Anfrage CDU: Stadtbibliothek - Leseverhalten von Jungen und Mädchen
| Vorlage: | 19891 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 01.04.2008 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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ANFRAGE Stadtrat Wolfram Jäger (CDU) Stadträtin Christiane Staab (CDU) Stadträtin Marianne Krug (CDU) Stadträtin Gabriele Luczak-Schwarz (CDU) CDU-Gemeinderatsfraktion vom 10. März 2008 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 49. Plenarsitzung Gemeinderat 08.04.2008 1362 35 öffentlich Stadtbibliothek - Leseverhalten von Jungen und Mädchen 1. Hat die Stadtbibliothek Unterschiede im Leseverhalten von Jungen und Mädchen festgestellt? Welche Unterschiede sind dies konkret? 2. Versucht die Stadtbibliothek, mit ihrem Programm und Leseangebot Jungen gezielt anzusprechen? Inwiefern werden Jungen bei der Bücherbeschaffung besonders berücksichtigt? Gibt es spezielle Leseveranstaltungen für Jungen und wie ist die Resonanz hierauf? 3. Wird daran gedacht, im Hinblick auf ein grundsätzlich unterschiedliches Leseverhalten von Jungen und Mädchen Veränderungen im Angebot und Programm vorzunehmen? Welche Maßnahmen sind insofern denkbar? 4. Inwieweit gibt es Überlegungen, das Thema „Leseverhalten von Jungen und Mädchen“ als Genderprojekt aufzugreifen? Umfragen und Untersuchungen belegen immer wieder, dass Jungen schon im Kindesalter weniger lesen als Mädchen. Auch zeigen Jungen oftmals ein anderes Leseverhalten bzw. bevorzugen deutlich andere Lektüre als Mädchen. Mit entsprechenden Maßnahmen und Aktivitäten sollte gezielt versucht werden, die Lust von Jungen am Lesen zu steigern. unterzeichnet von: Wolfram Jäger Christiane Staab Marianne Krug Gabriele Lucak-Schwarz Hauptamt - Sitzungsdienste - 28. März 2008 Sachverhalt/Begründung:
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Extrahierter Text
STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Wolfram Jäger (CDU) Stadträtin Christiane Staab (CDU) Stadträtin Marianne Krug (CDU) Stadträtin Gabriele Luczak-Schwarz (CDU) CDU-Gemeinderatsfraktion vom: 10.03.2008 eingegangen: 11.03.2008 Gremium: 49. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 08.04.2008 1362 35 öffentlich Dezernat 5 Stadtbibliothek: Leseverhalten von Jungen und Mädchen Angeregt durch Diskussionen in Fachkreisen beschäftigen sich die Fachkräfte der Stadtbibliothek bereits seit einigen Jahren mit dem Thema Leseförderung für Jungen. Einige Auszüge aus der Statistik der aktiven Nutzer: In der Altersgruppe der Kinder mit Leseausweis von 0 bis 8 Jahre ist das Verhältnis von Jungen und Mädchen nahezu hälftig. Bei den Neuanmeldungen in dieser Altersgruppe konnten im Jahr 2007 sogar etwas mehr männliche Leser registriert werden. Bei den 9- bis 13-Jährigen verschiebt sich das Verhältnis auf 45 % männliche Leser zu 55 % Le- serinnen; wobei im Jahr 2007 gleich viele Jungen wie Mädchen als neue Leser und Leserinnen angemeldet wurden. Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Lesestatistik der 13- bis 17-Jährigen: Hier verschiebt sich das Verhältnis von Jungen zu Mädchen deutlich auf 35 zu 65 %. Die Prozentzahlen wurden zusammenfassend dargestellt und variieren je nach Berichtsjahr ge- ringfügig. Die folgende Stellungnahme bezieht sich gemäß der Anfrage auf Kinder bis ca. 13 Jahre. Die gravierenden Unterschiede bezüglich Lesehäufigkeit und Leseverhalten von Mädchen und Jungen mit Beginn der Pubertät sind Gegenstand anderer Untersuchungen. Dies vorausgeschickt nun zu den einzelnen Fragen: 1. Hat die Stadtbibliothek Unterschiede im Leseverhalten von Jungen und Mädchen fest- gestellt? Welche Unterschiede sind dies konkret? Bis zum Alter von etwa 10 Jahre sind keine Unterschiede in der Lesehäufigkeit von Jungen und Mädchen festzustellen. Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter lassen sich allgemein schnell begeistern für Geschichten. Ab etwa 10 Jahre lässt das Interesse von Jungen an Büchern leicht nach, signifikant geringer wird das Leseinteresse mit dem Eintritt in die Pubertät. 2. Versucht die Stadtbibliothek, mit ihrem Programm und Leseangebot Jungen gezielt an- zusprechen? Inwiefern werden Jungen bei der Bücherbeschaffung besonders berück- sichtigt? Gibt es spezielle Leseveranstaltungen für Jungen und wie ist die Resonanz hierauf? Das Medienangebot der Stadtbibliothek bedient die verschiedenen Themen und Interessen von Jungen und Mädchen gleichermaßen. Es werden fast alle „Jungenbücher“ gekauft, die im Buch- handel erhältlich sind. Mit zunehmendem Alter lassen sich die speziellen Leseinteressen von Jun- Seite 2 gen an bestimmten Genres festmachen. Diese Bücher sind in allen Einrichtungen der Stadtbiblio- thek vorhanden und ausleihbar: Detektivserien, Wilde Kerle, Mangas, Fantasy, Fußballgeschichten, Horror, Abenteuer, Sachbü- cher zu Technik, Sport, Maschinen, Ritter und Burgen, Naturphänomene etc. Die Stadtbibliothek führt zahlreiche Kinderveranstaltungen durch, die jungengemäße Themen zum Inhalt haben, ohne Mädchen von der Teilnahme auszuschließen. Veranstaltungen, an denen Jun- gen überproportional viel teilnehmen, sind zum Beispiel die Halloween-Nacht, Lesungen rund um Piraten, Harry Potter, Krimis, Veranstaltungen zum Thema Feuerwehr oder Fußballgeschichten mit den Jungspielern des KSC, Vorleseaktionen zum Mittelalter sowie die kleine PC-Werkstatt. Diese Angebote werden von Jungen bis maximal 13 Jahre gut angenommen, danach gibt es den beschriebenen Interessensbruch. Bei Veranstaltungen für größere Kinder ist allgemein zu beobachten, dass die Teilnehmerzahl auch bei den Mädchen zurückgeht. 3. Wird daran gedacht, im Hinblick auf ein grundsätzlich unterschiedliches Leseverhalten von Jungen und Mädchen Veränderungen im Angebot und Programm vorzunehmen? Welche Maßnahmen sind insofern denkbar? Das unterschiedliche Leseinteresse von Jungen und Mädchen wird bereits seit Jahren beim Be- standsaufbau, d. h. im Bücherangebot, berücksichtigt. Es gehört zur Kernaufgabe der Bibliothek, Jungen und Mädchen gleichermaßen hinsichtlich Leselust und Lesekompetenz zu fördern. Ähnli- ches gilt für das Vorlese- und Veranstaltungsprogramm, das kontinuierlich Themen aufgreift, für die sich Jungen begeistern können. Wesentliche Veränderungen im Angebot sind nach derzeiti- gem Stand nicht notwendig, geschlechterspezifische Überlegungen werden aber in Zukunft noch mehr in die Programmgestaltung einfließen. Bibliothekarinnen der Stadtbibliothek haben im letzten Jahr an Fortbildungen zum Thema Jungen- förderung teilgenommen und überprüfen derzeit die Umsetzung weiterer Ideen. Nach Aussage von Experten muss Leseverhalten im Kontext von Mediennutzungsverhalten gese- hen werden. Kinder verhalten sich „multimedial“; sie brauchen Bücher und sehen sich ernst ge- nommen, wenn daneben auch entsprechend DVDs, PC- und Konsolenspiele in der Bibliothek zur Verfügung stehen. Z. Z. experimentieren einige norddeutsche Jugendbibliotheken damit, in ihren Beständen wesent- lich mehr elektronische Medien anzubieten als bisher üblich, um insbesondere für männliche Ju- gendliche attraktiv zu sein. Elektronische und AV-Medien machen hier teilweise bis zur Hälfte des Gesamtangebots aus. 4. Inwieweit gibt es Überlegungen, das Thema „Leseverhalten von Jungen und Mädchen“ als Genderprojekt aufzugreifen? Die Stadtbibliothek hat in den vergangenen Jahren zwei Genderprojekte initiiert und fachlich be- gleitet. Beide Projekte wurden mit Jugendlichen ab 13 bzw. 16 Jahren durchgeführt. Die Maßnahmen erwiesen sich als sehr personalintensiv und konnten nur durch Fördermittel der Landesstiftung Baden-Württemberg bzw. des Europäischen Sozialfonds finanziert werden. Für das letztere Projekt „Change it“ von 2007 liegt eine ausführliche Dokumentation vor. Bei ent- sprechender Finanzierung sind weitere Projekte denkbar.