils realitätsnah und für den weiteren Planungsprozess wertvoll. amt FüR StaDtentwicklung | 29 www.karlsruhe.de 4.6.2 Jugendtreff Rintheim Der Umbau des ehemaligen Polizeipostens am Staudenplatz in einen Jugendtreff erfolgte im Jahr 2010. Der Jugendraum wurde im Herbst 2009 im Rahmen des STÄRKEN vor Ort Projektes „Jugend gestaltet sich einen Raum“ von Jugendlichen selbst konzipiert. Die VOLKSWOHNUNG GmbH hat die Räume erworben und die Kosten für den Umbau übernommen. Bei der Beauftragung der Handwerksbetriebe legte die VOLKSWOHNUNG GmbH Wert darauf, dass die Betriebe die Jugendlichen nach Interesse und Fähigkeit an den Bauarbeiten beteiligen. Insgesamt brachten 18 junge Menschen im Alter von 12 bis 19 Jahren mehr als 1.700 Stunden ehrenamtlicher, körperlicher Arbeit auf, um die Räume am Staudenplatz zum Jugendtreff umzugestalten. Aufgrund der Beteiligung der Jugendlichen bei der Konzeption und Umsetzung wurde eine hohe Identifikation mit der neuen Einrichtung erreicht. Gleichzeitig konnten Erfahrungen über verschiedene Berufe gesammelt werden. Am Ende des Umbaus konnte sogar eine Lehrstelle an einen der beteiligten Jugendlichen vermittelt werden. Der neue Jugendtreff am Staudenplatz wurde am 29. Oktober 2010 eingeweiht. Die Räume werden dem Stadtjugendausschuss von der VOLKSWOHNUNG GmbH mietfrei zur Verfügung gestellt. Die pädagogische Begleitung der Jugendlichen wurde auf Antrag des Stadtjugendausschusses durch einen gemeinderätlichen Beschluss am 21. September 2010 und die Schaffung einer 75 %-Stelle zum 1. November sichergestellt. Die Jugendräume sind an drei Nachmittagen bzw. Abenden in der Woche geöffnet: Dienstag und Donnerstag, 17.30 bis 21.00 Uhr Freitag, 17.30 bis 22.00 Uhr. Es werden folgende regelmäßige Aktionen angeboten: Freizeiten dienstags: Beratungsmöglichkeit in allen Lebenslagen regelmäßige Beteiligung an Festen im Stadtteil VOLKSWOHNUNG GmbH, mit dem Bürgerverein, mit ansässigen Schulen etc. Der Jugendtreff wird intensiv von den Jugendlichen genutzt – im Schnitt wird der Jugendtreff von ca. 40 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 23 Jahren aufgesucht. Die älteren Jugendlichen (über 18 Jahre) sind im Besitz eines Schlüssels und können jederzeit selbstbestimmt den Jugendtreff nutzen. Der Jugendtreff hat sich damit zu einem wichtigen Treffpunkt für Jugendliche des Rintheimer Feldes entwickelt und erfährt in der Nachbarschaft außergewöhnlich hohe Akzeptanz. Der Jugendtreff trägt dazu bei, Brücken zwischen den Generationen im Stadtteil zu bauen. 4.6.3 Schulentwicklung Rintheim Die Rektoren der Schulen des Quartiers waren von Beginn an in die Projektgruppe und den späteren Arbeitskreis Kinder und Jugendliche eingebunden. Thema war zu Anfang vor allem die Kooperation unter den Schulen. Hierfür wurden konkrete Maßnahmen des Zusammenwirkens der beiden Grundschulen im Stadtteil formuliert, wie beispielsweise gemeinsame und schulübergreifende Veranstaltungen, Ausflüge und Angebote. Thema war zu Anfang auch die Problematik der Schulbezirke. Später kamen Überlegungen auf, die Heinrich-Köhler-Schule zur Ganztagsgrundschule weiterzuentwickeln. Zielvorstellung war und ist es weiterhin, eine „Ganztagsschule mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung“ zu forcieren, die die an der Schule befindliche Grundschulförder- und präventivklasse sowie die zu erwartenden Inklusions-Aufgaben berücksichtigt. Außerdem soll die Bedeutung der Grundschule Rintheim für den Stadtteil in die Überlegungen einbezogen werden. Die Grundschule Rintheim stellt für die Rintheimer Bürgerinnen und Bürger einen Teil ihrer ursprünglichen Identität dar. Viele Bürgerinnen und Bürger sind dankbar, dass ihre Schule im alten Ortskern von Rintheim auch heute noch besteht. Die Stadt Karlsruhe hält bis auf weiteres an dieser einzügigen Grundschule fest und hat dies zuletzt mit dem Umbau und der Erweiterung des Raumangebotes dokumentiert. So konnte in den letzten Jahren eine Schule wachsen, die sich u.a. darstellt als Schule mit Leseprofil und einer verstärkten Kooperation mit der Sehbehinderten-Schule. An den Überlegungen für eine Ganztagsgrundschule beteiligt waren Lehrkräfte der Heinrich-Köhler-Schule, Eltern und Mitarbeitende der Horte unter Beratung von Schul- und Sportamt und Staatlichem Schulamt. Da das Interesse an der Schulentwicklung Rintheims hoch war und weiterhin hoch ist, wurde das Thema zunächst in einer eigenständigen Projektgruppe unter dem Dach des Arbeitskreises Kinder und Jugendliche fortgesetzt. Die hohe Beteiligung von 20 bis 25 Personen an den Sitzungen spiegelt das Interesse und die Bedeutung des Themas für Rintheim wieder. Mit dem Zusammenlegen der beiden Arbeitskreise entwickelte sich das Thema zu einem Schwerpunkt im Rahmen der Beteiligung. 30 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Mit Auslaufen des Beteiligungsprozesses zur Sozialen Stadt wird das Thema im Rahmen eines eigenständigen und neuartigen Konzeptes – einem konsultativen, milieuorientierten, deliberativen Dialogverfahren – weitergeführt. Der Bürgerdialog in Karlsruhe Rintheim findet im Kontext des Projekts Städtenetzwerk „Stärkung lokaler Demokratie durch bürgerorientierte integrierte Stadtentwicklung“ statt, in dem der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. – als neutraler Prozessmoderator tätig ist. Rintheim wurde u.a. als Projektstandort ausgewählt, weil es über eine sehr heterogene Bevölkerungsstruktur verfügt und durch den Stadtentwicklungsprozess eine sensibilisierte Öffentlichkeit vorhanden ist. Ziel des Bürgerdialogs ist es, Perspektiven der lokalen Lernlandschaft zu thematisieren und zu einem gemeinsamen Verständnis der Herausforderungen und Perspektiven zu gelangen. Die Planungen zum Ganztagsschulausbau im Stadtteil sollen als gemeinsames Vorhaben gestaltet werden. Bei dem Bürgerdialog wird mit Milieudaten gearbeitet – hierfür werden Personen mit vergleichbaren Lebensgewohnheiten, -vorstellungen und Werten zu Gruppen zusammengefasst. Im Rintheimer Feld und im Einzugsbereich der Heinrich-Köhler-Schule dominieren vor allem Traditionelle und Prekäre Milieus – dazu zählen auch die Konsum-Hedonisten. In Alt-Rintheim und im Einzugsbereich der Grundschule Rintheim überwiegen hingegen Status- und Mainstream-Milieus. Durch die Berücksichtigung dieser strategisch wichtigen lokalen Milieus im Rahmen des Dialogprozesses können sämtliche Ansichten und Meinungen der Rintheimerinnen und Rintheimer zutreffend erfasst werden. Ein erster Schritt im Prozess der Ganztagsschulentwicklung an der Heinrich-Köhler-Schule war der Malwettbewerb „Meine Traumganztagsschule“. Er wurde im Juli 2013 durchgeführt und erzeugte eine positive Aufmerksamkeit bei Schülern, Eltern, Quartiersbewohnerinnen und -bewohnern und der Presse. Alle Schülerinnen und Schüler der Heinrich- Köhler-Schule waren aufgefordert, ihre Vorstellung von einer künftigen Schule zu malen. Der Malwettbewerb wurde unterstützt von der Stadt Karlsruhe, dem vhw und der VOLKSWOHNUNG GmbH. Insgesamt wurden 70 Bilder abgegeben und 30 davon durch eine Jury prämiert. In einer emotionalen und insgesamt sehr schönen Preisverleihung zum Malwettbewerb „Meine Traumganztagsschule“ am 4. Juli 2013 in der Dreschhalle Rintheim wurden die Preise verliehen. Für viel Atmosphäre sorgte das „Moderations-Duo“ von Frau Kinn und Herrn Georg Schweitzer alias Schorsch, der Clown. Nach dem Malwettbewerb stehen nun weitere Gespräche mit Eltern, Stakeholdern und Institutionen in Rintheim sowie den Rintheimer Bürgerinnen und Bürgern selbst an. Anlässlich der Preisverleihung konnten tatsächlich 24 Eltern für Interviews zum Thema „Ganztagsschule“ nach den Sommerferien gewonnen werden, davon viele Eltern, denen das Thema „Ganztagsschule“ noch recht fremd ist (O-Ton beim Malwettbewerb: „Ist das dann eine Schule oder ein Hort?“). amt FüR StaDtentwicklung | 31 www.karlsruhe.de 4.6.4 Bürgertreff – gemeinbedarfsorientiertes Raumangebot Als eines der zentralen Anliegen in der Bürgerbeteiligung zur Förderung des interkulturellen und generationen- übergreifenden Zusammenlebens, zur Stärkung der Identität im Stadtteil sowie zur Verbesserung des Images und des Zusammengehörigkeitsgefühls zwischen Alt-Rintheim und dem Rintheimer Feld wurde ein Bürgertreff gesehen. Die Entwicklung eines solchen Treffpunktes wurde im Rahmen des Arbeitskreises zunächst intensiv verfolgt. Im Laufe des Stadtteilentwicklungsprozesses entwickelten sich an verschiedenen Standorten im Rintheimer Feld Anlaufstellen mit unterschiedlicher Funktion und für unterschiedliche Zielgruppen: Gemeinschaftsraum der VOLKSWOHNUNG GmbH, Heilbronner Str. 25 Mieterservice-Büro der VOLKSWOHNUNG GmbH am Staudenplatz Jugendtreff am Staudenplatz Startpunkt Familienzentrum der Diakonie, Forststr. 5. Die Entwicklung mehrerer sozialer Anlaufstellen wurde positiv wahrgenommen, dennoch wurde die Idee der Zusammenführung dieser unterschiedlichen Angebote an einem gemeinsamen Standort angestrebt. Potential für ein generationen- und stadtviertelübergreifendes gemeinbedarfsorientiertes Raumangebot wurde vor allem im Rahmen der Neubebauung der VOLKSWOHNUNG GmbH in der Forststraße gesehen. Aus Sicht der Stadtverwaltung sind jedoch vorrangig Bestandsergänzungen in Kirchen, Schulen und Ladenzeilen zu verfolgen. Dadurch rückte im Verlauf des Prozesses das Schulareal der Heinrich-Köhler-Schule und Tulla-Realschule vor dem Hintergrund des vorgesehenen Umbaus des Schulgeländes und der Umstrukturierung der Grundschule zu einer Ganztagsgrundschule zunehmend als möglicher Standort in den Fokus. Bei der Schulleitung der Heinrich-Köhler-Schule bestand durchaus Bereitschaft, die Schule im Sinne eines Bürgertreffs zu öffnen. Der Standort wurde auch seitens des Arbeitskreises als besonders geeignet gesehen, zum einen aufgrund seiner Funktion (Lernort für verschiedene Altersklassen, Präventivklassen, Außenstelle des Schülerhortes, Schulbibliothek) und Lage (zentrale Lage im Stadtteil, gute Erreichbarkeit aus den Teil-Quartieren, ÖPNV- Anbindung, Ort geplanter städtebaulicher und freiräumlicher Aufwertungsvorhaben im Zuge der Sanierung Soziale Stadt und der Maßnahmen der VOLKSWOHNUNG GmbH). Zum anderen wurde der dann möglichen Öffnung der Schule zum Stadtteil hohes Gewicht beigemessen. Auch eignet sich der Schulstandort aus Sicht der Quartiersakteure besonders gut, um über die Kinder an die Eltern (Quartiersbewohner) heranzukommen, die sich bislang kaum erreichen ließen. Die ohnehin an der Schule zu verortenden Angebote könnten ausgebaut und sich im Sinne einer „Keimzelle“ zu einem Ort des Miteinanders und der Integration entwickeln, an dem sich in der Folge weitere Angebote andocken lassen könnten. Aus dem gekoppelten Betrieb aus Schule sowie Ort des Miteinanders und der Integration erwarteten die Arbeitskreis- Mitglieder zahlreiche Synergien. Außerdem waren Räume vorhanden, die im Zuge der bereits vorgenommenen Umstrukturierung von einer Grund- und Hauptschule zu einer Grundschule frei geworden sind. Für die auf dem gleichen Schulareal befindliche Realschule stehen in den nächsten Jahren Umbaumaßnahmen an, die vor allem im Falle einer Weiterentwicklung der Grundschule zur Ganztagsgrundschule vielfältige Möglichkeiten auch im Hinblick auf einen künftigen Ort des Miteinanders eröffnen würden. So könnten bei dem Umbau beispielsweise angrenzend an das Schulgelände (auch von außerhalb zugänglich) flexible Räume berücksichtigt werden, die sowohl für schulinterne Bildungsaktivitäten (Theater AG, Elterncafé etc.) als auch für ergänzende Nutzungen in Bezug auf Integration und Miteinander zur Verfügung ständen. Der zu schaffende Ort des Miteinanders und der Integration an diesem Standort sollte möglichst zum öffentlichen Raum hin wirken (wahrnehmbar sein) und von diesem direkt zugänglich sein, was auch zu einem vom Schulbetrieb entkoppelten Betrieb der Einrichtung beitragen könnte. Als erster Baustein auf dem Weg wurde ein Elterncafé an der Schule eröffnet. Ein Schulsozialarbeiter (50 %) wurde neu eingestellt. Das Elterncafé soll schwerpunktmäßig dazu beitragen die Erziehungskompetenz der Elternschaft zu verbessern z.B. durch themengebundene Elternabende und Vorträge in angenehmer Atmosphäre sowie durch den Cafébetrieb, der einen niederschwelligen Zugang zur Sozialarbeit und zu Hilfsangeboten in aktuellen erzieherischen Fragestellungen ermöglicht. Das Schulhaus außerhalb der Schulzeiten als Bürgertreff für alle Rintheimer zu öffnen, erwies sich aber bei genauerer Prüfung sowohl baulich als auch organisatorisch als recht aufwendig. Mit der sanierungsbedingten Schließung des Sanierungsbüros in der Mannheimer Straße 25 im März 2012 entwickelte sich aber der Startpunkt der Diakonie, in der Forststraße 5 zu einem Anlaufpunkt im Quartier. Die Angebote umfassen Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler, den Startpunkt Elterncafé, Kurse zur gewaltfreien Kommunikation (nach Marshall/Rosenberg) mit offener Übungsgruppe, 32 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Gruppenangebote für Eltern mit Babys nach dem „Prager- Eltern-Kind-Programm“(PEKiP), Proben des Kinderchors „Goldkehlchen“, Sitzungen des Bürgervereins und der Sozialen Stadt, Arbeitsgruppen u.a.m. Der Bürgerverein Rintheim e.V. nutzt seit Mitte 2013 als Untermieter die Räumlichkeiten im Sinne eines Bürgertreffs und bietet den Rintheimerinnen und Rintheimern damit Raum für bürgerschaftliche Projekte, für Beratungen und gemeinnützige Angebote. Als Identifikationsort soll der Bürgertreff die Kommunikation, Integration und Stadtteilkultur stärken und als Ort der Vernetzung von Aktivitäten und Akteuren einen Beitrag zur Verbindung von Alt-Rintheim und Rintheimer Feld leisten. Der Bürgerverein übernimmt den Betrieb des Bürgertreffs, die Stadt Karlsruhe fördert die Einrichtung im Rahmen der diesbezüglichen Richtlinien. Der Bürgertreff wurde am 30. Juli 2013 von Bürgermeister Wolfram Jäger feierlich eröffnet. Mit der Eröffnung eines Bürgertreffs in den Räumlichkeiten der Diakonie wird die weitere Suche nach Realisierung eines generationen- und siedlungsstrukturübergreifenden gemeinbedarfsorientierten Raumangebots an einem zentralen Standort derzeit nicht weiter verfolgt. Stattdessen stehen das Erproben des Zusammenwirkens der Akteure und die Entwicklung der Angebote im Bürgertreff Forststraße 5 im Vordergrund. amt FüR StaDtentwicklung | 33 www.karlsruhe.de 4.6.5. Stadtteilaktivitäten und Feste Rintheim feierte im Jahr 2010 sein 900-jähriges Stadt- teiljubiläum. Die Feierlichkeiten vom 7. bis zum 9. Mai 2010 mit einem Festakt am Freitag sowie einem Stadtteilfest am 8. Mai auf dem Platz vor dem TSV-Gelände stellten einen Höhepunkt des Jubiläumsjahrs dar. Am Stadtteilfest war neben zahlreichen Vereinen auch das Stadtteilmanagement mit einem Stand vertreten. Auch ist es gelungen, Migrantinnen über einen Stand des Elternbeirates der Heinrich-Köhler- Schule an der Aktion zu beteiligen. Verschiedenste Aktivitäten und ein unterhaltsames Bühnenprogramm aus Tanz- und Musikdarbietungen führten zu einer regen Teilnahme der Bevölkerung. Rintheimer Schulkinder verewigten sich für die Dauer einiger Monate im Rahmen einer Straßenmalaktion auf der Mannheimer Straße. Im Juli 2010 eröffnete die Ausstellung „900 Jahre Rintheim“ des Stadtarchivs zur Stadtteilgeschichte Rintheims im Pfinzgau-Museum in Durlach. Die Ausstellung war bis Frühjahr 2011 zu sehen. Jugendliche aus Rintheim leisteten im STÄRKEN vor Ort Projekt „Jugend entdeckt Geschichte“, das vom 1. Rintheimer Carnevalverein angeboten und vom Stadtteilmanagement begleitet wurde, einen multimedialen Beitrag zu dieser Ausstellung. Im September 2010 fand wie bereits im Jahr zuvor auf dem Spielplatz an der Mannheimer Str. 23 - 25 im Rintheimer Feld ein Spielplatzfest statt. Organisiert wurde das Fest unter dem Motto “Spiel und Spaß für Jung und Alt!” vom neu gegründeten Mieterbeirat sowie der VOLKSWOHNUNG GmbH unter Beteiligung weiterer Institutionen aus Rintheim und der Oststadt. Auch im Jahr 2011 wurde ein Spielplatzfest veranstaltet – diesmal im nördlichen Teil Rintheims an der Sulzfelder Straße. Das Spielplatzfest wurde vom Bürgerverein Rintheim organisiert. Das Stadtteilteam war erneut mit einem Stand vertreten und gelangte über einen Ballonweitflugwettbewerb und Malaktionen zum Austausch mit Eltern und Kindern. Auch das Kinderbüro war vor Ort und stellte die Ergebnisse der Kinderbeteiligung vor. 34 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Aufbauend auf den niederschwelligen Erfolgen des Projektes m³ (Projekt im Rahmen der STÄRKEN vor Ort Förderung zur Aktivierung von Migrantinnen vergl. Kapitel 4.6.6) wurde von einigen Akteuren des Arbeitskreises Miteinander in Rintheim im Oktober 2010 im Sanierungsbüro ein Kürbisfest veranstaltet, bei dem auf die vielfältigen sozialen und kulturellen Angebote in Rintheim aufmerksam gemacht wurde. Gemeinsam wurden Kürbislaternen und Papier- Drachen gebastelt, Waffeln gebacken, gesungen und getrommelt. Im Dezember 2011 fand im Startpunkt Familienzentrum in der Forststraße 5 das von einigen Akteuren des Arbeitskreises MIR sowie vom Stadtteilmanagement organisierte „Winterleuchten“ statt. Besondere Höhepunkte waren der Auftritt des Schülerchors der Tulla-Realschule und musikalische Beiträge von Studierenden der Musikhochschule Karlsruhe. Es wurde gemeinsam gebastelt, gebacken und musiziert. Rund 100 Besucherinnen und Besucher kamen miteinander ins Gespräch. amt FüR StaDtentwicklung | 35 www.karlsruhe.de Neben diesen Stadtteilfesten und Aktivitäten fanden zahlreiche weitere Aktionen im Stadtteil statt, bei denen das Stadtteilmanagement präsent war – zu nennen ist hier beispielsweise das ARGE-Fest sowie das Spielfest der Heinrich- Köhler-Schule. Ein weiteres, wichtiges Projekt des Arbeitskreises MIR war das Stadtteilfest Rintheim am 6. Oktober 2012, das die beiden Grundschulen Rintheims über die Forststraße verband. Das Fest wurde von Herrn Bürgermeister Michael Obert eröffnet. Bei den Vorbereitungen des Festes wirkte das Stadtteilteam in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein als Organisatoren – auch alle anderen Stadtteilakteure waren eingebunden und beteiligten sich aktiv an den Planungen. Jeder Verein und jede Institution steuerte Programmpunkte zu dem Fest bei. Insgesamt waren über 100 Akteure und Stadtteilbewohnerinnen und -bewohner an dem Tag des Festes ehrenamtlich aktiv. Das Fest hatte zum Ziel, die beiden Grundschulen miteinander zu verbinden, die Bewohnerinnen und Bewohner des Rintheimer Feldes und Alt-Rintheims stärker mit dem jeweils anderen Teil des Quartiers vertraut zu machen, die Bewohnerschaft des Rintheimer Feldes für das Thema der Stadtentwicklung zu sensibilisieren und durch die gemeinsame Planung und Organisation des Festes die Netzwerkarbeit zu stärken. Offizieller Anlass für die gemeinsame Feier war der Abschluss der Sanierungsmaßnahmen aus der Grundschule Rintheim und das 50-jährige Bestehen der Heinrich-Köhler-Schule Rintheim. Zentrales Anliegen waren jedoch gemeinsame Aktivitäten und Vorhaben, die Zusammenarbeit und das Zusammenkommen der beiden Stadtviertel. Entlang der Forststraße wurden verschiedene Spielstationen und andere Aktionen für Kinder angeboten – Kinderschminken, Basteln, Dosenwerfen, Bobby-Car- Rennen und ein Luftballonwettbewerb. Zudem wurde eine Hüpfburg errichtet, es gab Quizstände, Essen und Getränke. Weitere Attraktionen waren das Grundschulmuseum an der Grundschule Rintheim sowie das Bühnenprogramm auf dem Schulhof der Tulla-Realschule. Das Fest wurde unterstützt von der Stadt Karlsruhe und der VOLKSWOHNUNG GmbH. Das Fest in zahlen Fotorätsel: 72 abgegebene Karten Fotowettbewerb: 88 abgegebene Karten Stempel-Rallye: 82 abgegebene Karten Luftballon-Wettbewerb: rund 200 Ballons wurden als Gruß aus Rintheim in die Luft geschickt Bühne: zwischen 11 und 16 Uhr gab es rund 16 Programmpunkte mit 250 Akteuren Bungee-Trampolin: Teilnahme von ca. 100 Kindern Besucher: ca. 1.000 Gäste (geschätzt) Essen: 600 Essen wurden ausgegeben Das Stadtteilfest war ein großer Erfolg und soll möglichst im Zwei-Jahres-Rhythmus fortgesetzt werden. 2013 fand – wie bereits 2011 – ein gemeinsames Fest aller Vereine in der Dreschhalle statt. 2014 soll es dann voraussichtlich im Oktober wieder ein Stadtteilfest geben. Zur Erleichterung der Organisation hat das Stadtteilmanagement die gesamte Organisation des Festes in einem Handbuch festgehalten, das dem Bürgerverein zur weiteren Verwendung überreicht wurde. 36 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 4.6.6. Aktivierung aller Bevölkerungsgruppen Die Bewohnerschaft des Rintheimer Feldes lässt sich nur schwer aktivieren. Dies erforderte kreative Methoden und innovative Strategien aber auch Kontinuität. Vor diesem Hintergrund wurde das STÄRKEN vor Ort Projekt „M³ - Migrantinnen machen mit“ von Frau Benzarti in Zusammenarbeit mit dem Stadtteilmanagement entwickelt. Ziel des Projektes war es vor allem, die sprachliche Kompetenz und das Selbstbewusstsein von Frauen mit Migrationshintergrund weiter zu stärken sowie Kontakte zu Einrichtungen im Stadtteil herzustellen, die für den beruflichen (Wieder)Einstieg der Frauen hilfreich sein können. Trotz intensiver Werbung im Vorfeld des ersten Treffens durch persönliche Ansprache der Zielgruppe, durch Flyer und Plakate und trotz der Zusagen einiger Frauen blieb zunächst die Beteiligung aus. Um die Zielgruppe zu erreichen, wurde im Folgenden unter anderem Kontakt mit der DITIB Moschee aufgenommen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Moschee keine Anlaufstelle für Frauen aus dem Rintheimer Feld ist. Schließlich wurde versucht, über die Hausaufgabenbetreuung und vor allem über Frau Benzarti, die Mitglied im Integrationsbeirat der Stadt Karlsruhe ist und als Mieterbeirätin der VOLKSWOHNUNG GmbH selbst im Rintheimer Feld lebte, Frauen durch persönliche Ansprache zu erreichen und in das Projekt einzubinden. Auch dies blieb erfolglos. Erst durch einen niederschwelligen Ansatz – ein gemeinsames Waffelbacken vor dem Sanierungsbüro im Juni 2010 – gelang es, die Zielgruppe zu erreichen. Die Mobile Spielaktion Karlsruhe stellte für die Aktion verschiedene Außenspielgeräte zur Verfügung und es fand ein Trommelworkshop statt. Die Gespräche mit den Teilnehmerinnen zeigten, dass diese oft einer beruflichen und familiären Mehrfachbelastung amt FüR StaDtentwicklung | 37 www.karlsruhe.de ausgesetzt sind, die ihnen kaum Zeit und Raum lässt, über Fragen der persönlichen Weiterentwicklung oder über die Stadtteilentwicklung nachzudenken. Im Sinne der Kontinuität und Nachhaltigkeit wurde dieser niederschwellige Ansatz in verschiedenen Aktionen (Kürbisfest, Winterleuchten, Spielplatzfeste etc.) aufgegriffen und damit fortgesetzt. Eine Beteiligung von Migrantinnen und Migranten im eigentlichen Sinne der Interessenswahrnehmung konnte jedoch nicht erreicht werden. 4.6.7 Netzwerkarbeit Bereits vor Beginn des Beteiligungsverfahrens hatte der Bürgerverein Rintheim einen „Runden Tisch“ etabliert, dem die wesentlichen Rintheimer Akteure angehörten. Im Verlauf des Beteiligungsprozesses wurde jedoch beklagt, dass nahezu alle Akteure große Schwierigkeiten haben, die Bewohnerschaft im Rintheimer Feld mit ihren Angeboten zu erreichen. Die verschiedenen Beratungs-, Unterstützungs- und Vereinsangebote werden kaum angenommen. Die STÄRKEN vor Ort Projekte fanden im Stadtteil teilweise nur sehr mühsam Mitwirkende. Um die Rintheimerinnen und Rintheimer besser zu erreichen und für die Angebote zu aktivieren sowie durch eine konzertierte gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit gegenseitig auf Angebote aufmerksam zu machen und damit die Identität im Stadtteil zu stärken, wurde zunächst das „Netzwerk Rintheim“ gegründet, das später zu „Aktiv für Rintheim“ und schließlich zum „Netzwerk MIR“ umbenannt wurde. Die Netzwerkpartner konzipierten und organisierten gemeinsame niederschwellige Veranstaltungen und Aktionen im Rintheimer Feld und setzten sich anfänglich für ein gemeinsames Auftreten in Form einer konzentrierten Öffentlichkeitsarbeit ein. Hierfür wurden gemeinsam Ideen und Vorschläge entwickelt, die jedoch nicht zur Umsetzung kamen. Die Netzwerkarbeit gestaltete sich recht schwerfällig. Unter den Akteuren zeigte sich teilweise Ablehnung gegen ein Netzwerk, in dem alle Akteure gleichberechtigt unter einem Dach mitwirkten, auch gab es Namens- und Interessenskonflikte. Auch am Ende des Beteiligungsprozesses verstehen sich die Akteure des Netzwerkes MIR mehr als Arbeitskreisteilnehmer und weniger als Netzwerkpartner. Das erhoffte Ziel des Aufbaus eines Netzwerkes zur Bündelung der Kräfte, Verbesserung und Intensivierung der Zusammenarbeit sowie des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Identifikation konnte damit nur annäherungsweise erreicht werden. Dennoch konnte der Akteurskreis des „Runden Tisches“ durch die Netzwerkarbeit und die Arbeitskreissitzungen im Rahmen des Prozesses gestärkt werden. 38 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 4.6.8 Weitere Themenansätze Im Rahmen der Projektgruppen- und Arbeitskreissitzungen „Kinder und Jugendliche“ sowie „Miteinander in Rintheim (MIR)“ wurde eine Vielzahl weiterer Themen angesprochen und teilweise vertieft. Zu nennen ist hier das Thema Öffent- lichkeitsarbeit – im speziellen Stadtteillogo und Internet (vgl. Kapitel 4.4). Neben den bereits aufgeführten Leitthemen und Stadtteilfestivitäten befasste sich der Arbeitskreis mit folgenden Inhalten: concierge-Dienst Zur Förderung des interkulturellen und generationen- übergreifenden Zusammenlebens und zur Verminderung der Anonymität im Rintheimer Feld wurde vom Arbeitskreis MIR die Idee eines Concierge-Dienstes in den Hochhäusern des Rintheimer Feldes verfolgt. Aufgaben eines solchen Concierge sollte es unter anderem sein, für die Einhaltung der Hausordnung zu sorgen sowie Ansprechpartner für Anliegen der Mieter und Mittler zur VOLKSWOHNUNG GmbH zu sein. Mit der Einrichtung des Mieterservice-Büros am Staudenplatz sind einige dieser Aufgaben bereits abgedeckt. Das Projekt wurde daher nicht weiter verfolgt. Lehrgarten Die Idee eines Lehrgartens wurde als Beitrag zur Stärkung der sozialen Kompetenz aber auch als Chance für niederschwellige Bildungsangebote gesehen. Ziel war der Aufbau eines solchen Lehrgartens in Kooperation mit den Schulen und die Sicherstellung des dauerhaften Betriebs. In der Tulla- Realschule gibt es einen Lehrgarten, dessen Öffnung in den Stadtteil jedoch nicht befürwortet wurde. Eine Bewohnerin Alt-Rintheims erklärte sich bereit, ihren Garten für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Es fanden verschiedene Gespräche statt, leider konnten die beiden Initiatoren des Projektes keine Mitstreiter finden und sahen sich selbst nicht in der Lage, einen Garten dieser Größenordnung zu bewirtschaften. Das Thema wurde daher nicht weiter verfolgt. Spielecontainer Ziel war es, einen ausrangierten Bauwagen zusammen mit Kindern, Jugendlichen und Müttern zu einem Spielecontainer umzugestalten. Der Spielecontainer sollte entsprechende Spielgeräte für Kinder- und Jugendliche beherbergen und in Selbstverwaltung von Müttern und Jugendlichen geführt werden. Auf rein ehrenamtlicher Basis ohne finanzielle und personelle Unterstützung war das Projekt angesichts der mangelnden Beteiligung von Eltern im Rintheimer Feld nicht umzusetzen. Sprach- und Kulturförderung Über das Programm STÄRKEN vor Ort wurden Sprachkurse und Theaterprojekte im Stadtteil angeboten. Die Ideen und Projekte sollten jedoch weitergeführt und Möglichkeiten gefunden werden, die Angebote möglichst längerfristig im Stadtteil zu verankern. Das Thema wurde nicht weiter verfolgt. Leseförderung Grundsätzlich gibt es in Rintheim einen Bücherbus sowie Schulbüchereien. Deshalb ist eine Stadtteilbibliothek eigentlich nicht notwendig. Der Wunsch wurde dennoch in der Bürgerschaft formuliert und daher im Rahmen des Arbeitskreises thematisiert. Es wurde insbesondere darauf eingegangen, wie das Interesse am Lesen bei jungen Menschen geweckt werden kann und wie sich hierzu Projekte initiieren lassen. Die Grundschule Rintheim hat sich inzwischen als „Leseschule“ profiliert. Die Heinrich-Köhler- Schule eröffnete eine neue Schülerbibliothek. Der Bürgerverein Rintheim ist bestrebt, am Standort der Wendeschleife („Platz der Rintheimer Einheit“) einen öffentlichen Bücherschrank für den Stadtteil zu etablieren. Mitternachtssport Ziel war das Öffnen der Turn- und Sporthallen für Jugendliche auch ohne Vereinszugehörigkeit am (späten) Abend. Zusätzlich sollten Sportmöglichkeiten für Mädchen angeboten werden. Hierzu fanden Gespräche mit dem ortsansässigen TSV statt. Das Vorhaben wurde jedoch nicht weiter verfolgt. Stadtteilwerkstatt Idee war die Einrichtung einer Stadtteilwerkstatt mit Grundausstattung zum Erlernen handwerklicher Fertigkeiten (Fahrrad-, Inliner-, Skateboardreparatur, Holzarbeiten, Renovierungen). Tatsächlich konnte sich im Rahmen des Prozesses eine geeignete Person finden, die eine Kreativwerkstatt für Kinder und Jugendliche mit Holz- und Metallarbeit ehrenamtlich betreuen würde. Leider konnten bislang keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden werden, die kostenfrei zur Verfügung gestellt werden konnten – geprüft wurde die Situation am Staudenplatz, an den Schulen sowie in einem für soziale Zwecke angebotenen Privatgarten. amt FüR StaDtentwicklung | 39 www.karlsruhe.de 4.7 Arbeitskreis: Städtebau, Freiraum, handel Anders als im Arbeitskreis MIR, konnte mit der Diskussion und intensiven öffentlichen Behandlung städtebaulicher Themen erst mit der Aufnahme in das Förderprogramm begonnen werden. Bis zur Programmaufnahme wurde im städtebaulichen Bereich lediglich die Nord-Süd-Achse und der Freiraum im Rintheimer Feld im Rahmen der Projektgruppe thematisiert, da diese nicht unmittelbar von einer Förder- zusage abhängig waren und auch im Kontext zu einer Mehrfachbeauftragung der VOLKSWOHNUNG GmbH für die Brachfläche an der Forststraße standen. Der Arbeitskreis startete nach Aufnahme in das Soziale-Stadt- Programm mit der Auftaktsitzung am 28. Oktober 2010. Zunächst wurde das aus den vorbereitenden Untersuchungen entwickelte Maßnahmenpaket vorgestellt. Da sich die zentralen Freiraumflächen des Sanierungsgebietes zum Großteil im Eigentum der VOLKSWOHNUNG GmbH befinden, ist deren Umgestaltung nicht förderfähig. Der Schwerpunkt des Maßnahmenpakets lag aufgrund der eingeschränkten Handlungsfähigkeit auf Maßnahmen an den räumlichen Schnittstellen und Übergängen zu angrenzenden Quartieren bzw. zum Stadtviertel Alt-Rintheim. Die punktuellen Maßnahmen an den Schnittstellen der Quartiere sollten sich gegenseitig zu einem Netz aus aufgewerteten Situationen ergänzen sowie Verknüpfungen und lokale Verbesserungen bewirken (Anbindung, Querungen, Orientierung). Ein mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickeltes übergeordnetes Erscheinungsbild sollte die Verknüpfung der räumlichen Situationen „visuell“ unterstützen, die Orientierung im Gesamtzusammenhang verbessern und zur Stärkung der lokalen Identität des gesamten Stadtteils beitragen. Anhand von Skizzen und Plänen wurden Aufwertungs- maßnahmen zu verschiedenen räumlichen Situationen aus dem Maßnahmenkatalog der Sanierung vorgestellt und diskutiert. Ebenso wurden Rückmeldungen zu Prüfaufträgen gegeben sowie daraus resultierende Alternativplanungen aufgezeigt. 40 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 4.7.1. Nord-Süd-Verbindung und Wegeführung im Rintheimer Feld Im Rahmen der Diskussionen zur Aufwertung des Freiraums wurde die Idee zu einer als „Nord-Süd-Achse“ bezeichneten Wegeverbindung aufgegriffen, die bereits in der vorgelagerten Bürgerbeteiligung wie auch in den Überlegungen der VOLKSWOHNUNG GmbH eine Rolle spielte. Als konkrete Vorschläge für die Nord-Süd-Achse wurden u.a. genannt: Aufbau einer ablesbaren Nord-Süd-Achse vom Hirtenweg bis zur Forststraße. Aufwertung der Freiräume als „Perlen“ innerhalb einer Kette von Freiräumen in der zentralen Nord-Süd-Achse. Der Staudenplatz soll in Abhängigkeit der weiteren städtebaulichen Entwicklung aufgewertet werden. Der großzügige Freiraum nördlich der Heilbronner Straße soll unbebaut bleiben und für Freiraumangebote genutzt werden. Entwicklung von Angeboten für Erwachsene nördlich der Heilbronner Straße (Boule, Grillen, Schach) oder im Umfeld des Heinz-Schuchmann-Hauses. Entwicklung eines Treffpunkts mit Pavillon nördlich der Heilbronner Straße (Grillen, hier gegebener Abstand zur angrenzenden Bebauung), jedoch für Jugendliche nicht interessant (Lärmentwicklung). Schaffen von spezifischen Angeboten für unterschiedliche Altersgruppen innerhalb des Freiraums mit guter Qualität, gleichzeitig aber auch Beibehalten von nutzungsoffenen, nicht definierten Freiraumzonen. Zusätzliche Sitzgelegenheiten. Entwicklung einer barrierefreien Zone („Rundparcours“ südlich Heinz-Schuchmann-Haus), mit Bewegungsangeboten für Seniorinnen und Senioren. Die Ideen dieser zentralen Wegeverbindung wurden im Rahmen des Freiraumkonzepts durch die VOLKSWOHNUNG GmbH aufgegriffen. Das Freiraumkonzept sieht mit der Nord-Süd-Verbindung ein zentrales „Rückgrat“ vor, das die zusammenhängenden Freiflächen gliedert, verschiedene Angebote und Freiraumbereiche verbindet, innere Wege bündelt und so der Orientierung im Rintheimer Feld dient. Darüber hinaus ist vorgesehen, ergänzende Angebote z.B. für ältere Kinder und Jugendliche aber auch für Erwachsene sowie Seniorinnen und Senioren zu integrieren. Die Achse soll in verschiedene Teilbereiche gegliedert werden und so einen vielseitigen Charakter erhalten. Die gewünschte gestalterische Durchgängigkeit wird durch die Anwendung von einheitlichen Gestaltungselementen wie Bodenbelägen, aber auch Stadtmöbeln und Leuchten aus dem abgestimmten Erscheinungsbild/CI für Rintheim gewährleistet. Die Visualisierungen geben einen Eindruck von dem möglichen künftigen Erscheinungsbild der Nord-Süd-Achse. Der südliche Bereich soll mit Sanierungsmitteln im Sinne der Anregungen aus der Bürgerbeteiligung mit verschiedenen Aufenthaltsqualitäten und Angeboten (Sitzgelegenheiten, Spielplätzen) unter Federführung der Stadt Karlsruhe und in Abstimmung mit der VOLKSWOHNUNG GmbH und der Karl Friedrich-, Leopold- und Sophien-Stiftung Karlsruhe als Eigentümer des Heinz-Schuchmann-Hauses entwickelt und umgesetzt werden. Im Zuge der Gestaltung der Nord-Süd- Verbindung soll auch der Bereich des Staudenplatzes (im amt FüR StaDtentwicklung | 41 www.karlsruhe.de Eigentum der Stadt Karlsruhe) neu geordnet werden, hierzu sind jedoch noch eigentumsrechtliche Fragen im Bezug auf die angrenzende Bebauung zu klären. Auch die Wegeverbindungen im übrigen Quartier sollen verbessert werden. Auf Wunsch der Bürgerinnen und Bürger sind die Wege zwischen der Haltestelle Haid-und-Neu-Straße und der Nord-Süd-Verbindung im Interesse der Orientierung so zu gestalten, dass eine attraktive und erkennbare Verbindung entstehen soll, die auch von Radfahrern genutzt werden kann. Auch die Anbindung an den Hirtenweg als nördlicher Abschluss der Nord-Süd-Verbindung soll nach Ansicht der Bürgerinnen und Bürger genau betrachtet werden. Die Anregungen aus der Bürgerbeteiligung sollen einerseits in den städtischen Planungen zur Gestaltung der westlichen Forststraße (im Abschnitt zwischen Haid-und-Neu-Straße und Mannheimer Straße) wie auch in den vertiefenden Planungen der VOLKSWOHNUNG GmbH zu einer Ost-West-Verbindung im Rintheimer Feld aufgenommen werden. 4.7.2 Studentisches Projekt „Neue Mitte Karlsruhe-Rintheim“ Im Frühsommer 2010 wurde ein vom Stadtteilmanagement in Kooperation mit der Hochschule für Technik Stuttgart ein Entwurfsprojekt durchgeführt. Etwa 20 Studierende der Architektur und Stadtplanung setzten sich unter dem Titel „Neue Mitte Karlsruhe-Rintheim“ mit der Frage auseinander, wo und wie in Rintheim eine dem ganzen Stadtteil dienende Quartiersmitte zu entwickeln wäre. Im Rahmen dieses Projektes fand ein reger Austausch mit der Öffentlichkeit statt. So wurde in einem Stadtteilspaziergang im März 2010 gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern den Studierenden der Stadtteil nahegebracht sowie erste Bürgermeinungen und Ideenansätze aufgegriffen. In einem Planungsworkshop im Sanierungsbüro und im Gemeinschaftsraum der VOLKSWOHNUNG GmbH im Mai 2010 wurden dann erste Entwurfsideen durch die Studierenden „vor Ort“ entwickelt und mit Rintheimer Bürgerinnen und Bürgern anhand von Arbeitsmodellen und Skizzen diskutiert. Die in den folgenden Wochen ausgearbeiteten Entwürfe wurden im Rahmen der dritten Stadtteilkonferenz im Juli 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt und erläutert. Die Anregungen aus dem Projekt fanden teilweise Eingang in die Mehrfachbeauftragung der VOLKSWOHNUNG GmbH für die Neubebauung an der Forststraße und werden auch im Zuge der anstehenden Neuordnung des Staudenplatzes aufgegriffen. 42 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 4.7.3 Gestaltungselemente (cI für Rintheim) Zur Entwicklung eines übergeordneten Erscheinungsbildes als Teil einer „Corporate Identity (CI)“ setzte das Stadtteil- management anhand von Fallbeispielen Impulse für gestalterische Maßnahmen, z.B. hinsichtlich einheitlicher und wiederkehrender Stadtmöbel, Wegweiser, räumlicher Markierungen an wichtigen Orten etc. Vorstellbar waren Systeme mit Schrift und Farbkonzept sowie künstlerische Objekte. Der Ansatz eines übergeordneten CI-Konzeptes, das in seiner Ausgestaltung durchaus „mutig“ sein und „Zeichen setzen“ soll, wurde von den Bürgerinnen und Bürgern befürwortet. Die gestalteten Objekte und Maßnahmen sollten aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger nicht als reine Kunstobjekte „zum Selbstzweck“ dienen, sondern mit Funktionen versehen sein. Hierfür hat die Stadtverwaltung in Abstimmung mit der VOLKSWOHNUNG GmbH ein geeignetes Sitzmöbel sowie eine Stelenleuchte ausgewählt und im Arbeitskreis vorgestellt. Diese Elemente sollen an mehreren Standorten im Zuge der Neugestaltung zum Einsatz kommen. Als Standorte vorgesehen sind das Ladenvorfeld am Hirtenweg, die Wendeschleife, die Nord-Süd-Verbindung im Rintheimer Feld mit dem künftigen Stadtteilplatz an der Forststraße sowie die nicht im Sanierungsgebiet liegende Kreuzung Forststraße / Rintheimer Hauptstraße („Rathausplatz“) in Alt-Rintheim. (Die Planung hierzu läuft außerhalb des Sanierungsverfahrens, soll aber in einem gestalterischen Kontext zu den Maßnahmen der Sanierung stehen.) Als Sitzmöbel im einheitlichen CI vorgesehen sind Beton- blockbänke mit Holzauflage in Rintheimer Farben. Die Betonblöcke sollten mit dem im Prozess entwickelten Stadtteillogo bedruckt werden. Da aus dem Prozess kein einheitliches Logo hervorging, einigte man sich abschließend auf den Schriftzug „Rintheim“. Da die voraussichtlichen Kosten des Aufdrucks allerdings ein Vielfaches der Bank selbst betrugen, wurde die Idee am Ende wieder verworfen. 4.7.4 Vorfeld Ladenzeile hirtenweg Das Stadtteilmanagement stellte den Bürgerinnen und Bürgern anhand von Fotoskizzen zunächst anschaulich die Ausgangssituation und die Wirkung erster Veränderungen z.B. im Belag und in der Möblierung des Ladenvorfeldes dar. Die Gestaltung der umgebauten Wendeschleife wurde in diesem Kontext „mitgedacht“. Mit den Bürgerinnen und Bürgern wurde auch die Wegeführung thematisiert, insbesondere die des Radverkehrs, sowie die Möblierung (Sitzgelegenheiten, Beleuchtung, Radständer, Abfallbehälter). Auf Basis der Diskussionen mit den Bürgerinnen und Bürgern entstand eine erste Planskizze, die mit den Fachabteilungen der Verwaltung abgestimmt wurde. Die daraus resultierenden Erkenntnisse wurden in Varianten aufgearbeitet und erneut in der Bürgerschaft diskutiert. Die Pläne wurden schließlich von der Stadtverwaltung überarbeitet und zur Ausführungsplanung weiterentwickelt. Die Umsetzung der baulichen Maßnahmen erfolgte im Frühjahr 2013 und stellt die erste Projektrealisation im Zuge des Sanierungsverfahrens dar. Durch eine Neugestaltung der Oberflächen und die Aus- weitung der Außengastronomie der Bäckerei konnte die Aufenthaltsqualität des Ladenvorfelds deutlich gesteigert werden, sowohl im Sinne eines öffentlichen Ortes der Begegnung als auch als Adresse für die Ladenzeile. Die bestehenden Rasenflächen wurden begrenzt und reduziert sowie teilweise neu strukturiert. Die Wegeführung und Möblierung (Fahrradabstellmöglichkeiten, Briefkasten, Müllbehälter) wurden geordnet. Leuchtstehlen und Sitzbänke im Rintheimer CI ergänzen die Planungen. amt FüR StaDtentwicklung | 43 www.karlsruhe.de 4.7.5 Wendeschleife Die Gestaltung des Innenbereichs der Wendeschleife wurde in zwei Sitzungen des Arbeitskreises diskutiert, wobei die zweite Veranstaltung im Rahmen des Bürgertreffs Rintheim gemeinsam mit dem Bürgerverein durchgeführt wurde. Der Bereich bei der Wendeschleife wurde bereits in den früheren Phasen der Bürgerbeteiligung unter dem Titel „Platz der Rintheimer Einheit“ als bedeutendes Potenzial für das Zusammenwachsen Rintheims benannt. Im Arbeitskreis wurden mit den Bürgerinnen und Bürgern die Eigenschaften des Ortes als Raum für Begegnung, des „Ankommens“ und „Losfahrens“ und Verbindung wichtiger Bereiche im Stadtteil beleuchtet, auch z.B. des Rintheimer Nordens. Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die Verkehrssicherheit im Zusammenhang mit der Haltestelle aufgezeigt. Anhand von Beispielen und Visualisierungen wurden Nutzungsoptionen sowie gestalterische Möglichkeiten erläutert und mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Diese reichten von einer Gestaltung als ruhige grüne Zone bis hin zur Ausbildung eines eher städtischen Platzes mit „Baumdach“ und „neutraler“ Oberfläche für vielfältige Nutzungsformen wie Spiel, Aufenthalt, Marktbetrieb. Die in der Bürgerschaft durchaus kontroverse Diskussion mündete am Ende in einer baulich eher zurückhaltenden Umsetzung. Der Großteil der Fläche sollte in Abstimmung mit der Bürgerschaft als Rasenfläche erhalten bleiben, eine größere Platzfläche wurde mehrheitlich nicht gewünscht. Stattdessen sollten im Randbereich an den Wegen entlang der Straßen Aufenthaltszonen mit kleineren flächigen Auf- weitungen und Sitzgelegenheiten entstehen. Vorgesehen sind zwei Sitzbänke sowie eine Beleuchtung mit Leuchtstehlen im Rintheimer CI. Im Innenbereich der Wendeschleife wurden 2.000 Narzissenzwiebeln gepflanzt. Als besonderer Baustein wurde ein öffentlicher Bücherschrank als Beitrag für einen Ort der Begegnung ins Spiel gebracht. Da der Schrank selbst nicht aus Sanierungsmitteln finanzierbar ist, wirbt der Bürgerverein mit Unterstützung der Stadtverwaltung um private Geldgeber. Die Gestaltung der Oberflächen, das Fundament des Bücher- schranks sowie geeignete Stadtmöbel können dagegen als Beitrag der Sanierung realisiert werden. 4.7.6 Querungssituation und Umbau der Mannheimer Straße Die Mannheimer Straße ist die zentrale Zufahrt in den ganzen Stadtteil. Sie stellt in ihrem derzeitigen Erscheinungsbild eine Barriere zwischen Alt-Rintheim und Rintheimer Feld vor allem für Kinder dar. Dies wurde in der Bürgerschaft vor allem im Hinblick auf die Gestaltung des Straßenraums, den überwiegend schlecht markierten Querungsmöglichkeiten und dem hohen Verkehrsaufkommen bei nicht immer angemessener Fahrgeschwindigkeit auf überdimensionierten Fahrstreifen thematisiert. Die Bürgerinnen und Bürger disku- tierten die Aufwertung und Verbesserung der Querungs- situationen an den Einmündungen der Rintheimer Haupt- straße, der Forststraße, dem Huttenweg und der Heilbronner Straße anhand von Skizzen und Visualisierungen. Dabei stellte sich heraus, dass die seitens der Bürgerinnen und Bürger gewünschte Betonung der Querungen durch Farb- oder Materialwechsel im Straßenbelag aus verkehrstechnischen und -rechtlichen Gründen nicht umsetzbar ist. Die in diesem Zusammenhang ebenfalls seitens der Bürgerschaft angeregte Verengung der Fahrbahn durch „Antritte“ für Fußgänger (punktuelle Verbreiterungen der Gehwege) mit „bremsender“ Wirkung für den Autoverkehr kann jedoch umgesetzt werden. Ein für Planung und Umsetzung bestimmender Faktor – sowohl in der gestalterischen Ausprägung wie auch im zeitlichen Ablauf – ist die Gleismittenerweiterung der Verkehrsbetriebe im Zuge der Umstellung der Linie 5 auf neue Niederflurbahnen. Die hierfür erforderliche Verbreiterung des Gleisbetts bewirkt eine zusätzliche Verengung der beidseitigen überdimensionierten Fahrstreifen der Mannheimer Straße auf ganzer Länge, was einer von den Bürgerinnen und Bürgern mehrheitlich gewünschten Abbremsung des Fahrverkehrs im Sinne der Tempo-30-Zone entgegenkommt. Diese Wirkung wird im Zuge der Sanierungsmaßnahmen durch die Ausbildung der oben genannten Antritte durch die Sanierung 44 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 punktuell verstärkt. Der Zebrastreifen an der Forststraße kann nach längeren Abstimmungsrunden erhalten bleiben, obwohl das in einer 30er Zone eigentlich nicht üblich ist. Am östlichen Rand des Gleisbetts (in Richtung Rintheimer Feld) wird im Zuge der Sanierungsmaßnahmen (andockend an die Maßnahme der Gleismittenerweiterung) eine zusätzliche Baumreihe im erweiterten Gleisbett gepflanzt, die das Erscheinungsbild der Mannheimer Straße als Allee deutlich aufwerten wird. Dadurch bedingt wird die Fahrbahn auch hier nochmals verengt und die Parkierung neu geordnet, was wiederum die Fahrgeschwindigkeit besonders auch im Umfeld des Standorts der Schule senken wird. Die Sanierungsmaßnahme erreicht dadurch, aber auch über die Begrünung des Gleiskörpers (Maßnahme im Zuge der Gleismittenerweiterung), eine räumliche Wirkung, die die Straßenachse der Mannheimer Straße auch in der dritten Dimension verengt und die von der Bevölkerung immer wieder massiv kritisierte „trennende“ Wirkung vermindert. Die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen an der Mannheimer Straße erfolgt in enger planerischer und zeitlicher Abstimmung mit der Gleismittenerweiterung. Beide Maßnahmen sollen im Jahr 2014 starten und im Laufe des Jahres 2015 abgeschlossen werden. 4.7.7 Brückenkopf ostring Der Brückenkopf Ostring an der Forststraße ist der Rintheimer Endpunkt der von der Oststadt kommenden Fuß- und Radwegeverbindung, die über eine Brücke den Ostring überwindet. Gleichzeitig ist dieser Ort ein wichtiger Ankunftspunkt im Stadtteil. Auch zu diesem Ort wurden anhand der vom Stadtteilteam eingebrachten Fotoskizzen zunächst ein Eindruck der Situation und die grundsätzlichen Auswirkungen gestalterischer Eingriffe erörtert. Die Bürgerinnen und Bürger plädierten dafür, die Verbindung von der Brücke kommend als Eingangssituation attraktiv und verkehrssicher zu gestalten. Im Bereich der Querung der Forststraße sollte einerseits die Blickbeziehung ins Rintheimer Feld und in die Forststraße Richtung Alt-Rintheim ermöglicht werden (Verbesserung der räumlichen Orientierung). Gleichzeitig sollten die verkehrstechnisch erforderlichen Absperrgitter in Verbindung mit einem Belagswechsel attraktiver gestaltet werden, die dortigen Stellplätze (Längsparker) weggenommen und die Fahrbahn durch die Schaffung beidseitiger „Antritte“ amt FüR StaDtentwicklung | 45 www.karlsruhe.de verengt werden. So soll die Kreuzungssituation für alle Verkehrsteilnehmer deutlicher markiert und damit auch sicherer werden. Denkbar wäre dabei eine Verschwenkung der Verbindung ins Rintheimer Feld ähnlich der Verbindung in die Forststraße Richtung Alt-Rintheim (Verteilerwirkung). Angedacht waren zu Beginn auch Infotafeln oder Stelen zur Begrüßung und Orientierung im Stadtteil. Die Anregungen aus der Bürgerbeteiligung werden in den städtischen Planungen zur Gestaltung der westlichen Forststraße (im Abschnitt zwischen Haid-und-Neu-Straße und Mannheimer Straße) wie auch in den vertiefenden Planungen der VOLKSWOHNUNG GmbH zu einer Ost-West-Verbindung im Rintheimer Feld aufgenommen. 4.7.8 Neuordnung westliche Forststraße Die Diskussion zur Gestaltung der westlichen Fortstraße im Abschnitt zwischen dem Brückenkopf Ostring und der Mannheimer Straße ergab, dass dieser Abschnitt so gestaltet werden soll, dass die Fahrtgeschwindigkeit, nicht zuletzt wegen der angrenzenden Schule, reduziert wird. Gleichzeitig darf durch die Maßnahmen kein zusätzlicher Verkehr generiert werden. Die im Arbeitskreis diskutierte Ausweisung einer verkehrsberuhigten Zone auf der gesamten Länge der westlichen Forststraße im Vorfeld des Schulstandortes ist aus verkehrsrechtlichen Gründen nicht möglich. Notwendig wird es deshalb sein, den Straßenraum im Kontext mit der Neubebauung der VOLKSWOHNUNG GmbH so zu verändern, dass ein sicheres Queren von der Nord-Süd-Achse zum Schulstandort gegeben ist und die Fahrgeschwindigkeit möglichst weitgehend über bauliche Maßnahmen reduziert wird. Die Umgestaltung dieses Abschnitts der Forststraße soll allerdings erst nach Fertigstellung der Neubebauung der VOLKSWOHNUNG GmbH erfolgen. 4.8 umsetzung von mass nahmen durch die volkswohnung g mBh Nachfolgende Projekte wurden im Zeitraum seit Beginn des Beteiligungsprozesses von der VOLKSWOHNUNG GmbH auf den Weg gebracht: Baulich-planerische Maßnahmen Energetische Sanierung und Verbesserung des baulichen Erscheinungsbildes: Die VOLKSWOHNUNG GmbH moder- nisiert im Rintheimer Feld die Wohnungsbestände. Neben Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz wird der Gebäudebestand an das Fernwärmenetz angeschlossen. Darüber hinaus werden Modernisierungen der technischen Infrastruktur, der Fassade sowie die Ergänzung oder Erweiterung von Terrassen und Balkonen vorgenommen. Teilweise kommt es zur Veränderung und Anpassung von Wohnungsgrundrissen. Freiflächenkonzept – Zielgruppenorientierte Aufwertung der Grünflächen: Für die Umgestaltung bzw. Neuordnung der Freiflächen im Rintheimer Feld hat die VOLKSWOHNUNG GmbH das Büro Ukas zur Erarbeitung einer Konzeption beauftragt. Das Freiraumkonzept sieht die Qualifizierung und zielgruppenorientierte Aufwertung der Freiräume im Rintheimer Feld vor. Dies beinhaltet die Verbesserung der Wegebeziehungen und der Orientierung, die Aufwertung und Hierarchisierung von Aufenthalts- und Ruhezonen, die Verbesserung der Spielflächenangebote sowie das Einrichten von Mietergärten. Des Weiteren vorgesehen sind mehr Fahrradabstellflächen und eine bessere Beleuchtung. Baufeld Forst-/Mannheimer Straße: Aus der Mehrfachbeauftragung für das Baufeld gingen die Entwürfe von Ackermann + Raff Architekten als Sieger hervor. Der Entwurf sieht für das Areal den Bau von 114 barrierefreien Mietwohnungen auf knapp 1.000 m² vor, die in Größe und Nutzung sowohl für die Anforderungen von Familien als auch für kleinere Haushalte ausgelegt sind. Damit soll eine Durchmischung der Mieterschaft hinsichtlich der Alters- und Sozialstruktur erreicht werden. Gleichzeitig sollen Familien im Quartier gehalten werden. Die Wohnungen sind mit großzügigen Balkonen, Loggien oder Terrassen ausgestattet. Der Stellplatzbedarf wird über Tiefgaragen abgedeckt. Um die Nahversorgung für das Gebiet zu gewährleisten, wurde in Ergänzung zur Wohnbebauung ein Nahversorger alternativ vorgesehen. Des Weiteren lockern mehrere Höfe, ein großer Quartiersplatz und ein Stadtplatz die Bebauung auf, so dass ein attraktives Quartierszentrum entsteht. 46 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Der in den Planungen der VOLKSWOHNUN GmbH vorge- schlagene Stadtteilplatz am Schnittpunkt zwischen der Nord-Süd-Verbindung und der Forststraße ist maßgeblich auch ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung. Die weitere Ausformung dieses „städtebaulichen Gelenks“ als Teil einer Verbindung zwischen Rintheimer Feld und Alt-Rintheim erfolgt in Abstimmung mit dem Planungsfortschritt der VOLKSWOHNUNG GmbH, auch vor dem Hintergrund der noch offenen Frage, ob ein Einzelhandelsangebot im westlichen Gebäude der Neubebauung realisiert werden kann. Sozialräumliche Maßnahmen Mieter-Service-Büro: Im Juli 2009 hat die VOLKSWOHNUNG GmbH ein Mieterservice-Büro am Staudenplatz eingerichtet, das als Anlaufstelle für Mieterinnen und Mieter fungiert. Ein zuständiger Kundenbetreuer ist zu bestimmten Zeiten vor Ort. Zusätzlich zu dem Kundenbetreuer hat die VOLKSWOHNUNG GmbH eine Ganztagsstelle für einen Hausmeister geschaffen, der seinen Arbeitsplatz ebenfalls im Mieterservice-Büro hat. Damit wurde der Kundenservice der VOLKSWOHNUNG GmbH deutlich verbessert. Mieterbeirat: Im Jahr 2010 wurde zur Förderung eines partnerschaftlichen Verhältnisses und besseren Miteinanders zwischen Mieterschaft und VOLKSWOHNUNG GmbH ein Mieterbeirat ins Leben gerufen. Die 19 Mitglieder im Mieterbeirat sollen als Vertrauenspersonen der Bewohnerinnen und Bewohner fungieren und als Sprachrohr für deren Wünsche und Sorgen Ansprechpartner für die VOLKSWOHNUNG GmbH sein. Laut Aussage der VOLKSWOHNUNG GmbH sind die Mieterbeiräte in der 1 Siegerentwurf Ackermann + Raff Architekten Mehrfachbeauftragung Forststra ße amt FüR StaDtentwicklung | 47 www.karlsruhe.de Mieterschaft sehr gut angesehen. Der Mieterbeirat hat sich zwischenzeitlich etabliert und ist in vielerlei Hinsicht für den Stadtteil aktiv, z.B. im Rahmen des Mittagstisches und der Seniorennachmittage. Jugendtreff Rintheim: Die VOLKSWOHNUNG GmbH hat den ehemaligen Polizeiposten am Staudenplatz erworben und rund 60.000 Euro für den Umbau in einen Jugendtreff investiert. Der Jugendraum wurde im Herbst 2009 im Rahmen des STÄRKEN vor Ort Projektes „Jugend gestaltet sich einen Raum“ von Jugendlichen selbst konzipiert. Die Räume wurden dem Stadtjugendausschuss von der VOLKSWOHNUNG GmbH mietfrei zur Verfügung gestellt (s. Kapitel 4.6.4). Wohnen im Alter: Seniorenstützpunkt „gut versorgt daheim“: In der Heilbronner Straße 22 wurden fünf Wohnungen, Büroräumen sowie ein Wohn-Café zu einem quartiersbezogenen Pflege- und Beratungsstützpunkt barrierearm umgebaut und der AWO Karlsruhe als Kooperationspartner zur Verfügung gestellt. Diese koordiniert vor Ort Hilfe- und Betreuungsangebote und pflegt die Menschen bei Bedarf rund um die Uhr. Eine Betreuungspauschale fällt dabei nicht an. Das Wohn-Café dient als zentraler Mittelpunkt zum nachbarschaftlichen Austausch, gemeinsamen Kochen, Essen und Spielen und steht allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Rintheimer Felds offen. Auf ehrenamtlicher Basis wird dort täglich ein Mittagstisch organisiert. Auch darüber hinaus basiert das Projekt „Gut versorgt daheim“ auf ehrenamtlich engagierten Menschen, die für andere da sind und Verantwortung übernehmen. Eröffnet wurde das Projekt am 1. Juli 2012. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen hat die VOLKSWOHNUNG GmbH eine Gästewohnung (Hirtenweg 14) und einen Gemeinschaftsraum in der Erdgeschosszone des Gebäudes der Heilbronner Straße 24 geschaffen. Im Gemeinschaftsraum werden mittlerweile die unterschiedlichsten Aktivitäten angeboten – so beispielsweise die Angebote zur Gesundheitsförderung durch Bewegung, Computerschulungen, eine kulinarische Weltreise u.a. Der Gemeinschaftsraum trägt somit zu einem besseren Miteinander der Mieterinnen und Mieter bei. Im Erdgeschoss der Mannheimer Straße 23 wurden im Zuge der Modernisierung Räumlichkeiten für eine Kita-Außengruppe geschaffen, die im Mai 2013 eröffnet wurde. Auch einen Flohmarkt hat die VOLKSWOHNUNG GmbH 2011 zusammen mit dem Mieterbeirat und dem Jugendtreff veranstaltet. Der Erlös aus dem Verkauf von Getränken und Kuchen kam dem Jugendtreff zugute. Mit diesen Maßnahmen wurden die Vorhaben aus dem Zehn- Punkte-Plan weitestgehend umgesetzt und den Wünschen und Anregungen aus der Bürgerschaft entsprochen. 48 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 Der Bürgerbeteiligungsprozess verlief äußerst erfolgreich. Viele Rintheimerinnen und Rintheimer beteiligten sich intensiv an den Überlegungen zu der künftigen Entwicklung ihres Stadtteils. Die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozesses können sich sehen lassen: Für den sozialen Bereich wurde ein Jugendtreff und ein Bürgertreff aufgebaut, ein stadtteilübergreifendes Stadtteilfest etabliert und eine Stadtteilinternetseite in Betrieb genommen. Das Image Rintheims wurde aufgewertet, wozu auch die umfassenden Sanierungsmaßnahmen der VOLKSWOHNUNG GmbH maßgeblich beitragen. Das soziale Leben wurde bereichert durch die Angebote der Diakonie, wie PEKiP- Gruppe, Startpunkt Elterncafé, Hausaufgabenbetreuung sowie durch die Angebote der VOLKSWOHNUNG GmbH (Mieterbeirat, Mieter-Service-Büro, Gemeinschaftsraum mit zahlreichen Angeboten, Seniorenstützpunkt, Seniorennachmittag u.v.m.). Die Projekte des Förderprogramms STÄRKEN vor Ort halfen z.B. bei der Sprachförderung und Aktivierung von Migrantinnen. Gezielt konnten niederschwellige Angebote gemacht werden, um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Die Identifikation mit dem Stadtteil konnte u.a. durch das Zusammenwirken im Bereich verschiedener sozialer Aktivitäten gestärkt werden. Der Bürgerverein hat sich bei der Umsetzung von Projekten und der Verstetigung aufgebauter Strukturen als kompetenter und kooperativer Partner gezeigt. Der Akteurskreis des bereits vor Beginn des Beteiligungsprozesses vom Bürgerverein etablierten „Runden Tisches“, konnte durch die Netzwerkarbeit und die Arbeitskreissitzungen im Rahmen des Prozesses gestärkt und im Sinne der Nachhaltigkeit und Verstetigung an den Bürgerverein zurückgeführt werden. Ebenfalls mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger wurden städtebauliche Maßnahmen geplant und teilweise bereits umgesetzt: So konnten das Vorfeld der Ladenzeile am Hirtenweg und die Wendeschleife aufgewertet und dadurch die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Weitere mit der Bürgerschaft abgestimmte Maßnahmen, wie der Umbau der Mannheimer Straße, die Verbesserung des Wege-Systems und der Freiräume im Rintheimer Feld, der sogenannte Brückenkopf Ostring und die Umgestaltung der Kreuzung Forststraße / Rintheimer Hauptstraße, sollen in den kommenden Jahren folgen. Abschließend kann festgestellt werden, dass sich einiges in Rintheim getan hat, vieles ist noch in Bewegung. Der Stadtteil stand durch den eingeleiteten Stadtteilentwicklungsprozess immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Wurde zu Beginn des Prozesses das Image des Stadtteils aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger noch beschrieben als „Rintheim, der vergessene Stadtteil“ oder „Rintheim, das 5. Rad am Wagen“ so erfuhr der Stadtteil in den vergangenen Jahren wohl mehr öffentliche Aufmerksamkeit als die meisten anderen Karlsruher Stadtteile. 5. Bilanz amt FüR StaDtentwicklung | 49 www.karlsruhe.de Die städtische Verwaltung und die VOLKSWOHNUNG GmbH schenkten Rintheim besondere Aufmerksamkeit – sei es hinsichtlich der Schulentwicklung, der Kinderbeteiligung, der Jugendarbeit oder in baulicher Hinsicht. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte auch der Gemeinderat den Stadtteilentwicklungsprozess. Und auch in der Bürgerschaft hat das Interesse am Stadtteilgeschehen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Gaben 2008 noch 37 % der Rintheimerinnen und Rintheimer an, wenig oder überhaupt kein Interesse am Stadtteilgeschehen zu haben, so waren es 2011 nur noch 9,2 % (Bürgerumfrage 2011). Partizipationsprozesse bringen für alle Beteiligten einen großen Nutzen. Die Rintheimerinnen und Rintheimer haben im Rahmen des Beteiligungsprozesses viel Positives erfahren, neue Erkenntnisse hinzu gewonnen und sich teilweise in der Gemeinschaft neu erlebt. Die Rintheimerinnen und Rintheimer haben den Beteiligungsprozess insgesamt mehrheitlich positiv aufgenommen, wie die Stimmen aus der Bürgerschaft (s. ABBILDUNG) zeigen. Die Verzögerung in der Programmaufnahme sowie die Entscheidung des Regierungspräsidiums, lediglich das Rintheimer Feld als Förderprogramm auszuweisen, haben zu einem großen zeitlichen Abstand zwischen erster Beteiligung und der Realisierung erster baulicher Maßnahmen geführt. Genau dies hätte eigentlich mit der frühzeitigen Beteiligung vermieden werden sollen. Das Vorgehen der „vorgezogenen Beteiligung“ hat damit nicht zum beabsichtigten Ziel geführt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Vorgehensweise künftig per se abzulehnen ist. Vielmehr müssen die Vorteile gegenüber den daraus möglicherweise erwachsenden Unwägbarkeiten von Fall zu Fall immer wieder neu gewichtet werden. 50 | Dokumentation DeR BüRgeRBeteiligung 2009 - 2012 amt FüR StaDtentwicklung | 51 www.karlsruhe.de 52 | titel DeR BRoSchüRe