Klimaschutzkonzept Karlsruhe: Synopse verschiedener Klimaschutzkonzepte für Karlsruhe
| Vorlage: | 19852 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 31.03.2008 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Hagsfeld, Innenstadt-West, Knielingen, Neureut, Oberreut, Oststadt, Rüppurr, Südstadt, Waldstadt, Weststadt, Wolfartsweier |
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 49. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 08.04.2008 1335 10 b öffentlich Dez. 2 Klimaschutzkonzept Karlsruhe Synopse verschiedener Klimaschutzkonzepte für Karlsruhe Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für Umwelt und Gesundheit 14.02.2008 1b Kenntnisnahme Gemeinderat 08.04.08 10 b Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss In ihrem „Bericht über Klimaschutzaktivitäten in Karlsruhe“ hat die Stadtverwaltung zahlrei- che bereits begonnene bzw. geplante Maßnahmen aufgezeigt. Ebenso beinhaltet der Be- richt unter „Aussichten“ weitere Maßnahmen, die zukünftig vorstellbar sind. Seitens privater Umweltorganisationen (hier BUND und AGENDA 21) wurden ebenfalls Be- richte herausgegeben, in denen Maßnahmen genannt werden, die die Stadt Karlsruhe um- setzen soll. (Die Berichte von BUND und AGENDA 21 sind als Anlage 1 und 2 beigefügt.) In einer Synopse (Anlage 3) werden die Maßnahmen der Stadtverwaltung den Forderungen der Verbände gegenübergestellt. In vielen Punkten stimmen die Absichten der Stadt mit den Forderungen der Verbände überein. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat nimmt die Vorlage zur Kenntnis . Hauptamt - Sitzungsdienste - 28. März 2008
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Karlsruher Klimaschutzkonzept 2007 - Forderungen und Vorschläge der Lokalen Agenda 21 - Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Karlsruher Klimaschutzkonzept 2007 - Forderungen und Vorschläge der Lokalen Agenda 21- Zusammenfassung An erreichte Erfolge anknüpfen Der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe hat am 26.Oktober 1999 einstimmig das Agenda- 21-Konzept „Energie und globaler Klimaschutz“ beschlossen, mit folgenden Zielen: 1. Reduzierung der CO 2 -Emissionen bis zum Jahr 2005 gegenüber dem internationalen Bezugsjahr 1990 um rund 13 %. In der Emittentengruppe Hausbrand und Industrie um jeweils ein Prozent pro Jahr (15 Prozent bis 2005) und Stabilisierung der Emissionen in der Emittentengruppe Verkehr auf dem Niveau von 1990. 2. Erhöhung der Energiegewinnung aus erneuerbaren Energiequellen bis zum Jahr 2005 - von 5 auf 157 MWh aus Photovoltaikanlagen - von 92 auf 1.848 MWh aus Solarthermik - von 1.293 auf 11.959 MWh aus Biomasse - von 100 auf 300 MWh aus Wasserkraft - von 110 auf 3.710 MWh aus Windkraft 3. Erhöhung der Effizienz der Primärenergienutzung zur Abdeckung des nicht vermeidbaren Endenergieverbrauchs. Die Ziele zur Förderung Erneuerbarer Energien konnten für Photovoltaik, Solarthermie, Biomasse und Windkraft nicht nur erreicht, sonder sogar deutlich übertroffen werden, teilweise sogar um mehr als das Doppelte (vergleiche Abschnitte 2.1-2.5) . Nicht erreicht wurden die Ziele bei der Förderung der Wasserkraft, wo man in Karlsruhe an seine natürlichen Grenzen gestoßen ist. Die Überprüfung der Ziele für die CO 2 -Emissionen ist noch nicht endgültig möglich, da Daten vorläufig nur bis 2002 vorliegen (siehe Abschnitt 1.3). Bis dahin verringerten sich die Gesamtemissionen an CO 2 um 5,7 %, in den Emittentengruppe Hausbrand um 10,9 % womit sie bis 2005 ungefähr die Zielvorgaben erreichen könnte. Die Industrie-Emissionen verringerten sich nur um 6,0 % während die Verkehrsemissionen um 2,6 % zunahmen. Für beide darf erwartet werden dass die geforderten Ziele für 2005 nicht ganz erreicht werden. Die bisherige Bilanz zeigt, dass künftig über die schon bisher erfolgreiche Förderung erneuerbarer Energien besonders der Verkehrsbereich und das Energiesparen wichtige Handlungsfelder sein müssen. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Wir brauchen ein Gesamtkonzept An die Erfolge wollen wir mit der folgenden Fortschreibung des Programms anknüpfen. Der Zeithorizont ist ähnlich angelegt: Wir wollen bis zum Jahr 2015, dem Jahr des 300-jährigen Stadtjubiläums, Karlsruhe zu einer modellhaften Klimaschutzstadt weiterentwickeln. Hierzu ist über die zahlreichen Aktivitäten auf den verschiedenen Feldern des Klimaschutzes ein umfassendes Handlungskonzept unter Einbeziehung der Agenda 21 Karlsruhe zu entwickeln, das die verschiedenen Aktivitäten zusammenführt, aufeinander abstimmt und die erkannten Schwachpunkte behebt.. Erforderlich ist deshalb die Entwicklung eines alle klimarelevanten Handlungsfelder umfassenden Strategie- und Handlungskonzepts für den Klimaschutz in Karlsruhe. Es soll bis 2008 dem Gemeinderat zur Diskussion und Beschlussfassung vorliegen und auch eine Abschätzung der Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Realisierungschancen von Maßnahmen enthalten sowie verbindliche und ambitionierte Ziele für die Verbesserung des CO 2 -Bilanz und anderer klimarelevanter Gase unter Beachtung des Feinstaubaspektes. Darüber hinaus soll aufgezeigt werden, • wie die Entwicklung transparent dokumentiert werden kann, wo dies die Datenlage bereits erlaubt, bzw. wo noch eine Methodik der Emissionsbilanzierung entwickelt werden muss. • wo es Ansätze und Synergien gibt, für die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren auch außerhalb des Stadtgebietes • wie ein langfristiges Szenario (2050) auf der Basis erneuerbarer Energien für die Stadt Karlsruhe aussehen könnte. Kurzfristige Aktivitäten Im Vorgriff auf das noch zu erstellende Gesamtkonzept sollen in den nächsten Jahren für die einzelnen Bereiche bereits folgende Maßnahmen umgesetzt werden 1. Erneuerbare Energien • Schaffung eines Kompetenzzentrums für nachhaltige Energie 1.1. Solarthermie • Zielsetzung: Verdoppelung der Kollektorfläche bis 2015 im Vergleich zu 2005 • Weitere Förderung solarthermischer Anlagen durch finanzielle Zuschüsse und Intensivierung der Information und Beratung für private Interessenten • Prüfung der Ausweitung der Nutzung in öffentlichen Gebäuden, wozu bis 2008 dem Gemeinderat ein Bericht im Rahmen des Gesamtkonzeptes vorzulegen ist Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 1.2. Photovoltaik • Weiterhin intensive Information und Beratung für private Interessenten • Initiierung weiterer Bürgersolaranlagen • Zugänglichmachung von öffentlichen Dächern für private Investoren • Verzehnfachung der Stromerzeugung (in Kilowattpeak) von 2005 bis 2015 1.3. Biomasse • Weiterhin grundsätzliche Nutzung der aus der Abfallverwertung/-entsorgung und Stadtentwässerung anfallenden Biomasse über Kraft-Wärme-Kopplung • Prüfung weiterer möglicher Potentiale für die zentrale Energiegewinnung aus Biomasse, z.B. im Rahmen der Waldbewirtschaftung (Schwachholz), oder bei grasigem Schnittgut aus der Landschaftspflege, wozu die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden anzustreben ist (Standort, Materialanlieferung) • Förderung von Pflanzenölprojekten als Erdölersatz wo sinnvoll • Schaffung von Anreizen zur Modernisierung/Erneuerung alter Holzheiz- anlagen • Ausbau der Biovergärungslage auf der Deponie Ost 1.4. Windkraft • Prüfung einer Steigerung durch größer dimensionierte Anlagen (repowering) durch Ersatz der jetzigen Windkraftanlagen wie z.B. auf dem Windmühlen- berg bis 2008 im Rahmen der Erstellung des Gesamtkonzeptes. • Prüfung neuer Standorte für Windkraftanlagen 1.5.Erd- und Umgebungswärme • Erstellung ein Geothermiekonzept mit konkreten Vorschlägen durch die Stadt bis 2008 im Rahmen des Gesamtkonzeptes • Förderung der oberflächennahen Geothermie und privater Wärmepumpen unter Beachtung des Grundwasserschutzes und der CO 2 -Bilanz. • Förderung der Tiefen-Geothermie zur Strom und Wärmegewinnung 1.6.Wasserkraft • Keine weiteren Aktivitäten, da mit der Appenmühle das derzeit absehbare innerstädtische Potential ausgeschöpft ist. 2. Energiesparen und Steigerung der Energieeffizienz (Bauen und Wohnen), Reduktion des Wärme- und Stromverbrauchs im privaten und gewerblichen und öffentlichen Bereich Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 2.1. Altbauten und Modernisierung • Förderung von Energiesparmaßnahmen an Gebäuden (Dämmung, Fenster, Heizung), wenn ein Gesamtkonzept zur Energieeinsparung vorliegt, das im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes zu erstellen ist . • Verstärkte Zusammenarbeit mit Institutionen wie z.B. Kirchen, Wohnungsbau- gesellschaften oder Landes- und Bundesverwaltungen um hier mögliche Energieeinspar- und Synergieeffekte auszuschöpfen. 2.2. Neubauten • Umweltfreundliche Gestaltung der Bebauungspläne z. B. hinsichtlich Dach- neigung und Ausrichtung, ÖPNV-Anbindung, Verkehrsbelastung, Fernwärme, Verwendung von erneuerbaren Energien. • Festlegung eines Niedrigenergiestandards für energiesparendes Bauen und Wohnen für städtische Liegenschaften (maximal 40 kWh/m² ) 3. Verkehr • Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes mit Priorität auf Umweltverbund (Fuß, Rad, ÖPNV) • Umsetzung und Evaluierung des Fahrradkonzeptes • Umsetzung von betrieblichen Mobilitätskonzepten in Kooperation mit Betrieben, IHK etc. • Einrichtung einer Internetbörse zur Förderung von Fahrgemeinschaften • Information und Anreize für Neubürger zur Nutzung des ÖPNV (z.B. einmalige kostenlose Monatskarte, Infopaket) 4. Allgemeine Aspekte der Energieversorgung • Erweiterung des Fernwärmenetzes und Schaffung von Anreizen zur Erhöhung der Anschlussquoten • Förderung der Umstellung klimatechnisch minderwertiger Heizformen (Strom, Heizöl) auf höherwertige (Gas, Fernwärme, regenerative Energien) • Prüfung und eventuell Schaffung von Wärmeverbünden z. B. mit industrieller Abwärme • Verstärkte dezentrale Erzeugung von Energie z.B. durch BHKW • Möglichkeiten des Emissionshandels müssen genutzt werden 5. Öffentliche Verwaltung • Contracting-Projekte zur beschleunigten Umsetzung der Heizungs-Moder- nisierungsliste für kommunale Gebäude • Umstrukturieren der öffentlichen Kfz-Flotten (Stadt, KVV, Stadtwerke) hin zu energiesparenden und emissionsarmen Fahrzeugen (z. B. Hybridfahrzeuge) • Verringerung der Fahrzeugflotte durch Nutzung von Car-sharing • Vorrangige energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude • Intensivierung der Hausmeisterschulung für die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen (z.B. Heizungsregulierung etc) • Erweiterung der Energie-Einsparprojekte an Schulen Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 • Einrichtung eines Umweltmanagements in städtischen Einrichtungen 6. Bewusstsein schaffen und bilden (Information, Beratung, Beteiligung) • Erschließen des verhaltensabhängigen Energiesparpotentials über Motivation der Verbraucher durch den Aufbau einer von wirtschaftlichen Interessen unabhängigen Energieberatung • Gezielte Projekte für die Nutzergruppen Wirtschaft (z. B. Energietisch für Industrieunternehmen) - Hauseigentümer, Kirchen, Schulen, um zielgruppen- orientierte Konzepte zu entwickeln und mit Multiplikatoren entsprechende Einzelmaßnahmen umzusetzen. • Einbindung der Bürgervereine, z.B. im Rahmen der Stadteilprozesse • Erarbeitung eines pädagogischen Gesamtkonzeptes zum Thema Energie (z. B. Energielehrpfad, Lerneinheiten für Schulen, Solarstadtführer, Einbindung Hochschulen...) • Kooperation und Vernetzung der verschiedenen Akteure im Klimaschutz (z. B. Solar- und Energie-Initiativen) im Rahmen der Lokalen Agenda 21, • Verstärkte Mobilitätserziehung an Schulen und Kindergärten • Schaffung eines Bauzentrums zur Information und Beratung zum Thema energiesparendes und nachhaltiges Bauen • Förderung der erneuerbaren Energien durch intensive Beratung und Information von Zielgruppen und Bevölkerung • weiterhin Beteiligung am jährlichen Tag der Erneuerbaren Energien im Rahmen der Lokalen Agenda 21 als gemeinsame Veranstaltung der Karlsruher Initiativen und Akteure im Klimaschutz . Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Gliederung Einleitung 1 Klima und Entwicklung der CO 2 Emissionen 1.1 Der anthropogene Treibhauseffekt und das globale Klima 1.2 Klimaänderungen in Deutschland und Baden-Württemberg 1.3 CO 2 -Emmissionen in Karlsruhe 2Energieerzeugung durch regenerative Energien 2.1Solarenergie 2.1.1 Solarthermie 2.1.2 Photovoltaik 2.3Biomasse 2.4Windkraft 2.5 Wasserkraft 2.6Erd- und Umgebungswärme 3 Steigerung der Energieeffizienz 3.1Bauen und Wohnen, 3.1.1 Modernisierung 3.1.2 Neubauten 3.2Verkehr 3.3allgemeine Aspekte der Energieversorgung 3.4Öffentliche Verwaltung 4 Bewusstsein bilden (Information, Beratung, Beteiligung) 5Umfassende Strategie, Dokumentation Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Einleitung „Das Thema Energie ist eines der ganz großen strategischen Themen des 21. Jahrhunderts“ Angela Merkel in Ihrer Festrede zum 50. jährigen Bestehen des Forschungszentrum Karlsruhe am 19. Juli 2006 Der Wohlstand aller Industrienationen gründet sich auf die ausreichende Verfügbarkeit von Energie. Zu Zeiten des anthropogenen Klimawandels und dem Anspruch zahlreicher Schwellenländer zu Industrienationen aufzusteigen, ist es zwingend erforderlich die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes vom Energieverbrauch zu entkoppeln. Zur Verringerung der Energieintensität müssen Maßnahmen zur Energieeinsparung und Energieeffizienz ergriffen werden. Darüber hinaus ist es dringend erforderlich, die restliche Energienachfrage auf nachhaltigem Wege zu erzeugen. Der Einsatz von Erneuerbaren Energien zur Energiegewinnung muss deshalb ebenfalls ein Schwerpunkt sein. Eine besondere Verantwortung bei der Reduktion der klimaschädlichen Emissionen kommt wegen ihrer historischen Mitschuld am anthropogenen Klimawandel den industrialisierten und technologisch hoch entwickelten Ländern zu. Diese verfügen nicht nur über die notwendigen Finanzmittel, sondern auch über das technologische Know-How zur Problemlösung. Die Hochtechnologieregion Karlsruhe ist vor diesem Hintergrund gleichzeitig verpflichtet und prädestiniert eine Vorreiterrolle bei der Reduktion des vom Menschen verursachten Klimawandels einzunehmen: 1. Ein weitreichendes Klimaschutzziel wirkt als politisches Anreizsystem zugunsten innovativer Technologien. Damit kann sich die Fächerstadt den „first mover advantage“ sichern, d. h. seinen Ruf als Hochtechnologieregion ausbauen und im Bereich der Technologieanwendung neue Marktanteile sichern. 2. Im bundesweiten Vergleich weist die Rheinebene eine höhere Klimavulnerabilität auf, als andere Regionen. Es ist also ein ureigenes Interesse der Stadt Karlsruhe den Klimawandel nicht weiter fortschreiten zu lassen. 3. Internationale Klimapolitik ist ein politisches Mehrebenenspiel. Das Klimaproblem kann nur durch verbindliche Regeln entschärft werden, die in internationalen Verhandlungen ausgearbeitet werden. Dennoch können unterschiedlichste Akteure Einfluss auf ein internationales Verhandlungs- ergebnis nehmen. Eine konsequente und konsistente Klimapolitik in Karlsruhe stärkt nicht nur die deutsche Vorreiterrolle in der Klimapolitik, sondern hat auch Vorbildfunktion für andere Städte in Deutschland und der Welt. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Für die Lokale Agenda 21 in Karlsruhe ist die Kernenergie keine politische Option auf dem Weg zu einer nachhaltigen Erneuerung. Eine Renaissance der Atomenergie verhindert vielmehr notwendige Investitionen in Erneuerbare Energien und lässt Energieeffizienz- und Energieeinsparungsmaßnahmen überflüssig erscheinen. Die Umweltbeeinträchtigungen im Falle eines atomaren GAU und die fortlaufende Erzeugung von nuklearem Abfall, der über Jahrhunderte gefährlich bleibt, verstößt zudem gegen unser Verständnis von Nachhaltigkeit. Der vorliegende Bericht soll den Stand der Bemühungen zur Verringerung klimarelevanter Emissionen in Karlsruhe veranschaulichen und Möglichkeiten aufzeigen, dies voran zu treiben. Er versteht sich aber nicht als ausführliche Studie zum Thema, sondern will vielmehr Anregung für die Stadt Karlsruhe sein, ein umfassendes Klimaschutzkonzept zu entwickeln 1CO 2 - Emissionen und Klimawandel 1.1 Der anthropogene Treibhauseffekt und das globale Klima Die in der Atmosphäre befindlichen Gase und Wasserdampf bewirken einen natürlichen Treibhauseffekt, der die bodennahe Temperatur erhöht und dadurch erst Leben ermöglicht. Etwa seit Mitte des 20 Jahrhunderts nehmen die klimarelevanten Gase CO 2 (Kohlendioxid), CH4 (Methan), N2O (Distickstoffoxid), SF6 (Schwefelhexafluorid), HFC (Fluorkohlenwasserstoffe) und perfluorierte Fluorkohlenwasserstoffe (PFC) stark zu. Diese Gase verursachen einen zusätzlichen anthropogenen Treibhauseffekt, der von den meisten Klimaexperten als Hauptursache der Klimaerwärmung angesehen wird. Vor allem steigt die Konzentration von CO 2 in der Atmosphäre durch das Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas deutlich an. Seit 1958 zeigen weltweite Messungen eine stetige Zunahme des CO 2-Gehaltes in der Atmosphäre. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 CO 2 -Gehalt der letzten Jahrhunderte Temperaturentwicklung Danach ist die mittlere CO 2-Konzentration der Atmosphäre seit Beginn der Industrialisierung bereits von 280 ppm um 30 % auf 364 ppm gestiegen. Die Atmosphäre enthält derzeit so viel CO 2 wie seit 160.000 Jahren nicht mehr. Während es sehr gut untersucht ist, wie der Treibhauseffekt zustande kommt, sind seine Auswirkungen auf das globale Klima mit Hilfe von Klimamodellen bisher nur ungefähr räumlich abschätzbar. Noch weniger vorhersehbar sind die Auswirkungen der Klimaänderungen auf Ökosysteme und Lebensbedingungen des Menschen. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 1.2 Voraussichtlich zu erwartende Klimaänderungen in B-W Nach den derzeitigen Prognosen der LUBW und der Arbeitsgemeinschaft KLIWA (www.kliwa.de) wird der weltweite Klimawandel in Baden-Württemberg zu einer Erwärmung führen: Im Winter ist mit höheren Temperaturen und mehr Niederschlägen zu rechnen und als Folge davon mit häufigeren Hochwasserereignissen. Nach den Prognosen wird die Lufttemperatur bis Mitte des Jahrhunderts im Winter um durchschnittlich rund 2°C, im Sommer um rund 1,4°C zunehmen. Schneefall wird noch seltener in Karlsruhe, dafür sind die letzten Spätfröste durchschnittlich acht Tage früher zu erwarten und die Frostschäden in der Landwirtschaft verringern sich. Die Sommer werden heißer. Die Zahl der Sommertage mit Temperaturen über 25°C wird in Karlsruhe von 60 auf 80 steigen, die Zahl der über 30°C heißen Tage verdoppelt sich auf 30. Die Sommerniederschläge sollen sich kaum ändern, des- halb ist auch nicht vermehrt mit Trockenperioden zu rechnen. Ein Gutachten im Auftrag des Umweltbundesamtes „Klimawandel in Deutschland“ vom Juni 2005 (www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-k/2947.pdf) trifft folgende Aussagen zur Verwundbarkeit einzelner Regionen: In Südwestdeutschland (Oberrheingraben) stellen vor allem die hohen Temperaturen ein Problem dar. Hier, wo schon aktuell die höchsten Temperaturen in Deutschland gemessen werden, wird in Zukunft mit der stärksten Erwärmung innerhalb Deutschlands gerechnet. Das bringt „hohe“ Vulnerabilitäten ohne weitere Maßnahmen im Bereich Gesundheit mit sich. Auch Land- und Forstwirtschaft sind aktuell „hoch“ vulnerabel gegenüber einer schnellen Erwärmung. Hinzu kommt eine steigende Gefahr von Hochwasser im frühen Frühjahr, ausgelöst durch eine Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter sowie eine Zunahme von Starkregenereignissen. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Tabelle aus dem Gutachten der Bundesregierung „Klimawandel in Deutschland“ Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 1.3 CO 2 -Emissionen in Karlsruhe CO 2 ist das Gas - das den höchsten Anteil am Treibhauseffekt hat und - von dem Emissionswerte für Karlsruhe vorliegen. Insofern ist es sinnvoll die CO 2 -Emission als Indikator für die Höhe und die Ent- wicklung der Belastung in Karlsruhe zu benutzen. Die wesentlichen Emittentengruppen (Sektoren) sind: • Wärmekraftwerke, industrielle Feuerungen, industrielle Prozesse, • Haushalte und sonstige Bereiche sowie • Verkehr (Straßenverkehr und Sonstiger Verkehr). Die Daten über die Emissionen von Großfeueranlagen stammen aus Modellrechnungen unter Verwendung der Emissionserklärungen für genehmigungspflichtige Anlagen und ihrer Energieverbrauchsmengen. Die Emissionswerte für Haushalte und Kleinverbraucher werden aus den Energieverbrauchsmengen errechnet, differenziert nach Brennstoffarten unter Anwendung durchschnittlicher spezifischer Emissionsfaktoren. Die Emissionen des Verkehrs werden nach den Fahrleistungen der einzelnen Fahrzeuggruppen und ihrer spezifischen Verbrauchswerte errechnet. CO 2 -Emmissionen (in 1000 t) für den Stadtkreis Karlsruhe Jahr1990199520002002 Gesamt7990755765917534 Haushalte und Kleinverbraucher 633707533564 Industrie/ Feuerungen und öffentliche Kraftwerke 6739620654016337 Verkehr617644657633 Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg –Landesinformationssystem (LIS), Stand 28. November 2006 Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Bei der Interpretation dieser Werte sind allerdings wichtige Einschränkungen zu beachten: • Es handelt sich nicht um Messwerte, vielmehr werden sie aus Modellrechnungen und Umrechnungen aus Verbrauchsmengen u.ä. gewonnen. • Man kann aus ihnen nur sehr bedingt Rückschlüsse ziehen auf die Anstrengungen und Erfolge der Stadt Karlsruhe zur CO 2 -Minderung. Denn die Werte sind in großen Teilen durch Faktoren bedingt, auf die die Stadt keinen oder nur sehr begrenzt Einfluss hat. Der Bau eines neuen Kraftwerkes oder die Stilllegung eines alten würde die CO 2 -Bilanz mehr beeinflussen als alle Maßnahmen in den anderen Emittentengruppen Haushalt und Verkehr bewirken würden. Und selbst im Bereich Verkehr können Änderungen des Verkehrsaufkommens auf der A5 die mit Karlsruhe in ursächlichem Zusammenhang stehenden Verkehrsemissionen maßgeblich überlagern. • In vielen Bereichen kann die Großwirtschaftslage starken Einfluss auf die Emissionen haben, die CO 2 -Minderungen überdecken können. Es macht deshalb wenig Sinn, mit einem engen Bezug zu den Zahlenwerten Entwicklungen zu erörtern. Sie können nur einen sehr groben Anhaltspunkt geben. Im Folgenden geht es vor allem darum, für die einzelnen Handlungsfelder wirksame und umsetzbare Maßnahmen zur nachhaltigen Verringerung der klimarelevanten Emissionen auf kommunaler Ebene vorzuschlagen. Teilweise sind die Entlastungswirkungen auch quantitativ fassbar und im Sinne eines Monitoring längerfristig verfolgbar. 2. Energieerzeugung durch regenerative Energien Stand in KA Die Anmerkungen zur unten stehenden Tabelle zeigt beispielhaft die Problematik und Komplexität hinsichtlich der Datenlage: • Teilweise kann nicht Bezug genommen werden auf das Stadtgebiet Karlsruhe, was Produktion und Verbrauch von Energie betrifft. • Bei der Energiegewinnung in Form von Strom ist die Lage übersichtlich: • Die Nutzungen von Windkraft und Wasserkraft dienen ausschließlich der Stromerzeugung, sind überschaubar und vollständig erfasst. Die Solarstrom- gewinnung dürfte ebenso bekannt sein, denn die Eigentümer erhalten eine Vergütung für den in das Stromnetz eingespeisten Strom. • Bei der Bioenergiebilanz sind nur die städtischen Anlagen enthalten. Der bei weitem größte Anteil hiervon entfällt auf die Deponiegasgewinnung, die sich aber im Laufe der Zeit verringern wird. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Bei der Energiegewinnung mit Wind, Sonne und Wasser hängen die tatsächlichen Werte stark von den natürlichen Gegebenheiten ab und können auch bei unveränderten Anlagen stark schwanken. Ein Vergleich der Jahreswerte gibt deshalb nur bedingt Auskunft über die Ausweitung der Nutzung regenerativer Energien. . Regenerative Energie: Erzeugung der Stadt Karlsruhe (MWh) Stadtwerke Karlsruhe Regenerative Energien in Karlsruhe200320042005 Photovoltaikanlagen385401593 Wasserkraftanlagen195138166 Windkraftanlagen3.9474.5093.998 Biomasse/Deponiegas8.9929.3829.180 in Karlsruhe erzeugte regenerative Energie13.51914.43213.940 Anteil regenerative Energien aus Karlsruhe*0,87%0,91%0,85% Anteil regenerative Energie gesamt**11,7%12,7%13,5% Gesamt-Stromoutput [MWh]1.554.4321.584.2901.642.059 Amt für Abfallwirtschaft, Tiefbauamt Klärwerk: Strom + Wärme1.2321.1941.251 Anlagenverbund Ost: Strom607972401 Anlagenverbund Ost:: Wärme2.4002.1551.728 *Der Anteil regenerative Energien bezieht sich auf die in Karlsruhe erzeugten regenerativen Energien, die in das Stadtwerkenetz eingespeist werden und auf den Gesamt-Stromoutput der teilweise auch in die Region geliefert wird. **Ein Teil des Strombedarf wird an der Strombörse bzw. bei direkten Handelspartnern gedeckt. Der Anteil der erneuerbaren Energien hieran wird auf Basis des Stromherkunftsnachweises berechnet. Durchleitungen von Fremdkunden sind im Gesamtstromoutput nicht enthalten (2004: 700.672 MWh, 2005: 654.324 MWh). Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 2.1 Solarenergie 2.1.1Solarthermie Definition: Maßnahmen zum Auffangen der Sonnenwärme. Passiv durch Erwärmung von Fassaden, Festern oder aktiv durch spezielle Absorberflächen und Wärmespeicher. Theoretisch könnten in Karlsruhe pro Jahr in rund 1.700 Sonnenstunden je Quadratmeter Solarkollektor thermisch 1.250 kWh (Kilowattstunden) genutzt werden. Bisherige Entwicklung in KA Seit 1993 fördern die Stadtwerke private thermische Solaranlagen, inzwischen sind es über 1100 private Anlagen. Weitere stehen auf dem Amt für Abfallwirtschaft (Jährlicher Energieertrag rund 30.000 kWh, 67 m² Kollektorfläche) und beheizen die Karlsruher Freibäder Wolfartsweier (seit 1993, 363 m² Kollektorfläche), Freibad Rüppurr (seit 1996, 1190 m² Kollektorfläche) und Rappenwört (seit 1996, 772 m² Kollektorfläche Private thermische Solaranlagen von den Stadtwerken gefördert (Quelle: Stadtwerke) AnlagenzahlAnlagenfläche (m²)Jahr Neu hinzu- gekommen Gesamt- summe Neu hinzu- gekommen Gesamt- Fläche Gesamtleistung In Mwh/Jahr (1 m² = 525 kWh/Jahr 199377424222,05 19943239192234122,85 19952766162396207,90 199648114288684363,35 199735149236920483,00 1998672162801200630,00 19998329978619861042,65 20008538482828141477,35 20019948363734511811,78 20028556853739882093,70 200313069879547832511,08 200410079871755002887,50 200513293077262723292,80 20062111141146077324059,30 Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Kollektorfläche und Jahr Ziele und Maßnahmen Solarthermische Anlagen sollen weiterhin gefördert werden durch finanzielle Zuschüsse und Intensivierung der Information und Beratung für private Interessenten. Die Ausweitung der Nutzung in öffentlichen Gebäuden soll geprüft werden, verbun- den mit einem Bericht bis 2008. Die Kollektorfläche bis 2015 verdoppeln im Vergleich zu 2005. 2.1.2 Photovoltaik Definition: Umwandlung von Strahlungsenergie in elektrischeEnergie Theoretisch könnten in Karlsruhe pro Jahr in rund 1.700 Sonnenstunden je Quadratmeter Solarkollektor rund 95 kWh elektrisch genutzt werden. Bisherige Entwicklung in KA Von 1993 bis 1999 wurden 8 Photovoltaikanlagen gefördert, darunter sind auch größere Anlagen wie die 1000 m² große Photovoltaikanlage auf dem Dach des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (1997), die jährlich rund 90.000 Kilowattstunden direkt in das Gleichstromnetz der Karlsruher Straßenbahnen einspeist und die 1999 in Betrieb genommene erste Photovoltaik-Beteiligungsanlage 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 4000 4500 5000 5500 6000 6500 7000 7500 8000 8500 19931994199519961997199819992000200120022003200420052006 Jahr in m² Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 (475 m², jährlich 45000 kWh)), das Karlsruher Sonnendach. Danach stieg die Anzahl deutlich an. 2006 ging die bisher größte Anlage auf der Mülldeponie Ost in Betrieb (4 mal stärker als die auf ZKM) Photovoltaik-Anlagen (Quelle: Stadtwerke) Jahr Bis 2000 200020012002200320042005 Anzahl Anlagen 819445986107179 KWp gesamt *133,78200,18297,65346,45422,97496,67 1388,07 MWh** ----385401594 * Kilowattpeak ist die Leistung, die eine Anlage unter definierten Laborbedingungen erreichen kann. Durch diese Maßeinheit sind alle Anlagen vergleichbar. Die tatsächliche Leistung in Kilowatt hängt dann von den tatsächlichen Bedingungen am Einsatzort ab, wie der Himmelsausrichtung, der Neigung , der Verschattung etc. **Die Zahl der erreichten Kilowattstunden hängt dann zusätzlich noch von der Sonneneinstrahlung ab, die im Tages- und Jahresverlauf und von Jahr zu Jahr schwanken kann. Entwicklung der Anlagenzahl und der Energie 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 bis 2000200020012002200320042005 Jahr in KWp 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 Anlagenzahl Reihe2 Reihe1 Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Ziele und Maßnahmen Weiterhin intensive Information und Beratung für private Interessenten Weitere Bürgersolaranlagen initiieren Öffentliche Dächer für private Investoren zugänglich machen 2.3 Biomasse Als Biomasse bezeichnet man nicht fossiles organisches Material, das von Pflanzen Zeit durch Photosynthese mit Hilfe des Sonnenlichts gebildet wurde. Bei ihrem Abbau (z.B. Verbrennung) wird Energie frei und es entsteht nur so viel CO 2 , wie der Atmosphäre zuvor beim Pflanzenwachstum entzogen wurde. Biomasse wird daher als klimaneutral bewertet. Biomasse zur Energiegewinnung kann vorliegen in Form von • Speziell angebauten Pflanzen, die stärke- zellulose- zucker- oder ölhaltig sind. • Abfällen aus der Landwirtschaft (Stroh, Gras), Forstwirtschaft (Schwachholz, Rinde), Industrie und Gewerbe (Sägemehl, Holzreste, Obst- und Gemüsereste), Häusliche organische Abfälle (Papier- Küchen- Gartenabfälle, Altholz) und Exkremente (Gülle, Mist, Klärschlamm) Energie aus Biomasse kann direkt durch Verbrennung und Vergasung (Vergärung durch Bakterien unter Luftabschluss zu Methan, Biogas) energetisch genutzt werden oder durch Öl- oder Kraftstoffgewinnung. Bisherige Entwicklung in KA Seit 1997 wird der in den Karlsruher Haushaltungen anfallende Biomüll für die Energiegewinnung genutzt. 2001 folgte eine Restholzverbrennungsanlage. Der Anlagenverbund auf der Deponie Ost mit Biovergärungsanlage, Deponiegas und Restholzverbrennung deckt nicht nur den Strom- und Wärmebedarf der Mülldeponie, der Bio-Vergärungsanlage und der Deponie-Sickerwasserbehandlungsanlage, sondern stellt auch noch über eine Nahwärmeleitung 90 Prozent der benötigten Hei- zenergie für die Neubaugebiete “Fünfzig Morgen” und “Rehbuckel 2” für rund 308 Gebäude zur Verfügung. Durch die Energieerzeugung mittels Biomasse werden die CO 2 -Emissionen in den beiden Neubaugebieten um über 80 % reduziert. Bereits seit 1984 werden die Gase der Mülldeponie West aufgefangen und genutzt. Sie erzeugen jährlich über acht Millionen Kilowattstunden Strom und rund vier Millionen Kilowattstunden Wärme. Die Menge an Strom reicht für die Versorgung von mehr als 3.300 Haushalten. Der bei der Klärschlammverbrennung im Klärwerk Karlsruhe entstehende Dampf wird zur Trocknung des Klärschlammes verwendet (60 %), der Rest dient der Stromerzeugung (2002 1,224 MWh). Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Energieerzeugung aus Biomasse bei der Stadt Karlsruhe Jahr200320042005 Stromerzeugung (kWh) Deponie West8.905.5008.748.5608.921.220 Anlagenverbund Ost607.224972.708401.902 Klärwerk1.232.0001.194.5001.251.900 Wärmeerzeugung (kWh) Deponie West3.930.0003.785.0003.720.000 Anlagenverbund Ost2.400.0002.155.4201.728.530 Quelle: Amt für Abfallwirtschaft, Tiefbauamt Ziele und Maßnahmen Die bei der Abfallverwertung/-entsorgung und Stadtentwässerung anfallende Biomasse ist weiterhin grundsätzlich über Kraft-Wärme-Kopplung zu nutzen. Es soll geprüft werden, ob es weitere Potentiale für die zentrale Energiegewinnung aus Biomasse gibt. Z.B. im Rahmen der Waldbewirtschaftung (Schwachholz), grasiges Schnittgut aus der Landschaftspflege. Hier ist eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden anzustreben (Standort, Materialanlieferung) Förderung von Pflanzenölprojekten als Erdölersatz wo sinnvoll Schaffung von Anreizen zur Modernisierung/ Erneuerung veralteter Holzheizanlagen 2.4 Windkraft Bisherige Entwicklung in KA 1997 wurden erste Windkraftanlage am Rheinufer bei Maxau mit einer Leistung von 110 Kilowattstunden erstellt, die jährlich rund 130.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. In den Jahren 1999, 2000 und 2003 entstanden drei weitere Anlagen auf der Mülldeponie West mit insgesamt 3000 kW. JahrWindenergie (MWh) Zahl der Windräder 19991.1651 20001.4052 ab August 20012.1732 20023.2323 ab Mai 20033.9113 20044.4463 20054.5804 ab Januar Quelle: www.windmuehlenberg-karlsruhe. Stand 30.11.2006 Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Entwicklung der Windenergie Ziele und Maßnahmen Außer den 3 Windkraftanlagen auf dem Müllberg und einer am Rheinufer sind derzeit keine weiteren Standorte in KA absehbar (Landschaft- und Artenschutz). Steigerung durch größer dimensionierte Anlagen an gleichen Stellen prüfen 2.5 Wasserkraft Bisherige Entwicklung in KA Im Jahr 2000 wurde das Laufwasserkraftwerk Appenmühle in Betrieb genommen mit 40 kW Maximalleistung und rund 200.000 kWh jährlich. An dem historischen Mühlengebäude der Obermühle haben die Naturfreunde Durlach ein Mühlrad errichtet. Der angeschlossene Generator leistet maximal 45 kW. Ziele und Maßnahmen Für KA ist die Wasserkraft bedeutungslos, da nur geringes Potential besteht (ohne Rhein), bzw. die Ausschöpfung dieses Potentials mit erheblichen ökologischen Beeinträchtigungen verbunden ist. 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 3.500 4.000 4.500 5.000 1999Aug 20002001 Mai 200220032004 Jan 2005 Jahr in KWh 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Windräder Energie in MW h Anzahl der W indräder Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 2.6 Erdwärme (Geothermie) und Umgebungswärme Definition: Geothermie: Nutzung der Erdwärme als Energiequelle zur Erzeugung von Wärme und Strom. Man unterscheidet: • Oberflächennahe Geothermie zur direkten Nutzung der Wärme selbst (Heizen, Kühlen (meist gekoppelt mit Wärmepumpen) und • tiefe Geothermie zur direkten Wärmenutzung, aber auch zur Stromerzeugung in einem Kraftwerk. Der höchste Wirkungsgrad wird erzielt, wenn sowohl Strom, als auch Wärme abgegeben werden können (Kraft-Wärme-Kopplung), wozu in der Umgebung Wärmeabnehmer vorhanden sein müssen. Der Oberrheingraben bietet deutschlandweit besonders gute geologische Vorausset- zungen für Geothermie (u. a. Temperatur, Wärmefluss, Struktur im Untergrund) Bisherige Entwicklung in KA Hohe Zuwachsraten In Karlsruhe wird vermutlich die direkte Nutzung der ober- flächennahen Erdwärme durch Wärmepumpen haben (Förderprogramm der Stadtwerke). Ein Problem kann die mögliche Belastung des Grundwassers durch wassergefährdende Stoffe sein. Gemeinsam mit mehreren in der Region Karlsruhe angesiedelten Forschungsein- richtungen und Unternehmen hat die Stadt Karlsruhe einen Vorstoß unternommen zur Errichtung eines wissenschaftlichen "Instituts für Tiefengeothermie" in KA. Ziele und Maßnahmen Erstellung eines Geothermiekonzeptes mit konkreten Vorschlägen durch Stadt bis 2008. Förderung der oberflächennahen Geothermie und privater Wärmepumpen unter Beachtung des Grundwasserschutzes und der CO 2 Bilanz. Förderung der Tiefen-Geothermie zur Strom und Wärmegewinnung. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 3Steigerung der Energieeffizienz (investiv) 3.1 Bauen und Wohnen 3.1.1 Modernisierung des Bestandes, Energieein- sparungen im Gebäudebestand Bisherige Entwicklung in KA Seit Ende der 90er Jahre laufen verschiedene Sanierungsprogramme (Südstadt, Weststadt, Oststadt, Innenstadt-West). In diesem Rahmen hat die Stadt wohnwertverbessernde Modernisierungen gefördert, darunter auch energierelevante, wie Einbau von Isolierglasfenstern, Wärmedämmung. Die Zielsetzung liegt allerdings nicht vorrangig auf der Verringerung der CO 2 Emissionen. Neuland haben die Stadtwerke 1997 mit dem ersten Anlagen-Contractingvertrag für eine Absortions-Kältemaschine für ein großes Bürogebäude beschritten. Das Besondere an der zur Anwendung gekommenen Technik ist, dass die Absortions- Kältemaschine im Grundlastbetrieb Kälte aus umweltfreundllicher Fernwärme erzeugt. Die Volkswohnung führt ein umfangreiches (einige 100 Wohnungen jährlich) Sanierungsprogramm ihrer 12.000 Wohnungen durch, bei dem Bestandsgebäude durchgehend auf einen Heizenergiebedarf unter 6 Litern/m², häufig auch < 5 Liter/m², saniert werden. 2 große Holzpellet-Anlagen (mehrere 100 kW) sind im Bau, ferner wurden mehrere Solaranlagen und 3 Blockheizkraftwerke (BHKW) neu errichtet. Beispiel: Das Nahwärmenetz Oberreut, das 24 Gebäude mit rund 1.500 Wohnungen und eine große Schule umfasst und mit einem BHKW betrieben wird (Reduktion des CO 2 Ausstoßes um 80 %) Ziele und Maßnahmen Förderung von Energiesparmaßnahmen am Gebäude (Dämmung, Fenster, Heizung), wenn ein Gesamtkonzept zur Energieeinsparung vorliegt. Zusammenarbeit mit Institutionen wie z.B. Kirchen, Wohnungsbaugesellschaften Landes-, Bundesverwaltungen (Synergieeffekte). Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 3.1.2Neubauten, Stadtplanung, Stadtentwicklung Bisherige Entwicklung in KA Das erste umgesetzte Siedlungsprojekt “Geroldsäcker” verfolgt umfassende ökologische Ziele wie Reduzierung des Flächen-, Energie- und Wasserverbrauchs. Bei Verwendung ökologischer Bau- und Dämmstoffe sowie einer emissionsarmen Wärmeerzeugung umfasst dieses Projekt 10 Arbeitsplätze und 40 Wohneinheiten. Niedrigenergiestandard, autoarmes Wohnen und ökologisches Bauen zeichnet in Verbindung mit einer fast CO 2 -neutralen Energieversorgung das Baugebiet „Fünfzig Morgen“ aus. Der Agenda-21-Arbeitskreis Energie, der Gemeinderat, das Stadt- planungsamt, die Stadtwerke, das Amt für Abfallwirtschaft und das Umweltamt haben mit Unterstützung der Universität Karlsruhe ein nachhaltiges Energiekonzept für das Neubaugebiet 50 Morgen entwickelt. Als Grundstückseigentümer hat die Stadt Karlsruhe über einen privatrechtlichen Vertrag für das Baugebiet Fünfzig Morgen den Niedrigenergiestandard für energiesparendes Bauen und Wohnen durchgesetzt. Auf Privatinitiative und insbesondere durch die städtische Volkswohnung sind in den letzten Jahren einige Niedrigenergie- und Passivprojekte entstanden. Beispielsweise: - Niedrigenergie-Bürogebäude (wat) - Passivhauszeile „Fünfzig Morgen“ - Ökologisches Bauen in der “Wohnsiedlung Oberreut” -Bau von Passivhäusern in Hagsfeld. -Neubaugebiet Kirchfeld-Nord mit Nahwärmenetz Zentrale Ziele und Maßnahmen Umweltfreundliche Gestaltung der Bebauungspläne z B. hinsichtlich Dachneigung und Ausrichtung, ÖPNV-Anbindung, Verkehrsbelastung, Fernwärme, Verwendung von erneuerbaren Energien... Festlegen eines Niedrigenergiestandards für energiesparendes Bauen und Wohnen für städtische Liegenschaften (maximal 40 kWh/m² a) Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 3.2 Verkehr Bisherige Entwicklung in KA Entwicklung der Fahrgastzahlen (Statistisches Jahrbuch Stadt Karlsruhe 2006) Karlsruhe hat im Gegensatz zu den meisten Großstädten nach dem Krieg nicht nur an seiner Straßenbahn festgehalten, sondern sie mit enormen Investitionen systematisch zu einem modernen Stadtbahnnetz ausgebaut, das Stadt und Region miteinander verbindet. Mit dichtem Takt kann man weit in die Region gelangen. Ein Meilenstein dafür war die Entwicklung von Stadtbahnen, die die unterschiedlichen Stromsysteme von Bundesbahn und Straßenbahn nutzen können und damit auch auf Bundesbahntrassen fahren können. Letzte Erweiterung war der Bau der Nordstadtbahn Rad- und Fußverkehr 2005 wurde das Handlungskonzept „Fahrradfreundliches Karlsruhe", entwickelt, das den Ausbau des Radverkehrsnetzes beinhaltet und ein 20-Punkte-Programm mit Zielen und Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs. Mit einer Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer und verstärkter Öffentlichkeitsarbeit möchte die Stadt den Radverkehrsanteil von derzeit 16 % bis 2012 auf 21% und bis 2015 auf 23 % erhöhen und die Zahl von Radfahrunfälle deutlich verringern. Mindestens zwei neue Stadtteilrouten pro Jahr sollen bis 2012 dafür sorgen, dass sich über die Fächerstadt ein gut ausgebautes Radwegenetz spannt. 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 1996199719981999200020012002200320042005 Jahr in Millionen VBK AVG Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Kfz-Verkehr Der Bestand an Kraftfahrzeugen hat in den letzen 20 Jahren beständig zugenommen Zur Verringerung des Pendlerverkehrs in die Innenstadt, gibt es ein Park & Ride – System mit 1500 Stellplätzen. In der Innenstadt soll durch ein Parkleitsystem mit 6000 Stellplätzen den Suchverkehr verringern. Zur Begrenzung ihres Pkw-Fuhrparks bedient sich die Stadt des hiesigen Car- sharing Unternehmens. Entwicklung Kfz seit 1995 (Statistisches Jahrbuch Stadt Karlsruhe 2006) Exkurs: Biokraftstoffe in Verbrennungsmotoren Der Straßenverkehr trägt maßgeblich durch die Verbrennung von Ottokraftstoffen und Diesel zum Klimawandel bei. In Deutschland und dem Rest der Welt steigt die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge und damit der Kohlendioxidausstoß stetig an. Der Brennstoffzellenantrieb befindet sich in der Erprobungsphase und kann vermutlich erst langfristig in Serienfertigung gehen. Bis dies der Fall ist, können „Übergangstechnologien“ den CO 2 -Ausstoß deutlich reduzieren. Dies ist z. B. durch den Einsatz von Pflanzenöl im Stadtverkehr (z. B. Busse) möglich. Im Eintank- oder Zweitanksystem ist diese Technologie auch für Speditionsunternehmen eine Alternative. 0 20000 40000 60000 80000 100000 120000 140000 160000 180000 19951996199719981999200020012002200320042005 Jahr KFZ-Bestand Kraftfahrzeuge insgesamtPersonenkraftwagenLastwagen und SonstigeKraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Eine größere Kilometerleistung als mit Pflanzenöl ist mit Bioethanol möglich. In Stockholm basiert der städtische Nahverkehr auf der Ethanoltechnik von Scania (Ethanolbusse). Als dritte Technologie stehen die für Brasilien entwickelten „Flexible-Fuel-Vehicles“ (FFV) zur Verfügung, die die Projektphase bereits lange hinter sich gelassen haben. FFVs erkennen Mithilfe von Sensoren das Ethanol-Benzin-Mischungsverhältnis und passen den Zündpunkt entsprechend an. Diese Technologie hat den Praxistest bereits bestanden. Bis 2004 haben europäische Autobauer mehr als 5 Mio. FFV in Brasilien und den USA verkauft. VW gehört dabei mit zu den Marktführern auf dem brasilianischen Automarkt. Die Stadt Karlsruhe sollte bei der Erneuerung des städtischen Fuhrparks diese alternativen berücksichtigen. Aufgrund der steigenden Spritpreise sind Fahrzeuge mit Biotreibstoffantrieb nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Der Betrieb von Fahrzeugen mit Biotreibstoffen ist vor allem dann zu empfehlen, wenn sich die Fahrtdistanzen der Fahrzeuge weitgehend auf das Stadtgebiet beschränken. Aus diesem Grund ist vor allem der öffentliche Nahverkehr geeignet. Ziele und Maßnahmen Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes mit Priorität auf Umweltverbund (Fuß, Fahrrad, ÖPNV). Anschaffung von Hybridfahrzeugen (PKW und Busse), z. B. hat New York mehr als 500 Hybrid-Busse mit Bremsenergie-Rückgewinnung im Einsatz, Erdgasfahrzeugen und Fahrzeugen mit Biotreibstoff Umsetzung und Evaluierung des Fahrradkonzeptes Umsetzung von betrieblichen Mobilitätskonzepten in Kooperation mit Betrieben, IHK etc. Internetbörse zur Förderung von Fahrgemeinschaften Information und Anreize für Neubürger (z. B. kostenlose Monatskarte, Infopaket 3.3 Allgemeine Aspekte der Energieversorgung Erweiterung des Fernwärmenetzes und Schaffung von Anreizen zur Erhöhung der Anschlussquoten. Wärmeverbund, z. B. mit industrieller Abwärme Dezentrale Erzeugung von Energie, z. B. durch BHKW Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 3.4 Öffentliche Verwaltung Bisherige Entwicklung in KA 1973 wurde im Hochbauamt eine dreiköpfige Energiegruppe mit dem Ziel aufgebaut, den Energieverbrauch der kommunalen Gebäude zu senken. Durch die Schulung der Hausmeister, eine zweimal wöchentliche Kontrolle des Energieverbrauchs und die Aufstellung einer Prioritätenliste zur Heizungssanierung konnte bis 1989 in 200 städtischen Gebäuden der Energieverbrauch um 22,5 Prozent (von 93 auf 72 Watt pro Quadratmeter) gesenkt und insgesamt rund 1,7 Millionen Mark Energiekosten eingespart werden. Der Aufbau eines kommunalen Energiemanagements mit einem zentralen Energieberichtswesen beim Hochbauamt, das eine zusammengefasste Energieverbrauchsdokumentation (einschließlich Treibstoffverbrauch) und Energie- kostenabrechnung für alle kommunalen Energieverbrauchsstellen (einschließlich Gesellschaften mit städtischer Mehrheitsbeteiligung) jährlich erstellt und kon- tinuierlich fortschreibt. Zwischen 1982 und 1992 wurde die städtische Fahrzeugflotte auf kleinere, dieselmotorbetriebene Fahrzeuge umgestellt, was insgesamt zu einer Verminderung des Treibstoffverbrauchs um 33 Prozent geführt hat. Seit 2005 hat sich die Stadt KA bei der Nutzung von Dienstfahrzeugen am Car-sharing beteiligt. Die Schulung der Hausmeister erfolgt seit 1975. Die Schulen erhalten Rück- meldungen über ihren Energie- Wasser- und Papierverbrauch, was das Bewusstsein schult. In einem von der Stadt und dem Land finanziell geförderten Ökoaudit haben die Europäische Schule, das Dominikusgymnasium, die Hebelrealschule, das Schulzentrum Neureut und die Oberwaldschule ihren Energie- und Wasserverbrauch überprüft und konkrete Sparmaßnahmen ergriffen. In einer Pilotstudie in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule soll herausgefunden werden, ob und wie Technik bei Schülern ein energiebewusstes Verhalten hervorrufen oder unterstützen kann. In 12 Klassenräumen (3 Schulen) werden die Schüler während der Heizperiode auf unterschiedliche Weisen über die Qualität der Raumluft und den Energieverbrauch informiert. 2004 wurden für die Karlsruher Schulen und Verwaltungsgebäude Broschüren erstellt, für das nicht investive Energie- und Wassersparen. In einem Pilotprojekt an drei Schulen, das seit Mai 2004 läuft, verpflichten sich diese, Maßnahmen zum energiesparenden Nutzerverhalten zu entwickeln und umzusetzen. 40 % der Einsparungen erhält die Schule zur freien Verfügung. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Ziele und Maßnahmen Contracting-Projekte zur beschleunigten Umsetzung der Heizungs-Modernisierungs- Liste für kommunale Gebäude. Die öffentlichen Kfz-Flotten (Stadt, KVV, Stadtwerke) umstrukturieren, hin zu energiesparenden, emissionsarmen Fahrzeugen (z.B. Hybridfahrzeuge.....) Verringerung der Fahrzeugflotte durch Nutzung von Car-sharing Vorrangige energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude Intensivierung der Hausmeisterschulung für die Umsetzung von Energiesparmaß- nahmen (z.B. Heizungsregulierung etc) Einsparprojekte an Schulen erweitern Umweltmanagement in städtischen Einrichtungen 4 Öffentliches Bewusstsein bilden (Information. Beratung, Beteiligung) Bisherige Entwicklung in KA Die Aktivitäten der Stadt sind sehr vielfältig und können nur mit wenigen Beispielen veranschaulicht werden. Die Stadtwerke betreiben zwei Kundenberatungszentren mit sechs Energieberatern. Zusätzlich informiert ein Infomobil die Bürger vor Ort. Daneben gibt es eine Mobilitätszentrale für die Verkehrs- und Mobilitätsberatung. Das Handlungskonzept „Fahrradfreundliches Karlsruhe", (siehe 3.2) wird von einer Kampagne begleitet (Flyer, Veranstaltungen zum Informieren und Mitmachen). Schon Jahre zuvor hat die Stadt damit begonnen, allgemein für das Radfahren zu werben, mit Veranstaltungen zu Anlässen wie „Mobil ohne Auto“, Tag des Fahrrads etc. Der Agenda-21-Arbeitskreis „Energie“ hat unter den Karlsruher Schulen Wettbewerbe ausgeschrieben, 2004 zum Thema Solarkocher und 2005 zum Thema Solarlampen. Zahlreiche gemeinsame Aktionen wurden durchgeführt und Veröffentlichungen erstellt, mit Partnern wie Handwerksinnungen, Architektenkammer, L-Bank wie z.B. Leitfaden zur Gebäudesanierung, Gebäudethermografie für Hauseigentümer, Wettbewerbe und Energie-Spar-Aktionstage. Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 Ziele und Maßnahmen Erschließen des verhaltensabhängigen Energiesparpotentials über Motivation der Verbraucher durch den Aufbau einer von wirtschaftlichen Interessen unabhängigen Energieberatung (Energietische), die zielgruppenorientierte Konzepte entwickeln und mit den Multiplikatoren der Zielgruppen entsprechende Einzelmaßnahmen umsetzen. Gezielte Projekte für die Nutzergruppen Wirtschaft (z.B. Energietisch für Industrieunternehmen, Hauseigentümer Kirchen, Schulen). Einbindung der Bürgervereine Erarbeitung eines pädagogischen Gesamtkonzeptes zum Thema Energie (z. B. .Energielehrpfad, Lerneinheiten für Schulen, Solarstadtführer, Einbindung der Hochschulen,) Kooperation und Vernetzung der verschiedenen Akteure im Klimaschutz im Rahmen der Lokalen Agenda 21, Verstärkte Mobilitätserziehung an Schulen und Kindergärten Schaffung eines Bauzentrums zur Information und Beratung zum Thema Energie und nachhaltig Bauen Förderung der erneuerbaren Energien durch intensive Beratung und Information Klimaschutzkonzept Lokale Agenda 21 5Umfassende Strategie, Konzept, Ziele, Dokumentation Wie unter den Gliederungspunkten 2 – 4 aufgezeigt gibt es in der Stadt Karlsruhe zahlreiche Handlungsstränge, mit denen die CO 2 -Emissionen verringert werden können. Allein es fehlt ein umfassendes strategisches Konzept, das alle möglichen Handlungsfelder aufzeigt. Ziel Entwicklung eines alle klimarelevanten Handlungsfelder umfassenden Strategie- und Handlungskonzepts für den Klimaschutz bis 2008, der auch eine Abschätzung der Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Realisierungschancen von Maßnahmen enthalten sollte. Darüber hinaus soll aufgezeigt werden, • wie die Entwicklung transparent dokumentiert werden kann, wo dies die Datenlage bereits erlaubt, bzw. wo noch eine Methodik der Emissionsbilanzierung entwickelt werden muss. • wo es Ansätze und Synergien gibt für die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren auch außerhalb des Stadtgebietes
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Extrahierter Text
BAUSTEINE EINES KLIMASCHÜTZENDEN KOMMUNALEN ENERGIEKONZEPTES Ein Leitfaden für die Stadt Karlsruhe Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – Ortsverband Karlsruhe 1. Auflage – September 2007 - 2 - Inhaltsverzeichnis Seite Vorwort: Global denken – Lokal handeln 3 1. Baustein: Energieagentur der Stadt Karlsruhe (ENAKA) 5 1.1 Die Rolle der ENAKA 5 1.2 Kooperation mit weiteren städtischen Akteuren 6 1.3 Die Rolle der Stadtwerke Karlsruhe 7 2. Baustein: Heizenergieeinsparung 8 2.1 Wärmedämmung und Beratung 8 2.2 Wärmedämmung und Contracting 8 2.3 Energiebewusste Bauleitpläne und Bebauungspläne 8 2.4 Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten 10 3. Einsatz rationeller Energietechniken 10 3.1 Einsparung von elektrischer Energie 10 3.1.1 Nutzlicht und Einsparcontracting 10 3.1.2 „Weiße Ware“ 10 3.1.3 Ersatz von elektrischer Energie durch Wärmeenergie 11 3.1.4 Stand-by-Betrieb 11 3.1.5 Elektrisches Lastmanagement 12 3.1.6 Förderprogramme und finanzielle Anreize 12 3.1.7 Straßenbeleuchtung 12 3.1.8 Beleuchtung öffentlicher Gebäude und Kirchen 12 3.1.9 Strompreisgestaltung 12 3.2 Einsparung von Wärmeenergie 13 3.2.1 Kraft-Wärme-Kopplung 13 3.2.2 Nahwärmeversorgung mit Blockheizkraftwerken 13 3.2.3 Branchenspezifische Energie-Dienstleistungspakete - 13 Wärmerückgewinnung aus Abluft 3.2.4 Wärme-Direkt-Service-Plus und Anlagencontracting 13 4. Nutzung erneuerbarer Energien 14 4.1 Biomasse Klärgas 14 4.2 Umweltwärme und Wärmepumpen 14 4.3 Solare Energiegewinnung 16 4.3.1 Passive Solarenergiegewinnung 17 4.3.2 Aktive Solarenergiegewinnung: Photovoltaikanlagen 17 4.3.3 Aktive Solarenergiegewinnung: Thermische Solaranlagen 19 4.4 Geothermie 22 5. Klimaschutz versus Kohleverstromung 23 - 3 - Vorwort: Global denken – Lokal handeln Die gegenwärtigen und künftigen negativen Folgen unseres Wirtschaftens sind un- übersehbar. Durch Umweltschäden, insbesondere Luftverunreinigungen, entstehen jährlich hohe volkswirtschaftliche Schäden sowohl in Deutschland als auch global, die auf die Allgemeinheit und die kommenden Generationen abgewälzt werden. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes entstehen durch die gesamte deut- sche Stromerzeugung jährlich Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie globale Klimafolgeschäden von 35 Mrd. Euro! Für den Straßenverkehr ergaben dieselben Berechnungen, dass ein einziger PkW durch die Emissionen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen bei einer Gesamtfahrleistung von 100.000 km externe Kosten von etwa 3.000 EURO verursacht. Hinzu kommt, dass ein einziger LKW ab 3,5 Tonnen knapp sechsmal so hohe externe Umweltfolgekosten verursacht. Würde man die jetzi- ge Maut auf alle Straßen ausdehnen und die externen Umweltkosten anlasten, so wäre mindestens eine Verdoppelung der durchschnittlichen Mautsätze gerechtfertigt!! Die Chancenungleichheit der erneuerbaren Energien auf dem Energiemarkt resul- tiert somit aus dem Umstand, dass die externen Kosten nur unzureichend bei den fos- silen und atomaren Energien dazugeschlagen, also nur unzureichend internalisiert werden. Weiterhin werden wir täglich durch das Damoklesschwert eines Super- GAUS ́s eines Atomkraftwerks bedroht. Eine Renaissance der atomaren Energiever- sorgung verbietet sich ferner wegen des extrem toxischen und radioaktiven Atommülls (Plutonium hat eine Halbwertszeit von ca. 24.000 Jahren!). Ein Lichtblick ist das Erneuerbare Energiegesetz (EEG) aus der Zeit der Rot-Grünen- Bundesregierung, denn dadurch konnte der bundesweite Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix im Jahr 2006 auf 12 % erhöht werden, zudem wurden in dieser Branche mehrere tausend Arbeitsplätze geschaffen. Nachdem jahrelang globale und regionale Klimaveränderungen ignoriert und baga- tellisiert wurden, wird dies heute wenigstens auf der nationalen und internationalen gesellschaftlichen und politischen Ebene zur Kenntnis genommen. Klimaschutzziele wurden international und national formuliert und das Kyoto-Protokoll wurde von zahl- reichen Staaten unterzeichnet, allerdings nicht von den USA – auch eine Ratifizierung ist noch nicht erfolgt. - 4 - Auch auf nationaler Ebene sind erheblich größere Anstrengungen notwendig. Z.B. formulierte die Bundesregierung 1995 das Ziel, den CO2-Ausstoß im Zeitraum 1990 bis 2005 um 25 % zu senken, was nicht erreicht und aufgegeben wurde! Bereits seit der atomaren Katastrophe von Tschernobyl fordern die Umweltverbände eine Ener- giewende. Dagegen sind die CO2-Emissionen in Baden-Württemberg seit acht Jahren weitgehend „stabil“, d.h. eine Reduzierung hat bisher nicht stattgefunden und einige Vertreter der Landesregierung sprechen offen von einer Renaissance der sog. Kern- energie (Laufzeitverlängerungen und neue Generation von Atommeilern). In dieser Situation hat unser Landesverband die Ausarbeitung „Fahrplan ENERGIEWENDE Baden-Württemberg“ vorgelegt, die von uns (BUND Regionalverband Mittlerer Ober- rhein, Waldhornstr. 25, 76131 KA, Tel. 0721/358582) oder vom BUND Service (Mühlbachstr. 2, 78315 Radolfzell, Tel. 07732/15070) bezogen werden kann. Der „Fahrplan Energiewende B-W“ basiert auf einer Studie, die vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg in Auftrag gegeben (!) und von vier unab- hängigen wissenschaftlichen Instituten erstellt wurde. Ziel dieser Studie war es, für die Landesregierung differenzierte Informationen und Handlungsempfehlungen für den Zeitraum bis zum Jahre 2050 zu erarbeiten, um sowohl den Klimaschutz und eine zu- künftige Stromversorgung zu fördern, als auch wirtschaftliche und arbeitsmarktpoliti- sche Impulse zu setzen. Im „Fahrplan Energiewende B-W“ wird das Szenario „Nach- haltigkeit“ ausführlich vorgestellt, weil es im Wesentlichen den Zielen des BUND ent- spricht: Sparsamer Einsatz der Energie, Kraft-Wärmekopplung und vermehrter Einsatz erneuerbarer Energien, um fossile Energien und Atomkraft abzulösen. Neben den Verkehrsplanern und der Industrie übernehmen die Kommunen und ihre Versorgungsunternehmen eine herausragende Rolle bei den Vermeidungsstrategien der Klimakatastrophe, weil gerade auf der lokalen Ebene erhebliche Einsparpotenziale erschlossen werden können und Bewusstseinswandel in kommunikativen Prozessen angestoßen werden kann. Im weiteren Verlauf werden wir die lokalen/kommunalen Umsetzungsstrategien erläu- tern und stellenweise auf Einsparpotenziale hinweisen. Selbstverständlich können quantitative Detailprognosen im Rahmen dieser Ausarbeitung nicht erfolgen. Dazu sind umfangreiche Erhebungen und Datenauswertungen notwendig, die eine Energieagen- tur der Stadt Karlsruhe vornehmen müsste, worauf wir noch eingehen. - 5 - Im Folgenden werden die Bausteine eines kommunalen klimaschützenden Energie- konzeptes erläutert: 1. Baustein: Energieagentur der Stadt Karlsruhe 2. Baustein: Heizenergieeinsparung 3. Baustein: Einsatz rationeller Energietechniken 4. Baustein: Nutzung erneuerbarer Energien Den Baustein Verkehr werden wir bei der 2. Auflage in unsere Ausarbeitung einbinden. 1. Baustein: Energieagentur der Stadt Karlsruhe (ENAKA) 1.1 Die Rolle der ENAKA Wie schon im Vorwort erwähnt, findet ein beträchtlicher Teil des Endenergieverbrauchs in den Kommunen statt. Laut Umweltbundesamt teilte sich der Endenergieverbrauch 2005 folgendermaßen auf: Haushalte 28,8 %; Verkehr 28,7 %; Übriger Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe 26,8 %; Gewerbe, Handel, Dienstleistung 15,7 %. Im Ver- gleich zu 1990 hat der private Haushalt um 3,7 % zugenommen. Eine ähnliche Ent- wicklung ist im Verkehrssektor mit einer Zunahme von 3,6 % zu beobachten, wobei der kommunale Anteil im Verkehrssektor immerhin 30 % beträgt. Besorgniserregend ist ferner, dass der Stromverbrauch zwar nur etwa 1/5 des End- energieverbrauchs beträgt, jedoch fast die Hälfte der energiebedingten Treibhausgas- Emissionen durch die Kraftwerke verursacht. Dies deshalb, weil rund 65 % als Abwär- me an die Umwelt geht. Durch dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung könnte die Energie- effizienz deutlich erhöht werden, was nicht im Interesse der Strommonopolisten ist. Wegen der Vielzahl unterschiedlicher Energieverbraucher in Haushalt, Handwerk, In- dustrie, im öffentlichen und privaten Dienstleistungssektor sowie im Verkehrsbereich ist ein städtisches Energiemanagement notwendig. Die noch zu schaffende ENAKA, als politiknahe Institution, - koordiniert die komplexe Aufgabe des städtischen Klimaschutzes, - bildet die Nahtstelle zur städtischen Verwaltung, - 6 - - ist – neben weiteren Akteuren - Ideengeber beim komplexen städtischen Ener- giekonzept. Bei dieser Klimaschutzstrategie sind von der ENAKA mehrere Auf- gaben zu bearbeiten, wobei sie dabei, von Fall zu Fall, weitere Akteure „mit ins Boot“ nehmen sollte: - Analyse des Ist-Zustandes - Erstellung des Klimaschutz-Konzeptes unter Berücksichtigung der Bausteine 2 – 6 (siehe Vorwort und nachfolgende Ausführungen) - Energiemanagement für die städtischen Liegenschaften - Klimaschutz in der Stadtplanung - Controlling und Feed-Back - Erstellung von Finanzierungskonzepten - Die ENAKA bildet somit auch den Transmissionsriemen bei der Umsetzung des Klimaschutz-Konzeptes Über das „Förderprogramm KLIMASCHUTZ – PLUS – Kommunaler Programmteil“ des Umweltministerium BW sind grundsätzlich Fördergelder für die ENAKA zu erhal- ten. 1.2 Kooperation mit weiteren städtischen Akteuren Wie schon angedeutet, ist eine enge Kooperation der ENAKA mit weiteren städtischen Akteuren erforderlich: - Dezernaten 1 – 5 - Gemeinderat - Stadtwerke Karlsruhe - Karlsruher Verkehrsverbund - Lokale Agenda 21 - Umweltverbände - Private Hausbesitzer und die Wohnungswirtschaft - Handwerk, Industrie und deren Kammern - Pädagogischen Einrichtungen etc. - 7 - 1.3 Die Rolle der Stadtwerke Karlsruhe Ein lokales Klimaschutzkonzept lässt sich generell nur realisieren, wenn sich die Stadtwerke (STW) einer Kommune vom traditionellen Versorgungskonzept trennen und sich zu einem Energie-Dienstleistungsunternehmen (EDU) reformieren, denn nur so können die großen Einsparpotenziale aufgespürt und das Know-how für die jeweils richtige Energieverwendung garantiert werden. An dieser Stelle können wir feststellen, dass die STW Karlsruhe auf dem richtigen Weg sind, aber noch nicht am Ziel angelangt sind. Einige positive Beispiele: - Die STW praktizieren ein Umweltmanagementsystem - Es finden regelmäßig Umweltbetriebsprüfungen statt - Ein Nachhaltigkeitsmanagement befindet sich im Aufbau - Die Erweiterung der Unternehmensziele wurde schriftlich als Umweltleitlinien aufgenommen - Die STW sind seit Jahren Mitglied in der „ASEW“ (Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung - im Verband kommunaler Unter- nehmen) - Durch ein Beratungs- und Förderprogramm wurde der Einstieg in die Nutzung erneuerbarer Energien erreicht (Solarenergie; neuerdings auch Erdwärme, al- lerdings nur mit Elektrowärmepumpen) - Schließlich sei positiv vermerkt, dass die STW in das Geschäftsfeld Verkauf von kompletten Dienstleistungen eingestiegen sind. Als Contractor treten die STW gegenüber dem Kunden als Planer, Finanzier, Anlagenbauer und evtl. noch als Betriebsführer auf - wobei zwischen Anlagen- und Einsparcontracting unterschieden wird. Wir empfehlen den STW, dieses Geschäftsfeld nun of- fensiv auszubauen, um den Wandel vom EVU zum EDU zu beschleunigen. Kritisch müssen wir anmerken, dass auch die hiesigen Stadtwerke den Strommono- polisten EnBW „mit ins Boot“ genommen haben und damit die EnBW die Möglichkeit hat, auf die Unternehmenspolitik der STW Einfluss zu nehmen. Dass wir die Beleuchtung des HKW ́s West für einen Anachronismus halten, haben wir den Stadtwerken in unserem Schreiben vom 23.3.2007 zum Ausdruck gebracht, das wir mit den Worten abschlossen: „Diese Beleuchtungsanlage widerspricht dem Naturschutz und konterkariert in mehrfacher Weise den dringend erforderlichen Klima- schutz. Die Schlussfolgerung: Ausschalten!“ - 8 - Abschließender Hinweis: Eine enge Zusammenarbeit zwischen der ENAKA und den STW Karlsruhe ist erforderlich, wobei schon im frühen Stadium eine Aufgabenteilung zwischen diesen Institutionen zu vereinbaren ist. Bei unseren folgenden Anregungen haben wir deshalb öfter die Formulierung „STW/ENAKA“ verwendet, um auf diese Zu- sammenarbeit bzw. Aufgabenteilung hinzuweisen. Im weiteren Verlauf werden nun die Bausteine 2 bis 6 (mit größerem Gewicht 2 bis 4) vorgestellt, wobei wir uns auf kommunalpolitische Maßnahmen beschränken. Lan- despolitische Maßnahmen entnehmen Sie bitte der BUND-Broschüre „Fahrplan ENERGIEWENDE Baden-Württemberg“, auf deren Bezugsmöglichkeiten wir im Vor- wort hinwiesen. Damit unsere Ausarbeitung nicht zu umfangreich wird, werden wir die Erläuterungen zu den dargestellten energiepolitischen Maßnahmen minimieren. 2. Baustein: Heizenergieeinsparung 2.1 Im Blick auf das große Einsparpotenzial bei der Wärmedämmung (bis zu 70 %) leitet sich die Notwendigkeit einer stationären Beratung ab. Die Indi- vidualberatung sollte bei geplanten Neubauten und Altbausanierungen für ver- schiedene Zielgruppen erfolgen. In Karlsruhe sind Tausende Wohnhäuser, mit überwiegend vielen Wohneinheiten, in die Jahre gekommen, die einer energeti- sche Sanierung dringend bedürfen. Exemplarisch nennen wir ein ganzes Stadt- viertel, das Anfang der 60er Jahre erbaut wurde: die Waldstadt. 2.2 Die STW wirken als Contractor bei Wärmedämmmaßnahmen der Wohnungs- baugesellschaften und der Stadt mit. 2.3 Aus Gründen der Ressourcenschonung und des Klimaschutzes verabschiedet der Gemeinderat nur noch energiebewusste Bauleitpläne und Bebauungsplä- ne. Der derzeit im Aufbau befindliche Citypark der Südstadt-Ost ist leider ein aus- gesprochenes Negativbeispiel: Die meisten der nachfolgend aufgeführten Krite- rien vermisst man bei diesem Bebauungsplan. Allein schon die dichte Bebauung (eine Ausnahme bildet die Westseite der Henriette-Obermüller-Str.) schränkt die passive Solarenergienutzung erheblich ein. Ferner ist zu beanstanden, dass auf keinem Dach eine Solaranlage installiert wurde/wird. Schließlich ist bisher kein - 9 - Bauträger über die Minimalanforderungen des – seinerzeit durch den Bundesrat verwässerten - Energieeinspargesetzes hinausgegangen. Nun einige Konkretisierungen eines energiebewussten Bauleitpla- nes/Bebauungsplanes: a) Optimale Solarenergienutzung durch Beachtung der folgenden planeri- schen Aspekte (wichtig für die passive und aktive Solarenergienutzung): - Ausrichtung der Gebäudezeilen - Kompakte Baukörper - Solararchitektur - Dachneigung - Straßenführung - Evtl. Geländemodellierung - Windbeeinflussende Maßnahmen b) Verpflichtung zur aktiven Nutzung der Solarenergie bei allen Neubauten, auch bei Wohnanlagen; ferner bei Landesliegenschaften, öffentlichen Gebäu- den und Bürokomplexen: (1) Thermische Solaranlagen (Warmwassergewin- nung und Heizenergieunterstützung). Mindestens nach dem Standard des ab 2008 geplanten Wärmegesetzes des Landes BW. Demnach soll 1/5 der Hei- zenergie von erneuerbaren Energien stammen. Das Wärmegesetz soll aber auf Wohngebäude beschränkt werden. Wir sind der Meinung, dass ebenfalls die drei oben genannten Gebäudekategorien einzubeziehen sind. (2) Photovoltaikanlage (Stromgewinnung): Die Größe des Genera- torfeldes auf dem Dach ergibt sich aus der Differenz der technisch nutzbaren Dachfläche abzüglich des Kollektorfeldes der thermischen Solaranlage. c) Verpflichtung zum Anschluss an ein vorhandenes Fernwärmesystem (FW) bzw. Nahwärmesystem (NW). Sollte weder FW noch NW vorhanden sein, so besteht die Verpflichtung zur Nutzung vorhandener Gasanschlüsse. d) Bei den Gebäuden müssen zumindest die Dämmstandards eines wirklichen Niedrigenergiehauses eingehalten werden: Deshalb mindestens 30 % un- ter EnEV-Standard. - 10 - Zum rechtlichen Aspekt des Abschnittes 2.3: Juristisch betrachtet, ist das Thema „Energieeffizienz und Solarenergienutzung in der Bauleitplanung“ ein junges Thema, bei dem noch einige Fragen zu klären sind. Mittlerweile sind jedoch die folgenden Aspekte geklärt: Durch die Aufnahme des „allgemeinen Klimaschutzes“ und der Energieeffizienz in die Zielvorgaben des § 1 Abs. 5 und 6 BauGB 2004 haben die Gemeinden grundsätzlich die Befugnis erhalten, klimaschutzbezogene Regelungen zu treffen. Ferner ist Fakt: In Flächennutzungsplänen sind alle klimaschutzbezogenen Dar- stellungen zulässig, die in den daraus zu entwickelnden Bebauungsplänen um- gesetzt werden können. Ergänzend bzw. alternativ zu Bebauungsplänen bietet der Abschluss von städte- baulichen Verträgen Ansatzpunkte für klimaschutzbezogene Regelungen. Hierfür eröffnet § 11 Abs. 1 Nr. 4 BauGB 2004 erheblich weiter gehende Gestaltungs- möglichkeiten, als es sie bei Bebauungsplänen gibt – z.B. Vereinbarungen über die Nutzung von Solaranlagen und von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung sowie auch für Anforderungen an die Wärmedämmung. 2.4 Die Beratung informiert nicht nur über technische Aspekte der Heizenergieein- sparung, sondern auch über Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten zum einen bei einem Beratungsgespräch und ergänzend durch textliche Informatio- nen. 3. Baustein: Einsatz rationeller Energietechniken 3.1 Einsparung elektrischer Energie 3.1.1 Um den Energieverbrauch bei Nutzlicht massiv zu vermindern, treten die STW /ENAKA als Einsparcontractor bei städtischen Gebäuden (also auch den Schulen), Gebäuden des Landes BW oder des Bundes (z.B. Staatstheater, Gerichte, Landesbibliothek etc.) auf, denn durch eine konsequente Energie- sparbeleuchtung lässt sich ein beträchtlicher Teil der elektrischen Energie ein- sparen. 3.1.2 Kampagne „Weiße Ware“: Um energiesparenden Geräten auf dem Markt zum Durchbruch zu verhelfen, führen die STW – gemeinsam mit dem Fachhandel – Kampagnen durch. Wegen des sehr großen Einsparpotenzials von ca. 55 % - 11 - ist dies besonders dringlich bei der sog. „Weißen Ware“, d.h. bei Kühl- schränken und Gefriergeräten. 3.1.3 Ersatz von elektrischer Energie durch Wärmeenergie: Waschmaschinen- vorschaltgeräte sind weitgehend unbekannt (im Gegensatz zu Großbritanni- en). Sie werden weder bei den Beratungsstellen der Stromkonzerne noch den STW vorgestellt, was nicht verwundert. Bei Waschmaschinen wird der größte Teil des Energieverbrauchs zur Warmwasserbereitung benötigt. Beim Aufhei- zen des Wassers mit Strom sind die Verluste mit ca. 65 % extrem hoch. Des- halb sollte für die Waschmaschine und für den Geschirrspüler das hauseigene Warmwasser verwendet werden, das heutzutage effizient erwärmt wird. Durch ein Waschmaschinenvorschaltgerät lassen sich pro Waschgang durch- schnittlich 1,2 kWh Strom eingesparen. Die Investition rechnet sich nach we- nigen Jahren. Bei Geschirrspülern genügt der dauerhafte Anschluss an die WW-Leitung, pro Spülgang können etwa 1,0 kWh elektrische Energie eingespart werden. Um diesen Waschmaschinenvorschaltgeräten zum Durchbruch zu verhelfen, führen STW/ENAKA und der Fachhandel Kampagnen durch. 3.1.4 Dass durch den Stand-by-Betrieb elektrische Energie verschwendet wird, hat jeder schon mal gehört. Weniger bekannt ist, dass – nach den Berechnungen des VDE - allein durch den Stand-by-Betrieb von Konsumprodukten allein in Deutschland knapp 18 Mrd. kWh an elektrischer Energie verloren geht. Das entspricht etwa der Jahresleistung aller deutschen Windenergieanlagen oder zweier Atomkraftwerke der älteren Baureihe! Zusätzlich werden in den deutschen Büros durch die Leerlaufverluste im sog. Schein-Aus-Zustand jähr- lich ca. 500 Mill. KWh Strom verschwendet. Laut VDE ließen sich durch den Einsatz vorhandener energiesparender Produkte und Technologien in Deutschland über 40 Mrd. kWh Strom jährlich einsparen, was eine Verrin- gerung von etwa 22 Mill. Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr bedeuten würde! Auch bei diesem Thema sollte durch Kampagnen der STW/ENAKA einerseits Problembewusstsein geschaffen werden, ergänzend müssen den Menschen In- formationen gegeben werden, wie sie mit einfachen technischen Möglichkeiten und durch Verhaltensänderungen den Stand-by-Betrieb vermeiden können. STW/ENAKA sollten auch bei diesem Thema versuchen, den Fachhandel ein- zubinden. Eine wichtige Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche (indirekt da - 12 - durch ebenfalls die Eltern), die über die Zusammenarbeit mit Schulen er- reichbar sind. 3.1.5 STW/ENAKA erarbeiten beim elektrischen Lastmanagement in Zusammen- arbeit mit den Partnern des Handwerks und der Unternehmen (gewerblicher und öffentlicher sowie privater Dienstleistungssektor) Konzepte, wodurch Schwach- und Hochleistungsbedarf in etwa ausgeglichen werden kann. Damit werden parallel zwei Ziele verfolgt, wobei das ökologische und das wirtschaftli- che Ziel Hand in Hand gehen. Die wichtigsten Instrumente: a) Senken der Lastspitzen, um die Kraftwerk-Leistungsspitzen zu senken: - Reduzierung Nutzenergiebedarf - Substitution der elektrischen Energie mit anderen Energiearten - Lastspitzenpreise b) Füllen der Lasttäler, was wirtschaftliche Vorteile für die Kunden ergibt: - Verlagerung der Nachfrage in die Schwachlastzeiten durch Umstruktu- rierung betrieblicher Prozesse - Schwachlastpreise 3.1.6 Förderprogramme und finanzielle Anreize im Zusammenhang mit den obigen Kampagnen durch die STW/ENAKA bilden einen weiteren Anreiz für die Ziel- gruppen, stromsparende Maßnahmen durchzuführen. 3.1.7 Bei der Straßenbeleuchtung werden wegen ihrer Effizienz Natriumdampflam- pen eingesetzt, soweit dies noch nicht erfolgt ist. Nach der Hauptverkehrszeit sollte die Beleuchtung durch Dimmer reduziert werden, wodurch sich der Ener- gieverbrauch halbieren lässt. 3.1.8 Die Beleuchtung öffentlicher Gebäude und der Kirchen wird, bis auf wenige Ausnahmen, eingestellt. Dies ist nicht nur aus energetischer, klimaschützen- der und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und notwendig, sondern auch aus natur- schützerischer Sicht: So werden die Fledermäuse durch die Brummgeräusche der Scheinwerfer gestört und nachtaktive Vögel (z.B. Eulen und zu Vogelflug- zeiten nachtaktive Zugvögel) und Insekten werden durch die Lichtstrahlen mas- siv beeinträchtigt, nachtaktive Insekten sogar in großer Anzahl getötet. 3.1.9 Um das Stromsparen zu fördern, vermindern die STW den Grundpreis und gestalten den Arbeitspreis linear. Auch zeitvariable Tarife sind ergänzend ein sinnvolles Instrumentarium (Bei den Gaspreisen sollte man ebenso vorgehen). - 13 - 3.2 Einsparung von Wärmeenergie 3.2.1 Kraft-Wärme-Kopplung mittels Heizkraftwerken (Fernwärme - FW) und de- zentralen Blockheizkraftwerken (Nahwärme): Erfreulicherweise hat die Fern- wärme in Karlsruhe eine längere Tradition. Hier sollten die STW offensiv für ihr Produkt werben und den Einstieg bzw. Umstieg zur Fernwärme fördern. Im Ab- schnitt 2.3 haben wir schon auf die Möglichkeit des Anschlusszwangs der Fernwärme (oder der Nahwärme) in Neubaugebieten hingewiesen. 3.2.2 Die Nahwärmeversorgung mit BLockheizkraftwerken, bei denen bekanntlich auch Strom erzeugt wird, sollte durch eine intensive Beratung durch STW/ENAKA vorangebracht werden in den Stadtvierteln, in denen kein FW- Netz verlegt ist. Da es inzwischen sogar kleine Blockheizkraftwerke gibt, kann dieses hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungsprinzip (Wirkungsgrad mindes- tens 90 %) für einen breiten Anwendungsbereich eingesetzt werden. 3.2.3 STW/ENAKA entwickeln branchenspezifische Energie- Dienstleistungspakete, z.B. für Bäcker, Metzger, Supermärkte, die Hotel- und Gaststättenbranche. Ein wichtiges Thema der Energieeinsparung bildet bei die- sen Dienstleistungspaketen die Abwärmenutzung: Bei Kälteaggregaten kann die Abwärme technisch am einfachsten genutzt werden, indem der Kältekreis „angezapft“ wird. Das Medium wird durch einen Wärmetauscher geleitet, der sich in einem Warmwasserspeicher befindet. Somit ist es möglich, die Abwär- me als Basiswärmeenergie für die Warmwasserversorgung oder für die Zent- ralheizung einzusetzen. Eine Wärmepumpe ist in diesem Fall nicht notwendig. Wärmerückgewinnung aus der Abluft: Echte Niedrigenergiehäuser, die gut gedämmt und sehr luftdicht sind, werden kurzfristig zu Standardhäusern. Des- halb werden allein schon aus Gründen des Gebäudeschutzes und der Hygiene Lüftungsanlagen mit integrierter Wärmerückgewinnung unabdingbar. Die Ener- giebilanz solch eines Hauses kann dadurch noch einmal deutlich verbessert werden, denn 60 – 80 % der in der Abluft enthaltenen Wärmeenergie kann auf die Frischluft übertragen werden. Hier eröffnet sich ein weiteres Betätigungsfeld für die Beratungstätigkeit der STW/ENAKA. 3.2.4 Die STW/ENAKA intensivieren ihre Dienstleistung um den „Wärme-Direkt- Service-Plus“ in der Form des Anlagencontractings, der den Bürgern, den - 14 - Unternehmen, der Stadt usw. angeboten wird. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass dadurch die Markteinführung moderner energiesparender Technologien beschleunigt werden kann. 4. Baustein: Nutzung erneuerbarer Energien 4.1 Biomasse Klärgas Das zentrale Klärwerk, zwischen Neureut und Knielingen gelegen, verfügt über eine Klärschlammverbrennungsanlage, wodurch kein Karlsruher Klärschlamm auf Feldern aufgebracht wird. Dies ist begrüßenswert. Aus energetischer, klimaschützender und mittelfristig wirtschaftlicher Sicht sollte man allerdings die Klärschlammbehandlung modifizieren: Bei einer solch großen Kläran- lage bietet sich die Klärgasgewinnung und Eigenverwertung geradezu an. Durch die Gewinnung des Klärgases im Faulturm und einer Gaszwischenspeicherung ist es möglich, ein Blockheizkraftwerk besonders wirtschaftlich zu betreiben. Der Bezug von elektrischer Energie kann deutlich vermindert werden, besonders von teuren Lastspit- zen! Denn zu bedenken ist, dass das zentrale Klärwerk durch den Betrieb von zahlrei- chen, sehr leistungsstarken Belüftern für die Belebungsbecken einen hohen Strombe- darf hat. Idealerweise kann der nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsprinzip erzeugte Strom am selben Ort verwendet werden. Zudem kann die anfallende Abwärme des BHKW zur Beheizung der Faulbehälter so- wie der Betriebsgebäude verwendet werden. 4.2 Umweltwärme und Wärmepumpen Zur Nutzung der Umweltwärme (Luft, Wasser, Boden) sind Wärmepumpen unerläss- lich. Kurze Historie: Die großen Stromkonzerne witterten schon vor Jahren einen zusätzli- chen Strommarkt durch die Markteinführung der Elektrowärmepumpen. Allerdings wa- ren die Betreiber von E-Wärmepumpen von Warmwasserspeichern in der Regel ent- - 15 - täuscht, denn die jährlichen Stromkosten waren erheblich – Daran hat sich auch bis heute wenig geändert. Im Gegensatz dazu schneiden standardisierte thermische So- laranlagen zur WW-Erwärmung besser ab (siehe Kapitel 4.3). Nun versuchen auch die hiesigen STW eine Renaissance vor allem der elektrischen Wärmepumpe zu erreichen mit Fachvorträgen und einer Förderung von bis zu 3.000 €. Sie propagieren dies mit dem modernen Begriff der „Geothermie-Initiative“ und mei- nen damit die oberflächennahe Nutzung der Erdwärme mittels Wärmepumpen. Dies müssen wir aus oben angedeutetem Grund kritisch sehen. Wenn neuerdings der Zu- sammenhang von Oberrheingraben und Geothermie erörtert wird und erste erfolgver- sprechende Projekte begonnen wurden, so ist damit die Tiefen-Geothermie gemeint (siehe Kapitel 4.5). Die elektrisch betriebene Wärmepumpe sollte zur Raumheizung nur zum Einsatz kommen (und deshalb auch nur dann gefördert werden), wenn es sich bei dem Ge- bäude um ein echtes Niedrigenergiehaus handelt, das einen niedrigen Wärmeener- giebedarf hat (max. 5-Liter-Haus = 5 Liter Öl bzw. 5 m³ Gas / m² / Jahr). Zur WW- Bereitung sollten solche Häuser ergänzend mit einer standardisierten thermischen So- laranlage ausgerüstet sein, die preiswert ist und sich gut mit der elektrischen Wärme- pumpe kombinieren lässt, mittels entsprechender Wasserspeicher. In den Focus der Beratung durch die STW und der ENAKA sollte die gasbetriebene Wärmepumpe treten. Diese äußerst rationellen Wärmepumpen haben sich zur Wär- meenergiegewinnung bestens bewährt, so dass ihr Einsatz im öffentlichen Bereich, Unternehmensbereich und – wegen der Einsatzgröße eingeschränkten – privaten Be- reich dringend zu empfehlen ist. Bei einem Vergleich schneidet die Gaswärmepumpe deutlich besser ab, da die Primärenergieumwandlung dezentral am Einsatzort erfolgt und deshalb die Abwärme vollständig genutzt werden kann. Deshalb liegt der Wir- kungsgrad etwa 60 % über dem der Elektrowärmepumpe. Dies bringt neben betriebs- wirtschaftlichen Vorteilen vor allem ein Plus für den Klimaschutz! - 16 - 4.3 Solarenergiegewinnung Der geographische Standort von Karlsruhe im Oberrheingraben begünstigt die Solar- energiegewinnung. Sowohl von der jährlichen Sonnenscheindauer als auch von der Einstrahlungsintensität gehört die Region Karlsruhe zur Spitzengruppe in Deutschland! Da eine ausgereifte Solararchitektur und Solartechnik bereitsteht, ist an- gesichts der drohenden Klimaveränderungen – auch in Karlsruhe - die Politik gefordert. Die Aktivitäten der STW, auch in diesem Zusammenhang, haben wir in Abschnitt 1. c) gewürdigt. Anzuerkennen sind ferner die Ideen und Aktivitäten von Karlsruher Solar- fördervereinen, der Lokalen Agenda 21, von engagierten Schulen, Bürger(innen) etc. Damit wurde der Einstieg in die Nutzung erneuerbarer Energien erreicht. Nun geht es darum, daran anzuknüpfen. Wenn der Karlsruher OB Heinz Fenrich auf der 1. Seite der „Badischen Neuesten Nachrichten“ am 15.9.2007 mit den Worten zitiert wird, „Die Technologieregion Karls- ruhe will sich in den kommenden Woche in der BW-Landesvertretung in Brüssel als europäische Modellregion präsentieren“, so ist dies zunächst einmal zu begrüßen. Doch stellt sich die Frage nach den Zielen und Inhalten dieser Modellregion! Am 20.6.2007 mussten wir in derselben Zeitung lesen, dass das „Land seine Kerntechnik- Kompetenz bündelt“ und Ministerpräsident Oettinger äußerte: „Karlsruhe wird die Hauptstadt der Energieforschung in Deutschland.“ - Er meinte Kern-Energieforschung! Wir empfehlen dem Ministerpräsidenten, dem OB von Karlsruhe und allen Politikern, den „Fahrplan ENERGIEWENDE Baden-Württemberg“ unseres BUND- Landesverbandes zu lesen, damit ihm bewusst wird, dass der Energieforschungszug in die falsche Richtung fährt. Wir erkennen zwar an, dass sich das Forschungszentrum Karlsruhe mit der Energie- gewinnung aus Biomasse erfolgversprechend beschäftigt, mit dem Ziel der zentralen Synthesegas- und Kraftstoffproduktion. Darüber hinaus kommen jedoch keine Beiträge zum zukunftweisenden Forschungsbereich der „Erneuerbaren Energien“. Beim For- schungsthema „Energie“ geht es vornehmlich um kerntechnisch-nukleare Aufgaben- stellungen. In der Universität Karlsruhe wird selbstverständlich in mehreren Fakultäten in der Lehre der Themenbereich „Erneuerbare Energien“ angesprochen, es vereinzelt wurden schon Diplom- bzw. Promotionsarbeiten zu diesem Bereich geschrieben. Uns sind jedoch keine größeren Forschungsprojekte bekannt, bei denen die Universität in ausführende Projekte eingebunden ist, beispielsweise zur Solarenergiegewinnung. - 17 - Ähnliches ist zur Technischen Hochschule Karlsruhe zu sagen. Mit anderen Worten: Es fehlt ergänzend das wissenschaftliche Schwungrad „Erneuerbare Energien“ in un- serer Region. Aufgrund der derzeitigen Bewusstseinslage wichtiger Entscheidungsträger in den ge- nannten Institutionen, vor allem auf der politischen Ebene, fehlen bei uns echte zu- kunftweisende Großprojekte im Bereich „Erneuerbare Energien“, die Karlsruhe zu einer klimaschützenden „Modellregion“ (OB Fenrich) machen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden! 4.3.1 Passive Solarenergiegewinnung Allein durch eine Süd-Ost-, über Süd- bis zur Süd-West-Ausrichtung der Häuser und einer optimaleren Verglasungsgröße kann der Raumwärmebedarf bis zu 35 % gesenkt werden. – Und dies ohne zeitgemäße Dämmung, kontrollierte Lüftung und neuer Fens- tertechnologie! Wichtig ist somit eine vorausschauende, energiebewusste Bauleit- planung und daran anknüpfende Bebauungspläne (siehe Abschnitt 2.3). Hier ist der Gemeinderat gefordert! 4.3.2 Aktive Solarenergiegewinnung: Photovoltaikanlagen Vor allem Dank des „Erneuerbaren Energiegesetzes (EEG)“ gelang es, durch dieses Schwungrad den Wirtschaftssektor der erneuerbaren Energien, vor allem die Windkraft und die Solartechnik, deutlich auszubauen, Tausende neuer Arbeitsplätze zu schaffen und den Anteil der erneuerbaren Energieträger im Jahr 2006 auf 12 % hochzuschrau- ben. In Karlsruhe haben Bürger(innen), Solarenergie-Fördervereine, Schulen und die hiesi- gen STW (Photovoltaik-Initiative) dieses EEG genutzt und die solare Stromerzeu- gung ausgeweitet. ENAKA und STW sind nun gefordert, weitere Photovoltaik-Projekte auf den Weg zu bringen. Zunächst sollte man alle stadteigenen Gebäude und deren Dächer auf Taug- lichkeit überprüfen, danach den Blick auf alle anderen relevanten Häuser und Dächer richten. Die Analyse sollte in ein Solarenergie-Kataster münden, ggf. unterschieden in die Unterkategorien „Photovoltaik“ und „Solarthermie“. - 18 - Zwei konkrete Vorschläge für Photovoltaik-Großprojekte unterbreiten wir bereits heute: a) Im Zuge des Umbaus des Wildparkstadions wird das Dach so konzipiert, dass bereits während der Bauphase auf dieses Dach ein großer Solarge- nerator zur Stromgewinnung installiert werden kann. Eine hohe Sonnen- stromernte ist durch die Beschattungsfreiheit garantiert. Ebenso wichtig ist der Werbeeffekt an diesem Standort: Im Laufe eines Jahres wird diese zukunftweisende Solaranlage (ähnlich Deponieberg am Rheinhafen) von Tausenden Menschen wahrgenommen, was man durch geeignete Platzie- rung der Solar-Großdisplays verstärken kann. b) Aus denselben Gründen hätte sich ebenfalls das Dach des im Bau befind- lichen Freizeitbades an der Günther-Klotzanlage angeboten. STW/ENAKA, die Stadtverwaltung und das Planungsbüro überprüfen, inwieweit die Montage eines Solargenerators auf dem Dach nachträglich möglich ist. Bei den Solarprojekten sollte man sich nicht scheuen, Anregungen in anderen Städten aufzugreifen. Beispielhaft und unvollständig nennen wir: - Solarfassaden in Freiburg (z.B. durch Solarfabrik AG) - Solarfassaden in Tübingen (z.B. durch Sun Technics) - Solarfassaden in Berlin-Adlershof (Gebäude des Ferdinand-Braun-Institut), 39 kWp - Höchste Solarfassade in Ulm, 102 m (Getreidesilo der Schapfenmühle), 98 kWp - Solardach in Bürstadt (Gebäude der Firma „tts“); 5 MWp!! - Solardach in Muggensturm (Gebäude der Firma Hartmann); 3,84 MWp!! - Solardach in Hartheim/Freiburg (Gebäude der Firma Lidl); 1,20 MWp!! - Solardach in Dingolfing/Bayern (Gebäude der Firma Fischer); 3,70 MWp!! - Solardach in Pfersdorf (Gebäude der Firma Pfersdorf e.G.); 2,00 MWp!! - Solardach in München (Gebäude der neuen Messe); 2,10 MWp!! - Freiflächenanlage „Solarstromkraftwerk Leipziger Land“; 5 MWp!! - Freiflächenanlage „Geiseltalsee“, bei Merseburg; 4 MWp!! - Freiflächenanlage „Solarpark Zeche Göttelborn“, Saarland; 7,40 MWp!! ENAKA und STW suchen nicht nur die Zusammenarbeit mit den zuvor genannten Akt- euren unserer Stadt, sondern ebenfalls mit der Architektenkammer und deren Archi- - 19 - tekten, den Unternehmen im gewerblichen Sektor sowie im Dienstleistungssektor. Dar- über hinaus bietet sich auch die Wohnungswirtschaft als potentieller Partner an. Bei der zu leistenden Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit sollte man sich nicht nur auf die Dächer konzentrieren, sondern durchaus auch die Hausfassaden als Standort von Solargeneratoren einbeziehen. 4.3.3 Aktive Solarenergiegewinnung: Thermische Solaranlagen Anknüpfend zu den Ausführungen im Kapitel 4.3.2 können wir zur Nutzung der thermi- schen Solarenergie feststellen, dass die Technik der Anlagentypen a) – d) völlig aus- gereift ist, a) angefangen bei solaren Absorberanlagen zur direkten Erwärmung des Schwimmbadwassers von Freibädern. b) ferner bei kleinen Solaranlagen zur WW-Erwärmung für das 1-2- Familienhaus, c) fortgesetzt bei kleineren Solaranlagen, die zusätzlich zur Heizungsunterstüt- zung eingesetzt werden, d) weiterhin mittelgroße Solaranlagen zur Warmwasser-Erwärmung für große Wohneinheiten, Hotels etc. und einem größeren Warmwasser-Verbrauch (mit Pufferspeicher), e) überdies große Solaranlagen bei Solarsiedlungen, die zusätzlich solares Hei- zen ermöglichen (großer Saisonalspeicher für die Siedlung). Hier spricht man von einer solaren Nahwärmeversorgung, wenngleich zeitweise ergänzend mit fossilen Energien nachgeheizt wird. Dies erfolgt rationeller Weise mittels Block- heizkraftwerk oder der Fernwärme, sofern benachbart schon ein Fernwärme- netz verlegt ist. Dieser Anlagentyp muss von einem wissenschaftlichen Solari- nstitut projektiert und während der Ausführungsphase betreut werden. Die Konzepte b) und c) werden bereits von den STW Interessenten vorgestellt, positiv sei auch vermerkt, dass Solaranlagen dieser Größenordnung schon seit mehreren Jah- ren bezuschusst werden. Bereits in naher Zukunft müssen nun STW und ENAKA ihre solare Dienstleistung um die Solaranlagen d) und e) erweitern, denn auf diesem Gebiet gibt es einen größeren Nachholbedarf. Den Kunden des Solaranlagentyps d) ist eine qualifizierte, projektbe - - 20 - zogene Solarberatung, die technische Konzepterstellung und die Erstellung eines Fi- nanzkonzeptes anzubieten. Alternativ bietet sich auch bei diesen größeren Anlagen der „Wärme – Direkt – Service – Plus“ an, d.h. die STW treten als Anlagencontractor auf, um die Hemmschwelle der Kunden zu vermindern. Solaranlagen des Typs e) gibt es zwar schon mehrfach in Deutschland (siehe unten), jedoch kein einziges Solarprojekt in Baden – hier könnte sich die „Badische Resi- denz“ positionieren und zu einer „solaren Modellregion“ werden! Deshalb beginnt die Stadt und der Gemeinderat baldmöglichst mit einem Modellprojekt einer solaren Nahwärmeversorgung und berücksichtigt dies bei der Planung des Bauleitplanes und des nachfolgenden Bebauungsplans. Hierzu werden die STW/ENAKA beratend hinzu- gezogen, die wiederum die Nahtstelle zu wissenschaftlichen Solarinstituten bilden. Um Erfahrung zu sammeln, besichtigen die entsprechenden Dezernenten und die Stadträte gebaute Demonstrationsanlagen der solaren Nahwärmeversorgung. Hier einige deutsche Projektbeispiele mit saisonalem Wärmespeicher: Stadt Inbetrieb- Beheizte Kollektorfläche Solare Wärmekosten in nahme Wohnfläche in m² Ct/kWh (ohne Förderung, in m² ohne MWSt., inkl. Plang.) Hamburg 1996 14.800 3.000 25,7 Friedrichs- 1996 39.500 5.600 15,9 hafen Chemnitz 2000 4.680 540 24,0 Vakuumröhren Neckarsulm 1997-2001 nicht bekannt 6.500 17,2 Hannover 2000 7.365 1.350 41,4 Steinfurt 1998 3.800 510 42,3 Rostock 2000 7.000 1.000 25,5 Attenkirchen 2002 6.200 800 17,0 München 2004 22.610 2.700 16,0 Crailsheim 2004-2007 nicht bekannt 10.000 nicht bekannt Karlsruhe ??????? ????????? ???? ???? Aufgrund der Endlichkeit fossiler Energien und der besorgniserregenden Klimaverän- derungen ist, neben einer konsequenten Energieeinsparung, die Solarenergiegewin - 21 - nung das Gebot der Stunde. Neben der ausgereiften Technik ist auch die Kostenent- wicklung von größeren Solaranlagen der Typen d) und e) erfreulich. Bezogen auf 1 m² sind die Systemkosten der großen Solaranlagen erheblich günstiger als kleine Standardanlagen, und selbst diese werden heute zu erschwinglichen Preisen instal- liert. Freischwimmbäder und Solarenergiegewinnung Mit Hilfe solarer Absorberanlagen, die auf den zur Verfügung stehenden Dächern des Schwimmbades einfach montiert werden, können größere Energiemengen einge- spart werden, weshalb sie nicht nur aus finanzieller Sicht empfehlenswert sind, son- dern auch aufgrund ihres positiven Beitrages zum Schutz der Erdatmosphäre. Es han- delt sich um einfache Solaranlagen, durch deren Solarabsorber das Schwimmbadwas- ser strömt, sobald ein Solarangebot vorhanden ist. Unter der Federführung der ENAKA/STW wird überprüft, inwieweit die Einbindung ei- ner Schwimmbad-Absorberanlage bei den Freibädern - Sonnenbad - Rappenwörtbad - Freibad Rüppurr - Turmbergbad Durlach - Freibad Wolfartsweier möglich ist. Bei positivem Ausgang der Vorauswahl erfolgt für das entsprechende Frei- bad eine Ausschreibung mit nachfolgender Realisierung. Solare Warmwasserbereitung für den Sportbereich Üblicherweise wird nach dem Sporttreiben und dem Schwimmen in den Frei- und Hal- lenbädern geduscht . Große Mengen heißes Wasser werden hierfür allwöchentlich benötigt, die fast ausschließlich durch Verbrennung fossiler Energien bereitgestellt werden. Hier ist eine weitere herausragende Möglichkeit des Klimaschutzes durch die Installation einer thermischen Solaranlage zur Warmwasser-Erwärmung. Aber auch ein psychologischer Aspekt ist dabei von Bedeutung: Durch die praktische Erfahrung - 22 - vieler Menschen wird die Akzeptanz und die positive Einstellung zu den erneuerba- ren Energien erhöht. Denn sie erleben, die Solarenergie kann ohne Komfortein- schränkung genutzt werden, ohne das Weltklima zu belasten und die knappen Ener- gievorkommen zu verbrauchen. Wiederum unter der Federführung der ENAKA/STW werden sämtliche Sportstätten daraufhin überprüft, technische Konzepte und Finanzkonzepte ausgearbeitet und das Gespräch mit den jeweiligen Akteuren gesucht: a) Wildparkstadion – im Blick auf den Neubau! b) Europahalle c) 10 Frei- und Hallenbäder d) 64 Sporthallen e) Zusätzlich haben zahlreiche Vereine in Eigenregie Duschräume in ihren Ver- einshäusern eingerichtet 4.4 Geothermie Die Geothermie, oder Erdwärme, ist die im oberen Teil der Erdkruste gespeicherten Wärme. Sie umfasst die in der Erde gespeicherte Energie, soweit sie entzogen und genutzt werden kann – Sie zählt zu den erneuerbaren Energien. Sie kann sowohl direkt genutzt werden zum Heizen und Kühlen im Wärmemarkt durch Wärmepumpen (siehe unsere Erläuterungen dazu unter 4.2) als auch – im Bereich der Tiefengeothermie - zur Erzeugung von elektrischer Energie in Geothermie-Kraftwerken oder in einer Kraft- Wärme-Kopplungsanlage (Strom + Wärme). Der Oberrheingraben bietet besonders gute geologische Voraussetzungen, was Temperatur, Wärmefluss und Struktur im Untergrund betrifft. Unter den gegen- wärtigen politischen Rahmenbedingungen (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ist eine Wirtschaftlichkeit bei größeren Geothermieanlagen auch in Deutschland in vielen Gebieten erreichbar, besonders im Oberrheingraben. An verschiedenen Standorten sind Projekte in Planung und im Bau und Konzessionen wurden erteilt. Mit Leistungsgrößen bis etwa 50 MW thermisch könnten allein geothermische Heizkraft- werke, dezentral und zahlreich, rund 30 % des deutschen Strombedarfs bereitstel- - 23 - len, wie neuere Studien ergaben. Die für den Betrieb erforderlichen Temperaturen zu erschließen, ist kein technisches, sondern eher ein finanzielles Problem. Obwohl die Geothermie erst vor wenigen Jahren in die Gänge kam, sind dennoch be- achtenswerte Anlagen realisiert worden. Einige Beispiele: Stadt Inbetriebnahme Geothermische Elektrische Leistung Leistung in MW in MW Neustadt-Klewe 2003 6,5 0,23 Bad Urach nicht abgeschlossen 6 – 10 1,00 Offenbach bei 2006/2007 25 - 30 4,80 Landau Riedstadt 2007 21,5 3,00 Speyer 2007? 24 – 50 5,40 Landau 2007-09-22 6,0 3,00 Unterhaching 2007? 30,0 3,00 5. Klimaschutz versus Kohleverstromung Da die Strommonopolisten – und damit auch die EnBW – über hohe Finanzmittel ver- fügen, wäre es aus volkswirtschaftlichen Gründen und wegen der Notwendigkeit des globalen Klimaschutzes dringend erforderlich, dass diese großen Stromkonzerne all- gemein auf dem Sektor der erneuerbaren Energien investieren, und speziell auch im Teilsektor der Tiefengeothermie. Statt im Oberrheingraben ein oder gar mehrere Koh- le-Großkraftwerke zu bauen, wäre das Geld besser bei Geothermie-Kraftwerken und bei geothermischen Blockheizkraftwerken angelegt (neben der Heizenergieeinsparung und der konsequenten rationellen Energieverwendung, wie wir zuvor schon ausgeführt haben). Angesichts der globalen Klimaveränderungen ist es das Gebot der Stunde im Oberrheingraben und der Region Karlsruhe, erneuerbare Energien anzuzapfen, was heißt: Nutzung der Solarenergie und nun auch der Geothermie . - 24 - Die Genehmigung und der Bau von neuen Kohlekraftwerken – und damit auch des geplanten Kohlekraftwerkes RDK 8 mit 900 MW in Karlsruhe – ist aus Grün- den des Klimaschutzes schlicht unverantwortlich und kontraproduktiv. RDK8 verschlimmert den Treibhauseffekt durch den CO2-Ausstoß von bis zu 6.000.000 Ton- nen jährlich. Die Auswirkungen auf die Motivation der Bürgerinnen und Bürger, der Privatunternehmen, des engagierten Karlsruher Verkehrsverbundes und speziell der verantwortungsbewusst handelnden Stadtwerke Karlsruhe (Slogan „Bei uns ist jeder Tag ein Energietag“) und weiterer Stadtwerke in der Region, energiesparend und kli- mabewusst zu handeln, wäre katastrophal! Unverantwortlich wäre die Genehmigung und der Bau auch gegenüber den Menschen, die in der Region Karlsruhe wohnen, weil sich die Luftbelastung weiter verschlechtern würde: Die Feinstaubbelastung würde bis zu 440 Tonnen jährlich zunehmen. Zusätzlich würde das Kohlekraftwerk große Men- gen weiterer Schadstoffe ausstoßen, wie z.B. Schwermetalle, Stickoxide, Dioxine und Furane. Aus diesen Gründen lehnen wir den Bau dieses Kraftwerks ab. Statt in die Energiewirtschaft der Vergangenheit zu investieren, verlangen wir Investitionen in die Energiewirtschaft der Zukunft!!